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Die Suche nach dem richtigen Netzwerkgesetz

Seit dem 1. Oktober ist es nun also in Kraft, das Netzwerkdurch …

Screenshot n-tv.de - Um dem Hass und um Falschmeldungen im Netz Einheit zu gebieten, hat Bundesjustizminister Heiko Maas das Netzwerkdurchsuchungsgesetz vorangetrieben

Nee, n-tv.de*, so heißt das nicht. Kennt Handelsblatt.com den richtigen Namen?

Das von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vorangetriebene Netzwerkdurchsuchungsgesetz, das seit Sonntag in Kraft ist, hat laut OSZE-Repräsentant Harlem Désir möglicherweise eine „abschreckende Wirkung auf die freie Meinungsäußerung“.

Auch nicht. Aber „Wired“* kann uns bestimmt sagen, wie das oft auch als „Facebook-Gesetz“ bezeichnete Gesetz heißt!

Das oft auch als Facebook-Gesetz bezeichnete Netzwerkdurchsuchungsgesetz verpflichtet Online-Netzwerke dazu, schneller auf Beschwerden über Hasskriminalität und andere strafbare Inhalte zu reagieren und betreffende Inhalte zügiger zu entfernen.

Hm. Kann FAZ.net helfen?

Screenshot FAZ.net - Netzwerkdurchsuchungsgesetz - Kritik am Gesetz gegen Hasskommentare

Durch Großbuchstaben wird es auch nicht richtiger. Weiß „Deutschlandfunk Kultur“* vielleicht was?

Screenshot Deutschlandfunk Kultur - Netzwerkdurchsuchungsgesetz - Der Schritt in die Zensur ist nicht weit

Mdr.de?

Der Wirtschaftsjurist Gerald Spindler von der Universität Göttingen sieht in dem „Netzwerkdurchsuchungsgesetz“ des SPD-Politikers gar eklatante Verstöße gegen europäisches Recht.

„Meedia“*?

Facebook wehrt sich gegen das geplante Netzwerkdurchsuchungsgesetz von Heiko Maas

Taz.de*?

Bundesjustizminister Heiko Maas hatte in den vergangenen Monaten mit seinem „Netzwerkdurchsuchungsgesetz“ eine breite Debatte über den richtigen Umgang mit Hass im Netz angestoßen.

„Vice“?

Anlass für die versuchte Besetzung war das sogenannte Netzwerkdurchsuchungsgesetz von Maas.

„Mitteldeutsche Zeitung“?

Screenshot Mitteldeutsche Zeitung - Beschränkt das Netzwerkdurchsuchungsgesetz die Meinungsfreiheit?

„Huffington Post“*?

Hinter dem Titel „Netzwerkdurchsuchungsgesetz“ versteckt sich der Vorstoß von Justizminister Heiko Maas, mit dem er Hass in sozialen Netzwerken bekämpfen will.

„Badische Zeitung“?

Facebook reagiert auf das Netzwerkdurchsuchungsgesetz und baut sein Löschteam aus.

Netzpolitik.org*?

Die Themen, die von der Kollaboration zwischen Kunst und Wissenschaft schon 2016 aufgegriffen wurden, erlangten in den letzten Wochen durch das Ende des NSA-Untersuchungsausschusses, den Staatstrojaner und auch das Netzwerkdurchsuchungsgesetz erneute Brisanz.

„Telepolis“?

Auf der einen Seite wurde der Beschluss zur „Ehe für alle“ bei einem Teil der Bevölkerung mit großer Freude zur Kenntnis genommen wurde, auf der anderen Seite hat das Parlament zur gleichen Zeit noch ein paar Gesetze (Netzwerkdurchsuchungsgesetz; Reform des Wissenschaftsurheberrechts und einheitliche Netzentgelte) durch das Parlament gepeitscht, die für wesentlich weniger Verzückung sorgen werden sobald die breite Masse davon erfährt.

Süddeutsche.de?

Die Bundesregierung hat mit dem Netzwerkdurchsuchungsgesetz Facebook die Löschung von Hasskommentaren überantwortet und dem Konzern eine Richterrolle zugewiesen.

Irgendjemand? BILDblog vielleicht?

Das umstrittene Netzwerkdurchsuchungsgesetz ist besser als sein Ruf, findet Christian Humborg in seiner Kolumne auf „Carta“.

Ugh! Ja, auch wir haben „Netzwerkdurchsuchungsgesetz“ geschrieben statt Netzwerkdurchsetzungsgesetz, wie es richtig heißt — oder in Langform: Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken. Den einst fehlerhaften Artikel haben wir inzwischen korrigiert.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz bringt alle Voraussetzungen mit, um zum neuen „EU-Gericht“ zu werden.

Mit Dank an @Rigolachs für den Hinweis!

*Nachtrag, 6. Oktober: n-tv.de, „Wired“, „Deutschlandfunk Kultur“, „Meedia“, taz.de, „Huffington Post“ und netzpolitik.org haben auf unsere Kritik reagiert und ihre Artikel — mitunter sogar sehr transparent — korrigiert.

Falsches über die Fälscher

Im Internet gibt es momentan ein wenig Aufruhr wegen eines Fotos, das die AfD in einem Flyer zum Thema „Innere Sicherheit im Landkreis Stade“ veröffentlicht hat. Es zeigt eine Person, die gerade dabei ist, mit einer Fahne auf einen auf den Boden fallenden Polizisten einzuprügeln. Was das Foto besonders pikant macht — und vermutlich auch der Grund sein dürfte, warum die AfD es ausgesucht hat: Auf dem Rücken des Prüglers prangt das Logo der „Antifaschistischen Aktion“. Zum Foto schreibt die AfD Stade: „Rechtsstaat am Boden“ und wirbt so für ihre rechtspopulistischen Positionen in Sicherheitsfragen. Eine Quellenangabe für das Bild gibt es nicht.

Nun kann man relativ schnell erkennen, dass es sich dabei um eine schlecht ausgeführte Bildmanipulation handelt und das „Antifa“-Logo lediglich reinmontiert ist. Und mit etwas mehr Aufwand findet man auch heraus, dass die Originalaufnahme (natürlich ohne „Antifa“-Logo) nicht von heute und nicht aus der Region um Stade stammt, sondern aus dem Jahr 2009 und bei Demonstrationen in Griechenland entstand. Urheber ist der Fotograf Milos Bicanski. Die Facebookseite „Hooligans Gegen Satzbau“ hat sich diese Recherchemühe gemacht.

Die durchaus berechtigten Reaktionen im Internet lauten nun in etwa: „Ha, die ‚Lügenpresse‘-Schreier von der AfD nutzen ein manipuliertes Foto, um Stimmung zu machen.“ Medien nahmen sich den Fall ebenfalls vor. Das „Stader Tageblatt“ berichtete sehr früh:

Stern.de sprang auf:

Mopo.de titelte:

Und die „taz“ schrieb auf ihrer Internetseite dazu:

Für die „taz“ ist klar, wer hinter der Bildmanipulation steckt: Lars Seemann, stellvertretender Vorsitzender der AfD Stade:

Auf dem Rücken des Schwarzgekleideten prangt ein Antifa-Logo. Nur, dass das Antifa-Logo da gar nicht hingehört — Seemann hat es per Bildbearbeitung in das Bild geschummelt.

Und damit verstoße die AfD „gleich gegen drei Paragrafen des Urheberrechts“:

Sie verschwieg den Namen des Urhebers, vervielfältigte das Foto ohne das Einverständnis des Künstlers und veränderte es ohne dessen Zustimmung.

Den Namen des Urhebers verschwiegen — völlig korrekt.
Das Foto ohne dessen Zustimmung vervielfältigt — ebenfalls korrekt.
Das Bild verändert — leider falsch.

Denn die „Antifa“-Manipulation ist schon älter als der AfD-Flyer und bereits auf anderen rechten Seiten aufgetaucht (auf eine Verlinkung zu den Knallköpfen verzichten wir bewusst). In einer Stellungnahme auf ihrer Homepage schreibt die AfD Stade, dass es sich bei dem Foto auf dem Flyer um ein „seit Jahren im Weltnetz“ befindliches Bild handele. Wir würden zwar eher „Internet“ dazu sagen, aber im Grunde stimmt die Aussage. Der NDR schreibt:

Tatsächlich stammt die Bildmanipulation nicht von der AfD, sondern wurde schon zuvor von rechtsgerichteten Web-Auftritten verbreitet.

Das ändert natürlich nichts daran, dass die AfD hier gegen Urheberrecht verstößt. Und es ändert auch nichts daran, dass sie auf dubiose Weise ein gefälschtes Foto für ihre populistischen Zwecke einsetzt. Aber es bringt in der nötigen kritischen Auseinandersetzung mit der AfD auch nichts zu behaupten, dass die „Lügenpresse“-Schreihälse ein Foto fälschen, damit selber falschzuliegen und diesen Leuten dadurch neues Futter für eine vermeintliche Medienverschwörung gegen ihre Partei zu liefern.

Mit Dank an Bernd für den Hinweis!

taz.de  

Die „taz“ bestellt ein ACAB-Eis, das der Polizei nicht schmeckt

Es gibt vermutlich keine Redaktion in Deutschland, die bei Bildunterschriften so viel pubertäre Kreatvität an den Tag legt wie die der „taz“.

Hier zum Beispiel:

Oder bei diesem legendären Exemplar:

(2011, inzwischen offline.)

Wegen einer Bildunterschrift aus jüngster Zeit hat die „taz“ jetzt allerdings Ärger mit der Polizei.

Dazu muss man wissen: Wer auf taz.de einen Artikel lesen will, kommt zuerst auf eine Hinweisseite, auf der man gefragt wird, ob man taz.de finanziell unterstützen möchte, dazu ein Foto samt flotter Bildunterschrift. Zum Beispiel so:

Das Portal hat eine Reihe solcher Hinweisseiten mit verschiedenen Fotos und Bildunterschriften im Repertoire, die in zufälliger Reihenfolge erscheinen.

Vor knapp vier Wochen waren auf einem dieser Fotos ein paar Polizisten vor einer Eisdiele zu sehen. Darunter stand:

Welche Kugeln hier bestellt werden? Acht Cookie, Acht Banane.

Acht Cookie, Acht Banane. Kurz: ACAB. Das ist, wie Sie als aufmerksame BILDblog-Leser natürlich wissen, ein türkischer Vorname die Abkürzung für „All cops are bastards“.

Das fand die Polizei Bremen überhaupt nicht lustig und reichte Beschwerde beim Presserat ein. In einem internen Schreiben der Polizei heißt es, dies sei „keine verantwortungsvolle Berichterstattung und kein angemessenes journalistisches Verhalten“. Polizeipräsident Lutz Müller sagte demnach:

Hier werden indirekt und offensichtlich gewollt Polizisten beleidigt und in ihrer Ehre verletzt. Diese Darstellung widerspricht journalistischer Ethik. Das ist für mich nicht akzeptabel und daher wenden wir uns an den Presserat.

Jan Feddersen von der „taz“ hat uns die Geschichte bestätigt. Foto und Bildunterschrift seien Anfang Juli für drei Tage online gewesen. Verantwortlich für den Inhalt sei aber nicht die Redaktion, sondern das „site management“ von taz.de, das mit den „humoristisch gehaltenen“ Bildunterschriften auf den Hinweisseiten „bewusst kleine Irritationen setzen“ wolle, um die Aufmerksamkeit der Leser zu erregen.

Zur Presserats-Beschwerde sagt Feddersen, die „taz“ warte die weitere Entwicklung „in interessierter Gelassenheit“ ab. Die Bremer Polizei wollte die Sache auf Anfrage „weder bestätigen noch dementieren“.

Mit Dank an den Hinweisgeber!

Nachtrag, 11.15 Uhr: Heute hat die „taz“ auf ihrer Titelseite eine Nachricht an die Bremer Polizei untergebracht:

Warum es da nur jeweils sechs sind, wissen wir allerdings nicht.

Nachtrag, 15.25 Uhr: … haben aber die Vermutung, dass es ein Versehen war. Wie uns mehrere Leser geschrieben haben, sind es in einigen Ausgaben nämlich tatsächlich acht. Wahrscheinlich wurde der Fehler zu spät bemerkt und erst in den Zeitungen, die später gedruckt wurden, korrigiert.

Nachtrag, 31. Juli: „taz“-Titelseite heute:

Mit Dank an Dennis und Dominik G.

Nachtrag, 13. Oktober: Nachdem die Polizei Beschwerde beim Presserat eingelegt hatte, durfte die „taz“ Stellung zu der Sache nehmen. Sie schrieb:

Für die Nöte der Bremer Polizei, vor allem im heißen Sommer haben wir Verständnis, ebenso wie für die Tatsache, dass sich unsere Ordnungshüter bei Gelegenheit mit einem Eis erfrischen. Über ihre Präferenzen bei der Eisbestellung können wir allerdings nur Mutmaßungen anstellen, was in der inkriminierten Bildunterschrift deutlich durch ein Fragezeichen ausgedrückt wird.

Dass nun die Beschwerdeführer der Bremer Polizei in die Bestellung „Acht Cookie, Acht Banane“ das ehrverletzende Akronym „All Cops Are Bastards“ hineinlesen, war nicht vorauszusehen. Im Vorfeld hatten wir auf einer Konferenz hier im Hause schon einige Bestellkombinationen verworfen. Zum Beispiel „Limone, Mandarine, Amareno, Aprikose“ (Leck Mich Am Arsch). Auch „Walnuss, Tiramisu, Feige, Himbeer“ (What The Fucking Hell) wollten wir nicht durchgehen lassen, und „Sieben Sahne, Acht Heidelbeer“ (SSAH) kam nicht in Frage, da es sich dabei um ein möglicherweise sittenwidriges Kfz-Kennzeichen handelt.

Wir haben uns deshalb für die Lieblingssorten der diensthabenden Redakteurin, Cookie und Banane entschieden. Da es sich auf dem Bild um vier Personen handelt und eine durchschnittliche Eisbestellung im Hochsommer laut Statistischem Bundesamt etwa vier Kugeln beträgt kam es zu den je acht Cookies und Banane. Dass wir nach den den oben genannten Kombinationen und ihrer Akronyme hier nicht auch noch eine sittenwidrige oder ehrverletzende Abkürzung herauslesen konnten, hatte einen nachvollziehbaren Grund: es war einfach zu heiß.

Der Presserat hat sich nun mit dem Fall befasst und entschied: Da es sich nicht um ein journalistisches, sondern ein Werbeelement handele, sei er nicht zuständig.

In ihrem „hausblog“ schreibt die „taz“, sie werde nun entspannt abwarten,

ob die von einer Eisbestellung so schwer beleidigte Bremer Polizei die Sache weiter und auch noch vor dem deutschen Werberat verfolgen wird, oder ob sich seit dem Abklingen der Hitzewelle auch die Gemüter mittlerweile abgekühlt haben.

Wer den Wal hat, hat die Qual

Fällt Ihnen was auf?

Genau: Der Pottwal (links) und der Blauwal (rechts) könnten glatt Zwillinge sein.

Auch bei taz.de, der „Huffington Post“, bz-berlin.de, Oe24.at und einigen anderen Medien sieht ein toter Pottwal …

… genauso aus wie ein toter Blauwal:

Und bei „RP Online“ ist das sowieso alles dasselbe:

Also beginnen wir am besten grundlegend. Pottwale, liebe Medien, sind keine Blauwale. Andersrum auch nicht.

Der tote Wal, der in Kanada angespült wurde und jetzt zu explodieren droht, ist ein Blauwal. Und er hat nichts mit dem toten Wal zu tun, den eine kanadische Gemeinde bei Ebay versteigern wollte. Der ist nämlich ein Pottwal und sieht so aus.

Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Pottwale haben keine Kehlfurchen.

Mit Dank an Uwe R. und pottwale.de.

taz.de  

Das kommt ihm nordkoreanisch vor

Harald Martenstein möchte nicht, dass wir ihn „den Franz Josef Wagner vom ‚Zeit Magazin'“ nennen. Womöglich hat es Deniz Yücel von der „taz“ auch nicht gefallen, dass wir ihn in einem einzigen Satz schon mit Wagner, Martenstein und Henryk M. Broder verglichen haben. Andererseits hat sich Yücel seinen Platz in der Ruhmeshalle der meinungsstarken, aber faktenschwachen Lautsprecher redlich verdient. Zum Beispiel mit seiner aktuellen Kolumne auf taz.de.

Yücel beginnt gewohnt wortgewaltig:

Professionelle Lügner verfälschen die Realität und manipulieren unser Denken. Wir werden abgelenkt, eingelullt, ruhiggestellt. Man bringt uns dazu, ständig vor dem Fernseher zu sitzen, Klatschmagazine zu lesen und große Mengen giftiger Nahrung zu essen. Wir geben uns jeder neuen Mode und jedem neuen Trend hin. Und natürlich Shopping, immer wieder Shopping. All das dient aber nur dazu, uns zu kontrollieren und zu betäuben, damit die Herrschenden ungestört ihre Kriege führen und ihren imperialistischen Interessen nachgehen können.

Den ganzen nächsten Absatz verwendet er dann darauf, zu erklären, woher diese Thesen nicht stammen („Flugblatt der Ortsgruppe Hildesheim der Linkspartei“, „versprengte Basisgrüne“, „Ökumenischer Kirchentag“, „an der 9/11-Forschung geschulte Internetspinner“, „Zitate aus einem im Nachlass von Stéphane Hessel gefundenen Text“, „Leserbriefschreiber“).

Nein:

All diese Erkenntnisse stammen vielmehr aus einem nordkoreanischen Propagandafilm. Es ist kein Propagandafilm der üblichen Sorte, keine kämpferischen Soldaten, fröhlichen Arbeiter und winkende Kims. Denn in diesem Film geht es nicht um Nordkorea, jenes geheimnisvolle Land, über das Christopher Hitchens einmal geschrieben hat, man habe dort eine neue Spezies von Mensch erschaffen.

Ob dem wirklich so ist, kann niemand überprüfen. Dafür gewährt dieser Film einen Einblick darin, wie die nordkoreanische Staatspropaganda die westliche Welt sieht. Das erstaunliche Ergebnis: Etwa so wie ein guter Teil der Linken in Deutschland und anderswo.

Yücel hat den ersten Teil der deutschsprachigen Synchronfassung des Films bei taz.de eingebettet, beschreibt aber sicherheitshalber noch mal ausführlich, was es dort alles zu sehen gibt:

Der irgendwann zwischen 2009 und 2011 entstandene Film wurde von freiwilligen Helfern erst ins Englische und dann ins Deutsche übersetzt. Er kommt wie eine Mischung aus Videoclip und Dokumentation im History Channel daher; Bilder von vorzugsweise amerikanischen Politikern werden mit Kriegsbildern und Szenen aus der „Konsumwelt“ zusammengeschnitten und natürlich darf auch der Führer nicht fehlen, weil erst durch ihn eine Condoleezza Rice ins rechte Licht gerückt wird. Die Sprache ist kein spätstalinistischer Barock, es fehlt auch der hysterisch-schwülstige Ton, in dem nordkoreanische Nachrichtensprecherinnen gelungene Raketenstests vermelden.

Wie es sich für eine ordentliche Doku gehört, kommt zwischendurch ein Experte zu Wort, dessen Gesicht aber in der Bearbeitung verpixelt wurde – offenbar damit dieser nordkoreanische Borat auch weiterhin unerkannt in Südkorea auf Safari gehen kann. […]

Wie also sehen sie aus, die tatsächlichen Zustände im Westen? Die Propagandisten der Herrschenden haben uns durch ihre Lügen, durch Mode, Musik, Technologie und Sex zu Konsumsklaven verwandelt, die härter und härter arbeiten, um Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen. Drogensüchtige Popstars wie Elvis Presley gehören ebenso zu ihren Machtinstrumenten wie Sneakers und iPhones.

Mit seiner Formulierung vom „nordkoreanischen Borat“ war Yücel der Wahrheit so nahe wie selten, denn der Film mit dem Titel „Propaganda“ ist (ebenso wie „Borat“) eine Mockumentary, eine als Dokumentation getarnte Fiktion, ein Fake.

Auf der offiziellen Website des Films deutet der neuseeländische Regisseur Slavko Martinov dies eher nur an, aber in einem Video-Interview erzählt er, er habe nach einem besonderen Kniff gesucht, um seine Dokumentation über Propaganda außergewöhnlicher zu machen, und sei so auf die Idee gekommen, den Film als fiktive nordkoreanische Dokumentation aufzuziehen.

Seine Wahl sei unter anderem deshalb auf Nordkorea gefallen, weil über das Land (anders als etwa über Kuba oder den Iran) im Rest der Welt so gut wie gar nichts bekannt sei und der Film deshalb nicht so schnell als Fake identifiziert werden konnte. Da der Erzähler von „Propaganda“, ein Bauunternehmer aus Neuseeland, der in Nordkorea geboren wurde, aber inzwischen von der südkoreanischen Gemeinde in Christchurch für einen nordkoreanischen Spion gehalten und ausgegrenzt wird, hat Martinov inzwischen eine Kampagne gestartet, um den Ruf des Mannes zu retten.

All dies hätte Deniz Yücel mit ein paar Minuten Googeln herausfinden können, aber es hätte ihm natürlich seinen schönen Gesinnungsaufsatz mit dem Titel „Wir Linkskoreaner“ kaputtgemacht. Denn nur unter der Prämisse, dass das Video tatsächlich ein nordkoreanischer Propagandafilm ist, kann er den ideologischen Schulterschluss, den er auf Grundlage dieses Films zwischen dem Regime in Nordkorea und „der Linken in aller Welt“ vermutet, beschreiben:

Und spätestens, als im vierten Teil die Gründung des Staates Israel geschildert wird, ein „bösartiges wie unnötiges“ Unterfangen, das die britischen Imperialisten gemeinsam mit den „Rothschild-Zionisten“ ausgeheckt haben, um die arabische Bevölkerung zu kolonialisieren, als – natürlich nicht ohne jüdische Kronzeugen – in Wort und Bild nahegelegt wird, die Israelis seien die Wiedergänger der Nazis und als schließlich erläutert wird, wie Israel den Holocaust dazu ausnutzt, um Kritik an seiner Politik als antisemitisch abzuschmettern, spätestens dann also fragt man sich: Warum nur bleibt die Linke in aller Welt so teilnahmslos angesichts der imperialistischen Bedrohung, der die Genossinnen und Genossen im friedliebenden Nordkorea ausgesetzt sind? Herr Augstein, übernehmen Sie!

Ja. Oder halt irgendein Nervenarzt.

Mit Dank an Peter.

Nachtrag, 6. April: Bereits gestern hat Deniz Yücel seinem Text einen Nachtrag hinzugefügt, den wir gerne vollständig wiedergeben:

Nachtrag: Einige Leser sowie der „Bild-Blog“ behaupten nun, mir sei ein Fehler unterlaufen. Der Film „Propaganda“ sei in Wirklichkeit kein nordkoreanischer Propagandafilm, sondern ein Film des neuseeländischen Regisseurs Slavko Martino [sic!] über Propaganda.

Das ist richtig. Und doch nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich ist die Erzählperspektive als nordkoreanischer Dokumentarfilm, der in einer Umkehrung des Wortes vom „Schurkenstaat“ die westliche Welt als Ansammlung von Schurkenstaaten dämonisiert, fiktiv.

Aber der entscheidende Punkt ist: Was hier dargestellt wird, ist die nordkoreanische Sicht auf die westliche Welt. Man vergleiche beispielsweise die Einlassungen des Films über den Staat Israel mit den Tiraden der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Und man vergleiche beides mit dem Zuspruch, auf den diese propagandistisch verzerrte Sicht in den Kommentaren bei Youtube oder auch bei taz.de trifft. Das Ergebnis ist ein Maß an Übereinstimmung, das auch im Text beschrieben wird.

Regisseur Martino [sic!] sagt, dass er seinen Film als nordkoreanischen Propagandafilm ausgegeben habe, damit der Fake nicht sofort als solcher erkennbar wird. Ob er nur die Funktionsweise von Propaganda darstellen wollte oder sich eine – unter Linken, aber ebenso unter Rechten und religiösen Fundamentalisten – verbreitete Kritik an der kapitalistischen Konsumgesellschaft wenigstens teilweise zueigen macht, ist weniger interessant. Viel interessanter ist, dass der Film durch diesen Trick eben nicht als fiktive Dokumention zu erkennen ist.

Einen Text über einen fiktiven Film zu schreiben und diesen als fiktiv auszuweisen, wäre eine gewöhnliche Besprechung. Aber wenn man einen solchen Film so authentisch darstellt, wie er sich selber gibt, eine gefakte Rezension über eine gefakte Dokumentaion, wird daraus ein soziales Experiment: In den Raum wird die Behauptung gestellt, dass das Denken vieler Linker nicht so weit entfernt ist von der Propaganda einer völkisch-stalinistischen Diktatur wie Nordkorea. Die Überprüfung dieser Behauptung findet in der Realität statt.

Googeln, liebe Erbsenzähler vom „Bildblog“, kann ich genauso gut wie ihr. Deniz Yücel

taz, taz.de  

Immer diese Abschreiber!

Es scheint, als habe das „EU-Gericht“ einen würdigen Nachfolger gefunden:

Auf dem Laufsteg von Pop und Politik stolziert die Riege der Sitzenbleiber. Allen voran Edmund, der Obersitzenbleiber. Ihm folgen Wulff, Westerwelle und Steinbrück. Wowereit ist natürlich immer dabei und nun auch Kretschmann. Man könnte in dieser Riege einen Beweis für die lockere Koppelung von Schulerfolg und Karriere sehen.

So begann Reinhard Kahl („Gründer des Netzwerks der Bildungserneuerer und Lernaufwiegler ‚Archiv der Zukunft'“) vergangenen Dienstag seinen Kommentar in der „taz“, der gestern auch auf taz.de veröffentlicht wurde.

Aufmerksame BILDblog-Leser wissen natürlich längst: Anders, als viele Medien seit Jahren berichten, sind Guido Westerwelle und Klaus Wowereit („natürlich immer dabei“) in ihrer Schulzeit nie sitzengeblieben.

Man könnte in dieser Legende einen Beweis für die Recherchefaulheit von Journalisten sehen.

Mit Dank an Michael F.

taz, taz.de  

Alte Kotze, neu erbrochen

Deniz Yücel hat bei der „taz“ ungefähr den Posten inne, den bei „Bild“ Franz Josef Wagner, beim „Tagesspiegel“ Harald Martenstein und bei der „Welt“ Henryk M. Broder bekleiden: Er pfeift als Kolumnist auf Politische Korrektheit, Logik oder auch einfach nur Fakten, bricht mit Konventionen und in die Tastatur und gefällt sich als Mischung aus Wutbürger, Stammtischgänger und ADHS-Grundschüler.

Vom Deutschen Presserat bekam Yücel im Dezember eine „Missbilligung“, weil er über Thilo Sarrazin geschrieben hatte:

So etwa die oberkruden Ansichten des leider erfolgreichen Buchautors Thilo S., den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.

(Das mit dem „Schlaganfall“ war auch noch sachlich falsch.)

Nach der Landtagswahl in Niedersachsen schreibt Yücel heute einen Abgesang auf den vermutlich scheidenden Innenminister Uwe Schünemann, den er, wie es so seine Art ist, mit „Tschüss, Kotzbrocken!“ überschrieben hat.

Yücel bezeichnet Schünemann als „beste[n], weil dümmste[n] Innenminister der westlichen Welt“ und führt aus:

Ob Handyverbote für Terroristen, Bundeswehreinsätze gegen Killerspiele oder Fußfesseln für Schulschwänzer, ob Nachtischverbot für Stützeempfänger, Arbeitsdienst für Fünfjährige oder Hymnenpflicht für Blogger – keine Forderung, die zu absonderlich oder zu faschistoid gewesen wäre, als dass Schünemann im Laufe seiner zehnjährigen Amtszeit sie nicht erhoben hätte oder bei der man hätte sicher sein können, dass er sie nicht noch irgendwann erheben würde.

Wer das zweifelhafte Vergnügen hatte, Anfang Juli 2012 Yücels Kolumne über den niedersächsichen Innenminister Uwe Schünemann lesen zu müssen, könnte an dieser Stelle ein Déjà-vu erlitten haben, denn damals hatte Yücel geschrieben:

Ob Handyverbote für Terroristen, Bundeswehreinsätze gegen Killerspiele, Fußfesseln für Schulschwänzer, Knast für Fünfjährige, Nachtischverbot für Stützeempfänger – keine Forderung, die nicht zu abwegig oder autoritär wäre, als dass Schünemann sie nicht schon erhoben hätte oder sie nicht noch erheben würde.

Wenig später fährt Yücel heute fort:

„Lieber ein harter Hund als ein Warmduscher“, sagte er über sich und bekannte sich, um auch mal so etwas wie eine menschliche Seite zu zeigen, zu seiner „Leidenschaft für Gummibärchen“.

Vor einem halben Jahr klang das bei ihm so:

„Lieber ein harter Hund als ein Warmduscher“, sagt er über sich. Und um sich auch mal von einer menschlichen Seite zu zeigen, bekennt er sich auf seiner Homepage zu seiner „Leidenschaft für Gummibärchen“ – und spätestens jetzt weiß man, dass die einzige Leidenschaft, zu der so einer fähig ist, der präfaschistische Furor des entfesselten Kleinbürgers ist.

Heute witzelt Yücel vor sich hin:

Doch während andere niedersächsische Politiker später Karriere machten und Bundesminister (Trittin, von der Leyen), Bundesvorsitzende (Rösler, Gabriel), Bundeskanzler (Schröder) oder Wulff (Wulff) wurden, blieb Schünemann in Niedersachsen.

Im Sommer hatte er geschrieben:

Er hadert damit, dass andere niedersächsische Politiker später Karriere machten. Sie wurden Bundesminister (Trittin), Bundeskanzler (Schröder) oder Wulff (Wulff). Nur Schünemann blieb, was er immer war. Und seit dort eine Frau Ö. oder Ü. am Kabinettstisch sitzt, ist er nicht einmal mehr der bekannteste niedersächsische Minister der Welt.

Sogar den – auf Aygül Özkan bezogenen – Umlaut-Kalauer hat er heute an anderer Stelle noch einmal aufgewärmt:

Denn der war kein Dutzendminister in der deutschen Provinz; er ist auch nicht so leicht zu ersetzen wie die andere (zumindest in Fachkreisen) halbwegs bekannte niedersächsische Ministerin, für die sich gewiss eine andere Frau Ö. oder ein Herr Ü. finden lassen wird.

Nun ist es nicht so, dass Deniz Yücel seine gesamte Kolumne aus dem Juli 2012 recycelt hätte: Ein paar Passagen hat er nicht wiederholt — vielleicht, weil er sie zuvor schon einmal wiederholt hatte.

So schrieb er vor einem halben Jahr:

Doch Schünemann genügt sein toller Job in Niedersachsen und die Freizeit, die er im Sportschützen-Club Holzminden vielleicht auch mit ein paar Betriebsräten von VW verbringt, nicht.

Also ziemlich genau das, was er schon im Januar 2006 in der „Jungle World“ in einem Text über Schünemann geschrieben hatte:

Doch Uwe Schünemann (CDU) genügen sein toller Job in Niedersachsen und die Freizeit, die er im Sportschützen-Club Holzminden, vielleicht auch mit ein paar Betriebsräten von VW verbringt, nicht.

„taz“, 2012:

Vielleicht wird seiner Ehefrau Ines im Supermarkt hinterhergetuschelt: „Die Ärmste, ihr Mann ist schon bald 50 und immer noch nur Landesminister!“ – „Wie sie das bloß aushält?“ – „Wenn meiner immer nur so was bliebe, würde ich die Kinder nehmen und gehen.“

Darum gibt Schünemann alles, damit sich seine Frau Ines (47) und die Kinder Milena (17) und Timo (13) nicht für den Papi (sie dürften ihn alle drei so nennen) schämen müssen.

„Jungle World“, 2006:

Mög­lichweise wird im Supermarkt hinter seiner Ehefrau getuschelt: „Die Ärmste, ihr Mann ist nur Landesminister!“ – „Wie sie das aushält?“ – „Wenn meiner immer nur sowas bliebe, würde ich die Kinder nehmen und gehen.“

Doch Schünemann gibt alles, damit sich seine Ehefrau Ines (40) und die Kinder Timo (6) und Milena (10) für den Papa (vermutlich werden alle drei ihn so nennen) nicht schämen müssen.

So gesehen ist Deniz Yücel doch nicht der Broder oder Wagner, sondern nur der Wolfram Weimer der Linken.

Mit Dank an Michael F. und ungeruehrt.

Alle verrügt geworden

Die Beschwerdeausschüsse des Deutschen Presserats tagten diese Woche in Berlin und sprachen anschließend drei öffentliche Rügen, eine nicht-öffentliche Rüge, acht Missbilligungen und 17 sogenannte Hinweise aus.

Die nicht-öffentliche Rüge erging an Bild.de für die Berichterstattung über einen Jagdunfall. Ein Jäger hatte einen Mann für ein Wildschwein gehalten und versehentlich erschossen, Bild.de zeigte bei der Berichterstattung ein Foto des Opfers, das nach Ansicht des Presserats nicht hätte gezeigt werden dürfen.

Einen schweren Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte eines Opfers sah der Beschwerdeausschuss bei der Münchener „tz“ gegeben, die bei der Berichterstattung über ein Familiendrama den Vornamen, die Adresse, den Beruf und die Herkunft des Opfers genannt und sein Foto gezeigt hatte. Dafür erhielt die Zeitung eine öffentliche Rüge.

Eine solche gab es auch für die „Wetzlarer Neue Zeitung“, die nach dem Autounfall eines ehemaligen Handball-Nationalspielers fälschlicherweise berichtet hatte, dieser sei zu Tode gekommen. Am Tag danach berichtigte sie sich und erklärte, der Mann habe den Unfall überlebt, aber schwere Hirnverletzungen erlitten. Auch das war allerdings falsch. Der Presserat sah darin einen schweren Verstoß gegen die Ziffer 2 des Pressekodex, die Journalisten auffordert, Informationen sorgfältig auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Die „Maßnahmen“ des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine „Missbilligung“ ist schlimmer als ein „Hinweis“, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die „Rüge“. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Schließlich gab es auch noch eine öffentliche Rüge gegen die Online-Ausgabe des „Münchner Merkur“, die in ihrer Rubrik „Outdoorteil der Woche“ positiv über eine Stirnlampe berichtet und dabei Preis und Website des Herstellers genannt hatte. Der Beschwerdeausschuss sah die Grenze zur Schleichwerbung überschritten, da „ohne erkennbare redaktionelle Begründung eine einzelne Lampe aus einer Palette ähnlicher Produkte hervorgehoben wurde“.

In seiner Pressemitteilung erwähnt der Presserat auch einen Text von Deniz Yücel auf taz.de, zu der 25 Beschwerden eingegangen waren. In seiner Kolumne „Besser“ hatte Yücel unter der Überschrift „Der Ausländerschutzbeauftragte“ über einen Mann namens „Thilo S.“ geschrieben: „[…] dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.“ Der Beschwerdeausschuss hielt es „für unvereinbar mit der Menschenwürde, jemandem eine schwere Krankheit oder Schlimmeres zu wünschen“ und sprach eine „Missbilligung“ aus.

Ja, bloß eine „Missbilligung“, keine „Rüge“ (s. Kasten). Und damit kommen wir zu den Mediendiensten, die über die neuesten Entscheidungen des Presserates berichteten:

"Bild.de" und "taz.de" handeln sich Rügen ein

dwdl.de titelt zwar fälschlicherweise von einer „Rüge“ für taz.de, bekommt es im Artikel selbst aber richtig hin und schreibt dort von einer „Missbilligung“.

Presserat: Rügen für taz.de und Bild.de

meedia.de war bei der Aufbereitung richtig glücklos und spricht in Überschrift und Text von einer „Rüge“.

Mit Dank an Florian G.

Nachtrag, 16.15 Uhr: „Meedia“ hat seine Überschrift in „Presserat: Rügen für Bild.de und TZ“ geändert und den Artikel überarbeitet:

Anmerkung:
In einer früheren Version dieses Textes stand fälschlicherweise, dass die taz eine Rüge kassiert hätte. Das war falsch und wurde korrigiert.

dwdl.de spricht in der Überschrift (und im Vorspann, wie uns erst jetzt aufgefallen ist) immer noch von einer „Rüge“ für taz.de.

2. Nachtrag, 17.10 Uhr: Jetzt lautet die Überschrift bei dwdl.de „Presserat nimmt sich u.a. ‚Bild.de‘ und ‚taz.de‘ vor“ und auch im Vorspann ist jetzt von der „Missbilligung“ die Rede.

Slumdog Billionaire — Jetzt erst recht

Unter Journalisten scheint ein irrsinniger Wettbewerb ausgebrochen zu sein, wer das „teuerste Haus der Welt“ in Mumbai am höchsten taxiert.

Vor fast einem Jahr lag der Preis für das Privathaus des indischen Milliardärs Mukesh Ambani bei rund einer Milliarde Dollar (damals rund 760 Millionen Euro), was schon ein sehr unrealistischer Preis war (BILDblog berichtete).

Vergangene Woche erhöhte heute.at auf eine Milliarde Euro, was nicht eben realistischer war (BILDblog berichtete auch da).

In nur wenigen Tagen muss es eine wahre Kostenexplosion gegeben haben.

Blick.ch ist heute jedenfalls bei umgerechnet 1,6 Milliarden Euro angekommen:

Ein indischer Milliardär baut sich einen Mega-Palast. Einen modernen Wolkenkratzer, 27 Stockwerke hoch. Für umgerechnet mehr als zwei Milliarden Franken!

Doch diese Zahl ist lächerlich im Vergleich zu dem, was taz.de schon gestern geboten hat:

Teuerstes Wohnhaus der Welt: 
Eine Luxus-Ruine in Mumbai. Mukesh Ambani will nicht mehr. Nachdem er zwei Milliarden Euro für sein neues Haus ausgegeben hat, zieht er nun doch nicht ein. Schuld soll sein Aberglaube sein.

Wenn die Entwicklung anhält, wird der Preis des Hauses noch vor Weihnachten das Staatsdefizit der USA übersteigen.

Mit Dank an Autoresponder, Dennis und Patrick P.

taz.de  

Ziemlich viel Unfux

Anlässlich des runden Jubiläums blickt taz.de auf die 20-jährige Geschichte des Betriebssystems Linux zurück:

20 Jahre kostenloses Betriebssystem Linux Nichts für "Power-User" Als Linus Torvalds 1990 in einem Diskussionsforum sein eigenes Betriebssystem ankündigte, hielt er es selbst noch für eine Spielerei. Nun wird Linux 20 Jahre alt.

Schon die Überschrift und der Teaser lassen allerdings erahnen, dass der Artikel nicht so ganz ausgegoren ist. Zum einen wird Linux durchaus gerade von sogenannten „Power-Usern“ in Abgrenzung zum „Otto-Normal-User“ genutzt, zum anderen kündigte der Macher von Linux sein Betriebssystem nicht 1990, sondern 1991 an. Dann kommt man auch auf die 20 Jahre.

Dieser Fehler wiederholt sich auch im Artikel:

Am 25. August 1990 kündigte Linus Torvalds in einem Diskussionsforum des Usenet an, er habe sich ein eigenes Betriebssystem entwickelt (…). Am 17. September 1990 erblickte Linux 0.01 das Licht der Welt und wurde Interessierten auf einem Server zum Download angeboten.

Weiter geht’s mit der Entstehung von Linux:

Torvalds sprach: Es werde ein Kernel. Und es wurde ein Minix. Der Schöpfer sah, dass der Programmiercode gut war und benannte Minix wenig später in Linux um.

Allein, Linux ist keineswegs aus dem Betriebssystem Minix, das auch heute noch existiert, entstanden, sondern wurde von Torvalds anfangs unter dem Namen „Freax“ komplett neu entwickelt. Minix wiederum wurde nicht von Torvalds, sondern von Andrew S. Tanenbaum entwickelt, der Linux sogar kritisierte („Linux is obsolete“).

Der Autor schreibt weiter:

97 Prozent der Weltbevölkerung, die einen Computer haben, nutzen Linux nicht. (…) Erklären könnte das niemand.

Bill Gates hat es versucht. 2001 verlautbarte Microsoft, Linux sei ein „Krebsgeschwür“ und Open Source, also Software, deren Code öffentlich zugänglich, überprüfbar und nachbaubar ist, zerstöre das geistige Eigentum.

Tatsächlich stammt der Spruch mit dem „Krebsgeschwür“ von Microsoft-CEO Steve Ballmer und nicht von Bill Gates.

Auf alle diese Fehler weisen auch zahlreiche Kommentatoren seit Tagen hin — bislang vergeblich.

Mit Dank an Andreas T. und Michael W.

Nachtrag, 22:21 Uhr: Die hier angesprochenen Fehler wurden inzwischen korrigiert. Zusätzlich hat der Autor folgenden launigen Kommentar unter seinem Artikel hinterlassen:

Also nee…take a stress pill and think things over. Natürlich ist die Jahreszahl 1990 falsch, es muss 1991 heißen (das kommt davon, wenn man nachts um drei noch arbeitet und deswegen keinen Kaffee trinken will).

Ich nutze Debian seit 2004 (http://www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=3351) und Ubuntu seit 2005 (http://www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=5073)
(Fotos als Beweis). Die Leute, die mir unterstellen wollen, ich hätte davon keine Ahnung, sollten sich zurückhalten.

Es gibt noch ein paar Stellen im Artikel, die im Erbsenzähler-Modus falsch klingen. Linux ist ein Kernel. Schön, gut und wahr. Aber dann muss man noch dem gefühlt Internet-affinen Oberstudienrat erkläre, was das ist. Nein, ich bleibe dabei: Linux ist ein Betriebssystem, volkstümlich formuliert.

Das MaxIntosh-Betriebssystem heisst MacOs? Ahem. Muss man das wissen? Ich arbeite ja auch damit, aber muss man das so sagen? „The Macintosh (pronounced /ˈmækɨntɒʃ/ mak-in-tosh), or Mac, is a series of several lines of personal computers designed, developed, and marketed by Apple Inc“. Ich bin dann für pars pro toto und sage lieber Mac.

Minix. Dann hätte ich besser FreaX schreiben sollen. Um überflüssige Streiterein zu vermeiden, sollte der Satz gelöscht werden.

Love and peace!

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