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Ein Zwischenruf zur sogenannten „Mutter aller Bomben“

Liebe Medien,

die Amerikaner haben ihre größte konventionelle Bombe mit 8.000 Kilogramm Sprengstoff über Afghanistan abgeworfen. Der erste Einsatz dieser Bombe überhaupt. (In einem Land, in das Bundesinnenminister Thomas de Maizière immer noch abschieben will, weil er es für sicher hält. Aber das nur nebenbei.)

Tut uns bitte in der Berichterstattung den Gefallen und übernehmt nicht gedankenlos die Kriegsrhetorik der US-Streitkräfte: Der Begriff „Mutter aller Bomben“ ist testosterondampfende Militär-Poesie und eine unangemessene Trivialisierung und Bagatellisierung eines Kriegsaktes.

Abgesehen davon bringen Mütter nicht den Tod, sondern schenken Leben.

Euer Lorenz Meyer

Möglicher Missbrauch als Clickbait

Uns ist ja schon einiges begegnet in Sachen Clickbait: Clickbait mit Krebskranken, Irrsinnswiederholungsclickbait, die inzwischen ganz normale Klickjagd von „Bravo“, „Focus Online“ und all den anderen Portalen, die ihre Leserinnen und Leser gern ein wenig hinhalten, bis diese mal erfahren, was wirklich passiert ist (und ob überhaupt irgendwas passiert ist).

Dieser Versuch der „Huffington Post“, die Klickrate ein bisschen hochzuschrauben, ist aber so erbärmlich, dass er aus dem ganzen Clickbait-Stumpfsinn negativ heraussticht:

Jeden Morgen schleicht sich der Vater ins Zimmer seiner Tochter - sie ahnt nicht, was er dort tut

In dem Artikel geht es nicht — wie man durchaus erst einmal denken könnte — um einen Vater, der seine Tochter sexuell missbraucht. Stattdessen erzählt die „Huffington Post“ unter anderem vom „allmorgendlichen Ritual“ eines Mannes, der sich sehr liebevoll um seine Tochter kümmerte, als diese unter Magersucht litt. Die britische „Daily Mail“ veröffentlichte die Geschichte bereits vor 15 Monaten, die „Huffington Post“ plapperte sie vor gut einer Woche nach:

Ihr Vater Steve entwickelte mit der Zeit ein allmorgendliches Ritual: Nachdem er aufgestanden war, schlich er sich in ihr Zimmer und überprüfte, ob seine Tochter noch atmete.

„Manchmal saßen wir einfach nur auf dem Boden neben ihrem Bett, um bei ihr zu sein. Wir konnten nichts machen“, sagt er.

Das österreichische Knallportal oe24.at fand die Idee der „Huffington Post“ wohl so gut, dass es vor drei Tagen nachzog und die gleiche, schon über ein Jahr alte Story mit einer peinlich ähnlichen Clickbait-Überschrift ebenfalls veröffentlichte:

Ihr Vater schleicht sich jeden Tag ins Zimmer - doch sie ahnt nicht, was er dort macht

Bei der Wahl ihrer Titelzeilen scheint es beiden Portalen einzig um Klicks zu gehen, und nicht darum, der Leserschaft zu vermitteln, wovon die Artikel in etwa handeln. Das Schleich-Ritual des Vaters ist schließlich nur ein Seitenaspekt, der kaum etwas mit dem eigentlichen Thema — dem Kampf und der Genesung der Tochter — zu tun hat.

Gut möglich, dass einige Leserinnen und Leser gar nichts dagegen haben, derart getäuscht zu werden. Jedenfalls hinterlassen sie bei Facebook solche Kommentare:

Der Titel ließ erst etwas anderes erahnen. Nicht nur ich, auch andere Leute dachten erst es hätte was mit Vergewaltigung oder so zutun. Aber einglück ist dies ja nicht so. Tolle Geschichte, tolle Familie und soviel Stärke 💕

Mit Dank an Sven W. und Thomas A. für die Hinweise!

Sigmar Gabriel hält sich nicht an die von „Bild“ vorgegebene Kandidatur

Es kommt nicht häufig vor, dass die „Bild“-Medien so transparent mit einem Fehler umgehen:

Seit heute steht fest, dass Sigmar Gabriel nicht als SPD-Kanzlerkandidat in den anstehenden Bundestagswahlkampf ziehen wird. Der „Stern“ und „Die Zeit“ berichteten als Erste darüber — ein schöner Scoop.

Bild.de hatte — wie im Screenshot oben steht — am 9. Januar unter Berufung auf interne Parteikreise geeilmeldet und getitelt:


Einen Tag später gab es in „Bild“ dann noch das volle Programm obendrauf: Riesenschlagzeile auf Seite zwei …

… und einen Brief von Franz Josef Wagner, der Sigmar Gabriel seine Bewunderung ausspricht, dass dieser sich tapfer „als Kanzlerkandidat der SPD“ zur Verfügung stellt:

Andere Nachrichtenseiten zogen nach und beriefen sich dabei — mehr oder weniger deutlich — auf die „Bild“-Medien. Die „Huffngton Post“ beispielsweise:

Oder „RP Online“:

Oder „Focus Online“:

Oder die „B.Z.“:

Und selbst das Team von stern.de, das sich aktuell zusammen mit den Print-Kollegen völlig zurecht für die Enthüllung des Gabriel-Rückzugs feiern lässt, übernahm vor zwei Wochen noch die „Bild“-Geschichte:

Auch die Nachrichtenagenturen berichteten, und so fand man den „Bild“-Fehler fast überall. Am 7. Januar, also zwei Tage vor der falschen Gabriel-Geschichte, feierte „Bild“ übrigens auf der Titelseite einen „Riesenerfolg für BILD“:

Die Spitzenposition im „ZITATE-RANKING!“ kommt nicht nur, aber auch daher, dass andere Medien Quatsch von „Bild“ immer wieder ungeprüft übernehmen.

Dass Bild.de und Chefredakteur Julian Reichelt sich jetzt entschuldigen ist gut und verdient Respekt. Ad hoc fallen uns nur zwei Situationen ein, in der Reichelt ähnlich transparent reagiert hat: Als Bild.de mal bei einem „Tagesanzeiger“-Autoren ganze Passagen geklaut hatte, bat der Bild.de-Chef per Twitter um Entschuldigung; als Bild.de mal bei einem Zitat von Günter Wallraff eine nicht ganz unwesentliche kritische Stelle einfach weggelassen hatte, räumte Reichelt per Twitter einen Fehler ein. Gut möglich, dass es noch ein paar weitere Situationen geben mag. Wahnsinnig viele dürften es allerdings nicht sein.

Bei einer ganz ähnlichen Geschichte wie jetzt bei Sigmar Gabriel gab es zum Beispiele keine ähnliche Reaktion: „Bild“ und Bild.de behaupteten Anfang Oktober vergangenen Jahres, dass Frank-Walter Steinmeier auf keinen Fall für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren werde:

Wenn heute Mittag die Spitzen von CDU, CSU und SPD im Kanzleramt zum Koalitionsgipfel zusammenkommen, wird es KEINE Einigung auf einen gemeinsamen Vorschlag geben. Vielmehr werden die zwei prominentesten Kandidaten aus dem Rennen genommen.

Der in fast allen Umfragen beliebteste Anwärter, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (60, SPD), wird nicht aufgestellt, weil Kanzlerin Angela Merkel (62, CDU) klar sagt: DER NICHT!

Als dann rauskam, dass SPD und CDU Steinmeier doch als Kandidaten nominieren, gab es keine Korrektur der „Bild“-Medien, keine Entschuldigung von Julian Reichelt. Der falsche Artikel ist unverändert online.

Doch zurück zur Kanzlerkandidatur bei der SPD. Inzwischen steht fest, dass Martin Schulz für seine Partei als Spitzenkandidat bei der kommenden Bundestagswahl antreten wird.

Der „Spiegel“ und „Spiegel Online“ berichteten noch vor wenigen Wochen, Ende 2016, dass Schulz es nicht werden wird. Der „Spiegel“ titelte etwas zurückhaltender:

„Spiegel Online“ etwas deutlicher:

Und Bild.de übernahm die Geschichte und titelte ganz sicher:

Auch auf diese falsche Schlagzeile reagieren „Bild“ und Bild.de nicht mit einer Richtigstellung. Dafür ist aber am frühen Abend die von Julian Reichelt angekündigte Aufarbeitung des Bild.de-Fehlers im Gabriel-Fall erschienen:

Warum? Ganz einfach: Sigmar Gabriel und seine Sprunghaftigkeit sind schuld:

Tatsächlich begleiten Gabriel seit jeher Vorwürfe, er sei politisch sprunghaft und persönlich nicht immer berechenbar. Dass er sich in der für die SPD so lebenswichtigen Frage der Kanzlerkandidatur auch kurzfristig noch einmal umentscheiden würde — vielleicht hätte auch BILD das ahnen können oder gar müssen.

Bei Personalien rund um Kanzlerkandidaturen hat „Bild“ wirklich immer wieder doofes Pech.

Bild.de macht Sigmar Gabriel zum Kanzlerkandidaten

Schon gut möglich, dass Sigmar Gabriel SPD-Kanzlerkandidat wird. In Interviews und Gastbeiträgen in verschiedenen Publikationen präsentiert er derzeit Grundpositionen seiner Partei zu voraussichtlichen Wahlkampfthemen. In TV-Reportagen zeigt er sich als Privatmann. Er bringt sich auf verschiedenen Kanälen in Stellung. Nur: Offiziell festgelegt hat sich Gabriel noch nicht.

Bild.de meldet aktuell:


Im „Bild plus“-Artikel klingt es dann aber doch noch nicht so sicher wie auf der Startseite. Es klingt auch nicht so, als würde hinter der Schlagzeile eine Entscheidung von Sigmar Gabriel stecken, sondern die der „Bild“-Autoren Rolf Kleine und Hans-Jörg Vehlewald:

Noch hält er sich bedeckt: SPD-Chef Sigmar Gabriel (57) will erst Ende Januar sagen, ob er als Kanzlerkandidat antritt.

Doch BILD legt sich schon jetzt fest: ER MACHT‘S!

Dass sich erstmal nur „Bild“ offiziell festgelegt hat, hält andere Medien nicht davon ab, die Nachricht aufzugreifen und weiterzuverbreiten. Die „Huffington Post“ beispielsweise:

Oder „RP Online“ mit leichter Distanzierung:

Dass Rolf Kleine und Hans-Jörg Vehlewald Gabriels angebliche Kandidatur verkünden, ist nicht uninteressant — beide haben eine SPD-Vergangenheit. Kleine war Sprecher von Peer Steinbrück, als dieser 2013 Kanzlerkandidat war. Vehlewald arbeitete im Presse- und Kommunikationsteam des SPD-Bundesvorstands.

Das könnte nun dafür sprechen, dass sie, dank ihrer SPD-Insider-Infos, mit ihrer Einschätzung richtigliegen. Allerdings hatte Rolf Kleine erst vor wenigen Monaten bei einem anderen Spitzenpolitiker der Partei völlig danebengegriffen: Zusammen mit seinem „Bild“-Kollegen Ralf Schuler schrieb er Anfang Oktober, dass Frank-Walter Steinmeier auf gar keinen Fall als Kandidat für das Bundespräsidentenamt aufgestellt werden wird:

Wenn heute Mittag die Spitzen von CDU, CSU und SPD im Kanzleramt zum Koalitionsgipfel zusammenkommen, wird es KEINE Einigung auf einen gemeinsamen Vorschlag geben. Vielmehr werden die zwei prominentesten Kandidaten aus dem Rennen genommen.

Der in fast allen Umfragen beliebteste Anwärter, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (60, SPD), wird nicht aufgestellt, weil Kanzlerin Angela Merkel (62, CDU) klar sagt: DER NICHT!

Inzwischen steht fest, dass die Große Koalition Frank-Walter Steinmeier als Kandidaten bei der Wahl am 12. Februar ins Rennen schickt.

Mit Dank an Boris R. für die Hilfe!

Nachtrag, 25. Januar: Fortsetzung und Auflösung (Überraschung: Sigmar Gabriel wird gar nicht SPD-Kanzlerkandidat) hier.

Hauptsache die Überschrift knallt

Bei der „Huffington Post“ wissen sie sehr genau, wie man Leser auf die Seite lockt — in Sachen Clickbait und verdrehte Überschriften gehört die Redaktion zu den ganz Großen in Deutschland.

Vor zwei Tagen ist bei dem Portal ein Text von Shams Ul-Haq erschienen, in dem es um Flüchtlinge und die Gefahr einer Radikalisierung in Flüchtlingsheimen geht. Ul-Haq hat zu dem Thema ein Buch geschrieben, sein Beitrag bei der „Huffington Post“ ist ein Auszug daraus. Für seine Recherchen hat sich der Journalist nach eigener Aussage in 35 Flüchtlingsheime in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeschleust.

Zwei Umstände, so Ul-Haq, machten es radikalen Islamisten besonders einfach, in Flüchtlingsunterkünften Muslime als neue Anhänger zu gewinnen. Da wäre einmal das Essen: In vielen Unterkünften gebe es keine halal-zertifizierte Nahrung. In diese Kerbe „schlagen nun islamische Fundamentalisten“:

Diese nutzen nämlich die im Prinzip leicht zu lösende Misere um den passenden Speiseplan für die tausenden Flüchtlinge in deutschen und europäischen Erstaufnahmelagern, indem sie diesen Menschen suggerieren, hinter der vermeintlich unüberlegten Nahrungsauswahl stecke ein ganz perfides System.

Die Christen, so behaupten diese Fundamentalisten, planen, alle Muslime in den Flüchtlingscamps mürbe zu machen, um sie dann zum christlichen Glauben zu konvertieren. Dabei gehen diese Extremisten ausgesprochen subtil vor. Eingeschleuste Fundamentalisten verwickeln in den Camps die ohnehin schon frustrierten Bewohner in zunächst arglose Gespräche, um dann in geschickter Weise die Unterhaltung auf das Essenangebot zu lenken.

Er selbst habe solche Szenen häufiger gesehen, so Ul-Haq.

Der zweite Aspekt, den die Fundamentalisten bei ihrer Rekrutierung in den Flüchtlingsheimen nutzten: fehlende Gebetsräume.

Während meiner Undercover-Einsätze in verschiedenen Flüchtlingsheimen in Europa fand ich derartige „Einrichtungen“ nur in zwei Fällen vor: in Berlin und im bereits vorhin erwähnten Stegskopf-Daaden. In allen anderen Flüchtlingscamps und ähnlichen Einrichtungen gab es schlichtweg keine Gebetsräume.

Soweit in aller Kürze. Shams Ul-Haq bietet dann noch Lösungsvorschläge, wie man radikalen Islamisten das Anwerben erschweren könnte. Alles in allem also ein brauchbarer Bericht.

Wäre da nur nicht die effektheischende Überschrift, die die „Huffington Post“ dem Artikel gegeben hat:

Alles für ein paar mehr Klicks. Rechte Kräfte nehmen die Schlagzeile ganz bestimmt dankend auf.

Mit Dank an Lara F. für den Hinweis!

Für Sie geklickt (13)

Kurz vor dem Wochenende haben wir unserer Clickbait-Taskforce noch einmal losgeschickt, um nachzuschauen, was hinter den vollmundigen Ankündigungen in Teasern und verlockenden Schlagzeilen steckt. Durch diesen Einsatz können Sie Lebenszeit und Gehirnzellen sparen und sind trotzdem bestens informiert.

Heute: die vergangenen Tage bei der „Huffington Post“.

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Schafen oder Aliens.

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Yoga.

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Seine Freundin fing plötzlich an zu schweben. Könnte aber auch nur ein Fake sein.

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115.

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Hinter ihr schwamm ein Hai.

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Auf dem Zettel lädt das Restaurant alle obdachlosen und älteren Menschen zu einem Drei-Gänge-Menü ein, damit sie an Weihnachten nicht alleine essen müssen.

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„Industrieschnee“, der entstehe, wenn Wasserdampf aus Schornsteinen von Industrieanlagen bei niedrigen Temperaturen aufsteigt.

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Ein Meteorit ist in die Erdatmosphäre eingedrungen und verglüht.

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„Weightless“ von „Marconi Union“.

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Starke Führungspersönlichkeiten.

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1. „Du durftest nicht ins Internet, wenn Deine Mutter einen wichtigen Anruf erwartet hat.“
2. „Du hast die Telefonrechnung gesprengt, weil Du zu lange in Chatrooms unterwegs warst.“
3. „Das originale ‚Tamagotchi‘ war ausverkauft, deshalb hast Du nur die Billigkopie bekommen.“
4. „Du hast einen Film aus der Videothek ausgeliehen und musstest ihn erstmal zurückspulen.“
5. „Dabei hattest Du doch gar keine Zeit, denn Du musstest den Film am Samstag vor 0 Uhr zurückgeben, sonst musstest Du die Leihgebühr bis Montag zahlen.“

… ach, schenken wir uns den Rest.

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Hat Spaß gemacht, wäre aber nichts auf die Dauer.

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Sie müssen bis zu 119 Euro zahlen, wenn sie in einem Auto rauchen, in dem auch Kinder sitzen.

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Auf dem Foto sitzt ein Kojote neben dem Jungen. Der war aber nur per Photoshop eingefügt.

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Ein anderer Junge plant dort einen Amoklauf. Ist allerdings nur ein Aufklärungsvideo.

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1. „Sie denken schneller“.
2. „Bei Entscheidungen bewerten Linkshänder Informationen auf der linken Seite positiver“.
3. „In einigen Sportarten sind Linkshänder besser als Rechtshänder“.
4. „Die Gehirne von Linkshändern ordnen Gefühle auf andere Weise“.
5. „Linkshänder sind häufig die kreativeren Denker“.

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Verkleidete Menschen.

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Goldbarren und Münzen im Wert von 250.000 Euro.

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Erst beängstigend, dann gut.

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Beten.

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Lieber zu Hause bleiben.

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Na, warum wohl?!

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Bitte. Keine Ursache.

Für Sie geklickt (10)

Unsere AntiClickbaitTaskforce ist wieder durchs gesamte Internet gezogen, um zu überprüfen, was hinter den großen Versprechen in Schlagzeilen und Teasern tatsächlich steckt. Der Vorteil für Sie: Durch unsere Zusammenfassungen sparen Sie Lebenszeit und die eine oder andere Gehirnzelle.

Heute: die vergangenen Tage bei der „Huffington Post“.

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„Entschuldigung?“

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Seine eigene Mutter, die sich für eine TV-Serie als junge Frau verkleidet hat.

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Versuchen, den Türsteher zu bestechen.

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Er gibt sich als Freundin der Braut aus und schreibt in einer „WhatsApp“-Gruppe mit den anderen Junggeselinnenabschiedteilnehmerinnen. Dann fliegt sein Schwindel auf.

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Dem sogenannten „Kotzhügel“.

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Neun Euro.

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1. Immer an der selben Stelle beginnen.
2. Unkonzentriert sein.
3. Zahnseide vergessen.
4. Kreisbewegungen.
5. Eine zu alte Zahnbürste verwenden.

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Drei Stunden vorher nichts mehr essen.

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Die Haare auf dem Vorderkopf sollen ausfallen.

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Mannheim.

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Dass er erstmal einen Mann heiraten solle, wenn er denke, dass man seine sexuelle Orientierung so einfach ändern könne. Sie ist nämlich seit sieben Jahren mit ihrer Ehefrau verheiratet.

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In dem Umschlag war eine 60 Zentimeter lange Königspython.

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Er nahm es auf den Arm und ging den Gang im Flugzeug ein wenig auf und ab.

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Sich mit dem Labrador anzufreunden.

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Mehrere brasilianische Wanderspinnen.

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Ameisen.

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In ihren Brillengläsern spiegelt sich ihr Computermonitor, auf dem eine Website mit Sexspielzeug zu sehen ist.

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„Großes fettes Mädchen“, dachte die Mutter. Nach einiger Aufregung stellt sich aber raus: Stimmt gar nicht — in Wirklichkeit stand dort „Großes fites Mädchen“.

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1. Gesättigte Fettsäuren.
2. Multimedia-Multitasking.
3. Google.
4. Zu viel Zucker.
5. Expertendenken.
6. Schlechter Schlaf.
7. „Huffington Post“ lesen. Körperliche Anstrengung.

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Riesige Kürbisse.

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Grüne Verpackung — rote Verpackung. Sonst nix.

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Bitte. Keine Ursache.

Für Sie geklickt (6)

Wir haben unsere Clickbait-Taskforce wieder für Sie losgeschickt, um herauszufinden, was hinter den großen Ankündigungen in Titel und Teaser wirklich steckt. So sparen Sie Lebenszeit und Gehirnzellen.

Heute: das vergangene Wochenende auf der Facebookseite der „Huffington Post“.

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Einen Hund.

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Weil sie und ihre Familie die Giraffe zuvor erschossen hatten.

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Dass ihre Kinder sie oft angucken.

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Die Supermarktkette hat Weinflaschen mit Plastikbechern ins Sortiment aufgenommen.

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Ihre Halskette.

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Rhabarber, Kartoffeln, Rote Beete, zu viel Muskatnuss, zu viele Keimlinge, Auberginen, Holunder, Bohnen, Wildpilze, grüne Tomaten.

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„Ich liebe Dich, Batman!“

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Die „11 Marken“ sind dann doch nur vier:
1. „Amazon“
2. „Kölner Zoo“
3. „Tour de France“
4. „Toblerone“

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Sie hat weniger Augenringe und weniger Falten.

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Das Foto geriet in die falschen Hände und tauchte auf einer Website für Leute auf, die es scharf finden, sich Fotos von Schwangeren anzuschauen.

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Das Wort „Fatty“.

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Salz, Thymian, Basilikum, Oregano, Selleriesalz, schwarzer Pfeffer, getrockneter Senf, Paprikapulver, Knoblauchsalz, gemahlener Ingwer und weißer Pfeffer.

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Bikini.

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Weil auch auf dem Toilettenpapier Keime sein können.

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Etwa 226.000 Euro im Jahr.

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Ignorieren, zurechtweisen, genervt reagieren.

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Sie machen ein Selfie auf Bahngleisen. Dann kommt ein Zug angerast. Ist aber nur ein Video der „Deutschen Bahn“ zur Abschreckung.

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1. Sie wissen, was sie wollen.
2. Sie klammern nicht.
3. Sie kriegen alles hin.
4. Sie haben Verständnis.
5. Sie sind sexy.
6. Sie lieben.
7. Sie spielen keine Spielchen.

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Pornos.

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Die Frage war eigentlich eine Aufgabe: Die Tochter sollte eine Tube Zahnpasta auf einen Teller ausdrücken und es dann schaffen, die Zahnpasta wieder zurück in die Tube zu bekommen. Klappte natürlich nicht. Das sollte symbolisieren, wie wichtig es ist, vorher über seine Worte und Taten nachzudenken. Oder so.

Bitte. Keine Ursache.

Das Phantom der Burka

Manchmal gibt es gute Mittwoche. Dann spricht Heinz Buschkowsky beispielsweise darüber, warum er „aus dem Fahrrad-Club ausgetreten“ ist, oder er erzählt von der Sprengung eines alten Sendemastes. Viel öfter aber gibt es schlechte Mittwoche. Nämlich immer dann, wenn der Ex-Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln in seiner „Klartext“-Kolumne bei „Bild“ über irgendwas schreibt, das mit dem Islam oder mit Muslimen oder beidem zu tun hat. Heute ist so ein schlechter Mittwoch.

Buschkowsky greift für seinen aktuellen Text die Diskussion ums „Burka-Verbot“ auf. Und schon in der Überschrift wird klar, wie er dazu steht:

Als ich den Londoner Stadtteil Whitechapel besuchte und auf dem Wochenmarkt fast ausschließlich umgeben war von Burka tragenden Frauen, versetzte es mich in eine surreale Gefühlswelt.

„Scotty, beam mich zurück!“, hätte ich am liebsten gerufen. „Hol mich zurück in die britische Hauptstadt.“ So stark war die Botschaft dieses Kleidungsstücks für mich. Genauso erging es mir immer wieder beim Anblick von Burkaträgerinnen auf den Straßen Neuköllns. Als käme einem eine andere Welt auf dem Bürgersteig entgegen.

Nun weiß ich nicht, was Buschkowsky alles in Whitechapel gesehen hat. Ich verbringe aber seit gut drei Jahren ziemlich viel Zeit in Neukölln, gar nicht weit von Heinz Buschkowskys früherem Arbeitsplatz, dem Rathaus Neukölln. In dieser Zeit ist mir keine Person in Burka begegnet. Klar, Frauen im Niqab sieht man immer mal wieder, vielleicht jeden dritten Tag eine oder zwei. Aber in einer Burka? Keine einzige in drei Jahren.

Vielleicht kennt Heinz Buschkowsky ganz andere Neuköllner Ecken als ich und begegnet andauernd Burka-Trägerinnen. Vermutlich meint er aber einfach gar nicht die Burka, sondern eben den Niqab, einen Schleier, der ebenfalls viel verhüllt, im Gegensatz zur Burka aber meist die Augen freilässt. Später in seiner Kolumne erwähnt Buschkowsky den Niqab auch noch einmal explizit. (Um das Vokabular noch etwas zu ergänzen: Der Tschador und der Hidschab sind noch mal andere Kleidungsstücke.)

Mit dem Durcheinanderwürfeln der Begriffe ist Heinz Buschkowsky nicht allein. Die „Bild“-Redaktion hat seinen Artikel zum „Burka-Verbot“ mit einer Niqab-Trägerin bebildert:

Und auch in den vergangenen Tagen wollten oder konnten die „Bild“-Medien kein Foto einer Burka-Trägerin in Deutschland auftreiben und veröffentlichen. Sie zeigen immer nur Frauen, die in einer anderen Variante verschleiert sind:


(„Bild“ vom 12. August)

(„Bild“ vom 13. August)

(Bild.de vom 14. August)

(„Bild“ vom 17. August)

Schaut man sich die derzeitige Berichterstattung zum „Burka-Verbot“ an, wird man das Gefühl nicht los, dass es nicht besonders viele Frauen hier in Deutschland gibt, die eine Burka tragen. Wenn Eric Markuse in „Bild“ kommentiert: „Die Burka gehört nicht zu Deutschland“, will man ihm am liebsten antworten: Es gibt sie hier anscheinend ja auch so gut wie gar nicht.

Natürlich darf man der Meinung sein, dass auch der Niqab problematisch ist, und nicht nur die Burka, sondern Vollverschleierung im Allgemeinen verboten werden sollte. Aber dann sollte man nicht von einem „Burka-Verbot“ sprechen, nur weil es griffiger ist als „Niqab-Verbot“ oder „Verbot der Vollverschleierung“. Es geht hierbei schließlich nicht um einen Olympiasieger aus Vietnam, den man im Boulevardstil schnell mal „Pistolen-Vietnamesen“ nennen kann. Es geht um eine Debatte, die in letzter Konsequenz bedeutet, dass einem Teil der Bevölkerung verboten wird, ein bestimmtes Kleidungsstück anzuziehen. Und bei einem derartigen Eingriff ins Privatleben dieser Leute sollte es doch möglich sein, die richtigen Vokabeln zu benutzen.

Doch so, wie die meisten Medien aktuell berichten, dürfte sich das falsche Vokabular in der Gesellschaft etablieren. „Focus Online“ berichtet über das „Burka-Verbot“ und zeigt Niqab-Trägerinnen:

Die „Huffington Posts“ berichtet über das „Burka-Verbot“ und zeigt Niqab-Trägerinnen:

Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über das „Burka-Verbot“ und zeigt eine Niqab-Trägerin:

Genauso „Zeit Online“, „NWZ Online“, augsburger-allgemeine.de. Die Auswahl ist beliebig und ließe sich noch lange fortführen. Manche Redaktionen zeigen Fotos von Burka-Trägerinnen in Afghanistan. Aber ein Bild einer Frau in Burka in Deutschland hat offenbar noch keine von ihnen gefunden.

Im Fernsehen sieht es nicht besser aus. Ein Beispiel: ein Beitrag im „Sat.1-Frühstücksfernsehen“ von gestern über „Burkas in Garmisch: So reich machen Araber die Region!“ In den 4:57 Minuten sind zwar einige verschleierte Frauen zu sehen, aber keine einzige trägt eine Burka. Manche von ihnen tragen sogar lediglich einen Hidschab:

Bei meiner Suche nach Bildern von Burka-Trägerinnen in Deutschland bin ich am Ende dann doch noch fündig geworden: Bei sueddeutsche.de sind zwei Personen zu sehen, beide in einer Burka verhüllt, eine kleine Deutschlandfahne ist auch noch zu erkennen — Volltreffer. In der Bildunterschrift steht:

Wie fühlt man sich mit einer Burka? Besucher einer Ausstellung im Kunstverein Wiesbaden konnten das im Jahr 2012 ausprobieren.

Wie „Bild“ mit „Sex-Mob-Alarm“ Vorlagen für rechte Hetzer liefert

Die Geschichte, um die es hier geht, ist zwar bereits zwei Wochen alt. Da sie aber einmal mehr zeigt, wie „Bild“ und Bild.de mit unsauberen Recherchen Rechtspopulisten und Internethetzern Vorlagen liefern, wollen wir sie dennoch aufgreifen.

Am 3. beziehungsweise 4. Juli erschienen diese Artikel bei Bild.de (hinter einer Paywall) und „Bild“:


Die Düsseldorf-Ausgabe hatte die Geschichte sogar auf der Titelseite angeteasert:

Das „Geheimpapier“ ist eine internes Dokument der Düsseldorfer Polizei. Darin geht es vor allem um Verhaltensregeln für Polizeibeamte, die bei künftigen Sexualdelikten die Beweisaufnahme verbessern und spätere Identifizierungen ermöglichen sollen: Telefonnummern der Beschuldigten sollen aufgenommen werden, genauso tatsächliche Aufenthaltsorte und die Beschreibung der getragenen Kleidung oder körperlicher Merkmale. Außerdem sollen, wenn möglich, Fotos von den Verdächtigen gemacht werden.

In dem Dokument stehen neben diesen Handlungsanweisungen für Polizisten aber auch einige Sätze zu Art und Anzahl von sexuellen Übergriffen. Und auf die stürzten sich die „Bild“-Medien:

Laut eines Geheimpapiers gibt es immer mehr sexuelle Übergriffe in Badeanstalten, bei denen gleich mehrere Täter ihr Opfer bedrängen, begrapschen und missbrauchen.

In einer internen Mail an ihre Kollegen schreiben die Beamten vom Kriminalkommissariat 12, zuständig für Sexualdelikte und Vermisstenfälle: „Das KK 12 stellte dar, dass die Sexualstraftaten einen enormen Anstieg verzeichnen. Insbesondere die Tatbestände Vergewaltigung und sexueller Missbrauch von Kindern in den Badeanstalten schlagen hier ins Gewicht.“ Die Täter seien „zum größten Teil Zuwanderer“.

Klar, über solche Missstände muss berichtet werden.

Wäre nur gut, wenn man auch konkrete Zahlen hätte, die den „enormen Anstieg“ bestätigen. Und die liefern „Bild“ und Bild.de vorerst nicht.

Dennoch sprangen andere Medien auf die „Bild“-Schlagzeile auf. Welt.de zum Beispiel:

Oder die „Huffington Post“:

Selbst in Großbritannien wurde berichtet, vom Knallblatt „Daily Mail“:

Besonders heftig hat der „Bayernkurier“, das Polterorgan der CSU, das Thema aufgegriffen:

Redakteur Wolfram Göll schreibt:

Ein Problem, von Medien, Verantwortlichen und manchen Behörden lange verharmlost und von linken Politikern mit einem Sprechverbot belegt: moslemische Zuwanderer, meist aus Afghanistan, Pakistan, Marokko, aber auch Syrien, dem Irak und anderen moslemischen Ländern, stellen in deutschen Schwimmbädern Jugendlichen nach, oft minderjährigen Mädchen, aber auch Buben, um sie sexuell zu missbrauchen.

In vielen Schwimmbädern wurden mittlerweile verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, aber manche sprechen immer noch von Einzelfällen. Wie viele „Einzelfälle“ sexuellen Missbrauchs braucht es, damit die Politik reagiert?

Es gab allerdings auch Medien, die nicht blind der Geschichte von „Bild“ und Bild.de gefolgt sind, sondern recherchiert haben, allen voran die „Rheinische Post“. Die Redaktionen haben bei der Polizei nachgefragt, bei der „Deutschen Gesellschaft für Badewesen“, bei örtlichen Schwimmbadbetreibern.

Die Ergebnisse für Düsseldorf in Bezug auf sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe:

2014: sieben Anzeigen
2015: 17 Anzeigen
2016: bis Anfang Juli acht Anzeigen

Das soll der „enorme Anstieg“ sein, den „Bild“ und Bild.de in die Welt gesetzt und aufgrund dessen sie den „Sex-Mob-Alarm“ ausgerufen haben.

Wohlgemerkt: Hierbei geht es erstmal nur um Anzeigen, nicht um Verurteilungen. Und: Die Taten, die als Sexualdelikte angezeigt werden können, sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von penetrantem Beobachten und Fotografieren in der Umkleidekabine übers Grapschen bis zu Vergewaltigungen. Nichts davon ist zu verharmlosen und jeder Vorfall muss verfolgt werden, aber es besteht eben doch einen Unterschied in der Schwere der Tat. Und: Diese Zahlen sagen noch nichts darüber aus, ob sich die Anzeigen „zum größten Teil“ gegen Zuwanderer richten. In ganz Nordrhein-Westfalen, auch das hat die „Rheinische Post“ recherchiert, gab es im laufenden Jahr 103 Anzeigen wegen Sexualdelikten, davon 44, bei denen die Beschuldigten Zuwanderer waren.

Die „Berliner Zeitung“ hat bei Polizeistellen in ganz Deutschland nachgefragt. Von „einem massiven Anstieg sexueller Übergriffe in Schwimmbädern“ könne in keinem Bundesland die Rede sein. Selbst Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft und Urheber der These „Mehr Verkehrstote durch Flüchtlingskrise“, versucht im Artikel zu deeskalieren: „‚Wir sprechen hier nicht von einem Massenphänomen.'“

Wie kommen „Bild“ und Bild.de dann auf die Bedrohung des deutschen Badevergnügens?

Ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei erklärte noch am Montag, dem Erscheinungstag der „Bild“-Geschichte zum „Geheimpapier“, gegenüber dem WDR:

„Die Übergriffe in der Silvesternacht haben die Statistik nach oben getrieben, denn das Papier bezog sich auf die Gesamtzahl von Sexualdelikten.“

Und eben nicht nur auf Vorfälle in Schwimmbädern. Die etwas unklare Formulierung in dem Polizeidokument hatte die „Bild“-Redaktion anscheinend falsch interpretiert.

Wir haben ebenfalls bei der Polizei Düsseldorf nachgefragt: Warum hat man nicht auch schon „Bild“ die Fallzahlen mitgeteilt? Das hätte schließlich die alarmistische Überschrift verhindern können. Eine Sprecherin sagte uns, dass die „Bild“-Anfrage am Sonntag reingekommen sei. Da sei man nicht in der Lage, entsprechende Zahlen zu recherchieren. Am Montag sei das dann kein Problem gewesen. So lange wollten die „Bild“-Medien aber offenbar nicht warten.

Als die Zahlen dann am Montag bekannt wurden, veröffentlichten sie auch Bild.de und die Düsseldorf-Ausgabe von „Bild“:


Gut, dass „Bild“ und Bild.de einen klärenden Artikel nachgeliefert haben.

Blöd, dass der „Sex-Mob“-Ursprungsartikel da schon fest im Gedankengut rechter Dumpfbacken verankert war:






Mit Dank an Martin und Boris R.!

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