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Brangelinas schwere Trennkost

Es sind besonders rührende Momente, wenn die „Bild“-Zeitung gelegentlich den Eindruck zu erwecken versucht, dass es ihr wichtig sei, ob die Sachen auch stimmen, die sie so druckt.

So schrieb der frühere Popjournalist Alexander von Schönburg, der heute für „Bild“ täglich die erste letzte Seite füllt, vor zwei Wochen an die „lieben Leser“:

Die Gerüchte um Brad Pitt und Angelina Jolie ernähren seit Monaten eine ganze Industrie. Bücher, Zeitschriften, Internet-Blogs. Wir haben darauf verzichtet, jedes neue Gerücht zu verbreiten.

Und das stimmt ja auch. „Bild“ und „Bild am Sonntag“ haben garantiert nicht jedes neue Gerücht verbreitet, vermutlich noch nicht einmal jedes alte. Nur, zum Beispiel, diese:

Sehr verliebt: Angelina Jolie (33) und Brad Pitt (45)
(10. Januar 2009)

Dunkle Wolken über der Beziehung von Brad Pitt und Angelina Jolie. Wie das US-Magazin „Star“ berichtet, soll die Schauspielerin ihren Lebensgefährten mit einem Kindermädchen im Bett erwischt haben. Jolie soll daraufhin ausgerastet sein und Pitt geschlagen haben.
(15. März 2009)

Angelina Jolie (33) plant, ein indisches Kind zu adoptieren.
(1. April 2009)

Schauspielerin Angelina Jolie (33) ist bei den Dreharbeiten zu ihrem neuen Film „Salt“ zusammengebrochen. (…) Angeblich isst Jolie morgens und abends nichts. Grund dafür soll eine Beziehungskrise mit Brad Pitt (44) sein.
(8. April 2009)

Angelina Jolie (33) soll im dritten Monat schwanger sein (…).
(17. April 2009)

Hat die überschlanke Angelina Jolie (33, hat sechs Kinder, davon drei leibliche) nur eine Erbse zu viel genascht oder ist da gar Nachwuchs unterwegs?
(19. April 2009)

Pfeifen Sie auf die Gerüchte! Brad Pitt (45) und Angelina Jolie (33) haben keine Liebeskrise. Nein, SIE ist nicht schwanger. Hier sehen wir den Fotobeweis – das Paar beim stinknormalen, gemeinsamen Family-Einkauf.
(22. April 2009)

Die Gerüchte verdichten sich: Laut der neuen Ausgabe der US-Zeitschrift „InTouch“ haben sich Angelina Jolie (33) und Brad Pitt (45) getrennt. Grund dafür sei Brads angebliche Wiedervereinigung mit seiner Ex-Frau Jennifer Aniston (40). Der Beweis für das erneute Aufflammen der Beziehung: Brad trägt wieder eine Kette, die er von Jennifer vor Jahren geschenkt bekommen hat.
(9. Mai 2009)

BILD: Wollen Sie die Trennungsgerüchte kommentieren?
Er ist ein schöner Mann mit gesunder Haut, aber müden, blauen Augen.
Brad: „Was soll ich sagen? Wir verfolgen das nicht! Wir lesen das nicht! Das hat mit Wahrheit nichts zu tun.“
(23. Mai 2009)

Läuft da wieder was [bei Jennifer Aniston] mit Brad Pitt? Angeblich kriselt es zwischen ihm und Angelina Jolie. Angeblich traf er sich gerade mit Jen in New York. Nun strahlt sie wie frisch verliebt.
(14. Juni 2009)

Ein glückliches Paar sieht anders aus, oder? Bei der „Inglourious Basterds“-Premiere in Hollywood zeigten sich Brad Pitt (45) und Angelina Jolie (34) mal wieder recht uneinig: Sie wollte schon zum roten Teppich stöckeln, er lieber am Auto bleiben. Ihr genervter Blick spricht Bände, er hält sie trotzdem am dürren Ärmchen fest. Die Frage, über die derzeit ganz Amerika tuschelt, ist wohl: Wie lange halten sich die beiden noch gegenseitig fest?
(16. August 2009)

Die sechsfachen Eltern Angelina Jolie (34) und Brad Pitt (45) träumen von zwei weiteren Kindern. Ein Baby möchten sie adoptieren. Eins möchte Jolie selbst austragen.
(17. Oktober 2009)

Angelina Jolie (34) will ein Kind aus Syrien adoptieren. Brad Pitt (45) soll nach Angaben des „OK!Magazin“ nicht begeistert sein.
(12. November 2009)

Nach einem Streit mit Brad Pitt (45) soll Angelina Jolie (34) einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. Angeblich wiegt die Schauspielerin nur noch 50 Kilogramm.
(13. November 2009)

Angelina Jolie & Brad Pitt: Ist ihre Liebe am Ende? (…) Angeblich nervt Brad an Angelina hauptsächlich ihr krankhafter Kontrollwahn. Selbst die bevorstehende Trennung wird generalstabsmäßig geplant. Sie soll der Öffentlichkeit als „freundschaftlich“ verkauft werden.
(30. November 2009)

Ausgerechnet an dem Tag, an dem in Amerika das Enthüllungsbuch „Brangelina — The Untold Story“ auf den Markt kam, zeigten sich Brad Pitt (45) und Angelina Jolie (34) demonstrativ zutraulich. In dem Buch wird ihre Beziehung als zerrüttet beschrieben. Und wie reagieren die beiden? Sie wählten das Restaurant „Dolce Vita“ in Beverly Hills für ihren Ausflug. Das angesagteste Lokal der Stadt. Mit Paparazzi-Garantie. Eine raffinierte Methode, böse Gerüchte zu dementieren.
(3. Dezember 2009)

Nachdem „Bild“ all diese Gerüchte über Angelina und Pitt nicht ignoriert hatte, fand Alexander von Schönburg, dass „Bild“ die Gerüchte über Angelina und Pitt nicht länger igorieren könnte, und schrieb also:

Die Gerüchte um Brad Pitt und Angelina Jolie ernähren seit Monaten eine ganze Industrie. Bücher, Zeitschriften, Internet-Blogs. Wir haben darauf verzichtet, jedes neue Gerücht zu verbreiten. Aber jetzt schreibt auch die „Times“ darüber. Und langsam glauben auch wir: kein Rauch ohne Feuer.

Das mit der „Times“ war der „Bild“-Zeitung ganz doll wichtig. Sie titelte auf Seite 1: „Angelina Jolie & Brad Pitt: Alles aus!“ und erwähnte in dem Artikel das Blatt, das sie „die seriöse Londoner ‘Times’“ nennt, immer wieder als Quelle:

Die „Times“ nennt auch die Trennungsmodalitäten. Pitt und Jolie hätten sich darauf geeinigt, das in den letzten fünf Jahren (die Dauer ihrer Beziehung) verdiente Vermögen zu teilen. Jeder bekommt knapp 40 Millionen Euro. Auch das Sorgerecht der sechs Kinder (drei adoptierte, drei leibliche) soll geteilt werden.

Laut „Times“ kam es Anfang Januar nach einem lautstarken Streit in dem New Yorker Restaurant „Alto“ zum endgültigen Bruch. Seitdem sind die beiden nicht mehr gemeinsam aufgetreten. (…)

Die „Times“ berichtet, Pitt habe versucht, Jolie zu psychiatrischer Behandlung zu überreden. Sie leide seit drei Jahren unter Depressionen. Jolie wiederum hasse es, dass Pitt regelmäßig Marihuana rauche.

Und das alles berichtet die „seriöse ‘Times’“? Ja und Nein. Die „Times“ (genauer: die „Sunday Times“) hat nur nacherzählt, was ihr unseriöses Schwesterblatt „News of the World“ unter Berufung auf „ungenannte Quellen“ geschrieben hat. Für jede einzelne der Behauptungen, die ihr „Bild“ zuschreibt, gibt die „Sunday Times“ entweder die „News of the World“ oder das berüchtigte halbseidene US-Magazin „National Enquirer“ als Quelle an.

Ist das nicht süß? Die „Bild“ verlässt sich bei wirklich wichtigen Themen wie dem Liebesleben von Angelina Jolie und Brad Pitt nicht mehr auf Boulevardzeitungen, sondern nur noch auf Zeitungen, die sich auf Boulevardzeitungen verlassen.

Die Anwälte von Jolie und Pitt haben jetzt angekündigt, rechtlich gegen die „News of the World“ vorzugehen. Deren Bericht, den alle abgeschrieben haben, stelle erstens eine Verletzung ihrer Privatsphäre dar und sei zweitens: falsch.

PS: Wir hier bei BILDblog haben keinen blassen Schimmer, ob Jolie und Pitt in Wahrheit zusammen sind oder nicht und aus welchem Land das nächste Kind stammen wird, das sie adoptieren werden oder nicht, falls Jolie wieder schwanger ist oder nicht. Das ist etwas, das wir mit „Bild“ gemein haben.
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Ein bisschen angereichert

Die Leserschaft von „Bild“ muss dieser Tage zweifelsfrei den Eindruck gewinnen, die Welt stehe ganz unmittelbar vor einem Atomkrieg im Nahen Osten — wenn, ja wenn die USA, Israel und die Weltgemeinschaft dem als „Irren von Teheran“ verschrieenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad (für „Bild“ eindeutig ein „Diktator“) nicht bald den Krieg erklärten.

Von Tag zu Tag überschlagen sich „Bild“ und Bild.de mit neuen und immer schriller werdenden Alarmmeldungen, Skandalnachrichten und vermeintlichen Insiderberichten, angereichert mit immer bedrohlicher klingendem Zahlenmaterial zu Urananreicherung und zu Sprengkopftechniken.

So erklärt „Bild“ heute etwa:

Der Irre von Teheran entsetzt die Welt

Am Morgen (…) befahl Diktator Ahmadinedschad grinsend im Staatsfernsehen die Herstellung hochangereicherten Urans: „Beginnen Sie die 20-Prozent-Anreicherung!“

Damit steht für Experten endgültig fest: Der Iran will die Bombe! Um jeden Preis!

Nun ist keineswegs ausgeschlossen, dass Ahmadinedschads Regierung die Herstellung von Atomwaffen plant. Und selbstverständlich ist die fehlende Bereitschaft der iranischen Behörden zur Kooperation mit der Internationalen Atomenenergieorganisation IAEA höchst beunruhigend, vor allem angesichts der innen- und regionalpolitischen Instabilität.

Aber: Die medial inszenierte Anweisung Ahmadinedschads, nun Uran auf 20 Prozent anzureichern, ist keineswegs ein Indiz dafür, dass der Iran „jetzt“ und „um jeden Preis“ eine Atombombe entwickeln wollen würde. Ganz davon abgesehen, dass zu einer Atombombe neben dem Willen auch ein gerüttelt Maß an Know-How gehört, über das der Iran nach seriösen Einschätzungen zumindest bislang noch nicht verfügen soll.

Interessanterweise ist das auch „Bild“ bekannt: Zehn Zentimeter neben dem Wort „20-Prozent-Anreicherung“ darf nämlich der umstrittene Allround-Experte Michael Wolffsohn in einem Interview erklären, dass erst „hochangereichertes Uran (85%)“ eine Atombombe ermögliche. (Wobei der Historiker hinzufügt, dass der Iran seine Fabriken nutzen wolle, um das 20-prozentige Uran „heimlich weiter anzureichern — für Atomwaffen“ und somit die Atombombe „in etwa einem Jahr“ haben werde).

Auch bei Bild.de klärt ein Kasten auf:

Was bedeutet die jetzt angekündigte Uran-Anreicherung auf 20 Prozent?

Die Anreicherung auf 3,5 Prozent für den Einsatz in Kernkraftwerken kann der Iran inzwischen selbst bewerkstelligen. Für den Einsatz in medizinischen Reaktoren – etwa für die Krebstherapie – wird ein Anreicherungsgrad von 20 Prozent benötigt. Uran gilt dann bereits als hoch angereichert.

Es wird befürchtet, dass der Iran in einer weiteren Stufe Uran noch höher anreichern könnte, um schließlich Atombomben bauen zu können. Dafür ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent erforderlich.

Deshalb will die Weltgemeinschaft schon die niedrigere Anreicherung nicht im Iran selbst zulassen, sondern im Ausland aufbereitetes Uran liefern.

All dieses Wissen hielt „Bild“ aber nicht davon ab, die Sachlage abzukürzen:

Irans Diktator Mahmud Ahmadinedschad hat Befehl gegeben, hochangereichertes Uran zur Entwicklung von Atomwaffen im eigenen Land herzustellen.

Mit Dank an Eagle.

Frau zu sein bedarf es wenig

Jedes Jahr veröffentlicht das Halbnackt-Magazin „FHM“ das Ergebnis einer Leserumfrage zu den „100 unsexiesten Frauen der Welt“. Die „FHM“-Redaktion scheint einen Weg gefunden zu haben, die Kollegen der üblichen Online-Trash-Portale dazu zu zwingen, über diese (laut FHM-Chefredakteur Christian Kallenberg „mit einem Augenzwinkern“ zu verstehende) Umfrage zu schreiben — gerne mit dem Hinweis, das dazugehörige Magazin sei jetzt am Kiosk zu haben.

Auch Bild.de berichtet heute über die Liste. Und mal davon ab, dass Lilly Kerssenberg, deren Hochzeit mit Boris Becker im vergangenen Jahr von „Bild“, „Bild am Sonntag“ und Bild.de groß begleitet wurde, plötzlich wieder „Boris Beckers ebenso sympathische wie hübsche Freundin“ ist, kann man sich bei Bild.de nicht so recht mit der Liste (deren Plätzen 1 bis 50 prima als Klickstrecke taugen) anfreunden.

Besonders das Entsetzen über Platz 2 ist groß:

Außenminister auf Platz 2 der "unsexiesten Frauen" der Welt: Männermagazin FHM beleidigt Guido Westerwelle!

Neben dem Auftauchen vieler Frauen, darunter die „Bild“-Darlings Heidi Klum („eine natürliche Schönheit“) und Sandy Meyer-Wölden („die schöne Freundin von Oliver Pocher“), kann Bild.de vor allem eines nicht verstehen:

Auf Platz 13 wieder ein männlicher Kandidat: Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz (20). Offenbar ist für das Magazin und manche seiner Leser jeder, der nicht dem gängigen Klischee eines Mannes entspricht, gleich eine Frau.

Und das geht natürlich nicht an, dass das Magazin und manche seiner Leser Bill Kaulitz als Frau bezeichnen, nur weil er nicht dem gängigen Klischee eines Mannes entspricht.

Diese Aufgabe kommt schließlich immer noch „Bild“ zu:

Bill Fraulitz: Wie sieht Tokio-Bill denn jetzt aus?

Blonde Spitzen, zweifarbig lackierte Fingernägel und ein umwerfendes fliederfarbenes Augen-Make-up. Schönes Mädchen, oder?

Nein, im absoluten Girlie-Look zeigte sich Bill Fraulitz – Entschuldigung! – Kaulitz (19) von „Tokio Hotel“ am Samstagabend.

Mit Dank an noir, Rainer T. und Maria.

Nachtrag, 8. Februar: Boris Beckers „ebenso sympathische wie hübsche Freundin“ Lilly Kerssenberg ist inzwischen auch von Bild.de zu seiner Ehefrau erklärt worden.

Immer mehr Artikel über Hartz-IV-Betrüger!

Hinweis/Korrektur: Den hier besprochenen Artikel hatten wir ursprünglich fälschlicherweise „Bild“ zugeschrieben. Es handelt sich um einen Text der Nachrichtenagentur AFP, der unter anderem bei Bild.de erschienen war.

Wir haben den Eintrag entsprechend geändert und bitten um Entschuldigung.

Am 2. Februar schrieb Bild.de:

Bundesagentur registriert fast 165 000 Fälle! - Immer mehr Hartz-IV-Betrüger

Der Text, der darauf folgt, stammt von der Nachrichtenagentur AFP und war von ihr unter der Überschrift „‘SZ’: Missbrauch von Hartz IV nimmt zu“ verbreitet worden. Es geht also um einen Artikel der „Süddeutschen Zeitung“, der sich wiederum auf Zahlen der „Jahresbilanz Leistungsmissbrauch SGBII“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) stützt.

Wenn man sich die Jahresbilanz, die ohne weiteres auf Anfrage bei der Agentur erhältlich ist, einmal direkt ansieht, stellt man fest, dass dass nicht alles so schlimm ist, wie es die Medien darstellen.

So schreibt AFP:

Die Zahl der Straf- und Bußgeldverfahren gegen Hartz-IV-Empfänger ist im vergangenen Jahr [...] um 1,8 Prozent auf knapp 165 000 Fälle gestiegen.

Dieser minimale Anstieg betrifft allerdings die Zahl der eingeleiteten Verfahren. An deren Ende könnten auch weniger „Hartz-IV-Betrüger“ stehen, je nachdem, wie die Verfahren ausgehen.

Die Bundesagentur für Arbeit erklärt dazu in ihrem Bericht:

Die Zahl der eingeleiteten Straf- und Bußgeldverfahren stieg im Jahr 2009 um 2.921 auf 164.633, das waren 1,8 % mehr als ein Jahr zuvor (Jahr 2008: 161.712). Ein Teil dieser Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass sich die Situation in den ARGEn, die erst seit dem 01.01.2007 für die Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten zuständig sind, personell, organisatorisch und fachlich verbessert hat.

AFP schreibt:

Das eingetriebene Verwarnungs- und Bußgeld, über das die Jobcenter selbst entscheiden können, belief sich bei etwa 74 000 Fällen auf 3,7 Millionen Euro.

AFP schreibt nicht, dass diese Summe um 7,5 % unter der des Jahres 2008 liegt, die festgesetzten Verwarnungs- und Bußgelder also „nicht unerheblich“ gesunken sind, wie es die Bundesagentur für Arbeit selbst ausdrückt.

Die Anzahl der Fälle, in denen die Bundesagentur zu viel Leistungen ausgezahlt hat, ist im Vergleichs zu 2008 geringfügig gesunken, der Gesamtbetrag der festgestellten Überzahlungen dagegen „deutlich geringer“ ausgefallen. Mit anderen Worten: Die Leute, die zu viel bekommen haben, sind etwas weniger geworden und haben deutlich weniger zu viel bekommen.

Ertappt wurden dem Bericht zufolge auch deutlich mehr potenzielle Schwarzarbeiter.

Das entscheidende Wort ist auch hier „potenziell“. Dass in dem Bericht gar nicht steht, wie viele Schwarzarbeiter tatsächlich „ertappt“ wurden, weiß AFP also eigentlich schon.

AFP weiter:

Insgesamt hatten 2009 laut dem Bericht im Jahresdurchschnitt etwa 6,5 Millionen Menschen Anspruch auf die Grundsicherung (Hartz IV). Bezogen auf diese Gesamtzahl lag die Missbrauchsquote nach Angaben der Bundesagentur bei 1,9 Prozent.

Zur Einordnung dieser Zahl wäre es hilfreich zu wissen, dass die Missbrauchsquote 2008 mit 1,8 % nur 0,1 Prozentpunkte niedriger lag, die Veränderung trotz der „Optimierung des Verfahrens“ in den Arbeitsagenturen also im Promillebereich liegt. AFP verzichtet auf diese Einordnung und verschweigt auch diese Einschränkung der Bundesagentur für Arbeit:

Leistungsmissbrauch ist im Rechtskreis SGB II in Relation zu der Anzahl der Hilfebedürftigen und den Gesamtausgaben relativ gering verbreitet.

Die BA nennt sogar eine Zahl: 0,25 % der Gesamtausgaben.

Und was passiert, wenn ein – ebenfalls nicht unumstrittener – Artikel der „Süddeutschen Zeitung“, die sich immerhin an ein paar Stellen um Relativierung bemüht hatte, über den Umweg von AFP schließlich bei „Bild“ angekommen ist, konnte man am nächsten Tag am Kiosk sehen:

Betrugs-Rekord mit 165000 Fällen - So wird bei Hartz-IV abgezockt!

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Mathias Döpfners Zwischenruf

Es kommt einigermaßen selten vor, dass sich Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, in der „Bild“-Zeitung zu Wort meldet. Es bedarf schon einer besonderen Gelegenheit: Der Tod Michael Jacksons beispielsweise oder die Entscheidung des Papstes, einen Bischof in die Kirche zurückgeholt zu haben, der den Holocaust leugnet, (BILDblog berichtete). Heute ist wieder so ein seltener Tag.

Doch von Anfang an: Nachdem bekannt geworden war, dass der deutschen Bundesregierung eine CD-Rom zum Kauf angeboten wurde, die gestohlene Daten von 1500 mutmaßlichen Steuerhinterziehern enthält, forderte „Bild“ am Montag lautstark:

Kauft Euch die reichen Steuer-Betrüger!

„Bild“-Kolumnist Hugo Müller-Vogg riet: „Kaufen, aber schnell!“, und Wirtschaftschef Oliver Santen feierte die „klare Botschaft von Merkel“.

Kurzum: Die Bundesregierung kauft zum zweiten Mal „Hehlerware“, um Steuerhinterzieher zu enttarnen, und „Bild“ findet das seit zwei Tagen gut. Mathias Döpfner findet das schlecht — ja, gefährlich.

Oder wie er es selbst in seinem „Bild“-Kommentar formuliert:

Die Bundesregierung kauft zum zweiten Mal Hehlerware, um Steuerhinterzieher zu enttarnen. BILD findet das seit zwei Tagen gut. Ich finde das schlecht – ja, gefährlich.

Der Staat darf Recht nicht brechen!Bleibt die Frage, ob Döpfners Kommentar nur eine Meinungsäußerung im neuen Meinungspluralismus von „Bild“ ist oder hier der Vorstandsvorsitzende eines Medienkonzerns nach Belieben in die redaktionelle Unabhängigkeit einer seiner Zeitungen eingreift. Die Antwort dürfte „Bild“ schon morgen liefern.

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Verpulverschnee von heute

Für die Axel Springer AG ist die ARD im Internet plötzlich ein Konkurrent. Der Verlag schäumt, dass der Senderverbund mit seinen „kostenlosen“, durch die Rundfunkgebühren finanzierten Angeboten Springers eigene Versuche erschwert, Geld für informationen zu nehmen.

Deshalb arbeitet sich „Bild“ gerade mal wieder an den öffentlich-rechtlichen Sendern ab — heute z.B. mit der Schlagzeile:

So werden unsere TVGebühren verpulvert - 1 Minute "Anne Will" kostet 3164 Euro - 610 Millionen Euro für Online-Portale - 2,3 Milliarden Euro für Pensionen

Am Montag hatte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ihren 17. Prüfbericht (PDF) vorgestellt und „Bild“ hat sich für die heutige Ausgabe viel Mühe gegeben, „die wichtigsten und skurrilsten Fakten“ des Berichts herauszusuchen — also, die öffentlich-rechtlichen Sender in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen:

So erwähnt „Bild“, dass die KEF die Reduzierung der Personalkosten bei der ARD als „völlig unzureichend“ betrachtet, unterschlägt aber im Gegenzug dazu den Hinweis, dass das ZDF die Vorgaben „durch Reduzierung des Personalaufwands um 18 Mio. Euro im Aufwand vollen Umfangs“ umgesetzt hat.

Völlig unerwähnt bleibt, dass die Kommission davon ausgeht, „dass die Anstalten zusätzliche Einsparungen in einem Umfang erwirtschaften, der ausreicht, zum Ende 2012 ein ausgeglichenes Finanzergebnis zu realisieren“. „Bild“ fasst die 388 Seiten des Berichts lieber in einem Satz zusammen:

Besonders die ARD wird von den Prüfern für ihren geringen Sparwillen gerügt.

Den Begriff „Grundversorgung“, den das Bundesverfassungsgericht 1986 als Anforderung an die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten geprägt hatte, versteht „Bild“ – wie alle anderen Kritiker des öffentlich-rechtlichen Systems – sowieso nicht im Sinne einer alles umfassenden Versorgung, sondern einer Minimalversorgung. Dass der von „Bild“ kritisierten Verdreifachung der Kosten für die ZDF-Digitalkanäle eine Reduzierung der Kosten bei 3sat und Kinderkanal gegenübersteht, erfährt nur, wer in den Bericht schaut. „Bild“ unterschlägt auch dieses Faktum.

Laut „Bild“ explodieren die Online-Kosten und „verdoppeln sich auf mehr als 610 Millionen Euro“. Von einer Verdopplung ist auch im Bericht die Rede, allerdings ist die Summe vielleicht schon nicht mehr ganz so beeindruckend, wenn man weiß, dass sie sich über einen Vierjahreszeitraum erstreckt — oder, dass die Zahl der Visits (Besuche) bei ARD Online beispielsweise „sogar um 119,1 % “ angestiegen ist.

Die Behauptung von „Bild“, dass der ARD-Videotext „den Gebührenzahler in diesem Jahr stolze 78 Mio. Euro.“ koste, ist gleich völlig falsch, denn die Zahl von 78 Millionen Euro bezieht sich auf die Kosten für „Telemediendienste“ (etwa die Streaming-Angebote) der einzelnen Landesrundfunkanstalten. Für Radio- und Videotexte wollen diese Landesrundfunkanstalten dieses Jahr 12,3 Millionen Euro ausgeben — knapp 300.000 Euro mehr als im Vorjahr.

Dass die Kosten pro Sendeminute bei „Anne Will“ doppelt so hoch sind wie bei „Menschen bei Maischberger“ kann man natürlich „merkwürdig“ finden und auch noch mal in die Überschrift auf Seite 10 schreiben:

SO WERDEN UNSERE GEBÜHREN VERPULVERT: Anne Will kostet doppelt so viel wie Maischberger!

Mindestens ebenso merkwürdig ist aber wohl, dass „Bild“-Autor Nikolaus Harbusch gestern beim NDR nachgefragt hat, warum die Minutenkosten so unterschiedlich seien, auf die Verwendung der Antwort des Pressesprechers dann aber doch verzichtete.

Zur Erhellung veröffentlichen wir sie gerne an dieser Stelle:

1. „Anne Will“ ist eine komplette Auftragsproduktion, während „Menschen bei Maischberger“ in WDR-eigenen Studios mit eigener Technik produziert wird. Die internen Produktionskosten sind in dem Ihnen vorliegenden Minutenvergleich nicht berücksichtigt.

2. „Menschen bei Maischberger“ ist 75 Minuten lang, „Anne Will“ nur 60 Minuten. Die Fixkosten schlagen bei längerer Sendezeit naturgemäß geringer zu Buche.

Stattdessen darf SWR-Intendant Peter Boudgoust, derzeit ARD-Vorsitzender, im „Bild“-Interview die Frage beantworten:

Bei den Fragen liegt die Erklärung nicht nur in völlig unterschiedlichen redaktionellen Konzepten, die einen unterschiedlichen Programmaufwand erfordern, sondern auch in der völlig unterschiedlichen Herstellung, manche Sendungen werden komplett eigen- andere komplett fremdproduziert. Anders gesagt: Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.
(Hervorhebung von uns.)

Auf tagesschau.de sagt Peter Boudgoust heute über die „Bild“-Titelgeschichte:

Das ist ein Stück Kampagnenjournalismus. Ich finde das sehr schade, weil es auch alte Vorurteile bestätigt, was die Seriosität dieser Zeitung angeht.

Mit Dank auch an Christoph.

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Es ist etwas faul …

Ganz Deutschland diskutiert über Hartz IV.

erklärte „Bild“ am vergangenen Freitag mit dem üblichen Understatement und ließ es sich nicht nehmen, einen eigenen Beitrag zur Diskussion zu liefern, der knapp ein Viertel der Titelseite einnahm:

Macht Hartz IV faul?

Diese Frage war für „Bild“ ungefähr so rhetorisch wie die, mit denen der große Seite-2-Artikel begann:

Muss es eine verschärfte Arbeitspflicht für Arbeitslose geben, wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch fordert? Haben Hartz-IV-Empfänger keine Lust zu arbeiten? Oder lohnt es sich schlicht für viele nicht mehr, überhaupt eine Arbeit anzunehmen?

Gleich drei O-Töne hat die Zeitung eingesammelt (von Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt, CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs und FDP-Sozialexperte Pascal Kober), die alle der Meinung zu sein scheinen, dass die Menschen die Lust am Arbeiten verlieren, wenn die Hartz-IV-Bezüge zu hoch sind bzw. jemand, der arbeitet, nicht „wirklich mehr“ verdient.

Um dieses „wirklich mehr“ zu qualifizieren, hat „Bild“ drei Beispielfamilien erfunden und für sie verglichen, was sie als Berufstätige und als Bezieher von Arbeitslosengeld II bekommen. Wenig überraschendes Ergebnis: Laut „Bild“ bekommt, wer arbeitet, nur wenig mehr — oder gar gleich weniger — als der vergleichbare Hartz-IV-Empfänger.

Allein: „Bild“ rechnet falsch. Der Paritätische Wohlfahrtsverband wirft „Bild“ vor, bei den Arbeitnehmern Wohngeld und Kinderzuschlag „systematisch unterschlagen“ zu haben. Familien, die so wenig verdienen, hätten darauf allesamt Anspruch und damit durch die Bank rund 500 Euro mehr zur Verfügung als mit ALG II.

„Bild“ widersprach, nannte den Vorwurf „grob irreführend“ und wies darauf hin, dass jemand, der die „Aufstockung“ seines Gehaltes mit Arbeitslosengeld II beantrage, Wohngeld und Kinderzuschlag nicht mehr beantragen dürfe. Was „Bild“ aber dabei unterschlägt: Mit diesen zusätzlichen Einnahmequellen erreichen die Beispielfamilien auch ohne diese „Aufstockung“ (die ihnen dann ohnehin nicht zustünde) höhere Summen als von „Bild“ angegeben. Der Wohlfahrtsverband nennt die Verteidigung von „Bild“ daher „wiederum völlig falsch und damit bewusst irreführend“.

„Bild“ gibt das Einkommen der Beispielfälle nach den Berechnungen des Wohlfahrtsverbandes um jeweils mindestens 200 bis 250 Euro zu niedrig an. Bei richtiger Berechnung wüchse der Abstand der Einnahmen der arbeitenden Familien gegenüber denen, die nur von Hartz IV leben, auf jeweils rund 500 Euro im Monat.

Doch die „Bild“-Zeitung blieb auch am Samstag ihrer Linie treu: Sie ließ „Betroffene“ zu Wort kommen, die erklären, dass sie arbeiten gehen, obwohl sie „läppische 52 Euro mehr“ bekommen als ihnen bei Hartz IV zustünden. Passend dazu veröffentlichte das Blatt einen angeblichen Leserbrief mit folgendem Inhalt:

Ich bin 40, Krankenpfleger, Langzeitarbeitsloser aus gesundheitlichen Gründen (Psyche). Ich warte jetzt erst mal die Neuregelungen ab. Nach 10 Jahren lohnt es sich für mich nicht, wieder einzusteigen. Im Juni war ich eine Woche auf Helgoland. Im September und Dezember auf Mallorca. April-Urlaub ist schon gebucht. Also, geht doch!
H. R., Hamburg (E-Mail)

Am Montag dürfen sich Hartz-IV-Empfänger in „Bild“ „wehren“:

Dass Hartz-IV-Empfänger „NICHT allesamt faul“ seien, hatte Nikolaus Blome aus dem Hauptstadtbüro von „Bild“ schon am Freitag in seinem Kommentar geschrieben.

Blome und „Bild“ wünschen sich aber offenbar eine Reduzierung der Hartz-IV-Sätze:

Die Ansprüche zu erhöhen, unter dem Strich also mehr Geld für Hartz-IV-Haushalte zu geben, das ist keine Lösung. Sondern das Gegenteil.

Dafür rechnen sie auch schon mal falsch.

Mit Dank an Ceggis, Joachim R., Kristin H. und Andreas.

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Auf Kreuzzug in Nigeria

Die Lage in Zentral-Nigeria ist extrem unübersichtlich. Hunderte Menschen sollen in der vergangenen Woche bei Massakern zwischen Christen und Moslems in der Stadt Jos ums Leben gekommen sein. Was genau vorgefallen ist, ist ebenso unklar wie der aktuelle Auslöser der Unruhen. „Spiegel Online“ schreibt:

Eine Version der Geschichte: Militante Muslime hätten Christen nach dem Sonntagsgebet aufgelauert. Andere Quellen besagen, der Streit habe begonnen, als christliche Jugendliche in ihrem Viertel gegen einen Muslim vorgegangen seien, der versucht habe, sein bei Unruhen 2008 niedergebranntes Haus wieder aufzubauen. Und wieder andere sagen, es sei um den Bau einer Moschee in einem christlich geprägten Viertel gegangen.

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ berichtet seit Tagen ähnlich. Die evangelische Nachrichtenagentur epd zitierte am Donnerstag den katholischen Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, mit der Einschätzung, dass die Auseinandersetzungen „sehr wenig mit Religion zu tun haben“: „Religion wird instrumentalisiert, um ethnische und politische Interessen leichter durchzusetzen.“ Kaigama habe die Gerüchte, dass seine Gemeinde nach der Messe am Sonntag angegriffen und die Kathedrale angezündet worden sei, dementiert: „Das stimmt alles nicht, wer so etwas verbreitet, der lügt.“

Wie gesagt: Die Lage in Zentral-Nigeria ist extrem unübersichtlich. Aber das würde nicht ahnen, wer am vergangenen Samstag den Bericht der papsttreuen konservativen deutschen Tageszeitung „Bild“ las:

Moslems jagen Christen

Ist das nicht praktisch? „Bild“ muss gar nicht wissen, was passiert ist. „Bild“ kann auch so allein aufgrund der Religionszugehörigkeit zwischen Tätern und Opfern unterscheiden. Die Moslems sind die Bösen.

Mit Dank an Arne H.

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Posthum gealtert II

Bloggen für BILDAls vergangene Woche die frühere TV-Moderatorin Petra Schürmann starb, verkündeten die meisten Medien übereinstimmend, dass sie 74 Jahre alt geworden war. „Bild“ und Bild.de jedoch gaben das Alter der Verstorbenen konsequent mit 76 an, was wir sehr merkwürdig fanden und deshalb aufschrieben.

Die Münchener „tz“ berichtete am vergangenen Freitag, einen Tag nach Schürmanns Tod, in ihrer Online-Ausgabe:

Ein Geheimnis, das Petra Schürmann wohl ins Grab mitnehmen wollte, ist wohl gelüftet: das um ihr Alter. Die Behörden nennen als ihr Geburtsdatum den 15. September 1933. Demnach wurde Schürmann 76 und nicht 74 Jahre alt.

Am Samstagmorgen wurde in Schürmanns Wikipedia-Eintrag ihr Geburtsdatum korrigiert, aber Klarheit herrschte immer noch nicht, wie dpa wenige Stunden später tickerte:

Seit dem Wochenende geben mehrere Zeitungen das Sterbealter Schürmanns nicht mehr mit 74, sondern mit 76 Jahre an. „Die Behörden nennen als ihr Geburtsdatum den 15. September 1933″, schreibt die Münchner „tz“. Letzte Klarheit darüber soll es spätestens am Dienstag geben. Wie Bestatter Schmid der dpa sagte, werde das genaue Geburtsdatum auf den dann verteilten Sterbebildchen schwarz auf weiß gedruckt stehen. „In den Todesanzeigen werden Sie darüber nichts finden“, sagte er.

Und so geschah es dann auch am Dienstag:

Erst auf den unter den Gläubigen verteilten Sterbebildchen wurde indessen das Geheimnis um das wahre Alter der bisher einzigen deutschen „Miss World“ gelüftet. Petra Schürmann war zwei Jahre älter als bislang angegeben. Sie wurde 76 und nicht 74 Jahre alt.

Petra Schürmanns beste Freundin Uschi von Bayern, die bis zuletzt an ihrer Seite war, hatte am Montag in der Münchner „Abendzeitung“ verraten, dass diese 1933 geboren worden war:

Sie ist mit 76 gestorben, hat sich bewusst nie jünger gemacht. Allerdings, als eine Zeitschrift sie mal um zwei Jahre verjüngte, hat sie das nicht dementiert.

Damit hat sie allerdings mindestens so viele Fragen aufgeworfen wie beantwortet: Seit wann Petra Schürmann unter falschem Alter geführt wurde, lässt sich nur schwer eingrenzen. Bei ihrer Wahl zur Miss World 1956 wurde sie noch als 23-Jährige gehandelt, aber die deutschen Zeitungen gingen seit mindestens 1996 davon aus, dass sie 1935 geboren sei.

Uns bleibt somit nur, vor „Bild“ den Hut zu ziehen: In diesem Fall hatte die Zeitung einfach mal Recht.

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Springer provoziert Schmerzensgeld

Das Landgericht Berlin hat die Axel Springer AG dazu verurteilt, dem Berliner Anwalt Johannes Eisenberg ein Schmerzensgeld von 20.000 Euro zu zahlen. Das bestätigte ein Gerichtssprecher gegenüber BILDblog. Es geht um diverse Veröffentlichungen in der „Bild“-Zeitung und in dem Blog kai-diekmann.de, das Springer für den „Bild“-Chefredakteur betreibt.

Kai Diekmann und die von ihm geleitete Zeitung führen seit einiger Zeit eine Art Rachefeldzug gegen Eisenberg, der im Namen prominenter und nicht-prominenter Mandanten in vielen Fällen erfolgreich gegen falsche oder unzulässige „Bild“-Berichte vorgegangen ist. Eisenberg vertrat auch die Tageszeitung „taz“, als Diekmann sie wegen einer Satire über eine (erfundene) missglückte Penisverlängerung auf Unterlassung und Schmerzensgeld verklagte. Vor Jahren hat Eisenberg der „Bild“-Zeitung bereits erfolgreich untersagen lassen, Fotos von ihm zu veröffentlichen.

Diekmann und „Bild“ haben dennoch (oder gerade deshalb) immer wieder in besonders provozierender Weise über Eisenberg berichtet. „Bild“ stellte ihn zum Beispiel als „Alien“ dar, Diekmann veröffentlichte unter kaidiekmann.de Anwaltsschreiben Eisenbergs und machte sich über die Tippfehler darin lustig. Obwohl Gerichte die Veröffentlichungen immer wieder untersagten, ließ Springer nicht von dem verhassten gegnerischen Anwalt ab.

Nach Angaben von Eisenbergs Kanzlei begründete der Vorsitzende der Pressekammer in der heutigen Gerichtsverhandlung die Verhängung des Schmerzensgeldes damit, dass der Springer-Verlag auch nach den Verbotsverfügungen nicht damit aufgehört habe, Eisenbergs Persönlichkeitsrechte nachhaltig weiter zu verletzen.

Eisenbergs Kompagnon Stefan König interpretiert die Entscheidung so:

Das Urteil macht nachhaltig deutlich, dass auch ein mächtiger Medienkonzern die Persönlichkeitsrechte eines Gegners zu respektieren hat, der mutig und konsequent immer wieder gegen dessen Rechtsverletzungen vorgeht.

Springer kann gegen das Urteil in Berufung gehen.

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