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Empörung über Amoklaufprävention

Schenkt man dieser knackigen Schlagzeile aus der Stuttgarter „Bild“-Ausgabe Glauben, dann werden Amokläufer bald noch präziser und tödlicher agieren:

Amok-Ausschuss fordert Schießtraining für Schüler

Wahnsinn, oder? Da fragt man sich doch, wie so ein gemeingefährlicher „Amok-Ausschuss“ dazu kommt, derartige Forderungen zu stellen. Ganz einfach: Am 8. März stellte der Sonderausschuss „Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen – Jugendgefährdung und Jugendgewalt“ seinen rund 880 Seiten starken Abschlussbericht vor. Der Ausschuss wurde eingerichtet, um der Politik Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen und langfristigen Prävention von Amokläufen und Jugendgewalt zu geben. Dementsprechend finden sich unter den 39 Empfehlungen aus acht Themenbereichen unterschiedlichste Vorschläge, die von der Fortbildung pädagogischen Personals über Waffenzugangsbeschränkungen bis hin zu Sicherheitsmaßnahmen an Schulen und der Stärkung des Erziehungsauftrages von Eltern reichen.

Unter „6. Gewaltprävention im Sportjugendbereich – Modellprojekt Biathlon“ heißt es laut Pressebericht des baden-württembergischen Landtags, aus dem auch Bild.de zitiert:

Der Sonderausschuss Winnenden möchte die erfolgreiche Jugendarbeit in den Sportschützenvereinen stärken, indem insbesondere der Gewaltpräventionsgedanke noch intensiver betont wird. Ein projekthaftes Angebot in einer Sportart scheint dabei zielführend. Besonders geeignet ist aus Sicht des Sonderausschusses die Sportart Biathlon, da neben den Schützenverbänden des Landes auch die baden-württembergischen Skiverbände (Winterbiathlon) sowie die Leichtathletikverbände (Sommerbiathlon) in das Projektvorhaben einzubinden sind.

Der kreativ-verquere Gedankensprung von „Bild“-Autor Markus Piechotta, aus gewaltpräventiver Jugendarbeit innerhalb der Vereine ein verpflichtendes Schießtraining für Jugendliche zu machen, muss schon fast bewundert werden:

In dem Papier (…) fordern die 18 Abgeordneten auch Schieß-Unterricht für Jugendliche!

Entsprechend einseitig fällt bei Bild.de dann auch die Beschreibung der Reaktion der Angehörigen und des Aktionsbündnisses Winnenden aus:

Die Angehörigen der Opfer sind entsetzt.

Dass das Aktionsbündnis Winnenden, eine Initiative der Eltern der Amokopfer, die Empfehlungen des Stuttgarter Ausschusses „in weiten Teilen“ (abgesehen von obengenanntem Vorschlag im Sportschützenbereich) begrüßte, erwähnt Piechotta mit keinem Wort.

Allerdings wäre es auch irgendwie inkonsequent gewesen, wenn „Bild“ nach der reißerischen und verantwortungslosen Berichterstattung über den Amoklauf vor einem Jahr jetzt auf einmal beginnen würde, nüchtern und sachlich über dieses hochemotionale Thema zu berichten.

PS: Auch der Berliner Kurier versteht sich auf knackige und irreführende Schlagzeilen:

Schüler in den Schießunterricht!

Mit Dank an Thomas und Jörg S.

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Paolo Guerreros Rückkehr auf Raten

Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass es – wenn auch nicht zwingend auf der Erde, dann doch wenigstens in irgendeinem Paralleluniversum – zwei Paolo Guerreros gibt, zwei Europa-League-Achtelfinal-Heimspiele des HSV gegen den RSC Anderlecht und zwei Kai-Uwe Hesses.

Es wäre die einzig rationale Erklärung für das, was da seit gestern Abend auf Bild.de steht:

Um 21.13 Uhr ging der Spielbericht von Kay Fette und Kai-Uwe Hesse zum 3:1-Sieg des HSV gegen Anderlecht online, der heute auch in der gedruckten „Bild“ steht.

Darin:

Zweite gute Nachricht: Paolo Guerrero (26/Kreuzbandriss) ist wieder da! Nach vier abgebrochenen Flugversuchen wegen Flugangst landet der Stürmer gestern in Hamburg, schaut sich ab der 2. Hälfte das Spiel im Stadion an.

Sogar ein Foto des Rückkehrers hatte es in die Bildergalerie geschafft:

Ein alter Bekannter hat auch den Weg von Peru bis ins Stadion gefunden: Paolo Guerrero, der wegen seiner Flugangst in Lima festsaß.

So weit, so richtig.

Mehr als zwei Stunden später, um 23.25 Uhr, veröffentlichte Bild.de einen Artikel von Kai-Uwe Hesse und Carmen Kayser, der sich ausschließlich mit der etwas schwierigen Rückreise Guerreros aus Peru beschäftigt.

Dort heißt es:

Er verschwand am Flughafen durch einen Nebenausgang, ließ sich von einem Freund abholen und nach Hause bringen. Auf einen Besuch des Anderlecht-Spiels verzichtete er.

Vielleicht doch ein Fall fürs „Mystery“-Ressort von Bild.de.

Inwiefern Guerreros Reise „ein geheimer 15-Stunden-Trip“ war, wie Bild.de behauptet, ist auch nicht ganz klar: In der TV-Übertragung des Spiels auf Sat.1 hieß es bereits recht früh, dass Guerrero im Stadion erwartet werde.

Mit Dank an Frank D., Oliver M., Daniel S., W.S. und Andreas.

Hinweis/Korrektur, 13.19 Uhr: Das musste ja abfärben: Jetzt hatten wir Paolo Guerrero doch ernsthaft erst „Paulo“ genannt in der Überschrift. Jetzt stimmt’s.

20.35 Uhr: Und die Europa League hatten wir auch falsch geschrieben. Entschuldigung!

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Der bodenlose Hass in Nigeria

Die Frage, die eigentlich keine ist, ist eines der meist benutzten Stilmittel der „Bild“-Redaktion. Wie man ein Fragezeichen vollkommen ad absurdum führt und wenig elegant mit feindseligen Ressentiments verknüpft, das demonstrierte „Bild“ gestern einmal mehr in einem Beitrag anlässlich des Todes von 500 Nigerianern:

Christenhass! Was treibt die blutrünstigen Moslems ab?

Nun, was treibt solch „blutrünstige“ Muslime wohl an? Die Antwort bleibt „Bild“ schuldig und zwar zwangsläufig. Nicht nur sprachlich ergibt es keinen Sinn, dass die nigerianischen Moslems gleichzeitig „blutrünstig“ und vom „Christen-Hass“ getrieben sein sollen, weil „blutrünstig“ wortwörtlich „aus Mordlust“ bedeutet, also: ohne Grund, außer dem Willen zum Mord.

Aber auch sonst pflegt „Bild“ in seiner Berichterstattung aus Nigeria ein eher laxes Verhältnis zu Wahrheit und Faktenlage — und bedient nach Möglichkeit islamophobe Klischees: Das am Golf von Guinea, also am Atlantischen Ozean, gelegene Nigeria ist natürlich keineswegs ein „zentralafrikanisches Land“, wie „Bild“ behauptet. Und dass im Januar dieses Jahres 300 Muslime von Christen umgebracht worden waren, wie Ulrich Delius von der Gesellschaft für Bedrohte Völker dem Deutschlandfunk erläutert, findet in „Bild“ ebensowenig Erwähnung wie der Klimawandel, der in Nigeria einen Konflikt um fruchtbares Ackerland entfacht hat.

Stattdessen erweckt „Bild“ wie schon im Januar (BILDblog berichtete) den falschen Eindruck, es handle sich in Nigeria um eine Religionskonflikt mit ausschließlich christlichen Opfern, und wählt dafür einen besonders drastischen und gruselerregenden Einstieg in den Beitrag:

Die Kinder liegen in ihren bunten Kleidern im Staub des Dorfes, das einmal ihr Zuhause war. Zerhackt mit Macheten, erschossen, zu Tode gehetzt! Sie starben, weil sie an Gott glaubten!

Dass das so nicht stimmt, hätte man bei „Bild“ schon merken können, wenn man auch bloß den eigenen Text zu Ende gelesen hätte. In diesem bestätigt nämlich ausgerechnet ein Vertreter des Vatikans, dass der Massenmord in Nigeria tatsächlich eher nichts mit Religion, dafür aber sehr viel mit dem Klimawandel und dem durch Austrocknung knapp werdenden Ackerland zu tun hat.

Und wenn man ganz, ganz genau hinschaut, dann findet sich in einer der sich selbst beantwortenden Pseudofragen von „Bild“ sogar ein Hinweis auf eben diese Ackerbodenproblematik:

Woher kommt der bodenlose Hass auf Christen?

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Das Hunde-Killer-Phantom von Bremen-West

Geht es nach der Bremer Regionalausgabe von „Bild“, dann treibt in der Stadt ein (wahlweise „feiger“ oder „irrer“) Hundekiller sein Unwesen:

Er stopft Brötchen und Mettbälle mit Rattengift und Metall-Krampen, versteckt die Todesköder unter Sträuchern. Dutzende Tiere hat er schon vergiftet, 13 starben qualvoll.

Geht es nach der Bremer Polizei, dann gibt es diesen Massenmord nicht.

Aber der Reihe nach: Im Grünzug-West im Bremer Stadtteil Gröpelingen hängen seit etwa zwei Wochen Zettel, auf denen vor einem Hunde-Vergifter gewarnt wird. Das hat offenbar die „Bild“-Reporterin Astrid Sievert auf den Plan gerufen, die sonst auch schon mal kopflose Autofahrer sieht betextet. Sievert will mindestens 13 Fälle aufgetan haben, in denen der „perverse Tier-Hasser“ unschuldige Hunde vergiftet hat.

Aber auch die Bremer Polizei durchsuchte das Parkgelände und sprach mit Hundebesitzern, es fanden sich keine Hinweise, aber – ein für die Ohren von „Bild“-Reportern verhängnisvoller Satz – die Polizei kann „nicht ausschließen“, dass es solche Köder vereinzelt doch gegeben haben könnte. Allerdings habe keiner der Tierärzte im Umkreis von Hunden mit Vergiftungserscheinungen berichten können.

Die Polizei habe nun versucht, die von „Bild“ als Opfer präsentierten Hunde bzw. deren Halter zu ermitteln. West-Highland-Terrier „Sammy“ sei vermutlich tatsächlich vergiftet worden (ganz genau könne man das nicht sagen, „weil die wenigsten Hundebesitzer sechs-, siebenhundert Euro für die Obduktion ihren Lieblings zahlen wollen“, so die Polizei) — allerdings in einem ganz anderen Park als dem von „Bild“ genannten. Auch der Jack-Russell-Terrier „Amy“ sei tot, allerdings schon seit dem letzten Jahr. Die Bordeaux-Dogge „Paul“ sei für die Polizei nicht auffindbar gewesen, genauso wenig wie irgendwelche anderen Opfer. Man gehe daher davon aus, dass der von „Bild“ geschilderte Fall in diesen Details und Ausmaßen nicht existiere.

Astrid Sievert hat übrigens auch mit der Bremer Polizei gesprochen. Laut Polizei erst heute wieder, nachdem ein Polizeisprecher im „Bremer Anzeiger“ (PDF), erklärt hatte: „Von angeblich 13 toten Hunden sind zwölf noch quicklebendig.“ Sievert erklärte, dass sie bei ihrer Darstellung bleibe: Die Polizei habe vielleicht keinen so guten Überblick über die Zahl der toten Hunde, weil es keine Anzeigen gebe, sagte sie der Polizei.

Die Polizei bleibt ihrerseits bei ihren Zweifeln an Sieverts Geschichte.

Mit Dank an R.

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Der tote „Grand-Prix-Kandidat“ von Seite 1

Mark Pittelkau, einer der Chefreporter der „Bild“-Zeitung und sowas wie ihr Grand-Prix-Beauftragter, ist bei dem von Stefan Raab organisierten deutschen Vorentscheid eine unerwünschte Person. Wenn das Blatt bei den Pressekonferenzen von „Unser Star für Oslo“ dabei sein will, muss es einen anderen Vertreter schicken.

Das ist nicht gerade förderlich für eine faire oder gar freundliche Berichterstattung in „Bild“, aber die erwarten die Leute um Raab von der Zeitung im Allgemeinen und Pittelkau im Besonderen ohnehin schon lange nicht mehr.

Eine einschneidende Erfahrung liegt zehn Jahre zurück: Damals vertrat Stefan Raab Deutschland beim Song Contest in Stockholm. Einen Tag vor dem Wettbewerb veröffentlichte „Bild“ einen Artikel, der laut Raab frei erfunden war. Pittelkau hatte unter anderem behauptet, dass zwei 16-Jährige Mädchen Raab in Stockholm mit den Worten „Hadder denn da wat, un wenn ja, was hadder da“ in den Schritt gegriffen hätten und der Moderator zum Frühstück Gummibärchen esse – wegen der Potenz.

Vier Jahre später war Raab wieder beim Grand-Prix, diesmal als Komponist und Mentor von Max Mutzke. Er hatte — im Gegensatz zu RTL, das seine Kandidaten mit Haut und Haaren der „Bild“-Zeitung ausliefert — erkannt, dass er für den Erfolg nicht auf das Wohlwollen und große Schlagzeilen von „Bild“ angewiesen ist. Die „Bild“-Zeitung versuchte die Veranstaltung zunächst weitgehend totzuschweigen. Doch dann kam Pittelkaus Kollege Christian Schommers mit einer Enthüllung:

Grand-Prix-Max als Zechpreller überführt

Ein türkischer Hotelier, bei dem er seine Rechnung trotz Mahnungen nicht bezahlt habe, erhebe „schwere Vorwürfe“ gegen Mutzke.

Die Geschichte hielt keiner Überprüfung stand: Das vermeintliche Opfer selbst widersprach. Um eine Gegendarstellung zu vermeiden, bot „Bild“ nach Angaben von Raabs Management 5000 Euro und freundliche Berichterstattung. Mutzke lehnte ab. Ein Gericht zwang „Bild“ dazu, eine lange Gegendarstellung zu veröffentlichen.

Wer „Bild“ kennt, weiß, dass ihre Berichterstattung eher von solchen Vorgeschichten und einer Sortierung nach Freunden (Dieter Bohlen) und Feinden (Stefan Raab) bestimmt wird, als von irgendwelchen journalistischen Kriterien.

Insofern ist es auch konsequent, dass das Blatt über die Sendung „Unser Star für Oslo“ seit ihrem Start vor sechs Wochen zumindest bundesweit nicht berichtet hat.

Bis gestern:

Mark Pittelkau konnte exklusiv enthüllen, dass ein völlig unbekannter Mann, der sich als einer von Tausenden beim Casting für die Show beworben hatte und dessen misslungenes Vorsingen in einem kurzen Clip bei „TV Total“ zu sehen war, im Urlaub in Thailand gestorben ist — für „Bild“ die Nachricht des Tages. Online zeigte Bild.de ein Dutzend Fotos des unbekannten jungen Mannes, Urlaubsbilder und Aufnahmen von früheren Auftritten auf irgendwelchen Bühnen, erzählte detailverliebt und tränenreich, dass er auf der Rückreise von einem Urlaub in Australien war, wo er sechs Wochen lang war und einen Freund besucht hatte, der Karim heißt und „vor Jahren Europa den Rücken gekehrt hatte“ — zufälligerweise exakt jenes Europa, in dem es einen Schlagerwettbewerb gibt, an dem sein Freund Bobby Donner gerne teilgenommen hätte!

Heute verriet Pittelkau in einem weiteren großen Artikel neue Details über das Drama dieses völlig unbekannten jungen Mannes: Todesursache sei eine verschleppte Herzmuskelentzündung gewesen, die Leiche soll nächste Woche nach Deutschland überführt werden, die Mutter hat schon ein Grab ausgesucht. Daneben auch diesmal wieder ein Foto von Stefan Raab, der Bobby Donner vermutlich nie getroffen hat. „Bild“ hat den Toten posthum sogar zum „Grand-Prix-Kandidaten“ befördert.

Fast könnte man Mitleid haben mit Mark Pittelkau. Womöglich hat er wochenlang nach Schmutz gewühlt, mit dem er Raab und sein verdammtes Casting bewerfen kann, irgendeine schlimme Geschichte, um den Mann schlecht aussehen zu lassen, wie damals bei Max Mutzke. Und alles, was er gefunden hat, ist, dass einer der viereinhalb Tausenden Bewerber Monate nach dem Vorsingen unter tragischen Umständen im Ausland gestorben ist? Und der Skandal besteht darin, dass der Clip, wie er sich beim Vorsingen blamiert, danach noch einen Tag lang auf den Internetseiten von „TV Total“ zu sehen war? (Iinzwischen ist er dort verschwunden, aber stattdessen auf Bild.de zu sehen, was man ironisch finden kann oder konsequent.)

Aber so lächerlich und durchschaubar das Aufblasen dieser Geschichte ist — es ist nicht lächerlich genug, dass anderen Medien sie nicht besinnungslos abschreiben würden. Seiten wie Quotenmeter.de und die Internet-Ableger von „Focus“, „Abendzeitung“, „Hamburger Morgenpost“, „Augsburger Allgemeine“ u.v.a. erzählen die Nicht-Geschichte nach. Der Online-Auftritt von „Gala“ formuliert: „Kurz vor dem Halbfinale (8. März, 20.15 Uhr, Pro7) von ‘Unser Star für Oslo’ ist einer der Kandidaten der Stefan-Raab-Show gestorben“ — als hätte es sich um einen der Kandidaten aus dem Halbfinale (am 9. März) gehandelt, was tatsächlich eine Nachricht gewesen wäre. Selbst dpa hat inzwischen eine Meldung zum Thema veröffentlicht.

So gesehen muss man mit Pittelkau wohl doch kein Mitleid haben. Und immerhin scheint seine Geschichte nicht erfunden zu sein. Das ist doch schon was.

Bild  etc.

Hetzen wird olympisch

Diese Zusammenstellung von „Bild“-Überschriften aus den letzten Tagen ist sicher unvollständig:

"Bild" schlagzeilt auf die "Pleite-Griechen" ein

Da wird über die „Pleite-Griechen“ gespottet, die „die schönen Euros“ „verbrennen“ (sehr pietätvoll unterlegt mit einem Foto der verheerenden Waldbrände aus dem vergangenen Jahr), aber ihre Inseln nichts verkaufen wollen. Vorläufiger Höhepunkt: Der offene Brief an Ministerpräsident Papandreou, in dem die gesamte „Bild“-Redaktion kalauert: „Ihr griecht nix von uns!“ (Als ob es jemals zur Debatte gestanden hätte, dass die „Bild“-Redaktion das griechische Haushaltsloch stopft.)

All das hat sich Michalis Pantelouris, Hamburger Journalist und Sohn eines Griechen, lange angesehen, dann ist ihm der Kragen geplatzt: Er sagt, er schäme sich, wenn er daran denke, dass sein Vater die hetzerischen Artikel in „Bild“ (aber nicht nur da) lese.

Es ist ein aufrichtiger Aufschrei, der mit jeder Zeile wütender wird, und der dringend zur Lektüre empfohlen sei:

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Kein Todesstern über Niederursel

Seltsame Dinge scheinen in Frankfurt-Niederursel zu passieren:

Screenshot: Bild.de

„Darth Vader“, der von „Bild“ als „unheimlicher Kerl“ beschrieben wird, soll etwa 35 Jahre alt sein und 1,80 Meter groß.

Gegenüber fnp.de, dem Online-Angebot der „Frankfurter Neuen Presse“, dementierte der Sprecher der lokalen Polizei, die „den Irren mit der ‘Darth Vader’-Maske“ angeblich „jagt“, dass es sich überhaupt um eine solche Maske handle.

Vielmehr sei der Täter mit einem schwarzen Mantel und einer Woll-Sturmhaube mit Sehschlitzen bekleidet gewesen.

(Links von uns)

Bisher vorgefallen ist wenig: Der gesuchte Mann hat „zwei Schüler mit den Worten ‘warte Mal’ angesprochen“ und „am Arm berührt“.

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Ohne Worte (aber mit Zahlen)

Sade (schöne 51) feiert ihr Bühnen-Comeback. (...) Und: Sade (49) feiert ihr Live-Comeback.

Nachtrag, 19.10 Uhr: Jetzt doch mit Worten: Offenbar ist der Fehler irgendwann aufgefallen und es hat sich jemand (fälschlicherweise) gedacht: „Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.“

Jedenfalls steht in einer späteren Ausgabe:

Sade (schöne 50) feiert ihr Bühnen-Comeback. (...) Und: Sade (50) feiert ihr Live-Comeback.

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Eine Zeitung über Sex

Bücher sind für „Bild“ nur dann interessant, wenn man ein „Skandal-“ oder „Schmuddel-“ davor setzen kann. Wenn man völlig scheinheilig „Auszüge aus dem Buch gefällig?“ fragen und die ekligsten geilsten beim Durchblättern ins Auge gefallenen Stellen zitieren kann. Wenn Sprache möglichst „scharf“ und die Autorin möglichst jung ist.

Auf der Suche nach weiteren „Sex-Romanen“ interessiert sich „Bild“ vor allem für den ersten Teil des Wortes und weniger für die Romane und ihre Autoren selbst:

Endersbach: Teenie (16) schreibt Buch über Sex

„Flotte Charlotte! Mit 16 schreibt sie Sexromane … dabei hatte sie selbst noch nie einen Freund“, titelte die Bildzeitung am Mittwoch, 24. Februar.

„Als ich die Überschrift sah, musste ich erst einmal lachen, weil das so komisch und unwirklich wirkte und ja überhaupt nicht zu dem Buch passt“, erinnert sich Nathalie Ulbrich. Doch dann liest sie weiter und bekommt Angst um ihre Tochter: „… nicht so eklig und vulgär wie bei Charlotte Roche (31/Feuchtgebiete). Und auch angeblich nicht bei anderen Autoren abgeschrieben, wie Kritiker es Helene Hegemann (18/Axolotl Roadkill) unterstellten.“

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