Auf dem Augenarzt-Auge blind

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist kein EU-Gericht.

Guido Westerwelle und Klaus Wowereit sind in der Schule nie sitzengeblieben.

Philipp Rösler ist kein Augenarzt.

Letzteres müssen wir leider noch mal erwähnen, weil die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" heute auf ihrer Seite 3 das hier schreibt:

Es gab viele schlechte Augenblicke in der bisherigen Amtszeit von Philipp Rösler. Eigentlich waren die Monate seiner Amtszeit sogar hauptsächlich eher nebeltrübe. Und wenn der 20. Januar, an dem in Niedersachsen gewählt wurde, nicht ein besonders glücklicher Tag für ihn und seine Mitstreiter gewesen wäre, dann hätte der frühere Bundeswehroffizier und Augenarzt in diesem Frühjahr gar nicht mehr kandidieren können. Die Partei schien seiner überdrüssig.

Und wo wir gerade im staubigen Archiv stehen, hätten wir dann auch noch diese Falschzuschreibungen der letzten Jahre im Angebot:

  • Vor zwei Jahren war er mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, der freundliche junge Augenarzt aus Niedersachsen mit den vietnamesischen Wurzeln, frisch Vater von Zwillingen, der Neuanfang nach der zuletzt quälenden Ära Westerwelle.
    ("Abendzeitung", 5. Januar 2013)
  • Bleiben neben den Trainern Merkel (Angela, nicht Max) und Schäuble die Röslers, Niebels, Aigners, Schröders und Pofallas. Für die wird es eng. Allenfalls die medizinische Abteilung könnte etwas für den Augenarzt Rösler sein.
    ("Frankfurter Allgemeine Zeitung", 20. Oktober 2012)
  • Und was würde im Fall der Fälle aus Rösler? Der gelernte Augenarzt hat kein Bundestagsmandat.
    (dpa, 7. Mai 2012)
  • Beim Neujahrsempfang der hessischen FDP im Wiesbadener Kurhaus demonstrierte der studierte Augenarzt und frühere Bundeswehrarzt Philipp Rösler am Donnerstagabend, dass er sein Handwerk auch nach dem Wechsel in die Politik noch versteht. Der 35 Jahre alte Liberale leistete einer Frau aus dem Publikum, die mit einem Kreislaufkollaps zu Boden gesunken war, entschlossen Hilfe.
    ("Frankfurter Allgemeine Zeitung", 22. Januar 2011)

Mit Dank an Michael L.

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Ulrich Wilhelm, Sun, RTL

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Kollektiver Kinderwahnsinn: Herzogin Kate im Verhör der internationalen Presse"
(stefan-niggemeier.de)
Hat Catherine, Herzogin von Cambridge, versehentlich das Geschlecht ihres Babys verraten, sich "verplappert"? Nein.

2. "Four public officials admit selling information to Sun"
(guardian.co.uk, Lisa O'Carroll and Josh Halliday, englisch)
Vier Personen in Staatsdiensten ("Two former police officers, an ex-prison officer and another public official") geben zu, Informationen an die "Sun" verkauft zu haben.

3. "Subtile Fälschungen"
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Welchen Wert haben Zeitungsgespräche, "die bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet sind, von deren Bearbeitung ich jedoch nie etwas erfahre", fragt Gregor Keuschnig. Weiter behandelt er Informationen, die unter dem "Deckmantel der Verschwiegenheit" verabreicht und dem Leser "in kleinen Dosen" weitergegeben werden. "Der Leser kann sich nun auf die Suche nach einer Botschaft zwischen den Zeilen machen; einem Verfahren, dass nicht unähnlich dem in Diktaturen ist, in dem es oft genug darum geht, Texte mit versteckten Hinweisen durch die Zensur zu schmuggeln. Fast nebenbei werden Journalisten zu Günstlingen, die in Besitz eines exklusiven Herrschaftswissens kommen. Dieser informell gewährte Vorteil kann jedoch jederzeit aufgehoben bzw. variiert und an andere Personen vergeben werden."

4. "Wir sollten jetzt aus den Gräben herauskommen"
(faz.net, Michael Hanfeld)
Ein Interview mit Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks: "Die Öffentlich-Rechtlichen sind in der privilegierten Situation, nicht auf Quoten schielen zu müssen. Die Quote darf ohnehin nie zum Selbstzweck werden, sie ist lediglich eine dienende Größe, die in Anbetracht der Mediennutzung des Internets an Aussagekraft verliert."

5. "Gesundheitsminister Bahr kritisiert neue RTL-Doku"
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Daniel Bahr, Bundesminister für Gesundheit, kritisiert die RTL-Sendung "Das Jenke-Experiment" als "vollkommen unangemessen". Siehe dazu auch "RTL stoppt Kreißsaal-TV endgültig" (tagesspiegel.de, Kerstin Hense).

6. "Schon ist einem wieder klar, warum es Journalismus geben muss"
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Jakob Hein)

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