Hin und Beck (2)

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einer Online-Redaktion und bekommen eine Agenturmeldung auf den Tisch, die mit diesem Absatz beginnt:

Schon vor der ersten Sendung sorgt die Show für jede Menge Schlagzeilen: Jetzt hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) seine Teilnahme an Stefan Raabs neuer Polit-Talkshow überraschend abgesagt. Das sagte ein Sprecher des Ministers am Donnerstag "Handelsblatt Online". Hintergrund sei die Begründung für die Ausladung des Grünen-Fraktionsgeschäftsführers Volker Beck aus der Sendung.

Jetzt müssen Sie nur noch ein Foto von Volker Beck raussuchen, einen eigenen Vorspann und eine Überschrift basteln und fertig ist die Laube.

Oder so ähnlich:

15:46 NACH AUSLADUNG VON KURT BECK: Altmaier sagt überraschend Teilnahme an Raabs Talkshow ab. Auf Wunsch des Umweltministers soll Kurt Beck bei Raab-Show ausgeladen worden sein. Altmaier dementiert - und sagt seine Teilnahme ab.

Das Foto zeigt eindeutig Peter Altmaier. Doch darunter prangt diese formvollendete Bildunterschrift:

Peter Altmaier widersprach den Vorwürfen, Kurt Beck sei auf seinen Wunsch hin wieder ausgeladen worden: "Die Behauptung ist schlicht falsch. Ich bin mit Volker Beck befreundet, war mit ihm in vielen Talkshows und werde das gerne auch wieder tun."

Aber Kurt Beck kennt das ja schon.

Nachtrag, 9. November: Bereits gestern Abend hat abendblatt.de Kurt in Volker Beck verwandelt.

Und das beinahe vollständig:

15:46 NACH AUSLADUNG VON KURT BECK

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Wahlnacht, China, Fesselurlaub

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Wahlberichte: unterschiedliche Gewichtung USA und China"
(ndr.de, Video, 6:39 Minuten)
Während die Präsidentschaftswahlen in den USA von den Medien mit unzähligen Wahlpartys gefeiert werden, bleibt es fast stumm zum neuen Staatspräsidenten in China. Auch "in den Zeitungen ist die Welt immer noch sehr amerikanisch. China? Unterrepräsentiert."

2. "Chinabildblog: Die geschlagene Gurke und die ewige Ente"
(doppelpod.com, Sven Hänke)
Sven Hänke erinnert an diverse, nach wie vor online stehende Falschmeldungen von 2008: "Eine offizielle Anweisung, die ausländischen Studenten während der Olympischen Spiele auszuweisen, ist ein so unwahrscheinliches Ereignis, dass ich mich damals gefragt habe, welche Vorstellung denn in den Köpfen der Verantwortlichen vorherrscht – und wie der Unsinn dort hineingekommen ist -, wenn sie so einen Unfug einfach unreflektiert übernehmen, ohne den Wahrheitsgehalt zu prüfen."

3. "Den Turbo-Journalismus stoppen"
(berliner-zeitung.de, Nikolaus Brender)
Nikolaus Brender schreibt über die Geschwindigkeit im Journalismus: "Schnelle Berichte fürchten Politiker, Unternehmen, Verbände und auch Gewerkschaften mangels Substanz schon lange nicht mehr. Gefahr im Verzug kommt für sie aber dann auf, wenn sich ein Journalist Zeit nimmt. Das scheint verdächtig."

4. "Peitschen– und Fesselurlaub unter der Teck"
(stuttgarter-zeitung.de, Jürgen Veit)
"Sado-Hotel quält ganzes Dorf" schreibt "Bild" über zwei Ferienwohnungen in Owen. "Eine Darstellung, der Verena Grötzinger, die Bürgermeisterin der 3500-Einwohner-Stadt, entschieden widerspricht. Bisher habe sich noch kein Owener über das Etablissement beschwert. Was sie auch nicht wundere, denn es gehe ihrer Erkenntnis nach keine Belästigung von den Gästen der beiden Wohnungen aus."

5. "'Talentiert, aber moralisch verkommen'"
(nzz.ch, Rolf Hürzeler)
Annalena McAfee über den Boulevardjournalismus in Großbritannien: "Journalisten kannten während Jahren keine Grenzen bei ihren Recherchen. Aber sie waren immer sehr schnell bereit, den Zeigefinger auf andere zu richten."

6. "'Zapping' von Mi, 07.11.2012"
(facebook.com, Video, 3 Minuten)
Deutsche US-Wahlnacht-Journalisten live.

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