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Was soll die Scheiße?

Dann passiert etwas, was BILD exklusiv weiß:

Das ist ein Satz, der klingt, als sei er ironisch gemeint und stamme zum Beispiel von dieser Seite. Er steht aber in „Bild“.

Gestern haben Zollbeamte, Polizisten und Steuerfahnder am Frankfurter Flughafen eine großangelegte Fahrzeugkontrolle durchgeführt, die der Zollamtsrat als „rundum gelungen“ bezeichnet.

Dann passiert etwas, was BILD exklusiv weiß: Am späten Vormittag nähert sich eine dunkle, schwere Audi-Limousine der Kontrolle. Zuerst wartet der Fahrer brav in der Reihe. Doch plötzlich beschleunigt der Wagen, rast los. Der Fahrer brüllt aus dem Fenster: „Was soll die Scheiße hier?“

Jetzt erkennen mehrere Zeugen den Mann: Es ist Heiner Geißler.

„Bild“ verbreitete dieses exklusive Wissen großflächig in den Frankfurter und Stuttgarter Regionalausgaben:

Am Frankfurter Flughafen: Heiner Geißler flüchtet vor Polizei-Kontrolle

Deutschlandweit wurde Geißler zum „Verlierer des Tages“ erklärt:

CDU-Urgestein Heiner Geißler (81) hat bei einer Polizeikontrolle offenbar die Nerven verloren! Am Frankfurter Flughafen musste Geißler mit seinem Auto vor einer Straßensperre warten. Plötzlich, so Augenzeugen, gab er Gas, rief "Was soll die Scheiße hier?" und brauste davon. Nun liegt der Vorfall beim Polizeipräsidium. BILD meint: Alter schützt vor Torheit nicht!

(Gewinner des Tages ist übrigens der vor einem Jahr verstorbene Oktopus Paul, weil über den jetzt ein E-Book erscheint.)

Heiner Geißler widersprach dieser Darstellung heute in einer Stellungnahme heftig. „Der Bericht ist unrichtig und beruht auf falschen Informationen“, schreibt er und erklärt, dass er sein Auto in der Flughafen-Parkgarage habe abstellen wollen, um den ICE nach Kiel zu nehmen.

hr-online.de zitiert Geißler:

Am Ende der Abbiegespur habe ein Zollbeamter gestanden, der die Autos weiterleitete. Geißler sagte, er habe aus dem Fenster gerufen: „Was soll das, ich verpasse meinen Zug.“ Der Beamte habe ihn gegrüßt und ihn passieren lassen. „Die Behauptung, ich sei geflüchtet, ist absolut falsch, da ich gar nicht angehalten wurde“, so der frühere Bundesfamilienminister und CDU-Generalsekretär.

Auch bei der Marke seines Autos hat sich die „Bild“ laut Geißler getäuscht. „Ich fahre einen 5er BMW und die örtlichen Verhältnisse lassen ein Tempo über 20 km/h gar nicht zu.“ Der schwere Audi und die quietschenden Reifen seien „reine Erfindung“.

In der Onlineversion des „Bild“-Artikels wurde Geißlers Stellungnahme unauffällig am Schluss eingebaut — mit der Anmoderation „Heiner Geißler bestreitet die Vorwürfe.“

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt bestätigte uns gegenüber, dass die Schilderungen von Geißler zutreffend seien. Die „Folgen“, die Geißlers „Flucht“ laut „Bild“ haben könnte, schloss der Mann aus: Es bleibe „praktisch gar nichts hängen, auch keine Ordnungswidrigkeit“. Die Berichterstattung sei „viel Wind um fast nichts“.

Damit kann man dann auch die Fragen von „Mitteldeutscher Zeitung“ und „Westfälischem Anzeiger“ klar mit „Nein“ beantworten:

Flüchtete Heiner Geißler vor Polizeikontrolle?

Ist Geißler vor Polizeikontrolle geflüchtet?

Mit Dank an Florian S.