Raab und der Antisemitismus-Vorwurf, Nicht schielen, Volo-Tipps

1. Antisemitismus-Vorwurf: Einspieler aus “Stefan Raab Show” entfernt
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Wie Thomas Lückerath berichtet, habe RTL einen Einspieler aus der “Stefan Raab Show” über den “Dschungelcamp”-Kandidaten Gil Ofarim entfernt, nachdem Kritik laut geworden sei, dieser bediene antisemitische Klischees. Stein des Anstoßes sei unter anderem die Erwähnung eines vererbten “Betrüger-Gens” sowie die Verwendung stereotyper Bilder gewesen. RTL betone, es habe sich lediglich um Satire gehandelt. Trotzdem habe man den Beitrag aufgrund möglicher Missverständnisse von allen Plattformen gelöscht.

2. Nicht nach Washington schielen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband warnt die Regierungskoalition eindringlich davor, medienpolitische Entscheidungen an den vermuteten Reaktionen von US-Präsident Donald Trump auszurichten. Konkret dürfe ein geplantes Gesetz, das US-Streamingdienste zu Investitionen in den deutschen Filmstandort verpflichte, nicht aus Angst vor angedrohten Strafzöllen gestoppt werden. Ebenso müsse die Bundesregierung die angekündigte Digitalsteuer für Big-Tech-Konzerne endlich umsetzen.

3. Trump bepöbelt CNN-Journalistin im Oval Office
(spiegel.de)
Als die CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins im Oval Office kritische Fragen zur schleppenden Aufarbeitung des Falls Jeffrey Epstein gestellt habe, habe US-Präsident Donald Trump sie persönlich attackiert und als “schlimmste Reporterin” beschimpft. Statt auf die Kritik der Opfer oder die Verbindungen seiner Vertrauten einzugehen, habe Trump der Journalistin vorgeworfen, nie zu lächeln. Das Weiße Haus habe den Vorfall anschließend in Sozialen Medien triumphierend verbreitet.

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4. Journalismus in Zeiten von Big Tech
(verdi.de, Bärbel Röben & Lars Lubienetzki)
Auf dem 38. dju-Journalismustag habe Keynote-Speaker Markus Beckedahl eindringlich vor der Abhängigkeit von Big-Tech-Firmen gewarnt und eine Strategie für digitale Souveränität gefordert. Das Ziel sei es, die Demokratie nicht den Algorithmen von Konzernen wie X oder TikTok zu überlassen. Expertinnen und Experten sowie Journalistinnen und Journalisten hätten dafür plädiert, auch “periphere Medienakteure” und Content Creator stärker einzubinden.

5. Volontariat im Journalismus: Ablauf, Aufgaben und Bewerbung
(media-lab.de)
Das “Media Lab Bayern” hat wertvolle Tipps für das Volontarit zusammengestellt: “Du willst in den Journalismus einsteigen und fragst dich, ob ein Volontariat der richtige Weg für dich ist? In diesem Artikel bekommst du einen ehrlichen Überblick über alles, was dich im Volo erwartet: Von Alltag und Aufgaben über Bezahlung und Zugangsvoraussetzungen bis hin zu Bewerbungstipps, Perspektiven und möglichen Stolpersteinen.”

6. Programmvorschau: Diese Journalistenfilme laufen 2026 im Kino
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
Patrick Torma hat sich angeschaut, welche “Journalistenfilme” uns im Jahr 2026 erwarten. So halte das bevorstehende Kinojahr ein Wiedersehen mit kultigen fiktiven Medienfiguren bereit, darunter Hape Kerkelings Horst Schlämmer und die Horror-Reporterin Gale Weathers in “Scream 7”. Ernstere journalistische Themen würden in Steven Spielbergs Sci-Fi-Film “Disclosure Day” sowie in Aaron Sorkins Drama “The Social Reckoning” behandelt, das den Facebook-Skandal um die Whistleblowerin Frances Haugen aufarbeite.

7. Epstein‑Akten: Warum die Wahrheit im Chaos untergeht
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:56 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Veröffentlichung der Epstein‑Akten. Diese führe zu Orientierungslosigkeit, Fehlinterpretationen und einer Verdrängung der tatsächlichen Opferperspektive. Das Fazit: “Diese Aktenberge klären uns nicht auf. Oder anders gesagt: Wir ertrinken in Daten, aber wir verdursten nach Kontext.”

Zunehmende Feindseligkeit, Polizei setzt auf Copaganda, Cybersicherheit

1. »Reporter ohne Grenzen« berichtet über zunehmende »Feindseligkeit« gegenüber Journalisten
(spiegel.de)
Einem Bericht von “Reporter ohne Grenzen” (PDF) zufolge werde die Stimmung gegenüber Journalistinnen und Journalisten in Ostdeutschland zunehmend feindseliger. Allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten 15 der bundesweit 55 dokumentierten Angriffe stattgefunden. Lokaljournalistinnen und -journalisten bei Recherchen im rechtsextremen Milieu seien besonderer Feindseligkeit ausgesetzt. Die Berichterstattung über rechte Proteste sei mittlerweile so risikoreich, dass sie kaum noch ohne den Schutz durch Polizei oder private Sicherheitsdienste möglich sei.
Weiterer Lesetipp: Demo-Recherchen nur im Team: “Der Deutsche Journalisten-Verband rät Medienschaffenden dazu, Vorort-Recherchen über Demonstrationen und Veranstaltungen extremistischer Gruppierungen nur im Team durchzuführen.” (djv.de)

2. Wie steht es um die Cybersicherheit der Medien?
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Cyberangriffe seien für Medienhäuser längst keine Fiktion mehr, sondern eine reale Gefahr, die neben dem Sendebetrieb vor allem die journalistische Glaubwürdigkeit bedrohe. Wie Vorfälle bei Radio Arabella oder diversen Zeitungsverlagen gezeigt hätten, sei IT-Sicherheit heute eine strategische Vertrauensfrage. Das MedienNetzwerk Bayern betone deshalb, dass echte Cyber-Resilienz nicht nur technische Schutzmaßnahmen erfordere, sondern auch geschultes Personal und einen transparenten Umgang mit Störungen.

3. Büros in Frankreich durchsucht
(taz.de)
Die Pariser Staatsanwaltschaft habe die französischen Büros der Plattform X (vormals Twitter) durchsuchen lassen. Gegen das Unternehmen werde wegen Beihilfe zu schweren Straftaten ermittelt. Auslöser der Untersuchung seien unter anderem antisemitische Äußerungen des KI-Chatbots Grok gewesen. Im Zuge des Verfahrens seien auch Eigentümer Elon Musk und die ehemalige Geschäftsführerin Linda Yaccarino für April zu einer Anhörung vorgeladen worden.
Weiterer Lesetipp: Medienbericht: Sexualisierte Deepfakes von Grok möglicherweise aus Kalkül: “Die Erstellung sexueller KI-Bilder mit Grok könnte Methode haben, um die Popularität der Plattform X zu steigern. Die Washington Post liefert Anhaltspunkte.” (heise.de, Andreas Knobloch)
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube fragen sich Anwalt Chan-jo Jun und Juristin Jessica Flint: Musk im Knast? Razzia gegen X in Paris. Ginge das in Deutschland? (youtube.de, 13:54 Minuten)

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4. Soziale Medien: Spanien plant Social-Media-Verbot für Jugendliche
(zeit.de)
Nach dem Vorbild Australiens plane nun auch die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez, den Zugang zu Sozialen Medien für Jugendliche unter 16 Jahren gesetzlich zu verbieten. Sánchez habe diesen Schritt damit begründet, dass man Minderjährige vor dem “digitalen Wilden Westen” schützen müsse. Der angekündigte Gesetzentwurf sehe zudem eine Haftung der Plattformbetreiber für manipulative Algorithmen vor.

5. FDP in Baden-Württemberg kündigt Klage gegen SWR-Triell an
(medien.epd.de)
Die FDP in Baden-Württemberg habe eine Klage gegen den öffentlich-rechtlichen SWR angekündigt. Die Partei sehe sich durch das geplante TV-Triell, zu dem nur CDU, Grüne und AfD eingeladen seien, benachteiligt. Nach Ansicht der Liberalen verstoße das Format kurz vor der Wahl gegen die Chancengleichheit, weshalb sie entweder die Teilnahme von FDP und SPD oder eine Absage der Sendung fordern würden. Der MDR weise die Kritik jedoch zurück und betone, dass man mit dem Prinzip der “abgestuften Chancengleichheit” und weiteren Formaten allen Parteien gerecht werde.

6. Wie die Polizei Soziale Netzwerke mit Copaganda flutet
(netzpolitik.org, Timur Vorkul)
Deutsche Polizeibehörden würden ihre Präsenz in Sozialen Medien massiv ausbauen und dabei gezielt auf Humor sowie eigene Influencer setzen. Das mögliche Ziel: Nachwuchs gewinnen und das Image aufpolieren. Kritiker warnen jedoch, dass diese unterhaltsame Selbstdarstellung oft den gesetzlichen Auftrag zur Neutralität verletze und strukturelle Probleme innerhalb der Behörden verharmlose. Durch die direkte Kommunikation an der Presse vorbei versuche die Polizei zudem, journalistische Kontrollinstanzen zu umgehen und sich die alleinige Deutungshoheit über ihre Arbeit zu sichern.

Angriff auf Journalisten, Im permanenten Shitstorm, Straßenbahn

1. Video zeigt Angriffe auf Journalisten bei Kubitschek-Treffen
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Am Rande eines Treffens des neurechten Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda seien Journalisten des Medienkollektivs “Recherche Nord” von Teilnehmern, darunter Vertreter der AfD-Jugend und der Identitären Bewegung, massiv bedrängt und körperlich angegriffen worden. Wie Videoaufnahmen belegen, seien die Reporter geschlagen, mit Wasser bespritzt und bestohlen worden. An den Einschüchterungsversuchen seien auch prominente Akteure wie Martin Sellner und Kubitschek selbst aktiv beteiligt gewesen. Betroffene werten das Geschehen als alarmierendes Zeichen und sagen, dass der Vorfall eine Vorahnung auf das sei, was die AfD bundesweit plane.

2. Im permanenten Shitstorm
(netzpolitik.org, Tomas Rudl & Markus Reuter)
Laut einer Datenanalyse von netzpolitik.org würden etablierte Medien wie “Tagesschau”, “Spiegel” und “Zeit” auf der Plattform X (vormals Twitter) trotz Millionen von Followerinnen und Followern kaum noch Reichweite erzielen. Stattdessen schlügen ihnen überwiegend Hass und rechte Hetze entgegen. Die Redaktionen würden ihren Verbleib damit rechtfertigen, auf X ein Gegengewicht zu Desinformation bilden zu wollen. In den Kommentarspalten würden jedoch feindselige Trolle und automatisierte Bots dominieren, während alternative Plattformen wie Bluesky inzwischen höhere Interaktionsraten ermöglichen könnten.

3. Berufsgeheimnis weiter schützen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Ein Medienbündnis, dem unter anderem der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) angehört, habe das Bundesjustizministerium aufgefordert, den Schutz journalistischer Berufsgeheimnisse auch im digitalen Raum uneingeschränkt zu wahren. Hintergrund sei ein Referentenentwurf zur IP-Adressspeicherung, der Ermittlungsbehörden einen erleichterten Zugriff auf Verkehrsdaten ermögliche und durch die etwaige Erstellung von Bewegungsprofilen den Quellenschutz gefährde. Dem Bündnis würden neben dem DJV der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, der Medienverband der Freien Presse, der Verband Privater Medien, der Deutsche Presserat, ARD, ZDF, Deutschlandradio, Reporter ohne Grenzen und die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi angehören.

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4. Der langsame Niedergang von ProSieben
(youtube.com, Jakob Schreiber, Video: 20:34 Minuten)
In diesem Video geht es um die “wilde Business-Story hinter dem einst größten TV-Konzern Deutschlands”. Der einst mächtige TV-Konzern ProSiebenSat.1 sei durch fehlgeschlagene Investitionen in Internetfirmen und ein vernachlässigtes Fernsehprogramm in eine tiefe finanzielle Krise gerutscht. Da die wichtigen Werbeeinnahmen sänken, und der eigene Streamingdienst Joyn im Vergleich zu Netflix hohe Verluste schreibe, hätten sich Schulden in Milliardenhöhe angehäuft. Als Folge des Absturzes habe die italienische Berlusconi-Familie (Media For Europe) den Sender im Herbst 2025 übernommen und die komplette Führungsebene ausgetauscht.

5. In Frankreich und Australien: Brauchen wir ein Social-Media-Verbot?
(mdr.de)
Frankreich und Australien hätten bereits gesetzliche Verbote für die Nutzung Sozialer Medien durch Jugendliche auf den Weg gebracht. Nun werde auch in Deutschland angesichts einer Empfehlung der Leopoldina über ähnliche Schritte diskutiert. Zwar seien psychische Risiken wie Essstörungen oder depressive Verstimmungen unbestritten, doch Expertinnen und Experten wie die Medienpsychologin Johanna Degen seien skeptisch. Pauschale Verbote würden lediglich Symptome bekämpfen und könnten leicht umgangen werden. Fachleute würden stattdessen eine deutlich frühere Förderung der Medienkompetenz fordern.

6. Schriftsteller Poschenrieder fährt Straßenbahn: “Ich habe die Schnauze voll”
(fr.de, Uli Kreikebaum)
Uli Kreikebaum berichtet über den renommierten Schriftsteller Christoph Poschenrieder, der nach 15 Jahren und acht Romanen seinen Beruf aufgegeben habe, um stattdessen als Straßenbahnfahrer in München zu arbeiten. Als Grund für diesen radikalen Schritt nennt der 61-Jährige die ständige finanzielle Unsicherheit im Literaturbetrieb. Obwohl Fans und Buchhändler den Verlust bedauern würden, habe Poschenrieder seinen Frieden mit der Entscheidung gemacht. Er ziehe nun den geregelten Dienst in der Tram dem Schreiben weiterer Bücher vor.

Poschardt mit Vollgas, Synchro-Showdown, Journalismusfreiheit

1. Mit Vollgas gegen die Brandmauer
(taz.de, Nicholas Potter)
In einem ausführlichen Porträt beschreibt die “taz” Ulf Poschardt, Herausgeber der Axel-Springer-“Premiummarke”, als polarisierenden Kulturkämpfer, der sich mit seinem Bestseller “Shitbürgertum” gegen ein linksliberales Milieu positioniere und dabei auch intern für erhebliche Spannungen sorge. Poschardts redaktionelle Linie habe eine Welle von Kündigungen ausgelöst, darunter prominente Namen wie Investigativreporter Hans-Martin Tillack und Vize-Chefredakteur Robin Alexander.

2. Nach Festnahme bei Anti-ICE-Protest: Ex-CNN-Moderator und Journalist Don Lemon ist wieder frei
(tagesspiegel.de)
Der Journalist und ehemalige CNN-Moderator Don Lemon sei einen Tag nach seiner Festnahme auf Anweisung des US-Justizministeriums wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er müsse sich jedoch wegen angeblicher Verschwörung gegen die Religionsfreiheit vor Gericht verantworten. Die Anklage werfe ihm vor, sich bei einem Anti-ICE-Protest in einer Kirche wissentlich einem stürmenden Mob angeschlossen zu haben. Lemon betont, er habe dort lediglich seine Arbeit als Berichterstatter ausgeübt.

3. Monitor Journalismusfreiheit beobachtet Einschränkungen der journalistischen Arbeit
(concordia.at)
Im Presseclub Concordia ist der neue “Monitor Journalismusfreiheit” präsentiert worden (youtube.com, Video: 43:15 Minuten), mit dem Ziel, rechtliche, psychische und physische Einschränkungen der Pressearbeit in Österreich systematisch zu dokumentieren und sichtbar zu machen. Die Projektverantwortlichen Walter Strobl und Patricia Lierzer stellen die Methodik und erste Erkenntnisse vor. Über ausgesuchte Problemfelder berichten: Colette M. Schmidt (“Der Standard”), Ingrid Brodnig (freie Journalistin), Alexander Fanta (“Follow the Money”) und Johannes Greß (freier Journalist).

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4. Demokratie auf der Anklagebank
(verdi.de)
Die Organisation CASE habe seit 2010 über 1.300 SLAPP-Fälle in Europa dokumentiert, wobei Deutschland mit 20 registrierten Fällen im Jahr 2024 neben Italien und Serbien zu den am stärksten betroffenen Ländern gehöre. Da die meisten Einschüchterungsversuche bereits im Vorfeld durch aggressive Abmahnschreiben erfolgen und Betroffene oft aus Angst schweigen würden, bleibe ein großer Teil der Fälle der Öffentlichkeit verborgen.

5. Des Guten zu viel? Wenn Unwetterwarnungen Angst machen
(ardaudiothek.de, Thomas Bimesdörfer & Kai Schmieding, Audio: 18:49 Minuten)
Thomas Bimesdörfer und Kai Schmieding haben mit dem Fernsehmeteorologen und Buchautor Sven Plöger über die richtige Dosis bei Unwetterwarnungen gesprochen: “Wo liegt der Mittelweg zwischen Abstumpfung und Panikmache? Verstehen wir vielleicht auch die Wettervorhersagen nicht immer richtig? Gibt es ein Vermittlungsproblem?”

6. Synchro-Showdown: Netflix bald ohne deutsche Tonspur?
(dwdl.de, Timo Niemeier & Thomas Lückerath)
Zwischen Netflix auf der einen Seite und deutschen Synchronsprecherinnen und -sprechern auf der anderen sei ein Konflikt über neue Vertragsklauseln entbrannt, da der Streamingdienst Sprachaufnahmen ohne direkte Vergütung zum Training von KI-Systemen nutzen wolle. Wegen der im Raum stehenden Boykottmaßnahmen habe Netflix in einem Brief gewarnt, dass man bei anhaltenden Verzögerungen gezwungen sein könnte, Inhalte künftig nur noch mit deutschen Untertiteln statt mit einer Synchronfassung zu veröffentlichen.

KW 05/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Zerstört das Internet die Demokratie, Ralph Hertwig?
(youtube.com, Jochen Wegener, Video: 1:22:40 Stunden)
Im Podcast “Nur eine Frage” diskutiert “Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner mit dem Psychologen Ralph Hertwig, ob das Internet und Soziale Medien die Demokratie zerstören. Hertwig stellt fest, dass digitale Medien zwar Wissen und Teilhabe fördern, ihre auf Aufmerksamkeit programmierten Algorithmen jedoch gleichzeitig Polarisierung und Vertrauensverlust begünstigen würden. Dennoch bleibt er optimistisch, dass sich diese negativen Effekte durch digitale Bildung und eine kluge Regulierung der Plattformen eindämmen lassen.

2. Ist die Kulturkritik zu lieb geworden?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:06 Minuten)
Holger Klein unterhält sich mit dem Literaturwissenschaftler und Kulturjournalisten Johannes Franzen über Kulturkritik: “Warum ist negative Kritik überhaupt wichtig? Gibt es in Zeiten von Social Media überhaupt noch die großen Kritiker wie Marcel Reich-Ranicki? Wieso sind das größte Problem nicht die Algorithmen, sondern die riesigen Marketingbudgets? Und was hat Goethe über Kritiker geschrieben?”

3. “Wie Medien über Krisen kommunizieren”
(youtube.com, Lisa-Maria Röhling, Video: 1:20:12 Stunden)
Wie berichten Medien über Kriege und die Klimakrise, ohne dass das Publikum abstumpft oder resigniert? Dieser Frage widmen sich die Deutschlandfunk-Journalistin Ann-Kathrin Büüsker und die Kommunikationswissenschaftlerin Stephanie Geise bei den ZeMKI-Mediengesprächen in Bremen. Sie diskutieren über die Verantwortung des Journalismus und den schmalen Grat zwischen notwendiger Aufklärung und kontraproduktivem Alarmismus.

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4. Kommt das Ende von Social Media?
(ardaudiothek.de, Linus Lüring, Audio: 31:28 Minuten)
Bei “BR24 Medien” diskutiert Moderator Linus Lüring gemeinsam mit der Medienwissenschaftlerin Alexandra Borchardt sowie mit Christian Simon vom Media Lab Bayern über die Frage, ob Soziale Medien ihren Zenit überschritten haben. Sie analysieren, warum private Interaktionen zunehmend durch passives Durchscrollen, KI-Inhalte und sogenanntes “Binge-Media” verdrängt wurden. Außerdem sprechen sie darüber, ob dezentrale Alternativen wie das Fediverse eine Antwort auf die wachsende Unzufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer sein könnten.

5. Sollten Medien auf dezentralen Netzwerken unterwegs sein?
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, Audio: 39:37 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Medien auf dezentralen Netzwerken wie Mastodon unterwegs sein sollten. Deutschlandfunk-Hörer Nils Schaumburg diskutiert darüber mit Martin Holland (Heise Verlag) und Marco Wähner (CAIS).

6. Was KI im Journalismus wirklich verändert – und was nicht
(youtube.com, Paul Elvers, Video: 52:19 Minuten)
Paul Elvers, “Head of AI” bei der Funke Mediengruppe, spricht mit dem Datenjournalisten Claus Hesseling über dessen Aufgabe als “KI-Lotse” beim NDR, wo er Redaktionen hilft, relevante KI-Tools zu identifizieren und sinnvoll in Arbeitsprozesse zu integrieren. Hesseling erklärt, dass Künstliche Intelligenz nicht nur zur Effizienzsteigerung diene, sondern Journalistinnen und Journalisten als kreativer “Sparringspartner” unterstütze, bessere Geschichten zu entwickeln. Abschließend diskutieren beide über die Notwendigkeit, journalistische Inhalte vor der unvergüteten Nutzung durch große KI-Konzerne zu schützen.

Bedrohte Vielfalt, Schock nach Kahlschlag, Auswirkungen von KI

1. Weinende Soldaten, angebliche Desertion – wie KI-Videos in sozialen Medien den Ukrainekrieg verzerren
(faktencheck.afp.com, Katharina Zwins)
Laut einer Analyse von AFP würden prorussische Kreise seit November 2025 massenhaft KI-generierte Videos auf Sozialen Netzwerken verbreiten, die weinende oder desertierende ukrainische Soldaten zeigen sollen. Experten stufen diese Kampagne als “kognitive Kriegsführung” ein, die durch emotionale Inszenierungen gezielt die Moral der ukrainischen Bevölkerung untergraben und die internationale Unterstützung schwächen solle. Obwohl die meist mit Tools wie Sora 2 erstellten Clips oft technische Fehler aufweisen, würden sie auf Plattformen wie TikTok ein Millionenpublikum erreichen.

2. Rundfunkverbände sorgen sich um Medienvielfalt im Radiomarkt
(dwdl.de, Alexander Krei)
Mehrere private Rundfunkverbände aus dem deutschsprachigen Raum hätten sich zur “Linzer Erklärung” zusammengeschlossen, um vor dem Verlust der Medienvielfalt durch den massiven Abfluss von Werbegeldern an globale Online-Plattformen zu warnen. Sie würden die Politik dazu auffordern, durch Entbürokratisierung, Regulierungen für Big-Tech-Konzerne und diskriminierungsfreie Auffindbarkeit die wirtschaftliche Existenz des Privatradios zu sichern. Ohne schnelles Handeln würden nach Ansicht der Verbände irreversible Schäden für die demokratische Öffentlichkeit drohen.

3. Schock nach Kahlschlag bei RTL
(verdi.de, David Bieber)
Der private TV-Sender RTL habe angekündigt, bis zu 600 Stellen zu streichen (allein im Nachrichtenbereich rund 230), was bei der Belegschaft für Fassungslosigkeit gesorgt habe. Da die linearen Werbeeinnahmen massiv gesunken seien, wolle der Konzern künftig stärker auf Streaming setzen, weshalb bekannte Formate eingestellt und Redaktionen in neuen Newsrooms zusammengelegt würden. Um betriebsbedingte Kündigungen möglichst abzuwenden, habe man sich mit dem Betriebsrat auf einen umfassenden Sozialplan geeinigt.

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4. Welchen Horror wir erwarten
(taz.de, Yasemin Said)
Yasemin Said kritisiert, dass unser Gedenken an den Holocaust fast ausschließlich durch eine feste Ikonografie geprägt sei, die Erwartungen daran wecke, wie das Grauen auszusehen habe. Problematisch sei dabei, dass viele der bekannten Bilder ursprünglich von SS-Fotografen stammen. Dadurch würden wir die Geschichte unbewusst durch die zynische Perspektive der Täter betrachten. Diese verengte Ästhetik der Erinnerung führe dazu, dass unscheinbare, alltägliche Orte der Gewalt oft übersehen würden.

5. KI verdrahtet Film, TV und Produktion neu
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen McKinsey-Analyse stehe die Film- und TV-Branche vor einem tiefgreifenden Umbruch, bei dem Künstliche Intelligenz bis 2030 Budgets und Workflows neu ordne. Ähnlich wie bei früheren Innovationen dürften laut der Studie vor allem große Distributoren und Plattformen den wirtschaftlichen Mehrwert abschöpfen. Es drohe gleichzeitig ein Rückgang der Gesamterlöse im System, sollte das Publikum weiter zu offenen Videoplattformen abwandern.

6. Die RiffReporter: Zehn Jahre selbstverwalteter Fachjournalismus
(dfjv.de, Gunter Becker)
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der “RiffReporter” hat sich Gunter Becker mit “RiffReporter”-Vorständin Christiane Schulzki-Haddouti und Autorenvertreter Björn Lohmann über ihr Modell des selbstverwalteten Fachjournalismus unterhalten. Dank der demokratischen Struktur der Genossenschaft genössen die Mitglieder als Miteigentümer zwar redaktionelle Freiheit, sie müssten aber zugleich hohe Qualitätsstandards und ethische Richtlinien einhalten.

Ver­öf­f­ent­li­chung strafbar, Betrug mit KI-Bildern, Springer-Krise?

1. Ver­öf­f­ent­li­chung von Gerichts­be­schlüssen im Ermitt­lungs­ver­fahren strafbar
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Verurteilung des Journalisten Arne Semsrott bestätigt, da er unerlaubt Gerichtsbeschlüsse aus einem laufenden Ermittlungsverfahren gegen die “Letzte Generation” im Wortlaut veröffentlicht habe. Nach Auffassung der Richter schränke das entsprechende Gesetz die Pressefreiheit nur geringfügig ein. Semsrott, der diesen Rechtsstreit bewusst provoziert habe, wolle nun vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um die Abschaffung des seiner Meinung nach veralteten Straftatbestands zu erreichen.
Weiterer Lesetipp: Semsrotts Organisation “FragDenStaat” hat ein Statement anlässlich des BGH-Beschlusses veröffentlicht: “Es darf nicht sein, dass Journalist*innen für faktische und korrekte Berichterstattung verurteilt werden und das Strafgesetzbuch zur Gefahr für die Pressefreiheit wird. Darum legen wir nun gemeinsam mit der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) Verfassungsbeschwerde ein, um vor dem Bundesverfassungsgericht zu zeigen: Paragraph 353d Nr. 3 muss endlich abgeschafft werden.”

2. Massenhafter Betrug in ganz Deutschland
(t-online.de, Florian Harms)
Florian Harms warnt vor einer Flut täuschend echter KI-Bilder und -Videos, die gezielt Emotionen wecken würden, um durch Klicks Geld zu verdienen und politische Stimmungen zu manipulieren: “KI-Bilder sind die Vorboten einer neuen Ära, in der die Grenze zwischen Schein und Sein zerfließt. Wir erleben den Generalangriff auf das letzte verbliebene Vertrauen, das unsere Zivilisation zusammenhält: den Glauben an unsere eigenen Augen.”

3. Zahlreiche Journalist:innen im Visier bei Attacke über Signal-Messenger
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wie Markus Reuter berichtet, nimmt ein unbekannter Akteur derzeit gezielt Journalistinnen und Aktivisten ins Visier, indem er über den Messenger Signal Phishing-Nachrichten an Dutzende Medienvertreter, etwa von “Zeit” und “Correctiv”, sowie Anwälte in ganz Europa versende. Der oder die Angreifer gäben sich dabei als “Signal Support” aus, mit dem Ziel, den Account zu übernehmen und sensible Kontaktnetzwerke auszuspähen. Signal betone, dass man Nutzerinnen und Nutzer niemals per Chat kontaktiere.

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4. Datensammelei mit Folgen
(taz.de)
Der österreichische Verbraucherschutzverein habe eine Sammelklage gegen den Social-Media-Konzern Meta gestartet, da das Unternehmen über im Hintergrund laufende Tracking-Tools heimlich sensible Daten von Nutzerinnen und Nutzer gesammelt habe. Parallel dazu verhandele das Oberlandesgericht Hamburg Ende Februar über eine weitere Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands wegen eines massiven Datenlecks aus den Jahren 2018/2019, bei dem persönliche Informationen im Darknet gelandet seien.

5. 10 Dinge, die ich beim Beta-Test einer KI zur Verfolgung von Desinformation gelernt habe
(de.ejo-online.eu, Martin Lestra)
Martin Lestra hat 18 Monate lang das EU-Projekt “PROMPT” koordiniert, bei dem er gemeinsam mit über 30 Partnern aus Journalismus und Faktenprüfung den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Analyse von Desinformationsnarrativen getestet habe. Aus diesen intensiven Beta-Tests leitet er zehn zentrale “Learnings” ab, die unter anderem verdeutlichen, dass KI-Tools für Experten absolut präzise arbeiten müssen und keine Fehlalarme produzieren dürfen. KI sei außerdem nur erfolgreich, wenn sie sich einfach in den stressigen Redaktionsalltag integrieren lasse.

6. Springer-Krise? das Ende einer Ära.
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Stefan Schulz, Video: 20:57 Minuten)
Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt analysieren den Weggang von Robin Alexander, der mit seinem erfolgreichen Podcast “Machtwechsel” das Medienhaus Axel Springer verlassen hat, um ihn eigenständig weiterzuführen. Die beiden sehen darin ein Beispiel für die wachsende Bedeutung von “Personal Branding” im Journalismus.

7. Freeclimber schreibt Geschichte in Taipeh
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die Streaming-Plattform Netflix, die am vergangenen Wochenende die ungesicherte Besteigung eines Wolkenkratzers per Livestream übertragen hat. Zudem warnt er eindringlich davor, dass solche Events Jugendliche dazu animieren könnten, für Klicks im Internet leichtsinnig ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

US-Neonazi-Content, Kamera als Waffe, Zensurvorwürfe gegen TikTok

1. Die Kamera als Waffe
(taz.de, Valérie Catil)
Valérie Catil argumentiert, dass erst die Videoaufnahmen eines Augenzeugen die Tötung von Alex Pretti durch ICE-Beamte als kaltblütige Hinrichtung und die offizielle Notwehr-Darstellung der US-Regierung als Lüge entlarvt hätten. Die Handykamera fungiere in diesem Kontext als eine Form der Bewaffnung. Sie sei die einzige Möglichkeit, staatlicher Propaganda und der Verzerrung der Realität durch US-Präsident Donald Trump und dessen Behörden wirksam entgegenzutreten. Das Dokumentieren staatlicher Gewalt sei unverzichtbar.

2. US-Regierungsaccounts posten Neonazi-Content
(volksverpetzer.de, Annika Brockschmidt)
Wie Annika Brockschmidt beim “Volksverpetzer” ausführt, würden sich US-Regierungsaccounts unter der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump seit 2025 gezielt der Ästhetik und Codes rechtsextremer Online-Subkulturen bedienen. Diese Strategie ziele darauf ab, die eigene rechtsextreme Basis zu mobilisieren und politische Gegner einzuschüchtern. Etablierte Medien übersähen die oft subtilen Hinweise auf White-Supremacy-Literatur oder faschistische Computerspiel-Mods häufig. Die Normalisierung solcher Inhalte zeige, dass eine neue Generation radikalisierter Republikaner in den Institutionen Fuß gefasst habe.

3. Ökonomin Veronika Grimm wird Herausgeberin bei „The Pioneer“
(deutschlandfunk.de)
Die Ökonomin und Wirtschaftsweise Veronika Grimm werde Herausgeberin des von Gabor Steingart gegründeten Portals “The Pioneer”: “Ich hoffe, mit meinem wirtschaftspolitischen und geoökonomischen Blick neue Impulse einbringen zu können und bin sicher, dass die Zusammenarbeit auch meinen Blick auf die gesellschaftliche Debatte erweitern wird.” Die Personalie wird von “Spiegel”-Kolumnist Christian Stoecker auf Threads kritisch kommentiert: “Veronika Grimm sollte Ihren Posten im Rat der ‘Wirtschaftsweisen’ mit sofortiger Wirkung niederlegen. Schon ihre Rolle im Aufsichtsrat von Siemens Energy ist ein Interessenskonflikt, aber Herausgeberin eines Pressemediums und Beraterin der Bundesregierung, das geht wirklich nicht.”

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4. Martenstein, Mario Barth und die Armee der Amazon-Rezensenten
(kulturundkontroverse859.substack.com, Johannes Franzen)
Johannes Franzen kritisiert Kolumnisten wie Harald Martenstein, die sich als mutige Außenseiter inszenieren, in Wahrheit aber nur ein populäres Ressentiment ihres wohlhabenden Publikums bedienen, indem sie sich über geschlechtergerechte Sprache lustig machen. Es gebe eine Allianz zwischen bildungsbürgerlichem Elitismus und aggressivem Populismus, bei der sich selbsternannte Verteidiger der Freiheit paradoxerweise für staatliche Verbote des Genderns einsetzen würden. Eine regelrechte “Armee” von Internetnutzern nutze gezielt Rezensionsplattformen wie Amazon, um Bücher mit geschlechtergerechter Sprache durch schlechte Bewertungen abzustrafen.

5. Wie Eventisierung den Literaturbetrieb stresst
(tagesschau.de, Julia Hercka)
Während kleine Veranstalter oft kaum das empfohlene Mindesthonorar für Lesungen zahlen könnten, würden wenige Literatur-Stars mit Einnahmen von bis zu 50.000 Euro pro Auftritt massiv von der sogenannten “Eventisierung” des Betriebs profitieren. Kritiker würden befürchten, dass durch die hohen Honorarforderungen der Top-Verdiener die Möglichkeit zur Querfinanzierung kleinerer Veranstaltungen wegfalle und somit die kulturelle Vielfalt bedroht sei.

6. Kalifornien untersucht Zensurvorwürfe gegen TikTok USA
(spiegel.de)
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom habe eine offizielle Untersuchung gegen die neuen US-Betreiber von TikTok eingeleitet, nachdem Berichte über blockierte Nachrichten zum Namen “Epstein” und unterdrückte Kritik an der Trump-Regierung lautgeworden seien. Zudem sorge eine Passage in den Nutzungsbedingungen für Unruhe. Demnach sammele die Plattform Daten, die Rückschlüsse auf den Einwanderungsstatus der Nutzerinnen und Nutzer zulassen.

Schicksalsjahr 2026?, Meta ignoriert Vorgaben, Schlechter Jahrgang

1. Warum 2026 zum Schicksalsjahr werden könnte
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 38:14 Minuten)
Die KI- und Technikjournalisten Marie Kilg und Moritz Metz sowie Medienwissenschaftler Stephan Weichert diskutieren darüber, ob das Jahr 2026 durch den rasanten Einzug generativer KI zu einem Schicksalsjahr für den Journalismus werden könnte. Während Kilg dafür plädiert, die Technologie aktiv und transparent zu nutzen, um nicht den Anschluss zu verlieren, warnt Metz vor einer gefährlichen Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen und einer schwindender Medienkompetenz bei der Jugend. Weichert mahnt ethische Mindeststandards an, da durch den KI-Einsatz eine “Verantwortungsdiffusion” drohe.

2. Meta ignoriert Transparenzvorgaben
(verdi.de, Volker Nünning)
Das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass der Social-Media-Konzern Meta die Transparenzvorgaben des deutschen Medienstaatsvertrags bei Facebook vorläufig umsetzen müsse. Das Gericht gewichte das öffentliche Interesse an der Offenlegung der Algorithmen höher als die wirtschaftlichen Interessen des US-Unternehmens. Da Meta die Vorgaben laut der zuständigen Medienanstalt bislang ignoriere, drohe die Behörde nun mit weiteren Maßnahmen.

3. Eckart von Hirschhausen über Gesundheit, Klima, Fake News und Kirche
(evangelische-zeitung.de, Gottfried Bohl)
Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen erklärt im Interview mit der “Evangelischen Zeitung”, dass Klimaschutz, Gesundheit und der Kampf gegen Desinformation eng zusammenhängen würden. Er fordert die Kirchen auf, ihren großen Einfluss und Besitz zu nutzen und als analoge Begegnungsorte gegen die Spaltung durch Soziale Medien zu wirken. Zudem warnt er vor den Gefahren durch KI-generierte Fälschungen, sogenannte Deepfakes. Diese würden nicht nur einzelne Personen, wie ihn selbst, für Betrug missbrauchen, sie untergrüben auch das Vertrauen in Medien und Demokratie.

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4. Nach Monaten der Blockade: MDR durchschlägt den gordischen Knoten
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem Scheitern des ersten Versuchs sei Boris Lochthofen nun erfolgreich zum neuen Chef der künftig zusammengelegten MDR-Programmdirektionen in Halle und Leipzig gewählt worden. Seine Aufgabe bestehe darin, bis zum Jahr 2028 Doppelstrukturen abzubauen und die getrennten Bereiche zu einer Einheit zu formen. Die Klärung der Führungsfrage komme gerade noch rechtzeitig. Der MDR stehe angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der politischen Drohungen durch die AfD vor einem entscheidenden Jahr.
Weiterer Lesetipp: Bericht von der 232. Sitzung des MDR-Rundfunkrat (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy).

5. EU-Kom­mis­sion leitet wei­tere Unter­su­chung gegen X ein
(lto.de)
Die EU-Kommission habe eine Untersuchung gegen Elon Musks Plattform X eingeleitet, weil deren KI-Programm “Grok” auf Befehl von Nutzern künstliche Nacktbilder echter Personen erstellt habe. Die Behörde prüfe nun, ob das Unternehmen gegen europäische Gesetze verstoßen habe, indem es die Risiken für Frauen und Kinder vorab nicht ausreichend bewertet und verhindert habe. X habe die Bild-Funktion inzwischen zwar eingeschränkt, dem Konzern würden bei einem bestätigten Verstoß aber dennoch empfindliche Geldstrafen drohen.

6. Oscars 2026: Die besten Filme – Ein schlechter Jahrgang!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 27:54 Minuten)
Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat sich den Oscar-Jahrgang 2026 angeschaut. Einigermaßen enttäuscht fragt er sich: “Warum hat ‘Sinners’ 16 Nominierungen erhalten? Weshalb steht ‘Frankenstein’ überhaupt auf der Liste? Sollte man wirklich bei ‘Hamnet’ viele Tränen verdrücken?”
Weiterer Hörtipp: Bei “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Christoph Borgans mit dem Kulturjournalisten und SR-Redakteur Oliver Hottong über den Filmfestival Max-Ophüls-Preis und den deutschen Filmnachwuchs: “Welche Themen treibt die neue Generation von Filmemachern um? Wie erzählen sie? Und: Was braucht der deutsche Film, um in Schwung zu kommen?” (ardaudiothek.de, Audio: 19:05 Minuten)

Herausgabe der Schröder-Akten, US-TikTok rückt zu Trump, Deepfakes

1. Schröder-Akten: Auskunftsklage gegen Kanzleramt
(correctiv.org, Justus von Daniels & Hans-Martin Tillack)
Die “Correctiv”-Redaktion berichtet in eigener Sache, dass sie gemeinsam mit dem Journalisten Hans-Martin Tillack Klage gegen das Kanzleramt eingereicht habe, um Zugang zu Akten über Gerhard Schröders Kontakte zu Wladimir Putin im Jahr 2005 zu erhalten. Hintergrund sei, dass der Ex-Kanzler 178 Aktenordner, die potenziell Details zur Nord-Stream-Planung enthalten könnten, nach seiner Amtszeit mitgenommen und mittlerweile bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung eingelagert habe. Da das Kanzleramt trotz gesetzlicher Archivierungspflichten auf eine rechtliche Rückforderung verzichte, bleibe der Öffentlichkeit sowie Historikerinnen und Historikern die Einsicht in diese amtlichen Unterlagen verwehrt.

2. US-TikTok rückt zu Trump
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Um einem drohenden TikTok-Verbot in den USA zu entgehen, habe der chinesische Mutterkonzern ByteDance den Großteil seines US-Geschäfts an ein internationales Konsortium verkauft. Eine zentrale Rolle spiele dabei der IT-Konzern Oracle, dessen Gründer Larry Ellison als enger Vertrauter von Donald Trump gelte und der nun die technische Kontrolle über die Daten und Algorithmen habe. Damit verschiebe sich der Einfluss auf die Plattform lediglich von der chinesischen Regierung hin zum direkten Umfeld des US-Präsidenten.

3. Bildbasiert aber unsichtbar
(verfassungsblog.de, Theresia Crone)
Beim “Verfassungsblog” kritisiert die Juristin Theresia Crone, dass Opfer von künstlich generierten Nacktbildern (Deepfakes) derzeit kaum rechtlichen Schutz hätten, da die bestehenden Gesetze diese neue Form der digitalen Gewalt oft nicht erfassen würden. Crone fordert: “Angesichts der wachsenden Zahl von pornografischen Deepfakes muss der Gesetzgeber einen Umgang mit dieser Form digitaler Gewalt finden. Denn die Bilder und Videos verletzen die Intimsphäre der betroffenen Person bereits bei ihrer Herstellung.”

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4. Sandra Navidi: “Trump wird die USA an die Wand fahren”
(youtube.com, Zsolt Wilhelm, Video: 20:57 Minuten)
Wenn es um eine differenzierte Berichterstattung aus den USA geht, ist Sandra Navidi eine viel gefragte Expertin, zum Beispiel regelmäßig beim TV-Sender ntv. Im Gespräch mit dem “Standard” schildert die Juristin und Finanzexpertin, wie sich ihr einstiges Traumland von einem Ort der unbegrenzten Möglichkeiten zu einem gesellschaftlich gespaltenen Krisenherd gewandelt habe. Und sie analysiert, wie ein rücksichtsloser Sozialdarwinismus und der immense Einfluss von Tech-Milliardären unter Donald Trump die demokratischen Institutionen aushöhlen und das System destabilisieren würden.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 253
(netzwerkrecherche.org, Christian Esser & Greta Linde)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Christian Esser zu der unmittelbar bevorstehenden Fachkonferenz zur Verdachtsberichterstattung und der im Juni erfolgenden “Jubiläumskonferenz”. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. In memoriam Friedhelm Brebeck, Kriegsreporter
(ardaudiothek.de, Martin Durm, Audio: 23:47 Minuten)
Im Alter von 91 Jahren ist der profilierte Kriegsreporter Friedhelm Brebeck verstorben. Der Bayerische Rundfunk würdigt dessen Arbeit mit der Wiederholung eines Porträts von Martin Durm, der Brebeck im Ahrtal besuchte. Dort, wo der Journalist nach Jahren in Krisengebieten selbst eine Katastrophe überleben musste.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.