Posts Tagged ‘Leser-Reporter’

Supi, beim Nachbarn brennt’s!

Unter der Überschrift „Leser glücklich – Mein Video steht schon bei Bild.de“ dokumentiert Bild.de schon mal die Wirkung der jüngsten, großen „Bild“-Verkaufsaktion:

(Anonymisierungen von uns.)

Nachtrag, 9.12.2008: Bild.de hat die überglückliche „Video-Reporterin“ aus dem Artikel entfernt.

„Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung!“

"Erzbischof Sterzinsky kritisiert Medien"Ja, das hier links ist tatsächlich ein Ausriss aus der „Bild“-Zeitung. Georg Kardinal Sterzinsky hat beim gestrigen Medienempfang des Erzbistums in Berlin unter anderem die „Bild“-Zeitung kritisiert – und „Bild“ berichtet unter der Überschrift „Erzbischof Sterzinsky kritisiert Medien“ darüber. Das ist ungewöhnlich für „Bild“.

Anlass für Sterzinskys Kritik war die Veröffentlichung eines Leser-Reporter-Fotos, das einen geistig verwirrten, nackten Mann zeigte, der mitten am Tag auf allen Vieren über eine Kreuzung kroch (wir berichteten). „Bild“ hatte das Foto „garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren“, wie Sterzinsky es in seiner Rede ausdrückte (siehe Kasten).

Aus Sterzinskys Rede

„Aber warum dann immer wieder einzelne Entgleisungen – wie jüngst, als ein Verwirrter, der nackt durch die Straßen Berlins kroch, sich in grob kompromittierender Weise in der Zeitung wiederfand, garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren. ‚Die Wahrheit über den Menschen bekannt gemacht?‘ – Meine Bitte an die Verantwortlichen des Boulevard-Journalismus: Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung! Beenden Sie den Unsinn, Sensationslust und niedere Instinkte durch das fragwürdige Handwerk sogenannter ‚Fotoreporter‘ zu bedienen!“

Offenbar in der Absicht, die Berichterstattung zu entschuldigen, anstatt sich für sie zu entschuldigen, schreibt „Bild“ zu Sterzinskys Vorwurf:

Das Gesicht des Mannes war nicht erkennbar. Eine Nachfrage bei der Feuerwehr, ob in der fraglichen Zeit eine hilflose Person in Neukölln aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht wurde, wurde damals verneint. Am Tag nach der Veröffentlichung berichtete der „Tagesspiegel“, dass es sich bei dem Mann um einen geistig Verwirrten gehandelt hatte.

Demnach rechtfertigt also die Tatsache, dass „Bild“ keinerlei Ahnung hatte, was genau mit dem verwirrten, nackten Mann los war, dass „Bild“ sich über ihn lustig machte, öffentlich zur Schau stellte und als mutmaßlichen „Puffgänger“ verunglimpfte, der zu viel „Schampus intus“ hatte.

Das ist dann wieder nicht so ungewöhnlich für „Bild“.

Von Puffgängern und psychisch Kranken

„Bild“ gibt alles:

„Liebes Model! Bitte melde Dich! Bewirb Dich als ‚BILD Girl‘ für die Seite 1! Kontakt: BILDFotoredaktion (…)“
(Bild.de vom 17.4.2008)

„War der Frau etwa zu warm? Oder wurden ihr die Klamotten gestohlen? Oder suchte sie einfach nur den ultimativen Kick? BILD.de bleibt dran.“
(Bild.de vom 10.7.2008)

„Top-Abrufzahlen bei BILD.de. Und jetzt gewann die Unbekannte auch noch das große Online-Voting. (…) Doch wer ist sie? Wie heißt sie? Gibt es Freunde, Bekannte, die die Frau kennen? Hinweise per Email an 1414@bild.de.“
(Bild.de vom 23.7.2008)

Wenn irgendwo junge Frauen „nackt“, „komplett nackt“, „völlig nackt“, „splitternackt“, „hüllenlos“, „ohne irgendetwas am Leib“, „wie Gott sie schuf“ bzw. „NACKT!“ in der Öffentlichkeit gesichtet werden, gibt man bei „Bild“ alles.

Da werden dann nicht nur wahllos „BILD-Leser-Reporter“-Fotos von ihnen veröffentlicht und Online-Votings veranstaltet, sondern auch Psychologen befragt („Neudeutsch wird dieses Phänomen ’nude in public‘ genannt“) und öffentliche Aufrufe gestartet (siehe Kasten).

Und was fällt der „Bild“-Redaktion ein, wenn mitten am Tag ein ca. 50 Jahre alter Mann nackt und auf allen Vieren über eine belebte Kreuzung kriecht?

Na, sehen Sie selbst:

"War es ein Puffgänger, der zu viel Schampus intus und seine Klamotten vergessen hatte? War es eine Wette? Oder einfach das warme Wetter? Das bleibt wohl das Geheimnis des Nackten aus Neukölln ..."

„Geheimnis“? Der Berliner „Tagesspiegel“ hat es gelüftet:

Denn wie die Polizei problemlos bestätigt hätte, wurde der Mann kurz nach dem Vorfall in die Psychiatrie eingeliefert. Offenbar gab es noch ein paar Passanten, die Hilfe holten, statt das Elend eines Verwirrten auszuschlachten.

Mit Dank an Ben für den Hinweis.

YouTube überführt „BILD-Leser-Reporter“

Vor allem in Hamburg kam es am 1. Mai zu Ausschreitungen. Natürlich berichtet auch „Bild“ über die „linken Chaoten“ und „dumpfen Randalierer“ — und zeigt online sogar allerlei Fotos von „BILD-Leser-Reportern“, die „Zeugen der sinnlosen Gewalt“ geworden seien:

„Ein dritter Randalierer stopft das Tuch weiter in den Innenraum“? Naja. Zeugen der sinnlosen Gewalt, die ihre Aufnahmen nicht gleich an „Bild“ geschickt haben, sahen die Szene irgendwie anders:

Mit Dank an, ähm, YouTube-Reporter diggernansy und an Bernd K.

BILDisch für Fortgeschrittene (2)

Heute lernen wir mal wieder eine neue „Bild“-Vokabel:

bestätigen

Denn „Bild“ hat offenbar ein Foto zugeschickt bekommen, das einen Frankfurter Ordnungsamtsbeamten vor einem Einkaufswagen zeigt. Und „Bild“ schreibt:

Hier gibt’s ein Knöllchen für den Einkaufswagen!

Kaum zu glauben: In Frankfurt gibt’s sogar Knöllchen für das Abstellen von Einkaufswagen! Ein BILD-Leser-Reporter schoss das Foto eines Hilfspolizisten, der einen Einkaufswagen-Falschparker (…) aufschreibt.

Bild.de ist die kuriose Geschichte heute sogar eine Schlagzeile auf der Startseite wert:

Zitiert wird nicht nur der Laien-Reporter („Schon komisch: Wir haben überlegt, an wen das Knöllchen wohl geht. Irre!“), sondern auch das Ordnungsamt:

Das Ordnungsamt bestätigte: „Wagen wird zur Registrierung aufgeschrieben und dem Supermarkt zu melden. Das ist üblich – denn solche herrenlosen Einkaufswagen werden oft zweckentfremdet – als Mülleimer.“
(Hervorhebung von uns.)

Uns hingegen bestätigte das Ordnungsamt zwar, „Bild“ ungefähr das gesagt zu haben, was in holprigem Deutsch in „Bild“ steht*. Aber uns sagte man auch:

Von einem Knöllchen kann keine Rede sein.

Der Beamte habe lediglich den Namen des Supermarkts notiert, der dann (wie übrigens seit Jahren schon) per Fax über die Fundstelle informiert werde, denn: „Da freut sich der Supermarkt.“ Ein Bußgeld o.ä. werde dafür nicht berechnet.

Kurzum, die Überschrift müsste also eigentlich lauten:

Und wir merken uns: Wenn „Bild“ das Wort bestätigen verwendet, kann damit auch dementieren gemeint sein.

*) Merkwürdigerweise endet der Artikel in der gedruckten „Bild“ sogar bloß mit den Worten: „Ordnungsamt bestätigte: ‚Wagen wird zur Registrierung aufgeschrieben.'“

Nachtrag, 17.11.2007: Bei Bild.de hat man sich den kleinen Artikel noch einmal vorgeknöpft und bearbeitet. Allerdings wurde weder die falsche Überschrift geändert, noch das holprige Ordnungsamts-Statement sprachlich geglättet oder gar das Wort „bestätigte“ durch ein sinnvolles ersetzt. Nein, Bild.de hat nachträglich die Gesichter der beiden abgebildeten Beamten durch Verpixelung unkenntlich gemacht — und sonst nix. Wie sagte doch der „BILD-Leser-Reporter“: „Irre!“

Die größten Wiederentdecker seit Kolumbus

"BILD-Leser-Reporter sind die Besten!"Ja, „BILD-Leser-Reporter“ seien „die Besten“, behauptete „Bild“ vorgestern unter einem Foto mit „1414“-Logo, weil darauf zu sehen sei, „was Sie noch gar nicht sehen dürften: den streng geheimen Drehort für den neuen Tom-Cruise-Film ‚Valkyrie‘ bei Klein Köris (Dahme-Spreewald)“.

Und gestern zeigte „Bild“ das Leser-Foto noch einmal, denn:

Ein Leser-Reporter entdeckte die Filmkulisse in einem Waldstück bei Berlin.

Schwer gefallen sein dürfte dem (nicht namentlich genannten) „Leser-Reporter“ seine Entdeckung nicht.

In der „Märkischen Allgemeinen“ stand bereits am 7. Juli, also anderthalb Wochen zuvor, dass die Kulisse in Hermsdorf-Mühle, „wenige Meter neben einer alten Panzerstraße“ und „ein bisschen versteckt im Unterholz“ zu finden sei. Der „Berliner Kurier“ erwähnte am 11. Juli ebenfalls die „alte holprige Panzerstraße, die für die Film-Stars notdürftig mit Asphalt geflickt wurde“ im „Wald bei Märkisch Buchholz“. Und eine Art ausführliche Wegbeschreibung stand am 13. Juli in der „Berliner Zeitung“:

Schon zweieinhalb Kilometer vor Hitlers Papp-Quartier ist die alte Panzerstraße, die durch den Wald führt, gesperrt. Ein junger Typ bewacht eine Sperrschranke (…). Hin und wieder patrouillieren Schutzpolizisten (…). Dahinter geht es dann auf der an streckenweise eigens frisch geteerten Panzerstraße weiter bis zu jenem Kieferwald, der weiträumig mit schwarz-gelbem Flatterband abgesperrt ist. Hier verwehren Wachschützer der Firma WSG Security den Zutritt. Mitten im Wald sind einige Bäume gefällt worden, werkeln (…) Handwerker an der „Wolfsschanze“.

Und was das Leser-Foto selbst angeht, das die „Bild“-Zeitung ihren Lesern so stolz präsentierte:

Am 11. Juli waren Fotos der „Wolfsschanze“-Kulisse dem „Berliner Kurier“ sogar eine Titelschlagzeile wert („KURIER exklusiv — Entdeckt! Tom Cruise — Seine ‚Wolfsschanze‘ in einem Wald bei Berlin (…) KURIER zeigt erste Fotos der Geheim-Kulisse. (…) Der KURIER spürte den geheimen Ort auf“). Und schon am 7. Juli, also vier Tage vorm „Kurier“ und zehn Tage vor „Bild“, dafür aber womöglich wirklich exklusiv, zeigte der „Dahme-Kurier“ Fotos der Kulisse.

Mit anderen Worten: „BILD-Leser-Reporter“ sind nicht „die Besten“, sie sind bestenfalls die Drittbesten.

Mit Dank an Robert T.!

Allgemein  

Heiße-Luft-Alarm in der „Bild“-Zeitung

„Bild“ ruft heute „Tornado-Alarm über Deutschland“ aus. „Immer häufiger, immer heftiger: Das neue Wetter-Phänomen Wirbelsturm“, heißt es in der Unterzeile zu einer „Bild“-Geschichte über einen Tornado, der vergangenen Samstag in Frankfurt/Main schwere Schäden angerichtet hat.

Ohne allzusehr ins Detail zu gehen: Ob in Deutschland tatsächlich „immer häufiger“ Tornados auftreten und diese „immer heftiger“ werden, wie „Bild“ schreibt, ist mindestens umstritten. Zwar rechnen viele Klimaforscher mit einer Zunahme extremer Wetterphänomene. Aber belastbare Daten, die belegen, dass die Zahl der Tornados in den letzten Jahren zugenommen hätte, gibt es derzeit offenbar nicht.

Und wenn „Bild“ schreibt, den „bisher schwersten Tornado“ hätte es im März 2006 in Hamburg gegeben, so ist das nachweislich falsch. Es handelte sich dabei um einen Tornado der Kategorie F2 auf der Fujita-Skala, mit Windgeschwindigkeiten von maximal 252 km/h. Das klingt zwar viel, ist im Vergleich zu dem Tornado, der im Jahr 1968 Pforzheim heimsuchte jedoch eher wenig. Der erreichte Windgeschwindigkeiten von 400 km/h (Kategorie F4) und aus den Jahren 1764 und 1800 sind sogar zwei Wirbelstürme dokumentiert, die aufgrund von Schadensberichten als F5-Tornados eingeschätzt werden. Womit klar sein dürfte, dass Wirbelstürme, anders als „Bild“ behauptet, kein „neues Wetter-Phänomen“ sind.

Kommen wir zu dem tollen großen Foto, mit dem die „Bild“-Geschichte, die ja auch das „BILD-Leser-Reporter“-Logo trägt, illustriert ist:

"Tornado-Alarm über Deutschland -- Immer häufiger, immer heftiger: Das neue Wetter-Phänomen Wirbelsturm"

Wahnsinn! Oder? In einem kleinen Text rechts auf der Seite heißt es:

Eine bedrohliche Unwetterfront schiebt sich über Hessen, gewaltige Luftwirbel reichen bis zur Erde. Fotografiert hat’s Leser-Reporter Andreas M.* (20)
*) Abkürzung von uns

Damit keine Verwirrung entsteht: der zitierte Text, der rechts neben der mächtigen Windhose und unter diesem kleinen unspektakulären Foto steht, bezieht sich nur auf das kleine unspektakuläre Bild, auf dem weit und breit kein Tornado zu erkennen ist. Das große Windhosen-Foto unter den Worten „Tornado-Alarm über Deutschland“ hingegen zeigt nicht den Frankfurter Tornado vom Wochenende. Es wurde in Elie in Manitoba, Kanada aufgenommen, wie man uns bei der Nachrichtenagentur AP sagt, von der das Foto stammt.

P.S.: Manche Klimaforscher gehen übrigens davon aus, dass die Zunahme von Tornado-Meldungen in den letzten Jahren darauf zurückzuführen ist, dass die Öffentlichkeit „sensibler für das Thema“ würde, wie die „FAZ“ im September letzten Jahres Thomas Sävert (der übrigens auch schon einschlägige Erfahrungen mit „Bild“ gemacht hat) zitierte. Außerdem schrieb die „FAZ“: „Internet und Fotohandys tragen ihren Teil bei“ (sic).

Mit Dank an Jan K. und Frank A. für den sachdienlichen Hinweis.

Blut ist dicker als Bohlen

Im Frühjahr hatte Dieter Bohlen eine Idee.

„Bild“ nannte sie am 15. März: „Bohlen ist jetzt 1414-Reporter!“ — und zeigte ein paar Fotos von Bohlen und seiner Freundin („Bild“ nennt sie „Carina“), von denen „Bild“ und Bohlen behaupteten, er habe sie selbst auf den Malediven „mit Selbstauslöser“ fotografiert.

Knapp einen Monat später war Bohlen zu Gast in der ZDF-Show „Johannes B. Kerner“ und erklärte nach einigem Gefrotzel den „Sinn dahinter“:

Bohlen: Also meine Freundin wird ja gejagt von Paparazzis. Jeden Tag. Und wenn du natürlich selber Fotos…
Kerner: Das heißt, die fahren jeden Tag hinter ihr her, egal wo sie hinfährt und holen sie ab bei dir zuhause…
Bohlen: Ja, pass auf… ich komm aus der Tennishalle raus, seh‘ mein’twegen Paparazzi, mach‘ so ’ne Fresse. Du kannst denen ja nicht mit ’nem Tennisschläger ein‘ über’n Schädel zieh’n — würd‘ ich ganz gerne machen, weil es nervt total.
Kerner: Is‘ auf lange Sicht kein gutes Rezept.
Bohlen: Wie, das mit’m Tennisschläger? Nee, genau. Und dann kommst du, guckst du raus und guckst böse. So. Und dann fotografieren die dich — bumm: Bohlen guckt böse. (Macht eine Schlagzeilengeste in die Luft.) „Das Doppelleben von Dieter Bohlen! In seinem Privatleben ist er überhaupt nie lustig! Er ist total deprimiert! Er liegt am Boden!“ Und so weiter. Die Scheiße muss ich mir doch nicht immer geben. Dass ich da am Boden lieg‘ und wer weiß was. Und wenn wir jetzt ab und zu, Carina und ich, ’n paar Privatfotos einfach rausgeben, ist dieser Druck auf diese Paparazzis auch nicht mehr so da, weil dann können die ihre blöden Fotos hoffentlich irgendwann nicht mehr verkaufen.

Genutzt hat das offenbar nichts. Denn „Bild“ orakelt heute:

"NACKTFOTOS AUFGETAUCHT"

(…) Ui-ui-ui, was ist denn DA bloß passiert? Es sind Nacktfotos von Pop-Produzent Dieter Bohlen (53) und seiner Freundin Carina (23) aufgetaucht, die das Pärchen nahtlos brutzelbraun gebraten und splitterfasernackt in einer Bucht auf Mallorca zeigen.

Die Nackig-Bilder wurden von einer Berliner Zeitung gedruckt – und sind auch im Internet (…) zu bewundern.

Bohlen, der auf Mallorca urlaubt, ist entsetzt, hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Er ließ die Veröffentlichung der Fotos verbieten und sogar Schmerzensgeld verlangen. (…)

„Bild“ zeigt die „Nackig-Bilder“ nicht, sondern findet es „erstaunlich, dass Bohlen wegen der Nacktfotos so heftig reagiert“, und spekuliert anschließend eifrigst über eine angebliche Busen-OP von Bohlens Freundin. Außerdem druckt „Bild“ — quasi als „Fotobeweis“-Ersatz — eines der Bohlenschen 1414-Fotos aus vom März („Ihr Busen ist offensichtlich sehr gewachsen“). Dass die Busengrößenfrage damals für „Bild“ kein Thema war, bleibt seltsamerweise unerwähnt.

Merkwürdig auch: Bei der von „Bild“ anonymisierten Berliner Zeitung handelt es sich um das „Bild“-Schwesterblatt „B.Z.“, wo die Nacktfotos von Dieter Bohlen auf der Titelseite der "B.Z."„Nackig-Fotos“ vorgestern Titelstory waren. Die „B.Z.“ schrieb: „Robinson Bohlen zeigt sein nacktes Badeglück“ — und hatte allzu pikante Körperstellen mit kleinen gelben Sonnensymbolen unkenntlich gemacht (siehe Ausriss).

Und: Auf der Internetseite der „B.Z.“ ist der Artikel nicht mehr verfügbar. Und heuteblog.de, wo die „B.Z.“-Titelseite in einem Blogeintrag abgebildet war, hat das Titelseiten-Bild geschwärzt, nachdem man dort gestern „gegen 21.30 Uhr von der B.Z.-Redaktion (…) gebeten bzw. aufgefordert [worden sei], diesen Ausriss zu entfernen“. „Bild“ hingegen gibt (anders als Bild.de übrigens) heute eine komplette Webadresse an, auf der ausschließlich Faksimiles des „B.Z.“-Berichts zu sehen sind — hochgeladen von einem anonymen Nutzer, der in seinem Profil Vor- und Nachnamen von Bohlens Freundin verwendet und über „sich“ schreibt: „Offener Typ, Kontakfreudig, Spaß am Leben!!!! Ich bin Weiblich und Vergeben. bei Hamburg, Deutschland“

Was für eine knifflige Situation: Da gibt es also „Nackig-Fotos“, wie gemacht für „Bild“. Andererseits gibt es da ja diese langjährige Freundschaft zwischen „Bild“ und „Pop-Titan“ — und der will die Fotos offenbar partout nicht in der Zeitung sehen — auch nicht in der „B.Z.“. Aber die Fotos zu verurteilen als „Aufnahmen aus dem Privatbereich, die kein Mensch von sich in der Zeitung sehen möchte“, klappt auch nicht, weil es sich bei „der Zeitung“ ja ausgerechnet ums „Bild“-Schwesterblättchen handelt. Ein Dilemma! Und der Ausweg? Ein abstruser Gedanke:

Da wird man die „B.Z.“-Fotos doch wohl nicht selber ins Internet gestellt haben.
 
Nachtrag, 17.6.2007: Inzwischen finden sich auch auf der von „Bild“ angegebenen Internetadresse keine Inhalte mehr. Dort heißt es nur noch, der Nutzer sei „nicht mehr (…) aktiv“. Bild.de hat den Hinweis auf den Namen der Internetseite inzwischen getilgt, den Text entsprechend angepasst. Dort heißt es nun nur noch:

Die Nackig-Bilder wurden von einer Berliner Zeitung gedruckt – und waren auch im Internet zu bewundern.

Mehr dazu hier.

„Bild“ versetzt Mann in Todesangst

"Fernsehturm-Putzer abgestürzt!"

Ganz schön spektakulär, diese Geschichte zum heutigen „BILD-Leser-Reporter“-Foto in der „Bild“-Berlin:

Kopfüber baumelt ein Mann unter der silbernen Kugel des Fernsehturms. Hilflos hängt er in der Luft (…)! Aufregung am Alex! (…) Ein Industriekletterer reinigt die Kugel des Fernsehturms. Plötzlich rutscht er ab, stürzt 30 Meter in die Tiefe. Nur ein Sicherungsseil bremst den freien Fall, rettet ihm das Leben. BILD-Leser-Reporter Klaus-Michael Baltruschat (49): „Ich hörte einen lauten Schrei. Der Mann stürzte, schrie ganz laut, sein Hilferuf hallte über den Alexanderplatz.“

Es sieht zwar auf dem Foto nicht so aus, als baumele der Mann „kopfüber“ am Seil, aber „Bild“ überprüft ja bekanntlich die Leser-Reporter-Fotos vor der Veröffentlichung. So auch dieses. „Bild“ hat bei der Funkturm GmbH nachgefragt und zitiert ganz am Ende eine Sprecherin. Allerdings hat man sich offenbar entschieden, ihr nicht zu glauben, sondern sie nur zu zitieren:

Wie konnte der Unfall passieren? Luisa Vollmar (29) von der Deutschen Funkturm GmbH: „Der Kletterer wollte die Seilkonstruktion testen, ließ sich deshalb einige Meter fallen. Es war niemand in Gefahr.“

Uns gegenüber konkretisierte die Sprecherin der Funkturm GmbH ihre Äußerung wie folgt:

Das war kein Unfall, sondern ein Routine-Test. Der Kletterer ist auch nicht 30 Meter in die Tiefe gestürzt — das Seil ist an der Stelle ohnehin nur zehn Meter lang — sondern er hat sich rausbaumeln lassen.

Übrigens: Anders als „Bild“ („Angeblich nur ein Test…“) findet man bei Bild.de, wo dasselbe Foto unter Berufung auf „BILD-Leser-Reporter Uwe Baltruschat (40)“* veröffentlicht ist, die Funkturm-GmbH-Version offenbar plausibel:

Doch was dramatisch aussieht, war eher ungefährlich. Funkturm-Sprecherin Luisa Vollmar (29): „Der Kletterer gehört zu einer Firma, die die Kugel säubert. Er testete die Sicherheit, ließ sich einige Meter fallen.“

*) Bei Uwe Baltruschat handelt es sich laut Klaus-Michael Baltruschat um seinen Bruder.

Nachtrag, 14.6.: Wie uns BILDblog-Leser Andreas G. mitteilt, entschied man sich auch in der Düsseldorfer „Bild“-Ausgabe (und vermutlich auch in anderen), den Text abzudrucken, der bei Bild.de steht, also der Version der Funkturm-GmbH Glauben zu schenken. Und auf lichtjaeger.de gibt es ein kleines, unspektakuläres Video des Fernsehturm-Putzers.

BILDblog wünscht frohe Pfingsten auf Bild.de

Dies ist die aktuelle Highscore-Liste im Tierbaby-Memory auf Bild.de*:

Wir wissen nicht, wie unser Leser tux das geschafft hat, aber es stimmt.

*) Nachtrag, 29.5.2007: Das Tierbaby-Memory wurde inzwischen aus dem Angebot von Bild.de entfernt.

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