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ndr.de  

Bis sich die Balken biegen (5)

Mit Diagrammen in deutschen Medien ist es wie mit Elektrogeräten aus dem Ein-Euro-Laden: Man darf ihnen keinen Moment lang trauen. Denn man weiß ja nie, wie sorgfältig sie zusammengebastelt wurden.

Der NDR präsentiert auf seiner Internetseite momentan zwei Exemplare, bei denen allerdings auch ohne viel Skepsis sofort klar sein dürfte, dass da etwas nicht stimmen kann:

Politikbereiche: Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung

Politikbereiche: Zufriedenheit mit der Arbeit der LandesregierungAber das dürfte Ihnen ja irgendwie bekannt vorkommen.

Mit Dank an Lukas F. und Jascha H.

Nachtrag, 9. Dezember: Der NDR hat die Diagramme inzwischen transparent korrigiert.

Da schlägt das Sammlerherz höher

Mit großer Freude und auch etwas Stolz freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass "Die Sammlung BILDblog — Exponate aus 4000 Jahren Diagramm-Malerei" zwei besonders schöne Neuzugänge zu feiern hat.

Da ist zunächst dieses Meisterwerk aus dem "Südkurier" vom Freitag, das wegen seiner rätselhaften Schönheit von Experten bereits mit der "Mona Lisa" verglichen wird:

Am Samstag kam diese Kreation aus der Tortendiagrammbäckerei der "Frankfurter Rundschau" hinzu:

In beiden Fällen sind alle Prozentwerte übrigens korrekt angegeben.*

Mit Dank an Simon und Patrick K. für die Schenkungen!

* Nachtrag/Korrektur, 14.03 Uhr: Während in der oberen Grafik alle Prozentwerte korrekt aus der Quelle (PDF) übertragen wurden, ist in der unteren auch noch ein Zahlenfehler drin: Statt 13 gaben nur 2 Prozent der Befragten an, keines der beiden Länder als Heimat zu empfinden (PDF).

Nachtrag, 22.45 Uhr: Dank diverser Leserhinweise können wir nun so etwas wie eine Auflösung bringen: In der oberen Grafik sind offenbar die dunkelblauen und die orangenen Balken vertauscht und in der unteren ist die Beschriftung (von der fehlerhaften 13 mal ab) jeweils im Uhrzeigersinn verrutscht.

Bild  

Bis sich die Balken biegen (4)

Das Dr.-Sommer-Team hat es immer schon gewusst: "Sechs ist nicht immer gleich!"

Im Balkendiagramm, das "Bild" auf Grundlage eines "INSA-Meinungstrends" erstellt hat, ist das jetzt erstmals grafisch festgehalten:

Mit Dank an die vielen andern Hinweisgeber.

Nachtrag, 22.25 Uhr: Auf Bild.de ist die Grafik inzwischen korrigiert — offenbar sogar schon kurz bevor wir unseren Artikel freigeschaltet hatten.

Bis sich die Balken biegen (3)

Nein, das sind nicht die Daltons oder die Simpsons, das sind die "mittleren Ressorts" des Bundeshaushalts in einer Grafik auf tagesschau.de.

Und als aufmerksame BILDblog-Leser fällt Ihnen natürlich auf, dass da mit den Balken mal wieder was nicht stimmt: Der 22-Milliarden-Balken ist nur minimal höher als der 13-Milliarden-Balken, der allerdings ungefähr doppelt so hoch ist wie die Sechs-komma-irgendwas-Milliarden-Balken.

Wir haben die Redaktion von tagesschau.de auf diesen Fehler hingewiesen (und darauf, dass die "allgemeine Finanzverwaltung" mit ihren 22 Milliarden eigentlich nicht in die "mittleren Ressorts", sondern in die "großen" gehört). tagesschau.de hat die Seite daraufhin überarbeitet.

Wer selbst schon einmal mit einem Tabellenkalkulationsprogramm so eine Grafik erstellen wollte, weiß, wie es sich anfühlt, kurz vor dem Nervenzusammenbruch zu stehen würde annehmen, dass man da einfach ein paar Zahlenwerte eingibt und das Programm dann automatisch irgendwelche Balken zaubert, die dann zumindest die richtigen Proportionen haben.

Warum geht das in den Medien dann so häufig schief, wollten wir wissen, und Andreas Hummelmeier, Redaktionsleiter bei tagesschau.de, war so nett, es uns zumindest kurz zu erklären:

Die Balkengrafiken für tagesschau.de werden mit einem speziellen Grafiktool erstellt. Zwar wurden die Haushaltszahlen korrekt eingegeben, durch einen Bedienfehler wurden aber die dazugehörigen Balken nicht angepasst. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Das Grafikprogramm bietet die Wahl zwischen "automatischer" und "manueller" Skalierung, der Schalter stand auf manuell und dieses händische Anpassen wurde versäumt. Deshalb hatten wir zwar die aktuellen Zahlen auf der Seite, aber die Balkenproportionen des überholten Haushaltsentwurfs.

Mit Dank an Lars.

Knirschen im Gebälk

Egal, wie grau ein Morgen auch sein mag — das "MoPo-Barometer" zaubert immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht der Leser:

Mit Dank an Robert L.

heute  

Bis sich die Balken strecken

Bundesinnenminister Friedrich hat heute den Verfassungsschutzbericht 2010 vorgestellt. Die Zahl der "Straftaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich 'Politisch motivierte Kriminalität – links'" ist demnach von 4.734 im Jahr 2009 auf 3.747 im vergangenen Jahr gesunken (ein Minus von 20,8%), die der "Straftaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich 'Politisch motivierte Kriminalität – rechts'" von 18.750 auf 15.905 (minus 15,2%).

Das ZDF illustrierte diese Nachrichten in seinen nachmittäglichen "Heute"-Nachrichten mit dieser Grafik:

Vielleicht lassen Sie diese Zahlen-Balken-Kombination einen Moment auf sich wirken.

Zeichnet man den Balken der linksextremen Straftaten im gleichen Maßstab wie den der rechtsextremen, sieht die Grafik ungefähr so aus:

Aber die Grafiker der ZDF-Nachrichten haben's bekanntlich nicht so mit der Verhältnismäßigkeit.

Mit Dank an Norbert E. und Rolf M.

Bis sich die Balken biegen

Es sieht aus wie moderne Kunst, soll aber das Ergebnis einer Umfrage abbilden:

Mit einem ernst zu nehmenden Balkendiagramm hat die Grafik auf tagesschau.de allerdings nicht viel zu tun: Der Balken für 77 Prozent ist genauso lang wie die für 84, 89 und 90, aber im Verhältnis zu den Balken mit 52 und 58 Prozent viel zu kurz.

Und 100 Prozent (bzw. 99 bei CDU/CSU) fallen so unterschiedlich aus:

Aber vielleicht gelten in Monaten ohne "b" andere Regeln.

Mit Dank an Georg Z.

Nachtrag, 6. November: tagesschau.de hat die Grafik überarbeitet und mit einem Hinweis versehen:

Diese Grafik wurde ausgetauscht. Die Balken haben jetzt die korrekte Länge. Dank an die Hinweisgeber!

Die Staatsschulden gehen steil

Nein, das ist nicht etwa das Streckenprofil einer Bergetappe bei der Tour de France. Das ist die Entwicklung der deutschen Staatsverschuldung, wie sie die Grafiker von heute.de sehen.

Die gestrichelte Linie zeigt die zu erwartende Entwicklung für die nächsten Jahre — und ist es nicht beruhigend, dass die Kurve flacher wird, die Gesamtschulden also langsamer steigen sollen?

Nun: Es ist nicht beruhigend, es ist schlichtweg falsch. Denn genau ab 2010 ändern sich die Abstände auf der x-Achse:

Würde man die Kurve korrekt zeichnen, sähe das ungefähr so aus:

Mit Dank an Aljoscha K.

Nachtrag, 17.20 Uhr: Das ZDF hat uns eine Stellungnahme zukommen lassen.

Darin heißt es unter anderem:

Ab dem Jahr 2010 sind wir zum Einjahreszeitraum übergegangen, da eine verlässliche Prognose darüber, wie sich die Verschuldung entwickelt, nicht getroffen werden kann.

… und weil man es nicht mehr so genau vorhersagen kann, verändert heute.de den Maßstab, um es noch genauer zeigen zu können. Aha.

Außerdem macht uns das ZDF Vorwürfe:

Ihre Aussage "Würde man die Kurve korrekt zeichnen, sähe das ungefähr so aus:" ist journalistisch nicht haltbar. Die Vorhersage der Schuldenentwicklung aufgrund der Verlängerung einer Linie in einem Diagramm ist unsauber.

Dabei müssen die Journalisten übersehen haben, dass wir die Linie nicht verlängert, sondern die von den heute.de-Grafikern gezogene Linie gestaucht haben, um sie den Einheiten der restlichen Grafik anzupassen.

2. Nachtrag, 13. Juli: Obwohl das ZDF seine Grafik uns gegenüber letzte Woche noch als "in sich schlüssig und nicht falsch" verteidigt hatte, haben die Grafiker in der Zwischenzeit eine neue Kurve gebaut, die maßstabsgerecht verläuft.

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