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Die Kolumne von seinem Andreas Englisch

Auch „BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent“ Andreas Englisch muss ja Woche für Woche seine Bild.de-Kolumne „Die Woche von unserem Papst“ [heißt wirklich so]* mit irgendetwas füllen. Aktuell unter anderem mit folgender Sensation Neuigkeit:

Erstmals in der Amtszeit Benedikt XVI. ändert der Vatikan eine Zeremonie, um den Papst zu schonen. Die traditionelle Prozession zu Fuß an Fronleichnam von der päpstlichen Bischofskirche San Giovanni in Laterano zur Hauptmarienkirche Santa Maria Maggiore entfällt. Der Papst wird im Auto gefahren.
(Hervorhebung von uns.)

Das mit dem Auto stimmt. Aber wie’s aussieht, hat der Papst-Beauftragte Englisch zumindest in den vergangenen Jahren die Fronleichnamsprozession einfach mal geschwänzt. Sonst wüsste er doch, dass Benedikt XVI. auch schon 2007 „im Auto“ fuhr. Und 2006. Und 2005. So wie schon 2004, 2003, 2002, 2001 usw. sein Vorgänger Johannes Paul II. Und so, wie nicht zuletzt Radio Vatikan vorab verlautbaren ließ:

Auch bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession mit Papst Benedikt XVI. vom Lateran zur Basilika Santa Maria Maggiore wird Benedikt auf einem großen Pick-Up transportiert.
(Hervorhebung von uns.)

Mit Dank an Volker K. und unseren Vatikan-Sonder-Korrespondenten Ulf.

*) Nachtrag, 28.5.2008: Bild.de hat die Kolumne umbenannt in „Die Woche von Papst Benedikt XVI.“ und bei der Gelegenheit auch den Namen des Kolumnisten berichtigt. An(d)reas Englischs vermeintliche „im Auto“-Neuigkeit hingegen wird unkorrigiert weiterverbreitet.

Watchbloggen für Anfänger

Andreas Englisch, „Vatikan-Korrespondent“ der „Bild“-Zeitung, hat sich heute mal als RTL-Watch-Blogger versucht. Fünf „Fehler“ meint er, in dem gestern ausgestrahlten Thriller „Das Papst-Attentat“ entdeckt zu haben. Einige davon sind merkwürdige Spitzfindigkeiten und Korinthen (wir wissen gar nicht, woher er das hat). Aber überhaupt scheinen „Bild“-Mitarbeiter eher nicht die idealen Voraussetzungen mitzubringen, um über die Fehler von anderen zu schreiben. Bei Englisch entsteht teilweise ein kaum noch entwirrbares Fehlergewirr:

Im Film heißt es, in Sagres (Spanien) sei 1917 Kindern das Papst-Attentat prophezeit worden. In Wirklichkeit soll die Muttergottes nicht in Spanien, sondern 1927 in Fatima (Portugal) der Ordensfrau Suor Lucia erschienen sein und den Anschlag angekündigt haben.

Sagres liegt nicht in Spanien, sondern in Portugal, auch im Film. Und im Film heißt es nicht, 1917 sei dort das Papst-Attentat prophezeit worden, sondern 1927. Dafür ereignete sich die angebliche Marienerscheinung in der Wirklichkeit nicht 1927, sondern 1917. Kurz gesagt: Ja, das Drehbuch des Films verlegte Ort und Zeitpunkt, aber Englisch beschreibt weder die Fiktion, noch die Realität richtig.

Englisch korrigiert weiter das Drehbuch:

Der Vatikan schickt den Italiener Andrea Conti (Jean-Yves Berteloot) als Sicherheitschef nach Köln. Er ist geweihter Priester und bei der Schweizergarde. Unmöglich! Nur ein Kommandant der Schweizer Armee kann Sicherheitschef der Garde werden, kein Italiener.

Mag sein, nur: Die Filmfigur des Andrea Conti ist gar kein Italiener. Das ist deutlich zu hören, weil er mit französischem Akzent spricht. Und: Er ist Schweizer.

Stellt sich die Frage, ob Englisch den Film überhaupt gesehen hat. Schlimmer wär’s eigentlich, wenn die Antwort Ja lautete.

Mit Dank an F.S. und Sascha.

Nachtrag, 18.30 Uhr: Dem „Wortvogel“ sind noch andere unerklärliche, äh: „Fehler“ in dem Spielfilm aufgefallen, die „Bild“-Fachmann Englisch unerklärlicherweise nicht aufgefallen sind, zum Beispiel dieser: „Der Papst im Film ist gar nicht Benedikt XVI, sondern Clemens Paul I — und den gibt es überhaupt nicht!“

Den Finger in die Wunder gelegt

„Bild“ meldet heute:

Irrste Zeitung der Welt (…) wird nach 28 Jahren eingestellt

Nein, nicht was Sie jetzt denken…! („Bild“ ist ja auch schon 55.)

„Bild“ berichtet heute bloß darüber, dass das US-Magazin „Weekly World News“ (in dem „alles garantiert erfunden“ sei) eingestellt werde. Und zum vermeintlichen „Aus und vorbei“* druckt „Bild“ heute „noch einmal die besten Schlagzeilen der ‚WWN'“, also beispielsweise:

„Russen klonen 600 Hitlers!“ — „Hitler war ein Vampir – darum war er tagsüber so unentspannt“ — „Staubsauger saugt Deutschem das Gehirn raus!“ — „Deutscher Erfinder kann aus Katzen Benzin machen – für eine Tankfüllung reichen 20 Miezen“ — „UFO-Sekte will jetzt Hitler klonen!“ — „Wird süßer Knut jetzt totgespritzt?“ — HALT! STOPP! Die letzten drei Beispiele stammen ja gar nicht aus den „WWN“ und sind uns hier leider irgendwie dazwischengerutscht…

Aber wo wir gerade schon bei irren Schlagzeilen sind, am 8.1.1996 beispielsweise berichtete „Bild“:

Nach Blitzschlag — Mann friert nie mehr
Elektriker Harold Deal wurde vom Blitz getroffen. So heftig, daß das Kleingeld in seiner Hosentasche zu einem Klumpen verschmolz. Nebenwirkung: Seitdem friert der Amerikaner nicht mehr. Der Handwerker aus South Carolina kann selbst bei minus 20 Grad Celsius mit Shorts und T-Shirt ins Freie gehen.

Am 27.8.1999 hieß es:

Nach einem Blitzschlag: Frau steht unter Strom
(…) Kein Witz! Flaminia Cima (29) aus Cremona (Norditalien) wurde von einem Blitz getroffen und überlebte. Seitdem sprechen Ärzte von ihr als „medizinisch höchstseltenen Fall“. Denn der Blitzschlag hat die Frau elektromagnetisch dermaßen aufgeladen, dass es ihr unerträglich ist, mit anderen Elektro-Abstrahlern in Berührung zu kommen. Sie darf kein Fernsehen mehr gucken, Computer, Telefone, Küchengeräte, sogar das Radio, von allem muss sie die Finger lassen. Inzwischen ist der Strom abgestellt, sie hat Kerzen aufgestellt.

Und am 14.7.2005:

Beim Knutschen von Blitz getroffen
Stockholm – Magnus (20) und Elin (19) aus Göteborg (Schweden) lernten sich am Strand kennen, küßten sich. Als ein Unwetter aufzog, suchten sie unter dem Dach einer Hütte Zuflucht. Beim Knutschen wurden sie plötzlich von einem Blitz getroffen! Beide bekamen einen starken Stromschlag ab. Das Wunder der Liebe: Sie wurden kaum verletzt.

Womit wir immerhin wieder bei der heutigen „Bild“ angelangt wären. Denn heute berichtet „Bild“ mit zwei Wochen Verspätung auf der Titelseite unter der Überschrift „1. Papst-Wunder?“ (siehe Ausriss), dass ein italienischer Polizist einen Blitzeinschlag offenbar unbeschadet überlebt hat.

Das Fragezeichen ist angebracht — nicht nur, weil im Pressekodex steht: „Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.“ Und auch nicht, weil beispielsweise ilGiornale.it schrieb: „Es wird kein Wunder gewesen sein…“

Nein, um das erste Papst-Wunder kann es sich schon deshalb nicht handeln, weil „BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent“ Andreas Englisch, der die heutige Meldung verfasste, schließlich schon am 28. August vergangenen Jahres Zeuge eines Papst-Wunders geworden war — des legendären „Wunders von Castel Gandolfo“!

*) Dass die „Weekly World News“ offenbar nur ihre Print-Ausgabe einstellt, um ausschließlich im Internet weiterzuarbeiten, verschweigt „Bild“ ebenso wie die Tatsache, dass „Bild“ selbst in der Vergangenheit nicht davor zurückschreckte, unter Berufung auf „die US-Zeitschrift ‚Weekly World News'“ deren Fake-Meldungen („Castro trained killer sharks to attack U.S.“) mehr oder weniger distanzlos („Schickt Castro Hai-Guevaras nach USA?“) weiterzuverbreiten…

Mit Dank an Max M. für die Anregung sowie Silke und Mandy fürs Italienisch.

„BILD-Vatikan-Experte“ kein Moslem-Experte

"17.49 Uhr"

„17.49 Uhr“ ist eine super Uhrzeit: auf die Minute genau quasi.

Sie stand am Freitag in „Bild“, weil Papst Benedikt XVI. in Istanbul war und „BILD-Vatikan-Experte“, „BILD-Vatikan-Korrespondent“ bzw. „BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent“ Andreas Englisch darüber berichtete. Hinter die Uhrzeit schrieb Englisch:

Benedikts Besuch wird zur Sensation. In sich versunken steht er mit Ali Bardakoglu, dem Chef der türkischen Religionsbehörde, in der Moschee, richtet seine Gedanken zu Gott. (…) „Alle Muslime“, sagt Bardakoglu, „sind glücklich, dass Sie unser Land besucht haben.“

Möglicherweise aber hat Herr Englisch beim Berichterstatten über die „Sensation“ ein bisschen zuviel auf die Uhr geschaut. Denn der Mann, der in dem Moment neben dem Papst versunken in der Moschee stand, als dessen Besuch „zur Sensation“ wurde, war nicht Ali Bardakoglu, Chef der türkischen Religionsbehörde, mit dem sich der Papst (wie doch auch Englisch selbst am Mittwoch in „Bild“ zu berichten wusste) bereits Tage zuvor getoffen hatte, sondern der Mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici.

Aber was soll’s*: Beide hatten so weiße Hüte auf, als sie neben dem Papst standen — und die Uhrzeit stimmte bestimmt.

Mit Dank an Daniel K. Für den Hinweis.

*) In der Samstagsausgabe findet sich dort, wo „Bild“ sonst häufiger die Korrekturspalte platziert, ein Papstfoto. Und in dem dazugehörigen Artikel kommt dann auch noch kurz „Istanbuls Mufti Mustafa Cagrici“ vor. Hier allerdings ist Cagrici überraschenderweise der Mann, „mit dem Benedikt in der Blauen Moschee gebetet hatte“.