Suchergebnisse für ‘rabatt’

Mangelnde Vielfalt, Wachstum durch Rabatte, Lokalseiten weg

1. Wie divers sind die journalistischen Chefetagen?
(journalist.de, Kathi Preppner)
Kathi Preppner befasst sich mit der mangelnden Vielfalt in Führungspositionen im deutschen Journalismus, insbesondere bei Regionalzeitungen. Dort seien rund 90 Prozent der Chefredakteursposten mit Männern besetzt. Bei den überregionalen Medien sei die Situation etwas besser. Die Repräsentanz von Frauen und “anderen gesellschaftlich benachteiligten Gruppen” sei aber immer noch gering. People of Color gebe es auf den Führungsebenen deutscher Medien kaum.

2. “Bild+” wuchs 2023 am stärksten – aber nur dank Rabatten
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie Uwe Mantel bei “DWDL” berichtet, verzeichnete “Bild plus” im Jahr 2023 das stärkste Wachstum unter den Bezahlangeboten, was vor allem auf deutliche Rabatte zurückzuführen sei. Der Anstieg der abgeschlossenen “Bild-plus”-Abonnements um mehr als 73.000 wird auf den niedrigen Preis von 1,99 Euro pro Monat für Neukunden zurückgeführt. Allerdings seien die meisten Abonnenten nach der Rabattperiode nicht zum Vollpreis gewechselt, was darauf hindeute, dass der Anstieg der Abonnentenzahlen möglicherweise keine nachhaltige Umsatzsteigerung darstelle.
Weiterer Lesehinweis: “Bild” gleicht Print-Rückgänge durch Digitales aus und schickt Führungskräfte zum Coaching (turi2.de, Markus Trantow).

3. BILD Sachsen: Lokalseiten weg, kaum regionales bei BILD Ost
(flurfunk-dresden.de, Leonhard Pitz)
Im Medienblog “Flurfunk” beschreibt Leonhard Pitz, wie die “Bild”-Zeitung im Osten ihre Lokalseiten abgeschafft habe und kaum noch regionale Inhalte anbiete, da die Berichterstattung nun zentral in Berlin erfolge. Die Lokalseiten von Städten wie Leipzig und Dresden seien durch eine allgemeine Regionalseite ersetzt worden, die oft keine regionalen Themen mehr aufgreife.

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4. Greenpeace macht keinen Druck mehr
(taz.de, Reimar Paul)
Wie bei der “taz” zu lesen ist, soll das seit über 30 Jahren bestehende “Greenpeace Magazin” 2024 eingestellt werden. Gründe dafür seien sinkende Einnahmen und steigende Kosten durch Krieg, Pandemiefolgen und höhere Preise für eine nachhaltige Produktion. Ein Kernredaktionsteam plane die Gründung eines neuen Umweltmagazins mit dem Arbeitstitel “atmo“.

5. Entlassene Journalistinnen erneut angeklagt
(reporter-ohne-grenzen.de)
Den iranischen Journalistinnen Nilufar Hamedi und Elahe Mohammadi, die kürzlich nach 15 Monaten Haft auf Kaution freigelassen wurden, droht eine erneute strafrechtliche Verfolgung, weil sie ohne den im Iran vorgeschriebenen Hidschab fotografiert wurden. Reporter ohne Grenzen fordert ihre endgültige und bedingungslose Freilassung und ein Ende der Verfolgung durch das iranische Regime.

6. Coaching-Tipps für freie Medienschaffende aus der Welt des Improvisationstheaters
(fachjournalist.de, Ralf Falbe)
Ralf Falbe spricht mit der Coachingexpertin und Schauspielerin Katharina Butting darüber, was freie Journalistinnen und Journalisten vom Theater im Allgemeinen und vom Improvisationstheater im Besonderen lernen können. Butting erklärt, wie Übungen freien Medienschaffenden helfen können, mit beruflichen Herausforderungen und Unsicherheiten umzugehen. Außerdem betont sie die Bedeutung von Anpassungsfähigkeit, Präsenz und Akzeptanz von Veränderungen.

7. Wird zu viel über das Unwort des Jahres geredet?
(radioeins.de, Lorenz Meyer)
In eigener Sache und deshalb als zusätzlicher Link: Bei radioeins hat der “6-vor-9”-Kurator über die Wahl des Wortes “Remigration” zum “Unwort des Jahres” gesprochen: “Der Begriff gibt einer Ungeheuerlichkeit einen sachlichen Anstrich.” (radioeins.de, Audio: 3:33 Minuten)

Die “Bild”-Theorie vom “Islam-Rabatt” (2)

Die Leute von “Bild” geben sich weiterhin Mühe, ihre QuatschTheorie vom “Islam-Rabatt” (BILDblog berichtete) aufrechtzuerhalten.

Heute benutzen sie dafür den Fall des verurteilten Mustafa Y., der vor einem Jahr seinen Nachbarn erschossen hatte und nun wegen Mordes für zwölf Jahre ins Gefängnis muss. Bild.de schreibt:

Eigentlich steht auf Mord eine lebenslange Haftstrafe, man sei bei dem Angeklagten aber von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen, sagte der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer.

“Der Ramadan setzte ihm körperlich zu, er war dehydriert, aber es kam zu keiner Bewusstseinseintrübung.” Er stellte aber klar: “Der Ramadan hatte nicht allein Einfluss auf seine verminderte Schuldfähigkeit. Mustafa Y. war auch psychisch und physisch instabil, litt unter Depression, Angstzuständen und Schlafstörungen.”

Und trotzdem titelt Bild.de:Wieder Islam-Rabatt für einen Mörder - Nachbar erschossen. Aber nur 12 Jahre Haft, weil er wegen Ramadan so hungrig und „körperlich angeschlagen“ war

Der Staatsanwalt hatte übrigens dreizehn Jahre gefordert.

Mit Dank an P. S., Thure und Manfred S.

Die “Bild”-Theorie vom “Islam-Rabatt”

Im Februar 2013 ist in Wiesbaden eine schwangere Frau von ihrem Ex-Freund niedergestochen worden. Die Frau und das ungeborene Kind starben, und der Mann musste sich vor Gericht verantworten. Vergangene Woche wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Eine “besondere Schwere der Schuld” erkannte das Landgericht aber nicht, damit besteht nach 15 Jahren die Chance auf Haftentlassung. Die Entscheidung begründete der Richter angeblich damit, dass der Täter, ein Deutsch-Afghane, sich “aufgrund seiner kulturellen und religiösen Herkunft in einer Zwangslage befunden” habe.

Und genau das ist für die Leute von “Bild” ein Skandal.

“Keine Scharia in Deutschland!”, schrie Bild.de-Chef Julian Reichelt, und seine Print-Kollegen fragten:

Straf-Rabatt wegen religiöser Herkunft?

Drei Tage später war das Fragezeichen plötzlich verschwunden:

Ausriss: "Bild am Sonntag" vom 30. März 2014

Da waren selbst hartgesottene Islamhasser beeindruckt. Das Hetz-Portal “Politically Incorrect” schrieb:

Ja was ist denn in die BILD am SONNTAG (BamS) gefahren? […] Gleich zwei mal packt das Springer-Blatt das heiße Thema Islam an – und zwar in einer Deutlichkeit, die es in sich hat.

Schon auf dem Titelblatt prangt die unmissverständliche Headline: “Islam-Rabatt für Jolins Mörder”. Ohne Fragezeichen!

(Der andere Islam-Artikel, über den sich “PI” mindestens genauso doll freut, ist ein “Bams”-Interview mit einem deutsch-türkischen Schriftsteller – Überschrift: “‘Islam gehört zu uns wie die Reeperbahn nach Mekka'”.)

Und ohne Fragezeichen geht es bei Bild.de auch heute weiter:

Der große Report - ISLAM-RABATT - So urteilen deutsche Gerichte

… obwohl es in der Print-Ausgabe noch da war:

Geben unsere Gerichte ISLAM-RABATT? - Jolins Mörder bekam wegen seiner Religion eine mildere Strafe. Kein Einzelfall!

Die Antwort auf die Frage ist für “Bild” natürlich eindeutig:

tatsächlich bekommen Angklagte immer wieder Islam-Rabatt!

Als Beleg listet “Bild” zahlreiche einige ein paar genau zwei Fälle auf. Einer davon ist Ayhan S., der 2005 seine Schwester erschossen hatte und “gerade mal zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt” wurde.

Der Richter: “Eine Mischung aus fest verankerten Vorstellungen von Familien-Ehre und eigenem Islam-Verständnis trieb ihn zur Tat.”

… schreibt “Bild”, lässt aber offen, was das mit welchem Rabatt auch immer zu tun haben soll.

Der zweite Fall besitzt sogar noch weniger Aussagekraft: Dort ist nicht mal das Urteil gesprochen worden.

Daneben führt die “Bild”-Zeitung noch eine Studie des Max-Planck-Instituts an, offenbar zur wissenschaftlichen Untermauerung ihrer “Rabatt”-Theorie. Die Untersuchung habe nämlich ergeben, schreibt “Bild”, dass sich der “kulturelle Hintergrund” der Täter in “12 Prozent der Fälle […] strafmildernd” ausgewirkt habe.

Die Macher der Studie selbst kommen jedoch zu einem völlig anderen Schluss, wie im aktuellen “Spiegel” zu lesen ist:

Deutsche Strafgerichte behandeln sogenannte Ehrenmörder nicht milder als andere Beziehungstäter, sondern sogar strenger. Das ergibt eine Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg, die demnächst erscheint. Die Forscherin Julia Kasselt hat 78 Fälle zwischen 1996 und 2005 ausgewertet, bei denen die Täter Partner oder Verwandte wegen kultureller “Ehrencodices” angegriffen hatten. [..] Das Fazit der Forscherin: “Die Justiz gibt Ehrenmördern keinen ‘kulturellen Rabatt’.”

Egal. Für die “Bild”-Zeitung ist und bleibt die Sache ein Skandal. Und die ersten empörten Politiker-Zitate hat sie auch schon aufgetrieben, was bedeutet, dass spätestens jetzt auch andere Medien aufspringen:Nach Urteil gegen Isa S. - Politiker empört über "Islambonus" für Täter
(bz-berlin.de)

Politiker gegen «Islam-Rabatt» für Straftäter
(kath.net)

Nach Urteil gegen Deutsch-Afghanen - Keine Milde für „Ehrenmörder“ - Politiker lehnen „Islam-Rabatt“ für Straftäter ab
(“Focus Online”)

Anders gesagt: Politiker und Journalisten empören sich über etwas, das nach neuesten Erkenntnissen überhaupt nicht existiert, das von der “Bild”-Zeitung aber mühsam herbei- und von anderen Medien blindlings abgeschrieben wird. Und als Beleg dient ihnen ausgerechnet die Studie, die eigentlich das genaue Gegenteil aussagt, was sie aber verschweigen.

Über so viel Entgegenkommen kann man sich als Moslemhasser natürlich nur freuen. “Politically Incorrect” schreibt:

“Zum Regieren brauche ich BILD, BamS und Glotze”, sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zehn Jahren. Wenn die oben erwähnten Artikel eine intensive und schnörkellose Debatte über die Gefahren des Islam in Deutschland auslösen, könnte die BamS vom heutigen 30. März 2014 eine nicht zu unterschätzende Katalysator-Funktion gehabt haben.

Mit Dank an Werner H. und G.K.

Nachtrag, 8. April: Siehe auch hier, hier und hier.

Beziehungen, Presserabatte, Prozentbalken

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Bild’ und Wulff – Ziemlich beste Partner”
(otto-brenner-stiftung.de)
Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz machen eine Fallstudie zur Beziehung zwischen “Bild” und Ex-Bundespräsident Christian Wulff (PDF-Datei, 2,1 MB).

2. “Sido stürzt ‘Bild’ ins Beziehungs-Chaos”
(focus.de)
Die Beziehungen zwischen Sido und verschiedenen Frauen in der Berichterstattung von “Bild” und “Bild am Sonntag”.

3. “Gegenrede: Presserabatt ≠ Bestechung”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi antwortet auf den Deutschlandfunk-Beitrag “Kritisch oder käuflich” von Brigitte Baetz zu Journalistenrabatten: “Ich habe Presserabatte genutzt und fühle mich trotzdem unabhängig. Entscheidet man sich morgen, das System ad acta zu legen, werde ich nur mit den Schultern zucken. Dann ist das halt so. Aber der gesamten Journaille mit hanebüchen zusammen gerührten Behauptungen über Presserabatte, Belegexemplare und PR-Geschenken korrupte Tendenzen unterstellen zu wollen, finde ich armselig und populistisch.”

4. “Der griechische Extremismus-Balken”
(fernseherkaputt.blogspot.de)
Eine Infografik in der Nachrichtensendung “Zeit im Bild” (Video) zu den Parlamentswahlen in Griechenland zeigt Prozentbalken in falscher Höhe: “Die 17 Prozent der Koalition der Radikalen Linken (SYRIZA) bekommen einen gleich großen Balken wie die 7 Prozent des neonazistischen Chrysi Avgi (GMR).”

5. “Wieviel ist ‘eine Zunahme um das Dreifache’?”
(herrmeyer.ch)
Thomas Meyer erklärt den Unterschied zwischen “Dreimal so viele” und einer “Zunahme um das Dreifache”.

6. Best of Roche & Böhmermann
(zdf.de, Video, 57:15 Minuten)
“Roche & Böhmermann” blicken zurück auf die bisherigen Ausgaben der Talksendung.

Rabatte, Griechenland, Verblendung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Journalisten, Rabatte und Moral”
(berliner-zeitung.de, Götz Aly)
Während sie von Politikern “vollständige Transparenz” fordern, erfreuen sich “zehntausende Medienleute in aller Stille ihrer Rabatte und kleinen Vorteile”. “Der Fall Wulff ist eine schöne Gelegenheit, vor der eigenen Türe zu kehren.”

2. “Spiegel-Online & Co. zunehmend stärker in der Kritik”
(ef-magazin.de, Arne Hoffmann)
Arne Hoffmann fasst verschiedene Kritiken am Verhalten von Journalisten in der Causa Wulff zusammen. “Wenn jeder nur noch das sagen könnte, was juristisch absolut wasserdicht ist und am besten unter Zitat der jeweiligen Rechtsgrundlage, dann könnten wir alle nur schweigen oder über Anwälte kommunizieren.”

3. “Die Krise in der Medienbranche ist noch größer als die Krise insgesamt”
(dradio.de, Susanne Burg)
Die Journalistin Kaki Bali spricht über die Situation der Medien in Griechenland: “Die Zeitung meiner Jugend, die ich immer gelesen habe, die ist seit einem halben Jahr pleite. Die Leute versuchen, die noch zu publizieren, aber die sind seit dem August nicht bezahlt. Ein Fernsehsender, der rund um die Uhr Nachrichten praktisch hatte, ist auch pleite, und die Leute sind seit April nicht mehr bezahlt.”

4. “Innenministerium: Keine Verbote von iPhone und Blackberry”
(heise.de, rei)
“Innenminister verbannt iPhones”, schreibt “Bild”. Das deutsche Bundesinnenministerium widerspricht: “Diesen Geräten bleibt nach Angaben vom BMI-Sprecher Philipp Spauschus innerhalb des Ministeriums lediglich der Zugang zum Regierungsnetz verwehrt, da sie die erforderliche Sicherheitslösung SiMKo 2 nicht unterstützen. Welche Geräte die Mitarbeiter privat mitführen, bleibt nach Angaben des Sprechers ihnen selbst überlassen.”

5. “Falsche Frau mit Drachen-Tätowierung”
(superblaa.blogspot.com, Franky Armee)
Der “Blick am Abend” illustriert einen Text über den US-Film Verblendung (2011) mit einem Foto der Figur Lisbeth Salander – aus dem europäischen Film Verblendung (2009).

6. “Was Barack mir so schreibt”
(faz.net, Marcus Jauer)
Seit vier Jahren erhält Marcus Jauer E-Mails von Barack Obama. Eine Auswertung.

Presserabatte, Münkler, Zimmermann

1. “Ist der Journalismus am Ende?”

(carta.info, Robert G. Picard)

Robert G. Picard mit einem aus seinem Blog “The Media Business” übersetzten Beitrag: “Journalismus ist kein Geschäftsmodell, keine Arbeitsstelle, kein Unternehmen, keine Branche, keine Medienart und kein Distributionssystem. Im Kern ist Journalismus eine Aktivität.”

2. “Herfried Münkler kämpft gegen das Internet”

(netzpolitik.org, markus)

Markus Beckedahl analysiert auf eine Kolumne des in Berlin lehrenden Politikprofessors Herfried Münkler in der Frankfurter Rundschau: “Hilfe. Sowas drucken Qualitätsmedien im Jahre 2009! Und da wundern sich Verlage, dass junge und gebildete Menschen sich keine Zeitungen mehr kaufen?”

3. “Presserabatte: Wie Journalisten um Prozente feilschen”

(ndr.de, Video, 11:25 Minuten)

“Ein günstiger Flug, ein ermäßigtes Auto, ein Computerschnäppchen – als Journalist zahlt man meist weniger als andere. Ohne großen Aufwand. Ganz einfach, weil sich Unternehmen positive Berichte erhoffen.”

4. Interview mit Albert P. Stäheli

(handelszeitung.ch, Gret Heer)

Der CEO der NZZ-Gruppe hat Sparmassnahmen eingeleitet, dennoch schreibt das Unternehmen Verluste. Er denkt nun über Einnahmen aus dem Internet nach. Die allgemeinen News sollen kostenlos bleiben: “Bei Finanzdienstleistungen, spezifischen Wirtschaftsthemen und Kommentaren von exzellenten Autoren ist eine Veränderung aber denkbar.”

5. Interview mit Russell Crowe

(morgenpost.de, Rüdiger Sturm)

Schauspieler Russell Crowe wäre gerne Journalist geworden. Allerdings: “Die Medien sind völlig zynisch geworden. Da nimmt man ein Stück Nichtigkeit und bläst es so auf, dass es in den freien Platz neben der Anzeige auf Seite fünf passt. Und die Generation, die damit aufwuchs, kann schon nicht mehr Unsinn von Wahrheit unterscheiden. Ich bin noch in einer Zeit groß geworden, wo bestimmte Zeitungen als unerschütterliche Vermittler von Fakten galten, aber das hat sich leider geändert.”

6. “Leiser Ruf nach dem Staat”

(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)

Kurt W. Zimmermann versucht das Kunststück, sich für “indirekte Beihilfen” des Staats an die etablierten Verlage auszusprechen und gleichzeitig dem Leser zu vermitteln, dass er eigentlich eine gegenteilige Haltung hat: “Wir haben an dieser Stelle immer liberale Positionen vertreten. Wir sind gewiss keine Etatisten. Aber wir wissen, dass die Medien vor wüsten Zeiten stehen. Sie brauchen Unterstützung vom Staat.”

Newsrooms, Rabatte, Neven DuMont

1. “Die Top-100-Journalistenrabatte des Jahres 2008”
(pressekonditionen.de)
Journalisten! Greift zu, so lange es noch Rabatte gibt! Pressekonditionen.de präsentiert nach 2006 und 2007 “die 100 gefragtesten Rabatte des Jahres 2008”.

2. Interview mit Alfred Neven DuMont
(cicero.de, Constantin Magnis und Wolfram Weimer)
Auf die Frage, ob er vorhabe, vielleicht die WAZ-Gruppe zu schlucken, antwortet Verleger Alfred Neven DuMont (81): “Um Gottes willen! Mehr Zeitungen zu haben, macht einen nicht mehr so geil wie früher. Und ich für meinen Teil habe ausgesorgt. Mein letzter Wunsch gilt schon der Zeitung, der würde ich eine Zukunft wünschen.”

3. Das Negative kommt einfach positiver an
(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)
“In den letzten zwanzig Jahren habe ich eine Unmenge von kritischen Artikeln über Unternehmer und Politiker geschrieben. Öfter erwies sich die Kritik hinterher als unberechtigt. Niemand hat mir das je vorgehalten. Dieses Prinzip gilt generell. Risikovermeidung ist eine wesentliche Leitlinie des journalistischen Schaffens. Es ist kein Risiko, negative Erwartungen aufzubauen, weil dies später nicht zu Enttäuschungen führen kann. Nur positive Erwartungen können zu Enttäuschungen führen.”

Read On…

Harte Auflage, ORF will 3sat behalten, Elon Musks Desinformation

1. IVW 3/2024: So hoch ist die “Harte Auflage” wirklich
(dwdl.de, Uwe Mantel)
“DWDL” veröffentlicht die Verkaufszahlen von über 300 Zeitschriften und Zeitungen, geordnet nach Segmenten und mit Angabe der regulär verkauften Exemplare (“In der Spalte ‘Harte Auflage’ werden nur Einzelverkäufe zum regulären Preis und Abonnements berücksichtigt, nicht aber Bordexemplare, Lesezirkel oder stark rabattierte sonstige Verkäufe, mit denen die Verlage gerne Auflagenkosmetik betreiben – die Entwicklung hier gibt also besser wieder, wie gut es einem Titel im zurückliegenden Quartal wirklich ergangen ist.”).

2. Elon Musk erhebt nach SPIEGEL-Bericht absurde Vorwürfe
(spiegel.de)
Elon Musk habe bei X/Twitter behauptet, der “Spiegel” und andere “etablierte Medien” würden “aktiv zur Ermordung von Donald Trump und nun von mir ermutigen”. Er habe dazu einen Screenshot eines aktuellen “Spiegel”-Artikels geteilt, aber keine konkreten Belege für seine Behauptung genannt. In dem “Spiegel”-Beitrag (nur mit Abo lesbar) wird Musks Machtfülle und seine politische Radikalisierung kritisiert, was dieser in einer Rede in Pittsburgh vehement zurückgewiesen habe. Die “Spiegel”-Redaktion stehe hinter ihrer Berichterstattung.

3. Mit diesen miesen Tricks greift Elon Musk in den US-Wahlkampf ein
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Und noch einmal Elon Musk: Dieser unterstütze Donald Trump im US-Wahlkampf nicht nur finanziell, sondern auch durch gezielte und zum Teil fragwürdige Manipulationsversuche wie das Versprechen von Geldgeschenken an potenzielle Trump-Wählerinnen und -Wähler. Dabei nutze er seine Plattform X/Twitter, um Desinformation zu verbreiten und möglicherweise illegale Wahlkampfstrategien voranzutreiben. Musks Unterstützung werde durch verschiedene Pro-Trump-Organisationen und andere Tech-Milliardäre ergänzt.

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4. ORF will 3sat behalten
(faz.net)
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann setze sich klar für den Fortbestand des Kultursenders 3sat ein, der für den internationalen Austausch von österreichischen Medienproduktionen wichtig sei. Ein möglicher Wegfall des öffentlich-rechtlichen Senders wäre laut Weißmann ein großer Verlust für die Kultur- und Medienlandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der ORF stehe im intensiven Austausch mit den Partnern von 3sat, um das Angebot zu erhalten und den politischen Diskurs in Europa zu fördern.

5. EDMO veröffentlicht Leitfaden für Medienkompetenz-Kampagnen
(correctiv.org)
Das European Digital Media Observatory (EDMO) habe am Montag einen Leitfaden für Medienkompetenz-Kampagnen veröffentlicht. Dieser sei das Resultat einer EDMO-Arbeitsgruppe, die zu diesem Zweck eine Vielzahl bestehender Initiativen ausgewertet und Experten konsultiert habe, und “ein wichtiges Grundlagenwerk, an dem sich Medienkompetenz-Initiativen zukünftig messen können.”

6. Nora Gantenbrink: Wandlerin zwischen Fiktion und Journalismus
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio 26:18 Minuten)
Alexander Matzkeit spricht im Podcast “Läuft” mit Nora Gantenbrink darüber, wie sie ihre Arbeit als Journalistin und fiktionale Autorin voneinander trennt. Gantenbrink erklärt, wie Drehbücher für Impro-Comedys aussehen und wie Scham eine Rolle bei der Entwicklung ihrer Charaktere spielt. Zusätzlich geht es um den Podcast “Der Zerfall Babylons”, in dem Schriftsteller Volker Kutscher seine Gereon-Rath-Romane und deren historischen Kontext beleuchtet.

“Kein Gas, kein Strom” im “Entwicklungsland”

Wirft man regelmäßig einen Blick in die “Bild”-Medien, begegnen einem dort immer wieder Aussagen und Behauptungen, die irgendwo zwischen ziemlich schräg und völligem Unsinn liegen. Heute war mal wieder völliger Unsinn dran – in einer “Bild”-Umfrage, angeteasert auf der Titelseite …

Ausriss Bild-Titelseite - Mehrheit der Deutschen einig - Kein Bock mehr auf die Ampel

… und groß präsentiert im Blatt:

Ausriss Bild-Zeitung - Rot-Gelb-Grün soll abdanken - Bild fragte in Deutschland, wie die Menschen über eine schnelles Ende der Ampel-Koalition denken

Die Aussagen von 43 Personen haben “Bild” und Bild.de zusammengetragen. Neben völlig berechtigter Kritik an der Ampel-Koalition und nachvollziehbarem Ärger über die aktuelle Situation in Deutschland ist auch diese Behauptung dabei:

Ausriss Bild-Zeitung - Steffen Blasius, 43 Jahre alt, Handwerker: In kürzester Zeit haben die uns zum Entwicklungsland gemacht. Kein Gas, kein Strom und wir Bürger haben kein Geld mehr in der Tasche. Wenn ich so arbeiten würde wie die Ampel-Regierung, dann würde ich verhungern. Die sollen zurücktreten

Gut, das mit dem “Entwicklungsland” mag noch in die Kategorie Ansichtssache fallen. Aber: “Kein Gas” und “kein Strom” in Deutschland? Wir haben gerade noch mal sicherheitshalber auf den Lichtschalter gedrückt. Das Licht ging an. Und auch das Zubereiten des gestrigen Abendessens am Gasherd hat einwandfrei funktioniert.

Jetzt mag man einwenden, dass es sich dabei ja um eine Aussage einer befragten Person handelt – und nicht um eine “Bild”-Aussage. Aber jede Redaktion kann immer noch selbst entscheiden, ob und welchen Stuss sie unkommentiert veröffentlicht.

Sowieso ist es ganz interessant, dass Steffen Blasius Teil dieser Umfrage ist. Die “Bild”-Redaktion lässt es in ihrem kurzen Einleitungsartikel so wirken, als handele es sich bei den Befragten um zufällig auf der Straße angetroffene Bürgerinnen und Bürger:

BILD hat sich auf Deutschlands Straßen umgehört: Sollte die Ampel-Koalition aufhören?

Bei Blasius ist es allerdings so, dass er schon einmal in der “Bild”-Berichterstattung aufgetaucht ist, vergangenen Monat, ebenfalls bei einer Umfrage. Das Thema damals: der von der Ampel-Koalition angedachte (und inzwischen wohl wieder verworfene) Steuerrabatt für ausländische Fachkräfte:

Steffen Blasius (43), selbstständiger Handwerker im Innenausbau: “Das ist ein Schlag in die Fresse! Ich bin absolut dagegen, Fachkräfte mit Steuervorteilen zu locken. Wo bleiben die Steuererleichterungen für uns und unsere Unternehmen? Ich bin stinksauer!”

Auch im Februar dieses Jahres tauchte Blasius in den “Bild”-Medien auf, diesmal nicht so “stinksauer”, bei einer Umfrage zum Valentinstag. Und vor etwa zwei Jahren bei einer “Bild”-Umfrage zur möglichen Karstadt-Schließung in Saarbrücken.

Steffen Blasius ist nicht die einzige der 43 Personen in der heute erschienenen “Bild”-Umfrage, die schon einmal in den “Bild”-Medien anzutreffen war. Über manche von ihnen haben “Bild” und Bild.de in der Vergangenheit bereits berichtet, teilweise sogar mehrfach. Von manchen wurden schon Leserbriefe veröffentlicht, andere waren als Gast beim “Bild”-Leserstammtisch. Die “Bild”-Redaktion kannte einen Teil der Befragten und deren Ansichten also vorab.

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Zur Rückkehr von Marion Horn

Im November 2019, als klar war, dass Marion Horn den Axel-Springer-Verlag verlassen wird, hatten wir hier im BILDblog einen kritischen Blick auf Horns Schaffen als Chefredakteurin der “Bild am Sonntag” veröffentlicht: Zum Abschied von Marion Horn.

Was von uns als Rückschau auf die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme gedacht war, könnte nun als Vorschau dienen: Gestern wurde bekannt, dass Marion Horn zum Springer-Verlag zurückkehrt, als Vorsitzende der Chefredaktionen der “Bild”-Gruppe. Daher veröffentlichen wir unseren Beitrag von damals unverändert hier noch einmal: Zur Rückkehr von Marion Horn.

***

Marion Horn war nicht mal ein halbes Jahr im Amt, da zeigten sich selbst hartgesottene Islamhasser beeindruckt. So schrieb das Hetzportal “Politically Incorrect” im März 2014 verblüfft:

Ja was ist denn in die BILD am SONNTAG (BamS) gefahren? (…) Gleich zwei mal packt das Springer-Blatt das heiße Thema Islam an – und zwar in einer Deutlichkeit, die es in sich hat.

Schon auf dem Titelblatt prangt die unmissverständliche Headline: “Islam-Rabatt für Jolins Mörder”. Ohne Fragezeichen!

Tatsächlich behauptete die “Bild am Sonntag” gemeinsam mit den anderen “Bild”-Medien ohne Fragezeichen, in Deutschland gebe es einen “Islam-Rabatt”, also mildere Strafen vor Gericht, wenn es sich bei den Straftätern um Muslime handelt.

Titelseite BILD am Sonntag: Islam-Rabatt für Jolns Mörder

In Wahrheit kam eine Studie, die die “Bild”-Medien als vermeintlichen Beleg für den in Deutschland vorherrschenden “Islam-Rabatt” anführten, sogar zum genau gegenteiligen Schluss: Deutsche Strafgerichte würden sogenannte Ehrenmörder “nicht milder als andere Beziehungstäter” behandeln, “sondern sogar strenger.”

Der zweite Artikel in der “Bild am Sonntag”, über den sich “Politically Incorrect” damals so freute, war ein Interview mit einem deutsch-türkischen Schriftsteller – große “BamS”-Überschrift: “‘Islam gehört zu uns wie die Reeperbahn nach Mekka'”.

Fazit der Fremdenfeinde:

“Zum Regieren brauche ich BILD, BamS und Glotze”, sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zehn Jahren. Wenn die oben erwähnten Artikel eine intensive und schnörkellose Debatte über die Gefahren des Islam in Deutschland auslösen, könnte die BamS vom heutigen 30. März 2014 eine nicht zu unterschätzende Katalysator-Funktion gehabt haben.

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So ging sie also los, Marion Horns Karriere als Chefredakteurin der “BamS”. Und nun, gut sechs Jahre später, geht sie zu Ende: Wie der Axel-Springer-Verlag in dieser Woche mitteilte, verlässt Horn die “Bild am Sonntag”.

Mit “Kompetenz und Leidenschaft” habe sie als Chefredakteurin “insbesondere die investigative und politische Relevanz von BILD am SONNTAG geprägt”, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner.

Werfen wir zum Abschied also einen Blick zurück auf ihr glorreiches Werk.

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Als erste Frau an der Spitze der “BamS”, als bekennende “schlimme Feministin” ging es ihr immer auch darum, ein Zeichen zu setzen: für Frauen, gegen Sexismus. Klischees und stereotype Rollenbilder seien ihr zuwider, sagte sie mal, und dagegen kämpfe sie an:

Wir versuchen bei “BamS”, andere Frauenbilder zu zeigen.

Zum Beispiel solche:

Ein großes Foto in der

Herzogin Kate war im Mai 2014 “dem Wind sei Dank” das Kleid hochgerutscht, wodurch ihr Po entblößt wurde.

Der Windhauch des royalen Helikopters bei der Landung in den australischen Blue Mountains sorgte für diesen kurzen, aber magischen Moment.

Diesem “magischen Moment” widmete die “Bild am Sonntag” unter Feministin Horn fast die ganze letzte Seite.

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Im Juli 2014 veröffentlichte die “BamS” neben den anderen “Bild”-Medien zahlreiche Fotos und persönliche Informationen von Menschen, die beim Abschuss eines Flugzeuges über der Ukraine ums Leben gekommen waren.

Eine Erlaubnis der Angehörigen hatte die Redaktion nicht eingeholt. Die Veröffentlichung wurde später auch vom Presserat kritisiert.

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Wenige Tage später entschied sich Marion Horn für den Abdruck eines islamfeindlichen Kommentars ihres damaligen Stellvertreters Nicolaus Fest. “Der Islam stört mich immer mehr”, schrieb er darin, ihn störe “die weit überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund”, “die totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle” und vieles mehr. Der Islam sei wohl “ein Integrationshindernis”, was man “bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen” solle.

Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht.

Nach massiver Kritik verließ Fest die “Bild am Sonntag”. Horn entschuldigte sich mehr oder weniger – und blieb.

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Im Monat darauf verkündete die “Bild am Sonntag” exklusiv, Schauspieler Henning Baum habe das Ende seiner Serie “Der letzte Bulle” bestätigt. Noch am selben Tag teilte sein Management mit, das Zitat in der “BamS” sei frei erfunden.

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Zwei Wochen später berichtete die “Bild am Sonntag” über den Mord an einem 14-jährigen Mädchen und druckte im Artikel ein Foto des vermeintlichen Täters, das die Redaktion bei Facebook geklaut hatte:

Tatsächlich hatte der Abgebildete überhaupt nichts mit der Tat zu tun.

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Im Dezember 2014 fragte die “Bild am Sonntag” empört:

Haben wir nicht alle Lichter am Baum?

Denn in Berlin-Kreuzberg, so die Behauptung der “BamS”, müsse der Weihnachtsmarkt neuerdings “Winterfest” heißen. Auf “dem Altar der politischen Korrektheit” werde “die christliche Tradition geopfert”, insinuierte das Blatt.

In Wahrheit stimmte die Geschichte gar nicht: “Wie die Märkte sich nennen, ist uns total egal”, erklärte das zuständige Bezirksamt auf unsere Nachfrage. Die “Bild am Sonntag” hatte sich das Weihnachtsmarktverbot ausgedacht – und lieferte den besorgten Bürgern und Islamhassern einmal mehr neue Munition.

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Im darauffolgenden Frühjahr berichtete die “BamS”, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft Franz Beckenbauer wegen der WM-Vergabe an Russland und Katar als Zeugen befragen wolle. Die Schweizer Bundesanwaltschaft teilte auf unsere Nachfrage mit, dass das Quatsch sei. Die Geschichte in der “Bild am Sonntag” sei sogar “mehrfach falsch”. Die Redaktion habe nicht mal bei ihr nachgefragt.

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Im Monat darauf schrieb die “BamS” auf ihrer Titelseite, Angela Merkel habe in Bayreuth einen “Kollaps” erlitten.

Angela Merkel - Kollaps in Bayreuth
Zwei Stunden nach diesen Fotos kippte Merkel um

Die Meldung des angeblichen Schwächeanfalls verbreitete sich rasend schnell, doch kurz darauf brachte die Nachrichtenagentur AFP folgende (wortwörtliche) Breaking News:

Regierungssprecher: Merkel bei Wagner-Festspielen nicht kollabiert – Kein Schwächefall – Stuhl der Kanzlerin brach zusammen

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Im August 2015 wurde in Schleswig-Holstein die Leiche eines Mannes gefunden, der Suizid begangen hatte. Daraufhin bat die Polizei die Medien darum, die Fotos, die sie zur Fahndung veröffentlicht hatte, “aus der Berichterstattung zu nehmen”.

Die “Bild am Sonntag” ignorierte nicht nur die Bitte der Polizei, sondern lieferte möglichen Nachahmern auch gleich noch den genauen Ort des Suizids:

Von dieser Brücke sprang ein Vater in den Tod

(Wenn du selber Probleme hast, depressiv bist oder über Suizid nachdenkst, kansst du dich jederzeit unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 an die TelefonSeelsorge wenden.)

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Anfang 2016 druckte die “Bild am Sonntag” zahlreiche Fotos und persönliche Informationen von Menschen, die bei einem Zugunglück in Bad Aibling gestorben waren.

Diesen 11 Opfern schuldet ihr die Wahrheit! (dazu 11 Porträtfotos)

Eine Zustimmung der Angehörigen lag wieder nicht vor, und wieder wurde die Veröffentlichung vom Presserat kritisiert.

***

Wenige Monate später druckte die “Bild am Sonntag” zahlreiche Fotos und persönliche Informationen von Menschen, die bei einem Anschlag auf ein Einkaufszentrum in München getötet worden waren.

Titelseite der

Eine Zustimmung der Angehörigen lag wieder nicht vor, und wieder wurde die Veröffentlichung vom Presserat kritisiert.

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Im September 2016 druckte die “Bild am Sonntag” einen Gastkommentar des Fußballers Arne Friedrich. Der meldete sich kurz darauf bei Twitter zu Wort und erklärte, die Redaktion habe in seinem Kommentar rumgepfuscht. Als Beweis schickte er einen Screenshot seines Originaltextes mit:

Negative Überschrift eingesetzt, Textteile weggelassen, so wird aus positiv plötzlich negativ. @HerthaBSC @bild Daumen-nach-unten-Emoji

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An Ostern 2017, nachdem ein Mann einen Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt hatte, titelte die “Bild am Sonntag”:

Gott sei Dank -BVB-Bomben zündeten eine Sekunde zu spät

Wie sich später herausstellte, war auch diese Geschichte Unsinn. Die Bundesanwaltschaft teilte in einer Pressemitteilung mit, die Sprengsätze seien “zeitlich optimal gezündet” worden.

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Anfang 2018 behauptete die “Bild am Sonntag”:

4 von 5 Flüchtlingen fallen bei Deutsch-Test durch

Doch auch diese Schlagzeile war falsch. Tatsächlich ergab die Statistik, dass nicht “4 von 5 Flüchtlingen” bei ihrem Deutsch-Test durchfallen, sondern dass vier von fünf Flüchtlingen, die Analphabeten sind, nicht das Sprachniveau B1 erreichen. Insgesamt schafften nicht nur 20 Prozent einen Abschluss, wie von “BamS” behauptet, sondern 76 Prozent.

Auch diese falsche Schlagzeile war eine willkommene Vorlage – nicht nur für andere Medien, sondern vor allem für rechte Hetzer.

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Wenige Wochen später schrieb die “Bild am Sonntag”:

Weil Behörde Asylantrag zu spät bearbeitete - 7300 Euro im Monat für Flüchtlingsfamilie

Was in der Überschrift schon mal nicht klar wurde: Dabei handelte es sich nicht um eine drei- oder vierköpfige Familie, sondern um eine Mutter mit neun Kindern. Zudem wurden die 7300 Euro für die zehnköpfige Familie nicht bar ausgezahlt, sondern ein Großteil wurde schon vorher abgezogen, um die Kosten für die Unterbringung in einem Asylwohnheim inklusive aller Nebenkosten zu begleichen. Auch die Dauer der Bearbeitung war entgegen der “BamS”-Behauptung komplett irrelevant. Und auch sonst gab sich die “Bild am Sonntag” große Mühe, in dem Artikel möglichst viel Irreführendes und Falsches unterzubringen.

Tatsächlich hätte jede deutsche Mutter mit neun Kindern im selben Alter als Sozialhilfeempfängerin genauso viel und dieselben Leistungen bekommen wie die Flüchtlingsfamilie. Davon war in der “Bild am Sonntag” allerdings nichts zu lesen.

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Als im Dezember 2018 über die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der CDU abgestimmt werden sollte, veröffentlichte die “Bild am Sonntag” eine Liste von 1001 Delegierten und verriet, für welchen Kandidaten/welche Kandidatin sie jeweils stimmen würden. Allerdings erklärten daraufhin etliche der angeblich Befragten, sie hätten überhaupt nicht mit der “Bild am Sonntag” gesprochen.



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Sechs Jahre war Marion Horn Chefredakteurin der “Bild am Sonntag”. Sechs Jahre, in denen ihr Blatt Unwahrheiten in die Welt setzte, Persönlichkeitsrechte verletzte und den Hass gegen den Islam befeuerte. Die Liste ließe sich noch viel weiter fortsetzen, mit Schleichwerbung, geheuchelter Selbstkritik oder politischen Kampagnen.

Oder wie man beim Axel-Springer-Verlag sagt: “Kompetenz und Leidenschaft”.

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