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Scripted Reality, Empörungsunlust, Blome

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Scripted Reality: Zurück auf dem Boden der Realität“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Hype um Scripted Reality im deutschen Privatfernsehen sei vorbei, glaubt Alexander Krei: „Dass Scripted Reality auf absehbare Zeit komplett vom Bildschirm verschwinden wird, erscheint aber unwahrscheinlich. Zu viele Spielformen haben sich mittlerweile im deutschen Fernsehen breit gemacht.“

2. „Yellow-Kritiker: ‘Jeden Tag Verstöße gegen Persönlichkeitsrechte'“
(meedia.de, Marvin Schade)
Ein ausführliches Interview mit Mats Schönauer und Moritz Tschermak vom Regenbogenpresse-Watchblog Topfvollgold.de. „Wir stoßen jeden Tag auf Verstöße gegen Persönlichkeitsrechte, aber auch Verstöße gegen ein gewisses moralisch-journalistisches Verständnis. Gerade deshalb können wir diese Gleichgültigkeit der Leute, diese ‘Lasst sie doch machen’-Einstellung nicht nachvollziehen.“

3. „Ohne mich! Ich bin raus!“
(welt.de, Peter Praschl)
„Manchmal empört mich meine eigene Empörungsunlust“, stellt Peter Praschl fest. „Sie wollten den Anfängen wehren, und ich habe nicht eine einzige Petition gegen irgendwas unterschrieben. Nicht einmal jene bei change.org für die Einführung einer kinderfreundlichen Kasse bei Kaiser’s in der Berliner Winsstraße, dem Supermarkt, in dem ich fast jeden Tag einkaufe.“

4. „What You Think You Know About the Web Is Wrong“
(time.com, Tony Haile, englisch)
Tony Haile befasst sich mit der Messung von Nutzeraktivitäten und ihren Folgen: „We are getting a lot wrong about the web these days. We confuse what people have clicked on for what they’ve read. We mistake sharing for reading. We race towards new trends like native advertising without fixing what was wrong with the old ones and make the same mistakes all over again.“

5. „Wir müssen draußen bleiben“
(freitag.de, Hanno Böck)
Hanno Böck erkennt einen „besorgniserregenden Trend“: „Aus den unterschiedlichsten Gründen wird an vielen Stellen versucht, das eigentlich transnationale Netz wieder in nationale Bahnen zu lenken.“

6. „Die Parallelwelt des Nikolaus Blome“
(carta.info, Wolfgang Michal)
Nikolaus Blome „als PR-Hupe der Politik“.

Blome um Blome, Quoos um Quoos

Die spektakuläre Tötung von Osama bin Laden ist nicht nur Anlass für umfangreiche Spekulationen über die genauen Umstände und Hintergründe der amerikanischen Kommandoaktion, sie bietet auch einiges an Diskussionsstoff.

Während etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer ersten Stellungnahme unverhohlene Freude über den Tod bin Ladens ausdrückte, stellen andere inzwischen die Frage, ob es angemessen war und ist, die Tötung eines Menschen zu bejubeln und ob es sich mit dem Völkerrecht vereinbaren lässt, falls das einzige Ziel des Einsatzes die Exekution bin Ladens war.

Für Nikolaus Blome, den Leiter des Hauptstadtbüros von „Bild“ ist die Sache herrlich klar. Da er für eine Zeitung arbeitet, die dem Prinzip „Rache“ wohl am liebsten mehr Raum in der deutschen Rechtsprechung lassen würde, überrascht sein bereits am Montag verfasster „Zwischenruf“ auf Bild.de wenig:

Obama lässt Osama töten Haben die USA ein Recht auf Rache? JA!

Blome schreibt:

Ein Land, die einzige Super-Macht der Welt, wollte Rache nehmen. Und sie hatte das Recht dazu!

Dieser Wille zur Vergeltung, diese Sehnsucht nach Genugtuung, es liegt auf der Hand: Die amerikanische Jagd auf Osama bin Laden hatte etwas Biblisches – Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Darf man das, am Anfang des 21. Jahrhunderts, gut finden?

Ja, man darf.

Das biblische Zitat „Auge um Auge — Zahn um Zahn“ stammt aus dem Alten Testament und wenn man das im 21. Jahrhundert gut finden darf, dann muss man — um einmal bei der Bibel zu bleiben — Jesus wiederum schlecht finden, der in der neutestamentarischen Bergpredigt sagte:

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.
Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand,
sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

Überhaupt bringt Blome keine Argumente, sondern versucht lediglich zu erklären, dass Osama bin Laden mit seinen Verbrechen eine Schwelle überschritten hat, ab der die eigentlich universellen Menschenrechte und das Völkerrecht nicht mehr gelten:

Im Rückblick (…) mag klar sein, dass die amerikanischen Regierungen bei Weitem nicht alles richtig gemacht haben. Aber die Jagd auf den Drahtzieher der Anschläge war gerecht. Und sie zu Ende zu bringen, auch. (…)

Osama hat die freie Welt und ihre offenen Gesellschaften in einen Krieg der Kulturen gestürzt.

In seinem Namen wurde eine ganze Religion, der Islam, zum Synonym für Intoleranz und Gewalt gemacht. In seinem Namen wurden nicht nur Karikaturen-Zeichner mit dem Tod bedroht, sondern eine ganze Art zu leben. Unsere Art zu leben.

So muss man sich wohl das Böse vorstellen.

Wer entscheidet, wann diese Schwelle zum Bösen überschritten ist, diese Antwort bleibt Blome schuldig, aber es passt zu seiner Zeitung, in der Menschen immer wieder das Menschsein abgesprochen wird, indem sie zum „Schwein“, „Dreckschwein“ oder im Falle bin Ladens zum „Teufel“ erklärt werden.

Noch bunter treibt es Blomes Kollege Jörg Quoos, der heute in „Bild“ unter der Überschrift „Falsches Mitleid“ die „jüngsten Grünen-Stimmen zum Tode Osama bin Ladens“ kommentiert.

Quoos leitet seinen Kommentar mit einem Zitat des Malers Max Liebermann ein, welches dieser im Zuge der Machtergreifung der Nazis 1933 äußerte.

„Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte“.

Vermutlich würde Liebermann es wieder äußern, wenn er wüsste, in welchem Zusammenhang er hier zitiert wird.

Quoos kritisiert in seinem Kommentar ausschließlich die Bedenken von Politikern der Grünen, die eine gezielte Tötungsmission als „Hinrichtung“ oder als „Akt des Krieges“ bezeichnet haben, und ist sichtlich empört:

WIE BITTE?

Da jagen westliche Armeen – inklusive Bundeswehr – mit hohem Blutzoll jahrelang den schlimmsten Terroristen der Welt. Und am Ende berührt sein Tod grünes Gerechtigkeitsgefühl. (…)

Nein, Herr Ströbele, die Kanzlerin hat recht. Es ist gerecht, dass dieser Menschenfeind endlich tot ist.

Dass sich Quoos jedoch allein auf die Grünen versteift, ist dreist. Mindestens ebenso laute Kritik an den Äußerungen der Kanzlerin und Zweifel an den rechtlichen Grundlagen für die Tötung bin Ladens kommt von Unionspolitikern wie Siegfried Kauder, der gegenüber der „Passauer Neuen Presse“, sagt:

„Eine willkürliche Tötung ist nach dem internationalen Pakt über bürgerliche und politische Freiheiten nicht erlaubt. Wenn man zu dem Ergebnis kommt, Bin Laden war schon längst nicht mehr aktiv, könnte die Tötung willkürlich sein“, sagte der Rechtsausschussvorsitzende. Es bestehe „eine außerordentlich schwierige rechtliche Gemengelage“, die differenziert aufgearbeitet werden müsse. „Das Prinzip, der Zweck heiligt die Mittel, ist keine juristische Grundlage. Wir brauchen genaue rechtliche Regeln“, forderte Kauder.

Und auch die Deutsche Bischofskonferenz kann die Genugtuung nicht teilen, die Quoos verspürt. Sie verweist auf die Äußerung des Vatikansprechers Federico Lombardi:

(…) Dennoch ist der Tod eines Menschen für einen Christen niemals Grund zur Freude.

Aber auf den Vatikan oder auf die Union zu schimpfen, geht einem „Bild“-Redakteur wohl nicht so leicht von der Hand, wie einmal mehr auf dem liebgewonnenen Feindbild „Die Grünen“ herumzuhacken.

Immerhin: Unter Blomes „Zwischenruf“ hat Bild.de die Kommentare offengelassen. Ein Großteil derer, die sich dort äußern, sieht die Dinge ausnahmsweise nicht so eindimensional wie „Bild“ und Bild.de.

Blome, Islamkritiker, Nachrichtendschungel

6 vor 9

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1. „BILD sucht die Exitstrategie“
(spiegelfechter.com, Jens Berger)
Jens Berger liest, was „Bild“-Hauptstadtbüroleiter Nikolaus Blome zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hartz IV schreibt. „Da stellt das Verfassungsgericht fest, dass in der gängigen Hartz IV-Praxis eine Lücke bei den Ausgaben für die Bildung von Kindern aus prekären Verhältnissen besteht, und Leistungsträger Blome verkauft dies in einem ‘Entweder-Oder-Spiel’ als Belastung der Mitte der Gesellschaft.“

2. „Plagiatsfall Hegemann: Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK“
(literaturcafe.de, Wolfgang Tischer)
Wolfgang Tischer kennt „den Automatismus von Verlagsmarketing und Journalisten“: „Der Verlag bedient mit einem autobiografisch anmutenden Roman die Erwartungen der Presse – und beißt eines der großen Magazine oder Zeitungen an, dann wollen sie sie alle.“ Dem italienischen „Corriere della Sera“ gemäss hat Autorin Hegemann übrigens nicht nur Teile des Romans aus dem Web entnommen, sondern gleich alles: „Il mio libro? Ho copiato tutto dal web“.

3. Interview mit Thierry Chervel
(heise.de/tp, Reinhard Jellen)
Perlentaucher-Mitgründer Thierry Chervel glaubt, dass es „gar nicht so viele Medien gibt, in denen sich die Islamkritiker wirklich äußern können“. Er spricht konkret die „Süddeutsche Zeitung“ an. „Sie fährt zwar die härtesten Attacken gegen Islamkritiker, gleichzeitig existiert nicht der Hauch einer Chance der Erwiderung. Im Grunde ein zutiefst undemokratisches Verfahren für ein demokratisches Medium.“

4. „Mexikanische Boulevardzeitungen: Grausame Berichterstattung“
(medienblick-bonn.de, Linda Krummenauer)
Ein Blick auf mexikanische Boulevardzeitungen, die halb verweste Leichen auf der Titelseite abdrucken und Namen und Adressen von Straftätern nennen.

5. „Wem gehört der Sport?“
(jensweinreich.de, René Martens)
Ein langer Beitrag über den Versuch, die Aufnahme und Publikation von Bildern bei Sportveranstaltungen zu kontrollieren. „Jedermann im Stadion kann entfernt zeitungs-, radio- oder fernsehverwandte Kurzbeiträge produzieren, unabhängig davon, in welchem journalistischen Genre er eigentlich tätig ist beziehungsweise ob er überhaupt als Journalist arbeitet.“

6. „Verloren im Nachrichtendschungel“
(plus7.arte.tv, Video, 40 Minuten)
Für 7 Tage online: Ted Anspach besucht und begleitet verschiedene Macher von Online-Medien. Der Film hinterlässt ein Bild vom Internet als ein Ort, an dem kaum seriöse Informationen zu finden sind.

Bild  

Enteignet Gysi!

Gab es eigentlich schon einmal eine Bundesregierung, die mit so viel Macht ausgestattet war wie die neue Große Koalition? Fragen wir die „Bild“-Zeitung von heute:

Die Große Koalition steht. Heute wird Angela Merkel (59, CDU) als Bundeskanzlerin vereidigt. Ihre Große Koalition hat mehr Macht als jede Regierung in 50 Jahren zuvor — und nie war die Opposition so schwach.
(Seite 1)

Seit fast 50 Jahren war keine Regierung im Bundestag und Bundesrat mit so viel Macht und mit solch erdrückender Mehrheit ausgestattet wie diese Große Koalition.
(Seite 4 oben)

Es ist die mächtigste Regierung seit mehr als 40 Jahren! (…) Die Liliput-Opposition aus Linkspartei und Grünen ist machtlos.
(Seite 4 unten)

Wenn wir das nicht ganz falsch interpretieren, meint die „Bild“ also, dass es in den vergangenen 40 bis 50 Jahren keine Bundesregierung gab, die so mächtig war wie die neue Große Koalition. Sie ist so mächtig, dass es überhaupt nur eine Institution in Deutschland gibt, die es mit ihr aufnehmen kann.

Richtig:

16 „Bild“-Mitarbeiter werden gezeigt, die von nun an kritisch über die Bundesregierung berichten sollen, was womöglich den als erstes genannten Bela Anda (SPD), den früheren Regierungssprecher Gerhard Schröders, selbst verblüfft hat. Die Kernkompetenz der 16 liegt anscheinend überwiegend in lustig gemeinten Wortspielen …

„Ich mache Theater, wenn Kultur nur als Gedöns behandelt wird!“

„Ich schieße scharf, wenn das Verteidigungsministerium ein Chaos-Haus bleibt!“

„Ich haue auf den Putz, wenn die Kosten für Mieter und Eigentümer explodieren.“

„Ich sage ‘Stop!’, wenn Autofahrer über die Maut Finanzlöcher stopfen müssen.“

… teilweise aber auch in Hybris:

„Ich lasse nicht zu, dass Jobs kaputtgemacht und Arbeitgeber drangsaliert werden.“

Zunächst aber greift „Bild“ nicht die Regierung an, sondern die Opposition aus Linkspartei und Grünen: „Noch nie“, schreibt „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann in seinem Kommentar, „gab es einen Bundestag, in dem die Opposition ganz ohne bürgerliche Stimmen auskommen musste.“

Auf die Regierungserklärung von Angela Merkel wird künftig Oppositionsführer Gregor Gysi antworten. Der Mann, der die alten SED-Kader salonfähig machte.

Das ist nicht gut für Deutschland!

Wenn es keine bürgerliche Opposition im Bundestag gibt, dann muss sich diese Stimme außerhalb des Parlaments Gehör verschaffen.

Deshalb geht BILD in die Opposition. Und wird Außerparlamentarische Opposition. APO!

Die Anmaßung als „APO“ kann man als eine nachträgliche Verhöhnung der Bewegung sehen, die von der „Bild“-Zeitung Ende der sechziger Jahre diffamiert und mit größter Schärfe bekämpft wurde.

Bei der Gelegenheit klittert „Bild“ aber ein bisschen auch die noch nicht so weit zurückliegende Geschichte und behauptet: „BILD hatte mit seinen Vorhersagen zur GroKo recht!“

Am 15. Juni 2013 hätte das Blatt geschrieben: „Die Große Koalition kommt zurück!“ und damit auch recht behalten. Das ist richtig. In demselben Artikel sagten Nikolaus Blome (heute „Spiegel“) und Stephan Haselberger aber u.a. auch „klar“ voraus, dass die FDP in den Bundestag einziehen werde und die Union „(wie so oft) an der Urne schlechter abschneiden [wird] als vorher in den Umfragen“. Nun ja.

Eine weitere angeblich richtige Vorhersage laut „Bild“ von heute:

8. November 2013: „Wird Gabriel der Mega-Minister der Großen Koalition?“ BILD sagt Gabriel als Vizekanzler und als Minister für das „Mega-Projekt Energie“ und für das „Mega-Projekt Wirtschaft“ voraus — und BILD liegt wieder richtig.

Kunstvoll hat „Bild“ in den Zitaten das dritte „Mega-Projekt“ weggelassen, das sie ihm damals zugeschoben hatte: Das „Mega-Projekt Infrastruktur“. Von einem „speziell auf ihn zugeschnittenen Mega-Ressort für Energie, Wirtschaft und Infrastruktur“ hatte „Bild“ damals gesprochen — von der Infrastruktur ist heute keine Rede mehr.

Kai Diekmann kündigt an:

BILD wird der neuen Regierung bei jeder Gelegenheit auf die Finger hauen! Hart. Schmerzvoll. Und ohne Gnade.

Und bestimmt: ohne Besinnung.

Haltung, Buzzfeed, VDRJ

6 vor 9

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1. „Eine Frage der Haltung“
(journalist.de, Alexander Krex)
Alexander Krex versucht, Haltungen von deutschen Journalisten aufzuspüren und besucht dazu unter anderem Tom Strohschneider, den Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“: „Der Wechsel von Nikolaus Blome von Bild zum Spiegel habe ihn schon überrascht, sagt Strohschneider. Genauso überrascht habe ihn aber auch die demonstrative Empörung darüber. Die Spiegel-Redakteure, die sich angesichts der polarisierenden Personalie um die politische Linie ihre Blattes sorgen, würde Strohschneider fragen: ‘Welche Linie meint ihr denn?'“

2. „Kriegsreporter Martin Lejeune: ‘Eine schusssichere Weste würde mir schon helfen'“
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Ein Interview mit Martin Lejeune, der für die „taz“ aus Syrien berichtet: „Ich berichte nicht über Ereignisse, die von den Medien kolportiert werden, auf Video-Kanälen laufen oder durch soziale Netzwerke geistern. Das überlasse ich den Schreibtisch-Tätern in der Hamburger Spiegel-Online-Redaktion. Ich bin ein Vor-Ort-Korrespondent, der nicht von Kairo aus, wie zum Beispiel die ARD-Kollegen es zu tun pflegen, über die gesamte arabische Welt berichtet.“

3. „Die BuzzFeed-Falle – Journalismus für grenzdebile Idioten“
(neueelite.de, Marcel Winatschek)
Marcel Winatschek warnt davor, die Website Buzzfeed.com zum Vorbild zu nehmen: „Ers­tens: Der Groß­teil des In­halts ist ge­klaut. (…) Zweitens: BuzzFeed ist deswegen so erfolgreich, weil es für die dümmsten Menschen der Welt konzipiert ist. Nur die wenigsten Artikel besitzen mehr als drei Sätze am Stück.“

4. „Reisejournalismus in der Krise: Letzter Aufruf für den Freiflug in die Sonne“
(reception-insider.com, Peter Hinze)
In der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ) sind klassische Reisejournalisten, PR-Agenturen und Blogger organisiert. Der Vorsitzende, Klaus Dietsch, im Interview: „Vor vielleicht 15 Jahren konnte man von einem größeren Artikel in einem Hochglanzmagazin inklusive Fotos schon mal ein oder zwei Monate leben. Heute ist so etwas unmöglich.“

5. „Zur Veröffentlichung der dreibändigen Chronik des VfB Stuttgart“
(fussballglobus.blogspot.de, Hardy Grüne)
Fußballjournalist Hardy Grüne erinnert eine neue Chronik zum VfB Stuttgart an ein eigenes Werk von 2006. „Erstaunlicherweise weist der erwähnte dritte Band der offiziellen Klubchronik nicht nur exakt dieselben Lücken auf, sondern folgt auch sonst deckungsgleich meinen Angaben – wo mir ein Ergebnis fehlte, fehlt es auch hier, wo ich keinen Vornamen herausfand, fehlt er auch hier, wo ich einen Kommentar unter eine Tabelle setzte, steht er nahezu wortgleich auch hier.“

6. „Ed Miliband: My Dad Was A Man Who Loved Britain“
(labourpress.tumblr.com, englisch)

Bild  

„Bild zur Wahl“

Übermorgen, am Tag vor der Bundestagswahl, will die Axel Springer AG eine Sonderausgabe der „Bild“-Zeitung veröffentlichen. Die „Bild zur Wahl“ soll in einer Auflage von über 40 Millionen Exemplaren erscheinen und gratis an alle Haushalte in Deutschland verteilt werden.

So wird sie aussehen, die „Bild zur Wahl“:
Auf die Zettel, fertig, los! PROST WAHLZEIT! Ab ins Wahl-Lokal! Ran an die Urne - Eintritt ist frei! Je mehr Prozent, desto besser! So jung wählen wir nie wieder zusammen! Auf einem Kreuz kann man nicht stehen! Wer nicht wählt, wird Wirt! Von 8 bis 18 Uhr geöffnetGegen die Zustellung dieser Gratis-Zeitung können Sie sich wehren.

Sie müssen lediglich am Briefkasten kenntlich machen, dass Sie die Zeitung nicht haben wollen. Zum Beispiel damit:Meine Wahl: Keine "Bild zur Wahl"!

Einfach ausdrucken, ausschneiden und gut sichtbar an den Briefkasten kleben. Am besten schon heute oder morgen, damit die Leute von der Post sich darauf einstellen können und den ganzen Müll nicht unnötig durch die Gegend schleppen müssen.

Eine E-Mail-Aktion wie im vergangenen Jahr wird es diesmal nicht geben. Ein expliziter Hinweis am Briefkasten sollte als Widerspruch aber ausreichen.

Laut Verlag soll es in der Ausgabe übrigens allein darum gehen, „die Bürger für das Wählen an sich zu begeistern“. Und Parteiwerbung werde es darin grundsätzlich nicht geben. (Ist auch nicht nötig, das hat „Bild“ schließlich alles schon in den letzten Wochen erledigt.)

Stattdessen gibt’s zum Beispiel einen Rückblick auf 60 Jahre Wahlkampf, die aktuellen Wahlprogramme im „BILD-Check“ und die überraschende Erkenntnis, dass Politiker „auch nur Menschen“ sind (Nikolaus Blome).

Neben Helmut Kohl und Gerhard Schröder kommen vor allem auch jede Menge „Promis“ zu Wort, die den Kanzlerkandidaten mehr oder weniger interessante Fragen stellen durften.

Til Schweiger zum Beispiel will von der Kanzlerin wissen, was „das Dümmste“ war, das je über sie in der Zeitung stand, und was sie dem Autor „gern sagen“ würde. Springer-Mitarbeiter Christian Ulmen fragt, welcher Planet Peer Steinbrück gerne wäre. Und Heino will von Steinbrück wissen:

Warum wollen Sie nicht, dass ich das Bundestverdienstkreuz bekomme?

Steinbrücks Antwort:

Für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gibt es strenge Regeln. An die müssen sich alle halten.

Äh … ja. Sie sehen: Auch auf diese Ausgabe kann man getrost verzichten.

Maischberger, Mollath, MedienVielfaltsMonitor

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1. „Fünf Mediengruppen teilen sich rund 60 Prozent der Meinungsmacht“
(blm.de)
Der „MedienVielfaltsMonitor 2013″ (PDF-Datei) der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. „ARD, Bertelsmann, Axel Springer, ProSiebenSat.1 sowie das ZDF verfügen über rund 60 Prozent der Meinungsmacht in Deutschland und prägen die Meinungsbildung durch Medien.“

2. „Augstein: Keine Frage des Stils, sondern der Haltung“
(dradio.de, Jürgen Liminski)
Franziska Augstein spricht zur Verpflichtung von Nikolaus Blome durch den „Spiegel“: „Was hat so jemand beim ‘Spiegel’ verloren, der die Haltung wechselt je nach Arbeitgeber?“

3. „Wollen wir diese Bilder sehen?“
(handelsblatt.com, Claus Eurich)
Der Umgang mit Bildern aus Syrien: „Bilder, deren Herkunft nicht genauso zweifelsfrei geklärt ist wie die Kontexte hinsichtlich des Dargestellten, taugen nicht zur schnellen Veröffentlichung – auch wenn es die einzigen zugänglichen Bilder sind. Dann müssen eben Worte sich bemühen, das unfassbare Grauen und Leiden angemessen wiederzugeben.“

4. „3 Fragen, die sich Journalisten stellen sollten, wenn sie eine wissenschaftliche Studie lesen“
(ricogrimm.de)
„1. Können diese zwei Dinge wirklich miteinander in Verbindung stehen? 2. Hat der Autor der Studie wirklich alle Ereignisse berücksichtigt? 3. Hat er wirklich ALLE berücksichtigt?“

5. „‘Lob kann manchmal mehr verunsichern als Tadel'“
(journalist.de, Hans Hoff)
Hans Hoff plaudert mit Sandra Maischberger über Talkshows.

6. „‘Mollath muss sich einfach wehren'“
(dradio.de, Dieter Kassel)
Dieter Kassel fragt bei Anwalt Gerhard Strate nach, warum er „Gutachten zusammen mit ärztlichen Stellungnahmen und zahlreichen Gerichtsdokumenten“ zum Fall Gustl Mollath auf strate.net verfügbar gemacht hat: „Mollath muss sich einfach wehren! Und er muss deutlich machen, auf welcher trivialen Ebene zum Teil diese Gutachten einfach ihre Fakten selektiert haben, des Weiteren ihre rhetorischen Figuren aufbauen über angebliche Verrücktheiten des Herrn Mollath.“

Heavy Metal, Hühnerstall, Hitlergruß

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1. „Journalismus bei der Tafel“
(timo-rieg.de)
Timo Rieg entdeckt Rezensionsexemplare seines eigenen neuen Buchs in Online-Shops: „Besonders schön dabei sind immer die Hinweise ‘ungelesen’ oder ‘originalverpackt’. So viel Mühe hat sich dann der Journalismus gemacht zu prüfen, ob das Buch eine Besprechung wert ist oder nicht: ohne zu lesen, ohne es nur zu öffnen. (…) Ohne aufgrund der überschaubaren Fallzahl eine quantitative Aussage treffen zu wollen, so sind es wohl doch ganz überwiegend die gut situierten Einkommensgruppen im Redaktionsbetrieb, die sich dieser Form der Gemeinwohlpflege hingeben.“

2. „Wie der Heavy Metal in den Leitmedien abschneidet“
(powermetal.de, Stephan Voigtländer und Nils Macher)
Teil 2 der Analyse, wie Heavy Metal von den Leitmedien verarbeitet wird, setzt den Schwerpunkt auf Beiträge im Radio und Fernsehen.

3. „Der Fuchs im Hühnerstall“
(taz.de, David Denk)
„Spiegel“-Mitarbeiter reagieren auf die Verpflichtung von Nikolaus Blome als stv. Chefredakteur.

4. „Wenn der Pöbel kommentiert: BILD-Leser wollen sich nicht für einen Deutschen schämen, der Flüchtlinge mit dem Hitlergruß begrüßt“
(kaputtmutterfischwerk.de, Ronny)
Ronny sammelt Kommentare auf der Facebook-Seite von „Bild“, die zu diesem Foto abgegeben wurden.

5. „Tatort ‘Bild': Eine Falschmeldung zieht Kreise“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Ein „Tatort“ soll erstmalig um 22 Uhr ausgestrahlt werden, was es noch nie gegeben habe, behaupten „Bild“ und Bild.de – die Meldung wird von mehreren anderen Medien übernommen. „Alle wiederholen dabei die Behauptung der ‘Bild’, dass die späte Ausstrahlung ein einmaliger Vorgang in der ‘Tatort’-Geschichte sei. Doch das stimmt so nicht.“

6. „Lahme Zoten, Wahn um Quoten: Fehlt dem ZDF der Mut?“
(zdf.de, Video, 62:18 Minuten)
Georg Diez, Oliver Kalkofe und Nilz Bokelberg sprechen mit ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler über das ZDF-Programm. Siehe dazu auch die Kompaktversion in 3:15 Minuten auf youtube.com.

dapd, Inflationsalarm, Dr. h.c.

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1. „Herzlichst, Ihr JGauck“
(taz.de, Ilka Kreutzträger)
Die Nachrichtenagentur dapd hält die (inzwischen umgestaltete) Website praesidialamt.com für ein Blog von Joachim Gauck und meldet „Bundespräsident Joachim Gauck schaltet sich in Fall Salame ein“. „Bei der dapd heißt es, man sei der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen und habe die Authentizität des Blogs nicht ausreichend geprüft – wenig später wurde die Meldung zurückgerufen.“ Siehe dazu auch „Falscher Gauck verwirrt Medien“ (fr-online.de, Nadja Erb).

2. „Über die Verharmlosung des Springer-Blatts“
(taz.de, David Denk)
Die Verleihung des Henri-Nannen-Preises in der Kategorie „Investigation“ an zwei „Bild“-Reporter (BILDblog berichtete). „Leyendecker hat sich unbeliebt gemacht, weil er mit dem Sprengen der Branchenfamilienfeier den KollegInnen ihre eigene Feigheit im Umgang mit Bild vor Augen führte. Wie sonst sind die Aggressionen zu erklären? Was hat er schon gemacht? Einen Preis abgelehnt, höflich, ohne Schaum vorm Mund.“

3. „Alarm in Deutschland – oder: Wie ich versehentlich den Euro erledigte“
(wirtschaftswunder.ftd.de, Thomas Fricke)
Thomas Fricke hält die „Bild“-Titelseitenschlagzeile „Inflationsalarm!“ für übertrieben. „Damit es richtig kracht, kommt dazu bei ‘Bild’ noch eine ‘Billion-Mark-Note’ von 1923. Fertig. Aus. Euro kaputt. Alle arm. Jetzt komme ‘das dicke Ende der Finanz- und Eurokrise’, orakelt Bild-Großökonom Nikolaus Blome in angemessen schwachsinnigem Kommentar.“

4. „Wenn der Zuschauer fragt“
(sueddeutsche.de, Jens Schneider)
Fußball: Das Sat.1-Gewinnspiel fragte in den Werbeblöcken des Champions-League-Halbfinales, ob bei Real Madrid „di Maria oder der Josef“ mitspiele. „Die Fragen seien natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen, wird erwähnt. Das allerdings stand zu befürchten, neu ist die Erkenntnis, dass die ran-Redaktion, also die für die Übertragung zuständige Sportredaktion von Sat1, auch von Zuschauern formulierte Fragen einsetzt. Die ‘Josef-und-Maria’-Frage beispielsweise stamme von einem Neunjährigen. Hätte man sich das denken können?“

5. „Die unbegründete Angst, Urheberrechtsverletzungen und rechtswidrige Webseiten“
(blog.odem.org, Alvar Freude)
Alvar Freude schreibt Unterstützer des Appells „Wir sind die Urheber!“ an. „Ich möchte herausfinden, was sich die Urheber und der Initiator des Briefes wünschen.“

6. „Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro“
(scienceblogs.de, Alexander Gerber)

Straßenhunde, Fußballblogs, Marina Weisband

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1. „Die Bibel als Klatsch-Blatt“
(lectiobrevior.de, Gerd Häfner)
Gerd Häfner, Professor für Biblische Einleitungswissenschaft in München, prüft das Bibel-Sonderheft von „Das Neue“ ausführlich. „‘Jesus war 1,70 Meter groß, hatte rote Haare und strahlend blaue Augen’! Dies habe der Arzt und Philologe Joseph Pietre (1841-1916) durch Auswertung mündlicher Volkstradition festgestellt. Das ist ein Unfug, über den hinaus ein größerer kaum gedacht werden kann. Aber eben nur ‘kaum’, es geht noch schlimmer.“

2. „Hans-Olaf Henkel: Die ‘Bild’ und ihre Meinung“
(ef-magazin.de)
Der Redaktion der Zeitschrift „Eigentümlich frei“ liegt ein Brief von Hans-Olaf Henkel vor, in dem über das Zustandekommen des „Bild“-Artikels „Ranschmeißer, Trittbrettfahrer, Wendehals“ von Nikolaus Blome zu lesen ist.

3. „Meine Rolle in den Medien“
(marinaslied.de, Marina Weisband)
Marina Weisband denkt darüber nach, wie sie in den Medien vorkommt und fragt nach dem Selbstverständnis der Journalisten: „Aber war es wirklich das, warum ihr Journalisten werden wolltet? Damals? Um bei einer neu aufkommenden politischen Bewegung, die überraschend viel Zulauf erfährt, über den Lippenstift der politischen Geschäftsführerin zu schreiben?“

4. „Wenn die Ukraine Hunde tötet, stirbt bei uns die Wahrheit“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Straßenhunde in Osteuropa, die „Kronen Zeitung“, das ORF-Magazin „Konkret“ und das österreichische Parlament. „Ich fürchte, wie es tatsächlich um die Hunde in der Ukraine steht, kann derzeit niemand von uns beurteilen. Weil Journalisten ihren Job nicht mehr machen und nur Schockpropaganda aus dem Internet durchschleusen, die eine politische und teilweise auch wirtschaftliche Agenda verfolgt.“

5. „Zwölf Thesen zu lokalen Fußballblogs“
(danieldrepper.de)
Daniel Drepper stellt seine Studienarbeit „Was motiviert lokale Fußballblogger?“ vor.

6. „Fernsehen I bis III“
(umblaetterer.de, Paco)
Ein Blick zurück auf mehrere Ausgaben des ZDF-„Nachtstudio“ aus dem Jahr 2001, in denen Volker Panzer zusammen mit Rainald Goetz, Moritz von Uslar und wechselnden Gästen das aktuelle Fernsehprogramm bespricht. Mit dabei auch die Ausgabe vom 12. September 2001, also einen Tag nach den Terroranschlägen. „Sie ist, wie gesagt, kaum auszuhalten. Weil man weiß, dass z. B. Harald Schmidt am 9/11-Dienstag nicht aus der Sommerpause zurückgekehrt ist, dass er eine Weile nicht auf Sendung gegangen ist, und es retrospektiv eine der wirkmächtigsten Entscheidungen der dt. TV-Geschichte gewesen ist, für die es einen Grimme-Preis der Abteilung ‘Spezial’ gab.“

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