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Bild dir deine Regeln…

Man hört ja immer wieder mal, man könne über die „Bild“ denken, was man wolle, aber der Sportteil, der sei ja schon so richtig gut. Vermutlich ist diese Meinung auch deswegen entstanden, weil „Bild“ gerne mal komplizierte Regularien auf den Punkt bringt. Oder es, wie im nachfolgenden Fall, zumindest versucht, mit Erfolg, den man bescheiden nennen darf.

Wer kommt wann in den Uefa-Cup

… fragt die Sportredaktion des Blattes heute — und nähme man es genau, müsste man antworten: niemand. Weil es den Uefa-Cup ab der kommenden Saison nämlich gar nicht mehr gibt und der Wettbewerb stattdessen umbenannt wird in die „Uefa Europa League“. Das alleine wäre nicht tragisch, allerdings stimmen nicht nur der Name des Wettbewerbs nicht, sondern auch ein paar andere Kleinigkeiten:

  • Die fairste deutsche Mannschaft komme in einen Topf mit Teams anderer Länder; aus diesem Topf werde dann ein zusätzlicher Startplatz ausgelost. Das war bis zu dieser Saison so. Inzwischen gibt es aber keine Verlosung mehr, sondern die drei Plätze gehen automatisch an die drei fairsten Nationen.
  • Bislang sei der fairste deutsche Verein der KSC, schreibt „Bild“. Das ist ein ziemlich exklusives „Wissen“. Tatsächlich wird die endgültige Wertung erst nach Saisonende bekanntgegeben. Und selbst dann, wenn man die bisherige Zahl der gelben und roten Karten als Maßstab verwenden würde, wäre die Einschätzung von „Bild“ falsch. Denn es spielen noch ganz andere Komponenten eine Rolle in der Wertung der Uefa, beispielsweise das „Verhalten der Fans“ oder der „Respekt vor dem Gegner“. Wer also momentan fairste deutsche Mannschaft ist, weiß nicht einmal die DFL selber.
  • Ob tatsächlich vier deutsche Mannschaften an der „Europa League“ teilnehmen, hängt schließlich auch noch davon ab, ob der Bundesliga-Dritte sich für die Champions League qualifiziert — oder doch auch an der Europa League teilnimmt.

Mit Dank an Jan K.

Zwei Kessel Buntes

Was sich am 29. November im Bremer Steintorviertel zutrug, fand die „Bild“-Zeitung offenbar so wichtig, dass sie dem Ereignis am 1. Dezember in ihrem Online-Angebot gleich zwei verschiedene Artikel widmete: einen eher nachrichtlichen und, wie man denken könnte, einen boulevardesken. Doch das wäre untertrieben.

Der eine Text erschien in der Leserreporter-Rubrik. „Leser-Reporter Florian G.“ hatte „von oben“ beobachtet und fotografiert, wie die Polizei Frankfurter Fußballfans einkesselte. Unter der Überschrift „Hier randalieren Hooligans“ heißt es:


Polizisten fesseln Männer mit Kabelbindern, Festgenommene liegen am Boden und ein Block aus Hooligans wird von der Polizei umzingelt. Kunden flüchten verängstigt in die Geschäfte. Und das mitten in Bremen!

Randale beim Werder-Spiel gegen Frankfurt.

Es ging schon früh morgens los. Mit mehreren Bussen kamen die Chaoten in Bremen an. (…)

Plötzlich flogen Fäuste, brüllten Hooligans ihre Parolen. Die Stimmung wurde immer aggressiver. (…)

In den Taschen der Frankfurter Gewalt-Fans fanden die Beamten Sturmhauben, Abschussgeräte und Feuerwerkskörper. (…)

In dem anderen, eher nachrichtlichen Text, der auf der Eintracht-Frankfurt-Seite im Bundesliga-Ressort erschienen ist, steht indes quasi das Gegenteil:


238 Eintracht-Fans wurden vor dem Spiel bei Werder in Gewahrsam genommen, obwohl diesmal nichts vorgefallen war. (…)

Eintrachts ehemaliger Fan-Beauftragter Andreas Hornung empört: „Wir wurden wie Gangster behandelt. Wenn etwas vorgefallen wäre, dann wäre die Sache ja in Ordnung gewesen. So nicht.“

Und welche Version der Geschichte stimmt nun?

Nicht mal die Polizei selbst, die wegen ihres Vorgehens von Eintracht-Fans stark kritisiert wird, spricht von gewalttätigen Ausschreitungen, wie „Bild“ sie nahelegt. In einer Pressemitteilung heißt es:

Für die dort formierten Einsatzkräfte war deutlich eine aggressive Stimmung aus dem Aufzug spürbar. (…) Es war offenkundig, dass man es darauf anlegte, Bremer Fans zu finden und sich mit diesen körperlich auseinander zusetzen. (…) Nachdem zunächst ein äußerst lauter Böller an der Sielwallkreuzung zur Explosion gebracht worden war, ging die Gruppierung in breiter Front über die Fahrbahn durch das Steintorviertel. (…) Darüber hinaus hätte es ohne Zweifel beim Aufeinandertreffen mit Bremer Fans eine körperliche Auseinandersetzung gegeben. (…) Im Steintor ließen sie nach den Ingewahrsamnahmen u.a. diverse Böller, Sturmhauben, Mundschutze, Abschussgeräte für Signalmunition inkl. Kartuschen und weitere Pyrotechnik (Selbstlaborate) zurück. (…)

Es bleibt festzustellen, dass es nach dem konsequenten Einschreiten der Polizei für ein Fußballspiel dieser Größenordnung in der Stadt absolut ruhig blieb.

So gesehen meint „Bild“-Chef Kai Diekmann, wenn er sagt, Leserreporter-Einsendungen würden sorgfältig überprüft und nachrecherchiert, offenbar etwas anderes, als das, was man landläufig darunter versteht.

Mit Dank an Mario G. für den sachdienlichen Hinweis.

Zweimal Pizza mit extra Käse

Mag sein, dass der Fußballspieler Nelson Valdez „zweimal Pizza putzen“ will, wie „Bild“ schreibt. Gemeint ist, dass Valdez sowohl mit der Nationalmannschaft Paraguays gegen Peru gewinnen will, als auch in der Bundesliga mit Dortmund gegen Bremen:

"Valdez: Ich will zweimal Pizza putzen"
Innerhalb von nur vier Tagen trifft der Paraguay-Stürmer (…) auf den Bremer Claudio Pizarro (30). Mittwoch in Ascuncion gegen Peru. Vier Tage später mit Borussia in Bremen.

Aus „zweimal Pizza putzen“ wird indes nichts. Zwar spielt Peru morgen wirklich gegen Paraguay, aber ohne Claudio Pizarro. Der wurde nämlich nach einer längeren Sperre gar nicht für die Nationalmannschaft nominiert. Was man unter anderem auch bei „Bild“ hätte nachlesen können.

Mit Dank an Sebastian W. und Joerg G. für den sachdienlichen Hinweis.

In die Tonne getreten (2)

FCB-Manager Uli Hoeneß:
 
„Das ist Zufall, denn man kann sich ja vorstellen, dass man nicht von Freitag bis Sonntag einen Transfer über die Bühne bringt.“
(Quelle: fcbayern.de)

Wenn Sportbild.de unter der Überschrift „Borowski-Transfer: Klinsmann nicht beteiligt“ berichtet, der Wechsel des Fußballspielers Tim Borowski von Werder Bremen zum FC Bayern München sei „nicht vom künftigen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann angestoßen worden“, wenn Kicker.de vermeldet, Borowski Wechsel sei „keineswegs vom künftigen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann eingefädelt worden“ und auch der FC Bayern (siehe Kasten) nichts davon wissen will, dass der Neuzugang „ein Verdienst des zukünftigen Bayern-Coaches gewesen sein könnte“…

… wie berichtete dann wohl „Bild“ darüber? — Na, so:

"Klinsi holt WM-Helden Borowski"

Mit Dank an Lorenz S.

Mindestlohnlügen


Jürgen Trittin, 53, ist seit 1980 Mitglied der Grünen, seit 1998 Bundestagsabgeordneter. Von 1998 bis 2005 war er Umweltminister und ist derzeit Vize-Chef der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Am 29.1.2001 (kurz nach dem Amtsantritt von Kai Diekmann als „Bild“-Chef) druckte „Bild“ das inzwischen legendäre „Bolzenschneider“-Foto mit Jürgen Trittin, das Diekmann auch im Nachhinein nur als „schwerwiegenden handwerklichen Fehler“ verstanden wissen will. In den vergangenen Jahren musste „Bild“ mehrere Gegendarstellungen Trittins abdrucken, darunter — mitten im Bundestagswahlkampf 2005 — eine, die (angesichts des vorgeblichen Sinneswandels der „Bild“-Zeitung in Ökofragen) heute für „Bild“ um so peinlicher erscheint.

Von Jürgen Trittin

Am 13. Dezember 2007 geht Liselotte Pulver [1, siehe Abb. u.] mit „dem schönsten Lächeln ins Altersheim“, obwohl sie „mit 76 immer noch jugendlich“ wirkt. „Bild“ enthüllt [2], dass die Zuschauer die „Tageschau“ nicht verstehen — anders als das „Ehe-Aus“ bei Oettingers [3]. Deren neuer „Geliebter“ hat nämlich bei „Bunte“ „ausgepackt“ und „Bild“ druckt es nach. Vielleicht liegt das Ehe-Aus ja daran, dass — so Roland Koch auf der gleichen Seite — „Politiker zu wenig verdienen“. Weniger als Porsche-Manager auf jeden Fall.

Obwohl eine „Cara“ [4] nicht bowlen kann, ist Philipp Mißfelder von der Jungen Union der „Gewinner“ des Tages [5], weil er einer Jugendorganisation* der Linkspartei die Förderung durch den Ring Politischer Jugend verweigert hat. „Linksextremisten dürfen keine Staatsknete bekommen“, so Mißfelder. Die sollten der Jungen Union und ihrem Vorsitzenden vorbehalten bleiben, der die Staatsknete schon mal genutzt hat, um zu fordern, alten Menschen keine Hüftoperationen mehr zu bezahlen — wohl im Namen der Generationengerechtigkeit. So sehen bei „Bild“ Sieger aus.

Verlierer, wie der bei den Bayern suspendierte „Titan“ Olli Kahn [6], müssen sich dagegen auf der ersten „Bild“-Seite nachfragen lassen, ob sie gelogen haben. Da ist „Bild“ Expertin. Ich empfehle Olli ein Weißbier samt Waldi Hartmanns Erkenntnis, auf der Bank ist es am schönsten. Und ein kleiner Trost für ihn findet sich auf der letzten Seite: Manchen geht es noch schlechter — Prinz Charles wurden 350 Gänse geklaut. Im Bild über den Gänsen: Paris Hilton [hier ohne Abb., d.Red.]. Die durfte zwar keine Werbung für ihren Dosen-Prosecco im Reichstag machen, aber doch dessen Kuppel besichtigen.

Unten auf Seite 1 kommt „Bild“ auch zu einem Herzensanliegen seines Verlages, der Beibehaltung eines — staatlich subventionierten — Niedriglohnsektors [7]. Direkt unter der Nachricht [8] „Normal-Benzin immer öfter so teuer wie Super“ („Bild“ konnte das schon mal kürzer) warnt „IFO-Chef Sinn“:

Mindestlohn kostet bis zu 1,9 Mio. Jobs.

Ein gesetzlicher Mindestlohn, so die sinnige Erkenntnis des Wirtschaftsprofessors im Boulevardblatt, würde 470.000 Stellen in Ostdeutschland und 1,42 Mio. Stellen in Westdeutschland kosten.

Das erscheint in jenem Springer-Verlag, der es als Miteigentümer der PIN AG gerade geschafft hat, einen privaten Zustelldienst trotz Hungerlöhnen an den Rand der Insolvenz zu führen und nun vor Massenentlassungen steht. Wie schön, dass man das eigene unternehmerische Versagen mit professoraler Hilfe einem noch nicht eingeführten Mindestlohn in die Schuhe schieben kann.

Aber Sinns Ideen zum Mindestlohn geben auch so keinen Sinn. Warum haben fast alle anderen Mitgliedstaaten der EU einen gesetzlichen Mindestlohn und viele trotzdem eine niedrigere Arbeitslosigkeit als Deutschland? Weil sich Niedriglohnjobs eben nicht einfach nach China verlagern lassen. Haare müssen geschnitten, Gebäude gereinigt und bewacht, und Briefe müssen zugestellt werden. Deutschland hingegen subventioniert ausbeuterische Arbeitgeber, in dem Wenigverdienern aus Steuermitteln das Gehalt aufgestockt wird.

Deutschland muss aufpassen, dass es ihnen nicht geht wie Werder Bremen. Die „Werder-Versager“ nämlich „vergraulen Diego“. Da war ich mit „Bild“ wieder im Reinen. Wenn die Hauspostille des FC Bayern uns grüne Fischköppe als Versager tituliert und Diego neidet, dann kann Thomas Schaaf diese Saison nicht alles falsch gemacht haben.

Jetzt aber möchte ich die „FAZ“ und die „Berliner Zeitung“ lesen.
 
BILDblogger für einen Tag ist morgen Hans Leyendecker.

*) Hier stand zunächst „Jugendmagazin„. Tatsächlich geht es in der „Gewinner“-Meldung von „Bild“ aber um Solid, die Jugendorganisation der Linkspartei. Wir bitten um Entschuldigung, d.Red.

Zu spät

Nachdem bekannt wurde, dass der Fußballspieler Ivan Klasnic eine neue Niere bekommt, teilt sein Anwalt heute „klarstellend“ mit,

dass es sich vorliegend um eine Lebendspende aus dem persönlichen Umfeld meines Mandanten handelt. Der Spender hat sich aus persönlicher, enger Verbindung zu Ivan Klasnic zur Spende entschlossen. (…) Wir bitten aber um Verständnis, dass aus Gründen des Schutzes auch des Spenders dessen Namen ungenannt bleiben soll.

Die Bitte kommt leider zu spät. In fast dreieinhalb Millionen Exemplaren von Europas größter Tageszeitung heißt es heute:

"Nach BILD-Informationen ist Klasnic-XXXX XXX (XX), XXXXXX in XXXX, der Spender.
*) Verwandschaftsgrad, Name, Alter, Beruf und Wohnort des Spenders
    wurden von uns unkenntlich gemacht.

Mit Dank an Sebastian P. für den Hinweis.

Nachtrag, 25.1.2007 (mit Dank an Simon und Michael): Medienberichten zufolge bezeichnet Klasnics Anwalt die „Bild“-Enthüllung übrigens als „definitiv unrichtig“.

Nachtrag, 29.1.2007: Als wäre nichts gewesen, berichtet „Bild“ heute unter Berufung auf eine kroatische Tageszeitung, „die neue Niere (…) stammt von seiner Mutter“ — eine Behauptung, die Klasnics Anwalt inzwischen bestätigt.

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