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Etihad liegt die “Welt” zu Füßen

Sie wollen wissen, wie supertoll und megaluxuriös das “fliegende Hotelzimmer” wird, das die Fluggesellschaft Etihad Airways plant? Nun, dann können Sie sich entweder das 90-sekündige Werbevideo des Unternehmens anschauen, oder Sie investieren ein bisschen mehr Zeit und lesen diesen Artikel beim Onlineauftritt der “Welt”:

Das Werbevideo können Sie sich danach immer noch anschauen — die “Welt” hat es am Ende des Textes freundlicherweise gleich eingebettet, für alle Fälle.

Aber das ist eigentlich nicht nötig, denn nach der Lektüre des 5.000 Zeichen langen Textes werden Sie ohnehin schon längst überzeugt sein von der unschlagbaren Grandiosität der Etihad-Luxus-Suite. Die “Welt” gibt sich jedenfalls größte Mühe, kein einziges der vielen fantastischen Details zu vernachlässigen.

Schon die ersten beiden Sätze machen die Marschrichtung klar.

Wer dachte, mit der First Class sei der ultimative Luxus im Linienflugzeug bereits erreicht, muss sich von der arabischen Etihad Airways eines Besseren belehren lassen. Denn der neue Wohnraum “The Residence” fängt dort an, wo die First aufhört.

(Im Original liegt hinter “‘The Residence'” ein Link zur Unternehmensseite.)

Der “Gipfel des Genusses”, meint die “Welt”, werde

eine immerhin fast zwölf Quadratmeter große Wohnfläche sein, die ein Maß an Luxus und Privatsphäre bieten wird, wie es sonst nur in Privatjets vorgefunden wird.

“Das Wohnzimmer” sei

unter anderem mit einem 1,50 Meter breiten Zweisitzersofa (ausklappbar zu einem Liegesofa), ausklappbaren Ottomanen, Intarsien-Esstisch, gekühlter Minibar und 32-Zoll-TV-Bildschirm ausgestattet.

“Im Schlafbereich” stehe

ein 205 mal 120 Zentimeter großes Doppelbett mit Leselampen und Stimmungslicht, ein Nachtschrank, Kleiderschrank, hinterleuchtete holzgeschnitzte Wände und ein 27-Zoll-Fernseher.

Und das “private Duschbad” ermögliche

eine vier Minuten währende Dusche sowie Toilette, Waschtisch mit Kosmetikspiegel und Föhn.

Wir erfahren, dass jedem Gast “ein persönlicher Butler zur Verfügung” steht und dass diese “qualifizierten Servicekräfte” an der “Londoner Savoy Butler Academy speziell geschult” werden.

Wir erfahren, dass ein “‘Fünfsterne-Verpflegung'” dazugehört und der Chefkoch “auf Wunsch eine persönliche Menüplanung berücksichtigt”. Dass der Fluggast “mit luxuriöser Bettwäsche, Schlafanzug” und anderem Schnickschnack “umsorgt” wird. Dass sich “ein spezielles VIP-Reise-Concierge-Team um die Top-Gäste” kümmert und “dafür sorgt, dass jedes Reisedetail, einschließlich Bodentransport, Küche und Annehmlichkeiten, optimal auf die Anforderungen des Gastes zugeschnitten sind.”

Dann folgen Angaben zum Preis, zu den geplanten Strecken, den kooperierenden Flughäfen, den angepeilten Terminen und den Platzkapazitäten des Flugzeugs.

Anschließend darf der Etihad-Chef noch persönlich erklären, dass diese “neuartigen Wohnräume” die “Erwartungen von Flugreisenden in Bezug auf Bordkomfort und Luxus nachhaltig verändern [werden]”. Und die Konkurrenz darf er auch noch niedermachen erwähnen:

Mit Blick auf Mitbewerber um begehrte First-Class-Passagiere wie die Golf-Rivalen Emirates und Quatar Airways, aber auch Singapore Airline und British Airways habe man sich entschlossen, die größten “First Class Suites” anzubieten.

Aber auch das ist noch lange nicht alles.

Und so plant der Carrier neben dem Top-Produkt “The Residence by Etihad” auch noch eine Vielzahl weiterer Service-Veränderungen.

Die kürzen wir aber jetzt mal ab.

… “First Apartments” (neun Stück in einer 1-1-Anordnung also mit nur einem Gang) … 1,60 Meter hohen Schiebetür … Liegesessel … Ottomane … Full-Flat-Bett mit einer Länge von 2,03 Metern … gekühlte Minibar … persönlicher Waschtisch … schwenkbarer TV-Monitor zur Nutzung vom Sitz oder vom Bett aus … 74 Prozent größere Grundfläche als die aktuellen, preisgekrönten First Class Suites … verbesserte “First Suite” … acht Suiten (in 1-2-1-Anordnung) … großen Sitz … Ottomane … Full-Flat-Bett von 2,05 Metern Länge … lassen sich die Armlehnen zurückschieben … können zwei Suiten in eine Einheit mit Doppelbett umgewandelt werden … gekühlte Minibar … 24-Zoll-TV-Monitor … 20 Prozent mehr persönlichen Platz bieten … direkten Zutritt zum Gang … Full-Flat-Bett mit einer Länge von 2,05 Metern …

… und so weiter.

Der Artikel ist (inklusive Etihad-PR-Video und zehnteiliger Klickstrecke) vergangenen Montag erschienen, im redaktionellen Bereich des Online-Ablegers der “Welt”.

In der Print-Ausgabe, zumindest in der “Welt kompakt”, suchte man ihn vergeblich. Dort wurde stattdessen auf die klassische Weise für “The Residence” geworben — per Anzeige über drei ganze Seiten.

Bei den Fluggesellschaften gebe es einen “Kampf um die zahlungskräftige Klientel”, schreibt die “Welt” noch. Gut für die, die ihre Verbündeten schon gefunden haben.

Mit großem Dank an Micky M. und Sébastien Z.

Die feengleichen Damen von Singapore Airlines

Kann sein, dass alles nur ein großes Missverständnis ist. Dass die Hymne, die der Schriftsteller und Journalist Philipp Tingler am 30. August in der “Welt am Sonntag” auf die Erste Klasse der Singapore Airlines geschrieben hat, die famose, fantastische, süchtig machende Erste Klasse von Singapore Airlines, in Wahrheit eine ironische Abrechnung mit der ekelhaften Oberflächlichkeit und Käuflichkeit des Reisejournalismus ist.

Oder eben einer der plumpesten Werbetexte, die sich in jüngerer Zeit in deutschen Medien als Artikel getarnt haben.

Ich spreche heute zu Ihnen aus einem Land, wo jede Bewegung zart ist, jeder Wunsch erfüllbar und das Porzellan von Givenchy. Es dies [sic!] ein Land, wo es keine bösen Worte gibt, höchstens manchmal milde Turbulenzen, kein garstiges Licht, keinen störenden Laut. Ein Land, durch das Zauberwesen huschen, die unendlich viele Kaffeevarianten kennen; Feen, die Ihnen ein Bett im Himmel machen und für jedes Problem eine Lösung finden. Ich spreche zu Ihnen aus der First Class von Singapore Airlines.

Ich hatte perfekte Voraussetzungen, die First Class von Singapore Airlines zu testen (…). “Gelegentlich müssen wir die Passagiere der Businessclass davon abhalten, hierher abzudriften”, erklärt mir die reizende Dame von Singapore Airlines, die mich durch die Hallen für die First Class führt. (…) Es gibt hier einen Chef, der Pancakes zubereitet, die heutige Tagesspezialität, nebst anderen Köstlichkeiten, und Natasha, eine weitere reizende junge Dame vom Singapore Airlines Public Affairs Department, die hierhergekommen ist, um mir Gesellschaft zu leisten, sagt: “Verderben Sie sich nicht den Appetit. Im Flugzeug gibt es gleich eine Delikatesse nach der anderen.” (…)

Die Boeing-777-300-Flotte von Singapore Airlines, die neben Zürich unter anderem Frankfurt, Mailand und Barcelona bedient, ist ziemlich neu und verfügt in der sogenannten Premiumkabine ganz vorne im Flugzeug über acht riesige First-Class-Sessel in zwei Reihen. Diese lederbezogenen und knapp 90 Zentimeter breiten Sessel sind der geräumigste Sitz, der jemals von einer Fluggesellschaft für den kommerziellen Flugbetrieb eingeführt wurde, sagt Singapore Airlines. (…)

Auch bei Singapore Airlines ist, wenn es um die sogenannte “New First Class” in der B 777 geht, in der ich unterwegs bin, die Rede von “feingenarbtem Leder” und “exquisiten Polstern” und “üppigen Duvets” — doch das hier, diese real existierende First Class Cabin, ist tatsächlich ein Refugium, wo Luxus und Erlebnis noch Bedeutung haben, wo Reisen noch glamourös und stilvoll ist, wie früher, als ein Flugticket noch keine Massenware war. (…) Während ich nun ein ansehnliches Steak verschlinge, schaue ich auf meinem 58-Zentimeter-Flachbildschirm (“dem größten im Himmel”, wie Singapore Airlines sagt) “Frost/Nixon” und ein paar Folgen von “Beautiful People”.

Das Unterhaltungsprogramm von Singapore Airlines heißt KrisWorld und umfasst an Bord der Boeing 777 ungefähr 1000 Optionen, neben Spielfilmen und Fernsehformaten auch Spiele und Audioprogramme sowie ein interaktives Sprachlernprogramm. (…)

Stattdessen fühle ich mich ein wenig schläfrig, und so bringt mir die feengleiche Dame von Singapore Airlines meinen Givenchy-Pyjama und mein Frischmacher-Kit von Ferragamo (…).

Es ist eine süße Grausamkeit, seinen ersten First-Class-Flug in der First Class von Singapore Airlines zu absolvieren, denn diese Klasse ist wie Heroin, sie macht schnell abhängig, und der Entzug ist grausam. Nein, nicht wie Heroin, das klingt zu fies, eher wie der Garten Eden oder das Schlaraffenland, wo Milch und Honig fließen und einem reife Früchte in den Mund fallen. Moment mal, was ist eigentlich mit den Leuten im Paradies passiert? Gab es da nicht ein unschönes Ende? Bei Singapore Airlines weiß man zum Glück darum — und bietet an Bord keine Äpfel an.

Mit dieser, nun ja, Pointe endet der eigentliche Artikel (es folgen dann natürlich noch detaillierte Angaben über Buchungsmöglichkeiten und Preise). Der Text rief aber dann doch nicht die Humorpolizei, sondern nur den Deutschen Presserat auf den Plan. Der stellte fest, dass der Autor den Namen der Fluglinie “nicht weniger als 14 Mal” nannte, die Bilder “PR-Fotos der Fluggesellschaft” waren und der Autor seine “ausschließlich positiven Erfahrungen so schwärmerisch” darstellte, “dass die Grenze zur Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 des Kodex deutlich überschritten wurde”.

Der Presserat sprach eine Rüge aus.

Weihnachtsfeier mit Folgen?, Propagandaradio, Welt­wissen

1. Eine Firmen-Weihnachtsfeier – und der Abgang eines Chefredakteurs
(correctiv.org, Anette Dowideit)
Der Chefredakteur der “Welt”-Gruppe, Jan Philipp Burgard, sei offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, doch Recherchen würden einen Zusammenhang mit einer internen Untersuchung zu seinem Verhalten auf einer Weihnachtsfeier nahelegen, bei der er einer Mitarbeiterin unangemessen nahegekommen sein soll. Anette Dowideit schreibt: “Bei Burgard gibt es eine Vorgeschichte, CORRECTIV hatte im November 2024 darüber berichtet: Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem WDR, war der Journalist von seinem Posten als stellvertretender Studioleiter in Washington degradiert worden, als herauskam, dass er einer jungen Journalistin gegenüber gegen deren Willen sexuell übergriffig geworden sein soll.” Laut Medienberichten (zum Beispiel Deutschlandfunk) wehre sich Burgard gegen entsprechende Presseberichte, sein Anwalt spreche von einer Verleumdungskampagne.

2. Propagandaradio für Patrioten
(taz.de, Florian Bayer)
Mit dem Start des 24-Stunden-Radiosenders “Austria First” baue die FPÖ ihr Medienuniversum in Österreich weiter aus. So könne die Partei ihre politischen Inhalte “ungefiltert” und unter Umgehung klassischer Medien direkt verbreiten. Florian Bayer kritisiert in seinem Kommentar das Projekt als Propaganda, die sich als Journalismus tarne. Unter der Leitung des umstrittenen Publizisten Werner Reichel werde gegen “Systemmedien” gehetzt, während journalistische Standards wie ein Impressum in der App fehlen würden. Diese Entwicklung füge sich in eine “Renaissance der Parteimedien” in Österreich ein.

3. MDR-Team bei Pro-Palästina-Demo in Leipzig angegriffen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks sei am Samstag am Rande einer propalästinensischen Demonstration in Leipzig körperlich angegriffen worden. Nachdem zwei Personen die Journalisten bedrängt hätten, sei die Situation eskaliert. Die Polizei sei daraufhin eingeschritten, habe die Personalien der Beteiligten aufgenommen und dem Fernsehteam anschließend Begleitschutz gewährt.

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4. Verlegerin Goetz-Weimer wehrt sich: “Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist nicht gefährdet”
(kress.de)
Verlegerin Christiane Goetz-Weimer verteidige den “Ludwig-Erhard-Gipfel” gegen Vorwürfe der Käuflichkeit und sehe die Veranstaltung trotz zahlreicher Absagen prominenter Politiker wie Markus Söder nicht in ihrer Existenz gefährdet. Zudem weise sie Berichte über verkauften Zugang zu Entscheidungsträgern kategorisch zurück. Die Ursache der Kritik sei eine “gezielten Diffamierung” durch die AfD, die sich gegen ihren Mann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, richte.

5. Finger weg von Bildgeneratoren
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck rät Redaktionen dringend von der Nutzung von KI-Bildgeneratoren ab, da deren künstliche Ästhetik oft unseriös wirke und das Vertrauen der Leserschaft beschädigen könne. Er warnt vor einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen Tech-Konzernen, die durch die Zentralisierung der KI-Infrastruktur eine enorme Machtposition aufbauen und Urheberrechte missachten würden. Zudem thematisiert Meineck die hohen unsichtbaren Kosten der Technologie, darunter der enorme Energieverbrauch und die Ausbeutung von Arbeitskräften im Globalen Süden.

6. Welt­wissen aus der Gerichts­bi­b­lio­thek
(lto.de, Martin Rath)
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Wikipedia blickt Martin Rath zurück auf eine Zeit, in der Gerichte das Konversationslexikon “Brockhaus” als belastbare Quelle für Definitionen und Allgemeinwissen nutzten. Anhand historischer Urteile zeigt er, wie Richter den Brockhaus konsultierten, um etwa Sonnenaufgangszeiten für Tatort-Rekonstruktionen zu ermitteln oder steuerrechtliche Begriffe wie “Müllabfuhr” und “Schrott” zu klären.

Reichelt verliert erneut, “Yandex”, Gerichtliche Social-Media-Sperren

1. Julian Reichelt verliert erneut gegen Alfonso Pantisano
(queer.de)
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main habe dem “Nius”-Chefredakteur Julian Reichelt untersagt, die Falschbehauptung zu wiederholen, der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano habe einen wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften verurteilten Mann finanziert. Entgegen der Darstellung Reichelts habe das Gericht festgestellt, dass für die betreffenden “Kieztouren” keine Landesmittel geflossen seien, sondern diese rein privat organisiert und bezahlt worden seien. Pantisano habe den Beschluss als Sieg gegen ein “Fake-News-System” bezeichnet.

2. Eine Startseite für Kreml-Propaganda
(taz.de, Nicholas Potter)
Trotz bestehender EU-Verbote erreiche russische Kriegspropaganda über die Tech-Plattform “Yandex” (inzwischen “Dzen”) in Deutschland weiterhin ein Millionenpublikum. Das Portal sei mit rund 27 Millionen monatlichen Aufrufen hierzulande sogar populärer als die BBC oder die “Süddeutsche Zeitung”. Da die Plattform mittlerweile dem staatlich kontrollierten VK-Konzern gehöre, würden auf der Startseite systematisch nur Inhalte kremltreuer Medien wie “RT” und “RIA Novosti” ausgespielt.

3. Pariser Gericht ver­hängt Haft­strafen und Social-Media-Sperren
(lto.de)
Ein Pariser Gericht habe zehn Angeklagte wegen massiven Cybermobbings gegen Frankreichs First Lady Brigitte Macron zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen sowie Social-Media-Sperren verurteilt. Der Richter habe das harte Urteil mit einer “Welle des Hasses” begründet, unter der die Betroffene und deren Familie massiv gelitten hätten. Die Verurteilten seien zudem zu Pflichtseminaren für respektvollen Umgang im Internet sowie Geldstrafen herangezogen worden.

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4. Authentisch inszeniert: Die Macht der Influencer
(youtube.com, Tanjev Schulz & Markus Wolsiffer, Video: 45:55 Minuten)
Bei “Die Medienversteher” diskutieren Tanjev Schulz und Markus Wolsiffer darüber, dass Influencer längst nicht mehr nur Lifestyle-Themen bedienen, sondern als “Newsfluencer” oder politische Kommentatoren zunehmend auch journalistische Funktionen übernehmen. Die oft beschworene Authentizität sei meist nur eine “strategisch expressive Inszenierung”, die Nutzerinnen und Nutzer täusche und im Gesundheitsbereich durch fehlende Expertise sogar gefährlich werden könne.

5. Newsletter-Abschied
(us8.campaign-archive.com, Christian Fahrenbach)
Nach elf Jahren und rund 2.250 Ausgaben verabschiedet sich Christian Fahrenbach von der “Morgenpost” der “Krautreporter”, um künftig als US-Korrespondent für das “Redaktionsnetzwerk Deutschland” zu berichten. Rückblickend betont er, dass guter Journalismus die Leserinnen und Leser entlasten und Ängste mindern solle, anstatt sie mit Lärm und Elitarismus zu überfordern. Fahrenbach habe die Erfahrung gemacht, dass ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe und Transparenz über die eigene Haltung wichtiger seien als vermeintliche Neutralität.

6. TikTok-Charts: Viraler “Denkzettel” hängt News-Inhalte ab
(dwdl.de, Simon Pycha)
Zum Jahreswechsel hätten Redaktionen wie “Spiegel” und “Stern” ihre Strategie auf TikTok angepasst und würden nun verstärkt auf moderierte Videos setzen. Der höhere Produktionsaufwand habe sich in den Abrufzahlen bislang jedoch noch nicht niedergeschlagen. An der Spitze des Publisher-Rankings habe im Dezember “Sky Sport” gestanden, mit einem viralen Clip über Fußballer Mo Salah.

KW 36/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. ProSiebenSat.1: Was die Übernahme durch den Berlusconi-Konzern bedeutet
(br.de, Linus Lühring, Audio: 26:29 Minuten)
In der aktuellen Folge von “BR24 Medien” geht es um die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den Berlusconi-Konzern MediaForEurope (MFE): “Wie kam es zur Übernahme und welche Macht wird MFE künftig haben? Warum hat ProSiebenSat.1 wirtschaftliche Schwierigkeiten und warum hat das den Einstieg erleichtert? Welche Pläne hat MFE und welche Rolle spielt Pier Silvio Berlusconi dabei, der Sohn des früheren italienischen Ministerpräsidenten und Medienmoguls Silvio Berlusconi”?

2. Macht bei Axel Springer bald KI die ganze Arbeit?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 29:46 Minuten)
Holger Klein hat sich mit dem Medienjournalisten Marvin Schade über die KI-Pläne des Axel-Springer-Verlags unterhalten. Springer habe seine Redaktionen auf das Prinzip “AI first” eingeschworen: Recherchen sollen mit Künstlicher Intelligenz beginnen, Artikel automatisch überprüft und optimiert werden. Klein und Schade diskutieren über die Chancen und Risiken dieser Strategie.

3. Digitalminister Wildberger: Kann er Deutschland modernisieren?
(youtube.com, Jelena Morgenstern, Video: 12:33 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” hat sich angeschaut, wie Karsten Wildberger, Deutschlands erster Digitalminister, die Verwaltung modernisieren, die Abhängigkeit von US-Techfirmen verringern und die “Digitalwende” schaffen will. Kritiker würden bemängeln, dass Wildbergers Pläne unkonkret bleiben würden und er bisher zu wenig gesellschaftspolitische Visionen zeige. Zudem bestünden Zweifel wegen seiner Nähe zur Wirtschaft.

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4. Exxpress & Co.: Das Netzwerk hinter den Krawallportalen
(falter.at, Falter Radio, Raimund Löw & Lina Paultisch, Audio: 18:37 Minuten)
Im “Falter”-Podcast spricht Raimund Löw mit der Journalistin Ina Paulitsch über das rechte Medienprojekt “Nius” sowie die österreichische Website “Exxpress”. Recherchen würden zeigen, dass hinter den Plattformen ein Netzwerk rund um Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz stehe, mit konservativen Geldgebern aus Deutschland und Verbindungen zum ungarischen Orbán-Regime. “Nius” und “Exxpress” würden fragwürdige Inhalte verbreiten, parteinahe Meinungsumfragen veröffentlichen und offenbar das Ziel verfolgen, Diskurse nach rechts zu verschieben.

5. “Man spricht Deutsh” – Wie geht’s dem heimischen Film?
(ardaudiothek.de, Christoph Borgans & Michael Meyer, Audio: 18:17 Minuten)
Bei “Medien – Cross und Quer” unterhalten sich Christoph Borgans und Michael Meyer mit Michelle Müntefering von der “Produktionsallianz”, der Interessenvertretung der Produzentinnen und Produzenten von Film- und Fernsehwerken, über einen neuen Gesetzesentwurf zur Reform der Filmförderung. Dieser Entwurf sehe vor, dass etwa Streamingdienste stärker in deutsche Produktionen investieren müssen. Ziel sei es, mehr und bessere deutsche Filme und Serien zu ermöglichen.

6. FUNKs fragwürdiges Format – und warum ich plötzlich Thema war
(youtube.com, Sashka, Video: 27:24 Minuten)
YouTuberin “Sashka” beschwert sich in ihrem Video darüber, dass sie in einem öffentlich-rechtlich finanzierten “Funk”-Podcast aus ihrer Sicht unsachlich und persönlich kritisiert wurde. Einer der Vorwürfe gegen “Sashka” laute, sie richte ihre Kritik vor allem gegen Frauen und wolle Männern gefallen. Insgesamt wirft sie dem “Funk”-Format “Brave Mädchen” vor, emotional voreingenommen zu sein, oberflächlich zu recherchieren und publizistische Standards zu missachten.

Widersprechen oder für immer schweigen, Rollenwechsel, Förderung

1. Jetzt widersprechen oder für immer schweigen
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Bei netzpolitik.org warnt Ingo Dachwitz davor, dass der Social-Media-Konzern Meta ab dem 26. Mai öffentliche Beiträge seiner Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook und Instagram zur Schulung seiner Künstlichen Intelligenz (KI) verwenden werde, sofern diese nicht aktiv widersprechen. Dachwitz kritisiert dabei nicht nur die intransparente Gestaltung des Opt-out-Verfahrens, sondern auch die grundsätzliche Respektlosigkeit gegenüber Nutzerrechten: “Wieso lassen wir uns von diesem Konzern so behandeln? Wir sind für ihn nicht mehr als Datenvieh, das jetzt auch für die KI gemolken wird.” Hier geht es direkt zu den Widerspruchsformularen für Facebook und für Instagram.

2. Rollenwechsel mit Folgen: Wenn Journalisten Regierungssprecher werden
(turi2.de, Lena Köpsell)
epd-Hauptstadtjournalistin Lena Köpsell kommentiert, dass der Wechsel des langjährigen “SZ”-Journalisten Stefan Kornelius ins Amt des Sprechers der Regierung von Kanzler Friedrich Merz Vorwürfe über eine zu große Nähe zwischen Medien und Politik neu befeuern könnte. Köpsell erinnert daran, dass Seitenwechsel dieser Art zwar Tradition hätten, den Eindruck von klar getrennten Sphären zwischen Journalismus und Regierungshandeln jedoch schwächen könnten. Die Hauptstadtpresse werde Kornelius nun besonders aufmerksam beobachten.

3. Journalismusförderung darf nicht ausgebremst werden
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert den neuen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auf, die Förderung des unabhängigen Journalismus nicht zu blockieren, sondern verantwortungsvoll zu unterstützen. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster betont, dass eine finanzielle Förderung möglich sei, solange diese in größtmöglicher Distanz zum Staat erfolge. In Zeiten demokratischer Bedrohungen und wirtschaftlicher Herausforderungen durch Tech-Konzerne sei eine vielfältige Medienlandschaft wichtiger denn je.

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4. Laudatio von Klaus Meier auf die “Journalistinnen und Journalisten des Jahres” 2024 von Correctiv
(mediummagazin.de, Klaus Meier)
In seiner Laudatio zur Auszeichung “Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2024” würdigt Journalistik-Professor Klaus Meier das “Correctiv”-Team für die Recherche zum “Geheimplan gegen Deutschland”, mit der ein geheimes Treffen rechtsextremer Akteure aufgedeckt wurde. Die aufwendig und mutig umgesetzte Investigativrecherche sei ein Musterbeispiel für aufklärerischen Journalismus und habe entscheidend zur gesellschaftlichen Debatte über Rechtsextremismus beigetragen. Meier betont die Wirkung der Veröffentlichung, die nicht nur große Proteste ausgelöst, sondern auch das journalistische Selbstverständnis herausgefordert und verteidigt habe.

5. “Völlig neue Chancen”: Wie sich “Monitor” zum Jubiläum verändert
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, stellt das ARD-Politikmagazin “Monitor” anlässlich seines 60-jährigen Bestehens auf eine konsequente “Digital-First”-Strategie um. Diese umfasse neue Erzählformen und eine stärkere Präsenz in der Mediathek. Redaktionsleiter Georg Restle betone die Bedeutung des Formats in Zeiten politischer Umbrüche und wolle Aktualität und Tiefe künftig noch enger verbinden. Trotz knapper Ressourcen erreiche “Monitor” heute mehr Menschen als je zuvor.

6. Anne Will über Podcasts, Presenter-Dokus und ihren Umgang mit der AfD
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit , Audio: 28:07 Minuten)
In der neuen Folge von “Läuft”, dem Podcast von epd medien und Grimme-Institut, spricht Alexander Matzkeit mit Anne Will über ihren Wechsel vom Fernsehen ins Podcast-Format und ihre veränderte Rolle als Interviewerin. Thema des Gesprächs sind auch Wills weitere Pläne mit “Politik mit Anne Will” sowie ihre Sicht auf den Umgang mit der AfD im Fernsehen. In der Medienkritik geht es außerdem um den Podcast “Stars unserer Kindheit”, der sich dem Leben und der Beziehung von Elfie Donnelly und Peter Lustig widmet.

Medienrat als Chance, Zumutung Journalismus, “Adolescence”

1. Urteil: Weißes Haus muss AP Zugang gewähren
(reporter-ohne-grenzen.de)
Ein US-Gericht habe entschieden, dass die Regierung unter Donald Trump die Nachrichtenagentur AP nicht länger von Veranstaltungen im Weißen Haus ausschließen dürfe, da dies gegen die Pressefreiheit und den ersten Verfassungszusatz verstoße. Die Organisation Reporter ohne Grenzen begrüßt das Urteil als wichtiges Signal gegen die Versuche der Trump-Administration, kritische Medien zu sanktionieren: “Der Ausschluss war ein eklatanter Eingriff in die Pressefreiheit. Er hat deutlich gemacht, wie die US-Administration das First Amendment interpretiert: Meinungsfreiheit soll nur für die gelten, die der Meinung der US-Regierung folgen. Die Entscheidung des Gerichts ist ein Etappensieg im Kampf um den Rechtsstaat.”
Weiterer Lesetipp: Trump will AP weiter nicht im Oval Office – trotz Richterspruch (spiegel.de).

2. Medienrat: Chance für den ÖRR
(verdi.de, Volker Nünning)
Wie Volker Nünning berichtet, planen die Bundesländer die Einführung eines neuen Medienrats, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk strategisch begleiten und evaluieren soll. Das Gremium solle aus sechs unabhängigen Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen bestehen. Während einige Akteure wie der ZDF-Fernsehrat und der Kulturrat einen neuen Medienrat als überflüssig und potenziell bürokratisch kritisieren würden, sähen andere wie Medienrechtler Wolfgang Schulz darin eine Chance für neue Impulse.

3. NDR-Gremien lassen Sandra Harzer-Kux ins Messer laufen
(taz.de, Benno Schirrmeister)
Benno Schirrmeister kritisiert, dass das Auswahlverfahren für die NDR-Intendanz veraltet und intransparent sei, und dass der Personalrat erst nach dem Scheitern der Wahl von Sandra Harzer-Kux dagegen protestiert habe. Harzer-Kux, eine erfahrene Medienmanagerin ohne klassischen NDR-Hintergrund, sei offenbar nicht an mangelnder Kompetenz, sondern am fehlenden “Stallgeruch” gescheitert. Der Fall zeige, wie dringend eine Reform des Wahlverfahrens nötig ist, damit externe Kandidatinnen und Kandidaten eine faire Chance haben.

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4. Die Opfer sind nicht “pedo” und die Täter keine “hunters”
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi schreibt, dass Medien unreflektiert die Selbstbezeichnung einer homophoben Tätergruppe als “Pedo-Hunter” übernähmen und damit deren Gewalt gegen unschuldige junge Männer verharmlosen würden. Ermittlungen der Polizei und journalistische Recherchen würden belegen, dass keines der Opfer pädophil war und die Täter bewusst unter falschem Vorwand handelten. Durch die mediale Wiederholung des Täter-Framings entstehe ein gefährliches Missverständnis in der Öffentlichkeit, das Hassverbrechen relativiere.

5. Warum der Journalismus für Eltern zur Zumutung wird
(tageins.at, Dominik Ritter-Wurnig)
Der Beruf Journalismus mache es Eltern durch starre Arbeitszeiten, Präsenzkultur und fehlende Vereinbarkeit mit dem Familienleben besonders schwer – oft mit der Folge, dass Betroffene ihre Karriere zurückstellen oder die Branche verlassen. Der Report “Störfaktor Kind” (PDF) zeige, dass nicht individuelle Schwächen, sondern strukturelle Probleme wie mangelnde Wertschätzung, schlechte Bezahlung und eingeschränkte Aufstiegschancen verantwortlich seien. Um Fachkräfte, Vielfalt und Qualität zu erhalten, brauche es grundlegende Veränderungen in der Arbeitskultur.
Anmerkung zum verlinkten Artikel: “tag eins” stellt den Betrieb am 30. April ein: “Die monatlichen Ausgaben von tag eins sind höher als die monatlichen Einnahmen. Für kein Unternehmen dieser Welt kann das gut gehen. Wir ziehen jetzt die Reißleine, wollen die GmbH ordentlich abwickeln und keinen einzigen Cent schuldig bleiben.” (tageins.at)

6. Jugendliche sollten diese Serie sehen? Nein: Erwachsene
(krautreporter.de, Lea Schönborn)
Nicht Jugendliche, sondern Erwachsene sollten sich die Netflix-Serie “Adolescence” ansehen, um zu verstehen, in welcher digitalen Realität Jugendliche heute leben, meint Lea Schönborn. Viele Eltern, Lehrerinnen und Lehrer hätten erst durch die Serie erkannt, welchen Einfluss Onlinekulturen und Soziale Netzwerke auf Jugendliche haben, und dass Probleme wie Frauenhass oder Mobbing nicht durch das Internet entstehen, sondern sich dort nur anders darstellen.

Angriffe auf die Pressefreiheit, Influencer statt Trollfarmen, Goma

1. 72 Angriffe auf die Pressefreiheit
(verdi.de)
Einem Monitoring-Bericht zufolge wurden in der ersten Jahreshälfte 2024 in Deutschland 72 Angriffe auf die Pressefreiheit dokumentiert, darunter gewaltsame Übergriffe auf Medienschaffende bei Demonstrationen, Vandalismus und juristische Einschüchterungsversuche. “Der MFRR-Report schlüsselt auf, mit welcher komplexen Bedrohungslage Journalist*innen in Deutschland zu tun haben. Die Bilanz ist alarmierend und wirft ein schlechtes Licht auf die Verfassung unserer Demokratie. Unliebsame Berichte gewaltsam verhindern zu wollen, ist zutiefst antidemokratisch. Die geringe Aufklärungsquote von Straf- und Gewalttaten gegen Medien taugen aber auch nicht zur Abschreckung”, kommentiert Tina Groll, Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi.

2. Influencer statt Trollfarmen: Wie Russland seine Desinformations-Taktik ändert
(socialmediawatchblog.de, Martin Fehrensen & Simon Hurtz)
In der aktuellen Ausgabe des “Social Media Watchblogs” beschäftigen sich Martin Fehrensen und Simon Hurtz mit der veränderten Desinformationstaktik Russlands, die sich von Trollfarmen hin zu Influencern verlagert habe, um westliche Demokratien gezielt zu destabilisieren. Dabei werden reichweitenstarke Influencer rekrutiert, die mit authentischen Followern gezielt politische Narrative verstärken sollen. Diese Methode gelte als effektiver, da sie Vertrauen nutze und nicht auf künstliche Accounts oder Bots angewiesen sei.

3. Stellungnahme zum Doppelgänger-Vorwurf: “Meinungsfreiheit ist nicht verfassungsfeindlich”
(freitag.de, Philip Grassmann & Elsa Koester & Sebastian Puschner)
Der “Freitag” meldet sich in eigener Sache zu Wort. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz werfe Freitag.de vor (PDF), Nachrichten zu verbreiten, die “grundsätzlich ins russische Narrativ passen” und die in Russlands Desinformationskampagnen Verwendung fänden. Die Redaktion frage sich: “Seit wann ist die Wahrnehmung der verfassungsrechtlich garantierten Meinungsfreiheit ein Grund, in einem Bericht des Verfassungsschutzes erwähnt zu werden? Die Forderung nach Frieden dürfte sicherlich vom Grundgesetz gedeckt sein. Das Landesamt für Verfassungsschutz verstößt mit seinem Bericht ausgerechnet gegen eine der Normen, die es doch angeblich schützen soll. Das ist der eigentliche Skandal.”

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4. Reporter in Goma: zwischen journalistischer Ethik und Überleben
(de.ejo-online.eu, Innocent Buchu)
Journalistinnen und Journalisten in Goma, einer Großstadt im Osten der Demokratischen Republik Kongo, arbeiten unter äußerst prekären Bedingungen, die ihre berufliche Unabhängigkeit und Integrität gefährden. Sie erhalten oft kein regelmäßiges Gehalt, arbeiten ohne Verträge und stehen unter politischem und wirtschaftlichem Druck, der sie zu Praktiken wie Bestechung und Selbstzensur verleite. Innocent Buchu, Dozent und Wissenschaftsjournalist in Goma, beschreibt in seinem Artikel, wie diese schwierigen Bedingungen nicht nur die journalistische Ethik, sondern auch die Qualität der Informationen beeinträchtigen.

5. Australiens Regierung plant Mindestalter für Nutzung sozialer Medien
(spiegel.de)
Der australische Premierminister Anthony Albanese plane ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung Sozialer Medien, um Kinder vor negativen Einflüssen zu schützen. Kritiker warnen, dass das Gesetz sozial benachteiligte Kinder ausschließen und nicht effektiv durchgesetzt werden könne, während andere fordern, die Plattformen selbst strenger zu regulieren.

6. Google muss 2,4 Mil­li­arden Euro Strafe zahlen
(lto.de)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, muss der Konzern Google nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) 2,4 Milliarden Euro Strafe zahlen, da er sich mit seinem Preisvergleichsdienst einen unerlaubten Vorteil verschafft und damit seine marktbeherrschende Stellung missbraucht habe. In einem anderen Verfahren habe der EuGH entschieden, dass Irland dem Unternehmen Apple durch Steuervergünstigungen rechtswidrige Beihilfen in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro geleistet habe, die das Unternehmen nun zurückzahlen müsse.

“BILD meint: Thank you, Henry!”

In den frühen Morgenstunden des vergangenen Donnerstags wurde bekannt, dass der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger im Alter von 100 Jahren gestorben war. 100 Jahre – da waren viele Nachrufe natürlich schon lange vorbereitet und konnten entsprechend schnell veröffentlicht werden.

Die “New York Times” entschied sich für eine schlichte Überschrift und einen differenzierenden Vorspann:

Henry Kissinger Is Dead at 100; Shaped the Nation’s Cold War History. The most powerful secretary of state of the postwar era, he was both celebrated and reviled. His complicated legacy still resonates in relations with China, Russia and the Middle East.

Henry Kissinger ist tot mit 100 Jahren;
Prägte die Geschichte der Nation im Kalten Krieg

Als mächtigster Außenminister der Nachkriegszeit wurde er sowohl gefeiert als auch geschmäht. Sein kompliziertes Erbe wirkt noch immer nach in den Beziehungen zu China, Russland und dem Nahen Osten.

(Übersetzung von uns)

Der Text, für dessen Lektüre die Redaktion selbst 38 Minuten kalkuliert (die vorgelesene Version beansprucht eine Stunde und 14 Minuten), und dessen Co-Autor selbst bereits seit 13 Jahren tot ist, erinnert an die Höhe- und Tiefpunkte von Kissingers Außenpolitik: Den Rückzug der US-Truppen aus Vietnam, als nun wirklich gar nichts mehr zu holen war; die Flächenbombardements von Kambodscha, die von vielen als Bruch des Völkerrechts angesehen werden; seine Rolle beim Militärputsch in Chile 1973.

Zu den Kritikern Kissingers, die zu Wort kommen, zählt unter anderem der frühere US-Präsident Barack Obama, der mit den Worten zitiert wird, er sei zu seiner Amtszeit, Jahrzehnte nach Kissingers aktiver Polit-Karriere, immer noch damit beschäftigt gewesen, Ländern zu helfen, Bomben zu entfernen, die immer noch die Beine kleiner Kinder abrissen.

Die “Washington Post” wählte einen etwas neutraleren – man könnte sagen: defensiveren – Angang und schrieb in ihrem Vorspann lediglich, Kissinger sei “auch das Ziel unerbittlicher Kritiker” gewesen, “die ihn für prinzipienlos und amoralisch hielten”.

Das “Wall Street Journal” fasste Kissingers öffentliche Rezeption so zusammen:

Henry Kissinger, Who Helped Forge U.S. Foreign Policy During Vietnam and Cold Wars, Dies at 100. German-born academic was a hero to war-weary Americans, but many blamed him for brutalities abroad

Henry Kissinger, der die US-Außenpolitik während des Vietnam-Krieges und des Kalten Krieges mitgestaltete, stirbt im Alter von 100 Jahren

Der in Deutschland geborene Akademiker war für kriegsmüde Amerikaner ein Held, doch viele machten ihn für Brutalitäten im Ausland verantwortlich

(Übersetzung von uns)

Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Nachruf der US-Ausgabe des “Rolling-Stone”-Magazins, dessen Dachzeile “Good Riddance” (“Auf Nimmerwiedersehen”) noch der freundlichste Aspekt war:

GOOD RIDDANCE: Henry Kissinger, War Criminal Beloved by America’s Ruling Class, Finally Dies. The infamy of Nixon

AUF NIMMERWIEDERSEHEN

Henry Kissinger, der von der herrschenden Klasse Amerikas geliebte Kriegsverbrecher, stirbt endlich

Die Niedertracht von Nixons außenpolitischem Architekten steht auf ewig neben der der schlimmsten Massenmörder der Geschichte. Eine tiefere Schande haftet dem Land an, das ihn feiert.

(Übersetzung von uns)

Einen etwas anderen Ansatz wählte die “Bild”-Redaktion am vergangenen Freitag, beinahe ganzseitig in der gedruckten Ausgabe:

Der Jahrhundert-Mann wird fehlen! Henry Kissinger (gestorben mit 100) war Nobelpreis-Träger, Präsidentenflüsterer, Frauenschwarm und Göttergatte

In dem Text taucht das Wort “Vietnam” genau einmal auf (“Dafür erhielt Henry Kissinger den Friedensnobelpreis”), “Kambodscha” oder “Chile” gar nicht. Dafür widmet sich Autor Hans-Jörg Vehlewald ausführlich Kissingers Ehe mit Nancy und dessen Ruf.

Dass Kissinger von “Bild” und dem Axel-Springer-Verlag nach seinem Tod gänzlich unkritisch verabschiedet wird, überrascht nicht: Zu Lebzeiten wurde der gebürtige Fürther und mutmaßliche Kriegsverbrecher vom Haus und dessen Blättern hofiert wie sonst allenfalls noch Helmut Kohl und Vicky Leandros.

Für die Springer-Medien hatte Kissinger zwei große Vorteile: Er konnte zur Untermauerung der wesentlichen weltpolitischen Ansichten des Verlags und dessen Gründers Axel Cäsar Springer (Transatlantizismus, Anti-Kommunismus) herangezogen werden – und ließ sich mit zunehmendem Alter immer lieber darauf ein.

Noch im Oktober dieses Jahres traf Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, Kissinger zu einem Gespräch, was dessen “letztes großes Interview” werden sollte und von den Springer-Medien auf allen Kanälen breit präsentiert wurde. Kissinger sagte dabei praktischerweise jede Menge Sachen, die wohl auch viele Leser und Leserinnen von “Bild” und “Welt” jederzeit unterschreiben würden: “Der Grund, weshalb Deutschland in Misskredit geraten ist, liegt fast ein Jahrhundert zurück. Und man kann von einer Nation nicht verlangen, einen Preis für die Taten ihrer Vorväter zu zahlen.” Oder, ebenfalls über Deutschland: “Es war ein schwerer Fehler, so viele Menschen mit völlig unterschiedlichen kulturellen und religiösen Vorstellungen ins Land zu lassen, denn dadurch entsteht in jedem Land eine Interessengruppe, die Druck ausübt.”

Es erscheint nicht völlig abwegig, dass Axel Springer selbst vor seinem Tod verfügte, Kissinger Zeit dessen Lebens mindestens wie einen Popstar der Weltpolitik zu feiern – aber womöglich hätten es die Reporter, Chefredakteure und Vorstandsvorsitzenden seines Verlags auch ganz aus eigenem Antrieb getan, wie ein Blick ins Archiv zeigt.

Die folgende Auflistung ist naturgemäß unvollständig und konzentriert sich nur auf ausgewählte Auftritte Kissingers in den “Bild”-Medien:

11. Januar 1985:

In einer Folge des “Denver Clan” treten Hollywood-Star Cary Grant, Ex-US-Präsident Gerald Ford und dessen Ehefrau Betty als Komparsen auf. Und noch jemand:

Diese Woche im "Denver-Clan": Alexis flirtet mit Kissinger

24. September 1985:

“Bild”-Verleger Axel Cäsar Springer stirbt mit 73 Jahren. Neben salbungsvollen Worten des amtierenden Bundeskanzlers Helmut Kohl, des amtierenden Außenministers Hans-Dietrich Genscher, des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Shimon Peres, des amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt und des ehemaligen Box-Weltmeisters Max Schmeling sowie Zitaten aus internationalen Nachrufen bringt “Bild” auch Fotos aus dem Leben des eigenen obersten Chefs.

Darunter eines, das die Zeitung so beschreibt:

Freundschaftlich legt Springer seine Hand auf die Schulter des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger, der am 15. Juni 1980 ins Berliner Verlagshaus kam. “Die Amerikaner verkörpern die größte Hoffnung der Welt auf eine glückliche Zukunft”, sagte Springer.

14. Juni 1994:

“4 Jahre nach Vollendung der deutschen Einheit” fragt “Bild” in Person ihres damaligen Mitarbeiters, des späteren Regierungssprechers und noch späteren stellvertretenden Chefredakteurs Béla Anda:

"Herr Kissinger, wo ist der Platz der Deutschen in der Welt?"

11. Dezember 1994:

“Bild” begleitet den seit Mitte des Jahres ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum Brötchenholen. Dabei geraten Krümel von überraschender Kritik in den Artikel: “Im Gegensatz zu Altpolitikern wie Helmut Schmidt oder Henry Kissinger nimmt Richard von Weizsäcker kein Geld für seine Auftritte.”

5. Januar 1999:

“Bild” berichtet über die anstehende Feier anlässlich des 80. Geburtstags von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt im Hamburger Thalia-Theater. Unter den Prominenten, die sich angekündigt haben, sind Bundespräsident Roman Herzog, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Volksschauspielerin Heidi Kabel – und Henry Kissinger.

19. Juli 1999:

John F. Kennedy jr., Sohn des früheren US-Präsidenten, kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. “Bild” listet die Schicksalsschläge auf, die der Kennedy-Clan erdulden musste, und präsentiert einen nur wenig überraschenden Kronzeugen:

Amerikas langjähriger Außenminister Henry Kissinger gestern im TV: “Es ist, als wolle Gott diese Familie bestrafen.”

31. März 2000:

Bundespräsident Johannes Rau stürzt unglücklich über ein Lampenkabel und zieht sich dabei Schnittwunden zu. Rau sagte alle Termine für die nächsten beiden Tage ab, “auch ein Treffen mit dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger.”

28. August 2000:

Für die deutsche Fußballnationalmannschaft der Herren steht ein Länderspiel in Hamburg an. Weil die Mannschaft im “Waldhaus” in Reinbek absteigt, porträtiert “Bild” ausführlichst das Hotel und dessen Betreiber.

Der Auszug aus der Gästeliste: Muhammed Ali, Henry Kissinger, Ivana Trump, Gudrun Landgrebe.

12. März 2001:

FIAT-Ehrenpräsident Giovanni Agnelli wird 80:

Er feiert in Paris; Henry Kissinger und Michel Platini gehören zu den wenigen Gästen.

8. Mai 2001:

Etwas überraschend ernennt “Bild” Kissinger auf der Titelseite zum “Verlierer des Tages”. Aber auch nur so ein bisschen:

War Henry Kissinger (77), Friedens-Nobelpreisträger, ein Kriegsverbrecher? Das behauptet das “Enthüllungsbuch” “Der Prozess gegen Henry Kissinger”. Die Anklage: Kambodscha-Bomben, Allende-Attentat etc, etc. Es sind die langen Schatten eines Weltpolitikers. Die Wahrheit ist grau.

23. Mai 2001:

Der ungarische Schriftsteller György Konrád bekommt den Aachener Karlspreis überreicht – natürlich ist er nicht der Erste:

Berühmte Preisträger: König Juan Carlos I. von Spanien, Henry Kissinger, Helmut Kohl gemeinsam mit François Mitterrand – 1986 erhielt den Karlspreis das luxemburgische Volk.

10. Juli 2001:

Hannelore, die Ehefrau von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, ist tot:

Altkanzler Helmut Kohl hat verzweifelt gegen die immer schlimmer werdende Lichtallergie seiner Ehefrau Hannelore (†) angekämpft! Jahrelang bemühte er sich um Kontakte zu den besten Medizinern in Deutschland und Österreich. Um seiner Frau zu helfen, schaltete Kohl sogar Ex-US-Außenminister Henry Kissinger ein! Vor drei Wochen noch flog Kohl nach New York, suchte nach US-Spezialisten, die die Lichtallergie mit ganz neuen Therapien hätten bekämpfen können.

Ein willkommener Anlass für “Bild”, um mal wieder ein Interview mit Kissinger zu führen.

10. September 2001:

In Berlin wird das Jüdische Museum eröffnet. “850 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Show-Business waren geladen.” Der einzige Gast, den “Bild” mit einem O-Ton zitiert: Henry Kissinger.

13. September 2001:

Der 11. September. Naheliegende Frage:

Wie sieht die Vergeltung der Amerikaner aus, Herr Kissinger?

4. Oktober 2001:

“Bild” zeigt ein Foto, auf dem New Yorks Bürgermeister Rudy Giuliani Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und dessen Berater Alan Batkin “Ground Zero” zeigt.

24. Januar 2002:

Die US-Regierung erwägt eine Invasion des Irak, weil sie dort Massenvernichtungswaffen vermutet (die nie gefunden wurden).

Ex-US-Außenminister Henry Kissinger plädiert – wie Rumsfeld und US-Vizepräsident Cheney – für einen schnellen Schlag gegen Irak. Kissinger in der WELT am SONNTAG: “Ein militärisches Vorgehen gegen Saddam darf sich nicht lange hinziehen.”

17. März 2002:

Bundespräsident Rau gibt für den ehemaligen Bundesminister für besondere Aufgaben, Egon Bahr, ein Essen im Schloss Bellevue:

Der Grund: Morgen feiert Bahr seinen 80. Geburtstag und bekommt außerdem die Berliner Ehrenbürgerwürde. Besonderer Gast beim Dinner in Berlin ist Ex-US-Außenminister Henry Kissinger!

2. November 2002:

“Bild”-Kolumnist Claus Jacobi hadert mit der Haltung der Bundesregierung, die bei einem möglichen Irak-Krieg nicht mitmachen möchte, und präsentiert einen erwartbaren Kronzeugen:

Genau 40 Jahre ist das nun her, 40 Jahre von Adenauer bis Schröder, in denen ein wiedervereinigtes Deutschland entstand, dem Henry Kissinger letzte Woche “pazifistisch-nationalistische” Wesenszüge bescheinigte.

15. Dezember 2002:

Nebulöse kleine Meldung auf der “Bild”-Titelseite:

Kissinger zurückgetreten

Washington – Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger ist als Leiter der Untersuchungskommission zu möglichen Geheimdienstpannen vor den Terroranschlägen vom 11. September zurückgetreten. Kissinger erklärte, er wolle vermeiden, dass es wegen seiner Geschäftsbeziehungen zu einem Konflikt komme.

11. April 2003:

Die Concorde wird eingemottet! “Bild” erinnert standesgemäß an das Überschall-Flugzeug:

Man traf Musikgenie Rostropowitsch, der einen Platz für sein Cello reservierte – oder Henry Kissinger.

20. Juni 2004:

“Bild am Sonntag” zu Gast beim ehemaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun:

Als BILD am SONNTAG den ehemaligen DFB-Präsidenten besucht, ist gerade ein ganz privater Brief vom ehemaligen US-Außenminister Kissinger eingetroffen

17. Juli 2004:

Claus Jacobi kann in seiner Kolumne mit einer ganz scharfen Enthüllung aufwarten:

Aus kürzlich in Washington veröffentlichen Protokollen der siebziger Jahre geht hervor, dass der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger den Vertrauten Willy Brandts, Egon Bahr, als “Reptil” bezeichnet hat.

28. August 2004:

Claus Jacobi kolumniert:

Die zwei rätselhaften Flugzeugabstürze über Russland haben uns einmal mehr die Zwickmühle aufgezeigt, in der wir laut Henry Kissinger im Kampf gegen den Terror stecken: Terroristen haben schon was gewonnen, wenn sie nicht verlieren. Staaten haben schon was verloren, wenn sie nicht gewinnen.

3. Oktober 2004:

Der Fotograf Richard Avedon ist gestorben.

Henry Kissinger bat ihn laut “Bild”: “Seien Sie nett zu mir.”

17. November 2004:

“Bild”-Kolumnist Norbert Körzdörfer stellt die neue US-Außenministerin Condoleezza Rice vor:

Sie ist Single, Sphinx, Schwarze.

Sie hat keine Kinder, keinen Mann, keine Geschwister.

Das ist vielleicht ein überraschender Einstieg in einen Text, aber es wird noch weirder:

Jetzt wird Condi Rice die mächtigste Frau der Welt – ein “Kissinger mit Pumps”!

13. April 2005:

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl begeht seinen 75. Geburtstag. Unter den Gratulanten laut “Bild”: “Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, der Kohl zu Ehren auf Deutsch sprach”.

17. April 2005:

Sensationelle Anekdote von Kohls Geburtstagsfeier:

Mit dabei ist auch Ex-US-Außenminister Henry Kissinger. Der ehemalige Franke redet auf deutsch. Zuvor hatte er sich schon – ebenfalls auf deutsch – mit CDU-Chef Angela Merkel intensiv in deren Büro ausgetauscht. Das macht Kissinger übrigens immer, wenn er in Berlin ist. Am Kohl-Festabend zählt er aber noch aus einem anderen Grund auf Merkel. Während der Feier möchte Kissinger zu gern wissen, wie das Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und seinem alten Lieblingsverein, der Spielvereinigung Greuther Fürth, ausgegangen ist. Angela Merkel bekommt das Ergebnis per SMS vom NRW-Spitzenkandidaten Jürgen Rüttgers (CDU). Dann eilt sie zum Tisch der alten Herren und überbringt Kissinger die traurige Botschaft: Fürth hatte 2:3 verloren!

8. Mai 2005:

Genau 60 Jahre nach Kriegsende redet heute zum 8. Mai im hessischen Darmstadt Ex-US-Außenminister Henry Kissinger.

“Bild am Sonntag” weiß bereits, was er sagen wird.

22. März 2007:

Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher wird 80. Unter den Gratulanten, die es mit einem Foto in “Bild” schaffen: Henry Kissinger.

5. August 2007:

“Bild-am-Sonntag”-Kolumnist Helmut Böger nimmt eine außereheliche Affäre zwischen CSU-Politiker Horst Seehofer und einer 25 Jahre jüngeren Frau zum Anlass, über das “Parfüm der Macht” zu spekulieren, das “viele junge Frauen in Versuchung” führe:

“Macht”, so hat es der machtbewusste ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger (84) formuliert, “ist das ultimative Aphrodisiakum.”

Im nächsten Satz zeigt Böger, wie er sein Publikum einschätzt:

Laut Fremdwörter-Duden ein “den Geschlechtstrieb anregendes Mittel”.

16. November 2007:

In New York erhält der Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner die Leo-Baeck-Medaille (erster Preisträger: Axel Springer). Die Laudatio hält Henry Kissinger.

22. Mai 2008:

Bei Edward “Ted” Kennedy, Bruder der ermordeten US-Politiker John F. und Robert F. Kennedy, wird ein bösartiger Hirntumor festgestellt (der sogenannte “Kennedy-Fluch”, BILDblog berichtete). Willkommene Gelegenheit für “Bild”, das Kissinger-Zitat über die Familie Kennedy aus dem Juli 1999 noch mal aufzuwärmen.

29. Juni 2008:

Im Finale der Fußball-Europameisterschaft der Männer spielt Deutschland gegen Spanien:

Wegen des großen Interesses deutscher und spanischer Politiker am Finale, aber auch vieler anderer Promis, musste das Kontingent der Ehrenplätze ausgeweitet werden. Erst heute im Laufe des Tages wird es einen endgültigen Sitzplan geben. Erst dann werden auch der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, Moderator Thomas Gottschalk, Schauspieler Harrison Ford, Musiker Shaggy, Ex-Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und Sänger Enrique Iglesias platziert werden.

6. September 2008:

Henry-Kissinger-Ultra Claus Jacobi erzählt in seiner Kolumne folgende Henry-Kissinger-Anekdote:

Nicht lange nachdem Amerikas Präsident Richard Nixon den Außenpolitiker Henry Kissinger zum Außenminister ernannt hatte, besuchte ihn im Weißen Haus Israels weiblicher Premierminister Golda Meir, in deren Händen die Außenpolitik ihres Landes lag. Nixon war es, der auf den ungewöhnlichen Zustand hinwies, dass nun ausgerechnet die internationale Politik der USA und Israels von zwei Angehörigen jüdischer Familien gesteuert werde. “Ja”, meinte Golda Meir, in Anspielung auf Kissingers schweren deutschen Akzent, “aber meiner kann Englisch sprechen.”

7. Februar 2009:

Henry Kissinger (85), US-Außenminister unter Richard Nixon, war gestern Abend der Stargast beim deutsch-amerikanischen-Freundschafts-Dinner von Rechtsanwalt Wolfgang Seybold. Dr. Gabriele Begum Inaara Aga Khan über Kissinger: “Ein beeindruckender Mann!”

9. Februar 2009:

“Gewinner” auf der “Bild”-Titelseite: Henry Kissinger

Als jüdischer Emigrant aus Fürth brachte es Henry Kissinger (85) in USA zum Außenminister, Friedensnobelpreisträger, Geschichtsprofessor in Harvard. 1990 unterstützte er die Wiedervereinigung. Jetzt hat ihn die Münchner Sicherheitskonferenz mit dem Ewald-von-Kleist-Preis ausgezeichnet – für “außerordentliche Verdienste” um Frieden und deutsche Einheit.

BILD meint: Thank you, Henry!

9. Mai 2009:

Henry-Kissinger-Ultra Claus Jacobi erzählt in seiner Kolumne noch einmal folgende Henry-Kissinger-Anekdote:

Kurz nachdem US-Präsident Richard Nixon Henry Kissinger mit dem schweren deutschen Akzent zum Außenminister ernannt hatte, besuchte Israels Premierminister Golda Meir den Staatschef im Oval Office des Weißen Hauses. Er begrüßte sie herzlich und scherzte dabei, dass nun ja ihre beiden Länder jüdische Außenminister hätten. “Ja”, meinte Mrs. Meir: “Aber meiner spricht Englisch.”

9. September 2009:

Kalenderspruch des Tages auf der “Bild”-Titelseite:

“Erst wenn es um unbedeutenden Kleinkram geht, werden Auseinandersetzungen wirklich bitter.”

Henry A. Kissinger, amerikanischer Politiker (*1923)

10. Oktober 2009:

Spektakulärer Schuldspruch für einen der reichsten Männer Amerikas: Anthony Marshall (85), der Sohn von New Yorks einstiger Society-Queen Brooke Astor ((†) 105), muss ins Gefängnis. Er hatte die Alzheimer-Krankheit seiner Mutter ausgenutzt, um sich ihr Vermögen anzueignen. Um dies vor ihren Freunden (wie Ex-Außenminister Henry Kissinger) geheim zu halten, hatte er sie über Jahre in ihrem Luxusappartement gefangen gehalten.

9. November 2009:

Mathias Döpfner hat in der Villa Schöningen ein Museum eingerichtet. Unter den 500 Gästen bei der feierlichen Eröffnung, wie in “Bild” zu lesen ist: Henry Kissinger.

10. November 2009:

Zum 20. Jahrestag der Maueröffnung ist in der Axel-Springer-Passage in Berlin die Portrait-Büste “Michail Gorbatschow” feierlich enthüllt worden:

Im Beisein von Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und dessen Kollegen Hans-Dietrich Genscher nahm Michail Gorbatschow persönlich die Ehrung entgegen. Gorbatschow bedankte sich bei Friede Springer, dem Springer- Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner und bei BILD-Chef Kai Diekmann

25. November 2009:

Bei all dem Um-die-Welt-Jetten, Preise-Annehmen-und-Überreichen und Mit-Matthias-Döpfner-Rumhängen schafft Henry Kissinger es auch noch, sich mit den Vorgängen bei deutschen Fernsehsendern zu befassen:

ZDF-Intendant Markus Schächter (60) ist in New York mit dem Ehren-Emmy ausgezeichnet worden. “Er hat das ZDF durch eine turbulente Vergangenheit geführt und es gut positioniert für eine fantastische Zukunft”, sagte Ex-US-Außenminister Henry Kissinger (86) in seiner Laudatio.

7. Februar 2010:

Nur ein Jahr nach seinem letzten Besuch ist Henry Kissinger schon wieder Ehrengast beim deutsch-amerikanischen-Freundschafts-Dinner von Rechtsanwalt Wolfgang Seybold. Für einen kurzen Moment an seiner Seite: Minister-Gattin Stephanie zu Guttenberg, eine weitere “Bild”-Ikone.

23. Februar 2010:

“Bild”-Redakteur Alexander von Schönburg nutzt “Bild”, um seiner Schwester Gloria von Thurn und Taxis zum Geburtstag zu gratulieren:

Liebe Leser,

ich habe meiner Schwester Gloria so viel zu verdanken. Als Kind nahm sie mich überall mit hin. Mit ihr traf ich Diana, Mick Jagger, Fidel Castro, Kissinger, Strauß, Kohl … Danke BILD, dass ich heute mein Geburtstagsständchen vor 12 Millionen Lesern singen darf.

7. April 2010:

Zum 80. Geburtstag von Helmut Kohl gibt dessen Trauzeuge, “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, ein zweibändiges Foto-Buch über den Altkanzler heraus, das in den “Bild”-Medien ausführlich beworben wird. Einer der Autoren, die einen Text beisteuern: Henry Kissinger.

26. April 2010:

Altbundespräsident Richard von Weizsäcker feiert seinen 90. Geburtstag. “Bild” entdeckt unter den Gratulanten: Henry Kissinger.

17. Mai 2011:

Wie “Bild” berichtet, erhält Altkanzler Helmut Kohl den “Henry Kissinger Preis” der American Academy. Neben dem offiziellen Laudator, Ex-US-Präsident Bill Clinton, ist noch jemand erschienen, um Kohl den Preis zu überreichen: Namensgeber Henry Kissinger.

9. Juni 2011:

Endlich mal wieder “Gewinner des Tages”: Henry Kissinger!

Mit seinen “Erinnerungen” hat Ex-US-Außenminister Henry Kissinger (88) einen Bestseller gelandet. Die “New York Times” feiert sein heute auf Deutsch erscheinendes Werk “China – Zwischen Tradition und Verantwortung” (C. Bertelsmann, 608 S.) als “faszinierendes, scharfsichtiges Buch”.

BILD meint: Lesen!

29. September 2011:

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schließt sich in den USA dem renommierten Forschungs- und Analysezentrum (Think Tank) “Center for Strategic and International Studies” an. Dem in Washington ansässigen CSIS auch angeschlossen sind internationale Politiker wie Henry Kissinger.

18. November 2011:

“Bild” weiß zu berichten, dass Bundespräsident Christian Wulff in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom die “Goldene Ehren-Victoria” des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger an Henry Kissinger verliehen hat.

18. April 2012:

Die Spielvereinigung Greuther Fürth steigt erstmalig in die Fußball-Bundesliga auf.

Und der berühmteste Fürth-Fan freute sich in den USA. Ex-US-Außenminister Henry Kissinger (88) ist in der fränkischen Stadt (115 000 Einwohner) geboren.

21. April 2012:

Große Ehre für den Aufsteiger!

Der in Fürth geborene ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger (88) hat in einem persönlichen Schreiben Klub-Präsident Helmut Hack (62) gratuliert. Kissinger: “Herzlichen Glückwunsch! Dieser Aufstieg war überfällig.”

3. Mai 2012:

“Bild”-Verleger Axel Cäsar Springer hätte seinen 100. Geburtstag gefeiert. “Bild” begeht diesen Anlass mit einer minutiösen Nacherzählung des Festakts, den der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner seinem Verlag verordnet hat, und lässt Prominente auf die Frage: “Warum ist Axel Springer noch heute so wichtig?” antworten. Neben salbungsvollen Worten der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel, des ehemaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, des amtierenden israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres und von Uwe Seeler kommt auch Henry Kissinger zu Wort.

4. September 2012:

“Bild”-Sportteil:

Kissinger kommt

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger (89) kommt am 15. September zum Heimspiel von Aufsteiger Fürth gegen Schalke. Kissinger wurde in Fürth geboren.

14. September 2012:

“Bild”-Sportteil, jetzt aber wirklich:

Kissinger kommt

Großer Besuch: Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger (89) ist morgen Gast beim Spiel von Aufsteiger Greuther Fürth gegen Schalke. Kissinger wurde in Fürth geboren und ist ein großer Fußball-Fan.

15. September 2012:

Blitzbesuch in der Hauptstadt: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger (89, Foto) besuchte für 24 Stunden Berlin.

16. September 2012:

“Bild”-Sportteil:

Draxler zerschießt Kissingers Tipp

Der berühmteste Fürther hatte auf ein 2:0 gehofft – doch die Schalker waren zu stark für den Aufsteiger

17. September 2012:

Jetzt kennen wir endlich Kissingers gesamten Zeitplan der vergangenen Tage:

Er kam nach Berlin, um sich für den Wiederaufbau des historischen Stadtschlosses einzusetzen, flog am nächsten Tag in seine Geburtsstadt Fürth. Vorher sprach Henry Kissinger (89) mit BILD im Berliner Schlosshotel Grunewald über die Unruhen in der arabischen Welt, über Kanzlerin Merkel und seine Heimatstadt.

26. Januar 2013:

Ganz schön was los in Davos! Beim Weltwirtschaftsforum trifft Polit- auf Party-Prominenz: So plauderte Ex-US-Außenminister Henry Kissinger (89) beim Hummeressen angeregt mit Veronica Ferres (47). Filmreif!

27. Mai 2013:

Er floh als Jude vor dem Nazi-Terror nach Amerika – und schrieb als US-Außenminister Weltgeschichte: Henry Kissinger wird heute 90 Jahre alt! Zum Geburtstag bekommt der Friedensnobelpreisträger ein besonderes Geschenk: In seiner Heimatstadt Fürth gibt’s künftig einen “Dr.-Henry-Kissinger-Platz”. BILD meint: Happy Birthday, Henry!

12. Juni 2013:

Aus Anlass seines 90. Geburtstags (27. Mai) hat die Axel Springer AG gestern Abend den früheren US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger und seine Frau Nancy in den Berliner Journalistenclub eingeladen.

9. Oktober 2014:

Helmut Kohl stellt auf der Frankfurter Buchmesse seine Memoiren vor – und die “Bild”-Redakteure Ralf Schuler und Alexander von Schönburg sind ganz nah dran:

Was niemand auf der Buchmesse wusste: Der Altkanzler hatte vor der Buchvorstellung schon ein straffes Programm hinter sich gebracht, zwei große politische Weggefährten im Sheraton-Hotel am Frankfurter Flughafen getroffen: Henry Kissinger und James Baker, der bei Mauerfall und Wiedervereinigung US-Außenminister war und von Kissinger bei seinem Spitznamen “Jim” genannt wird.

2. April 2015:

Einen Tag vor Helmut Kohls 85. Geburtstag gratulieren Bundeskanzlerin Angela Merkel und “der legendäre ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger dem Kanzler der Einheit” mit einem gemeinsamen Aufsatz in “Bild”.

24. November 2015:

Altkanzler Helmut Schmidt ist gestorben. Zu den Trauerrednern beim Staatsakt gehörte Henry Kissinger, der anschließend auch noch mit einer “Post von Wagner” klarkommen muss.

6. Dezember 2015:

Frank Sinatra wäre 100 Jahre alt geworden. “Bild am Sonntag” erinnert mit “10 Erinnerungssplittern” an den Entertainer. Nummer fünf:

Bei einem Dinner mit dem damaligen US-Außenminister Henry Kissinger beteuerte Sinatra, nichts mit der Mafia am Hut zu haben. Woraufhin Kissinger sagte: “Schade, wer kümmert sich jetzt um meine Feinde?”

5. März 2016:

“Bild” veröffentlicht die etwas verstörende Liste “Diese Super-Reichen sind noch zu haben”. Darauf: Elizabeth Holmes, Gründerin und Chefin des Laborunternehmens Theranos. “Bild” weiß: “Zu ihren größten Fans gehört der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger.” Heute sitzt Holmes wegen Betrugs im Gefängnis.

7. Juni 2016:

Springer richtet die “Axel Springer NOAH Berlin” aus, eine Veranstaltung, die der Verlag selbst als “das führende Branchen-Event der europäischen Internet- und Digitalwirtschaft” beschreibt. Beim “traditionellen Eröffnungsdinner am Vorabend der Konferenz” im Berliner Verlagshaus spricht Henry Kissinger zu “ausgewählten Konferenzgästen”.

22. November 2016:

“Bild” druckt das “fiktive Tagebuch” des zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump seit dessen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen. Darin:

17. November
Henry Kissinger war da. Erzählte von China, Russland und dieser EU. War interessant, aber, puh, ziemlich lang.

16. Oktober 2017:

“Bild” hat einen neuen Liebling: Sebastian Kurz. Und die Redaktion weiß Wissenswertes über den neuen österreichischen Bundeskanzler zu berichten:

SEINE VORBILDER
Sebastian Kurz hat viele politische Biografien gelesen. Am meisten imponierte ihm das Lebenswerk von HENRY KISSINGER (persönliches Treffen vor drei Wochen in New York bei der UN-Generalversammlung) und HELMUT KOHL (“Vater der deutschen Einheit”).

1. Juni 2018:

Er beschützte Henry Kissinger und die Geissens: Promi-Bodyguard fast im Rhein ertrunken

22. Januar 2020:

“Gewinnerin des Tages”: Angela Merkel.

Große Ehre für die Kanzlerin: Die American Academy zeichnete Angela Merkel (65, CDU) gestern mit dem Henry-A.-Kissinger-Preis aus. Der legendäre US-Außenminister Kissinger (96) lobte Merkel in seiner Laudatio für ihren nüchtern unaufgeregten Politik-Stil.

BILD meint: Physikerin der Macht!

27. Mai 2021:

Henry Kissinger wird anlässlich seines 98. Geburtstags im Rahmen einer Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft zugeschaltet. Markus Söder gratuliert, “Bild” berichtet.

21. Mai 2023:

Eine Woche vor seinem 100. Geburtstag warnt Henry Kissinger im Interview mit dem “Economist” vor einem dritten Weltkrieg, bietet aber praktischerweise direkt auch Lösungsvorschläge an, die “Bild plus” gerne mit seinem zahlenden Publikum teilt.

27. Mai 2023:

Henry Kissinger wird 100, und Hans-Jörg Vehlewald kann nicht mehr an sich halten:

Dieser Mann ist schlicht ein Wunder!

Ein 100-jähriges Orakel, ein politischer Generalschlüssel, der Hüter der diplomatischen Weltformel. Einer, der jederzeit den US-Präsidenten, Russlands Kriegstreiber Putin oder China-Regent Xi Jinping ans Telefon kriegt, wenn er will.

Doch das Geheimnis seines Weltruhms und seines Jahrhundertlebens wird kaum beachtet: Nancy Kissinger (89), die First Lady der Weltdiplomatie.

22. Juni 2023:

Kissingers Geburtsstadt Fürth feiert den 100. Geburtstag. “Bild”-Redakteur Alexander von Schönburg besucht die Eröffnung einer Ausstellung über den “Jahrhundert-Mann” und urteilt mit einem Hauch Homoerotik: “Humor, Geist und Macht – DAS macht einen Mann wohl unwiderstehlich.” Von Schönburg möchte das mit Erzählungen von einem “Sommer in der Karibik” untermauern, in dem seine älteste Schwester den 35 Jahre älteren Kissinger “anhimmelte”.

Andererseits kann man von Schönburg nicht vorwerfen, seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben:

Über die historische Bedeutung dieses Heinz (so sein Geburtsname!) Kissinger aus Fürth, der mit 15 mit seiner Familie vor den Nazis nach Amerika flüchtete und zum bedeutendsten Außenpolitiker der Welt aufstieg, steht alles in Geschichtsbüchern. Inklusive der dunklen Kapitel. Seine Rolle im Vietnam-Krieg. Der von der USA finanzierte Staatsstreich in Chile …

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, hält “eine mit Anekdoten gespickte Geburtstagsrede” auf den (abwesenden) Jubilar.

Kontrolliert euch!, Grimme-Institut in Finanznot, Influencer-Lifestyle

1. Kontrolliert euch!
(taz.de, Elisa Pfleger)
Christine Knaevelsrud ist Professorin für Psychologie an der Freien Universität Berlin und am Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit. Der “taz” hat sie fünf mögliche Strategien für den Umgang mit belastenden Kriegsnachrichten genannt: “Reaktion annehmen und ­Wirkung verstehen”, die “eigenen Intentionen hinterfragen”, “Zeitfenster festlegen”, sich vom Kriegs­geschehen abgrenzen und den “Austausch suchen”.

2. Aktionsplan zur Regulierung von Social Media vorgestellt
(epd.de)
Der von der Unesco vorgestellte Aktionsplan zur Regulierung Sozialer Medien sei das Ergebnis eines umfassenden Konsultationsprozesses, bei dem über 18 Monate lang mehr als 10.000 Beiträge aus 134 Ländern gesammelt wurden. Laut Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay hätten Soziale Medien zwar den Fortschritt bei der Redefreiheit gefördert, aber auch die Verbreitung von Falschinformationen und Hassrede beschleunigt, was eine große Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt darstelle: “Um den Zugang zu Informationen zu schützen, müssen wir diese Plattformen unverzüglich regulieren und zugleich das Recht auf freie Meinungsäußerung und Menschenrechte beschützen”.

3. Grimme-Institut in Finanznot
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries)
Wie gestern in “6 vor 9” zu lesen war, befindet sich das Grimme-Institut, vor allem bekannt durch den renommierten Grimme-Preis, in einer finanziellen Schieflage mit einem Defizit von 320.000 Euro in diesem Jahr und voraussichtlich 430.000 Euro im kommenden Jahr. Diese Situation hat in der Medienbranche Besorgnis ausgelöst. Es gibt bereits zwei offene Briefe zu dem Thema. Auch René Martens, freier Medienjournalist und Mitglied der Grimme-Nominierungskommission, sorgt sich um die Zukunft der Medienpreise.

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4. EU fördert Medien-Zusammenarbeit über Grenzen hinweg
(verdi.de)
Die Europäische Kommission fördert mit elf Millionen Euro die “grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Nachrichtenmedien sowie Medien, die einen direkten Beitrag zum demokratischen Leben leisten”. Der verlinkte Artikel gibt Auskunft darüber, wer sich bis wann um die Fördermittel bewerben kann. Weitere Informationen finden sich auf der eigens eingerichteten Webseite der Europäischen Kommission.

5. “Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Uwe Esser von ARD Media äußerte sich gegenüber “DWDL” zufrieden mit der TV-Vermarktung im Jahr 2023, die trotz einiger Herausforderungen fast das Niveau des Vorjahres erreicht habe. Das Jahr werde als Erfolg gewertet, insbesondere wegen der stabilen Reichweiten im Vorabendprogramm und trotz der allgemein sinkenden Reichweiten in der Branche: “Es war ein schwieriges Jahr, aber wir sind zum Ende hin mit einem blauen Auge davongekommen und liegen, den WM-Effekt herausgerechnet, knapp unter Vorjahr.”

6. Bali, Benz & Balenciaga: Hat der Luxus-Lifestyle ausgedient?
(ndr.de, Philipp Nöhr, Video: 23:49 Minuten)
Influencer präsentieren auf Social Media einen luxuriösen Lebensstil mit First-Class-Flügen, teuren Klamotten und Autos, was insbesondere junge Menschen beeinflusst, wie Studien zeigen. In dem Film des Medienmagazins “Zapp” kommen verschiedene Stimmen zu Wort: Lion Salijevic, Erfinder des Formats “Wie viel ist dein Outfit wert”, die Influencerin Marie von den Benken, die Nachhaltigkeits-Influencerin Milena Glimbovski sowie Kapitalismuskritiker und Influencer-Experte Ole Nymoen.

7. X – Muss man da jetzt nicht raus?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:38 Minuten)
Als zusätzlicher Link, weil in eigener Sache: Bei radioeins durfte der “6-vor-9”-Kurator etwas über die jüngsten Entwicklungen bei X sagen, dem Twitter-Nachfolger. Es geht um einen selbsternannten Freiheitskämpfer, das Vereinsheim der Hells Angels und die Frage, warum man manchmal ein Frosch sein sollte.

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