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Nach Hausdorf telefonieren!

Er ist wieder da!

Auf der Welt fallen die Vögel tot vom Himmel, und der bei „Bild“ für alles Außerirdische, Übersinnliche und Nichtverstandene zuständige Redakteur Attila Albert hat seinen alten Kumpel Hartwig Hausdorf gefragt, woran das liegen könnte.

Mysterien-Forscher Hartwig Hausdorf (54, „Animal Psi“): „Was auffällt: Betroffen sind Tiere, die sich bei ihren Routen am Magnetfeld orientieren. Es scheint, als hätte eine starke Kraft sie abgelenkt.“

Unter Verdacht: Die US-Forschungsanlage HAARP (schickt für Militärtests elektromagnetische Wellen in die Atmosphäre). Sie besteht aus 180 gekoppelten Sendern, die künstliche Polarlichter erzeugen können — und sogar Erdbeben auslösen, wie viele glauben.

Attila fragt deshalb:

Stecken geheime Experimente mit Ultraschall hinter dem rätselhaften Tiersterben der letzten Tage?

… was man schon deshalb verneinen kann, weil HAARP nicht mit Schall-, sondern mit Radiowellen arbeitet. „Kurzwelle“ hätte aber womöglich als Schlagwort zu harmlos nach sechziger Jahren geklungen.

Tatsächlich gibt es Leute, die glauben, dass die HAARP-Experimente für ungefähr jede Naturkatastrophe verantwortlich sind. Für Hartwig Hausdorf steckte HAARP auch hinter dem „Asche-Monster“, das im vergangenen Frühling nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull über Europa hing: Geheim-Experimente mit „seismischen Waffen“ sollen „direkt auf die Kontinentalplatten wirken“, zitierte ihn „Bild“ damals.

Die Art, wie „Bild“ seine Erkenntnisse präsentierte, konnte bei kritischen Geistern allerdings leichte Zweifel an seiner Seriösität wecken:

Hausdorf war natürlich trotzdem erste Wahl, Attila Albert und den „Bild“-Lesern im Mai 2010 zu erklären, warum die Signale von der Raumsonde Voyager 2 plötzlich in einem unbekannten Format an die Erde zurückkamen:

Alien-Experte Hartwig Hausdorf (54, „Ufos — Sie fliegen immer noch“): „Es scheint fast, als hätte jemand die Sonde umprogrammiert oder entführt — vielleicht, damit wir noch nicht die ganze Wahrheit erfahren …“

Die ganze Wahrheit kam dann wenige Wochen später heraus: Es hatte einen Fehler im Speicher des Systems zur Datenübertragung auf der Voyager gegeben. Wer kann sowas ahnen! Die Panne ließ sich relativ leicht beheben, die Voyager 2 sendet seitdem wieder brav die Daten im richtigen Format an die Erde; in „Bild“ stand von dieser unwahrscheinlichen Auflösung natürlich nichts.

PS: Wo wir schon dabei sind, vervollständigen wir gerade noch unser Archiv der übersinnlichen Erscheinugen von Hartwig Hausdorf in „Bild“. Langjährige BILDblog-Leser kennen ihn noch aus dem Klassiker „Mars jetzt mit neuer Füllung“, in dem er erklärte, dass die grünen Männchen im Mars leben, sowie der dazu leicht widersprüchlichen Fortsetzungsgeschichte „Mars-Füllung macht mobil“.

  • Im September 2008 erklärte er, dass es sich bei den kleinen weißen Punkten, die man auf Fotos häufiger sieht, womöglich nicht um Staub handelt, sondern um verwaiste Seelen, die die Kugelform wählen, um beim Wandern zwischen den Welten möglichst wenig Energie zu verbrauchen: „Tatsächlich gibt es die Idee, Orbs wären intelligente, bewegliche Wesen oder Geister, die der Kamerablitz kurz sichtbar gemacht hat.“
  • Und ein Jahr später lieferte er Attila Albert den Vorwand für die Schlagzeile: „UFO-Forscher sind sicher: Aliens suchen in China nach Verwandten“.

Von Aliens und anderen Kometen

Schon seit geraumer Zeit gönnt man sich bei Bild.de einen für ein, nun ja, Nachrichtenportal ungewöhnlichen Luxus: Die Sensationsberichte aus dem seit jeher beliebten Bereich „Ufos, Aliens, 2012 und Übersinnliches“ haben ein eigenes Online-Ressort erhalten: „Mystery“. Hier schreibt vornehmlich der einschlägig bekannte Attila Albert über alles, was ihm mysteriös genug erscheint — vom baldigen Weltuntergang über Vampirhunde bis hin zum knuffigen Alien-Baby. Das hat nicht nur den Vorteil, dass interessierte (und leichtgläubige) Leser durch die Bündelung von „Mystery“-Nachrichten in eine Parallelwelt des Übersinnlichen eintauchen können. Gleichzeitig gelingt es „Bild“, den wohl selbst in der eigenen Redaktion etwas verrufenen Verschwörungsschmuddelkram, vom seriösen — oder sagen wir besser: anders unseriösen — Teil der Inhalts-Produktion zu trennen.

Die Einteilung einer Nachrichtenseite in offensichtlichen und nicht offensichtlichen Unfug birgt aber auch Schwierigkeiten: Wann genau ist eine Nachricht blödsinnig genug, um ins Mystery-Ressort verbannt zu werden? Was passiert mit tatsächlichen Geschehnissen, in die man jedoch das Walten übersinnlicher Kräfte hineininterpretiert? Die Ergebnisse dieser ständigen Abwägungen sind bisweilen durchaus amüsant. So ist ein angeblicher Schädel auf dem Mars unter „News“ eingeordnet, während ein Alien-Fingerabdruck als „Mystery“ behandelt wird, und das obwohl noch im selben Artikel aufgelöst wurde, dass es sich bei dem „Fingerabdruck“ um ein mehrere tausend Quadratkilometer großes Gangsystem handelt.

Noch anschaulicher wird die ewige Frage nach Mystery oder Nicht-Mystery, wenn man die Berichterstattung zu einem Ereignis in der vergangenen Woche betrachtet.

Als am Dienstagabend vergangener Woche mehrere Menschen bei verschiedenen Behörden anriefen, weil sie eine Lichtkugel am Himmel sahen, konnte das bei Bild.de nur eine Konsequenz haben: UFO-Alarm! Damit lag das Ereignis klar im Aufgabenbereich von „Mystery“, wo auch der erste hysterische Artikel zum Thema erschien (mittlerweile deutlich entschärft, aber noch in der URL erkennbar):

ufo-alarm-norddeutschland/lichtkugel-erschreckt-menschen-alien-meteorit.html

Als sich irgendwann nicht mehr verleugnen ließ, dass die Erscheinung auf einen Meteoriten zurückzuführen war und die von „Bild“ ersehnte Alien-Invasion einmal mehr ausblieb, schob man drei weitere Artikel nach, die im Gegensatz zum ersten als „News“ gekennzeichnet waren.

Sollte wirklich eines Tages eine Alien-Invasion bevorstehen, würde dank „Bild“ bestimmt niemand mehr auch nur zum Himmel blicken. Schwierige Frage übrigens: Wären echte Aliens eigentlich noch „Mystery“ oder doch schon wieder „News“?

Frischer Fisch für den Mutantenstadl

Es ist ja nicht nur so, dass wir uns gerade in einer handfesten Wirtschaftskrise befinden — noch dazu ist die Welt auch aus anderen Gründen ein unwirtlicher und irgendwie mysteriöser Ort geworden. Wenn man alleine mal aufzählt, was sich in der letzten Zeit in „Bild“ so alles angesammelt hat: unbehaarte Aliens in Mexiko beispielsweise, deren DNA noch nie ein Wissenschaftler zu Gesicht bekommen hat. Affenmenschen, Außerirdische mit Selbstauslöser, Entführungen ins Weltall.

„Bild“ hat deshalb eine eigene „Mystery“-Rubrik ins (irdische) Leben gerufen. Die wiederum hat jetzt gruseligen Zuwachs bekommen:

Dahinter stecken für den „Bild“-Chef-Mysteriologen Attila Albert drei mögliche Erklärungen: Mutation. Sprung der Evolution. Und (immerhin wird das wenigstens in Erwägung gezogen): Angler-Latein. Die vierte und zutreffende Möglichkeit ist offenbar zu banal, als dass die Mystery-Jäger der „Bild“ über sie nachdenken wollten: keines davon. Der Fisch ist nämlich hinlänglich bekannt: ein „Schwarzer Pacu“, ursprünglich im Amazonas-Gebiet beheimatet, erstmals beschrieben bereits 1818, mit vielen eindrucksvollen Zahnfotos im Internet vertreten, artverwandt und manchmal auch verwechselt mit dem Piranha. (Bild.de erwähnt immerhin, dass ein bereits 2006 schon einmal in Texas gefundenes Exemplar kein Piranha sein könne. Wie man aber auf die Idee kam, man könne deswegen die genaue Gattung nicht bestimmen — eher unklar.)

Dass der Fischer, der den Pacu nun in einem russischen See vorfand, „unter Schock“ den Platz des Grauens verlassen hat, kann man eventuell noch nachvollziehen. Um von der „Bild“-Redaktion aus den Fund für ein schockierendes Erlebnis zu halten, muss man sich sehr große Mühe geben. Schon ein Blick in die englischsprachige „Wikipedia“ hätte auch gereicht, das Rästel um die mutierten Menschenzähne schnell zu lösen:

Their teeth, which may look similar to human teeth, are used to cut through vegetation and crush seeds that fall into the water.

(Mit ihren Zähnen, die menschlichen Zähnen ähneln können, schneiden sie durch die Vegetation und zermahlen Samen, die ins Wasser fallen.)

Der entscheidende Begriff „Pacu“ fällt sogar in dem „Prawda“-Artikel, der die Quelle für die Geschichte ist. Aber Bild.de hat ihn lieber weggelassen. Sonst hätte man den Artikel ja (wie ungefähr alle anderen auch) nicht mehr ins Ressort für „Ufos, Aliens, Übersinnliches“ packen können.

Mit Dank an Mike S. und Daniel!

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Von Außerirdischen und Unterirdischem

Man kennt das von Kindern, wenn sie sich hinstellen und mit „Komm doch! Komm doch!“-Rufen provozieren — entweder weil sie sich in Sicherheit fühlen oder auch aus reiner Lust, es einmal drauf ankommen zu lassen, was in die Fresse zu bekommen.

Ungefähr in einer solchen Stimmung müssen sie in der vergangenen Woche bei „Bild“ gewesen sein, als sie sich entschieden, als Teil einer rekordverdächtig dummen Serie des „Bild“-Außerirdischen-Beauftragten Attila Albert über Ufos und anderen Mystery-Quatsch den Anwalt Johannes Eisenberg zu zeigen und als „Alien“ zu bezeichnen:

(Genau dieselbe Witz-Idee hatte „Bild“ schon einmal im Frühling 2005; damals präsentierte das Blatt ebenfalls unter der Überschrift „Sind die Aliens schon unter uns?“ Daniel Küblböck, Djamila Rowe, Michael Jackson, Reiner Calmund, Prinz Charles, Tatjana Gsell und Susan Stahnke als Indizien für außerirdisches Leben auf der Erde. Aber das nur am Rande.)

Jedenfalls kann es niemanden bei „Bild“ überrascht haben, dass Eisenberg juristisch gegen die Veröffentlichung seines Fotos und Beschreibung als „Alien“ vorgeht. Den Anwalt und die Zeitung verbindet eine lange Geschichte. Eisenberg hat viele Politiker, Prominente und Nicht-Prominente, die sich gegen falsche oder unzulässige „Bild“-Berichte wehrten, vertreten. Er verteidigte auch die „taz“, als „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann Schmerzensgeld für eine Satire über eine (erfundene) missglückte Penis-Verlängerungs-Operation forderte. Vor allem aber ließ er „Bild“ schon einmal gerichtlich untersagen, sein Foto zu zeigen, und erstritt ein „empfindliches Schmerzensgeld“.

Eisenberg hatte 1998 einen libanesischen Straftäter, dessen Fall in Berlin Aufsehen erregte, presserechtlich vertreten und u.a. mehrere Gegendarstellungen von „Bild“ gefordert. Die Zeitung reagierte darauf demonstrativ mit der Veröffentlichung von Eisenbergs Foto und suggerierte, dass er mit seinem Mandanten sympathisiere. Das Landgericht Berlin sah darin eine schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung: „Bild“ habe Eisenbergs Recht am eigenen Bild „mit besonderer Hartnäckigkeit verletzt“, und zwar „in der Absicht, den Kläger davon abzuhalten, für seinen Mandanten A. Gegendarstellungs- und Unterlassungsansprüche geltend zu machen, obwohl ihre Angriffe auf Herrn A. äußerst scharf und teilweise unter Behauptung falscher Tatsachen geführt wurden.“ Eisenberg habe nach der Veröffentlichung Morddrohungen erhalten, die „nur mit der Berichterstattung der Beklagten über den Kläger erklärt werden“ könnten, so das Gericht.

Das ist über zehn Jahre her, aber vielleicht nicht ganz unwesentlich, um zu beurteilen, was es bedeutet, wenn „Bild“ ein Foto von Johannes Eisenberg zeigt und behauptet, er sei ein „Alien“, das sich als „Anwalt tarnt“ und „gegen investigative Medien kämpft“.

Die „Welt am Sonntag“ hingegen, die gestern über das Vorgehen Eisenbergs gegen die Schwesterzeitung berichtete, nennt die Alien-Geschichte von „Bild“ eine „Satire“ und schließt daraus, dass Eisenberg Humor fehlt (was natürlich nicht falsch sein muss).

PS: Die Provokation des von ihr verhassten Berliner Anwaltes findet sich exklusiv in der Berlin-Brandenburger Ausgabe von „Bild“. Überregional nimmt Dirk Bach seinen Platz in der, äh, satirischen Aufzählung ein (siehe Ausriss links).

Eine Ente in der „Bild“-Zeitung

Was soll man noch sagen über einen Mann, der, nachdem ein christlicher Kleinverlag ein 48-seitiges Büchlein (mit Doppel-CD) über „Die Perlenkette des Glaubens“ herausgegeben hatte, in der „Bild“-Zeitung schrieb: „Eine 800 Jahre alte Gebetsform erlebt ein verblüffendes Comeback bei jungen Leuten: der Rosenkranz!“

Sagen wir also einfach: Sein Name ist Attila Albert.

Heute allerdings schreibt Attila Albert in „Bild“ großflächig und inhaltsarm über den Ehapa-Comic „Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden“, den Attila Albert „die offizielle Biografie der reichsten Ente der Welt“ nennt. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass ihm die Idee dazu kam, als er gestern bei „Spiegel Online“ ein launiges Stück über… „Die Biografie von Dagobert Duck“ entdeckte, weshalb es heute in „Bild“ heißt:

"Zum ersten Mal erscheint die offizielle Biografie der reichsten Ente der Welt (...) Die offizielle Biografie von Dagobert Duck (...) gibt

Verglichen mit dem, was dazu beispielsweise seit geraumer Zeit bei Wikipedia steht, erscheint Attila Alberts jetzt-endlich-Begeisterung ein wenig unangebracht.

Die deutsche Erstveröffentlichung der zwölf Hauptkapitel erfolgte 1993 bis 1995 in Fortsetzungen in der Micky Maus, gefolgt von einem Nachdruck in sechs Alben. Die Reihe wurde nach dem Erscheinen der Hauptkapitel als Onkel Dagobert, von Don Rosa fortgesetzt, in der auch die weiteren Zusatzkapitel erschienen sind.

2003 folgte eine Neuausgabe mit 456 Seiten in einem Band (…).
(Links von uns.)

Oder wie etwa die Berliner „Bild“-Schwester „B.Z.“ damals, im Dezember 2003, schrieb:

Nun endlich wird das Geheimnis seines Erfolgs in einer Biografie verraten. „Onkel Dagobert. Sein Leben, seine Milliarden“ (…) erzählt (…) in 12 Kapiteln von Dagoberts aufregendem Werdegang.

Oder n-tv.de, ebenfalls 2003:

„Dagobert Duck – Sein Leben, seine Milliarden“ erscheint nun in einer erweiterten Neuauflage (…).

Aber will man es Attila Albert wirklich vorhalten, dass er ein 5 Jahre altes Buch mit noch älteren Geschichten offenbar für neu hält, nur weil es der Ehapa-Verlag (im Dezember 2008) neu aufgelegt hat?* Das Wort erstmals steht schließlich auch bei „Spiegel Online“:

"(...) erstmals in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre auf Deutsch erschienen und jüngst in einer aufwendigen und kommentierten Ausgabe neu aufgelegt, (...)"

*) Der Verlag bestätigt uns, dass die Neuausgabe auf Wunsch des Disney-Zeichners Don Rosa nur teilweise neu koloriert, mit anderen Kapiteltiteln versehen und um Bonusmaterial erweitert worden sei, freut sich aber über die unverhoffte „Bild“-PR.

Mit Dank an Sebastian S., Florian G., Hans F., Thomas F., Roger, Hansi und Samuel D.

„Bild“ verhöhnt Pendler (2)

„Bild“ hat es wieder getan.

Schon im November hatte sich der ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin darüber gewundert gefreut, dass beim Thema Klimaschutz „nun auch die größten Ignoranten“ umdächten. Anlass war damals ein „Bild“-Bericht vom Paul C. Martin, in dem es u.a. hieß, man solle, um die Erde zu retten, „weniger Auto fahren“. Und das war insofern verwunderlich, als die „Bild“-Zeitung rund ein Jahr zuvor noch ganz anderer Ansicht gewesen zu sein schien, als sie nämlich ähnliche Aussagen Trittins dahingehend verkürzte, „ab und zu das Auto stehen zu lassen“, was „Bild“ als „blanken Hohn“ für Pendler ansah.

Und nicht nur das: Als die unzulässige Verkürzung der Trittinschen Aussagen (sparsamere Autos fahren, mit Erdgasautos fahren, spritsparender fahren sowie „ab und zu das Auto stehen lassen“) ein gerichtliches Nachspiel hatte, argumentierte „Bild“, mit der Verkürzung habe man Trittin „vor noch heftigerer Kritik bewahrt, weil durch die hohen Benzinpreise in finanzielle Bedrängnis geratene Autofahrer es als Hohn empfinden müssten, dass sie sich ein neues Biodiesel-Auto kaufen sollten“. Nun ja…

Heute jedenfalls hat sich ein anderer „Bild“-Autor (Attila Albert) abermals
aufgemacht, den Lesern mitzuteilen, wie sie „unsere Erde retten“ können.

Und abermals lauten die Tipps:

  • „Arbeitsweg ohne Autos organisieren (Bus oder Bahn, Fahrrad oder Fahrgemeinschaften).“
  • „Überlegen, das Auto ganz abzuschaffen. Alternative: Nahverkehr und nur bei Bedarf über ‚Car-Sharing‘ mieten (…).“
  • „Bei einem Autoneukauf ein benzinsparendes Modell (oder besser Hybridmotor) nehmen.“

 
PS: Sonderlich viel Arbeit hat sich Attila Albert heute ohnehin nicht gemacht. Denn was er nicht von Trittin abgeschrieben hat, hatte zum Großteil ja schon Alberts „Bild“-Kollege Paul C. Martin im vergangenen November recherchiert und aufgeschrieben.

Nachtrag, 23.2.2007: Sonderlich viel Arbeit hat sich nun selbst Paul C. Martin nicht mehr gemacht, als er für die heutige Titelgeschichte („Wir haben nur noch 13 Jahre… um die Erde zu retten!“) behauptet: „Wenn wir diese 10 Dinge tun, können wir die Erde noch retten!“ Insbesondere aber Ding Nr. 8 wird in seiner Formulierung immer trittiniger:

"Das Auto wann immer möglich stehen lassen!"

Mars jetzt mit neuer Füllung

Hartwig Hausdorf ist in der „Bild“-Zeitung ein gern gesehener Gast. Sie nennt ihn abwechselnd „China-Forscher“, „Buchautor“, „Phänomenforscher“, „Ufologe“, „Alien-Wissenschaftler“ und „Deutschlands seriösesten Archäo-UFO-Forscher“ — gerne aber auch schlicht: „der deutsche Schriftsteller und Privatgelehrte“. Was Hausdorf zu erzählen hat, ist aber auch nie langweilig. In den vergangenen Jahren berichtete er der staunenden „Bild“-Leserschaft unter anderem:

  • von einem kleinwüchsiges Volk in China: „Die Zwerge sind Nachkommen von außerirdischen Havaristen, die vor 12.000 Jahren über China abgestürzt sind.“ („Bild“, 2. Dezember 1995)
  • dass „Außerirdische auf die Erde kommen, um zu töten“, „wahrscheinlich seit Jahrhunderten“: „Vielleicht sind wir nichts anderes als die Laborratten der Außerirdischen.“ („Bild“, 9. Mai 1998)
  • nach der Wahl George W. Bushs im Jahr 2000 von dem „Todesfluch des Indianer-Häuptlings“, der „allen amerikanischen Präsidenten den vorzeitigen, unnatürlichen Tod prophezeite, die in einem ‚Null‘-Jahr gewählt wurden“: William Henry Harrison, 1840 gewählt, „war der erste, auf den der Fluch wirkte“. („Bild“, 28.12.2000).
  • und über die Wahrscheinlichkeit, dass immer noch Dinosaurier durch den Dschungel von Afrika schleichen. („Bild“, 16.06.2004)

So gesehen, kann man diesen heutigen „Bild“-Artikel quasi als natürlichen Lebensraum für Hausdorf bezeichnen:

Mars-Menschen leben im Mars! Darum ahben wir sie auch noch nie gesehen

Geschrieben hat ihn Attila Albert, der inoffizielle „Bild“-Beauftragte für außerirdische Esoterik und missverstandene Wissenschaft. Ihm war es offensichtlich nicht aufregend genug, dass britische und schweizer Forscher festgestellt haben, dass mögliche Spuren von Leben auf dem Mars, Sporen oder Bakterien, längst aufgrund der niedrigen Temperaturen und der Strahlung vernichtet worden wären. Wenn überhaupt, könne man Zellen nur in einer Tiefe von mindestens zwei Metern unter der Mars-Oberfläche finden.

Ja nun.

Zum Glück kennt Attila Albert Hartwig Hausdorf, und so konnte er aus einer für Laien nur mittelaufregenden Wissenschaftsgeschichte eine für Gutgläubige superaufregende Außerirdischen-Geschichte machen:

„Möglicherweise gibt es komplexe Höhlenstädte“, sagt Autor Hartwig Hausdorf (51). Er sieht in Felsformationen wie dem „Marsgesicht“ Monumente einer verlorenen Kultur: „Vielleicht hat der Mars eine Klimakatastrophe erlebt, wie sie uns noch bevorsteht. Die Bewohner flohen in die Tiefe.“

(Desillusionierender Link von uns.)

Natürlich steht selbst „Bild“ einer solch umstrittenen Quelle kritisch gegenüber. Das mit dem „möglicherweise“ und dem „vielleicht“ hat man Hausdorf zum Beispiel für die „Bild“-Schlagzeile nicht geglaubt.

Okay, jetzt wissen wir also, wo die Marsmenschen leben. Jetzt müssen sich Bild.de (Ausriss oben) und die gedruckte „Bild“-Zeitung (Ausriss unten) nur noch darauf einigen, wie die Marsmenschen wohl aussehen.

Angesichts der neuesten Enthüllungen wäre unser Tipp ja: etwa so.

Danke an Alexander B. und Kauli.

Nachtrag, 6. Februar. Der Mikrobiologe Lewis Dartnell, auf dessen aktuelle Studien sich „Bild“ vermeintlich beruft, stellt uns gegenüber klar:

Wir glauben ganz bestimmt nicht, dass es humanoide Mars-„Menschen“ unter der Oberfläche [des Mars] gibt, und ich persönlich halte es auch nicht für wahrscheinlich, dass sich jemals einfache Tiere oder Pflanzen auf dem Mars entwickelt hatten — selbst vor langer Zeit war die Umgebung auf dem Mars wahrscheinlich nur geeignet für zählebiges bakterielles Leben, wenn überhaupt.

Allgemein  

„Bild“ benutzt echte Forscher für falsche Story

„Macht es der Mars so heiß?“ fragt „Bild“ heute groß auf Seite 1 (siehe Ausriss) und wartet mit der hanebüchenen These auf, die gegenwärtigen Sommertemperaturen könnten damit zusammenhängen, „daß sich der Mars dieses Jahr so weit von der Erde entfernt wie nie“. Angeblich stehen „Forscher vor einem Rätsel“ und „diskutieren jetzt eine verblüffende These: Ist der Mars Schuld an der Hitze?“

„Es ist, als wäre der Erde die Klimaanlage weggenommen worden“, behauptet „Bild“-Redakteur Attila Albert und zitiert, wie zum Beweis, drei Wissenschaftler:

Uns gegenüber betont Christian-Dietrich Schönwiese allerdings, er habe „Bild“ ein kurzes Telefoninterview gegeben und „dabei gesagt, dass die gegenwärtige Hitzewelle nichts, aber auch gar nichts mit dem Mars oder anderen Planeten zu tun habe“.

Und Gerhard Neukum erklärt uns, er habe die „Bild“-Frage, ob die Planeten, insbesondere Mars, Einfluss auf das irdische Wetter hätten, „klar verneint“.

Bleibt Ulrich Köhler. Er wird in „Bild“, wie er uns sagt, „korrekt“ mit dem Satz zitiert, die Oberflächen-Temperatur des Mars betrage „–60 bis –80 Grad, an den Polen sogar bis –140 Grad“. Allerdings, so fügt Köhler hinzu, sei im Gespräch mit „Bild“ die Frage nach der Marswirkung aufs Erdwetter „gar nicht Gesprächsgegenstand gewesen“. Hätte „Bild“ ihn danach gefragt, hätte er geantwortet:

„Das ist absoluter Quatsch.“

Gedankt sei auch den vielen, vielen Hinweisgebern für ihre Mühe.

„Bild“ entdeckt den idealen Urlaubsort

Astronomen der Nasa haben in knapp 150 Lichtjahren Entfernung erstaunlicherweise einen Planeten in einem System aus drei Sonnen entdeckt, aber eines der größten Rätsel des Universums ist immer noch ungelöst: Warum es der größten deutschen Tageszeitung nicht gelingen will, Artikel über astronomische Themen zu veröffentlichen, die auch nur grob annähernd den Tatsachen entsprechen.

Es wäre eigentlich nicht so schwer. Denn eigentlich sagt die Nasa zu dem Bild aus dem Sonnensystem „HD 188753“, das sie verbreitet, alles, was man wissen muss: Dass es sich um die Illustration eines Künstlers handelt, zum Beispiel. Und dass die Landschaft, die das Bild zeigt, die eines hypothetischen Mondes ist, der um den neu entdeckten Planeten kreist. Der Planet selbst ist die rosafarbene Kugel links oben, es handelt sich um einen Gasriesen.

So schön strahlt der 3-Sonnen-PlanetMan hätte das alles nur lesen und abschreiben müssen. „Bild“ aber nennt die Illustration ein „Foto“. „Bild“ verwechselt den hypothetischen Mond mit dem Gasriesen selbst und tut so, als sei dessen Felswüste die attraktive Oberfläche des Planeten. „Bild“ verwechselt den Namen des Planeten mit dem des Sonnensystems. (Und am Zeitdruck kann es nicht gelegen haben: Die Nachrichtenagentur dpa berichtete — schön auf deutsch — schon am 13. Juli; bei Spiegel Online steht die Geschichte auch schon seit zehn Tagen.)

Und dann strickt „Bild“-Redakteur Attila Albert noch eine lange, fantastische Geschichte darüber, wie es wäre, auf diesem Planeten zu leben:

Es wäre der ideale Urlaubsort. (…)

Am Strand müßte sich keiner ärgern, daß eine Seite verbrannt und die andere blaß ist. Die drei Sonnen bräunen Sie ganz gleichmäßig, besser als im Solarium. (…)

Wer Blumen züchtet, müßte sich nicht mehr über krumme Stiele ärgern. (…)

Nie schlechtes Wetter! Bei drei Sonnen ist es auf dem neuentdeckten Planeten jeden Tag hell und warm.

„Warm“ ist ein interessanter Begriff in diesem Zusammenhang. Die Temperaturen auf dem Planeten werden auf rund 1000 Grad Celsius geschätzt.

Allgemein  

Schönheitschirurg lässt Nase laufen

"Polizei sucht diesen Busen"

Um die Geschichte, die die „Bild“-Autoren Attila Albert und Daniel Cremer da aufgeschrieben haben, mal kurz zusammenzufassen: Der Schönheits-Chirurg Michael A. König sagt, dass vier seiner Patientinnen ihre Schönheits-Operationen nicht bezahlt haben. Und er hat „Bild“ Fotos von Busen und Nase zweier Patientinnen zur Verfügung gestellt. „Bild“ behauptet:

Es sind die wohl ungewöhnlichsten Fahndungsbilder, die Ermittlern je untergekommen sind. Nackte Brüste und eine wohlgeformte Nase — von Frauen, die ihre Rechnung beim Schönheits-Chirurgen nicht bezahlt haben!

Nein, es sind nicht „die wohl ungewöhnlichsten Fahndungsbilder, die Ermittlern je untergekommen sind“. Es sind überhaupt keine „Fahndungsbilder“.

Und dass „Bild“ Unsinn schreibt, erkennt man schon daran, dass Busen- und Nasen-Foto vor den Operationen aufgenommen wurden. Beim Busen steht das sogar so in der Bildunterzeile. Zur Nase (siehe Ausriss) aber schreibt „Bild“:

Nicht bezahlt: Die neue Nase von „Silke“ (23) aus Köln.

Im Text heißt es hingegen über „Silke“:

Sie verschwand vor der Wundversorgung — mitsamt der Tamponaden in ihrer Nase.

Soweit das.

„Bild“-Artikel und „Bild“-Überschrift sind aber auch noch in anderer Hinsicht völliger Unsinn: Die Polizei sucht „diesen Busen“ überhaupt nicht (obwohl „Bild“ das am Ende des Textes sogar nochmal behauptet und schreibt, der Chirurg habe „jetzt die Polizei eingeschaltet“). Ein Sprecher der Kölner Polizei sagt uns, von einer Anzeige in dieser Sache sei ihm nichts bekannt, das Betrugsdezernat jedenfalls sei nicht mit dem Fall befasst. Und der betroffene Chirurg Michael A. König teilt uns auf Nachfrage mit:

Wir haben uns entschieden, keine Anzeigen zu erstatten.

Mit Dank an Jasper K. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 6.10.2006: Auch die „Main-Post“ berichtet übrigens über Michael A. Königs „Busen-Fahndung per Bild-Zeitung“.

Mit Dank an Jochen S.

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