Suchergebnisse für ‘Klima’

Fakenews, Matussek, Unter Linken

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Westerwelle ist zurückgetreten“
(tagesspiegel.de, Elisa Georgi und Florian Wessel)
Tagesspiegel.de erinnert sich an den Fall „Bluewater“ (BILDblog berichtete), der am 10. September 2009 den Puls in der Redaktion ansteigen liess. Elisa Georgi und Florian Wessel bezweifeln, „dass durch diese Art der falschen Berichterstattung die Welt wirklich verbessert werden kann“. „Statt über die ‚Blödheit‘ einiger Journalisten zu lachen und von nun an kritisch an das zu gehen, was man täglich in der Zeitung liest, führen ‚Fakenews‘ eher zu einer Verunsicherung der Leser, welche so schon in der Nachrichtenflut ertrinken.“

2. Interview mit Matthias Matussek
(meedia.de, Christopher Lesko)
Teil 1 eines langen Gesprächs mit Matthias Matussek: „Schauen Sie doch auf Nixon, Tony Blair, Clinton: Lügen verschaffen vielleicht einen kurzen, strategischen Vorteil. Letztlich zahlen sie sich nicht aus und werden von der Wahrheit eingeholt. Dauerhafter sind da schon Wahrheits-Sager wie Ghandi oder Martin Luther King.“

3. „Darf ich vorstellen: Der Embedded Advertiser“
(juliane-wiedemeier.de)
„I♥KR“ steht auf dem T-Shirt einer der Kandidatinnen in der Sat.1-Sendung „Deutschlands Meisterkoch“. Juliane Wiedemeier fragt sich, ob KR ihr Freund ist oder ob es sich um eine „Liebesbekundung für das chemische Element Krypton im Speziellen oder Kommerzienräte im Allgemeinen“ handelt.

4. „‚Heute‘ sabbert sich ein Nacktbild von Sibel Kekilli“
(kobuk.at, Helge Fahrnberger)
Die Gratiszeitung „Heute“ illustriert ein Zitat des Gerichts, dass es Sibel Kekilli nicht mehr zu dulden hat, dass das Fernsehen „nach so vielen Jahren“ Szenen aus einem Porno, in dem sie mal mitgespielt hat, ausstrahlt, „ausgerechnet mit einer Nacktszene aus besagtem Porno“.

5. „Unter Linken – Die Links“
(scienceblogs.de/primaklima, Georg Hoffmann, Videos)
Georg Hoffmann fand den Film „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer „exzellent und sehr lustig und manchmal auch sehr wahr“. Michael Angele auf freitag.de dagegen: „Das Problem ist, dass Fleischhauer in seinem Film nur am Rande als Satiriker auftritt. Er ist auch nicht erkennbar ein Aufklärer.“

6. „This is a news website article about a scientific paper“
(guardian.co.uk, Martin Robbins, englisch)
Eine Anleitung, wie man einen Online-Newsartikel schreibt über eine wissenschaftliche Erkenntnis.

China, Sperrfristen, Content & Curation

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1. „Die China-Berichterstattung in den deutschen Medien“
(boell.de)
Die Heinrich-Böll-Stiftung untersucht detailiert die Berichterstattung deutscher Medien über China (PDF, 304 Seiten, 2,46 MB). Beklagt wird unter anderem Eurozentrismus, eine Fokussierung auf eine konfliktträchtige Kernagenda, eine „teilweise ideologische Berichterstattung“ und ein starker Fokus auf „auf deutsche Elite-Personen und Unternehmen“.

2. „Raufende Ermittlungen“
(sueddeutsche.de, W. Janisch)
Für W. Janisch ist das Klima für Medien, die über laufende Ermittlungen berichten, rauer geworden: „Das liegt auch daran, dass dort ein Geschäftsfeld für Medienrechtsanwälte entstanden ist, die auf der Seite der Betroffenen agieren. Promi-Anwalt Matthias Prinz war ein Wegbereiter, Christian Schertz in Berlin und Michael Nesselhauf in Hamburg gehören zu den aktivsten Klagevertretern.“

3. „hysterie im web2.0 – chronographie einer twitter-ente“
(stenographique.wordpress.com)
Ein lauter Knall in Göttingen und die Folgen bei Twitter: „so schnell die aufregung kam, so schnell ist sie auch wieder verstummt. gerade einmal 15minuten und mehrere hundert nachrichten lagen zwischen panikähnlichen zuständen und business as usual. 11.15 uhr: man wendet sich wieder der kaffeetasse, dem lernskript oder dem terminplaner zu. als wäre nichts gewesen…“

4. „Skandalöse Rezensionspraktiken im Fall Christa Wolf“
(freitag.de/community/blogs, Michael Angele)
Michael Angele beachtet die Sperrfrist des Suhrkamp-Verlags zum neuen Roman von Christa Wolf, andere Medien aber nicht. Das sei auch „ein Betrug am Leser, denn der kann das besprochene Buch ja noch gar nicht kaufen“.

5. „Content Is No Longer King: Curation Is King“
(businessinsider.com, Steve Rosenbaum, englisch)
„‚Content is King‘ — no longer. Today, the world has changed. ‚Curation Is King.'“

6. „Holzmedien versuchen HTML“
(hetjens.com, Philip Hetjens)
Philip Hetjens prüft die Websites einiger deutschsprachigen Zeitungen mit dem W3-Validator. „Im Boulevard scheint gutes HTML beliebt zu sein, aber sonst sieht es oft eher mässig aus. Den Vogel schiesst aber definitiv das Handelsblatt ab: Bei über 1300 Fehler auf der Homepage müssen die schon absichtlich eingebaut werden.“

Meyer-Landrut, Tunnelbau, Lotterie

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1. „Der schönste Mix“
(berlinonline.de, Daniel Bouhs)
Das ZDF sucht derzeit per Ausschreibung einen Dienstleister für die „Produktion von Audio-PR und Auswertung aktueller ZDF-Sendungen“. Daniel Bouhs fragt: „Steht solch eine Praxis einer Programmanstalt gut zu Gesicht, die im Wesentlichen von der Allgemeinheit finanziert wird und deshalb mehr als andere einen sauberen Journalismus fördern sollte?“

2. „Alter Hut statt ‚Enthüllung'“
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Eine Nacktszene von Lena Meyer-Landrut wird als Neuigkeit präsentiert, ist aber schon länger bekannt. Die FAZ dazu: „Es muss ein Skandal her, es braucht Sex and Crime, es muss auch die letzte jugendliche Lichtgestalt in den Dreck gezogen und mit bigotten Kommentaren überzogen werden.“

3. „Abschied vom Besten“
(online-merkur.de, Kathrin Passig)
Kathrin Passig zum Ausspruch von Christoph Keese, es sei die Leistung seines Arbeitgebers Axel Springer, die Rangreihenfolge der Informationen im Netz zu organieren. „Es gibt diese allgemeingültige Rangreihenfolge nicht, und dass Redaktionen eine Weile so tun durften, als gebe es sie, beruhte auf einem Mangel an besseren Lösungen, der mittlerweile behoben ist.“

4. „10 wahnwitzige Dokus bei N-TV und N24“
(fernsehkritik.tv, Video, insgesamt 41:23 Minuten)
Fernsehkritik.tv kommentiert (ab 20:43 Minuten) zehn Dokus, die auf den TV-Sendern N24 und N-TV zu sehen waren. Es geht darin um Themen wie die Ufos der Nazis, den Klimawandel, das Leben von Jesus, Heuschreckenplagen oder den Luftkrieg. Zum Thema Tunnelbau fallen aus dem Off folgende, dramatische Sätze: „Die Grösse der Aufgabe überstieg beinahe jede Vorstellungskraft. Ein Projekt, das den Beteiligten Unmögliches abverlangte – bis sie schliesslich triumphierten. (…)“

5. „Layout Fail“
(failblog.org, englisch)
„Look closely…does that spell what I think it spells?“

6. „Sie haben gewonnen, Herr Hase!“
(20min.ch, Amir Mustedanagic)
Amir Mustedanagic versucht, an die 3 Millionen Euro zu kommen, die er angeblich in der spanischen Lotterie gewonnen hat.

Luxushotels, Zeilenhonorare, Yasmin

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1. „Interessiert eigentlich jemanden, was in Griechenland wirklich passiert?“
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris bemängelt die Vor-Ort-Recherche von „Spiegel Online“ in Athen, die sich statt auf der Straße auf der Dachterrasse eines Luxushotels abspiele. In einem zweiten Beitrag wird geklärt, wann griechische Beamte in Rente gehen können.

2. „Journalisten nicht wie Bittsteller behandeln“
(kress.de, Matthias Spielkamp)
Kress.de dokumentiert eine Rede von Matthias Spielkamp, die unter anderem die manchmal nur aus wenigen Cents bestehenden Zeilenhonorare von freien Journalisten zum Thema hat. Nachtrag, 5. Juni: Inzwischen ist der Text nur noch hier kostenlos zu lesen.

3. „SF: 20 Unterschriften für eine Beschwerde gesucht“
(arlesheimreloaded.ch, Manfred Messmer)
Manfred Messmer dokumentiert eine Beschwerde von Journalist Markus Schär an die „Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen“ UBI. Das Schweizer Fernsehen SF habe „keinen einzigen Beitrag zur Kritik an der Klimaforschung gebracht, auch nicht zur Debatte um den Weltklimarat IPCC und seinen Chef Rajendra Pachauri, die Anfang Jahr weltweit grosses Aufsehen erregte und über die jedes ernstzunehmende Medium berichtete“.

4. „An meine Kritiker“
(zeit.de, Helene Hegemann)
Romanautorin Helene Hegemann kritisiert angesichts der Plagiatsdebatte um ihr Buch „Axolotl Roadkill“, dass viele Journalisten sich weigerten, „die eigentlich wichtigste Tatsache“ mit einzubeziehen: „nämlich dass es sich bei der als Plagiat bezeichneten Menge von (nicht abgeschriebenen, sondern modifiziert in einen komplett anderen Kontext gesetzten) Stellen um zusammen genommen circa eine einzige von 206 Buchseiten handelt. (…) Die genaue Zahl der Stellen wurde konsequent ausgespart, und zwar ausschließlich, weil sie die Luftblase des perfekten Skandals zum Platzen gebracht hätte.“

5. „Yasmin – zurück im Alltag“
(nzz.ch, Alan Niederer)
„Was von der medialen Kritik an der Antibabypille geblieben ist.“

6. „Die anonyme Welt der Geheimnisverräter“
(jungle-world.com, Elke Wittich)
Elke Wittich setzt sich kritisch mit Wikileaks auseinander. Julian Assange, einer der Sprecher der Whistleblower-Plattform, antwortet hier auf den im Text angesprochenen Artikel „Inside WikiLeaks’ Leak Factory“.

IPCC, Mädchen-WG, Heute

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1. „FR zieht Artikel gegen Klimarat zurück“
(wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Die „Frankfurter Rundschau“ zieht einen Artikel vom Februar mit Vorwürfen gegen den Weltklimarat zurück. „Zahlreiche andere Zeitungen innerhalb und außerhalb Deutschlands haben die falschen Vorwürfe gegen das IPCC ungeprüft nachgedruckt, die das Gespann North/Leake in die Welt gesetzt hat.“ Siehe dazu auch die Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler.

2. „Missbrauch light“
(fernsehkritik.tv/blog)
Der Fernsehkritiker stört sich daran, dass das ZDF für den Kinderkanal „derzeit fünf Mädchen zwischen zwölf und vierzehn Jahren für eine Dokusoap namens ‚Die Mädchen-WG'“ sucht. „Was wäre eigentlich, wenn ein Sender wie RTL ‚Die Mädchen-WG‘ produzieren würde? Sofort wären doch alle Jugendschützer und Politiker (zu Recht) auf den Barrikaden.“

3. Interview mit Sheri Fink
(derstandard.at, Michael Kremmel)
„Sheri Fink arbeitet als Journalistin unter Bedingungen, die sich für die allermeisten Journalisten wie Erzählungen aus einer fernen Welt anhören: Weder Geld noch Zeitmangel bei der Recherche, 140 Gesprächspartner und rund ein Dutzend Personen, die aktiv an der Entstehung eines Artikels beteiligt sind. Zwei alleine dafür, damit alle Fakten noch einmal überprüft werden.“

4. „‚Cicero‘ wehrt sich gegen ‚Linksruck‘-Vorwurf“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Alexander Görlach von „The European“ unterschreibt eine Unterlassungserklärung, „die ‚Cicero‘-Chefredakteur Michael Naumann von ihm gefordert hatte“. Görlach dazu: „Wir möchten nicht in einen kostspieligen Prozess und langwierigen Rechtsstreit verwickelt werden. Aus all diesen Gründen haben wir uns entschieden, das Geld lieber in unser Magazin zu investieren. Andernfalls wäre dieses Geld an Anwälte und Gerichte zu zahlen.“

5. „Wieviele Fehler passen in eine Titelgeschichte von ‚Heute‘?“
(kobuk.at, André Pascal Horvath)
Nicht der Staat, sondern die Wirtschaft zahlt die Gehälter, schreibt André Pascal Horvath zur „Heute“-Schlagzeile „Staat zahlt Häftlingen 10 Millionen € Gehalt!“.

6. „SEO-Tipps für Blogger und Journalisten“
(t3n.de)
Suchmaschinenoptimierung ist Alltag in Online-Redaktionen. „t3n“ hat einige Tipps dazu und gibt zu bedenken: „SEO-Maßnahmen machen keinen Sinn, wenn der Artikel darunter leidet!“

Apple, Leserkommentare, VG Wort

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1. „Beten und Steve Jobs danken“
(epd.de, Martin Meuthen)
Martin Meuthen kommentiert das Verhältnis zwischen den Zeitungsverlagen und Apple. „Renommierte Nachrichtenportale schalten Live-Ticker, Fernsehsender bringen Hintergrundberichte, wenn Apple-Guru Steve Jobs gewohnt unrasiert und in einem Aufzug, als käme er gerade aus dem Baumarkt, die neuesten der sogenannten Meilensteine vorstellt. Apple braucht dafür keine Werbung zu schalten, nicht einmal zu machen. Das erledigen die Medien schon von selbst. Kostenlos.“

2. „Test! Test! Test! Test! Test!“
(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)
„Aber, ach, machen wir’s kurz und lösen auf: ‚Der große deutsche IQ-Test by RTL 2‘ bei RTL 2 war kein Versuch, jedenfalls kein absichtlicher. Sondern einfach – schrecklich langweiliges Fernsehen.“

3. „News Sites Rethink Anonymous Online Comments“
(nytimes.com, Richard Pérez-Peña, englisch)
News-Websites überdenken die Frage, ob sich Leser anonym auf ihren Plattformen äussern sollen dürfen.

4. Interview mit Markus Hofmann
(dirkvongehlen.de)
Markus Hofmann erzählt, wie sich die Lage geändert hat, seit auf badische-zeitung.de nur noch mit Klarnamen kommentiert werden kann. „Wir sind der Meinung, dass ein Klima, in dem gepöbelt wird, in dem man sich beleidigt, einfach nicht zu einer Tageszeitung und zu dem Online-Auftritt einer Tageszeitung passt.“

5. „Vergesst das Online-Image!“
(ftd.de, Lucy Kellaway)
Lucy Kellaway rät zu Gelassenheit, was das eigene Image im Internet betrifft. „Als ich das erste Mal etwas Gemeines über mich las, habe ich mich noch aufgeregt. Aber das Leben ging trotzdem weiter, und niemand sonst hatte das Gemeine überhaupt zur Kenntnis genommen. Beim nächsten Mal war ich schon gelassener.“

6. „Wie ihr als Autor Tantiemen für Online-Texte von der VG Wort bekommt“
(berufung-selbststaendig.de, Elke Fleing)
In einem Whitepaper (PDF-Datei, 9 Seiten) erklärt Elke Fleing, wie man Online-Texte der VG Wort meldet.

Dauerstagnation, Newsroom, Drogen

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1. „Die Bild-Zeitung und die Masters-Tickets“
(linksgolfer.blogger.de, Rüdiger Meyer)
„Ticket-Preise für Masters-Turnier verzwölffacht“, titelt „Bild“. Tatsächlich sind die Ticketpreise für dieses Golfturnier schon lange so hoch: „Die richtige Schlagzeile hätte also gelautet: ‚Ticketpreise fürs Masters-Turnier um 10% gestiegen‘. Aber das wäre der Bild sicher nicht reißerisch genug gewesen.“

2. „Die Rückkehr der analogen Ritter“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Viele Printredaktionen würden sich heute „erstarrt, verstaubt, irrelevant“ präsentieren. „Auf den Gedanken, dass sie an ihrer Dauerstagnation selbst schuld sind und dass sich viele Leser/Zuschauer auch deswegen von ihnen abgewendet haben, weil sie den Charme und den Esprit einer Krankenversicherung ausstrahlen, sind sie bis heute nicht gekommen. Internet, böses. Blogger, doofe.“

3. „Warum Online-Werbung wichtig fürs Web ist“
(spiegel.de, Frank Patalong)
Frank Patalong über die Nutzung von Werbeblockern: „Je medienaffiner die Nutzer sind, desto häufiger setzen sie Blocker ein. Es sind also die Nutzer mit dem größten Interesse und Verständnis für Inhalte, die den meisten Schaden verursachen.“

4. „Spannende Recherche im Netz“
(verdi.de, Christiane Schulzki-Haddouti)
Ein Text über die Daten, die Staaten zur Verfügung stellen. „Deutsche Journalisten können die Entwicklung in der angelsächsischen Welt nur mit Wehmut betrachten. Basis sind nämlich verschiedene Informationszugangsrechte, die dort ganz andere Dimensionen haben als in Deutschland.“

5. „Newsroom“
(hossli.com, Peter Hossli)
Eine ausführliche Reportage aus den neuen Redaktionsräumen der „Blick“-Gruppe des Ringier-Verlags. Der Newsroom alleine kostete 7 Millionen Franken (=4.9 Millionen Euro), dafür nutzt seine Heizung auch die „Temperaturunterschiede des Zürichsees“. „Reporter dürfen nicht mehr am Computer essen. Pflanzen gibt es keine. Die Räume sind klimatisiert, die Kaffeemaschinen mit Touchscreens versehen.“

6. „Newspapers are the biggest threat to the nation’s mental wellbeing“
(guardian.co.uk/commentisfree, Charlie Brooker, englisch)
Charlie Brooker beschreibt seine Drogenerfahrungen und kommt auf die Droge Zeitung zu sprechen. „Unfortunately, facts are expensive, so to save costs and drive up sales, unscrupulous dealers often ‚cut‘ the basic contents with cheaper material, such as wild opinion, bullshit, empty hysteria, reheated press releases, advertorial padding and photographs of Lady Gaga with her bum hanging out.“

Bild  

Der bodenlose Hass in Nigeria

Die Frage, die eigentlich keine ist, ist eines der meist benutzten Stilmittel der „Bild“-Redaktion. Wie man ein Fragezeichen vollkommen ad absurdum führt und wenig elegant mit feindseligen Ressentiments verknüpft, das demonstrierte „Bild“ gestern einmal mehr in einem Beitrag anlässlich des Todes von 500 Nigerianern:

Christenhass! Was treibt die blutrünstigen Moslems ab?

Nun, was treibt solch „blutrünstige“ Muslime wohl an? Die Antwort bleibt „Bild“ schuldig und zwar zwangsläufig. Nicht nur sprachlich ergibt es keinen Sinn, dass die nigerianischen Moslems gleichzeitig „blutrünstig“ und vom „Christen-Hass“ getrieben sein sollen, weil „blutrünstig“ wortwörtlich „aus Mordlust“ bedeutet, also: ohne Grund, außer dem Willen zum Mord.

Aber auch sonst pflegt „Bild“ in seiner Berichterstattung aus Nigeria ein eher laxes Verhältnis zu Wahrheit und Faktenlage — und bedient nach Möglichkeit islamophobe Klischees: Das am Golf von Guinea, also am Atlantischen Ozean, gelegene Nigeria ist natürlich keineswegs ein „zentralafrikanisches Land“, wie „Bild“ behauptet. Und dass im Januar dieses Jahres 300 Muslime von Christen umgebracht worden waren, wie Ulrich Delius von der Gesellschaft für Bedrohte Völker dem Deutschlandfunk erläutert, findet in „Bild“ ebensowenig Erwähnung wie der Klimawandel, der in Nigeria einen Konflikt um fruchtbares Ackerland entfacht hat.

Stattdessen erweckt „Bild“ wie schon im Januar (BILDblog berichtete) den falschen Eindruck, es handle sich in Nigeria um eine Religionskonflikt mit ausschließlich christlichen Opfern, und wählt dafür einen besonders drastischen und gruselerregenden Einstieg in den Beitrag:

Die Kinder liegen in ihren bunten Kleidern im Staub des Dorfes, das einmal ihr Zuhause war. Zerhackt mit Macheten, erschossen, zu Tode gehetzt! Sie starben, weil sie an Gott glaubten!

Dass das so nicht stimmt, hätte man bei „Bild“ schon merken können, wenn man auch bloß den eigenen Text zu Ende gelesen hätte. In diesem bestätigt nämlich ausgerechnet ein Vertreter des Vatikans, dass der Massenmord in Nigeria tatsächlich eher nichts mit Religion, dafür aber sehr viel mit dem Klimawandel und dem durch Austrocknung knapp werdenden Ackerland zu tun hat.

Und wenn man ganz, ganz genau hinschaut, dann findet sich in einer der sich selbst beantwortenden Pseudofragen von „Bild“ sogar ein Hinweis auf eben diese Ackerbodenproblematik:

Woher kommt der bodenlose Hass auf Christen?

Jugendpresse, Winnenden, Balzac

6 vor 9

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1. „Fernbedient“
(jpbw.de, PDF-Datei, 1.7 MB)
Die aktuelle Ausgabe von „Noir“, dem Magazin der Jugendpresse, widmet sich den Medien. Unter anderem geht es um versteckte Werbung bei den Jugendzeitungen „Spiesser“ und „Yaez“.

2. „Bis zur letzten Träne“
(taz.de, Ingo Arzt)
Es naht der Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden und „mit ihm die nächste Presseinvasion“: „Man kann sich tausend Mal sagen: Bevor ich als Journalist die Opfer eines solch traumatischen Erlebnisses behellige, hänge ich meinen Job an den Nagel. Und wenn es so weit ist, dann muss eine Zeitung voll werden.“

3. „Der Hinterweltler und die Ignoranz“
(begleitschreiben.twoday.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig schreibt über die Flut von Angeboten, denen der Medienkonsument mit Aufkommen von neuen Medien gegenübersteht und den „Überforderungs-Klagediskurs“ dazu: „Ja, natürlich gibt es schreckliche Webseiten, Onlinemagazine und Blogs. Oder einfach nur banale. Aber es gibt auch schreckliche und banale Bücher, Filme, Fernsehsendungen, Theaterstücke, Zeitschriften und Zeitungen ohne dass deshalb das Medium kollektiv verworfen wird. Warum wird also die Polyphonie wenn nicht als Gewinn so doch mindestens als Inspiration empfunden?“

4. „Kleine Fehler, grosse Wirkung“
(nzz.ch, Sven Titz)
Sven Titz listet nochmals die Fehler des Uno-Klimarats auf, die von den Medien groß ausgebreitet wurden. „Klimaforscher räumen die Patzer mehr oder weniger ein, beklagen aber Fehlinformationen und Übertreibungen, vor allem durch britische Medien.“

5. „Journalisten, nicht nur nach Balzac“
(jungle-world.com, Stefan Ripplinger)
Stefan Ripplinger widmet sich Honoré de Balzac und dem „Schreckenskabinett seiner Journalisten, dieser mürrischen, unterbezahlten, ausgehungerten, ressentimentgeladenen, mitunter auch erschreckend einfallsreichen Lohnschreiber und verhinderten Dichter“.

6. „Spiegel-Bild“
(ralkorama.blogspot.com)
Gleiches Foto, fast gleiche Schlagzeile. Zwischen dem „Spiegel“ und „Bild“ ist online kaum ein Unterscheid auszumachen. In einem Fall.

Hauptsache, es schockt

Nur 20 Medaillen werde das Deutsche Team bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver gewinnen, berichtet Bild.de unter Berufung auf den Wirtschaftsprofessor Daniel K. N. Johnson, der seit einigen Jahren mit erstaunlicher Präzision anhand von Faktoren wie Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerungszahl, und Klima die Anzahl der gewonnenen Medaillen pro Land voraussagt:

Nur 20 Medaillen für Deutschland - Harvard-Professor: Schock-Prognose für Olympia

Nicht 20, aber immerhin sechs Mal findet sich auf der Seite bei Bild.de das Wort „Harvard“, welches mit erstaunlicher Präzision nicht die Universität bezeichnet, an der Johnson lehrt und seine Vorhersage veröffentlicht hat.

Johnson nämlich ist Wirtschaftsprofessor am Colorado College in Colorado Springs, Colorado, was auch den Mitarbeitern von Bild.de hätte auffallen können, wenn sie auf den Briefkopf der von ihnen so ausführlich zitierten Voraussage (PDF) geschaut hätten.

In Harvard war Johnson ein einziges Semester lang tätig, wie seinem Lebenslauf (PDF) zu entnehmen ist. Aber immerhin hat er dort gemeinsam mit einer Studentin das Vorhersageverfahren entwickelt.

Mit Dank an Tom Z.

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