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KW 31/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Berichten wir falsch über die Klimakrise?
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:16 Minuten)
In dieser Folge von “BR24 Medien” thematisiert Sophie Morár die abnehmende Präsenz der Klimakrise im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Hintergrund ist eine aktuelle Studie (PDF) der Initiative Klima° vor acht. Im Studio mit dabei: Lea Dohm, Psychologin und aktiv bei “Psychologists for Future”, Claudia Reiser, Klimajournalistin beim MDR und der ARD-Klimaredaktion, und Özden Terli, Meteorologe und Wettermoderator beim ZDF.

2. Berichterstattung über Waldbrände und Gema vs. Suno AI
(wdr.de, Steffi Orbach, Audio: 43:06 Minuten)
Die WDR5-Sendung “Töne, Texte, Bilder” deckt ein breites Spektrum aktueller Medienthemen ab: ARD-Korrespondent Michael Heussen schildert die Herausforderungen der Berichterstattung vor Ort aus den Waldbrandgebieten in Südwestfrankreich. Musikerin Ella Rohwer ordnet ein noch nicht rechtskräftiges Urteil zugunsten der GEMA gegen das KI-Musikunternehmen Suno AI ein. Außerdem geht es um die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte und den Einfluss von Künstlicher Intelligenz im israelischen Wahlkampf. Abgerundet wird die Ausgabe durch eine Glosse zum medialen Sommerloch von Philipp Anft.

3. Desinformation: Wie sie unseren Umgang mit Wissen ruiniert
(deutschlandfunknova.de, Romy Jaster, Audio: 53:53 Minuten)
In ihrem Vortrag an der Europa-Universität Viadrina warnt die Philosophin Romy Jaster von der Berliner Humboldt-Universität vor den strukturellen Folgen von Desinformation. Das Problem von “Fake News” beschränke sich nicht nur auf das Erzeugen konkreter Falschannahmen, sondern greife das Wissenssystem als Ganzes an. Durch Strategien wie das gezielte Überfluten des öffentlichen Raums mit Falschinformationen (“Flood the Zone with Shit”) werde die Aufmerksamkeit der Rezipienten überlastet und die Fähigkeit zur begründeten Urteilsbildung untergraben.

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4. Liquid Content: So verändert KI den Journalismus
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 33:41 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Sascha Devigne, Chefredakteur vom regionalen Fernsehsender Studio 47, über das Konzept des “Liquid Content”. Dabei würden gründlich recherchierte journalistische Inhalte nicht mehr starr für ein einzelnes Medium produziert, sondern dank moderner Künstlicher Intelligenz modular und flexibel für unterschiedlichste Zielgruppen und Plattformen aufbereitet: “Es geht um neue Arbeitsweisen, veränderte Berufsbilder und die Frage, wie journalistische Inhalte in einer fragmentierten Medienwelt möglichst viele Menschen erreichen können.”

5. Das goldene Zeitalter? Wie Communitys, Non-Profit-Redaktionen und TikTok den Journalismus prägen (mit Pauline Tillmann)
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 56:29 Minuten)
Bei “This is Media Now” diskutiert Lukas Schöne mit der Journalistin, Gründerin und Trainerin Pauline Tillmann über die Zukunftsfähigkeit und die Qualitätskriterien des modernen Journalismus. Tillmann vertritt die Auffassung, dass das “goldene Zeitalter des Journalismus” trotz des massiven wirtschaftlichen Drucks weiterhin bestehe. Sie plädiert für einen konstruktiven Journalismus, der Betroffene als handelnde Subjekte porträtiert, sowie für den gezielten Ausbau von Community-Formaten und die Nutzung von Plattformen wie TikTok im Lokaljournalismus.

6. Geheime TikTok-Deals enthüllt: Das dreckige Geschäft mit der Aufmerksamkeit
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 30:25 Minuten)
Mats Schönauer enthüllt mutmaßlich illegale Marketingpraktiken und Schleichwerbekampagnen, die sich gezielt an Jugendliche auf TikTok und anderen Plattformen richten: “Ich habe exklusiv Zugriff auf Dokumente bekommen, die zeigen, wie Unternehmen mit Schleichwerbung und Algorithmus-Manipulation die Plattformen und Communities täuschen.” Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Anstalt vs. “Anstalt”, Unmut beim DLF, Trump verhökert seine Posts

1. Wir­k­lich ein “Ein­griff in die Mei­nungs- und Kunst­f­rei­heit”?
(lto.de, Jacob Hoffmann)
Das ZDF hat einen geplanten Auftritt des Rappers Danger Dan und des Pianisten Igor Levit in der 100. Ausgabe der Satire-Sendung “Die Anstalt” kurzfristig gestrichen. Die Musiker wollten dort Danger Dans antifaschistischen Song “Keine Angst” präsentieren, der sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus befasst. Die ZDF-Intendanz untersagte den Auftritt mit der Begründung, der Text überschreite die Grenze zum Aufruf zu Gewalt und zur Selbstjustiz, was den hauseigenen Programmrichtlinien widerspreche. Jacob Hoffmann ordnet das Geschehen juristisch ein.
Weiterer Lesetipp: Das ZDF hat in einem Beitrag in eigener Sache Stellung bezogen: “Keine Angst”: Warum das ZDF keinen Gewaltaufruf sendet.
Und noch ein Gucktipp: In der ZDF-Sendung “Aspekte” hat Jo Schück mit Expertinnen und Experten gesprochen: “Was sind die Hintergründe für diese Entscheidung? Wie ist dieser Song juristisch einzuschätzen? Wo sind die Grenzen der Kunstfreiheit? Und welche Mittel sind im Kampf gegen den Rechtsextremismus erlaubt?” (zdf.de, Video: 15:11 Minuten)

2. Funken für die neue Medienwelt
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Der Deutschlandfunk plane ab dem 30. November eine umfassende Programmreform, die tägliche Fachmagazine wie “Forschung aktuell” oder das Medienmagazin “Mediasres” streiche und deren Inhalte stattdessen in größere Informationsstrecken sowie monothematische Hintergrund-Podcasts einbette. In der Belegschaft und bei der Freienvertretung rege sich massiver Unmut. Auch der Deutsche Journalisten-Verband warne vor einem Verlust an publizistischer Vielfalt und fachlicher Tiefe.

3. Wissenschaftsjournalismus aus der Hölle: Der Boulevard und seine “Studien”
(kobuk.at, Sophie Tiganas)
Eine Analyse des Medienblogs “Kobuk” entlarvt den österreichischen Boulevard (“Krone”, “Oe24”, “Heute”) und dessen systematisch irreführende Berichterstattung über wissenschaftliche Erkenntnisse. Im Jahr 2025 hätten demnach fast die Hälfte von rund 1.500 untersuchten Artikeln Studien verzerrt, unvollständig oder schlicht falsch präsentiert. Die Redaktionen hätten dabei verharmlosende Werbeumfragen von Dating-Plattformen oder Firmen als “Schock-Studien” genutzt, massive methodische Mängel verschwiegen oder komplexe Nuancen in Panik-Schlagzeilen verwandelt.

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4. Untersuchung: ARD und ZDF berichten weniger über Klimakrise
(medien.epd.de)
Eine automatisierte Programmanalyse der Initiative “Klima vor acht” zeige, dass die öffentlich-rechtliche Klimaberichterstattung im ersten Halbjahr 2026 deutlich abgenommen habe. Die Kürzungen träfen laut der Untersuchung ausgerechnet ein Halbjahr mit extremen Hitzewellen. Klimafragen hätten fast nur noch dann mediale Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie an politische Konflikte gekoppelt gewesen seien, wie den Koalitionsstreit um das Heizungsgesetz oder den Petersberger Klimadialog.

5. Wie wir Hass bekämpfen, ohne die Freiheit des Wortes zu verlieren
(netzpolitik.org, Johannes Masing)
In einer Grundsatzrede auf dem Kongress “Wehrhafte Demokratie”, dokumentiert von netzpolitik.org, warnt der Rechtswissenschaftler und ehemalige Bundesverfassungsrichter Johannes Masing vor einer inhaltlichen Aushöhlung der Meinungsfreiheit durch den Staat. Das Grundgesetz gewähre die Meinungsfreiheit im Vertrauen auf die freie Auseinandersetzung prinzipiell auch den Feinden der Freiheit. Inhaltliche Grenzen würden für Bürgerinnen und Bürger als Individuen oder Vereinigungen nicht existieren, solange Äußerungen friedlich bleiben und nicht in aggressive Rechtsgutverletzungen umschlagen.

6. Trump will sich Expresszugriff auf seine Social-Media-Posts bezahlen lassen
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump wolle über sein Medienunternehmen Trump Media & Technology Group künftig den schnellen Zugriff auf seine eigenen Onlinebotschaften monetarisieren. Mit dem neuen Bezahlangebot “Truth API”, das am 1. August starten soll, könnten Abonnentinnen und Abonnenten gegen Gebühr einen lizenzierten Echtzeitzugriff auf die Beiträge reichweitenstarker Konten der Plattform Truth Social erhalten. Da Trumps Äußerungen regelmäßig weltweite Schlagzeilen auslösen und Finanzmärkte bewegen, richte sich der Dienst vor allem an Börsenhändler und Finanznachrichtendienste, für die ein Zeitvorsprung im Sekundenbruchteil entscheidend sein kann.

Weimer ändert Verfahren, Erfolg für HateAid, Deutschlandfunk-Reform

1. Weimer ändert Auswahlverfahren beim Deutschen Verlagspreis
(deutschlandfunk.de)
Nach dem anhaltenden Wirbel um den Deutschen Buchhandlungspreis habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Auswahlverfahren für den Deutschen Verlagspreis geändert. Künftig treffe der Kulturstaatsminister die finale Auswahl der auszuzeichnenden unabhängigen Verlage selbst, basierend auf den Empfehlungen der Jury. Ein Veto dürfe er laut einem Sprecher nur einlegen, wenn verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse zu den Nominierten vorliegen. Zudem werde ein neues Beratungsgremium mit Fachleuten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Kurt-Wolff-Stiftung installiert, um etwaige Streitfälle zu klären.

2. EU-Kommission verlangt grundlegende Änderungen von Instagram und Facebook
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die Europäische Kommission habe dem Social-Media-Konzern Meta in einem vorläufigen Ermittlungsergebnis Verstöße gegen den Digital Services Act vorgeworfen. Facebook und Instagram würden durch Mechanismen wie endloses Scrollen, automatische Wiedergabe und hochgradig personalisierte Empfehlungen ein süchtig machendes Design verwenden, das zwanghaftes Nutzungsverhalten fördere. Zudem schütze der Konzern Minderjährige unzureichend vor exzessiver Nutzung in der Nacht. Bei einer finalen Feststellung des Verstoßes könnten Meta Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen.

3. Erfolg für HateAid: AfD-Abgeordneter entfernt ein Dutzend Falschaussagen aus “NGO Files”
(hateaid.org)
Die gemeinnützige Organisation HateAid berichtet in eigener Sache, dass man einen juristischen Erfolg gegen gezielte Diffamierungskampagnen aus dem AfD-Umfeld erzielt habe. Wie die NGO mitteilt, habe der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Maack (Betreiber der Plattform “NGO Files” und Sprecher einer fraktionseigenen Arbeitsgruppe) nach einer Abmahnung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. Maack habe auf einer Website systematisch Falschbehauptungen über die Organisation verbreitet. HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg betont, wie wichtig die Gegenwehr sei, da Falschinformationen im Netz andernfalls schleichend zu gefühlten Fakten würden.

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4. Friedrich Küppersbusch: “Analoges Fernsehen ist was für Leute über 60”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Wie Senta Krasser bei “DWDL” berichtet, blicke der Journalist und Produzent Friedrich Küppersbusch, einst prägendes Gesicht des WDR-Politmagazins “ZAK”, kritisch auf die schwindende Experimentierfreude des linearen Fernsehens. Dass er mit seiner Kölner Firma probono ausgerechnet zum 75. Geburtstag der ARD die erfolgreichste Primetime-Doku des Jahres 2025 für den Senderverbund produzierte, empfinde er selbst als Ironie. Seine persönliche kreative Befreiung erlebe der 65-Jährige ohnehin seit 2020 auf seinem eigenen YouTube-Kanal “Küppersbusch TV”, der Anfang 2026 die Marke von 100.000 Abonnenten geknackt hat.

5. Orientierung statt Reichweite
(djv.de, Hendrik Zörner)
Gemeinsam mit einem Bündnis aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Klima- und Verbraucherschutzverbänden fordert der Deutsche Journalisten-Verband Korrekturen bei der geplanten Programmreform des Deutschlandfunks. In einem offenen Brief warnen die Organisationen vor einem Verlust an publizistischer Tiefe, Fachkompetenz und redaktioneller Kontinuität. Es bestehe die Gefahr, dass komplexe Zusammenhänge und Themen abseits des schnellen Nachrichtenzyklus hinter der tagesaktuellen Berichterstattung zurücktreten müssten.

6. Comedy-Presseschau
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In der aktuellen Ausgabe seiner “Comedy-Presseschau” greift Bernhard Hiergeist die Debatten der Stand-up-Welt auf, darunter Dieter Nuhrs jüngste Äußerung über Femizide. US-Kritiker Seth Simons warne derweil vor dem Satz “Funny is funny”. Abgerundet wird der Überblick von einem Hinweis auf Stefan Stuckmanns Kritik an der hiesigen TV-Landschaft sowie von Berichten über 35 Jahre “Quatsch Comedy Club” und verdeckte Marketing-Kampagnen hinter viralen Onlinetrends.

KI-generierte Nachrichten, “Saure Froschfresse”, Herausgabebeschluss

1. Hilfe, die KI-generierten Nachrichtenseiten sind da
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Wie Andrea Gutschi berichtet, dringen KI-generierte Nachrichtenseiten wie “Weltstimme” oder “Brandaktuell” mit erfundenen Redaktionsprofilen auf den österreichischen Medienmarkt. Ihre täglich Dutzenden Artikel würden fast vollständig auf Plagiaten realer Medien basieren, deren Texte automatisiert umgeschrieben und deren Fotos ohne Hinweis übernommen würden. Bei der werbefreien “Weltstimme” würden falsche Impressumsangaben und unbelegte Berichte zum Ukraine-Krieg auf russische Einflussnahme hindeuten.

2. Echt jetzt!? KI in den Nachrichten
(ndr.de, Lisa Beusch, Video: 14:19 Minuten)
Ein versehentlich ausgestrahltes KI-Video in der ZDF-Nachrichtensendung “heute journal” habe bei dem öffentlich-rechtlichen Sender eine schwere Krise ausgelöst und zeige, wie verletzlich Redaktionen mittlerweile seien. Gegenüber dem NDR-Medienmagazin “Zapp” räumt ARD-aktuell-Chefredakteur Marcus Bornheim ein, dass ein solches Durchrutschen von Fake-Material jede Redaktion treffen könne. “Zapp”-Reporterin Lisa Beusch ist der Frage nachgegangen, was für Schlüsse daraus zu ziehen sind.

3. “Letzte-Gene­ra­tion”-Beschluss ist trotz Sorge vor Straf­ver­fol­gung her­aus­zu­geben
(lto.de, Markus Sehl)
Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein habe entschieden, dass das Landgericht Flensburg eine wichtige Entscheidung über die Klimagruppe “Letzte Generation” veröffentlichen müsse. Das Landgericht habe befürchtet, dass sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strafbar machen könnten, weil das Gerichtsverfahren noch laufe und es ein Gesetz gebe, das die Veröffentlichung von Dokumenten aus laufenden Verfahren verbiete. Das Verwaltungsgericht habe zudem kritisiert, dass es Journalistinnen und Journalisten in Deutschland oft zu schwer gemacht werde, direkt aus Gerichtsunterlagen zu zitieren.

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4. Kriegsbilder in sozialen Medien lösen bei Jugendlichen Belastungssymptome aus
(deutschlandfunk.de)
Bilder und Videos von Krieg und Gewalt in Sozialen Medien würden bei vielen jungen Menschen psychische Belastungssymptome auslösen. Dies sei das Ergebnis einer Studie der Universität Regensburg, für die 2.000 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 21 Jahren befragt worden seien. Demnach hätten 93 Prozent der Befragten solche Inhalte bereits online gesehen. Ein Viertel von ihnen berichte über Vermeidungsverhalten, 15 Prozent über erhöhte Anspannung und zehn Prozent über Schlafprobleme. Die Studienautorinnen und -autoren würden deshalb fordern, die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken und die Verbreitung von Gewaltdarstellungen auf Plattformen strenger zu regulieren.

5. ORF in der Krise: Der Fisch stinkt vom Kopf her
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF befinde sich in der tiefsten Krise seiner Geschichte, wofür Medienberichten zufolge vor allem der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer verantwortlich gemacht werde. Bei “DWDL” kommentiert Timo Niemeier: “Heinz Lederer ist Teil des Problems. Das ist nach den vergangenen Wochen und Monaten allzu offensichtlich. Dass er trotz der für Österreich-Verhältnisse großen Kritik an seinem Sessel klebt und alles an ihm abperlt, passt aber irgendwie auf tragische Art und Weise. Denn auch das ist Österreich wie es leibt und lebt.”

6. »Berliner Zeitung« verliert gegen Böhmermann im Streit über »saure Froschfresse«
(spiegel.de)
Das Landgericht Köln habe der “Berliner Zeitung” per Versäumnisurteil untersagt, eine Falschbehauptung über den Satiriker Jan Böhmermann zu verbreiten. Das Blatt habe fälschlicherweise berichtet, Böhmermann habe in seinem Podcast “Fest und Flauschig” den Journalisten Ulf Poschardt als “saure Froschfresse” bezeichnet. Tatsächlich stamme die Äußerung jedoch von Böhmermanns Kollegen Olli Schulz, der damit Poschardts Mimik in einer Debatte mit der Journalistin Melanie Amann beschrieben habe. Da die “Berliner Zeitung” keinen Einspruch eingelegt habe, habe sie ihren Artikel um eine Richtigstellung ergänzen und an Böhmermann rund 600 Euro zahlen müssen.

KW 27/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Türkei: Pressefreiheit unter Druck
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 25:19 Minuten)
Benjamin Weber, Türkei-Korrespondent der ARD, und Christiane Schlötzer, ehemalige Türkei-Korrespondentin der “Süddeutschen Zeitung”, zeichnen bei “BR24 Medien” ein düsteres Bild der Pressefreiheit in der Türkei. Im Vorfeld des anstehenden NATO-Gipfels in Ankara sei es erneut zu einer Festnahmewelle von Journalisten und willkürlichen Akkreditierungsverweigerungen gekommen. Kritisiert wird auch das Verhalten der EU und der Bundesregierung, die die anhaltenden Menschen- und Medienrechtsverletzungen weitgehend schweigend hinnähmen.

2. Studie: Wie die “Heizungshammer”-Kampagne der BILD Mainstream wurde und das Heizungsgesetz letztlich kippte
(wochendaemmerung.de, Katrin Rönicke & Holger Klein, Audio: 21:56 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe der “Wochendämmerung” wird eine neue wissenschaftliche Untersuchung zur “Heizungshammer”-Kampagne der “Bild”-Zeitung besprochen. Ein Forschungsteam der TU Dortmund, der University of Oxford und des Öko-Instituts habe darin hunderte Artikel des Boulevardblatts zur Reform des Gebäudeenergiegesetzes aus dem Jahr 2023 analysiert. Die Studie zeige, wie das aggressive, populistische Framing der “Bild”-Redaktion das Thema emotional aufgeladen habe. Die mediale Dynamik habe schlussendlich maßgeblich zum Aus des Gesetzes im Jahr 2026 beigetragen.

3. Alte Probleme, neue Herausforderungen
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 35:45 Minuten)
Im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss” diskutieren die Investigativjournalistinnen Angelique Geray (RTL) sowie Isabell Beer und Isabel Ströh (NDR) über den Wandel ihres Handwerks. Die Grundidee, Missstände aufzudecken, sei seit den Zeiten Günter Wallraffs gleich geblieben. Die Methodik habe sich durch das Internet und Soziale Medien jedoch drastisch verändert. Bei ihren prämierten Undercover-Recherchen in rechtsextremen Jugendgruppen (“Braune Kinderzimmer”) und digitalen Vergewaltigungsnetzwerken (“Rapetapes”) gehe die digitale Arbeit im Vergleich zu früher mit neuen Risiken wie KI-Gesichtserkennung, Doxing und immensen psychischen Belastungen einher.

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4. Wo bleibt der mediale Druck auf Politiker, sich zur Klimakrise zu äußern?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:28 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast hat Holger Klein den Mitgründer des Netzwerk Klimajournalismus Jürgen Döschner zu Gast. In ihrem Gespräch geht um die “Hitzeberichterstattung”: “Wie kann das Klima auch abseits von Hitzewellen Teil der täglichen Berichterstattung werden? Warum braucht es dafür erst eine dramatische Hitzewelle? Und welche Rolle spielt ein womöglich klimamüdes Publikum?”

5. Hauptstadtjournalismus im Wandel: Zwischen Social Media und Tagesschau
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 32:56 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” hat sich Christian Jakubetz mit dem ARD-Hauptstadtkorrespondenten Philip Kuntschner unterhalten. Thema ist Kuntschners Arbeit als Politikjournalist in Berlin und sein Weg vom bayerischen Regionaljournalismus in die Hauptstadt. Es geht darum, wie Soziale Medien und die Digitalisierung den Beruf verändern, und um die Frage, wie Journalistinnen und Journalisten exklusive Geschichten finden. Außerdem sprechen die beiden über die Fragen von Haltung und professioneller Distanz.

6. Marinićs Freiheit: Nu(h)r Femizide?
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 35:23 Minuten)
Jagoda Marinić spricht in dieser Solo-Folge von “Freiheit Deluxe” über die hitzige öffentliche Debatte rund um einen geschmacklosen Witz des Comedians Dieter Nuhr, den dieser auf Kosten von Opfern von Femiziden gemacht habe. Sie analysiert, warum dieser Vorfall so heftige, emotionale Reaktionen bei Befürwortern und Kritikern auslöst: Wer hat sich durch die Kritik angegriffen gefühlt? Und was sagt die Diskussion über den aktuellen Zustand der Gesellschaft aus?

KI-Firmen kaufen Antiquariate leer, Alte “Bild”-Meldungen, RTL-Saison

1. KI-Firmen kaufen Antiquariate leer – und vernichten die Bücher
(srf.ch, Sven Ahnert)
KI-Unternehmen würden mutmaßlich europäische Antiquariate leerkaufen, die Bücher als Trainingsdaten einscannen und danach wegwerfen. Ein kanadisches Unternehmen namens Zoom Books habe palettenweise vergriffene Sachbücher und Romane geordert, gezielt je ein Exemplar pro Titel. Dahinter stehe vermutlich ein Konstrukt aus dem US-Urheberrecht: Wer Bücher physisch besitze und nach dem Scannen vernichte, könne sich auf das Fair-Use-Prinzip berufen. Gedruckte Bücher seien begehrt, weil die frei zugänglichen Onlinetexte für das Training weitgehend ausgeschöpft seien.

2. Nein, alte “Bild”-Meldungen widerlegen nicht den Klimawandel
(zdfheute.de, Oliver Klein)
In den Sozialen Medien würden tausendfach geteilte alte “Bild”-Schlagzeilen auftauchen, die mit Hitzemeldungen von 1957 und 1975 den Klimawandel infrage stellen sollen. Die Schlagzeilen seien zwar echt, ihre Verwendung aber irreführend: Die “56 Grad” von 1957 seien im Inneren eines Uhrgehäuses gemessen worden, die “40 Grad” von 1975 nur eine Prognose gewesen, die damals nirgends erreicht worden sei. Oliver Kleins Fazit: “Meldungen über einzelne Hitzewellen in den 50er- oder 70er-Jahren beweisen nicht, dass das Klima in Deutschland damals bereits ähnlich heiß war wie heute. Der Trend, dass die Temperaturen in Deutschland und der ganzen Welt ansteigen, ist hingegen gut belegt.”

3. Endlich ich!
(taz.de, Adrian Lobe)
Adrian Lobe argumentiert in seinem Kommentar, KI könne pseudoobjektive Diskurssimulation gut, und genau deshalb müsse der Journalismus persönlicher werden. Anlass seien die KI-generierten Texte des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt in der “FAZ” und des Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner in der “Welt am Sonntag”. Faktenlastige Standardware wie Agenturmeldungen und Länderporträts könne die Maschine übernehmen. Was KI jedoch nicht könne: eigene Eindrücke sammeln und Stimmungen einfangen.

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4. SEED-​Newsletter Nr. 37
(netzwerkrecherche.org)
Thomas Schnedler warnt im Editorial des “SEED”-Newsletters des Netzwerk Recherche davor, dass der Lokaljournalismus auf dem Land immer schwächer werde. Anlass sei eine Bilderstrecke im AfD-Blatt “Blauer Mut”, das der Thüringer Gratiszeitung “Bürgerzeit aktuell” beiliege. Zwei Bilder würden dasselbe Freibad zeigen: “früher” friedlich, “heute” voller Müll und Gewalt mit Menschen, die wie das AfD-Bild von Migranten aussähen. Die Bilder seien offenbar von einer Künstlichen Intelligenz erzeugt, ohne dass darauf hingewiesen werde. Solche kostenlosen Anzeigenblätter sprängen dort ein, wo es kaum noch echte Lokalzeitungen gebe, und könnten so rechte Botschaften unauffällig verbreiten. Das Netzwerk Recherche fordere deshalb, guten Lokaljournalismus zu stärken.

5. Wer weiß wie wann was mit Raab am besten funktioniert?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
In seiner Bilanz zur RTL-Saison 2025/26 stellt Timo Niemeier fest, dass der Versuch einer wöchentlichen Stefan-Raab-Show auch im zweiten Jahr gescheitert sei. Die Sport-Strategie mit 2. Fußball-Bundesliga und NFL bringe nur überschaubare Reichweiten, während Länderspiele und Einzelevents wie die Basketball-EM erfolgreich gewesen seien. Die eigentliche Stärke des Senders liege in Dauerbrennern wie “Ich bin ein Star”, “Wer wird Millionär?” und “Let’s Dance”, die ihre Marktanteile stabil gehalten hätten.

6. Co-Regis­­seur von “Kau­­litz & Kau­­litz” muss genannt werden
(lto.de)
Das Oberlandesgericht Köln habe entschieden, dass Pablo Ben Yakov, einer von drei Regisseuren der Netflix-Serie “Kaulitz & Kaulitz”, als Co-Regisseur im Nominierungstext des Deutschen Fernsehpreises genannt werden müsse. Der Preis habe 2025 die zweite Staffel der Serie ausgezeichnet, im Text aber nur Annika Blendl und Michael Schmitt als “Regie-Duo” geführt, was den falschen Eindruck erweckt habe, Ben Yakov sei nicht beteiligt gewesen.

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1. Wie berechtigt ist die Empörung?
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 39:19 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob die Empörung über das Ende des WDR-Radiosenders Cosmo berechtigt ist. Es diskutieren DLF-Hörer Philipp Seehausen, Elena Kountidou von den Neuen Deutschen Medienmacher*innen und Schiwa Schlei, Programmchefin von 1Live und Cosmo.

2. Die Wahrheit über Pamela Reif
(youtube.com, Klengan, Video: 23:23 Minuten)
Der YouTuber Klengan beschäftigt sich mit dem geschäftlichen Aufstieg der deutschen Fitness-Influencerin Pamela Reif zu einer globalen Unternehmerin. Im Fokus steht dabei Reifs hierzulande kaum bekanntes Imperium in China, wo sie mittlerweile über 70 Millionen Followerinnen und Follower auf Plattformen wie Bilibili und Weibo begeistere. Es gehe dabei um die Kunst des “Culture Marketing”: Durch das Erlernen der Sprache, die Nutzung chinesischer Popmusik und die Anpassung an lokale Sehgewohnheiten habe Pamela Reif eine immense Reichweite aufbauen können.

3. StreitClub #18 “Medienkrise” mit Tilo Jung & Anne Hähnig
(youtube.com, Nicole Deitelhoff & Michel Friedman, Video: 2:13:37 Stunden)
In der Podiumsdiskussion des “Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt” streiten Anne Hähnig (“Die Zeit”) und Tilo Jung (“Jung & Naiv”) über den Zustand des Journalismus, moderiert von Nicole Deitelhoff, Michel Friedman sowie einer Schülerin und einem Schüler. Für Hähnig handele es sich vor allem um einen Strukturwandel. Das Medienvertrauen sei stabil, und der klassische Qualitätsjournalismus mit Recherche, Quellenprüfung und dem Ringen um Objektivität bleibe tragfähig. Jung dagegen sieht ein inhaltliches Versagen bei großen Themen wie Klima, Gaza und Ungleichheit. Er versteht Journalismus durchaus als Aktivismus für Wahrheit und Demokratie.

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4. Verbindung, Vertrauen und Einfluss der KI – die ersten Lokalmedientage
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 15:18 Minuten)
Die Sonderfolge von “This is Media Now” blickt auf die ersten Lokalmedientage in Nürnberg. Im Zentrum steht die Frage, wie lokale Medien Nähe und Vertrauen zum Publikum aufbauen können. Als größte Herausforderung gelte die Künstliche Intelligenz: Menschen würden Antworten zunehmend bei Chatbots suchen, der Traffic der Medienhäuser breche ein, zugleich zeichne sich gerade bei Jüngeren eine digitale Müdigkeit ab. Dagegen könnten lokale Medien mit Echtheit und Ansprechbarkeit punkten.

5. Was macht Journalismus im KI-Zeitalter noch aus?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:56 Minuten)
Holger Klein unterhält sich im “Übermedien”-Podcast mit Techjournalist und KI-Spezialist Georg Schmalzried über die “Grenze zwischen legitimem und verwerflichem Einsatz von KI-Tools im Journalismus”: “Was macht Journalismus eigentlich im KI-Zeitalter noch aus? Reicht es, eigene Recherchen oder Gedanken in ein Sprachmodell einzugeben? Oder ist so etwas wie direkte Autorenschaft ein zwingendes Kriterium journalistischen Arbeitens?”

6. Mikrofon, Emotion, Gänsehaut: Die Kunst des Stadionsprechers
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 23:02 Minuten)
Im Gespräch mit Christian Jakubetz erzählt Peter Schnettler von seinem Beruf als Stadionsprecher. Seit fast 30 Jahren begleite er die Heimspiele des Eishockeyteams Straubing Tigers am Mikrofon. Es gehe dabei um die Kunst, ein Publikum zu begeistern und Stimmung zu steuern, ohne sie zu erzwingen, und darum, professionell zu bleiben, während man selbst mitfiebere. Schnettler blickt zudem auf seinen Weg zurück, der ihn vom Fanclub-Gründer über die Fachzeitschrift “Eishockey News” bis zum Stadionsprecher in der Deutschen Eishockey Liga geführt habe.

Kleistern gegen Bedeutungslosigkeit, Gesetz gegen SLAPPs, Weimers Flut

1. Kleistern gegen die Bedeutungslosigkeit
(taz.de, Hanno Fleckenstein)
Die “taz” berichtet über eine Werbekampagne des rechten Krawallportals “Nius” in Berliner U-Bahnen, die online Kritik und eine Petition ausgelöst habe. “taz”-Autor Hanno Fleckenstein ordnet die Werbekampagne als Versuch ein, mangelnde Reichweite zu kompensieren: “Nius” habe laut Branchendaten deutlich sinkende Klickzahlen, schreibe rote Zahlen und sei stark von Geldgeber Frank Gotthardt abhängig.

2. Gesetz gegen Einschüchterungsklagen: SLAPPS
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi wirbt für ein wirksames deutsches Gesetz gegen SLAPPs, also Einschüchterungsklagen gegen Journalistinnen, Journalisten und andere kritische Stimmen. Zwar habe die EU ihre Mitgliedstaaten verpflichtet, gegen derartige missbräuchlichen Klagen vorzugehen, der deutsche Gesetzentwurf sei jedoch so stark abgeschwächt worden, dass er kaum noch Schutz biete. Verdi ruft deshalb zu einer Aktion auf: “Schreib Deinen Wahlkreisabgeordneten von CDU/CSU, um sie umzustimmen. Nur, wenn möglichst viele Unions-Abgeordnete das Problem anerkennen, kann ein wirksames Gesetz gegen SLAPPs kommen. Mach mit!” (Musterbrief)

3. Wolfram Weimer: “Die Flut, die da kommt, wird alle Boote heben”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Interview mit “DWDL” verteidigt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die neue Investitionsverpflichtung für Mediendienste als großen Schub für den Produktionsstandort Deutschland. Neben 250 Millionen Euro Bundesfilmförderung sollen Streamer, private Sendergruppen und Öffentlich-Rechtliche künftig stärker verpflichtet werden, in deutsche Produktionen zu investieren. Weimer erwartet bis zu 15 Milliarden Euro an Investitionen in fünf Jahren und spricht von einem “Filmbooster”. Teils offene Fragen bleiben bei der tatsächlichen Wirkung der Quoten, möglichen Ausweichstrategien internationaler Anbieter und der Durchsetzung bei Nichterfüllung.

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4. Sozialverband reicht Programmbeschwerde gegen ZDF-Dokumentation ein
(medien.epd.de)
Der Verein Sanktionsfrei habe Programmbeschwerde gegen die ZDF-Dokumentation “Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?” eingereicht. Die vor zwei Wochen ausgestrahlte Sendung arbeite wiederholt mit außergewöhnlichen Einzelfällen, ohne diese ausreichend statistisch einzuordnen, und erwecke so den Eindruck, Sozialleistungsbetrug sei weit verbreitet. Sozialverbände, Armutsforschung oder die Bundesagentur für Arbeit kämen kaum zu Wort. Helena Steinhaus, Gründerin von Sanktionsfrei, kritisiert: “Gerade öffentlich-rechtliche Formate tragen eine besondere Verantwortung, gesellschaftlich sensible Themen faktenbasiert und differenziert darzustellen.”

5. Meta startet kostenpflichtige Plus-Modelle
(spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta führe weltweit kostenpflichtige Plus-Modelle für Instagram, Facebook und WhatsApp ein. Die Abos sollen Zusatzfunktionen bieten, etwa bessere Statistiken, Story-Analysen, Profilanpassungen, Premium-Sticker und individuelle Klingeltöne. Konkrete Preise nenne Meta noch nicht. Verschiedene Medien würden von etwa 3,99 Dollar monatlich für Instagram Plus und Facebook Plus sowie 2,99 Dollar für WhatsApp Plus berichten. Ziel sei offenbar, zusätzliche Einnahmequellen neben Werbung aufzubauen.

6. Wie “Germany’s Next Topmodel” ein Exempel statuierte
(rhein-zeitung.de, Celina de Cuveland)
Celina de Cuveland erklärt anhand einer Erfahrung beim Finale von “Germany’s Next Topmodel” 2017, warum journalistische Absprachen wie Sperrfristen wichtig seien. Damals hätten Medien Ergebnisse der Liveshow wegen einer technischen Verzögerung erst mit einigen Minuten Versatz veröffentlichen dürfen. Eine Kollegin habe diese Absprache gebrochen und sei sofort aus der Veranstaltungshalle begleitet worden. De Cuvelands Fazit: “Wenn wir als Journalisten uns bewusst nicht an Absprachen halten, sollte das einen triftigen Grund haben oder das öffentliche Interesse sollte die Entscheidung rechtfertigen. Das hat nichts mit Angst oder Einflussnahme zu tun – sondern vielmehr mit Fairness, die in unserem Beruf relevant ist.”

7. Hitzeberichte ohne Hinweis auf die Klimakrise?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator, dass ARD und ZDF über die aktuelle Hitzewelle in Westeuropa ausführlich berichten, sie aber laut der Initiative “Klima vor acht” nicht als Folge der Klimakrise einordnen würden. Wenn Medien die Klimakrise aus der Berichterstattung ausblenden, erleichtere dies der Politik den Weg, die Klimaziele aufzuweichen.

Friedrich und der AfD-Kongress, Desinformation, Apotheken Umschau

1. Verleger Holger Friedrich spricht bei “Demokratiekongress” der AfD
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert, dass Verleger Holger Friedrich beim geplanten “Demokratiekongress” der AfD im Bundestag auftreten will. Meisner ordnet dies als weiteren Beleg dafür ein, dass Friedrichs “Ostdeutsche Allgemeine” rechtsextreme und rechtsradikale Akteure hofiere. Experten sähen Friedrichs Teilnahme an dem Kongress nicht als Debattenbeitrag, sondern als problematische Normalisierung demokratiefeindlicher Kräfte.

2. “Desinformation gefährdet Leben”
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Interview blickt Johannes Hillje auf den medialen Umgang mit der AfD, konkret auf das SWR-Triell mit Markus Frohnmaier (AfD), Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU). Die Konstellation habe der AfD geholfen, sich als Gegenpol zu “allen anderen” zu inszenieren, statt die Unterschiede zwischen den möglichen Ministerpräsidenten herauszuarbeiten. Hillje plädiert dafür, die AfD nicht pauschal auszuschließen, sie aber auch nicht wie eine normale Partei zu behandeln.

3. Wie geht Innovation im Lokaljournalismus?
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler gibt einen Überblick über Innovationen im Lokaljournalismus und nennt drei zentrale Entwicklungen: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Redaktion, Produktion und Distribution, neue Modelle für Community, Finanzierung und Vertrauen sowie die Frage, wie Lokalmedien ihre Rolle als demokratische Infrastruktur sichern können. Lokale Medien würden nicht allein durch mehr Inhalte zukunftsfähig, sondern bräuchten bessere Werkzeuge und stärkere Communities.

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4. Was KI mit dem Journalismus macht: Zwischen Effizienz, Entmündigung und Reichweitenverlust
(ardsounds.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 28:50 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” geht es um die Frage, wie KI den Journalismus verändert: als Werkzeug für effizientere Redaktionsarbeit, aber auch als Machtfrage. Auf der re:publica hätten Expertinnen und Experten darüber diskutiert, wer künftig die Informationsinfrastruktur kontrolliert, wer an journalistischen Inhalten verdient und wie Medien durch KI-Suchsysteme Reichweite und Refinanzierung verlieren. Christian Schiffer spricht von “KI-Kapitalismus”, Matthias Spielkamp kritisiert Googles KI-Übersichten als unfairen Deal zulasten der Verlage.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 257
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Barbara Junge)
Der Newsletter des Netzwerk Recherche blickt auf das bevorstehende Jahrestreffen NR26 in Hamburg sowie auf das 25-jährige Bestehen des Vereins. Im Mittelpunkt stehen die Rolle von investigativem Journalismus, Lokaljournalismus, Datenjournalismus und Klimajournalismus in einer angespannten politischen und medialen Lage. Außerdem bündelt der Newsletter viele Hinweise zu Rechercheförderung, Pressefreiheit, Informationsfreiheit, lokalen Recherchen, internationalen Projekten, Preisen, Stipendien und Weiterbildungen.

6. 70 Jahre Apotheken Umschau: Hochwertige Fachinformationen für alle
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
Dennis Ballwieser, Chefredakteur der “Apotheken Umschau”, erzählt im Interview, wie sich das Magazin zum 70-jährigen Bestehen als modernes Gesundheitsmedium neu positioniert hat. Ballwieser betont den Anspruch, geprüfte medizinische Informationen verständlich und alltagsnah zu vermitteln, damit Patientinnen und Patienten besser mit Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern sprechen können. Weitere Themen sind die stärkere Ausrichtung auf Frauengesundheit, einfache Sprache, digitale Kanäle und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Journalismus und Vertrauen, Pekings Gehilfen, Der Wal und die Medien

1. Wie Journalismus das Vertrauen in die Wissenschaft beeinflusst
(fr.de, Katja Thorwarth)
Journalismus präge das öffentliche Vertrauen in Wissenschaft stark, könne es aber auch beschädigen, wenn er wissenschaftliche Themen populistisch zugespitzt und politisch gerahmt behandele. Katja Thorwarth kritisiert Medien, die komplexe Themen wie Klima oder Pandemie verzerrt inszenieren, aber auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die politische Meinungen als Wissenschaft erscheinen zu lassen. Als Folge gerate der eigentliche Fachdiskurs in den Hintergrund.

2. Freier Autor siegt gegen “Berliner Zeitung”
(verdi.de, Werner Rügemer)
Ein freier Autor berichtet, dass die Redaktion der “Berliner Zeitung” einen von ihr bestellten Text über den Rüstungskonzern Rheinmetall ohne Rücksprache gekürzt und dabei aus seiner Sicht inhaltlich heikle Passagen entfernt habe. Dagegen sei er erfolgreich vor Gericht vorgegangen. Zunächst habe das Landgericht Köln eine Urheberrechtsverletzung festgestellt, später sei der “Berliner Zeitung” auch eine Entschädigungszahlung auferlegt worden. Der Autor wertet das als wichtiges Urteil, bezweifelt aber, dass sich dadurch die verbreitete Praxis in Redaktionen ändere, Texte von Freien ohne Rücksprache zu bearbeiten.

3. Pekings nützliche Gehilfen
(taz.de, Vivien Chang)
Vivien Chang beschreibt, dass In­flu­en­ce­rinnen und Influencer ein idealisiertes Bild Chinas verbreiten, das den Interessen der chinesischen Führung nütze. Gezeigt würden fröhliche Menschen, schöne Landschaften, moderne Städte und angeblich zufriedene Minderheiten, besonders in der Region Xinjiang. Ausgeblendet werde dabei, dass vor Ort massive Überwachung und schwere Menschenrechtsverletzungen stattfänden. Chang argumentiert, dass solche Inhalte Teil einer gezielten “Softpower-Strategie” Pekings seien.

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4. KI und Medien: Gegenwart, Betriebssystem und Produktions-werkzeug
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler fasst die Konferenz “Special AI & Media” der Medientage München als Bestandsaufnahme einer Medienbranche zusammen, in der die Verwendung von Künstlicher Intelligenz längst nicht mehr Zukunft, sondern Arbeitsrealität sei. Deutlich geworden sei, dass KI bereits genutzt werde, zugleich aber große Konflikte auslöse. Einig gewesen seien sich die Beteiligten vor allem darin, dass Stillstand keine Option sei und dass die Branche mehr Kooperation und klare Regeln im Umgang mit KI brauche.

5. Australien: Meta, Google und TikTok sollen Medien bezahlen
(heise.de, Martin Holland)
Australiens Regierung habe angekündigt, große Tech-Konzerne wie Meta, Google und TikTok dazu zu verpflichten, 2,25 Prozent ihres Umsatzes im Land an Medienorganisationen zu zahlen, deren Inhalte auf den Plattformen verbreitet würden. Wer stattdessen direkte Verträge mit Medien schließe, solle die Abgabe verringern können. Die Regierung begründe diesen Schritt damit, dass die Plattformen journalistische Inhalte für ihre Feeds nutzen und an ihnen verdienen würden.

6. Der Wal, die Medien und die Politik: Chronik einer Eskalation
(ndr.de, Elena Kuch, Audio: 26:20 Minuten)
Im “Tagesschau”-Podcast “11KM” geht es um die mediale Berichterstattung über den gestrandeten Wal: “NDR-Journalist Marek Walde begleitet die Geschichte des Wals als Reporter vor Ort. Er erzählt uns in dieser 11KM-Folge von Wochen der Polarisierung, einem Minister, der sich von der Wissenschaft abwendet und von Medien, die vom Schicksal eines verirrten Tiers profitieren wollen.”

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