Suchergebnisse für ‘Klima’

Luxushotels, Zeilenhonorare, Yasmin

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Interessiert eigentlich jemanden, was in Griechenland wirklich passiert?“
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris bemängelt die Vor-Ort-Recherche von „Spiegel Online“ in Athen, die sich statt auf der Straße auf der Dachterrasse eines Luxushotels abspiele. In einem zweiten Beitrag wird geklärt, wann griechische Beamte in Rente gehen können.

2. „Journalisten nicht wie Bittsteller behandeln“
(kress.de, Matthias Spielkamp)
Kress.de dokumentiert eine Rede von Matthias Spielkamp, die unter anderem die manchmal nur aus wenigen Cents bestehenden Zeilenhonorare von freien Journalisten zum Thema hat. Nachtrag, 5. Juni: Inzwischen ist der Text nur noch hier kostenlos zu lesen.

3. „SF: 20 Unterschriften für eine Beschwerde gesucht“
(arlesheimreloaded.ch, Manfred Messmer)
Manfred Messmer dokumentiert eine Beschwerde von Journalist Markus Schär an die „Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen“ UBI. Das Schweizer Fernsehen SF habe „keinen einzigen Beitrag zur Kritik an der Klimaforschung gebracht, auch nicht zur Debatte um den Weltklimarat IPCC und seinen Chef Rajendra Pachauri, die Anfang Jahr weltweit grosses Aufsehen erregte und über die jedes ernstzunehmende Medium berichtete“.

4. „An meine Kritiker“
(zeit.de, Helene Hegemann)
Romanautorin Helene Hegemann kritisiert angesichts der Plagiatsdebatte um ihr Buch „Axolotl Roadkill“, dass viele Journalisten sich weigerten, „die eigentlich wichtigste Tatsache“ mit einzubeziehen: „nämlich dass es sich bei der als Plagiat bezeichneten Menge von (nicht abgeschriebenen, sondern modifiziert in einen komplett anderen Kontext gesetzten) Stellen um zusammen genommen circa eine einzige von 206 Buchseiten handelt. (…) Die genaue Zahl der Stellen wurde konsequent ausgespart, und zwar ausschließlich, weil sie die Luftblase des perfekten Skandals zum Platzen gebracht hätte.“

5. „Yasmin – zurück im Alltag“
(nzz.ch, Alan Niederer)
„Was von der medialen Kritik an der Antibabypille geblieben ist.“

6. „Die anonyme Welt der Geheimnisverräter“
(jungle-world.com, Elke Wittich)
Elke Wittich setzt sich kritisch mit Wikileaks auseinander. Julian Assange, einer der Sprecher der Whistleblower-Plattform, antwortet hier auf den im Text angesprochenen Artikel „Inside WikiLeaks’ Leak Factory“.

IPCC, Mädchen-WG, Heute

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1. „FR zieht Artikel gegen Klimarat zurück“
(wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Die „Frankfurter Rundschau“ zieht einen Artikel vom Februar mit Vorwürfen gegen den Weltklimarat zurück. „Zahlreiche andere Zeitungen innerhalb und außerhalb Deutschlands haben die falschen Vorwürfe gegen das IPCC ungeprüft nachgedruckt, die das Gespann North/Leake in die Welt gesetzt hat.“ Siehe dazu auch die Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler.

2. „Missbrauch light“
(fernsehkritik.tv/blog)
Der Fernsehkritiker stört sich daran, dass das ZDF für den Kinderkanal „derzeit fünf Mädchen zwischen zwölf und vierzehn Jahren für eine Dokusoap namens ‚Die Mädchen-WG'“ sucht. „Was wäre eigentlich, wenn ein Sender wie RTL ‚Die Mädchen-WG‘ produzieren würde? Sofort wären doch alle Jugendschützer und Politiker (zu Recht) auf den Barrikaden.“

3. Interview mit Sheri Fink
(derstandard.at, Michael Kremmel)
„Sheri Fink arbeitet als Journalistin unter Bedingungen, die sich für die allermeisten Journalisten wie Erzählungen aus einer fernen Welt anhören: Weder Geld noch Zeitmangel bei der Recherche, 140 Gesprächspartner und rund ein Dutzend Personen, die aktiv an der Entstehung eines Artikels beteiligt sind. Zwei alleine dafür, damit alle Fakten noch einmal überprüft werden.“

4. „‚Cicero‘ wehrt sich gegen ‚Linksruck‘-Vorwurf“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Alexander Görlach von „The European“ unterschreibt eine Unterlassungserklärung, „die ‚Cicero‘-Chefredakteur Michael Naumann von ihm gefordert hatte“. Görlach dazu: „Wir möchten nicht in einen kostspieligen Prozess und langwierigen Rechtsstreit verwickelt werden. Aus all diesen Gründen haben wir uns entschieden, das Geld lieber in unser Magazin zu investieren. Andernfalls wäre dieses Geld an Anwälte und Gerichte zu zahlen.“

5. „Wieviele Fehler passen in eine Titelgeschichte von ‚Heute‘?“
(kobuk.at, André Pascal Horvath)
Nicht der Staat, sondern die Wirtschaft zahlt die Gehälter, schreibt André Pascal Horvath zur „Heute“-Schlagzeile „Staat zahlt Häftlingen 10 Millionen € Gehalt!“.

6. „SEO-Tipps für Blogger und Journalisten“
(t3n.de)
Suchmaschinenoptimierung ist Alltag in Online-Redaktionen. „t3n“ hat einige Tipps dazu und gibt zu bedenken: „SEO-Maßnahmen machen keinen Sinn, wenn der Artikel darunter leidet!“

Apple, Leserkommentare, VG Wort

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1. „Beten und Steve Jobs danken“
(epd.de, Martin Meuthen)
Martin Meuthen kommentiert das Verhältnis zwischen den Zeitungsverlagen und Apple. „Renommierte Nachrichtenportale schalten Live-Ticker, Fernsehsender bringen Hintergrundberichte, wenn Apple-Guru Steve Jobs gewohnt unrasiert und in einem Aufzug, als käme er gerade aus dem Baumarkt, die neuesten der sogenannten Meilensteine vorstellt. Apple braucht dafür keine Werbung zu schalten, nicht einmal zu machen. Das erledigen die Medien schon von selbst. Kostenlos.“

2. „Test! Test! Test! Test! Test!“
(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)
„Aber, ach, machen wir’s kurz und lösen auf: ‚Der große deutsche IQ-Test by RTL 2‘ bei RTL 2 war kein Versuch, jedenfalls kein absichtlicher. Sondern einfach – schrecklich langweiliges Fernsehen.“

3. „News Sites Rethink Anonymous Online Comments“
(nytimes.com, Richard Pérez-Peña, englisch)
News-Websites überdenken die Frage, ob sich Leser anonym auf ihren Plattformen äussern sollen dürfen.

4. Interview mit Markus Hofmann
(dirkvongehlen.de)
Markus Hofmann erzählt, wie sich die Lage geändert hat, seit auf badische-zeitung.de nur noch mit Klarnamen kommentiert werden kann. „Wir sind der Meinung, dass ein Klima, in dem gepöbelt wird, in dem man sich beleidigt, einfach nicht zu einer Tageszeitung und zu dem Online-Auftritt einer Tageszeitung passt.“

5. „Vergesst das Online-Image!“
(ftd.de, Lucy Kellaway)
Lucy Kellaway rät zu Gelassenheit, was das eigene Image im Internet betrifft. „Als ich das erste Mal etwas Gemeines über mich las, habe ich mich noch aufgeregt. Aber das Leben ging trotzdem weiter, und niemand sonst hatte das Gemeine überhaupt zur Kenntnis genommen. Beim nächsten Mal war ich schon gelassener.“

6. „Wie ihr als Autor Tantiemen für Online-Texte von der VG Wort bekommt“
(berufung-selbststaendig.de, Elke Fleing)
In einem Whitepaper (PDF-Datei, 9 Seiten) erklärt Elke Fleing, wie man Online-Texte der VG Wort meldet.

Dauerstagnation, Newsroom, Drogen

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1. „Die Bild-Zeitung und die Masters-Tickets“
(linksgolfer.blogger.de, Rüdiger Meyer)
„Ticket-Preise für Masters-Turnier verzwölffacht“, titelt „Bild“. Tatsächlich sind die Ticketpreise für dieses Golfturnier schon lange so hoch: „Die richtige Schlagzeile hätte also gelautet: ‚Ticketpreise fürs Masters-Turnier um 10% gestiegen‘. Aber das wäre der Bild sicher nicht reißerisch genug gewesen.“

2. „Die Rückkehr der analogen Ritter“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Viele Printredaktionen würden sich heute „erstarrt, verstaubt, irrelevant“ präsentieren. „Auf den Gedanken, dass sie an ihrer Dauerstagnation selbst schuld sind und dass sich viele Leser/Zuschauer auch deswegen von ihnen abgewendet haben, weil sie den Charme und den Esprit einer Krankenversicherung ausstrahlen, sind sie bis heute nicht gekommen. Internet, böses. Blogger, doofe.“

3. „Warum Online-Werbung wichtig fürs Web ist“
(spiegel.de, Frank Patalong)
Frank Patalong über die Nutzung von Werbeblockern: „Je medienaffiner die Nutzer sind, desto häufiger setzen sie Blocker ein. Es sind also die Nutzer mit dem größten Interesse und Verständnis für Inhalte, die den meisten Schaden verursachen.“

4. „Spannende Recherche im Netz“
(verdi.de, Christiane Schulzki-Haddouti)
Ein Text über die Daten, die Staaten zur Verfügung stellen. „Deutsche Journalisten können die Entwicklung in der angelsächsischen Welt nur mit Wehmut betrachten. Basis sind nämlich verschiedene Informationszugangsrechte, die dort ganz andere Dimensionen haben als in Deutschland.“

5. „Newsroom“
(hossli.com, Peter Hossli)
Eine ausführliche Reportage aus den neuen Redaktionsräumen der „Blick“-Gruppe des Ringier-Verlags. Der Newsroom alleine kostete 7 Millionen Franken (=4.9 Millionen Euro), dafür nutzt seine Heizung auch die „Temperaturunterschiede des Zürichsees“. „Reporter dürfen nicht mehr am Computer essen. Pflanzen gibt es keine. Die Räume sind klimatisiert, die Kaffeemaschinen mit Touchscreens versehen.“

6. „Newspapers are the biggest threat to the nation’s mental wellbeing“
(guardian.co.uk/commentisfree, Charlie Brooker, englisch)
Charlie Brooker beschreibt seine Drogenerfahrungen und kommt auf die Droge Zeitung zu sprechen. „Unfortunately, facts are expensive, so to save costs and drive up sales, unscrupulous dealers often ‚cut‘ the basic contents with cheaper material, such as wild opinion, bullshit, empty hysteria, reheated press releases, advertorial padding and photographs of Lady Gaga with her bum hanging out.“

Bild  

Der bodenlose Hass in Nigeria

Die Frage, die eigentlich keine ist, ist eines der meist benutzten Stilmittel der „Bild“-Redaktion. Wie man ein Fragezeichen vollkommen ad absurdum führt und wenig elegant mit feindseligen Ressentiments verknüpft, das demonstrierte „Bild“ gestern einmal mehr in einem Beitrag anlässlich des Todes von 500 Nigerianern:

Christenhass! Was treibt die blutrünstigen Moslems ab?

Nun, was treibt solch „blutrünstige“ Muslime wohl an? Die Antwort bleibt „Bild“ schuldig und zwar zwangsläufig. Nicht nur sprachlich ergibt es keinen Sinn, dass die nigerianischen Moslems gleichzeitig „blutrünstig“ und vom „Christen-Hass“ getrieben sein sollen, weil „blutrünstig“ wortwörtlich „aus Mordlust“ bedeutet, also: ohne Grund, außer dem Willen zum Mord.

Aber auch sonst pflegt „Bild“ in seiner Berichterstattung aus Nigeria ein eher laxes Verhältnis zu Wahrheit und Faktenlage — und bedient nach Möglichkeit islamophobe Klischees: Das am Golf von Guinea, also am Atlantischen Ozean, gelegene Nigeria ist natürlich keineswegs ein „zentralafrikanisches Land“, wie „Bild“ behauptet. Und dass im Januar dieses Jahres 300 Muslime von Christen umgebracht worden waren, wie Ulrich Delius von der Gesellschaft für Bedrohte Völker dem Deutschlandfunk erläutert, findet in „Bild“ ebensowenig Erwähnung wie der Klimawandel, der in Nigeria einen Konflikt um fruchtbares Ackerland entfacht hat.

Stattdessen erweckt „Bild“ wie schon im Januar (BILDblog berichtete) den falschen Eindruck, es handle sich in Nigeria um eine Religionskonflikt mit ausschließlich christlichen Opfern, und wählt dafür einen besonders drastischen und gruselerregenden Einstieg in den Beitrag:

Die Kinder liegen in ihren bunten Kleidern im Staub des Dorfes, das einmal ihr Zuhause war. Zerhackt mit Macheten, erschossen, zu Tode gehetzt! Sie starben, weil sie an Gott glaubten!

Dass das so nicht stimmt, hätte man bei „Bild“ schon merken können, wenn man auch bloß den eigenen Text zu Ende gelesen hätte. In diesem bestätigt nämlich ausgerechnet ein Vertreter des Vatikans, dass der Massenmord in Nigeria tatsächlich eher nichts mit Religion, dafür aber sehr viel mit dem Klimawandel und dem durch Austrocknung knapp werdenden Ackerland zu tun hat.

Und wenn man ganz, ganz genau hinschaut, dann findet sich in einer der sich selbst beantwortenden Pseudofragen von „Bild“ sogar ein Hinweis auf eben diese Ackerbodenproblematik:

Woher kommt der bodenlose Hass auf Christen?

Jugendpresse, Winnenden, Balzac

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1. „Fernbedient“
(jpbw.de, PDF-Datei, 1.7 MB)
Die aktuelle Ausgabe von „Noir“, dem Magazin der Jugendpresse, widmet sich den Medien. Unter anderem geht es um versteckte Werbung bei den Jugendzeitungen „Spiesser“ und „Yaez“.

2. „Bis zur letzten Träne“
(taz.de, Ingo Arzt)
Es naht der Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden und „mit ihm die nächste Presseinvasion“: „Man kann sich tausend Mal sagen: Bevor ich als Journalist die Opfer eines solch traumatischen Erlebnisses behellige, hänge ich meinen Job an den Nagel. Und wenn es so weit ist, dann muss eine Zeitung voll werden.“

3. „Der Hinterweltler und die Ignoranz“
(begleitschreiben.twoday.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig schreibt über die Flut von Angeboten, denen der Medienkonsument mit Aufkommen von neuen Medien gegenübersteht und den „Überforderungs-Klagediskurs“ dazu: „Ja, natürlich gibt es schreckliche Webseiten, Onlinemagazine und Blogs. Oder einfach nur banale. Aber es gibt auch schreckliche und banale Bücher, Filme, Fernsehsendungen, Theaterstücke, Zeitschriften und Zeitungen ohne dass deshalb das Medium kollektiv verworfen wird. Warum wird also die Polyphonie wenn nicht als Gewinn so doch mindestens als Inspiration empfunden?“

4. „Kleine Fehler, grosse Wirkung“
(nzz.ch, Sven Titz)
Sven Titz listet nochmals die Fehler des Uno-Klimarats auf, die von den Medien groß ausgebreitet wurden. „Klimaforscher räumen die Patzer mehr oder weniger ein, beklagen aber Fehlinformationen und Übertreibungen, vor allem durch britische Medien.“

5. „Journalisten, nicht nur nach Balzac“
(jungle-world.com, Stefan Ripplinger)
Stefan Ripplinger widmet sich Honoré de Balzac und dem „Schreckenskabinett seiner Journalisten, dieser mürrischen, unterbezahlten, ausgehungerten, ressentimentgeladenen, mitunter auch erschreckend einfallsreichen Lohnschreiber und verhinderten Dichter“.

6. „Spiegel-Bild“
(ralkorama.blogspot.com)
Gleiches Foto, fast gleiche Schlagzeile. Zwischen dem „Spiegel“ und „Bild“ ist online kaum ein Unterscheid auszumachen. In einem Fall.

Hauptsache, es schockt

Nur 20 Medaillen werde das Deutsche Team bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver gewinnen, berichtet Bild.de unter Berufung auf den Wirtschaftsprofessor Daniel K. N. Johnson, der seit einigen Jahren mit erstaunlicher Präzision anhand von Faktoren wie Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerungszahl, und Klima die Anzahl der gewonnenen Medaillen pro Land voraussagt:

Nur 20 Medaillen für Deutschland - Harvard-Professor: Schock-Prognose für Olympia

Nicht 20, aber immerhin sechs Mal findet sich auf der Seite bei Bild.de das Wort „Harvard“, welches mit erstaunlicher Präzision nicht die Universität bezeichnet, an der Johnson lehrt und seine Vorhersage veröffentlicht hat.

Johnson nämlich ist Wirtschaftsprofessor am Colorado College in Colorado Springs, Colorado, was auch den Mitarbeitern von Bild.de hätte auffallen können, wenn sie auf den Briefkopf der von ihnen so ausführlich zitierten Voraussage (PDF) geschaut hätten.

In Harvard war Johnson ein einziges Semester lang tätig, wie seinem Lebenslauf (PDF) zu entnehmen ist. Aber immerhin hat er dort gemeinsam mit einer Studentin das Vorhersageverfahren entwickelt.

Mit Dank an Tom Z.

Die kleinere Hälfte

Ein alter Schüler-Witz:

Verzweifelt steht ein Mathematiklehrer vor seiner Klasse: „Wie oft soll ich Euch noch erklären, dass es keine kleinere und keine größere Hälfte gibt?“, fragt er erbost. „Aber warum sage ich Euch das – die größere Hälfte von Euch wird es eh nie verstehen!“

Was soll diese lahme Pointe an dieser Stelle? Nun: Vor zwei Wochen berichteten wir über die irreführenden Berichte nach der Wahl eines Republikaners in den US-Senat.

Doch zumindest die kleinere Hälfte der Journalisten hat immer noch nicht verstanden, dass die Partei des US-Präsidenten Obama damals zwar einen wichtigen Sitz im Senat verloren hat, aber immer noch über die weitaus größere Hälfte der Sitze in dem Parlament verfügt. Dass Obama zwar nicht mehr mit einer strategischen 60-Prozent-Mehrheit legislative Störmanöver der politischen Gegner von vornherein unterbinden kann, aber dennoch mit 59 von 100 Sitzen über eine komfortable absolute Mehrheit im US-Senat verfügt.

tagesschau.de berichtet über ein Treffen der radikalen Rechten:

So haben sie beispielsweise Scott Brown, den republikanischen Kandidaten für das Senatorenamt in Massachussetts, unterstützt. Mit Erfolg: Die Demokraten haben seitdem ihre Mehrheit im US-Senat verloren.

Ins gleiche Horn stößt der „Tagesspiegel“, als er sich der US-Klimapolitik widmet:

Nachdem die Partei des amerikanischen Präsidenten Barack Obama bei einer Nachwahl vor kurzem ihre Mehrheit im Senat verloren hat, ist es noch schwerer geworden, dort das ohnehin nicht besonders ambitionierte Klimagesetz durchzubringen

Bei „20 Minuten“ hat man sich immerhin erinnert, dass etwas Besonderes an der verlorenen Mehrheit war. Nur was das war, das hat man vergessen:

Das ist umso wichtiger, seit Barack Obama die absolute Mehrheit im Senat verloren hat.

Aber warum sagen wir das — die kleinere Hälfte wird eh schreiben, was sie will.

Mit Dank auch an David K.

Nachtrag, 6. Februar: Tagesschau.de hat den Fehler inzwischen korrigiert.

Medienarchiv 68, N24, Google

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1. „Editorial zum Medienarchiv68“
(medienarchiv68.de, Mathias Döpfner)
Der Axel-Springer-Verlag macht mit dem Medienarchiv 68 „rund 5.900 Beiträge, Kommentare, Leserbriefe, Karikaturen, Reportagen, Glossen und Interviews aus den Jahren 1966 bis 1968“ zugänglich. Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner will damit die „publizistische Positionierung der Axel-Springer-Zeitungen in der damaligen Zeit“ zur Debatte stellen: „Manche Klischees in den Köpfen erweisen sich auch als Endmoränen einer bis heute wirkungsvollen SED-Propaganda und Stasi-Desinformation.“ Reaktionen auf die Lancierung des Medienarchivs sind auf taz.de, sueddeutsche.de oder fr-online.de zu lesen.

2. „Focus: Fakten, Fakten, Fakten??“
(klima-luegendetektor.de)
Der Klima-Lügendetektor schreibt über den „Focus“-Titel „Fällt die Klima-Katastrophe aus?“ und kommt zu folgendem Schluß: „Die sensationsheischende Frage des ‚Nachrichtenmagazins‘, ob die Klimakatastrophe ausfalle, lässt sich also kurz und bündig beantworten: Leider nein!“

3. „Du sollst nicht langweilen!“
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun über den Nachrichtensender N24: „Die bloße Etikettierung des Programms mit dem Begriff ‚Nachrichten‘ scheint auszureichen, damit die sonst so fleißigen Kritiker des Privatfernsehens ihre fundamentalen Dünkel gegen Boulevardisierung und Infotainment vergessen. Die Solidaritätsbekundungen klingen ein wenig, als würde sich der Vegetarierbund beschweren, weil McDonald’s seine Salate abschafft.“

4. „‚Bild‘-App ist bereits geknackt“
(dwdl.de, Alexander Krei)
„Einigen Usern ist es gelungen, die erst Anfang Dezember gestartete kostenpflichtige App der ‚Bild‘ für das iPhone zu knacken. Dem Springer-Verlag ist das Problem bekannt, dennoch gibt man sich derzeit noch gelassen.“

5. „SF: Trickserei beim ‚Swiss Award'“
(persoenlich.com)
„Stand der ‚Schweizer des Jahres‘ schon fest, bevor ihn das Volk per Televoting bestimmte?“

6. „Wieso Holzmedien bei Google-Kritik versagen“
(largeneuroncollider.com, Andreas Braendle)
Andreas Braendle hält Skepsis für angebracht, wenn Printmedien über Google schreiben. „Die seltsame Argumentation der Journalisten hört sich meist etwa so an, wie wenn Fährenbetreiber einen Autofahrer davon überzeugen wollen, nicht mit der neuen Brücke den Fluss zu überqueren, sondern weiterhin die Fähre zu nehmen – weil sie langsamer und teurer ist.“

Live-Lügen, Wikileaks, Novo Argumente

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1. „Die diesjährigen Gewinner des Goldenen Günter“
(dwdl.de)
In der Kategorie „Größter Zuschauerbetrug“ geht der Preis zum Beispiel an „die Live-Lügen der Fernsehsender“: „Da belügt etwa Sat.1 seine übersichtliche Zuschauerschaft beim ‚Deutschen Fernsehpreis‘ und behauptet per permanenter Einblendung, die Verleihung sei live. Und bei RTL verkauft man allen Ernstes den drei Tage vorher aufgezeichneten ‚Deutschen Comedypreis‘ als live.“

2. „‚Österreich‘ -Boxen Fall für MA 48“
(derstandard.at, Harald Fidler)
„Auf Drängen der Konkurrenz sammelte die Stadt Wien nicht korrekt platzierte Entnahmebehälter des Fellnerblatts ein – Binnen Stunden stellte der Verlag Behälter neu auf – Das wiederholten die beiden mehrfach.“

3. „Der Wahrheits-Hacker“
(zeit.de, Tina Klopp, mit Videos)
Ein Artikel zur Website wikileaks.org mit Fragen an einen „der deutschen Akteure“, „Daniel Schmitt“: „Journalisten bedienen sich gerne seines Materials, auch die großen Magazine haben schon zugegriffen. Aber sie ließen sich nicht immer dazu herab, auch die Quelle zu nennen, ärgert sich Schmitt.“

4. „Der letzte kalte Krieger“
(novo-argumente.com, Thomas Deichmann)
Thomas Deichmann, Chefredakteur der Zeitschrift „Novo Argumente“, antwortet auf einen einen Artikel in der FAZ: „Inmitten der morgendlichen F.A.Z.-Lektüre finde ich eine lange Auflistung vermeintlicher Schandtaten während meiner nunmehr bald 20jährigen journalistischen Arbeit: von Verbindungen zu revolutionären Trotzkisten in England über Publikationen in ‚antideutschen‘ Organen, die unter Observation des Verfassungsschutzes stehen bis zu Mitgliedschaften in linken Uni-Klubs, aus denen einst Novo hervorging – und das alles offenbar nur, um mir heute in der Kumpanei mit ‚Klimaskeptikern‘ von der Großindustrie die Taschen zu füllen.“

5. „Abgeordneter bringt Landtagsdebatte mit Twittereintrag zum Abbruch“
(haz.de)
Ein Tweet des Parlamentariers Helge Limburg (Grüne) führt, als er von Christian Dürr (FDP) vorgelesen wird, zum Abbruch der Plenardebatte in Niedersächsischen Landtag.

6. „(Telefon-) Spam der Woche“
(kochsiek.org/blog, Jens)
Jens dokumentiert einen Anruf, der auf seinem Telefonbeantworter hinterlassen wurde.

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