Archiv für Unsportliches

Artikel-Doping durch Weglassen

Doping im Profi-Fußball ist derzeit ein großes Thema. Kürzlich hatte es beim Bundesligisten Hoffenheim bei der Abgabe von Dopingproben Unregelmäßigkeiten gegeben. Das Verfahren gegen die Spieler wurde zwar eingestellt, der Verein muss aber noch mit Konsequenzen rechnen, worüber viele Medien, darunter auch „Bild“, am Samstag berichteten.

Ebenfalls am Samstag berichtete die „Bild“-Zeitung über eine „neue Doping-Schlamperei“:

"BILD enthüllt: Doping-Schlamperei bei Gladbach-Kapitän"

„Bild“ war an „Unterlagen“ des Doping-Kontroll-Labors PWC gelangt, nach denen der Gladbacher Fußballer Filip Daems am 26. Oktober 2008 nach einem Training erst mit 45 Minuten Verspätung zur Doping-Kontrolle erschienen sei. „Bild“ druckte das Schriftstück ab und nannte es in einer Fotounterzeile „Protokoll“.

Noch am selben Tag dementierten Daems und der Verein den Bericht der „Bild“-Zeitung. Aus Sicht des Vereins habe es sich um eine „korrekt durchgeführte Kontrolle“ gehandelt.

Und auch PWC-Geschäftsführer Volker Laakmann äußerte sich zu dem „Bild“-Artikel, wie verschiedene Medien berichteten:

„Dies ist nicht korrekt dargestellt und relativ frei interpretiert. Die Kontrolle und auch das Kontrollberichtsformular waren ohne Beanstandungen“, sagte PWC-Geschäftsführer Volker Laakmann der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem von „Bild“ über dem Bericht gedruckten Faksimile handelt es sich laut Laakmann „nicht um das Dopingkontrollformular. Das ist kein offizielles Dokument. Die ‘Bild’ hat das wider besseres Wissen verwendet“.

Wie Laakmann uns auf Nachfrage sagt, handele es sich bei dem von „Bild“ abgedruckten „Protokoll“ um eine „persönliche Notiz eines Kontrolleurs ohne Unterschrift“. Das dafür verwendete Formular habe nicht einmal PWC-intern offiziellen Charakter, und die Angaben darin widersprächen dem „offiziellen Dopingkontrollformular“, das von drei Personen unterzeichnet worden sei. Demnach sei die Kontrolle Daems’ ordnungsgemäß abgelaufen (was jetzt allerdings von der Anti-Doping-Agentur NADA untersucht wird).

So. Und wenn man das alles weiß, muss man sich sicher immer noch fragen, wie es zu der Notiz des Kontrolleurs kam (laut Laakmann möglicherweise ein „Racheakt“ wegen seiner Entlassung), ob Daems wirklich wie vorgeschrieben bis zur Abgabe seiner Urinprobe unter Aufsicht war und ob die Kontrollmechanismen im Profifußball wirklich funktionieren (das macht beispielsweise die „Süddeutsche“ heute).

Allein: In der „Bild“-Zeitung fehlt jeglicher Hinweis auf das abweichende offizielle Protokoll und auf den Charakter des von „Bild“ abgedruckten vermeintlichen „Protokolls“. Dabei habe Laakmann all das dem „Bild“-Mitarbeiter durchaus erzählt, wie er sagt. Aber das habe ihn wohl „nicht interessiert“.*

*) „Bild“ zitierte Laakmann lediglich zu der Frage, warum der „Kontroll-Verstoß“ nicht an die NADA weitergegeben wurde mit den Worten: „Diesen Vorwurf muss ich mir gefallen lassen. Aber ich habe den Bericht für einen Racheakt gehalten.“

Mit Dank an Lukas K. für den sachdienlichen Hinweis.

Sharks halten sich nicht an „Bild“-Wissen

"San José & Calgary kommen im Oktober nach Berlin"
NHL eröffnet die neue Saison in der O2 World

(…) BILD erfuhr: In der ersten Oktober-Woche soll in der O2 World ein Punktspiel zweier NHL-Mannschaften steigen. Dabei handelt es sich um die San José Sharks und die Calgary Flames.

Schon möglich, dass es im Oktober ein Eishockey-Spiel zweier NHL-Mannschaften in Berlin geben wird, wie „Bild“ vorgestern schrieb. Wenn es dazu kommt, wird das allerdings, anders als „BILD erfuhr“, offenbar ohne die San José Sharks stattfinden, wie vorgestern „The Mercury News“ (und anschließend auch deutsche Medien) berichteten.

Dass diese launischen Sportler aber auch so oft was ganz anderes tun, als das, was die Gerüchten zufolge stets gut informierte „Bild“-Sportredaktion immer so erfährt.

Mit Dank an Johannes G. für den sachdienlichen Hinweis.

Kurz korrigiert (493 & 494)

"Sexy Rennfahrerin Danica Patrick könnte sehr bald die erste Frau in der Königsklasse des Motorsports werden."

…schreibt Bild.de heute, weil der „US-Rennstall“ USF1, der sich mit dem Gedanken trägt, im nächsten Jahr in der Formel 1 zu starten, Interesse an der amerikanischen IndyCar-Fahrerin bekundet hat (Danica Patrick selbst wurde offenbar noch nicht gefragt).

Indes könnte Patrick, selbst wenn sie wollte, nicht die „erste Frau in der Königsklasse des Motorsports“ werden. Den Titel hat bereits die Italienerin Maria Teresa de Filippis inne, die im Jahr 1958 an mehreren Rennen teilnahm.

Gut, das ist lange her. Aber es gab noch weitere Frauen in der „Königsklasse des Motorsports“: Lella Lombardi zum Beispiel oder Divina Galica, die sich allerdings, ebenso wie später Desiré Wilson und Giovanna Amati, für kein offizielles Rennen qualifizieren konnte.

Etwas später behauptet Bild.de dann auch noch:

"Klappt der Wechsel in die Formel 1 wäre Patrick Team-Kollegin von Rennfahrer Scott Speed, der eines von zwei Cockpits bei USF1 bereits sicher hat."

Das wäre allerdings eine wirklich exklusive Nachricht. Alle anderen Medien wissen nämlich bislang nur zu berichten, dass Scott Speed lediglich ein möglicher Kandidat für USF1 ist.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Nachtrag, 18.2.2009: Warum nicht gleich so?
"Sexy Rennfahrerin Danica Patrick könnte sehr bald der Hingucker in der Königsklasse des Motorsports werden."
… und die Passage über Scott Speed wurde ersatzlos gestrichen.

Bild.de fällt auf gefälschte Kuranyi-Meldung rein

„Bild“ berichtet heute groß über einen „Hacker-Skandal auf Schalke“:

Nach BILD-Recherche drangen Internet-Hacker in den Computer-Server ein und stellten die Falschmeldung ["Eilmeldung: Kevin Kuranyi freigestellt"] für rund eine Stunde ins Netz. (…)

Weiter heißt es unter einem Screenshot der Schalke-Website:

"Diese Meldung sahen Schalke-Fans gestern Abend auf der Homepage des Vereins"

… und (wie „Bild“ unerwähnt lässt, aber wir gern hinzufügen) nicht nur „auf der auf der Homepage des Vereins“:

Wenig später korrigierte verschleierte Bild.de selbst die eigene vorschnelle, offenbar ungeprüfte Übernahme der amateurhaften Falschmeldung so:

BILD.de reagierte schnell und berichtete mit Bezug auf die vereinseigene Quelle über Kuranyis vermeintlichen Rauswurf..

P.S.: Immerhin hat uns der „Hacker-Skandal“ eine unerwartete Erwähnung von BILDblog in „Bild“ beschert – als erstes Lesezeichen des „Bild“-Mitarbeiters auf obigem Screenshot von der Schalke-Website (siehe auch hier):

Mit Dank an die zahllosen Hinweisgeber (auch für die Scans) und medienrauschen.de sowie Joachim W. für den „BILDblog“-Fund!

Oliver Neuville läuft „Bild“ in den Konter

Das Verhältnis zwischen Oliver Neuville und „Bild“ war nie ein besonders gutes.

Es ist also schon eine kleine Überraschung, dass die Zeitung gestern „das exklusive BILD-Interview“, das Dirk Krümpelmann mit dem Kapitän von Borussia Mönchengladbach geführt hat, im Blatt hatte.

Besonders spannend aber ist diese Stelle:

BILD: Nach nur acht Einsätzen in der Hinrunde gab es Gerüchte, dass Sie nach Duisburg in die 2. Liga wollen und Sie sich mit MSV-Boss Walter Hellmich in der Schweiz getroffen hätten... Neuville: "Erstens haben mich hartnäckige Verletzungen lange geplagt. Deswegen hatte ich auch nicht die gewohnten Einsätze. Zweitens: Die Sache mit Duisburg ist völliger Quatsch! Ich habe weder mit Duisburg-Chef Hellmich gesprochen noch mich mit ihm getroffen."

Schon am 3. Januar hatte die offizielle Vereinswebsite den Stürmer wie folgt zitiert:

Das ist alles erfunden, entweder von der Zeitung oder von Herrn Hellmich. Ich prüfe, ob ich rechtliche Schritte einleite, denn so etwas nervt mich einfach.

Wo es diese „Gerüchte“ gab und von welcher Zeitung Neuville sprach, ahnen Sie nie.

Am 2. Januar hatte „Bild“ geschrieben:

Duisburgs umtriebiger Chef macht zur Zeit Urlaub in seinem Haus im Tessin. Dort lief ihm Oliver Neuville (35/Foto) über den Weg. Gladbachs Kapitän erholt sich derzeit in seiner Heimat in Ascona von einer Verletzung. Fans entdeckten die beiden angeregt plaudernd in einem Cafe.

Einer der Autoren war damals ebenfalls Dirk Krümpelmann.

Mit Dank auch an Michael R.

Irre: Ein Jahr hat ca. 365 Tage

Es gibt Nachrichten, da glaubt man gar nicht, dass sie eine sind – bis man sie in „Bild“ liest.

Und wir meinen jetzt gar nicht diese hier:

Sondern diese:

"Knackt Funkel den Ribbeck-Rekord?"

Der Trainer des Fußballvereins Eintracht Frankfurt, Friedhelm Funkel, sei nämlich, so „Bild“, „auf dem besten Weg, Erich Ribbeck (71) als Rekord-Trainer der Eintracht [1. Juli '68 bis 30. Juni '73] abzulösen!“

Kern des Artikels ist ein Zitat des Vorstandsvorsitzenden der Eintracht Frankfurt Fußball AG, Heribert Bruchhagen. Auf die Frage (von „Bild“?), ob Funkel auch in der kommenden Saison Eintracht-Trainer bleibe, hat er offenbar geantwortet:

„Eintracht trifft die Entscheidung, wenn es an der Zeit ist“.

Irre, oder?! Oder nicht irre genug. Denn mangels Nachrichtenwert blieb in dem Artikel wohl noch Platz für eine kleine Zahlenspielerei:

"Die Zahlen: 1826 Tage war Ribbeck Chef-Coach der Eintracht. Funkel ist heute genau 1622 Tage im Amt. Irre: Wenn sein aktueller Vertrag am 30. Juni ausläuft, kommt Funkel auf exakt 1825 Tage! Ein Tag weniger als Ribbeck.

Aber selbst das ist weniger irre, als es klingt. Weil’s nämlich nicht mal stimmt. Denn wer (wie Ribbeck 1968 oder Funkel 2004) an einem 1. Juli als Trainer anfängt, kommt fünf Jahre später ganz wie von selbst auf eine Amtszeit von exakt 1.825 Tagen – es sei denn, in diese Amtszeit fällt ein Schaltjahr (wie etwa 1972 oder 2008 – und eigentlich fast immer). Dann sind’s natürlich unterm Strich 1.826. Egal bei wem.

Und, seien wir ehrlich, unterm Strich auch irre egal.

Mit Dank an Markus für den Hinweis.

Nachtrag, 10.12.2008: „Bild“ bleibt bei seinem „einen Tag weniger“-Unsinn. In einem weiteren Artikel zum Thema („BILD hatte es exklusiv vermeldet. Trainer Friedhelm Funkel jagt den Ribbeck-Rekord.) heißt es heute: „Zur Erinnerung: Funkel (…) ist jetzt seit 1623 Tage im Amt beim Traditionsklub. ‘Sir’ Erich Ribbeck (71) kam insgesamt auf 1826 Tage. Wenn Funkels Vertrag am 30.6. ausläuft, fehlen ihm gerade noch zwei Tage, um neuer Rekordhalter zu werden.“

Zwei Kessel Buntes

Was sich am 29. November im Bremer Steintorviertel zutrug, fand die „Bild“-Zeitung offenbar so wichtig, dass sie dem Ereignis am 1. Dezember in ihrem Online-Angebot gleich zwei verschiedene Artikel widmete: einen eher nachrichtlichen und, wie man denken könnte, einen boulevardesken. Doch das wäre untertrieben.

Der eine Text erschien in der Leserreporter-Rubrik. „Leser-Reporter Florian G.“ hatte „von oben“ beobachtet und fotografiert, wie die Polizei Frankfurter Fußballfans einkesselte. Unter der Überschrift „Hier randalieren Hooligans“ heißt es:


Polizisten fesseln Männer mit Kabelbindern, Festgenommene liegen am Boden und ein Block aus Hooligans wird von der Polizei umzingelt. Kunden flüchten verängstigt in die Geschäfte. Und das mitten in Bremen!

Randale beim Werder-Spiel gegen Frankfurt.

Es ging schon früh morgens los. Mit mehreren Bussen kamen die Chaoten in Bremen an. (…)

Plötzlich flogen Fäuste, brüllten Hooligans ihre Parolen. Die Stimmung wurde immer aggressiver. (…)

In den Taschen der Frankfurter Gewalt-Fans fanden die Beamten Sturmhauben, Abschussgeräte und Feuerwerkskörper. (…)

In dem anderen, eher nachrichtlichen Text, der auf der Eintracht-Frankfurt-Seite im Bundesliga-Ressort erschienen ist, steht indes quasi das Gegenteil:


238 Eintracht-Fans wurden vor dem Spiel bei Werder in Gewahrsam genommen, obwohl diesmal nichts vorgefallen war. (…)

Eintrachts ehemaliger Fan-Beauftragter Andreas Hornung empört: „Wir wurden wie Gangster behandelt. Wenn etwas vorgefallen wäre, dann wäre die Sache ja in Ordnung gewesen. So nicht.“

Und welche Version der Geschichte stimmt nun?

Nicht mal die Polizei selbst, die wegen ihres Vorgehens von Eintracht-Fans stark kritisiert wird, spricht von gewalttätigen Ausschreitungen, wie „Bild“ sie nahelegt. In einer Pressemitteilung heißt es:

Für die dort formierten Einsatzkräfte war deutlich eine aggressive Stimmung aus dem Aufzug spürbar. (…) Es war offenkundig, dass man es darauf anlegte, Bremer Fans zu finden und sich mit diesen körperlich auseinander zusetzen. (…) Nachdem zunächst ein äußerst lauter Böller an der Sielwallkreuzung zur Explosion gebracht worden war, ging die Gruppierung in breiter Front über die Fahrbahn durch das Steintorviertel. (…) Darüber hinaus hätte es ohne Zweifel beim Aufeinandertreffen mit Bremer Fans eine körperliche Auseinandersetzung gegeben. (…) Im Steintor ließen sie nach den Ingewahrsamnahmen u.a. diverse Böller, Sturmhauben, Mundschutze, Abschussgeräte für Signalmunition inkl. Kartuschen und weitere Pyrotechnik (Selbstlaborate) zurück. (…)

Es bleibt festzustellen, dass es nach dem konsequenten Einschreiten der Polizei für ein Fußballspiel dieser Größenordnung in der Stadt absolut ruhig blieb.

So gesehen meint „Bild“-Chef Kai Diekmann, wenn er sagt, Leserreporter-Einsendungen würden sorgfältig überprüft und nachrecherchiert, offenbar etwas anderes, als das, was man landläufig darunter versteht.

Mit Dank an Mario G. für den sachdienlichen Hinweis.

Bild.de stürmt für transfermarkt.de

Vor einem Monat hat die Axel-Springer-AG die Mehrheit an der Fußball-Community transfermarkt.de übernommen. Damit ist Bild.de jetzt eine Halbschwester von transfermarkt.de — und kann mit der ganz eigenen Unbekümmertheit helfen, der Seite neue Leser zuzuführen.

Heute zum Beispiel findet sich im Sport-Ressort von Bild.de folgender redaktioneller Hinweis:

Transfermarkt.de / Gerücht des Tages: Ibisevic zu Juve? In der Gerüchteküche bei transfermarkt.de wird heiß diskutiert: Wechselt Hoffenheims Stürmer-Star Vedad Ibisevic zu Juventus Turin? mehr ...

Ein Klick auf das Wort „mehr“ führt aber nicht, wie sonst, zu einer Bild.de-Meldung, sondern direkt in die „Gerüchteküche“ von transfermarkt.de.

Aber es ist nur ein Gerücht, dass es sich bei dem möglichen Wechsel von Vedad Ibisevic zu Juventus Turin um das „Gerücht des Tages“ handelt. Wenn überhaupt, dann das des gestrigen Tages. Die Diskussion ist zudem weniger „heiß“ als lau, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Meldung stimmt, wird auf transfermarkt.de aktuell gerade einmal mit fünf Prozent angegeben.

Aber solche Details stehen sicher nach Ansicht von Bild.de nur einer erfolgreichen Werbung für das neue Springer-Angebot im Wege.

Mit Dank an Jan.

Zweimal Pizza mit extra Käse

Mag sein, dass der Fußballspieler Nelson Valdez „zweimal Pizza putzen“ will, wie „Bild“ schreibt. Gemeint ist, dass Valdez sowohl mit der Nationalmannschaft Paraguays gegen Peru gewinnen will, als auch in der Bundesliga mit Dortmund gegen Bremen:

"Valdez: Ich will zweimal Pizza putzen"
Innerhalb von nur vier Tagen trifft der Paraguay-Stürmer (…) auf den Bremer Claudio Pizarro (30). Mittwoch in Ascuncion gegen Peru. Vier Tage später mit Borussia in Bremen.

Aus „zweimal Pizza putzen“ wird indes nichts. Zwar spielt Peru morgen wirklich gegen Paraguay, aber ohne Claudio Pizarro. Der wurde nämlich nach einer längeren Sperre gar nicht für die Nationalmannschaft nominiert. Was man unter anderem auch bei „Bild“ hätte nachlesen können.

Mit Dank an Sebastian W. und Joerg G. für den sachdienlichen Hinweis.

„Bild“ will Bewährung aufheben

Eigentlich hätte ein bisschen gesunder Menschenverstand schon ausgereicht, um zu bemerken, dass hier etwas nicht stimmen konnte:

"Neue Anschuldigungen - Staatsanwalt will Bewährung aufheben"

Knast-Boxer droht schon wieder Haft
(…) Der Schweriner Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick (64) will Brähmer wieder hinter Gittern sehen! Pick zu BILD: „Wir haben beim Landgericht Schwerin den Antrag auf Aufhebung der Bewährung gestellt.“ Grund: Es gibt neue Anschuldigungen in der Bewährungszeit, die am vergangenen Sonntag abgelaufen wäre.

Das schrieb „Bild“ am 16. September, und es geht um den sogenannten „Knast-Boxer“ Jürgen Brähmer, der im Dezember 2002 wegen gefährlicher Körperverletzung und Fahrerflucht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war und 2005 auf Bewährung entlassen wurde. Nun besteht der Verdacht, er habe in einer Disko einer Frau ins Gesicht geschlagen.

Und wenn stimmen würde, was „Bild“ in dem Zusammenhang schrieb, müsste man sich wohl ernsthafte Sorgen machen. Denn das würde bedeuten, dass offenbar für Brähmer ein rechtsstaatliches Grundprinzip nicht gilt: die Unschuldsvermutung.

Entsprechend muss „Bild“ heute Brähmers Gegendarstellung abdrucken, aus der deutlich wird, dass der Staatsanwalt nicht mal eben Leute „hinter Gitter“ schickt* aufgrund von unbewiesenen Anschuldigungen – auch nicht, wenn sie auf Bewährung sind:

"Gegendarstellung"
Sie haben im Zusammenhang mit meinem geplanten WM-Kampf gegen Garay geschrieben: „Gut möglich, dass diese WM platzt… Der Schweriner Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick … will Brähmer wieder hinter Gittern sehen!“ Pick zu BILD: „Wir haben beim Landgericht Schwerin den Antrag auf Aufhebung der Bewährung gestellt.“ Das ist falsch. Weder gibt es diesen Antrag noch hat Herr Pick das gesagt. (…)

Die Gegendarstellung endet mit dem Hinweis der Redaktion:

"Herr Brähmer hat Recht"

„Bild“ hingegen hat es damit bekanntlich nicht so.

*) Wenn ein Straftäter sich in der Bewährungszeit nichts zuschulden kommen lässt, wird ihm die Reststrafe (die bis dahin zur Bewährung ausgesetzt war) gemäß Paragraph 56g Strafgesetzbuch erlassen. Die Entscheidung darüber trifft das Gericht. Im Fall Brähmer hat die Staatsanwaltschaft offenbar den Antrag gestellt, über diesen Straferlass erst dann zu entscheiden, wenn die Vorwürfe gegen Brähmer geklärt sind.

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