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Gottlobpreisung verbartelt

Gottlob, es war Gottlob!

Thorsten Dörting ist sich bei seiner TV-Kritik zum gestrigen WM-Spieltag auf „Spiegel Online“ durchaus bewusst, dass er da gerade eine Grenze überschritten hat:

Wenn ein Journalistenschullehrer Namenswitze hört, meckert er, und wenn die Namenswitze unwitzig sind, dann tut der Journalistenschullehrer das gleich noch mal, aber das war jetzt nötig: Gerd Gottlob kommentierte das Spiel des Tages. Und, lieber Fußballgott, wir danken Dir dafür. Zack, der nächste schlechte Witz, wie übel ist das denn!?

Aber der Autor ist verzückt von der Unaufgeregtheit des Kommentators und dessen Einschätzung der Sachlage:

Gottlob hingegen war ganz norddeutscher Kommentator-Kühlschrank, ein Arbeiter im Garten des Sportsprech-Handwerks, ein Kerl, der zwar ein Wort wie „Wahnsinn“ in den Mund nimmt, aber es so emotionslos ausspricht, dass Hal 9000 weinen würde vor Neid ob solcher Kälte (Wie gesagt, Sie haben sich ins Kulturressort verlaufen).

Irgendwann Mitte der ersten Halbzeit sagte Gottlob jedenfalls, dass man gar nicht mal so entspannt sein könne angesichts des Spiels der deutschen Mannschaft, und recht hatte er:

Man möchte Dörting in seinem (möglicherweise ironisch oder teil-ironisch gemeinten) Loblied auf den Reporter („Viel Temperament, wenig Ahnung – das trifft auf so manchen Fußballreporter zu, nicht aber auf den ARD-Kommentator Gerd Gottlob“) ja kaum bremsen, aber es gibt da ein Problem:

Es heißt Tom Bartels und hat gestern im Ersten das Spiel Ghana – Deutschland kommentiert, wie uns die ARD-Sportredaktion auf Anfrage noch einmal bestätigte.

Das haben sie im Nachhinein auch bei „Spiegel Online“ gemerkt und den Artikel sang- und klanglos noch ein bisschen viel irrer gemacht:

Zack, der nächste schlechte Witz, wie übel ist das denn!? Und noch dazu irreführend, weil Gerd Gottlob zwar der beste Kommentator der ARD ist, aber natürlich Tom Bartels das Spiel besprochen hat. […]

Herr Gottlob-Bartels hingegen war ganz Kommentator-Kühlschrank, ein aufrechter Arbeiter im Garten des Sportsprech-Handwerks, ein Kerl, der zwar ein Wort wie „Wahnsinn“ in den Mund nimmt, aber es so emotionslos ausspricht, dass Hal 9000 weinen würde vor Neid ob solcher Kälte (Wie gesagt, Sie haben sich ins Kulturressort verlaufen).

Irgendwann Mitte der ersten Halbzeit sagte Herr Gottlob-Bartels jedenfalls, dass man gar nicht mal so entspannt sein könne angesichts des Spiels der deutschen Mannschaft, und recht hatte er:

Vorher:
Norddeutscher Kommentator-Kühlschrank: Viel Temperament, wenig Ahnung - das trifft auf so manchen Fußballreporter zu, nicht aber auf den ARD-Kommentator Gerd Gottlob: Der schilderte das Spiel Ghana-Deutschland so emotionslos, dass selbst Kubricks Supercomputer Hal 9000 vor Neid geweint hätte.

Nachher:
Kommentatoren-Kühlschrank im Ersten: Viel Temperament, wenig Ahnung - das trifft auf so manchen Fußballreporter zu, nicht aber auf den ARD-Kommentator Tom Bartels: Der schilderte das Spiel Ghana-Deutschland so emotionslos, dass selbst Kubricks Supercomputer Hal 9000 vor Neid geweint hätte.

Das muss dieser Qualitätsjournalismus sein, von dem man in letzter Zeit so viel hört: Sich erst bei der Suche nach einem Aufhänger vergreifen und diesen Unfug anschließend halbherzig zu korrigieren versuchen.

Mit Dank an C.S.

Nachtrag, 13.40 Uhr: „Spiegel Online“ weist jetzt doch auf die Änderungen im Text hin. Mit dieser beeindruckenden … äh: Begründung:

Hinweis: Liebe Leser, in einer ersten Version dieser TV-Glosse wurde Gerd Gottlob als ARD-Kommentator des Spiels Deutschland gegen Ghana ausgewiesen. Dieses satirische Stilmittel führte allerdings viele von Ihnen in die Irre, so dass in der aktuellen Version korrekt auch Tom Bartels als Kommentator genannt wird.

Entscheidend is auf’m Platz

Um 13.30 Uhr beginnt in Südafrika das Vorrunden-Spiel Deutschland gegen Serbien, welches das öffentliche Leben in der Bundesrepublik mutmaßlich für zwei Stunden zum Erliegen bringen wird.

„Spiegel Online“ war gestern schon so freundlich, den Managementberater Rüdiger Klepsch zu fragen, was in Sachen Fußballgucken am Arbeitsplatz okay ist und was nicht.

Der geneigte Leser erfährt darin nicht nur etwas über den Umgangston in Büros, sondern auch den an anderen Orten:

5. Situation: Mein Chef schwärmt von den spielstarken Holländern, darf ich einen Scherz über die "Käsköppe" machen? Klepsch: Auf keinen Fall! Sie sollten das Büro nicht mit dem Fußballplatz verwechseln. Es gibt Menschen, die so etwas sehr persönlich nehmen. 6. Situation: Darf ich einen Spieler öffentlich als "schwul" titulieren, weil er das Tor nicht trifft? Klepsch: Auch da gilt: Das Büro ist kein Fußballplatz und keine Kneipe. Beleidigungen von Minderheiten sind tabu.

Mit Dank an Julian M.

Was Spiegel-Online-Leser mehr wissen

„Wir wollen die Berichterstattung im Panorama-Ressort verstärken und originärer machen“, sagte 2006 der damalige „Spiegel Online“-Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron der „taz“. Anlass des Interviews war Blumencrons Entscheidung, die „Bild“-Unterhaltungschefin Patricia Dreyer zur Leiterin des „Panorama“-Ressorts zu machen.

Blumencron ist inzwischen Co-Chef des großen „Spiegel“, Dreyer hält im „Panorama“ gemeinsam mit boulevarderprobten Kollegen aber weiterhin die Zügel in der Hand.

Blumencrons Entscheidung hat „Spiegel Online“ verändert. „Panorama“ ist inzwischen einer der wichtigsten Bestandteile der Plattform. Nur das „Politik“-Ressort beschäftigt mehr feste Redakteure, auf der Startseite kommen die bunten Nachrichten als erstes nach den Hauptmeldungen. In der Woche vom 4. Juni bis zum 10. Juni kamen genau 101 der 630 deutschsprachigen Meldungen auf Spiegel Online aus dem „Panorama“-Ressort, knapp 16 Prozent.

Originär allerdings ist „Panorama“ keineswegs: In der ganzen Woche veröffentlichten die sieben Redakteure gerade einmal 4 Online-Artikel, die grundlegend neu waren: Über eine vermisste Studentin, ein Bericht von einem Gerichtsverfahren, eine Reportage über Zwangsehe und eine Serie von Liebhabern der alten deutschen Währung. Titel: „Ich mag die Mark„.

Knapp 96 % der veröffentlichten Artikel in der vergangenen Woche hingegen waren Protokolle von Pressekonferenzen, Zweitverwertungen ausländischer Boulevard-Nachrichten, oder – zum großen Teil – umgeschriebene Agenturmeldungen. Vier Meldungen stammen aus dem Print-„Spiegel“.

Und welche Themen behandelte „Panorama“ vom 4. bis 10. Juni?

  • Mord, Totschlag & Amoklauf: 28 Artikel,
    darunter „Der Unbekannte im Müllsack
    • davon Todesfall durch Tiere: 1
    • davon Selbstmord: 1
  • Klatsch und Promi-Tratsch: 18,
    darunter „Heather Mills war keine schlechte Chefin“
  • Skurrilles: 11,
    darunter „Franzose klaute Schulkindern die Süßigkeiten“
  • Diebstahl/Raub: 7
  • Sex: 6
    • davon Sex mit Minderjährigen: 1
    • davon Inzest: 2
  • Gerichtsprozesse: 8
  • Körperverletzung: 4
    • davon Körperverletzungen durch Tiere: 2
  • Umweltkatastrophe: 4
  • Unfälle und Brandstiftung: 4
  • Drogen: 3
  • Terrorangst: 2
  • Entführung: 1
  • Zwangsehe: 1

Oder im Bild:

Im Interview mit dem „Standard“ sagte SpOn-Chefredakteur Rüdiger Ditz vor einigen Monaten, die Unterschiede zwischen „Spiegel Online“ und Bild.de seien ähnlich groß wie zwischen Print-„Bild“ und Print-„Spiegel“. Das Verhältnis beschrieb er folgendermaßen:

Wir fischen in einem völlig anderen Gewässer.

Ist aber vermutlich auch nur eine Pfütze.

Out of Loch Ness

Am größten, tollsten, schönsten – die deutsche Sprache ist nicht unbedingt das beste Arbeitsmaterial für Marktschreier. Um das Publikum zu ködern, muss man schon Fantasie haben, darf keine Scheu haben, Worte neu zu besetzen. Wie zum Beispiel Hape Kerkeling, der vor 20 Jahren nicht etwa formschöne Badeutensilien, sondern Mörder-Duschhauben verteilte.

Diesem Vorbild wollte wohl der Redakteur von Spiegel Online nacheifern, als er eine Überschrift für diesen Artikel suchte, der vom bisher größten riesig-gigantischen Windpark handelt, der vor der britischen Küste entsteht.

Riesen-Windpark vor britischer Küste<br />
Siemens und RWE bauen das Monster Gwynt y Môr

Die größte Strafe

In Neuseeland ist ein Vater zur Zahlung von umgerechnet etwa 100 Euro Strafe verurteilt worden, weil er seinen 18 Monate alten Sohn 40 Minuten lang im Auto allein gelassen hatte. Mitten in der Nacht. Vor einem Striplokal.

Jedoch:

Laut Richter Michael Behrens habe sich der Vater eindeutig „keinen Phantasien“ hingegeben. Die größte Strafe für Schwamm aber sei, dass die Öffentlichkeit davon ausgehe, dass er in dem Lokal etwas Anrüchiges getan habe, während sein Kind alleine im Auto lag, sagte der Richter dem neuseeländischen Radiosender „3news“.

Und deshalb überschreibt „Spiegel Online“ die Meldung, der dieser Satz entstammt, auch wie folgt:

Neuseeland: Vater lässt Baby während Strip-Club-Besuchs alleine im Auto

Mit Dank an Philipp S.

Eine Meldung für die Saure-Gurkhas-Zeit

Seit gestern macht eine Meldung die Runde:

Filmemacher Matthew Vaughn hat genug von irren Stalkern: Schiffer-Ehemann: Elite-Soldaten schützen meine Familie!

Claudia Schiffer + Matthew Vaughn: Gurkha-Kämpfer zum Schutz vor Stalkern. Nachdem Claudia Schiffer und Matthew Vaughn immer wieder unschöne Begegnungen mit Stalkern hatten, lässt sich das Paar seit einigen Jahren von einer Gruppe nepalesischer Ex-Soldaten schützen

Claudia Schiffer: Ihr Mann hat Angst um sie

Verbrechensprävention: Ex-Soldaten beschützen Claudia Schiffer

Mittwoch, 24. März 2010: Claudia Schiffer wird von Elite-Soldaten bewacht

Claudia Schiffer: Elitesoldaten als Leibgarde. Claudia Schiffer geht nur noch in Begleitung von nepalesischen Elitesoldaten aus dem Haus. Ihr Ehemann hat so große Sorge um seine Frau, dass er die "trainierten Killer" engagiert hat.

Leibwache: Claudia Schiffer wird von Elite-Soldaten geschützt. Topmodel Claudia Schiffer wird sehr gut bewacht. Ihr Mann Matthew Vaughn ist so um das Wohl der Familie besorgt, dass er Gurkhas – eine nepalesische Sondereinheit der britischen Armee – angeheuert hat. „Sie sind großartige Leute. Und sie sind trainierte Killer", sagte der britische Filmemacher.

Schiffers Ehemann heuert trainierte Killer an

Die Information mit den Ex-Soldaten haben die meisten Medien von der Deutschen Presse-Agentur, die dieses Detail aus einem eher umfangreichen und thematisch vielschichtigen Interview destilliert hat, das Claudia Schiffers Ehemann Matthew Vaughn der britischen „Sun“ gegeben hat.

Allerdings hat dpa auch noch selbst etwas recherchiert:

Schiffers Sprecherin bestätigte der dpa am Mittwoch in London, dass die Gurkhas „seit langem“ zum Personal der Familie gehören.

Um dieses „seit langem“ genauer zu quantifizieren, hätten dpa oder Teile der weiter verbreitenden Medien nur einen Blick in ihre eigenen Archive werfen müssen:

28.12.2004 Vorsichtiges Model: Elitesoldaten bewachen Claudia Schiffer

28. Dezember 2004, 15:21 Uhr Personenschutz: Nepalesen wachen über die Schiffers

Claudia Schiffer (34), Supermodel, und Ehemann Matthew Vaughn (33) setzen beim Personenschutz einen neuen Trend. Nach einem Bericht des "Daily Mirror" hat das Paar zur Bewachung britische Gurkhas angeheuert. Die zur britischen Armee gehörenden Eliteeinheiten aus Nepal sind für ihre Unerschrockenheit bekannt. Schiffer-Freundin Madonna soll so beeindruckt gewesen sein, daß sie die Ex-Soldaten auch für ihren Schutz einsetzen will.

Claudia Schiffer holt sich die härtesten Bodyguards der Welt

Claudia Schiffer heuert Elite-Soldaten an: Gurkhas schützen ihr Haus

Andererseits wäre bei so einem Gang ins Archiv vielleicht aufgefallen, dass es eigentlich keinen Grund für die jetzige Meldung gab.

Mit Dank an Judeth.

Wider die wirren Währungswürdigungen!

„Wir widersetzen uns allen Ländern, die sich an gegenseitigen Schuldzuweisungen beteiligen oder starke Maßnahmen ergreifen, andere dazu zu zwingen, ihre Währung zu würdigen.“

Das soll der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao laut „Hamburger Abendblatt“ und „Spiegel Online“ gesagt haben.

Man muss kein Experte in Finanzpolitik sein, um zu merken, dass dieser Satz sprachlich schlampig und inhaltlich großer Unsinn ist. Doch wirr ist in diesem Fall nicht Wen Jiabao, sondern lediglich die unqualifizierte Übersetzung des Deutschen Auslands-Depeschendienstes (DAPD). In der englischen Version liest sich Wens Aussage deutlich weniger wirr, da sagt der chinesische Ministerpräsident nämlich lediglich:

“We oppose countries pointing fingers at each other and even forcing a country to appreciate its currency.”

(“Wir lehnen es ab, dass Staaten sich gegenseitig die Schuld geben und sogar einen Staat zwingen, seine Währung aufzuwerten.”)

So bleiben schon deutlich weniger Fragen — außer vielleicht, warum „Spiegel Online“ und das „Hamburger Abendblatt“ so einen offensichtlichen Unfug weiterverbreiten.

Nachtrag/Korrektur, 17.08 Uhr: „Spiegel Online“ hat den Fehler mittlerweile korrigiert, dabei allerdings einen Fehler von BILDblog übernommen. Denn natürlich muss es in der deutschen Übersetzung „und“ heißen, wo im Englischen „and“ steht, nicht „oder“. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen, haben ihn nun korrigiert und bedanken uns bei den zahlreichen Hinweisgebern.

Die Reifeprüfung

Schlechte Nachrichten, die die Deutsche Presse-Agentur da heute Morgen um 5.30 Uhr unter der Überschrift „Jeder zweite Schulabgänger ‘nicht ausbildungsreif'“ verkündet hat:

Fast jeder zweite Schulabgänger gilt als „nicht ausbildungsreif“ und muss vor Vermittlung in eine Lehrstelle zusätzliche Fördermaßnahmen absolvieren. Dies geht aus dem Entwurf des „Berufsbildungsberichts 2010″ der Bundesregierung hervor, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt.

Doch es reich nicht immer aus, wenn einem so ein Entwurf vorliegt — man muss ihn auch verstehen. Und das ist gar nicht so einfach, wie ein Sprecher des Bundesministeriums für Bildung und Forschung uns gegenüber zugab.

Der Journalist von dpa habe einfach die Zahl aller Schulabgänger aus dem Jahr 2008 mit der Zahl der Eintritte in sogenannte berufsgrundbildende Maßnahmen verglichen und war so auf einen Wert von 47,3% gekommen. Übersehen hatte er dabei aber, dass diese Maßnahmen auch von Abgängern anderer Jahrgänge in Anspruch genommen werden können, dass sie mehrfach besucht (und dann auch mehrfach gezählt) werden können und dass sie teilweise von „ausbildungsreifen“ Jugendlichen zur Qualifikationsverbesserung genutzt werden.

All das hat das Ministerium in einer ersten Reaktion auf den dpa-Bericht auch mit einer etwas umständlichen Pressemitteilung ausdrücken wollen, doch da waren die Jugendlichen schon in den Brunnen gefallen: Weil sie die mutmaßlichen Ergebnisse des Berichts, der Mitte April dem Kabinett vorgelegt werden soll, direkt verkünden wollten, hatten Onlinemedien wie „Spiegel Online“, „Welt Online“ und RTL.de (dort übrigens unter der beeindruckenden Überschrift „Viele Schulabgänger zu dumm zum Arbeiten“) die Fehlinterpretation von dpa bereits in die Welt getragen.

Doch nicht nur das. Auch die Zahlen von 2005, mit denen dpa (und damit auch „Spiegel Online“ und „Welt Online“) die von 2008 vergleicht, sind falsch, weil auf die gleiche Weise zustande gekommen:

Zwar sei die Zahl der von der Bundesagentur für Arbeit als „nicht ausbildungsreif“ eingeschätzten Jugendlichen zwischen 2005 und 2008 wieder leicht zurückgegangen – und zwar von 55 Prozent auf 47,3 Prozent. Doch gebe es für diese Gruppe der Schulabgänger immer noch erhebliche Probleme bei der Ausbildungsplatzvermittlung.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff „nicht ausbildungsreif“ oft sehr unterschiedlich definiert wird. Wenn man ihn mit „gar keinen Schulabschluss schaffen“ gleichsetze, liege der Wert seit Jahren bei rund 8%, so der Ministeriumssprecher weiter.

Ohne ihre erste Version über die „Ausbildungsreife“ zurückzuziehen, hat dpa um 15.11 Uhr einen ausführlicheren Text über den Entwurf zum Berufsbildungsbericht verschickt, in dem es jetzt heißt:

Der Anteil der Jugendlichen, die zwischen Schule und Eintritt in die Berufsausbildung zunächst einen ergänzenden Grundbildungskurs besuchen, wird in dem Bericht für das Jahr 2008 mit 47,3 Prozent beziffert. 2005 lag dieser Anteil laut Bericht sogar bei 55 Prozent.

Die Möglichkeit, dass manche Absolventen dieser Kurse mehrfach gezählt werden, ist da immer noch nicht berücksichtigt. Oder wie es das Bundesministerium für Bildung und Forschung formulierte: Die neue Version ist „schon richtiger, aber immer noch nicht ganz richtig“.

Mit Dank an Hendrik W.

Nachtrag, 4. März, 0.30 Uhr: Um 20.03 Uhr verschickte dpa eine Berichtigung des ersten Textes:

Berichtigung: In der Überschrift und im ersten Absatz wurden die Zahlenangaben entfernt. Das Bundesbildungsministerium hat darauf hingewiesen, dass bei der im Entwurf des Berufsbildungsberichtes 2010 „genannten Referenzgröße von 47,3 Prozent“ bei den Teilnehmerzahlen für zusätzliche Bildungsmaßnahmen auch Schulabgänger früherer Jahrgänge mitgezählt worden seien. In der Zusammenfassung um 15.11 Uhr (dpa 4299) ist dieser Umstand bereits berücksichtigt worden.

Davon ab verzichtet dpa in dieser Version auf jedwede Prozentzahlen.

„Spiegel Online“ hat seinen kompletten Artikel entfernt und durch diesen Hinweis ersetzt:

In eigener Sache

An dieser Stelle stand ein Artikel („‘Mangelhaft’ für deutsche Schulabgänger“), in dem auf Basis der Nachrichtenagentur dpa falsch gewichtete Zahlen über die Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen berichtet wurden. Inzwischen hat die Agentur ihre Darstellung korrigiert und die Bundesregierung die ursprünglichen Zahlen dementiert. SPIEGEL ONLINE berichtet darüber in einem eigenen Artikel…

„Welt Online“ hat seinen Artikel komplett überarbeitet, aber auf einen Hinweis darauf verzichtet.

Nur bei RTL.de heißt es weiterhin:

Die Bilanz ist erschreckend: fast jeder zweite Schulabgänger ist laut dem ‘Berufsbildungsbericht 2010′ der Bundesregierung zu unqualifiziert für eine Ausbildungsstelle.

2. Nachtrag, 10.45 Uhr: Wer ist natürlich gestern noch voll drauf reingefallen?

Berufsbildungsbericht: Sind unsere Azubis zu blöd?

Und wer verbreitet den Quatsch heute immer noch?

Ernst Elitz, früherer Intendant des Deutschlandradios, in einem Kommentar für „Bild“:

Handwerker suchen händeringend Lehrlinge. Sie wollen Arbeit schaffen. Aber fast jeder Zweite, der in eine Lehre soll, ist „nicht ausbildungsreif“.

Mit Dank an Andreas H.

Das letzte Mysterium um WTC 7

Hefte raus, Klassenarbeit!

Lesen Sie die folgenden einleitenden Absätze des „Spiegel Online“-Artikels „Warum der dritte Turm des World Trade Centers fiel“ aufmerksam und beantworten Sie anschließend die unten stehenden Fragen:

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet das National Institute of Standards and Technology (NIST) an der Klärung der Frage, warum Turm Sieben des World Trade Centers am 11. September 2001 um 17.21 Uhr Ortszeit zusammengebrochen ist. Das 47-stöckige Gebäude war im Gegensatz zu den zuvor eingestürzten Zwillingstürmen nicht von einem Flugzeug getroffen worden.

Ende dieses Monats werden die Ermittler des NIST den seit langem erwarteten Bericht laut BBC voraussichtlich vorstellen – und vermutlich mitteilen, dass normale Feuer in mehreren Etagen den Zusammensturz des dritten Turmes verursacht haben. Damit wäre es weltweit das bisher einzige Hochhaus aus Stahl, das infolge eines Brandes eingestürzt ist.

1. Seit wann arbeitet das NIST an dem Fall?
2. Wann wird der Ermittlungsbericht vermutlich vorgestellt werden?

Schreiben Sie Ihre Antworten bitte auf ein Blatt Papier und werfen Sie dieses anschließend in den Papierkorb — Sie sind nämlich alle durchgefallen!

Aus Gründen, die vermutlich nur in mehr als zweijähriger Ermittlungsarbeit ans Tageslicht zu zerren sind, hat „Spiegel Online“ nämlich heute einen Artikel veröffentlicht, der sich auf einen mehr als anderthalb Jahre alten BBC-Bericht beruft — die Formulierungen „diesen Monat“, „mehr als zwei Jahre“ und die Zitate des leitenden Ermittlers Shyam Sunder finden sich jedenfalls alle bei der BBC und beziehen sich auf den Juli 2008. Veröffentlicht wurde der Abschlussbericht des NIST dann übrigens erst im November 2008.

Dass da etwas nicht stimmte, muss auch „Spiegel Online“ aufgefallen sein. Am Nachmittag fand sich am Ende des Artikels plötzlich diese Anmerkung:

Anm. d. Red.: Aufgrund eines redaktionellen Fehlers ist der Artikel „Warum der dritte Turm des World Trade Centers fiel“ an diesem Montag veröffentlicht worden. Dabei entstand der Eindruck, es handele sich um eine aktuelle Nachricht. In Wirklichkeit stammt die zu Grunde liegende Meldung der BBC jedoch aus dem Jahr 2008. Wir bitten das Versehen zu entschuldigen!

Das warf vermutlich die Frage auf, warum denn eine anderthalb Jahre alte Meldung unter dem heutigen Datum online stehen müsse — und so hat „Spiegel Online“ den Artikel kurze Zeit später komplett gelöscht und durch einen Hinweis in eigener Sache ersetzt.

Das ist doch mal ein souveräner und transparenter Umgang mit eigenen Fehlern!

Mit Dank an Tobias R.

Nachtrag, 16. Februar: Rüdiger Ditz, Chefredakteur von „Spiegel Online“ erklärte uns auf Anfrage:

Dieser peinliche Fehler ist passiert, weil die Geschichte in der Sektion Most Popular Stories Now [auf news.bbc.co.uk] unter den Top 5 verlinkt war.

Den gleichen Denkfehler hatte offensichtlich auch die französische Website slate.fr begangen (und in der Zwischenzeit korrigiert) — auf die sich dann wiederum Yahoo! News berief.

Eine Reise, die Fragen aufwirft

„Spiegel Online“ lud gestern zum „Nintendo-Quiz“. Überraschenderweise muss man dafür nicht wissen, welchen Beruf Super Mario hat, wer „Tetris“ erfunden hat oder wie die aktuelle Nintendo-Spielekonsole heißt.

Nein, darum geht’s:

Was bedeutet „Safari“? Wo leben die Sherpa? Und wer erfand eigentlich das Sandwich für Zwischendurch? Testen Sie im SPIEGEL-ONLINE-Reisequiz Ihr Wissen – und rätseln Sie sich mit Fragen aus dem Nintendo-Spiel „Weltreise“ von Kontinent zu Kontinent.

Die Firma Nintendo bringt für ihren tragbaren Spielcomputer „Nintendo DS“ seit längerem Spiele heraus, die „Spiegel Online“ im Titel tragen: „Allgemeinwissen“, „Life Coach“ und jetzt eben „Weltreise“.

Beim „Nintendo-Quiz“ auf „Spiegel Online“ gilt es, Fragen aus eben diesem Spiel zu beantworten. Und damit der Leser auch weiß, wie er an das Spiel kommt, findet sich links neben den Fragen ein subtiler Hinweis:

Spielerisch vermittelt SPIEGEL ONLINE – Weltreise allen Reiselustigen geographisches und länderspezifisches Wissen – vom Kofferpacken bis hin zu Geheimtipps am Zielort. Jetzt im SPIEGEL- Shop!

Wie traurig ist das: Der Online-Ableger des traditionsreichen Nachrichtenmagazins „Spiegel“ stellt im Rahmen einer Werbeklickstrecke läppische Quizfragen („Wo steht der Buckingham Palace?“), die die Journalisten entweder einem Computerspiel entnommen oder ursprünglich selbst für das Computerspiel geschrieben haben, aus dem sie sie nun wieder recyclen, um dafür zu werben.

Gestern Nachmittag haben wir „Spiegel Online“-Chefredakteur Rüdiger Ditz gefragt, ob das Quiz nicht wenigstens als „Anzeige“ bzw. „Eigenanzeige“ gekennzeichnet werden müsste.

Eine Antwort haben wir bisher nicht bekommen, aber statt „Nintendo-Quiz“ steht plötzlich etwas anderes über den Fragen:

Reisequiz: Einmal um die Welt gerätselt

Mit Dank an Achim S.

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