Archiv für Hamburger Morgenpost

Mach’s noch einmal, Meggle

Der neue Cheftrainer des FC St. Pauli hat der „Mopo“ zu seinem Einstand am Mittwoch ein exklusives Interview gegeben:

Doch der Eindruck täuscht. In Wahrheit stammen die Antworten des Trainers aus einer Pressekonferenz, die am gleichen Tag stattfand (hier der Vergleich). Die Fragen kamen auch nicht nur vom „Mopo“-Reporter, sondern von verschiedenen Journalisten. Darum tauchen in anderen Medien auch genau die gleichen Meggle-Zitate auf.

Kurzum: Das Interview hat es so nie gegeben. Die Sportredaktion der „Mopo“ führt ihre Leser — so wie „Bild“ neulich — schlichtweg in die Irre.

Mit Dank an Carsten S.

Darf man das Gesicht eines mutmaßlichen Täters zeigen?

Viele Leser haben uns heute empört auf die Berichterstattung über ein Verbrechen in Norddeutschland hingewiesen. Es geht um diese Geschichte:




(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Der Mann ist gestern festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus.

Unsere Hinweisgeber kritisieren nun vor allem, dass die Medien ein unverpixeltes Foto des mutmaßlichen Täters zeigen und seinen Klarnamen nennen, also identifizierend über ihn berichten. Auch unser erster Gedanke war: Das dürfen die doch nicht!

Aber: Sie dürfen es. Oder besser gesagt: Sollte der Mann rechtlich gegen die Berichterstattung vorgehen, stünden seine Erfolgschancen nur sehr schlecht.

Das liegt zum einen daran, dass er Politiker ist. Und für die gelten andere Maßstäbe als für Nicht-Politiker, denn: „Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden oder eine herausgehobene gesellschaftliche Position innehaben, müssen sich bereits bei geringen Verfehlungen öffentlicher Kritik stellen.“ So schreibt es der Medienrechtler Udo Branahl in seiner Einführung ins Medienrecht — und gibt dazu folgende Beispiele:

Über den Ladendiebstahl eines Landesministers darf zutreffend berichtet werden.

Auch ein Polizeibeamter, der als „Hüter von Recht und Ordnung“ in besonderer Weise öffentlicher Kontrolle und Kritik ausgesetzt ist, muss die Nennung seines Namens selbst bei weniger schweren Delikten eher dulden als ein vergleichbarer Arbeiter oder Angestellter. (…)

Ein Mitglied des Gemeinderats kann sich gegen die Veröffentlichung eines Fotos, das zeigt, dass er während einer Ratssitzung „eingenickt“ ist, nicht erfolgreich zur Wehr setzen.

Und wenn die Gerichte schon bei solch vergleichsweise kleinen Vorwürfen eine identifizierende Berichterstattung erlauben, würden sie es bei einem Mordverdacht wohl nicht anders sehen.

Aber was ist mit der Unschuldsvermutung? Auf Anfrage erklärte uns Udo Branahl: Wenn es so gewesen sei, wie es die Medien schildern — angeblich schoss der Mann aus Wut über seinen Steuerbescheid (niedrige Beweggründe), war während der Tat mit dem Opfer allein in einem Raum und wurde noch am Tatort festgenommen –, spreche einiges für die Täterschaft des Mannes, also auch in diesem Punkt hätte er vor Gericht wahrscheinlich keine guten Chancen.

Kurzum: Aus juristischer Sicht kann man den Medien zum jetzigen Zeitpunkt keinen großen Vorwurf machen.

Und der Pressekodex? Auch der gestattet in bestimmten Fällen die identifizierende Berichterstattung über Tatverdächtige. Voraussetzung ist aber ein erhebliches Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Dafür, dass ein solches Interesse vorliegt, spricht zum Beispiel, wenn „eine außergewöhnlich schwere (…) Straftat vorliegt“ oder „ein Zusammenhang bzw. Widerspruch besteht zwischen Amt (…) einer Person und der ihr zur Last gelegten Tat“. Beides trifft, wenn man der Darstellung der Medien glaubt, in diesem Fall zu. Auch halten sich die meisten Medien daran, den Mann als „mutmaßlichen“ Täter zu bezeichnen, die Beschreibungen sind zudem überwiegend sachlich. Sollte sich der Presserat also demnächst mit den Artikeln befassen, wäre es nicht überraschend, wenn er zu dem Entschluss käme, dass kein Verstoß gegen den Kodex vorliegt.

Doch auch wenn die Berichterstattung weder gegen das Gesetz noch gegen den Pressekodex verstößt — ob man sie als Medium so prominent bringen muss, ist natürlich eine andere Frage.

Gerade die Verdachtsberichterstattung ist ein Gebiet, auf dem Journalisten extrem sorgfältig vorgehen müssen. Schon viel zu oft wurden Tatverdächtige von den Medien verurteilt, obwohl sie, wie sich dann später herausstellte, mit der Sache nichts zu tun hatten. Und selbst wenn sie etwas damit zu tun hatten und das sogar gestehen:

Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines „Medien-Prangers“ sein. (Pressekodex, Richtlinie 13.1)

Mit Dank an Anonym, Torsten K. und T.D.!

Tina Turner erleidet Schlagzeilenanfall

Es ist die goldene Regel des Onlinejournalismus: Wenn die Konkurrenz über irgendwas Spektakuläres berichtet — erst mal abschreiben. Überprüfen kann man das ja später noch. Irgendwann. Vielleicht. Hauptsache, man hat die Geschichte auch.

Die über Tina Turner zum Beispiel:

Ihre gigantische Rock-Karriere hat sie längst an den Nagel gehängt, lebt ruhig und skandalfrei am Zürichsee. Doch jetzt die Schock-Nachricht: Tina Turner (74) hatte einen Schlaganfall.

Ihr österreichischer Freund und Fahrer Albert B. (58) verriet der MOPO, dass Tina Turner ihren geplanten Urlaub am Wörthersee in Kärnten absagen musste. Regelmäßig macht sie dort eine Schönheitskur – normalerweise. Denn, so der Vertraute: „Sie hatte einen leichten Schlaganfall, ist aber wohl auf dem Weg der Besserung.“

Diese „Schock-Nachricht“ ist heute von den Schwesterblättern „Hamburger Morgenpost“ und „Express“ in die Welt gesetzt worden, und es dauerte nicht lange, bis sie auch bei Dutzenden anderen Medien zu lesen war:



So richtig überzeugt waren die Abschreiber vom Wahrheitsgehalt der Story zwar nicht, wie man an den vielen Fragezeichen und Konjunktiv-Konstruktionen und den Verweisen auf „Medienberichte“ erkennen kann. Aber egal. Denn wie gesagt: Das Wichtigste ist, dass man es auch hat. Die Recherche kommt dann später. Vielleicht.

Einige Journalisten aus der Schweiz waren dagegen weit weniger faul vorschnell und fragten lieber mal bei der Agentur Richterich und Partner nach, die für Teile von Turners PR-Arbeit zuständig ist. Und dort erfuhren sie: Tina Turner plane gar keinen „Urlaub am Wörthersee“, wie die deutschen Medien behauptet hatten. Es gebe auch keinen Fahrer namens Albert B. Und vor allem habe die Sängerin keinen Schlaganfall gehabt. „Fakt ist, dass sich Tina bester Gesundheit erfreut“, sagte der Sprecher dem Schweizer Portal 20min.ch.

Gegenüber BILDblog hat die Agentur bestätigt, dass an der Schlaganfall-Geschichte nichts dran sei. Wie es zu der Falschmeldung gekommen ist, könne man sich auch nicht erklären. Nachgefragt habe bei ihnen jedenfalls keiner der deutschen Journalisten.

Inzwischen haben viele Medien ihre Berichterstattung immerhin korrigiert. Manche drehen die Sache auch klickträchtig weiter und sprechen jetzt von einem „Wirbel“ um den Gesundheitszustand von Tina Turner. Andere — so wie mopo.de und express.de — haben ihre Artikel einfach gelöscht.

Nachtrag, 27. Mai: Die „Morgenpost“ schreibt heute in einer kleinen Meldung: „Tina geht es gut“. Eine Erklärung oder Entschuldigung für ihre ursprüngliche Berichterstattung sucht man allerdings vergebens.

Und dann ist da noch die „Welt“, die heute verkündet:

Tina Turner erleidet Schlaganfall

Ihre Fans sind in großer Sorge um Tina Turner. Die 74-Jährige hat offenbar einen Schlaganfall erlitten. [...]

Schildbürger unter sich

Fast jeder kennt die Geschichten über die Schildbürger, die in ihrem Übereifer immer wieder ambitionierte Projekte beginnen und dann doch an den simpelsten Grundlagen scheitern. Zum Beispiel die Geschichte, als sie ein Rathaus ohne Fenster bauten und anschließend versuchten, das fehlende Licht mit Eimern und Fässern in das Gebäude zu schaffen.

Das ist wahrscheinlich ein Grund, warum die Geschichte von dem spanischen Hochhaus ohne Fahrstuhl in der Deutschen Presse so viel Aufmerksamkeit erntete. Zum Beispiel in Bild.de:

Hochhaus gebaut – aber Aufzug fehlt Architekt vergaß den Fahrstuhl-Schacht +++ Bauarbeiter müssen schleppen +++ Mieter müssen laufen

Stern.de beschrieb detailreich:

Mit 210 Metern soll es das höchste Wohnhaus Europas werden. Ein Aushängeschild der Superlative, so war der Plan. 3,7 Millionen Euro kostete zu Baubeginn eine Maisonettewohnung im

Und Welt.de wusste auch den Grund dafür:

Der Aufzug wurde nur für die ersten 20 Stockwerke konzipiert, beim Weiterbau vergaß man den Aufzugschacht bis zu Spitze.

Auch Spiegel Online, die Neue Zürcher Zeitung, die Hamburger Morgenpost und viele andere verbreiteten die Mär vom fehlenden Aufzug.

Alleine: Der Artikel in der Zeitung El País (englische Fassung), auf den sich die Artikel direkt oder indirekt berufen, hat zwar allerhand zum Thema Fahrstühle zu berichten: Es gab einen Unfall mit dem Lastenaufzug, der ohnehin zu spät gebaut worden war. Dass allerdings die Fahrstuhlschächte ab dem 20. Stockwerk fehlen — das stand nirgends. Die entscheidene Textstelle lautet (Übersetzung von uns):

Im Januar 2012 gab es eine neue Überraschung: Bei den Planungen war der Aufzugschacht nicht beachtet worden, wie die öffentlichen Pläne klar zeigen. „Der Platz wurde nur für ein 20stöckiges Gebäude berechnet“, sagten die gleichen Quellen.

Das kann natürlich vieles heißen: dass die Fahrstuhlschächte unterdimensioniert sind, dass der Platz für den Antrieb falsch berechnet war, dass zu wenige Fahrstühle für die erhöhte Einwohnerzahl zur Verfügung standen. Für die Extrem-Interpretation, dass die Fahrstuhlschächte gleich ganz fehlten, fehlte jedoch jeder Hinweis. Und wie zu erwarten war, stimmte dies auch nicht. Wie zum Beispiel das Blog Barcepundit auflistet, hat der Wolkenkratzer sogar ganze 10 Aufzüge — und die Schächte reichen bis in den 47. Stock. Treppen steigen muss also niemand.

Doch statt ihre Falschmeldungen einfach zu löschen oder zu korrigieren — wie es zum Beispiel Spiegel Online sehr halbherzig tat — versuchten einige Redaktionen ihre durch Fakten verpfuschte Geschichte noch zu retten. So erklärte die Welt kurzerhand das Fehlen des Schildbürgerstreiches selbst zur Posse:

Screenshot: Welt.de

Doch wie spanische Medien kolportieren, sei beim Bau ein bedauerlicher Fehler unterlaufen. Die Tageszeitung „El País“ will anhand der Baupläne herausgefunden haben, dass der Aufzugsschacht für ein Hochhaus von nur zwanzig Stockwerken und damit zu eng konzipiert war. Für ein doppelt so großes Hochhaus wie das Intempo braucht man stärkere Motoren und andere Zugsysteme. Erst im Januar habe man den Fehler bemerkt und die drei Aufzugsschächte erweitert, was die Arbeiten erheblich verzögerte, heißt es beim spanischen Nachrichtensender „La Sexta“. Viele spanische Online-Portale juxen derweil munter weiter über das Hochhaus mit dem fehlenden Aufzug.

Dass die Redaktion das eigene Rechercheversagen überspielt und „spanischen Online-Portalen“ in die Schuhe schiebt, ist dreist, aber kaum bemerkenswert. Dass es die Redaktion aber schafft, trotz der Nachfrage beim Architekten die Falschmeldung vom „offenbar vergessenen“ Fahrstuhl noch in die Überschrift zu packen hingegen zeigt eine stolze Ignoranz, die eins deutlich macht: Deutsche Journalisten müssen sich offenbar nicht hinter Schildbürgern verstecken.

Mit Dank an Greta H., hvd69, Patrick R. und Mathias S.

Ein Foto, das für Empörung sorgt

Am vergangenen Dienstag berichtete die „Hamburger Morgenpost“ über die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten in der Türkei. Auf Seite 3 druckte die „Mopo“ dieses große Foto:

[Bildunterschrift:] Ein Foto, das für Empörung sorgt: Ein Polizist tritt einer Demonstrantin, deren Hände auf den Rücken gefesselt sind, gegen den Kopf.

In der Bildunterschrift steht:

Ein Foto, das für Empörung sorgt: Ein Polizist tritt einer Demonstrantin, deren Hände auf den Rücken gefesselt sind, gegen den Kopf.

Und im Text heißt es:

Das brutale Vorgehen der türkischen Polizei gegen die Demonstranten sorgt für immer mehr Empörung. Ein Foto zeigt, wie ein Polizist einer jungen Frau, die offenbar zuvor festgenommen und gefesselt wurde, gegen den Kopf tritt.

Allerdings wurde das Foto nicht vor kurzem aufgenommen, sondern vor vier Jahren. Und zwar nicht in der Türkei, sondern in den USA.

Via Migazin.
Mit Dank an Marty C., Sejfuddin, Steffen E. und Zafe.

Der GEZ-Spuk der Friedhofsbagger

Seit ein paar Tagen geistern Friedhofsbagger durch die Berichterstattung über die neue Rundfunkabgabe. Auslöser war ein Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ Ende Januar, wonach die Stadt Köln die Zahlung der Rundfunkgebühren vorerst verweigere. Sie sah sich nicht im Stande, Fragen zu beantworten wie die, ob sie „jetzt auch für unsere Friedhofsbagger Gebühren zahlen müssen“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ griff diese Frage auf, ohne sie zu beantworten (und titelte sogar: „Ein Bagger sieht fern“); „taz“ und „Tagesspiegel“ hielten es ebenso. Das „Handelsblatt“ nannte die „absurde“ Frage als Beispiel dafür, dass die Einführung des neuen Rundfunkbeitrags „nicht so simpel“ sei, „wie uns die Anstalten weismachen wollen“.

Dabei findet sich die Antwort auf die Frage dort, wo man sie vermuten würde: auf der offiziellen Seite des Rundfunk-Beitragsservice unter „Kraftfahrzeuge“:

Sind Bagger, Kehrfahrzeuge oder Gabelstapler beitragspflichtige Kraftfahrzeuge?

Kraftfahrzeuge, die nach der Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr (FZV) keiner Zulassung bedürfen, sind nicht beitragspflichtig (siehe § 3 FZV). Dazu zählen u.a. selbstfahrende Arbeitsmaschinen (z. B. Bagger und Kehrfahrzeuge) sowie Stapler (z. B. Gabelstapler).

Doch die Geschichte mit den angeblich möglicherweise rundfunkbeitragspflichtigen Friedhofsbaggern wurde nicht begraben, im Gegenteil. Sie tauchte gestern als Untoter an prominenter Stelle wieder auf: in einer dpa-Meldung über eine Pressekonferenz der ARD. Die Agentur berichtete um 16.01 Uhr:

Hamburg (dpa) – Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor hat „in einzelnen Fällen“ Nachbesserungen beim Rundfunkbeitrag in Aussicht gestellt. „Bei einer solchen Neuregelung kann es einzelne Fälle geben, wo es Nachbesserungsbedarf gibt“, sagte Marmor am Dienstag in Hamburg. Als Beispiele nannte er Beitragsrechnungen an Kommunen für Bagger und Friedhöfe. (…)

Erst um 18.48 Uhr korrigierte dpa sich, wies nun explizit darauf hin, dass „Friedhöfe und Bagger nicht beitragspflichtig sind“ und änderte den Anfang der Meldung so:

Hamburg (dpa) – Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor hat „in einzelnen Fällen“ Nachbesserungen beim Rundfunkbeitrag in Aussicht gestellt. „Bei einer solchen Neuregelung kann es einzelne Fälle geben, wo es Nachbesserungsbedarf gibt“, sagte Marmor am Dienstag in Hamburg. Zum Beispiel müssten demente Patienten in Pflegeheimen keine Beitrage zahlen. Es werde zur Zeit viel geschrieben über Gebührenrechnungen zum Beispiel für Friedhöfe und Bagger. Diese seien jedoch in Wahrheit nicht beitragspflichtig.

Das hätten Journalisten auch vor der Korrektur wissen können, aber selbst die Korrektur half nur wenig.

Die „Hamburger Morgenpost“ behauptet:

Firmen, Städte und Gemeinden leisten den Beitrag bislang nach Betriebsstätten und Fahrzeugen. Bei Fällen wie Beitragsrechnungen an Kommunen für Bagger und Friedhöfe könnte es jetzt allerdings Entlastungen geben.

Bei der vermeintlichen Fachzeitschrift „w&v“ steht die Falschmeldung online sogar noch in der Überschrift:

Rundfunkbeitrag für Bagger und Friedhöfe? ARD will nachbessern

In der gedruckten „Badischen Zeitung“ steht der Fehler heute ebenso wie auf den Internetseiten von „Stern“ und „Schleswig-Holsteinischem Zeitungsverlag“.

„Spiegel Online“ — wo die Meldung die steile Überschrift trägt: „ARD verspricht Änderungen bei GEZ-Beitrag“ — hat den ursprünglichen Vorspann unauffällig und ohne Hinweis geändert. Ursprünglich lautete er:

Rundfunkbeitrag für Bagger oder Friedhöfe? Dass dies absurd ist, scheint auch den Öffentlich-Rechtlichen klar zu werden.

Wann es auch den Berichterstattern klar wird, ist noch offen.

Nachtrag, 13.00 Uhr. Auch die gedruckten Ausgaben von „Bild“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichten heute entsprechend falsch.

Eklat-Eklat um „Neger-Puppe“

Wahrscheinlich haben Sie es gar nicht mitbekommen, falls doch, haben Sie es bestimmt längst wieder vergessen, aber vor fünf Wochen gab es einen „Eklat“ in Deutschland:

TV-Moderatorin Sarah Kuttner angezeigt: Eklat um "Neger-Puppe". Lesung in Hamburg endet mit Polizei-Einsatz.

„Spiegel Online“ hat den Wahnsinn, der da für etwa dreieinhalb Tage durch die Medien schwappte, damals sehr gut beschrieben und analysiert.

Der Artikel der „Hamburger Morgenpost“, der Auslöser für den ganzen Wirbel gewesen war, ist inzwischen aus dem Internetauftritt der Zeitung verschwunden und am letzten Samstag erschien die „MoPo“ mit dieser Titelseite:

Gegendarstellung von Sarah Kuttner: S. 13
(Unten rechts!)

Die derart angekündigte Gegendarstellung auf Seite 13 las sich dann so:

Gegendarstellung

Sie verbreiten durch die Wiedergabe der Äußerung eines Dritten in der Ausgabe der Hamburger Morgenpost vom Dienstag, den 22. Mai 2012 auf Seite 13, dass ich mich über eine „Negerpuppe“ wie folgt geäußert habe: „Sie … ließ sich über deren 30 Zentimeter große „Schlauchbootlippen“ aus und wiederholte, wie ekelhaft sie diese Lippen fand. Sie habe die Puppe wegschmeißen müssen, weil es keinen Sinn gehabt habe, sie zu behalten.“.

Ich habe mich so nicht geäußert.

Weiter verbreiten Sie als eine Äußerung eines Zuhörers, der mich zum Reden aufforderte, über mich, ich habe zu diesem gesagt: „Ich muss gar nicht reden, ich rauche gerade.“

Ich habe gegenüber dem Zuhörer erklärt, dass ich erst gerne eine Zigarette rauchen würde und danach gerne mit ihm reden würde.

Berlin, den 13. Juni 2012
Sarah Kuttner

Zur Einordnung:

Auch als Orakel unbrauchbar

Die EM-Halbfinals 2012 sind vorbei, Deutschland ist (wieder einmal) gegen Italien ausgeschieden.

Das macht die großspurigen „Witze“ mancher Boulevardmedien im Nachhinein natürlich noch ein bisschen peinlicher:

„Hamburger Morgenpost“, gestern:
11 Gründe, warum wir heute Abend Italien wegputzen: Pizza End-Statione

„Abendzeitung“, gestern:
Arrivederci, Italia!

Bild.de, gestern:
Wir wünschen schon jetzt eine gute Heimreise

Und erst letzten Samstag hatte „Bild“ noch groß verkündet:
Uns stoppt keiner mehr!

Mit Dank auch an C.

Der Preis ist kalt

Gestern wurde in Hamburg zum zweiten Mal der „Deutsche Radiopreis“ verliehen und man kann der „Hamburger Morgenpost“ nicht vorwerfen, ihren ganzen Artikel über die Veranstaltung im Voraus geschrieben zu haben, immerhin stehen darin ja die Namen einiger Gewinner.

Den ganzen Artikel hat die „MoPo“ also nicht „kalt geschrieben“, wie man das unter Journalisten so nennt.

Aber diesen Teil bestimmt:

Ach, und bei einem funkte es natürlich gewaltig – als der britische Schmuse-Barden James Blunt (37) seinen Hit „You’re beautiful“ ins Mikro schmachtete. Unter den Laudatoren: Cosma Shiva Hagen, Sonya Kraus, Tim Mälzer, Désirée Nosbusch.

Gesungen hat Blunt nicht etwa das sechs Jahre alte „You’re Beautiful“, sondern seine heute erscheinende Single „I’ll Be Your Man“.

Und was Sonya Kraus angeht: Nun, die hatte leider „kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen passen“ müssen, wie die Veranstalter des Radiopreises auf ihrer Website schreiben.

Und das schöne Foto von Frau Kraus auf der Startseite von mopo.de?

Das ist natürlich nicht gestern entstanden, sondern beim „Bunte New Faces Award“ im Juli. Das Foto von Cosma Shiva Hagen (rechts) entstand bei der Veranstaltung „Movie meets Media“ im vergangenen Dezember und das Bild von Moderatorin Barabara Schöneberger (links) ist mindestens vier Jahre alt.

Mit Dank an Bernd H.

Nachtrag, 14.40 Uhr: mopo.de hat ein paar der Archivbilder aus der Bildergalerie entfernt und den Artikel unauffällig umgeschrieben:

Ach, und bei einem funkte es natürlich gewaltig – als der britische Schmuse-Barden James Blunt (37) seinen Hit „I’ll Be Your Man“ ins Mikro schmachtete. Unter den Laudatoren: Cosma Shiva Hagen, Tim Mälzer, Désirée Nosbusch.

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