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Gute Vorsätze

Kurz vorm Abflug ins Trainingslager vor einer Woche hat FC-Bayern-Fußballer Thomas Müller mit „Bild“-Reporter Kai Psotta über seine Ziele für 2016 gesprochen:

„Bild“-Reporter: Was ist denn deine persönliche Zielsetzung für 2016? Ereignisreiches Jahr: EM, gibt drei Titel noch zu gewinnen mit Bayern …

Müller: Mein Hauptziel ist, so wenig wie möglich Interviews mit der „Bild“-Zeitung zu führen.

Mit Dank an Daniel N.

Nachtrag, 15. Januar: Und wie das mit guten Vorsätzen so ist … Direkt im Anschluss hat Müller dem „Bild“-Mann dann doch ein Interview gegeben.

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Wer hat’s gemunkelt?

Vor knapp zwei Wochen ist im „Stern“ eine Reportage über ein Flüchtlingsheim in Bautzen erschienen. Autorin Frauke Hunfeld hatte fast eineinhalb Jahre lang die Entwicklung des Heims (das früher mal ein Hotel war) verfolgt. An einer Stelle schreibt sie:

Gemunkelt wird viel, im Heim und auch außerhalb des Heims. Gemunkelt wird in Bautzen zum Beispiel, dass der Notarzt nur noch mit schusssicherer Weste ins Spreehotel geht und dass die Asylbewerber ungestraft klauen dürften, jedenfalls bis 50 Euro, das habe der Kreistag so beschlossen.

Doch wenn man versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, war es doch nicht die Tante vom Informanten, die das gesehen hat, sondern nur gehört, und zwar von einem, dessen Namen sie leider nicht weiß. Der Kreistag weiß nichts, die Polizei kennt die 50-Euro-Regel auch nicht, und was die Westen betrifft: Peter Rausch [der Betreiber des Heims] sagt, er habe noch keine Notärzte damit gesehen, und er sieht sie wirklich oft. Die Rettungsstelle sagt: durchstichsichere Westen wurden angeschafft, aber nicht fürs Spreehotel, sondern für Konfliktsituationen aller Art, Schlägereien, Fußballfans, Betrunkene. Im Supermarkt heißt es: Natürlich klauen die Flüchtlinge, aber eben auch nicht mehr als die Deutschen. Und dass Asylbewerber Hausverbot haben, da lacht der Verkäufer bloß, da wären sie ja schön blöd, „die tragen ihre 370 Euro im Monat doch zu 90 Prozent zu uns“.

Woher dieses Gemunkel kommt? Wir hätten da eine Vermutung.

Verzettelte Drohungen

Seit ein paar Tagen geistert ein gelber Zettel durch so ziemlich alle deutschsprachigen Medien:


(Bild.de)


(„Tagesschau“)


(„ARD Brennpunkt“)


(„ZDF heute“)


(„Spiegel TV“)


(„Focus Online“)


(ksta.de)


(express.de)


(krone.at)


(oe24.at)


(aargauerzeitung.ch)

Der Zettel soll bei einem der Verdächtigen aus der Silvesternacht gefunden worden sein. Viele Medien bezeichnen ihn als „Droh-Zettel“, denn er sei, wie zum Beispiel „Spiegel TV“ gestern feststellte, …

voll mit Drohungen und Anleitungen zur Gewalt.

Und zwar?

Auf dem Droh-Zettel steht u.a. „Ich töte sie“

(oe24.at)

„Ich töte sie“

(„Focus Online“)

„Ich töte Sie“

(ksta.de)

„Ich töte sie“

(„Kopp“)

„Ich töte sie“

(krone.at)

„Ich töte Sie“

(abendzeitung-muenchen.de)

„Ich töte dich“

(Bild.de)

„Ich töte Sie“

(fr-online.de)

Auch der Satz „Ich töte Sie“ ist zu lesen.

(weser-kurier.de)

Doch das stimmt nicht. Tatsächlich ist auf dem Zettel „Ich töte sie ficken“ zu lesen — und das ist (wie uns zwei Übersetzer bestätigt haben) wörtlich aus dem Arabischen übersetzt und bedeutet sinngemäß: „Ich werd’s dir richtig besorgen“.

Zu lesen war das bisher aber nur bei einem einzigen Medium:

Nicht alles, was hitler ist, ist verboten (3)

Sie haben es vermutlich mitbekommen:

70 Jahre lang war Adolf Hitlers „Mein Kampf“ verboten. Jetzt ist die widerliche Kampfschrift des Judenhassers wieder da, in neuer kommentierter Auflage.

Auch andere Medien nahmen den Jahreswechsel zum Anlass, sich mit „Mein Kampf“ und vor allem mit dem „Verbot des Buches“ zu beschäftigen. „Spiegel Online“-Autor Georg Diez zum Beispiel erklärte vergangene Woche in seiner Kolumne, „wie falsch es war, dieses Buch zu verbieten“:

Bücher sollten nie verboten werden, denn diese Art von Verboten sind Zeichen von Angst und Schwäche. Demokratien verbieten keine Bücher und keine Gedanken. Diktaturen tun das.

Doch auch wenn sie es bei „Spiegel Online“ und „Bild“ (und bei vielen anderen Medien) einfach nicht glauben wollen: „Mein Kampf“ war in Deutschland nie verboten.

Es durften bis zum 31. Dezember 2015 lediglich keine Neuauflagen gedruckt und herausgegeben werden, weil man damit gegen die Urheberrechte Adolf Hitlers verstoßen hätte, die 1946 1948 an das bayerische Finanzministerium gefallen sind. Seit Anfang dieses Jahres gilt der Urheberschutz nicht mehr, weil Hitlers Tod nun 70 Jahre zurückliegt. Theoretisch darf es jetzt also jeder nachdrucken.

Im Sommer 2014 haben zwar die Justizminister der Bundesländer beschlossen (PDF), „dass eine unkommentierte Verbreitung von Hitlers ‚Mein Kampf‘ auch nach Ablauf der urheberrechtlichen Schutzfrist zum 31. Dezember 2015 verhindert werden soll“, außerdem wurden die Generalbundesanwälte um Einschätzung gebeten (PDF, S. 10), doch konkrete Ergebnisse zum weiteren Vorgehen gibt es noch nicht.

Wie auch immer: Was jetzt „wieder da“ ist, war eigentlich nie weg. Wer das Buch haben wollte, konnte es sich in den vergangenen 70 Jahren ganz legal besorgen:

Der bloße Besitz von „Mein Kampf“ war bisher nicht verboten. So kursieren nach wie vor Originalausgaben von „Mein Kampf“, etwa in Antiquariaten. Sie dürfen dort verkauft und gekauft werden. Auch der Verleih in Bibliotheken ist legal.

So zu lesen etwa vor zwei Wochen — bei „Spiegel Online“ und bei „Bild“.

Mit Dank an Nold.

Bild, Bild.de  etc.

Terror-Alarm ohne Gewehr

Da sind wir wieder!

… und müssen gleich mal einen Blick zurückwerfen. Denn am 27. November, zwei Wochen nach den Anschlägen in Paris, behauptete „Bild“ exklusiv:

Dort hieß es:

Die ISIS-Terroristen von Paris haben bei ihrem Anschlag in der französischen Hauptstadt am 13. November Waffen verwendet, die von einem Waffenhändler aus Deutschland stammen sollen! Das legen Unterlagen der Staatsanwaltschaft und deutscher Ermittlungsbehörden nahe, die BILD vorliegen.

Danach sollen Anfang November vier Kalaschnikows (…) über das Internet bei einem Waffenhändler in Deutschland bestellt worden sein. Die vier Waffen sollen am 7. November, sechs Tage vor den Anschlägen in Paris, verkauft worden sein. DER KÄUFER WAR MUTMASSLICH ARABISCHER HERKUNFT.

Kurzum:

So sicher klang die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die noch am selben Tag eine Pressemitteilung herausgab, allerdings nicht:

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, in mehreren Fällen Schreckschusswaffen ungenehmigt zu illegalen Schusswaffen umgebaut und diese über das Internet verkauft zu haben. Im Rahmen einer am 23. November 2015 erfolgten Durchsuchung seiner Wohnung konnten weitere Schusswaffen aufgefunden werden. Nach den bisherigen Ermittlungen bestehen Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte im November 2015 vier Sturmgewehre an einen Abnehmer in Paris verkauft haben könnte. Mögliche Bezüge zu den Anschlägen in Paris werden geprüft.

Dennoch ließen auch andere Medien wenig Zweifel an der Verbindung nach Paris:


(„Focus Online“)


(oe24.at)


(„Huffington Post“)

Unterdessen waren die „Bild“-Reporter schon auf „Spurensuche“ im Leben des Verdächtigen unterwegs, verhörten seine Mutter, druckten ein großes, halbherzig verpixeltes Foto und veröffentlichten persönliche Details über ihn, von seinem Geburtsort bis zu seiner Schuhgröße:


(Zusätzliche Verpixelung von uns.)

Doch inzwischen hat sich herausgestellt: Der Mann hat die Waffen nicht nach Paris verkauft. Und verschickt wurden sie erst am 16. November — drei Tage nach den Anschlägen in Paris.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilte am 10. Dezember mit:

Nach den aktuellen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Stuttgart und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg im Fall des 24-jährigen Waffenhändlers aus Magstadt kann inzwischen ausgeschlossen werden, dass die bei den Terroranschlägen in Paris eingesetzten Schusswaffen vom Beschuldigten stammen.

Der anfängliche Verdacht eines Zusammenhangs mit den Pariser Terroranschlägen hatte sich im Rahmen der Auswertung der beim Beschuldigten sichergestellten Datenträger ergeben. Diese erbrachte einen E-Mail-Verkehr, der zunächst den Verkauf von 4 Sturmgewehren an eine Pariser Lieferanschrift nahelegte. Die weiteren Ermittlungen ergaben jedoch, dass die in der fraglichen E-Mail angesprochene Lieferung erst am 16.11.2015 und nicht nach Paris versandt wurde.

Bei Bild.de steht mittlerweile eine Korrektur unter dem „Mord-Waffen kamen aus Deutschland!“-Artikel:

In einer vorherigen Version des Artikel war das Alter von [S.] mit 34 Jahren angegeben. Diese Altersangabe war nicht korrekt.

Dass auch der Rest nicht korrekt war, verschweigt das Portal bis heute. Auch andere Medien behaupten nach wie vor (die Mitteilung der Staatsanwaltschaft ist jetzt seit einem Monat öffentlich), die Waffen stammten aus Deutschland.

In der Print-„Bild“ wurde immerhin ein kleines Update versteckt:


Jaja, die doofe Staatsanwaltschaft.

So reißerisch sind die Überschriften der „Bild“-Zeitung

Diskussionen über Flüchtlinge können schnell hitzig werden, gerade wenn es um Straftaten von Zuwanderern geht. In den sozialen Medien verbreiten sich oft Lügengeschichten über sexuelle Übergriffe durch Flüchtlinge oder über Banden, die komplette Supermärkte leerklauen.

Um etwas Differenzierung in die Debatten zu bekommen, können Zahlen helfen. Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Sachsens Innenminister Markus Ulbig eine „Kriminalitätsstatistik im Zusammenhang mit dem Thema ‚Zuwanderung'“. Zusammengefasst: Ja, es gebe mehr Kriminialität, seit die rund 45.000 Zuwanderer zwischen Januar und September 2015 nach Sachsen gekommen sind, allerdings sei die Anzahl der Straftaten verhältnismäßig gering gestiegen (2014: 7.029 Straftaten, 2015: 10.397). Einen Großteil der Delikte bildeten Ladendiebstähle und Schwarzfahren. Ulbig sagte zur Statistik:

Die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer in Sachsen verhält sich rechtskonform. Bei den ermittelten Tatverdächtigen gilt es zu differenzieren. Es sind nicht die Zuwanderer, die einmalig mit Bagatelldelikten straffällig werden, die uns Sorge bereiten, sondern einige wenige Mehrfach-/Intensivtäter, die fast die Hälfte aller durch Zuwanderer begangenen Straftaten zu verantworten haben.

Die regionalen Medien berichteten über die Zahlen des Innenministeriums und griffen in ihren Überschriften entweder die Aussage Ulbigs auf, vermeldeten die Veröffentlichung der Statistik oder fassten sie kurz zusammen:


(MDR)


(sz-online.de)


(„Freie Presse“)


(„Lausitzer Rundschau“)

Die Dresden-Ausgabe der „Bild“-Zeitung berichtete ebenfalls. Im Artikel steht zwar direkt zu Beginn:

Von wegen, Ausländer seien besonders kriminell. Dieses Vorurteil will jetzt Sachsens Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) widerlegen.

Die dazugehörige Überschrift ist allerdings nicht gerade geeignet, um hitzige Debatten abzukühlen:

Hinzu kommt die Aufmachung: Ein Foto zeigt einen „Drogendealer aus Tunesien“, der die Polizei verhöhnt; ein anderes eine Festnahme bei einer „Drogenrazzia am Wiener Platz“, obwohl (wie auch „Bild“ immerhin erklärt) Rauschgiftdelikte gerade einmal fünf Prozent aller 10.397 Straftaten ausmachten.

Die „Bild“-Kollegen aus Leipzig haben ebenfalls über die Statistik berichtet. Überschrift:

Und so sieht das Umfeld des Artikels aus:

Mit Dank an Elmar!

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Sehen alle gleich aus (auch nackt)

Die letzte Seite von „Bild“ ist wie ein Schulhofgespräch in der Jungs-Ecke: laut und durcheinander, mit Tendenz zu verzerrter Selbstwahrnehmung und schlechten Wortspielen. Lieblingsthemen: Tratsch und Titten.

Vorteil beim Schulhof: Da bekommt den Quatsch keiner mit. Das hier hingegen …

… wurde millionenfach gedruckt und gelesen, vor zwei Wochen auf der letzten Seite von „Bild“.

Männer, holt den Pinsel raus — auf diesen Rundungen darf gemalt werden! Model Toni Garrn (23) zeigt uns Kunst am Körper — natürlich für den guten Zweck! Mit ihren Fotos für das französische Magazin „lui“ setzt sich die Ex von Leonardo DiCaprio (41) gegen Brustkrebs ein. Tolle Sache — und wir können uns freuen, dass der Malermeister ein paar Stellen frei gelassen hat!

Nun ja. Bloß zeigt das Foto gar nicht Toni Garrn, sondern das litauische Model Edita Vilkeviciute.

Offenbar ist eine der beiden Frauen gegen „Bild“ vorgegangen, denn aus dem ePaper ist die Seite inzwischen verschwunden, und am Montag erschien auf der letzten Seite eine Berichtigung — was für die Leute von „Bild“ aber eigentlich ganz praktisch war, denn so konnten sie ihre Pinsel gleich noch einmal rausholen:

Paparazzi zum Abschied

Ohne eine letzte Attacke konnten die Leute von „Bild“ ihren Lieblingsfeind Stefan Raab natürlich nicht in den Fernsehruhestand ziehen lassen.

Nach der letzten Folge „TV Total“ am Mittwochabend twitterte Prosieben:

Das Ergebnis der Belagerung findet man heute groß auf Seite 4 der „Bild“-Zeitung:


(Unkenntlichmachung von uns.)

Den Namen des Fotografen nennt „Bild“ lieber nicht.

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Von Quälgeistern und Diktatoren: Der Trainer und der „Bild“-Reporter

Gertjan Verbeek, Trainer des VfL Bochum, hat so seine Probleme mit Joachim Droll, Reporter bei der „Bild“-Zeitung. In einer Pressekonferenz im September bezeichnete Verbeek Droll und dessen Kollegen bei „Bild“ als „Arschlocher“; Anfang dieser Woche teilte der VfL Bochum mit, dass man auf Fragen von Droll nicht mehr antworten werde, weil man sich seit Jahren über seine Arbeitsweise ärgere.

Am Montag war Verbeek in der niederländischen Fußball-TV-Sendung „Voetbal Inside“ zu Gast. Dort war unter anderem auch seine Beziehung zu „Bild“-Mann Joachim Droll Thema (ab Minute 4:13; allerdings nur mit niederländischer IP abrufbar).

Moderator Wilfred Genee leitet die Frage eines Zuschauers an Verbeek weiter (die niederländischen Passagen haben wir übersetzt*):

Genee: Hast du noch Rache genommen, Gertjan, noch ein paar deutsche Journalisten angeschnauzt, fragt sich Wouter van Lunen aus Maastricht. Freitag gab’s mal wieder eine Gelegenheit.

Verbeek: Ihr wart sicher mit einem Kamerateam da?

Genee: Ja, wir waren mit einem Kamerateam da.

Verbeek: Dann muss ich aufpassen, was ich sage.

Genee: Ja, unbedingt.

Verbeek:Ich glaube schon, dass ich was gesagt habe.

Genee: Endlich wieder gewonnen, nach sieben Spielen endlich mal wieder ein Sieg, dann kann man sich mal richtig gehen lassen, würde ich sagen.

Verbeek: Ja. Darum geht’s eigentlich nicht, es gewissermaßen mal allen zu zeigen oder so.

Zum Hintergrund: Ein Kamerateam von „Voetbal Inside“ war am vergangenen Freitag in Bochum und hat dort nach der Zweitligapartie zwischen dem VfL und dem SC Paderborn sowohl Droll als auch Verbeek zum jeweils anderen befragt.

Bevor der daraus entstandene Einspielfilm kommt, erzählt Moderator Genee aber erstmal von seinen Joachim-Droll-Erfahrungen:

Genee: Joachim Droll, er hat mich neulich auch angerufen, ein äußerst freundlicher Mann am Telefon, äußerst freundlich.

Verbeek: Zu dir schon.

Genee: Ihr könnt nicht so miteinander.

Verbeek: Ja, das kann man so sagen.

Genee: Er ist von „Bild“ — und lasst es uns eben anschauen und rekapitulieren, was letzten Freitag alles passiert ist. Es begann damit …

Der Einspieler beginnt mit Verbeeks „Arschlocher“-Aussage. Am Freitag in Bochum wollte der „Voetbal Inside“-Interviewer dann von Joachim Droll wissen, wie die Beziehung von ihm und Verbeek nun ausschaue:

Interviewer: How is your relationship with Mister Verbeek now?

Droll: Which relationship? I think it’s not possible for a journalist to get a relationship to him.

Schnitt zu Verbeek:

Interviewer: Er wird dir in jedem Fall nichts zu Weihnachten schenken, hat er gesagt.

Verbeek: Nee, aber er bekommt auch nichts von mir. Ich denke, dass er demnächst in Bochum abgelöst wird, und dann bekommen wir einen neuen Reporter. Da bin ich sehr glücklich mit.

Droll: I talked to him five months ago about that it’s very important to have a good relationship to a team and not to be a dictator.

Verbeek: Dass muss Herr Droll gerade sagen.

Interviewer an Droll: You think he is a bit of a dictator?

Droll: A little bit, yes. I think he is a little bit, he’s doing so, yes, yes.

Verbeek: Herr Droll muss sich selbst einen Schnurrbart wachsen lassen, dann ähnelt er jemandem.

Schnitt zurück ins Studio, das Publikum lacht über Verbeeks Hitler-Anspielung.

Genee: Das werden sie in Deutschland senden, das ist dir natürlich klar.

Der frühere Profifußballer und heutige Journalist Johan Derksen, der regelmäßig als Gast bei „Voetbal Inside“ ist, schaltet sich ein:

Derksen: Ich finde, er ist ein freundlicher Mann.

Genee: Ich hatte ihn am Telefon, und er probiert ständig, einem etwas in den Mund zu legen. Er fragte stets: Aber eigentlich ist Verbeek doch ein sehr schwieriger Typ, jemand, der eigentlich überhaupt nicht nett ist? Und ich sagte dann: Eigentlich ist er ein netter Typ. Und Droll sagte dann: Weißt du das sicher? Er tut doch eigentlich sehr seltsame Sachen. Ich fragt ihn dann nach einem Beispiel. Und er sagte dann: Das weiß du doch selbst. Er machte die ganze Zeit so weiter, aber das klappte dann nicht so, wie er wollte. So eine Art Mensch ist es, weißt du.

Verbeek: Ja.

Genee: Er nervt immer weiter.

Verbeek: Ja, er nervt immer weiter.

Derksen: Für seinen Chef ist er dann vielleicht der Richtige..

Verbeek: Das weiß ich nicht. Im Moment ist es so, dass er in Bochum keine Informationen mehr bekommt. Und das scheint mir für einen Journalisten schon wichtig.

Derksen: Aber das ist auch gefährlich, dass Bochum so etwas tut. Denn dann beginnen sie oft, im Privatleben zu suchen.

Verbeek: Ich habe privat nichts zu verbergen.

Derksen: Ja, du nicht. Aber da werden sicher welche sein, die dunkle Seiten haben.

Verbeek: Ja, sicher. Aber hierbei geht es um mich. Er kann von mir aus suchen, was er will.

Genee: Du sitzt ja jetzt öffentlich mit deiner Freundin auf der Tribüne. Da ist jetzt also nichts mehr, was an die Öffentlichkeit kommen könnte. Du sagst also: Ja, lass ihn mal machen.

Derksen: Sind die Fotos schon in „Bild“ veröffentlicht?

Verbeek: Es ist völlig sinnlos, es diesem Mann recht zu machen. Wenn ich sehe, was er in den letzten vier Wochen so geschrieben hat — ja, lass ihn mal schreiben, was er will. Aber dann muss er mich nichts mehr fragen.

Genee: Werdet ihr noch ein gutes Gespräch führen, jetzt kurz vor Weihnachten?

Verbeek: Das haben wir schon drei- oder viermal probiert. Der Mann ist ein Wiederholungstäter. Da hört es dann auf.

Derksen: Aber hast du nicht so eine Einstellung: Das ist mir doch egal, da stehe ich drüber, das ist mir egal was sie schreiben?

Verbeek: Ja, das habe ich auch. Deshalb rede ich persönlich auch seit ungefähr vier Wochen nicht mehr mit ihm. Und jetzt hat sich der Verein dem angeschlossen. Er hört zwar zu, aber er macht dann, was er will. Das darf er auch. Aber warum soll ich mich dann noch fragen lassen? Lass ihn mal tun, was er will.

Derksen: Aber in der Pressekonferenz, wenn er was fragt, gibst du ihm dann keine Antwort?

Verbeek: Nein, ihm ist mitgeteilt worden, dass er keine Fragen mehr stellen soll, weil wir seine Fragen nicht mehr beantworten.

Derksen: Das wäre doch mal ein Gast hier für den Tisch.

Zum Ende äußert sich noch der frühere Fußballer René van der Gijp, der ebenfalls als Experte mit am Tisch sitzt:

van der Gijp: Weißt du, was muss man in der Schule nicht alles ertragen, wenn man ›Droll‹ mit Nachnamen heißt? Der Mann ist einfach zehn Jahre lang gemobbt worden. Und dann wird da so was draus: ein kleiner Quälgeist.

„drol“ kann im Niederländischen für vieles stehen. Meistens bedeutet es „Scheiße“.

Vielen Dank an den Hinweisgeber und an nach-holland.de für die Übersetzung !

*Nachtrag, 18. Dezember: Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass unsere erste Übersetzung ein paar Ungenauigkeiten und Fehler enthielt. Daher haben wir die Übersetzung an einigen Stellen ausgebessert und in der Überschrift aus „Blutsaugern“ „Quälgeister“ gemacht.

Mit Dank an Christopher B.!

Wechselnde Wechselgerüchte

Der frühere Fußballnationalspieler Stefan Kießling hat am vergangenen Wochenende stark gespielt. Beim 5:0-Sieg von Bayer Leverkusen über Borussia Mönchengladbach traf Kießling zweimal, zwei weitere Tore bereitete er vor. Eine „Gala“, wie „Bild am Sonntag“ anschließend schrieb, aber nicht irgendeine:

Denn das Autoren-Quartett Vim Vomland, Dirk Krümpelmann, Phillip Arens und Christian Hornung hat herausgefunden:

Es ist die stärkste Leistung seiner Karriere — und auch die letzte vor seinen Leverkusener Fans.

Der Abschied aus Leverkusen, der schon seit einiger Zeit gerüchteweise im Raum stand, werde konkreter. Die vier Rechercheure haben dafür eindeutige Zeichen ausgemacht:

Jetzt ist es wohl so weit. Kießlings Ehefrau Norina verdrückte während des Spiels Tränen auf der Tribüne. Der Stürmer selbst verabschiedete sich nach Abpfiff von 200 Fans, die extra für ihn zurück ins Stadion gekommen waren. Bewegende Abschiedsszenen.

Vor allem aber gebe es die (nicht weiter konkretisierten) „Bild am Sonntag“-Informationen, die für Kießlings Abgang im Winter sprächen:

Nach BamS-Informationen wird Kießling innerhalb der Bundesliga wechseln.

Gestern dann bei Bild.de, Autor Vim Vomland:

Definitiv kein Wechsel! Stefan Kießling (31) bleibt bei Bayer Leverkusen.

Heute früh saßen Sportchef Rudi Völler, Manager Jonas Boldt und der Stürmer zusammen. Das Ergebnis der Gesprächsrunde: Kießling wird Leverkusen nicht verlassen.

Und nicht nur wird er Leverkusen nicht frühzeitig verlassen, sondern wahrscheinlich auch noch viel länger bleiben als bisher geplant:

Nach dem Machtwort von Rudi Völler („Er muss bleiben!“) spricht nun Vieles dafür, dass Völler den bestehenden Vertrag noch über 2017 hinaus verlängern will. Es ist auch wahrscheinlich, dass Völler und Bayer Kießling ein Job-Angebot für die Zeit nach der aktiven Karriere machen werden.

Zwischen der Wechselankündigung in „Bild am Sonntag“ und dem kompletten Gegenteil bei Bild.de gab’s am Montag auf der Titelseite der Kölner „Bild“-Ausgabe diese Schlagzeile:

In der Onlineversion rufen die zwei Autoren Vim Vomland und Phillip Arens Leverkusens Sportchef Rudi Völler zu: „Richtig, Rudi!“

Rudi Völlers Klartext in Sachen Kießling ist klug, das einzig Richtige. Es war aber auch höchste Zeit!

Es darf nicht soweit kommen, dass ein Trainer der Bayer-Legende Kießling so einfach die Lust am Fußball nimmt und ihn aus dem Klub vertreibt.

Aber ihn einfach aus dem Klub schreiben — das geht natürlich schon in Ordnung.

Mit Dank an @JulezRulez13!

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