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Bild, Bild.de  etc.

Terror-Alarm ohne Gewehr

Da sind wir wieder!

… und müssen gleich mal einen Blick zurückwerfen. Denn am 27. November, zwei Wochen nach den Anschlägen in Paris, behauptete „Bild“ exklusiv:

Dort hieß es:

Die ISIS-Terroristen von Paris haben bei ihrem Anschlag in der französischen Hauptstadt am 13. November Waffen verwendet, die von einem Waffenhändler aus Deutschland stammen sollen! Das legen Unterlagen der Staatsanwaltschaft und deutscher Ermittlungsbehörden nahe, die BILD vorliegen.

Danach sollen Anfang November vier Kalaschnikows (…) über das Internet bei einem Waffenhändler in Deutschland bestellt worden sein. Die vier Waffen sollen am 7. November, sechs Tage vor den Anschlägen in Paris, verkauft worden sein. DER KÄUFER WAR MUTMASSLICH ARABISCHER HERKUNFT.

Kurzum:

So sicher klang die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die noch am selben Tag eine Pressemitteilung herausgab, allerdings nicht:

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, in mehreren Fällen Schreckschusswaffen ungenehmigt zu illegalen Schusswaffen umgebaut und diese über das Internet verkauft zu haben. Im Rahmen einer am 23. November 2015 erfolgten Durchsuchung seiner Wohnung konnten weitere Schusswaffen aufgefunden werden. Nach den bisherigen Ermittlungen bestehen Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte im November 2015 vier Sturmgewehre an einen Abnehmer in Paris verkauft haben könnte. Mögliche Bezüge zu den Anschlägen in Paris werden geprüft.

Dennoch ließen auch andere Medien wenig Zweifel an der Verbindung nach Paris:


(„Focus Online“)


(oe24.at)


(„Huffington Post“)

Unterdessen waren die „Bild“-Reporter schon auf „Spurensuche“ im Leben des Verdächtigen unterwegs, verhörten seine Mutter, druckten ein großes, halbherzig verpixeltes Foto und veröffentlichten persönliche Details über ihn, von seinem Geburtsort bis zu seiner Schuhgröße:


(Zusätzliche Verpixelung von uns.)

Doch inzwischen hat sich herausgestellt: Der Mann hat die Waffen nicht nach Paris verkauft. Und verschickt wurden sie erst am 16. November — drei Tage nach den Anschlägen in Paris.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilte am 10. Dezember mit:

Nach den aktuellen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Stuttgart und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg im Fall des 24-jährigen Waffenhändlers aus Magstadt kann inzwischen ausgeschlossen werden, dass die bei den Terroranschlägen in Paris eingesetzten Schusswaffen vom Beschuldigten stammen.

Der anfängliche Verdacht eines Zusammenhangs mit den Pariser Terroranschlägen hatte sich im Rahmen der Auswertung der beim Beschuldigten sichergestellten Datenträger ergeben. Diese erbrachte einen E-Mail-Verkehr, der zunächst den Verkauf von 4 Sturmgewehren an eine Pariser Lieferanschrift nahelegte. Die weiteren Ermittlungen ergaben jedoch, dass die in der fraglichen E-Mail angesprochene Lieferung erst am 16.11.2015 und nicht nach Paris versandt wurde.

Bei Bild.de steht mittlerweile eine Korrektur unter dem „Mord-Waffen kamen aus Deutschland!“-Artikel:

In einer vorherigen Version des Artikel war das Alter von [S.] mit 34 Jahren angegeben. Diese Altersangabe war nicht korrekt.

Dass auch der Rest nicht korrekt war, verschweigt das Portal bis heute. Auch andere Medien behaupten nach wie vor (die Mitteilung der Staatsanwaltschaft ist jetzt seit einem Monat öffentlich), die Waffen stammten aus Deutschland.

In der Print-„Bild“ wurde immerhin ein kleines Update versteckt:


Jaja, die doofe Staatsanwaltschaft.

So reißerisch sind die Überschriften der „Bild“-Zeitung

Diskussionen über Flüchtlinge können schnell hitzig werden, gerade wenn es um Straftaten von Zuwanderern geht. In den sozialen Medien verbreiten sich oft Lügengeschichten über sexuelle Übergriffe durch Flüchtlinge oder über Banden, die komplette Supermärkte leerklauen.

Um etwas Differenzierung in die Debatten zu bekommen, können Zahlen helfen. Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Sachsens Innenminister Markus Ulbig eine „Kriminalitätsstatistik im Zusammenhang mit dem Thema ‚Zuwanderung'“. Zusammengefasst: Ja, es gebe mehr Kriminialität, seit die rund 45.000 Zuwanderer zwischen Januar und September 2015 nach Sachsen gekommen sind, allerdings sei die Anzahl der Straftaten verhältnismäßig gering gestiegen (2014: 7.029 Straftaten, 2015: 10.397). Einen Großteil der Delikte bildeten Ladendiebstähle und Schwarzfahren. Ulbig sagte zur Statistik:

Die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer in Sachsen verhält sich rechtskonform. Bei den ermittelten Tatverdächtigen gilt es zu differenzieren. Es sind nicht die Zuwanderer, die einmalig mit Bagatelldelikten straffällig werden, die uns Sorge bereiten, sondern einige wenige Mehrfach-/Intensivtäter, die fast die Hälfte aller durch Zuwanderer begangenen Straftaten zu verantworten haben.

Die regionalen Medien berichteten über die Zahlen des Innenministeriums und griffen in ihren Überschriften entweder die Aussage Ulbigs auf, vermeldeten die Veröffentlichung der Statistik oder fassten sie kurz zusammen:


(MDR)


(sz-online.de)


(„Freie Presse“)


(„Lausitzer Rundschau“)

Die Dresden-Ausgabe der „Bild“-Zeitung berichtete ebenfalls. Im Artikel steht zwar direkt zu Beginn:

Von wegen, Ausländer seien besonders kriminell. Dieses Vorurteil will jetzt Sachsens Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) widerlegen.

Die dazugehörige Überschrift ist allerdings nicht gerade geeignet, um hitzige Debatten abzukühlen:

Hinzu kommt die Aufmachung: Ein Foto zeigt einen „Drogendealer aus Tunesien“, der die Polizei verhöhnt; ein anderes eine Festnahme bei einer „Drogenrazzia am Wiener Platz“, obwohl (wie auch „Bild“ immerhin erklärt) Rauschgiftdelikte gerade einmal fünf Prozent aller 10.397 Straftaten ausmachten.

Die „Bild“-Kollegen aus Leipzig haben ebenfalls über die Statistik berichtet. Überschrift:

Und so sieht das Umfeld des Artikels aus:

Mit Dank an Elmar!

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Sehen alle gleich aus (auch nackt)

Die letzte Seite von „Bild“ ist wie ein Schulhofgespräch in der Jungs-Ecke: laut und durcheinander, mit Tendenz zu verzerrter Selbstwahrnehmung und schlechten Wortspielen. Lieblingsthemen: Tratsch und Titten.

Vorteil beim Schulhof: Da bekommt den Quatsch keiner mit. Das hier hingegen …

… wurde millionenfach gedruckt und gelesen, vor zwei Wochen auf der letzten Seite von „Bild“.

Männer, holt den Pinsel raus — auf diesen Rundungen darf gemalt werden! Model Toni Garrn (23) zeigt uns Kunst am Körper — natürlich für den guten Zweck! Mit ihren Fotos für das französische Magazin „lui“ setzt sich die Ex von Leonardo DiCaprio (41) gegen Brustkrebs ein. Tolle Sache — und wir können uns freuen, dass der Malermeister ein paar Stellen frei gelassen hat!

Nun ja. Bloß zeigt das Foto gar nicht Toni Garrn, sondern das litauische Model Edita Vilkeviciute.

Offenbar ist eine der beiden Frauen gegen „Bild“ vorgegangen, denn aus dem ePaper ist die Seite inzwischen verschwunden, und am Montag erschien auf der letzten Seite eine Berichtigung — was für die Leute von „Bild“ aber eigentlich ganz praktisch war, denn so konnten sie ihre Pinsel gleich noch einmal rausholen:

Paparazzi zum Abschied

Ohne eine letzte Attacke konnten die Leute von „Bild“ ihren Lieblingsfeind Stefan Raab natürlich nicht in den Fernsehruhestand ziehen lassen.

Nach der letzten Folge „TV Total“ am Mittwochabend twitterte Prosieben:

Das Ergebnis der Belagerung findet man heute groß auf Seite 4 der „Bild“-Zeitung:


(Unkenntlichmachung von uns.)

Den Namen des Fotografen nennt „Bild“ lieber nicht.

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Von Quälgeistern und Diktatoren: Der Trainer und der „Bild“-Reporter

Gertjan Verbeek, Trainer des VfL Bochum, hat so seine Probleme mit Joachim Droll, Reporter bei der „Bild“-Zeitung. In einer Pressekonferenz im September bezeichnete Verbeek Droll und dessen Kollegen bei „Bild“ als „Arschlocher“; Anfang dieser Woche teilte der VfL Bochum mit, dass man auf Fragen von Droll nicht mehr antworten werde, weil man sich seit Jahren über seine Arbeitsweise ärgere.

Am Montag war Verbeek in der niederländischen Fußball-TV-Sendung „Voetbal Inside“ zu Gast. Dort war unter anderem auch seine Beziehung zu „Bild“-Mann Joachim Droll Thema (ab Minute 4:13; allerdings nur mit niederländischer IP abrufbar).

Moderator Wilfred Genee leitet die Frage eines Zuschauers an Verbeek weiter (die niederländischen Passagen haben wir übersetzt*):

Genee: Hast du noch Rache genommen, Gertjan, noch ein paar deutsche Journalisten angeschnauzt, fragt sich Wouter van Lunen aus Maastricht. Freitag gab’s mal wieder eine Gelegenheit.

Verbeek: Ihr wart sicher mit einem Kamerateam da?

Genee: Ja, wir waren mit einem Kamerateam da.

Verbeek: Dann muss ich aufpassen, was ich sage.

Genee: Ja, unbedingt.

Verbeek:Ich glaube schon, dass ich was gesagt habe.

Genee: Endlich wieder gewonnen, nach sieben Spielen endlich mal wieder ein Sieg, dann kann man sich mal richtig gehen lassen, würde ich sagen.

Verbeek: Ja. Darum geht’s eigentlich nicht, es gewissermaßen mal allen zu zeigen oder so.

Zum Hintergrund: Ein Kamerateam von „Voetbal Inside“ war am vergangenen Freitag in Bochum und hat dort nach der Zweitligapartie zwischen dem VfL und dem SC Paderborn sowohl Droll als auch Verbeek zum jeweils anderen befragt.

Bevor der daraus entstandene Einspielfilm kommt, erzählt Moderator Genee aber erstmal von seinen Joachim-Droll-Erfahrungen:

Genee: Joachim Droll, er hat mich neulich auch angerufen, ein äußerst freundlicher Mann am Telefon, äußerst freundlich.

Verbeek: Zu dir schon.

Genee: Ihr könnt nicht so miteinander.

Verbeek: Ja, das kann man so sagen.

Genee: Er ist von „Bild“ — und lasst es uns eben anschauen und rekapitulieren, was letzten Freitag alles passiert ist. Es begann damit …

Der Einspieler beginnt mit Verbeeks „Arschlocher“-Aussage. Am Freitag in Bochum wollte der „Voetbal Inside“-Interviewer dann von Joachim Droll wissen, wie die Beziehung von ihm und Verbeek nun ausschaue:

Interviewer: How is your relationship with Mister Verbeek now?

Droll: Which relationship? I think it’s not possible for a journalist to get a relationship to him.

Schnitt zu Verbeek:

Interviewer: Er wird dir in jedem Fall nichts zu Weihnachten schenken, hat er gesagt.

Verbeek: Nee, aber er bekommt auch nichts von mir. Ich denke, dass er demnächst in Bochum abgelöst wird, und dann bekommen wir einen neuen Reporter. Da bin ich sehr glücklich mit.

Droll: I talked to him five months ago about that it’s very important to have a good relationship to a team and not to be a dictator.

Verbeek: Dass muss Herr Droll gerade sagen.

Interviewer an Droll: You think he is a bit of a dictator?

Droll: A little bit, yes. I think he is a little bit, he’s doing so, yes, yes.

Verbeek: Herr Droll muss sich selbst einen Schnurrbart wachsen lassen, dann ähnelt er jemandem.

Schnitt zurück ins Studio, das Publikum lacht über Verbeeks Hitler-Anspielung.

Genee: Das werden sie in Deutschland senden, das ist dir natürlich klar.

Der frühere Profifußballer und heutige Journalist Johan Derksen, der regelmäßig als Gast bei „Voetbal Inside“ ist, schaltet sich ein:

Derksen: Ich finde, er ist ein freundlicher Mann.

Genee: Ich hatte ihn am Telefon, und er probiert ständig, einem etwas in den Mund zu legen. Er fragte stets: Aber eigentlich ist Verbeek doch ein sehr schwieriger Typ, jemand, der eigentlich überhaupt nicht nett ist? Und ich sagte dann: Eigentlich ist er ein netter Typ. Und Droll sagte dann: Weißt du das sicher? Er tut doch eigentlich sehr seltsame Sachen. Ich fragt ihn dann nach einem Beispiel. Und er sagte dann: Das weiß du doch selbst. Er machte die ganze Zeit so weiter, aber das klappte dann nicht so, wie er wollte. So eine Art Mensch ist es, weißt du.

Verbeek: Ja.

Genee: Er nervt immer weiter.

Verbeek: Ja, er nervt immer weiter.

Derksen: Für seinen Chef ist er dann vielleicht der Richtige..

Verbeek: Das weiß ich nicht. Im Moment ist es so, dass er in Bochum keine Informationen mehr bekommt. Und das scheint mir für einen Journalisten schon wichtig.

Derksen: Aber das ist auch gefährlich, dass Bochum so etwas tut. Denn dann beginnen sie oft, im Privatleben zu suchen.

Verbeek: Ich habe privat nichts zu verbergen.

Derksen: Ja, du nicht. Aber da werden sicher welche sein, die dunkle Seiten haben.

Verbeek: Ja, sicher. Aber hierbei geht es um mich. Er kann von mir aus suchen, was er will.

Genee: Du sitzt ja jetzt öffentlich mit deiner Freundin auf der Tribüne. Da ist jetzt also nichts mehr, was an die Öffentlichkeit kommen könnte. Du sagst also: Ja, lass ihn mal machen.

Derksen: Sind die Fotos schon in „Bild“ veröffentlicht?

Verbeek: Es ist völlig sinnlos, es diesem Mann recht zu machen. Wenn ich sehe, was er in den letzten vier Wochen so geschrieben hat — ja, lass ihn mal schreiben, was er will. Aber dann muss er mich nichts mehr fragen.

Genee: Werdet ihr noch ein gutes Gespräch führen, jetzt kurz vor Weihnachten?

Verbeek: Das haben wir schon drei- oder viermal probiert. Der Mann ist ein Wiederholungstäter. Da hört es dann auf.

Derksen: Aber hast du nicht so eine Einstellung: Das ist mir doch egal, da stehe ich drüber, das ist mir egal was sie schreiben?

Verbeek: Ja, das habe ich auch. Deshalb rede ich persönlich auch seit ungefähr vier Wochen nicht mehr mit ihm. Und jetzt hat sich der Verein dem angeschlossen. Er hört zwar zu, aber er macht dann, was er will. Das darf er auch. Aber warum soll ich mich dann noch fragen lassen? Lass ihn mal tun, was er will.

Derksen: Aber in der Pressekonferenz, wenn er was fragt, gibst du ihm dann keine Antwort?

Verbeek: Nein, ihm ist mitgeteilt worden, dass er keine Fragen mehr stellen soll, weil wir seine Fragen nicht mehr beantworten.

Derksen: Das wäre doch mal ein Gast hier für den Tisch.

Zum Ende äußert sich noch der frühere Fußballer René van der Gijp, der ebenfalls als Experte mit am Tisch sitzt:

van der Gijp: Weißt du, was muss man in der Schule nicht alles ertragen, wenn man ›Droll‹ mit Nachnamen heißt? Der Mann ist einfach zehn Jahre lang gemobbt worden. Und dann wird da so was draus: ein kleiner Quälgeist.

„drol“ kann im Niederländischen für vieles stehen. Meistens bedeutet es „Scheiße“.

Vielen Dank an den Hinweisgeber und an nach-holland.de für die Übersetzung !

*Nachtrag, 18. Dezember: Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass unsere erste Übersetzung ein paar Ungenauigkeiten und Fehler enthielt. Daher haben wir die Übersetzung an einigen Stellen ausgebessert und in der Überschrift aus „Blutsaugern“ „Quälgeister“ gemacht.

Mit Dank an Christopher B.!

Wechselnde Wechselgerüchte

Der frühere Fußballnationalspieler Stefan Kießling hat am vergangenen Wochenende stark gespielt. Beim 5:0-Sieg von Bayer Leverkusen über Borussia Mönchengladbach traf Kießling zweimal, zwei weitere Tore bereitete er vor. Eine „Gala“, wie „Bild am Sonntag“ anschließend schrieb, aber nicht irgendeine:

Denn das Autoren-Quartett Vim Vomland, Dirk Krümpelmann, Phillip Arens und Christian Hornung hat herausgefunden:

Es ist die stärkste Leistung seiner Karriere — und auch die letzte vor seinen Leverkusener Fans.

Der Abschied aus Leverkusen, der schon seit einiger Zeit gerüchteweise im Raum stand, werde konkreter. Die vier Rechercheure haben dafür eindeutige Zeichen ausgemacht:

Jetzt ist es wohl so weit. Kießlings Ehefrau Norina verdrückte während des Spiels Tränen auf der Tribüne. Der Stürmer selbst verabschiedete sich nach Abpfiff von 200 Fans, die extra für ihn zurück ins Stadion gekommen waren. Bewegende Abschiedsszenen.

Vor allem aber gebe es die (nicht weiter konkretisierten) „Bild am Sonntag“-Informationen, die für Kießlings Abgang im Winter sprächen:

Nach BamS-Informationen wird Kießling innerhalb der Bundesliga wechseln.

Gestern dann bei Bild.de, Autor Vim Vomland:

Definitiv kein Wechsel! Stefan Kießling (31) bleibt bei Bayer Leverkusen.

Heute früh saßen Sportchef Rudi Völler, Manager Jonas Boldt und der Stürmer zusammen. Das Ergebnis der Gesprächsrunde: Kießling wird Leverkusen nicht verlassen.

Und nicht nur wird er Leverkusen nicht frühzeitig verlassen, sondern wahrscheinlich auch noch viel länger bleiben als bisher geplant:

Nach dem Machtwort von Rudi Völler („Er muss bleiben!“) spricht nun Vieles dafür, dass Völler den bestehenden Vertrag noch über 2017 hinaus verlängern will. Es ist auch wahrscheinlich, dass Völler und Bayer Kießling ein Job-Angebot für die Zeit nach der aktiven Karriere machen werden.

Zwischen der Wechselankündigung in „Bild am Sonntag“ und dem kompletten Gegenteil bei Bild.de gab’s am Montag auf der Titelseite der Kölner „Bild“-Ausgabe diese Schlagzeile:

In der Onlineversion rufen die zwei Autoren Vim Vomland und Phillip Arens Leverkusens Sportchef Rudi Völler zu: „Richtig, Rudi!“

Rudi Völlers Klartext in Sachen Kießling ist klug, das einzig Richtige. Es war aber auch höchste Zeit!

Es darf nicht soweit kommen, dass ein Trainer der Bayer-Legende Kießling so einfach die Lust am Fußball nimmt und ihn aus dem Klub vertreibt.

Aber ihn einfach aus dem Klub schreiben — das geht natürlich schon in Ordnung.

Mit Dank an @JulezRulez13!

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Der VfL Bochum will nicht mit dem „Bild“-Reporter sprechen

Am kommenden Mittwoch spielt der VfL Bochum im DFB-Pokal beim TSV 1860 München. Wie immer im Vorfeld eines Pflichtspiels gaben die Bochumer auch heute eine Pressekonferenz. Pressesprecher Jens Fricke leitete sie unter anderem mit diesen Worten ein:

An meiner Seite: Sportvorstand Christian Hochstätter und Cheftrainer Gertjan Verbeek, die Eure Fragen erwarten. Mit einer einzigen Ausnahme: Sowohl Sportvorstand als auch Cheftrainer haben sich dazu entschieden, keine Fragen der „Bild“-Zeitung mehr zu beantworten.

Die dicke Luft zwischen dem VfL Bochum und „Bild“ hat eine gewisse Tradition. Schon vor fünfeinhalb Jahren gerieten der damalige Trainer Heiko Herrlich und der für den VfL zuständige „Bild“-Reporter Joachim Droll aneinander. Im September dieses Jahres verweigerte der VfL Bochum — wie eine Reihe anderer Fußbalzweitligisten — die Teilnahme an der „Bild“-Werbekampagne „Wir helfen“. Wenig später wandte sich der aktuelle Trainer Gertjan Verbeek bei einer Pressekonferenz mit der Frage an „Bild“-Mann Droll, warum der „immer solche Scheiße“ schreibe, und nannte Droll und dessen „Bild“-Kollegen „Arschlocher“. Für die Wortwahl hat sich der VfL Bochum kurze Zeit später entschuldigt, Verbeeks „Kernaussagen bleiben davon aber unberührt“.

Mit der heutigen PK dürfte der Clinch zwischen dem VfL Bochum und „Bild“ ein neues Level erreicht haben. Wobei, so VfL-Pressesprecher Jens Fricke auf unsere Nachfrage, die einleitenden Worte etwas präziser hätten sein müssen: „Uns geht es konkret um einen Journalisten und nicht um die ganze ‚Bild‘-Zeitung.“ Die Arbeitsweise von Joachim Droll sei schon über Jahre ein Ärgernis für den Verein. Es habe mehrere Treffen gegeben, bei denen man das Verhalten Drolls thematisiert habe, eine Besserung sei aber nicht erkennbar gewesen. „Daher haben der Trainer und der Sportvorstand nun entschieden, auf Fragen von Joachim Droll nicht mehr einzugehen“, so Fricke. Mit „Bild“ habe man hingegen kein grundsätzliches Problem, Fragen anderer „Bild“-Reporter würden auch weiterhin beantwortet.

Bei der „Arschlocher“-Pressekonferenz im September sagte Verbeek übrigens, nachdem er Joachim Droll gefragt hatte, ob er mitschreibe, und dieser antwortete, dass gerade „eine Legende angerufen“ habe, das sei wichtiger gewesen:

Ja, das ist wichtiger, natürlich. Wir können auch ohne Pressekonferenz, ohne „Bild“.

Zumindest ohne Joachim Droll wollen sie es beim VfL Bochum jetzt mal versuchen.

Mit Dank an @BrosMoritz!

Erschreckend: Nur jeder 50. Journalist erledigt seinen Job

Eine neue Schreckensmeldung treibt die besorgten Redaktionen des Landes um:

Auch in der Print-Ausgabe schnaubt „Bild“:

Die Flüchtlingskrise bringt dem Arbeitsmarkt bis 2017 rund 376 000 Arbeitslose zusätzlich. Das erwartet das Kieler Institut für Weltwirtschaft in seiner aktuellen Konjunkturprognose, die heute vorgestellt wird.

Damit rechnen die Forscher: Bis 2017 kommen 470 000 Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt! Nur jeder Fünfzigste (2%/Monat) findet tatsächlich einen Job!

Nur jeder Fünfzigste!

(„Welt“)

(„Focus Online“)


(„Huffington Post“)


(„n-tv“)

So schreiben es auch die Agentur „Reuters“, Web.de, News.de, „Österreich“, die „Kronen Zeitung“ und natürlich die Flüchtlingshasserblogs und Anti-Islam-Portale.

Aber Moment. Was genau schreibt „Bild“?

Damit rechnen die Forscher: Bis 2017 kommen 470 000 Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt!

Ja, stimmt. In der Prognose (die jeder einsehen kann, PDF) heißt es:

Das Erwerbspersonenpotenzial ist in der Folge im Jahrdurchschnitt 2017 um insgesamt 470 000 Personen höher als ohne die Flüchtlingsmigration.

Und weiter, „Bild“?

Die Flüchtlingskrise bringt dem Arbeitsmarkt bis 2017 rund 376 000 Arbeitslose zusätzlich.

Stimmt auch. Das Institut schreibt:

Die Zahl der Erwerbspersonen ohne Arbeit nimmt hingegen deutlich stärker zu; der kumulierte Effekt in 2017 beträgt 376 000 Personen.

Heißt also: 94.000 (470.000 minus 376.000) finden einen Job.

Das sind aber nicht zwei Prozent, sondern 20. Nicht jeder fünfzigste der (erwerbsfähigen) Flüchtlinge, die bis 2017 nach Deutschland kommen, findet Arbeit, sondern jeder fünfte. Das hat uns auch das Institut auf Nachfrage bestätigt.

Wie kommt es also, dass sich die Medien ums Zehnfache vertun? Weil sie sich offenbar nicht die Prognose selbst angeguckt haben, sondern den irreführenden Formulierungen von „Bild“ gefolgt sind. Das Blatt schreibt:

Nur jeder Fünfzigste (2%/Monat) findet tatsächlich einen Job!

Ja, „2%/Monat“. Das Institut schreibt:

Um den Effekt auf die Erwerbstätigkeit und die Arbeitslosigkeit abzuleiten, unterstellen wir, dass monatlich 2 Prozent der Erwerbspersonen bei der Arbeitssuche erfolgreich sind und eine Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Das heißt aber nicht zwei Prozent von allen 470.000.

Kleines Beispiel: Wenn diesen Monat 100 erwerbsfähige Flüchtlinge kommen und zwei Prozent einen Job finden, sind 98 Flüchtlinge arbeitslos. Nächsten Monat kommen noch mal 100 erwerbsfähige Flüchtlinge hinzu. Von den nun insgesamt 198 arbeitslosen Flüchtlingen finden wieder zwei Prozent eine Arbeit, also gerundet 4. Wären nach zwei Monaten sechs von 200 Flüchtlingen in Arbeit — also bereits drei Prozent. Oder anders gesagt: Pro Monat hat jeder fünfzigste, insgesamt aber schon jeder dreiunddreißigste Flüchtling Arbeit gefunden.

So kommt das Institut also auf 94.000 arbeitende von 470.000 erwerbsfähigen Flüchtlingen im Jahr 2017. Und das sind 20 Prozent.

In der (ausführlicheren) Online-Version schreibt „Bild“ noch:

„Eine Abgangsrate von 2 Prozent steht mit den bisherigen Erfahrungen in Deutschland zur Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern aus den Hauptasylzugangsländern in Einklang“, schreibt Groll da zu in der ifw-Prognose.

Den Satz, den Groll im Anschluss schreibt, verschweigt Bild.de. Im Original heißt es:

Eine Abgangsrate von 2 Prozent steht mit den bisherigen Erfahrungen in Deutschland zur Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern aus den Hauptasylzugangsländern in Einklang. Danach erhöht sich die Beschäftigungsquote (bezogen auf die Erwerbspersonen) in den ersten vier Jahren nach Zuzug von rund 10 Prozent auf 60 Prozent.

60 Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlinge finden in den ersten vier Jahren Arbeit! Das wäre doch mal eine Schlagzeile. Kommt man allerdings schwer drauf, wenn man sich nur blind auf „Bild“ verlässt.

Mit großem Dank an Martin S.!

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Hetzen ist nur bei „Bild“ erlaubt

Vor knapp zwei Monaten schrieb „Bild“:

Deutschland ist entsetzt: Ganz offen und mit vollem Namen wird in sozialen Netzwerken zu Gewalt aufgerufen und gehetzt – gegen Ausländer, Politiker, Journalisten, Künstler…

Hemmungslos und ungestört, vor allem auf Facebook und Twitter. So viel offener Hass war nie in unserem Land! Und wer Hass sät, wird Gewalt ernten. Längst ist die Grenze überschritten von freier Meinungsäußerung oder Satire zum Aufruf zu schwersten Straftaten bis zum Mord.

BILD reicht es jetzt: Wir stellen die Hetzer an den Pranger! Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie!

(Unkenntlichmachung von uns.)

Knapp 40 Facebook-Kommentare („Verpisst euch aus Deutschland“, „An die Wand,mit dem Dreckspack“) druckte „Bild“ inklusive Fotos und Namen der Verfasser ab und verkündete wenig später stolz:

Auf ihrer eigenen Facebookseite sehen die Leute von „Bild“ das mit dem Hass, der Hetze und den Aufrufen zu schwersten Straftaten aber nicht ganz so eng. Dort lassen sie die Leute säen, was immer sie wollen.

Hier zum Beispiel geht es um eine Schlägerei in einer Schule in Neukölln:




Hier um eine Frau, die einer Seniorin viel Geld gestohlen haben soll:

(War sie nicht.)

Hier über einen Mann, der wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde:




























Das ist eine kleine Auswahl allein von heute Abend, es geht auch munter weiter, gelöscht haben die Leute von „Bild“ nichts. Scheint ihnen ja wirklich sehr am Herzen zu liegen, der Kampf gegen den Hass.

Mit Dank an Christoph H.

Nachtrag, 11. Dezember: Inzwischen wurden die meisten Kommentare gelöscht.

Die Frau beim Namen nennen

„Bild“ und Bild.de sind nun nicht gerade als Sprachrohre der Frauenrechtsbewegung und Anti-Sexismus-Kampagnen bekannt. Bei dem, was sich Fortuna Düsseldorfs Fußballer Kerem Demirbay vor knapp anderthalb Wochen geleistet hat, waren aber selbst die „Bild“-Medien empört:


Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hatte Demirbay im Zweitligaspiel zwischen dem FSV Frankfurt und Fortuna Düsseldorf mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Daraufhin hatte der Fortuna-Profi gegen sie losgepöbelt: „Ich finde, Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen!“ Steinhaus hat das per Sonderbericht dem DFB gemeldet.

Demirbay entschuldigte sich am nächsten Tag per Telefon bei Bibiana Steinhaus und äußerte sich auch bei Instagram zum Vorfall: „Diesen Satz hätte ich niemals sagen dürfen, denn es entspricht auch nicht meinem Frauenbild.“ Sein Verein kündigte „eine empfindliche Geldstrafe“ an und verdonnerte Demirbay zum Pfeifen eines Mädchenfußballspiels.

Interessant, dass gerade „Bild“ und Bild.de sich über die „fiese“ „Macho-Attacke“ echauffieren — zwei Medien, die Bibiana Steinhaus nicht Bibiana Steinhaus nennen, sondern konsequent nur …






Das blüht dem Bibi-Pöbler

Er ärgerte sich am meisten darüber, dass Bibi sich überstimmen

Da wirkten Bibi und Freund Stefan

2014 machte Kiefer Bibi einen

Auch da spielte er auf Bibi Steinhaus an

Trainer Thomas Oral geht auf Bibi los

Das sind lediglich die Beispiele aus den Berichten zum erwähnten Spiel zwischen dem FSV Frankfurt und Fortuna Düsseldorf. Die „Bild“-„Bibi“-Tradition reicht aber schon viel länger zurück. Kaum ein Artikel über die Schiedsrichterin kommt ohne die Verniedlichung aus:

FSV-Trainer Tomas Oral diskutiert mit Bibi Steinhaus

FSV-Wut auf Bibi!

Nur Bibi Steinhaus hatte nicht gepfiffen

Fall 1: Bibi Steinhaus muss sich

Guardiolas Umarmung bei Bibi Steinhaus blieb


Klärende Worte: Bibi Steinhaus und Huub Stevens

Bei Bibi wird sogar der Knurrer zum Schnurrer.

Lasst Bibi auch ganz oben ran.

Herr Fandel, warum blockieren Sie Bibis Bundesliga-Aufstieg?

Typisch, Bibi: Sie klärt solche Sachen

Deshalb forder BILD: Lasst Bibi endlich in der Bundesliga pfeifen!

Schiri-Boss Herbert Fandel gilt nicht als Bibi-Freund

Bibi erkannte sofort, dass es ein

In der Nachspielzeit geht der Bayern-Trainer auf Bibi los

Bibi knallhart.

Geht es für Bibi jetzt ganz schnell?

Der frühere FIFA-Schiedsrichter (1994 bis 2004) hat sich für eine rasche Beförderung von Bibi ausgesprochen!

Geht es nach Schiri-Legende Urs Meier tanzen die Bundesliga-Stars bald nach Bibis Pfeife.

„Meine Mutter hat schon immer gesagt, ich hätte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“, sagte Bibi einmal.

Bibi hat auf dem Platz

Das Rampenlicht. Nicht Bibis Ding.

Bei der Zweitliga-Partie Kaiserslautern gegen Ingolstadt (3:0) pfeift Bibi einen Elfmeter

Ging Bibi damals auch so.

Erster Busen-Wischer von Peter Niedermeyer (30)! Bibi Steinhaus pfeift die Partie Hertha gegen Aachen (0:0).

Bibi guckt erst irritiert

Bibi im ZDF

Der Humor. Für Bibi bei ihrem Job

Auch weil Bibi Cottbus verhext

Wenn Bibi Steinhaus pfeift, gewannen die Löwen bisher nicht

Funkel kämpft heute auch gegen den Bibi-Fluch

Bannt Funkel heute den Bibi-Fluch?

Nicht bei Bibi & Uli.

Was flüsterte Hoeneß der schönen Bibi ins Ohr?

Tolle Stimmung an der Seitenlinie — die Liga-Motzkis Klopp, Lehmann & Co. sollten sich Bibi und Uli zum Vorbild nehmen.

Erstmals zeigte Bibi beim „30. Deutschen Sportpresse-Ball“ ihre neue Liebe.

Vergleicht man die Artikel über Steinhaus mit denen über ihre männlichen Kollegen, wird klar, wie penetrant „Bild“ und Bild.de sie sprachlich kleinhalten: Bundesligaschiedsrichter Jochen Drees ist nie „Jockel“ und sein Kollege Robert Hartmann nie „Robbe“. Aber Bibiana Steinhaus ist andauernd „Bibi“, als wäre sie kein Profi, sondern eine junge Hörspielhexe für Kinder zwischen vier und zehn Jahren.

Immerhin: Mit der „schönen Bibi“ haben es die „Bild“-Medien relativ schnell gelassen. Bei anderen Frauen, die beruflich mit dem Profifußball zu tun haben, konzentrieren sich die Redaktionen aber weiterhin fleißig aufs Aussehen. Da wäre zum Beispiel die „Sky“-Moderatorin Esther Sedlaczek:


Oder ihre „Sport1“-Kollegin Laura Wontorra:


Oder alle Fußballmoderatorinnen:

Auch Eva Carneiro ist nie die gute oder schlechte, erfolgreiche oder pfuschende Ärztin beim FC Chelsea, sondern stets:





„Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen“? Doch, schon, finden die „Bild“-Medien offenbar. Bibiana Steinhaus soll weiter pfeifen, Esther Sedlaczek und Laura Wontorra weiter moderieren, Eva Carneiro sich weiter um die Blessuren der Fußballer kümmern. Und „Bild“ wird weiter darüber berichten. Aber nur mit niedlichem Spitznamen und einer Reduzierung aufs Äußerliche.

Mit Dank an @deansimon27!

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