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Schutzwesten gegen Asylbewerber (2)

Vor gut zwei Wochen haben wir darüber geschrieben, wie die „Bild“-Zeitung Stimmung gegen ein Asylbewerberheim in Bautzen macht.

Das Blatt hatte in der Dresdner Ausgabe behauptet:


(Unkenntlichmachung von uns.)

In dem Artikel hieß es:

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Bautzen kaufte dem Rettungsdienst stich- und schusssichere Westen. (…) Offenbar geht es vor allem um Einsätze im Spreehotel – der Vier-Sterne-Herberge, wo neuerdings Asylbewerber untergebracht sind.

Die Polizei, das DRK und der Betreiber des Heims haben allerdings mehrfach klargestellt, dass diese Darstellung falsch ist.

Zunächst mal: Das Heim ist gar keine „Vier-Sterne-Herberge“ mehr. Der Hotelbetrieb wurde schon vor geraumer Zeit eingestellt, das Gebäude dient jetzt ausschließlich als Unterkunft für die Asylbewerber. Und die Westen, die sich das DRK tatsächlich besorgt hat, sind auch nicht schusssicher, sondern schützen „nur“ gegen Schläge und Stiche.

Vor allem aber wurden sie nicht „aus Angst vor Attacken aus dem Asyl-Hotel“ besorgt, wie „Bild“ behauptet, sondern um die Rettungskräfte ganz allgemein und bei allen Einsätzen zu schützen. Ganz unabhängig vom Einsatzort. Der Polizei ist in dem Heim auch „kein Übergriff auf Rettungspersonal bekannt“.

Wir kommen nochmal auf diese Geschichte zurück, weil vorgestern der Betreiber des Heims bei Maybrit Illner zu Gast war (Sendung in der Mediathek, ab ca. 19:10). Dort erzählte er, dass es „natürlich“ auch „ein paar vielleicht nicht so freundliche Bewohner“ gebe, aber der Großteil sei vollkommen friedlich:

In diesen drei Monaten [seit die Asylbewerber in dem Heim wohnen], ist bei mir eine Sache vorgefallen, die wirklich nachweislich kriminell war, die war nicht in Ordnung, und die wird auch dementsprechend verfolgt. Es ist sonst nachweislich nichts passiert. Das einzige, was die Asylbewerber leider Gottes machen: Sie atmen die Luft der Bautzner. Und ich glaube, das ist wirklich nicht schlimm. Also es gibt nun gar keinen Grund, gegen diese Menschen zu sein. Sie tun niemandem was, und sie wollen sich integrieren.

Auch die Polizei und das DRK appellieren an die Bürger, …

nicht alle der 150 Asylbewerber zu verurteilen. Meist handelt es sich nur um vereinzelte Personen, die mit einem deutlichen Fehlverhalten alle Einwohner in ein schlechtes Licht rücken.

Über dieses Fehlverhalten haben sich einige Bautzner auch vor ein paar Tagen in einer „Sicherheitskonferenz“ beschwert (nachzulesen etwa hier), doch sowohl die Polizei als auch die Stadt weisen immer wieder darauf hin, dass man nicht alle Bewohner über einen Kamm scheren dürfe und die Anzahl der Fälle verhältnismäßig gering sei.

Anfang des Monats berichtete auch der MDR:

Eine wachsende Anzahl Straftaten – wie von einigen Bautznern befürchtet – verzeichnete die Polizei indessen nicht. Laut Sprecher Thomas Knaup sind der Polizei seit dem Einzug der ersten Asylbewerber in das Spreehotel [im Juli, Anm.] 15 Fälle gemeldet worden. Im Vergleich zu den insgesamt 3.700 Straftaten, die sich 2013 in der Region ereignet hätten, sei der Anteil damit verschwindend gering, so Knaup.

Im „Bild“-Artikel heißt es allerdings nur, dass „das Miteinander der Nationalitäten“ „nicht problemlos“ ablaufe und die Polizei zu mehreren Einsätzen ausrücken musste. Eingeordnet werden diese Fälle nicht.

Ebenso wenig erwähnt „Bild“, dass es auch mindestens einen Übergriff gegen die Bewohner des Asylbewerberheims gegeben hat. Vor drei Wochen schrieb der Oberbürgermeister von Bautzen auf der Facebook-Seite der Stadt:

Liebe Bautzenerinnen und Bautzener!

Es sollte ein ganz besonderer Tag für das Kind einer tunesischen Asylbewerberfamilie werden. Doch am Morgen des ersten Schultages sah sich die junge Mutter dem Fremdenhass eines bislang unbekannten Mannes ausgeliefert. Die junge Frau wurde beschimpft und durch einen Schlag verletzt. Dieser Vorfall am hellen Tag, mitten in der Stadt Bautzen, ist widerlich. Ich bin zutiefst entsetzt darüber und entschuldige mich im Namen der Stadt und der friedliebenden toleranten Menschen ausdrücklich bei der jungen Familie für dieses Verhalten.

Über diesen Vorfall verliert der „Bild“-Reporter kein Wort. Auch nicht darüber, dass das Heim mit einem zwei Meter hohen Zaun umzogen worden ist — nicht, um die Leute zu kasernieren, „sondern um die Gefahr von außen abzuwenden“, wie der Betreiber des Heims bei Maybrit Illner erklärte.

Er fügte aber auch hinzu, dass viele Bautzner sehr hilfsbereit seien. Grundsätzlich sei Bautzen „ein guter Ort“:

Ich möchte nicht, dass die Idee entsteht, dass Bautzen eine völlig rechte Ecke Deutschlands ist. Es gibt aber leider Gottes eben einen ganzen Haufen rechtgesinnte Menschen, auch NPD-Mitglieder, die mir das Leben sehr schwer gemacht haben.

Er habe zwei Morddrohungen erhalten, werde — ebenso wie die Bewohner — häufig beleidigt, und in drei Geschäften sei ihm angetragen worden, dort bitte nicht mehr einzukaufen, weil es schlecht für ihr Image wäre.

Das alles sei Ausdruck einer …

Hysterie, die ich nicht nachvollziehen kann. Wenn die Asylbewerber nachweislich Ungedeih gemacht hätten, dann würde ich sagen: okay, verständlich. Aber es ist nichts passiert! Die reine Anwesenheit. Es ist die Angst vor dem Fremden.

Und diese Angst schürt auch die „Bild“-Zeitung, indem sie lügt, Fakten verschweigt und einseitig berichtet. Obwohl längst klar ist, dass der Artikel einen völlig falschen Eindruck erweckt und obwohl der Redaktion bekannt ist, dass sie damit Menschen gegen die Asylbewerber aufhetzt, ist bislang keinerlei Korrektur erschienen.

Im Gegenteil: Der Artikel ist immer noch online.

Mit großem Dank auch an Tobias M.

Kurz korrigiert (502)

In einem Artikel über Michael Hartmann (SPD) schrieb „Zeit Online“ gestern:

Sprecher für SPD-Innenpolitik wird Hartmann allerdings nicht mehr werden. Am Dienstag bestimmten die Abgeordneten den Magdeburger Burkhardt Lischka für dieses Amt. Er ist bereits der dritte innenpolitische Sprecher der SPD in dieser Legislaturperiode. Anfang Februar war der bisherige Innenpolitiker Sebastian Edathy von diesem Amt zurückgetreten.

Das ist falsch. Zumindest die zweite Hälfte.

Sebastian Edathy hat dieses Amt in Wahrheit nämlich nie bekleidet, er konnte also auch nicht davon zurücktreten. Michael Hartmann war bereits seit Oktober 2011 Sprecher für SPD-Innenpolitik und folgte damit direkt auf den langjährigen Sprecher Dieter Wiefelspütz.

Lischka ist demnach nicht „bereits der dritte“, sondern erst der zweite innenpolitische Sprecher der SPD in dieser Legislaturperiode.

Die falsche Behauptung, Edathy sei der Vorgänger von Hartmann gewesen, geistert allerdings schon seit geraumer Zeit durch die Medienlandschaft. In die Welt gesetzt wurde sie vermutlich von der „Bild“-Zeitung, die im Juli schrieb:

Hartmann ist eng befreundet mit Sebastian Edathy (44) — seinem Vorgänger als innenpolitischer Sprecher.

Auch die dpa behauptete vor zwei Wochen:

Lischka wird dann bereits der dritte SPD-Innenpolitikexperte in dieser Legislaturperiode sein: Hartmann-Vorgänger Sebastian Edathy hatte seine Bundestagsmandat im Februar niedergelegt […].

Und die Online-Ausgabe der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ titelte bei der Berufung Lischkas ebenso falsch:

Übrigens: Edathy war zwar nie innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, aber Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestages. Womöglich haben die Politik-Journalisten diesen feinen Unterschied — immer wieder aufs Neue — übersehen.

Mit Dank an Philipp.

Die verlorene Ehre des Alexander Blum

Wir haben Post von Google bekommen:

Hinweis auf Entfernung aus der Google-Suche
11. September 2014

Aufgrund eines Antrags gemäß europäischem Datenschutzrecht wird mindestens eine Seite Ihrer Website bei Suchanfragen zu bestimmten Namen oder anderen personenbezogenen Daten nicht mehr in unseren Suchergebnissen angezeigt. Nur die Suchergebnisse in europäischen Google-Versionen sind davon betroffen. Es sind keine Maßnahmen Ihrerseits erforderlich.

Diese Seiten wurden nicht vollständig in unseren Suchergebnissen blockiert, sondern werden weiterhin für Suchanfragen angezeigt, die nicht in den von Einzelpersonen gemäß dem europäischen Datenschutzrecht eingereichten Anträgen angegeben wurden. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir Ihnen leider nicht mitteilen, um welche Suchanfragen es im Einzelnen geht.

Beachten Sie bitte, dass die betroffenen Suchanfragen in vielen Fällen nicht im Zusammenhang mit Namen von Personen stehen, die Nutzern als Erstes auf der Seite ins Auge springen. Zum Beispiel kann es um einen Namen gehen, der in einem Kommentar erwähnt wird.

Die folgenden URLs sind von dieser Maßnahme betroffen:

http://www.bildblog.de/12688/von-dreckschweinen-und-wiederholungstaetern/
http://www.bildblog.de/1334/bild-benutzt-kinder-fuer-recherchen/
http://www.bildblog.de/1342/bild-benutzt-kinder-fuer-recherchen-ii/
http://www.bildblog.de/2259/polizei-deckt-bams-ente-auf/

Der in den vier Einträgen genannte Name ist der von Alexander Blum, der heute als Redakteur bei der „Bild am Sonntag“ arbeitet.

Presserat rügt blutige Berichterstattung

Im Juni druckte die „Bild“-Zeitung ein Foto, auf dem ein Mann stirbt. Blutüberströmt sitzt er auf dem Boden, ein Messer steckt in seinem Bauch, hinter ihm steht noch der mutmaßliche Täter.

Das Foto erschien in „Bild Hamburg“, auf Bild.de und riesengroß auf Seite 3 der Bundesausgabe:

Auf den weiteren Fotos ist zu sehen, wie sich Passanten um das Opfer kümmern und der mutmaßliche Täter, dessen Gesicht klar zu erkennen ist, festgenommen wird.

(Nachdem der Artikel erschienen war, haben wir uns übrigens mit dem Fotografen über die Bilder unterhalten. Seine Antworten können Sie hier nachlesen.)

Gestern hat sich der Presserat mit dem Fall beschäftigt und gegen „Bild“ und Bild.de eine öffentliche Rüge ausgesprochen. Die Berichterstattung verstoße sowohl gegen Ziffer 8 (Schutz der Persönlichkeit) als auch Ziffer 11 (Sensationsberichterstattung) des Pressekodex. In der Pressemitteilung heißt es:

Der Vorgang des Sterbens wird in einem protokollarischen Detailreichtum geschildert, der nicht in öffentlichem Interesse liegt und somit unangemessen sensationell ist.

Auch bei anderen Artikeln der „Bild“-Medien war es vor allem die übertriebene Grausamkeit, die vom Presserat kritisiert wurde.

So erhielt Bild.de eine weitere Rüge für die Berichterstattung über eine Beziehungstat, bei der ein Mann seine Ehefrau erschossen hatte. In dem Artikel waren Porträtfotos des Opfers zu sehen, außerdem nannte die Redaktion den vollen Namen der Frau. Damit habe Bild.de zum Einen den Persönlichkeitsschutz der Frau verletzt, denn nach Richtlinie 8.2 des Pressekodex ist bei Verbrechen und Unglücken „das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich“.

Außerdem enthielt der Artikel ein Foto, das von einer Augenzeugin mit der Handykamera aufgenommen wurde. Es zeigt Täter und Opfer kurz vor der Tat auf einer Wiese sitzend, der Mann hält ein Gewehr in der Hand.

In der Kombination dieses Bildes mit dem direkt daneben platzierten Porträtfoto des Opfers sah der Beschwerdeausschuss eine unangemessen sensationelle Darstellung im Sinne der Ziffer 11 Pressekodex.

Als „unangemessen sensationell“ bewertete der Presserat auch das Werk eines „Bild“-Zeichners, auf dem ein Mann zu sehen ist, der von einer Heuballen-Maschine „zerschreddert“ wird („Bild“ liebt solche brutalen Zeichnungen). Kritisiert wurde neben der Illustration auch die Tatsache, dass das Opfer aufgrund persönlicher Details identifizierbar wurde. Das Gremium sprach daher eine Missbilligung gegen Bild.de aus.

Ebenso missbilligt wurde ein Bild.de-Artikel mit dem Titel:

Darin zeigt das Portal ein Foto, auf dem die Frau schwer verletzt auf der Straße liegt. Da sich die Geschichte in Peking ereignet hatte, habe kein ausreichendes öffentliches Interesse an dem Fall bestanden, befand der Presserat, und auch hier erkannte er eine „unangemessen sensationelle Darstellung“.

Genau wie bei einem weiteren Artikel, diesmal in der Print-Ausgabe. Darin hatte „Bild“ ein Foto gedruckt, auf dem mehrere irakische Soldaten erschossen werden, das Blut spritzt aus ihren Köpfen. Mehr muss man wohl nicht dazu sagen.

Eine weitere Missbilligung bekam Bild.de für einen Artikel über den Soldaten Bowe Bergdahl. Er enthielt ein (offenbar von Facebook geklautes) Foto der Ex-Freundin des Mannes, an dem laut Presserat kein öffentliches Interesse bestand.

Insgesamt erhielten die „Bild“-Medien (wenn man die Rüge für Nicolaus Fests Hass-Kommentar und die Entscheidungen zur MH17-Berichterstattung mitzählt) drei Rügen, sechs fünf Missbilligungen und vier Hinweise.

Eine weitere Rüge ging an die Online-Ausgabe des „Tagesspiegel“, wo ein Original-Dokument erschienen war, das angeblich aus dem Büro des Vorsitzenden der Partei Die Linke stammte. Darin wurde aufgelistet, wer nach der Bundestagswahl eine Funktion in der neuen Fraktion haben und wer ausscheiden soll. Darüber hatte sich ein Mitarbeiter eines Regionalbüros beschwert, der in dem Papier als „zu schützende Person“ namentlich genannt wird.

Der Ausschuss war der Ansicht, dass die Veröffentlichung des Namens des Betroffenen seine informationelle Selbstbestimmung verletzt. Weil er kein politisches Mandat ausübt und nicht öffentlich in Erscheinung getreten ist, durfte er nicht genannt werden.

Tagesspiegel.de habe Ziffer 2 verletzt, weil die Informationen vor der Veröffentlichung nicht sorgfältig genug auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft wurden, heißt es in der Begründung.

Die „Maßnahmen“ des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine „Missbilligung“ ist schlimmer als ein „Hinweis“, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die „Rüge“. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Die Zeitschrift „L.A. Multimedia“ wurde gleich zweimal gerügt, weil sie „die Grenze zur Schleichwerbung“ überschritten hatte (Verstoß gegen Ziffer 7). In den Artikeln ging es um den Einsatz moderner Medien im Schulunterricht. Der Ausschuss sah es „als erwiesen an, dass die redaktionelle Veröffentlichung durch geschäftliche Interessen des Unternehmens [ein Anbieter von Schulmedien] beeinflusst wurden“.

Einen ähnlichen Verstoß erkannte der Ausschuss bei einer Beilage der Zeitschrift „Diabetes Journal“. Das Heft bewarb ein Gerät für Diabetiker und habe damit die gebotene Trennung zwischen Werbung und Redaktion verletzt. Das Impressum enthielt zwar den Hinweis „Mit freundlicher Unterstützung von …“, doch das reiche nicht aus, befand der Presserat und sprach ebenfalls eine Rüge aus.

Nicht namentlich genannt wurde eine regionale Tageszeitung, die eine Missbilligung erhielt, weil sie mehrere Pressemitteilungen unter dem Kürzel eines Redakteurs abgedruckt hatte. Die Zeitung habe damit gegen Richtlinie 1.3 verstoßen, nach der Pressemitteilungen als solche gekennzeichnet werden müssen, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.

Insgesamt verteilte der Presserat (die vorherigen Entscheidungen mitgerechnet) sieben Rügen, 24 Missbilligungen und 25 Hinweise.

Die Chili-Verarsche

Gestern wurde bekannt, dass der Fußballspieler Maicon aus der brasilianischen Nationalmannschaft geworfen wurde. Weil die Gründe für den Rauswurf zunächst nicht genannt wurden, sind seither viele Spekulationen im Umlauf. Die Version mit der Chili-Schote hat es den Medien aber ganz besonders angetan:

„Bild“ schreibt:

Maicon soll seinem alkoholisiert schlafenden Mitspieler Elias nach einer Party-Nacht eine Chili-Schote (mit Milch!) in den Po geschoben haben. Später soll Maicon dem aufgewachten Elias auch noch erzählt haben, er habe ihn auf einer Disko-Toilette gefunden. Vergewaltigt von vier Männern. Eine ziemlich üble Verarsche.

Kann man so sagen. Und hätte sich die „Bild“-Reporterin die Quelle (die sie natürlich nicht nennt) mal etwas genauer angesehen, hätte sie auch schnell gemerkt, wer hier eigentlich verarscht wurde — nämlich sie selbst. Das Portal, das die Chili-Geschichte in die Welt gesetzt hatte, ist eine Satire-Seite.

Überall auf der Welt sind die Medien auf den Fake reingefallen. Inzwischen hat die Satire-Seite den Artikel gelöscht und sich entschuldigt. Viele Medien (Bild.de ausgenommen) haben ihre Artikel dementsprechend korrigiert.

Doch wer glaubt, das würde die Journalisten jetzt davon abhalten, das Märchen weiter zu verbreiten, der kennt „Focus Online“ nicht. Obwohl nach dreisekündiger Recherche feststeht, dass an dieser Geschichte nicht das Geringste dran ist, schrieb das Portal vor ein paar Stunden:

Im Teaser heiß es:

Offiziell ist Maicon mit der Begründung „Disziplinlosigkeit“ aus der brasilianischen Nationalmannschaft geflogen. Er soll nach einem freien Tag zu spät zurückgekommen sein. Doch laut Gerüchteküche soll er einem Mitspieler ganz übel mitgespielt haben. Die Vorwürfe sind unglaublich.

In der Tat.

Mit Dank an Anita.

Nachtrag, 11. September: „Focus Online“ hat den Artikel unauffällig korrigiert. Bild.de gibt den Fehler immerhin zu.

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Schutzwesten gegen Asylbewerber

Davy S. (deutscher Steuerzahler) ist empört.

und solche wilde bringt man in einem hotel unter! ein schlag ins gesicht für die eigenen leute und für jeden deutschen steuerzahler!

Mit „solche wilde“ meint Davy S. die 150 Asylbewerber, die seit einigen Wochen in einem Hotel in Bautzen (Sachsen) untergebracht sind. Und er ist so sauer, weil er diesen Artikel gelesen hat:


(Unkenntlichmachung auf Wunsch des DRK von uns.)

Der Text war am Montag der große Aufmacher in der Dresdner „Bild“-Ausgabe. Darin heißt es, das Rote Kreuz in Bautzen werde in Zukunft Schutzwesten einsetzen. „Offenbar“, so der „Bild“-Reporter, gehe es „vor allem um Einsätze“ in besagtem Hotel.

Um es kurz zu machen: Das ist falsch.

Es stimmt zwar, dass sich das Rote Kreuz Schutzwesten besorgt hat. Doch diese Anschaffung steht …

in keinem Zusammenhang mit dem Asylbewerberheim Bautzen.

Das schreiben die „Lausitz News“, die gestern nochmal beim DRK nachgefragt haben. Und bei der Polizei, deren Pressesprecher in Wahrheit ebenfalls keine Notwendigkeit sieht, …

explizit für Einsätze im Asylbewerberheim solche Westen für die Sanitäter einzusetzen.

Dort sei ihm nämlich …

kein Übergriff auf Rettungspersonal bekannt.

Das DRK hat die Westen also nicht wegen des Asylbewerberheims angeschafft, sondern einfach damit die Sanitäter „bei Einsätzen mit alkoholisierten, drogenabhängigen oder geistig verwirrten Personen“ besser geschützt sind — völlig unabhängig vom Einsatzort. Der „Bild“-Reporter dreht sich die Fakten aber so zurecht, als sei das „Asyl-Hotel“ das Problem. Als wimmle es dort nur von Gewalttätern, die es auf „unsere“ Sanitäter abgesehen haben.

Beim deutschen Steuerzahler Davy S. ist diese Botschaft offensichtlich angekommen. Bei vielen anderen „Bild“-Lesern auch, wie ein Blick in die Leserkommentare bei Bild.de zeigt:

Das ist eine Schande. Deutschland nimmt Asylanten auf und unsere Helfer, Mitbürger werden bedroht. Alle sofort nach Hause schicken !!! Drogen und Alkohol…woher haben sie denn das Geld?

ja,ja,ja und alles friedliebende,arbeitsame,integrationswillige, neubürger unseres landes!! aber ihr habt es ja nicht anders gewollt,in dem ihr plagiate gewählt habt statt der originale!!!!

Sind die Asylbewerber eigentlich medizinisch untersucht? Ebola ist wohl kaum anzunehmen, aber es gibt ja in der Dritten Welt noch jede Menge andere übertragbare Infektionskrankheiten wie Aids/HIV etc

Warum nehmen wir überhaupt Asylanten auf, Deutschland hat schon mehr als genug getan ! Ich als Deutscher hab es satt mir was von Scharia Polizei und gewalttätigen Siri Clans hier durch zu lesen. Wer hier nicht gebraucht wird, braucht nicht zu kommen. Und wundert Euch nicht, wenn die AfD mal mehr als 40 % bekommt,ich glaube nicht das ich der einzige bin der so denkt.

sind das unsere viel gepriesenen Fachkräfte, die jeden Tag herauf beschworen werden?

Da zeigt es sich doch mal wieder wie es um unsere „GÄSTE“ bestellt ist und wir Idioten zahlen für die alles. Auch noch ein 4Sterne Hotel. Hallo liebe Politiker gehts noch!!!! WEG mit denen ab nauch Hause… wer Waffen Drogen hat oder zu Gewalt neigt hat hier nix zu suchen !!!

Das ist allerdings noch harmlos im Vergleich zu dem hysterischen Hetzmob, der seit zwei Tagen auf den Facebook-Seiten der AfD tobt.

Die Partei hat den Bild.de-Artikel am Montag geteilt („Dass nun sogar schon unsere Rettungssanitäter das Asylbewerberheim in Bautzen nur mit Schutzwesten betreten dürfen, ist mehr als bedenklich“) und seitdem über 1.000 Kommentare geerntet, von denen sehr, sehr viele so klingen:

Solche Dreckspatzen sollte man verrecken lassen!!!!!!!
(3 Leuten gefällt das.)

Raus mit dem kriminellem Pack. Basta !
(7 Leuten gefällt das.)

Grenzen schließen. dieses ungebildete Pack von Asylanten braucht kein Mensch !
(3 Leuten gefällt das.)

Rettungsdanitäter mit Rettungswesten????
Geht ja gar nicht!!!!!
Für was brauchen Asylanten Sanitäter??? Die müssen dankbar sein, dass wir Deutschen so dreckiges Gesocks überhaupt aufnehmen!! Die Füßen müssen sie uns Deutschen küssen!!!!
Statt dessen werden wir von solchen abgegriffen!!!
Ich finde kein Sanitäter sollte solchen Undankbaren helfen!!!! Sollen doch verrecken, wäre besser für uns und kein Sanitäter würde zu schaden kommen!!!!!!!
(5 Leuten gefällt das.)

Raus mit dem Pack…und den gefährlichen Islamisten Gesindel, und von wegen Moscheen, sind hier nur Gäste!
Außerdem was soll die doppelte Staatsbürgerschaft!!!
(5 Leuten gefällt das.)

Soweit sind wir durch unsere übertriebene Multi-Kulti-Loyalität gekommen. Normaler Weise müssten alle im Rettungsdienst Tätigen mal für einen Tag ihre Arbeit niederlegen und so gegen die Zustände protestieren.
(26 Leuten gefällt das.)

Toll, diese herzlichen Fachleute in ihrer Bunten Vielfalt. Ich wuerde als Sani gar nicht mehr da rein gehen.
(9 Leuten gefällt das.)

Großes Schiff. Care-Paket für die Reise, Bundeswehr“reisebegleiter“ mit genügend Waffen im Anschlag und gute Heimreise. Ganz einfach.
Wer tatsächlich vor Krieg und Tot fliehen MÜSSTE, benimmt sich nicht so , sondern würde vor Dankbarkeit den ganzen Tag arbeiten und fleißig deutsch lernen, um sich möglichst schnell in die Kultur und Gesellschaft einzubringen und anzupassen…!
(20 Leuten gefällt das.)

Solange wir nur im Hintergrund quasseln wie hier bei Facebook so wird sich das nicht ändern. Es wird Zeit auf die strasse zugehen und zu handeln
(4 Leuten gefällt das.)

darum wähle ich AfD
(9 Leuten gefällt das.)

Achja, darauf habe ich nur wieder gewartet, wann der erste Kommentar kommt, wegen „rechts“ usw. Ihr linken Gutmenschen, versteht endlich mal, das der deutsche Michel langsam die Schnauze voll hat. Die AfD wird nicht mehr verschwinden und das ist auch gut so.
(22 Leuten gefällt das.)

Diese ganzen „Facharbeiter“ gehören alle bei den Wählern der Grünen einquartiert, die wollen das Pack doch hier haben!
(21 Leuten gefällt das.)

Und wieder Asylanten! Boar ich bin es langsam leid das Deutschland immer mehr Probleme & Leid hat durch diese „Migranten“!!! Härtere Strafen & Gesetze einführen!!! Wer sich nicht an die Regeln hält wird abgeschoben und fertig!!!
(5 Leuten gefällt das.)

Das ist unfassbar !!!! Traurig was in unserem Land passiert ….. Und letztendlich nehmen wir es einfach hin , weil jeder Angst hat gleich als Rechtradikal und Nazi beschimpft zu werden ….. Ich versteh das nicht …. echt traurig .
(15 Leuten gefällt das.)

Wer Pack ins Land lässt, muss sich drum kümmern…..!!!!!
(4 Leuten gefällt das.)

Zum gesetzlosen Bereich erklären und keine Rettungskräfte mehr reinschicken. Wenn da drin jemand verreckt …. Pech gehabt …. Aber geht ja nicht wegen unserer ganzen grünen Gutmenschen
(4 Leuten gefällt das.)

Gleich eine Injektion aufziehen mit Fentanyl und Dormicum dazu noch ein bißchen Lidocain und fertig..
(4 Leuten gefällt das.)

soweit sind wir also schon,das sich sanitäter schützen müssen mit sicherheitswesten..da kann ich nur sagen die sich falsch benehmen,,AB nach Hause wo sie her gekommen sind,,,,so ein pack brauchen wir hier nicht,,ist genug im land.
(5 Leuten gefällt das.)

Wenn es also das Ziel der „Bild“-Zeitung war, mit falschen Behauptungen Angst und Hass gegenüber Ausländern zu schüren, dann hat sie alles richtig gemacht.

Mit Dank an stitch, Johannes S. und Sabine B.

Nachtrag, 16.10 Uhr: Bild.de hat Dreiviertel aller Leserkommentare gelöscht. Der Artikel ist aber unverändert geblieben.

Die AfD hat inzwischen auch Kommentare gelöscht — aber nur die, die einen Link zu unserem BILDblog-Eintrag enthielten. Die Hetzkommentare sind nach wie vor online.

Nachtrag, 11. September: Jetzt hat die AfD den Facebook-Eintrag ganz gelöscht.

Blanke Bigotterie

Eigentlich wollten wir die Geschichte ja ignorieren, aber ein paar kurze Gedanken müssen wir doch noch loswerden. Denn eins ist mal klar: Dieser „Nacktfoto-Skandal“ war für die Leute von „Bild“ so ziemlich das Oberaffentittengeilste seit der Sache mit Kates Hintern. Mindestens.

Aber kein Wunder. Allein die Schlagworte: Promis! Nacktfotos! Hacker! FBI! Nacktfotos! NACKTFOTOS! Da kann der Hormonhaushalt schon mal durcheinandergeraten. Erst recht in der „Bild“-Redaktion, wo ja schon der unscharfe Schnappschuss einer versehentlich entblößten Promi-Brustwarze reicht, um einen medialen Orgasmus auszulösen:




Das Besondere an dem aktuellen Fall ist aber, dass die Fotos auf illegale Weise beschafft wurden. Blöd für „Bild“. Denn einerseits will Kai Diekmann die Zeitung als eine Art moralische Instanz etablieren, darum kann sie die Fotos nicht abdrucken und muss sogar irgendwie so tun, als fände sie das alles ganz, ganz schlimm. Andererseits: NACKTFOTOS!! VON PROMIS!!

Also macht „Bild“ einfach beides: sich darüber empören und sich daran aufgeilen.

Es sei „DIE Schock-Nachricht“ gewesen, heißt es dann, denn die Fotos der Promis seien „hochprivat“ und es sei „verwerflich“ und „nicht schön“, sie anzuschauen, weil sie „NIE für die Öffentlichkeit geknipst wurden“. Gleichzeitig verlinkt Bild.de auf genau die Portale, bei denen die Fotos aufgetaucht waren.

Kurz nach Beginn des Skandals kam dann auch gleich …

Genüsslich beschreibt Bild.de den Inhalt der Fotos („Auf dem Bett streckt [...] ihre Brüste der Kamera entgegen, spreizt die Beine. Man sieht ALLES.“) und verlinkt erneut auf ein Twitter-Profil, wo einige der Bilder zu sehen waren.

An anderer Stelle heißt es dann wieder: „Zum Glück lassen sich die Fotos derzeit kaum noch aufspüren“. Jaja, „zum Glück“. Oder die Leser werden dazu aufgefordert, „im Sinne der Promis“ und im Sinne der „eigenen Datensicherheit“ gar nicht erst nach den Fotos zu suchen.

Diese Ambivalenz — schlimm aber geil — zieht sich im Grunde durch die gesamte (und natürlich: höchstausführliche) Berichterstattung. Dabei fallen auch Sätze, die man eigentlich ausdrucken und überall in der „Bild“-Redaktion aufhängen müsste. Zum Beispiel:

Wer sich an privaten Daten zu schaffen macht, ist ein Dieb und macht sich strafbar. So einfach ist das!

Ja, „Bild“, so einfach ist das. Wir werden dich gerne daran erinnern, wenn DU mal wieder Fotos zeigst, die NIE für die Öffentlichkeit geknipst wurden.

Mit Dank auch an Benjamin S. und Martin S.

Darf man das Gesicht eines mutmaßlichen Täters zeigen?

Viele Leser haben uns heute empört auf die Berichterstattung über ein Verbrechen in Norddeutschland hingewiesen. Es geht um diese Geschichte:




(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Der Mann ist gestern festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus.

Unsere Hinweisgeber kritisieren nun vor allem, dass die Medien ein unverpixeltes Foto des mutmaßlichen Täters zeigen und seinen Klarnamen nennen, also identifizierend über ihn berichten. Auch unser erster Gedanke war: Das dürfen die doch nicht!

Aber: Sie dürfen es. Oder besser gesagt: Sollte der Mann rechtlich gegen die Berichterstattung vorgehen, stünden seine Erfolgschancen nur sehr schlecht.

Das liegt zum einen daran, dass er Politiker ist. Und für die gelten andere Maßstäbe als für Nicht-Politiker, denn: „Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden oder eine herausgehobene gesellschaftliche Position innehaben, müssen sich bereits bei geringen Verfehlungen öffentlicher Kritik stellen.“ So schreibt es der Medienrechtler Udo Branahl in seiner Einführung ins Medienrecht — und gibt dazu folgende Beispiele:

Über den Ladendiebstahl eines Landesministers darf zutreffend berichtet werden.

Auch ein Polizeibeamter, der als „Hüter von Recht und Ordnung“ in besonderer Weise öffentlicher Kontrolle und Kritik ausgesetzt ist, muss die Nennung seines Namens selbst bei weniger schweren Delikten eher dulden als ein vergleichbarer Arbeiter oder Angestellter. (…)

Ein Mitglied des Gemeinderats kann sich gegen die Veröffentlichung eines Fotos, das zeigt, dass er während einer Ratssitzung „eingenickt“ ist, nicht erfolgreich zur Wehr setzen.

Und wenn die Gerichte schon bei solch vergleichsweise kleinen Vorwürfen eine identifizierende Berichterstattung erlauben, würden sie es bei einem Mordverdacht wohl nicht anders sehen.

Aber was ist mit der Unschuldsvermutung? Auf Anfrage erklärte uns Udo Branahl: Wenn es so gewesen sei, wie es die Medien schildern — angeblich schoss der Mann aus Wut über seinen Steuerbescheid (niedrige Beweggründe), war während der Tat mit dem Opfer allein in einem Raum und wurde noch am Tatort festgenommen –, spreche einiges für die Täterschaft des Mannes, also auch in diesem Punkt hätte er vor Gericht wahrscheinlich keine guten Chancen.

Kurzum: Aus juristischer Sicht kann man den Medien zum jetzigen Zeitpunkt keinen großen Vorwurf machen.

Und der Pressekodex? Auch der gestattet in bestimmten Fällen die identifizierende Berichterstattung über Tatverdächtige. Voraussetzung ist aber ein erhebliches Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Dafür, dass ein solches Interesse vorliegt, spricht zum Beispiel, wenn „eine außergewöhnlich schwere (…) Straftat vorliegt“ oder „ein Zusammenhang bzw. Widerspruch besteht zwischen Amt (…) einer Person und der ihr zur Last gelegten Tat“. Beides trifft, wenn man der Darstellung der Medien glaubt, in diesem Fall zu. Auch halten sich die meisten Medien daran, den Mann als „mutmaßlichen“ Täter zu bezeichnen, die Beschreibungen sind zudem überwiegend sachlich. Sollte sich der Presserat also demnächst mit den Artikeln befassen, wäre es nicht überraschend, wenn er zu dem Entschluss käme, dass kein Verstoß gegen den Kodex vorliegt.

Doch auch wenn die Berichterstattung weder gegen das Gesetz noch gegen den Pressekodex verstößt — ob man sie als Medium so prominent bringen muss, ist natürlich eine andere Frage.

Gerade die Verdachtsberichterstattung ist ein Gebiet, auf dem Journalisten extrem sorgfältig vorgehen müssen. Schon viel zu oft wurden Tatverdächtige von den Medien verurteilt, obwohl sie, wie sich dann später herausstellte, mit der Sache nichts zu tun hatten. Und selbst wenn sie etwas damit zu tun hatten und das sogar gestehen:

Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines „Medien-Prangers“ sein. (Pressekodex, Richtlinie 13.1)

Mit Dank an Anonym, Torsten K. und T.D.!

Sportteil von „Bild“ rasselt durch den Realitäts-Check

Die Transferphase der Bundesliga neigt sich dem Ende entgegen — heißt: Die Medien geben nochmal Vollgas und spekulieren munter darüber, welcher Spieler wohl zu welchem Verein wechseln wird.

Wie wenig man auf solche Ratespielchen geben kann, zeigt schon das Beispiel von Andreas Bjelland. Die „Bild“-Zeitung behauptete vor zwei Tagen, der Spieler vom FC Twente sei beim FSV Mainz 05 im Gespräch — einen Tag später musste sie aber per Twitter einräumen: Stimmt gar nicht.

Interessant übrigens auch diese Fortsetzung:

Auf der heutigen Pressekonferenz des FSV wurde der Mainzer Manager Christian Heidel gefragt, was in Sachen Transfers denn jetzt eigentlich Fakt sei. Da werde ja momentan viel geschrieben.

Heidel antwortete:

Ich lese auch viele Dinge, teilweise sehr belustigt, muss ich sagen. Aber ich verstehe das ja: Wenn wir nichts sagen, wird einfach was geschrieben – teilweise an den Haaren herbeigezogen.

Also teilweise ist es wirklich unglaublich, manche Namen habe ich noch nie gehört, kannte ich gar nicht – aber es ist halt so, damit müssen wir leben. Und wer uns kennt, wer mich kennt, weiß, dass wir einen Transfer dann bekannt geben, wenn ein Transfer perfekt ist.

Ein Journalist wollte daraufhin wissen:

Wie schwer wiegt es denn, dass ein Wunschspieler dann durch den Medizin-Check fällt? Den hätten sie ja sonst verpflichtet.

Gemeint ist damit eine Geschichte, die die „Bild“-Zeitung heute in der Mainzer Ausgabe gebracht hat:

Manager Heidel antwortete:

Das habe ich heute auch gelesen, das habe ich genauso belustigt zur Kenntnis genommen. Deswegen: Selbst wenn es so wäre, würde ich mich zu solch einer Thematik nie äußern, auch nie äußern dürfen. Ich kann nur eines sagen: Dem Jungen geht’s ausgesprochen gut!

Daraufhin der Journalist:

Ich habe nicht nach dem Medizin-Check gefragt, sondern wie schwer das wiegt, dass kurz vor einer Verpflichtung jemand scheinbar nicht den Medizin-Check besteht und die Transferperiode ja jetzt abläuft.

Manager Heidel:

Und das entscheide Wort war: scheinbar. Ich hab ja gesagt: Wartet doch mal ein bisschen ab! Hab ich gesagt, dass wir einen Spieler aufgrund eines Medizin-Checks nicht verpflichten können? Glaub ich nicht. Das hab ich auch heute irgendwo gelesen – aber was soll ich denn dazu sagen? Wir haben das nie bekanntgegeben, wir haben das nie gesagt, und ich habe ja eben gesagt: Diesem besagten Spieler geht es ausgezeichnet.

Und siehe da: Wenige Stunden nach der Pressekonferenz gab Mainz 05 die Verpflichtung des Spielers bekannt — dessen Wechsel laut „Bild“ eigentlich schon „geplatzt“ war.

Mit Dank an Jessica.

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Die nächste Gratis-“Bild“ steht an

Im November will der Axel-Springer-Verlag die Haushalte dieses Landes wieder ungefragt mit Gratis-Ausgaben der „Bild“-Zeitung belästigen. Zumindest hat er das (in etwas anderer Wortwahl) seinen Werbekunden angekündigt (PDF, S. 54). Die „Bild zum Mauerfall“ soll voraussichtlich am 8. November erscheinen.

In der Ankündigung steht auch:

Personen, die ausdrücklich keine Zustellung wünschen und dies anmelden oder eindeutig zum Ausdruck gebracht haben, werden von der Zustellung ausgeschlossen.

Das war auch bei den bisherigen Gratis-“Bild“-Ausgaben so, allerdings wurden beim letzten Mal nicht alle Widersprüche akzeptiert — weil sie nicht rechtzeitig eingegangen seien, behauptete der Verlag.

Damit er sich diesmal nicht mit diesem Argument herausreden kann, haben wir beim Sprecher des Verlags nachgefragt, bis wann die Widersprüche spätestens abgeschickt werden müssen und an welche E-Mail-Adresse sie gehen sollen. Seine Antwort lautete:

[W]ir wissen bisher nur, dass wir uns zum Jahrestag des Mauerfalls etwas Besonderes einfallen lassen. Was das allerdings sein wird, ist im Moment noch völlig offen.

Natürlich. Dabei plant der Verlag die Gratis-“Bild“ schon mindestens seit März. Und vor Kurzem hat er noch mal explizit für das Projekt getrommelt (PDF, S. 16). Nun ja. Sobald er dann mal mit den Widerspruchs-Bedingungen rausrücken will, werden wir sie hier veröffentlichen.

Für eine ganzseitige Anzeige in der „Bild zum Mauerfall“ verlangt Springer übrigens vier Millionen Euro.

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