Archiv für Bild.de

Jetzt mal plastisch vorgestellt

Bilanzpressekonferenzen sind selten bunt und unterhaltsam — selbst, wenn sie von einem Spielzeughersteller abgehalten werden.

Bild.de hat die Meldung über den Rekord-Gewinn bei Lego deshalb mit ein paar Fakten über die bunten Plastiksteinchen aufgelockert, mit der man beim nächsten Smalltalk punkten kann. Darunter:

Lego-Figuren sind mit einer Anzahl von 4 Billionen die weltweit größte "Bevölkerungsgruppe".

Ja, fast. Lego selbst hatte vor zweieinhalb Jahren zum 30. Geburtstag der Legomännchen eine Pressemitteilung veröffentlicht, die neben anderen „interessanten Fakten über die Figur“ auch diese enthielt:

Minifigures represent the world’s largest population, more than 4 billion people strong, making it 3 times larger than China, 12 times larger than the United States and 120 times larger than Canada.

Wenn man diese Information übersetzen will, sollte man aber bedenken, dass das Englische „billion“ im Deutschen bekanntlich eine „Milliarde“ bezeichnet. Aber das reicht ja immer noch für die größte Bevölkerungsgruppe.

Mit Dank an Lothar Z.

Sheen sein allein reicht nicht

Für diese Fehleinschätzung von Bild.de gibt es zwei Lösungswege:

Jetzt hat die Polizei durchgegriffen! Sie hat die Kinder von Charlie Sheen (45, "Apocalypse Now") aus seiner sündigen Hollywood-Villa geholt!

Der Schauspieler wurde unter anderem durch das Kriegsdrama "Apocalypse Now" zum Hollywood-Star

Entweder sie haben Charlie mit seinem Vater Martin Sheen verwechselt, der tatsächlich in „Apocalypse Now“ mitgespielt hat, oder sie haben „Apocalypse Now“ mit „Platoon“ verwechselt, jenem Kriegsfilm, durch den Charlie Sheen unter anderem berühmt geworden ist.

Die erste Stelle hat Bild.de inzwischen korrigiert, die zweite in der Klickstrecke nicht.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 4. März: In der Klickstrecke erklärt Bild.de jetzt, Charlie Sheen sei durch „Platoon“ zum Star geworden.

Die drucken nicht alles ab

In den vergangenen Tagen wurde gelegentlich über die Art und Weise des korrekten Zitierens diskutiert.

Bild.de macht eigentlich nichts falsch:

Auch die "Süddeutsche Zeitung" spekuliert über eine mögliche Wiederauferstehung. "Es ist absehbar, dass Guttenberg für einen eher großen Teil der Bevölkerung in ein paar Wochen jener Mann sein wird, der sich der Verantwortung gestellt hat. Er wird populär bleiben, und an die Dissertation werden nur die ewigen Nörgler erinnern (...) Und bis 2013, wenn man in Bayern und im Bund wählt, vergehen ja noch Jahre der Läuterung", heißt es im aktuellen SZ-Kommentar.

Die Quelle ist angegeben (wenn auch nicht verlinkt), Auslassungen im Zitat sind mit Punkten kenntlich gemacht.

Und doch ist interessant, was Bild.de da beim Zitieren weggelassen hat:

Es ist absehbar, dass er für einen eher großen Teil der Bevölkerung in ein paar Wochen jener Mann sein wird, der sich der Verantwortung gestellt hat. Er wird populär bleiben, und an die Dissertation werden nur die ewigen Nörgler erinnern. Er selbst wird ein Buch schreiben, vielleicht über „Politik in der Erregungsgesellschaft“. Bild wird es abdrucken. Man wird eine Debatte führen über Köhler, Sarrazin und jetzt auch noch Guttenberg. Und bis 2013, wenn man in Bayern und im Bund wählt, vergehen ja noch Jahre der Läuterung.

(Hervorhebung von uns.)

Mit Dank an Christian.

Heidi Opossum, schielen Oscar

Während sich alle fragen, wer in diesem Jahr bei den Oscars abräumt, scheint Bild.de eher in Richtung Pulitzer-Preis zu schielen:

Das Opossum Opossum Heidi ist voll Oscar du verstehste hier

Der dazugehörige Artikel hält, was die Überschrift verspricht:

Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum,
schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar Heidi Opossum, schielen Oscar

So geht das noch drei Absätze weiter, bevor angekündigt wird: „Mehr aktuelle News aus Leipzig und Umgebung lesen Sie hier auf leipzig.bild.de.“

Aber jetzt mal im Ernst: Entweder es handelt sich hierbei um einen versehentlich online gestellten Artikel-Setzkasten oder ein dem Dadaismus wohlgesonnener Redakteur hat den Kern der gesamten „Bild“-Berichterstattung über Heidi, das schielende Opossum, endlich prägnant auf den Punkt gebracht. Chapeau!

Mit Dank an Andi!

Nachtrag, 25. Februar: Unglaublich. Da lobt man Bild.de endlich mal und dann lassen die den Artikel einfach verschwinden. Da wird Heidi aber Augen machen.

Deutschlands flexibelste Meinung

„Deutschlands schnellste Meinung“ — steht über den Umfragen auf Bild.de. Ernsthaften Kriterien der Meinungsforschung halten sie nicht stand: Erstens erscheinen diese Umfragen häufig unter Artikeln, in denen bereits eine klare Meinung vorformuliert ist, zweitens besteht die Möglichkeit, ohne Weiteres auch mehrmals abzustimmen, wenn man die Seite mehrmals lädt, und drittens formuliert Bild.de bisweilen die Fragen bzw. Antwortmöglichkeiten so, dass das Ergebnis wie gewünscht ausfällt.

Dennoch nutzt Bild.de diese Umfragen regelmäßig, um eigene Behauptungen zu bestätigen. Erst gestern etwa stand in einem Artikel mit der Überschrift „Sympathie-Welle für Guttenberg im Netz“ folgendes:

Auf einer Pro-Guttenberg-Seite im sozialen Netzwerk Facebook haben inzwischen mehr als 120 000 Internetnutzer den „Gefällt mir“-Button gedrückt. (…)

Und was denken die BILD.de-Leser?

An einer entsprechenden Umfrage haben sich inzwischen mit als 200 000 User beteiligt: Die Mehrheit will, dass Guttenberg bleibt!

Mehr als 50 Prozent sind der Meinung, dass der Minister einen guten Job macht. Rund 30 Prozent wollen, dass er zurücktritt.

Nachdem nun „Bild“-Schützling Karl Theodor zu Guttenberg gestern Abend ankündigte, seinen Doktortitel nicht mehr führen zu wollen, fragt Bild.de:

Guttenbergs Plagiats-Beichte in Kelkheim War das der große Befreiungsschlag? So reagieren Bürger und Parteifreunde auf seine Plagiats-Beichte

Neben aktuellen Umfragen nennt Bild.de unter der Zwischenüberschrift „Pro-Guttenberg-Stimmung auch im Internet“ zwar dieselbe Pro-Guttenberg-Facebook-Gruppe, die inzwischen auf über 200.000 Mitglieder angewachsen ist, nicht jedoch den neuen Zwischenstand der Umfrage auf Bild.de.

Denn dort ist im Laufe des heutigen Tages die Stimmung gekippt — mittlerweile (Stand 16.08 Uhr) sieht das Ergebnis bei über 520.000 Stimmen so aus:

Abschaffung der Wehrpflicht, Gorch Fock-Affäre, Wirbel um die Doktorarbeit. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Verteidigungsminister zu Guttenberg?

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Unheilig

Bild.de berichtet heute über ein dreijähriges Mädchen, das in Sydney von einem Bus überfahren wurde und nahezu unverletzt überlebt hat. Nach Angaben des Onlinemagazins handelt es sich dabei um ein ganz besonderes Kind:

Claires Eltern glauben an ein göttliches Wunder. Als Baby wurde die heute Dreijährige von Papst Benedikt XVI heilig gesprochen.

Zu den vielen Punkten, die bei einer Heiligsprechung erfüllt werden müssen, zählt vor allem einer: der Betreffende muss tot sein. Und das ist Claire ja glücklicherweise nicht.

Was Bild.de eigentlich meint, steht zu Beginn des Artikels: Claire wurde als Baby bei einem Besuch des Papstes in Australien von ihm gesegnet.

Mit Dank an Thomas A., Daniel und Miguel T.

Nachtrag, 20. Februar: Bild.de schreibt jetzt, das Kind sei „von Papst Benedikt XVI gesegnet“ worden.

Humpe, Humpe, Täterää

In seiner Musik lässt er die Chansons der 20er-Jahre wieder aufleben, sein neues Album "Küssen kann man nicht alleine" hat er mit Inga Humpe (57, "Ich+Ich") eingespielt: Der typische Sound von Max Raabe und seinem Palastorchester mischt sich diesmal mit wohl dosiertem Pop, die Texte spielen mit feinsinnigem Humor.

Die Frage, mit wem Max Raabe sein neues Album aufgenommen hat, beantwortet Bild.de heute mit unterschiedlicher Genauigkeit:

  • Richtig ist, dass seine Partnerin sonst bei Ich + Ich aktiv ist.
  • Knapp daneben ist die Angabe, um welche der beiden (oft verwechselten) Humpe-Schwestern es sich dabei handelt: Richtig wäre nämlich Annette.
  • Völlig falsch ist in jedem Fall die Altersangabe: Weder Annette noch Inga Humpe ist 57 Jahre alt.

Mit Dank an Sabine B.

Nachtrag, 18. Februar: Bild.de hat den Fehler unauffällig korrigiert.

Heute anonym XXV

Die These, dass die Anonymisierungsversuche bei Bild.de irgendeiner (wenn auch sehr speziellen) Logik folgen könnten, haben wir schon vor einigen Jahren verworfen.

Und doch überrascht die Seite immer wieder mit neuen, kreativen Spielarten:

Ja: Die haben wirklich verschiedene Startseiten-Teaser gebaut, auf denen jeweils rechts ein anonymisiertes Foto aus dem Gerichtssaal zu sehen ist und links eine unbearbeitete Porträtaufnahme des Angeklagten.

Eine Art Erklärungsversuch hätten wir dann aber doch noch: Die aktuellen Fotos aus dem Gerichtssaal kamen bereits verpixelt von den Agenturen — das ältere Bild des Angeklagten liegt Bild.de jedoch offenbar unbearbeitet vor.

Mit Dank an Dirk T.

Herbeizitiert

Wenn die Mitarbeiter von Bild.de nicht wissen, was sie so auf ihre Website packen könnten, gucken sie, was ihre britischen Kollegen schreiben:

Der deutsche IT-Spezialist, Daniel Domscheit-Berg, behauptet in seinem Enthüllungs-Buch: Julian drohte damit, mich "zu jagen und zu töten". Das zitiert die britische Sonntagszeitung "The Sunday Times" aus dem in der kommenden Woche erscheinenden Buch.

Ja. Aber warum zitiert Bild.de, was die „Sunday Times“ zitiert — und guckt nicht einfach selbst in das Buch, das in Deutschland in der vergangenen Woche erschienen ist?

Mit Dank an Christoph G.

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