Archiv für Bild.de

Das ist ja die Höhe!

Der heutige 30. April ist ein besonderer Tag für New York City: Das „One World Trade Center“, das die beiden Zwillingstürme ersetzt, die am 11. September 2001 zerstört wurden, soll die Marke von 381 Metern erreichen — und damit das Empire State Building als höchstes Gebäude der Stadt ablösen.

Bild.de erklärt dazu:

Doch der „Freedom-Tower“ auf der größen [sic!] Baustelle Manhattans hat noch viel mehr vor: In den nächsten Jahren soll er das höchste Gebäude der USA werden, dann sogar das höchste der Welt.

Äääääääh … nein!

Das Gebäude soll, in Anspielung an das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, 1776 Fuß hoch werden, das entspricht 541,32 Metern. Der Burj Khalifa in Dubai ist mit 828 Metern dann doch noch mal um 1,8 Kölner Dome höher. Daran ändern auch die unterschiedlichen Zählweisen von Gebäudehöhen wenig.

Die Wikipedia hält allerdings zwei Alternativformulierungen für Bild.de bereit:

Das 541,3 Meter hohe Gebäude wird bei seiner Fertigstellung das höchste Gebäude in New York und den Vereinigten Staaten sein, sowie eines der höchsten der Welt. […]

Das One World Trade Center wird den Taipei 101 in Taipeh (508 Meter; offiziell bis 2010 das höchste Gebäude der Erde) nach seiner Vollendung als höchstes nur für Bürozwecke genutztes Gebäude der Welt übertreffen.

Mit Dank an Anonym.

Nachtrag, 16.15 Uhr: Bild.de hat den Satz auf „In den nächsten Jahren soll er das höchste Gebäude der USA werden“ zusammengekürzt.

Hooray for Boobies

Bild.de beglückte Freunde des seichten Boulevards gestern mit dieser weltbewegenden Neuigkeit:

Weltkarte der Brüste: Russinnen haben die prallsten Körbe

Nach der Penis-Weltkarte folgt jetzt das weibliche Pendant: die Busen-Weltkarte. Das Internetportal „TargetMap“ hat eine weltweite Hügel-Übersicht erstellt. Je röter, desto eher nährt [sic!] sich der Durchschnitts-Busen an die Maße von Pam Anderson oder sogar Dolly Buster.

Und so sieht sie aus, die „Weltkarte der Brüste“ bzw. der „Atlas der Körbchengrößen“, die Bild.de für diesen Artikel eigens nachgebaut hat:

Atlas der Körbchengrößen

Richtig ist: Die Original-Karte ist tatsächlich bei „TargetMap“ zu finden. Allerdings ist „TargetMap“ ein Portal, auf das jeder jede x-beliebige Karte stellen kann. Während bei der „Penis-Weltkarte“, über die Bild.de vor einem Jahr berichtet hatte, jede einzelne Längenangabe durch eine Quelle belegt ist, findet sich in der „World map of Average Breast Size in the World by Country“ nicht eine einzige solche Angabe.

Fest steht nur, dass die „Weltkarte der Brüste“ vor etwas über einem Jahr von einem Nutzer namens yarkko eingestellt wurde, worüber damals etwa express.de berichtete. Warum Bild.de gerade jetzt damit aufmacht, ist also zumindest rätselhaft.

Auch die Angaben der durchschnittlichen Körbchengrößen sind mehr als fragwürdig. So soll die durchschnittliche Körbchengröße in Deutschland D sein, obwohl sie je nach Quelle eher irgendwo zwischen 75B und 80C angesiedelt sein dürfte. Dass Skandinavierinnen und Russinnen sogar Brüste vor sich her tragen sollen, die im Durchschnitt (!) „größer als D-Körbchen“ sind, lässt vermuten, dass die gesamte Karte einfach nur ausgedacht ist.

Andererseits: Wozu journalistische Sorgfalt walten lassen, wenn man eine Tittenweltkarte hat?

Mit Dank an Moritz N.

Korrektur, 23:00 Uhr: In einer ersten Version dieses Textes hieß es unter Berufung auf das Statistische Jahrbuch von 2008, die Durchschnitts-BH-Größe in Deutschland wäre 80C. Eine solche Angabe findet sich dort jedoch nicht.

Exklusive „exklusiv“

So sah es heute Vormittag auf der Startseite von Bild.de aus:

BILD exklusiv: Endgültig! Raúl verlässt Schalke

Und so ein paar Minuten später, als jemandem aufgefallen sein muss, dass der FC Schalke 04 die Nachricht bereits zuvor per Pressemitteilung verbreitet hatte:

Nach der Saison ist Schluss: Endgültig! Raúl verlässt Schalke

Mit Dank an Stephan J. und Philipp O.

Deutschlands Onlinemedium Nr. 1

Menschen dieser Welt, die Ihr Listen veröffentlicht!

Wir wenden uns heute mit einer dringenden Bitte an Euch: Hört auf!

Lasset ab davon, denn Ihr verwirrt die Menschen, zumindest aber die Leute bei Bild.de. Sie werden eine Liste, in der zum Beispiel mehrere Namen aufgeführt sind, fast zwangsläufig für eine Rangliste halten.

Erst letzte Woche traf es die legendäre „Ten Most Wanted“-Liste des FBI (BILDblog berichtete), diese Woche traf es eine andere berühmte Liste:

TIME-Liste der 100 einflussreichsten: Personen Basketball-Star schlägt Angela Merkel. Das US-Nachrichtenmagazin nennt die 100 Personen, die die Welt im vergangenen Jahr verändert haben

So sieht der Anfang der Liste bei time.com aus:

Full List: TIME 100: THE LIST. Jeremy Lin, Christian Marclay, Viola Davis, Salman Khan, Tim Tebow, E.L. James, Louis CK, Rihanna, Marco Rubio, Ali Ferzat

Wohl weil in Deutschland alles seine Ordnung haben muss, spendierten die Redakteure von Bild.de eine Runde Ordnungszahlen:

Die einflussreichsten Menschen: Die Time-Liste: 1. Jeremy Lin, 2. Christian Marclay, 3. Viola Davis, 4. Salman Khan, 5. Tim Tebow, 6. E.L. James, 7. Louis CK, 8. Rihanna, 9. Marco Rubio, 10. Ali Ferzat

Und sie sind davon wirklich überzeugt:

Natürlich sind auch US-Präsident Obama (Platz 62), Bundeskanzlerin Angela Merkel (Platz 86, vor einem Jahr Platz 8), Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (62, Platz 82) und die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde (56, Platz 66), vertreten.

Auf die Idee, dass so eine Rangliste ohne Nummern ganz schön schwierig zu lesen ist, ist bei Bild.de offenbar niemand gekommen. Auch, dass „Time“ selbst nirgendwo auf irgendwelche Platzierungen verweist (nicht im Editorial, nicht in den einzelnen Porträts, nicht in der Liste selbst), scheint bei Bild.de niemanden verwirrt zu haben.

Gut, „Time“ hätte es dazuschreiben können. Aber bei der parallel veröffentlichten, etwas augenzwinkernden Liste der „All-Time TIME 100 of All Time“, also der aller-aller-wichtigsten Personen aller Zeiten, waren sie so nett, folgenden Hinweis zu geben:

Das Einzige, was Sie über diese Liste wissen müssen, ist, dass, wie bei der TIME 100, die Personen nicht in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit aufgeführt sind.

[Übersetzung von uns.]

Mit Dank an Horst P., Simon W. und Patrick Sch.

Faszination Sexy Cora

In der Redaktion der „Bild am Sonntag“ dürften die Sektkorken geknallt haben, als bei der Auswertung von Beate Zschäpes halbverschmortem Rechner herauskam, dass von dort wohl unter anderem auch Pornoseiten der verstorbenen Erotikdarstellerin Sexy Cora angesurft wurden.

Sex, Tod und Nazis — und das alles auf einmal! Mehr kann sich eine Boulevardzeitung nun wirklich nicht in einer Story wünschen. Sogar ein Nacktfoto von Cora hat „Bild am Sonntag“ für diesen halbseitigen Artikel aus dem Archiv gekramt (in unserem Ausriss nicht enthalten):

Das bizarre Internet-Protokoll

Und in einem Folgeartikel derselben Autoren auf Bild.de lautet die Überschrift so:

Beate Zschäpe surfte immer wieder auf Pornoseiten Was faszinierte die Nazi-Braut an "Sexy Cora"?

Dabei müssten genau diese Frage „Bild“ und Bild.de doch eigentlich am besten beantworten können (BILDblog berichtete).

Die Sexy-Cora-Obsession von Bild.de ist so extrem, dass wir sie sogar in mehrere Phasen einteilen mussten:

Die Big-Brother-Ära:

Wie viel Nacktheit verträgt „Big Brother“? – Sexy Cora wird zum menschlichen Busenhalter (14.1.2010)

Jetzt wird es noch nackter! – Porno-Klaus zieht zu sexy Cora ins „Big Brother“-Haus (18.1.2010)

Callboy Klaus‘ erste Nacht im „Big Brother“-Haus – Porno-Klaus befummelt sexy Cora (19.1.2010)

„Big Brother“ – Cora und Micaela im sexy Dusch-Duett (21.1.2010)

„Big Brother“: Porno-Klaus, pass auf! Hier kuschelt deine sexy Cora mit Tobias fremd (21.1.2010)

„Big Brother“, Tag 12 – Tränen-Abschied von sexy Cora (23.1.2010)

„Big Brother“ – Lüftet sexy Cora das Geheimnis um ihren überstürzten Auszug? (25.1.2010)

Erotikdarstellerin zog wieder ins Big-Brother-Haus ein – Jetzt kann sexy Cora wieder mit Tobias kuscheln (26.1.2010)

Eine Frau und drei Männer – Sexy Cora: Dusch-Orgie im „Big Brother“-Haus (27.1.2010)

Sexy Party im „Big Brother“-Haus – Cora und Kristina strippen für die Fans (28.1.2010)

Tränen im „Big Brother“-Haus – Sexy Cora in der Sinnkrise (3.2.2010)

Verliebt im „Big Brother“-Haus – Sexy Cora und Tobias kommen sich immer näher (4.2.2010)

Tobias will ausziehen! Ist sexy Cora bald wieder „Big Brother“-Single? (6.2.2010)

Versprechen gebrochen – „Big Brother“-Cora duscht wieder nackt (17.2.2010)

Im „Big Brother“-Container – Cora schockt Tobias mit Slip-Geständnis! (19.2.2010)

„Big Brother“: sexy Cora geht baden – So sexy räkelt sich Badenixe Cora in der Wanne (22.2.2010)

Big Brother 10 – Sexy Coras heiße Wannen-Show (23.2.2010)

„Big Brother“ ohne Erotikdarstellerin? Sexy Cora denkt an Auszug (24.2.2010)

„Big Brother“ – Sexy Cora: „Ich fühle mich hässlich!“ (28.2.2010)

Lap-Dance-Kurs bei Big Brother – Cora zu sexy: Tobi schiebt Liebesfrust! (4.3.2010)

Big Brother 10: Neuzugang Anne – Macht sie sexy Cora im BB-Haus Konkurrenz? (8.3.2010)

Tobi unter Tränen – Ausgeduscht! Sexy Cora verlässt das „Big Brother“-Haus (9.3.2010)

Die eher ruhige Post-Big-Brother-Phase:

Zu viele Regeln, keine freie Entfaltung – Für Erotik-Star sexy Cora war Big Brother Quälerei (3.5.2010)

Porno-Sternchen entdeckt Mallorca – Sexy Cora zieht am Ballermann blank (20.5.2010

Nachlass unterm Hammer – Porno-Cora ersteigert Domenicas Perlencollier (3.11.2010)

Die Koma-Artikel:

Sie wollte noch dickere Brüste – Sexy Cora aus BB: Koma nach sechster Brust-OP (13.1.2011)

Nach OP im Koma – Jetzt spricht der Busen-Arzt von sexy Cora! (14.1.2011)

Nach Brust-OP im Koma – Staatsanwalt ermittelt gegen Busen-Arzt von sexy Cora (14.1.2011)

„Big Brother“- Star im Koma – Coras Ehemann: „Ich spüre, wie sie um ihr Leben kämpft“ (15.1.2011)

Herzstillstand nach 6. Brust-OP – Wird sexy Cora heute aus dem Koma geholt? (16.1.2011)

Hamburgerin liegt weiter im Koma – Fieber-Drama um „Big Brother“-Star Cora (17.1.2011)

„Big Brother“-Star – Coras Hirn nach Busen-OP für immer geschädigt (18.1.2011)

„Big Brother“-Star nach Busen-OP im Koma – Arzt: Warum ich Cora nicht operieren wollte (19.1.2011)

Die Berichterstattung am Tag, an dem „Sexy Coras“ Tod bekannt wurde:

Nach Busen-OP – „Big Brother“-Star Cora tot (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Obduktion nächste Woche (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Coras Ehemann: „Ich war immer gegen OPs“ (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Tausende Fans trauern um „Big Brother“-Star Cora (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Verwirrung um Coras OP-Protokolle (21.1.2011)

Sie starb nach der sechsten Schönheits-OP „Big Brother“-Cora († 23): BILD erklärt ihren Körper-Kult (21.1.2011)

Ursachensuche, Porträts und Nachrufe:

Totes Busen-Model Cora – Jetzt ermittelt die Mord-Kommission! (22.1.2011)

Nach Tod von „Big Brother“-Star – Coras Busen-Arzt darf weiteroperieren (22.1.2011)

„Sexy Cora“ (†23) – Protokoll eines verpfuschten Lebens (23.1.2011)

Im Video zeigt sie uns noch fröhlich ihre Wohnung – So war „Big-Brother“-Cora († 23) wirklich (24.1.2011)

Montag wurde Coras Leiche obduziert – Sie starb an Hirnlähmung (25.1.2011)

Sie starb bei ihrer 6. Busen-OP – So landete Cora im Rotlicht-Milieu (26.1.2011)

VON KÖRBCHENGRÖSSE 70 B AUF 70 F – Coras tödlicher Busen-Wahn (26.1.2011)

Ein verpfuschtes Leben – Die letzten Stunden im Leben von Cora (†23) (26.1.2011)

Sexy Busenstar – So brummt das miese Geschäft mit der toten Cora (27.1.2011)

Das geheime Grab – Hier findet Sexy Cora ihre letzte Ruhe (1.2.2011)

Tod nach Busen-OP – „Big Brother Cora“: Beerdigung in einem rosa Sarg (2.2.2011)

Die bis heute andauernde letzte Phase:

Nach dem Tod des Big Brother-Stars – Fans pilgern zu Coras Grab (4.2.2011)

St. Pauli-Film „Gegengerade“ feierte Premiere – „Big Brother“-Cora (†23) mit Mario Adorf auf der Leinwand (15.2.2011)

Auf der Hamburger Reeperbahn – Trauer-Marsch für „Sexy Cora“ (21.2.2011)

Sie starb nach einer Busen-OP – „Big Brother“-Cora (†): Mann klagt auf Millionen (11.4.2011)

Widersprüchliche OP-Protokolle, fehlende Unterlagen – Der rätselhafte Tod von „Big Brother“-Cora (28.4.2011)

Widersprüche in Medizin-Akten – Starb „Sexy Cora“ durch Ärzte-Pfusch? (28.4.2011)

Bilder am Grab zu sexy – BB-Cora: Friedhof will Grabstein abreißen (8.5.2011)

Abriss im Morgengrauen – Friedhof entfernt Grab-Platte von „BB-Cora“ (9.5.2011)

Nach Abriss der Foto-Platten – Fan-Demo für Grab von „Big Brother“-Cora (10.5.2011)

Staatsanwalt – Big-Brother-Cora: Kein Drogenmissbrauch (21.6.2011)

7 Monate nach ihrem tragischen Tod – Sexy Cora im ZDF-Krimi (12.7.2011)

„CORAzón“ – Ex-Supertalent schreibt Song über „Sexy Cora“ (20.7.2011)

Gutachten bestätigt – Ärzte sind schuld an „Big Brother“-Coras Tod! (19.8.2011)

Schuldfrage bei Tod von „Sexy Cora“ offen (19.8.2011)

Das ZDF zeigt sie im Krimi – Tote Porno-Cora Samstag im TV (25.8.2011)

Neun Monate nach dem Todes-Drama – Fährt der Porno-Witwer hier die neue Cora vor? (27.9.2011)

Porno-Witwer Tim Wosnitza – Jetzt spricht seine neue „Sexy Cora“ (2.10.2011)

Keine Anklage, nur hilflose Trauer – Heute vor einem Jahr starb „Sexy Cora“ (20.1.2012)

TV-Star starb bei Busen-Op – Wird der Tod von Sexy Cora nie gesühnt? (22.3.2012)

Beate Zschäpe surfte immer wieder auf Pornoseiten – Was faszinierte die Nazi-Braut an „Sexy Cora“? (15.4.2012)

Fortsetzung folgt bestimmt.

Mit Dank an Benjamin K.

Die ultimative Chart-Show

Fast ein Jahr nach dem Tod von Osama Bin Laden hat das FBI den Terroristen von der berühmt-berüchtigten Liste der „Ten Most Wanted“ genommen. Damit die zehn meistgesuchten Verbrecher wieder zehn sind, muss natürlich einer nachrücken: In diesem Fall der frühere Privatschullehrer und Zeltlager-Betreuer Eric Justin Toth, der wegen des Besitzes und der Produktion von Kinderpornographie gesucht wird.

Und weil Toth auf der Übersichtsseite an erster Stelle genannt wird, ist für Bild.de klar:

Nummer 1 auf der FBI-Fahndungsliste: Kinderschänder löst Bin Laden als "most wanted" ab.

Er nutzte seine Stellung als Lehrer schamlos aus und verging sich an den Wehrlosesten der Gesellschaft: Kinderschänder Eric Justin Toth (30) ist der meist gesuchte Verbrecher der USA. Das FBI hat den Lehrer knapp ein Jahr nach dem Tod von Osama bin Laden auf Platz 1 der Fahndungsliste gesetzt.

Und auch wenn diese zehn Namen und Gesichter natürlich eine willkommene Vorlage für eine zehnteilige Klickstrecke von „Nummer 1“ bis „Nummer 10“ abgeben, so hat Bild.de auf der Website des FBI ein winziges Detail übersehen:

Are members of the „Ten Most Wanted Fugitives“ list ranked?

No.

Nein, die Mitglieder der Liste sind in keiner Rangfolge sortiert.

Eine kleine, inoffizielle Rangfolge könnte man natürlich dennoch ableiten: Die Belohnung für Victor Manuel Gerena, „Nummer 9“ auf der Bild.de-Liste, ist mit einer Million US-Dollar angegeben, die von Toth und sieben weiteren Gesuchten jeweils mit 100.000. (James J. Bulger, die „Nummer 10“, ist bereits in Haft. Für ihn standen bis zu zwei Millionen Dollar Belohnung aus. Osama Bin Laden ist mit einer ausgeschriebenen Belohnung von 25 Millionen Dollar der inoffiziell „meist-meistgesuchte“ Verbrecher in der Geschichte des FBI.)

Zwar haben das mit der Rangfolge auch einzelne amerikanische Medien falsch verstanden und die Formulierung von „Spiegel Online“, „Kinderporno-Produzent löst Bin Laden ab“, ist auch ein bisschen irreführend, aber so falsch wie bei Bild.de ist die Geschichte bei keinem deutschen Nachrichtenportal. Bisher.

Mit Dank an Matthias M.

Nachtrag, 23.20 Uhr: Bild.de hat sich korrigiert und dem Artikel folgende Erklärung hinzugefügt:

Korrektur: BILD.de hatte irrtümlich berichtet, Eric Justin Toth sei der meistgesuchte Verbrecher der USA und habe Osama bin Laden als Nummer 1 der Fahndungsliste abgelöst. Mehrere BILD.de-Leser haben zwischenzeitlich jedoch darauf hingewiesen, dass die Verbrecher auf der FBI-Fahndungsliste nicht nach einer bestimmten Rangfolge sortiert sind. Wir danken unseren Lesern für diesen Hinweis.

2. Nachtrag, 12. April: Die gedruckte „Bild“ von heute macht die gleichen Fehler wie Bild.de gestern. Sie schreibt:

Ganz oben steht jetzt der Kinderporno-Produzent mit dem Milchgesicht.

Unter einem Foto von Toth steht:

Grundschullehrer Eric Justin Toth (30) ist die neue Nr. 1 auf der FBI-Fahndungs-Liste.

Ein Mann für jede Tonart

Am Samstag ist bei „Deutschland sucht den Superstar“ der Kandidat Joey Heindle ausgeschieden, den „Bild“ wegen seiner mangelnden stimmlichen Qualitäten seit Wochen begleitet und „Krächz-Joey“ nennt — somit steht er endlich ganz der medialen Zweitverwertung zur Verfügung:

"Deutschland sucht den Superstar": Plattenvertrag für Krächz-Joey von "DSDS"

Und so soll das mit der „Karriere“ weitergehen:

Musikproduzent Marco Delgardo (u. a. „Roxette“, „Shaggy“) will ihm einen Plattenvertrag geben!

„Joey hat gezeigt, dass er Ausdauer hat“, so Delgardo zu BILD. „Außerdem ist seine Krächzstimme ein Markenzeichen. So einen Wiedererkennungswert braucht man, um Erfolg zu haben.“

Und auch wenn kaum jemand sonst Marco Delgardo kennt — für „Bild“ und Bild.de ist er kein Unbekannter:

  • Als die Jacob Sisters im Januar 2005 mit einem „Gedächtnis-Song“ auf Rudolph Moshammer beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest antreten wollten („Toter Mosi zum Grand-Prix“), äußerte sich Delgardo „zuversichtlich“ in „Bild“: „So eine Wahnsinns-Show läßt sich die ARD bestimmt nicht entgehen.“
  • Als die Band Texas Lightning im März 2006 zum Eurovision Song Contest geschickt wurde, erhob „Musikproduzent Marco Delgardo (37, 183 Goldene, 54 Platin-Schallplatten)“ in der Zeitung „schwere Vorwürfe“ gegen die Musiker: Ihr Song „No No Never“ sei „geklaut“. (Wenn überhaupt, dann nicht von ihm, aber was macht das schon?)
  • Im Februar 2010 war Delgardo zur Stelle, um „Deutschlands frechstem Arbeitslosen“ Arno Dübel einen Plattenvertrag anzubieten. „Bild“ zitierte ihn mit den Worten: „Mit uns kann Arno, ohne viel zu arbeiten, jede Menge Geld verdienen.“
  • Drei Monate später traten erneut die Jacob Sisters auf den Plan, die gemeinsam mit Marco Delgardo Arno Dübel beim Singen unterstützen sollten.
  • Kurz vor Weihnachten 2010 war „Bild“ zur Stelle, als Dübel auf Mallorca von einer „deutschen Rentnerin“ angegriffen wurde („Sie brüllt ihn an: „Du Schwein verprasst hier mein Geld!“ Dann tritt und schlägt sie zu!“) und Musikproduzent „Marco Delgardo (produzierte für ‚Savage Garden‘ und ‚Roxette‘)“ Dübel trösten musste. Eine sich anbahnende Romanze zwischen Dübel und der „Kellnerin Katja“ begleitete „Bild“ in den nächsten Tagen bis zum tränenreichen Ende, stets kommentiert von seinem Produzenten und Manager Marco Delgardo.
  • Kurz darauf konnte „Bild“ ein großes Joint Venture der beiden Delgardo-Spezialgebiete Song Contest und Arno Dübel verkünden: „Deutschlands frechster Arbeitsloser, Arno Dübel (54, seit 36 Jahren auf Stütze, ‚Wer arbeitet, ist doch dumm‘), soll für Österreich in Düsseldorf beim Eurovision Song Contest antreten“. Es kam letztlich anders.
  • Als Arno Dübels Single „Ich bin doch lieb“ im Januar 2011 Videopremiere feierte, fand die wenig überraschend auf Bild.de statt.
  • Nur eine Woche später beschäftigten Dübel und sein Manager plötzlich „sogar die Kanzlerin“, weil spanische Behörden sich angeblich über die Verwendung des Arbeitsamt-Logos auf Dübels Plattencover beschwert hatten. „Bild“ zitierte Delgardo mit den Worten: „Offenbar eine plumpe Fälschung, mit der Arno Dübel und ich in Misskredit gebracht werden sollen.“
  • Im Juli 2011 verkündete Delgardo in „Bild“, dass er Arno Dübel „wegen andauernder Vertragsverletzung“ verklage.
  • Einen Monat später versteigerte Delgardo die Rechte an der Marke „Arno Dübel“ auf eBay, was „Bild“ mit gleich drei Artikeln öffentlichkeitswirksam begleitete.
  • Und erst vor drei Wochen berichtete „Bild“, dass Delgardo nun „wie sein Schützling“ von Hartz IV leben müsse, weil Dübel ihn in die Armut getrieben habe.

Obwohl Marco Delgardo nach eigenen Angaben „als Songwriter, Produzent und Künstler (No Face)“ „rund 120 Millionen Tonträger“ verkauft hat und „183 Gold- und 54 Platin-Auszeichnungen“ erhielt, gibt es vergleichsweise wenige Informationen über sein Schaffen, die über das Zitieren der immer gleichen behaupteten Fakten und Künstler (Savage Garden, Roxette, Shaggy, Atomic Kitten) hinausgehen.*

Doch nichts davon hat andere Internetbefüllungsportale davon abgehalten, die „Bild“-Story vom Plattenvertrag für Joey Heindle unreflektiert weiter zu verbreiten. Neben diversen Klatschseiten sind darunter auch die österreichischen Plattformen news.at und oe24.at,
die „Augsburger Allgemeine“ und „Focus Online“.

Bei „RP Online“, das so gerne Bild.de wäre, sind aus dem Angebot eines Plattenvertrags gleich knallharte Fakten geworden:

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, hat der 18-Jährige bereits einen Plattenvertrag in der Tasche.

* Nachtrag/Korrektur, 4. Februar 2013: Die wenigen Informationen, die sich zum Namen Marco Delgardo finden lassen, hängen offenbar damit zusammen, dass Delgardo viele seiner Arbeiten unter Pseudonym veröffentlicht hat.

Krebs schon wieder geheilt

Neben Hitler gibt es bei Bild.de ja auch noch das Thema Krebs, das immer für eine Schlagzeile gut ist. Und während es in der heutigen Printausgabe noch relativ vorsichtig „Bald Impfung gegen Krebs möglich?“ heißt, erklärt Bild.de die Krankheit Krebs quasi für besiegt:

Durchbruch in der Forschung Wissenschaftler entwickeln Impfstoff gegen Krebs

Im eigentlichen Artikel schwingt dann doch schon deutlich mehr Konjunktiv mit. Da heißt es, die Forscher „wollen (…) einen universellen Impfstoff gegen die tödliche Krankheit entwickelt haben“. Es ist von „ersten Tests“ die Rede und am Ende heißt es:

Nun hoffen die Wissenschafter, mit größeren Studien beweisen zu können, dass ihr Wirkstoff jede Krebsart bekämpfen kann. Sie glauben, mit dem neu geschaffenen Impfstoff könnte nicht nur das Immunsystem gestärkt, sondern es könnten auch kleine, früh entdeckte Tumore bekämpft werden. Außerdem soll die Injektion Streuung und Rückfall vorbeugen. Als Impfstoff für gesunde Menschen zur Vorbeugung von Krebs sei „ImMucin“ aber nicht entwickelt worden.

Allerdings wäre die Diagnose Krebs mit dem neuen Schutzstoff kein Todesurteil mehr. Die Mediziner hoffen, dass er in sechs Jahren auf den Markt kommen könnte. Bis dahin soll geforscht werden.

[Hervorhebungen von uns.]

Die Überschrift ist somit ein Paradebeispiel für das, was in Ziffer 14 des Pressekodex gemeint ist:

Ziffer 14  –  Medizin-Berichterstattung
Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessen sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte. Forschungsergebnisse, die sich in einem frühen Stadium befinden, sollten nicht als abgeschlossen oder nahezu abgeschlossen dargestellt werden.

Doch genau das passiert in schöner Regelmäßigkeit auf Bild.de, wie diese Beispiele aus den letzten Jahren illustrieren (weitgehend chronologisch ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Bayer: Durchbruch bei Krebsforschung Tumore werden ausgehungert

Lungenkrebs Erste Pille stoppt Tumor

US-Konzern zahlt für sein Patent 380 Mio. Euro Hat dieser Deutsche das Mittel gegen Krebs gefunden?

Neue Hoffnung für kranke Kinder Wundermittel Honig im Kampf gegen Krebs

Forscher entwickeln Impfung gegen Krebs

Anti-Krebs-Pille Forscher finden Wirkstoff gegen Tumore

Dresdner Heilpraktiker Iwailo Schmidt (42) Paracelsus-Alchemie gegen Krebs gefunden? Heilmittel des Mittelalter-Arztes entschlüsselt

Anti-Krebs-Medikament Forscher entwickeln Pille gegen Tumore

"Tumor-Bombe" ohne Nebenwirkungen Können Krokusse bald Krebszellen zerstören?

Wissenschaftler prüfen heilende Wirkung Ist grüner Tee die künftige Waffe gegen Krebs?

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Klaus Wowereit schimpft

Sebastian Deliga ist der Mann, der sich für Bild.de Fernsehsendungen ansehen muss. Das muss eine große Herausforderung für ihn sein, denn Deliga wirkt beim Lesen wie ein Mann, den schon harmloseste Situationen belasten.

Vor drei Wochen musste er über „Günther Jauch“ schreiben und sah dort jede Menge „Attacken“ auf den Moderator, die sich bei genauerem Hinsehen bestenfalls als kleine Frotzeleien bezeichnen ließen (BILDblog berichtete).

Diesmal sollte Deliga die Montagsausgabe von „Gottschalk live“ besprechen, was nun wirklich nichts ist, was irgendjemand gerne machen könnte. Und dann ging es dort auch wieder so hoch her!

"Gottschalk live": Wowereit: Läster-Attacke gegen Polit-Piraten

Deliga schreibt:

In seiner ARD-Show „Gottschalk live“ begrüßte Entertainer Thomas Gottschalk Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zum Vorabend-Talk – und entlockte dem SPD-Politiker interessante Aussagen.

Denn Wowereit war gut drauf – und ätzte bei Gottschalk kräftig gegen die Piratenpartei.

Gottschalk hatte Wowereit einen Clip der politischen Geschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, vorgespielt, die sagte, man brauche keine Parteien („weder die Piraten, noch irgendjemanden sonst“) und Parlamente mehr, wenn jeder mitbestimmen könne. Wowereit griff Weisbands Aussage auf und bemerkte süffisant: Eine „Partei, die gerade angefangen hat, dass die sich gleich selbst abwickelt“, sei vielleicht „die erste Erkenntnis, dass man sie nicht brauche.

Sebastian Deliga fährt fort:

Dann lederte Wowereit richtig los.

Wowereit: Die Grünen hätten schon bei ihrer Gründung „mehr Substanz“ gehabt als die Piraten heute. Das sehe man auch an den Talkshow-Auftritten der Piraten: „Die haben zu vielen Dingen gar keine Meinung.“ Da würden auch keine Ausreden helfen, schimpft Wowereit.

Meine Damen und Herren: Klaus Wowereit schimpft!

Zuvor hatte Wowereit erklärt, man müsse die Piraten ernst nehmen: „Ich finde, es gibt gar keinen Grund, sie jetzt irgendwie zu ignorieren oder ins Lächerliche zu ziehen: Sie kriegen aus dem Stand heraus jetzt acht, neun Prozent.“

Das lässt Sebastian Deliga genauso unerwähnt wie den Anfang der Sendung: Wowereit hatte sich dort über die aktuelle „Rüpel“-Kampagne des „Berliner Kuriers“ lustig gemacht („Also, dieses Foto, was da gezeigt ist, ob das nun wirklich ein Realitätsfoto ist oder das gestellt ist, dass möcht‘ ich auch noch mal gerne wissen!“), er hatte am Beispiel Guido Westerwelles über die „erbarmungslose“ Öffentlichkeit gesprochen, in der Personen erst hochgeschrieben würden und dann „am nächsten Tag einfach nichts mehr wert“ seien, und er erzählte von zwei jungen Männern, die ihn fotografiert hätten, um das Foto anschließend „einer Zeitung“ zum Verkauf anzubieten.

Mit Dank an Tobias.

Bild, Bild.de  etc.

Eine Hand wäscht die andere in Unschuld

Im Fall des in Emden ermordeten Mädchens musste die Polizei einen 17-jährigen Verdächtigen wieder freilassen — und zwar nur wenige Zeit nachdem sich ein Beinahe-Lynchmob vor dem Polizeirevier versammelt hatte. Seitdem sind die Medien, die zuvor groß über den „Täter“ berichtet hatten, in heller Aufruhr über den „Polizeiskandal“. Der bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer wurde von Medien wie Bild.de, dem „Berliner Kurier“ und dem „Westen“ mit den Worten zitiert, die Polizei habe „gravierende Fehler begangen“. Dass Pfeiffer der Nachrichtenagentur dapd gegenüber geäußert hatte, auch die Medien hätten durch eine übertrieben emotionale Berichterstattung dazu beigetragen, dass der Jugendliche „zur Zielscheibe der Aggressionen geworden ist“, steht dort nicht.

Bild.de berichtet heute unter Berufung auf den „Express“, der Jugendliche sei aus seiner Heimat „geflohen“, und lässt den Berliner Strafrechtsprofessor Martin Heger zu Wort kommen:

Heger forderte die Behörden deshalb auf, zur Rehabilitierung des zu Unrecht inhaftierten Jungen ebenso massiv an die Öffentlichkeit zu gehen. „Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Pflicht zur Offenlegung der Entlastungsgründe – auch unter Inkaufnahme der Gefährdung des Untersuchungszwecks.“

Dass „Bild“ die Unschuld des Jugendlichen auch „ebenso massiv“ behandelt wie seine Verhaftung, stand offenbar nicht zur Debatte: Die Zeitung berichtet heute im Innenteil unter einem riesigen Foto vom Sarg des kleinen Mädchens von dem „Skandal“ bei den polizeilichen Ermittlungen und widmet dem Schüler zusätzlich noch eine kleine Meldung:

Unschuldiger Schüler jetzt unter Polizeischutz

Zum Vergleich noch mal die Aufmachung seiner Verhaftung in „Bild“ vom Donnerstag:

Polizei sicher: ... von Schüler getötet!

Dass der „Bild“-Redaktion dieses Missverhältnis auffällt, ist übrigens hochgradig unwahrscheinlich:

Bereits am Sonntag ein unfassbares Versehen: Nur wenige Stunden nach dem Mord ist der Tatort frei zugänglich. Keine Absperrung, kein Flatterband, kein Siegel. Anwohner pilgern zu der Stelle in dem Emder Parkhaus, an dem die kleine […] missbraucht und getötet wurde, machen Fotos von der Blutlache am Boden — bis ein genervter Wachmann die Tür verschließt.

Sie ahnen nie, welche Zeitung bereits am Montag ein großes Foto von der Blutlache am Boden gedruckt hatte!

Mit Dank auch an Daniel H., Robert W. und Johannes K.

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