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Gewinner verloren

Wir haben längst aufgegeben zu ergründen, welche Kriterien hinter der Bestückung der Gewinner- und Verlierer-Rubrik auf Seite 1 der „Bild“-Zeitung stecken — außer natürlich den bekannten Motiven wie politischer Opportunismus, Recherchefaulheit oder Häme gegenüber der Konkurrenz.

Heute aber ist plötzlich ein „Gewinner“ des Tages fast spurlos verschwunden. Vom Nachmittag an bekamen die Leser von Bild.de beim Klick auf die entsprechende Rubrik plötzlich nicht mehr die aktuellen Gewinner und Verlierer zu sehen, sondern eine Wiederholung der Gewinner und Verlierer von gestern.

Über den Ausgang der aktuellen Gewinner/Verlierer-Ziehung der „Bild“-Lotterie informieren nur noch ein paar vereinzelte, offenbar vergessene Teaser auf Bild.de — und natürlich die gedruckte Zeitung: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte in Augen der „Bild“ gewonnen. Grund ist das ach so gute Quartalsergebnis der Deutschen Bank:

Gewinner: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (62)
BILD meint: Erfolg gibt recht!

Warum hat Bild.de den „Gewinner“ verschwinden lassen? Dass Herr Ackermann die Zahlen aus gutem Grund nicht all zu hoch hängen will, spielt für die Wirtschafts-Boulevard-Experten von Bild.de sicher keine Rolle. Aber vielleicht eine aktuellere Meldung?

Wir können hier nur spekulieren, aber man darf bei der „Bild“-Zeitung offenbar nicht einmal so viel Loyalität erwarten, dass sie einen vollen Tag hinter ihrem „Gewinner des Tages“ steht. Oder so viel Aufrichtigkeit, dass sie einen Fehlgriff offen korrigiert.

Mit Dank an Lukas W., Marekki und Philipp M.

Leitfaden: Wie hetze ich gegen ein Land auf?

Sie wollten schon immer einmal gegen ein fremdes Volk aufwiegeln, wissen aber nicht, wie’s geht? BILDblog präsentiert seinen Lesern den ultimativen Leitfaden in 13 Schritten und veranschaulicht diese anhand einiger ausgesuchter „Bild“-Artikel über den drohenden griechischen Staatsbankrott.

Zunächst gilt es, sich mit den Grundregeln vertraut zu machen. Diese gehören bei jedem Artikel über Griechenland zum Standardrepertoire und werden bereits seit fast zwei Monaten fleißig angewandt (BILDblog berichtete):

1.

Werfen Sie Schamgefühl und Respekt über Bord. Sie müssen niederste Ressentiments bedienen. Die Quintessenz all dessen, was Sie schreiben, muss lauten: Griechen sind uns Deutschen unterlegen, sie sind faul und sie wollen an unser Geld.

2.

Bilden Sie abwertende Begrifflichkeiten wie „Pleite-Griechen“, „Pleite-Premier“ oder „Griechenland-Wut“.

3.

Erwecken Sie immer den Eindruck, die Meinung von „Bild“ würde die aller Deutschen widerspiegeln. Verwenden Sie zu diesem Zweck möglichst häufig die Begriffe „wir“, „Deutschland“, „wir Deutsche“. Lassen Sie gleichzeitig keinen Zweifel daran, dass einzelne Griechen auch immer alle Griechen repräsentieren.

4.

Lassen Sie ausschließlich Gegner von Staatshilfen zu Wort kommen, selbst wenn es ernst zu nehmende Experten gibt, die die Bereitstellung von Krediten für Griechenland für unumgänglich halten.

5.

Setzen Sie unter alle Artikel zur Griechenlandkrise Umfragen, bei denen aufgrund des antigriechischen Tenors des Artikels ein antigriechisches Ergebnis zu erwarten ist. Beziehen Sie sich in späteren Artikeln auf dieses Ergebnis. Ungefähr so: „Wutwelle im Internet gegen Griechenland“ (…) „Das Verhalten der Griechen provoziert, die Deutschen sind sauer. 86 Prozent der BILD.de-Leser sagen: Die EU soll Griechenland gar nicht helfen, denn sie sind für ihre Staatsfinanzen selbst verantwortlich.“ Unterstreichen Sie dies mit wütenden Zitaten einzelner Bild.de-Kommentatoren.

Haben Sie das verinnerlicht? Dann kann das eigentliche Hetzen beginnen. Achten Sie dabei auf die hohe Schlagzahl: Sämtliche Beispiele stammen aus den letzten drei Tagen.

"Bild" hetzt weiter gegen Griechen

6.

Schreiben Sie so, als hätte Deutschland bereits Geld an Griechenland bezahlt:  „Griechen-Pleite immer schlimmer – Wieviel Kohle sollen wir noch ins Land stecken?“ (26.4.2010). Stellen Sie dabei bedeutungsschwangere Fragen wie „Was verschweigen die Griechen uns noch?“ oder „Griechen raus aus dem Euro?“ und lassen Sie keine Zweifel daran, dass Deutschland sein Geld nie wieder sieht: „Klar ist nur, zahlen wird das auch der deutsche Steuerzahler“

7.

Diskreditieren Sie den gesamten griechischen Staat als dynastisch und korrupt: „Klüngel, Korruption, Familienbande – So funktioniert das System Griechenland“ (26.4.2010)

8.

Werfen Sie dem griechischen Ministerpräsidenten den Ort vor, an dem er andere Länder um Hilfe anruft: „Papandreou auf Kastelorozio – Schuldenhilferuf vor Traum-Kulisse“ (27.4.2010). Ziehen Sie ihn dabei unbedingt ins Lächerliche: „Griechenland kurz vor dem Bankrott – und der Regierungschef tingelt über fast verlassene, weit entfernte Inseln!“

9.

Greifen Sie einzelne „Negativbeispiele“ heraus und wenden Sie sie auf die Gesamtheit aller Griechen an: „Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxusrenten – So gut haben es Rentner in Griechenland“ (27.4.2010).

10.

Erscheinen Sie persönlich vor Ort und betreiben Sie peinliche und beleidigende Symbolpolitik, deren einzig mögliche Übersetzung vom Deutschen ins Griechische „Griechen raus aus dem Euro!“ bedeutet. „Tschüs, Euro! – Bild gibt den Pleitegriechen die Drachmen zurück“ (27.4.2010):

Das fast bankrotte Griechenland soll raus aus dem Euro, fordern Experten und Politiker. BILD macht schon mal ernst, gibt den Griechen ihre alte Drachme (von 1831 bis 2001) zurück. Und das Irre: Viele jubeln und reißen sich darum…

11.

Zeigen Sie noch einmal, dass die Griechen aus Ihrer Sicht nichts aus ihrer Misere gelernt haben: „Die Griechen – Sparen? Wieso? Sie streiken lieber!“ (27.4.2010). Betonen Sie diesen Umstand mehrfach, damit es auch der letzte kapiert: „Die Griechen wollen und wollen einfach nicht sparen…!“ (…) „Haben die Griechen denn gar nichts kapiert?“ (…) „Dreister geht’s nicht“

12.

Vergessen Sie nicht, Ihre Kampagne von Zeit zu Zeit mit Kommentaren, in denen Griechenland als nicht vertrauenswürdig eingestuft wird, zu unterstützen:  „Einar Koch: Wer soll den Griechen noch glauben?“ (27.4.2010)

13.

Stellen Sie beleidigende Fragen und behaupten Sie, wenn Sie als „Bild“-Reporter aus verständlichen Gründen (siehe auch 11.) unerwünscht sind „Aufgeheizte Stimmung bei Protesten in Athen – Pleite-Griechen bepöbeln Deutsche!“ (28.4.2010, inzwischen geändert in „Streik in Athen: Wir wollen nicht sparen!“):

Athen – nichts geht mehr! (…) WEIL GRIECHENLAND (mal wieder) STREIKT… (…) Doch die Griechen haben den Ernst der Lage offenbar immer noch nicht begriffen! (…) BILD sprach mit den Demonstranten, fragte: Habt ihr aus der Krise nichts gelernt? Viele sind sauer auf die Deutschen, blaffen den BILD-Reporter an. Einer droht mit der Faust, brüllt: „Verschwindet hier!“ Ein anderer: „Ihr Deutschen wollt uns doch am Abgrund sehen…“ Michalis P. (38), Busfahrer: „Ich kann nicht verstehen, dass sich die Deutschen über uns aufregen. Wir verdienen doch schon jetzt viel weniger als sie.“ Tassos Kammas (35), Anwalt: „Deutschland muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass die Krise nur in Griechenland ist. Dass viele Griechen jetzt streiken, ist doch völlig normal.“

Viel Erfolg! Ihre Leser werden die bemitleidenswerten Opfer Ihrer Kampagne hassen.

Der Kreuz-Zug ist abgefahren

Kurz vor ihrer Ernennung zur niedersächsischen Sozialministerin hat die CDU-Politikerin Aygül Özkan dem „Focus“ ein Interview gegeben, in dem auch diese zwei Fragen und Antworten vorkamen:

Würde es Sie stören, wenn er in der Schule von Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichtet würde?

Kopftücher haben im Klassenzimmer nichts zu suchen. Die Schule sollte ein neutraler Ort sein. Selbst in der Türkei gilt ein Verbot von Kopftüchern, das sogar noch weiter geht und alle öffentlichen Einrichtungen betrifft. Ein Kind muss selbst entscheiden können, wie es sich religiös orientiert. Darum bin ich dagegen, derartige Symbole an Schulen zuzulassen.

Gilt das auch für Kruzifixe?

Ja. Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen. Für Schulen in kirchlicher Trägerschaft gilt das nicht.

Das Interview sorgte für viel Aufregung in den Medien. Genauer: Eine der beiden oben zitierten Antworten.

Designierte CDU-Ministerin gegen Kruzifixe an Schulen: Das Kreuz beschäftigt die Union

Neue türkischstämmige Ministerin: Özkan löst Kruzifix-Streit in der Union aus

Aygül Özkan: Niedersachsens neue Sozialministerin gegen Kruzifixe

Politik kompakt: Özkan für Kruzifix-Verbot

Religion und Staat: Aygül Özkan löst neue Kruzifix-Debatte aus

Die meisten Medien schafften es trotz der knalligen Überschriften, wenigstens im Artikel klar zu stellen, dass nach Frau Özkans Meinung alle Arten religiöser Symbole an staatlichen Schulen nichts zu suchen hätten.

Dieses kleine Detail unterschlug Bild.de überraschenderweise:

Aygül Özkan will keine Kreuze in Schulen: Neue CDU-Ministerin legt sich mit CSU an

Und deshalb gibt es natürlich gleich Morddrohungen gegen die „schöne Ministerin“, wie Bild.de unter Berufung auf die „Bild am Sonntag“ schreibt — nur scheinen die (laut „Bild am Sonntag“) nur bedingt mit dem „Kruzifix-Zoff“ in Zusammenhang zu stehen:

Seit Mittwochabend wird Aygül Özkan Tag und Nacht von zwei Beamten des Landeskriminalamtes (LKA) bewacht.

Seit ihre Ernennung zur Ministerin bekannt wurde, bekommt sie von rechtsradikalen Deutschen konkrete Morddrohungen.

Seit gestern bekommt Frau Özkan darüber hinaus gute Ratschläge von „Bild“-Kommentatoren: Hugo Müller-Vogg behauptete zunächst ungerührt, sie wolle „‘christliche Symbole’ aus den Schulen entfernen“ (eine Behauptung, die er heute noch einmal wiederholte), und erklärt:

Eines hat die erste türkischstämmige Ministerin offenbar nicht verstanden: Dass es bei uns so tolerant zugeht, das ist das Erbe unserer christlich-abendländischen Tradition.

Aygül Özkan und all die anderen Mitbürger muslimischen Glaubens zählen für Müller-Vogg offenbar nicht zu diesem „uns“, das bei „Bild“ traditionell schwammig zwischen „Redaktion“ und „ganz Deutschland“ oszilliert.

Dabei sollten die doch so dankbar sein („uns“, vermutlich):

Von dieser Toleranz profitieren nicht zuletzt Zuwanderer mit anderen Religionen und Werten. Deshalb dürfen türkische Schülerinnen auch ein Kopftuch tragen, was die Noch-nicht-Ministerin ebenfalls verbieten möchte.

… was freilich nur eine mögliche Interpretation dessen ist, was Özkan geantwortet hatte, als sie vom „Focus“ explizit auf Lehrerinnen mit Kopftuch angesprochen worden war.

Aber einmal in Fahrt erklärt Müller-Vogg das christliche Symbol Kruzifix gleich zum christlichen Wert:

Aber die „C“-Partei kann keine Abstriche an ihren christlichen Werten hinnehmen.

Darum geht’s also: Um die Muslima, die heimlich die CDU von innen auflösen will.

Und nachdem Frau Özkan schon wieder zurückgerudert war, machte Franz Josef Wagner heute deutlich, dass er überhaupt nichts begriffen hatte:

Was sollen wir anstelle des Kreuzes ­aufhängen? Ribéry, Beckenbauer, Bushido, Bohlen, Buddha, Günter Grass, Köhler, Frau Merkel, Uwe Seeler, Gerd Müller.

(Hervorhebung von uns)

Mit Dank auch an EagleRN.

Irgend so ‘n Knubbel

Produktbilder sind für Online-Redakteure immer ein Grund zur Freude: Der Leser liebt Bilder, Hersteller stellen Fotos kostenlos zur Verfügung. Also kann man die so vorteilhaft und professionell inszenierten Produktfotos mal eben in eine Klickstrecke verwandeln. Schnell die Bilder zuschneiden, in das Redaktionssystem kopieren — schon ist man fertig. Die Print-Kollegen würden für die Katalogbeilage Geld verlangen, doch online ist ja genug Platz vorhanden. Eine Win-Win-Situation. Wären da bloß nicht die lästigen Bildunterschriften …

So dachte wohl auch der zuständige Redakteur bei Bild.de, der einen Produkttest des neuen „Aldi-Notebooks“ aus der Schwesterpublikation „Computer-Bild“ bearbeiten sollte: Ganze 14 Bilder hatte Hersteller Medion bereit gestellt — und es wäre doch gelacht, wenn man die nicht alle unterbringen könnte. Das aufgeklappte Notebook von vorne, von schräg vorne, das zugeklappte Notebook, das Zubehör …

Doch was ist das für ein Knubbel da oben rechts? Ein Lautstärkeregler? Ein Infrarot-Sensor? Ein Mini-Lautsprecher?

Für Video-Telefonie und -Chats sind Webcam und Mikrofon oben rechts im Bildschirmrahmen integriert

Falsch geraten: Es handelt sich um einen technisch eher unspektakulären Gummi-Puffer, der beim Zuklappen für ausreichend Abstand zwischen Tastatur und Display sorgt. Mikrofon und Kamera befinden sich in der Mitte des oberen Displayrahmens.

Woher wir das wissen? Aus dem Video zum Produkttest, das im Artikel verlinkt ist.

Mit Dank an Ingo H.

Nachtrag, 11:50 Uhr: Bild.de hat das Bild inzwischen entfernt.

Bayern München kampflos weiter

Dass der FC Bayern München das Halbfinale der Champions League gegen Olympique Lyon 1:0 gewonnen hat, vermeldeten gestern Abend viele Medien.

Eine Information aber hatte Bild.de vorübergehend weltexklusiv:

Trotz Rot für Ribéry: Bayern im Finale!

Was Bild.de dabei übersehen hat: Das Rückspiel nächste Woche.

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Das Fenster zu Kachelmanns Hof

Um zu illustrieren, was sich in einer Gefängniszelle abgespielt haben könnte, braucht „Bild“ Grafiker.

Um zu illustrieren, was sich (Unspektakuläres) auf einem Gefängnishof abspielt, braucht „Bild“ nur einen Fotografen, der einen günstig gelegenen Ort in der Nachbarschaft findet. So geschehen in der Nachbarschaft der JVA Mannheim, in der zur Zeit der TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann in Untersuchungshaft sitzt: Mehrfach waren bei „Bild“ und Bild.de Fotos zu sehen, die Kachelmann beim Hofgang zeigen.

Hofgang im Knast - Jörg Kachelmann genießt die Sonne im Gefängnishof

Das Landgericht Köln hat am Freitag die Veröffentlichung dieser Paparazzi-Fotos untersagt, weil sie eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild von Jörg Kachelmann darstellen, wie Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker auf seiner Website mitteilt. Laut Höcker habe sich der Fotograf in eine unbewohnte Wohnung in der Nachbarschaft „geschlichen“ und von dort aus über die Gefängnismauern hinweg den Hof der JVA fotografiert.

Diese Einstweilige Verfügung ist nicht die erste, die Jörg Kachelmann gegen „Bild“ und Bild.de erwirkt hat: Vor etwa zehn Tagen hatte das Landgericht Köln die Veröffentlichung von Details aus den Ermittlungsakten und von SMS-Nachrichten untersagt, die Kachelmann an eine Sängerin geschickt haben soll (BILDblog berichtete).

Wie ein iPhone dem anderen

Kommt ‘n Apple-Entwickler in ‘ne Bar und lässt ein neues iPhone liegen.

Was klingt wie eine Szene aus einem Film, ist der Aufhänger einer Sensationsgeschichte auf Bild.de:

Es klingt wie eine Szene aus einem Film: In einer Bar in San José taucht plötzlich ein brandneues, supergeheimes iPhone der nächsten Generation (4G) auf. Diese Fotos zeigte die britische Tageszeitung „Daily Mail“ online.

Ganz in der Nähe liegt ein Forschungslabor von Apple. Hat es ein Mitarbeiter nach einer durchzechten Nacht dort liegen lassen? Oder ist die Geschichte zu gut, um wahr zu sein?

Ob die Geschichte stimmt oder nicht, lässt sich schwer sagen. Was sich sagen lässt, ist, dass das Foto des angeblichen neuen iPhones, das Bild.de zeigt, nichts, aber auch gar nichts mit der Bar in San Jose zu tun hat:

Ist das der erste Blick auf die nächste iPhone-Generation? Die Netz-Welt streitet

Es entstammt einer ganz anderen Geschichte im Internetangebot der britischen „Daily Mail“, die die Autoren bei Bild.de selbst verlinkt haben. Und wenn sie ein wenig weiter recherchiert hätten, hätten sie vielleicht auch herausgefunden, dass die in der „Daily Mail“ gezeigten „Fotos“ am Computer zusammengebaute Fakes sind. Die Fragen „Sehen wir hier das iPhone 4G?“ und „Ist das der erste Blick auf die nächste iPhone-Generation?“ lassen sich also beide klar mit „Nein“ beantworten.

Sehen könnte man das angebliche iPhone aus der Bar bei Engadget, deren Redaktion sie als erstes veröffentlicht hat.

Oder wie Bild.de schreibt:

Andere Bilder im Technikblog „engadget“ zeigen ein iPhione mit einer Glasrückseite – angeblich ein Patent von Apple.

Nein, nicht „andere Bilder“, sondern die, um die es im Artikel auf Bild.de geht.

Mit Dank an Kathrin G.

Bigott Is A DJ

Dieses Internet. Tummelplatz von Irren und Kranken:

Ihr Unschulds-Image törnt Perverslinge an: Auf der Website von Oslo-Star Lena Meyer-Landrut (18) hinterließen einige User primitive Beleidigungen. Es wurden sogar Nacktaufnahmen ihrer Füße gefordert. Fans sind entsetzt.

Nun sind es ja meist ganz andere Körperteile, die unbekleidet auf Fotos bei Bild.de zu sehen sind, aber für das Internetportal war hier eine (bisher ungeahnte) Grenze erreicht:

„Bewege dich wie eine Schlampe“, forderte bspw. ein User namens „Kami“. Außerdem wurden noch viel obszönere Dinge dort veröffentlicht, die an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden können.

Aber das war am vergangenen Mittwoch. Gestern versagten offenbar die kalten Duschen in der Bild.de-Redaktion ihren Dienst und dann passierte das hier:

UNSERE SÜSSE GRAND PRIX HOFFNUNG: Lena Meyer-Landrut: Wie kurz wird ihr Rock in Oslo?

Der Beitrag ist bebildert mit einem unvorteilhaft zu nennenden Foto, auf dem Lena Meyer-Landrut beim Jubeln das Kleid ein wenig hochgerutscht ist, weswegen ihr bestrumpfhostes Gesäß zu erahnen ist. (Ein Foto, das ironischerweise schon die Bildergalerie zum Perverslingseintrag zierte.)

Oder wie Bild.de es formuliert:

Dabei ist ihr Röckchen gerne mal so kurz, dass es uns einen süßen Einblick auf ihre sexy Hinterseite ermöglicht…

Bleibt die Frage: Wie kurz wird Lenas Rock in Oslo sein?

Und damit diese Frage nicht unbeantwortet bleibt, können die Leser gleich abstimmen:

"Unser Star für Oslo" Lena Meyer-Landrut – welchen Look wird sie für den großen Auftritt wählen? A. Alles wie gehabt – nicht kürzer, nicht länger! B. Ganz bestimmt setzt sie noch einen drauf – weniger ist schließlich mehr!

Mit Dank an Tobias G.

Keine Panik!

Wenn irre Wissenschaftler von einer unterirdischen Station in der Schweiz aus die Welt zerstören wollen, läuft entweder ein alter „James Bond“-Film im Fernsehen — oder die Medien berichten über ein seriöses naturwissenschaftliches Experiment.

Als Ende März im Teilchenbeschleuniger des Forschungszentrums CERN erstmalig Protonenstrahlen mit bisher unerreichter Energie zur Kollision gebracht werden sollten, war vor allem Bild.de bestens aufgestellt: Schon Tage vorher hatte man in Artikeln, Videos und Animationen immer wieder in Aussicht gestellt, dass die Erde im Verlauf des Experiments zerstört werden könnte, und als es endlich losging, war sogar ein Liveticker eingerichtet worden, um nötigenfalls wenigstens als Erste den Weltuntergang vermelden zu können.

Ich hatte schon geahnt (und ein wenig gehofft), dass das mit der möglichen Auslöschung meines Heimatplaneten übertrieben sein könnte, aber da ich heute noch manchmal schweißgebadet aufwache, weil ich von meinen Physikklausuren in der zwölften Klasse geträumt habe, war mir klar, dass ich nur schwerlich Zugang zu dieser Materie (und Antimaterie) finden würde.

Doch zum Glück gibt es ja zu jedem Thema Menschen, die sich bestens damit auskennen — und so haben wir die Kollegen vom Physikblog um einen Gastbeitrag gebeten.

André Goerres hat sich mit Unterstützung seiner Kollegen Andreas Herten und Bastian Kargoll sofort an die Arbeit gemacht. Dass wir den Artikel erst jetzt veröffentlichen, hat mit irgendwie mit dem Raum-Zeit-Kontinuum zu tun, aber das erklären Ihnen die Kollegen dann beim nächsten Mal.

„offenbar zu dumm“

Ein besonders hübsches Glashaus haben sich gestern die Leute von Bild.de gezimmert:

Die Hälfte aller Azubis ist offenbar zu dumm für die Ausbildung!

Doch worum geht’s?

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat unter dem Titel „Ausbildung 2010″ eine Unternehmensumfrage veröffentlicht, „die BILD vorliegt“ — oder die man ganz bequem als PDF-Datei von der Website des DIHK herunterladen kann.

Dazu stellt Bild.de Folgendes fest:

Demnach mangelt es bei vielen Auszubildenden nicht nur an Kenntnissen, sondern auch an Disziplin, Teamfähigkeit und Pünktlichkeit.

Mehr als die Hälfte aller Betriebe (54 Prozent) organisiere Nachhilfe für die Auszubildenden, heißt es in dem Bericht „Ausbildung 2010″.

Ja, so steht es da, auf Seite 33 des Berichts.

Aus dem BILDblog-Archiv

Nur sagt der Anteil der Unternehmen, die Nachhilfe für ihre Auszubildenden organisiert, nichts über den Anteil der Auszubildenden aus, die Nachhilfe in Anspruch nehmen (oder „zu dumm“ sind, wie Bild.de es nennt).

Brechen wir es auf ein ganz simples Beispiel herunter: Es gibt zwei Unternehmen, Firma A und Firma B. Firma A hat sechs Auszubildende, Firma B vier. Wenn von den vier Auszubildenden von Firma B zwei von ihrem Arbeitgeber zur Nachhilfe geschickt werden, organisieren 50% der Unternehmen Nachhilfe für ihre Auszubildenden — aber nur 20% aller Auszubildenden nehmen Nachhilfe in Anspruch.

Es ist ein sehr beliebiges Beispiel, denn genaue Zahlen, wie viel Prozent der Auszubildenden Nachhilfe in Anspruch nehmen, liegen auch dem DIHK nicht vor, wie uns eine Sprecherin auf Anfrage bestätigte.

Nur Bild.de wusste es natürlich besser.

Mit Dank an Andreas H.

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