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„Bild“ lässt DFB-Vizepräsidenten von Ultras bedrohen

Neulich präsentierte die „Bild“-Redaktion ja schon den „ersten Fußball-Star“, der „Knast für Ultras“ fordere und der in Wahrheit gar nicht „Knast für Ultras“ fordert. Seit vorgestern gibt es bei „Bild“ den ersten DFB-Vizepräsidenten, der von Ultras bedroht worden sei und der nach eigener Aussage gar nicht von Ultras bedroht wurde.

Vor zehn Tagen, da nahm die undifferenzierte „Bild“-Kampagne gegen die Ultra-Szene in Deutschland gerade Fahrt auf, veröffentlichte das Blatt eine komplette Seite zum Thema:

Ausriss Bild-Zeitung - Übersicht über komplette Seite mit drei Artikeln mit den Überschriften Wie gefährlich ist diese Kriegserklärung? So gewalttätig wird die neue Saison. Und Die Macht der Ultras

Im Artikel mit der Überschrift „DIE MACHT DER ULTRAS“ schrieb „Bild“-Chefreporter Marc Schmidt gleich im Einstieg:

Die Ultras wollen immer mehr Macht im deutschen Fußball erobern. Auch mit Gewalt-Ankündigungen! Das bekam kürzlich DFB-Vizepräsident Rainer Koch (58) zu spüren.

Zu einem Gedankenaustausch hatte sich der Münchner mit drei Ultra-Chefs von Dynamo Dresden verabredet. Doch bei dem Treffen tauchten plötzlich 60 „Fans“ auf und bedrohten den DFB-Vize. Mit dem Hinweis, man könne Koch zu Hause oder in seinem Büro „besuchen“.

Das Treffen zwischen Rainer Koch und den Ultra-Vertretern gab es tatsächlich. Und es kamen tatsächlich auch deutlich mehr Leute nach Dresden als vorher abgesprochen, es sollen zwischen 50 und 60 Personen gewesen sein. Aber Drohungen gegen den DFB-Vize, wie Marc Schmidt schreibt? Davon hat Rainer Koch nicht mal selber etwas mitbekommen. Am Samstag veröffentlichte er dieses Statement bei Facebook:

Screenshot Facebook-Post von Rainer Koch - Am 27. Juli bin ich auf Einladung von drei Ultra-Sprechern von Dynamo Dresden gemeinsam mit dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Hendrik Große-Lefert zu einem Gespräch über Ultra-Anliegen nach Dresden gefahren. Tatsächlich trafen wir dann unabgesprochen auf über 50 Ultravertreter aus ganz Deutschland. Auch gut, wir haben - weil grundsätzlich immer dialogbereit - uns auch auf eine Unterredung mit diesem großen Kreis eingelassen. Ich habe, weil Vertraulichkeit vereinbart wurde, bis heute nichts zum Inhalt dieser Unterredung erklärt. Ich habe allen Medien gegenüber unter Hinweis auf die Vertraulichkeit des Gesprächs bislang jede Stellungnahme zum Treffen abgelehnt und deshalb auch zu keinem Zeitpunkt und an keiner Stelle erklärt, in diesem Gespräch persönlich bedroht worden zu sein. Übrigens auch deshalb nicht, weil ich gar nicht bedroht worden bin. Trotzdem wird seit Tagen von der Szene wahrheitswidrig derartiges behauptet und mir unterstellt. Also liebe Ultras, das passt doch nicht zusammen: ihr wollt den Dialog und setzt andererseits jetzt schon seit Tagen solche falschen Behauptungen über mich in die Welt und ins Netz und in die Stadionkurve des 1. FC Nürnberg. Ich bleibe bei meiner Haltung: Zum Dialog bin ich selbstverständlich weiter gerne bereit, persönliche Beleidigungen und Verleumdungen werde ich jedoch nicht akzeptieren.

Kochs Beschwerde in Richtung Ultras, die „falsche Behauptungen“ über ihn „in die Welt und ins Netz und in die Stadionkurve des 1. FC Nürnberg“ setzen sollen, kann man übrigens direkt an „Bild“ und Chefreporter Marc Schmidt weiterleiten. Klickt man auf den Link, den Rainer Koch in seinen Facebook-Post kopiert hat, sieht man, dass sich die von Koch Kritisierten auf das falsche Bedrohungsszenario berufen, das die „Bild“-Zeitung verbreitet hat.

Mit Dank an Kevin J., Anonym, @Hirnwindungen und @BlauGelb13 für die Hinweise!

Wenn „Bild“ von „Ultras“ spricht, meint „Bild“ was anderes

Wir dachten, die „Bild“-Redaktion könnte es auch interessieren, dass ihre große Titelschlagzeile von gestern nicht stimmte. Dort stand in riesigen Buchstaben „Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras“, und der „Fußball-Star“ — Jannik Vestergaard von Bundesliga-Klub Borussia Mönchengladbach — widersprach dieser Behauptung direkt. Er sagte, er habe nie von „Ultras gesprochen“. Und tatsächlich ist in dem Tweet, den Vestergaard nach Ausschreitungen bei einem Spiel in Kopenhagen verfasst hatte und auf den sich „Bild“ bezog, nur von „Idioten“ und „Psychopathen“ die Rede.

Heute morgen schrieben wir „Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch, „Bild“-Chefchef Julian Reichelt und „Bild“-Sportchef Walter M. Straten bei Twitter:

Julian Reichelt wollte dazu etwas sagen:

Dass Reichelt uns zum wiederholten Male vorwirft, dass wir Sympathien für Gewalttäter/Straftäter/Wenauchimmer hätten, weil wir der Meinung sind, dass gewisse Grundrechte auch Leuten zustehen, die einen schlimmen Fehler begangen haben — geschenkt.

Dass Jannik Vestergaard in seinem Tweet weder von Fans noch von „Fans“ und eben auch nicht von Ultras gesprochen hat und später noch einmal explizit zwischen den Chaoten in Kopenhagen, Fans und Ultras differenziert hat — geschenkt.

Interessant finden wir Reichelts Punkt zum pauschalen Verunglimpfen der Ultras. Denn hier sehen wir tatsächlich eine ziemliche Schwäche — und vielleicht auch den grundlegenden Fehler — der „Bild“-Berichterstattung zum Thema. Wir glauben, dass die Sache eigentlich recht simpel ist: „Bild“ und vor allem der für die „Bild“-Sportabteilung Verantwortliche Walter M. Straten benutzen die falsche Vokabel, wenn sie dauernd allgemein von „Ultras“ reden.

Straten schrieb beispielsweise am vergangenen Samstag:

Das nervt nicht nur Ultras, sondern auch friedliche Fans.

Soll im Umkehrschluss wohl heißen: Ultras sind per Definition nicht friedlich. Und da liegt schon das Problem. Allein durch ihre Größe ist die Ultra-Bewegung in Deutschland ein ziemlich heterogener Haufen. Es gibt stark politische Gruppen und völlig unpolitische. Es gibt Ultra-Gruppen, die bewusst Gewalt suchen, und welche, die bewusst Gewalt aus dem Weg gehen. Manche nehmen Gewalt in Kauf, wenn sie sich (zu Recht oder zu Unrecht) angegriffen fühlen. Und innerhalb der jeweiligen Gruppierungen kann es noch mal Einzelpersonen mit gänzlich unterschiedlichen Einstellungen zum Thema Gewalt geben.

Wissenschaftler, Journalisten und Fanbeauftragte, die sich teilweise seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen, bestätigen diese Vielschichtigkeit. Fankoordinator Michael Gabriel sagt im Interview mit sueddeutsche.de etwa:

„Zu behaupten, es gebe kein Problem mit Gewalt innerhalb der Ultraszene, wäre falsch. Wir beobachten in den letzten Jahren eine gewisse Dynamik, dass zunehmend gezielt Möglichkeiten gesucht werden, andere Gruppen anzugreifen. Es gibt in Teilen sogar Hooligan-typische Verhaltensweisen. Aber in diesem Kontext ist es auch immer wichtig darauf hinzuweisen, dass wir hier nur von Teilen der Ultraszene sprechen.“

Christoph Ruf, der ganze Bücher über Ultras veröffentlicht hat, schreibt bei sport1.de:

Gewalt spielte in der (deutschen) Ultraszene jahrelang eine untergeordnete Rolle, der Schwerpunkt lag bei allen Gruppierungen auf der Unterstützung, dem Support, der eigenen Mannschaft.

In den vergangenen Monaten scheint sich das zum Teil zu ändern. Aus vielen Szenen hört man, dass sich an den Rändern der Hauptgruppen jüngere Mitglieder abspalten, die den Gewalt-Kick suchen und dann kaum noch zu steuern sind.

Politikwissenschaftler Jonas Gabler unterscheidet bei morgenpost.de zwischen Ultras und Hooligans, wobei er auch eine zunehmende Gewaltbereitschaft bei Ultra-Gruppen beobachte:

„Im Vergleich zu den Hooligans sind Ultras sehr stark Support-orientiert, sie wollen ihre Mannschaft unterstützen. Die Ultras legen daher viel Wert auf ihre Choreografien im Stadion, sie haben einen Vorsänger, der die Stimmung anheizt. Ultras setzen auf ihre Stahlkraft und wollen ihre Fanszene prägen“, erzählt Politikwissenschaftler Gabler.

Im Gegensatz dazu sind Hooligans eher cliquenartig in kleineren Gruppen organisiert. „Unter den Hooligans spielt Gewalt eine große Rolle. Man kann nicht dabei sein, ohne sich an den Schlägereien zu beteiligen“, so Gabler.

Fanforscher Martin Winands spricht bei Welt.de von „moderaten Ultra-Gruppen“, die wichtig für die Fußballkultur seien.

Von den Ultras zu sprechen, als handele es sich dabei um eine klar abzusteckende Gruppe, ist also schon der Fehler. Und wenn man dann so tut, als seien die Ultras nur gewaltsuchende Schläger, ist es wohl — um es mit Julian Reichelts Worten zu sagen — pauschal von „Bild“ verunglimpfend.

Der „Bild“-Oberchef hatte dann noch eine Idee für einen fünften Tweet:

Ja, Julian Reichelt, natürlich werden wir uns melden, wenn Sie sich mal wieder selbst zum Sheriff, Staatsanwalt und Richter in einer Person ernennen.

„Bild“ will, dass Fußballprofi will, dass alle Ultras in den Knast sollen

Die „Bild“-Redaktion hat sich seit einigen Tagen auf Ultras eingeschossen, also auf jene Gruppen, die sich besonders stark mit ihrem jeweiligen Fußballverein identifizieren, teilweise auf recht fanatische Art und Weise. Am vergangenen Samstag setzte „Bild“-Sportchef Walter M. Straten alle Ultras mit all jenen im Stadion gleich, die sich nicht friedlich verhalten („Das nervt nicht nur Ultras, sondern auch friedliche Fans.“). Gestern legte Straten in einem Kommentar nach und schrieb, dass Ultras keine echten Fußballfans seien („In der Bundesliga drohen Ultras dem DFB mit Krieg — unter dem Vorwand, für ehrlicheren Fußball zu kämpfen. Wenn wir wollen, dass echte Fans und Familien ohne Angst ins Stadion gehen können, müssen auch hier Politik und Justiz eingreifen.“).

Und jetzt haben der „Bild“-Sportchef und sein Team vermeintlich auch noch prominente Unterstützung bei ihrem Engagement gegen Ultras bekommen. So sah ihre heutige Titelseite aus:

Ausriss Bild-Titelseite - Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras

Der „Fußball-Star“ ist der Däne Jannik Vestergaard vom Bundesliga-Klub Borussia Mönchengladbach. Und so viel schon mal jetzt: Derartiges hat er nie gefordert.

Am Sonntag, nachdem es bei einem Fußballspiel in Kopenhagen ziemlich heftige Ausschreitungen gab, twitterte Vestergaard:

Das Ganze heißt laut „Bild“ so viel wie:

„Großen Respekt vor den Ordnern und Polizisten, die sich in den Weg gestellt haben, als sich die Idioten so aufgeführt haben. Hoffentlich kommen diese Psychopathen hinter Schloss und Riegel!“

„Bild“ macht daraus also: „Fußball-Star fordert Knast für Ultras“. Und auch bei Bild.de steht:

Ausriss Bild.de - Krawalle in Kopenhagen - Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras

Andere Medien griffen Vestergaards angebliche Ultras-in-den-Knast-Forderung, die „Bild“ in die Welt gesetzt hat, auf. Nur: Jannik Vestergaard möchte rein gar nichts mit diesen Schlagzeilen zu tun haben.

Auf der Internetseite von Borussia Mönchengladbach ist heute ein Interview mit dem Abwehrspieler erschienen. Auf die Frage „Die BILD titelt: ‚Erster Fußballprofi fordert Knast für Ultras‘. Was sagst du dazu?“ antwortet er:

Diese Schlagzeile kann ich absolut nicht nachvollziehen, denn ich habe in diesem Zusammenhang weder das Wort Ultras in den Mund genommen noch habe ich irgendwelche Fans oder Ultras pauschalisiert. Ich habe ausschließlich die Taten der Chaoten in Kopenhagen aufs Schärfste verurteilt — und zu diesen Worten stehe ich auch. Allerdings möchte ich ausdrücklich betonen, dass damit keinesfalls Ultras im Allgemeinen gemeint waren. Mit solchen Pauschalurteilen wird medial versucht, einen Keil zwischen Spieler und Fans zu treiben. Das tut dem Fußball nicht gut. Der Großteil der Ultras und der Fans unterstützen die Vereine im besonderen Maße und davor habe ich großen Respekt. Leider gibt es eine kleine Personengruppe, die den Ruf der Fans mit solchen Aktionen wie am Sonntag in Kopenhagen massiv beschädigt. Umso wichtiger ist, dass man diese Straftäter aus dem Verkehr zieht. Randale und Krawalle haben nichts im Fußballstadion verloren.

Da muss tatsächlich ein Fußballprofi kommen, um Sachlichkeit und Differenzierung in die Diskussion zu bringen und dem „Bild“-Sportchef zu erklären, wie man zwischen Fans, Ultras, Hooligans und Randalierern unterscheidet.

Mit Dank an @seit1948, @Pilzeintopf, @fohlenkanal, @Eisenfrass und @19Rhyno04 für die Hinweise!

Beate Zschäpe auf dem Laufsteg der Nebensächlichkeiten

Welche Modenschauen sind wohl die wichtigsten der Welt? Klar, die in Paris und die in New York. Sicher auch die in Mailand. Und dann wäre da noch eine etwas unbekanntere, die seit knapp viereinhalb Jahren im Saal A 101 im Münchner Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße stattfindet:

Beate Zschäpe trägt ein rot-orangenes, sommerliches Shirt mit kurzen Ärmeln, ein ungewohnt luftiges Outfit. Rechtsanwalt Wolfgang Stahl erscheint in weißer Hose unter seriösem Jackett.

Diese Passage stammt aus einem „dpa“-Text über einen der bedeutendsten Strafprozesse seit Jahrzehnten in Deutschland, den NSU-Prozess. Die Onlineredaktion der „Stuttgarter Zeitung“ hat sie gestern veröffentlicht, ebenso die der „Berliner Morgenpost“, die der „Kieler Nachrichten“, die der „Abendzeitung“ aus München, haz.de, derwesten.de und vermutlich noch einige weitere.

Auch direkt vor und nach den zwei Sätzen zum Outfit von Beate Zschäpe und Wolfgang Stahl geht es fast nur um Nebensächlichkeiten. Der „dpa“-Artikel startet so:

Es scheint fast so etwas wie Ferienstimmung in der Luft zu liegen an diesem 379. Verhandlungstag im NSU-Prozess, dem fünften Tag des Anklage-Plädoyers und letzten Sitzungstag vor der Sommerpause des Gerichts. Beate Zschäpe trägt ein rot-orangenes, sommerliches Shirt mit kurzen Ärmeln, ein ungewohnt luftiges Outfit. Rechtsanwalt Wolfgang Stahl erscheint in weißer Hose unter seriösem Jackett. Und vor den Ferien ist auch die Ehefrau des mutmaßlichen Waffenbeschaffers für den „Nationalsozialistischen Untergrund“, Ralf Wohlleben, da: Sie betritt den Saal, nachdem die Fotografen ihn verlassen mussten, schlängelt sich an den Plätzen der Verteidiger vorbei, streichelt ihrem Mann über die Schulter, küsst ihn zur Begrüßung auf den Mund.

Bei Bild.de hat die Redaktion Zschäpes „Sommer-Look“ sogar in die Überschrift gepackt, als wäre das die entscheidende Entwicklung im NSU-Prozess:

Ausriss Bild.de - Blümchenschal und luftiges rot-orangenes Shirt - Zschäpe im Sommer-Look in die Sommerpause

In der Zwischenzeit haben sie wohl auch bei Bild.de gemerkt, wie grässlich es ist, über einen Prozess zu berichten, auf den so viele trauernde Angehörige schauen, und dabei den „BLÜMCHENSCHAL“ und das „LUFTIG ROT-ORANGENE SHIRT“ einer Person hervorzuheben, der die Mittäterschaft in zehn Mordfällen vorgeworfen wird. Dachzeile und Überschrift haben die Bild.de-Mitarbeiter inzwischen geändert (nun: „ERST ENDE AUGUST GEHT ES WEITER — Zschäpes letzter Auftritt vor der Sommerpause“), die einleitende Passage zur „Ferienstimmung“ komplett gestrichen.

Mit Dank an @tagesschauder für Hinweis und Screenshot!

I klau‘ English very well – halt, ich übersetz‘ noch nicht so schnell

Bei Bild.de können sie ja so einiges, zum Beispiel Englisch. Das kann sehr vorteilhaft sein, wenn einer der Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter einen Text über ein Thema schreiben soll, das im englischsprachigen Raum spielt. Denn dann muss diese Person sich gar nicht selber Gedanken über das Geschehene machen, sondern kann sich einfach bei News-Seiten bedienen, die bereits in Englisch darüber publiziert haben.

Blöd ist es nur, wenn man sich dabei erwischen lässt, beispielsweise weil der Artikel, für den man geklaute Passagen übersetzt, schon veröffentlicht wird, während man noch geklaute Passage übersetzt:

Ausriss Bild.de - Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, wird nicht locker lassen und irgendeinen Weg suchen, um 50 Republikaner hinter einen Entwurf zur Reform der Krankenversicherung zu versammeln - wie auch immer dieser aussehen mag. Doch dies ist keine Aufgabe, denn die Abweichler stimmten nicht alle aus dem gleichen Grund gegen die Abschaffung von Obamacare: Manche The goal for McConnell at the moment is to find a way to get 50 Republicans to back a final bill - whatever it looks like. As with the full repeal without immediate replacement vote, the GOP leadership is getting a sense of where their members are on various proposals, as well as testing out revised language with the parliamentarian

Das ist in dieser Form bei Bild.de erschienen. Der englische Teil stammt aus einem CNN-Artikel:

Ausriss CNN.com - The goal for Majority Leader Mitch McConnell at the moment is to find a way to get 50 Republicans to back a final bill - whatever it looks like. As with the full repeal without immediate replacement vote, the GOP leadership is getting a sense of where their members are on various proposals, as well as testing out revised language with the parliamentarian on things like the Planned Parenthood defunding provision.

Inzwischen hat die Bild.de-Redaktion den Text mehrmals aktualisiert. Die eingedeutschte CNN-Passage hat sie nicht rausgestrichen.

Mit Dank an Tilman S. und Stefan A. für die Hinweise!

Bild.de lässt Flutwelle auf Braunschweig los

Wenn man in Braunschweig oder Umgebung lebt und den großen Fehler begeht, sich einzig und allein bei Bild.de über die aktuelle Lage in der Welt und vor der eigenen Haustür zu informieren, dürfte man heute morgen beim Blick auf die Startseite des Portals leichte Panik bekommen haben:

Ausriss Bild.de - Lagedienstführer: Wir gehen davon aus, dass Stadtteile überflutet werden - Flutwelle rollt auf Braunschweig zu

Im dazugehörigen „Live-Ticker“ schrieb Bild.de um 9:39 Uhr:

Ausriss Bild.de - Flutwelle rollt auf Braunschweig zu! Mit rund hundert freiwilligen zusätzlichen Einsatzkräften bereitet sich die Feuerwehr der Stadt Braunschweig auf die Ankunft der Flutwelle aus dem Harz vor.

Im Text ist zwar immer noch von einer Überschwemmung die Rede, es klingt dort aber doch alles etwas harmloser:

Die Oker soll der Vorhersage nach am Mittag ihren Höchststand im Landkreis Wolfenbüttel erreichen. Am Nachmittag werden sehr hohe Pegelstände in Braunschweig erwartet. „Wir gehen davon aus, dass Stadtteile überschwemmt werden“, sagte der für das Hochwasser zuständige Lagedienstführer Jörg Meyer am Donnerstagmorgen.

Möglicherweise könnten einzelne Straßen etwa im Bereich Leiferde betroffen sein. Die Feuerwehr stellt sich darauf ein, dass die Oker so hoch steigen könnte wie in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr.

Zwischen einer „Flutwelle“, die auf eine Stadt zurollt, und „einzelnen Straßen“, die überschwemmt werden, dürften noch ein paar Abstufungen liegen. Wohl auch deswegen hat die Stadt Braunschweig der Startseiten-Panikmache von Bild.de bei Twitter widersprochen:

Und auch die Feuerwehr in Braunschweig, auf die sich Bild.de unter anderem beruft, versuchte bei Facebook, das Flutwellen-Gerücht wieder einzufangen:

Ausriss Facebook-Post der Feuerwehr Braunschweig +++WICHTIG+++ Es rollt keine Flutwelle auf Braunschweig zu. Die Pegel steigen langsam. Der Höchststand des Hochwassers wird gegen Abend erwartet. Es wird zu Überflutungen kommen in den ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten. Es werden keine Stadtteile überflutet. Wir sind aktuell an fünf Einsatzstellen tätig. Und die weiteren Einsatzkräfte sind einsatzbereit.

Sowohl die Stadt Braunschweig als auch die dortige Feuerwehr verlinken zu einer extra für das Hochwasser eingerichteten Seite, auf der noch einmal in Ruhe erklärt wird:

+++WICHTIG+++ Es rollt keine Flutwelle auf Braunschweig zu. Diese Fehlinformation kursiert aktuell im Internet und ist falsch. Richtig ist, dass die Pegel langsam steigen.

Dass keine Flutwelle in Richtung Braunschweig unterwegs ist, hat dann auch die Bild.de-Redaktion irgendwann mitbekommen. In ihrem „Live-Ticker“ schreibt sie:

Nur in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten werde es Überflutungen geben, teilte die Feuerwehr auf Facebook mit.

Kein Wort davon, dass dieser Facebook-Post nur nötig war, weil Bild.de zuvor Panik gemacht hat.

Mit Dank an Joshua R., Sebastian D., @dokurechts, @eks1bs, @weltbekannt, @felix12370, @abiturensohn und @lukasneuss für die Hinweise!

„BILD weiß“: Aubameyang wechselt sicher nicht doch nach China

Dieser ganze „AUBA-WAHNSINN“ (um das bild’sche Wortspiel verstehen zu können, muss man das „AUBA“ als „Oba“ lesen) begann am 16. Mai dieses Jahres. Da meldeten „Bild“ und Bild.de, dass eine Delegation des chinesischen Fußball-Klubs Tianjin Quanjian mit einem „Mega-Angebot“ nach Dortmund gekommen sei, um BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang zu verpflichten:

Ausriss Bild-Zeitung - Auba-Wahnsinn! China bietet 30 Mio Gehalt. Netto!
Ausriss Bild.de - Franzosen berichten von Mega-Angebot für BVB-Star - Chinese wollen Auba 50 Mio Euro zahlen pro Jahr!

Etwa einen Monat später, am 15. Juni, war mit dem „AUBA-WAHNSINN“ aber auch schon wieder Schluss. Angeblich hätten die Chinesen kein Interesse mehr an „Auba“:

Ausriss Bild.de - Jetzt ziehen auch die Chinesen zurück - Nächste Absage für Aubameyang

Aus und vorbei. Also für knappe zwei Wochen, denn am 28. Juni stand laut „Sport Bild“ doch plötzlich felsenfest fest: Pierre-Emerick Aubameyang wechselt zu Tianjin Quanjian in die chinesische Super League:

Ausriss sportbild.de - Nach Sport Bild-Informationen - Aubameyang doch nach China

Die Bild.de-Mitarbeiter übernahmen diese 100-Prozent-Nummer natürlich am selben Tag von ihren „Sport Bild“-Kollegen, versahen sie aber mit einem Fragezeichen:

Ausriss Bild.de - Sport Bild berichtet - Aubameyang doch nach China?

Das mit dem Fragezeichen war keine schlechte Idee. Denn ganz so sicher war das alles dann wohl doch nicht. Am 4. Juli berichtete Bild.de, dass „sich die Wechsel-Optionen mit (…) Tianjin Quanjian (China) zerschlagen“ hätten:

Ausriss Bild.de - Transfer-Stau - Auba laufen die China-Millionen weg!

Besonders weit sind diese „China-Millionen“ beim Weglaufen aber nicht gekommen. Denn nur einen Tag später stand bei Bild.de:

Ausriss Bild.de - Tianjin will den BVB-Star jetzt doch wieder - Neue 60-Mio-Attacke auf Auba

Es tat sich dann ein paar Tage nichts beim „AUBA-WAHNSINN“, das Ende der Transferperiode in China rückte immer näher. Und deswegen schrieb Bild.de am 13. Juli um 12:40 Uhr:

Ausriss Bild.de - China-Wechsel von Aubameyang unwahrscheinlich

Am späten Abend desselben Tages, um 23:28 Uhr, hatten die Wechsel-Verwechsler von Bild.de dann aber doch noch mal größere Hoffnung, dass sich was tut:

Ausriss Bild.de - Über 30 Mio netto pro Jahr! Auba heute doch Blitz-Wechsel nach China?

Am nächsten Tag schloss das Transferfenster in China dann aber doch ohne einen vorherigen Wechsel von Pierre-Emerick Aubameyang zu Tianjin Quanjian. Keine Chance mehr, das mussten auch die „Bild“-Spekulanten einsehen:

Ausriss Bild.de - Transferfenster dicht - Aubas China-Traum geplatzt!

Doch so leicht geben sie sich bei „Bild“ nicht geschlagen. Nach einer Woche Ruhe im Fall Aubameyang hatte die Redaktion es „EXKLUSIV“:

Ausriss Bild.de - Exklusiv - Dortmund-Superstar wechselt - Aubameyang ab Januar in China
Ausriss Bild-Zeitung - Bild weiß - Aubameyang ab Januar in China

Noch am späten Abend des 21. Juli, als der Artikel bei Bild.de bereits erschienen war, die „Bild“-Zeitung aber noch nicht, schrieb der BVB bei Twitter:

Von solch läppischen Details lassen sich „Bild“-Mitarbeiter aber keine Geschichte kaputtmachen. Am 22. Juli schrieben sie in einem Text über ein Testspiel der Dortmunder:

Es ist Spiel eins nach dem neuerlichen Wechsel-Wirbel um Pierre-Emerick Aubameyang (28). BILD berichtete exklusiv über seinen Wechsel im Winter nach China. Nach der Bundesliga-Hinrunde wird sich der Gabuner Tianjin Quanjian anschließen. Der BVB kassiert für ihn die geforderten 70 Mio Euro.

Mit diesen Transfers nach China ist es aber auch knifflig!

Mit Dank an Sven und Max für die Hinweise!

„Bild“ probt den Aufstand gegen die Rote Flora

„Bild“ will gern eine richtige Zeitung sein. Also eine mit Journalisten, die recherchieren und besondere Dinge rausfinden und diese dann exklusiv veröffentlichen. Nicht mehr nur dieses ekelige Revolverblatt, das einfach mal Geschichten erfindet oder Leute fertigmacht. Und wenn man sich schon kampagnenhaft auf Leute einschießt, dann soll auch das wenigstens „EXKLUSIV“ sein. So zum Beispiel:

Ausriss Bild-Zeitung - Bild exklusiv - Millionen-Gläubiger packt aus - Boris Becker verpfändete auch das Haus seiner Mutter!

Die Hamburg-Ausgabe der „Bild“-Zeitung brachte am Freitag auch eine Geschichte ganz exklusiv, nirgendwo anders war sie so zu finden:

Ausriss Bild-Zeitung - Händler und Wirte haben genug vom Links-Terror - Aufstand der Nachbarn gegen Rote Flora

Nach den Krawallen rund um den G20-Gipfel in Hamburg, durch die es auch an und in vielen Läden, Restaurants, Cafés Schäden gab, organisierte die Handelskammer ein Treffen direkt neben der Roten Flora. „Bild“ war da, Mitarbeiter anderer Redaktionen kamen ebenfalls. Aber so genau wie „Bild“-Autor Jörg Köhnemann hat sonst niemand hingehört und -geschaut:

Die Rote Flora als Rückzugsort für Chaoten und Brutstätte linker Gewalt — nach den verheerenden G20-Krawallen haben die Geschäftsleute aus dem Schanzen- und Karoviertel genug.

Mehr als 50 Unternehmer kamen zum Gipfel-Forum der Handelskammer. Unterstützt von Präses Tobias Bergmann (46) machten sie im Haus 73 neben dem autonomen Zentrum ihrer Empörung Luft.

Der Aufstand der Flora-Nachbarn!

► Gegen die G20-Gewalttäter, die von der Roten Flora eingeladen, koordiniert und toleriert wurden.

► Gegen den Vandalismus, der besonders verängstigte Anwohner und Ladenbetreiber im Schulterblatt traf.

Zwei Belege hat Köhnemann für die „Empörung“ über die Rote Flora und den Vandalismus:

Katharina Roedelius (36), Möbelladen „Lokaldesign“ am Schulterblatt: „Schon im Vorfeld von G20 blieben Kunden weg. Und seit einer Woche habe ich gar keinen Umsatz mehr, musste meine acht Mitarbeiter in bezahlten Urlaub schicken. Der Gipfel bedroht meine Existenz!“

Und:

Hotel-Direktorin Julia Knieschewski (27), Hotel „St. Annen“: „Der Sachschaden liegt im fünfstelligen Bereich. Aber schlimmer ist der Imageverlust.“

Joar, klingt nun nicht zwingend nur nach großer Wut auf „die G20-Gewalttäter“, sondern eher auf den G20-Gipfel im Allgemeinen und auch auf die Krawalle, aus denen die Schäden resultierten. Und auf die Rote Flora?

Schauen wir doch mal, was die anderen Redaktionen, die die Handelskammer-Veranstaltung besuchten, so zu diesem „Aufstand der Flora-Nachbarn“ schreiben:

Abendblatt.de: nichts.

Welt.de: nichts.

shz.de: nichts.

mopo.de: nichts.

Und bei mopo.de steht nicht nur nichts dazu. Dort, wo ebenfalls Katharina Roedelius von „LokalDesign“ und Julia Knieschewski vom Hotel „St. Annen“ zitiert werden, steht auch:

Dass es in Schanze, Karoviertel und St. Pauli Nord „wild, alternativ und anders als in Steilshoop“ sei, so Falk Hocquél von der Schmidt & Schmidtchen GmbH, das soll unbedingt so bleiben. Aber Julia Knieschewski wünscht sich genauso, „dass hier der Polizist den Kindern erklärt, wie sie über den Zebrastreifen gehen“. Und so ein positives Bild könne man nur gemeinsam vermitteln, so die Einzelhändler.

Auch mit der Flora? Ja, die gehört unbedingt zum Viertel dazu, da sind sich die Gewerbetreibenden einig. Allerdings müsse sie sich dann auch klar zu den Ereignissen positionieren und weiterhin auf Anwohner und Einzelhändler zugehen.

Diese durchaus positive Einstellung gegenüber der Roten Flora deckt sich mit einem lesenswerten, bis heute mehr als 15.500 Mal geteilten Facebook-Post der am Schulterblatt ansässigen „Cantina Popular“. Dort steht unter anderem:

Wir leben seit vielen Jahren in friedlicher, oft auch freundschaftlich-solidarischer Nachbarschaft mit allen Formen des Protestes, die hier im Viertel beheimatet sind, wozu für uns selbstverständlich und nicht-verhandelbar auch die Rote Flora gehört.

Unterschrieben haben den Beitrag „einige Geschäftstreibende aus dem Schanzenviertel“:

BISTRO CARMAGNOLE
CANTINA POPULAR
DIE DRUCKEREI – SPIELZEUGLADEN SCHANZENVIERTEL
ZARDOZ SCHALLPLATTEN
EIS SCHMIDT
JIM BURRITO’S
TIP TOP KIOSK
JEWELBERRY
SPIELPLATZ BASCHU e.V.
MONO CONCEPT STORE
BLUME 1000 & EINE ART
JUNGBLUTH PIERCING & TATTOO
SCHMITT FOXY FOOD
BUCHHANDLUNG IM SCHANZENVIERTEL
WEIN & BOULES

Den „Aufstand der Nachbarn gegen (die) Rote Flora“ hat die „Bild“-Zeitung ganz exklusiv. Sie bleibt damit das alte ekelige Revolverblatt.

Mit Dank an Martin T. für den Hinweis!

„Schicken Sie uns Ihre Urlaubsfotos aus der Flammenhölle“

In Kroatien, in Montenegro, in Griechenland, in Italien, in Frankreich und in Portugal gibt es derzeit heftige Waldbrände. Die Feuer bedrohen viele Menschen, ihre Häuser und Existenzgrundlagen. In der Nähe von Neapel soll ein Mann in den Flammen ums Leben gekommen sein.

Auch die „Bild“-Medien berichten über die Brände. Doch ihre Mitarbeiter interessieren sich nur am Rande für die Einwohner der betroffenen Länder. Es geht ihnen nicht um die tragische Situation der Menschen vor Ort, um deren Probleme und Überlebenskampf. Auf der Bild.de-Startseite geht es um „uns“, die deutschen Urlauber:

Ausriss Bild.de - Waldbrände in Italien, Kroatien Frankreich - Hilfe, unser Urlaub brennt - Sind Sie auch betroffen? Schicken Sie uns Ihre Urlaubsfotos aus der Flammenhölle

Der dazugehörige Artikel beginnt so:

Wald- und Buschfeuer schrecken Touristen in vielen Urlaubsregionen Europas auf. In mehreren Ländern gibt es Wald- und Buschbrände, in Italien starb ein Mann auf der Flucht vor den Flammen, Badegäste flohen vor den Rauchwolken.

HILFE, UNSER URLAUB BRENNT!

Als es im vergangenen Jahr im August ebenfalls im Süden Europas heftig brannte, schlagzeilte Bild.de bereits mit viel Selbstmitleid und wenig Mitgefühl:

Ausriss Bild.de von 2016 - Hier fackelt unser Urlaub ab - Waldbrände lodern auf Madeira, den Kanaren, in Frankreich, Spanien, Portugal

Neu ist in diesem Jahr, dass die „Bild“-Redaktion ihre Leser — statt ihnen zu raten, möglichst schnell das Weite und einen sicheren Ort zu suchen — munter auffordert, „Urlaubsfotos aus der Flammenhölle“ aufzunehmen und ihr zu schicken:

WERDEN SIE ZUM LESER-REPORTER!

Sind auch Sie im Urlaub und von der Flammenhölle betroffen? Schicken Sie uns Ihre Fotos! Die 1414-Redaktion will IHR exklusives Foto und zahlt bis zu 250 Euro.

Laden Sie Ihre Fotos und Videos HIER hoch oder mailen Sie diese an 1414@bild.de.

… vorausgesetzt, Sie überleben Ihren Einsatz als „LESER-REPORTER“.

Das Traurige an der ganzen Sache: Die Leute machen auch noch mit. „Bild“ und Bild.de präsentieren heute die ersten Einsendungen ihrer tapferen Feuerfotografen:

Ausriss Bild - BILD-Leser schicke ihre Waldbrand-Fotos - Urlaubs-Grüße aus der Flammen-Hölle
Ausriss Bild.de - Wald- und Busch-Brände in vielen Ferien-Regionen - BILD-Leser schicke ihre Feuer-Fotos - Urlaubs-Grüße aus der Flammen-Hölle

Mit Dank an Sebastian, @piepenbrook und @Kathy_Kolumna für die Hinweise!

„Endlich! Die BILD als Wahlkampfblatt für die AfD!“

Gestern hat der Bundestagswahlkampf richtig begonnen. Denn seit gestern steht auch das Wahlprogramm der „Bild“-Zeitung. Ja, doch, richtig gelesen: Die „Bild“-Zeitung hat jetzt auch ein Wahlprogramm:

Ausriss Bild - Das große BILD-Wahlrpgramm - Was sich endlich ändern muss - Rente! Steuern! Sicherheit!

Die Redaktion schreibt zu ihrer Aktion:

In zehn Wochen hat Deutschland die Wahl. CDU-Merkel oder SPD-Schulz? Kommen AfD und FDP in den Bundestag? Was wird aus Grünen und Linkspartei? Die Parteien bitten die Bürger um Vertrauen. Werben für ihre politischen Pläne. Aber die Programme bleiben seltsam blass. Darum erscheint heute das BILD-Wahlprogramm: mit Punkten, die besonders wichtig für Deutschland sind — und mit vielem, das die Parteien sich nicht trauen zu fordern oder erst gar nicht ansprechen. BILD ist keine Partei — aber das BILD-Wahlprogramm soll zeigen, worum es gehen muss bei der Bundestagswahl am 24. September.

Fast auf einer kompletten Doppelseite präsentiert „Bild“ die Punkte, „die besonders wichtig für Deutschland“ sein sollen:

Ausriss Bild - Übersicht zur Doppelseite mit verschiedenen Wahlprogrammpunkten

Die einzelnen Themenschwerpunkt sind immer gleich aufgebaut: Das empörte „ES KANN DOCH NICHT SEIN …“ leitet alles ein. Dann folgt eine These, die „Bild“ als Tatsache verkauft. Und ein Satz, der mit „Darum“ anfängt, erklärt, wie alles besser werden kann.

So sieht das dann zum Beispiel aus:

Ausriss Bild - Sicherheit - ... dass Täter in Deutschland ungeschoren bleiben. Darum gilt: Existiert von einer Straftat Videomaterial aus Überwachungskameras, wird es sofort zu Fahndungszwecken veröffentlicht. Gefasste Schläger und Diebe kommen binnen sieben Tagen vor Gericht. Die dazu nötigen Richter und Ermittler werden eingestellt.

Schaut man sich die 25 Wahlprogrammpunkte an, stellen sich einem gleich mehrere Fragen. Etwa: Warum fordert „Bild“ etwas, das längst beschlossen ist?

Ausriss Bild - Wirtschaft und Verbraucher - ... dass Internet-Riesen wie Facebook und Google uns nicht sagen müssen, was sie über uns wissen. Darum wird den Bürger ein umfassender Anspruch auf Auskunft eingeräumt.

In Paragraph 34 des Bundesdatenschutzgesetzes ist die „Auskunft an den Betroffenen“ geregelt. Außerdem gilt ab dem 25. Mai 2018 die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union, in der die Auskunftsrechte auch noch einmal geregelt werden.

Man fragt sich auch — vorausgesetzt, es handelt sich um ein ansatzweise ernst gemeintes Gesamtpaket von „Bild“: Hat irgendjemand an eine mögliche Finanzierung gedacht? Oder sind das alles nur platte populistische Parolen? Die „Bild“-Redaktion ist sonst immer vorne mit dabei, wenn Politiker und Parteien für realitätsferne Wahlversprechen kritisiert werden. Erst heute bezeichnete sie Martin Schulz‘ „Chancen-Konto“ als „heiße Luft“, auch weil es „schlicht unbezahlbar“ sein könnte. Wenn sie aber selbst mal ein Wahlprogramm aufstellt, scheint alles auf einmal möglich: „Bild“ fordert eine staatliche Entschädigung für jeden, bei dem mehr als einmal eingebrochen wurde. „Bild“ fordert kostenlose Klassenfahrten für alle Schüler in Deutschland. „Bild“ fordert deutschlandweite Vollversorgung mit Breitband-Internet. „Bild“ fordert eine kostenlose Nachbesserung für jedes Euro-5-Diesel-Auto. „Bild“ fordert mehr Richter und Ermittler. „Bild“ fordert einen Rechtsanspruch auf Ganztags-Betreuung für Grundschüler. „Bild“ fordert einen staatlich finanzierten Aufschlag auf die Rente, wenn Rentner sich freiwillig engagieren. „Bild“ fordert Erklär-Sprechstunden im Finanzamt. „Bild“ fordert mehr Material für die Bundeswehr. „Bild“ fordert mindestens 20.000 zusätzliche Polizisten. „Bild“ fordert aber auch Steuer-Rückerstattungen.

Vor allem aber fragt man sich: Haben an dem „Bild“-Wahlprogramm Vertreter der AfD mitgeschrieben? Nur ein paar Beispiele: Asylsuchende und Zuwanderer sollen sich „nach unseren Regeln richten“. Burka-Verbot für hier lebende Menschen. Ausreisepflicht für Touristinnen in Burka. Flüchtlingsströme aus Afrika stoppen. „GEZ-Gebühren“ kürzen. Ein dreimonatiger „Dienst am Gemeinwesen“, um „dem eigenen Land zu dienen“.

Und die AfD? Die jubelt angesichts dieser gestern millionenfach gedruckten Steilvorlage durch „Bild“. Die Bundespartei twittert:

Tweet der AfD Bund - Hallo Bild, nahezu alles hier findet sich im AfD-Wahlprogramm

Auch der Berliner Landesverband findet die „Bild“-Aktion ganz toll:

Tweet der AfD Berlin - So schnell kann es gehen: Das Bild-Wahlprogramm liest wie das der AfD. Gut gemacht

Und Uwe Junge, Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz, scheint ganz erleichtert zu sein, nachdem er schon so lange auf die Schützenhilfe durch „Bild“ gewartet hat:

Tweet von Uwe Junge - Endlich! Die BILD als Wahlkampfblatt für die AfD! Unser Programm in BILD veröffentlicht!

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