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Journalistische-Todsünden-Experten unter sich

Man kann die Empörung von Bild.de förmlich mit Händen greifen:

Neues Tuschel-Thema: der CSU-Chef und seine Ex-Geliebte - Taz bringt Seehofer mit neuen Gerüchten in Verruf

„Seehofers Geliebte erneut schwanger?“ fragt die Taz in ihrer heutigen Ausgabe. Und: „Das ungeklärte Privatleben des CSU-Chefs verärgert viele Parteifreunde“.

Einen Beleg für Seehofers angebliches Doppelleben bleibt die links-alternative Tageszeitung allerdings schuldig.

Eigentlich eine journalistische Todsünde – dreht die Taz jetzt total durch?

Ja, verdammte Axt, die „taz“ muss tatsächlich des Wahnsinns sein, wenn sie solche Sachen schreibt:

Bald hörte man in Berlin von CSU-Leuten: „Die sind noch zusammen.“ In den letzten Wochen kam noch ein Detail dazu: „Die beiden bekommen ein zweites Kind.“ […]

Am Tag, als das Gerücht den Weg in manche Blätter fand, feiern die Katholiken in Bayern das Fest Fronleichnam mit Prozessionen.

Fronleichnam war gestern. Und wer würde da schon Gerüchte über ein „angebliches Doppelleben“ verbreiten?

"Bunte" spekuliert über Liebes-Comeback mit Ex-Geliebter

Also: Wer, außer „Bild“ unter Berufung auf die „Bunte“? Denn die Klatsch-Illustrierte ist offensichtlich auch total durchgedreht, als sie schrieb:

In Berlin und München überschlugen sich vergangene Woche die Gerüchte: Anette Fröhlich sei angeblich zum zweiten Mal schwanger vom CSU-Vorsitzenden, hieß es. Sogar anonyme Briefe mit dieser Behauptung wurden an mehrere Redaktionen verschickt.

Einar Koch hat sich gestern wirklich bemüht, in keinem Moment den Eindruck zu erwecken, er mache sich die vielen angeblichen Details aus dem Privatleben Horst Seehofers zu eigen, die er für „Bild“ aus der „Bunten“ abschrieb. Er führte sogar aus:

Nach BILD-Informationen lässt die Rechtsanwältin wegen der Veröffentlichung der Kinderfotos rechtliche Schritte gegen die Münchner Illustrierte prüfen.

Die Juristen in der Münchner Staatskanzlei hatten zeitweilig erwogen, die Auslieferung der Illustrierten wegen der Kinderfotos in letzter Minute gerichtlich stoppen zu lassen.

Der selbe Einar Koch hat übrigens für die heutige „Bild“ ein Interview mit Horst Seehofer geführt:

BILD: Herr Seehofer, die „Bunte“ spekuliert über ein angebliches Liebes-Comeback mit Anette Fröhlich, der Mutter Ihrer unehelichen Tochter Anna-Felicia. Was sagen Sie zu den Spekulationen?

Horst Seehofer: Dazu äußere ich mich generell nicht mehr.

BILD: Dann zur Politik: Mit dem CSU-Erfolg bei der Europawahl haben Sie Ihre Feuertaufe als Parteichef bestanden. Was ist das nächste Etappenziel?

Und das war’s dann mit dem knallharten Kreuzverhör unter der Überschrift:

Herr Seehofer, was sagen Sie zu den Gerüchten um ihre Ex-Geliebte?

„Bild“ und Bild.de können sich jetzt entspannt zurücklehnen und ganz geschickt über Bande spielen: Während man die Schwangerschafts-Gerüchte heute bequem der „taz“ in die Schuhe schieben kann (obwohl sie als erstes von der „Bunten“ veröffentlicht wurden), plapperte man gestern fröhlich nach, was andere woanders erzählt hatten:

RTL fragte in seiner Morgensendung bei Tanja May, „BUNTE“-Chefreporterin und Autorin des Berichts, nach: Sie lässt keine Zweifel aufkommen. Auf dem einen Foto sei die kleine Anna-Felicia zu sehen, „die Kleine schlendert da raus, die Händchen in den Hoschentaschen, als wenn sie da jeden Tag rausmarschiert.“ […]

Laut „Bunte“ sollen beide in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai in Seehofers Ein-Zimmer-Wohnung den 35. Geburtstag von Anette Fröhlich am 1. Mai „gefeiert“ haben. Die Fotos sollen also das immer noch sehr enge Verhältnis der beiden belegen!

Für Tanja May sind die Fotos der letzte Beweis, „okay, die beiden sind nach wie vor ein Paar“.

PS: Als „Bild“ vor zweieinhalb Jahren exklusiv über die Schwangerschaft von Seehofers Geliebter berichtete (s.a. BILDblog vom 16. und 17. Januar 2007), hatte die Zeitung einen ähnlich schwachen „Beleg für Seehofers angebliches Doppelleben“, wie sie ihn jetzt der „taz“ vorwirft:

Wie BILD zuverlässig erfuhr, wird Seehofer noch einmal Vater. Seine junge heimliche Geliebte erwartet in Berlin ein Kind von ihm.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

Schwein gehabt

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat mit einem Mann gesprochen, der sich in den USA mit der Schweinegrippe infiziert hatte:

Hatten Leute Angst vor Ihnen?
Ich glaube nicht. Aber viele Menschen werden sehr neugierig. Das hat mich geärgert, vor allem auch, weil eine Menge Berichte Unwahrheiten enthielten. Die Bild-Zeitung schrieb zum Beispiel online in Bezug auf mich: „Er darf das Krankenhaus verlassen.“

Wo ist das Problem dabei?
Ich war nie im Krankenhaus.

Atlantische Fußballfeldausläufer

Variables Standardmaß

„Die Alpe di Siusi ist nun mal ein so schönes Stück alpiner Kulturlandschaft, ein so bedacht erschlossenes Naturgebiet auf 8000 Fußballfeldern Größe, dass man ihr auch das touristischste Großereignis nachsieht.“
(„Berliner Zeitung“, 16.5.09)

Die unter dem Namen „Raststätte Elbmarsch“ geplanten Mega-Parkplätze sollen je Fahrtrichtung 120.000 Quadratmeter umfassen (…). Der Flächenbedarf entspricht sowohl für die Raststätte Ost wie auch für die Westseite jeweils zwölf Fußballfeldern.
(„Welt“, 4.5.09)

Die Gartenschau findet auf insgesamt 300 000 Quadratmetern statt (30 ha). (…) Von der Gesamtfläche sind knapp die Hälfte Rasenflächen — in der Größe von zirka 20 Fußballfeldern.
(„Tagesspiegel“, 24.4.09)

Das KaDeWe in Zahlen & Fakten: Die 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche entsprechen neun Fußballfeldern.
(„B.Z.“, 20.4.09)

Auf 66 000 Quadratmetern, das entspricht der Größe von acht Fußballfeldern, so Tropical Islands, gibt es den größten Indoor-Regenwald der Welt und Europas größte tropische Sauna-Landschaft sowie 200 Meter Sandstrand.
(„Berliner Morgenpost“, 3.02.09)

Gestern wurde der neue Super-Hangar von „Air Berlin“ am Flughafen eingeweiht — und der sprengt alle bisher gekannten Dimensionen: 220 Meter lang, 90 Meter breit und 31 Meter hoch. Die Grundfläche entspricht der Größe von drei Fußballfeldern!
(„Express“, 29.4.09)

Heute stehen 1,5 Mio. Quadratmeter (qm) Bürofläche in Frankfurt leer, das entspricht in etwa der Fläche von 219 Fußballfeldern
(„Handelsblatt“, 30.1.09)

Jedes Storchenpaar benötige in der Nähe seines Horsts feuchtes Grünland in der Größe von 26 Fußballfeldern, um seine Brut satt zu bekommen.
(„Die Welt“, 6.3.09)

Er bewohnt Zimmer in der Größe halber Fußballfelder.
(„Berliner Zeitung“, 12.1.09)

Dann gebe es aber auf dem 16 000 Quadratmeter großen Tierheimgelände — 30 Fußballfelder würden hineinpassen — für weitere Bauten kaum noch Reserveflächen.
(„Berliner Morgenpost“, 4.01.09)

Wenige Monate später kam er nach Majdanek, ein KZ am Rande der Stadt Lublin auf einer Fläche so groß wie 380 Fußballfelder.
(„Der Spiegel“, 16.3.2009).

Die journalistische Standardmaßeinheit für alles, das größer ist als eine Handtasche und kleiner als Russland, ist das Fußballfeld. Das folgt der Logik, dass die meisten Menschen schon mal eines gesehen (oder sogar drauf gestanden) haben und sich deshalb ganz gut vorstellen können, wie groß so ein Platz ist, und beruht auf der etwas gewagten Annahme, dass wer sich eines vorstellen kann, sich auch viele vorstellen kann. Mathematisch heikel wird die Sache dadurch, dass die Größe eines Fußballfeldes gar nicht genau definiert ist — in der Regel aber sind es 68×105 Meter, also 7.140 m2, 0,714 Hektar oder 0,00714 km2.

Wirklich vorstellen können sich anscheinend aber auch Journalisten nicht mehr als höchstens zwei Handvoll Fußballfelder:

Doch zu Beginn der Suchaktion war das Absturzgebiet völlig unklar. So konzentrierten sich die Bergungsarbeiten auf ein gigantisches Gebiet: 6000 Quadratkilometer (etwa 750 Fußballfelder).

Beim Überschlagen hätte natürlich jemandem bei Bild.de auffallen können, dass die herbeizitierten Fußballfelder exakt 8 km2 groß wären. Oder, um es auf journalistisch zu sagen: etwa so groß wie 1120 Fußballfelder.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Erfreuliche Chaoten

Bevor unsere E-Mail-Postfächer überquellen: Ja, wir nehmen auch an, dass Bild.de das nicht so gemeint hat …

Im Halleschen Wabbel-Stadion kommt es immer wieder zu erfreulichen Szenen. Hier zündeln Chaoten beim Regionalliga-Spiel gegen Magdeburg

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 21:05 Uhr: Inzwischen spricht Bild.de von „unerfreulichen Szenen“.

Nicht angebrachte Spekulationen

Die BEA sprach von einer „Inkohärenz“. Trotzdem sei es nicht angebracht, voreilige Schlüsse zu ziehen oder über die Ursache der Katastrophe zu spekulieren.

So schreibt Bild.de heute.

Und wenn die französische Luftaufsichtsbehörde BEA so nett darum bittet, kommt Bild.de dieser Aufforderung natürlich gerne nach und überschreibt den Artikel, in dem der oben zitierte Satz steht, so:

Sicherheitsbehörde bestätigt Geschwindigkeitsprobleme: Todes-Airbus flog zu langsam durch die Gewitter-Hölle - Experten sehen Hinweis auf einen möglichen Pilotenfehler

Die BEA versteht unter „Geschwindigkeitsproblemen“ übrigens, dass die verschiedenen gemessenen Geschwindigkeiten nicht zusammengepasst hätten, und „Le Monde“ berichtet von einer „fehlerhaften“ Geschwindigkeit.

Diese Formulierung lässt eigentlich nur zwei Schlüsse zu:

Flug AF 447: Flog der Todes-Pilot zu langsam durch das Gewitter?

Oder:

Todesflug AF 447: Flog der Pilot im Gewitter zu schnell?

Dass sowohl Bild.de als auch Blick.ch jeweils Luftfahrtexperten zu Wort kommen lassen, die sowohl „zu langsam“ als auch „zu schnell“ (für Laien) schlüssig erklären können, zeigt wohl, wie voreilig und spekulativ jegliche Berichterstattung zum jetzigen Zeitpunkt noch ist.

Mit Dank an die Hinweisgeber und an Jenny für die Übersetzungshilfe.

Bild.de, RTL, stern.de  etc.

Die Opfer des Todesfluges

Der Online-Ableger der Illustrierten „Stern“ präsentiert die Opfer der im Atlantik abgestürzten Air-France-Maschine in einer großen Bildergalerie. Unter dem ersten Foto heißt es:

Doch das ist nicht das ganze Zitat von der DLRG-Seite. Das ganze Zitat geht so:

Aus irgendwelchen Gründen fand stern.de das mit der Bitte an die Medien um Zurückhaltung nicht so zitierwürdig. Womöglich hätte der Satz am Anfang dieser Bildergalerie auch nur ungewollt ironisch gewirkt.

Um einige der Opfer zeigen zu können, hat sich stern.de — wie andere Medien auch — offenkundig einfach auf den Internetseiten von Arbeitgebern oder Vereinen bedient. Man hört das ja auch immer wieder in den Medien, dass das Internet ein rechtsfreier Raum sei, in dem auch das Urheberrecht dauernd verletzt werde.

Das RTL-Elendsmagazin „Explosiv“ hat sich beim Ausschlachten der Tragödie gestern auch auf die Expertise einer Frau gestützt, die auf die nötigen Grenzüberschreitungen quasi spezialisiert ist: Inken Ramelow, deren Arbeit das NDR-Medienmagazin „Zapp“ vor kurzem einen eigenen Beitrag gewidmet hat.

Nach dem Amoklauf von Winnenden hatten wir uns bei „RTL aktuell“ erkundigt, wie der Sender unter Chefredakteur Peter Kloeppel grundsätzlich mit den Fotos von Betroffenen in Unglücks- oder Verbrechensfällen umgeht. Wir fragten zum Beispiel:

„Ist nach Ansicht des Senders eine Einwilligung des Urhebers nicht notwendig, wenn man sich die Fotos einfach im Internet besorgen kann? Muss jeder, der sein Bild bei StudiVZ oder anderen Angeboten einstellt, damit rechnen, es in einer RTL-Nachrichtensendung wiederzufinden? Oder bemüht sich RTL auch in solchen Fällen in der Regel um eine Einwilligung?“

Die Antwort des Senders lautete:

„Die Redaktion möchte keine Stellungnahme zu redaktionellen Abläufen abgeben.“

Das ist ziemlich genau dieselbe Antwort, die der „Stern“ auf ganz ähnliche Fragen des Magazins „Panorama“ gab:

„Zu Redaktions-Interna erteilen wir keine Auskunft.“

Von der „Bild“-Zeitung (die in einem Verlag erscheint, dessen Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner ironischerweise gerade für eine Verschärfung des Urheberrechtes im Internet kämpft) würden wir natürlich im Zweifel nicht einmal diese Antwort bekommen. Sie scheint sich gestern bei der Aufmachung des Themas in ihrem Online-Angebot vorgenommen zu haben, ein lehrbuchhaftes Beispiel dafür zu produzieren, was der Pressekodex meint, wenn er er von einer „unangemessen sensationellen Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid“ spricht:


(Unkenntlichmachung, natürlich, von uns.)

Mit Dank an Heiko J. und viele andere sowie Peer S. und DWDL.

Durchschnittlich begabt

Bild.de hat gemeinsam mit einer Kölner „Namensagentur“ 750 Vornamen auf ihre Karrierechancen überpüft. Von uns BILDbloggern kann nur Christian auf eine große Karriere hoffen — aber auch Kai Diekmann hat mit seinem Vornamen nur mittleres Glück.

Vermutlich eher unbeabsichtigt lernt der aufmerksame Leser aber auch noch etwas über die Begabung der Leute, die bei Bild.de die Texte eingeben:

Dennis: Ein durchschnittlich begabter Mensch könnte den Namen auch mit doppel-„n“ schreiben (-)

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 15:05 Uhr: Bild.de hat den Satz inzwischen geändert:

Ein durchschnittlich begabter Mensch könnte den Namen auch mit nur einem „n“ schreiben (-)

Yes we count

Dann legen wir heute eben einen spontanen „Englisch lernen mit BILDblog“-Tag ein …

US-Präsident landet am Donnerstag in Dresden: One, two, three ... Jetzt läuft der Obama-Countdown

Das Wort Countdown ist zusammengesetzt aus den zwei englischen Begriffen (to) count („zählen“) und down („herunter“). Bei einem Countdown wird also bei einer (hohen) Zahl begonnen und heruntergezählt.

Wir haben mal einen Experten gebeten, uns (und den Redakteuren von Bild.de) so einen Countdown vorzumachen:

Mit Dank an Marco B. und C. W.

Nachtrag, 18:05 Uhr: Bild.de hat sich der Expertenmeinung angeschlossen und schreibt nun „Three, two, one …“

D! da?

Detlef D! Soost: D! fand DIE

Wie konnte das passieren?

Ja, das fragen wir uns auch.

Fakt ist jedenfalls: Bild.de braucht uns nicht — zumindest nicht immer.

Im Fall des Artikels über Detlef D! Soost und seine neue Freundin wurde Bild.de jedenfalls frühzeitig von den eigenen Lesern darauf aufmerksam gemacht, dass die Grafik nicht Soosts Partnerin Kate Hall zeige, sondern die Schauspielerin Kate Beckinsale:

tiki_h schrieb: vor 3 Stunden Das auf dem Bild ist Kate Beckinsale!!!! Kajal schrieb: vor 4 Stunden halllloooooooo die frau da auf dem foto ist ganz bestimmt nicht kate hall !!! wie peinlich ist das denn??????????????????? das ist eine schauspielerin oh oh oh!!

Nur Folgen hatten die Kommentare der aufmerksamen Leser bisher keine. Das Foto zeigt immer noch Kate Beckinsale bei der Premiere des Films „Nothing But The Truth“:

Detlef D! Soost und Kate Hall (26). Sie war früher die Freundin von Sänger Ben

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 21:40 Uhr: Bild.de hat das Foto von Kate Beckinsale gegen eines von Kate Hall ausgetauscht und alle Leserkommentare gelöscht.

JFK, die Praktikantin und das verflixte 6. Jahr

Wir haben lange kein falsches Alter mehr korrigiert …

Also: Marion „Mimi“ Fahnestock, die Bild.de heute als „60-jährige Mitarbeiterin einer Kirche“ bezeichnet, ist in Wirklichkeit schon 66 Jahre alt.

Das hätte man auch ganz leicht selbst überschlagen können, denn Bild.de berichtet über sie, weil sie als 19-jährige Praktikantin im Weißen Haus eine Affäre mit John F. Kennedy hatte, die „im Juni 1962“ begonnen haben soll. Wenn Fahnestock also tatsächlich erst 60 wäre, wäre sie zum Zeitpunkt der Affäre maximal 14 Jahre alt gewesen, was wirklich mal eine Meldung wäre.

So ist die Meldung nicht ganz so sensationell und wie folgt überschrieben:

John F. Kennedy und seine Affären: Er hatte Sex mit einer 19-jährigen Praktikantin

41 Jahre lang hat Marion „Mimi“ Fahnestock ihre Liebesbeziehung im Weißen Haus für sich behalten. Weder ihre Ehemänner, noch ihre Töchter wussten bis jetzt, dass Mimi über ein Jahr die Geliebte des US-Präsidenten John F. Kennedy war!

Das mit den 41 Jahren stimmt, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass Ehemänner und Töchter „bis jetzt“ nicht wussten, dass Marion Fahnestock als 19-jährige Praktikantin im Weißen Haus eine Affäre mit John F. Kennedy hatte. Denn das Buch „John F. Kennedy, 1917-1963“
von Robert Dallek, in dem die Affäre erstmals erwähnt wurde, ist bereits im Jahr 2003 erschienen. Zufälligerweise zu einer Zeit, als Fahnestock tatsächlich 60 Jahre alt war.

Insofern ist natürlich das ganze Bild.de-Gerede von „jetzt“ und „nun“ ziemlicher Quatsch:

Nun bekennt sich die 60-jährige Mitarbeiterin einer Kirche öffentlich zu dem Sex-Geheimnis: „Ja, ich hatte eine sexuelle Beziehung mit dem Präsidenten. Ich bin froh, dass ich meinen erwachsenen Kindern endlich die ganze Wahrheit sagen kann.“

Denn bekannt hatte sich die Frau schon vor sechs Jahren, und damals sagte sie auch, was Bild.de als „nun“ zitiert.

Dass Bild.de über den Fall jetzt noch einmal berichtet, lässt sich leicht erklären: Die ehemalige Praktikantin und Geliebte hat vergangene Woche angekündigt, ein Buch über ihre Zeit im Weißen Haus zu schreiben.

Die Mimi-Ur-Enthüllung in „Bild“:

„Auch Kennedy liebte Praktikantin
Der Ur-Clinton …“
15. Mai 2003

„Kirchenfrau gesteht Affäre mit Kennedy“
16. Mai 2003

„Sie kam 17 Monate zu Kennedy ins Bett. Amerika staunt! Immer neue Details über den ersten Praktikanten-Sex im Weißen Haus“
17. Mai 2003

„Die Sex-Akte Kennedy …“
19. Mai 2003

„Mimi vergaß den Slip in Kennedys Bett“
24. Mai 2003

Warum Bild.de sich so sehr zwischen Gegenwart und Vergangenheit verheddert, lässt sich nicht ganz so leicht erklären. Vielleicht war der Redaktions-Praktikant einfach überfordert mit der Aufgabe, die Sache als sensationelle Neuigkeit darzustellen, nachdem er die fünf Artikel im Archiv entdeckt hatte, die „Bild“ dem Thema im Mai 2003 gewidmet hat (siehe Kasten rechts).

Mit Dank auch an Robert.

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