Bild.de  

Flugzeuge im Bauch

Womöglich ist wieder mal Christian Wulff schuld. Sein Rücktritt hat alle Kräfte bei Bild.de gebunden, deswegen werden die Überschriften jetzt von der Redaktionskatze …

Ach, Moment, wir sprechen hier von Bild.de, wo die Überschriften sowieso nur in Ausnahmefällen in einem engeren Zusammenhang mit den unter ihnen liegenden Meldungen stehen.

Dann passt das ja:

Kampfjets fangen Drogenflieger ab. München – Mit zwei Kilogramm Kokain im Magen ist ein Drogenschmuggler bei einer Kontrolle am Münchner Flughafen aufgeflogen. Der 45-Jährige, der auf der Durchreise von Brasilien nach Madrid war, fiel den Behörden zunächst wegen eines gefälschten Reisepasses auf, wie der Zoll mitteilte. Bei einer Röntgenuntersuchung kamen dann insgesamt 68 separate Behältnisse mit Kokain im Bauch zum Vorschein. Die als "liquid kokain" bekannte Substanz ist wegen ihrer flüssigen Form nur schwer auf Röntgenbildern zu erkennen. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft.

Die Originalüberschrift der dpa-Meldung lautet übrigens "Fluggast mit zwei Kilo Kokain im Magen geschnappt".

Mit Dank an Sebastian.

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Bild.de  

"Das hatte etwas von Hetzjagd"

Kurz vor dem Europa-League-Spiel gegen Viktoria Pilsen (ab 19:00 Uhr, bei Kabel1 und im BILD.de-Liveticker) tritt Schalke-Rüpel Jermaine Jones (30) noch mal gegen seinen alten Trainer nach.

Der amerikanische Nationalspieler in einem Interview mit der "Der Westen": "Magath ist die Gesundheit der Spieler egal!"

Rumms!

Was sich liest wie ein Comic, ist der Versuch von Bild.de, ein Interview zusammenzufassen. Oder genauer: Einen kleinen Teil eines längeren Interviews hervorzuheben.

Laut Jones nimmt Magath keine Rücksicht auf die Gesundheit seiner Spieler, nimmt dadurch längere Ausfälle in Kauf: "Wenn ich auf mein Gefühl gehört hätte, wäre ich nur drei Monate ausgefallen – so aber wurde es ein Jahr. Irgendwann machte es keinen Sinn mehr, mit ihm zusammenzuarbeiten, weil ihm meine Gesundheit oder die anderer Spieler egal war. Wenn du da bist, bist du da. Wenn nicht, wirst du ausgetauscht."

Bild.de kann das nicht unkommentiert stehen lassen — und kommentiert deshalb:

Ausgerechnet Jones, der für seinen fiesen Pokal-Tritt gegen Gladbach-Star Marco Reus (22) wegen "krass sportwidrigen Verhaltens" für acht Wochen gesperrt wurde, macht sich Sorgen um das Wohlbefinden anderer Spieler. Hoffentlich erinnert sich der Schalker mit dem "Bad-Boy-Image" an seine eigenen Worte, bevor er sich das nächste Mal zu einer Unsportlichkeit hinreißen lässt.

Leider unerwähnt lässt Bild.de hingegen, dass sich Jones in dem Interview auch recht ausführlich zu seinem Tritt geäußert hat:

[Marco Reus] hat mich gefragt, ob ich so was nötig habe, und ich habe ihm gesagt: "Ich weiß, das war doof von mir." Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich auf dem Platz hart spiele – aber normalerweise auch fair. Ich wusste sofort, dass ich eine Strafe kriege – und auch eine verdient habe. (…)

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es ungeschehen machen. Und ich muss auch sagen: Wenn mir das mit 20 passiert wäre – okay, Jugendsünde. Aber ich bin jetzt 30, da darf das nicht sein.

Und dann ereignete sich dort auch noch dieser Dialog:

Es gehört dazu, dass man nach so einem Foul öffentlich und auch hart kritisiert wird.

Jones: Klar, gar keine Frage. Aber es kann nicht sein, dass sich eine große Boulevard-Zeitung hinstellt und sagt: "Wir fordern die Höchststrafe". Das hatte etwas von Hetzjagd. Meine Kinder gehen in die Schule und werden dort gefragt: "Warum ist dein Vater ein Bad Boy?"

Sie ahnen nie, welche große Boulevard-Zeitung … Ach, na gut:

Wut auf Schalke-Profi Jones nach dem hinterhältigsten Foul des Jahres. Jetzt ermittelt der DFB. BILD fordert die Höchststrafe!
Mit Dank an Schalke04-Fan.

Bild.de  

Einar Koch will Claudia Roth an die Wäsche

Bei manchen Artikeln ist man sich ziemlich sicher, herauslesen zu können, wie sie entstanden sind.

AirBerlin-Flug 6187 von Tegel nach München: Im gelben Mantel rauschte die Ober-Grüne dieser Tage an der Warteschlange beim Security-Check vorbei – ohne Handgepäckkontrolle und Abtasten. Ein Passagier empörte sich: "Hat die hier etwa Sonderrechte? Die hat ja nicht einmal Franz Beckenbauer!"

Gut denkbar, dass Einar Koch ebenfalls in der Warteschlange stand. Nicht auszuschließen, dass er auch "ein Passagier" war, der sich über Claudia Roth empörte.

In jedem Fall hat er die Anekdote genutzt, um investigative Recherchen zu betreiben. So hat Koch herausgefunden, dass "einem geheimen Erlass" zufolge ("Anlage M zum Nationalen Luftsicherheitsplan") "Persönlichkeiten des politischen Lebens der Bundesrepublik Deutschland" von Luftsicherheitskontrollen befreit seien.

Und weiter:

Nach Informationen von BILD.de fallen unter diese Sonderregelung nicht nur der Bundespräsident, die Kanzlerin und Bundesminister. Auch die Parteivorsitzenden und Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien haben VIP-Status bei der Sicherheit. Ebenso der Bundestagspräsident und seine Stellvertreter sowie der Präsident des Bundesverfassungsgerichts und die Ministerpräsidenten.

Die Regelung gilt also für eine ganze Reihe von Spitzenpolitikern. Der kleine Mann von der Straße in der Warteschlange mag das empörenswert finden oder nicht, interessant und berichtenswert ist die Regelung allemal.

Kommt halt nur ein bisschen drauf an, wie man sie verpackt:

Flugkontrollen: Grünen-Chefin lässt  sich nicht abtasten! Beim Einchecken am Flughafen sind alle gleich – manche gleicher! Zum Beispiel die schrille Grünen-Chefin Claudia Roth (56). mehr...

Kleiner Trost für Frau Roth: Sie ist nicht die einzige "Bild"-Intimfeindin, die in diesem Artikel vorkommt.

Als Oskar Lafontaine noch Linke-Fraktionschef war und am Frankfurter Flughafen kontrolliert werden sollte, hatte der sich einmal sogar schriftlich beschwert.

Mit Dank auch an Robert W. und Andreas M.

Nachtrag, 16. Februar: Und so sieht das heute in der gedruckten "Bild" aus:

Warum dürfen Politiker ohne Kontrolle ins Flugzeug

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Dick oder doof?

Völlerei verdoppelt das Demenz-Risiko

Leider nicht überliefert ist, welche Fehlernährung die mathematischen Fähigkeiten beeinträchtigt:

Dass Übergewicht das Risiko von Diabetes und Herzkreislauf-Erkrankungen erhöht, weiß inzwischen jedes Kind. Durch übermäßiges Essen steigt aber zudem das Demenz-Risiko – um ganze 50 Prozent, so das Ergebnis einer aktuellen US-Studie.

Wie aus dem Artikel bei time.com hervorgeht, den Bild.de selbst verlinkt hat, verdoppelt sich offenbar tatsächlich das Risiko — es steigt also um 100 Prozent.

Mit Dank an Tom.

Nachtrag, 17.10 Uhr: Das Demenz-Risiko "steigt" jetzt nur noch um einen nicht näher genannten Wert.

2. Nachtrag, 15. Februar: Und so berichtet heute die österreichische Gratiszeitung "Heute" über die Studie:

Mit Dank an Harry V.

Bild.de  

Großdeutsches Schneereich

Herrlich, dieser Winter!

Winterspaß in Deutschland

Aber offenbar nicht herrlich genug: Bild.de musste seinen Artikel über den "Winterspaß in Deutschland" jedenfalls mit einem Foto des Skigebiets Hochsölden im österreichischen Ötztal bebildern.

Bildbeschreibung: Skigebiet Hochsölden, Sölden, Ötztal, Tirol, Österreich

Mit Dank an Christoph.

Nachtrag, 14. Februar: Bild.de hat das Foto durch eines ersetzt, von dem wir einfach mal annehmen, dass es in Deutschland entstanden ist.

Bild.de  

Ghost — Nachricht von Patrick Swayze

Heute gibt’s endlich mal gute Nachrichten:

Krebs-Therapie schlägt gut an: Patrick Swayze: Es geht mir besser! 10.02.2012 — 17:21 Uhr. Endlich mal gute Nachrichten von Patrick Swayze. Der 55-jährige "Dirty Dancing"-Star reagiert so gut auf seine Krebs-Therapie, dass er zurzeit ein ganz normales Leben führen kann. Dem US-Magazin "People" berichtete Patrick Swayze gerade von seinem Wochenende mit seiner Frau Lisa in Mexiko.

Die schlechte Nachricht: Patrick Swayze ist vor zweieinhalb Jahren verstorben.

Mit Dank an Steffi.

Nachtrag, 11. Februar. Mit einem Mal trägt der Artikel das Datum vom 28. Mai 2008.

Bild.de  

Chick It Like Beckham

Der Super Bowl wird für die Amerikaner zum "Fressfest". In den USA werden heute 120 Millionen Liter Bier getrunken, eine Milliarde Chicken Wings (Foto), 14,5 Tonnen Chips und 3,6 Millionen Kilogramm Popcorn verputzt.

Mit Dank an Jörn H.

Bild.de  

Muss 'ne Frau zum Arzt

"Nicht schlecht!", ruft der gut gelaunte Off-Sprecher bei Bild.de aus.

"Nicht schlecht!", staunen die Insassen dieses Autos an der Ostküste der USA. Ein PKW fährt in halsbrecherischem Tempo auf dem Mittelstreifen der Autobahn 81 — und das trotz hohen Schneeaufkommens.

Warum der oder die Fahrerin nicht einfach langsam auf die Fahrbahn wieder auffährt, ist unklar.

Auch wenn der Blinker bereits gesetzt ist: Geändert wird die Richtung nicht. Sehr zur Belustigung der anderen Verkehrsteilnehmer.

Warum der oder die Fahrerin nicht einfach langsam auf die Fahrbahn wieder auffährt, mag vielleicht für Bild.de "unklar" sein. ("Unklar" ist journalistendeutsch für: "um das womöglich herauszufinden, hätten wir länger als dreißig Sekunden recherchieren müssen".) Aber die Reporter vom lokalen TV-Sender abc27 haben es bereits vergangenen Dienstag erklärt, einen Tag nach Veröffentlichung des Videos auf YouTube:

Chief Mike Fife von der Feuerwehr in Paxtonia erzählte abc27, die 61-jährige Frau habe einen Diabetiker-Notfall erlitten.

"Ich würde es so ausdrücken: Das Licht ist an, aber es ist niemand zuhause. Das heißt, Deine Augen sind offen, Du bist hellwach, aber Du verstehst nicht, was um Dich rum los ist", sagte Fife. "Dem Video nach zu urteilen, muss genau das passiert sein."

Die Frau wurde ins Community General Hospital gebracht, wo sie Montagabend noch blieb.

(Übersetzung von uns.)

Ein medizinischer Notfall, gerade noch mal gut gegangen.

Oder, wie es Bild.de begeistert ausdrückt: "einfach irre!"

Mit Dank an Sebastian.

Nachtrag, 15.42 Uhr: Auch t-online.de zeigt das Video mit einem launigen "Unklar"-Kommentar:

Der Grund für den Offroad-Abstecher bleibt unklar. Vielleicht ist ihr ja einfach nur langweilig — und das Springen über die kleinen Hügel macht sicherlich eine Menge Spaß.

Mit Dank an Sascha K. und Wolfgang.

Bild.de  

Jauch Beine Po

Da Bundespräsident Christian Wulff in den letzten Monaten herbe Imageverluste erleiden musste, dürfte Günther Jauch endgültig der unangefochtene Lieblingsschwiegersohn der Deutschen sein.

Insofern passt es gut, dass Bild.de die besorgte Schwiegermutter gibt und heute entsetzt meldet:

Nach Planking-Aktion bei "Wer wird Millionär" Jauch beweist, ich wiege sogar weniger als 78 Kilo! Und das bei einer Größe von über 1,90 Meter!

Das ist ja (k)ein dickes Ding!

Am Montagabend trat Günther Jauch (55) bei "Wer wird Millionär" den ultimativen Gewichtstest an, nachdem ein Kandidat in der letzten Sendung Jauchs Aussage angezweifelt hatte er wiege 78 Kilo. Vor einem Millionenpublikum krabbelte Jauch auf die Waage und überraschte mit deutlich weniger Gewicht auf den Rippen!

(…) der Moderator (…) zog die schnieken Schuhe aus, stakste auf die mitgebrachte Waage und überraschte mit einem mageren Ergebnis. Nix da 78 Kilo – sein Gewicht pendelte sich nicht ein und schwankte um magere 75,8 Kilogramm – inklusive Anzug und Wäsche! Das entspricht bei einer Größe von über 1,90 nur einem Bodymaß-Index von über 20 – Medizinisch bedenklich!

"Medizinisch bedenklich" ist nicht Jauchs Gewicht, sondern allenfalls der geistige Zustand der Redaktion von Bild.de. Zwar liegt Jauch tatsächlich bei einem Body-Mass-Index um die 20, doch das ist absolutes Normalgewicht für einen Mann seiner Größe. Immerhin liegen "normalgewichtige" Menschen bei Werten zwischen 18,5 und 25. Jauch dürfte bei seinem Gewicht sogar um die zwei Meter groß sein, ohne auch nur als "leicht untergewichtig" zu gelten — oder er dürfte mit seinen über 1,90 Meter Körpergröße ohne weiteres fünf Kilogramm weniger wiegen.

Aber wie schrieb schon die Entertainmentlegende Bild.de?

The show must go on, auch wenn man sich mal irrt

Mit Dank an Dennis M. und Jens.

Nachtrag, 1. Februar: In der gedruckten "Bild" ist die weltbewegende Nachricht über Günther Jauchs Gewicht heute schon etwas vorsichtiger als Frage formuliert. Außerdem hat der Moderator ein zusätzliches Kilogramm spendiert bekommen:

76, 8 Kilo bei 193 cm: Ist Günther Jauch zu dünn?

Und anstatt einfach zu behaupten, Jauchs Gewicht sei "medizinisch bedenklich", hat "Bild" sogar einen richtigen Mediziner zu Wort kommen lassen:

Zu wenig für sein Alter? Sportarzt Dr. Roland Kretsch (Bochum): "Nein. Herr Jauch scheint mir gut trainiert. Wer viel schwimmt, Rad fährt und joggt, hält den Stoffwechsel unter Dampf. Körperlich ist er locker zehn Jahre jünger."

Auch der Artikel auf Bild.de wurde ohne jeden Hinweis angepasst, die Worte "medizinisch bedenklich" entfernt.

Bild.de  

Wenigstens die Haare schön

Aus der Sicht von Bild.de werden verurteilte Verbrecher ja häufig noch viel zu gut behandelt. Insofern sticht diese Geschichte von Freitag schon einmal hervor:

Weil er zwei Jahre im Knast verwahrloste 22 Mio. Dollar Entschädigung für US-Häftling
Justiz-Skandal in den USA: Ein Häftling wurde zwei Jahre in seiner Einzelzelle im Dona Ana County-Gefängnis vergessen. Jetzt wird der Knacki für die beiden verlorenen Jahre entlohnt: 22 Mio. Dollar (16,75 Mio. Euro) Schadensersatz.

Illustriert ist der Artikel mit einem Foto des völlig verwahrlosten Häftlings, der sich während der Haft sogar selbst schmerzende Zähne ziehen musste, weil ihm die Gefängnisleitung einen Arzt verweigerte.

Bild.de schließt den ausführlichen Bericht über das Martyrium des Mannes mit diesen denkwürdigen Worten:

Wobei die 22 Mio. Dollar auch ein nettes Trostpflaster sein dürften. Die Friseurbesuche wird er bis ans Lebensende davon locker bezahlen können.

Dieser Schlusssatz ist noch zynischer, als er auf den ersten Blick sowieso schon aussieht. Wie aus dem Originalvideo des US-Fernsehsenders KOB hervorgeht, den Bild.de auch verlinkt hat, wird der Mann wohl nie etwas von dem Geld sehen. Er kämpft nämlich gerade gegen Lungenkrebs.

Mit Dank an Mirko und Stefan G.

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