Archiv für 6 vor 9

iPhone 6, Report Mainz, Profimeinungskommentare

1. „SPIEGEL Online und der Phantom-Konvoi – Hysterie, Lügen und Heuchelei“
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Die „Spiegel-Online“-Schlagzeile „Ukrainische Truppen greifen russischen Konvoi an“ in der Analyse: „Man spekuliert munter drauf los, überprüft Nachrichten nicht auf deren Wahrheitsgehalt, verbreitet mutwillig Hysterie und schürt damit das Feuer, aus dem ein Krieg zwischen West und Ost entfachen könnte.“

2. „Angebliche Gerichtsaffäre wird zur Petitesse“
(mainpost.de, Manfred Schweidler)
Ein Blick zurück auf die Auswirkungen des Berichts „Verdacht auf Parteilichkeit und Vetternwirtschaft bei Bußgeldvergabe“ des ARD-Politmagazins „Report Mainz“: „Eine Reihe von Opfern blieb zurück – und nicht zuletzt ein Stück journalistischer Glaubwürdigkeit. Nur wenige Schlagzeilen-Formulierer kamen später zu der Einsicht: Der Richter hatte vielleicht ein wenig unbekümmert Bußgelder vergeben, was zu einem falschen Eindruck führen konnte. Aber von Mauschelei konnte nie die Rede sein.“

3. „BILD Plus und das Geschaeft mit ‘exklusiven Fotos’ eines Fakes des iPhone 6″
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Fotos hinter der „Bild-Plus“-Paywall, die angeblich ein Apple iPhone 6 zeigen: „Es handelt sich bei all diesen vermeintlichen Fotos des echten iPhone 6 um immer wieder die gleichen Modelle eines Fakes auf Android Basis, den man bereits seit Wochen auf Aliexpress.com bestellen kann.“

4. „Bomben auf Gaza: Ohne deutsche Medien – Jung & Naiv in Israel: Folge 192″
(youtube.com, Video, 40:17 Minuten)
Im Interview mit Tilo Jung fragt sich der freie Journalist Martin Lejeune, der die Bombardierungen des Gazastreifens durch die israelische Armee bei einer Familie dort erlebt hatte, warum öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland kaum mit ihm zusammenarbeiten wollen. Zur Sprache kommt auch die Frage nach seiner Unabhängigkeit.

5. „Krude, kruder, am krudesten“
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel gibt Tipps, wie man einen „Profimeinungskommentar“ verfasst.

6. „Was für ein Pech mit dem Wetter! Ein PR-Trip des FC Bayern München im Live-Ticker“
(funkkorrespondenz.kim-info.de)

Rügen, Thomas Helmer, Ignoranzallianz

1. „Jede vierte Rüge des Presserats betraf ‘Bild’“
(ndr.de, Fiete Stegers)
Fiete Stegers wertet Rügen des Deutschen Presserats aus: „Mit 157 Rügen seit 1986 liegen Deutschlands auflagenstärkste Zeitung und ihre Ableger unübersehbar vorn. (…) Im Auswertungszeitraum gab es nur 1989 und 1990 keine Rüge für einen ‘Bild’-Titel. In fast jedem anderen Jahr war ‘Bild’ dagegen negativer Spitzenreiter und kassierte manchmal mehr als 40 Prozent der insgesamt ausgesprochenen Rügen.“

2. „‘Jetzt kann ich die blöden Fragen selbst stellen, statt sie beantworten zu müssen’“
(abzv.de, Mario Müller-Dofel)
Thomas Helmer berichtet von seinen Erfahrungen mit „Bild“ und „Spiegel“: „Der Spiegel-Beitrag war leider die größte Fehleinschätzung, die ich je über mich lesen musste. Da wurden zum Beispiel Aussagen von mir verdreht und in falschen Kontexten zitiert, sodass sie nachteilhaft für mich waren. Und es wurden stilistische Mittel benutzt, um Thesen zu belegen, die nur der subjektiven Sicht des Journalisten entsprachen, ohne meine Sicht der Dinge ausgewogen einzubeziehen.“

3. „Stellungnahme der Redaktion“
(daserste.de)
Eine Stellungnahme zur vielfältigen Kritik („mehrere Tausend Briefe, Mails und Anrufe“) an der Sendung „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“ (daserste.de, Video, 43:20 Minuten).

4. „Die Presse echauffiert sich“
(opalkatze.wordpress.com, Vera Bunse)
Vera Bunse nennt die Reaktion auf die Vorwürfe an die deutsche Presse, sie sei „gleichgeschaltet“, „eine wahre Ignoranzallianz“: „Hinter scheinbar unsachlichem Meckern vermuten die Beleidigten nicht einmal begründete Kritik. Den ernsten Hintergrund nehmen sie nicht wahr.“

5. „Verletzte Gefühle“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de, Thomas Steinschneider)
Wie steht es um den Vorwurf, „deutsche Journalisten beteiligten sich an einem Propagandafeldzug“? Thomas Steinschneider prüft „drei kleine Einzelfälle“: „Menschen, bei denen davon auszugehen ist, daß sie bei einem tragischen Versehen ums Leben gekommen sind, wurden laut Spiegel also ‘ermordet’. Menschen, bei denen davon auszugehen ist, daß sie ermordet wurden, sind laut Tagesschau ‘ums Leben gekommen’. Und eine ‘unstreitig demokratisch legitimierte’ Regierung ist in der Tagesschau auch mal ein ‘Regime’.“

6. „Wer beim Tagesspiegel die Befehle erteilt“
(tagesspiegel.de, Johannes Schneider)
Johannes Schneider skizziert „einen hyperrealistischen Tagesablauf“ der „Tagesspiegel“-Redaktion, „für alle Verschwörungsfans“.

Kriegsbilder, Stringer, Martin Lejeune

1. „Manipulierte Kriegsfotos: Bilder, die lügen“
(spiegel.de, Leon Scherfig und Philipp Löwe)
Gefälschte Kriegsbilder im Netz: „Drastische Bilder machen bei Twitter und Facebook die Runde. Aber dieser Krieg im Netz wird von beiden Seiten mit oft unsauberen Mitteln geführt – es wird gefälscht und gemogelt.“

2. „Können wir diese Bilder sehen – und nichts tun?“
(handelsblatt.com, Maike Freund)
Und echte Kriegsbilder im Netz: „Die Bilder sind echt, denn echte Menschen werden hingerichtet. Und sie sind trotzdem Propaganda, weil sie ein Ziel verfolgen, das des IS. Wie viel politische Macht in Bildern stecken kann, ist spätestens seit dem 11. September 2001 klar, der die Welt veränderte. Experte El Difraoui ist sich sicher, dass auch die Terrorbilder des Islamischen Staats diese politische Macht haben.“

3. „Gefährlicher Einsatz im Kriegsgebiet“
(ostpol.de, André Eichhofer)
Ein Bericht über Stringer in der Ostukraine, die Gefahr laufen, entführt zu werden. „Zeitungen und Agenturen zahlen rund 100 US-Dollar pro Tag, TV-Sender etwas mehr.“

4. „Was ist los in Gaza? – Jung & Naiv in Israel: Folge 187″
(youtube.com, Video, 68:15 Minuten)
Tilo Jung spricht mit Journalist Martin Lejeune, der während der Bombardierung des Gazastreifens durch die israelische Armee mehrere Wochen bei einer lokalen Familie verbracht hat.

5. „Sind wir Kriegstreiber?“
(cicero.de, Petra Sorge)
In einem Stück zur Glaubwürdigkeit der deutschen Presse berichtet Petra Sorge auch von einer Debatte über die Unabhängigkeit von Martin Lejeune: „Dass sich die Debatte um journalistische Unabhängigkeit an einem freien Journalisten Bahn bricht, der unter Einsatz seines Lebens von der Front berichtet, während auf der anderen Seite gut verdienende Festangestellte der Zeit gegen eine ZDF-Satire klagen, weil sie um ihren journalistischen Ruf fürchten, muss doch einige Medienkonsumenten zweifeln lassen.“

6. „Jeder Satz ein Seufzer“
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Die Zukunft der Zeitung: „Man kann ja versuchsweise mal die eigene Zeitung durchblättern und sich die Frage stellen, auf was man wirklich nicht verzichten möchte. Die Pressemitteilungen von Stadt und Polizei, die Nachrichten der Vereine, die Termine – um das zu veröffentlichen, braucht man keine Journalisten. Wirklich wichtig ist nur ein kleiner Teil. Und um den herzustellen, bräuchte man einen Computer und ein paar Leute. Tatsächlich aber sind riesengroße Organisationen damit beschäftigt, Nachrichten und PR-Text auf Papier zu drucken und in der Stadt zu verteilen.“ Siehe dazu auch „Wann wird die letzte Zeitung gedruckt?“ (watson.ch, Philipp Löpfe).

Quatsch-Umfragen, Drohnen, Propaganda

1. „Ranking-Schummelei in Dritten Programmen“
(ndr.de, Video, 6:20 Minuten)
Online-Umfragen zu Hitlisten-Sendungen wurden von Redaktionen im NDR, im WDR, im HR und im RBB nach Gutdünken verändert. Die NDR-Sendung „Zapp“ fasst die aktuelle Lage zusammen. Siehe dazu auch „Die Letzten werden die Ersten sein. Oder irgendwas dazwischen“ und „Ranking-Shows: Die traurigsten Klickzahlen des Nordens“ (stefan-niggemeier.de) sowie „Das Ranking der absurdesten Rankingshow-Manipulationen“ (meedia.de, Jens Schröder).

2. „Hauptsache billig: Wie egal ist euch euer Programm?“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei fragt zu den Ranking-Manipulationen: „Wie wurscht kann einem das eigene Programm sein, wenn trotzdem immer und immer wieder neue Quatsch-Umfragen zum Klicken freigegeben werden? Da passt es gut ins Bild, dass WDR und NDR selbst jetzt nicht an eine Einstellung ihrer Rankingshows denken, sondern allenfalls die Methode überarbeiten möchten.“

3. „Was darf ein Drohnenjournalist?“
(irights.info, Ramak Molavi)
„Die Nutzung von Drohnen ist bereits weitgehend reguliert“, schreibt Ramak Molavi zur journalistischen Nutzung von Drohnen in Deutschland: „Gewerbliche Nutzer – damit sind alle Nutzer gemeint, die keinen Aufstieg zu Sport- oder Freizeitzwecken planen – brauchen immer eine Aufstiegserlaubnis.“

4. „Medien: Plädoyer gegen die Propaganda-Universen“
(publixphere.de, Emil)
Emil wünscht sich von den Medien „nach allen Seiten schonungslose Recherche“, „die gute alte Richtigstellung“, eine „Trennung zwischen Nachrichten und Kommentaren“ sowie eine „Kenntlichmachung von möglichen Interessenkonflikten“.

5. „Die Offenbarungen des Krieges“
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Roberto De Lapuente stört sich an den unzureichenden Fakten, die der Journalismus zur Lage in Kriegsgebieten produziert: „Eine zufriedenstellende publizistische Lösung dieses Dilemmas wird es nicht geben. Im Krieg ist der Berichterstatter immer jemand, der etwas erzählen soll, wovon er nur randständig etwas wissen kann. So richtig im Geschehen ist er natürlich nicht. Niemand weiß in einem solchen Szenario ganz genau, was gerade vor sich geht.“

6. „Gaza inmitten von Parolen und Tränen“
(heute.de, Stephan Hallmann)
Stephan Hallmann denkt nach über Propaganda im Nahost-Konflikt: „Israelis wie Palästinenser haben keine andere Wahl, sie müssen lernen, über diesen jahrzehntelangen blutigen Schatten zu springen und sich gegenseitig zu akzeptieren: Die Existenz des Staates Israel ebenso wie das Existenzrecht des palästinensischen Volkes in einem eigenen, unabhängigen Staat.“

Diskussionskultur, Blick, Facebook

1. „Hart aber fair“
(sueddeutsche.de, Dirk von Gehlen)
„Es fehlt online wie offline an einer Diskussionskultur, die dem Wettstreit der Ideen gerecht wird, der Politik ausmachen soll“, schreibt Dirk von Gehlen. „Dieses Land muss streiten lernen! Es fehlen Vorbilder, die zeigen, dass man in der Sache hart, aber dennoch nie persönlich ringen kann. Stattdessen werden Kontrahenten in TV-Talkshows einzig nach dem Provokationsprinzip und nicht mit dem Ziel der Verständigung eingeladen. Und außerhalb des Fernsehens gilt: Je spitzer die These, umso größer der Platz auf dem Titel der Magazine.“

2. „Junge, weiße Männer und Silicon Valley“
(boess.welt.de, Gideon Böss)
Gideon Böss kritisiert den Artikel „Tal der weißen Männer“ (sueddeutsche.de, Johannes Kuhn): „Interessant wäre es gewesen, hätte der Artikel nachgewiesen, dass bei gleicher Begabung systematisch die weiblichen Bewerber abgelehnt werden und stattdessen ein ‘weißer, junger Mann’ das Rennen machte. Diesen Beweis blieb er schuldig.“

3. „Positionsbestimmung Nahost“
(matthias-schumacher.com)
„Ekelhaft, mit welchen Mitteln ein Meinungskrieg ausgetragen wird, wie rasch man mit Urteilen, Beschimpfungen, Verleumdungen bei der Hand ist, mit welcher Vehemenz man sich vor vernünftigen und vermittelnden Argumenten verschließt“, schreibt Matthias Schumacher zu den Diskussionen im Netz zum Nahostkonflikt: „Hobby-Israelis und Wahl-Palästinenser tragen erbitterte Stellvertreterkriege in Sozialen Netzwerken aus. In rund 3000 Kilometern sicherer Entfernung.“

4. „Der Flop, der keiner war“
(tagesanzeiger.ch, phz)
Die Boulevardzeitung „Blick“ fährt eine Kampagne gegen die Sendung „Anno 1914: Leben wie vor 100 Jahren“ des Schweizer Fernsehens – dabei ist die Sendung beim Publikum ein Erfolg, ihr Marktanteil liegt bei durchschnittlich 49 Prozent. Siehe dazu auch „‘Wir haben fantastische Zahlen!’“ (persoenlich.com, Edith Hollenstein).

5. „I Liked Everything I Saw on Facebook for Two Days. Here’s What It Did to Me“
(wired.com, Mat Honan, englisch)
Während 48 Stunden klickt Mat Honan bei Facebook auf jedes „Gefällt mir“, das er sieht: „The next morning, my friend Helena sent me a message. ‘My fb feed is literally full of articles you like, it’s kind of funny,’ she says. ‘No friend stuff, just Honan likes.’ I replied with a thumbs up.“

6. „ABC News keeping it classy“
(thebestpageintheuniverse.net, Screenshot, englisch)

Schlagzeilen, Martin Lejeune, Burg Sooneck

1. „Dieser Text soll wütend machen“
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Lukas Heinser beschäftigt sich mit dem „Heftigstyle“: „Formulierungen wie ‘Dieser Elfmeterschütze möchte besonders angeben. Doch was dann folgt, ist einfach zum Lachen.’ machen mich so unfassbar aggressiv wie sonst nur tropfende Wasserhähne über Edelstahlspülen.“

2. „Wie du mit der ‘Cosmo-Headline-Technik’ großartige Überschriften schreibst“
(affenblog.de, Vladislav Melnik)
Wie Schlagzeilen aus Frauen- und Männerzeitschriften „für jedes Thema“ verwendet werden können.

3. „10 Gründe, warum sich der Onlinejournalismus in eine Sackgasse manövriert“
(dominikleitner.com)
Dominik Leitner beleuchtet den „Qualitätsjournalismus“ online – „man schreibe über Gerüchte, Soft-News und 10-Sekunden-Echtzeiteinträge nur, weil die Menschen das so wollen. Das kann man natürlich als Qualitätsjournalismus bezeichnen, aber auch wohl nur, weil Qualität ein furchtbar dehnbarer, relativer Begriff ist.“

4. „‘Es gibt keinen sicheren Ort’: Als Journalist in Gaza“
(vocer.org, Jan Ewringmann)
Ein Interview mit Journalist Martin Lejeune, der sich als einziger Korrespondent aus Deutschland während den jüngsten Bombardierungen im Gazastreifen aufgehalten hatte: „Ich wollte, dass auch jemand für deutsche Medien die Beeinträchtigungen der palästinensischen Bevölkerung beschreibt. Ich finde, dass die Beeinträchtigungen der israelischen Bevölkerung hinreichend beschrieben werden — und auch zu Recht beschrieben werden. Auch ich habe in den letzten Jahren schon mehrmals aus Israel berichtet und dort Interviews mit verschiedenen Strömungen geführt.“

5. „Sechs Monate für Geld hier leben: Mittelrhein sucht einen Burgenblogger“
(rhein-zeitung.de)
Gegen eine Aufwandsentschädigung von monatlich 2000 Euro brutto sucht die Burg Sooneck für ein halbes Jahr einen Blogger: „Der Burgenblogger wohnt in Räumen, die rund 800 Jahre Geschichte atmen, aber bei seinem Einzug in einem wohnlichen und modernen Zustand sein werden.“

6. „Es ist nie genug“
(reimon.net)

Quotenhits, Ukraine Today, Floskeln

1. „In eigener Sache“
(faz.net, Patrick Bernau, Rainer Hank und Winand von Petersdorff)
Ein Team der FAS setzt sich unbeschönigend mit der Zeitungskrise auseinander, die auch die „Frankfurter Allgemeine“ bedroht: „Wir Journalisten haben das Monopol als Experten für Nachrichten und Kommentare ein für alle Mal verloren. Für die Leser ist die neue, vielfältige Welt großartig. Die Journalisten allerdings sind entmachtet. Ihre Hoffnung bleibt, dass sie doch noch gebraucht werden.“

2. „Das Fernsehen nimmt uns nicht ernst, nur unser Geld“
(blogs.stern.de/programmstoerer, Peer Schader)
„Für ein paar halbwegs sichere Quotenhits“ haben NDR und ZDF die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt, stellt Peer Schader zum Skandal um manipulierte Rankingshows fest: „Und die Zuschauer werden sich fragen: Wenn ihr uns schon bei solchen Banalitäten hinters Licht führt – was passiert dann erst, wenn’s mal um was Wichtiges geht?“

3. „Ukraine Today: Schachzug im Propagandakrieg“
(ostpol.de, Simone Brunner)
Mit Geld von Multimilliardär Ihor Kolomojski startet am 24. August ein neuer TV-Sender mit Nachrichten rund um die Uhr: „Ukraine Today“. „Die Mission: Das Ausland über die Vorgänge in der Ukraine zu informieren – im Kampf gegen die russische Propaganda.“

4. „Floskelwolke“
(floskelwolke.de, Udo Stiehl und Sebastian Pertsch)
Die Floskelwolke zeigt zweimal täglich, welche Phrasen von den Medien gerade „besonders intensiv gedroschen werden“.

5. „Medienbranche: Verschlankt den Schwachsinn“
(spiegel.de, Sibylle Berg)
Sibylle Berg fragt, ob es bei den Medienkonsumenten nicht „ein Bedürfnis nach Ruhe geben könnte, nach Verschlankung des Schwachsinns“? „Die Entscheidungen, die in den Fernsehanstalten, in den Medienhäusern, in allen Bereichen, die sich seit 20 Jahren (!) einer großen Wandlung unterziehen, getroffen werden, zielen auf: mehr.“

6. „Welcome To The Modern Headline Builder“
(thedoghousediaries.com, englisch)

Flatrate, Paywall, Migrantenkinder

1. „Anmerkungen eines ehemaligen Zeitungslesers“
(wiesaussieht.de, TeraEuro)
TeraEuro möchte gerne unkompliziert für Journalismus bezahlen und skizziert die Idee einer Flatrate: „Die ersten 100 Artikel sind für jeden frei (finanziert von mir aus über eine Kulturflatrate, freie Mittel nach Abschaffung des BND, der Mineralölsteuer oder bei den öffentlich-rechtlichen Sendern abgezwackt, whatever), weitere Artikel kosten anschließend Geld.“

2. „Ein Duracell-Häschen namens Journalismus“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz hinterfragt die Atemlosigkeit im Journalismus: „Wenn wir wirklich wollen, dass Menschen Journalismus wertschätzen und in deshalb letztendlich auch finanzieren, dann sollten wir aufhören, ihn immer wahlloser zu betreiben. Manchmal erinnern mich Medien zunehmend mehr an einen vollgestopften Briefkasten, aus dem man genervt eine Menge Papier rausholt, um es dann ungelesen wegzuwerfen.“

3. „Sind Promis Opfer der Medien?“
(mainpost.de)
Medienethiker Alexander Filipovic stuft die Barmherzigkeit und Unbarmherzigkeit von Medien ein: „In der Berichterstattung über Tebartz-van Elst oder Wulff konnte man teilweise eine gewisse Unbarmherzigkeit beobachten. Die wurde dort deutlich, wo nicht zwischen Tat und Person unterschieden worden ist. Journalisten haben jedoch die Aufgabe zu differenzieren: Sie müssen Fehler klar benennen, dürfen aber nicht einen Menschen an den Pranger stellen.“

4. „Zigeunerschnitzel und Dönermorde?“
(zeitjung.de, Markus Ehrlich)
Daniel Bax von der „taz“ erklärt, warum „nur jeder 50. Journalist“ in Deutschland über einen Migrationshintergrund verfügt: „Natürlich sind die unsichtbaren Schwellen für Arbeiter und oder Migrantenkinder in diesem Bereich, wo es sehr stark auf kulturellen Habitus und kulturellen Background ankommt, sehr hoch. Medien sind Exzellenzbetriebe und Arbeitgeber stellen gerne Leute ein, die so ähnlich sind wie sie selbst.“

5. „Zu Hause im Kalten Krieg“
(fr-online.de, Stephan Hebel)
Stephan Hebel antwortet auf den Text „Linke Heuchler“ (faz.net, Reinhard Mohr): „Leise stellt sich uns die Frage: Wenn wir schon gewonnen haben, wir linken Mainstream-Spießer, warum lesen wir dann immer noch von Kriegseinsätzen und Klimawandel, von kläglich ertrinkenden Flüchtlingen an unseren europäischen Grenzen?“

6. „Walt Disney hat ja schon 1991 eine Paywall eingeführt“
(twitter.com/uniwave)

Nacktbilder, Krankenakte, Deutschlands Beste

1. „Ein Jahr Leistungsschutzrecht: Außer Spesen bislang nichts gewesen“
(wsj.de, Stephan Dörner)
Eine Bilanz ein Jahr nach Inkrafttreten des Leistungsschutzrechts für Presseverleger: „Für Anwalt Kreutzer haben sich jetzt schon ‘die schlimmsten Befürchtungen’ realisiert ‘oder werden sich absehbar realisieren.’ Springer beurteilt den Fortschritt nach einem Jahr Leistungsschutzrecht dagegen positiv und sieht sich ‘genau im Zeitplan.’ Den Rest werden wohl Gerichte entscheiden.“

2. „Was ist öffentlich? – #selfiegate“
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
Hinsichtlich der Medienberichte über Nacktbilder im Parlamentsgebäude (BILDblog berichtete) plädiert Philippe Wampfler für einen neuen Öffentlichkeitsbegriff: „Die Bundesangestellte wollte in ihrer Freizeit mit ihrem Körper und ihrer Sexualität ‘in public’ sein. Sie wollte, das ihre Bilder und ihre Videos gesehen werden, sie veröffentlichte sie für ein (großes) Publikum. Aber sie wollte keine öffentliche Figur sein und die Kontrolle darüber behalten, ob diese Bilder mit ihrem Arbeitsplatz in Verbindung gebracht werden.“ Siehe dazu auch „Auch Bundeshaus-Sekretärinnen haben ein Recht auf Pornos und Privatsphäre“ (watson.ch, Sven Zaugg).

3. „Tragische Entwicklung im Fall ‘Schumacher’“
(nzz.ch, Marcel Gyr)
Ein Kadermitglied der Schweizer Rettungsflugwacht wird am Mittwochmorgen im Polizeigefängnis Zürich tot aufgefunden: „Der Rega-Mitarbeiter wird von den Untersuchungsbehörden verdächtigt, die Krankenakte des Ende letzten Jahres beim Skifahren in Méribel schwerverletzten Michael Schumacher gestohlen und für 60 000 Franken verschiedenen ausländischen Medien zwecks Veröffentlichung angeboten zu haben.“

4. „‘Deutschlands Beste!’ – ein Abschlussbericht“
(ndr.de, Boris Rosenkranz)
Weshalb hat das ZDF die Umfrage zur Sendung „Deutschlands Beste!“ manipuliert? „Anfangs erklärte das ZDF, die Redaktion habe den Gästen der Shows ‘schmeicheln’ wollen. Im Abschlussbericht des ZDF-Programmdirektors steht nun, warum sie das angeblich wollte: ‘Durch eine möglichst gute Platzierung unter den Top 50 sollte die Wahrscheinlichkeit der Zusage der angefragten Gäste erhöht werden.’“

5. „Wo verkaufen sich Süddeutsche und FAZ am besten, wo am schlechtesten?“
(meedia.de, Jens Schröder)
Jens Schröder wertet die Verkaufszahlen der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ aus: „Die Süddeutsche Zeitung ist in München, Passau und zehn bayerischen Landkreisen erfolgreicher als die Bild, die FAZ einzig im Hochtaunuskreis.“

6. „‘Recht auf Vergessen’: Wikipedia zeigt gesperrte Links“
(heise.de, Torsten Kleinz)

Filterblasen, Allan Nairn, Tatort

1. „Statistik: Wo verkauft sich Bild am besten – wo am schlechtesten?“
(meedia.de, Jens Schröder)
Am besten verkauft sich „Bild“ nach einer „Meedia“-Auswertung in den Städten Halle, Frankfurt und Neumünster sowie in den Landkreisen Stormarn, Leipzig und Pinneberg. Am schlechtesten in den Städten Berlin, Bonn und Köln sowie in den Landkreisen Märkisch-Oderland, Tübingen und Oberhavel.

2. „‘Dieses Recht ist völlig verrückt’“
(nzz.ch, Stefan Betschon)
Bezüglich des durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) geschaffenen Rechts auf Vergessenwerden hat Google bisher „mehr als 91 000 Anträge auf die Entfernung von insgesamt 328 000 Verweisen auf Web-Seiten (URL) erhalten. Am meisten Anträge kamen aus Frankreich (17,500 Anträge mit 58,000 URL), Deutschland (16,500, 57,000 URLs) und Grossbritannien (12,000, 44,000). Mit Bezug auf die URL wurden mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Löschanträge ausgeführt, die entsprechenden Suchanfragen führen nun bei Google ins Leere.“ Siehe dazu auch „Wikipedia link to be hidden in Google under ‘right to be forgotten’ law“ (theguardian.com, Juliette Garside, englisch).

3. „Israel, Gaza, Krieg & Daten – Die Kunst, Propaganda zu personalisieren“
(de.globalvoicesonline.org, Gilad Lotan)
Eine Übersetzung des Texts „Israel, Gaza, War & Data“ (medium.com, englisch), in dem Gilad Lotan über Propaganda und Filterblasen schreibt.

4. „Spy Agency Stole Scoop From Media Outlet And Handed It To The AP“
(huffingtonpost.com, Ryan Grim, englisch)
Die Exklusivität der Story „Barack Obama’s Secret Terrorist-Tracking System, by the Numbers“ (firstlook.org/theintercept) wird von der US-Regierung hintertrieben. „The government’s decision to spoil a story on the topic of national security is especially unusual, given that it has a significant interest in earning the trust of national security reporters so that it can make its case that certain information should remain private.“

5. „Dürfen wir vorstellen: der Journalist, der Kriegsverbrecher vernichtet“
(vice.com, Max Metzger, englisch)
Max Metzger spricht mit Investigativjournalist Allan Nairn: „Oftmals besteht die Ironie darin, dass die Leute, die Nairn anprangert, ihn nicht töten oder foltern können, denn er ist US-Staatsbürger—das würde die amerikanische Förderung und Unterstützung gefährden.“

6. „‘Eine Leiche ist ausreichend’“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Susanne Schneider und Alexandros Stefanidis)
Ein Interview mit fünf „Tatort“-Kommissaren. Klaus J. Behrendt: „Wenn wir die Polizeiarbeit eins zu eins abbilden müssten, würden wir von den 90 Filmminuten etwa 70 oder 80 im Büro verbringen, in den Computer glotzen oder Akten lesen.“

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