Archiv für 6 vor 9

Daniel Mack, HSV, Leserkommentare

1. „Meine Tage im Hass“
(faz.net, Andrea Diener)
Andrea Diener liest Leserkommentare: „Jeder Fehler wird mit dem Gestus der Herablassung aufgezeigt, nebenbei ein Autor beleidigt, und das Ganze gipfelt meist in der Feststellung, dann könne man ja auch gleich die ‘Bild’-Zeitung lesen. Themen, die ein wenig zu bunt sind: ‘Bild’-Zeitung. Themen, die nicht interessieren: ‘Bild’-Zeitung. Falsch gesetzte Kommas: ‘Bild’-Zeitung.“

2. „Hasszeit“
(anmutunddemut.de, Benjamin Birkenhake)
Auch Benjamin Birkenhake denkt über Leserkommentare nach: „Und vielleicht muss man sich in manchen Teilen des Journalismus eingestehen, dass man nach Jahren der Boulevardisierung jetzt in einem Kontext angekommen ist, in dem Leute halt ‘die Sau rauslassen’ und das von der Gesellschaft auch für normal gehalten wird.“

3. „Was vor allem die BILD-Zeitung NICHT berichtet, obwohl ich es ihr mitgeteilt habe“
(danielmack.de)
Politiker Daniel Mack liest einen Artikel über sich in „Bild“, stellt seine Version der Sachlage dar: „Für mich ist dies ein schlimmes und sehr belastendes Beispiel dafür, wie Journalisten beim Leser durch das bewusste Weglassen von ‘störenden’ Fakten einen völlig falschen Eindruck erwecken.“

4. „Ihr könnt wählen: Der lupenreinste Demokrat oder der sauberste Journalist :-)“
(hsv-arena.net)
Fußball: Auf hypocomm.blogspot.de setzt Blogger Denyo ein Gerücht in die Welt, das auf hsv-blog.abendblatt.de verwertet und von anderen Medien aufgenommen wird. Siehe dazu auch „Ich lass mir den Finaltag nicht mal von einer Verleumdung vermasseln“ (hsv-blog.abendblatt.de).

5. „Drei Gründe, warum Ron Vlaars Elfmeter gegen Argentinien kein Tor war“
(ballverliebt.eu, Tom Schaffer)
Fußball: Medien spekulieren darüber, ob ein abgewehrter Elfmeter im WM-Halbfinalspiel Niederlande gegen Argentinien vielleicht doch als Tor hätte gewertet werden müssen.

6. „Um ehrlich zu sein…“
(dasnuf.de)

Maybritt Illner, Rassismus, Kopp-Verlag

1. „Peinliche Kaffeesatzleserei bei Illner“
(berliner-zeitung.de, Daland Segler)
Die ZDF-Talkshow „Maybritt Illner“ mit dem Thema „Alles oder nichts – wird Deutschland jetzt Weltmeister?“ (zdf.de, Video, 65 Minuten). Daland Segler hat sich die Sendung angesehen und findet: „Auf dem Lerchenberg herrscht blanker Opportunismus.“ Siehe dazu auch „Das ZDF opfert auch Illner auf dem Fußball-Altar“ (dwdl.de, Uwe Mantel).

2. „Ein Recht auf Information“
(nzz.ch, Annegret Mathari)
Unterstützung für Radios in Krisengebieten, so in der Zentralafrikanischen Republik: „‘Wir informieren über Fakten, machen jedoch weder Analysen noch Kommentare’, sagt Chefredaktor Jean-Claude Ali im Gespräch.“

3. „Das Web-Erfolgsrezept der Verschwörungstheoretiker vom Kopp-Verlag“
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Stefan Winterbauer schaut sich Artikel an auf der Website des Kopp-Verlags.

4. „‘Bin ich schwul?’, fragt Ruedi M. den Esoterik-Experten der Glückspost – und erhält eine Antwort, die einen Shitstorm auslöst“
(watson.ch, Simon Jacoby)
In der „Glückspost“ antwortet ein „PSI-Experte“ auf die Frage „Bin ich schwul?“.

5. „Der Rassist in uns“
(zdf.de, Video, 74:14 Minuten)
39 Personen nehmen teil an einem Experiment, das versucht, Blauäugige und Braunäugige gegeneinander auszuspielen. Siehe dazu auch „Die Arier“ (zdf.de, Video, 91:55 Minuten).

6. „Flug MH370 spurlos aus den Nachrichten verschwunden“
(der-postillon.com)

George Clooney, Israel, Fußball-WM

1. „Israel und die Hamas im Spiegel deutscher Schlagzeilen“
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Anatol Stefanowitsch wertet Schlagzeilen zum aktuellen Konflikt im Nahen Osten aus: „Um das zu überprüfen, habe ich heute morgen auf Google News die Suchbegriffe Israel und Hamas eingegeben, und die Überschriften der jeweils 25 ersten Treffer analysiert.“

2. „Wen trifft das neue Leistungsschutzrecht für Presseverleger?“
(irights.info, Till Kreutzer)
Till Kreutzer versucht herauszufinden, für welche Dienste der Gesetzestext des Leistungsschutzrechts für Presseverleger gelten könnte.

3. „Ukraine: ‘Die Medien haben diesen Konflikt verschärft’“
(derstandard.at, Julia Herrnböck)
Ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Jürgen Grimm: „Die antirussische Tendenz war relativ ähnlich in Österreich und in Deutschland. Dann gab es eine Gegenbewegung in den Social Media, die sich als Protest an dieser Mainstream-Berichterstattung entzündet hat. Ganz deutlich war es beim ‘Spiegel’, da war kein Unterschied mehr zur ‘Bild’-Zeitung. Es wurden hemmungslos Feindbilder konstruiert. Das war auch schon ein Kennzeichen der Publizistik 1914: Da haben Medien in ganz Europa durch ihre nationale Perspektive wesentlich zur Kriegsdynamik beigetragen.“

4. „Exclusive: Clooney responds to ‘Daily Mail’ report“
(usatoday.com, George Clooney, englisch)
George Clooney stellt Fakten richtig zu einem Bericht der „Daily Mail“, der behauptet, die Mutter seiner Verlobten sei aus religiösen Gründen gegen eine Heirat: „The irresponsibility, in this day and age, to exploit religious differences where none exist, is at the very least negligent and more appropriately dangerous. We have family members all over the world, and the idea that someone would inflame any part of that world for the sole reason of selling papers should be criminal.“

5. „Nachrichten-Wahnsinn pur: Das ‘heute-journal’, der Nahostkrieg und das WM-Drama“
(stefan-niggemeier.de)
Wie das „Heute-Journal“ die Entwicklung im Nahen Osten und die Fußball-Weltmeisterschaft in der Halbzeit eines WM-Spiels abhandelt. „Die Quote ist das einzige Kriterium, das das ZDF bei diesen Entscheidungen antreibt.“ Siehe dazu auch „‘Kurve zu hart’: Claus Kleber räumt Fehler ein“ (dwdl.de, Uwe Mantel) und „Was für das ZDF die Nachricht des Tages war“ (stefan-niggemeier.de).

6. „Hier, ich freu mich ja auch und so, aber so sieht Spiegel Online momentan aus, wenn man Fussball entfernt“
(twitter.com/Sillium)
Siehe dazu auch „Das geht mit der @SZ auch sehr gut“ (twitter.com/oler).

Oberhausen, BBC, Michael Jeannée

1. „Geografie für Privatradios: Brasilien liegt im Ruhrgebiet“
(fair-radio.net)
Fußball-Weltmeisterschaft: Radioreporter berichten aus einem „WM-Studio“ oder auch „live vor Ort“, aber nicht etwa aus Brasilien, sondern aus Oberhausen: „Wie uns eine ‘radio NRW’-Sprecherin bestätigt, sitzt dort ein Sportreporter, der das Spiel schaut und davon berichtet, was er in der Übertragung sieht. Unter dessen Reportage wird die Live-Atmo aus den jeweiligen Stadien in Brasilien eingespielt, die die FIFA offiziell für solche Zwecke zur Verfügung stellt.“

2. „Wirre Experten müssen schweigen“
(nzz.ch, Paula Scheidt)
Die BBC will wissenschaftlichen Aussenseitermeinungen zukünftig weniger Gewicht geben. „Einige Journalisten und Blogger kritisieren, die neue Ausrichtung verhindere eine objektive Berichterstattung. Zwischen Konsens und Propaganda liege nur ein schmaler Grat, schreibt ein Blogger. Viele befürchten die Einschränkung von freier Meinungsäusserung und freiem Informationszugang.“

3. „Und es hat Klick gemacht“
(journalist.de, Boris Hänßler)
Wie lässt sich Erfolg im Netz messen, durch Klicks, Verweildauer, Aufmerksamkeit? Boris Hänßler zitiert Manuel Marini: „Die meisten Menschen bewegen beim Lesen unbewusst den Mauszeiger über den Text. Das ist ein guter Indikator, wie intensiv die Leute sich mit dem Inhalt beschäftigen – oder ob sie die Seite nur aufgerufen haben und sich einen Kaffee holen.“

4. „‘Krone’: Aufregung nach NS-Anspielung in Jeannée-Kolumne“
(diepresse.com)
Die „Krone“-Chefredaktion ändert eine Kolumne von Michael Jeannée über den „deutschen Fußball“: „In Teilen der Morgenausgabe wurden zumindest die auf SA-Kampfgesänge und ‘Endsieg’ anspielenden Passagen gestrichen.“

5. „Eine Email an SIXX“
(herrbrause.wordpress.com)
Herr Brause findet einen eigenen Tweet fast 1:1 wieder auf der Facebook-Seite von Sixx.

6. „Öffentliche Narbe“
(sueddeutsche.de, Ekkehard Müller-Jentsch)
Eine gerichtliche Auseinandersetzung um eine Schlagzeile von „Closer“ zu einem „Wundmal im Dekolleté“ von Simone Thomalla: „In öffentlicher Sitzung ließ sie vortragen: Der durch die Titelseite erweckte Eindruck, sie habe kürzlich eine Brustoperation durchführen lassen, sei falsch. Diese sei bereits sieben Jahre her, sodass ein aktuelles Berichtsinteresse nicht vorliege.“

Playboy, Peter Röthlisberger, China

1. „‘Ist sie nicht hübsch?’“
(freitag.de, Elke Wittich)
Weibliche Journalisten zum Thema Fußball: „Manchmal allerdings bleibt auch mir nur Sprachlosigkeit. Wie bei einem Interview mit einem Ostberliner Vereinspräsidenten, der die Frage nach dem ‘Wie geht es denn nun weiter mit dem Klub?’ mit einem ‘Nein, wie sind Sie hübsch!’ beantwortete. Auch alle weiteren Versuche, etwas auch nur halbwegs Zitierbares aus ihm herauszubekommen, beantwortete er mit einer Variation des Hübsch-Themas. Er holte sogar seinen Vizepräsidenten dazu und sagte dem: ‘Schau sie dir an, ist sie nicht hübsch?’ Das komplette Interview haben wir dann übrigens ungekürzt abgedruckt, eine Reaktion des Vereins gab es nie.“

2. „Beschwerde gegen den ‘Playboy’: Wie der Presserat seine Missbilligung begründet“
(kress.de, Henning Kornfeld)
Wie der Presserat und der Chefredakteur des „Playboy“ mit der Beschwerde eines Lesers umgehen: „Der Chefredakteur bezweifelt, dass der Experte, der in seinem Fach äußerst aktiv und offenbar auch anerkannt sei, seine Glaubwürdigkeit für Gefälligkeits-PR aufs Spiel setze. Nur weil der Hersteller möglicherweise nicht unglücklich über die Feststellung des Experten sei, mache dies den Professor noch lange nicht zum Handlanger des Unternehmens.“

3. „Sack Reis in China“
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Die Titelseiten wichtiger überregionaler Zeitungen in Deutschland zeigen alle Angela Merkel beim Kochen.

4. „Bad China Articles: Hall of Infamy“
(theanthill.org, englisch, 27. Juni)
„The Anthill“ kürt zehn schlechte Artikel über China: „Business Insider reporter in town on a visit goes out ‘to see the ‘real’ China’. Has lunch, pays a lot for it, writes blog post. Contains the poetic photo caption ‘Beijing from the window of my cab’, which pretty much sums it up.“

5. „A list of search results omitted, erased, or censored due to the ‘Right to be forgotten’“
(hiddenfromgoogle.com, englisch)
Eine Liste von Links, die aufgrund des Rechts auf Vergessenwerden von Suchmaschinen-Resultaten entfernt wurden.

6. „‘Der Leser hat recht’“
(blickamabend.ch, Peter Röthlisberger, 1. Juli)
In einem Beitrag für ein Buch des Verbands Schweizer Medien behauptet Peter Röthlisberger, Chefredakteur der kostenlosen Boulevardzeitung „Blick am Abend“: „Der ‘Blick’ lügt nicht, die Blick-Titel erfinden keine Geschichten. (…) Im Idealfall missionieren Boulevardmedien auch nicht für eine Anschauung, nehmen die Leser und User ernst und erklären nicht die Welt, wie sie sein müsste, sondern beschreiben, was ist.“

SFV, Staatsschutz, Verschlüsselung

1. „Besser reden mit unseren Lesern“
(ploechinger.tumblr.com)
Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Sueddeutsche.de, macht sich ausführlich Gedanken über Leserkommentare: „Das Argument, Moderation sei Zensur, ist grundfalsch. Nie war die Chance, irgendwo irgendwelche Thesen zu publizieren, so groß wie heute im Netzzeitalter. Wieso aber sollten ausgerechnet Nachrichtenseiten mit ihrem Multimillionenpublikum dieser Ort sein – wenn alle dort davon genervt sind, Leser wie Redakteure? Wieso ändern wir nicht unsere Regeln so, dass Menschen durchkommen, die wirklich etwas beizutragen haben?“ Siehe dazu auch „Das Erbrochene betrachten“ (christophkappes.de).

2. „‘Analsex’ ist nicht der meistgesuchte Begriff in Niedersachsen, liebes Internet“
(vice.com, Henri Tartaglia)
Einige Leser verstehen den Artikel „Was man aus den Google-Suchen über Deutschland lernen kann“ falsch: „Um ein echtes Psychogramm der Bundesländer zu erstellen, müsste man nicht nur jedes Wort in der deutschen Sprache durch Google Trends jagen, sondern auch noch die Unterschiede in den Bevölkerungszahlen rausrechnen.“

3. „Nazi-Angriff: Anzeige gegen Ruhrbarone-Journalist, weil der bei den Dortmunder Rathausverteidigern stand“
(ruhrbarone.de, Bastian Puetter)
Journalist Bastian Puetter erhält eine Anzeige vom Staatsschutz wegen Nötigung: „Zwar leite ich seit fünf Jahren hauptamtlich eine Magazin-Redaktion mit Sitz in Dortmund, erscheine auch auf Polizeipressekonferenzen und war für die Ruhrbarone etwa zuletzt für die konstituierende Sitzung des Rates akkreditiert, aber man muss mich nicht kennen. Nur: Dafür ermittelt ein Staatsschutz ja.“

4. „Kanalisieren, verhindern, abwürgen, bestimmen“
(bazonline.ch, Marcel Rohr)
Marcel Rohr beklagt sich über die Medienarbeit des Schweizer Fußballverbands SFV, die aus „kanalisieren, verhindern, abwürgen und bestimmen“ bestehe: „Mal hiess es, Ottmar Hitzfeld wolle nicht, dass die Spieler zu viel reden. Mal war es der Medienchef, der keine Lust zu haben schien, mal die Fifa, die mit ihrer Doktrin alle in Atem hielt.“

5. „Nutzen Journalisten Verschlüsselungsprogramme?“
(ndr.de, Video, 2:33 Minuten)
Eine Kurzumfrage unter Journalisten.

6. „Diego Maradona against Belgium: the real story behind the famous image“
(theguardian.com, Jonny Weeks, englisch)

Tom Bartels, Medienkriege, Geheimdienste

1. „Wie tickt Tom Bartels?“
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Ein Interview mit Tom Bartels, der das Finale der Fußball-WM kommentieren soll: „Jeder Reporter, auch ich, könnte einfach zehn Prozent mehr schweigen. (Man hört eine Frauenstimme im Hintergrund.) Meine Frau Tina, die gerade wiederkommt, ruft: 20 Prozent.“

2. „Pressefreiheit mitgelöscht“
(berliner-zeitung.de, Jonas Rest)
Vom Recht auf Vergessenwerden betroffene Zeitungen müssen „eine Möglichkeit des außergerichtlichen Widerspruchs haben“, findet Jonas Rest: „Ansonsten verkommt die Pressefreiheit zur funktionslosen Dekoration: Es werden viele kritische Texte auf den Servern von Nachrichtenportalen liegen, die aber nutzlos sind, da sie niemand findet, wenn er sie wirklich braucht.“ Siehe dazu auch „Google reverses decision to delete British newspaper links“ (reuters.com, englisch).

3. „Kiews Dilemma mit den russischen Medien“
(nzz.ch, Rudolf Hermann)
Die ukrainischen Behörden fragen sich, wie sie mit russischen Medien umgehen wollen, die „offen desinformieren“, berichtet Rudolf Hermann: „Nicht nur in Russland, sondern auch in weiten Teilen der russischsprachigen Ostukraine gehört russisches Fernsehen zu den wichtigsten Informationskanälen. Die Objektivität der Information wird dabei wenig hinterfragt.“

4. „Der Krieg der Phrase“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.ch)
Der „erste Medienkrieg“ der Geschichte.

5. „‘Spüre die Angst auch schon in Deutschland’“
(deutschlandradiokultur.de, Korbinian Frenzel)
Boris Reitschuster, Autor des Buchs „Putins Demokratur“, redet über seine Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst FSB: „Ich wurde einmal festgenommen, ich wurde einmal umgefahren von einem Auto, absichtlich, wo man sagte, ich stehe ich Weg. Man hat mich dann umgefahren. Ich wurde einmal verprügelt. Man wird richtig ängstlich, ich spüre diese Angst inzwischen auch schon in Deutschland, wenn ich jemand sehe mit einer Kunstlederjacke und mit einem bestimmen Haarschnitt, dann fange ich schon an nervös zu werden, obwohl es hier in Deutschland natürlich Fehlalarm ist.“

6. „Von der NSA als Extremist gebrandmarkt“
(tagesschau.de, Lena Kampf, Jacob Appelbaum und John Goetz)
Wer sich mit Software zum Schutz vor Überwachung im Internet beschäftigt, wird von der NSA als „Extremist“ markiert: „Extremisten? Das Gegenteil ist der Fall, wie die Recherchen zeigen. Die deutschen Opfer sind politisch keinesfalls am äußeren Rand zu finden. Extrem sind sie allein in einem Punkt: Sie sind besorgt um die Sicherheit ihrer Daten. Und genau das macht sie in den Augen des US-Geheimdienstes verdächtig.“

Stern.de, Digg, Eric Weber

1. „EU’s right to be forgotten: Guardian articles have been hidden by Google“
(theguardian.com, James Ball, englisch)
James Ball stellt sechs Guardian-Artikel vor, die aufgrund des Rechts auf Vergessenwerden vom Google-Suchindex verschwinden: „Publishers can and should do more to fight back. One route may be legal action. Others may be looking for search tools and engines outside the EU. Quicker than that is a direct innovation: how about any time a news outlet gets a notification, it tweets a link to the article that’s just been disappeared. Would you follow @GdnVanished?“ Siehe dazu auch „Why has Google cast me into oblivion?“ (bbc.com, Robert Peston).

2. „Wozu gibt es eigentlich STERN.de?“
(jensrehlaender.tumblr.com)
Wer Stern.de aufrufe, dem offenbare sich „in schonungsloser Härte, wie Reichweitenoptimierung eine Medienseite bis zur Unkenntlichkeit“ ruiniere, schreibt Jens Rehländer. „Liebe Leute von stern.de, ich bin sicher, ihr würdet euren Dienst anders machen, wenn man euch ließe. (…) Denn angesichts dieses Allerwelts-Klimbim frage mich ernsthaft, was fehlen würde, wenn es stern.de morgen nicht mehr gäbe?“

3. „Gegenentwurf zu Facebook: Wie Digg zur Startseite des Internets werden will“
(spiegel.de, Ole Reißmann)
Ole Reißmann schaut sich Digg an, wo man neu auf redaktionell ausgewählte Links setzt. „Was es auf Digg nicht gibt: Clickbait, reißerische Überschriften zu oft belanglosem Entertainment, wie es Seiten wie Heftig oder Upworthy vormachen.“

4. „Deutsche Talkshows sind Russland-lastig“
(ostpol.de, Sonja Volkmann-Schluck)
Fabian Burkhardt analysiert in der Arbeit „Die Ukraine-Krise in den deutschen Talkshows“ die Gäste von Talkshows zum Thema Russland und Ukraine.

5. „A leap forward in quarterly earnings stories“
(blog.ap.org, Paul Colford, englisch)
Die Nachrichtenagentur AP will neu in automatisierter Form Bericht erstatten: „The Associated Press announced in an advisory to customers today that the majority of U.S. corporate earnings stories for our business news report will eventually be produced using automation technology.“

6. „Eric Weber, der Bürgerschreck“
(bazonline.ch, Aaron Agnolazza)
Aaron Agnolazza stellt Eric Weber vor, Ex-“Bild“-Mitarbeiter und gewählter Parlamentarier im Kanton Basel-Stadt: „Mittlerweile deckt der Grossrat die Regierung beinahe täglich mit Interpellationen und schriftlichen Anfragen ein. ‘Ich schreibe so viele Anfragen, um den angestauten Frust abzubauen’, erklärt sich Weber. ‘Meine Anfragen kosten die Regierung pro Monat 20 000 Franken’, behauptet er beinahe triumphierend.“

Per Mertesacker, Mindestlohn, Erdbeben

1. „Haut ab mit eurem Wow-Effekt!“
(zeit.de, David Hugendick)
Ein ZDF-Interview mit Per Mertesacker (youtube.com, Video, 2:35 Minuten) im Anschluss an das Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Algerien: „Im Fernsehen, wo notorisch ‘magische Momente’ eingefordert werden, hat Negativität keinen Platz mehr. Man will lieber Wirklichkeit mit dem Emotionswert der Soap-Opera. Man will ‘echte Tränen’, ‘echte Freude’ und alles, was sonst noch unter dem Modewort ‘Authentizität’ firmiert, die nur gut ist, solange sie sich anpasst und irritationsfrei konsumierbar ist.“

2. „Herzlichen Glückwunsch, Boris Büchler!“
(faz.net, Frank Lübberding)
Frank Lübberding gratuliert ZDF-Reporter Boris Büchler zu diesem Interview und regt an, sich mit dem Bundestrainer zu beschäftigen: „Stattdessen sieht man etwa im Fernsehen jene Szenen namens ‘Löw am Strand’ im WM-Quartier der Nationalmannschaft. Ein nachdenklicher Trainer auf dem Wege zu Ruhm, so ist diese Form des öffentlich-rechtlichen Propaganda-Fernsehens zu nennen. Offenkundig muss jeder Journalist für ein kritisches Wort befürchten, am Hofe des DFB in Ungnade zu fallen.“ Siehe dazu auch „In Interviewgewittern“ (begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig).

3. „LSR: Wiederholt sich die Geschichte?“
(vocer.org, Heidi Tworek und Christopher Buschow)
Heidi Tworek und Christopher Buschow erinnern an das Gesetzgebungsverfahren in den 1920er-Jahren, als mit der zunehmenden Verbreitung des Radios „die Forderung nach einem rechtlich geregelten Nachrichtenschutz“ aufkam.

4. „Schlechte Schlagzeilen (1): ‘Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen’“
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Die Schlagzeile „Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen“ auf Focus.de: „Die Gefahr durch geologische Aktivität ist heute nicht größer als sie es in der Vergangenheit war. Es ist nichts passiert, dass eine neue ‘Bedrohung’ durch Erdbeben verursacht hat. Wir wissen nun nur besser über die Statistik Bescheid als vorher.“

5. „Warum werden eigentlich ausgerechnet Zeitungszusteller vom Mindestlohn ausgenommen?“
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Der angeblich flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro soll erst ab 2017 auch für Zeitungszusteller gelten. „Geht es nicht noch ein bisschen grotesker und dreister?“, fragt Jens Berger zur Behauptung, die Pressefreiheit sei dadurch in Gefahr: „Nach dieser Logik sind auch Hungerlöhne für Krankenpfleger gerechtfertigt, da ansonsten ja Krankenhäuser geschlossen werden müssten und die öffentliche Gesundheitsvorsorge in Gefahr wäre. Nach dieser Logik ließen sich in so ziemlich in jeder Branche Hungerlöhne rechtfertigen.“

6. „Die gesammelten Bauer-Regeln zu Journalismus im Netz“
(davidbauer.ch)

Jung&Naiv, Volontariat, Netzfingerabdruck

1. „Der Traum vom Journalistenleben“
(mdr.de, Audio, 29:23 Minuten)
Zwanzig Jahre nach dem Besuch der Journalistenschule ruft Philip Meinhold ehemalige Mitschüler an und fragt sie, ob sie ihre Vorstellungen von Journalismus verwirklichen konnten.

2. „Bitte bewerben – ihr braucht dafür auch nur drei Tage“
(sara-weber.tumblr.com)
Noch bis zum 8. Juli kann man sich beim britischen „Spectator“ für ein ein- oder zweiwöchiges Praktikum bewerben. Sara Weber findet die Anforderungen dafür sehr hoch, das Bewerbungsverfahren „unverschämt“.

3. „Meine Laudatio für Jung&Naiv: Die konservative Konterrevolution hat Youtube erreicht“
(leitmedium.de, ccm)
„Jung & Naiv“ mit Tilo Jung revolutioniere nicht den Journalismus auf Youtube, sondern es sei „ein Intranetformat für Medienmacher und Politiker“, schreibt Caspar Clemens Mierau: „Jung bringt den am Zuschauer desinteressierten Journalisten auf die Videoplattform und erntet damit natürlich den Applaus einiger Journalisten-Kollegen, die auch lieber ohne Leser schreiben würden.“

4. „Stromnetz verrät Whistleblower“
(heute.de, Peter Welchering)
Eine Verzerrung der Stimme des Informanten ist kein wirkungsvoller Schutz, schreibt Peter Welchering: „Denn mit einer IT-forensischen Methode können die Einstreuungen der elektrischen Netzfrequenz in Tonaufnahmen herausgefiltert und zu einer Art Netzfingerabdruck verdichtet werden. Dieser Netzfingerabdruck wird dann mit Frequenzdatenbanken abgeglichen, um herauszubekommen, wann und wo die Aufnahme gedreht wurde.“

5. „Das Chaos der Anderen“
(neues-deutschland.de, Tobias Riegel)
Tobias Riegel malt sich in der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“ aus, wie es wäre, wenn ausländische Politiker und Medien deutsche Politiker kritisieren, die versuchen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen: „Wir können uns in Deutschland kaum vorstellen, wie das wäre, wenn sich der US-Außenminister regelmäßig tadelnd zu unserem Umgang mit Demonstranten äußern würde. Es ist aber zu vermuten: Sollte eine linke Bundesregierung einst den Austritt aus der NATO anstreben – wir würden das Gefühl der ständigen Ermahnung kennenlernen. Dann wären die Randalierer vom 1. Mai für die ‘Bild’-Zeitung plötzlich die ‘friedliche und demokratische’ Speerspitze gegen eine ‘autokratische’ und ganz allgemein ‘korrupte’ Bundesregierung – die schleunigst durch Technokraten ersetzt werden muss.“

6. „Keine Handyfotos auf der Pressetribüne erlaubt“
(twitter.com/LarsWallrodt)

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