Archiv für 6 vor 9

Tilo Jung, Peter Sloterdijk, VPRT

1. „Drei in einem Boot“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Gemäß einem „Spiegel“-Bericht hat der Verband Privater Rundfunk und Telemedien VPRT eine Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen den Rechercheverbund von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ eingelegt: „Dieser Verbund, so der VPRT, verzerre den Wettbewerb und entspreche nicht dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Er lasse die von allen Beitragszahlern entrichtete Gebühr auch der SZ zugutekommen, stelle mithin eine kommerzielle Tätigkeit dar, verschaffe der Zeitung unbezahlbare crossmediale Vorteile und verstoße gegen das Rundfunk-, das Vergabe- und das EU-Beihilferecht.“

2. „Media blackout: would I be happier if I didn’t read the news?“
(theguardian.com, Jesse Armstrong, englisch)
Jesse Armstrong, nach eigenen Angaben ein „heavy user“ von News, konsumiert während einem Monat keine Nachrichten: „Well, at this point in my life, is there any chance I will change my essential views? I’ve developed a herd-immunity theory of the news: it is probably important someone is reading about all the horrible and boring things in the world. But does that need to be me? I know how I will vote. I’m signed up to my pathetic monthly direct debits to charities and campaigning organisations. I have built a confirmation bias so strongly into my own fabric that it’s hard to imagine a fact that could wonk me. At some level, the news has become a vast apparatus for continually proving me right in my pre-existing prejudices about the world.“

3. „Ein Fehltritt, schon sind alle auf der Palme“
(faz.net, Rainer Meyer)
Die Diskussion um einen Instagram-Beitrag von Tilo Jung und seine Beziehung zu Krautreporter.de: „Der komplizierte und von diversen Interessen geprägte Konflikt macht deutlich, wie riskant die Idee werden kann, sich direkt über Leser zu finanzieren, die es zudem gewohnt sind, ihre Kritik schnell und deutlich zu äußern.“

4. „Der Fall Tilo Jung und die Empörung über die Empörung“
(publikative.org, Patrick Gensing)
Auch Patrick Gensing schreibt über Tilo Jung: „Er lässt die von ihm ausgewählten Leute ausführlich zu Wort kommen, so dass sich die Zuschauer aus einem Wust von Statements nicht nur die relevanten Stellen raussuchen sollen, sie sollen diese auch noch einordnen bzw. auf Glaubwürdigkeit / Wahrheitsgehalt überprüfen. Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.“

5. „‘Der Zeitgeist ist heute grün, 
und der ist in mir auch am Werk'“
(tagesanzeiger.ch, Rudolf Burger)
Peter Sloterdijk hat sich kürzlich einen neuen Fernseher einbauen lassen, „aber nur, um festzustellen, dass ich ihn nicht brauche“: „Fast jedes Mal, wenn ich doch noch fernsehe, beobachte ich Dinge, die mir nicht gefallen. An manchen Tagen gibt es nur noch Müll, der unterbrochen wird von Abfall, der unterbrochen wird von Schwachsinn.“

6. „Missverständliche Titel II: ‘BZ'“
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Jakob Hein)

Swissleaks, Elektro-Smog, IS

1. „Journalismus aus dritter Hand? Die SZ und ihre Leaks“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal schreibt zu den Swissleaks: „Die Süddeutsche Zeitung präsentierte ihre neueste Datenleck-Story offenbar unter dem Motto: Wir wissen eine ganze Menge, aber wir sagen nix. (…) Im fünften Absatz folgt dann die herbe Enttäuschung, das journalistische April, April: ‘Die Süddeutsche Zeitung wird deren Namen nicht nennen.’ Weil es Ärger mit den Anwälten geben könnte. Weil nicht so recht klar ist, ob das Ganze nicht völlig legal ist. (…) Ja, ne, is klar. Erst zwei volle Breitseiten ‘Enthüllung’ abschießen, um anschließend bei Formulierungen zu landen wie ‘zwar Verdachtsmomente’, ‘könnte sein’, ‘deutet darauf hin’, ‘wird noch geprüft’, ‘ist nicht bekannt’. Und das wird dann an die große Glocke gehängt?“

2. „Eine Frage der Glaubwürdigkeit“
(medienspiegel.ch, Christof Moser)
Christof Moser kritisiert den Umgang von Schweizer Medien mit Native Advertising.

3. „DRadio: Angst essen Journalismus auf“
(aargks.wordpress.com)
Aargks recherchiert den Deutschlandradio-Kultur-Beitrag „Elektro-Smog: Die unsichtbare Belastung“ nach.

4. „Propaganda, Wahrheit und der Westen: Was tun?“
(medienwoche.ch, Fabian Baumann)
Fabian Baumann gibt Tipps zum „Umgang mit der russischen Propaganda“: „Wollen die westlichen Medien dem eigenen Anspruch auf Ausgewogenheit nachkommen, ist es zentral, die Einseitigkeit der Putin-Medien zu vermeiden und auch deren Argumente zu Wort kommen zu lassen, zum Beispiel in Interviews mit russischen Politikern und Journalisten. Wenn man auch mit dem allgemeinen Standpunkt der russischen Regierung nicht einverstanden ist, so können einzelne Aspekte davon doch bedenkenswert sein.“ Siehe dazu auch „Die Wahrheit liegt eben nicht in der Mitte“ (zeit.de, Alice Bota).

5. „Presserat: ‘Krone’ vor ‘Österreich’ mit den meisten Verstößen“
(derstandard.at, Oliver Mark)
35 Verstöße gegen den Pressekodex in Österreich 2014: „Der überwiegende Teil, nämlich 32, ging auf das Konto von ‘Kronen Zeitung’ (16), ‘Österreich’ (11) und ‘Heute’ (5) – jenen drei Boulevardmedien, die sich nicht der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats unterworfen haben.“

6. „Milde Vernunft“
(freitag.de, Romy Straßenburg)
Ein Interview mit Journalist Nicolas Hénin, der von der Terrororganisation Islamischer Staat entführt und während zehn Monaten gefangen gehalten wurde: „Man kann den IS in vielen Punkten mit einer Sekte vergleichen. Es herrschen die gleiche totalitäre Organisation und Konditionierung. Menschen, die einer Sekte entkommen wollen, wird in unserer Gesellschaft Hilfe angeboten. Doch als Dschihadist kannst du nicht einfach aussteigen.“

Momonews, Eric Gujer, Photoshop

1. „Manipulierte Fotos: World-Press-Jury siebt aus“
(ndr.de, Video, 5:23 Minuten)
In der vorletzten Runde des World Press Award konnten jeder fünften eingereichten Fotoarbeit nachträgliche Bildmanipulationen nachgewiesen werden.

2. „Wer sagt denn, dass inszenierte Fotos lügen?“
(welt.de, Ronja Larissa von Rönne, 6. März)
Der Aufgabenbereich des Journalismus müsse mehr „als die Realität und ihr originalgetreues Abbild“ umfassen, findet Ronja Larissa von Rönne: „In einer Welt, in der jeder Zwölfjährige seine Bilder durch den Retrofilter schickt, bevor er sie in die sozialen Netzwerke einspeist, wirkt der Photoshop-Bann so veraltet wie das Wort Bandsalat. Je besser arrangiert und schöner aufbereitet ein Bild wirkt, desto mehr Likes und Aufmerksamkeit gibt es. Die ästhetischen Maßstäbe haben sich verändert, die des Fotojournalismus verharren tief in den Zeiten der Analogfotografie und des analogen Daseins.“

3. „Ein Mann legt Dortmund lahm“
(faz.net, Melanie Mühl)
„Mohamed Satiane ist dafür bekannt, Mohamed Satiane zu sein“, schreibt Melanie Mühl über Momonews: „Satiane postet gern Handyvideos, Selfies, mag Hiphop und spielt Fußball. ‘Shades of Grey’ hat er im Kino gesehen, fand er aber doof. Sein Lächeln ist niedlich, die Oberarme sind durchtrainiert. Ansonsten? Nichts. Was er der Öffentlichkeit präsentiert, ist atemberaubend talentfrei. Darin besteht offenbar die Pointe.“

4. „A propaganda merry-go-round: what North Koreans watch on TV“
(theguardian.com, Subin Kim, englisch)
Staatsfernsehen in Nordkorea: „With little diversity on North Korean TV and extensive repetition – schedules show that a majority of the movies are re-runs – perhaps it’s not surprising that South Korean dramas are so popular among ordinary North Koreans, despite harsh penalties if they are caught.“

5. „‘Wir sind kein Parteiblatt'“
(tagesanzeiger.ch, Jean-Martin Büttner und Christian Lüscher)
Ein Interview mit Eric Gujer, dem neuen Chefredakteur der „Neuen Zürcher Zeitung“: „Die Linie der Zeitung ist in den Statuten vorgegeben und bleibt gültig: Die NZZ bleibt eine Zeitung mit liberaler Haltung.“

6. „‘Der überwältigende Rausch blieb aus'“
(nzz.ch, Nina Fargahi)
Ein Interview mit Journalist Reda El Arbi, der während 15 Jahren heroinabhängig war: „Wenn ich die extremen, spannenden und aufregenden Momente in den 15 Jahren Sucht zusammenzähle, komme ich vielleicht auf drei Wochen. Es ist hart, jeden Morgen dem Stoff nachrennen zu müssen, die Leute in seinem Umfeld anzulügen, weil man ein Doppelleben führt, das Geld für die Drogen zu jonglieren, nur damit man abends schlafen kann. Es ist ein langweiliges, eintöniges und sehr anstrengendes Leben.“

Dschihadisten, Krautreporter, Talkshows

1. „‘Dschihadisten’ im Gemeindebau“
(tvthek.orf.at, Video, 3:36 Minuten)
Muslime in Österreich unter Generalverdacht: „Davon können auch drei Muslime, die in einem Wiener Gemeindebau leben, ein Lied singen. Weil ein Inkasso-Angestellter eine schwarze Flagge mit arabischen Schriftzeichen in ihrer Wohnung sieht, geht die Anti-Terror-Maschinerie los: Polizei, dann aber vor allem Medien, Nachbarn und so mache Politiker eröffnen die Jagd auf die drei jungen Männer, die trotz des erwiesenen Fehlalarms nicht vorbei ist.“ Siehe dazu auch „Allahaaaarm! Zu Besuch bei vermeintlichen Islamisten“ (profil.at, Edith Meinhart und Ingrid Brodnig) und „Über die Mär vom Dschihadisten“ (lagushkin.wordpress.com).

2. „Warum die Medien am Pranger stehen“
(deutschlandradiokultur.de, Michael Meyer)
Eine Zusammenfassung aktueller medienjournalistischer Fragen inklusive Eigenlob: „Die Medienlandschaft in Deutschland ist – zumindest noch – eine ausgewogene. Die öffentlich-rechtlichen Sender gelten zusammen mit der BBC und einigen anderen Sendern als das beste System der Welt.“

3. „Das alte Wir ist das neue Über-Ich“
(faz.net, Andrea Diener und Julia Bähr)
„Das Wir braucht endlich eine Renaissance!“, rufen Andrea Diener und Julia Bähr im Einklang: „Das Wir birgt Bürgersinn, es stiftet Gemeinschaften, es legt kumpelhaft den Arm um den Leser und zeigt ihm die Welt: Schau mal, so sonderbar geht es hier zu! Wundern wir uns doch gemeinsam ein wenig über die Menschen. Das Ich hingegen wundert sich alleine, und nicht selten wundert man sich über das Ich.“

4. „Roter Teppich oder Freakshow? – Ein kleinwüchsiger Mann erzählt“
(leidmedien.de, Michel Arriens)
Michel Arriens erzählt von seinen Erlebnissen in der Sat.1-Dokusoap „Die grosse Welt der kleinen Menschen“.

5. „In eigener Sache“
(krautreporter.de, Alexander von Streit)
Alexander von Streit gibt bekannt, dass Mitarbeiter Danijel Višević „vier bis fünf Tage pro Monat als freier Redakteur für das Bundespresseamt“ arbeitet: „Meine Einschätzung über das Konfliktpotenzial einer solchen PR-Tätigkeit war falsch. Was Sebastian und ich nicht beachtet haben: Eine dauerhafte Tätigkeit für das Bundespresseamt überschneidet sich fast mit fast allen Themen, die wir bearbeiten.“ Weiter veröffentlicht wurde eine „Transparenz“-Liste der Nebentätigkeiten von „Krautreporter“-Mitarbeitern. Und es wurden „Konsequenzen“ gezogen nach einem Instagram-Eintrag von Tilo Jung.

6. „Meinungsmaschine“
(dacosto.com)
Eine Auswertung der Gäste bei den „vier großen Poltik-Talkshows im deutschen Fernsehen: Anne Will, Günter Jauch, Hart aber Fair & Maybrit Illner.“

FAS, Fußball, Apple Watch

1. „Fraport weist Vorwurf einer Sicherheitslücke am Flughafen Frankfurt zurück“
(fraport.de)
Die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens Fraport weist einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) zurück: „Nach einer umgehenden Überprüfung des in der Berichterstattung geschilderten Falls durch die Fraport AG in enger Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden befand sich der Redakteur zu keinem Zeitpunkt in diesem sicherheitskontrollierten Bereich, sondern lediglich auf einer Frachtabfertigungsfläche im Betriebsbereich. Er hätte auch den sicherheitsrelevanten Bereich ohne Befugnis und Sicherheitskontrolle auf keinem Weg erreichen können. Eine wie im Bericht dargestellte Lücke im Sicherheitszaun gibt es nicht, wie auf den beigefügten Bildern zu erkennen ist.“ Siehe dazu auch „Korrektur: Wie sicher ist der Frankfurter Flughafen?“ (faz.net) und „6 vor 9″ von gestern.

2. „FAS verliert die Kontrolle“
(zeigensiemal.wordpress.com)
Eine genauere Betrachtung von Infografiken im FAS-Wirtschaftsteil.

3. „The sinister treatment of dissent at the BBC“
(theguardian.com, Nick Cohen, englisch)
Nick Cohen beklagt den Umgang der BBC mit den Enthüllern der von Jimmy Savile verübten sexuellen Mißbräuche: „The BBC is forcing out or demoting the journalists who exposed Jimmy Savile as a voracious abuser of girls.“

4. „Warum es egal ist, was Medien von der Apple Watch halten“
(nzz.ch, Henning Steier)
Henning Steier fasst die Rituale einer Apple-Pressekonferenz zusammen.

5. „Philipp Köster: ‘Zu scheitern wäre nicht die schlechteste Visitenkarte gewesen'“
(vocer.org, Jan Göbel)
Philipp Köster, Gründer von „11 Freunde“, lobt Gruner + Jahr, den Mehrheitseigner des Fußballmagazins, als Verlag, „dessen höchstes ideelle Gut die Unabhängigkeit der Redaktionen ist. In nun fast fünf Jahren hat es keinen einzigen Fall gegeben, dass von Verlagsseite Druck ausgeübt worden wäre. Ganz im Gegenteil war der Druck aus dem Anzeigenmarkt vorher viel größer.“

6. „Was erlauben Westermann?“
(sueddeutsche.de, Christof Kneer)
Christof Kneer packt die schwierige Situation von Fußballjournalisten in eine Wutrede: „Wir halten hier seit Jahren unsre Laptops hin, ständig müssen wir Geschichten aufbauschen, Skandale konstruieren und Zitate erfinden, meint ihr vielleicht, es macht Spaß, ein Zeitungsfritze zu sein, keinen Charakter zu haben, in scheißkalten Stadien zu sitzen und über etwas zu berichten, wovon man keine Ahnung hat? Wir Journalisten sind vielleicht nur ein kleiner Piss-Verein, aber wer es besser kann, der soll herkommen und selber schreiben.“

Eliot Higgins, Monica Lierhaus, Kampagnenjournalismus

1. „Der Plan von der Abschaffung der Wahrheit“
(krautreporter.de, Friedemann Karig)
Friedemann Karig stellt Eliot Higgins von Bellingcat vor: „Der schüchterne Engländer, der ungerne telefoniert und Mails nie unterschreibt, war schlagartig zu einer der wichtigsten Quellen über einen grausamen Bürgerkrieg geworden, aus dem nur wenige Journalisten berichten konnten. Und das ohne sein kleines Haus zu verlassen, wo er mit seiner Frau und ihrer gemeinsamen Tochter wohnt.“

2. „Wir brauchen Journalismusjournalismus“
(deranderefellner.wordpress.com)
Sebastian Fellner beschreibt die Situation des Journalismus in Österreich und fordert mehr Medienjournalismus: „Eine Print-Landschaft, beherrscht vom (Gratis-)Boulevard, der jeglichen Skrupel verloren, so er ihn je gehabt hat. Ein öffentlich-rechtliches Fernsehunternehmen, dessen Redaktionen die politischen Einflussnahmen abwehren muss, die die Fehlkonstruktion seiner Gremien mit sich bringt. Und Qualitäts-Onlinezeitungen, die sich noch nicht so recht zwischen Clickbaiting und tollen, aufwendigen Features entscheiden können.“

3. „Die Eier der Journalisten“
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Roberto De Lapuente nimmt sich den Bericht „Offenes Tor für Terroristen“ (faz.net, Marco Seliger) vor, für den ein Journalist die Sicherheit des Flughafens in Frankfurt getestet hat: „Man spielt denen in die Hände, die es rigider wollen, die dafür sind, es polizeistaatlicher und repressiver zu gestalten. Denen, die die allgemeine Angst als Maßstab für deren Gesellschaftskonzept missbrauchen und Ordnung mit Furcht und Schrecken gleichsetzen. Sie nennt ihren Beweis ein ‘offenes Tor für Terroristen’ und strickt damit weiter an der Absicht, die ganze Gesellschaft terrorfest zu machen. Auf Kosten der Freiheit natürlich.“

4. „Monica Lierhaus: ‘Als wäre ich ein Monster'“
(vocer.org, Irena Vukovic)
Ein Interview mit Sportreporterin Monica Lierhaus, der nach gesundheitlichen Problemen ein Comeback gelang: „Ich habe allen gezeigt, jetzt bin ich so wie ich bin. Nun akzeptiert mich oder lasst es. Vorher habe ich mich nicht getraut, weil ich immer angeglotzt worden bin, als wäre ich ein Monster. Das war fürchterlich für mich. Das war ganz schrecklich. Seitdem war es aber besser. Sie mussten mich nun nehmen, wie ich bin.“

5. „Gefährlich wird es, wenn der Funken überspringt“
(tagesspiegel.de, Stephan Russ-Mohl)
Stephan Russ-Mohl beschäftigt sich mit dem Kampagnenjournalismus: „Für Demokratien gefährlich werden Medienkampagnen vor allem dann, wenn sie nicht von einem einzigen Medium allein inszeniert werden. Wenn der Funke überspringt, wenn sich bei einer Skandalisierung plötzlich alle einig sind, wird es mitunter heikel.“

6. „Der tägliche Herrenwitz“
(theeuropean.de, Kristina Lunz)
Kristina Lunz schreibt über Frauen in „Bild“: „Deutschlands Medien, und allen voran ‘Bild’, müssen Frauen endlich für ihre Leistungen und Taten schätzen und respektieren, statt sie zum Lustobjekt zu degradieren.“ Siehe dazu auch „Machts doch einfach, stellt mehr Frauen an!“ (blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord, Andrea Bleicher) und „Offener Brief an Res Strehle“ (persoenlich.com).

Roaming, Edathy, Wieselspecht

1. „Die Zeitung, die eben kein Kleinkind ist“
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Roberto De Lapuente erklärt, warum er „Bild“ nicht ignoriert: „Wir dürfen uns die Bildzeitung nicht als nach Aufmerksamkeit gierendes Kleinkind vorstellen. Sie ist eine Erwachsene, die ganz genau weiß, was sie bezwecken will und wie sie instrumentalisieren muss, um ihre Vorstellungen zu verwirklichen.“

2. „‘Die letzten Hemmungen scheinen gefallen zu sein'“
(topfvollgold.de, Dennis Klammer)
Boris Kartheuser hat herausgefunden, dass die Funke Women Group „in ihren Zeitschriften redaktionelle Texte beispielsweise zu Gesundheitsthemen veröffentlicht und auf Produkte hinweist, die helfen sollen. Praktischerweise werden eben jene empfohlenen Produkte dann einige Seiten weiter großflächig vom Hersteller per Anzeige beworben. Im Text steht dann etwa: ‘Die können sie auch rezeptfrei in der Apotheke kaufen, zum Beispiel von …’ — und dann kommt immer der Werbepartner. Das tritt so häufig auf, dass es kein Zufall mehr zu sein scheint.“

3. „100 am Tag“
(sueddeutsche.de, Christian Zaschke)
Die Abhörtätigkeiten von Blättern des britischen Verlags Trinity Mirror („Daily Mirror“, „Sunday Mirror“, „The People“): „Anwalt David Sherborne sagte in dieser Woche vor dem High Court in London, verglichen damit seien die Vergehen von Rupert Murdochs News of the World (NotW) fast harmlos gewesen.“

4. „So this is how the world ends: with us distracted by cute cats“
(theguardian.com, Hadley Freeman, englisch)
Hadley Freeman zählt Nachrichten der vergangenen Woche auf, die bei einigen Mediennutzern keine Aufnahme fanden, weil sie mit dem Anschauen von Katzenfotos beschäftigt waren: „I have a vision – a vision of the apocalypse, and it will consist of Earth being consumed by fire and brimstone, but no one will notice because they’ll be too busy inside looking at a photo on the web of a frog using a leaf like an umbrella. And as their faces melt, they’ll be crying, ‘Wait! But I must tweet a link to this baby panda sneezing!'“ Siehe dazu auch „ZDF und Putin reiten den Wieselspecht“ (olereissmann.de).

5. „Ein Jahr ohne Roaming-Schikane: So fühlt sich echte Freiheit an“
(t3n.de, Martin Weigert)
Martin Weigert nutzt seit einem Jahr ein Mobilfunkabo, bei dem Daten-Roaming in 120 Ländern inklusive ist: „Ein Zurück wird mir schwerfallen. Ich hoffe, dass auch mindestens ein deutscher Netzanbieter erkennt, wie gut der Abbau der Roaming-Schikanen sich auf Kundenwachstum und Imagewerte auswirken kann.“

6. „Bitte entschuldigen Sie, Herr Edathy“
(zeit.de, Thomas Fischer, 6. März 2014)
Bundesrichter Thomas Fischer schreibt zur Edathy-Affäre: „Das Strafrecht lebt – wie jede andere formelle oder informelle Sanktionierung abweichenden Verhaltens – davon, dass es klare gesetzliche Grenzen zieht zwischen erlaubtem und unerlaubtem Verhalten. Diese Grenzen sind nicht zu dem Zweck erfunden worden, Staatsanwälten Anhaltspunkte für den Start von Vorermittlungen oder für die Anberaumung von Pressekonferenzen zu geben, sondern allein um der Bürger willen. Die wollen nämlich, seit sie sich als Bürger und nicht als Untertanen verstehen, eine Staatsgewalt, die die Guten und die Bösen voneinander scheidet, ohne zu diesem Zweck zunächst alle des Bösen zu verdächtigen und auch so zu behandeln.“

Nato, Alkohol, Daily Mail

1. „Durchgestochen: Justiz und Journalisten“
(ndr.de, Video, 4:50 Minuten)
Die Weitergabe von teilweise kompletten Ermittlungsakten aus Kreisen der Staatsanwaltschaft an Journalisten „als politisches Kalkül“: „Nur wenn sie Amtsträger zum Geheimnisverrat anstiften oder Hilfestellung dazu leisten, begehen sie eine Straftat. Ansonsten endet der Geheimnisverrat in dem Moment, wo der Journalist die Unterlagen bekommt, ergänzt Martin Huff. Dadurch bleiben die Journalisten straffrei.“

2. „My Year Ripping Off the Web with the Daily Mail Online“
(tktk.gawker.com, James King, englisch)
James King berichtet aus seiner Zeit im New Yorker Newsroom der „Daily Mail“: „In a little more than a year of working in the Mail’s New York newsroom, I saw basic journalism standards and ethics casually and routinely ignored. I saw other publications’ work lifted wholesale. I watched editors at the most highly trafficked English-language online newspaper in the world publish information they knew to be inaccurate.“

3. „Zum Totlachen“
(peterbreuer.me)
Peter Breuer wertet Voting Buttons auf Bild.de aus: „Ich habe willkürlich sieben Stichproben gezogen und in fünf von sieben Fällen dominierte bei diesen Texten die Emotion ‘Lachen’.“

4. „Die Nato bleibt undurchschaubar“
(n-tv.de, Christoph Herwartz)
Nato-Informationen zum Krieg in der Ukraine lassen sich kaum überprüfen, schreibt Christoph Herwartz: „Journalisten und Abgeordnete kommen schnell an die Grenzen dessen, was sie selbst beobachten können. Das liegt auch daran, dass die Nato ihre Mitteilungen sehr allgemein hält. Wenn sie von russischen Truppen und russischen Waffen in der Ukraine spricht, gibt sie nicht an, wann wo wie viele Einheiten gesichtet wurden. Wenn sie es täte, könnten Journalisten an diese Orte fahren oder mit Anwohnern telefonieren.“

5. „Aus der Rausch: Leben mit der Alkoholsucht“
(spiegel.de, Video, 23:01 Minuten)
Eine Reportage über Alkoholiker in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit den „meisten Alkoholtoten der Republik“.

6. „So kann man’s natürlich auch machen“
(twitter.com/dennishorn)
Wie eine Beilage der „Zeit“ die Trennung von Inhalten und Werbung transparent macht.

AFP, Julius Tröger, Knowledge Vault

1. „It’s not Wahrheit, stupid. Anmerkungen zu Google Knowledge Vault.“
(christophkappes.de)
Christoph Kappes liest zwei Artikel zur Wissensdatenbank Knowledge Vault: „Beide Texte enthalten nicht nur fachliche Fehler, sondern sie führen auf die falsche Fährte mit Begriffen wie ‘Wahrheit’ oder ‘Unseriös’ und ‘Plausibilität’.“

2. „AFP fabriziert Falschmeldung“
(faz.net, Jürg Altwegg)
Die Nachrichtenagentur AFP vermeldet fälschlicherweise den Tod von Martin Bouygues. Siehe dazu auch „Martin Bouygues annoncé mort: l’invraisemblable couac de l’AFP“ (letemps.ch, Olivier Perrin, französisch) und „Fausse mort de Bouygues : la version de l’AFP contestée“ (rue89.nouvelobs.com, David Perrotin, französisch).

3. „Julius Tröger: Heiß auf Daten“
(vocer.org, Sarah Klößer)
Sarah Klößer porträtiert Datenjournalist Julius Tröger: „Während viele Verlage sparen, hat Tröger geschafft, Fuß zu fassen. Seit über einem Jahr leitet er das Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost.“

4. „Print-Experience“
(benjaminnickel.com)
Benjamin Nickel abonniert ein Probeabo einer überregionalen Zeitung: „Die Bilanz bislang: 1x lag die Zeitung im Eingangsbereich, 2x kam sie gar nicht.“

5. „Justin Bieber, der ‘BILD’-Geburtstagsbesuch und die gute alte Homestory“
(tobiasgillen.de)
Tobias Gillen beleuchtet die Bild.de-Geschichte „Wie ich Justin Bieber ein
Geschenk machen wollte …“, in der Ricarda Biskoping versucht, Justin Bieber Kuchen und Kerzen zu überreichen.

6. „Bild-Griechen-Bashing-Bullshit-Bingo“
(facebook.com/fernoestliche.leere)

Johannes Kram, Tages-Anzeiger, Stefanie

1. „Hauptsache, die Story knallt“
(tagesspiegel.de, Patrick Wildermann)
Patrick Wildermann stellt Johannes Kram vor, Autor des Theaterstücks „Seite Eins“: „‘Seite Eins’ legt vielmehr ein System der multiplen Verflechtungen offen, an dem auch die Leser oder Zuschauer mit ihrer Lust am Untergang anderer beteiligt sind. ‘Wenn man sich die Fernsehboulevard-Magazine anschaut, Wahnsinn, was für ein Verkehrsunfall-Porno da stattfindet’, findet Kram, ‘und das sind öffentlich-rechtliche Sender’.“

2. „‘Es ist einfacher, irgendeine Indiskretion über Parteifreunde in den Medien zu platzieren als ein politisches Konzept'“
(zeit.de, Christopher Lauer)
Christopher Lauer schreibt über die Skandalisierungsprozesse zwischen Politikern und Journalisten: „Große öffentliche Debatten werden vielleicht über das Internet beschleunigt, aber noch immer von den klassischen Medien bestimmt. Es ist also an Journalisten, so banal und naiv das jetzt klingt, sich zu entscheiden, worüber sie wie berichten wollen.“ Siehe dazu auch „‘Diese Spirale wird nicht nur von den Bürgern gedreht'“ (tagesanzeiger.ch, Philipp Loser).

3. „Keine Motivation mehr für den Tagi“
(edito.ch, Philipp Cueni und Bettina Büsser)
Bruno Schletti, Ex-Wirtschaftsredakteur beim „Tages-Anzeiger“, redet über die Auswirkungen von Sparmaßnahmen bei Tamedia: „Kaum eine Morgensitzung beginnt mit der Frage: Was sind die relevanten Geschichten? Man schlägt die naheliegenden Themen vor, die sich innerhalb nützlicher Frist realisieren lassen – letztlich eine Überlebensfrage, da das Unternehmen Überstunden nicht zu zahlen gewillt ist. Honoriert wird nicht Qualität oder Engagement. Entscheidend ist am Ende des Tages, dass das Blatt voll ist. Es gibt also kein inhaltliches Teamdenken, kaum inhaltliche Diskussionen, auch werden Beiträge nicht wie früher von der Redaktion begleitet und nicht mehr gegengelesen. Die journalistische Qualität geht an allen Ecken und Enden vor die Hunde.“

4. „‘Es mangelt in erster Linie an der Erfahrung'“
(persoenlich.com, Edith Hollenstein)
Res Strehle, Chefredakteur des „Tages-Anzeigers“, gibt Auskunft, warum Führungspositionen trotz ausdrücklich formulierten Absichten nicht mit Frauen besetzt wurden.

5. „Das Glaubwürdigkeitsproblem der YouTube-Prominenz“
(buggisch.wordpress.com)
Wenn es um Werbung geht, „verwendet der YouTube-Kumpel von nebenan aber exakt dieselben Methoden wie der börsennotierte Medienkonzern“, bemängelt Christian Buggisch: „Dabei wäre die Sache ganz einfach: ‘Für dieses Video habe ich Geld von der Techniker Krankenkasse bekommen.’ Ein solcher Satz vom YouTuber im Video gesprochen (und nicht nur klein ein- und ausgeblendet) sowie in der Videobeschreibung vermerkt, und ich wäre zufrieden.“

6. „Ich bin Stefanie“
(ichbinstefanie.ch)

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