Archiv für 6 vor 9

Reporternamen, Rundfunkbeitrag, Zwergrauhaardackel

1. Journalisten kritisieren Reporter-Datenleak
(dw.com, Roman Goncharenko)
Eine pro-ukrainische Internetseite hat eine Liste mit den Namen von mehr als 4000 Journalisten veröffentlicht, die bei den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes akkreditiert sind. Darunter sind Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von in- und ausländischen Journalisten, auch etliche deutsche Reporter sind betroffen. Anscheinend wurden im Zuge des Leaks bereits Journalisten bedroht. Die „Reporter ohne Grenzen“ bezeichnen die Veröffentlich als „nicht nur entsetzlich, sondern auch gefährlich“.

2. Datenjournalismus mit Satellitenbildern
(digitalerwandel.de, Julius Tröger)
Julius Tröger leitet das Interaktiv-Teams der „Berliner Morgenpost“, eine der innovativsten deutschen Datenjournalismus-Abteilungen. In diesem Werkstattbericht erklärt er, wie das jüngste Projekt „Das sind Deutschlands grünste Städte“ mit Hilfe von Satellitenbildern entstanden ist.

3. Internet Video Views Is A 100 Percent Bullshit Metric
(gawker.com, Kevin Draper, englisch)
Der Titel spricht bei diesem Text für sich: Kevin Draper erklärt, warum es Quatsch ist, die Video-Views von Facebook Live mit den Quoten von linearem Fernsehen zu vergleichen: „If BuzzFeed’s watermelon video had been measured the way a TV show is, its viewership would’ve been closer to zero than the 807,000 it trumpeted to advertisers.“

4. Baumerts Kampf gegen den Rundfunkbeitrag
(ndr.de, Sinje Stadtlich)
Es gibt Menschen, die den Rundfunkbeitrag doof finden. Es gibt Menschen, die ihn nur unter Protest und nach mehrfachen Warnungen bezahlen. Und es gibt Sieglinde Baumert. Sie hat hartnäckig „alle Bescheide und Warnungen ignoriert, bis sie am 4. Februar an ihrem Arbeitsplatz verhaftet wurde. Zwei Monate hat sie im Gefängnis gesessen, in der JVA Chemnitz.“ Sinje Stadtlich stellt für „Zapp“ die „Ikone der Gebührengegner“ vor.

5. We know people read news on their phones. But from what sources?
(niemanlab.org, Shan Wang, englisch)
„Mobile“ ist seit ein paar Jahren eines der beliebtesten Buzzwörter unter Journalisten. Immer mehr Menschen konsumieren Nachrichten — aber auch längere Texte und Videos — auf dem Smartphone. Die „Knight Foundation“ hat das Leseverhalten dieser Nutzer untersucht und einen ausführlichen, dreiteiligen Report veröffentlicht. Shan Wang fasst die zentralen Ergebnisse kompakt zusammen.

6. Ein Sender für alle Felle
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der SWR bringt in einem Regionalmagazin einen Dreieinhalbminüter über einen entlaufenen Zwergrauhaardackel. Boris Rosenkranz wundert sich — aber nur kurz, denn schnell stellt er fest, „dass die SWR-Landesschau Rheinland-Pfalz eine Art Tiermagazin ist“.

Abgesägt, Abgestürzt, Abgemeldet

1. Journalismus wird immer besser – seine Reputation immer geringer
(de.ejo-online.eu, Michael Haller)
Ende April hat der Stern den Nannen Preis für herausragende Arbeiten im deutsch­sprachigen Journalismus verliehen. Medienwissenschaftler Michael Haller hat für das Sonderheft „Nannen Preis 2016“, in dem sich alle nominierten Arbeiten finden, einen einführenden Essay verfasst. Sein Thema: Gründe für den Widerspruch zwischen exzellentem Journalismus und schwindendem Medienvertrauen.

2. Gibt es ein Recht auf kritische Berichterstattung?
(medienwochw.ch, Mike Meißner & Silke Fürst)
Die Autoren beschäftigen sich mit der Frage, wie man den Journalismus in der Schweiz stärken und seine Unabhängigkeit sicherstellen kann. Wirtschaftlicher Druck stelle die Unabhängigkeit des Journalismus in Frage, Werbekunden würden mit Samthandschuhen angefasst und in der Berichterstattung geschont. Ein Blick ins Arbeitsrecht zeige, dass ein Gesamtarbeitsvertrag, wie es ihn in der Westschweiz und für die SRG gibt, die unabhängige und kritische Berichterstattung stärken kann.

3. Erdogan will sie mit allen Mitteln zum Schweigen bringen
(faz.net, Karen Krüger)
„Recep Tayyip Erdogan sägt jeden ab, der ihm bei seinem Projekt, die Türkei in einen autoritären Staat zu verwandeln, in die Quere kommt. „, so direkt formuliert es Karen Krüger zu Beginn Ihres Artikels. Das Urteil gegen die Journalisten Can Dündar und Erdem sei ein Exempel für das Vorgehen gegen die Pressefreiheit in der Türkei. Wer dem türkischen Präsidenten Paroli biete, hätte keine Rechte.

4. Panama ist auch in Spanien
(taz.de, Reiner Wandler)
Die „taz“ berichtet über einen Fall, der derzeit die spanische Medien beschäftigt und Juan Luis Cebrián, den Chef der spanischen Medienholding Prisa, wild um sich schlagen lasse: Auf Berichte, dass seine Exfrau in den Panama-Papieren erwähnt wird, reagiere Cebrián, zu dessen Unternehmen auch die größte spanische Tageszeitung El País und Cadena Ser, der populärste Radiosender des Landes, gehören, mit Entlassungen und Verboten.

5. Huch, da sitzen ja Menschen
(zeit.de, Eike Kühl)
Auf einem amerikanischen Onlineportal erhebt ein ehemaliger, anonymer Facebook-Mitarbeiter schwere Vorwürfe: Das Netzwerk filtere Meldungen zu Ereignissen und von bestimmten Quellen bewusst aus und beeinflusse somit die Nutzer. Unter anderem sollen Mitarbeiter dafür gesorgt haben, dass Nachrichten über konservative Politiker wie Mitt Romney und Rand Paul nicht als Trend auftauchten, obwohl die Facebook-Nutzer darüber diskutierten.

6. Insolvenz – War wohl NIX
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Nachdem bereits im März Insolvenzantrag gestellt wurde, stellt Helmut Thomas Fernsehsender „NRW TV“ nun den Sendebetrieb ein. „War wohl NIX“, kommentiert die „SZ“ und spielt damit auf die Marke „NIX TV“ an, mit der Thoma vor allem bei jungen Leuten Punkten wollte.

Parteitag, Teletext, Rugbyfoul

1. Trübe Quellen
(de.ejo-online.eu, Klaus Beck)
Ein Forscherteam ist der Frage nachgegangen, ob und wie Journalisten in fünf europäischen Ländern Social-Media-Informationen praktisch überprüfen. Publizistik- und Kommunikationswissenschaftler Klaus Beck von der Uni Berlin
fasst die Ergebnisse zusammen und weist auf die Existenz spezieller Online-Werkzeuge wie „TinEye“ und „Exif Viewer“ (Quelle, Geschichte und Veränderung von Fotos) sowie „SocialMention“ und „Trackur“ (Social-Media-Suche) hin. Das Fazit des Wissenschaftlers: „Onlinemedien können also bei der Lösung der Probleme helfen, die sie schaffen.“

2. „Die bewachen uns Tag und Nacht auf jedem Schritt“
(deutschlandfunk.de, Jürgen Hanefeld im Gespräch mit Doris Simon)
„Zum ersten Parteitag der Arbeiterpartei seit 36 Jahren hat Nordkorea auch Journalisten aus aller Welt eingeladen. Ernsthaft berichten können sie aber nicht, erzählt ARD-Korrespondent Jürgen Hanefeld aus Pjöngjang. In die Kongresshalle kommen sie nicht, und wenn sie mit Nordkoreanern auf der Straße sprechen, steht ein Aufpasser daneben.“ Jürgen Hanefeld berichtet per Telefonschalte aus Pjöngjang, wo er mit 130 Journalisten aus aller Welt in bewachten Gruppen herumgeführt wird.

3. Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen
(medienwoche.ch, Ronnie Grob)
Um an ihrer medialen Wirkung zu feilen, lassen sich manch Schweizer Behördenmitarbeiter von Journalisten schulen und buchen teilweise teure Medientrainings. Ronnie Grob hat einige Medienvertreter gefragt, ob es berufsethisch vertretbar sei, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen. Der Artikel wartet mit konkreten Fallbeispielen und Zahlen auf und zeigt, wo die Problematik liegt.

4. “Die Teletext-Seite 100 sagt einem, ob die Welt noch steht.”
(get.torial.com, Stefan Mey)
In Diskussionen über Medien geht der antiquiert wirkende „Teletext“ oft unter, dabei würden in Deutschland etwa elf Millionen Menschen täglich Inhalte abrufen, vier Millionen die des Marktführers ARD. Frauke Langguth führt ein zehnköpfiges Team an, das im Schichtbetrieb die Inhalte von ARD-Text erstellt. Im Interview erklärt sie sowohl die Vorteile des Dienstes als auch die Bedrohungslage: „Das Web hat dem Teletext gar nicht so sehr zu schaffen gemacht. Es ist eher der Medienwandel durch Smartphones. Immer mehr Leute haben keinen Fernseher mehr.“

5. Nur in „Österreich“ werfen sich Flüchtlinge vor Autos
(kobuk.at, Gabriele Scherndl)
Das Gratisblatt „Österreich“ behauptet, in Klagenfurt würden sich Flüchtlinge gezielt vor Autos werfen, um anschließend Schmerzensgeld zu fordern. Das von Journalismus-Studierenden betriebene Medienwatchblog „Kobuk“ ist der Sache nachgegangen und hat mit Justiz und Polizei gesprochen. Nach derzeitigem Kenntnisstand stellt sich die Meldung als wilde und reißerische Spekulation dar.

6. Kommentar zur Rugby-Berichterstattung in der Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung
(totalrugby.de, Matthias Hase)
Die Sportberichterstattung der „Rhein-Neckar-Zeitung“ sorgt derzeit für Kopfschütteln in der Rugby-Szene. („Wie sehr sich Simbas freuen können, wenn sie weiße Männer fertig gemacht haben, kennt man aus dem Filmklassiker „Die Wildgänse kommen“, in dem Richard Harris und Hardy Krüger verhäckselt werden, Roger Moore und Richard Burton überleben nur knapp.“)
Ein Gastkommentar eines Online-Rugby-Magazins hält dagegen.

BILDipedia, Whistleblowerleid, Werbesprechstunde

1. Plickbaiting mit BILD
(hogymag.wordpress.com, almasala)
„Hogymag“ ist ein „Bild“-Beitrag aufgefallen, der im Wesentlichen aus wörtlichen oder umgepfriemelten Übernahmen aus der Wikipedia bestehe. Es handele sich um eine Kombination von Plagiat mit Clickbaiting („Plickbaiting“). Die Vorgehensweise der „Bild“-Plickbaiter stelle sich wie folgt dar: „Erwecke Neugier mit lahmer Überschrift a la Einsamer Tod hinter grünen Mauern in Chile. Plagiiere den Hauptteil des Artikels. Verfasse einen Manteltext um den Hauptteil. Überlade den Artikel mit vielen Bildern und Verweisen zu anderen BILD-Artikeln.“

2. Fünf Jahre Haft für „Cumhuriyet“-Journalisten
(sueddeutsche.de, Mike Szymanski)
Was befürchtet wurde, ist traurige Realität geworden: In der Türkei wurden die regierungskritischen Journalisten Dündar und Gül am Freitagabend zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Journalisten hatten über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Islamisten in Syrien berichtet. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte darauf persönlich Anzeige erstattet und trat im Prozess als Nebenkläger auf. Kurz vor Verkündung des Urteils kam es zu einem Attentatsversuch auf Dündar, der jedoch unverletzt blieb (ein Berichterstatter erlitt einen Streifschuss).

3. Enthüller im Visier
(taz.de, René Martens)
Der Regisseur Daniel Harrich hat für seine Recherchen zu illegalen Waffenexporten vor wenigen Wochen einen Grimme-Preis erhalten. Seine Arbeit, und die seines Teams, hatte dazu geführt, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen gegen sechs frühere Verantwortliche der Rüstungsfirma Heckler & Koch einleitete. Nun wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn ermittelt, wegen der widerrechtlichen Veröffentlichung von Dokumenten gemäß §353d StGB. „Taz“-Autor Martens kommentiert: „Folgt man der Logik des Paragrafen, hätten die ARD-Journalisten mit der Verwendung des selbst beschafften Materials warten müssen, bis die Staatsanwaltschaft in die Gänge kommt. Die brauchte fünfeinhalb Jahre, ehe sie Anklage erhob.“

4. Gemartert
(tagesanzeiger.ch, Michèle Binswanger)
Die berühmte Whistleblowerin Chelsea Manning (ehemals Bradley Manning) beschreibt für den „Guardian“ die Folter der Isolationshaft. Manning hatte hunderttausende von Geheimdokumenten kopiert und an Wikileaks übergeben und wurde dafür zu 35 Jahren Haft verurteilt. 11 Monate musste sie in Isolationshaft verbringen und dabei Torturen über sich ergehen lassen, die von Amnesty International und dem UNO-Beauftragten für Folter stark kritisiert wurden. Manning sagt dazu: „Es ist eine Folter ohne Berührung. Wir sollten sie nicht weiterführen.“

5. Bumsti & die Lügenpresse
(noemix.twoday.net)
Blogger „Nömix“ ärgert sich: Alle Jahre wieder werde vom Bundeskriminalamt Österreichs eine aktuelle Kriminalstatistik veröffentlicht, und alle Jahre wieder werde in Österreichs „auflagenzweitstärkster Gratis-Volksinformationspostille der altbekannte Lügenscheiß“ berichtet. Während die Kriminalitätstatistik einen Rückgang verzeichne, mache das Kostenlosblatt „Österreich“ mit „Kriminalität stark gestiegen – Österreich wird immer gefährlicher“ auf.

6. Berits Werbesprechstunde
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz von „Übermedien“ erklärt in dreieinhalb vergnüglichen Minuten, was es mit der Sendung „Meine Gesundheit“ auf RTL auf sich hat.

Adblock-Pixi, Aufbrausender Brausehersteller, Leserpost

1. Adblock Plus, die #rpTEN und Flattr – Ein Hoch auf die Gatekeeper!
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Auch der Kurator der „6 vor 9“-Medienlinks rieb sich verwundert die Augen, als er aus seinem re:publica-Begrüßungsbeutel eine als pixi-Kinderbuch daherkommende Werbeschrift des Onlineanzeigen-Verhinderers „Adblock Plus“ herausholte. Sascha Pallenberg hat sich bereits des Öfteren mit dem dahintersteckenden Unternehmen beschäftigt und findet deutliche Worte für die Kooperation: „Liebe re:publica. Du hast deine Ideale an einen Zensor verkauft. Du prostituierst dich fuer einen Gatekeeper, der eine heterogene Publishing-Landschaft zerstört. Der ehemals unabhängige, kleine aber sehr relevante Blogs, zum Aufgeben zwingt, weil ihnen die Einnahmen komplett wegbrechen.“

2. Salzburger Festspiele mit Red-Bull-Dröhnung
(faz.net, Michael Hanfeld)
„Der Sender Servus TV macht doch nicht dicht. Eigentümer und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz hatte rot gesehen, weil er keinen Betriebsrat wollte. Oder hatte er zu viel Red Bull intus?“, fragt Michael Hanfeld von der „FAZ“. Im Artikel erklärt Hanfeld die Hintergründe zur Ein-Tages-Volte des aufbrausenden Brause-Herstellers.

3. „Neuer Tag“ endet nach neun Wochen
(taz.de)
Gerade mal neun Wochen hat die britische Tageszeitung „The New Day“ durchgehalten. Doch nun ist Schluss, trotz positiver Kritiken. Das Projekt mit einer eher unpolitischen Mischung aus Verbraucher- und Lifestyle-Themen Männer und Frauen anzusprechen und verlorengegangene Zeitungsleser zurückgewinnen, sei gescheitert.

4. Wir kommen in Frieden
(zeit.de, Patrick Beuth)
„Dies ist eine Warnung an alle, die Snapchat lieben: Auf der re:publica und anderswo formieren sich Medienhäuser und Werbeprofis. Sie planen eine Invasion.“ Patrick Beuth von der „Zeit“ wendet sich in einem offenen Brief an die Snapchat-Nutzer. „Ich weiß, wir haben unsere Differenzen. Euer Internet besteht aus Fotos und Videos, meines aus Buchstaben. Ihr findet, Regenbogenkotze sagt mehr als 1.000 Worte, ich mag Nebensätze. Ihr lest das hier vermutlich nicht einmal. Trotzdem möchte ich euch warnen: Sie sind hinter euch her! Sie kommen, um euch zu holen!“

5. Entscheidung „Verlegeranteil“ liegt im Volltext vor
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Die Entscheidung des BGH, nach der die VG Wort nicht berechtigt ist, einen Anteil ihrer Einnahmen an Verlage abzuführen, liegt nunmehr im Volltext vor. Rechtsanwalt Thomas Stadler hat einen Blick auf die Begründung geworfen und stimmt in allen Punkten zu. Die Entscheidung des BGH wende das geltende Recht konsequent und zutreffend an. Sie führe allerdings dazu, dass die Forderung der Verlage nach einem (umfassenden) gesetzlichen Leistungsschutzrecht neuen Auftrieb erhalten werde.

6. Brief an den unbekannten Hater: Nimm die Hand aus der Hose, wenn ich mit dir rede
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
„Spiegel“-Kolumnistin Margarete Stokowski bekommt immer wieder unschöne Leserpost. Nun hat ihr „Ruven“ mit unschönen Worten ein baldiges Ableben gewünscht („Hallo Dummsau. Ich hoffe du ertrinkst in einem deiner Transgender-Klos“). In ihrer neuen Kolumne antwortet Stokowski dem Leser.

6-vor-9-Special: Re:publica 2016, Tag 2

Hier nun der Diensta Teil unseres re:publica-Specials mit medienrelevanten Programmempfehlungen:

1. @heuteplus oder wie wir Journalisten lernen, den Shitstorm zu lieben.
(Daniel Bröckerhoff, Clas Dammann, Eva-Maria Lemke, Elmar Theveßen)
Stage 6, Di 10:00–11:00
„Social first, TV second! Technisch trivial, formal und inhaltlich aber eine Herausforderung für uns Journalisten. Durch Kommentare und Diskussionen können alle, die früher nur Zuschauer waren, selbst Teil der News werden. Follow-Ups zu heftig diskutierten Beiträgen werden so bedeutsam wie die Nachrichtenagenda, Diskussionen mit den Nutzern stehen für uns Journalisten gleichberechtigt neben der Informationsvermittlung.“

2. Wer zahlt für Nachrichtenvideos im Netz?
(Mirko Drotschmann, Friedrich Küppersbusch, Eva Messerschmidt)
Stage 7, Di 11:45–12:15
„Unge rollt für Disneys Maker Studios auf dem Longboard herum, Gronkh daddelt Minecraft für ProSiebens Studio71 und bei RTLs BroadbandTV versucht eine Pornodarstellerin – naja – lustig zu sein. So sieht das – überaus erfolgreiche – Angebot der klassischen Medienkonzerne bei YouTube aus. Nachrichten, Hintergründe, Dokus. Will keiner sehen. Aber Aufgeben gilt nicht. Amerikanische Formate wie Vice oder NowThis schaffen schließlich auch Milliarden Klicks mit News und Reportagen im Netz. Warum funktioniert das bei uns nicht? Wie kann man solche Inhalte für YouTube und Co. finanzieren? Welche Voraussetzungen brauchen journalistische Videos und deren Macher für den Erfolg im Netz?“

3. Content Marketing: Der Vormarsch der Pseudo-Journalisten
(Prof. Dr. Lutz Frühbrodt)
Stage 6, Di 13:45–14:15
„Content Marketing (CM), die pseudo-journalistische Kommunikation von Unternehmen, breitet sich im Netz immer stärker aus. Noch befüllen die Konzerne ihre Online-Magazine, Youtube-Videos und Apps größtenteils mit nutzwertigen und unterhaltenden Inhalten. Sie versuchen, sich aber auch langsam aber sicher politisch zu positionieren. Auf diese Weise beeinflussen Unternehmen zunehmend die öffentliche Meinungsbildung. Damit stellt CM eine Attacke auf die klassischen Medien wie auf den Bürgerjournalismus dar.“

4. Panama Papers: Investigative Journalism, the „Lügenpresse“ and the age of Big Leaks
(Renata Avila, Max Hoppenstedt, Frederik Obermaier)
Stage 2, Di 15:00–15:30
„From Cablegate to Snowden to the Panama Papers: The last years have seen a wide range of ways a leak can seep out. While encryption technologies for secure whistleblowing are increasingly driving investigative journalism, we are also seeing a differentiation of strategies with which media are handling and reporting on these stories. Ten years after Wikileaks was founded, many media houses have established means of receiving and handling sensitive material while organisations like Correct!v, ProPublica or the ICIJ are exploring new ways to foster and fund a renaissance in investigative Reportage. In our 30 min session, we’ll discuss the role of investigative journalism in an age of ever dwindling trust in the media, which publication strategy can work best for what sort of leak and if the future of whistleblowing is a promising one.“

5. Halt die Fresse: Hate Speech!
(Rayk Anders, Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg, Christoph Krachten, Carline Mohr)
Stage 7, Di 15:30–16:00
„Gibt’s eigentlich noch Flame-Wars? In Gaming-Foren kamen PC- und Apple-User schon mal vom eigentlichen Thema ab und beleidigten sich gegenseitig wegen der Wahl des Betriebssystems. Die Lösung war einfach: Wer nervte, wurde ermahnt oder flog raus. Bei der Online-Hetze gegen Andersdenkende reicht das nicht. GROSSCHREIBER und Ausrufezeichenmacher nutzen alle möglichen sozialen Netze und Algorithmen stellen absurde Meinungen mit allgemein akzeptierten auf eine Stufe. Müssen Medien ihre Rhetorik ändern? Müssen Facebook und Twitter alle Einträge erst mal überprüfen? Wie bringen wir Diskussionen wieder auf ein akzeptables Niveau?“

6. BILDblog analog — der Benefiz-Abend in eigener Sache mit Theater, Redaktionsinterna und Musik, Eintritt 20 Euro
(Ingolf Lück, Stefan Niggemeier, Lorenz Meyer, Jakob Buhre, Jo Schück)
Heimathafen Neukölln, Karl Marx-Str. 141, 12043 Berlin (U7 Karl-Marx-Str.)
Kommen, Theater schauen, mit uns quatschen und feiern, BILDblog unterstützen

Weitere aus Mediensicht interessante Vorträge:
„Schleichwerbung – Alles ist erlaubt, oder.“ (Stage T 10.00 – 11.00 Uhr)
„Ad Wars – Ausflug in die Realität der Online-Werbung“ (Stage 2 11.15 – 12.15 Uhr)
„Blogger zwischen Pressefreiheit und Polizeimaßnahmen“ (Stage T 12.30 – 13.00 Uhr)
„Medienprojekte mit jungen Flüchtenden“ (Stage 4 18.00 – 18.30 Uhr)
„Netz-Publizisten im Gespräch“ (Stage 2 18.45 – 19.45 Uhr)

6-vor-9-Special: Re:publica 2016, Tag 1

Hier sind sie nun, die sechs medienrelevanten Vorträge des ersten re:publica-Tags, die wir uns herausgepickt haben. Nach der Konferenz gibt es eine Liste mit allen genannten Vorträgen und (so vorhanden) den Videomitschnitten auf YouTube.

1. What’s next for Twitter and News?
(Mark Little)
Stage 7, Mo 12:15–12:45
„Nach zehn Jahren ist Twitter aus der Nachrichtenlandschaft kaum mehr wegzudenken. Trotzdem oder gerade deshalb wachsen die Ansprüchen der Analysten und Nutzer an den Kurznachrichtendienst. Mark Little, Twitters Vice President of Media in Europe and Africa, gibt einen Ausblick: „What’s next for Twitter and News?“. Als Jack Dorsey vor zehn Jahren den ersten Tweet verschickte, war keineswegs abzusehen, dass der Strom an Kurzbotschaften einmal auf rund 500 Millionen pro Tag anschwellen sollte. Etwa 320 Millionen Menschen weltweit nutzen heute Twitter mindestens einmal im Monat. Das soziale Netzwerk verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,2 Milliarden Dollar, hat jedoch mit den Ansprüchen der Analysten zu kämpfen.“

2. Commercial Content Moderation – die Müllabfuhr im Internet!
(Moritz Riesewieck)
Stage 2, Mo 12:45–13:15
„Täglich werden Millionen Bilder in die sozialen Netzwerke geladen, die wir nie zu Gesicht bekommen. Bilder von Gewalt und Pornographie, aber auch solche, die Facebook & Co schlicht als „unangemessen“ einstufen. Gesichtet und aussortiert werden die Fotos und Videos von Billiglöhner/innen auf den Philippinen. Als Christen können die Philippinos westliche Moralvorstellungen gut einschätzen, denken die Konzerne. War es einmal Gott, der sich für die Sünder opfern wollte, so sind es heute philippinische „Content Moderators“. Posttraumatische Belastungsstörungen der Angestellten werden als Kollateralschaden eingepreist. Die Passionsgeschichte des Internetzeitalters? – Moritz Riesewieck und Sarah T. Roberts konzentrieren ihre Recherche und Forschung auf die neuen Formierungen von digitaler Arbeit und Produktion im postindustriellen Zeitalter.“

3. Slow media? Digitale Magazine als Gegengewicht zum Snackable-Content.
(Kati Krause)
Stage 7, Mo 12:45–13:15
„Im Internet kann es nie schnell genug gehen, niemals genug geben. Mehr Informationen aus immer mehr Quellen. Ungefiltert, von jedem. Dazwischen Katzenbilder.
Freunde von Freunden empfehlen, was wir lesen sollen, Algorithmen sortieren Inhalte nach Relevanz. Das Interessante geht niemals zu Ende: „10 Tricks, wie du noch mehr Informationen aufnehmen kannst.” Eine Nachricht nach der anderen wird überflogen, geteilt und in den meisten Fällen wieder vergessen. Dazwischen Katzenvideos. Mit Ruhe und Reflexion verbinden wir weiterhin Papier. Doch geht das nicht auch digital?“

4. The Making Of A Journalism Startup
(Christian Fahrenbach, Sebastian Horn, Lena Lammers, Frauke Lüpke-Narberhaus)
Media Cube, Mo 13:30–14:30
„Klingt eigentlich nicht gerade nach deutschen Verlagshäusern: Wir lassen junge Leute was Neues machen und geben Ihnen die Verantwortung dafür. Ist trotzdem so passiert und die Kritik in der Medien-Filterbubble zu den Launches war groß. Wir wollen darüber diskutieren, was bento, ze.tt und co. aus ihrem ersten Jahr gelernt haben. Wie kommen die Seiten beim breiten Publikum an? Wie ging es nach der Kritik vom Anfang weiter? Und: Braucht es überhaupt spezielle Nachrichten-Angebote für junge Leute?“

5. Facebook ist nicht nur Pediga-Hass – Vom Aktivieren der Zivilgesellschaft
(NN)
Lightning Talks 1, Mo 14:00–14:30
„Flüchtlinge und Vertriebene Herbst 2015: Auf einmal kam uns Onlinerinnen eine Aufgabe zu, mit der wir nicht gerechnet haben. Weil wir schon morgens auf dem Klo mehr kommunizieren als die meisten unserer Nachbarinnen über den ganzen Tag, waren wir im Vorteil. Wussten früher, was passiert, hatten früher die Informationen zusammen, haben früher erfahren, wie es andere vor uns gemacht haben, bei denen schon ein, zwei, viele Wochen vorher Vertriebene angekommen und in Hallen und Zelten untergebracht worden waren. Und auf einmal haben einige von uns Aufgaben übernommen, von denen sie vorher noch nie gehört haben. Waren Führungskräfte in der Zivilgesellschaft geworden und Leitungen im Ehrenamt. Viele von uns zum ersten Mal in ihrem Leben. Onlinerinnen kommt eine Schlüsselrolle im Bau der neuen Zivilgesellschaft zu, die wir annehmen müssen und ausfüllen können. (Bonustrack: Wer hätte das mit Facebook gedacht? Wahnsinn!)“

6. Wir müssen reden! Warum Rassismus im Netz noch immer Alltag ist
(NN)
Stage J, Mo 14:45–15:15
„Zehn Jahre re:publica und trotzdem ist im Netz nicht alles Glitzer, Flausch und Einhörner. Belästigungen, Beschimpfungen und in vielen fällen auch Bedrohungen sind für viele Menschen, die im Netz unterwegs sind, leider immer noch Alltag.
Durch die aktuellen Entwicklungen in der Welt, der zunehmenden Zahl von Menschen auf der Flucht, nimmt die Anzahl der rassistischen Äußerungen durch “besorgte Bürger*innen”, auch unter Klarnamen, massiv zu. Deshalb müssen wir JETZT darüber reden, wie wir mit Hass und Rassismus im Netz umgeben. Nur so kann das Internet zu einem Ort für alle werden.“

Außerdem interessant:
„Netzneutralität bis Recht auf Vergessen. wo steht die EU“ (mit Günther Oettinger, Stage 7, 15.15 – 15.45 Uhr)
„Ist die Netzneutralität in Europa noch zu retten“ (Stage 7, 16.00 – 17.00 Uhr)
„Digital Storytelling – Trends, Tools, Topics“ (Stage T, 16.00 – 17.00 Uhr)
„Spreading Free Media Worldwide – Mobile Journalism“ (Lightning Talks 1, 16.30 – 17.00 Uhr)
„Debattenkultur im Netz“ (Media Cube, 18.39 – 19.00 Uhr)
„Jahresrückblick Social-Media-Recht“ (Stage 6, 18.30 – 20.30 Uhr)

Und zum Schluss: „The Age of Trotzdem“ (Stage 1, 19.45 – 20.45 Uhr. TIpp: Wer beim Sascha-Lobo-Vortrag nicht auf dem Fußboden sitzen will, sollte rechtzeitig erscheinen.)

6-vor-9-Special: Re:publica 2016, Tag 0 (Vorbereitung/Vorfreude)

Am Montag startet in Berlin zum zehnten Mal die re:publica, Europas größte Konferenz für Digitalkultur, Soziales und Internet oder wie es die Veranstalter ausdrücken: „Europe’s most exciting conference on internet and society“. Dieses Jahr sind 850 Speaker aus mehr als 60 Ländern dabei. An drei Tagen gibt es 500 Stunden Programm, man rechnet mit mehr als 7.000 Teilnehmern.
Hier nun eine Sonderausgabe der „6 vor 9“-Medienlinks von BILDblog. Zur Einstimmung und Konferenzplanung für all diejenigen, die heute nach Berlin aufbrechen oder schon da sind. Und als Übersicht für all die Daheimgebliebenen, die sich aus der Ferne für das Event interessieren. Gute Anreise, man sieht sich in Berlin!

1. re:publica | TEN: Unsere Empfehlungen für den 1. Tag
(netzpolitik.org, Jonas Klaus)
Die Redaktion von „Netzpolitik“ hat sich das Programm angeschaut und die interessantesten Beiträgen des ersten Tages zusammengestellt. Natürlich aus netzpolitischer Sicht.

2. Hauptsache, sie singen am Ende nicht „Purple Rain“
(zeit.de, Patrick Beuth)
Die „Zeit“ empfiehlt zehn Vorträge und Workshops, von Randall „XKCD“ Munroe über Politik mit Big Data bis zu Satire gegen Terror. Unvollständig und streng subjektiv wie man betont.

3. Auf diese re:publica-Sessions freuen wir uns
(rp-online.de)
Auch das Team von „RP Online“ ist vor Ort und wird im Zeitgeist-Blog von der re:publica berichten. Vorab hat jeder Redakteur seine persönliche Programmempfehlung abgegeben.

4. re:publica: Diese 10 Sessions solltet ihr euch rot im Kalender anstreichen [#rpTEN]
(Daniel Hüfner)
Die Redaktion von „t3n“ („Magazin für digitales Business“) verrät, welche Sessions man sich unbedingt rot im Kalender anstreichen sollte. Die Spanne reicht von „Der Vormarsch der Pseudo-Journalisten“ mit Prof. Dr. Lutz Frühbrodt bis zu „The Age of Trotzdem“ von Sascha Lobo.

5. Hinter den Kulissen von BILDblog
(bildblog.de)
Ihr habt am Dienstagabend noch nichts vor? BILDblog veranstaltet einen Benefizabend in eigener Sache. Es gibt ein Theaterstück mit Ingolf Lück, Anekdoten und Redaktionsinterna mit BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier, dem jetzigen BILDblog-Chef Mats Schönauer und „6 vor 9“-Kurator Lorenz Meyer. Und Musik. (Ich bin befangen, dennoch: Das wird ne tolle Sache!)

6. Rahmenprogramm re:publica 2016 #rpten
(cortexdigital.de, Stefan Evertz)
Und wer nach all den Veranstaltungen immer noch Kraft und Energien hat: Neben der offiziellen Rahmenprogramm-Liste gibt es noch die inoffizielle Liste aller Side Events und Partys, sortiert nach Datum und Uhrzeit.

Kuratorbuffet, Instantsuppe, Maskulismussalat

1. Kuratieren im Journalismus: Kontext ist King
(fachjournalist.de, Bernd Oswald)
„Links zu empfehlen und einzuordnen ist angesichts der enormen Informationsflut im Internet gerade wieder total in. Welche Arten des Kuratierens es gibt, was einen guten Kurator ausmacht und warum es sich lohnt, einer zu werden, erklärt Bernd Oswald.“ Exakt mit diesen Worten ist der Beitrag meines Kurator-Kollegen Oswald (piqd.de) überschrieben, was ich in diesem Fall als perfekte Zusammenfassung des Beitrags stehen lassen möchte.

2. instant everywhere
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Um Facebooks „Instant Articles“ ranken sich viele Gerüchte und Missverständnisse und sogar Journalisten kommen manchmal ins Schleudern, wie Felix „Kleinschreibung“ Schwenzel in seinem neuesten Beitrag erzählt. Schwenzel erklärt die Sache und verrät, warum er glaubt, dass sich die Instant Articles auch bald auf dem Desktop einnisten werden.

3. Pöbeln für die Männlichkeit
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
„Süddeutsche Zeitung“-Autor Simon Hurtz hat sich ins Herz des Maskulismus begeben und mit einigen Vertretern der teilweise fanatischen Männerrechtler gesprochen, die Männer für systematisch benachteiligt halten. Die Maskulisten seien vor allem ein Online-Phänomen, der Austausch erfolge vor allem in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken. Vielfach würden antifeministische oder frauenfeindliche Thesen aufgestellt, oft ergehe man sich in ordinären Pöbeleien.

4. Über die Gratisschreiberei
(michaelbittner.info)
Der Autor und Journalist Michael Bittner wird von einem kommerziellen Medium gefragt, ob er einen Text kostenlos zur Verfügung stellen würde. Natürlich sei freundliches Fragen nicht verwerflich, so Bittner, dennoch gerät er ins Grübeln: „Der finanzielle Unterschied zwischen Leserbriefschreiberei und freiem Journalismus schrumpft jedenfalls stetig, während freie Autoren gleichzeitig immer mehr Aufgaben übernehmen, die früher feste Redakteure erledigten. Vielleicht treten bald nur noch Menschen an die Öffentlichkeit, die sich das Schreiben als Hobby leisten können, weil sie vermögend sind oder anderswo sprudelnde Geldquellen erschlossen haben.“

5. Der Kampf geht weiter
(taz.de, Anne Fromm)
„taz“-Medienredakteurin Anne Fromm berichtet von den öffentlich ausgetragenen Konflikten innerhalb der linken Debattenzeitschrift „Analyse & Kritik (ak)“. Die Zeitschrift ist im Umbruch, ein Generationenwechsel steht an. Im März hätte die Hamburger Redaktion den Konflikt erstmals auf Facebook öffentlich gemacht. Seitdem hätte es regelmäßig Wasserstandsmeldungen gegeben und aktuell eine komplette Seite drei „zum Stand der Dinge bei ak“. Die Angelegenheit ist im wahrsten Sinne des Wortes prekär, denn das Projekt bedeutet viel Arbeit für wenig Geld.

6. Antwort von „Bochum and Leicester Friendship“ an „Bild“
(facebook.com)
Ein „Bild“-Reporter fragt die Fußballfans der „Bochum and Leicester Friendship“ für einen Beitrag an. Auch wenn, wie er augenzwinkernd hinzufügt, der VfL-Trainer ja nicht der größte „Bild“-Fan sei… Die städteübergreifende Fantruppe antwortet in einer Weise, die ihn vom Grundsatz eigentlich nicht hätte überraschen dürfen, es aber wahrscheinlich dennoch getan hat.

Verlegertreff, Schweizer Käse, Ruthe-Apell

1. „Jetzt hilft nur noch ein Nobelpreis“
(boersenblatt.net, Holger Heimann)
Unter dem Motto „Verlage (in) der Zukunft“ haben sich drei Verleger Gedanken über die Planbarkeit des Erfolgs und das Bild von Verlagen in der Öffentlichkeit gemacht: Felicitas von Lovenberg, seit etwa 50 Tagen Verlegerin des Piper-Verlags, Hanser-Verleger Jo Lendle und Jonathan Beck vom Verlag C.H. Beck. Letzterer klagte: „In den letzten Jahren hat es eine ganze Reihe von Entscheidungen gegeben, die ein Bild von Verlagen als bloße Verwerter transportieren, die Manuskripte lediglich an Druckereien weitergeben und arme Autoren dazu zwingen, für sie ungünstige Verträge zu unterschreiben“. Was für ein Wunder möchte man hinterherrufen, wenn man liest, wie unsouverän die anwesende Kulturstaatsministerin mit der höchstrichterlichen Entscheidung umgeht, der nichterlaubten Selbstbedienung der Verlage an den VG-Wort-Einnahmen (Ministerdeutsch: „bewährte Praxis“) endlich ein Ende zu bereiten.

2. Niederländer sollen mit Kritik an Erdogan vorsichtig sein
(faz.net)
Der türkische Ministerpräsident weitet seine Zensurzone auf immer mehr Länder aus und wertet anscheinend soziale Netze aus. Nun hat der niederländische Außenminister Bert Koenders seine Landsleute zur Vorsicht ermahnt. Es gebe „keine Garantien“ für Niederländer, die sich etwa in sozialen Netzwerken kritisch zur türkischen Führung geäußert hätten und dann in die Türkei reisten, sagte Koenders bei einer Parlamentsdebatte am Dienstag.

3. Regelwerk mit Lücken an den entscheidenden Stellen
(de.ejo-online.eu, Silke Fürst & Mike Meißner)
Wie groß die Angst vor sinkenden Werbeerlösen in der Zeitungsbranche sein muss, kann man derzeit in der Schweiz sehen. Da fordert der Chef der „Basler Zeitung“ die Anzeigenkunden auf, gegen missliebige Berichterstattung vorzugehen und verteidigt sogar einen Boykott: Inserierende Unternehmen müssten sich nicht „auf der Nase rumtanzen“ lassen. Und der Verlegerpräsident Lebrument verstieg sich in der „NZZ“ sogar zu der Aussage, dass die saubere Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung heute nicht mehr funktioniere und „Kompromisse“ notwendig seien. Im Artikel kommen verschiedene Stimmen zu Wort, auch jene, die diese Aussagen problematisieren.

4. Wie man Leser verhohnepipelt
(bilanz.de, Wolf Schneider)
Journalistenlegende Wolf Schneider (u.a. Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ in Washington, Chefredakteur der „Welt“, Moderator der NDR-Talkshow, Gründer und Leiter der Henri-Nannen-Schule) meldet sich auch noch mit 90 regelmäßig zu Wort. In seinem neuen Artikel nimmt er einen Brockhaus-Eintrag auseinander und seziert ein verzwirbeltes Satzmonstrum aus der „Frankfurter Allgemeinen Woche“. Schneider macht Texte verständlicher, indem er sprachlichen Ballast abwirft und die Lesbarkeit verbessert. Das ist nicht nur für Journalisten interessant, sondern für jeden Schreibenden.

5. Ruthe zum Tag des geistigen Eigentums
(facebook.com/ruthe.de)
Cartoonist Ralph Ruthe gehört zu den meistbestohlenen Comic-Künstlern im Netz. Anlässlich des „Tags des geistigen Eigentums“ schreibt er, mit welchen Übernahmen er leben kann und mit welchen nicht. Und er geht mit viel Geduld und Höflichkeit auf all die gängigen Argumente der Kopierbefürworter ein („Das ist doch Werbung für dich!“).

6. „sanft & sorgfältig“ jetzt bei Spotify | NDR
(Daniel Bouhs, Video, 7:35)
Hinter dem Erfolg einer Radiosendung steht auch immer ein Programmchef, der diese mitverantwortet. Im Fall von Deutschlands beliebtester Radiosendung „sanft & sorgfältig“ mit Jan Böhmermann und Olli Schultz ist es RadioEins-Chef Robert Skuppin. Im Interview zum Wechsel von Böhmermann und Schulz zu Spotify erklärt er auf sympathisch gelassene Art, warum er auf den privaten Streamingdienst richtig sauer ist, auf Jan Böhmermann und Oli Schulz dagegen nicht.

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