Archiv für 6 vor 9

Oberhausen, BBC, Michael Jeannée

1. „Geografie für Privatradios: Brasilien liegt im Ruhrgebiet“
(fair-radio.net)
Fußball-Weltmeisterschaft: Radioreporter berichten aus einem „WM-Studio“ oder auch „live vor Ort“, aber nicht etwa aus Brasilien, sondern aus Oberhausen: „Wie uns eine ‘radio NRW’-Sprecherin bestätigt, sitzt dort ein Sportreporter, der das Spiel schaut und davon berichtet, was er in der Übertragung sieht. Unter dessen Reportage wird die Live-Atmo aus den jeweiligen Stadien in Brasilien eingespielt, die die FIFA offiziell für solche Zwecke zur Verfügung stellt.“

2. „Wirre Experten müssen schweigen“
(nzz.ch, Paula Scheidt)
Die BBC will wissenschaftlichen Aussenseitermeinungen zukünftig weniger Gewicht geben. „Einige Journalisten und Blogger kritisieren, die neue Ausrichtung verhindere eine objektive Berichterstattung. Zwischen Konsens und Propaganda liege nur ein schmaler Grat, schreibt ein Blogger. Viele befürchten die Einschränkung von freier Meinungsäusserung und freiem Informationszugang.“

3. „Und es hat Klick gemacht“
(journalist.de, Boris Hänßler)
Wie lässt sich Erfolg im Netz messen, durch Klicks, Verweildauer, Aufmerksamkeit? Boris Hänßler zitiert Manuel Marini: „Die meisten Menschen bewegen beim Lesen unbewusst den Mauszeiger über den Text. Das ist ein guter Indikator, wie intensiv die Leute sich mit dem Inhalt beschäftigen – oder ob sie die Seite nur aufgerufen haben und sich einen Kaffee holen.“

4. „‘Krone’: Aufregung nach NS-Anspielung in Jeannée-Kolumne“
(diepresse.com)
Die „Krone“-Chefredaktion ändert eine Kolumne von Michael Jeannée über den „deutschen Fußball“: „In Teilen der Morgenausgabe wurden zumindest die auf SA-Kampfgesänge und ‘Endsieg’ anspielenden Passagen gestrichen.“

5. „Eine Email an SIXX“
(herrbrause.wordpress.com)
Herr Brause findet einen eigenen Tweet fast 1:1 wieder auf der Facebook-Seite von Sixx.

6. „Öffentliche Narbe“
(sueddeutsche.de, Ekkehard Müller-Jentsch)
Eine gerichtliche Auseinandersetzung um eine Schlagzeile von „Closer“ zu einem „Wundmal im Dekolleté“ von Simone Thomalla: „In öffentlicher Sitzung ließ sie vortragen: Der durch die Titelseite erweckte Eindruck, sie habe kürzlich eine Brustoperation durchführen lassen, sei falsch. Diese sei bereits sieben Jahre her, sodass ein aktuelles Berichtsinteresse nicht vorliege.“

Playboy, Peter Röthlisberger, China

1. „‘Ist sie nicht hübsch?’“
(freitag.de, Elke Wittich)
Weibliche Journalisten zum Thema Fußball: „Manchmal allerdings bleibt auch mir nur Sprachlosigkeit. Wie bei einem Interview mit einem Ostberliner Vereinspräsidenten, der die Frage nach dem ‘Wie geht es denn nun weiter mit dem Klub?’ mit einem ‘Nein, wie sind Sie hübsch!’ beantwortete. Auch alle weiteren Versuche, etwas auch nur halbwegs Zitierbares aus ihm herauszubekommen, beantwortete er mit einer Variation des Hübsch-Themas. Er holte sogar seinen Vizepräsidenten dazu und sagte dem: ‘Schau sie dir an, ist sie nicht hübsch?’ Das komplette Interview haben wir dann übrigens ungekürzt abgedruckt, eine Reaktion des Vereins gab es nie.“

2. „Beschwerde gegen den ‘Playboy’: Wie der Presserat seine Missbilligung begründet“
(kress.de, Henning Kornfeld)
Wie der Presserat und der Chefredakteur des „Playboy“ mit der Beschwerde eines Lesers umgehen: „Der Chefredakteur bezweifelt, dass der Experte, der in seinem Fach äußerst aktiv und offenbar auch anerkannt sei, seine Glaubwürdigkeit für Gefälligkeits-PR aufs Spiel setze. Nur weil der Hersteller möglicherweise nicht unglücklich über die Feststellung des Experten sei, mache dies den Professor noch lange nicht zum Handlanger des Unternehmens.“

3. „Sack Reis in China“
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Die Titelseiten wichtiger überregionaler Zeitungen in Deutschland zeigen alle Angela Merkel beim Kochen.

4. „Bad China Articles: Hall of Infamy“
(theanthill.org, englisch, 27. Juni)
„The Anthill“ kürt zehn schlechte Artikel über China: „Business Insider reporter in town on a visit goes out ‘to see the ‘real’ China’. Has lunch, pays a lot for it, writes blog post. Contains the poetic photo caption ‘Beijing from the window of my cab’, which pretty much sums it up.“

5. „A list of search results omitted, erased, or censored due to the ‘Right to be forgotten’“
(hiddenfromgoogle.com, englisch)
Eine Liste von Links, die aufgrund des Rechts auf Vergessenwerden von Suchmaschinen-Resultaten entfernt wurden.

6. „‘Der Leser hat recht’“
(blickamabend.ch, Peter Röthlisberger, 1. Juli)
In einem Beitrag für ein Buch des Verbands Schweizer Medien behauptet Peter Röthlisberger, Chefredakteur der kostenlosen Boulevardzeitung „Blick am Abend“: „Der ‘Blick’ lügt nicht, die Blick-Titel erfinden keine Geschichten. (…) Im Idealfall missionieren Boulevardmedien auch nicht für eine Anschauung, nehmen die Leser und User ernst und erklären nicht die Welt, wie sie sein müsste, sondern beschreiben, was ist.“

SFV, Staatsschutz, Verschlüsselung

1. „Besser reden mit unseren Lesern“
(ploechinger.tumblr.com)
Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Sueddeutsche.de, macht sich ausführlich Gedanken über Leserkommentare: „Das Argument, Moderation sei Zensur, ist grundfalsch. Nie war die Chance, irgendwo irgendwelche Thesen zu publizieren, so groß wie heute im Netzzeitalter. Wieso aber sollten ausgerechnet Nachrichtenseiten mit ihrem Multimillionenpublikum dieser Ort sein – wenn alle dort davon genervt sind, Leser wie Redakteure? Wieso ändern wir nicht unsere Regeln so, dass Menschen durchkommen, die wirklich etwas beizutragen haben?“ Siehe dazu auch „Das Erbrochene betrachten“ (christophkappes.de).

2. „‘Analsex’ ist nicht der meistgesuchte Begriff in Niedersachsen, liebes Internet“
(vice.com, Henri Tartaglia)
Einige Leser verstehen den Artikel „Was man aus den Google-Suchen über Deutschland lernen kann“ falsch: „Um ein echtes Psychogramm der Bundesländer zu erstellen, müsste man nicht nur jedes Wort in der deutschen Sprache durch Google Trends jagen, sondern auch noch die Unterschiede in den Bevölkerungszahlen rausrechnen.“

3. „Nazi-Angriff: Anzeige gegen Ruhrbarone-Journalist, weil der bei den Dortmunder Rathausverteidigern stand“
(ruhrbarone.de, Bastian Puetter)
Journalist Bastian Puetter erhält eine Anzeige vom Staatsschutz wegen Nötigung: „Zwar leite ich seit fünf Jahren hauptamtlich eine Magazin-Redaktion mit Sitz in Dortmund, erscheine auch auf Polizeipressekonferenzen und war für die Ruhrbarone etwa zuletzt für die konstituierende Sitzung des Rates akkreditiert, aber man muss mich nicht kennen. Nur: Dafür ermittelt ein Staatsschutz ja.“

4. „Kanalisieren, verhindern, abwürgen, bestimmen“
(bazonline.ch, Marcel Rohr)
Marcel Rohr beklagt sich über die Medienarbeit des Schweizer Fußballverbands SFV, die aus „kanalisieren, verhindern, abwürgen und bestimmen“ bestehe: „Mal hiess es, Ottmar Hitzfeld wolle nicht, dass die Spieler zu viel reden. Mal war es der Medienchef, der keine Lust zu haben schien, mal die Fifa, die mit ihrer Doktrin alle in Atem hielt.“

5. „Nutzen Journalisten Verschlüsselungsprogramme?“
(ndr.de, Video, 2:33 Minuten)
Eine Kurzumfrage unter Journalisten.

6. „Diego Maradona against Belgium: the real story behind the famous image“
(theguardian.com, Jonny Weeks, englisch)

Tom Bartels, Medienkriege, Geheimdienste

1. „Wie tickt Tom Bartels?“
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Ein Interview mit Tom Bartels, der das Finale der Fußball-WM kommentieren soll: „Jeder Reporter, auch ich, könnte einfach zehn Prozent mehr schweigen. (Man hört eine Frauenstimme im Hintergrund.) Meine Frau Tina, die gerade wiederkommt, ruft: 20 Prozent.“

2. „Pressefreiheit mitgelöscht“
(berliner-zeitung.de, Jonas Rest)
Vom Recht auf Vergessenwerden betroffene Zeitungen müssen „eine Möglichkeit des außergerichtlichen Widerspruchs haben“, findet Jonas Rest: „Ansonsten verkommt die Pressefreiheit zur funktionslosen Dekoration: Es werden viele kritische Texte auf den Servern von Nachrichtenportalen liegen, die aber nutzlos sind, da sie niemand findet, wenn er sie wirklich braucht.“ Siehe dazu auch „Google reverses decision to delete British newspaper links“ (reuters.com, englisch).

3. „Kiews Dilemma mit den russischen Medien“
(nzz.ch, Rudolf Hermann)
Die ukrainischen Behörden fragen sich, wie sie mit russischen Medien umgehen wollen, die „offen desinformieren“, berichtet Rudolf Hermann: „Nicht nur in Russland, sondern auch in weiten Teilen der russischsprachigen Ostukraine gehört russisches Fernsehen zu den wichtigsten Informationskanälen. Die Objektivität der Information wird dabei wenig hinterfragt.“

4. „Der Krieg der Phrase“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.ch)
Der „erste Medienkrieg“ der Geschichte.

5. „‘Spüre die Angst auch schon in Deutschland’“
(deutschlandradiokultur.de, Korbinian Frenzel)
Boris Reitschuster, Autor des Buchs „Putins Demokratur“, redet über seine Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst FSB: „Ich wurde einmal festgenommen, ich wurde einmal umgefahren von einem Auto, absichtlich, wo man sagte, ich stehe ich Weg. Man hat mich dann umgefahren. Ich wurde einmal verprügelt. Man wird richtig ängstlich, ich spüre diese Angst inzwischen auch schon in Deutschland, wenn ich jemand sehe mit einer Kunstlederjacke und mit einem bestimmen Haarschnitt, dann fange ich schon an nervös zu werden, obwohl es hier in Deutschland natürlich Fehlalarm ist.“

6. „Von der NSA als Extremist gebrandmarkt“
(tagesschau.de, Lena Kampf, Jacob Appelbaum und John Goetz)
Wer sich mit Software zum Schutz vor Überwachung im Internet beschäftigt, wird von der NSA als „Extremist“ markiert: „Extremisten? Das Gegenteil ist der Fall, wie die Recherchen zeigen. Die deutschen Opfer sind politisch keinesfalls am äußeren Rand zu finden. Extrem sind sie allein in einem Punkt: Sie sind besorgt um die Sicherheit ihrer Daten. Und genau das macht sie in den Augen des US-Geheimdienstes verdächtig.“

Stern.de, Digg, Eric Weber

1. „EU’s right to be forgotten: Guardian articles have been hidden by Google“
(theguardian.com, James Ball, englisch)
James Ball stellt sechs Guardian-Artikel vor, die aufgrund des Rechts auf Vergessenwerden vom Google-Suchindex verschwinden: „Publishers can and should do more to fight back. One route may be legal action. Others may be looking for search tools and engines outside the EU. Quicker than that is a direct innovation: how about any time a news outlet gets a notification, it tweets a link to the article that’s just been disappeared. Would you follow @GdnVanished?“ Siehe dazu auch „Why has Google cast me into oblivion?“ (bbc.com, Robert Peston).

2. „Wozu gibt es eigentlich STERN.de?“
(jensrehlaender.tumblr.com)
Wer Stern.de aufrufe, dem offenbare sich „in schonungsloser Härte, wie Reichweitenoptimierung eine Medienseite bis zur Unkenntlichkeit“ ruiniere, schreibt Jens Rehländer. „Liebe Leute von stern.de, ich bin sicher, ihr würdet euren Dienst anders machen, wenn man euch ließe. (…) Denn angesichts dieses Allerwelts-Klimbim frage mich ernsthaft, was fehlen würde, wenn es stern.de morgen nicht mehr gäbe?“

3. „Gegenentwurf zu Facebook: Wie Digg zur Startseite des Internets werden will“
(spiegel.de, Ole Reißmann)
Ole Reißmann schaut sich Digg an, wo man neu auf redaktionell ausgewählte Links setzt. „Was es auf Digg nicht gibt: Clickbait, reißerische Überschriften zu oft belanglosem Entertainment, wie es Seiten wie Heftig oder Upworthy vormachen.“

4. „Deutsche Talkshows sind Russland-lastig“
(ostpol.de, Sonja Volkmann-Schluck)
Fabian Burkhardt analysiert in der Arbeit „Die Ukraine-Krise in den deutschen Talkshows“ die Gäste von Talkshows zum Thema Russland und Ukraine.

5. „A leap forward in quarterly earnings stories“
(blog.ap.org, Paul Colford, englisch)
Die Nachrichtenagentur AP will neu in automatisierter Form Bericht erstatten: „The Associated Press announced in an advisory to customers today that the majority of U.S. corporate earnings stories for our business news report will eventually be produced using automation technology.“

6. „Eric Weber, der Bürgerschreck“
(bazonline.ch, Aaron Agnolazza)
Aaron Agnolazza stellt Eric Weber vor, Ex-“Bild“-Mitarbeiter und gewählter Parlamentarier im Kanton Basel-Stadt: „Mittlerweile deckt der Grossrat die Regierung beinahe täglich mit Interpellationen und schriftlichen Anfragen ein. ‘Ich schreibe so viele Anfragen, um den angestauten Frust abzubauen’, erklärt sich Weber. ‘Meine Anfragen kosten die Regierung pro Monat 20 000 Franken’, behauptet er beinahe triumphierend.“

Per Mertesacker, Mindestlohn, Erdbeben

1. „Haut ab mit eurem Wow-Effekt!“
(zeit.de, David Hugendick)
Ein ZDF-Interview mit Per Mertesacker (youtube.com, Video, 2:35 Minuten) im Anschluss an das Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Algerien: „Im Fernsehen, wo notorisch ‘magische Momente’ eingefordert werden, hat Negativität keinen Platz mehr. Man will lieber Wirklichkeit mit dem Emotionswert der Soap-Opera. Man will ‘echte Tränen’, ‘echte Freude’ und alles, was sonst noch unter dem Modewort ‘Authentizität’ firmiert, die nur gut ist, solange sie sich anpasst und irritationsfrei konsumierbar ist.“

2. „Herzlichen Glückwunsch, Boris Büchler!“
(faz.net, Frank Lübberding)
Frank Lübberding gratuliert ZDF-Reporter Boris Büchler zu diesem Interview und regt an, sich mit dem Bundestrainer zu beschäftigen: „Stattdessen sieht man etwa im Fernsehen jene Szenen namens ‘Löw am Strand’ im WM-Quartier der Nationalmannschaft. Ein nachdenklicher Trainer auf dem Wege zu Ruhm, so ist diese Form des öffentlich-rechtlichen Propaganda-Fernsehens zu nennen. Offenkundig muss jeder Journalist für ein kritisches Wort befürchten, am Hofe des DFB in Ungnade zu fallen.“ Siehe dazu auch „In Interviewgewittern“ (begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig).

3. „LSR: Wiederholt sich die Geschichte?“
(vocer.org, Heidi Tworek und Christopher Buschow)
Heidi Tworek und Christopher Buschow erinnern an das Gesetzgebungsverfahren in den 1920er-Jahren, als mit der zunehmenden Verbreitung des Radios „die Forderung nach einem rechtlich geregelten Nachrichtenschutz“ aufkam.

4. „Schlechte Schlagzeilen (1): ‘Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen’“
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Die Schlagzeile „Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen“ auf Focus.de: „Die Gefahr durch geologische Aktivität ist heute nicht größer als sie es in der Vergangenheit war. Es ist nichts passiert, dass eine neue ‘Bedrohung’ durch Erdbeben verursacht hat. Wir wissen nun nur besser über die Statistik Bescheid als vorher.“

5. „Warum werden eigentlich ausgerechnet Zeitungszusteller vom Mindestlohn ausgenommen?“
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Der angeblich flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro soll erst ab 2017 auch für Zeitungszusteller gelten. „Geht es nicht noch ein bisschen grotesker und dreister?“, fragt Jens Berger zur Behauptung, die Pressefreiheit sei dadurch in Gefahr: „Nach dieser Logik sind auch Hungerlöhne für Krankenpfleger gerechtfertigt, da ansonsten ja Krankenhäuser geschlossen werden müssten und die öffentliche Gesundheitsvorsorge in Gefahr wäre. Nach dieser Logik ließen sich in so ziemlich in jeder Branche Hungerlöhne rechtfertigen.“

6. „Die gesammelten Bauer-Regeln zu Journalismus im Netz“
(davidbauer.ch)

Jung&Naiv, Volontariat, Netzfingerabdruck

1. „Der Traum vom Journalistenleben“
(mdr.de, Audio, 29:23 Minuten)
Zwanzig Jahre nach dem Besuch der Journalistenschule ruft Philip Meinhold ehemalige Mitschüler an und fragt sie, ob sie ihre Vorstellungen von Journalismus verwirklichen konnten.

2. „Bitte bewerben – ihr braucht dafür auch nur drei Tage“
(sara-weber.tumblr.com)
Noch bis zum 8. Juli kann man sich beim britischen „Spectator“ für ein ein- oder zweiwöchiges Praktikum bewerben. Sara Weber findet die Anforderungen dafür sehr hoch, das Bewerbungsverfahren „unverschämt“.

3. „Meine Laudatio für Jung&Naiv: Die konservative Konterrevolution hat Youtube erreicht“
(leitmedium.de, ccm)
„Jung & Naiv“ mit Tilo Jung revolutioniere nicht den Journalismus auf Youtube, sondern es sei „ein Intranetformat für Medienmacher und Politiker“, schreibt Caspar Clemens Mierau: „Jung bringt den am Zuschauer desinteressierten Journalisten auf die Videoplattform und erntet damit natürlich den Applaus einiger Journalisten-Kollegen, die auch lieber ohne Leser schreiben würden.“

4. „Stromnetz verrät Whistleblower“
(heute.de, Peter Welchering)
Eine Verzerrung der Stimme des Informanten ist kein wirkungsvoller Schutz, schreibt Peter Welchering: „Denn mit einer IT-forensischen Methode können die Einstreuungen der elektrischen Netzfrequenz in Tonaufnahmen herausgefiltert und zu einer Art Netzfingerabdruck verdichtet werden. Dieser Netzfingerabdruck wird dann mit Frequenzdatenbanken abgeglichen, um herauszubekommen, wann und wo die Aufnahme gedreht wurde.“

5. „Das Chaos der Anderen“
(neues-deutschland.de, Tobias Riegel)
Tobias Riegel malt sich in der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“ aus, wie es wäre, wenn ausländische Politiker und Medien deutsche Politiker kritisieren, die versuchen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen: „Wir können uns in Deutschland kaum vorstellen, wie das wäre, wenn sich der US-Außenminister regelmäßig tadelnd zu unserem Umgang mit Demonstranten äußern würde. Es ist aber zu vermuten: Sollte eine linke Bundesregierung einst den Austritt aus der NATO anstreben – wir würden das Gefühl der ständigen Ermahnung kennenlernen. Dann wären die Randalierer vom 1. Mai für die ‘Bild’-Zeitung plötzlich die ‘friedliche und demokratische’ Speerspitze gegen eine ‘autokratische’ und ganz allgemein ‘korrupte’ Bundesregierung – die schleunigst durch Technokraten ersetzt werden muss.“

6. „Keine Handyfotos auf der Pressetribüne erlaubt“
(twitter.com/LarsWallrodt)

Ikea, Juncker, Filmpool

1. „Eine Farce nähert sich ihrem Höhepunkt“
(zeit.de, Till Kreutzer)
Till Kreutzer schreibt zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger: „Schon die Einführung des LSR entbehrte jeglicher Begründung und Rechtfertigung. Der Versuch, zu dessen Durchsetzung auch noch das Kartellrecht ad absurdum zu führen, ist infam.“ Siehe dazu auch „‘Die Zeit ist reif für ein Leistungsschutzrecht’“ (voez.at).

2. „Marc-Uwe Kling sollte gut aufpassen, dass seine Känguru-Chroniken nicht in die Hände von ‘Bild’-Reporterin Birgit Begass fallen“
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Heiko Werning)
Ein „Bild“-Bericht über ein Gehege mit Wildtieren in Stolberg: „Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, sich auszumalen, was es für die Existenz eines Biologie-Lehrers und Fachjournalisten bedeuten könnte, plötzlich öffentlich als Tierquäler gebrandmarkt zu werden.“

3. „Beim Casting für Scripted-Reality-Formate“
(noz.de, David Sarkar)
David Sarkar besucht ein Casting der TV-Produktionsfirma Filmpool: „Bis zu 14 Stunden am Tag stehen die Darsteller vor der Kamera, pro Tag bekommen sie 60 Euro – ein Stundenlohn von rund 4,50 Euro.“

4. „Der Journalismus und das Juncker-Phänomen“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal versucht mittels der Lektüre journalistischer Berichte herauszufinden, um was es in der Diskussion um die Besetzung von Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident inhaltlich geht: „In der Juncker-Sache wurde in einem Ausmaß undeutlich, nebulös und uneigentlich berichtet, dass es schon an Journalismusverweigerung grenzt.“

5. „Twittern für den Kreml“
(nzz.ch, Katharina Bracher)
Die NZZ reagiert auf die Flut von prorussischen Leserkommentaren mit einem „Propaganda-Paragraphen“ in der Netiquette.

6. „Taipeh schlägt Hamburg: Unser Ikea ist kleiner und zentraler!“
(intaiwan.de, Klaus Bardenhagen)
Angeblich wird in Hamburg-Altona die weltweit erste Innenstadt-Filiale von Ikea eröffnet: „Äh… nö. Zumindest hier in Taipeh gibt es das schon lange.“

Katrin Müller-Hohenstein, China, Ägypten

1. „Die falsche Debatte“
(frau-dingens.de, Mina)
Mina analysiert Feuilleton-Artikel zur Technik der Zukunft: „Das Bildungsbürgertum wehrt sich mit letzter Kraft gegen die digitale Durchdringung der Gesellschaft, die so viele Nachteile anderer Milieus ausgleichen kann, und somit den eigenen Status gefährdet.“

2. „Banal, belanglos, Müller-Hohenstein“
(berliner-zeitung.de, Anne Burgmer)
Katrin Müller-Hohenstein berichtet für das ZDF von der Fußball-Weltmeisterschaft: „Müller-Hohenstein berichtet, wo es nichts zu berichten gibt. Sie erklärt während der Live-Schalte in den Fernsehgarten, wann die Mannschaft gelandet ist, dass sie dann im Bus weiterfuhr und schließlich auf die Fähre wechselte. Und dann wieder in den Bus. Und dann Koffer auspackte.“

3. „Were Luis Suárez’s bite marks Photoshopped?“
(theguardian.com, Jonny Weeks, englisch)
Fußball: Die Debatte um ein Foto von Tony Gentile (Reuters), das eine Bisswunde an der Schulter von Giorgio Chiellini zeigt.

4. „Neue Maulkörbe für Chinas Journalisten“
(derstandard.at, Johnny Erling)
Medienfreiheit in China: „Unter dem Slogan ‘Kampf gegen Gerüchteverbreiter’ wurde eine Reihe sogenannter Blogger-Meinungsführer unter Straftatsvorwürfen festgenommen und mit Schuldeingeständnissen als reuevoll auftretende Sünder im TV vorgeführt. Einfachen Bloggern wird mit Strafverfolgung gedroht, falls von ihnen ins Netz gestellte (Falsch-)Nachrichten mehr als 500-mal weitergeleitet werden.“

5. „Wer ist das Volk?“
(sueddeutsche.de, Sonja Zekri)
Medienfreiheit in Ägypten: „Zehntausende politische Gefangene, Hunderte Todesurteile und sechs tote Journalisten seit vergangenem Jahr haben ein Klima geschaffen, in dem nach den Worten des Schriftstellers Alaa al-Aswani ‘nur eine Meinung erlaubt ist, ein Gedanke in den immer gleichen Worten.’“

6. „Klicks sind tot: Upworthy veröffentlicht Code, um Aufmerksamkeit zu messen“
(t3n.de, Kim Rixecker)
Kim Rixecker schreibt über den Blogbeitrag „Implementing Attention Minutes, Part 1″ (upworthy.github.io, Zane Shelby, englisch). „Mittels verschiedener Scripte soll genau gemessen werden, ob eine Seite derzeit aktiv ist und wie lange der Besucher sich beispielsweise ein Video auf der Seite anschaut.“

Forget.me, Echo-Medien, Norbert Lammert

1. „Staatsanwaltschaft geht mit Durchsuchungsbeschluss gegen Echo-Medien vor“
(echo-online.de)
Zum ersten Mal „in der fast siebzigjährigen Geschichte der Echo-Zeitungen überhaupt“ erhalten die ECHO-Medien in Darmstadt Besuch von der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei. Gefordert wird die Identität hinter einem inzwischen gelöschten Leserkommentar.

2. „Forget.me illustriert, wie nah Datenschutz und Zensur beieinander liegen“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt Forget.me vor. Die französische Website zeichne sich auch dadurch aus, „dass User nicht wie beim Google-’Löschservice’ manuell die zu entfernenden Website-URLs liefern müssen. Stattdessen zeigt Forget.me eine Live-Ergebnisliste zur Suche nach dem persönlichen Namen an. Neben jedem Eintrag befindet sich eine prominent platzierte Schaltfläche ‘Forget this’. Wer diese betätigt, muss auf der Folgeseite noch die passende juristische Rechtfertigung auswählen und den Scan eines Dokuments zur Identifizierung hochladen. Fertig.“

3. „Auf einmal“
(umblaetterer.de, Paco)
Paco fragt sich, weshalb der „Freitag“ den Jakob-Augstein-Text „Wir töten, was wir lieben“ über Frank Schirrmacher offline gestellt hat.

4. „Der digitale Kulturpessimismus des Feuilletons langweilt“
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
„Kulturpessimismus floriert im Feuilleton“, stellt Philippe Wampfler fest: „Über die Gründe kann ich nur spekulieren – es wundert mich immer wieder, warum aus all den Menschen, die zu digitalen Entwicklungen etwas sagen könnten, immer die mit den platten Angst-Thesen Platz erhalten.“

5. „Die scheinheilige Empörung über Schumachers gestohlene Krankenakte“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier reagiert auf die „Warnung vor Veröffentlichung“ der entwendeten Krankenakte von Michael Schumacher durch den DJV: „Die Veröffentlichung der Krankenakte wäre gerade deshalb auch so empörend, weil ihr Inhalt wahr wäre. Im Gegensatz zu all dem unzuverlässigen Geraune, mit dem die Medien ihre Schumacher-Berichterstattung füllen.“

6. „Lammerts Lebenshilfe: Überwachung mit Fassung tragen!“
(youtube.com, Video, 1:31 Minuten)
Siehe dazu auch „Arbeitserleichterung für die NSA: Deutscher Bundestag bezieht Internet von US-Anbieter Verizon“ (netzpolitik.org, Andre Meister).

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