Archiv für 6 vor 9

Bahnstreik, Behinderung, „Bild“-Girl

1. „Abweichende Realitäten: Die Lokführer, die Medien und die Leser“
(wibkeschmidt.com)
Wibke Schmidt blickt auf die Berichterstattung zum Bahnstreik, insbesondere auf das Verhalten von Stern.de: „Ich glaube aber, dass es jenseits von Bild, Focus.de und stern.de auch betriebswirtschaftlich unklug ist, vor allem die populistische Empörung zu bedienen. Viele Menschen sind gar nicht so unterkomplex strukturiert, dass sie ein Problem nicht über den privaten Horizont hinausdenken.“

2. „Wie eine 25-jährige Bambergerin das BILD-Girl abschaffen will“
(nordbayern.de, Björn Bischoff)
Das „Bild“-Girl stehe stellvertretend für „Bild“-Sexismus, findet Kristina Lunz: „Bislang ist der Tenor, dass Frauen nur dann wertgeschätzt werden, wenn sie ihre Brüste zeigen. Männer hingegen werden für ihre Leistungen in Politik und Sport geschätzt.“

3. „Verschlüsselte Zeitungsanzeigen, Teil 1: Das Internet des 19. Jahrhunderts“
(scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne, Klaus Schmeh)
Klaus Schmeh berichtet von verschlüsselten Zeitungsannoncen im 19. Jahrhundert: „Vor allem heimlich Verliebte nutzten diese Form des Kommunizierens. In der Times und anderen britischen Zeitungen fanden sich damals verschlüsselte Anzeigen zu Hunderten oder gar Tausenden.“

4. „‘Wo will der Rollstuhl denn raus?'“
(sueddeutsche.de, Sabrina Ebitsch)
Menschen mit Behinderung erzählen von alltäglichen Begegnungen mit Menschen ohne Behinderung und erteilen Auskunft, wie letztere „Situationen vermeiden, die für beide Seiten peinlich sind“.

5. „Warum uns der Nahe Osten egal sein sollte“
(cicero.de, Justin Logan)
Justin Logan fordert dazu auf, den Blick auf Wichtigeres zu richten als auf den Nahen Osten: „Drei Belange rückten diese kleine, arme und schwache Region in den Fokus der US-Außenpolitik: Erdöl, Israel und Terrorismus. Jedes dieser Anliegen verdient Beachtung, aber auch nicht annähernd so viel Beachtung, wie ihnen in den letzten Jahrzehnten zuteilwurde.“

6. „F.A.Z. Leserbrief“
(blog.beetlebum.de, Johannes Kretzschmar)

Neue Bild Zeitung, Wolfgang Kubicki, Peter Sloterdijk

1. „Skurril – Gegen-‘Bild’ der DDR“
(ndr.de, Video, 5:03 Minuten)
Ein Bericht über das in Berlin Mitte von 1957 bis mindestens 1963 produzierte DDR-Produkt „Neue Bild Zeitung“, deren Produzenten unbekannt blieben, jedoch klare Aufträge hatten: „Propagierung der DDR“ beispielsweise oder „Enthüllung der Bonner Politik“. Siehe dazu auch ein Interview mit Stefan Wolle vom DDR-Museum Berlin (ndr.de, Video, 33:51 Minuten).

2. „Wolfgang Kubicki: ‘Bild ist keine Zeitung, die in die Tiefe geht'“
(vocer.org, Maren Christoffer)
Was FDP-Politiker Wolfgang Kubicki über „Bild“ denkt: „Bild macht Meinung. Und zwar ganz bewusst und auch ganz nachdrücklich. Das kann man daran feststellen, dass man – ich auch – gelegentlich Anrufe bekommt und ein Redakteur sagt: ‘Wir haben Folgendes vor, können wir Sie damit zitieren?’ Es wird also nicht nach der Haltung zu einem Thema gefragt. Sie wollen etwas transportieren und brauchen dann einen Namen, den sie damit in Verbindung bringen können.“

3. „Zwischen gut gemeint und gut gemacht“
(ndr.de, Patrick Gensing und Andrej Reisin)
Patrick Gensing und Andrej Reisin machen sich Gedanken zur am Sonntag beginnenden ARD-Themenwoche „Toleranz“: „Dass Angehörige der stigmatisierten Gruppen eben nicht die Wahl haben, welches Maß an Ausgrenzung oder ‘Toleranz’ der Mehrheitsgesellschaft sie erdulden wollen – diese Erkenntnis scheint den Programmverantwortlichen der beworbenen Sendung noch nie gekommen zu sein.“

4. „Die Medienoffensive des Kreml“
(deutschlandfunk.de, Gesine Dornblüth)
Gesine Dornblüth berichtet von einer Medienoffensive von Russlands Führung: „Büros und Pressezentren in mehr als 130 Städten in 34 Ländern. Ein eigener Nachrichtendienst, Sputniknews, in vier Sprachen: Englisch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch. Radio und Multimediaangebote in 30 Sprachen, darunter auch auf Deutsch. All das ab 2015. Bisher funktioniert nur die englische Website.“

5. „Von der Torheit der Gratis-Kultur“
(horizont.at, Antje Plaikner)
Christoph Fasel hält es für „eine Torheit, die ­kostbare Ware Journalismus zu verschenken. Wenn ich mein Produkt verschenke, habe ich nichts mehr, worauf ich meinen Erwerb aufbauen kann. Und genauso ist das schon im Rahmen der ersten Internethysterie passiert.“

6. „‘Man denkt an mich, also bin ich'“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Sven Michaelsen)
Sven Michaelsen befragt Philosoph Peter Sloterdijk.

James Foley, Bernd Lucke, Prostatakrebs

1. „Die Würde stirbt zuerst“
(journalist.de, Carsten Stormer)
Der von der IS ermordete James Foley war mit Carsten Stormer befreundet. Stromer schreibt über den Umgang mit den Bildern der Exekution: „Wir sollten dem Drang widerstehen, einem Hilflosen, dem Kriminelle das Messer an die Kehle setzen, beim Sterben zuzusehen. Nur so geben wir dem Opfer jene Würde zurück, die ihm Fanatiker rauben wollen. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu verstehen, dass Jim Foley, Steven Sotloff und David Haines einen grauenvollen Tod gestorben sind. Die Hinrichtungen sind ein Attentat auf alle, die an Freiheit und Demokratie glauben und diese Gewaltideologie ablehnen. Deshalb gilt es, Respekt vor den Opfern und ihren Familien zu zeigen – und vor sich selbst. Aus dem gleichen Grund würden wir uns keine Vergewaltigung ansehen, sie nicht als News verkaufen.“

2. „‘Österreichs’ falsches Terror-Testimonial“
(kobuk.at, Thomas Hoisl)
„Österreich“ zeigt ein Bild auf der Titelseite, auf dem „Sabina (15)“ abgebildet sein soll – tatsächlich ist das Foto von einem Reuters-Fotografen und zeigt „eine syrische Rebellin namens Umm Dschafar. Diese kämpfte damals für eine weibliche Brigade der Freien Syrischen Armee, also in Wahrheit für die Gegner des IS.“

3. „Sex mit vielen Frauen schützt vor Prostatakrebs“
(stimmthaltnicht.de)
„Sex mit vielen Frauen schützt vor Prostatakrebs“, ist auf Augsburger-allgemeine.de zu lesen. Stimmthaltnicht.de dagegen hält fest: „Die mediale Berichterstattung über diese Studienergebnisse erweckt (…) zum Teil den Anschein, dass es zwischen der Anzahl der Sexualpartnerinnen und einer Prostatakrebserkrankung einen Ursachen-Wirkung-Zusammenhang gibt. Diesen Schluss lässt die Studienform jedoch nicht zu.“

4. „Warum das ‘Westfalen-Blatt’ ein Interview auch ohne alle Antworten veröffentlicht“
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Das „Westfalen-Blatt“ veröffentlicht ein Interview mit Bernd Lucke, das von diesem nur teilweise autorisiert wird. Redaktionsleiter Ulrich Windolph gibt Auskunft: „Das verschriftete Interview lag Professor Lucke dann sehr früh am Freitag vor. Trotz mehrfacher Rückfragen unsererseits über den Tag sah sich Herr Lucke aber nicht in der Lage, das komplette Interview freizugeben. So blieb der gesamte Fragenkomplex zum Thema Rechtspoulismus unautorisiert. (…) Es gab diesbezüglich auch keine Kritik von Herrn Lucke, sondern lediglich den wiederholten Hinweis, dass er sich mit Blick auf anderweitige terminliche Verpflichtungen und Sitzungen nicht imstande sähe, seine Antworten zum Thema Rechtspopulismus freizugeben.“

5. „Versteckte Recherche“
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
US-Investigativreporter befassen sich mit dem Thema Verschlüsselung: „Wer als Journalist einen PGP-Schlüssel hat, sollte diesen auf Twitter und auf seiner Website zeigen, rät Angwin, um zu signalisieren, dass eine sichere Kontaktaufnahme möglich sei.“

6. „Medien: Fortgesetzter Kindesmissbrauch“
(politplatschquatsch.com)
Ein Foto eines Mädchens mit roter Jacke und blauer Baseballmütze, das auf eine Hochhaussiedlung blickt: „Seit Jahren schon muss das kleine Mädchen immer ran, wenn es um Armut, Kinder, Kinderarmut oder Hartz-4 oder Bildungsdefizite geht.“

Super Illu, Ebola, Restrukturierungen

1. „Die Netzflüsterer“
(datum.at, Stefan Apfl und Sarah Kleiner)
Österreichische Unternehmen beauftragen eine PR-Agentur, die schmeichelhafte Internet-Einträge über sie erstellt, „80.000 bis 100.000 PR-Postings pro Jahr“: „Wer einmal begriffen hat, wie umfassend heimische Unternehmen das Netz mithilfe der PR-Agentur Mhoch3 manipuliert haben, der wird kein Posting und keinen Onlinekommentar mehr lesen können, ohne dabei ein mulmiges Gefühl und die Frage im Kopf zu haben: Was, wenn der Mensch dahinter dafür bezahlt wurde?“ Siehe dazu auch „Das Geschäft mit der gefälschten Meinung“ (sueddeutsche.de, Johannes Boie).

2. „Engagiert gegen ‘Bild’-Miezen“
(ndr.de, Janina Kalle)
Die Petition „Zeigt allen Respekt – schafft das BILD-Girl ab!“ (change.org) findet bisher über 11 000 Unterstützer.

3. „Experten erwarten mehr Ebola-Panikfälle in Deutschland“
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Während in manchen Monaten 40 bis 50 Malaria-Fälle diagnostiziert werden bei aus Westafrika einreisenden Personen, hat sich bis heute in Deutschland niemand mit Ebola infiziert. „Die Verdachtsfälle, die es gab, waren jedes Mal – Verdachtsfälle. Und trotzdem wurden sie vom medialen Panikorchester begleitet.“

4. „Blutarmut als Konzept“
(vocer.org, Jan Klage)
Restrukturierer Jan Klage blickt kritisch auf die Restrukturierungen bei Gruner + Jahr: „Warum aber übernimmt ein international tätiges und innovatives Verlagshaus wie Gruner + Jahr ein vier Jahre altes und immer noch umstrittenes Umstrukturierungskonzept eines mittelständischen Mitbewerbers? Weil es praktikabel ist. Und weil offensichtlich immer noch keine bessere Lösung in Sicht ist. (…) Nicht PR-Texte und Auftragsarbeiten schlecht bezahlter freier Journalisten werden die Schlacht um die Aufmerksamkeit moderner Zielgruppen gewinnen, sondern Geschichten mit Herzblut und Authentizität.“

5. „Bräsiger Mix aus Käse- und Infoblatt“
(taz.de, Jenni Zylka)
Jenni Zylka liest die „Super Illu“, „die Zeitschrift, die immer noch jede Woche von jedem fünften Erwachsenen in Ostdeutschland gelesen wird und damit, so wirbt sie seit Jahren, ‘mehr Leser erreicht als Spiegel, Stern und Focus zusammen’.“

6. „Keine üble Nachrede gegen Tiedje: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen stern-Mann Tillack ein“
(meedia.de)

Mauerfall, Klickköder, Donezk

1. „Die deutschen Medien und das Jahrhundertereignis Mauerfall“
(ardmediathek.de, Video, 29:45 Minuten)
Wie der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 im deutschen Fernsehen zu sehen war.

2. „Volle Ladung Hass“
(zeit.de, Bernhard Pörksen)
Bernhard Pörksen macht sich Gedanken zum schwindenden Vertrauen, das Teile des Publikums zu den Journalisten haben. „Die Aufgabe des Qualitätsjournalismus wird es sein, auf die Ad-hoc-Attacken, die Einsprüche und die Ideen der Leser und Zuschauer dialogisch und im Sinne einer kritischen Partnerschaft zu reagieren. Es gilt, eine Art Mittelweg zu entdecken, der sich nicht opportunistisch einem vermeintlichen Publikumswillen und der Diktatur der Klickzahlen beugt oder aber selbst in die Abwertungsspirale einsteigt und jede kritische Regung pauschal als Shitstorm gekaufter Trolle oder dumpfes Gröhlen eines digitalen Mobs verunglimpft.“

3. „Why BuzzFeed Doesn’t Do Clickbait“
(buzzfeed.com, Ben Smith, englisch)
Buzzfeed distanziert sich vom Klickködern: „Anyone who has spent the last 20 years online knows the specific disgust that comes with a headline that doesn’t deliver on its promise. It’s the kind of taste you get in your mouth from a glistening but spoiled peach.“

4. „Donezk unter Kontrolle russischer Truppen!“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de, Thomas)
Russische Panzer in der Nähe von Donezk (Ukraine) bzw. Donezk (Russland).

5. „25 Dinge, die passieren würden, wenn heute die Mauer fallen würde“
(siegstyle.de, Alf Frommer)
Alf Frommer versammelt „in bester, neuster journalistischer Tradition 25 Dinge, die passieren würden, wenn heute die Mauer fallen würde“.

5. „8 praktische Verwendungszwecke für die Gratis-‘Bild’ zum Mauerfall-Jubiläum“
(der-postillon.com)

Patrick Modiano, Bahnstreik, Mauerspecht-Challenge

1. „Mehr Grautöne, bitte!“
(ostpol.de)
Was sich Osteuropa-Korrespondenten von deutschen Redaktionen wünschen. Baltikum-Korrespondentin Birgit Johannsmeier: „Ein Problem, dem wir als Auslandskorrespondenten in den Medien begegnen, ist das große Vertrauen der Redakteure in die Nachrichtenagenturen, die meiner Meinung nach gerne Vorurteile bedienen und mit reißerischen Aufmachern um Kunden werben.“

2. „Eigenwillige Schelme“
(literaturkritik.de, Nils Demetry)
Nils Demetry sieht die Redaktionen vom Gewinn des Literaturnobelpreises durch Patrick Modiano überrumpelt. „Dass ein vermeintlich unbekannter und dazu für die mediale Verwertung denkbar ungeeigneter Schriftsteller den Literaturnobelpreis gewinnt (‘Er macht den Literaturbetrieb nicht mit.’), stellt Redaktionen in Zeiten von Klickzahlen und Sekundenjournalismus zunächst einmal vor ein Problem. (…) Nur Stunden nach der Bekanntgabe empörte sich beispielsweise der Cicero auf seiner Facebookseite über die Entscheidung (‘Gratulation an die Jury, die es seit Jahr und Tag schafft, die großen amerikanischen Erzähler zu ignorieren.’) und freute sich höhnisch ‘mit allen Feuilletonisten und Redaktionen, die sich das Werk Modianos jetzt im Schnelldurchlauf ergoogeln’ mussten.“

3. „Spazieren gehen kann man auch mit Rollstuhl – TV-Experimente“
(leidmedien.de, Judyta Smykowski)
„Eine Behinderung auszuprobieren, ist im Fernsehen so beliebt geworden wie Kochshows, Casting-Shows und DIY-Shows“, findet Judyta Smykowski und schaut sich diese Sendungen genauer an.

4. „Spiegel Online: Verzerrung und Unterschlagung“
(klima-luegendetektor.de)
Der „Klima-Lügendetektor“ analysiert einen Artikel von „Spiegel Online“ zum finalen Klimareport des IPCC.

5. „Mauerspechte im Winterschlaf? Das ZDF vergeigt eine Social-Media-Aktion zum Mauerfall“
(absolutobsolet.blogspot.de)
Zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer ruft das ZDF zur „Mauerspecht-Challenge“ auf, zum virtuellen Einreißen der Mauer. Doch es wurden bisher gerade mal 15,5 Kilometer zerstört: Während schon 85 Prozent des Zeitrahmens verstrichen sei, habe man noch nicht einmal 10 Prozent der Zielvorgabe erreicht.

6. „Ein typischer Bahnstreik-Bericht“
(ardmediathek.de, Video, 1:32 Minuten)

Protektionismus, Dieter Nuhr, Die Ärzte

1. „Nestbeschmutzung: Das bequeme Märchen vom aufrechten Magazinjournalismus“
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi geht auf Entlassungen von festen Textredakteuren bei der „Brigitte“ ein und erklärt den Unterschied zwischen Journalisten und Textern: „Der Journalist steht für eine Sache, manchmal sogar für eine Geisteshaltung. Er verkauft auch seine Sprache, seine ganz bestimmte Art, Themen aufzuarbeiten. Wer ihn anheuert, will ihn haben – keinen anderen. Er ist nicht beliebig, nicht austauschbar, auch weil er Netzwerke, Erfahrung und Insiderwissen mitbringt. Der Texter füllt einen Textkasten zu einem Thema. Locker, lesbar, verständlich, auf Zeile genau. Er kann Kinokritiken ebenso schreiben wie Starklatsch und einen Abriss über die Geschichte der Badewanne. Im Idealfall hat er KEINE eigene Sprache, weil das in einem generischen Umfeld auffallen würde. Er ist nicht gut, weil er aufdeckt oder entlarvt, sondern weil er pünktlich und verlässlich liefert.“

2. „Von Putinverstehern und Journalistenverstehern“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier beschäftigt sich mit den Reaktionen von Journalisten etablierter Medien auf den Verlust von Vertrauen durch das Publikum. „Ich glaube nicht, dass viele deutsche Journalisten in irgendeinem engeren oder weiteren Sinne gekauft sind. Ich glaube aber, dass sie nicht unvoreingenommen sind.“

3. „Wie der Protektionismus der Verlage Googles Marktposition stärkt“
(presseschauer.de, Daniel Schultz)
Mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger haben die Verlage „die Vormachtstellung von Google nicht nur gefördert, sondern zementiert“, findet Daniel Schultz – „zu Lasten kleinerer Wettbewerber und damit zu Lasten der Allgemeinheit“. „Es bleibt zu prüfen, ob die in der VG Media organisierten Verlage mit diesen exklusiven ‘Gratislizenzen’ ihr Monopolrecht als wettbewerbsfeindliches Kartell missbrauchen.“

4. „Verfahren gegen Dieter Nuhr eingestellt“
(ndr.de, Stefan Schölermann)
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück stellt das Ermittlungsverfahren gegen Dieter Nuhr wegen des Verdachts auf Islambeleidigung ein. „Zur Begründung hieß es, für die Erfüllung des Volksverhetzungsparagrafen fehle es in den Werken von Nuhr an der ‘fremdenfeindlichen Gesinnung’. Auch das Kriterium der Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft sei nicht erfüllt, da es sich erkennbar um Satire handle.“

5. „Farin Urlaub im SPUTNIK InstaView“
(youtube.com, Video, insgesamt 2:36 Minuten)
Farin Urlaub spricht über den Umgang seiner Band Die Ärzte mit Konzertfotografen.

6. „‘Bild’-Zeitung entlarvt GDL-Chef Claus Weselsky als Dämon aus der Niederhölle“
(der-postillon.com)

DDR, Brainpool, Putin

1. „In der DDR gab es keinen echten Journalismus“
(thueringer-allgemeine.de, Hanno Müller)
Hanno Müller erinnert an den Journalismus in der DDR: „In der DDR gibt es 1989 zwei Fernsehprogramme, fünf Radiostationen und die zentral gelenkte Nachrichtenagentur ADN. Dazu eine überregionale und 15 regionale SED-Zeitungen sowie 18 Zeitungen der sogenannten Blockparteien. Unabhängige Medien – Fehlanzeige. Journalisten sind Teil des Systems.“

2. „Traktat über einen Mann, den es so gar nicht gibt“
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Die Berichterstattung über Wladimir Putin: „Er gebiert Meldungen, die dem Konsumenten ein Bild vermitteln, das nicht über wirkliche Geschehnisse aufklärt, sondern etwaige Vorurteile nur bestätigt. Der beschriebene Putin ist eine Konstruktion, die nicht mit Ergebnisoffenheit recherchiert wird, sondern nach verplanten Attributen. Er ist so voller einseitiger Boshaftgkeit, Durchtriebenheit und Heimtücke, dass er nur als Personifikation verstanden werden kann.“

3. „Unter Druck“
(zeit.de, Charlotte Parnack)
Peter Noßeks „Harburger Blatt“: „Noßek, 55 Jahre alt, ist Erfinder des Harburger Blatts und dessen Herausgeber. Er ist weiterhin: Chefredakteur, Chefreporter, Artdirector, Fotograf, Anzeigenleiter, Vertriebschef, Buchhalter, Sekretär, Zeitungsbote. (…) Alle zwei Wochen bringt er acht Seiten Lokalnachrichten heraus. Acht Seiten Print. Nur Print.“

4. „Wie TV TOTAL arglose Jugendliche vorführt“
(youtube.com, Video, 6:53 Minuten)
Welche Rechte sich die TV-Produktionsfirma Brainpool von Jugendlichen einräumen lässt, die gemäß einer einzelnen Aussage im Glauben gelassen wurden, sie nähmen an einem Casting teil.

5. „Schäuble: ‘Schnelligkeit vor Sorgfalt'“
(ndr.de, Video, 18:06 Minuten)
Finanzminister Wolfgang Schäuble spricht zum 20. Geburtstag von „Spiegel Online“ über Journalisten, Politiker, Print und Online.

6. „‘Wir verschießen ständig Potenzial'“
(krautreporter.de, Theresa Bäuerlein)
Ein Interview mit einer 32-Jährigen, die während einigen Jahren als Prostituierte in Berlin gearbeitet hat.

Focus, Smartwatch, Rundfunkbeitrag

1. „Wie islamophob ist der ‘Focus’?“
(blog.zeit.de/radikale-ansichten, Yassin Musharbash)
Yassin Musharbash schaut sich den aktuellen „Focus“ an, der sich unter dem Titel „Ein Glaube zum Fürchten“ mit dem Islam beschäftigt: „Der Islam braucht einen Luther, schreibt der Focus als Fazit. Mindestens genauso dringend braucht der Focus allerdings Journalisten. Sollte diese Titelgeschichte ein ernst gemeinter Versuch gewesen sein, reale und diskussionswürdige Probleme anzusprechen, dann ist er gescheitert.“

2. „Deutschlands Richter sehen fern“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Michael Hanfeld fragt sich, warum deutsche Gerichte keine Ausnahmen beim Rundfunkbeitrag anerkennen wollen und hat den Eindruck, die Richter schrieben nur noch voneinander ab: „Die Kläger laufen mit ihren Argumenten gegen eine Wand. Mit ihren Einwänden, was die Ungleichbehandlung im Einzelnen angeht, vor allem aber mit der generellen Kritik, dass es sich bei diesem Beitrag nicht um eine Abgabe handelt, mit der man eine erwünschte Gegenleistung bezahlt, sondern um eine Steuer. Der Einwand, man wolle ARD und ZDF nicht hören und sehen, zählt nicht, ja nicht einmal, dass der Empfang von öffentlich-rechtlichem Rundfunk am Arbeitsplatz nicht erwünscht, nicht möglich oder aus guten Gründen untersagt ist.“

3. „Doppelagenten der Comedy“
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm berichtet von einem Mangel an Comedy-Autoren in Deutschland: „Es gibt halt nicht viele Gute. Die politische Spaßindustrie hierzulande ist ein kleiner, tapferer Haufen wehrhafter Recken, die im Dienste der Satire munter die Lager wechseln.“

4. „Die große Chance auf ein erfrischend zurückhaltendes Nachrichtenmedium“
(netzwertig.com, Jürgen Vielmeier)
Jürgen Vielmeier sammelt einige technische Entwicklungen rund um die Smartwatch: „Medienhäuser haben hier eine gute Chance, die Nutzer schneller zu erreichen und personalisierter zu informieren. Besser fahren sie dabei mit zugeschnittenen Informationshappen und nur so vielen Nachrichten wie unbedingt nötig.“

5. „Onlinejournalismus: Konfetti für den Weilchenbeschleuniger“
(spiegel.de, Peter Glaser)
Ein Text von Peter Glaser zu 20 Jahren „Spiegel Online“. „Früher öffnete sich einmal pro Abend mit der Tagesschau das Nachrichtenfenster in die Welt. Heute fließen Meldungen, Informationen, Unterhaltung permanent. Etwas so Sonderbares wie ‘Sendeschluss’ kennen junge Mediennutzer nicht mehr.“

6. „What It’s Like When You Read A Newspaper, What It’s Like When You Read News Online“
(geekculture.com/joyoftech, englisch)

Lausitzer Rundschau, Theo van Gogh, Apple-Keynote-Liveticker

1. „Content essen Seele auf“
(siegstyle.de, Alf Frommer)
„Was läuft eigentlich gerade falsch im Journalismus?“ Alf Frommer antwortet: „Viele Marken verkaufen gerade ihre Seele an den Content: gut ist, was beliebt ist und Klicks generiert. (…) Durch Zusammenlegung von Redaktionen spart man eben nicht nur Kosten, sondern schrumpft auch seine eigene Wiedererkennbarkeit. Wenn aber alles eine Soße ist, warum soll ich das noch am Kiosk kaufen oder im Internet dafür bezahlen? Da werden Marken kaputt gespart und ein Image zerstört.“

2. „Journalismus unter Verdacht“
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier erkennt eine zunehmende Kritik am etablierten Journalismus: „So wie aus Politikverdrossenheit bei vielen Menschen Politikverachtung geworden ist, ist aus Journalismusverdrossenheit Journalismusverachtung geworden – und Journalistenverachtung. (…) Viele der seriösen Medien scheinen noch nicht zu ahnen, wie groß die Erosion des Vertrauens in ihre Arbeit ist und dass dieses Vertrauen die Grundlage für alles ist.“

3. „Warum ich mich ohne schlechtes Gewissen von Apple einladen lasse“
(nzz.ch, Henning Steier)
Henning Steier reagiert auf den Artikel „Der Apfel fällt nicht weit vom Bann“ (krautreporter.de, Richard Gutjahr): „Bei jeder Apple-Veranstaltung frage ich mich, wie die vielen Live-Ticker zu erklären sind, die mindestens 30 Minuten vor der Apple-Keynote beginnen und mit Banalitäten wie ‘Coldplay säuseln aus den Boxen’ gefüllt werden. Die Antwort der Kollegen ist ebenso einfach wie scheinheilig: Die Leser verlangen das. Ich bin nicht sicher, ob sie ungefilterte Verlautbarungen schätzen. Auffällig ist in jedem Fall, dass bei den meisten Publikumsmedien nur Apple einen Live-Ticker bekommt – obwohl doch etwa Google und Facebook für die meisten Nutzer mindestens genauso wichtig sind und ebenfalls diverse Veranstaltungen pro Jahr abhalten.“

4. „Der stumme Schrei“
(welt.de, Dirk Schümer)
Dirk Schümer erinnert an den vor zehn Jahren auf offener Straße ermordeten Theo van Gogh, „mittelmäßiger Filmregisseur“, „williger Talkshowpöbler und rüder Zeitungskolumnist“: „Mit dem Mord war die Epoche der tabufreien Debatten im Leser- und Plaudervolk der Niederlande schlagartig vorbei. ‘Gnade! Wir können doch drüber reden!’, waren van Goghs letzte Worte an seinen Killer, und sie beschreiben messerscharf den Abgrund, der sich auftut.“

5. „Angst ist keine Option“
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm besucht die Redaktion der „Lausitzer Rundschau“ in Spremberg, die gegen Schmierereien und Drohungen ankämpft. „Er wäre einfach, jetzt zu denken: die braune Lausitz, mit all diesen ‘Idioten’. Aber Wappler ist sich sicher: Wenn andere Journalisten vor ihrer Haustür genau gucken würden, würden sie ähnliche Geschichten finden. Die Nazi-Krawalle in Köln am vergangenen Wochenende, SS-Siggi in Dortmund, der NSU in Jena.“

6. „20 Jahre ‘Extra’ – Wir ‘gratulieren'“
(medienkritisch.ch, Stephan Stulz)
Stephan Stulz schaut sich die Jubiläumsausgabe des RTL-Boulevardmagazins „Extra“ an: „Immerhin bringt mich ein Statement von Moderator Kena Amoa zum Schmunzeln: ‘Naja, es wirkte halt immer so, als suchte man irgendeinen journalistischen Grund, Menschen nackt zu zeigen.’ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.“

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