Archiv für 6 vor 9

Funk-Echo, Oettinger, Podcasts

1. Kleines Medien-Echo zu „Funk“, dem neuen Jugendprogramm von ARD & ZDF
(Links in der folgenden Zusammenfassung)
Am Samstag, dem 1. Oktober startet „Funk“, das junge Digitalangebot von ARD und ZDF, das mit Webvideos die 14- bis 29-jährigen Zuschauer zurückgewinnen will.
Christian Meier fragt in der „Welt“, ob so die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen aussehe. Meier hat mit den „Funk“-Machern gesprochen, erzählt die Geschichte hinter der Idee und bilanziert zum Schluss: „Der Beweis steht noch aus, dass es einen tatsächlichen Bedarf an öffentlich-rechtlichen Web-Videos gibt. Was aber den Ansatz angeht, die Inhalte freizugeben, statt in ein Senderkorsett zu zwängen – das ist schon radikal. Aber es ist auch klar, dass ARD und ZDF dieses nur auf einer Spielwiese zulassen und ansonsten weiter daran arbeiten, ihre Beitragsmilliarden in den permanenten Ausbau des Status quo zu investieren.“
„Zeit“-Autorin Jana Gioia Baurmann hat „Funk“ einen Brief geschrieben: „Dass es Dich gibt, ist schon sinnvoll, aber die erste Zeit, sorry, dass ich das so sage, wird nicht einfach werden für Dich. Weil Du diesen Spagat hinbekommen musst. Und auch wenn Helikoptereltern nerven können: Ich hoffe, dass ARD und ZDF – trotz YouTube-Hype – nicht vergessen, was ihr Auftrag ist.“
Stefan Niggemeier war für „Übermedien“ bei der Programmvorstellung in Berlin zugegen und sieht allerhand auf uns zukommen, was Anlass zu Kritik geben wird, aber eben auch die Chancen: „Doch bei der Vorstellung lag, dank der entsprechend euphorisierten „Creators“, ein Gefühl im Raum, dass ARD und ZDF hier etwas möglich machen, das es sonst nicht geben würde. Und wenn es gelingt, dass sich der unübersehbare Spaß der Macher an der Arbeit in Relevanz und Kreativität übersetzt, hat „Funk“ vieles richtig gemacht.“
Und bei „Broadmark“ gibt es schließlich ein Interview mit Florian Hager, dem „Funk“-Programmgeschäftsführer.

2. Leistungsschutzrecht: Günther Oettinger twittert sich um Kopf und Kragen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Gestern twitterte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger allerhand zum Thema Leistungsschutzrecht für Verleger, und viele Mitleser wussten nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. Vor kurzem war Oettinger noch mit seiner Forderung aufgefallen, kritische Journalisten auf Linie zu bringen, nun twitterte er sich mit allerlei schiefen Vergleichen und kruden Argumenten regelrecht um Kopf und Kragen. Markus Reuter von „Netzpolitik.org“ hat die Causa aufbereitet und kommentiert die Argumentationslinien des Kommissars.

3. kontertext: Marktschreier
(infosperber.ch, Heinrich Vogler)
Heinrich Vogler greift einen Essay des Schweizer Kabarettisten und Satirikers Andreas Thiel in der „NZZ“ auf, in der dieser das Hohe Lied des Marktliberalismus predige. Vogler kritisiert: „Der Autor ernennt sich selbst zum Freiheitshelden. Indem er sich der Freiheit an die Brust wirft. Er assortiert Versatzstücke aus der Mottenkiste des Marktliberalismus. Und gibt sich der gängigen reinen Lehre hin, wonach jeder ausschliesslich seines eigenen Glückes Schmied ist, als hätte es nie so etwas wie die Soziale Marktwirtschaft gegeben.“

4. Eine Kampfansage
(fr-online.de, Peter Rutkowski)
Peter Rutkowski, Politik-Redakteur der „Frankfurter Rundschau“, fordert zum Abschluss der FR-Serie „Die Mythen der Rechten“ mehr Selbstkritik der Medien und mehr persönlichen Einsatz und Haltung der Journalisten: „Die „vierte Gewalt“ der Demokratie bietet zu wenig Antworten auf die brennenden Fragen der Zeit an. Manche Journalisten haben ihren moralischen Kompass eingetauscht gegen privates Glück und clevere Pensionspläne. Nichts gegen Familie und einen gesicherten Lebensabend, aber zum Journalismus sollte man aus einem Drang nach Aufklärung streben, gemäß dem nachkriegsdeutschen Medienmythos. Nicht, weil man „irgendwas mit Medien machen“ will. Auch nicht, weil es „die Hölle ist, aber immer noch besser als Arbeiten“.“

5. Podcasts als Frischzellenkur für Audio
(radioszene.de, Bernt von zur Mühlen)
Podcasts werden immer beliebter, sowohl in den USA als auch hier in Europa. Bernt von zur Mühlen schreibt fachkundig und unter Hinzuziehung von Beispielen und Zahlen über Entwicklung und aktuellen Stand des Mediums: „Jahrzehntelang schien es so, dass in der Audiowelt Musik das Primat hatte. Und Radio dazu verdammt war, ein Begleitmedium zu werden. Also nur für Musik taugte. Das dreht sich jetzt. Weil das Hören on-demand, das Storytelling, die Personality, die Show, das Hintergründige wieder nach vorne holt. Die Omnipräsenz von Smartphones als Ausspielgeräte, die Verbreitung über Social Media hat den Podcast vollständig mobil gemacht.“

6. „Zeit“-Unterschiede in der Flüchtlingsfrage
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon fragt sich in ihrer neuesten Kolumne, wie grün sich „Zeit“-Chef Giovanni di Lorenzo und sein Vize Bernd Ulrich noch seien. Anlass sind die widerstreitenden Positionen der prominenten „Zeit“-Macher in der Flüchtlingsdebatte.

Informationsunfreiheitsgesetz, Oettinger, Hugh Grant

1. Zehn Jahre Informationsfreiheitsgesetz auf Bundesebene – Zeit für eine Weiterentwicklung.
(netzwerkrecherche.org, Manfred Redelfs)
Auch zehn Jahre nach Inkrafttreten des Informationsfreiheitsgesetzes auf Bundesebene bleibt viel zu tun, so Manfred Redelfs vom „Netzwerk Recherche“. Von Anfang an habe es sich um ein eher ungeliebtes Kompromissgesetz gehandelt, mit vielen Ausnahmeklauseln, langen Antwortfristen und Kostenrisiken. Ein Fazit der letzten zehn Jahre liefere die Analyse des Gesetzes, die von der Otto-Brenner-Stiftung zusammen mit der Initiative „Frag den Staat“ durchgeführt wurde. Und auch andere Erfahrungsberichte würden belegen, wie mühsam es für Journalisten immer noch ist, vom Staat Informationen zu erhalten.

2. Aleppo: Sind die Youtube-Filme aus dem Kriegsgebiet authentisch?
(blog.tagesschau.de, Christoph Tanneberger)
Im Blog der „Tagesschau“ zeigt Christoph Tanneberger wie aufwändig die Verifikation von Videomaterial sein kann, besonders wenn es aus schwer zugänglichen Kriegs- und Krisengebieten kommt, wie in diesem Fall dem syrischen Aleppo.

3. Oettinger: Verleger sollen kritische Journalisten auf Linie bringen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
EU-Kommissar Günther Oettinger, in der Kommission unter anderem für digitale Wirtschaft zuständig, sprach am Montag auf dem Zeitungskongress vor den deutschen Verlegern. Ziemlich unverblümt forderte er sie auf, ihre Macht zu nutzen (bzw. zu missbrauchen), öffentlich Stimmung für ein Gesetz in eigener Sache zu machen: das sogenannte Leistungsschutzrecht. Stefan Niggemeier kommentiert den Vorgang auf „Übermedien“ und kommt zum Schluss: „Oettinger will, dass die Verleger ihre Redaktionen auf Linie bringen, und dass er behauptet, es gehe selbstverständlich nicht darum, die „Redaktionsfreiheit“ einzuschränken, oder „Zensur“ zu betreiben, zeigt nur, dass er genau weiß, dass er hier gegen innere Pressefreiheit und Meinungsvielfalt in den Redaktionen argumentiert und Propaganda statt Journalismus fordert.“

4. Nach Anschlägen in Dresden: Droht Sachsen der linke Terror?
(patrick-gensing.info)
Patrick Gensing schreibt über die Legende vom linken Terror in Sachsen: Nach den Anschlägen in Dresden hätte nach Angaben des sächsischen Innenministers Markus Ulbig ein Bekennerschreiben vorgelegen, veröffentlicht auf der Internetseite „linksunten.indymedia.org“. Wer sich in dem Schreiben bekannt haben soll, hätte der Minister im ZDF nicht gesagt. Er hätte auch nicht erwähnte, dass die angeblichen Urheber das Schreiben bereits als Fälschung bezeichnet hatten. Nun mache die Nachricht die Runde, die Anschläge könnten von Linksradikalen verübt worden sein.

5. „vorwärts“ und nicht vergessen?
(carta.info, Klaus Vater)
Am 1. Oktober wird der „vorwärts“ 140 Jahre alt. Der Politologe, Journalist und ehemalige stellvertretende Regierungssprecher Klaus Vater hat sich das „Central-Organ der Sozialdemokratie Deutschlands“ (Untertitel der Erstausgabe vom 1.10.1876) angeschaut und lässt die letzten Jahrzehnte Revue passieren.

6. Ich mach seit 20 Jahren Interviews. Keins war so ein Desaster wie das mit Hugh Grant
(watson.ch, Simone Meier)
Simone Meier hat sich ihr Interview mit dem englischen Schauspieler Hugh Grant so schön ausgemalt, doch dann kommt alles anders.

Propagandafeldzug, Todenhöfer, Adipositas

1. Daten-Leak aus Ministerium der Separatisten
(zdf.de, Arndt Ginzel & Christian Rohde)
Prorussische Separatisten, die Teile der Ostukraine beherrschen, führen im Auftrag von Moskauer Beratern einen Propagandafeldzug gegen die Regierung in Kiew und gegen den Westen. Dies ginge aus Tausenden E-Mails hervor, die „Frontal21“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ vorliegen würden. Die Berater würden offenbar zum Umfeld des Kremls oder zur Präsidialadministration von Wladimir Putin gehören. Dieser habe bisher immer bestritten, dass die Separatisten in der Ostukraine von Moskau instruiert würden. Dem Artikel beigefügt ist eine FAQ-Liste, in dem die Reporter zu verschiedenen Fragen Stellung beziehen, zum Beispiel zu dem womöglich aufkommenden Vorwurf, der Bericht sei einseitig: „Das Rechercheteam hat rund elf Gigabyte Daten aus der Ostukraine ausgewertet. Die Ergebnisse flossen in die aktuelle Berichterstattung. Die Autoren haben in der Vergangenheit genauso kritisch über die ukrainische Regierung in Kiew berichtet. Ebenso thematisierten Frontal21 und DIE ZEIT Affären westlicher Geheimdienste wie den NSA-Skandal.“

2. Ein Sammelsurium von Ungereimtheiten
(carta.info, Lars Hauch)
Jürgen Todenhöfer will im syrischen Aleppo einen syrischen Rebellenführer interviewt haben. Das Video erzielte in knapp zwei Tagen bereits mehr als 700.000 Aufrufe bei Facebook. Doch es gibt Zweifel an der Authentizität des vermeintlichen Scoops. Lars Hauch hat genau hingeschaut und derart viele Ungereimtheiten ausgemacht, dass er feststellt: Wer auch immer da mit Todenhöfer spricht, er ist kein Mitglied Jabhat al-Nusras.

3. BDZV-Kongress: Vorsicht: „Lügenpresse!“ – Ist etwas dran an der Kritik?
(wwwagner.tv, Audio, 44:51 Min.)
Auf dem „Zeitungskongress 2016“ des „Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger“ (BDZV) hat sich eine illustre Runde zum Gespräch über die Glaubwürdigkeitskrise der Medien zusammengefunden. 45 Minuten diskutieren dort zum Thema „Vorsicht: „Lügenpresse!“ – Ist etwas dran an der Kritik?“:
* Peter Pauls, Chefredakteur „Kölner Stadt-Anzeiger“
* Werner Josef Patzelt, Politikwissenschaftler, TU Dresden
* Peter Stefan Herbst, Chefredakteur „Saarbrücker Zeitung“, Moderation
* Dr. Alexander Gauland, Stellvertretender Sprecher Bundesvorstand AfD
* Nikolaus Blome, stv. Chefredakteur Politik und Wirtschaft, „Bild“ und bild.de
* Prof. Dr. Miriam Meckel, Chefredakteurin, „WirtschaftsWoche“

4. Wenn die Katze eines Promis stirbt, weiß es TMZ als Erstes
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Das amerikanische Portal „TMZ“ ist eine feste Institution in Sachen Klatsch und Tratsch. Seit beinahe elf Jahren lande das Klatschportal einen Scoop nach dem anderen. TMZ hätte als erstes Medium über die Scheidung von Britney Spears berichtet, über rassistische Entgleisungen des Schauspielers Mel Gibson, darüber, dass Rihanna von ihrem damaligen Partner Chris Brown geschlagen wurde, über den Tod der Schauspieler Britanny Murphy und Heath Ledger sowie über den des Sängers Prince. Doch oftmals sind die Informationen, die zu den entsprechenden Berichten führen, auf fragwürdige Weise erkauft. Die Society of Professional Journalists, die älteste Journalistenvereinigung der USA, verurteile diesen sogenannten „Scheckbuch-Journalismus“: Man wisse nie, ob ein Informant seine Geschichte nicht vielleicht aufbläst, um mehr Geld rauszuhandeln. Der TMZ-Chef Harvey Levin kann daran nichts Verwerfliches finden und sieht sein Portal als investigatives Medium: „Wir machen Geld mit diesen Geschichten. Warum sollten unsere Quellen dann nicht nach Geld fragen?“

5. Adipositas — Der Unterschied zwischen Realität und medialer Darstellung
(fettlogik.wordpress.com, erzaehlmirnix)
Bloggerin Erzaehlmirnix kritisiert, dass in den Medien fast ausschließlich schwer morbid adipöse Menschen gezeigt werden, wenn es um die Bebilderung von „Adipositas“ geht, obwohl diese nur eine kleine Minderheit der Adipösen stellen würden. Dies wirke sich nachteilig auf unser Verständnis von Adipositas und Fettleibigkeit aus. Und es halte womöglich Ärzte davor zurück, den Fakt offen zu benennen: „Wenn Adipositas auf diese Art zum Bild für ein Extrem gemacht wird, steigt natürlich auch die Schwelle, diese Bezeichnung zu verwenden. Das ist im Alltag natürlich egal, es geht ja nicht darum, in der Fußgängerzone besser Adipöse diskriminieren zu können (was dann bei der tatsächlichen Menge an Adipösen auch recht aufwendig wäre) aber es führt dazu, dass Ärzte und andere Fachleute sich ebenfalls zweimal überlegen werden, dem Patienten mit BMI 32 den Begriff „adipös“ mitzuteilen.“

6. Auseinandergelebt
(message-online.com, Dennis Reineck)
Verschiedene statistische Erhebungen bestätigen, dass immer weniger Jugendliche und junge Erwachsene klassische journalistische Medien nutzen. Dennis Reineck hat aus einer Studie fünf Nutzertypen herausgefiltert und beschreibt deren Verhalten in Sachen Mediennutzung. Er warnt jedoch davor, die Ergebnisse falsch zu interpretieren: „Die Vorliebe für Soft News und Unterhaltungsthemen ist nichts Typisches für diese Generation, wie die TV-Quoten von Fußball, Tatort und Hollywood-Blockbustern im Vergleich zu den Nachrichtensendungen beweisen. Und Bildungsgrade und -milieus spielen eine wichtige Rolle für Nutzungsweisen, wie in der Gesellschaft insgesamt. Die Altersgruppe sollte demnach auf keinen Fall über einen Kamm geschoren werden. Dazu sind die Unterschiede, vor allem zwischen studentischen und Ausbildungsmilieus, trotz einiger Gemeinsamkeiten zu groß.“

US-Wahlkampf, BND-Gesetz, Stimmungskanone

1. Lügen als Erfolgsrezept
(medienwoche.ch, Casper Selg)
Noch nie sei im amerikanischen Wahlkampf erfolgreich so viel gelogen worden wie aktuell. Das US-Mediensystem begünstige und befördere diese Art von postfaktischem Wahlkampf, so Casper Selg in seinem Artikel über Donald Trump, den politische Prozess und die US-Medien. „Trumps Erfolg hat auch etwas zu tun mit kommerziellen nationalen «News»-Sendern, welche als Information kaschierte politische Demagogie verbreiten. Wie etwa «Fox News». Und es hat zu tun mit dem Diskurs auf den «sozialen» Medien, für welchen letztlich keine Regeln gelten. Wo Leute – neben viel Interessantem – auch frischfröhlich Lügen, Unwahrheiten, Halbwahrheiten herumbieten, die sich blitzartig weit (und damit lukrativ) verbreiten. Ohne dass der Laie beurteilen kann, was wovon zu halten ist.“

2. Regionalliga: Medien in Männerhand
(pro-quote.de)
Der Verein „ProQuote“ hat 100 Regionalblätter untersucht, die noch den überregionale Teil selbst produzieren. Das Ergebnis: Auf 95 Prozent der Chefredakteursposten aller untersuchten Zeitungen säßen Männer. Und auch ihre Stellvertreter seien zu 82 Prozent männlich. „ProQuote“ hat aus dem Datenmaterial eine übersichtliche Karte angefertigt, der man auch Stellungnahmen der befragten Redaktionen entnehmen kann. Dieser Wert fällt jedoch ebenfalls dürftig aus: 92 Prozent der Chefredakteure hätten auf das Schreiben von „ProQuote“ nicht reagiert…

3. Die Erinnerungslücken der Wirtschaftswoche
(bilanz.de, Bernd Ziesemer)
Die „Wirtschaftswoche“ feiert mit einem 162-seitigen Sonderheft ihr 90-jähriges Bestehen. Bernd Ziesemer hat sich für seine „Zeitungsschau“ das Heft angeschaut. Ziesemer hat selbst fast 15 Jahre für das Blatt gearbeitet und kann nicht allem vorbehaltlos zustimmen, was dort in dem Sonderheft geschrieben steht. Um es vorsichtig auszudrücken.

4. Warum alle gegen das BND-Gesetz sind – außer der Bundesregierung
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Bundesregierung ist die einzige Institution, der das von ihr geplante BND-Gesetz gefalle, so Markus Reuter auf „Netzpolitik.org“. Sowohl Opposition im Bundestag als auch namhafte Juristen, nationale und internationale Journalistenverbände, ARD und ZDF, zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, die OSZE und sogar drei Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen würden das geplante BND-Gesetz der Bundesregierung kritisieren. Reuter führt die wichtigsten Kritikpunkte an und fasst die Statements von Fachleuten und Politik zusammen.

5. Präsidenten ohne Skrupel
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner vom „Deutschen Journalistenverband“ (DJV) kritisiert scharf die trickreichen Umstrukturierungen und Produktionsverlagerungen bei Springer und Burda. Wenn es um das Geschäft ginge, würden die Verbandspräsidenten der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger keine Skrupel kennen. Kohle vor Ehre scheine das Motto: „Wie passen solche Entscheidungen mit der Tätigkeit in den Arbeitgeberverbänden zusammen, die immerhin Tarifpartner der Gewerkschaften sind und sich zu fairen Arbeitsbedingungen und Einkommen der Beschäftigten vertraglich verpflichtet haben? Gar nicht. Also liegt der Verdacht nahe, dass Burda und Döpfner ihre Ehrenämter an der Spitze von VDZ und BDZV als Feigenblätter benutzen, die diskret das eigene unternehmerische Rabaukentum verdecken sollen.“

6. Hahaha akbar! Eine Stimmungkanone gegen den Islam
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In der „Saarbrücker Zeitung“ erschien eine wohl lustig gemeinte Glosse zum Thema Islamunterricht, die auf falschen Behauptungen fußt und Ressentiments bedient. Stefan Niggemeier hat dafür die passenden Worte gefunden.

heute-show, Zeitungshommage, #men4equality

1. Wirkungen und Nebenwirkungen der „heute-show“
(tagesspiegel.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler hat für die Otto Brenner Stiftung die Studie „Quatsch oder Aufklärung? Witz und Politik in heute-show und Co“ verfasst. Im „Tagesspiegel“ berichtet er über Wirkungen und Nebenwirkungen von Satiresendungen und geht der Frage nach, ob Formate wie „heute-show“ oder „extra 3“ die Politikverdrossenheit fördern würden. (Ein Vorwurf, den der konservative Publizist Hugo Müller-Vogg und der Politikpsychologe Thomas Kliche unlängst erhoben hätten.) Gäbler kann diesem Generalverdacht nichts abgewinnen und sieht die Formate eher als politische Appetitmacher: „Sie ersetzen nicht den Journalismus, schon gar nicht sind sie der bessere Journalismus, aber sie fußen auf dessen Arbeit, ergänzen diese und spitzen zu. Im besten Fall sind sie eine vergnügliche Einstiegsdroge für politisches Interesse. Sie laden geradezu ein zu einer vertiefenden Weiterführung.“

2. Darüber redet man lieber nicht
(nzz.ch, Otfried Jarren)
Die Medienbranche und die Qualitätsfrage – kein einfaches Thema, wenn es nach Otfried Jaren geht, der eine Verweigerungshaltung der Medien diagnostiziert. Dies Verhalten räche sich: Die von der Medienbranche verweigerte Debatte um Publizistik, Journalismus und Qualität werde nun an anderen Orten sowie von Laien und mit anderen Argumenten geführt. Die Massenmedien würden auf den Social-Media-Prüfstand kommen. „Die Gesellschaft wird sich weiter ausdifferenzieren und noch mobiler werden. Damit steigt der Informations- und Kommunikations-, Bewertungs- und Orientierungsbedarf kontinuierlich weiter an – eine Chance für publizistische Medien. Das Zeitalter der Massenmedien, zumal der Massenproduktion, aber ist vorbei.“

3. Im Dialog: Michael Hirz im Gespräch mit Mathias Döpfner 23.09.2016
(youtube.com, Michael Hirz, Video, 29:07 Min.)
Wenn es um die Zukunft des Journalismus geht, gibt sich Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, optimistisch. In der „Phoenix“-Sendung „Im Dialog“ spricht Döpfner über den Umbau des Verlagshauses Springer zu einem Digitalkonzern, die Chancen des Internets und den Journalismus als Geschäft.

4. Zeitungsleser: das Aussterben einer Gattung
(infosperber.ch, Jürg Müller-Muralt )
Michael Angele, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Freitag“, hat mit dem Buch „Der letzte Zeitungsleser“ eine Hommage an die Zeitung vorgelegt. In seiner Rezension bezeichnet Jürg Müller-Muralt das Buch als „klugen, leicht wehmütigen Abgesang auf die Zeitung“. Mit seinem Büchlein habe Angele, wenn es denn einmal soweit sein sollte, der Lebensform Zeitung schon heute ein schönes Denkmal gesetzt.

5. Problemfall Männer-Events – und warum Männer Teil des Problems sind
(digitaletanzformation.wordpress.com, Robert Franken)
Veranstaltungen und Podien, auf denen lediglich Männer mit Männern sprechen, seien einseitig, unvollständig und nicht repräsentativ – und daher langweilig und irrelevant. Deshalb haben 25 Erstunterzeichner aus der Medienbranche öffentlich gemacht, dass sie künftig nicht mehr an reinen Männerpodien teilnehmen werden. Robert Franken für die Initiative (#men4equality): „Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sind nicht als „Weiße Ritter“ unterwegs, die mehr Frauen auf Podien bringen wollen, jedenfalls ist das nicht unser vorrangiges Ziel. Frauen können das schließlich gut ohne uns. Wir sehen diesen Effekt daher eher als „Kollateralnutzen“. Uns geht es vor allem darum, dass Diskussionsrunden und Panels, an denen ausschließlich Männer teilnehmen, aus unserer Sicht schon vom Prinzip her uninteressant sind und deshalb von uns nicht besucht werden.“

6. Symbolstrecke des Grauens Teil 6: Pubertät
(fr-online.de)
In der „Symbolstrecke des Grauens“ geht es diesmal um ausgesucht platte, unpassende und absurde Symbolfotos zum Thema Pubertät.

Alternativpreis, AfD-Symbiose, Wirtschafts-Podcast

1. „Cumhuriyet“ und „Weißhelme“ geehrt
(tagesschau.de)
Der Alternative Nobelpreis geht diese Jahr an vier Preisträger: Die syrische Organisation „Weißhelme“, die türkische Zeitung „Cumhuriyet“, die russische Menschenrechtsaktivistin Gannuschkina und die ägyptische Feministin Mozn Hassan mit ihrer Organisation „Nazra“ für feministische Studien. Die „Tagesschau“ stellt die Preisträger und ihre Verdienste vor.
Deniz Yücel beschäftigt sich in einem Meinungsbeitrag in der „Welt“ speziell mit der Vergabe des Alternativen Nobelpreises an die türkische Zeitung „Cumhuriyet“. Yücel stellt eine Besonderheit heraus: „Doch eines unterscheidet die „Cumhuriyet“ von den übrigen Preisträgern: Diese haben es nicht mit Regimen zu tun, die zu den engen Verbündeten des Westens zählen. Zu ihnen gehört die Türkei schon, erst recht seit dem Flüchtlingsdeal. Der Preis für die Zeitung ist daher nicht nur ein verdienter Tadel für Erdogan, sondern ebenso für Europa.“

2. „Die besten Geschichten gibt es nur noch gegen Geld“
(futurezone.at, Patrick Dax)
Mathias Müller von Blumencron, Digitalchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), hat sich mit „Futurezone“ über kostenpflichtige Angebote im Internet, Werbeblocker und Facebooks Vorstoß ins Nachrichtengeschäft unterhalten. Und natürlich die Zukunft der Zeitung als solche.

3. Repression in ungekanntem Ausmaß
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ (ROG) hat einen ausführlichen Länderbericht zur Situation in der Türkei veröffentlicht, in dem untersucht wird, welche Folgen der nach dem Putschversuch vom 15. Juli verhängte Ausnahmezustand für die Pressefreiheit hat. Zwei Monate nach der Verhängung des Ausnahmezustands habe die Repression gegen Journalisten in der Türkei ein nie gekanntes Ausmaß erreicht. Rund 100 Journalisten seien im Gefängnis, rund 100 Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender seien geschlossen, die Reisepässe vieler Journalisten annulliert worden.

4. Die Zukunft des Journalismus reloaded
(de.ejo-online.eu, Tina Bettels-Schwabbauer)
Die leitende Redakteurin der deutschen Journalismus-Seite „EJO“ Tina Bettels-Schwabbauer hat sich das neue Buch von Christian Jakubetz angesehen. In „Universalcode 2020“ beschreibt Jakubetz, wie der Journalismus von morgen aussehen wird und gibt viele handwerkliche Tipps. Vor allem der praktische Teil des Buchs hat es der Rezensentin angetan. Davon würden besonders Berufseinsteiger und Altgediente mit Berührungsängsten vor dem Digitalen profitieren.

5. „Ein symbiotisches Verhältnis“
(mediendienst-integration.de)
Kai Hafez ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt und beschäftigt sich unter anderem mit Theorien der Auslandsberichtserstattung und kulturvergleichender Medienethik. Im „Mediendienst“-Interview spricht Hafez darüber, warum die AfD medial erfolgreich ist und warum Engagierte in der Flüchtlingshilfe eher selten in den Medien vorkommen. Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) und die Medien würden voneinander profitierten. Hafez warnt: „Viele Journalisten bemerken gar nicht, was sie da tun. Faktisch bedienen sie rechte Neigungen, und wenn diese Früchte tragen, erschrecken die Medien und warnen vor der AfD. Davon profitiert die Partei bisher – es ist ein Teufelskreis der rechtspopulistischen Öffentlichkeitsbildung.“

6. „Der talentierte Mr. Vossen“
(freitag.de, Sebastian Grundke)
Sebastian Grundke empfiehlt die Geschichte um den Fall des Aktienhändlers und mutmaßlichen Betrügers Felix Vossen, die als siebenteiliger dokumentarisch-literarischer Podcast aufbereitet wurde. Grundke ist begeistert von der Arbeitsweise des für Recherche und Stück verantwortlichen Reporters Christoph Heinzle: „Dazu greift Heinzle auf eine eher literarische Erzählweise zurück, montiert Interviewschnipsel und Notizen aus seinem Reisetagebuch oder nutzt Cliffhanger am Ende jeder Folge. Dabei bricht Heinzle auch mit klassischen journalistischen Gepflogenheiten, zum Beispiel wenn er zum Ich-Erzähler seiner monatelangen Spurensuche wird. Das Ergebnis ist jedoch meisterhaft.“

Ruhebezüge, Haftnotizen, Social Bots

1. Fall Augenstein: Wie Medien den Populismus bedienen
(ndr.de, Andrej Reisin)
Als der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD) sich kurz nach der Wahl von seiner bisherigen Pressesprecherin Daniela Augenstein trennte, kam es zu einem Aufschrei in den Medien: Viele Medien titelten mit den hohen Ruhebezügen der Ex-Staatssekretärin. Andrej Reisin hat für das „NDR“-Magazin „Zapp“ nachgerechnet und kommt zum Schluss, dass die Zahlen längst nicht so hoch seien, wie es den Anschein erwecke.

2. Can Dündar – Lebenslang für die Wahrheit
(journalisten-bloggen.de, Knut Kuckel)
Ende 2015 wurde Can Dündar in der Türkei verhaftet. Dündar war zu dieser Zeit Chefredakteur der kritischen Tageszeitung „Cumhuriyet“. Staatspräsident Erdoğan hatte persönlich Strafanzeige gegen den Journalisten gestellt und lebenslange Haft gefordert. Dündars Vergehen: Er hatte über die Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes nach Syrien geschrieben. Nach einem Gefängnisaufenthalt konnte Dündar ins Ausland reisen. Eine Rückkehr in die Türkei erscheint gefährlich, da ihm weitere Sanktionen drohen. In der Haft hat er ein Tagebuch geführt, das auch als Buch vorliegt (Can Dündar: Lebenslang für die Wahrheit, Hoffmann und Campe).

3. Warum es richtig sein kann, geheime Dokumente zu veröffentlichen
(vocer.org, Daniel Moßbrucker)
„Netzpolitik.org“ hat nach der Landesverrat-Affäre erneut einen geheimen Bericht veröffentlicht, der belegt, dass der BND „dutzendfach Gesetz und Verfassung bricht“. Daniel Moßbrucker überlegt in seinem Beitrag, inwieweit solche Veröffentlichungen erlaubt sind. Im aktuellen Fall fällt sein Votum eindeutig aus: „Es ist richtig, solche Dokumente nach gewissenhafter Abwägung ins Netz zu stellen. Die Veröffentlichung ist ein mutiger Schritt der Redaktion. Er führt allen Journalisten vor Augen, dass sie ständig Gefahr laufen, sich der Logik eines anderen Systems zu unterwerfen. Gerade in Zeiten der „Lügenpresse“-Rufe bietet größtmögliche Transparenz aller Gesellschaftssysteme die Chance, dass sich Menschen unabhängig informieren können.“

4. Holger Poppenhäger: „Pressevertreter sollten sich zu erkennen geben“
(augenzeugen.info)
Ralf Leifer und Anita Grasse vom DJV-Landesverband Thüringen haben mit Thüringens Innenminister Poppenhäger über Konflikte zwischen Berichterstattern, Demonstranten und der Polizei gesprochen. Der Rat des Ministers: Medienvertreter sollen sich „bereits im Vorfeld und bei aktuell auftretenden Fragen oder Problemen im Rahmen ihrer Tätigkeit vor Ort grundsätzlich an die Beamten wenden, die zum Einsatzabschnitt „Einsatzbegleitende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ (EPÖA) gehören.“ Die Mitarbeiter dieses Einsatzabschnitts seien als Ansprechpartner für Medienvertreter vor Ort deutlich erkennbar. Der Minister weiter: „Es bleibt auch festzuhalten, dass ein unmittelbarer Schutz vor verbalen Angriffen und Beleidigungen aus Menschenmengen heraus oder über die sozialen Netzwerke während oder nach Berichterstattungen grundsätzlich nicht möglich ist.“

5. „Manipulation ist nicht so einfach“
(taz.de, Meike Laaff)
Simon Hegelich ist Professor für Political Datascience an der Hochschule für Politik der TU München und forscht dort zum Thema „Social Bots“. Dabei handelt es sich um Programme, die bevorzugt in Online-Netzwerken eingesetzt werden und vorgeben, Menschen zu sein. Meike Laaff hat mit dem Wissenschaftler gesprochen. Dabei ging es unter anderem um ein Botnetz mit über 15.000 falschen Twitter-Accounts, das im Ukraine-Konflikt eingesetzt wurde und nach wie vor aktiv ist. Das Thema ist nach wie vor aktuell: Hegelich hat auch Hinweise auf Social Bots im US-Wahlkampf.

6. Wir zeigen Ihnen, wie wir arbeiten
(tagesanzeiger.ch, Alan Cassidy & Jan Rothenberger)
Der Schweizer „Tages-Anzeiger“ will dem allgemeinen Vertrauensverlust in die Medien etwas entgegensetzen und ruft seine Leser auf, ihn mit Fragen zur politischen Berichterstattung zu löchern: „Wie entscheidet sich, ob, wie und wie ausführlich wir über etwas schreiben? Weshalb nimmt die Redaktion eine bestimmte Haltung für oder gegen eine Abstimmungsvorlage ein? Und was machen wir, wenn wir uns in der Redaktion nicht einig sind? Dem stellen wir uns gerne und wollen Transparenz schaffen. Sagen Sie uns, was Sie wissen möchten – unsere Inlandredaktion beantwortet Ihre Frage.“

Satzbau-Hooligans, Medienquote, InTouch-TV

1. Gruppe „Hooligans gegen Satzbau“ bekommt Facebook-Preis
(morgenpost.de, Lars Wienand)
Facebook hat Initiativen geehrt, die sich in sozialen Medien gegen Hasskommentare einsetzen. Den „Smart Hero Awards“-Publikumspreis hat die Gruppe „Hooligans gegen Satzbau“ gewonnen, die ihr Preisgeld an die Initiative „Enough is Enough“ abgetreten und die Bühne genutzt hat, um Kritik an Facebook zu üben. „Dass wir von Euch für unsere Arbeit ausgezeichnet werden, ist absurd, belief sich Euer Dank bisher doch auf unsere Sperrungen und Löschungen.“

2. Neuer Vorstand: Löst ProQuote sich auf?
(pro-quote.de)
Man würde es dem Verein „ProQuote Medien e.V.“ gönnen, wenn er sich auflösen würde, denn dann wäre das Ziel erreicht: Mindestens 30 Prozent der journalistischen Führungspositionen in den deutschen Medien bis 2017 mit Frauen zu besetzen. Bis dahin will der neue Vorstand von ProQuote unter Beteiligung der mittlerweile fast 5000 Unterstützer und Unterstützerinnen weiterhin mit Druck und Kampagnen dafür sorgen, dass die Forderung nicht in Vergessenheit gerät.

3. „InTouch“-TV: Es gibt nichts zu berichten, kosten wir’s aus
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader hat sich für „DWDL“ vor den Fernseher gesetzt und auf RTL II das neue „InTouch“-TV eingeschaltet. Seine Diagnose: „RTL II transferiert ein befreundetes Promilaberblättchen vom Kiosk ins Fernsehen und verspricht eine Mischung aus Star-Magazin und Redaktions-Doku. Die Premiere ging ordentlich daneben: Nicht mal Guido Maria Kretschmer hatte Bock auf ein Interview.“

4. Was gibt’s Neues, Resi?
(journalist.de, Matthias Daniel)
„Resi“ nennt sich die Nachrichten-App von Martin Hoffmann, der seinen Job als Leiter der Social-Media-Redaktion bei der „Welt“ gekündigt hat, um sich ganz auf sein Startup-Unternehmen zu konzentrieren: Einen Chatbot, der mit seinen Nutzern über die aktuellen Nachrichten „redet“. Im Interview spricht Hoffmann über gute und böse Bots, Kriterien bei der Nachrichtenauswahl und was man bei dieser Form des Messenger-Journalismus sonst noch beachten muss.

5. Aus Deutschlandradio Kultur wird Deutschlandfunk Kultur
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Aus „Deutschlandradio Kultur“ wird „Deutschlandfunk Kultur“, „D-Radio Wissen“ heißt künftig „Deutschlandfunk Nova“, doch „Deutschlandfunk“ darf weiter „Deutschlandfunk“ heißen.

6. Null Vulven gefunden
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
„Spiegel“-Kolumnistin Margarete Stokowski hat das im Hotelzimmer vorgefundene „ZEITmagazin Mann“ studiert: „Seit Jahrzehnten müssen sich Frauen an jeder Supermarktkasse von Magazinen beleidigen lassen, die ihnen Problemzonen einreden. Jetzt können endlich auch Männer über sich selbst lesen – und zum Glück nicht nur Unsinn.“

Hassrede-Kulturgeschichte, IOC-Auszeichnung, Berlin-Wahl

1. Noch so ein Sieg, und wir sind verloren
(zeit.de, Julia Reda)
„Noch so ein Sieg, und wir sind verloren.“ Mit diesem Zitat macht Julia Reda ihren Beitrag über die Pläne für ein europäisches Leistungsschutzrecht auf. Die EU-Kommission tue der Kreativwirtschaft und Journalismus mit ihren Plänen keinen Gefallen, so die EU-Abgeordnete (Fraktion Grüne/EFA). Im Gegenteil, es könnte laut Reda die Lage sogar verschlimmern. Die Erfahrungen in Deutschland und Spanien hätten gezeigt, dass das Leistungsschutzrecht nicht zuletzt kleinen Verlagen und damit der Medienvielfalt schade. „Was die Kommission vernachlässigt, sind mutige Schritte zur Schaffung eines gemeinsamen digitalen Binnenmarktes, der seinen Namen verdient und der mithelfen könnte, eine Zukunfts- und Wachstumsperspektive für Journalismus zu schaffen. Europaweit einheitliche Regeln im Urheberrecht für Zitate, Parodien oder Panoramafreiheit könnten Redaktionen vor Abmahnungen schützen. Ein europäischer Whistleblower-Schutz wäre eine willkommene Stärkung des investigativen Journalismus, damit in Fällen wie LuxLeaks nicht wieder die Aufdecker des Skandals vor Gericht stehen.“

2. Hass-Rede: zur Kulturgeschichte eines sprachlichen Phänomens
(carta.info, Paul Sailer-Wlasits)
Sprachphilosoph und Politikwissenschaftler Paul Sailer-Wlasits hat sich mit der Kulturgeschichte der Hass-Rede beschäftigt. Die gegenwärtige Hasssprache sei kein neues Phänomen, sondern nur ein neues Symptom. Mit welcher Konstanz sie die Jahrtausende durchschreiten konnte, sei erstaunlich und angesichts aufbrechender Konfliktlinien, Xenophobie und Populismus bestürzend. Sailer-Wlasits schließt seinen Aufsatz mit den Worten: „Im Europa der Gegenwart beginnt die Symmetrie der Anerkennungsverhältnisse in sich zusammenzubrechen. Die verbale Passage vom Unterscheiden zum Diskriminieren wird kürzer, Ressentiments werden rascher ethnisiert. Der Zivilisationsprozess der Sprache ist noch längst nicht an sein Ende gelangt, nur weil er Zeit zur Reife hatte.“

3. Es drohen amerikanische Zustände
(medienwoche.ch, Gabriel Gasser)
Am 25.9. wird in der Schweiz über das neue Nachrichtendienstgesetz „NDG“ abgestimmt. Eine Entscheidung, die laut Gabriel Gasser mit der Entscheidung des ehemaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush vergleichbar sei, nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Kompetenzen der National Security Agency NSA drastisch zu erweitern. Gasser benennt die kritischen Punkte des Gesetzes und wundert sich, warum das geplante Vorhaben bei Redaktionen und Verlagen so wenig Widerspruch hervorrufe.

4. Negativpreis für Internationales Olympisches Komitee wegen Umgang mit Social Media
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
In Wien wurde der „#WOLO Award 2016 für ausgezeichneten Kulturpessimismus“ verliehen. Der Negativpreis ging diesmal an das Internationale Olympische Komitee wegen seines Umgangs mit Social Media. Aus der Begründung der Jury: „Seit der Gründung der Olympischen Spiele im Jahre 776 v. Chr. kümmert sich das IOC in vorbildlicher Weise um den Schutz seiner Marken- und Verwertungsrechte, mittlerweile auch – und vor allem – im Internet. Spieler, Sponsoren, Trainer und Zuschauer – alle werden angehalten, sich um die Einhaltung umfangreicher Regularien zu kümmern. Es sind Regularien, deren hauptsächlicher Sinn darin besteht, die Kontrolle zu bewahren und die Interessen der wenigen „Olympischen Partner“ zu schützen. Eine wertvolle Regelung besteht zum Beispiel darin, dass Sponsoren einzelner Teilnehmer oder deren Heimatstädte ihren erfolgreichen Athleten nicht öffentlich gratulieren dürfen.“

5. Keine Haft mehr für Verweigerer der Rundfunkgebühr
(golem.de, Achim Sawall)
Totalverweigerer des Rundfunkbeitrags müssen mit allerlei Sanktionen rechnen, ein Knaststrafeaufenthalt ist aber unwahrscheinlicher geworden: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wollen auf die Drohung mit Erzwingungshaft verzichten. Immerhin 4,5 Millionen Beitragskonten sollen am Stichtag 31. Dezember 2014 im Mahnverfahren oder in Vollstreckung gewesen sein.

6. Wahlkarte zur Abgeordnetenhauswahl 2016 in Berlin
(morgenpost.de, Julius Tröger & Moritz Klack & Andre Pätzold & David Wendler & Christoph Möller)
Anlässlich der Berliner Wahl zum Abgeordnetenhaus beweist die „Berliner Morgenpost“ mal wieder, warum sie zu den mehrfach prämierten Vorreitern des Datenjournalismus in Deutschland zählt: Über eine interaktive Karte kann man in jedes der 1779 Wahllokale zoomen und die Abstimmungsergebnisse abrufen. Über das Menüband am unteren Bildschirmrand können weitere Analysen durchgeführt werden, z.B. wie die Berliner rund um Flüchtlingsheime wählen, wo die AfD punktet, in welchen Kiezen die Nichtwähler die stärkste Partei sind etc.

AfD-Aufschrei, Oktoberfest-Tränen, Seitensprung-Offensive

1. Hier & Jetzt 6: ’10 Jahre Medienwandeldebatte‘, mit Ronnie Grob
(neunetz.fm, Marcel Weiß & Ronnie Grob)
Fast eine ganze Dekade hat Ronnie Grob als Kurator die Medienrubrik „6 vor 9“ beim BILDblog mit Empfehlungen bestückt und in dieser Zeit ein unfassbares Wissen über die spezifischen Eigenheiten der Branche und den Medienwandel (und die damit verbundenen Medienwandeldebatten) angesammelt. Im Interview spricht er eine Stunde über die letzten zehn Jahre, neue Geschäftsmodelle und den Status Quo des Journalismus. Persönliche Anmerkung: Als sein Nachfolger bin ich auch nach einem dreiviertel Jahr voller Bewunderung für das, was Ronnie Grob hier auf BILDblog geleistet hat. Respekt, Ronnie!

2. Wo bleibt der Aufschrei?
(spiegel.de, Liane Bednarz und Farhad Dilmaghani)
Die AfD reklamiere demokratische Rechte für sich, um auf legalem Weg an die Macht zu kommen – dann will sie „aufräumen“, „ausmisten“ und „Politik nur für das Volk machen“. Wer diese Rhetorik verharmlose, mache sich mitschuldig, finden Liane Bednarz und Farhad Dilmaghani in ihrem Gastbeitrag für „Spiegel Online“.

3. So gehts: Wie Sie den Medien ein Seitensprung-Baby beichten
(schweizamsonntag.ch, Christof Moser)
„Sind Sie ein prominenter Politiker, zelebrieren öffentlich Ihr Ehe- und Familienleben, zeugen dann aber ein außereheliches Baby? Gehen Sie in die Offensive wie Christophe Darbellay!“, so die provozierende Empfehlung von Christof Moser in der „Schweiz am Sonntag“. Dirigiert wurde das Ganze von einem Züricher Medienanwalt, der für seinen Mandanten einen Deal mit dem „SonntagsBlick“ aushandelte, der auf mediale Schadensbegrenzung ausgerichtet war.

4. Die Charmeoffensive
(taz.de, Daniel Bouhs)
Google investiert über einen „Innovationsfond“ 150 Millionen Euro in den europäischen Medienmarkt. Eine „Charmeoffensive“ nennt Daniel Bouhs das Vorgehen, mit dem Google noch mehr Verlage für eine Zusammenarbeit gewinnen will. Auf der – zumindest teilweise öffentlichen – Förderliste würden neben Start-ups auch Traditionshäuser wie die Schweizer „NZZ“, der britische „Telegraph“, der österreichische „Standard“, die „Wirtschaftswoche“, der „Tagesspiegel“ und die „Rhein-Zeitung“. Und auch der „Spiegel“ habe angekündigt, sich um die Förderung zu bemühen.

5. „Was Facebook tut, unterliegt keiner demokratischen Kontrolle“
(deutschlandradiokultur.de, Ulf Buermeyer & Christian Rabhansl)
„Deutschlandradio Kultur“ hat mit dem Verfassungsrechtler und Berliner Richter Ulf Buermeyer gesprochen. Dieser kritisiert, dass Facebook sich deutschen Strafverfolgungsbehörden entziehe. „Und ich denke, wir müssen bei Unternehmen, die so wie Facebook relevant sind für die demokratische Kultur und für den Diskurs in einer Demokratie, bei solchen Unternehmen müssen wir schon darüber nachdenken, ob wir uns da ausschließlich auf letztlich willkürliche Hausregeln und deren ebenso willkürliche Durchsetzung verlassen können oder ob wir hier nicht irgendeine Form von demokratischer Kontrolle brauchen.“ Das Bundesjustizministerium müsse auf Facebook einwirken und zumindest einen Deal erwirken, der es den Strafverfolgungsbehörden erlaube, im Bedarfsfall einzuschreiten: „Für mich ist nicht einleuchtend, wieso Facebook in Deutschland nach deutschem Recht Werbung verkauft, aber sich den Strafverfolgungsbehörden weitgehend entzieht und, wie gesagt, nur nach Gutdünken kooperiert.“

6. Wiesn-TV – Bei jeder Werbung möchte man weinen vor Dankbarkeit
(sueddeutsche.de, Johanna Bruckner)
Johanna Bruckner hat sich mehr als vier Stunden Oktoberfest-Live-Übertragung angetan. Ihre Erkenntnis: Söder verliert im Wiesn-Schwanzvergleich. Und das Oktoberfest kann auch ohne Alkohol sehr wehtun.

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