Archiv für 6 vor 9

Desinformations-Champions, Verleger im Jammertal, Realfake Jasmin

1. Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook?
(motherboard.vice.com, Theresa Locker)
Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook? „Vice“ hat über einen Zeitraum von sechs aufeinanderfolgenden Tagen die Facebook-Seiten von acht verschiedenen deutschsprachigen Online-Nachrichtenmedien mit großer Reichweite untersucht. Gewinner der Stichprobe ist der „Spiegel“, Verlierer sind „Sputnik DE“, „Huffington Post DE“ und „RT Deutsch“. Tiefer gehende Infos zu den „Postingstrategien“ der untersuchten Medien sind in einem separaten Artikel aufbereitet. Außerdem hat man ein FAQ zum Untersuchungs-Setup der Recherche zusammengestellt. Und zum Schluss noch der Hinweis auf Stefan Niggemeiers Kommentar ‚Fake News‘-Debatte: Warum wir die Wahrheit nicht relativieren dürfen

2. Der rechtsextreme Flügel hat sich durchgesetzt
(nwzonline.de, Andreas Herholz)
Die „Nordwest Zeitung“ (NWZ Online) hat sich mit dem Politikwissenschaftler Hans-Joachim Funke über die Chancen der AfD bei der anstehenden Bundestagswahl unterhalten. Funke spricht von einer drohenden Zäsur in der Geschichte des Bundestages und appelliert die Medien, ihrer Aufklärungsfunktion gerecht zu werden: „Viele Talkshows, die wie etwa Maybrit Illner im ZDF oder Plasberg in der ARD, AfD-Politiker geradezu hofieren, werden ihrem öffentlichen Auftrag nicht mehr gerecht.“

3. Ganz schön sportlich – für eine Frau
(sueddeutsche.de, Werner Bartens)
Wissenschaftlerinnen aus Kalifornien haben analysiert, wie sich die Darstellung von Sportlerinnen in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Das Resümee: Wenn Frauen-Sport im Fernsehen übertragen wird, gibt es immer noch unangemessenen Kommentaren über Äußerlichkeiten und Nebensächliches. Der Sexismus komme jedoch verkleidet daher: „Es geht um die vermeintlichen Schwächen der weiblichen Leistungsfähigkeit. Damit wird den Zuschauern subtil vermittelt, dass Frauensport weniger aufregend und interessant ist.“

4. AfD wirft Google Sabotage vor
(spiegel.de, Melanie Amann & Marcel Rosenbach)
Die AfD fühlt sich von Google diskriminiert. Der Suchmaschinenriese würde sich nach „Spiegel“-Informationen seit mehr als einer Woche weigern, bestimmte Anzeigen für eine Anti-Merkel-Seite der AfD zu schalten. AfD-Kampagnenchef Kunkel spricht von Sabotage und will den fünfstelligen Etat für die Bewerbung der Anti-Merkel-Inhalte nun bei Facebook investieren.

5. Schuld sind die anderen
(taz.de, Benno Stieber)
Beim Jahreskongress der deutschen Zeitungsverleger ging es laut „taz“-Korrespondent Benno Stieber recht einseitig zu: Die Verleger hätten sich ausführlich ihren erklärten Gegnern gewidmet und tüchtig auf die großen Internetmultis wie Facebook und Google sowie die öffentlich-rechtlichen Sender geschimpft. Die eigenen Fehler seien dabei nicht zur Sprache gekommen.

6. Mein Fake Jasmin Nicoletta Goldmann
(fritschis-welt.de, Denise Fritsch)
Online einen Menschen kennenlernen, den man schätzt und in den man sich irgendwann vielleicht sogar verliebt, um nach Monaten der Kommunikation festzustellen, dass es diesen Menschen gar nicht gibt… Genau das ist Bloggerin „Fritschi“ passiert, als sie Opfer des Realfakes „Jasmin Goldmann“ wurde. Nachdem sich das Lügengebäude nicht mehr halten ließ, fingierte die falsche „Jasmin“ ihren angeblichen Tod. Denise Fritsch hat die verstörende Geschichte dokumentiert.

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Landesverrat, Meuthen-Mythen, Streaming-Emmys

1. Zwei Jahre später
(taz.de, Christian Rath)
Nach dem Landesverrats-Vorwurf gegen die „Netzpolitik“-Blogger wollte Bundesjustizminister Maas das entsprechende Gesetz reformieren. Christian Rath fragt sich, was daraus geworden ist. Die Antwort fällt nüchtern aus: „Die von Justizminister Heiko Maas (SPD) angekündigte Prüfung des Landesverratsparagrafen führte zu keinerlei Änderung.“

2. Fotojournalisten sofort freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die „Reporter ohne Grenzen“ sind besorgt über die Festnahme eines myanmarischen Fotojournalisten und seines Assistenten in Bangladesch: „Minzayar Oo und Hkun Lat wollten die dramatische Situation der Rohingya dokumentieren. Es kann nicht sein, dass sie der Spionage beschuldigt werden, nur weil sie ihren Job gemacht haben.“

3. Faktencheck: Meuthen, Merkel, Mythen
(correctiv.org, Inga Wonnemann)
AfD-Bundesvorstand Jörg Meuthen hat ein kurzes Video gepostet, das eine Szene aus einem Merkel-Interview vom Oktober 2015 zeigt: In dramatischer Aufmachung wird Angela Merkel eine Aussage in Sachen Flüchtlingspolitik in den Mund gelegt, die sie so nicht gemeint hat. Der Ausschnitt sei aus dem Zusammenhang herausgerissen, so die Faktenchecker von „Correctiv“. Es sei eine „gezielte Desinformation“.

4. Immer mehr live und weniger kritisch
(deutschlandfunk.de, Matthis Jungblut)
Wenn es in den Medien um Sport geht, dann im ganz überwiegendem Fall um (Männer-)Fußball. Weniger populäre und massenkompatible Sportarten fallen meist durch das Raster. Doch durch das Internet wird es immer einfacher, auch anderen Sportarten eine Bühne zu geben. Und so geht der Trend zu immer mehr Livesport bei immer mehr Anbietern. Dabei bleibe jedoch oft der kritische Sportjournalismus auf der Strecke.

5. Hausverbot für Tagesspiegel bei Auftritt von Petry und Lengsfeld
(tagesspiegel.de)
Die Veranstalter des geplanten gemeinsamen Auftritts von AfD-Chefin Frauke Petry und der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin und Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Vera Lengsfeld haben ein Hausverbot gegen den „Tagesspiegel“ verhängt. Dieser hatte zuvor über Verbindungen zur rechtsradikalen „Ein-Prozent-Bewegung“ um den umstrittenen Publizisten Götz Kubitschek berichtet.

6. Die Emmys führen das traditionelle Fernsehen vor
(sueddeutsche.de, Kathrin Werner)
In Los Angeles wurden zum 69. Mal die Emmy-Awards verliehen, die als weltweit wichtigster Fernsehpreis gelten. Unter den Gewinnern waren in diesem Jahr zahlreiche Produktionen von Internetstreaming-Diensten wie „Netflix“ und „Amazon Prime“. Entsprechend habe es einiges an Witzen auf Kosten der alten Fernsehsender gegeben, so „SZ“-Korrespondentin Kathrin Werner. Der große Vorteil der Streamingdienste: Sie seien nicht von Einschaltquoten abhängig, müssten nicht auf Werbekunden schielen und könnten sich daher auch Serien außerhalb von Massengeschmack und Mainstream erlauben.

Frisierte Abgeordnete, Zielgruppe Judenhasser, Homophobie bei der FAZ

1. Wikipedia-Artikel über Abgeordnete vom Bundestag aus geschönt
(br.de, Christine Auerbach & Maximilian Zierer)
Eine Analyse der Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks zeigt, dass viele Wikipedia-Artikel über Bundestagsabgeordnete umgeschrieben beziehungsweise geschönt und frisiert werden. Das Bemerkenswerte dabei: Die Analyse hat ergeben, dass in dieser Legislaturperiode die Wikipedia-Seiten von einem Drittel aller Abgeordneten von Bundestags-PCs aus verändert wurden. Über einen anonymen Wikipedia-Account von einem Computer aus dem Deutschen Bundestag wurde beispielsweise ein vormals überzeugter Atomkraft-Anhänger durch Löschen der einschlägigen Passage („Joachim Pfeiffer gilt als Befürworter des Einsatzes von Atomkraftwerken.“) zum glühenden Energiewende-Fan: „Die Energiewende bezeichnet er als Umbau der Energieversorgung und drängt in diesem Zusammenhang auf eine schnelle Markteinführung der Erneuerbaren Energien.“

2. Zielgruppe „Judenhasser“
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Immer wieder gerät Facebook wegen seiner fragwürdigen Werbemöglichkeiten in die Kritik. So ließen sich im Werbetool bis letzten Donnerstag gezielt Antisemiten (Interesse: „Wie verbrennt man Juden“), Islamhasser („Muslime töten“), Frauenfeinde („Bitches umbringen“) oder Rassisten („Ku-Klux-Klan“) ansprechen. Nachdem ein Recherche-Kollektiv Facebook damit konfrontierte, reagierte Facebook und deaktivierte die entsprechenden Werbemöglichkeiten. Doch Simon Hurtz von der „SZ“ musste bei seiner Recherche feststellen, dass dies vom Social-Media-Riesen nur unzureichend umgesetzt wurde: Zumindest Freitagmittag sei es nach wie vor möglich gewesen, in Facebooks Anzeigenmanager Interessen wie „Heil Hitler!“, „Juden raus!“ oder „German Schutzstaffel“ auszuwählen.

3. Homophober Text war homophob
(taz.de)
Der Presserat rügt einen FAZ-Beitrag aus dem Sommer, in dem ein anonymer Autor (Pseudonym: Johannes Gabriel) behauptete, dass adoptierte Kinder von homosexuellen Paaren einer besonders hohen Gefahr eines sexuellen Missbrauchs ausgesetzt seien. Diese Behauptung stelle einen schweren Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot nach Ziffer 12 des Pressekodex dar, so der Presserat.

4. Rechts vor links
(daily.spiegel.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon schreibt in ihrer Medienkolumne bei „Spiegel Daily“ über einen Konflikt in der Madsack Mediengruppe. In den Stadtausgaben der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) und „Neuen Presse“ (NP) erschien eine mehrseitige Werbebeilagen der AfD. Eine Aktion, die auch beim größten Gesellschafter des Madsack-Konzerns nicht gut ankam: Der Medienholding der SPD… Kolumnistin Simon ordnet den Vorgang ein.

5. „Recht am geistigen Eigentum stärken“
(stuttgarter-zeitung.de, Markus Grabitz)
EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger spricht sich im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ für ein von vielen Medienhäusern und Branchenverbänden gefordertes europäisches Verlegerrecht aus. Die Position der Verlage gegenüber Konzernen wie Google müsse gestärkt werden. Außerdem sei es überfällig, dass Gerichte den öffentlich-rechtlichen Sendern „ihre Grenzen aufzeigen“, so Oettinger: „Die Sender sorgen für ein kostenloses und umfassendes journalistisches Angebot im Netz, das für die privat finanzierten Verlagshäuser eine scharfe Konkurrenz darstellt. Die Öffentlich-Rechtlichen finanzieren dies auch aus Rundfunkbeiträgen. Dies ist unfair gegenüber den vollständig privat finanzierten Zeitungshäusern und stellt für sie eine Gefahr dar.“

6. Wonach User in Wahlprogrammen von CDU, SPD, Linke, Grüne, AfD googeln
(kosmos.welt.de, Kritsanarat Khunkham)
Die „Zeit“ hat ausgerechnet, dass die Wahlprogramme der sechs größten Parteien rund 225.000 Wörter umfassen, was ungefähr 350 eng bedruckten DINA4-Seiten entspräche. „Welt“-Autor Kritsanarat Khunkham hat Google raussuchen lassen, welche Begriffe in den letzten sieben Tagen bei den jeweiligen Wahlprogrammen von Union, SPD; Linke, Grüne, AfD und FDP die häufigsten „Mitsuchworte“ waren.

Moderatoren-Pachtverträge, TV ist out, Ungeliebte Landliebe

1. Hushpuppie-Pathos und Dauergeplärre im Wahlkampf
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester ist genervt vom Wahlkampf-Fernsehen mit immer denselben Politikmoderatoren der Riege Maischberger, Klöppel, Illner, Will und Plasberg: „Geht mit einem Moderationsposten für eine relevante politische Sendung ein 100-jähriger Pachtvertrag einher? Wie kommen Fernsehverantwortliche darauf, dass sich 30-jährige Vertriebsangestellte und 19-jährige Deutsch-Türken, die gerade ihr Abitur gemacht haben, durch ein homogenes Team bestens verdienender, sich in den Zirkeln der Elite bewegender Menschen Anfang/Mitte 50 vertreten fühlen könnten?“

2. Richtige Zahlen, voreilige Schlüsse
(correctiv.org, Inga Wonnemann)
In den vergangenen Tagen machten einige alarmistische Artikel zu Vergewaltigungen in Bayern die Runde. Inga Wonnemann hat sich die Zahlen näher angeschaut. Die Zahl der registrierten Sexualdelikte sei tatsächlich gestiegen. Man müsse die Daten allerdings einordnen und dürfe keine falschen Zusammenhänge herstellen.

3. Mit dem Zweiten sieht man rechter
(kreuzer-leipzig.de, Tobias Prüwer)
Im Leipziger Magazin „Kreuzer“ kritisiert Tobias Prüwer die ZDF-Doku „Radikale von Links“, bei der einiges durcheinander geraten sei. In der Leipzig-Berichterstattung seien ganze Stadtviertel verlegt und Straßenschlachten erfunden worden. Und als Stichwortgeber und Experte sei ausgerechnet ein AfD-Politiker aufgetreten, der im Film schlicht als „Politologe“ bezeichnet worden sei.

4. Die Qual vor der Wahl
(de.ejo-online.eu, Gerret von Nordheim)
In letzter Zeit gab es einige Fälle, in denen Meinungsforscher deutlich danebenlagen, ob beim Brexit, der Trump-Wahl oder einigen AfD-Landtagserfolgen. Die Meinungsforschungsinstitute verweisen auf die Unsicherheiten und Fehlertoleranzen, die von den Journalisten beim Weitertransport der Zahlen nicht angegeben worden seien. Nun haben Studierende der TU Dortmund untersucht, wie deutsche Printmedien mit Wahlumfragen umgehen. Wird Unsicherheit dort kommuniziert? Und wenn ja, wie? Und wird überhaupt die Quelle der Umfrage genannt?

5. „Fernsehen ist out. Die Schüler informieren sich über das Smartphone“
(journalist-magazin.de, Yvonne Zwirnmann)
Im neunten Teil der „journalist“-Interviewreihe zum Thema Fake News erzählt ein Gymnasiallehrer, welchen Einfluss Falschmeldungen im Klassenzimmer haben. Seine Resümee zum Thema Medienkonsum: „Fernsehen ist out. Die gesamte Informationsbeschaffung läuft über das Smartphone. Auch gedruckte Tageszeitungen werden immer weniger gelesen, das geht alles über Apps. Einige Schüler haben die Apps von Spiegel Online, „Tagesschau“ oder Süddeutscher Zeitung. Ganz gruselig wird es natürlich, wenn sie ihre Nachrichten nur auf Facebook beziehen, also nur das lesen, was andere Leute posten.“

6. kontertext: Ein bisschen Friede, ein bisschen sein
(infosperber.ch, Felix Schneider)
Nachdem das Magazin „Landlust“ in Deutschland ein großer Erfolg wurde, wollte man in der Schweiz nachziehen und warf die „Landliebe“ auf den Markt. Felix Schneider hat sich die aktuelle Ausgabe angeschaut und einige Sätze herausgepickt und kommentiert. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Es ist keine Liebesgeschichte geworden.

Hessische Depesche, Inszenierte Scheiße, „Bilds“ Abschiebefeier

1. Netzwerk in Unruhe
(journalist-magazin.de, Lars Radau)
Im umstrittenen, rechtslastigen „Depeschen“-Netzwerk mit Ausgaben für Hessen, Sachsen, Bayern und das Gebiet um die Saar rumore es gewaltig: Zuständigkeiten würden wechseln, Fake-Autoren verschwinden, und eine dubiose Firma hätte die Mehrheit übernommen. Lars Radau hat näher hingeschaut.

2. Wirkt der Kampf gegen Fake News auf Facebook überhaupt?
(wired.de, Benedikt Plass-Fleßenkämper)
Im Kampf gegen die sogenannten „Fake News“ hat Facebook externe Faktenprüfer mit der Begutachtung beauftragt. Falsche Inhalte sollen von den Prüfern mit Fake-News-Markierungen gekennzeichnet werden (in Deutschland erledigt dies das Portal „Correctiv“.) Nun hat eine neue Studie der Yale University ergeben, dass diese Markierungen praktisch keinen Einfluss hätten. Die Fake-News-Initiative habe ganz im Gegenteil eine negative Auswirkung, denn sie führe zu einem höheren Vertrauen der Nutzer in unmarkierte Inhalte.

3. Lokaljournalismus, diese inszenierte Scheiße
(der-freigeber.de, Jens Brehl)
Der freie Journalist Jens Brehl schreibt sich den Frust von der Seele. Während manche Journalisten sich die Mühe machen würden, Pressetermine von Unternehmen wahrzunehmen und danach aus eigener Perspektive zu berichten, würden sich einige Kollegen die Arbeit leicht machen und ungeprüft PR-Texte übernehmen: „Mich widert diese Praxis zunehmend an. Mit einher schwingt mein Groll, wenn ich bei einer Veranstaltung Stunden verbringe, Interviews führe, Vorträge komplett verfolge und hinterher andere Medien in ihrem Bericht nicht erwähnen, dass sie gerade einmal eine halbe Stunde oder eben gar nicht vor Ort waren.“

4. Auf welche Medien verlinken die Parteien?
(faktenfinder.tagesschau.de, Fiete Stegers)
Auf welche Medien verlinken die Parteien? Der „Faktenfinder“ der „Tagesschau“ hat die von den Facebook-Seiten der sieben Parteien AfD, CDU, CSU, FDP, Grüne, Linke und SPD veröffentlichten Einträge analysiert und sich die Posts von jeweils fünf Spitzenpolitikern je Partei angeschaut. Die Auswertung zeige, dass „Welt“, „Spiegel“ und „Focus“ bei den Parteien vorn liegen. Auch die „Junge Freiheit“ sei unter den ersten zehn Medien — dank der AfD.

5. Hetze klickt sich gut
(taz.de, Anna Böcker)
Gestern gab es wieder Abschiebungen nach Afghanistan, acht Personen sind nach Kabul ausgeflogen worden. Bei „Bild“ konnte man von einem „Abschiebe-Flieger voller Sex-Täter“ lesen. Anna Böcker kommentiert in der „taz“: „Bei der Bild wird aus einer Handvoll Straftäter ein Flugzeug voller „Sex-Täter“. In den Kommentaren wird lamentiert, dass zu wenige Flüchtlinge abgeschoben würden. Das nennt man dann wohl gelungene Leser-Blatt-Bindung.“

6. Deutscher Yellowpress-Verlag muss Millionen an Rebel Wilson zahlen
(spiegel.de)
Der Medienkonzern „Bauer“ wurde in Australien zu einer Entschädigungssumme von drei Millionen Euro verdonnert. Dies sei die größte Entschädigungszahlung, die in der Rechtsgeschichte Australiens jemals verfügt wurde. Der Hintergrund: Australische Yellow-Press-Gazetten aus dem Hause „Bauer“ hatten verleumderische Artikel über die australische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Filmproduzentin Rebel Wilson veröffentlicht.

Legale Köpfung, Völkisch radikalisiert, Affen-Selfie-Vergleich

1. Von der Faulheit der Staatsanwaltschaft
(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)
Handelt es sich bei dem Satz „Man sollte dich köpfen“ um eine „zulässige Meinungsäußerung“? Wenn man nach der Staatsanwaltschaft Berlin geht: Ja! Im konkreten Fall ging es darum, dass ein Facebook-Nutzer die Grünen-Politikerin Renate Künast mit diesem Satz angegangen war, worauf diese den Nutzer angezeigt hatte. Heribert Prantl, in früheren Jahren selbst als Staatsanwalt tätig, ist gleichermaßen entsetzt und empört: „Eine Staatsanwaltschaft, die solche Tiraden zulässt, stellt nicht nur die Beleidiger straflos, sondern auch die Politiker rechtlos. Politiker sind nicht die Hausschweine der Demokratie, denen man jeden Dreck in den Kübel schütten kann.“

2. Immer auf die Kleinen
(taz.de, Jörg Wimalasena)
Die zweiteilige ARD-Reportage „Wahl 2017: Die kleinen Parteien“ wollte Kleinparteien vorstellen. Nach Ansicht von „taz“-Autor Jörg Wimalasena geschah dies jedoch auf eine herabsetzende Art: „Man muss kein Anhänger dieser Parteien sein, um ihre Anliegen respektvoll zu würdigen. Den ARD-Reportern scheint es aber vor allem darum zu gehen, die Aktivisten kleiner Parteien kamerawirksam durch den Kakao zu ziehen und deren Anliegen der Lächerlichkeit preiszugegeben.“

3. „Völkisch radikalisiert“
(correctiv.org, Sarina Balkhausen & Carla Reveland)
Der Sozialwissenschaftler Andreas Kemper befasst sich intensiv mit der AfD, teilweise mit spektakulären Ergebnissen. So will er herausgefunden haben, dass der Thüringer AfD-Frontmann Björn Höcke unter dem Namen Landolf Ladig in Publikationen der rechtsextremen NPD publiziert. Im Gespräch mit „correctiv“ geht es um rechtes Gedankengut, verräterische Sprache und die Debatte um eine E-Mail Alice Weidels.

4. „Man muss Menschen beibringen, dass so was nicht geht“
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Die Initiative gegen Hass im Netz „#ichbinhier“ hat viel mediale Aufmerksamkeit erfahren und wurde mit dem renommierten Grimme Online Award ausgezeichnet. In letzter Zeit sei es jedoch immer schwerer geworden, gegen den Hass anzuarbeiten, so der Gründer Hannes Ley: „Seit einigen Wochen nehmen wir einen deutlichen Zuwachs von Hassrede auf Facebook und in den sozialen Medien insgesamt wahr. Die Vorurteile und Beleidigungen sowie die zum Teil offene Fremdenfeindlichkeit und Hetze haben eine neue Intensität erreicht und die direkten Angriffe gegen unsere Gruppe und ihre Mitglieder sind besonders aggressiv und besorgniserregend.“

5. Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl
(reporter-ohne-grenzen.de)
Kurz vor der Bundestagswahl am 24. September hat „Reporter ohne Grenzen“ den Parteien sogenannte Wahlprüfsteine vorgelegt. Darin geht es unter anderem um den Schutz von Journalisten vor digitaler Überwachung, die Weiterentwicklung des Informationsfreiheitsgesetzes und den Umgang mit repressiven Regierungen. Mit Ausnahme der AfD haben alle angefragten Parteien geantwortet. Im Artikel findet man eine Zusammenfassung der verschiedenen Positionen. Die vollständigen Antworten der Parteien gibt es hier.

6. Streit um Affen-Selfie beendet
(zeit.de, Friedhelm Greis)
Ein bizarrer Rechtsstreit zwischen einem britischen Fotografen und der Tierrechtsorganisation „Peta“ wurde mit einem Vergleich beigelegt. „Peta“ ließ die Berufungsklage gegen den Fotografen fallen, der die Rechte an einem Affen-Selfie für sich reklamiert hatte. Im Gegenzug habe sich der Fotograf verpflichtet, 25 Prozent der künftigen Einnahmen aus einem Buch mit den Affenfotos für den Erhalt der Makaken-Lebensräume in Indonesien zu spenden.

rbb-Wahlkampf-Moderator, VHS-Kurs-Klaas, Hurrikan-Reporter

1. rbb missbilligt Einsatz von Jörg Thadeusz im CDU-Wahlkampf
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
rbb-Moderator Jörg Thadeusz hat unlängst eine CDU-Wahlkampfveranstaltung mit Angela Merkel moderiert. Dabei hat er auf seine Tätigkeit beim rbb hingewiesen und seine Sendung „Fahrbereitschaft“, in der er sich mit den Spitzenpolitikern der kandidierenden Parteien unterhält. Als ihn der Journalistenkollege Tilo Jung auf Twitter auf einen möglichen Interessenkonflikt ansprach, reagierte Thadeusz verschnupft und blockierte seinen Kritiker. Stafan Niggemeier kommentiert: „Bemerkenswert ist, in welchem Maß der Moderator in der Diskussion auf Twitter nicht einmal im Ansatz erkennen wollte, dass die Doppelrolle insbesondere im Wahlkampf problematisch sein könnte.“ Wenigstens der rbb hat die Brisanz erkannt und das Verhalten des Moderators missbilligt.

2. „Menschenwürde vor Meinungsfreiheit“
(message-online.com, Nadine Sebastian & Lydia Ulbrich)
„Message Online“ hat 29 Medienhäuser zu ihren Erfahrungen mit Hasskommentaren befragt und die Ergebnisse in eine interaktive Karte einfließen lassen.

3. Volkshochschulkurs mit Unterhaltungselementen
(faz.net, Frank Lübberding)
Gestern Abend lief auf „Pro Sieben“ das Politformat „Ein Mann, eine Wahl“ mit Klaas Heufer-Umlauf, eine Mischung aus Politiker-Interviews und Prominenten-Statements. Frank Lübberding nennt die Sendung einen „Volkshochschulkurs mit Unterhaltungselementen“ und befindet: „Hier soll in unterhaltsamer Form dem eher desinteressierten Bürger sein Wahlrecht schmackhaft gemacht werden. Wahlberichterstattung als Infotainment, wobei die Medien noch dazu am liebsten sich selbst und ihre Wirkung thematisieren.“

4. Beim Thema Alltagsrassismus findet Merkel die falschen Worte
(sueddeutsche.de, Antonie Rietzschel)
„SZ“-Korrespondentin Antonie Rietzschel hat sich die gestrige „Wahlarena mit Angela Merkel“ (ARD) angeschaut, bei der Zuschauer die Kanzlerin befragen. Diese hat ihre ganze Erfahrung ausgespielt und gelegentlich mit rhetorischen Tricks gearbeitet. Doch an einer Stelle habe sie versagt, so Rietzschel: „Beim Thema Alltagsrassismus findet Merkel die falschen Worte.“

5. Die Kanzlerin, eine wilde Jugend und eine sehr alte E-Mail
(correctiv.org, Lennart Kutzner)
Viele User sind auf einen satirischen Blogartikel des rechten Bloggers David Berger zur DDR-Vergangenheit der Bundeskanzlerin hereingefallen. „Correctiv“ geht der Frage nach, wie sich solche Falschmeldungen im Netz verbreiten können. Wobei der konkrete Fall eine Besonderheit aufweist, denn der Autor hat seinen Beitrag auf zwei verschiedenen Plattformen gepostet, einmal mit und einmal ohne den Satirehinweis.

6. Hurrikan-Reporter als Kriegshelden
(srf.ch, Fredy Gsteiger)
Der Wirbelsturm „Irma“ ist das beherrschende Thema in den amerikanischen Medien: Folgerichtig überbieten sich die US-Fernsehstationen geradezu mit dramatischen Bildern und die Außenreporter werden wie Kriegshelden inszeniert. Im SRF-Artikel wird mit Hilfe von zwei Beispielvideos gezeigt, wie sich die Hurrikan-Reporter in Szene setzen.
Auch die „SZ“ hat sich dem Phänomen gewidmet und schließt mit den Worten: „Reporter sind keine Karikaturen, aber dann sollten sie nicht nur den Stürmen, sondern auch den Inszenierungen die Stirn bieten.“

Disruptions-Baustelle BR, TV-Duell-Millionäre, How to Strunz

1. Baustelle Liebeskummer
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky & Katharina Riehl)
Der Bayerische Rundfunk (BR) befindet sich inmitten großer Veränderungen, vielleicht ist es sogar der größte Umbruch, den der Sender verkraften musste: Riesige Defizite wurden angehäuft, bis 2025 sollen 450 Stellen in der Produktion abgebaut werden. Für 2017 bis 2020 droht ein Minus von 328 Millionen, aber trotzdem baut der „BR“ in Freimann eine neue Senderzentrale. Die SZ-Autorinnen Tieschky und Riehl zweifeln an der Geordnetheit der Umstrukturierungen: „Bleibt die Frage, ob das so sein muss. Alles gleichzeitig – hätte man nicht entzerren können, das Sparen, die Reform, den Umzug?“

2. Sofortige Freilassung von Deniz Yücel gefordert
(deutschlandfunkkultur.de, Katrin Heise)
Der Journalist Deniz Yücel („Welt“) befindet sich seit nunmehr über 200 Tagen in türkischer Haft. Lea Deuber von „journalists.networks“ hat einen offenen Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gestartet, den 14 Journalistenorganisationen unterstützen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk spricht Deuber über ihre Beweggründe und Hoffnungen.
Weiterer Lesetipp: „Moralische Appelle reichen nicht mehr aus“ auf Welt.de.

3. Neues aus dem Fernsehrat (15): Zehn Thesen zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Leonhard Dobusch stellt ein Thesenpapier zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien vor, das Vertreter aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einem Gesprächskreis mit Politik und öffentlich-rechtlichen Sendern entwickelt haben.

4. Marcel H. zeigt keine Emotionen und gibt Taten zu
(wdr.de, Sebastian Wehner)
Der WDR hat sich entschieden, einen 19-Jährigen, dem der Mord an zwei Menschen vorgeworfen wird und der die Tat eingeräumt hat, nur verpixelt zu zeigen. Das ist insofern bemerkenswert, da der Angeklagte vor Gericht den ausdrücklichen Wunsch geäußert hat, er wolle nicht unkenntlich gemacht werden. „Der Grund für unsere Entscheidung: Wir wollen niemandem eine Bühne bieten, der schockierende Fotos seiner Opfer ins Netz gestellt und mit seinen Taten geprahlt haben soll.“

5. Wenn Millionäre fragen
(freitag.de, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal ist aufgefallen, wie wenig es beim TV-Duell zwischen Merkel und Schulz um das Thema der sozialen Gerechtigkeit ging. Womöglich hängt das mit den prominenten und gut situierten Fragestellern Klöppel (RTL), Maischberger (ARD), Illner (ZDF) und Strunz (Sat1) zusammen: „Alle vier sind erfolgreiche Unternehmer in eigener Sache. Das ist auch gar nicht zu kritisieren. Bei ihren Vorgängern Stefan Raab und Anne Will war es 2013 nicht anders. Aber fragen wird man schon dürfen, ob es thematisch nicht zu extremen Verzerrungen kommt, wenn sich die Fragesteller biographisch kaum unterscheiden, wenn sie alle den gleichen sozialen Status und das gleiche Alter aufweisen und mehr verdienen als Kanzlerin und Herausforderer zusammen.“

6. Strunz in fünf Minuten
(zdf.de)
Sie wollen unbedingt werden wie Fremdschäm-Ikone und Rechtsaußen-Talker Claus Strunz (Sat1)? Ein 5-Minuten-Coaching durch Carolin Kebekus macht’s möglich.

Wahlsoftware-Debakel, Cato der Neurechte, Schweizer Kaffee

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(bildblog.de)
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1b. Die Bundestagswahl kann manipuliert werden
(zeit.de, Kai Biermann & Holger Stark)
Noch im Januar sagte der Bundeswahlleiter, man habe die Bundestagswahl technisch so abgesichert, „dass sie gegen alle Manipulationsversuche geschützt ist“. Nun sind einem 29-jährigen Informatiker, der gerade seinen Master an der Uni Darmstadt macht, besorgniserregende Schwachstellen bei der Software „PC-Wahl“ aufgefallen, die eine Manipulation der Bundestagswahl möglich machen. Die „Zeit“ hat daraufhin Experten vom Chaos Computer Club (CCC) gebeten, die Qualität von „PC-Wahl“ zu prüfen. Mit doppelt erschreckendem Ergebnis, denn die Hacker halten auch die mittlerweile eingeleiteten Gegenmaßnahmen für wirkungslos.
Weitere Informationen liefert der netzpolitik.org-Beitrag „Wahlmanipulation für Anfänger: Auswertungssoftware hat Sicherheitsprobleme“

2. Stürme von gestern
(sueddeutsche.de, Johan Schloemann)
„Cato“ heißt das neue Magazin, das sich mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren vornehmlich an eine rechtskonservative Leserschaft wendet. Das Blatt komme vordergründig „nicht als lautes Kampfblatt daher, sondern als kultivierte, sinnliche Sammlung von Essays, Features und Feuilletons.“ Hinter der gediegenen Hülle würden allerdings führende Köpfe der neuen Rechten stecken. Johan Schloemann dröselt die besorgniserregenden Verbindungen auf.
Weitere Leseempfehlung: Andreas Speits Beitrag in der „taz“ „Wie einst in Rom“

3. Russische Drahtzieher sollen bei Facebook Anzeigen geschaltet haben
(spiegel.de)
Facebook hat 470 mutmaßlich russische Konten gesperrt, die im US-Wahlkampf rund 3.000 Anzeigen mit politischen Botschaften geschaltet haben. Das sei bei einer tiefer gehenden Untersuchung zum russischen Einfluss auf die US-Präsidentenwahl festgestellt worden, so Facebook in einem Blogeintrag.

4. Wie Tschechien gegen Fake News kämpft
(de.ejo-online.eu, Zuzana Veselková)
Auch Tschechien ist von „Fake News“ betroffen: Laut einer Studie glaube ein Viertel der Tschechen pro-russischen Falschmeldungen. Zuzana Veselková erklärt die Hintergründe und erzählt, wie Regierungsstellen und private Initiativen gegen die Propaganda angehen.

5. Tagesschau als Sprachrohr des Cafetier-Verbands
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
In der Schweiz sorgt ein „Tagesschau“-Beitrag des SRF für Empörung: Statt seriöser Nachrichten habe die Schweizer „Tagesschau“ einen zweieinviertel-minütigen Beitrag produziert, den die PR-Abteilung des „Cafetier-Verbands“ (eine Lobbyvereinigung Schweizer Gastronomen) nicht besser hätte selber machen können, wie Urs P. Gasche kritisiert.

6. Der blaue Riese treibt die Medien vor sich her
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Facebook versucht, immer weitere Bereiche unseres sozialen Alltags zu erobern. Aktuell über einen fest verankerten Button zum „Marketplace“. Der Vorstoß bedroht nicht nur Plattformen wie Ebay, sondern sei auch eine potentielle Gefahr für Medienhäuser, so Nick Lüthi: „Das vor noch nicht so langer Zeit für teures Geld zurückgekaufte Anzeigengeschäft droht den Verlagen ein zweites Mal verloren zu gehen, diesmal einfach digital.“

AfD-Stöckchen, Reichweiteneinbruch, Linksbashing

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1b. Wieso die Medien mal wieder über das AfD-Stöckchen springen
(welt.de, Christian Meier)
Mit Wonne haben sich die Medien auf den vorzeitigen Abgang der AfD-Spitzenkandidatin Weidel aus einer Talkshow gestürzt. Ähnlich wie einige Zeit zuvor, als Wolfgang Bosbach (CDU) empört ein Fernsehstudio verließ. Eklats wie diese würden von den Medien endlos ausgeschlachtet und nur ihren Initiatoren helfen, so Christian Meier auf Welt.de. Wir hatten hier im BILDblog zuvor schon mit einer ganz ähnlichen Überschrift über den Weidel-Auftritt und die medialen Reaktionen darauf berichtet.
Weiterer Lesetipp: Der „Faktenfinder“-Artikel „Mut zur Wahrheit?“ über die falschen Weidelschen Zahlen.

2. Satire im Parlament
(nebgen.blogspot.de, Christoph Nebgen)
Wer „Die Partei“ wählt, verachte Politik, hieß es jüngst in einem Kommentar auf „Bento“ („Mich regt der Hype um ‚Die Partei‘ auf!“) Dem widerspricht Rechtsanwalt Christoph Nebgen in seinem Blog. Es sei Merkmal des demokratischen Rechtsstaates, dass man wählen könne, wen man wolle, soweit er zur Wahl zugelassen sei. „Es gibt übrigens sogar eine negative Wahlfreiheit: Ich brauche gar nicht zu wählen. Auch wenn diejenigen, die die negative Wahlfreiheit nutzen, von anderen gerne diskreditiert werden.“ Abgesehen davon könne eine unkonventionelle Gegenkraft zur AfD nützlich sein: „Das könnte eine Kraft sein, die sich derselben Mittel unter umgekehrten Vorzeichen bedient, und das macht „Die Partei“ bisher nicht schlecht. Wenn sie es schaffen könnte, auf diese Weise den rechten Unfug etwas im Zaum zu halten, wäre auch politisch viel gewonnen.“

3. Reichweiteneinbruch: Engagement auf Facebook um 20 Prozent gesunken
(onlinemarketing.de, Anton Priebe)
Facebook-Seitenbetreiber haben es immer schwerer, wahrgenommen zu werden: Das Netzwerk beschneidet die Reichweite der Publisher stetig weiter. Das Soziale Netzwerk habe jedoch kaum eine andere Wahl, wie Anton Priebe unter Hinweis auf die aktuellen Zahlen schreibt. Das stetig wachsende Mehr an Content bedeute zwangsweise auch weniger Reichweite für alle, denn die Aufmerksamkeit der User wie auch der Platz im Newsfeed sei begrenzt. Ein Ausweg für Publisher könnte Video-Content sein, an dem Facebook derzeit besonders interessiert sei.

4. Mit dem Zweiten basht es sich besser
(taz.de, Lisa Ecke)
Die „taz“-Autorin Lisa Ecke beschäftigt sich mit der „ZDFinfo“-Doku „Radikale von Links — Die unterschätzte Gefahr“. Der Film kreiere das Szenario eines vom Linksextremismus bedrohten Deutschlands und relativiere rechte Gewalt. Wichtige Zahlen seien falsch, und mehrfach würden die heutigen Linksradikalen mit der RAF in Zusammenhang gebracht, wohl um auf eine angebliche Brisanz des Themas hinzuweisen.

5. Einreiseverbote und Internetsperren keine Lösung
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ ruft die Konfliktparteien in der Ukraine auf, Journalisten frei und ungestört berichten zu lassen: „Wie beide Seiten in diesem Konflikt mit Journalisten umgehen, ist absolut unverhältnismäßig. Uns ist klar, dass der Krieg in der Ukraine auch mit Worten geführt und angeheizt wird, aber das rechtfertigt nicht, Journalisten zu verfolgen, nur weil sie für bestimmte Medien arbeiten oder eine politisch unbequeme Meinung vertreten. Reporter auszuweisen oder ins Gefängnis zu werfen und Medien oder Webseiten einfach zu verbieten, kann in einer offenen, demokratischen Gesellschaft keine Lösung sein.“

6. Abgang nach Maas
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Lukas Heinser hat sich mit einem vernachlässigten Aspekt des Talkshow-Abgangs von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel beschäftigt: der Qualität der schauspielerischen Darstellung. Es gäbe rund 7,1 Milliarden Menschen, die bessere Schauspieler seien. Fünf davon hat er besonders gewürdigt und zeigt Beispiele ihres (Nicht-)Könnens. Es beginnt mit Til Schweiger und endet mit Berti Vogts …

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