Archiv für 6 vor 9

Memri, Glyphosat, Olympische Spiele

1. „Du sagst Salafist, ich sag Selfie“
(krautreporter.de, Emily Dische-Becker)
Emily Dische-Becker beleuchtet das Middle East Media Research Institute (Memri), das teilweise tendenziöse Übersetzungen aus der Arabischen Sprache vornimmt: „Im Memri-Vorstand sitzt eine veritable Riege aus amerikanischen und israelischen Neokonservativen, die großzügige finanzielle Unterstützung aus dem US-Außenministerium erhielt. Memri-Gründer Yigal Carmon arbeitete 20 Jahre für den israelischen Militärgeheimdienst.“

2. „Die Medienmaschinerie der Guten“
(theeuropean.de, Hasso Mansfeld)
Hasso Mansfeld fragt, warum die Medienmitteilung „Wahrscheinlich krebserregendes Pflanzengift: Glyphosat in Muttermilch“ (gruene-bundestag.de) von den Medien breit aufgenommen wurde: „Doch wieder springen Medien auf die halbgaren Verlautbarungen an, die in ihrer Sorge um die Gefahr, stillende Mütter zu verunsichern, heuchlerischer nicht sein könnten und gleichzeitig die propagandistische Stoßrichtung der eigenen Arbeit sogar noch relativ unverstellt ausplaudern. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Journalisten, ebenso wie wir alle, dazu neigen, dem Glauben zu schenken, was wir sowieso hören wollen.“ Siehe dazu auch „Giftalarm? Fehlalarm!“ (theeuropean.de, Thilo Spahl).

3. „Ohnmächtige Helden der vierten Gewalt“
(nzz.ch, Stephan Russ-Mohl)
Die Beziehung zwischen der PR und dem Journalismus: „Gemäss neueren Statistiken des amerikanischen Arbeitsministeriums sind PR-Leute in den USA gegenüber den Journalisten inzwischen in einer vier- bis fünffachen Übermacht.“

4. „‘Ihr seid raus'“
(sueddeutsche.de, Max Hägler)
Hintergründe zur Vergabe der TV-Rechte für die olympischen Spiele zwischen 2018 und 2026: „Mitte Juni hatten ARD und ZDF mittels ihrer Sportrechteagentur SportA ihr Angebot abgegeben. Kein Nachbesserungswunsch. Nichts. Dann an diesem Montag ein Mitteilung: Ihr seid raus. Discovery Communications hat den Zuschlag bekommen, der Mutterkonzern von Eurosport.“

5. „Bruce Schneier: Warum wir verschlüsseln“
(netzpolitik.org, Bruce Schneier)
Verschlüsselung sei nach wie vor „die wichtigste Privatsphäre-erhaltende Technologie, die wir haben“, schreibt Bruce Schneier in einem kurzen Essay: „Sie ist perfekt dazu geeignet, uns vor genau der Art von Massenüberwachung zu schützen, die einerseits Regierungen anwenden, um ihre Bevölkerung zu kontrollieren, andererseits Kriminelle auf der Suche nach verwundbaren Opfern nutzen.“

6. „Angry man complains that local NBC station changed its peacock logo to ‘the colors of gays'“
(rawstory.com, Travis Gettys, englisch)

Rhein-Zeitung, BuzzFeed, Kim Jong-Un

1. „Zeitung hält Begräbnis des Kopiloten geheim“
(faz.net)
Die „Rhein-Zeitung“ erfährt von der Beisetzung des Co-Piloten von Germanwings-Flug 9525, verbreitet diese Information aber nicht weiter, „‘damit die Weltpresse bei diesem Begräbnis nicht erneut über Montabaur herfällt’ und um den Angehörigen die Chance zu geben, in Ruhe Abschied zu nehmen. Die Zeitung habe bewusst auch darauf verzichtet, aus der Ferne Fotos von der Beerdigung zu machen und diese international zu verkaufen.“ Siehe dazu auch „In eigener Sache: Christian Lindner zur weißen Fläche auf der Titelseite“ und „Co-Pilot ist in seiner Heimat beerdigt worden“ (rhein-zeitung.de, kostenpflichtig).

2. „Eine Nicht-Meldung und ihre Geschichte: die Doppelmoral der Rhein-Zeitung“
(meedia.de, Nora Burgard-Arp)
Nora Burgard-Arp wirft der „Rhein-Zeitung“ vor, eben doch Geld verdienen zu wollen mit dieser Story, schliesslich sei der Beitrag hinter die kostenpflichtige Bezahlschranke der Zeitung gestellt worden: „Und der Chefredakteur ignoriert zugleich, dass es unter den Medien einen breiten Konsens gab und gibt, die Angehörigen des Co-Piloten mit Respekt und Diskretion zu behandeln. Es scheint fraglich, ob überhaupt ein deutsches Medium bei einem entsprechenden Angebot der Rhein-Zeitung zugegriffen hätte.“

3. „Wie arbeiten eigentlich Anzeigenblatt-Redaktionen?“
(wp.ujf.biz, 24. Juni)
Ulf J. Froitzheim schreibt über Fotos und Bildbeschreibungen im regionalen Anzeigenblatt.

4. „Why I Assume That Every BuzzFeed Article Is Trying To Sell Me Something“
(buzzfeed.com/lalonsander, englisch)
Buzzfeed-Nutzer Lalon Sander fragt sich, was ihm Buzzfeed-Artikel verkaufen wollen, die nicht als Werbung gekennzeichnet sind.

5. „Guten Tag, die Welt ist schlecht“
(aargauerzeitung.ch, Peter Rothenbühler)
Peter Rothenbühler über seine Erfahrungen mit dem Schreiben von guten Nachrichten: „Ein konstruktiver, empathischer, versöhnlicher oder gar belobigender Journalist ist verdächtig – vor allem bei den andern Journalisten. Das erlebt man als Journalist jedes Mal, wenn man eine positive Geschichte über eine gelungene Sache oder eine erfolgreiche Persönlichkeit publiziert. Da heisst es sofort: warum so unkritisch? So blauäugig? Hat er dich gekauft?“

6. „Die Gier der Medien nach Kim Jong-Un“
(kobuk.at, Stefanie Schneckenreither)

Vertrauen, Aufmerksamkeit, Terror

1. „Wer vertraut uns noch?“
(zeit.de, Götz Hamann)
Die „Zeit“-Titelgeschichte über das eingebüßte Vertrauen der etablierten Medien: „Angesichts der Wucht, mit der öffentliche Debatten inzwischen eskalieren, müssen sich die Kräfte der Aufklärung in der vierten und fünften Gewalt endlich verbünden – gegen die Skandalisierer in den Medien und im Netz.“

2. „Zeit für Vertrauen“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de, Thomas)
Thomas hat den „Zeit“-Essay gelesen. Sein Fazit: „Journalisten der Zeit loben sich erst mal ein bisschen, streuen dann etwas Pseudo-Selbstkritik ein, ärgern sich erst über den dummen Leser, der seinen qualitativ hochwertigen Journalismus wegen Fehlern in der Vergangenheit nicht erkennt und dann über den dummen Leser, der sich über den minderwertigen Journalismus beschwert, den man ihm gibt, weil man’s muß, dann über den dummen Leser bzw. Zuschauer, der seine Aufmerksamkeit lieber Satiresendungen als Topjournalismus schenkt.“

3. „Keine Frage der Glaubwürdigkeit“
(theeuropean.de, Thore Barfuß)
Nicht die Glaubwürdigkeit sei das Problem des Journalismus, sondern der Verlust der Aufmerksamkeit durch die „normalen Menschen“: „Wenn Bauarbeiter auf dem Weg zur Arbeit nicht mehr die ‘Bild’ lesen, sondern die Facebook-Posts von Ken Jebsen. Wenn Gymnasiasten morgens nicht mehr in die Zeitung der Eltern blicken, sondern sich lieber von Unge die Welt erklären lassen. Wenn das Zweite Deutsche Fernsehen nur noch von Zuschauern mit dritten Zähnen verfolgt wird.“

4. „Berichtigung aus Berlin“
(demystifikation.wordpress.com)
Diagramme im „Bericht aus Berlin“ auf ARD (mediathek.daserste.de, Video, 19:12 Minuten, ab Minute 5).

5. „Warum Medien über den Terror berichten“
(sueddeutsche.de, Ruth Schneeberger)
Ruth Schneeberger denkt nach über die Berichterstattung über Terrorismus: „Im Gegensatz zu einigen konservativen Sendern in den USA zeigen deutsche Medien etwa keine Videos von Enthauptungen. Ob jeder Attentäter mit Namen genannt und mit Foto gezeigt werden muss, ist eine weitere Überlegung wert. Dass allerdings über Terrorismus gar nicht mehr berichtet werden sollte, ist eine naive Forderung. Sie steht der Freiheit der Presse, dem Informationsbedarf und -recht der Bürger, dem Wettbewerb unter den Medien und dem Zeitgeschehen entgegen.“

6. „Liebe Bild“
(facebook.com/jenniferrostock)

Panoramafreiheit, Hoax, Bixit

1. „Die Panoramafreiheit ist bedroht“
(zeit.de, Torsten Kleinz)
Eine Urheberrechtsreform auf europäischer Ebene bedroht die Panoramafreiheit: „Wer Bilder im öffentlichen Raum macht, soll vor Veröffentlichung abklären, ob im Foto geschützte Werke wie Skulpturen, Fassaden oder Kunstwerke zu sehen sind und deren Urheber um Genehmigung bitten. Für Deutschland, Großbritannien und viele andere europäische Länder wäre dies ein erheblicher Rückschritt: Wer sich auf öffentlichem Grund befindet, hat hierzulande relativ freie Wahl, was er fotografiert und kann diese Bilder – auch gewerblich – publizieren.“

2. „‘Panoramafreiheit': zum Abschuss freigegeben“
(zeitgeisterjagd.de, Matthias Heitmann)
Auch Matthias Heitmann kommentiert die geplante Neuregelung: „Bei ‘Harmonisierungen’, die Fragen individueller Freiheiten oder Rechte berühren, kann daher fast mit Gewissheit davon ausgegangen werden, dass der Kompromiss, dem die angestrebte ‘Vereinheitlichung’ zugrunde liegt, sich am restriktivsten existierenden nationalen Regulierungsniveau orientiert, um die Nationenvertreter nicht vor den Kopf zu stoßen und um wütende nationale Debatten zu vermeiden. Lieber passt man sich in Brüssel und Straßburg an diese niedrigen Standards an und versucht, dies möglichst unbemerkt zu tun.“

3. „Teenager veräppelt ‘New York Times'“
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Eine Falschauskunft eines Teenagers an die „New York Times“: „Bei der Zeitung reagierte man prompt, entfernte die Passage und fügte einen Hinweis über den Fehler hinzu.“

4. „Alles falsch – Kleine textile Hoaxsammlung“
(textilegeschichten.net, Suschna)
Suschna stellt den Kontext einiger historischer Fotos klar: „Seiten, denen man gar nicht folgen sollte, so viel Falschinfos werden verbreitet (ganz abgesehen von Copyrightmissachtungen): Alle die irgendwie HistPic, SciencePorn, GlobalPic, BestofSpace, WOWAnimals oder so heißen. In der Regel haben diese Konten Hundertausende Follower und werden immer wieder umbenannt. Sie sind kommerziell sehr erfolgreich. Daher ist es ihnen völlig egal, ob die Bilder, die sie herumschicken, echt sind oder ob die Bildüberschriften stimmen.“

5. „Vor 30 Jahren: Grosser Auftritt im Fernsehen“
(blog.jacomet.ch)
Andi Jacomet blickt zurück auf einen Film, der 1985 im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde: „TV DRS hatte keine Freude an der Qualität unseres Videobandes (jeder Schnitt- und somit Kopiervorgang verschlechterte die Qualität, werte verwöhnte Digitalkids von heute!). Die Fernsehleute verlangten also die Originalaufnahmen und versprachen, sie gemäss unseres Schnittes aneinander zu reihen. Leider missriet da einiges – und die Story wurde noch unverständlicher als sie eh schon war. Das war für mich die erste Lebenserfahrung des Typs ‘gib nie ein Projekt aus der Hand, das dir extrem wichtig ist’.“

6. „‘Bixit': Ökonomen fordern Ausschluss von Bild-Zeitung aus Eurozone, damit Krise in Ruhe gelöst werden kann“
(der-postillon.com)

Ministerium für Informationspolitik, Kirill Petrenko, Schlüssel

1. „Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien“
(zeit.de)
Die „Zeit“ hat infratest dimap den Auftrag gegeben, eine Studie zum Medienvertrauen in Deutschland zu erstellen. „Die Mehrheit der Befragten, insgesamt 60 Prozent, hat wenig (53 Prozent) oder gar kein (7 Prozent) Vertrauen in die Medien. Nur vier von zehn Deutschen haben ‘sehr großes’ oder ‘großes’ Vertrauen in die politische Berichterstattung der Medien. Etwa ein Viertel der Befragten sagte, ihr Zutrauen in die Berichterstattung der Medien sei in den vergangenen Jahren gesunken.“

2. „JVA muss 600 Schlüs­sel aus­tau­schen“
(lto.de)
Weil ein TV-Bericht von NDR über ein Konzert von Jan Delay einen Schlüssel aus dem Sicherheitsbereich eines Hamburger Gefängnisses gezeigt hatte, mussten am Tag darauf alle 600 Schlüssel der Anstalt ausgetauscht werden.

3. „Nicht lustig.“
(hanningvoigts.de)
Hanning Voigts (@hanvoi) hat mit Fälschungen eigener Tweets zu tun: „Von daher, liebe Photoshop-Künstler_innen, wenn ihr das hier lest: Denkt bei solchen Fake-Aktionen bitte in Zukunft daran, was für Folgen sie für andere haben. Ich habe wirklich viel Humor, vor allem wenn es darum geht, rechte Knallköpfe zu verulken. Aber euer Fake mit meinem Namen war für mich nur eins: Nicht lustig.“

4. „Kiews Informationskrieger“
(zeit.de, Simone Brunner)
Simone Brunner besucht das Ministerium für Informationspolitik in der Ukraine: „Nach den turbulenten Anfangstagen sind die großen Skandale bisher tatsächlich ausgeblieben. Die Nachricht über die ‘Informationskrieger’ poppte nur kurz in den Medien auf. Experten sehen bis dato keine Eingriffe in die Pressearbeit – abgesehen freilich vom Imageschaden, den die Regierung allein schon durch die Gründung hinnehmen musste.“

5. „Fernsehserientexte von dpa oder: Wir sind die Roboter“
(medienkorrespondenz.de, Harald Keller)
Hat es eine deutsche Serie „noch nie ins gelobte Land des Fernsehens geschafft“, wie das die dpa behauptet? Harald Keller kontert: „Edgar Reitz’ Fernsehepos ‘Heimat – Eine deutsche Chronik’ war auf US-Bildschirmen zu sehen; aktuell erfreuen sich die Zuschauer des frei empfangbaren, weit verbreiteten spanischsprachigen US-Anbieters Vme TV an ‘Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei’. Ebenfalls RTL.“

6. „Verlogene Differenzierung“
(blogs.nmz.de)
Was die „Welt“ über die Wahl von Kirill Petrenko zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker zu berichten hat.

Bassem Youssef, Charlotte Wiedemann, T-online

1. „T-online & Co.: die unterschätzte Macht der Mail-Medien“
(get.torial.com/blog, Stefan Mey)
Stefan Mey kann nicht verstehen, warum in der öffentlichen Diskussion über publizistische Kräfte die Medien von E-Mail-Anbietern nicht thematisiert werden: „T-online erreicht die Hälfte aller deutschen Internet-Nutzer*innen, und auch Web.de und Gmx lassen in puncto Nutzungs-Zahlen viele anerkannte, journalistische Marken alt aussehen. Auf den bunten Portalen finden Klatsch und Ratgeber-Inhalte Platz, hier werden aber auch die großen, ideologischen Themen der Politik verhandelt: der Griechenland-Streit, die Ukraine-Krise und der Bahn-Streik. Für viele Menschen liefern sie die täglichen Informationen über Politik und Gesellschaft.“

2. „Fauxpas von 20 Minuten: joiz-Redakteurin Ivona in Artikel über Zuwanderungsängste“
(joiz.ch, Ivona Domazet)
Ivona Domazet, „Tochter zweier vor 30 Jahren in die Schweiz eingewanderten Kroaten“, sieht ein Foto von sich in „20 Minuten“ unter dem Titel „Junge sehen Einwanderung als grösstes Problem“: „Gerade bei einem so ernsten politischen Thema müsste sich euer zuständige Bildredakteur eventuell zwei Mal fragen, ob das random Bild, was er ausgesucht hat, auch wirklich passt. Und ob er nicht vielleicht doch ein neutrales Symbolbild einer Stock-Agentur verwenden will.“

3. „ARD und der Dokumentarfilm: Versprechen zahlt sich nicht aus“
(agdok.de)
Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm e.V. beklagt einen Abbau dokumentarischer Sendungen im ARD-Programm zugunsten von Fiktion und Talk-Formaten.

4. „‘Humor ist die Waffe gegen Angst'“
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Ein Interview mit Bassem Youssef: „Seit 15 Jahren floriert Satire über Nachrichtensendungen. Und der Grund ist, dass News, vor allem TV-News, sich verändert haben: Sie laufen im 24-Stunden-Betrieb. 24 Stunden, die man mit irgend­etwas füllen muss. Kein Wunder, füllt man sie mit Sensationen und Unfug. Und damit verwandeln sich Journalisten in Entertainer – und damit automatisch in die eigene Parodie.“

5. „Was verstehen Sie unter ‘weißem’ Schreiben?“
(deutschlandradiokultur.de, Matthias Hanselmann, Audio, 36:12 Minuten)
Charlotte Wiedemann blickt zurück auf ihre bisherige journalistische Karriere und spricht über den „holzschnittartigen Blick auf fremde Länder“ in der Auslandsberichterstattung.

6. „Blogger Relations Bullshit Bingo“
(twitter.com/Kirschvogel)

Sexfrust, Polizeimeldungen, Heftig.co

1. „Bild: Aus Sexfrust zum Jihad“
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Der Bild.de-Artikel „Aus Sex-Frust in den Dschihad?“: „Wie ein Bauchredner legt ‘Bild’ ihren Puppen Khan und Karmani verdrehte Aussagen in den Mund und müssen für die Drecksarbeit für ‘Bild’ herhalten: muslimische Elternhäuser als hinterwäldlerisch, starrsinnig und autoritär hinzustellen, dass deren Söhne mit martialischem Macho-Gehabe und aus lauter sexuellen Frust zu Terroristen werden. Gleichzeitig stehen Khan und Karmani wie Idioten da, denen ‘Bild’ dümmliche Erklärungen für die Radikalisierung junger Muslime unterschob.“

2. „Warum verschweigen Medien oft die Herkunft von Straftätern?“
(badische-zeitung.de, Karl Heidegger)
Karl Heidegger schreibt zum Umgang der Medien mit der Nationalität von Straftätern: „Anderswo sind die Vorgaben für die Medienbranche weitaus laxer als in Deutschland – es werden vielfach mehr Details über Täter und auch Opfer veröffentlicht. In den Vereinigten Staaten trägt der Trend zur Transparenz bisweilen bizarre Züge. In vielen US-Bundesstaaten werden die Polizeibilder (‘Mugshots’) von Festgenommen ins Netz gestellt, ergänzt mit allen persönlichen Angaben.“

3. „Durch Verschweigen lösen sich die Probleme nicht“
(tagesanzeiger.ch, Stefan Hohler)
Polizeireporter Stefan Hohler antwortet auf einen Vorschlag, der die Polizei dazu verpflichten will, „die Nationalität auch bei Nachfragen von Journalisten“ nicht herauszugeben: „Für die beiden Postulanten ist einzig die Schwere eines Delikts massgebend und nicht die Herkunft der Täterin oder des Täters. Die Nationalität liefere ­keinerlei Erkenntnisgewinn und verführe nur zu ­unzulässigen Verallgemeinerungen. Wenn dem so ist, müssten die Postulanten konsequenterweise auch die Forderung stellen, auf die Nennung von ­Geschlecht und Alter von Tätern zu verzichten.“

4. „‘Wie wir schreiben, geht eine Richterin nichts an'“
(drehscheibe.org, Stefan Wirner)
„Nordkurier“-Chefredakteur Lutz Schumacher spricht über die Auseinandersetzung bezüglich des „Rabauken-Jägers“: „Wenn bei so einer Banalität bereits Staatsanwälte und Richter gegen Journalisten vorgehen, was ist denn dann, wenn es wirklich einmal um etwas geht?“

5. „Hermann Petz: ‘Es gibt Qualitätsjournalismus nur mit bedrucktem Papier'“
(derstandard.at, Harald Fidler)
Ein Interview mit Hermann Petz, Autor des Buchs „Die Zeitung ist tot? Es lebe die Zeitung!“: „Zum Begriff des Qualitätsjournalismus gehört eben auch, dass er sich durch seine eigene Qualität refinanziert – in Vertrieb und Anzeigengeschäft. Und das funktioniert nur in Print. Oder kennen Sie dazu ein Gegenbeispiel aus Online, Radio oder TV?“

6. „‘Medienhaus ohne Journalismus – ja, das geht!'“
(meedia.de, Thomas Huber)
Thomas Huber, bezahlt für die Öffentlichkeitsarbeit von Heftig.co, preist das Portal: „Die Fans suchen das Bedeutungsvolle in der Informationsflut. Sie sind sehr neugierig darauf, wie es anderen echten Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen ergeht und wie sie ihre Probleme und Krisen bewältigen. (…) Hinter einem Klick bei heftig.co lauert kein potemkisches Dorf, sondern eine offenbar sehr relevante Information.“

Verstörung, Pornoaktricen und Fair-Trade-Koks

1. «Man muss auch mal Quatsch machen»
(sonntagszeitung.ch, Barnaby Skinner)
Sascha Lobo sieht den professionellen Journalismus vor großen Herausforderungen „verstört“ und „interessenverseucht“ und fordert, dass Journalisten „heute auf neue Weise mit neuen Instrumenten arbeiten und für ein neues Publikum auf neue Ziele hinarbeiten“ müssten.

2. „Wikipedia ist eine sexistische Männerwelt“
(welt.de, Hannes Stein)
Hannes Stein beobachtet, dass man in der Wikipedia viel über Pornodarstellerinnen erfährt, aber wenig über Dichterinnen. Einen Grund dafür, dass wir „mehr über Pornoaktricen als über die große Dichterin Helga M. Novak“ erfahren sieht Hannes Stein darin, dass die Wikipedia eine „Männerdomaine“ sei. Bettina Hammer widerspricht auf Telepolis und wirft Hannes Stein „Clickbait“, wenig überzeugende Argumente und Sexismus vor.

3. „… sonst bring ich dich um!“
(bzw-weiterdenken.de, Brigitte Leyh)
Brigitte Leyh weist auf eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hin, laut der „Gewalt und Gewaltdrohung im Kontext etwa jeder zehnten Trennung und Scheidung“ auftritt. Von den 313 Frauen, die in 2011 einem Mord oder Totschlag zum Opfer gefallen seien, sei bei fast jeder zweiten, nämlich 154, der mutmaßliche Täter ihr Ehemann bzw. Freund oder Lebenspartner. Das alles fände weitgehend ohne ein öffentliches Problembewusstsein statt. Laut der Studie des Familienministeriums sei Gewalt gegen Frauen auch kein Unterschichtenphänomen, häusliche Gewalt „findet tatsächlich – weitgehend unbemerkt – in der Mitte der Gesellschaft statt.“

4. „Silicon Valley versucht Journalismus“
(zeit.de, Patrick Beuth und Johannes Wendt)
Patrick Beuth und Johannes Wendt über den Versuch von Apple, Facebook, Twitter und Google Nachrichtenangebote zu entwickeln und mit etablierte Medien zu kooperienen:

Die Technikunternehmen versuchen […] Nutzer innerhalb ihrer jeweiligen Ökosysteme zu halten. Sie wollen die Verweildauer und Aktivität innerhalb ihrer Angebote erhöhen, und damit auch die Markenverbundenheit und Werbeeinnahmen. Das alles geschieht zu einer Zeit, in der es mehr Konkurrenz, mehr Nischenangebote und damit gewissermaßen mehr Fliehkräfte gibt als je zuvor.

5. „Hört erst mal auf zu koksen!“
(tagesspiegel.de, Fabian Federl)
Fabian Federl weist darauf hin, dass es weder Fair-Trade-Koks, noch pazifistisches Koks gebe:

Drogen zu kritisieren, wird in Berlin gern als spießig oder lustfeindlich wahrgenommen. Deshalb noch mal deutlich: Mir ist es egal, wer was wann nimmt. Ich halte es nur für unerträglich verlogen, wenn mir jemand moralisch überlegen daherkommt, während in seinen Schleimhäuten Blut von ermordeten Mexikanern klebt.

6. “Read Jon Stewart’s blistering monologue about race, terrorism and gun violence after Charleston church massacre”
(washingtonpost.com, Emily Yahr, englisch)
Abschrift des Eröffnungsmonologs von Jon Stewart in der Daily Show vom 18. Juni 2015.

Stefan Raab, Ghostwriter, Scheinselbstständigkeit

1. „Raabs späte Rache an ‘Bild’ und Co.“
(stern.de, Jens Maier)
Jens Maier glaubt, die Ankündigung, Stefan Raab werde sich vom Fernsehen zurückziehen, sei um 22:11 Uhr versendet worden, um die Boulevardmedien zu ärgern: „Sein Dogma, nichts über sein Privatleben preiszugeben, wurde von den meisten Journalisten akzeptiert. Recht passen wollte es nie. Ausgerechnet er, der in seiner Sendung ‘TV Total’ wildfremde Menschen wie Lisa Loch durch den Kakao zog, zeigte sich bei Details aus seinem eigenen Umfeld als empfindlich und sensibel, sogar nachtragend. Paradox. Aber so tickt er eben, der medienscheue Stefan Raab.“ Siehe dazu auch „Der Ehrgeiz des Stefan Raab“ (stefan-niggemeier.de).

2. „Tim Hunt und der Twitter-Mob“
(scilogs.de/relativ-einfach, Markus Pössel)
Markus Pössel hinterfragt die Existenz eines „Twitter-Mobs“: „Eine Äußerung eines Haupt-Vortragenden auf einer Konferenz, zu der nicht zuletzt auch Journalisten geladen sind, ist eine öffentliche Äußerung. Und wer diese Äußerung weitergibt, selbst und gerade wenn sie unangenehm und für viele potenzielle Leser ärgerlich ist, der macht genau das, was sich die FAZ im Zusammenhang mit der Presseratsentscheidung zum Germanwings-Absturz als edelste Aufgabe der Presse auf die Fahnen schreibt: Tatsachen nennen, auch wenn sie unangenehm sind.“

3. „Zersetzung für Anfänger“
(taz.de, Daniel Kretschmar)
Daniel Kretschmar stellt fest, dass sich Medien, „wenn es zu Fragen der Staatssicherheit (der aktuellen, nicht jener aus der DDR) kommt, bisweilen wie Handlanger von Behörden und Diensten aufführen. Kaum bekommt Journalist X ein Zuckerchen im Hintergrundgespräch mit dem Ministerialbeamten Y oder der Geheimdienstkoordinatorin Z, kennt er keine kritische Distanz mehr, keine Nachfrage, keinen Faktencheck.“

4. „Problemfall Scheinselbstständigkeit: Verlage im Visier“
(ndr.de, Video, 5:20 Minuten)
„Zapp“ über scheinselbständig angestellte Journalisten in Deutschland.

5. „Liebe Neonazis, verschwindet von unserer Seite!“
(cicero.de, Petra Sorge)
Die „Lübecker Nachrichten“ teilen Beiträge über Flüchtlingsthemen nicht mehr auf Facebook. Petra Sorge schreibt: „Mit Zensur hat der Verzicht auf Facebook schon einmal deshalb nichts zu tun, weil dieser Begriff eine staatliche Maßnahme zur Unterdrückung von Meinungsfreiheit voraussetzt. Hier wehrt sich ein privates, an Aufklärung interessiertes Unternehmen gegen einen braunen Mob.“ Siehe dazu auch „‘Wer die Regeln bricht, ist raus'“ (blog.tagesschau.de, Video) und „‘Abschaum’, ‘Schweine’, ‘Bastard’? So nicht, liebe Leser! – Warum Schweizer Medien beleidigende Leserkommentare löschen“ (watson.ch).

6. „Der Ghostwriter-Report“
(zeit.de, Oskar Piegsa)
Oskar Piegsa mit einer ausführlichen Recherche über akademische Ghostwriter: „Die Ghostwriter können nach geltendem Recht nicht belangt werden, doch wer eine fremde Arbeit als seine eigene ausgibt, riskiert seine Creditpoints und seinen Studienplatz. ‘Der eigentliche Täter ist immer der Prüfling, der die Leistung einer Agentur in Anspruch nimmt’, sagt Henning Rockmann von der Hochschulrektorenkonferenz.“

Krautreporter, Ghostwriter, Wikipedia

1. „Wikipedia und der Sexismus – ein Vorwurf, wenig Argumente“
(heise.de/tp, Bettina Hammer)
Bettina Hammer setzt sich kritisch mit dem Artikel „Wikipedia ist eine sexistische Männerwelt“ (welt.de, Hannes Stein) auseinander: „Eine flauschige Wohlfühlatmosphäre mit stetem Schulterklopfen ist illusorisch und die Logik, dass Frauen insbesondere durch das Fehlen dieser Atmosphäre vom Schreiben abgehalten werden, degradiert die Frauen zu Hascherln, die erst einmal an die Hand genommen und mit sanftem Lächeln zur Mitarbeit verleitet sowie stetig betreut werden müssen, anstatt sie als selbstbewusste und starke Frauen anzusehen, die selbst einen Schritt wagen und auch bereit sind, mit Kritik und Zurückweisungen umzugehen.“

2. „Krautreporter: In der Ernüchterungs-Zelle“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Nach neun Monaten Krautreporter zieht Christian Jakubetz eine Bilanz: „Das Projekt tut niemandem weh, es sorgt nicht für Debatten, es setzt keine Akzente. Weder formal noch inhaltlich.“

3. „Der Iran verurteilt Atena Faraghdani wegen Karikaturen zu 12,5 Jahren Gefängnis“
(globalvoicesonline.org)
Atena Faraghdani wird von einem Revolutionsgericht in Iran zu 12,5 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie auf Facebook Karikaturen veröffentlicht hatte: „Die Anklagen gegen die Aktivistin sind ‘Versammlung und geheime Absprache gegen die nationale Sicherheit,’ ‘Regierungspropaganda,’ und ‘Beleidigung des Obersten Führers, des Präsidenten, Parlamentsmitgliedern und der IRGC [Revolutionsgarden]-Aufseher [die sie befragt hatten].'“

4. „Video-Interviews mit Adobe Morph Cuts fälschen – Der Videobeweis“
(michaelnetsch.de, Video, 2:10 Minuten)
Michael Netsch führt vor, wie Videoschnitte mit neuer Technik noch leichter kaschiert werden können.

5. „Ich bin Ghostwriter und nicht gerade stolz darauf“
(zeit.de, Wolfgang Klinghammer)
„Bachelorarbeiten und auch Dissertationen werden nicht geschrieben, um gelesen zu werden, sondern um die zugehörigen Titel zu erwerben“, schreibt Wolfgang Klinghammer, der Ghostwriter solche Arbeiten erarbeitet: „Ich persönlich würde lieber tatsächliche Wissenschaft als Ghostwriting betreiben, sehe aber derzeit keine Möglichkeit, dies mit ähnlich guten Arbeitsbedingungen und Honoraren umzusetzen – vor allem, weil der offizielle Weg in der Regel eine mehrjährige Leibeigenschaft bei einem Professor voraussetzt, auf die ich mich nicht eingelassen habe – auch nicht für einen Doktortitel. Ich hatte und habe kein Interesse daran, mich in die universitären Strukturen, ideologischen Vorgaben sowie in die zugehörige Beamtenmentalität einzufügen.“

6. „Everything Wrong With Fifty Shades Of Grey In 18 Minutes Or Less“
(youtube.com, Video, 20:16 Minuten)

Blättern: 1 2 3 4 ... 229