Archiv für 6 vor 9

Gegenlesen, Autorisierung, VR-Reportagen

1. Gegenlesen? Nein danke!
(meta-magazin.org, Alexander Mäder)
Der Wissenschaftsjournalist Alexander Mäder („Stuttgarter Zeitung“) schreibt in einem längeren Fachbeitrag über das „Gegenlesen“. Ist es ein Verstoß gegen die Berufsehre, oder dient es der Qualitätssicherung, wenn man als Journalist seinen Artikel der Gegenseite zur Kontrolle vorlegt? Zu diesem Thema hat Mäder eine nicht-repräsentative Umfrage unter Wissenschaftlern, Pressesprechern und Journalisten gestartet und berichtet von den Ergebnissen. Am Ende spricht er sich für die Errichtung von „Rechercheclubs“ aus, die eine neue Form von gesellschaftlich relevantem Wissen hervorbringen könnten.

2. „Im Zweifel nicht drucken“
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der „Deutsche Journalisten-Verband“ hat einen aktuellen Fall (Konflikt zwischen Frauke Petry, AfD und dem „Mannheimer Morgen“) zum Anlass genommen, auf die von ihm beschlossenen Leitlinien zur Autorisierung von Interviews hinzuweisen. Nachträgliche Änderungen des Interviewten seien nur in beschränktem Rahmen möglich. Änderungen, die die Authentizität des Interviews oder einen wesentlichen Aussagengehalt konterkarieren würden, könnten von der Redaktion abgelehnt werden. Der DJV rät den Journalistinnen und Journalisten, standhaft zu bleiben und im Zweifelsfall auf die Veröffentlichung eines Interviews zu verzichten.

3. Als Zuschauer mittendrin: Der 360-Grad-Journalismus
(boris-haenssler.de)
Hinter „StoryUp“ verbirgt sich ein Team von Virtual-Reality-Reportern, die beeindruckende Videoreportagen in 360-Grad-Technik erstellen. Gründerin Sarah Hill erzählt im Interview von ihren Reportage-Ausflügen in die virtuelle Realität und spricht über den technischen Wandel und die Besonderheiten und Risiken (zum Beispiel drohende Übelkeit bei empfindlichen Zuschauern). Im Beitrag verlinkt sind faszinierende Beispiele, in denen man sich bei laufendem Video via Maus um die eigene Achse drehen kann, und das gesamte Umfeld zu Gesicht bekommt.

4. Funkturm: „Soll jetzt Lutz Bachmann ein Praktikum bei uns machen?“
(flurfunk-dresden.de, Nicole Kirchner & Peter Stawowy)
Langfassung eines Gesprächs, in dem drei Medien-Fachleute aus Sachsen nach Lösungen ringen, wie man das Bild der Presse in der Bevölkerung verbessern kann und mit der Wut auf die Medien umgehen soll. Man merkt den Gesprächspartnern das Bemühen an, die „Lügenpresse“-Rufer zu erreichen. Andererseits wird die komplizierte und verfahrene gesellschaftspolitische Gemengelage deutlich, und an manchen Stellen schimmern Hilf- und Ratlosigkeit durch. Ein Gespräch, das auch außerhalb von Sachsen seine Bedeutung hat.

5. Die Journalisten-Rausbilder
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kennt den Medienbetrieb aus vielen Blickwinkeln. Er bekleidete führende Positionen bei Presse und Fernsehen, ist Autor verschiedener Fachpublikationen und war lange Zeit an der privatwirtschaftlichen und universitären Ausbildung von Journalisten beteiligt. Im Sommer geht nun sein Lehrauftrag in Passau zu Ende; ein Anlass, ein paar deutliche Worte über die Journalistenausbildung an den deutschen Hochschulen zu verlieren. Interessant für alle, die etwas über den Beruf als solches erfahren oder gar selbst Journalismus studieren wollen.

6. Man darf grundsätzlich alle Fragen stellen.
(planet-interview.de, Kaspar Heinrich)
Katrin Müller-Hohenstein moderiert seit zehn Jahren „Das aktuelle Sportstudio“ (ZDF). Im Interview erzählt sie von ihren Anfängen als „Quotenfrau“ und was sich im Lauf der letzten zehn Jahre alles geändert hat. Zum Beispiel das Verhalten der Gesprächspartner, die im Verlauf der Zeit vorsichtiger geworden seien: „Den Profi-Fußballern, die heute ja einen unglaublichen Kultstatus genießen, fliegt ein falscher Nebensatz innerhalb kürzester Zeit so dermaßen um die Ohren, dass sie gut beraten sind, sich zurückzuhalten.“ Auf die Einbindung von Social Media in ihrer Sendung angesprochen, äußert sie sich eher lakonisch. Und: Sie selbst „mache da nicht mit“.

Bestsellerlisten, Tichyosaurus Rex, angezogene Nackte

1. So werden Bestsellerlisten wirklich gemacht
(welt.de, Felix Zwinzscher)
Jedes Jahr erscheint eine hohe fünfstellige Anzahl von neuen Büchern. Wer will da noch durchsteigen? Unter anderem an diesem Punkt setzen die Bestsellerlisten an, die uns die Auswahl einfacher machen wollen und suggerieren: Wer ein Buch dieser Liste kauft, kann quasi nichts falsch machen! Doch die am meisten vertretenen Listen von „Börsenblatt“ und „Spiegel“ unterscheiden sich erheblich. Wie es dazu kommt, und wer hinter all den Zahlen steckt, verrät der Artikel.

2. „Mediensysteme im Wandel, Fokus Naher Osten“
(de.ejo-online.eu, Nadia Leihs)
Die Autorin Nadia Leihs promoviert über „den Einfluss institutioneller Strukturen auf journalistische Inhalte und die Rolle von Medien in sozialen und politischen Transformationsprozessen am Beispiel Ägypten“. Wer sich für die spannende arabische Medienlandschaft interessiert, wird sich über ihre Buchvorstellungen von „Arabische Medien“, „Arab Media Moguls“ und den Sammelband „Medienfreiheit in Ägypten“ freuen.

3. Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit
(uebermedien.de, Michalis Pantelouris)
Die nach ihrem Gründer, dem umtriebigen Wirtschaftsjournalisten Roland Tichy, benannte Seite „Tichys Einblicke“ bezeichnet sich im Header als eine „liberal-konservative Meinungsseite“. Rezensent Pantelouris drückt es etwas anderes aus: „Eine dieser Parallelgesellschaften tanzt hier schonmal klar erkennbar den Apocalypso. Es ist nicht die dumpf-rassistische Gesellschaft der rechtsextremen Blubber-Blogger von „Politically Incorrect“, auch wenn die Ziele – weniger Migration, mehr Homogenität, mehr 1000-Jähriges, Kampf gegen die linksgrünen angeblichen Kinderschänderfreunde – sich oft geradezu schmerzhaft ähneln.“

4. Deutschland: Off Duty
(youtube.com, Neo Magazin Royale, Video, 2:34 Minuten)
Jan Böhmermann hat zur Vertiefung und Intensivierung seiner Männerfeindschaft mit Til Schweiger diesen, im wahrsten Sinne des Wortes, krachenden Action-Trailer im Nick-Tschiller-Style gedreht („Deutschland, Du Fotze!“). Mit dabei: Flüchtlinge, die AfD, Nazis, unzählige Tote, der (natürlich) völlig versehentlich vom Himmel geholte Weltraumhopser Felix Baumgartner und eine Kanzlerin, die ihren Vize zum Abschuss freigibt. Fünf BILDblog-Movie-Stars für großes, lispelfreies Unterhaltungskino!

5. Facebook: freundlich aber verschlossen
(ndr.de, Aimen Abdulaziz & Daniel Bouhs, Video, 5:25 Minuten)
Facebook verlangt von seinen Nutzern größtmögliche Offenheit, gibt sich selbst aber mehr als verschlossen. Die Informationspolitik nimmt groteske Züge an, wenn eine Managerin um den heißen Brei herumredet und partout keine Zahlen nennen will. Simon Hurtz („Süddeutsche Zeitung“) sollte bei Facebook in Dublin Einblicke hinter die Kulissen bekommen, doch auch hier mauerte der Konzern. „Wir konnten überhaupt nicht in den Bereich, wo die Leute normalerweise arbeiten.“ Zahlen nannte man natürlich auch nicht. Jeder deutsche Mittelständler sei auskunftsfreudiger als die Facebook-Presseabteilung, so der „SZ“-Journalist.

6. Erste Ausgabe ohne Nackte
(tagesanzeiger.ch)
Dank Internet können testosterongeplagte Männer zur manuellen Triebabfuhr auf unzähliges Bewegtbildmaterial unbekleideter Frauen zurückgreifen oder sich den Objekten der Begierde per Video bis auf Gebärmutterhalshöhe nähern. Ausgerechnet der amerikanische Playboy steuert jetzt in die Gegenrichtung und will nur noch bekleidete Frauen zeigen. Normalerweise wäre dies ein guter Zeitpunkt für die „ADAC-Motorwelt“ dem Trend zu folgen und auf Tests von E-Bikes umzuschwenken. Aber dort konzentriert man sich ja, zumindest im hinteren Teil, auf die Zielgruppe der Geronten und deren Fortbewegungsmittel (Treppenlifte).

Propaganda, Logokrieg, Jugendunterforderung

1. Verheddert im Gestrüpp der Propaganda
(nzz.ch, Ivo Mijnssen)
Das ZDF strahlte Mitte Dezember einen Dokumentarfilm über den „Machtmensch Putin“ aus, in dem ein russischer Freiwilliger auftrat, der im Donbass (Donezbecken) gekämpft haben soll. Um diese Szene kam es im Anschluss zum Streit. Der Augenzeuge nahm seine Äußerungen zurück, er habe nur das erzählt, was ihm die Produzenten vorgegeben hätten. Später erklärte der Mann, vom russischen Geheimdienst zum Widerruf gezwungen worden zu sein. „Wie so häufig, wenn es um Russland geht, vermischen sich Wahrheit und Lügen zu einem Gestrüpp der Propaganda. Das ZDF ist in diesem Fall daran nicht unschuldig“, so der Schluss der „NZZ“.

2. Tiroler Tageszeitung bekämpft mit dem Urheberrecht lästiges Kündigungsportal
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Will man eine Zeitung abonnieren oder einen Vertrag abschließen, ist dies mit wenigen Mausklicks erledigt. Das Abo wieder loszuwerden, ist oft erheblich schwieriger. Infos zur Kündigung werden versteckt, die entsprechenden Seiten fies verschachtelt, oder die online so abschlussfreudigen Anbieter bestehen auf einmal auf Schriftform. Dem Nutzer die Mühen leichter machende Kündigungsportale sind da natürlich unbequem und werden auch schon mal auf fragwürdige Weise bekämpft. Und wenn´s mit dem schmutzigen Trick über das Urheberrecht wegen eines abgebildeten Logos ist.

3. “Ich finde nicht, dass unsere Themen unterfordernd sind”
(140z.de, Till Daldrup)
Die großen Zeitungen kämpfen derzeit massiv um junge Leser und haben dazu eigene Jugendportale aus dem Boden gestampft. Beim „Spiegel“ heißt das Portal „Bento“, „Bild“ versucht sich mit „Byou“ ans junge Publikum ranzuwanzen, das „Handelsblatt“ hat seit Neuestem „Orange“ im Angebot und die „Zeit“ ist mit „Ze.tt“ am Start. Ein junger Journalistenschüler spricht mit Redaktionsleiter Sebastian Horn von „Ze.tt“ und stellt ihm die kecke Frage, ob die oft banalen Themen die Leser nicht unterfordern würden.

4. Wer unbequem ist, wird vor laufender Kamera gedemütigt
(tagesanzeiger.ch, Kai Strittmatter)
An die Schreckenszeit von Maos „Kulturrevolution“ (1966-1976) erinnere das derzeitige Vorgehen der chinesischen Regierung gegen Blogger und Journalisten. Doch die Methoden hätten sich verfeinert: Heutzutage würden unbequeme Menschen nicht nur mit Haftstrafen mundtot gemacht, sondern im chinesischen Staatsfernsehen CCTV an den Pranger gestellt und gedemütigt. Die brutale Einschüchterung wirke. Immer mehr kritische Stimmen verstummten und die gesellschaftliche Debatte im Land sterbe.

5. Warum sich Radio jetzt auf den Weg in die Zukunft machen muss!
(marckrueger.tumblr.com)
Der „Rundfunkfritze“ Marc Krüger macht sich Sorgen um das Radio. Das Medium müsse sich jetzt Gedanken machen und sich auf die Zeit vorbereiten, in der mobiles Internet unbegrenzt auch in Autos, Bussen und Bahnen verfügbar sei. In seiner Analyse geht er auf die aus seiner Sicht fünf Hauptproblemfelder ein. Danach ist eins klar: Das Radio wird sich verändern müssen, will es nicht endgültig vom omnipräsenten Internet abgehängt werden.

6. Jetzt bleiben wir mal schön bei der Sache
(faz.net, Nina Rehfeld)
Der rechtskonservative Stammtischsender „Fox News“ ist in Amerika berühmt-berüchtigt. Dort sorgt nun eine Moderatorin für Furore, vor deren kühler Schärfe selbst Leute des eigenen Lagers Angst haben. So stellte die stets gut vorbereitete Megyn Kelly ihrem Interviewgast Donald Trump die Frage: „Sie haben Frauen, die Sie nicht mögen, ,fette Schweine‘, ,Schlampen‘ und ,widerliche Tiere‘ genannt. Klingt das in Ihren Ohren nach dem Temperament eines Mannes, den wir zum Präsidenten wählen sollten?“ Meist nehme sie sich jedoch Vertreter der Linken vor, so der Artikel über Amerikas derzeitige News-Autorität.

Die Wahrheit, Ai Weiwei, Karla Kolumna

1. Die Lügenpresse
(zeit.de, Thomas Fischer)
Prof. Dr. Thomas Fischer ist Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof und Autor des bekannten Kommentars zum Strafgesetzbuch, dem über 2.700-seitigen Referenzwerk für alle Beteiligten eines Strafprozesses. Darüber hinaus verfasst Fischer für die „Zeit“ vielbeachtete und lesenswerte Kolumnen, die jedoch wegen der zuweilen machtvollen Sprache, vielen Metaphern und miteinander verzahnten Gedanken und Schlüssen gelegentlich Schwindelgefühle verursachen können. In seinem neuesten Beitrag geht es nicht nur um „die Lügenpresse“, sondern auch um die Frage nach der privaten und der öffentlichen Wahrheit.

2. Wir sehen nicht das Bild eines toten Kindes, wir sehen ein Bild von Ai Weiwei
(zebrabutter.net, Mareike Döring)
Wenn es Bilder gibt, die sich in das sogenannte „kollektive Gedächtnis“ der Menschen eingebrannt haben, dann gehört es mit Sicherheit dazu: Das Bild des dreijährigen‎ Jungen, der auf der Flucht aus Syrien ertrank und an den Strand gespült wurde. Nun hat der chinesische Künstler Ai Weiwei für ein Foto als ertrunkenes Flüchtlingskind posiert. Die Kulturwissenschaftlerin Mareike Döring betrachtet die Aktion von verschiedenen Seiten, beschreibt ihre Störgefühle und kommt letztendlich zum Schluss: „Wir sehen etwas, das aussieht wie Inhalt, aber verlassen die Debatte umgehend, bloß mit einem Erinnerungsfoto in der Hand.“

3. RTL verdient immer mehr am Dschungelcamp
(wuv.de, Petra Schwegler)
War früher „Wetten, dass ..?“ unser kuscheliges TV-Lagerfeuer, ist es jetzt das „Dschungelcamp“ („Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“). Fast jeder schaut es, fast jeder redet davon, fast alle berichten darüber. Für RTL ist es eine Gelddruckmaschine, die nach Schätzungen der Marketing-Analytiker von Ebiquity diese Staffel Rekordeinnahmen eingefahren hat. Der Artikel verrät, wie viel Euros sich Werbekunden wie Trivago, Vodafone und McDonald’s den Spaß in der Urwaldkulisse haben kosten lassen. Und auch zur Twitterresonanz gibt’s Zahlen: Wenn´s nach der Anzahl der Erwähnungen ginge, säße jetzt die „Kämpferin aus Leidenschaft“ und „Anwältin der Armen“ (so die Titel ihrer RTL-Wegschalt-Impulsauslöser) Helena Fürst auf dem Dschungelthron.

4. Rückrufpflicht für Veröffentlichungen und Äußerungen im Internet?
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Der BGH hat sich mit der Frage befasst, ob und inwieweit eine Haftung für Folgeveröffentlichungen Dritter besteht und welche Maßnahmen derjenige ergreifen muss, der für die Erstveröffentlichung verantwortlich ist. RA Thomas Stadler fasst das Urteil wie folgt zusammen: „Was der BGH also hier postuliert, ist im Ergebnis eine Art Rückrufpflicht für rechtswidrige Äußerungen im Internet. Wer im Internet falsche Tatsachen behauptet oder sich ehrverletzend äußert, muss zumindest den ernsthaften Versuch unternehmen, auch Folgeveröffentlichungen wieder aus dem Netz zu bekommen, indem er auf diejenigen einwirkt, die seine Erstveröffentlichung weiterverbreitet haben.“

5. Im Netz der Salafisten – ein Selbstversuch
(tagesschau.de, A. Schneider)
„Wieso werden junge Menschen radikal? Wieso wenden sie sich dem Salafismus zu? Wieso ziehen sie in den Krieg des IS nach Syrien?“ Im Auftrag von „Panorama 3“ (NDR) hat ein Reporter im Netz nach Antworten gesucht und ist für zwei Wochen in die Social-Media-Welt der Salafisten eingetaucht. Im Bericht werden unter anderem die Missionierungsstrategien der Anwerber beschrieben und mit Chatauszügen dokumentiert.

6. Karla Kolumna, die rasend machende Reporterin
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
„Wie viele Journalistinnen verweisen wohl auf Karla Kolumna, wenn sie auf ihre fiktiven Vorbilder aus Kindheitstagen zu sprechen kommen?“, fragt uns der Autor gleich zu Beginn. Schließlich gelte die rasende Reporterin aus „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“ hierzulande als Sinnbild aufopferungsvoller und ehrlicher Berichterstattung. Doch taugt die anstrengende Zeichentrick- und Hörspielfigur als Beispiel für engagierten Lokaljournalismus? Nur mit Einschränkungen, wie der Autor findet.

Russland, Dialektik des Negativen, Herzschmerz-Kurator

1. Warten auf den Exodus?
(de.ejo-online.eu, Jannis Carmesin & Kai Steinecke)
Ausländische Verlage mit russischen Verlagsbeteiligungen sehen sich durch ein neues Mediengesetz gezwungen, ihre Anteile abzustoßen. Die Autoren erklären, welche Verwerfungen dies für die russische Medienlandschaft bedeutet. Eine Gesetzgebung, die auch deutsche Unternehmen wie den Axel-Springer-Verlag (Engagement bereits gelöst) und Burda beträfe (noch Herausgeber von rund 60 Titeln).

2. „Ihr könnt das? Dann liefert jetzt mal“
(taz.de, Jens Mayer)
Ein „Novum“ sei es, dass ARD-Verantwortliche und TV-Produzenten erstmals ein gemeinsames Papier vorgelegt hätten, das die künftige Ausgestaltung der Beauftragung von TV-Auftragsproduktionen regele. Zwei Jahre hätten die Produzenten mit der ARD gerungen, und nun liege eine Vereinbarung vor, die einen Paradigmenwechsel in der deutschen Fernsehlandschaft einläute, indem sie das Risiko für Produzenten senke und die Innovationsfreude anheize.

3. Positiver Journalismus: “Eine Ausgewogenheit in der Berichterstattung herstellen”
(fachjournalist.de, Felix Fischaleck)
Einer der Hauptvorwürfe an Nachrichten (neben denen, dass sie falsch, ungenau oder tendenziös seien) ist: „Es wird immer nur über Negatives berichtet!“ Hier setzt der sogenannte „positive Journalismus“ an, der sich als „eine Art Gegenbewegung zum vorherrschenden Negativitätsbias in der Berichterstattung“ sieht. Kommunikationswissenschaftler Dr. Oliver Bidlo spricht im Interview über die „Dialektik des Negativen“ und wie man die, aus seiner Sicht notwendige, Ausgewogenheit in der Berichterstattung herstellen könne.

4. Rechtsstreit: Facebook will Nutzerprofile nicht vererben lassen
(spiegel.de)
Ein sowohl juristisches wie auch ethisch schwieriges Problem beschäftigt derzeit die Gerichte: Wem gehört das Facebook-Konto eines verstorbenen Kindes, den Erben oder dem Diensteanbieter? Das Landgericht Berlin hat das Konto den Eltern zugesprochen, die sich darin Aufklärung über den Tod ihrer Tochter erhoffen. Dagegen wehrt sich Facebook nun mit einer Berufung. Der Grund: Die Eltern könnten Einblick in private Nachrichten anderer Nutzer erhalten, die einen Anspruch auf Privatsphäre hätten.

5. Unter dem Radar
(faz.net, Fridtjof Küchemann)
Die amerikanischen Netzanbieter können Daten ihrer Nutzer relativ unkontrolliert wirtschaftlich nutzen beziehungsweise ausbeuten. Dagegen haben nun 60 Daten- und Verbraucherschutzorganisationen Protest eingelegt. Die Organisationen hätten die amerikanische Kommunikationsbehörde aufgefordert, schnellstmöglich Regeln aufzustellen, die nur bei Einwilligung der Nutzer die Sammlung und Vermarktung ihrer Daten zulassen. Die deutsche Datenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff weist in diesem Zusammenhang tapfer darauf hin, dass Datenschutz keineswegs wirtschaftsfeindlich sei und sogar ein Wettbewerbsvorteil sein könne.

6. Meet the guy who makes sure your ex shows up in your Facebook feed.
(facebook.com/mashable.socialmedia, Video, 2:35 Minuten)
Eine Trennung geht wohl nie leicht vonstatten. Und wenn dann die Fotos des oder der Ex im Facebook-Feed auftauchen, verheilen die seelischen Narben noch schwerer oder reißen wieder auf. Die Investigativreporter von „Mashable Humor“ konnten erstmals mit einem Verantwortlichen sprechen, der die herzschmerzerzeugenden Bilder der abgelegten Liebschaften in unsere Accounts einspeist: dem „Facebook Heartbreak Curator“.

MacGyver, Kriminalitätstemperatur, Regierungsjournalismus

1. Das ABC der unseriösen Quellen — eine Übersicht
(medium.com)
Das Team von FPÖ-Watch hat eine Liste suspekt erscheinender Webseiten zusammengestellt. Auf diesen „Nachrichten“-Seiten werde oft gehetzt, übertrieben oder falsch berichtet. Die Meldungen würden sich in den Netzwerken oft wie ein Lauffeuer verbreiten, was auch daher rühre, dass sich die Seiten untereinander als Quelle verlinken. Gute Auflistung mit bekannten und weniger bekannten Desinformationskandidaten.

2. „Den Podcast aus der Nische holen“
(buchreport.de)
„Den Podcast aus der Nische holen“ ist das erklärte Ziel von Nicolas Semak, der zu den Gründern von „Viertausendhertz“ gehört, Deutschlands erstem Podcast-Label. Das ehrgeizige Projekt, das ohne Investor auskommt, bietet ausschließlich Eigenproduktionen an. Für die Refinanzierung des kostenlosen Angebots setzt man voll und ganz auf Sponsoren. Und woher kommt der Name? „Töne mit einer Frequenz von 4000 Hertz nimmt das menschliche Ohr besonders intensiv wahr.“

3. „Wir haben die sicherste Republik in Deutschland seit dem Jahr 2000″
(deutschlandfunk.de, Peter Kapern)
Der Kriminologe Christian Pfeiffer weist im Interview mit dem „Deutschlandfunk“ u.a. auf die Absurdität von Bürgerwehren hin. Demnach leben wir in der „sichersten Republik seit 2000“. Pfeiffer sieht einen Grund für die Ängste der Bürger im Privatfernsehen: „Je mehr die Menschen privates Fernsehen gucken, umso mehr ist ihre Kriminalitätstemperatur von der Wirklichkeit entfernt, weil im Privatfernsehen das Verbrechen noch mehr dramatisiert wird“.

4. Lügen in Zeiten des Internets
(welt.de, Torsten Krauel)
Der Autor setzt sich mit den im Netz grassierenden Falsch- und Lügenmeldungen auseinander und setzt zur Korrektur nicht auf staatliche Eingriffe, sondern auf das Eigeninteresse von Diensteanbietern. „Wenn Dienste wie Twitter oder Facebook in den Ruf geraten, wiederholt Unsinn zu verbreiten, kollabiert irgendwann ihre Geschäftsgrundlage.“ Hier sei die Gegenfrage erlaubt: Ist die trafficerzeugende „Unsinnsverbreitung“ nicht gerade Teil der Geschäftsgrundlage der genannten Dienste?

5. Frauen werden in vielen Filmen klischeehaft dargestellt – Männer auch. Das zeigt der MacGyver-Test
(fluter.de, Sara Geisler)
Viele kennen den Bechdel-Test zur Beurteilung von Frauenstereotypen in Filmen. (Gibt es mindestens zwei Frauenrollen, sprechen sie miteinander und unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?) Der Artikel behandelt das Gegenstück, den sogenannten „MacGyver-Test“ zur Entlarvung von Männerstereotypen. Die Liste der Filme, die den Test bestehen, soll sehr klein sein. Die Testerfinder kommen laut der Autorin zum Schluss, „dass Männer in Filmen überwiegend als Nieten dargestellt werden, die sich zum Deppen machen, ihre Familien im Stich lassen und außer Gewalt keine Lösung finden.“

6. Enthüllt: Die schriftlichen Anweisungen „von oben“ im ZDF!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In der Sendung „Medienquartett“ des „Deutschlandfunks“ (Thema „Bundespressekonferenz“) gab es einen sich zunächst verstörend anhörenden Wortbeitrag (ab Min. 28) des ehem. Leiters des ZDF-Studios Bonn, Dr. Wolfgang Herles. Danach soll es Anweisungen von oben gegeben haben, wie zu berichten sei. Nämlich „wie es der Frau Merkel gefällt“. Und, so Herles weiter: „Wir durften damals nichts Negatives über die neuen Bundesländer sagen. Heute darf man nichts Negatives über die Flüchtlinge sagen. Das ist Regierungsjournalismus. Und das führt dazu, dass die Leute Vertrauen in uns verlieren. Das ist der Skandal!“ Was es wirklich damit auf sich hat, kann man auf „Übermedien“ nachlesen.

Pfefferspray, Anti-Fake-Behörde, Brautschau

1. Journalisten bei AfD-Demo in Magdeburg angegriffen
(sueddeutsche.de)
Mittlerweile häufen sich die Berichte, dass Reporter bei „Pegida“- und AfD-Veranstaltungen massiv an ihrer Arbeit gehindert werden. Bei einer Demonstration der rechtspopulistischen AfD wurde nun ein Kamerateam des MDR mit Pfefferspray attackiert. Auch ein Mitarbeiter des ZDF wurde Opfer des Angriffs. AfD-Vize Gauland hat die Taten, wie nicht anders zu erwarten und von großer Routine getragen, „zutiefst missbilligt“.

2. Wir brauchen eine Anti-Fake-Behörde – und andere Ideen gegen problematische Inhalte
(wdr.de, Dennis Horn)
Auf dem Blog des WDR macht sich Dennis Horn Gedanken über die Schwemme an Gerüchten, Misstrauen und Paranoia, die wir gerade erleben würden und entwickelt „Fünf Ideen gegen Gerüchte, Misstrauen und Falschmeldungen“. Das reicht von der Forderung an Facebook, die Gemeinschaftsstandards zu überarbeiten und dem „digitalen Aufstand der Anständigen“ bis zur Einrichtung einer „Anti-Fake-Behörde“.

3. „Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“
(cicero.de)
In der aktuellen Ausgabe des „Cicero“ kritisiert der bekannte Philosoph Peter Sloterdijk die Medien und gibt den Flüchtlingskrisen-Nostradamus. Die deutsche Regierung habe sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben. Auch die Medien hätten Schuld, sloterdijkt der erfolgreiche Literat im feinsten „Lügenpresse“-Deutsch vor sich hin: „Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr.“ Im Journalismus trete die „Verwahrlosung“ und die „zügellose Parteinahme allzu deutlich hervor“.

4. Oberlandesgericht München weist Schadensersatzklage gegen Youtube ab
(horizont.net)
Im Dauerstreit zwischen der Gema und Youtube hat es einen Etappensieg gegeben: Das Oberlandesgericht München hat eine Schadenersatzklage des Musikrechteverwerters abgelehnt. Es sei jedoch jetzt schon absehbar, dass die unterlegene Gema in die Revision gehe. Oder um es anders zu sagen: „Eine Einigung ist in Ihrem Land nicht verfügbar.“

5. Von der geschriebenen zur audiovisuellen Reflexion: Zur Zukunft der Filmkritik
(fachjournalist.de, Dobrila Kontić)
Was wurde schon vom Niedergang der Filmkritik geschrieben, dabei ist sie im Netz fest etabliert: Die Informations- und Empfehlungsportale moviepilot.de, filmstarts.de und imdb.com haben millionenfache Abrufe und erfreuen sich größter Beliebtheit. Der ausführliche Beitrag von Dobrila Kontić beschreibt den Status Quo der Filmkritik, erklärt die Zusammenhänge und schaut in die Zukunft.

6. „Der Bachelor“ in 30 Sekunden
(uebermedien.de)
Alljährlich verlost RTL bei „Der Bachelor“ unter etwa 20 paarungswilligen Beautys mit kombiniertem Drang zu Selbstentblößung und Selbstentblödung einen solariumsgetunkten Galan im Schlafrock beziehungsweise schicken Konfirmationsanzug. Den Machern von „Übermedien“ ist es gelungen, den zweistündigen Staffelstart der brünftigen Brautschau in einem 30-Sekunden-Video zusammenzufassen.

Märchenstunde, Uns reicht’s!, Abgeordnetenmaulkorb

1. Polizei bestätigt: Geschichte über toten Flüchtling ist ausgedacht
(tagesspiegel.de, Sabine Beikler & André Görke & Johannes Laubmeier und weitere)
Ein kollektiver Aufschrei ging durchs Netz, als ein ehrenamtlicher Helfer am Berliner Lageso (Landesamt für Gesundheit und Soziales) vom Tod eines syrischen Flüchtlings berichtete. „Jetzt ist es geschehen. Soeben ist ein 24-jähriger Syrer, der tagelang am Lageso bei Minusgraden im Schneematsch angestanden hat, nach Fieber, Schüttelfrost, dann Herzstillstand im Krankenwagen, dann in der Notaufnahme – VERSTORBEN.“ Nun stellt sich heraus, dass die Geschichte wohl frei erfunden war.

2. Ist Angela Merkel schlimmer als Hitler?
(opinion-club.com, Arne Hoffmann)
Der Medienwissenschaftler Arne Hoffmann schreibt über die zunehmende Radikalisierung innerhalb der Flüchtlingsdiskussion, die auch etablierte Medien betreffe. „Wenn eine Situation derart diffizil gerät, wie es bei der Flüchtlingskrise der Fall ist, nimmt der Wunsch nach Komplexitätsreduzierung offenbar überhand. Personalisierung und Dämonisierung suchen sich ihren Sündenbock.“ Eindringlich warnt er vor der rechten Hysterie: „Wenn immer wieder so getan wird, als befänden wir uns in einem totalitären Staat, gilt vielen jeder Anschlag auf ein Flüchtlingsheim als mutiger Widerstand.“

3. Uns reicht es!
(berliner-zeitung.de, Arno Schupp)
In sozialen Netzwerken und Foren geht es nicht immer höflich und gesittet zu, das wissen wir alle. Doch was Medienvertreter („Lügenpresse“) in letzter Zeit erleben, geht oft über das hinaus. So veröffentlicht der Lokalressortleiter der „Berliner Zeitung“ eine an einen Redakteur gesandte Hassnachricht und erklärt unter der Überschrift „Uns reicht es!“, warum man gegen eine bestimmte Sorte digitaler Leserbriefschreiber in Zukunft juristisch vorgehen werde.

4. Maulkorb für Abgeordnete
(correctiv.org, Justus von Daniels & Marta Orosz)
Das journalistische Portal „Correctiv“ berichtet über ein bisher geheimes Dokument der EU-Kommission. Aus diesem ginge hervor, dass Bundestagsabgeordnete zwar unter Aufsicht in den TTIP-Dokumenten lesen dürften. Sollten jedoch Informationen über den Inhalt der Dokumente weitergegeben werden, würde man auf Veranlassung der USA die Leseräume schließen und „disziplinäre und/oder rechtliche Maßnahmen“ ergreifen. Eine Drohung, die ins Leere läuft, denn bislang werden es nicht sonderlich viele Volksvertreter gewesen sein, die sich in den streng bewachten Leseräumen zur entspannten TTIP-Lektüre eingefunden haben …

5. Warum Ihre Tochter Minecraft spielen sollte
(irights.info, Rey Junco)
Ein amerikanischer Pädagogikprofessor macht sich Gedanken über Genderungleichheit und spricht sich für das Computerspiel Minecraft aus. Der von Geschlechterstereotypen freie Konstruktionsklicker sei besonders gut für Mädchen geeignet. Das Game stärke das räumliche Vorstellungsvermögen, was die Grundlage für die Entwicklung weiterer, komplexerer Fähigkeiten sei. Ja, Minecraft könne das besorgen, was die Schule oft so straflässig versäume: Stärkung und Ausbau der sogenannten MINT-Fähigkeiten.

6. Bitte geben Sie uns Ihr Ehrenwort
(zeit.de, Friedhelm Greis)
Der WLAN-Gesetzentwurf der Bundesregierung verlangt von Betreibern offener Netze, dass sie den Nutzern auf einer Vorschaltseite eine sogenannte „Rechtstreueerklärung“ abverlangen. Die Digitale Gesellschaft und die Freifunker haben nun ihre Bedenken angemeldet, die sowohl technischer als auch juristischer Natur sind. Vielleicht sind all die Bedenken jedoch unnötig, denn IT-Rechtsexperte Ulf Buermeyer setzt die Wirksamkeit einer derartigen Erklärung laut Artikel eh mit „gleich Null“ an. Die Abgabe einer falschen Erklärung sei mit keinerlei Sanktionen versehen. Nutzer könnten sie also trotz geplanter Rechtsverletzungen problemlos abgeben.

Nacktbaden beim Bundestag, Kabarettwürdiges, Nopornistan

1. Frag den Bundestag! 4000 Gutachten warten darauf, befreit zu werden
(netzpolitik.org, Arne Semsrott)
Es hat allerlei Mühen (und rechtliche Schritte) gekostet, den Bundestag dazu zu bringen, die Gutachten seines Wissenschaftlichen Dienstes freizugeben. Einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts und der Beharrlichkeit von abgeordnetenwatch.de ist es zu verdanken, dass diese nun nach und nach ins „Portal zur Informationsfreiheit“ fragdenstaat.de eingepflegt werden können. Darunter übrigens auch Bundestags-Gutachten mit Kopf-Wand-Potential wie „Zu den rechtlichen Möglichkeiten gegen das Nacktbaden auf einem benachbarten Grundstück“.

2. Er wünschte sich einfach nur Unsterblichkeit
(zeit.de, Christoph Drösser)
Einer der Pioniere der künstlichen Intelligenz (er hat den Begriff in den 50er-Jahren miterfunden), Marvin Minsky, ist tot. Christoph Drösser von der „Zeit“ widmet dem großen Denker und wegweisenden Multigenie einen Nachruf, in dem er sich wünscht, „dass sich der Glaube dieses radikal atheistischen Menschen erfüllt und sein Geist irgendwann wieder aufleuchtet“.

3. Ihr wollt es doch auch
(sueddeutsche.de, Silke Burmester)
Ein Kabarettistenpaar sieht sich vom NDR um seine Lizenzeinnahmen gebracht. Demnach soll die TV-Anstalt versucht haben, die beiden Kreativen mit dem Hinweis auf den Werbeeffekt zu bezahlen. Der NDR bestreitet die Vorwürfe, es steht somit Aussage gegen Aussage. Trotzdem weist der Konflikt auf ein gängiges Problem, das auch Musiker zur Genüge kennen: „Wenn Ihr in meiner Kneipe spielt, ist das tolle Werbung für Euch. Deshalb braucht Ihr keine Gage.“

4. Die Goldenen #Blogger2015: Sascha Pallenberg ist Blogger des Jahres
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Erneut fand die Wahl zum „Goldenen Blogger“ statt. Mitausrichter und Jurymitglied Thomas Knüwer berichtet über Event und Preisträger, darunter Urgestein Sascha Pallenberg als Blogger des Jahres und mit einem Sonderpreis das Re-publica-Gründerteam. Der Newcomer-Preis ging übrigens an den achtjährigen Jojo Buddenbohm aka „Sohn I“, der über sein Technik-Spielzeug schreibt.

5. Amex-Managerin Leslie Berland soll aus der Krise helfen
(horizont.net, Volker Schütz)
Twitter scheint schwer angeschlagen zu sein: Dem Unternehmen mangelt es an Wachstum und Erlösen, immer wieder wird am Geschäftsmodell geschraubt, wichtige Manager verlassen fluchtartig das Unternehmen. Nun soll eine American-Express-Managerin den Laden flottmachen und wird mit einem Satz erhabener Seifenblasigkeit zitiert, der (Wegweiser in die Zukunft?) mehr als 140 Zeichen enthält: „Ich bin begeistert, zusammen mit Jack die Magie von Twitter zum Leben zu erwecken, die Reichweite und den Impact dieses außergewöhnlichen Service zu vergrößern“.

6. Pornografie-Vorwurf: Pakistan sperrt mehr als 400.000 Webseiten
(heise.de)
Drei Jahre war Youtube in Pakistan gesperrt. Nun wurde es in einer „bereinigten“, sprich zensierten Fassung wieder freigegeben. Es soll eine Vereinbarung mit Google geben, dass „gotteslästerliche Inhalte“ entfernt werden würden. Nun schlagen die Sittenwächter des Landes erneut zu: „Wir werden ungefähr eine halbe Million Links aus dem Netz nehmen“, so der Sprecher der pakistanischen Telekommunikationsbehörde und oberste Gegner digital evozierter Triebabfuhr.

Wann ist ein Like ein Like, Hörsaal-Ablenkung, Bordexemplare

1. Vier Thesen zur Zukunft des Digitaljournalismus
(horizont.net, Mathias Müller von Blumencron)
Der Digital-Chef der „FAZ“ macht sich Gedanken über die Zukunft des digitalen Journalismus. Neuen Angeboten gibt er keine großen Chancen, das Rennen würden die Qualitätsmarken machen. Gleichwohl werde es „eine Explosion journalistischer Formate“ geben. Nichts weniger als eine „Exzellenzoffensive“ sei zu erwarten. Angesichts von Angeboten wie „Focus Online“ reichlich viel Optimismus, aber ohne den kommt ein „Chefredakteur Digitale Medien“ wahrscheinlich nicht aus.

2. Was ist die „ganze Wahrheit“?
(facebook.com/arminwolf.journalist, Armin Wolf)
Facebook wird von manchen als Abraumhalde für industriell abgebaute Katzenfotos geschmäht. Dass dem nicht (immer) so ist, beweist ein längerer Beitrag des österreichischen TV-Journalisten Armin Wolf. In diesem setzt sich der Autor recht ausführlich mit der Frage auseinander, ob und wann Medien bei Verbrechen die Nationalität der Verdächtigen nennen sollen beziehungsweise dürfen.

3. Warum ein „Like“ keine politische Meinungsäußerung ist
(derwesten.de, Katrin Figge)
„Der Westen“ hat mit dem Medienökonom Prof. Jörg Müller-Lietzkow über das Likewesen auf Facebook gesprochen. Likes oder Hasskommentare seien demnach „weit von politischer Meinungsäußerung entfernt“. Der Medienwissenschaftler vergleicht die Klicks mit einem Ablassbrief: Man fühle sich danach gut, weil man etwas geleistet oder Wut kanalisiert habe. Mit politischer Artikulation habe all dies jedoch nichts zu tun.

4. Google: 25.000 Chromebooks für Flüchtlinge in Deutschland
(heise.de, Andreas Wilkens)
„Project Reconnect“ heißt der Zusammenschluss von Google, Telekom und Arbeiter-Samariter-Bund, der für die Verteilung von 25.000 Chromebooks sorgen will. Alle Organisationen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, könnten sich für die mobilen Computer bewerben (bei Interesse: Link im Artikel). Die Telekom will den kostenlosen WLAN-Zugang ermöglichen. Gute Idee, wobei böse Zungen behaupten, man hätte zunächst die verstaubte IT der deutschen Behörden auffrischen sollen.

5. Aufmerksamkeitskiller Smartphone
(taz.de, Ralf Pauli)
Ein Hochschullehrer zieht nach mehreren Experimenten ein trauriges Resümee: Die Aufmerksamkeit der Studierenden habe in den letzten Jahren massiv abgenommen. Schuld sei der ständige Blick aufs, na was wohl, Smartphone. „Wir schaffen es kaum mehr, die Aufmerksamkeit der jungen Leute für länger als fünf Minuten zu halten“, beklagt der Professor an der Hochschule Hof. „Danach sind sie sofort wieder bei ihren technischen Spielzeugen.“

6. Wie die Lufthansa meine Zeitungen klaut
(bilanz.de, Bernd Ziesemer)
Der frühere Chefredakteur des „Handelsblatts“, Bernd Ziesemer, jammert in seiner Kolumne über das Verschwinden der sogenannten Bordexemplare der Lufthansa. Der Verzicht auf die kostenlosen Zeitungen sei „der traurige Endpunkt einer langen Reihe stetiger Verschlechterungen“ mit dramatischen Auswirkungen: „Die Masse der bisherigen Flugzeugleser verliert den letzten Kontakt zu Printmedien.“ Warum sich die von Ziesemer angesprochene (gutgestellte) Klientel der treuen Vielflieger ihre Lektüre nicht einfach für ein paar Euro am Kiosk holen kann, bleibt leider offen.

Blättern: 1 2 3 4 ... 243