Archiv für 6 vor 9

US-Netzparteilichkeit, Schlapphut-Niederlage, WDR-Liebeskummer

1. Schwarzer Tag fürs Internet: USA demolieren Netzneutralität
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Bislang galt in den USA die Netzneutralität, die sicherstellte, dass Netzbetreiber weder den Zugang zu legalen Inhalten drosseln oder blockieren noch „Überholspuren“ einrichten konnten. Damit ist es nun vorbei: Die „FCC“ („Federal Communications Commission“) hat die Netzneutralitätsregeln abgeschafft. Tomas Rudl kritisiert die Entscheidung: „Das Internet droht, jedenfalls in den USA, zu einem Produkt zu verkümmern, das eher dem Kabel-TV gleicht als dem bisherigen, offenen Netzwerk. In Anbetracht der erheblichen Marktkonzentration im Telekommunikationssektor, die US-Nutzern jetzt schon nur wenige Auswahlmöglichkeiten lässt, sind das keine guten Aussichten.“

2. Wegweisendes Urteil gegen den BND
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht gab einer Klage der „Reporter ohne Grenzen“ statt: Ab sofort darf der Bundesnachrichtendienst (BND) keine Verbindungsdaten aus Telefongesprächen der Organisation in seinem Metadaten-Analysesystem „VerAS“ speichern. Auf Seiten der „Reporter ohne Grenzen“ zeigt man sich hocherfreut: „Das Urteil ist ein historischer Erfolg für Reporter ohne Grenzen, weil es uns gelungen ist, dem BND Grenzen aufzuzeigen. Gleichzeitig stärkt es unsere Arbeit, denn verfolgte Journalisten aus autoritären Staaten wie Usbekistan oder China müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kommunikation mit uns vertraulich bleibt.“

3. WDR-Redakteure enttäuscht: Wo ist Buhrows Liebe hin?
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Nachdem WDR-Intendant Tom Buhrow angekündigt hat, auf Wunsch der Verleger das Textangebot runterzufahren, rumort es im Sender. Die Redakteursvertretung beklage insbesondere den Kommunikationsstil und fühle sich schlecht informiert. Für zusätzliche Empörung sorge eine kursierende Mail, die Zeichenbegrenzungen vorgibt und bei Überschreitung mit „persönlichen Konsequenzen“ droht.

4. Storify macht dicht und löscht alles
(schmalenstroer.net)
„Storify“ ist ein vielgenutztes Tool, mit dem man Beiträge aus Sozialen Medien sammeln und zu einer Geschichte bündeln kann. Doch damit ist bald Schluss: Der Dienst wird in wenigen Monaten abgeschaltet. Für Michael Schmalenstroer der Anlass, den Einsatz derartiger Dienste grundsätzlich in Frage zu stellen: „Statt einem Storify hätte man auch ein normales Blog mit eingebundenen Tweets nutzen können. Dann ist man nicht von einem Dienstleister abhängig, der je nach wirtschaftlicher Lage den Dienst einfach einstellt. Wer seinen Krams selbst hostet und darauf aufpasst, wird keine bösen Überraschungen erleben. Gebt nicht die Kontrolle über eure Inhalte ab, denn kein Anbieter hat sich dieses Vertrauen verdient!“

5. Position beziehen — Nicht nur, aber auch auf der Buchmesse
(verlagegegenrechts.wordpress.com)
Auf der Leipziger Buchmesse werden erneut das „Compact Magazin“ und die „Junge Freiheit“ anzutreffen sein: „Compact“-Chef Jürgen Elsässer habe davon gesprochen, dass er die Leipziger Buchmesse „für die Meinungsfreiheit zurückerobern“ wolle. Die Initiative #verlagegegenrechts will den Auftritt der Rechten nicht unwidersprochen lassen: „Wir werden unsere Ablehnung rechter Ideologien sichtbar machen. Wir werden mit möglichst vielen Menschen in den Dialog treten und eine Veranstaltungsreihe an verschiedenen Orten auf der Messe und in Leipzig präsentieren. Wir werden uns dem medialen Aufmarsch der Rechten entgegenstellen. Ohne ihnen eine Bühne zu bieten.“

6. Jahresrückblick 2017
(trends.google.de)
Wonach haben die Deutschen 2017 gesucht? Google führt im Jahresrückblick die wichtigsten Suchbegriffe auf und verrät, welche Was-, Wo- und Warum-Fragen die Deutschen am häufigsten gestellt haben. In den Top-Platzierungen Fragen wie: „Was ist ein Schuppentier?“, „Warum ist Butter so teuer geworden?“ und „Wo befindet sich der Hubraum?“

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Demenz-PR im SWR?, WDR-Duckmäuser, Flop-Parade 2017

1. Verdeckte PR im SWR? Demenz-Doku des ARD-Senders verbreitet falsche Fakten und Heilversprechen der Industrie
(meedia.de, Cornelia Stolze)
Die Wissenschaftsjournalistin Cornelia Stolze ist entsetzt über eine 45-minütige Demenz-Doku des SWR. Der Film enthalte falsche Fakten und zeichne ein völlig verzerrtes Bild von Demenz. Der Autor des Beitrags, Lothar Zimmermann, übernehme un­hin­ter­fragt das Narrativ der Arzneimittelindustrie: „Unklar ist, ob Zimmermanns Irreführung allein auf mangelnder Recherche basiert. Fest steht nur: In dem gesamten 45-minütigen Beitrag kommt kein einziger unabhängiger Experten zu Wort. Alle Mediziner und Forscher, die Zimmermann interviewt und um die Vermittlung von Patienten gebeten hat, weisen enge Verbindungen zur Pharmaindustrie und damit massive Interessenkonflikte auf.“

2. Wenn Medien Täter machen
(deutschlandfunk.de, Manfred Götzke)
Die Berichterstattung über Pädophilie wird von Experten als problematisch erachtet. Viele Journalisten würden Pädophilie mit Kindesmissbrauch gleichsetzen. Das sei falsch und könne fatale Folgen haben. Aus der klinischen Erfahrung sei bekannt, dass 60 Prozent der Kindesmissbrauchstäter nicht pädophil seien. Umgekehrt sei nicht jeder Pädophile potentiell ein Kindesmissbrauchstäter. Wünschenswert sei eine unvoreingenommenere, differenziertere Berichterstattung.

3. Zu hoch, zu schnell, zu weit?
(de.ejo-online.eu, Felix Simon)
Das „Reuters Institute for the Study of Journalism“ hat die Situation digitaler Medienunternehmen wie „BuzzFeed“ und „Vice“ untersucht. Trotz des rasanten Wachstums in der Vergangenheit sehe die Zukunft für die Unternehmen eher düster aus, auch wegen der starken Abhängigkeit von digitaler Werbung als Haupteinnahmequelle. Der digitale Journalismus ähnele einer Blase, in der die meisten Anbieter weiterhin unter Verlusten operieren würden: „Die Blase wird schlussendlich platzen, wenn diese Unternehmen keine nachhaltigeren Geschäftsmodelle finden.“

4. In der Welt mitreden
(taz.de, Daniel Bouhs)
Deutsche Medien spielen im internationalen Journalismus kaum eine Rolle. Daniel Bouhs berichtet über die Anstrengungen einiger deutscher Medienhäuser, den Anschluss an das globale Geschäft zumindest nicht ganz zu verlieren.

5. Die große Online-Defensive des WDR
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der WDR reduziert in einer Art freiwilligen Selbstverpflichtung die Textanteile seiner Internetseiten und kommt damit einem Wunsch der Zeitungsverleger nach. Stefan Niggemeier kommentiert: „Es ist eine merkwürdig duckmäuserische Haltung und eine merkwürdige Missachtung der Beitragszahler. Denn die haben ein Recht, für das Geld, das sie zahlen, den bestmöglichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekommen — und nicht eine Version, die unter Berücksichtigung kommerzieller Interessen entsprechend abgespeckt ist.“

6. Flop-Parade 2017: Die größten Misserfolge des Jahres
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Auf stolze 80 TV-Misserfolge ist Uwe Mantel in seiner „Flop-Parade 2017“ gekommen. Es ist eine Galerie des Grauens geworden, durch die man sich durchklicken kann. Entsprechende Leidensbereitschaft vorausgesetzt.

Reporterpreis, Medien als AfD-Helfer, Morrissey-Audiomitschnitt

1. Deutscher Reporterpreis 2017 in Berlin verliehen
(reporter-forum.de)
In Berlin wurde zum neunten Mal der „Deutsche Reporterpreis“ verliehen. Bei einer festlichen Gala im „Tipi am Kanzleramt“ wurden die beste Reportage ausgezeichnet, das beste Interview gekürt und viele weitere Preise vergeben. Auf der „Reporter-Forum“-Seite werden die Preisträger und Nominierten aufgeführt. Aber nicht nur das — alle Texte sind als PDFs verknüpft. Also am besten die Seite bookmarken, sie ist ein Schatz an guten Geschichten. Weiterer Lesehinweis: Der Beitrag „Das ewige Immerhin“ über das Geschlechterverhältnis im Journalismus und beim „Reporterpreis“ („taz“).

2. Wenig auf Abruf
(sueddeutsche.de, Christoph Fuchs)
Das EU-Parlament beschäftigte sich mit der Frage, ob Sendungen und Filme europaweit verfügbar sein sollen. Dabei geht es um Werte wie Verbraucherfreundlichkeit, aber auch um finanzielle Interessen, denn die Filmindustrie sorgt sich um ihre Einnahmen. Letztere hat nun einen Teilsieg errungen. Der aktuelle Beschluss sieht vor, dass nur Nachrichten und einige aktuelle Sendungen überall in der EU abrufbar sein sollen. Filme, Serien oder Dokus sollen auch künftig nicht ohne Weiteres zugänglich sein.

3. So einfach bringt die AfD ihre Themen in die Nachrichten
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier greift eine „dpa“-Meldung heraus, um zu zeigen, wie einfach es für die AfD ist, ihre Themen in die Nachrichten zu bringen. Es geht um eine parlamentarische Anfrage eines AfD-Abgeordneten über sich angeblich in fremder Sprache unterhaltende Polizisten und die Antwort des Berliner Senats, die von den Medien hoffnungslos aufgebauscht wurde. Niggemeier schreibt: „Es geht, wohlgemerkt, nicht darum, irgendwelche Informationen zu unterdrücken. Aber wirkliche Informationen liegen gar nicht vor. Medien hätten aus Anlass der Anfrage versuchen können zu recherchieren, wie verbreitet dieses Phänomen ist. Aber sie machen schon aus der Frage und der offiziellen Antwort eine Nachricht — und erzählen so, gewollt oder ungewollt, die AfD-Geschichte von einer Polizei, in der sich Migranten so unterhalten, dass deutsche Kollegen und Betroffene sie nicht verstehen können.“

4. Was vom investigativen Journalismus bleibt
(de.ejo-online.eu, Christian Hetzenauer & Katharina Maier & Josef Trappel)
Die Wirkkraft von „Panama Papers“ und „Paradise Papers“ war begrenzt: Das Interesse der Leser an den aufwändig aufgearbeiteten Leaks flaute bereits nach kurzer Zeit ab. Damit bleiben die Werbeerträge aus, und Investigativjournalismus droht zum Minusgeschäft zu werden. Auf investigativen Journalismus ganz zu verzichten, sei für Demokratien jedoch keine Option, finden die Autoren und bringen eine staatliche Förderung ins Spiel.

5. Die gespaltene Persönlichkeit
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers)
Journalisten schätzen den Austausch auf Twitter. Doch die private Meinung von beruflicher Kommunikation zu trennen, ist manchmal nicht einfach. Manche Journalisten lösen das durch das Anlegen von zwei Twitterprofilen, manche fügen den Zusatz „hier privat“ an. Doch eine glasklare Trennung ist schwer bis unmöglich. Michael Borgers hat sich für den „Deutschlandfunk“ in der Branche umgeschaut und stellt ein paar Vorgehensweisen vor.

6. Der Audiomitschnitt zum SPIEGEL-Interview mit Morrissey
(spiegel.de)
Der britische Sänger Morrissey behauptet auf Facebook, dass er seine kontroversen Äußerungen im „Spiegel“-Interview so nie gemacht hat. Es geht dabei unter anderem um Aussagen zu Trump, den Brexit und die #MeToo-Debatte. Der „Spiegel“ hat daraufhin das Gespräch online gestellt, „auch, wenn es aus unserer Sicht selbstverständlich ist, dass im SPIEGEL veröffentlichte Interviews keine falsch oder irreführend wiedergegebenen Zitate enthalten.“

Distanzloser Sportjournalist, Kampf der Fußkranken, Wahlhelfer Facebook

1. Der distanzlose Sportjournalist
(taz.de, Jürn Kruse)
Ein Sportmoderator eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders richtet ein Sportevent aus, über das er oder sein Arbeitgeber später eventuell berichten wird. Diese Entwicklung zeichnet sich gerade beim MDR ab. Jürn Kruse kommentiert: „Fassen wir zusammen: Einer der bekanntesten Moderatoren des MDR, der regelmäßig über Wintersport berichtet, lernt bei dem Verband, über den er doch kritisch berichten soll, wie man ein solches Event organisiert, macht das dann — und beim MDR finden das die EntscheiderInnen völlig okay.“ Weiterer Lesetipp: „Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter“ („Deutschlandfunk“).

2. Facebook als mächtiger Helfer
(faktenfinder.tagesschau.de, Max Muth)
In Zukunft werden Wahlkämpfe verstärkt digital stattfinden. Eine immer wichtiger werdende Rolle spielt dabei Facebook. Spezialisierte Firmen helfen den Parteien bei der Gestaltung ihrer Kampagnen. Dabei geht es um „Lookalike Audiences“, „Microtargeting“ und umstrittene Werbeformen wie die „Dark Ads“.

3. Mit weniger Wortanteil den Journalismus retten
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kommentiert das Gerangel von Öffentlich-Rechtlichen und Verlagen um Wortanteile und Leistungsschutzrecht: „Verlage und öffentlich-rechtliche Sender, zwei, bei denen es in den kommenden Jahren vor allem um Existenzgrundlagen und Legitimationsdebatten gehen wird — ausgerechnet die zwei also spielen Kleinkrieg gegeneinander, anstatt darüber nachzudenken, dass sie sich möglicherweise gemeinsam gegen ganz andere Bedrohungen wappnen müssten“. Weiterer Lesetipp: „‚Ich wollte nicht warten, bis der WDR verklagt wird'“ („Deutschlandfunk“).

4. Weltkarte und Schaukelstuhl
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Über Jahrzehnte versorgte der Filmhändler Leo Kirch die Fernsehsender mit Inhalten und baute damit ein Medienimperium auf. Doch auf den rasanten Aufstieg folgte der jähe Absturz. Der heute Abend ausgestrahlte Film (ZDF, 22:45 Uhr) geht dem Phänomen Leo Kirch nach und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen. Caspar Busse findet es bemerkenswert, dass gerade das ZDF diese Dokumentation zeigt. Mit dem öffentlich-rechtlichen Sender habe der eigentliche Aufstieg Kirchs begonnen: „Er kam „wie ein fahrender Händler“ und verkaufte den Mainzern das, was die so dringend brauchten: Filme und Serien. Die Abhängigkeit war hoch, zeitweise stammte ein Drittel des ZDF-Programms aus dem Hause Kirch, der daran wiederum sehr, sehr gut verdiente.“

5. Journalismus direkt vom Erzeuger
(journalist-magazin.de, Kathi Preppner)
Das Projekt „RiffReporter“ will freien Journalistinnen und Journalisten eine Publikationsplattform für ihre Inhalte bieten, samt Community und Erlösmodell. Die Finanzierung soll über eine Umsatzbeteiligung sowie über private und institutionelle Förderer erfolgen. Die Gründer haben dafür den „#Netzwende-Award“ erhalten, einen Medienpreis, der von „Vocer“ in Kooperation mit dem „Spiegel“, der August-Schwingenstein-Stiftung, der Rudolf-Augstein-Stiftung und der „Zeit“-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius verliehen wird.

6. Das waren die erfolgreichsten Instagram-Werbeposts im November
(horizont.net, Katharina Brecht)
„Horizont“ hat 50.000 deutsche Instagramkanäle auf Werbe-Postings durchsuchen lassen und die ermittelten Werbe-Posts ausgewertet. Die Rangliste zeigt, wie wichtig der Einsatz von zufällig eingestreuten Emojis ist und bietet einen guten Überblick über den derzeitigen Stand in Sachen photoshopgestützte Bildmanipulation in der Porträtfotografie.

Yücel-Post, Vorauseilende Einschüchterung, Seelenkraft

1. „Wir sind ja nicht in einer lustigen Netflix-Serie“
(welt.de, Deniz Yücel)
Seit 300 Tagen sitzt der Journalist Deniz Yücel nun bereits ohne Anklage in einem türkischen Gefängnis. In einem offenen Brief schildert er seinen Alltag und die Umstände seiner Haft. Post erreicht ihn sporadisch, wenn sie die anstaltseigene „Brief-Lese-Kommission“ an ihn weiterleitet. Da Yücel seinen Briefschreibern nicht direkt antworten kann, ist sein Bericht eine Art Sammelantwort geworden, voller Witz, Charme und Liebenswürdigkeit. Weiterer Lesetipp: „Mehr als 200 Prominente fordern Freiheit für Deniz Yücel“ („SZ“).

2. Vorauseilende Einschüchterung
(journalist-magazin.de)
Noch während der Recherche des „Mindener Tageblatts“ über einen Streit zwischen den Mietern einer Wohnungssiedlung und einer Immobilienfirma, trudelte ein „presserechtliches Informationsschreiben“ des Anwalts der Immobilienfirma ein. Derlei Einschüchterungsversuche seien kein Einzelfall, so Anja Westheuser, Justiziarin beim Hamburger Landesverband des „Deutschen Journalisten-Verbands“. Sie rät davon ab, als juristischer Laie selbst auf solche Schreiben zu reagieren.

3. Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs)
„Bei allzu begeisterten Sportjournalisten sprechen Kritiker gerne von Fans, die es hinter die Absperrungen geschafft haben. Bei René Kindermann lässt sich ergänzen: Er baut diese Absperrungen nun sogar selbst auf.“ Daniel Bouhs berichtet über einen geschäftstüchtigen Sportjournalisten, der gleichzeitig Sportveranstalter ist, und stellt die Fragen nach der Grenzziehung.

4. Traumberuf Antexter: Mann nimmt Buch aus Regal
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff beschäftigt sich in seiner Kolumne mit den sogenannten Antextbildern. Er kann auf entsprechende Praxiserfahrung zurückgreifen und stand selbst schon im Mittelpunkt eines Antextbilds. Einst war ein Kamerateam bei ihm zu Gast und der Autor des Fernsehbeitrags wünschte sich eine entsprechende Inszenierung: „Er meinte, ich sollte doch nicht nur lesen, sondern auch mal umblättern. Sensationell. Ich tat wie mir befohlen und blätterte um. Ich stellte mir vor, dass ich möglicherweise später mal in Geschichtsbüchern verzeichnet werde, als erster „Mann blättert Zeitung um“-Protagonist. Leider schaffte es mein Umblättern aber dann doch nicht in den fertigen Beitrag.“

5. Medienhäuser in der digitalen Unterwelt
(nzz.ch, Stefan Mey)
Das Darknet genießt einen eher zweifelhaften Ruf, denn es wird auch als Handelsplatz für Drogen und Waffen genutzt oder dient zur Anbahnung anderer krimineller Aktivitäten. Doch es kann auch andere Gründe geben, sich auf die andere Seite des Internets zu begeben, zum Beispiel um Zensur zu umgehen oder zum Schutz vor Überwachung. Nun ist auch die „New York Times“ im Darknet erreichbar. Ein kleiner Schritt für die Zeitung, jedoch ein Meilenstein fürs Darknet, wie Stefan Mey auf nzz.ch findet.

6. Kolumnen, angetrieben von der nie versiegenden Seelenkraft
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier liest gelegentlich die „Bild“-Kolumne von Peter Bachér, dem mittlerweile 90-jährigen ehemaligen Chefredakteur von „Bild am Sonntag“ und „Hörzu“. Dabei ist Niggemeier etwas aufgefallen, was er nur durch viel Seelenkraft bewältigen konnte.

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Eingeknickt, Briefmarken für Dummies, Endlosschleife

1. Weniger Text, mehr Bild
(taz.de, Daniel Bouhs)
ZDF und WDR haben offenbar auf die Kritik des Verleger-Chefs Mathias Döpfner reagiert und schränken den Textanteil auf ihren Startseiten ein. Daniel Bouhs wirft einen Blick auf das Thema, bei dem sich ein immer deutlicherer Riss durch die Öffentlich-Rechtlichen zeige — zwischen Textanhängern und Textvermeidern. Im Frühjahr könnte es zu einem neuerlichen Showdown kommen. Dann wollen die Ministerpräsidenten neue Spielregeln beschließen.

2. Der Facebook-Jahresrückblick 2017
(de.newsroom.fb.com)
Facebook betrachtet in seinem Jahresrückblick die „Momente des Jahres, die Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt bewegt und bei denen sie sich gegenseitig unterstützt haben“. Diese Momente zeichnen sich durch eine recht unterschiedliche inhaltliche Tiefe aus: Auf den ersten drei Plätzen rangieren der G20-Gipfel, der Tod von „Linkin Park“-Sänger Chester Bennington und das Programmupdate für „Final Fantasy XV“ … Ein weiterer Teil des Jahresrückblicks: der sogenannte „Safety Check“ und Spendenaktionen.

3. Wir brauchen eine Algorithmen-Ethik – Interview mit Konrad Lischka
(dirkvongehlen.de)
Konrad Lischka beschäftigt sich im Projekt „Algorithmenethik“ mit den gesellschaftlichen Folgen algorithmischer Entscheidungsfindung. Im Mailinterview mit Dirk von Gehlen spricht er darüber, ob Algorithmen gut oder böse sind, woher das schlechte Image rührt und warum wir eine Ethik für Algorithmen brauchen.

4. BILD-Zeitung: Geschäft mit Briefmarken für Dummies
(spiesser-alfons.de)
„Spießer Alfons“ ist über eine „Bild“-Aktion gestolpert. Das Blatt bietet seinen Lesern unter der Überschrift „Anpfiff für das Briefmarken-Wunder von Bern“ 11.111 „exklusive“ Briefmarkenbögen an. Die Exklusivität ist jedoch relativ, denn jeder kann sich derlei Privatdrucke von der Post herstellen lassen. Außerdem ist der Spaß nicht billig: Für den Gesamtportowert von 7,70 Euro seien 24,99 Euro für die „Bild“-Version fällig.

5. Stille Post
(sueddeutsche.de, Julian Hans)
In Russland lastet auf den traditionellen Medien ein großer Druck. Julian Hans berichtet auf Süddeutsche.de von einer alternativen, aber nicht unumstrittenen Informationsquelle: Dem Messengerdienst „Telegram“. Das Whatsapp-ähnliche Programm bietet Kanäle, über die Nachrichten, Gerüchte und Falschmeldungen verbreitet werden. Der riesige Erfolg der Chat-Nachrichten sei nicht verwunderlich: Je stärker die traditionellen und inzwischen auch die Sozialen Medien in Russland unter Druck geraten, desto beliebter würden derlei Schlupflöcher.

6. 600.000 Gefangene
(couchblog.de, Nico Brünjes)
Nico Brünjes fragt sich in der heutigen Ausgabe des „Rantventskalenders“, wie es sein kann, dass sich immer noch 600.000 Leute in der virtuellen Parallelwelt von „Second Life“ tummeln: „Man muss sich natürlich ernsthaft fragen: was machen die da? Möglicherweise ist dort ja die Zeit stehen geblieben, Trump, Klimawandel, Koalitionsverhandlungen, alles kein Thema in Second Life. Nur 600.000 Leute die sich gegenseitig dabei stalken, wie sie in einer Endlosschleife gegen einen virtuellen Laternenpfahl laufen.“

Landesmedienanstaltentum, G20-Hilfspolizei, EU-Video-Verfügbarkeit

1. G20: Polizei will Aufnahmen von Journalisten
(ndr.de, Robert Bongen & Caroline Schmidt)
Die Hamburger Polizei hat zahlreiche Medienhäuser darum gebeten, ihr bisher nicht veröffentlichtes Bildmaterial rund um die G20-Ausschreitungen zur Verfügung zu stellen. Man wolle Beweismittel sichten und Straftäter identifizieren. Nach „Zapp“-Informationen seien mehrere Medien der Bitte offenbar nachgekommen. Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bezeichnet das Vorgehen der Hamburger Polizei als nicht gerechtfertigt: „Es gilt zuallererst das Redaktionsgeheimnis, es gilt zuallererst, die Presse- und Meinungsfreiheit zu schützen. Das ist gesetzlich verankert. Man kann nicht von den Medien verlangen, eine Art Hilfspolizist zu werden.“

2. Peinliche Medienaufseher
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier widmet sich der Causa Marc Jan Eumann (SPD). Der ehemalige Staatssekretär in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen ist nicht nur unter fragwürdigen Umständen zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt LMK gewählt worden, sondern hat auch ein denkwürdiges Interview im „Deutschlandfunk“ gegeben. Darin hat er Interviewerin Isabelle Klein belehrt, sie möge ihm gefälligst zu seiner Wahl gratulieren. Auf kritische Fragen reagierte der Mann, der demnächst landesweit für eine bessere Medienkompetenz sorgen soll, wie auf eine Majestätsbeleidigung. Stefan Niggemeier ordnet die Personalie ein: „Die ganze Geschichte wirkt wie eine große Versuchsanordnung, die nur einem Zweck dient: den Irrsinn des Landesmedienanstaltentums in Deutschland zu demonstrieren. Mit sämtlichen Zutaten: überforderte Chefs, Parteienklüngel, Regionalklüngel, föderales Chaos.“

3. Dieses Video könnte in Ihrem Land verfügbar sein
(sueddeutsche.de, Thomas Kirchner)
Die EU modernisiert ihr Urheberrecht. Dazu gehört auch die Frage, ob Medieninhalte grenzüberschreitend online konsumierbar sein müssen, also ob zum Beispiel ein Deutscher in Italien Zugriff auf die ARD-Mediathek haben muss. Bei dem hochemotional ausgefochtenen Streit um die Ausgestaltung des Gesetzes geht es auch ums liebe Geld: Die Filmindustrie sieht sich bedroht, wenn entsprechende Länderlizenzen entfallen. Thomas Kirchner erklärt die unterschiedlichen Positionen des Streits, der nächste Woche auf einen neuen Höhepunkt zuläuft.

4. Twitter-Berichterstattung: Schäubles Haltung im Vergleich völlig antiquiert
(netzpolitik.org, Arne Cypionka)
Vor zwei Wochen teilte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble den Abgeordneten mit, dass Twitter im Plenarsaal unerwünscht sei. Die Regel sorgte für Unverständnis und Spott, auch weil Schäuble selbst schon beim heimlichen Sudokuspielen erwischt worden war. Netzpolitik.org hat recherchiert, wie die Landesparlamente und das Europaparlament mit dem Thema umgehen, und die Ergebnisse in einer interaktiven Karte dargestellt. In den meisten Landtagen sei es kein Problem, Laptops zu nutzen oder Zeitungen zu lesen.

5. Aktivistinnen statt Trump
(taz.de, Sibel Schick)
Das amerikanische „Time Magazine“ hat die Frauen und Männer hinter #MeToo zur „Person of the Year“ erklärt. Die Wahl sei ein stärkendes Zeichen für alle Überlebenden sexualisierter Gewalt, so Sibel Schick in der „taz“. Dennoch bleibe ein unangenehmer Beigeschmack, denn letztes Jahr habe ausgerechnet Donald Trump als Preisträger das Cover geschmückt. „Wer weiß, #MeToo mag gerade Stimmung sein, nächstes Jahr ist wieder ein Macho dran. Man sollte sich nicht allein auf die Anerkennung der Großen verlassen.“

6. Dieser 26-Jährige Affiliate baut seit zehn Jahren Facebook-Pages – Das sind seine Learnings
(omr.com, Torben Lux)
Der 26-jährige Markus David König hat vor ein paar Jahren die Schule geschmissen und beschäftigt sich seitdem hauptberuflich mit der Vermarktung seiner diversen Facebookseiten. Im Gespräch mit „OMR“ erzählt König, wie er Seiten mit Hunderttausenden Fans aus Indien gekauft hat, dass in der Folge sein gesamtes Portfolio gesperrt wurde, und mit welchen Mitteln er seine rund zwei Millionen Fans heute monetarisiert.

Klüngel-Glückwünsche, Symmetrische Reaktionen, „Einfaches“ Leben

1. Wo man sich lieb hat
(taz.de, Jürn Kruse & Peter Weissenburger)
Dem Anwalt für Urheber- und Medienrecht Markus Kompa ist es mitzuverdanken, dass die Klüngelposse um die „Wahl“ des SPD-Politikers Marc Jan Eumann zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt bekannter wurde: Kompa hatte sich per Videobewerbung zu Wort gemeldet, seine Bewerbung blieb jedoch — erwartungsgemäß — unberücksichtigt.
Weiterer Lesetipp: In einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ möchte der frisch geklüngelte Eumann, dass ihm Interviewerin Isabelle Klein gefälligst erstmal zur Wahl gratuliert, anstatt kritische Fragen zu stellen. Woran sich Stefan Niggemeier natürlich augenblicklich hält. Daniel Fiene wünscht sich Glückwünsche als Sprachnachrichten, die er am Donnerstag in seiner Sendung „Was mit Medien“ (20 Uhr, „Deutschlandfunk Nova“) an den glücklichen Klüngelsieger übermitteln will.

2. „Wenn alles gut geht, starten wir mit einer Rakete“
(journalist-magazin.de, Catalina Schröder)
Kein anderes Crowdfunding-Projekt im Journalismus konnte jemals so viel Geld einsammeln wie das von Constantin Seibt initiierte Schweizer Onlinemagazin „Republik“. Am 15. Januar 2018 startet das mit vielen Erwartungen und 7,5 Millionen Schweizer Franken versehene Digitalprojekt. Textchef Ariel Hauptmeier erzählt, wie es kurz vor dem Start in der Redaktion zugeht und was den Leser am ersten Tag erwartet: „‚Wenn alles gut geht, starten wir mit einer geheimnisvollen Kiste — und mit einer Rakete.'“

3. Wer ist „ausländischer Agent“?
(faktenfinder.tagesschau.de, Silvia Stöber)
Die vom russischen Staat finanzierten Auslandsmedien „RT“ und „Sputnik“ haben sich in den USA auf Weisung der US-Regierung als „ausländische Agenten“ registrieren lassen. Die Retourkutsche, pardon „symmetrische Reaktion“ folgte prompt: Russland stufte seinerseits neun US-Medien als „ausländische Agenten“ ein, darunter „Voice of America“ und „Radio Free Europe/Radio Liberty“. Silvia Stöber erklärt im „Faktenfinder“, welch unterschiedliche Auswirkungen die Regelungen haben.
Weiterer Lesetipp: „Reporter ohne Grenzen“ mit „Russland erklärt US-Auslandssender zu ‚Agenten'“

4. Social-Media-Trends 2018: Das wird nächstes Jahr wichtig
(t3n.de, Cornelia Dlugos)
Welche Social-Media-Trends werden das Jahr 2018 bestimmen? Cornelia Dlugos wagt für „t3n“ einen Blick in die Kristallkugel. Die Online-Marketing-Redakteurin prognostiziert einen besseren Kundenservice durch Chatbots und sieht einen wachsenden Schwerpunkt bei temporären Inhalten sowie Augmented Reality, Live Streaming und Video-Inhalten.

5. Jugendliche erkennen Native Advertising nicht als Werbung
(medienwoche.ch, Dominique Zeier & Céline Külling)
Eine Befragung von Schweizer Schülern hat ergeben, dass Jugendliche schlecht zwischen redaktionellen Inhalten und Journalismus-ähnlichen Werbeformaten wie Native Advertising unterscheiden können. In der Studie konnten nur 40 Prozent den Unterschied zwischen journalistischen und gesponserten Beiträgen erkennen. Das liege nach Aussagen eines Medienpsychologen daran, dass Jugendliche noch nicht über dieselben kognitiven Kompetenzen zu analytischem Hinterfragen verfügen wie Erwachsene. Die Autorinnen appellieren an die Verantwortung der Medien: „Das Bewusstsein, dass Jugendliche leichter hinters Licht zu führen sind, darf nicht ausgenützt werden — im Gegenteil. Verlage täten gut daran, Werbeformate offensiver und unmissverständlich — und vor allem: einheitlich, zu deklarieren.“

6. Das „einfache Leben“ bleibt ein Leben in der Komfortzone
(sueddeutsche.de. Silke Burmester)
Aktuellen Frauenzeitschriften gelinge eine Umdeutung, wie sie nur der Kapitalismus ausbrüten könne, findet Silke Burmester: Der Weg zum Weniger führe über das Mehr: „Das ‚einfache Leben‘ bleibt ein Leben in der Komfortzone. Es ist ein neuer, aufs Private und Häusliche ausgerichteter Lifestyle einer satten Wohlstandsgesellschaft. Wirklichen Verzicht will hier keiner. Es sind Brot und Spiele für eine Generation von Frauen, die gegen die Umstände ihrer Erschöpfung, den Verursacher der Überforderung nicht rebelliert.“

Kein Nikoloverbot, „Forbidden Stories“, Rheinland-Pfalz-Klüngel

1. Zehn Festnahmen im Mordfall Galizia
(taz.de)
Wenige Wochen nach dem Mord an der Investigativreporterin Daphne Caruana Galizia in Malta wurden bei Razzien zehn Verdächtige festgenommen. Caruana Galizia hatte unter anderem zu Korruption, Geldwäsche und Briefkastenfirmen recherchiert und sich zwei Wochen vor ihrer Ermordung wegen Todesdrohungen an die Polizei gewandt. Im vergangenen Jahr hatte die Reporterin im Rahmen der „Panama Papers“ enthüllt, dass Mitarbeiter des maltesischen Premierministers Offshorekonten eröffnet hätten, was vom Premierminister als Lüge zurückgewiesen worden war.

2. Verbotene Geschichten
(tagesspiegel.de, Felix Hackenbruch)
Bei „Forbidden Stories“ geht es darum, die Recherchen getöteter und inhaftierter Journalisten fortzusetzen. „Wir möchten die Geschichten am Leben erhalten und sicherstellen, dass so viele Menschen wie möglich Zugang zu unabhängigen Information haben“, so der Initiator und Gründer der Plattform „Freedom Voices“, der sich für das Projekt unter anderem mit den „Reportern ohne Grenzen“ zusammengetan hat. Einen ersten Erfolg hätten die „Forbidden Storys“ bereits verzeichnen können: Nach dem Tod eines mexikanischen Enthüllungsjournalisten konnte nachgewiesen werden, dass ein Politiker Verbindungen zu einem Drogenboss unterhielt.

3. Handyverbot: möglich, aber aufwendig
(omr.com, Martin W. Huff)
Kann ein Vorsitzender Richter das Twittern aus dem Gerichtssaal verbieten wie er auch das Telefonieren untersagen kann? Ohne Begründung dürfte das rechtlich kaum möglich sein, führt Rechtsanwalt Martin W. Huff aus: „Gerichtsverhandlungen sind öffentlich. Der Zugang zum Saal muss ebenso jederzeit möglich sein wie das Verlassen eben jenes. Jeder Zuschauer kann und darf also den Saal verlassen und draußen erzählen, was drinnen passiert ist. Er kann dazu Stellung nehmen und seine Einschätzung wiedergeben. Wer nun aus dem Saal mittels eines zugelassenen Geräts Meldungen schreibt, tut nichts anderes. Er benimmt sich nur unauffälliger und leiser, als wenn er den Saal verließe. Einen anderen Charakter hat sein Verhalten nicht.“

4. Brauchtum: Die Legende vom Nikolo-Verbot
(kurier.at, Katharina Zach)
Fast gewohnheitsmäßig tauchen in Österreich kurz vor dem 6. Dezember Meldungen über ein angebliches „Nikolo-Verbot“ in Kindergärten auf. Diese gehen wohl auf eine falsch interpretierte Meldung zurück, nach der auf Fremde als Nikolaus-Darsteller verzichtet werden solle, damit Kinder der Figur ohne Angst begegnen können. Verkürzt wurde daraus dann das angebliche „Nikolo-Verbot“.
Weiterer Lesehinweis: Die Meldung der Stadt Wien, die einen Bericht in der Tageszeitung „Österreich“ als „vollständig falsch“ bezeichnet: „Entgegen eines heutigen Berichts in der Tageszeitung „Österreich“ sind Nikolo und Christkind nicht nur prinzipiell an Wiens Schulen willkommen und somit Teil des schulischen Alltags, sondern stimmen die im Bericht genannten Vorwürfe gegenüber einer Schule in Wien-Floridsdorf ausnahmslos nicht.“

5. „Beim Wort ‚Muslime‘ geht das Kopfkino an“
(mediendienst-integration.de, Daniel Bax)
Wird sich der Anteil der Muslime an der deutschen Bevölkerung aufgrund von Einwanderung und höherer Geburtenrate bis zum Jahr 2050 verdoppeln, wie es das „Pew Research Center“ vorausgesagt hat? Im Interview mit dem „Mediendienst Integration“ erklärt die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus, was von diesen Prognosen zu halten ist, welche Reaktionen sie hervorrufen und worauf wir uns tatsächlich einstellen sollten.

6. Neues aus der Anstalt: Rettet Rechtsanwalt Rechtsstaat Rheinland-Pfalz?
(kanzleikompa.de)
Für den Chefposten der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt soll unter konspirativen Umständen ein Ex-Staatssekretär der SPD ausgekungelt worden sein. Rechtsanwalt Markus Kompa kritisiert das Verfahren, das er als „pseudodemokratische Ritual“ bezeichnet: „Diese Wahlvorbereitung ohne Ausschreiben oder sonstig transparentes Verfahren scheint mir eine originelle Interpretation des eigentlich auch in Rheinland-Pfalz geltenden Art. 33 Abs. 2 GG zu sein, der bei Besetzung von Staatsämtern eigentlich den Leistungs- und Wettbewerbsgedanken vorsieht.“ In einer ironischen Videobotschaft bewirbt sich Kompa nun seinerseits um das Amt. Update: Der ausgekungelte SPD-Politiker wurde tatsächlich gewählt, wenn auch sehr knapp, wie Michael Hanfeld in der „FAZ“ berichtet.

Einzelhaft beendet, Döner für den Ombudsmann, blaue Schlammlawinen

1. Deniz Yücel ist nicht mehr in Einzelhaft
(welt.de, Daniel-Dylan Böhmer)
Gute Nachrichten aus der Türkei: Deniz Yücel befindet sich zwar immer noch in Haft, ist jedoch in eine Zelle verlegt worden, die über einen kleinen Innenhof mit zwei anderen Zellen verbunden ist. Nach 290 Tagen Einzelhaft ist ihm damit zumindest der Kontakt zu einem Mitgefangenen möglich, dem Journalisten Oguz Usluer, der für die türkische Tageszeitung „Habertürk“ gearbeitet hat. Nach wie vor freut sich Yücel über Post, die zur Übersetzung ins Türkische an die „Welt“ gesendet werden kann.

2. EU-Wahnsinn: Brüssel verbietet uns den Döner! Nicht.
(blogs.deutschlandfunk.de, Thomas Otto)
Droht dem Döner wirklich das Aus, wie es „Bild“ behauptete? Natürlich nicht, wie Thomas Otto im Blog des „Deutschlandfunks“ erklärt und süffisant den Gang zum „Bild“-Ombudsmann empfiehlt: „Für die Kritik am Artikel von Dirk Hoeren und Kollegen sollte Ombudsmann Ernst Elitz doch ein offenes Ohr haben. Immerhin kennt er sich mit gut recherchierter und ausgewogener Berichterstattung aus — war er doch der erste Intendant des Deutschlandradios.“

3. Blaue Schlammlawinen gegen Journalistinnen
(kurier.at, Philipp Wilhelmer)
„Ich wünsche Ihnen, dass Sie von einem Afghanen vergewaltigt werden.“ Derartige Freundlichkeiten bekommt Corinna Milborn, Moderatorin und Infochefin des österreichischen Privatfernsehsenders „Puls4“, zu lesen, wenn jemand wie der FPÖ-Politiker Heinz-Christian „HC“ Strache auf seinem Facebook-Profil Stimmung gegen sie gemacht hat. Vor jedem Interview mit einem FPÖ-Politiker seien deshalb entsprechende Maßnahmen notwendig, so Milborn: „Ich weiß, ich muss mein persönliches Facebookprofil vorübergehend sperren und darauf achtgeben, dass meine Kinder nicht darauf schauen. Außerdem muss die Online-Redaktion des Senders besetzt sein, um strafrechtlich Relevantes auf der eigenen Seite sofort zu löschen.“

4. Zur Berichterstattung über das chinesische Sozialkreditsystem in der deutschen Presse am Beispiel der Kinderplattform „bento“.
(facebook.com, Christian Y. Schmidt)
Christian Y. Schmidt kritisiert einen „bento“-Artikel über das chinesische Sozialkreditsystem: „Ich habe diesen Text ausgewählt, weil es so wie hier inzwischen in vielen China-Texten zugeht. Leute, die wahrscheinlich noch nie oder sehr kurz in China waren und nichts über den Kontext wissen, setzen stark eingefärbte Nachrichten in die Welt, die sie aus zweiter oder dritter Hand haben. Die Summe dieser Artikel und Berichte ergibt dann das China-Bild in den deutschen Köpfen.“

5. The Final Countdown
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Nach sieben Jahren im Bezahlfernsehen will der Musiksender „MTV“ ins Free-TV zurückkehren. Hans Hoff erzählt nochmal von den guten Zeiten des Senders, in denen sich Talente wie Christian Ulmen oder Joko und Klaas austoben konnten und aus der Improvisation heraus der typische „MTV“-Stil entstand: „Waren etwa Wackelkameras bei MTV anfangs nur Zeugnis einer unzulänglichen technischen Ausstattung, avancierten sie rasch zu einem bewusst eingesetzten Stilmittel. Und weil der Platz in den Studios nicht reichte, mietete man nebenan eine Wohnung an, die aber nur mit einer Kamera zu erfassen war, die Bilder aus einer Art Froschaugenperspektive lieferte.“ Trotz aller Nostalgie bleibt Hoff skeptisch, was die Rückkehr des Musiksenders anbelangt.

6. Das Antidepressivum der Berliner Eliten
(tagesspiegel.de, Torsten Körner)
Der Dokumentarfilmer und Schriftsteller Torsten Körner war mit 2300 anderen Gästen beim 66. Bundespresseball, der von der „Bundespressekonferenz“ veranstaltet wird, der Vereinigung der deutschen Parlamentskorrespondenten. Wer sich etwas Zeit für das Lesestück nimmt, bekommt schöne Bilder einer Ballnacht und ihr Ende in den Morgenstunden geliefert: „Der vielfältige Möglichkeitsraum ist plötzlich ein Schrumpfpalast, die letzten Gäste wirken wie gerupfte Nachtträumer. Eben noch ertrank man in Gesichtern, plötzlich erscheinen alle gesichtslos. Eben noch dachte man, hier beginnt ein Roman, jetzt zerfließt alles zu Impressionspfützen, dünnhäutigen Sätzen.“

7. Mich widert es einfach nur an, dieses dämliche Möchtegern-Befreiungs-Gesülze von Frauen, denen angeblich der Gang ins Bordell angenehmer erschien als der Gang in die böse, weil männderdominierte Uni.
(facebook.com, Lorenz Meyer)
Außer der Reihe ein Link zu einem Rant des „6vor9“-Kurators über „pseudo-aufklärerische Ego-Artikel, die einige richtige Dinge über Prostitution sagen, aber eben auch viel Mist erzählen und Wichtiges weglassen.“ Verbunden mit einem Appell: „Nein, liebe Medien, verschont uns mit dieser Literaturgattung, die an eine mit allerlei Gesellschaftstrallala und persönlichem Betroffenheitsgesäusel aufgemotzte Version der Julia-Roberts-Schmonzette „Pretty Woman“ erinnert. Nur heimtückischer, denn dort wussten wir wenigstens sofort, dass es Stuss ist.“

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