Archiv für 6 vor 9

Hedi Wyler, Krippenspiel, Pegida

1. „‘Das Volk hat gesagt nein zu Einwanderung und Pasta'“
(woz.ch, Carlos Hanimann)
Eine Leserin bittet darum, herauszufinden, wer hinter dem Pseudonym „Hedi Wyler“ steckt, denn unter diesem Namen werden auf Schweizer Online-Portalen viele Leserkommentare veröffentlicht – „Kommentare voller Wut, manchmal (unfreiwillig?) zum Schreien komisch“. Es stellt sich heraus: „Hedi Wyler ist ein Mann Mitte vierzig. Historiker und Lehrer in leitender Funktion. Familienvater.“

2. „Krone macht traumatisierte Mutter zur ‘tobenden Türkin'“
(kobuk.at, Sara Hassan)
Ein Krippenspiel an einer Schule in Wien sei, so stellt es die „Kronen Zeitung“ dar, „von einer tobsüchtigen Türkin“ überschattet worden. Saran Hassan schreibt: „Die Frau ‘platzte’ nicht in die Vorbereitungen des besinnlichen Krippenspiel: Sie war schlichtweg eingeladen – wie alle anderen Eltern und Großeltern auch. Warum die Frau einen Nervenzusammenbruch hatte, erwähnt die ‘Krone’ mit keinem Wort.“

3. „‘Wort im Mund umdrehen'“
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber befragt Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach zum Bündnis Pegida: „Wir haben inzwischen neben der Politikverdrossenheit auch eine Medienverdrossenheit. Deren Ursachen sind vielfältig, aber eine besteht sicherlich darin, dass es den Medien oft nicht gelingt und es auch nicht beabsichtigt ist, über die Themen zu berichten, die den Normalbürger interessieren. Der Normalbürger ist oft nicht so, wie ihn sich eine intellektuelle Elite wünscht. Ihn, seine Sorgen und Einstellungen dann aber aus der Berichterstattung auszugrenzen, ist auch kein Weg.“

4. „Kontaktversuch: ‘Lügenpresse’ trifft Pegida“
(daserste.ndr.de, Video, 6:59 Minuten)
„Panorama“ besucht eine Pegida-Demonstration in Dresden: „Viele Teilnehmer eint die Ablehnung der etablierten Medien – mehrfach gab es auch von Seiten der Veranstalter die Aufforderung, nicht mit diesen zu sprechen, der Schlachtruf ‘Lügenpresse’ ist in Dresden immer wieder zu hören. Die Medien würden die Aussagen der Teilnehmer ohnehin nur manipulieren, verdrehen oder gar nicht erst senden.“ Um dem Vorwurf entgegenzuwirken, „die Aussagen würden sinnentstellend geschnitten oder bösartig verkürzt“, werden die Interviews zusätzlich in voller Länge online gestellt (Teil 1 / Teil 2).

5. „‘Was Journalisten machen, können Bürger auch'“
(zeit.de, Annika von Taube)
Annika von Taube spricht mit Daniel Drepper über ein „Crowdfunding-Projekt zur Förderung von Recherchen, das auch Nichtjournalisten offen steht“: „Ich finde es erschreckend zu sehen, wie viel Skepsis, sogar Hass den Journalisten in den letzten Monaten gerade im Zusammenhang mit der Berichterstattung zur Ukraine oder Syrien entgegengeschlagen ist, und was für einen Anklang ein Buch bekommen kann, das zum Teil abstruse Theorien verbreitet und alles über einen Kamm schert. Ich glaube, es wird eine große Aufgabe für die Medien in den nächsten Jahren, dieser öffentlichen Kritik zu begegnen und sie auszuräumen.“

6. „Der Kriegsfreiwillige“
(campus.nzz.ch, Robin Schwarzenbach)
Ein Interview mit Kriegsreporter Kurt Pelda, dem kürzlich mitgeteilt wurde, „dass man von Freischaffenden aus Krisenregionen nichts mehr nehmen könne, auch aus Gründen der Sorgfaltspflicht“. Die NZZ habe er nicht zuletzt wegen fehlender Freiheiten verlassen: „Als man mir ganz am Ende meiner Zeit wegen Sicherheitsbedenken verboten hatte, nach Papua zu fahren, bin ich trotzdem gegangen. Der Artikel ist dann im ‘Economist’ erschienen. Das war eine schöne Genugtuung für mich.“

Whistleblower, Informer, Dieter Nuhr

1. „Medienkritik: Reaktionen aus den Redaktionen“
(ndr.de, Video, 3:09 Minuten)
„Zapp“ konfrontiert Bernd Ulrich („Die Zeit“), Ines Pohl („taz“), Heribert Prantl („Süddeutsche Zeitung“) und Kai Gniffke („ARD aktuell“) damit, dass das Vertrauen in ihre Medien gesunken ist. Siehe dazu auch „ZAPP Studie: Vertrauen in Medien ist gesunken“ (ndr.de, Video, 13:40 Minuten).

2. „‘Na, du linksintellektuelle Prostituierte!'“
(stern.de)
Was eine ungenannte Reporterin des „Stern“ an einer Demonstration des Bündnisses Pegida in Dresden erlebte.

3. „Das montenegrinische Blatt fürs Grobe“
(derstandard.at, Adelheid Wölfl)
Eine Kampagne des montenegrinischen Ablegers der serbischen Boulevardzeitung „Informer“: „Während Ćalović also in aller Öffentlichkeit durch die Berichterstattung des Informer verdächtigt wird, Sex mit Hunden gehabt zu haben, tut das Blatt, das die Schmierenkampagne anführt, so, als wäre es um Aufklärung bemüht.“

4. „Die Schlächter müssen lächerlich gemacht werden.“
(planet-interview.de, Jakob Buhre und Laura Bähr)
Ein langes Interview mit Dieter Nuhr: „Ich bin in der alternativen Szene aufgewachsen, da glaubte man als junger Mensch, man hätte die Wahrheit in den Händen und alle, die es anders machen wollen, sind Drecksäcke und moralisch verkommen. Diese Eindeutigkeit, in der man als junger Mensch die Welt interpretiert, die schwindet irgendwann. Und man wird auch dadurch toleranter, dass man weiß, wie viel Scheißdreck man selber schon im Leben geredet hat. Da denkt man sich: Gestehe es den anderen Menschen doch auch zu!“

5. „Ein Weihnachtsmärchen“
(taz.de, Sebastian Heiser)
Auch die „taz“ berichtet über den Mythos eines Weihnachtsmarktverbots in Berlin Kreuzberg (BILDblog berichtete) „Nach Weihnachten 2013 ebbte die Berichterstattung zunächst ab, lange blieb es ruhig. Doch jetzt in der Weihnachtszeit kommt das Thema wieder hoch. Es dreht eine zweite Runde in den Medien – die dabei durchweg die Verdrehung der Islamhasser übernehmen, wonach der Beschluss des Bezirks sich gegen die Weihnachtsfeiern von Christen richtet.“

6. „Schweig, Verräter!“
(arte.tv, Video, 97 Minuten)
Eine Arte-Doku über Whistleblower.

Herzinfarkt, ZDF-Fernsehrat, Christian Nitsche

1. „Zwischen Mittelmeer und Jordan“
(tagesschau.de, Video, 10:47 Minuten)
Richard C. Schneider lädt die Zuschauer ein, aufgrund von Videomaterial zu entscheiden, was in einer Szene, in der ein Mann (gemäß Autopsie) einen Herzinfarkt erleidet, geschehen ist. „Diese Bilder beweisen gar nichts. Sie zeigen unterbrochen bestimmte Ereignisse, die aber noch nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang herstellen müssen.“

2. „Wer Angst sät, will Macht ausüben“
(blog.tagesschau.de, Christian Nitsche)
Christian Nitsche, zweiter Chefredakteur von ARD Aktuell, verteidigt „Angriffe auf Qualitätsmedien“ – eine „geschürte Stimmung des Misstrauens“ zersetze den Diskurs: „Der Nachweis, dass Sachverhalte von oftmals anonymen, gut organisierten Kritikern verdreht und verkürzt werden, entfaltet kaum Wirkung. Eine offenbar angstgesteuerte Wahrnehmung blendet aus, dass eine Kampagne gegen ‘die Medien’ läuft. Das Ziel der Kampagne ist nicht die Stärkung der Demokratie, sie soll vielmehr zu einer Abkehr von Sendern und Zeitungen führen. Im Ergebnis schwächt dies die Demokratie.“

3. „Die Welt des Christian Nitsche“
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig antwortet Nitsche, bei ihm sei offenbar nicht angekommen, dass Kritik „ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft“ sei. Mit seiner „unfassbaren Arroganz“ erreiche er „exakt das Gegenteil“ dessen, was er als notwendig erachte. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der dringender benötigt wird denn je, nimmt mit solchen Personen einen lange Zeit irreversiblen Schaden. Statt mit journalistischer Arbeit verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen, gefällt man sich in der Rolle des selbstgefälligen Alleswissers.“

4. „ZAPP Studie: Vertrauen in Medien ist gesunken“
(ndr.de, Annette Leiterer)
Eine telefonische Umfrage unter 1002 Personen ergibt, dass „63 Prozent der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung deutscher Medien“ haben. „Von diesem Teil der Nutzer empfindet fast jeder Dritte die Berichterstattung als einseitig und 18 Prozent gehen gar von einer bewussten Fehlinformation durch die Medien aus. Das Misstrauen zieht sich dabei quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen, unabhängig von Geschlecht und Wohnort.“

5. „Das Publikum weiss mehr als wir“
(tageswoche.ch, Thom Nagy)
Die „Tageswoche“ fragt beim Publikum nach bezüglich des Vertrauensverlusts in die Medien – und erhält „eine unerwartet grosse Menge von erhellenden Beiträgen“. „Die zahlreichen, ausgesprochen differenziert dargebrachten Voten haben unsere eigene Sicht auf das Thema deutlich erweitert und bilden damit eine hervorragende Ergänzung zu unserer Analyse.“

6. „Die Revolution, die gar keine ist“
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Die Reform des ZDF-Fernsehrats: „In dem künftig von 77 auf 60 Sitze verkleinerten Fernsehrat wird es 20 staatliche Vertreter geben – 16 von den Bundesländern, je zwei vom Bund und den Kommunen. (…) Ob die fürsorgliche Betreuung des Senders durch Rot und Schwarz weitergeht, hängt von der Unabhängigkeit und dem Selbstbewusstsein ab, mit der die künftig 40 Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen antreten, die nun mehr Gewicht haben.“

Sprecherkabine, Meinungsforschung, Task Force Victor

1. „Online-Kommentare: Medien-Sites haben die Diskussions-Funktion nicht verstanden“
(thomasmauch.ch)
Ohne Moderation könne gar keine vernünftige Diskussionskultur entstehen in den Kommentarbereichen der großen Online-Publikationen, findet Thomas Mauch: „Derart sich selbst überlassen wird es für eine Gruppe sehr schwierig, eine für alle gewinnbringende Debattierkultur zu entwickeln.“ Siehe dazu auch „Comments Aren’t Dead. They’re Just Broken.“ (medium.com/@myurow, englisch) und „Instead of killing comments, we should be trying to fix them“ (gigaom.com, Mathew Ingram, englisch).

2. „Task Force Victor: die virale Sondereinheit von Bild.de“
(meedia.de, Alexander Becker)
Alexander Becker stellt die „Viral-Truppe“ von Bild.de vor, die „Task Force Victor“: „Nach eigenen Angaben gelang es der Sondereinheit, den Traffic von Bild.de signifikant zu steigern.“

3. „Für wen lohnt sich eine eigene Sprecherkabine?“
(journalisten-tools.de, Sebastian Brinkmann)
Der freie Journalist Daniel Bouhs hat sich für „rund 5000 Euro plus Umsatzsteuer“ eine Sprecherkabine gekauft. Lohnt sich das? „Ich habe in 2014 rund 60 Beiträge für Radiosender produziert und die Investition zur Hälfte wieder reingeholt.“

4. „Medien lieben Zahlen. Ein Report zum Verhältnis von Journalismus und Demoskopie“
(bpb.de, Gemma Pörzgen)
Gemma Pörzgen schreibt über das Zusammenspiel zwischen dem Journalismus und den Meinungsforschungsunternehmen.

5. „Deutsche Reporter an der Front“
(zdf.de, Video, 43:27 Minuten)
„ZDF History“ beleuchtet deutsche Reporter im Ausland.

6. „BILD und die Blutsverwandtschaft: Der Wortvogel rät Al Pacino zum Vaterschaftstest“
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi beschäftigt sich mit dem Bild.de-Artikel „So gefährlich ist die Tochter des Paten!“.

Jamba, Propaganda, Israel

1. „‘Propaganda': Schlagwort des Jahres 2014″
(zdf.de, Video, 6:11 Minuten)
Ein Bericht über Propaganda im Fernsehen: „25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges müssen wir uns wieder klar machen, was Propaganda eigentlich ist.“

2. „Ken-Jebsen-Stammtisch im ZDF“
(fr-online.de, Katja Thorwarth)
Katja Thorwarth schaut sich die Satiresendung „Die Anstalt“ mit Claus von Wagner und Max Uthoff an: „Schablonenhaftes Schwarz-Weiß-Denken ohne intellektuelle Differenzierung hätte es unter Priol nicht gegeben.“

3. „Die Israel-Story“
(welt.de, Matti Friedman)
Der Journalist Matti Friedman stellt seine Sicht von Journalisten in Israel dar. Es stört ihn insbesondere, dass internationale Organisationen in den Storys der Reporter kaum je auftauchen – obwohl sie aus seiner Sicht „zu den mächtigsten Akteuren“ vor Ort gehören: „Sind sie aufgebläht, ineffektiv, korrupt? Sind sie Teil der Lösung oder des Problems? Wir wissen es nicht, denn Journalisten zitieren sie, statt über sie zu berichten.“

4. „Sprachlust: Auf Deutsch lässt sich viel behaupten“
(infosperber.ch, Daniel Goldstein)
Daniel Goldstein vermisst die klare Erkennbarkeit von Fakten im deutschsprachigen Journalismus: „Angelsächsischen Journalisten wird eingetrichtert, fein säuberlich zwischen Fakten und Äusserungen zu unterscheiden, und so wimmelt es in ihren Berichten von ‘he said’ und ‘she said’. Man könnte das auch auf Deutsch so halten, tut es aber selten. Das liegt nicht an der Sprache, sondern an der journalistischen Kultur: Wertende Kommentare werden zwar auch bei uns im Prinzip abgetrennt, Einordnungen aber baut man gern in die Berichte ein und nimmt dafür in Kauf, dass die reine Nachricht nicht mehr klar erkennbar ist.“

5. „Studie für extrem faule ‘Medienkritiker'“
(plus.google.com, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz hält die Studie „Synchronisation von Nachricht und Werbung“ (siehe „6 vor 9″ vom Freitag) für fragwürdig: „Ich bin absolut nicht in der Lage, Spiegel oder Focus freizusprechen. Aber ich kann die Autoren des Papiers davon freisprechen, irgendeinen Beitrag zu der von ihnen geforderten fundierten Forschung zum Thema geleistet zu haben.“

6. „Zum Zehnjährigen: Jamba Laya“
(spreeblick.com, Johnny Häusler)
Johnny Häusler macht sich Gedanken über seinen Artikel „Jamba Kurs“ vom 12. Dezember 2004: „Speziell den letzten Satz hatte ich in den Monaten nach der Veröffentlichung immer wieder mal bereut, denn ich hatte den Eindruck, dass er als Einladung für die oben beschriebenen Aggressionen gelesen wurde. Für die Dramaturgie des Textes, dem schließlich auch eine Wut innewohnte, war der Satz jedoch wichtig, und so habe ich ihn bis heute nicht gelöscht.“

Migration, Topfhandschuhe, Anzeigen

1. “ Warum ‘Asylant’ ein Killwort ist“
(sueddeutsche.de, Sebastian Gierke)
Sebastian Gierke versucht, der Sprache zum Thema Migration auf den Grund zu gehen. „Wann welcher Begriff semantisch Konjunktur hatte, daran lassen sich Vorurteile ablesen. Dem Türkenproblem in den 1980ern folgte das Asylantenproblem Anfang der 1990er und seit Mitte der 1990er Jahre ist vom Flüchtlingsproblem die Rede. Der Wandel des Vokabulars spiegelt dabei auch Einstellungen wider, die innerhalb der Gesellschaft existieren.“

2. „Irre Brüssel-Bürokraten wollen Topfhandschuhe regulieren!“
(blogs.deutschlandfunk.de/berlinbruessel, Thomas Otto)
Thomas Otto kritisiert die Berichterstattung über eine Richtlinie, die in eine Verordnung umgewandelt werden und in allen EU-Mitgliedsstaaten gelten soll: „Weder bei der öffentlichen Konsultation, noch von Seiten der Hersteller habe es laut Kommission substanzielle Kritik an dem Vorschlag gegeben. Natürlich werden einige Hersteller die Preise anheben müssen, wenn sie ihre Produkte sicherer machen müssen. Aber ist das nicht Sinn von Schutzausrüstung, dass sie schützt?“

3. „Gegen das Leistungsschutzrecht: Europäische Verleger schreiben Brandbrief an Oettinger“
(heise.de, Stefan Krempl)
Presseverleger aus Spanien, Italien, Frankreich und Polen wenden sich in einem Offenen Brief an den EU-Digitalkommissar Günther Oettinger: „Generell stelle das Leistungsschutzrecht einen Rückschritt für eine wettbewerbsstarke und vielfältige Presse dar, heißt es in dem Schreiben. Es sei nicht nur schlecht fürs Internet, sondern auch für den Journalismus.“

4. „Käuflicher Journalismus“
(neues-deutschland.de, Eckart Roloff)
Eckart Roloff stellt die Studie „Synchronisation von Nachricht und Werbung. Wie das Anzeigenaufkommen von Unternehmen mit ihrer Darstellung in Spiegel und Focus korreliert“ (tu-dresden.de, PDF-Datei) von Lutz M. Hagen, Anne Flämig und Anne- Marie In der Au vor: „Als zentrales Ergebnis zeigt sich, dass über Unternehmen sowohl im Spiegel als auch im Focus erstens häufiger, zweitens freundlicher, drittens mit mehr Produktnennungen berichtet wird, je mehr Anzeigen diese Unternehmen schalten.“

5. „Fighting the language fragmentation“
(meshedsociety.com, Martin Weigert, englisch)
Die Reichweite von nicht englischsprachigen Beiträgen ist ziemlich limitiert, stellt Martin Weigert fest: „Everything that is not being expressed in English does not matter on a global scale, is not being seen by others, is not being shared, questioned and re-thought by enough people with different views and experiences. Or, if it matters, it happens with a delay (until the translation and distribution in foreign circles).“

6. „TV-Shows, die die Deutschen nur kopiert haben“
(buzzfeed.com, Philipp Jahner)

NZZ, Folterbericht, Klatsch

1. „Was lange währt, wird endlich sterben“
(lto.de, Thomas Hoeren)
Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger: „Warum kann Politik nicht sagen: ‘Okay, da haben wir einen Fehler gemacht. Den beheben wir und machen alles wieder rückgängig’? Gerade eine solche ehrliche Politik würde bei den Bürgern deutlich besser ankommen. Der Verweis auf Spanien hingegen hilft gar nichts. Dort hat man sich in typisch spanischer Manier für ein weiteres Stück symbolischer Gesetzgebung entschieden, das nicht durchgesetzt werden wird.“

2. „‘Nähe gehört einfach zum Beruf'“
(sueddeutsche.de, Matthias Kohlmaier)
Ein Interview mit Bettina Hennig, die im Klatschjournalimus gearbeitet und ihn auch untersucht hat: „Journalistisch guter Klatsch muss wahr sein, wie jeder andere Journalismus auch.“

3. „Neue Wege: Stiftungsjournalismus“
(ndr.de, Video, 6:11 Minuten)
Stiftungsfinanzierter Journalismus von Pro Publica bis Correctiv sowie die Frage, inwiefern Journalismus als „gemeinnützig“ gelten kann. Siehe dazu auch „Geschafft: Die INA ist jetzt ein e.V.“ (derblindefleck.de).

4. „Editorial: NZZ“
(weltwoche.ch, Roger Köppel)
Roger Köppel schreibt anlässlich des Abgangs von Chefredakteur Markus Spillmann über seine Zeit bei der „Neuen Zürcher Zeitung“: „Die NZZ war wie die Schweiz damals, hochgradig unterreguliert, bis zum Exzess freiheitlich, ohne autoritäre Führung, aber subtil gelenkt durch unausgesprochene Traditionen und Gewohnheiten, die man verinnerlichen musste. Wer es nicht durchschaute, wurde vom Immunsystem der Zeitung elegant, aber mitleidlos beseitigt.“

5. „Die Revolution des Publikums“
(tageswoche.ch, Tara Hill)
Tara Hill befasst sich mit der Vertrauenskrise der etablierten Medien 2014 und rät den „Alpha-Journalisten“, „schnellstmöglich jenen ‘Autopilot’-Modus zu beenden, der sie in einer gefährlichen ‘Filter Bubble’ dazu verleitet, ihre Peer Group ernster zu nehmen als ihre Nutzer. (…) Der beste Weg, den klassischen Journalismus vor der möglicherweise grössten Vertrauenskrise seiner Geschichte zu bewahren, wäre, die Lehren aus diesem folgenschweren Medienjahr zu ziehen. Will heissen: Kritik konstruktiv anzunehmen, ein grösseres Themen- und Meinungsspektrum zuzulassen, den Dialog mit allen Segmenten der Gesellschaft wieder aufzunehmen und vor allem: eine grössere Distanz zur derzeitigen gesellschaftlichen Elite zu wahren.“

6. „Wie illustrieren Schweizer Medien Beiträge über den CIA-Folterbericht?“
(beatmatter.ch)
Wie Deutschschweizer Medien Beiträge zur Veröffentlichung des CIA-Folterberichts durch den US-Senat illustrieren: „Meine Meinung: Die Lektüre des CIA-Folterberichts und der Berichterstattung darüber lösen im Kopf des Lesers/des Betrachters dermassen explizite und starke Bilder aus, dass es nicht nötig ist, die Beiträge mit zusätzlichen schockierenden Fotografien zu illustrieren.“ Siehe dazu auch: „Nach internationaler Kritik: CIA streicht brutale Szenen aus Folterbericht“ (der-postillon.com, Satire).

Karl Dall, Jürgen Elsässer, Zivilcourage

1. „Freispruch für Karl Dall“
(nzz.ch, Brigitte Hürlimann)
Karl Dall wird vor dem Bezirksgericht Zürich vom Vorwurf der Vergewaltigung und der versuchten Nötigung freigesprochen: „Marc Engler, der Verteidiger des 73-jährigen Komikers, listet vor dem Bezirksgericht Zürich die Parallelen im Vorgehen der Frau auf: Sie nutzt ihre Stellung als Journalistin, um mit prominenten Männern in Kontakt zu kommen. Das anfänglich berufliche Interesse wechselt rasch in ein privates, erotisches über, wobei die Avancen von ihr ausgehen. Entwickelt sich die Beziehung mit dem Prominenten nicht so, wie sie es sich wünscht, fangen Bedrohungen und Belästigungen an, die sie auch auf die Familie der Männer ausdehnt. (…) Sogar Staatsanwalt Edwin Lüscher räumt ein, es sei nicht klar, was in jener Nacht in jenem Zürcher Hotelzimmer geschehen sei. Die Schilderungen der beiden Beteiligten stünden sich diametral gegenüber, es bestehe eine eigentliche Pattsituation, und er beneide das Gericht nicht darum, diesen Fall entscheiden zu müssen.“

2. „Spiegel vs. Online: Das Erwachen der Macht“
(gutjahr.biz)
Richard Gutjahr rekapituliert seine Erfahrungen mit verschiedenen Redaktionen: „Jedes Haus besitzt kreative Köpfe. Visionäre, Querdenker, Rock’n Roll. Aber selten sitzen diese Leute in den Positionen, in denen sie eigentlich sitzen müssten. Dort sitzen die kleinen Fürsten, die Karrieristen, mit ihren lieb gewonnenen Privilegien – das eigentliche Problem.“

3. „TV-Leute veralbern den Islamischen Staat“
(nzz.ch, Cigdem Akyol)
Cigdem Akyol stellt die Comedy-Serie „Dawlat al-Khurafa“ (Staat der Mythen) vor: „Produziert wurde die Comedy in Bagdad; das irakische Staatsfernsehen al-Iraqiya TV strahlte sie im September aus. Alle Folgen sind auf Youtube auf Irakisch-Arabisch abrufbar, leider ohne englische oder hocharabische Untertitel. Aus Furcht vor Fundamentalisten wollten einige Akteure nicht im Abspann erwähnt werden.“

4. „Ist halt so, ist die Wahrheit!“
(faz.net, Anna Prizkau)
Anna Prizkau schaut sich YouTube-Videos an, die „Kopf- bis Bauchschmerzen machen, wenn man sie anschaut“. Und hört Jürgen Elsässer zu, dessen Parolen sie als „böse und schlimm“ bewertet: „Doch das Allerschlimmste ist es, mitanzusehen, wie die Menschen auf ihn reagieren. ‘Ami, go home!’, sagt Elsässer unaufgeregt in ein Mikrofon, nachdem er über Amerika – das Lieblingshassthema auf Montagsveranstaltungen – gesprochen hat. Eine berauschte Menge schreit es ihm darauf nach. ‘Ami, go home!’ Immer und immer wieder.“

5. „Mediale Zivilcourage: Wo ist der Unterschied zwischen Tugce und Joey?“
(wissensschmiede.wordpress.com)
Die Wissensschmiede fragt sich, weshalb ein Fall von Zivilcourage zur deutschlandweiten Debatte wird – und ein anderer Fall nicht.

6. „Manche lernen es wohl nicht anders“
(facebook.com/TimHeiligOfficial)

Kobane, Dmitri Kisseljow, §201a StGB

1. „Die ‘Entscheidungsschlacht’ um Kobane“
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Die Berichterstattung über die syrische Stadt Kobane als „Paradebeispiel für die Mechanismen im Nachrichtenjournalismus“: „Die Stadt liegt an der Grenze und eignet sich deshalb besonders für die Berichterstattung. Denn während Journalisten auf syrischer Seite nur in größter Lebensgefahr arbeiten können, hat man von der türkischen Seite aus sicherer Entfernung einen Blick auf das umkämpfte Städtchen. Und so hatten internationale Medienanbieter dort ihre Übertragungstechnik aufgebaut. Doch als nach mehreren Wochen die Schlacht um Kobane keine Entscheidung brachte, zogen die Übertragungswagen wieder ab. Und damit endete die Berichterstattung.“

2. „Der Böse ist immer der Westen“
(cicero.de, Moritz Gathmann)
Seit Februar 2014 laufe die russische Propagandamaschine auf Volldampf, schreibt Moritz Gathmann: „Die Erzählung, die der russische Fernsehzuschauer seitdem in jeder Nachrichtensendung in Variationen serviert bekommt, geht so: In Kiew haben Faschisten, unterstützt und instruiert von den Amerikanern, den demokratisch gewählten Präsidenten gestürzt und die Macht errungen. Nun geht von ihnen eine physische Bedrohung gegen alle Russen, ja alles Russische an sich aus.“

3. „Politische Berichterstattung im Russland-Ukraine-Konflikt“
(deutschlandfunk.de, Thomas Franke)
Wer eine Interviewanfrage schickt an den „Anführer der medialen Truppen in Russland“, so nennt Thomas Franke Dmitri Konstantinowitsch Kisseljow, erhält einen Fragebogen zurück: „Ihre Antworten werden mir helfen zu verstehen, wie sehr Sie die Meinungsfreiheit schätzen: – Sind sie der Ansicht, die EU-Sanktionen gegen den Journalisten sind legitim? – Sind Sie bereit, Ihre Position öffentlich zu vertreten, indem Sie sie in ihrem Artikel aufnehmen? – Sind Sie bereit, Herrn Kiseljow zu zitieren? – Haben Sie Dmitri Kiseljows Artikel ‘Russland und der Westen tauschen bei der Meinungsfreiheit die Plätze’ gelesen, der im ‘Guardian’ erschienen ist.“

4. „60 Prominente gegen den Krieg sind keine Nachricht für ARD und ZDF“
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier fragt nach, warum in den TV-Nachrichten von ARD und ZDF nicht über den Aufruf „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ berichtet wird.

5. „Strafbarkeit unbefugter und ehrverletzender Fotos: Änderung §201a StGB“
(rechtambild.de, Dennis Tölle)
Dennis Tölle berichtet über die Änderungen am Paragraph 201a des deutschen Strafgesetzbuchs, in der es um die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ geht.

6. „10 tolle Weihnachtsgeschenke für Journalisten“
(journalisten-tools.de)

Focus, Russland, Misstrauen

1. „‘Unfassbar, was der Kerl sich erlaubt'“
(zeit.de, Henning Sussebach)
Fußballer Per Mertesacker und Reporter Boris Büchler unterhalten sich über ihr Gespräch nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Algerien. Büchler: „Das werfe ich euch Medienjournalisten von den überregionalen Zeitungen ja immer vor: das Verwissenschaftlichen und Bemäkeln dieser 90 Sekunden! Natürlich gibt es unten am Spielfeldrand nur einen begrenzten Fragenkanon! Ich kann direkt nach dem Abpfiff – schon aus Achtung vor dem Athleten – doch keine Fragen stellen, für die ich später vielleicht einen Poetenpreis bekomme. Einige Kritiker in ihren Büros machen es sich da sehr einfach: mokieren sich immer über unsere vermeintlich sinnentleerten Fragen. Aber wenn eure Blätter alle paar Jahre – immer, wenn EM oder WM ist – mal ein paar Kollegen schicken, fragen viele gar nicht, sondern halten nur still ihre Tonbandgeräte mit rein.“

2. „Exklusiv im ‘Focus': Das erstletzte Interview mit Schweinsteiger nach der WM“
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Der „Focus“ verkauft auf der Titelseite seiner aktuellen Ausgabe ein Gespräch mit Bastian Schweinsteiger als das „erste Interview nach dem WM-Titel“.

3. „Video: Medienkrieg“
(daserste.de, Video, 6:39 Minuten)
Ein „Weltspiegel“-Beitrag über verschiedene Manipulationen im russischen Fernsehen. Siehe dazu auch „Russisches Fernsehen bei homophober Manipulation erwischt“ (queer.de).

4. „Die rührende Hilflosigkeit der Holzwirtschaft“
(zeit.de, Jochen Hörisch)
Germanist und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch schreibt über den Medienwandel: „Jeder, der nicht über exquisite Verdrängungsleistungen verfügt, kann seit Langem wissen, dass die Internet-Revolution die klassischen Printmedien unumkehrbar marginalisiert. (…) Gedruckte Zeitungen werden wieder das, was sie in ihrer Frühzeit einmal waren – ‘hinkende Boten’, langsame Reflexionsmedien. Der schnell reitende Bote kam mit der Siegesnachricht, der hinkende Bote machte darauf aufmerksam, dass man noch mehr Siege nicht verkraften könne.“

5. „Morgen fangen sie an“
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun stellt neue deutsche TV-Serien vor: „Ein gutes Dutzend neuer Serien ist in Planung – und kaum eine von ihnen kommt ohne den Hinweis auf die Inspiration durch internationale Standards aus.“

6. „5 Thesen zum Misstrauen in die Medien“
(tageswoche.ch, Thom Nagy und Matthias Oppliger)
Thom Nagy und Matthias Oppliger stellen fünf Thesen zum Misstrauen in die Medien zur Diskussion.

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