Archiv für 6 vor 9

Wikileaks, DHL, Germania

1. „Mit Vollgas in die Vertrauenskrise“
(infosperber.ch, Christof Moser)
Christof Moser befragt Mitarbeiter von Schweizer Onlineportalen zu ihren Arbeitsbedingungen: „Journalisten müssen damit beginnen, den Journalismus gegen seine Feinde zu verteidigen. Zu diesen gehören auch die Medienkonzerne, bei denen sie heute noch angestellt sind.“

2. „Wie die Presse versucht, WikiLeaks zu diskreditieren“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal beleuchtet die Beziehung zwischen Wikileaks und den etablierten Medien: „Die pressetypische Umsetzung von Leaks gleicht heute in ihrer seriellen Herstellung in verblüffender Weise der Zurückhaltung staatlicher Behörden gegenüber parlamentarischen Untersuchungsausschüssen: Immer wenn es konkret wird, sind die Dokumente ‘geschwärzt’. So heißt es in der groß aufgemachten ‘Swiss Leaks’-Story der SZ über Steuerhinterzieher aus dem Hochadel, dem Sportbusiness und dem Rotlichtmilieu: ‘Die Süddeutsche Zeitung wird deren Namen nicht nennen’. Man möchte zwar den Pelz waschen, aber er soll nicht nass werden.“

3. „Germanwings-Foto: Presserat rügt ‘Krone’ und ‘Österreich'“
(derstandard.at)
„Kronen Zeitung“ und „Österreich“ erhalten eine Rüge des österreichischen Presserats, weil sie einen Unbeteiligten zum Copilot des abgestürzten Germanwings-Flugs 9525 machten: „Auf der Titelseite der ‘Kronen Zeitung’ wurde das beanstandete Foto am 28. März 2015 klein und dieses Mal verpixelt mit einem kurzen Begleittext mit der Überschrift ‘Ich wurde mit dem Copiloten verwechselt’ noch einmal gebracht und der Fehler eingestanden.“

4. „Bull-Analyse: Die neuen Diener der Datenkraken“
(blogs.taz.de/hausblog, Andreas Bull)
„Taz“-Geschäftsführer Andreas Bull kommentiert die Zusammenarbeit anderer Zeitungsverlage mit Google und Facebook: „Der Verlust der Entscheidungshoheit, was die Marke ihrem Publikum zeigen und zumuten will, wird dabei dem Altar purer pekuniärer Prosperität geopfert.“

5. „Zur Demokratie gehört eine freie Diskussionskultur“
(hpd.de, Frank Nicolai)
Hamed Abdel-Samad erzählt von seinen Erfahrungen mit der Burschenschaft „Germania“ in Marburg: „Ich geh nicht zu Rassisten, zu Leuten, die zu Gewalt aufrufen, nicht zu Menschen, die sich nicht zum Grundgesetz bekennen. Aber sonst rede ich mit jedem. Denn ich finde, man sollte mit jedem reden, auch wenn mein Gegenüber ein anderes Geschichtsbild oder Gesellschaftsbild hat als ich. Es hilft überhaupt nichts, wenn man eine Gruppe in die Isolation treibt, weil das genau das ist, was zur Radikalisierung führt.“

6. „der marktführer“
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel verfolgt ein Paket: „niemand fühlt sich zuständig. der versandhändler (der nicht amazon war) will mit den versandproblemen nichts zu tun haben und nicht intervenieren. DHL schiebt die schuld auf den kunden (weil der kunde nicht anwesend war, mussten wir das paket nach speyer fahren und die rücksendung ankündigen). der kunde (wir) fühlt sich von DHL verarscht. die auslieferungsfahrer sind überfordert und unglücklich.“

BeHaind, Griechenland, Daniel Steil

1. „Schluss damit!“
(youtube.com, Video, 7:46 Minuten)
Nutzer BeHaind ist genervt vom Quotendruck bei YouTube. Er will zukünftig weniger boulevardeske Inhalte erstellen: „Dieses YouTube-Deutschland, was sich da gerade aufbaut, von dem möchte ich kein Teil mehr sein. (…) Ich möchte nicht mehr ‘masturbieren’ in den Titel schreiben müssen, damit ihr klickt. Denn wenn ihr nur deswegen klickt, dann klickt ihr bei mir aus den falschen Gründen.“

2. „Jung, cool, lustig sein“
(dirkvongehlen.de)
Stefan Raab befasst sich in „TV Total“ auf ProSieben (tvtotal.prosieben.de, Video, 5:47 Minuten) mit der Nachrichtensendung Heute+.

3. „Eine Frage des Zeitpunkts“
(taz.de, Ferry Batzoglou)
Der stellvertretender Finanzminister der griechischen Regierung, Dimitris Mardas, klagt gegen „Bild“, und zwar „wegen Beleidigung seiner Persönlichkeit, verleumderischen Diffamierung und Beschimpfung auf ‘die Wiederherstellung der Wahrheit, seiner Ehre und seines Ansehens'“.

4. „So funktioniert Rufmordmaschine gegen Varoufakis“
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Urs P. Gasche geht Medienberichten nach, die vermeldet hatten, dass der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis von ungenannten Quellen als „Spieler“, „Amateur“ und „Zeitverschwender“ bezeichnet wurde. „Varoufakis italienischer Minister-Kollege Pier Carlo Padoan hat in der Folge öffentlich dementiert, dass es diese Beleidigungen bei dem Treffen gegeben habe. Dieses Dementi hinterliess aber in den Medien keine grösseren Spuren. Daraus muss man schliessen, dass in den europäischen Medien von anonymen Quellen verbreitete Beleidigungen, zudem ohne mit Namen identifizierte Beleidiger, mehr zählen als der abweichende Bericht des italienischen Finanzministers, der sich mit Namen zitieren lässt.“

5. „‘Relevant ist, was die Masse der Menschen interessiert'“
(meedia.de, Georg Altrogge)
Daniel Steil räumt ein, dass „Focus Online“ mit „einigen Berichten“ zur „Verwirrung über den Gesundheitszustand“ von Michael Schumacher beigetragen hat. „Journalisten erklären häufig, was sie selbst für relevant erachten. Ob das immer mit dem Relevanzgedanken der meisten User übereinstimmt, bezweifle ich stark – unsere Userlab-Befragungen zeigen andere Ergebnisse. Grundsätzlich halte ich eher das für relevant, was die Masse der Menschen interessiert.“ Siehe dazu auch „Sie haben bisher immer das falsche Online-Angebot gelesen!“ (stefan-niggemeier.de).

6. „Schreiben: Zehn Tipps“
(tomhillenbrand.de)

Bunte, Verräter, Mehrfachfragen

1. „Wie wir Jürgen Klopp fast zu Real gebracht hätten“
(deutschlandfunk.de)
Fußball: „Radio Deutschland“ meldet angeblich, dass Jürgen Klopp einen Vertrag bei Real Madrid unterschrieben habe.

2. „Depressiv werden in den Medien: Vom Schreiben ins Schweigen“
(kress.de, Sophia-Therese Fielhauer-Resei)
Sophia-Therese Fielhauer-Resei schreibt einen Text über Depressionen. Und über die Arbeitsbedingungen bei der Zeitschrift „Bunte“ 1993: „Chefredakteur Franz Josef Wagner brüllt und schreit so tief, dass die Wände wackeln, Wagner schmeißt das Magazin kurz vor Druck komplett um, kündigt Mitarbeiter um vier Uhr morgens und erinnert sich am gleichen Vormittag nicht mehr daran. Wagner glorifiziert den Autoren Helge Timmerberg, der zumeist in Havanna oder Marrakesch sitzt – ein Großteil dessen, was die Stammbesetzung schreibt, wird nach Kuba und Marokko gefaxt, auf der Schreibmaschine von ihm umgedichtet und retour gefaxt. Das Selbstwertgefühl von Teilen der Redaktion leidet erheblich.“

3. „Seitenwechsler, Verräter: Lieber Christof Moser“
(davehertig.com)
Dave Hertig schreibt an Christof Moser, der Journalisten, die in PR-Abteilungen wechseln, als „Verräter“ bezeichnet hatte. „Die meisten Journalisten, die auf der aus deiner Sicht ‘guten Seite’ arbeiten, sind eine Blackbox. Ob sie selbständig und unabhängig denken und nicht auch ein bisschen gekauft und gesteuert sind, das werde ich nie erfahren. Als Leser weiss ich nicht, wem ich vertrauen kann.“

4. „Ein Plädoyer gegen Mehrfachfragen“
(abzv.de, Tim Farin)
Warum Mehrfachfragen nicht zielführend sind: „Man könnte schon verwirrt reagieren, oder? Es könnte aber auch sein, dass man so etwas schon kennt – und nur auf die Frage antwortet, die einem gerade mehr in den Kram passt. Nach dem Motto: Ich suche mir aus, worauf ich antworte.“

5. „Marie, 19, Instagram-Star“
(gruenderszene.de, Hannah Loeffler)
Ein Interview mit Marie von Behrens, deren Instagram-Konto mvb412 derzeit 88000 Abonnenten hat.

6. „Adel royale – Königliche Berichterstattung“
(youtube.com, Video, 3:36 Minuten)

Gemüse, Jürgen Domian, Monitor

1. „Es ist etwas faul mit den Medien dieses Landes“
(derstandard.at, Helge Fahrnberger)
Helge Fahrnberger schreibt über Medien in Österreich: „In Zeiten, in denen die direkte Demokratie ausgebaut werden soll, frage ich mich: Wie kann das funktionieren? Wie soll die Bevölkerung eine Entscheidung treffen, wenn Massenmedien die Öffentlichkeit nicht informieren, sondern vorsätzlich manipulieren, und die, die das nicht tun, dazu schweigen? Wer kontrolliert die vierte Gewalt, wenn sie das nicht selbst tut?“

2. „Stefanie Heinzmann – Inzestopfer oder einfach nur dumm?“
(dearswisspeople.com)
Der Artikel „Stefanie Heinzmann: Liebt sie ihren Bruder?“ (nzz.ch, Claudia Schumacher): „Dieser Beitrag ist wirklich die billigste Form von Boulevardjournalismus und einer solchen Publikation nicht würdig.“

3. „Kraut- und Rübenreporter“
(ackerbaupankow.blogspot.de)
Der Artikel „Von der Schwierigkeit, legal gutes Gemüse zu finden“ (krautreporter.de, Theresa Bäuerlein): „Man bekommt in den Supermärkten inzwischen sehr schmackhafte Cocktailtomaten, die es auch mit meinen Gartentomaten aufnehmen können. Nur die Fleischtomaten sind weitgehend Ausfälle (das kann aber kaum an EU-Normen liegen, da man z.B. in Frankreich auch schöne Fleischtomaten auf dem Markt kriegt). Hier hätte ich es spannend gefunden, wenn man bei Einkäufern von Großmärkten recherchiert und nicht nur einen Gemüsehändler nebenan gefragt hätte. Wahrscheinlich hätte man dann ein paar spannende Dinge erfahren, genauso wie man sicher schlauer geworden wäre, wenn man mit ein paar Leuten, die im großen Stil Tomaten anbauen, über den Markt gesprochen hätte.“

4. „Platter Versuch, einen Mythos zu demaskieren“
(deutschlandradiokultur.de, Alexander Kohlmann)
Alexander Kohlmann schaut sich das Theaterstück „Wir sind Günter Wallraff!“ im Schauspiel Hannover an: „Indem die Autoren von den Missständen bei ‘Bild’ bis zur Ausbeutung der Arbeiter im 19. Jahrhundert alles über einem Kamm scheren, bagatellisieren sie in Wahrheit die Auswüchse, denen Wallraff mit Schauspiel begegnete. Es ist gerade diese Form der Verweigerung jeglicher Differenzierung, die wesentlich restaurativer daherkommt, als die angeprangerte Mitarbeit Wallraff innerhalb der marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung.“

5. „Das WDR-Politmagazin ‘Monitor’ besteht 50 Jahre“
(medienkorrespondenz.de, Reinhard Lüke)
Das TV-Magazin „Monitor“ wird 50 Jahre alt und konnte das Durchschnittsalter seiner Zuschauer kürzlich von 64 auf 62 Jahre senken. Redaktionsleiter und Moderator Georg Restle: „Sobald wir bei den Marktanteilen mal unter die Zehn-Prozent-Marke geraten, wird von der Medienkritik immer wieder die Daseinsberechtigung der Magazine in Frage gestellt.“

6. „‘Von Natur aus ein Einzelgänger'“
(taz.de, Christine Stöckel)
Ein Interview mit Jürgen Domian: „Ich hatte immer zwei Leitsätze: Es darf nicht pornografisch sein und es darf nie um die bloße Sensation gehen. So kam es, dass ich in der Sendung ein fast viertelstündiges Interview zum Thema ‘Fisten’ geführt habe. Der Anrufer war schwul und von Beruf Arzt. Eine perfekte Mischung.“

NonstopNews, Seymour Hersh, Instant Articles

1. „Breaking News in Delmenhorst“
(ndr.de, Video, 29:17 Minuten)
Julian verbringt sieben Tage mit Blaulicht-Reportern der TV-Agentur NonstopNews aus Delmenhorst.

2. „‘Laut einem Medienbericht’ – wie Nonsense aus der ‘Bild’ die Roaming-Debatte bestimmt“
(blog.lehofer.at)
Hans Peter Lehofer beschäftigt sich mit einer von anderen Medien aufgegriffenen „Bild“-Story. „Wäre es wirklich zuviel verlangt, einmal kurz eine Suchmaschine zu bedienen, um die Behauptungen der ‘Bild’ zu überprüfen, vor allem wenn sie schon beim ersten Blick unglaubwürdig sind? Hätte nicht irgendjemand auf die Idee kommen können, sich das ‘Geheimpapier’ einmal anzuschauen?“

3. „The media’s reaction to Seymour Hersh’s bin Laden scoop has been disgraceful“
(cjr.org, Trevor Timm, englisch)
Wie Journalisten auf das Stück „The Killing of Osama bin Laden“ von Seymour Hersh in der „London Review of Books“ reagiert haben: „This is not to say all the assertions contained in Hersh’s story are accurate. Some may turn out not to be true; I simply don’t know. But neither do any of Hersh’s critics, because, unfortunately, the flippant blog posts dismissing Hersh out of hand outnumber follow-up reporting on his stories by about 50 to one.“ Siehe dazu auch „Podcast Extra: Seymour Hersh“ (onthemedia.org, Audio, 22 Minuten, englisch).

4. „Secrets of the Brussels media machine“
(thepressproject.net, Nikos Sverkos, englisch, 2. Mai)
Nikos Sverkos schreibt über die Medien in Brüssel: „In terms of collection and distribution of news, the main players in the system are the three major European-level media outlets: the agencies Reuters and Bloomberg, and the Financial Times newspaper. Whatever this group reports, all other media outlets in Europe rush to reproduce. Thus – intentionally or not – articles published by the group are spread widely.“

5. „Bitte benutzen Sie den Lieferanteneingang“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Michael Hanfeld kritisiert eine Kooperation von „Spiegel“ und „Bild“ mit Facebook, Instant Articles: „Facebook wird zum Verleger – mit den Inhalten anderer, die sich auch noch darüber freuen, dass sie ihre Werke kostenlos abgeben dürfen. Man muss sich das entsprechende Werbevideo von Facebook antun: Da sehen wir Journalisten mit Stockholm-Syndrom, die mit glänzenden Augen erzählen, wie schnell ihre Story bei Facebook aufpoppt. Als wäre das ein Gnadenerweis, als gäbe es außerhalb von Facebook kein Leben in der Online-Welt.“ Siehe dazu auch „könige, kaiser und lakaien“ (wirres.net, Felix Schwenzel) – in dem der Text von Hanfeld als „ein schneller, hingekotzter aufregertext“ beschrieben wird.

6. „Funkstille für Rundfunkjournalisten!“
(prinzessinnenreporter.de, Elke Wittich)
Printjournalistin Elke Wittich erzählt von Erfahrungen, die sie mit Hörfunkjournalisten gemacht hat: „Guten Tag, ich bin Frau Dingens vom wichtigen Rundfunksender Sowieso und ich habe mit großer Begeisterung Ihren Artikel gelesen. Ach so, nein, ich möchte Sie nicht interviewen, ich mache selber einen Beitrag zum Thema, könnten Sie so nett sein und mir die Kontaktdaten derjenigen geben, mit denen Sie gesprochen haben, danke. Nein, jetzt, können Sie nicht später Ihre Deadline einhalten/in Urlaub fahren/wasimmer, es ist wirklich dringend? Und super wäre es, wenn Sie mir eben sagen, welche Aspekte Sie für besonders wichtig halten, vielleicht so als kurze Gliederung.“

Thomas Schaaf, Wait But Why, Malawi

1. „Verifizieren – die journalistische Schlüsselqualifikation“
(get.torial.com, Bernd Oswald)
Bernd Oswald stellt Sessions vor, die sich an der re:publica mit dem Verifizieren von Inhalten befasst haben: „In Zeiten, wo die Gier nach schnellen Informationshäppchen und Aktualisierungen stetig steigt, ist eine saubere Verifizierung um so wichtiger.“

2. „Millionen Klicks – mit 3 Mitarbeitern und 100 Artikeln: Wie Wait But Why den Online-Journalismus neu erfindet“
(t3n.de, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt die Website „Wait But Why“ vor: „Tim Urban publiziert immer dann einen Artikel, wenn er einen fertig hat. Und da viele der Stücke viele tausend Worte umfassen (der Text über Elon Musk liegt bei rund 6.500), können mitunter mehrere Wochen vergehen, bis Leser einen neuen Beitrag bei WBW finden.“

3. „Frischer Wind von unten“
(journafrica.de, Deogracias Kalima)
Vier Journalisten in Malawi gründen eine private Nachrichtenagentur: „Chefredakteur Paul Akomenji schwört, dass LINA politische Einflussnahme als Folge finanzieller Zuwendungen nicht in Kauf nehmen werde – eine Andeutung dafür, dass es solche Zuwendungen sind, die freie und lebendige Medien vernichten. ‘Ehe wir uns von Politikern unterstützen lassen, schließen wir lieber’, sagt Akomenji nachdrücklich. Stattdessen wollen sie unabhängige Organisationen um Unterstützung zu bitten: Botschaften, internationale Organisationen und die Geschäftswelt zum Beispiel, nicht aber Politiker.“

4. „‘Wir brauchen eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine'“
(telemedicus.info, Fabian Rack)
NDR-Verwaltungsratsmitglied Dagmar Gräfin Kerssenbrock fordert eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine: „Eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine müsste eine vergleichbare Nutzenfunktion haben wie Google, jedoch bereinigt um den Einfluss verschiedenster Interessengruppen auf das Suchergebnis. (…) Wir brauchen eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine, die ausschließlich eine dienende Funktion für eine informierte Gesellschaft im wachsenden digitalen Datenberg hat, ohne wirtschaftliche Interessen verfolgen zu müssen.“

5. „Schluss mit muffig“
(11freunde.de, Dirk Gieselmann)
Die Medien werfen Thomas Schaaf vor, er habe Probleme, mit seiner Mannschaft zu kommunizieren: „Die Spekulationen haben Thomas Schaaf in eine Lage versetzt, aus der er sich naturgemäß kaum wird befreien können. Wir sehen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Schaafs Hang zur Einsilbigkeit wird zu seinen Ungunsten ausgelegt, und das soll er, der ja tatsächlich ungern mehr sagt als unbedingt nötig, nun bitteschön wortreich entkräften. (…) Er wird öffentlich einer Prüfung unterzogen, ob er als leitender Angestellter den Ansprüchen an eine modernen Unternehmenskommunikation genügt. Beherrscht er den Jargon angenehm sedierender Pressemitteilungen? Kann er professionell dementieren?“

6. „I had (the privilege) to give a couple of interviews to media journalists these last days and keep wondering“
(facebook.com, Wolfgang Blau, englisch)

Mohammed-Karikaturen, Sing-Treff, Corinna Schumacher

1. „Religion schlägt Meinungsfreiheit“
(zeit.de, Cigdem Akyol)
Ceyda Karan und Hikmet Cetinkaya drohen bis zu viereinhalb Jahre Haft, weil sie „zwei kleine Mohammed-Karikaturen in ihren Kolumnen zwischen ganz viel Text versteckten“: „Die Staatsanwaltschaft in Istanbul wirft ihnen vor, den öffentlichen Frieden gestört und die religiösen Werte der Menschen in der Türkei beleidigt zu haben.“

2. „Speed kills: Germanwings und die Medien“
(derstandard.at, Johanna Jung, Jennifer Woods und Josef Trappel)
Medienwissenschaftler greifen die Berichterstattung zum Germanwings-Flug 9525 auf: „Unzählige Falschmeldungen ohne Bestätigung, Expertenbefragungen ohne Antworten, Sondersendungen ohne Inhalt und Spekulationen ohne ausreichende Hinweise prägen den medialen Irrflug. Keine Frage: Ihre Informationspflicht haben die Medien mehr als erschöpfend erfüllt – zumindest in Sachen Schnelligkeit und Aktualität. Doch sind Speed und Quantität die neue Qualität?“

3. „Nein, die GEMA will kein Seniorensingkränzchen killen“
(medium.com/@jagermo)
Moritz Jaeger zweifelt die Story „Gema verlangt Gebühren fürs Volkslieder-Singen“ (siehe dazu auch „6 vor 9″ vom 11. Mai) an und fragt bei der Gema nach, die ihm ausführlich Auskunft erteilt: „Wir bedauern es sehr, dass sich Frau von Assel nach Erhalt der Rechnung nicht an uns, sondern direkt an die Presse gewendet hat. Erst aufgrund der jetzt veröffentlichten Berichterstattung in den Schleswiger Nachrichten haben wir jedoch erfahren, dass es sich bei dem ‘Sing-Treff im Café Fahrdorf’ um ein nicht-öffentlichen Sing-Treffen handelt. Diese Information lag uns bislang nicht vor. Daher werden wir die Rechnung gegenüber der Veranstalterin stornieren.“

4. „Schumacher vs. taz: Streit ums Foto endlich entschieden“
(blogs.taz.de/hausblog, Manuel Schubert)
Ein Gerichtsfall um ein in der „taz“ abgedrucktes Foto von Corinna Schumacher: „Das von uns verwendete Bildnis sei ‘kontextgerecht’, urteilten die Richter. Es illustriere und belege die Wortberichterstattung in besonderer Weise und hätte einen eigenen Informationswert. (…) Die Richter des Oberlandesgerichts Köln ließen keine Berufung zu ihrem Urteil zu.“

5. „Bilder zu Netzthemen: Überwachung? Kann ich nicht mehr sehen!“
(spiegel.de, Markus Böhm)
Markus Böhm macht sich Gedanken, wie man das Thema Überwachung bebildern könnte: „Man kann wohl mittlerweile noch so gute und wichtige NSA- oder BND-Enthüllungsgeschichten schreiben, noch so originelle Plädoyers für oder gegen die Vorratsdatenspeicherung: Ohne ein Foto, das in den Artikel zieht, ist die Chance gering, dass der Text überdurchschnittlich oft gelesen wird und nicht nur die übliche Zielgruppe erreicht.“ Siehe dazu auch „BND liefert NSA 1,3 Milliarden Metadaten – jeden Monat“ (zeit.de, Kai Biermann).

6. „Faces of doom: what reporters look like delivering horrific news – in pictures“
(theguardian.com)

Watson, Vapiano, Strassenfeger

1. „Hansi Voigt: Pimp my News“
(vocer.org, Roxana Wellbrock)
Roxana Wellbrock berichtet über das Projekt Watson.ch, das derzeit „viele hunderttausend Euro Verlust im Monat“ macht: „Tatsächlich sind es monatlich rund 400.000 Euro, wie Wanners Verlag AZ Medien einräumt. ‘Bis zum Break Even kann es noch zwei Jahre dauern'; ergänzt Wanner. ‘Das ist aber so geplant.'“

2. „Betrügereien mit Zeitungsseiten“
(prenzlauerberg-nachrichten.de, Anja Mia Neumann)
Anja Mia Neumann versucht, beim Chefredakteur Informationen zu den Verkäuferregeln des Straßenmagazins „Strassenfeger“ zu erhalten: „Antworten auf eine schriftliche Anfrage bleibt er schuldig, ans Telefon geht niemand.“

3. „Wie Vapiano unsere Recherchen begleitete“
(investigativ.welt.de, Anette Dowideit)
Die Restaurantkette Vapiano hält die „direkte Kontaktaufnahme“ mit Mitarbeitern seitens der „Welt“-Redaktion für fragwürdig. „Wir nennen es ganz einfach Recherche“, schreibt dagegen Anette Dowideit. In einer Stellungnahme von Vapiano (meedia.de) schreibt Gregor Gerlach: „Offenbar wird jetzt das Schreiben unserer Anwaltskanzlei missbraucht, um dem Artikel die Aufmerksamkeit zu bescheren, die er aus sich heraus nicht hervorgerufen hat.“

4. „Brief aus dem Berlin des Jahres 2096: Kickstarter-Kampagne zu ‘The Future Chronicles’ startet“
(basicthinking.de/blog, Tobias Gillen)
Tobias Gillen stellt die Magazinidee „The Future Chronicles“ vor.

5. „Gruppenbild mit Rissen“
(faz.net, Timo Frasch)
Der Prozess um den Tod von Tugce Albayrak. Über die „Berichterstattung unmittelbar nach dem Vorfall“ schreibt Timo Frasch: „Es wurde die Fiktion zweier gänzlich unterschiedlicher Gruppen geschaffen. Überspitzt gesagt: Hier die nichtintegrierten halbkriminellen Verlierer um Sanel M., dort die aufgeklärten altruistischen Akademiker um Tugce Albayrak. Wenn man den Prozess beobachtet und dabei auch das Publikum nicht außer Acht lässt, dann wird man dieses Bild zwar nicht völlig revidieren, aber doch etwas zurechtrücken müssen. “

6. „Schlusslicht“
(winnyswelt.de)

Werner D’Inka, Jan Leyk, Gema

1. „‘Der langsame Tod der Auslandskorrespondenten'“
(de.globalvoicesonline.org, Lova Rakotomalala)
Ein Interview mit Anaïs Renevier, die zuletzt im Libanon als Auslandkorrespondentin arbeitete und deren Blogbeitrag „La petite mort des correspondants“ (arenevier.wordpress.com, französisch) viel Aufmerksamkeit erhielt: „Ich kannte die finanziellen Probleme auf allen Ebenen: bei dem regionalen Fernsehsender, bei dem ich von 2011 bis 2012 arbeitete (auf Grund fehlender Mittel hatten wir lange Arbeitstage) und auch bei großen Medien (den folgenden Satz habe ich einige Male zu Hören bekommen: ‘Wir sind an dem Thema interessiert, aber wir haben nicht das Geld, um es zu unterstützen’). Ich hörte es sogar bei den neuen digitalen Medien, die versuchten, ein neues Modell des Journalismus zu erfinden.“

2. „Wenn Qualitätsjournalisten operieren“
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig beschäftigt sich mit einem Beitrag von FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka: „Warum gibt es eigentlich bis heute keine Selbstverpflichtung von Journalisten, ihre Nebentätigkeiten und (politischen) Zugehörigkeiten offenzulegen? Sie selber fordern Transparenz aller Orten – für sich nehmen sie jedoch großzügig Ausnahmen in Anspruch. Es ist leicht einzugestehen, einen Zahlendreher oder eine Namensverwechslung begangen zu haben. Schwieriger scheint es zu sein, seine außerpublizistischen Aktivitäten darzulegen.“

3. „Warum das Internet gut ist für den Journalismus“
(rolandtichy.de)
Roland Tichy, der lange Jahre für Printmedien tätig war und nun selbst im Netz publiziert, preist das Internet: „Gibt es ein Gesetz, dass Papier Texte veredelt und Internet sich schlecht macht? Und wollte man die Medien an einen Lügendetektor anschließen – der würde bei vielen Internet-Portalen durch die Decke gehen. Aber auch bei vielen gedruckten Medien. Im Gegenteil – was Journalisten zu befürchten haben, ist nicht die Lüge per Internet. Eher, dass das Internet Schwachsinn aufdeckt.“

4. „Gema verlangt Gebühren fürs Volkslieder-Singen“
(shz.de, Hannes Harding und Tobias Fligge)
Post von der Gema: „Ende April teilte die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) der Betreiberin des kleinen Kulturcafés, in dem sich die Senioren treffen, mit, dass sie für das Musizieren zahlen müsse. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die zum Teil dementen Damen mit ihrem Gesang Urheberrechte verletzten.“

5. „MC Hetzer?“
(theeuropean.de, Heinrich Schmitz)
Heinrich Schmitz liest Facebook-Einträge von Jan Leyk: „Ist das ‘nur’ eine neue entfesselte Diskussionskultur im Internet oder ein Vorgeschmack darauf, wie es in Zukunft auf den Straßen zugeht? Leyk ist ja nicht alleine mit dieser Hassrhetorik, er ist nur der bekannteste Y-Promi (seine eigenen Worte), der so vom Leder zieht.“

6. „Im Schmerz geboren“
(walulissiehtfern.de)
Philipp Walulis zeigt auf, wie man „einen langen Printartikel als angesagte Multimedia-Reportage“ recyclet.

Hoax, Trash, Flattr

1. „Trash und Trash“
(sashs-blog.de)
Fragen zur Regenbogenpresse: „Wieso sollte man zur Unterhaltung unwahre Geschichten über echte Menschen lesen, die vorgeben, wahr zu sein? Wieso sollte man sich falsche Stories über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher reinziehen, anstatt entweder eine fiktive Geschichte über einen Menschen mit einem Schicksalsschlag oder eine tatsächlich recherchierte Doku über Michael Schumacher? Ich verstehe nicht einmal, wieso man sowas schreiben sollte.“

2. „Ausländische Banden und deutsche Einzeltäter“
(heise.de/tp, Wolfgang J. Koschnick)
Wolfgang J. Koschnick macht sich ausführlich Gedanken darüber, ob und wie individuelle Eigenschaften von Menschen in einer Story vorkommen sollten: „Alle Kodices stimmen darüber überein, dass die Zugehörigkeit zu einer Minderheit nur erwähnt werden soll, wenn sie im thematischen Zusammenhang relevant ist. In der journalistischen Alltagspraxis machen es sich jedoch die meisten Redakteure zu einfach: Sie verschweigen sie grundsätzlich und scheinen zu glauben, dadurch seien sie aus dem Schneider.“

3. „Hoax-Kampagnen: Opium fürs Empörungsvolk“
(youtube.com, Video, 42:30 Minuten)
Deef Pirmasens und Christian Schiffer stellen verschiedene Hoaxes vor. Ab Minute 18:30 wird ein Beitrag von LeFloid analysiert.

4. „5 Jahre Flattr: Erinnerung an eine gescheiterte Revolution“
(get.torial.com, Stefan Mey)
Das Bezahlsystem Flattr hätte eine ökonomische Revolution sein können, glaubt Stefan Mey: „Die ökonomische Revolution im Netz ist heute klar gescheitert. Und das ist ein Verlust für alle, für Leser*innen, Blogger*innen und auch für Verlage, denen durch eigene Schuld seit fünf Jahren Einnahmen entgehen. Paid Content meint heute das vorsichtige Aussperren von Nutzern und gilt mit der Definition weitgehend als alternativlos. Mit dafür gesorgt hat eine Fehlentscheidung der Verlage. Und das war vielleicht deren größte kollektive Fehlentscheidung nach der Unterschätzung des Internets in seinen frühen Tagen.“

5. „Der ‘Bild’-Aufzug fährt wieder nach oben“
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber kommentiert die Nachricht, dass Christian und Bettina Wulff wieder ein Paar sind: „Die Versöhnung im Kleinen scheint mit einer Versöhnung im Großen einherzugehen, der Versöhnung eines zum Boulevard gewordenen Paares mit dem Boulevard.“

6. „Emily Surname’s immigration report“
(youtube.com, Video, 3:36 Minuten, englisch)
Ein TV-Bericht zur Zuwanderung von Emily Nachname.

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