Archiv für 6 vor 9

Schnelligkeit, Spekulation, Witwenschütteln

1. „Der Aufstieg des Lesers“
(freitag.de, Katharine Viner)
Eine Rede von Katharine Viner, der designierten „Guardian“-Chefredakteurin: „Von der Frage, wozu Journalismus dient, hängt alles ab. Wenn man findet, er soll außerhalb der Macht stehen und den Mächtigen die Wahrheit sagen, wird man für das offene Netz eintreten, den offenen Journalismus, den freien Fluss von Engagement, Kritik und Debatte mit den Leuten, die früher Publikum genannt wurden. Wenn man aber meint, Journalismus solle dazu dienen, zwischen der Macht und den Bürgern zu vermitteln, Einfluss zu nehmen und Herrschaft zu festigen, so wird man das Netz so weit wie möglich eindämmen und die Debatten auf ein Minimum beschränken.“

2. „Guter Journalismus macht keine Kompromisse“
(spiegel.de, Florian Harms)
„Spiegel Online“ setzt sich neue Ziele: „Früher lautete unser Leitspruch ‘Schneller wissen, was wichtig ist.’ Aber Schnelligkeit ist für sich allein genommen inzwischen kein Mehrwert mehr. Schnelle Informationen finden Sie heute im Internet überall, leider allzu oft eher halbrichtig als wirklich stimmig – oder sogar ganz falsch. Das ist nicht unser Weg. Unser Anspruch ist es, jeden Tag, auch unter dem Zeitdruck eines minutenaktuellen Mediums, so exakt, ausgewogen, transparent und wahrhaftig wie irgend möglich zu berichten. Damit Sie nicht nur eine einseitige oder verkürzte Darstellung von Ereignissen bekommen, sondern sich anhand verlässlicher, häufig investigativ recherchierter Nachrichten, kundiger Erläuterungen und pointierter Meinungsbeiträge aus unterschiedlichen Perspektiven Ihr eigenes Bild von der Welt machen können.“

3. „An die Medienvertreter“
(facebook.com/Welovehalternamsee)
Menschen in der von Reportern belagerten Ortschaft Haltern am See fühlen sich nach dem Absturz von Germanwings-Flug 9525 in ihrer Trauer gestört: „Wer zum Gedenken eine Kerze abstellen oder einen Moment an der Treppe zum Gymnasium innehalten möchte, fühlt sich wie im Zoo oder auf einem Laufsteg: Vor einer Front aus teilweise über 50 Kameras wird jeder Emotionsausbruch von den geifernden Kameraleuten schnell eingefangen und geht kurz darauf um die Welt und wird von distanzierten Stimmen kommentiert.“ Siehe dazu auch „Es gibt Tage, da schäme ich mich Journalist zu sein“ (facebook.com/bjvde, Michael Busch).

4. „Appell an die Chefredaktionen: Witwenschütteln – Das wollt Ihr alle nicht erleben“
(facebook.com, Sandra Schink)
„Lasst die Menschen einfach trauern“, bittet Sandra Schink und erzählt, wie ihre Familie 1982 von Mitarbeitern einer Boulevardzeitung besucht wurde: „Viele Jahre später führte mich das Schicksal in die Branche und die Redaktionen, für die die Männer von damals arbeiteten. Ich begegnete beiden wieder, und ich stellte beide zur Rede. Keiner konnte sich an ‘diesen Fall’ erinnern. Vielleicht wollte sich auch keiner erinnern. Und während der eine, der mit der sonoren Stimme, empört bestritt jemals ‘so etwas’ getan zu haben, wurde der andere sehr still, als ich ihn fragte, wie oft er diesen Job gemacht hat in seinem Leben.“

5. „Livejournalismus zu 4U9525: Warum wir nicht innehalten“
(n-tv.de, Christoph Herwartz)
Christoph Herwartz verteidigt den Versuch, „dem grenzenlosen Informationsbedürfnis der Leser hinterherzukommen“: „Wenn Menschen am Düsseldorfer Flughafen von dem Absturz erfahren und sich weinend in den Armen liegen, dann kann man davon in einem Liveticker genauso gut berichten wie in einer Reportage. Ein Liveticker ist nicht per se anrüchig. Und eine Zeitung ist nicht per se taktvoll.“

6. „Wir wollen nicht spekulieren…“
(youtube.com, Video, 5;54 Minuten)
TV-Ausschnitte, in denen „nicht spekuliert“ wird. Und ein Pro und Contra zum Umgang mit dem Unglück.

Flug 9525, Brennpunkt, Leistungsschutzrecht

1. „Die Bezeichnung Nachrichten hat ihren Wert verloren“
(udostiehl.wordpress.com)
Ein „sinnloser Geschwindigkeitswahn“ beherrsche den Wettbewerb zwischen den Medien, schreibt Udo Stiehl zum Absturz von Germanwings-Flug 9525: „Die wenigen verlässlichen Informationen gehen unter in einem Meer von Spekulationen, denn nur diese lassen sich mehr oder weniger rasch veröffentlichen und unterscheiden sich von Mutmaßungen, mit denen die konkurrierenden Redaktionen ihre Lücken zwischen den Fakten füllen. Das hat mit dem Handwerk des Nachrichten-Journalismus nichts zu tun, wird aber mit ebendiesem Etikett verkauft.“

2. „Kritik am ARD-Brennpunkt 24.03.2015 zum Flugzeugabsturz“
(youtube.com, Video, 3:17 Minuten)
Eine Kritik des ARD-Brennpunkts vom Dienstagabend (wdr.de, Video, 3:17 Minuten).

3. „Innehalten in der Nachrichtenflut – Das doppelte Dilemma der Medien“
(horizont.net, Ingo Rentz)
„Schaltet lieber einen Gang zurück!“, möchte Ingo Rentz manchen Medien zurufen: „Man sollte aber auch die andere Seite nicht außer Acht lassen: Wir leben im Zeitalter von Twitter, Facebook und Instagram – und damit im permanenten Nachrichtenstrom. Wer diese Welt gewohnt ist, dem kommt stundenlanges mediales Schweigen seltsam und verdächtig vor. Und informiert sich womöglich anderweitig, und nicht bei für gewöhnlich verlässlichen Medienmarken. Man wird deshalb den Eindruck nicht los, dass die Kritik auf Facebook, Twitter und Co. teilweise sehr wohlfeil ist. Jeder giert nach Informationen, aber liefern darf sie keiner?“

4. „Netzreaktionen nach Flugzeugunglück: Die verlogene Wut beim Posten“
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo beschäftigt sich mit der Trauer und den Spekulationen zum Unglücksfall im Internet: „In den sozialen Medien funktioniert die Spekulation über die Absturzursache auffallend häufig in Form der Distanzierung von Spekulationen über die Absturzursache. An einer Welle teilnehmen durch Distanzierung von der Welle, auch das ist Social Media.“

5. „1048,60 Euro für ein Handelsblatt-Logo?“
(gruenderszene.de, Niklas Wirminghaus)
Die Seite des „Handelsblatts“ in der Auseinandersetzung um eine an ein Wein-Startup geschickte Abmahnung: „Natürlich kann man argumentieren, dass auch für eine derartige Einbindung der Logos vierstellige Lizenzgebühren unangebracht sind. Das Handelsblatt jedenfalls besteht darauf, vorher gefragt zu werden: ‘Für die Nutzung unseres Logos von Dritten für Eigenwerbezwecke muss eine Genehmigung eingeholt werden.'“

6. „LG Berlin erlässt erste Entscheidung wegen Verletzung des Leistungsschutzrechts für Presseverleger (LSR)“
(lhr-law.de, Arno Lampmann)
Arno Lampmann berichtet von einer ersten Entscheidung aufgrund des Leistungsschutzrechts für Presseverleger: „Obgleich oder gerade, weil die Entscheidung formal richtig sein mag, wirft sie kein gutes Licht auf das Leistungsschutzrecht. Nachdem zahlreiche Stimmen bereits vor Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes vor der Zweckwidrigkeit und dem Missbrauchspotential der Bestimmung gewarnt haben, stimmt nun auch der erste praktische Anwendungsfall in diesem Sinne nachdenklich.“

KESB, Überwachung, Arschlochfilter

1. „Nationalistisch und einseitig“
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm fasst die Griechenland-Berichterstattung von „Bild“ zusammen (BILDblog berichtete).

2. „Die ‘erste Abmahnung für einen Facebook-Share-Button’ — ein Meilenstein der Anwalts-PR“
(stefan-niggemeier.de)
Wie Medien auf eine Abmahnung reagieren: „Es gibt, wohlgemerkt, kein Urteil in der Sache und keine Klage. Kein Gericht hat sich mit dem konkreten Fall befasst.“

3. „Bonstetten vs. Flaach: Kritik der Medien und Politiker tönte bei Laienvormunden gleich wie heute bei der KESB“
(watson.ch, Daria Wild)
Während Vormundschaftsfragen in der Schweiz bis vor wenigen Jahren von Laiengremien entschieden wurden, ist nun die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zuständig. Die Berichterstattung blieb unverändert.

5. „Terrorgefahr! Überwachung total?“
(arte.tv, Video, 89 Minuten)
Eine arte-Doku über Überwachung: „Der Dokumentarfilm, für den zwei Jahre lang in den USA und in Europa recherchiert wurde, spannt einen Bogen von den Anschlägen des 11. Septembers 2001 über die Enthüllungen von Edward Snowden bis zu den aktuellen Entwicklungen und Diskussionen.“

5. „Meine Behinderung, der Arschlochfilter“
(fraugehlhaar.wordpress.com)
Laura Gehlhaar: „Ich weiß, wie ich gut funktioniere, urteile streng und manchmal zu hart. Mein Humor ist schwarz, geht gerne unter die Gürtellinie und abends heul ich manchmal, weil ich mich besinne und erkenne, dass ich ganz schön viel Glück im Leben gehabt habe. Und schließlich braucht mein Mann all diese Eigenschaften auch, um mit den gesellschaftlichen Vorurteilen, die meine Behinderung nunmal in der heutigen Zeit immer noch mitbringen, umzugehen.“

6. „10 Dinge, die wir nach einer Flugzeugkatastrophe nicht sehen / hören / lesen wollen“
(sheng-fui.de)

Monica Lewinsky, Handelsblatt, SZ

1. „Monica Lewinsky: The price of shame“
(ted.com, Video, 22:26 Minuten, englisch)
Monica Lewinsky spricht über die mediale Bewirtschaftung von Demütigungen (Transkript): „A marketplace has emerged where public humiliation is a commodity and shame is an industry. How is the money made? Clicks. The more shame, the more clicks. The more clicks, the more advertising dollars. We’re in a dangerous cycle. The more we click on this kind of gossip, the more numb we get to the human lives behind it, and the more numb we get, the more we click. All the while, someone is making money off of the back of someone else’s suffering.“

2. „Russ-Mohl: ‘Wahrheit in Meer von Desinformation'“
(derstandard.at, Harald Fidler)
Ein Interview mit Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl: „Es scheint mir schon ein besonders krasser Fall, dass in Österreich offenbar jene Medien mit vom Steuerzahler finanzierter Werbung besonders gehätschelt werden, welche ihrerseits führende Politiker mit netten Homestories bedienen, statt sie kritisch zu begleiten. Das halte ich für korrupt.“

3. „Voglio una donna!“
(medienspiegel.ch, Daniel Weber)
Daniel Weber schreibt zum „Brechreiz-Thema“ Frauenquote: „Für unser ‘Folio’ zum Verhältnis Schweiz-Europa gingen wir eine Reihe von Führungspersönlichkeiten an; wir baten ebenso viele Frauen wie Männer um ein Gespräch. Bis auf eine sagten alle ab: Man wolle sich nicht exponieren, man verzichte lieber auf politische Stellungnahmen, aus Compliance-Gründen müsse man leider, es sei zurzeit nicht opportun … Von den Männern waren keine solchen Skrupel zu hören. Und was hauten uns empörte Leserbriefschreiberinnen um die Ohren? – Ja, genau. Auf bedingte Reflexe ist unbedingt Verlass.“

4. „Wieso wir agil werden müssen“
(ploechinger.tumblr.com)
Wie sich in Deutschland Abo-Modelle für Zeitungen durchsetzen werden? Stefan Plöchinger: „Niemand kann diese Frage beantworten, bevor man sich an Abo-Modellen versucht hat. Deshalb schrecken so viele davor zurück. Trial and error ist noch unbeliebt. Dabei ist es hier wohl der beste Lösungsansatz.“ Siehe dazu auch „Willkommen bei der neuen SZ im Netz“ (sueddeutsche.de).

5. „‘Wieso das Handelsblatt dicke Rechnungen an Startups schreibt'“
(facebook.com/janbechler)
Jan Bechler erhält und bezahlt eine von der FAZ im Auftrag des „Handelsblatts“ ausgestellte Rechnung: „Eurem Vertriebsmitarbeiter, der lustigerweise 2 Tage nach Rechnungseingang anrief, um uns Print-Anzeigen in Eurem ‘Wein&Genuss’-Special zu verkaufen, mussten wir aber leider absagen. Ich hoffe, Ihr könnt das nachvollziehen.“

6. „Meme-Check: Was der lachende Spanier wirklich sagt“
(blogrebellen.de, Lena Mandarina, Video, 3:40 Minuten)
Siehe dazu auch „‘El Risitas’ Interview Parodies“ (knowyourmeme.com, Brad, englisch).

Astro TV, Stinkefinger, Rößner

1. „BILD fragt – ich auch.“
(tabea-roessner.de)
Bundestags-Mitglied Tabea Rößner antwortet auf eine „Bild“-Anfrage.

2. „Video und Wahrheit“
(tagesanzeiger.ch, Philipp Loser)
Philipp Loser kommentiert die Debatte um den Mittelfinger von Yanis Varoufakis: „Dass ‘Bild’ die Griechen Tag für Tag verhöhnt, ist noch irgendwie nachvollziehbar: Es ist die ‘Bild’, es ist Boulevard, es ist schmierig und gemein. Wenn aber ein Moderator wie Günther Jauch auf einem öffentlich-rechtlichen Sender eine hochkomplexe Debatte auf einen Mittelfinger reduziert, ist das ein tragischer Beweis, wie weit die Dege­ne­ra­ti­on der Medienöffentlichkeit schon fortgeschritten ist.“

3. „Der Stinkephallus“
(fembio.org, Luise F. Pusch)
Luise F. Pusch hält die „öbszöne und sexistische“ Geste des Stinkefingers für „sowohl anal als auch genital aufgeladen“: „In unserer Herrenkultur ist Feminisierung für den Mann die ultimative Beleidigung. Ein Mann, dem der ‘Stinkefinger’ gezeigt wird, wird dadurch zur Frau und zum Sexualobjekt des Aggressors degradiert. Die gleichzeitige Androhung der Vergewaltigung ist ebenfalls extrem aggressiv, aber nicht der Kern der Demütigung. Die Beleidigung funktioniert so nur in einer sexistischen Gesellschaft, in der der Mann der Herr und die Frau zweit- bis letztrangig ist. Kein Mann möchte per ‘Stinkefinger’ zur Frau ‘reduziert werden’.“

4. „Warum wir aus #varoufake nichts lernen werden“
(notes.computernotizen.de, Torsten)
Torsten glaubt nicht, dass „wir als Ganzes — als Individuen, die sich zu Timelines organisieren“ – etwas aus der Debatte lernen werden: „Obwohl sich alle einig sind, dass der Finger ein Nicht-Thema ist, scheint die Debatte nur noch um ihn zu kreisen.“ Siehe dazu auch „Der Böhmermann unter den Finsternis-Fotos: Dieses Bild narrt die Welt – schon seit 2009″ (watson.ch).

5. „Die Sinn-Gewinnler“
(zeit.de, Antje Hildebrandt)
Der TV-Sender Astro TV: „Wenn es stimmt, was diese Informanten sagen, dann praktiziert Astro-TV in seinen Call-in-Sendungen dieselben Methoden, die einst dem Verkaufssender Neun Live zum Verhängnis geworden sind: Nach der Gewinnspielsatzung, die auch für einen Sender wie Astro-TV gilt, muss ein Zufallsgenerator nach einem bestimmten Algorithmus jeweils den x-ten Anruf aussuchen, der dann durchgestellt wird. Glaubt man den Mitarbeitern, dann ignorieren die Moderatoren diesen Zufallsgenerator nicht nur konsequent, um die Zahl der Anrufe in der Warteschleife zu erhöhen.“

6. „In einer Welt zwischen Wille und Vorstellung…“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de)

Selbstkritik, Stefan Plöchinger, Weiberkram

1. „Gelebte Widersprüche“
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Welche Maßstäbe Journalisten an sich anlegen. Und welche an andere. Markus Wiegand: „Ehrlich gesagt ist es in diesem Geschäft etwas zu sehr Mode geworden, mit dem Finger dauernd auf andere zu zeigen. Der Hang zur Selbstkritik dagegen bleibt bei vielen Journalisten nur schwach entwickelt.“

2. „Was verdienen Modeblogger?“
(horstson.de, Horst)
Horst kommentiert eine Umfrage unter 115 Fashionbloggern (styleranking.de): „Modeblogs bieten ein zu wackeliges Gerüst, um ein Leben voller ‘Gucci’-Taschen und so unsexy Dingen wie Miete gesichert zu finanzieren – da sinkt das Niveau am Monatsende schnell ins Bodenlose: von Armani zu Actimel in drei Blogposts.“

3. „‘Blowjob würde man ihr zutrauen'“
(taz.de, Eva Lindner)
Eva Lindner bespricht das neue, ausschließlich von Männern gemachte Frauenmagazin „Weiberkram“: „Warum sollten sich starke Frauen für ein Magazin interessieren, in dem permanent der männliche begehrliche Blick auf sie wiedergegeben wird, ein Magazin, in dem sie nicht sich wiederfinden, sondern Klischeevorstellungen und feuchte Träume von Machomännern, die Frauen nicht verstehen (wollen)?“ Siehe dazu auch „Neues Magazin ‘Weiberkram': Frauenthemen aus Männersicht“ (wuv.de, Jochen Kalka).

4. „Presseenten: Internet Explorer wird nicht eingestellt – Windows 10 Update legalisiert keine Raubkopien“
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Sascha Pallenberg beschäftigt sich mit Neuerungen des Microsoft-Betriebssystems Windows 10: „Der neue, intern ‘Project Spartan’ genannte Browser wird zwar unter Windows 10 die Default-Plattform sein um ins Internet zu gehen, das heisst aber nicht dass man nun den Internet Explorer damit auf die digitale Muellhalde schiebt.“

5. „Stefan Plöchinger: ‘Paid Content funktioniert!'“
(vocer.org, Thassilo von Bierbrauer)
Warum drängen junge Journalisten vor allem in Printmedien? Stefan Plöchinger: „Ich weiß gar nicht, ob es ihnen dabei um Print an sich geht. Der Wunsch, der sich darin ausdrückt, ist, in Ruhe an Themen recherchieren zu können und guten Journalismus machen zu können. Das ist auch der Grund, warum viele immer noch in die gut ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Redaktionen drängen. Es hat viel damit zu tun, dass viele Online-Seiten über lange Zeit nicht die Möglichkeit zum guten Recherchieren und Schreiben von Geschichten geboten haben. Das ändert sich aber, zum Glück.“

6. „How I Became A Minor Celebrity In China (After My Stolen Phone Ended Up There)“
(buzzfeed.com, Matt Stopera, englisch, 20. Februar 2015, aktualisiert)

ZDF-Fernsehrat, Stefan Raab, Katholizismus

1. „Neue Öffentlichkeit: Der ZDF-Fernsehrat tagt“
(ndr.de, Video, 5 Minuten)
Der ZDF-Fernsehrat tagt erstmals „öffentlich“: „Bei der ersten öffentlichen Sitzung war Publikum zugelassen, Kameras und Fotoapparate allerdings nicht. Die Sitzung sei erst mal ‘gerichtsöffentlich’, hieß es.“

2. „Mexikos kritische Stimmen unter Druck“
(nzz.ch, Nicole Anliker)
In Mexiko werden „die wohl bekannteste Radioreporterin“ sowie zwei ihrer Mitarbeiter entlassen. „Beweise, dass die Entlassungen politisch motiviert waren, gibt es freilich keine. Doch Kommentatoren leitender Medien machen kein Hehl daraus, dass es ihnen offensichtlich schwerfällt, das zu glauben.“

3. „‘Bei Bedarf erledigt die Arbeit die Regelstruktur': Was man über die Öffentlich-Rechtlichen erfährt, wenn man nach Creative Commons fragt“
(irights.info, Matthias Spielkamp)
Eine Antwort auf die Anfrage „Creative Commons-Lizenzen – auch beim rbb?“ im Berliner Senat.

4. „Niedergang von ‘TV total': Schlag den Raab“
(spiegel.de, Jonas Leppin)
Stefan Raab wirkt auf Jonas Leppin „wie ein müder Lehrer, der sich nach vielen Jahren nicht mehr auf den Unterricht vorbereitet“.

5. „Die Katholische Kirche war schon immer Boulevard“
(welt.de, Lucas Wiegelmann)
Lucas Wiegelmann liest die neue, monatlich erscheinende Zeitschrift „Mein Papst“: „Andere Konfessionen malten später ihre Kirchenwände weiß an und suchten ihr Heil im Buchstaben. Der Katholizismus entwickelte sich dagegen zu einer Art Boulevardmedium des Christentums: emotional, antielitär – und mit der größten Auflage aller Konfessionen weltweit.“

6. „In eigener Sache: Korrekturen“
(heute.de)
Heute.de richtet nach dem Vorbild der „New York Times“ die Rubrik „Korrekturen“ ein: „Auf dieser Seite weisen wir auf Fehler, die wir in der Berichterstattung gemacht haben, hin und korrigieren sie. Das können Fehler oder Unkorrektheiten sein, die wir in selbstkritischer Betrachtung unserer Arbeit selbst erkennen, aber auch solche, auf die uns Betroffene, Experten oder unser Publikum aufmerksam machen. Wir glauben, dass Transparenz das beste Gegenmittel gegen Verschwörungstheorien und Manipulationsvorwürfe ist.“

Regenbogenpresse, Roland Tichy, Giovanni di Lorenzo

1. „Wie breit ist der Boulevard?“
(ndr.de, Video, 11:01 Minuten)
Die Klasse 52A der Deutschen Journalistenschule fragt 18 Redaktionen an, um etwas über die Regenbogenpresse zu erfahren. Erfolglos, denn Auskunft geben will ihnen niemand.

2. „Schweizer Mauer“
(faz.net, Jürg Altwegg)
Jürg Altwegg schreibt zum Verkaufsstopp einiger Zeitschriften aufgrund von nicht an die Kunden weitergegebenen Wechselkursvorteilen: „Dass die ausländischen Verlage es mit einer Preisreduktion nicht besonders eilig haben, hat indes kaum mit höheren Erlösen zu tun. Für sie ist die Schweiz als Markt nicht besonders wichtig und der Auslandsvertrieb ein Defizitgeschäft. Die Verleger mögen darauf spekulieren, dass die Schweizer angesichts der abschreckenden Preise merken, dass sie die Zeitungen einzeln und im Abonnement online zu Euro-Preisen beziehen können.“

3. „BILD feuert neue Breitseite gegen die Energiewende“
(sfv.de, Rüdiger Haude)
Eine Kritik des Artikels „Kassiert die Solar-Lobby die Kindergelderhöhung?“ (bild.de, Roland Tichy): „Bei dem Ausmaß an Gepolter, das Tichy entfaltet, und bei der Absurdität der demagogischen Komposition fragt man sich, ob hier eine in die Ecke gedrängte, waidwunde Raubkatze in letzter Verzweiflung um sich beißt (die Arroganz der Macht, wie in früheren Zeiten, ist das jedenfalls nicht mehr). Hoffen wir, dass es so ist. Lassen wir Tichy und BILD schäumen – es gilt den Klimawandel zu begrenzen!“

4. „Von Charlie Hebdo bis Giovanni di Lorenzo: Vom Aufstieg der Selbstmit-Leid-Medien“
(zeitgeisterjagd.de, Matthias Heitmann)
Matthias Heitmann sieht eine „vollständige Auflösung des einstigen Selbstverständnisses von Medien und dem daraus abgeleiteten Recht auf Meinungsfreiheit. Ursprünglich ging es bei dessen Verteidigung darum, sich selbst – und damit auch den Bürgern – die eigene Meinung durch herrschende Kräfte, also durch die weltliche oder religiöse Macht im Staat, nicht verbieten zu lassen. Heute hingegen verstehen sich Medien als Bestandteil des Herrschaftsapparates und meinen nun, sich gegen den etwaigen Leserzorn abschotten zu müssen. Die größte Gefahr für die Debattenkultur im Lande geht dieser Sichtweise folgend nicht mehr von ‘den Mächtigen’ aus, sondern von sogenannten ‘Trollen’.“

5. „Kontext is Queen“
(socialmediawatchblog.org, Christian Simon, teilweise englisch)
Christian Simon befragt Jane Reynolds, die auf einem Instagram-Foto zu sehen ist, dessen Veröffentlichung durch Tilo Jung dazu geführt hat, dass dieser „vorübergehend keine neuen Beiträge“ auf Krautreporter.de veröffentlichen darf. Reynolds: „If that picture was used to promote violence against women, or any violence for that matter, I would hate it. I don’t think it ever will, because it’s just a joke, but there’s definitely people who could use it in that context.“

6. „Endlich: das Prinzessinnen-Pitch-Video!“
(prinzessinnenreporter.de, Video, 4:39 Minuten)

Wechselkursvorteile, Muslime, Focus Online

1. „Coop listet ausländische Zeitschriften aus“
(coop.ch)
Weil ausländische Zeitschriften Wechselkursvorteile nicht an die Kunden weitergeben, nimmt sie der Schweizer Einzelhändler Coop aus dem Angebot: „Ab sofort und bis auf weiteres werden folgende Zeitschriften nicht mehr bei Coop verkauft: In der Deutschschweiz Gala, Spiegel, Micky Maus, Neue Post, Freizeit Revue sowie die deutschsprachige Ausgabe der Vogue. In der französischen Schweiz sind es die Titel Grazia, Elle, Paris Match, Point de Vue sowie die französischsprachige Ausgabe der Gala. In der italienischen Schweiz die Titel, Grazia und Chi.“ Siehe dazu auch „Heftli-Boykott: Für den Preisüberwacher nur der Anfang“ (srf.ch, Philip Kempf).

2. „Der Terrorismus als Kind der Medien“
(tagesanzeiger.ch, Bruno S. Frey)
Bruno S. Frey schlägt vor, Terrorakte nicht mehr konkreten Tätern und Organisationen zuzuordnen: „Journalisten versuchen verzweifelt, herauszufinden, ob sich jemand zu einem Terrorakt bekennt. Sie betteln beinahe darum, dass sich jemand damit brüstet. Sobald dies eine Organisation tut, erreicht sie riesige Aufmerksamkeit. Damit wird der Terrorismus belohnt. Wenn die Medien hingegen auf eine Zuordnung verzichten und vielmehr glaubwürdig berichten, dass viele verschiedene Gruppen und Personen das Verbrechen für sich in Anspruch nehmen, werden die tatsächlichen Täter und deren Organisationen frustriert.“

3. „Why Mail Online is wrong to publish a photograph of a dying woman“
(theguardian.com, Roy Greenslade, englisch)
Roy Greenslade schreibt zur Veröffentlichung eines Bilds einer sterbenden Frau (BILDblog berichtete): „I think my friend is right to say that this woman did have rights of privacy. And her relatives and friends will probably find it very upsetting indeed. It will appeal only to the ghoulish and I cannot see any public interest reason for its publication.“

4. „Dieser böse, böse Islam“
(taz.de, Eren Güvercin)
Muslime in den deutschen Medien: „Extreme dominieren das Islambild, und die breite Mitte der Muslime bleibt erschreckend abwesend. Zumindest auf der medialen Plattform.“

5. „Fair play bei der Tagesschau“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de, Thomas)
Tagesschau.de zieht im Artikel „Barcelona top – Sotschi Flop“ eine „Bilanz bisheriger Olympiastädte“.

6. „Profitieren Sie von der geballten Wissenskompetenz von ‘Focus Online’!“
(stefan-niggemeier.de)
Die „geballte Wissenskompetenz“ von „Focus Online“ bezüglich Rechtschreibung.

Tilo Jung, Peter Sloterdijk, VPRT

1. „Drei in einem Boot“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Gemäß einem „Spiegel“-Bericht hat der Verband Privater Rundfunk und Telemedien VPRT eine Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen den Rechercheverbund von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ eingelegt: „Dieser Verbund, so der VPRT, verzerre den Wettbewerb und entspreche nicht dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Er lasse die von allen Beitragszahlern entrichtete Gebühr auch der SZ zugutekommen, stelle mithin eine kommerzielle Tätigkeit dar, verschaffe der Zeitung unbezahlbare crossmediale Vorteile und verstoße gegen das Rundfunk-, das Vergabe- und das EU-Beihilferecht.“

2. „Media blackout: would I be happier if I didn’t read the news?“
(theguardian.com, Jesse Armstrong, englisch)
Jesse Armstrong, nach eigenen Angaben ein „heavy user“ von News, konsumiert während einem Monat keine Nachrichten: „Well, at this point in my life, is there any chance I will change my essential views? I’ve developed a herd-immunity theory of the news: it is probably important someone is reading about all the horrible and boring things in the world. But does that need to be me? I know how I will vote. I’m signed up to my pathetic monthly direct debits to charities and campaigning organisations. I have built a confirmation bias so strongly into my own fabric that it’s hard to imagine a fact that could wonk me. At some level, the news has become a vast apparatus for continually proving me right in my pre-existing prejudices about the world.“

3. „Ein Fehltritt, schon sind alle auf der Palme“
(faz.net, Rainer Meyer)
Die Diskussion um einen Instagram-Beitrag von Tilo Jung und seine Beziehung zu Krautreporter.de: „Der komplizierte und von diversen Interessen geprägte Konflikt macht deutlich, wie riskant die Idee werden kann, sich direkt über Leser zu finanzieren, die es zudem gewohnt sind, ihre Kritik schnell und deutlich zu äußern.“

4. „Der Fall Tilo Jung und die Empörung über die Empörung“
(publikative.org, Patrick Gensing)
Auch Patrick Gensing schreibt über Tilo Jung: „Er lässt die von ihm ausgewählten Leute ausführlich zu Wort kommen, so dass sich die Zuschauer aus einem Wust von Statements nicht nur die relevanten Stellen raussuchen sollen, sie sollen diese auch noch einordnen bzw. auf Glaubwürdigkeit / Wahrheitsgehalt überprüfen. Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.“

5. „‘Der Zeitgeist ist heute grün, 
und der ist in mir auch am Werk'“
(tagesanzeiger.ch, Rudolf Burger)
Peter Sloterdijk hat sich kürzlich einen neuen Fernseher einbauen lassen, „aber nur, um festzustellen, dass ich ihn nicht brauche“: „Fast jedes Mal, wenn ich doch noch fernsehe, beobachte ich Dinge, die mir nicht gefallen. An manchen Tagen gibt es nur noch Müll, der unterbrochen wird von Abfall, der unterbrochen wird von Schwachsinn.“

6. „Missverständliche Titel II: ‘BZ'“
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Jakob Hein)

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