Archiv für 6 vor 9

Leserreporter, IVW, Slow-TV

1. „Leser-Reporter sind eine Plage“
(heise.de, Sascha Steinhoff)
Sascha Steinhoff schreibt über Leserreporter: „Bild bewirbt die hauseigene Fotocommunty 1414 offensiv mit Verdienstmöglichkeiten. Seit dem Jahr 2006 hat die Bild eigenen Angaben zufolge 22.000 Bilder aus der Community im Print und Online veröffentlicht und dafür 3,2 Millionen Euro bezahlt. Für eine Veröffentlichtung gibt’s im Schnitt also rund 150 Euro, nicht wenige Profis verdienen mit einem Bild weniger. Der Leser-Reporter ist eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte für beide Seiten. Für besonders wertvolle Leserbeiträge hat die Bild neulich erst goldene Handys (iPhone, 699 Euro) ausgelobt.“

2. „Kein Ende in Sicht: die IVW-Tricks der Nachrichten-Websites“
(meedia.de, Jens Schröder)
Wie deutsche Nachrichtenseiten bei der IVW-Zählung fremde Seiten mitzählen lassen: „Das ist legal, für die Transparenz der Zahlen aber ärgerlich. Neuester Fall: Zeit Online nutzt das Spektrum der Wissenschaft, um Süddeutsche.de zu überholen.“

3. „‘Ich muss mich nicht rechtfertigen'“
(persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski beobachtet, wie Journalisten reagieren, wenn sie selbst in die Kritik geraten: „Die meisten Journalisten sind es eben nur gewohnt, auf die Pauke zu hauen, wenn sie einer heissen Story hinterherhecheln. Wenn aber ausnahmsweise ihre Arbeit öffentlich hinterfragt wird, reagieren sie oft panisch, weil sie in ihrem Selbstverständnis eine solche Rolle nicht internalisiert haben. Sie sehen sich als Kritiker und nicht als persönlich Kritisierte.“

4. „Zahlreiche Medien berichten falsche Schlepperzahlen“
(kobuk.at)
Österreichische Medien berichten fälschlicherweise von einer Verzehnfachung von aufgegriffenen Syrern gegenüber 2013. Der Fehler stammt aus dem Schlepperbericht des Bundeskriminalamts.

5. „Jetzt mal langsam“
(freitag.de, Lennart Laberenz)
Der Erfolg von Slow-TV-Formaten in Norwegen: „Die Nationale Stricknacht vom Freitag, dem 1. November 2013, bis zum Abend des darauffolgenden Samstags verfolgten eine Million Zuschauer live. Zwei Wochen später sahen sich ebenso viele Zuschauer eine dreistündige Einführung ins Holzspalten und –lagern an.“

6. „Politik – wie sie wirklich ist“
(opinion-club.com, Falk Heunemann)
Falk Heunemann lässt sich von der Arbeit von Ben Bloom inspirieren.

E-Zigaretten, Mario Mandzukic, Roger Köppel

1. „Verification Handbook“
(verificationhandbook.com, englisch)
Ein Handbuch zeigt auf, wie man Bilder, Videos und Inhalte verifiziert und wie man bei der Berichterstattung über Katastrophen und Notfällen vorgeht.

2. „Stellungnahme zum Bericht über die e-Zigarette von Frontal 21 (ZDF)“
(ismokesmart.de)
Der E-Zigaretten-Händler iSmokeSmart beschäftigt sich mit dem Frontal21-Beitrag „E-Zigaretten: Warnung vor Chemiecocktail“ (zdf.de, Video, 7:20 Minuten): „Im Gegensatz zu den ca. 4000 chemischen Verbindungen (hiervon ca. 270 giftig und 70 krebserregend) im Rauch einer herkömmlichen Tabak-Zigarette, beinhalten die Liquids der e-Zigarette selbst jedoch nicht einen einzigen krebserregenden Stoff in gesundheitsschädlicher Konzentration – und auch nicht der Dampf nach sachgemäßer Anwendung der e-Zigarette.“

3. „Präsent: Polizeigewerkschaften in den Medien“
(ndr.de, Video, 5:56 Minuten)
Ein Blick auf die Polizeigewerkschaften, die in den Medien regelmässig mehr Polizei fordern.

4. „Roger Köppels Auftrag“
(nzz.ch, Christina Neuhaus)
Ein Porträt von Journalist Roger Köppel, der im Herbst für die Schweizerische Volkspartei SVP in das Schweizer Parlament einziehen möchte.

5. „Jurgen Klopp to quit Borussia Dortmund on July 1 – as it happened“
(telegraph.co.uk, Ben Bloom, englisch)
Ein britischer Reporter ohne Deutschkenntnisse tickert live von einer Pressekonferenz des Fußballvereins Borussia Dortmund: „I’d love to tell you what Klopp is saying. He is saying a lot. But I can understand precisely none of it. So here’s a photo of him pouring some water instead.“

6. „Soccer star sports reverse Hebrew tat“
(timesofisrael.com, Stuart Winer, englisch)
Eine Tätowierung des Fußballers Mario Mandzukic: „Once the bizarre lettering had been sorted out, it emerged that the tattoo aimed to proclaim ‘What doesn’t kill me makes me stronger,’ although spelling errors rendered the actual translation closer to the grammatically awkward ‘Which doesn’t to kill me, makes me stronger.'“ Siehe dazu auch „Hebrew or gibberish? Soccer star’s faulty tattoo appears straight out of Google translate“ (haaretz.com, englisch).

Show-Gipfel, Vice, Do Not Track

1. „Die Letzten machen das Licht aus“
(faz.net, Oliver Jungen)
Oliver Jungen besucht den „Show-Gipfel 2015″ in Köln: „Hunderte zum Verwechseln ähnliche Formate werden zurzeit in einzelnen Märkten getestet. Es ist ein Graus.“

2. „Ebola-Kannibalen in Liberia“
(zeit.de, Felix Stephan)
Felix Stephan beschäftigt sich mit dem Erfolg von „Vice“: „Vice nimmt die Perspektive des regular dude ein, des normalen Typen, was jegliches Erkenntnisinteresse quasi im Vorhinein ausschließt, schließlich läuft der regular dude ständig Gefahr, durch plötzliche Verständnisschübe zu einem überdurchschnittlich informierten, enervierend differenzierenden irregular dude zu werden.“

3. „Nichtssagende Propagandaschau für Extrem-Spätgebärende“
(tagesspiegel.de, Richard Weber)
Richard Weber schaut die RTL-Sendung „Extra“ zur Schwangerschaft einer 65-Jährigen: „Keine unpassenden Antworten dürfen die Idylle stören. 27,30 Minuten dauert diese Mutterkreuz-Propagandaschau für Extrem-Spätgebärende.“

4. „Leif Kramp: Öffentlich-rechtliche Inhalte brauchen Archivierungs-Pflicht“
(irights.info, Henry Steinhau)
Leif Kramp will die Öffentlich-rechtlichen verpflichten, ihre Inhalte „an eine externe Sammlungseinrichtung zur systematischen öffentlichen Überlieferungsbildung“ abzuliefern. „Für die – freiwillige – Hinterlegung von Filmen ist das Bundesarchiv zuständig – immerhin. Doch für das Fernseh- und Radioerbe fühlt sich der Staat nicht verantwortlich, hier ist die Überlieferung im sprichwörtlichen Sinne auf Gedeih und Verderb den Sendern überlassen.“

5. „Es ist jedes Mal wieder unfassbar, wie viel Falsches die Bild in 36 Zeilen Text unterbringen kann“
(facebook.com, Thomas Kuhn)
Thomas Kuhn korrigiert einen kurzen „Bild“-Bericht.

6. „Do Not Track S01E01: Morgenrituale“
(donottrack-doc.com)
Siehe dazu auch „S01E02: Breaking Ad“.

Newtopia, Annegret R., Harald Welzer

1. „Scripted Entertainment: Talpa demontiert ‘Newtopia'“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Die Sat.1-Sendung Newtopia: „Seit vergangener Nacht ist jetzt dokumentiert, was in der Branche ohnehin niemanden überrascht: In der Praxis ist ‘Newtopia’ Scripted Entertainment. Wenn das erklärte Ziel der Sendung darin bestand, zu erfahren, ob die für das Format ausgewählten Pioniere im Alleingang eine neue Gesellschaft aufbauen können, dann lässt sich an diesem 13. April sagen: Experiment gescheitert.“

2. „Vulkanasche auf das Haupt des ORF“
(kobuk.at, Moriz Büsing)
Die Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ berichtet über einen angeblich aktuellen Vulkanausbruch in Island: „Die Bilder sind zwar echt, aber schon ziemlich alt. Dasselbe Bildmaterial wurde schon im November 2014 auf Youtube veröffentlicht.“

3. „Wie RTL die Vierlings-Schwangerschaft vermarktet“
(tagesspiegel.de, Maria Fiedler)
RTL berichtet exklusiv über die Schwangerschaft einer 65-jährigen Frau: „Mit anderen Medien darf Annegret R. nicht sprechen, das ist vertraglich so vereinbart. Sprecher Bolhöfer bestätigte, dass es für Annegret R. einen ‘finanziellen Ausgleich, eine Aufwandsentschädigung’ gebe.“

4. „Journalismus – Dienst an der Gesellschaft“
(br.de, Video, 15 Minuten)
Teil 1 einer sechsteiligen Serie zur Medienethik mit Zuschauerinterviews, Immanuel Kant, Horst Köhler, dem „Spiegel“-Urteil des Bundesverfassungsgerichts und dem Empörungsjournalismus.

5. „‘Journalisten hängen an Klickzahlen wie Junkies an der Nadel'“
(osk.de/blog, Yannick Schiep)
Ein Interview mit Journalist Lars Wienand: „Aufgebauschte Un-Skandale in einer an Informationen überbordenden Welt führen zum Empfinden, dass ‘die Medienmenschen’ in einer abgehobenen Welt leben. Ich spreche hier nicht einmal von unsauberem Journalismus, sondern von Prioritätensetzung bei knappen Ressourcen.“

6. „‘Einfach mal Löcher in die Luft starren!'“
(berliner-zeitung.de, Joachim Frank)
Ein Interview mit Harald Welzer: „Wir bejubeln jede beschissene App oder den Fernseher, der auf Sprachkommandos reagiert. Aber zugleich sind wir empört über Angriffe auf unsere Privatsphäre, obwohl wir den Angreifern Tür und Tor öffnen. (…) Es wäre doch Micky-Maus-Denke, anzunehmen, dass eine Veränderung der Verhältnisse an einem so entscheidenden Punkt zu haben wäre, ohne einen Preis dafür zu bezahlen. Widerstand kostet. Schlimmstenfalls das Leben, wie wir aus der Geschichte wissen. Uns hingegen erscheint es schon als zu teuer bezahlt, wenn wir auf Whatsapp verzichten sollten. Obwohl wir wissen, dass wir uns mit jeder Message einer Totalüberwachung ausliefern.“

Scheidenpilz, Ronja Von Rönne, Walter Scott

1. „Boykott am Kiosk“
(deutschlandfunk.de, Murat Koyuncu)
Murat Koyuncu holt Statements ein zum „Bild“-Boykott einiger Zeitungsverkäufer.

2. „Die stärkste Zeitung der Schweiz und Sexismus“
(flugangstweb.wordpress.com, Anne-Sophie Keller)
Anne-Sophie Keller schreibt einen offenen Brief an Blick.ch-Chefredaktor Rüdi Steiner und Blick.ch-People-Ressortchef Dominik Hug: „Ich finde nicht, dass ein Scheidenpilz Bestandteil des öffentlichen Interesse ist.“

3. „Aufräumen nach dem Shitstorm, 1. Teil“
(fembio.org, Luise F. Pusch)
Durch die Übernahme ihrer Kolumne auf Emma.de wird Luise F. Pusch für Sätze kritisiert, die sie gar nicht geschrieben hatte: „Fünf Sätze, die nicht von mir sind, mir aber im Shitstorm und in den Medien dauernd vorgeworfen wurden.“

4. „I dont even know what to say“
(facebook.com/rroenne)
„Welt“-Journalistin Ronja Von Rönne befasst sich mit einer Kritik (Nachtrag) auf ihren Text „Warum mich der Feminismus anekelt“.

5. „Should You Watch the Video?“
(newyorker.com, Philip Gourevitch, englisch)
Sollte man sich das Video, das die Schüsse auf Walter Scott zeigt, ansehen? „This is uncharted territory, and it is not insignificant that Walter Scott’s family has expressed gratitude that the video exists. So we are, to some degree, our own editors when we choose to click or not.“

6. „Big Jack und die Ja!-Quark-Lady“
(schnipselfriedhof.de, Volker Strübing)
Volker Strübing schreibt über arme Menschen: „Meinen ersten Bettler sah ich live als ich 18 war, am 10.11.1989 bei meinem zweiten Besuch in Westberlin und ich war geschockt, obwohl ich natürlich wusste, dass es sie gab. Heute gehe ich jeden Tag an was weiß ich wievielen vorbei und muss mich zusammenreißen, um nicht aufzustöhnen und mit den Augen zu rollen, wenn der dritte Motzverkäufer in die S-Bahn steigt. Das Elend nutzt sich ja auch irgendwann ab, und überhaupt, ich habs weiß Gott auch nicht leicht und dann sind da ja auch noch die sprichwörtlichen Kinder in Afrika, die froh wären, wenn sie sich mit ein paar leeren Flaschen so einen schönen Ja!-Quark verdienen könnten.“

Erdogan, Tillich, Mediapart

1. „Medien-Analyse zum Germanwings-Absturz“
(munich-digital.com)
Munich Digital wertet Soziale Medien zum Absturz von Germanwings-Flug 9525 aus: „Rund die Hälfte aller auf den Facebook-Pages der überregionalen Tageszeitungen in der Woche vom 24.03.-31.03. veröffentlichten Kommentare enthält Kritik an der Berichterstattung. Dabei waren 795 der insgesamt 904 kritischen Kommentare negativ-destruktiver Natur (ca. 88%), d.h. nur verneinend und die Schuld einzig beim Medium selbst suchend. Dabei beziehen sich die Kommentare am häufigsten auf das journalistische Niveau: Sogar vermeintliche Qualitätsmedien wie die FAZ oder die ZEIT werden in diesem Zusammenhang als sitten- und pietätlos bezeichnet.“

2. „Bilder einer Hinrichtung“
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner weist hin auf ein Video, das er als „Hinrichtung des US-Bürgers Walter Scott durch einen Polizisten“ bewertet. „Der entscheidende Unterschied zu früheren Gewaltbildern besteht darin, dass nicht nur die Darstellung der Schüsse, sondern auch die Existenz des Amateurvideos dem Fall in den USA Bedeutung verleihen. Denn weil ein Bürger gefilmt hatte, konnte der Polizist der Falschaussage überführt und wegen Mordes angeklagt werden. Das dürfte denn auch der Grund sein, warum sich hierzulande niemand über die Ausstrahlung des Streifens aufregt. Hoffentlich.“

3. „So zerstört Erdogan die Demokratie“
(faz.net, Hidayet Karaca)
Hidayet Karaca schreibt einen Brief „aus seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Nr.6″ in Silvri. Staatspräsident Erdogan und seine Regierung führe eine Hexenjagd über die Medien, über die sie direkt oder indirekt herrschen: „Die Medien müssten die wichtigste Stütze für das Recht auf Information bilden, aber sie werden zu einem beträchtlichen Teil unter die Kontrolle der Regierung gestellt, die oppositionellen unter ihnen werden isoliert und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt.“

4. „Wie ‘Mediapart’ unabhängigen Journalismus im Netz vormacht“
(get.torial.com/blog, Tobias Gillen)
Die französische Website Mediapart verzichtet auf Werbung und finanziert sich mit Abonnements: „107.000 Abonnenten zählt sie, macht damit im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Euro Umsatz, 1,4 Millionen Euro Gewinn. Und auch die Belegschaft wächst stetig: Waren es 2008 noch 30 Beteiligte, sind es Ende 2014 immerhin 25 mehr.“

5. „‘Einem reicht’s jetzt’ – zum ‘Mopo’-Bericht über das FB-Profil des Ministerpräsidenten“
(flurfunk-dresden.de, owy)
Hintergründe zum einem Bericht der „Morgenpost Sachsen“ über Bedrohungen auf dem Facebook-Profil von Stanislaw Tillich, dem Ministerpräsident von Sachsen.

6. „Wie ertragen die Eltern des Amokjournalisten das bloß“
(youtube.com, Video, 2:43 Minuten)

Hochschlafen, RBB, Rhein-Zeitung

1. „Zufall, Schuld, Depression“
(zeit.de, Thomas Fischer)
Die Behauptung der Medien, bei einem Unglück komme es nun „auf höchste Geschwindigkeit der Aufklärung an“: „Das mag vielleicht im Einzelfall einmal zutreffen, wenn es um offenkundig vom Einzelfall unabhängige Zusammenhänge geht. In der Regel ist die Behauptung aber ebenso falsch wie nutzlos und im Übrigen eher zynisch: Sie behauptet, für die Angehörigen der Opfer zu sprechen. Das ist nicht zutreffend. Ich bin in meinem Leben mehrfach mit dem plötzlichen Tod von Angehörigen oder Freunden konfrontiert worden. ‘Schnelligkeit’ der Ursachenklärung war wahrlich das Letzte, was ich in diesen Situationen erwartete.“

2. „Hochgeschlafen“
(nzz.at, Sara Hassan)
Sara Hassan befasst sich mit dem Vorwurf an erfolgreiche Frauen, sich „hochgeschlafen“ zu haben: „Nehmen wir zwei Praktikanten an. Simon, 22, bekommt nie zu hören, was Valerie, 22, zu hören bekommt. Für Simon und alle um ihn herum ist es die normalste Sache der Welt, zu netzwerken. Valerie ist, wenn sie dasselbe tut, eine – pfui! – Karrieristin. Und, mehr noch, das Socializen hat unwillkürlich einen sexuellen Touch. Und ist plötzlich etwas Anstößiges. Eine junge, vielleicht sogar noch attraktive, Frau sitzt mit einem älteren Kollegen da – das Klischee ist perfekt, der Kontext plötzlich ein Date, und hier geht es nunmal ums Flirten und damit um Sex. Um den Einsatz erotischen Kapitals.“

3. „Warum subventioniert der RBB einen privaten Verlag?“
(opinion-club.com, Falk Heunemann)
Die Kooperation zwischen der öffentlich-rechtlichen RBB-Abendschau und der privaten „Berliner Morgenpost“: „Wenn der RBB nun journalistische Beiträge der Mopo zur Verbreitung überlässt, subventionieren damit die Gebührenzahler in Berlin und Brandenburg einen Verlag, der im harten Wettbewerb auf dem Berliner Zeitungsmarkt um neue Leser kämpft.“

4. „März 2015: Rhein-Zeitung.de mit 43 Prozent Minus. Fühlt sich dennoch gut an“
(blog.rhein-zeitung.de, Marcus Schwarze)
Die „Rhein-Zeitung“ präsentiert Besucherzahlen nach Einführung einer Bezahlschranke: „369 Jahres-Web-Abos sind im Vergleich zu 170.000 Print-Abos gering. Allerdings darf man bei der Bewertung dieser Zahl nicht vergessen, dass sich auch 34.100 Abonnenten für unser Webangebot freigeschaltet haben.“

5. „Meinungsfreiheit: Generation Angst“
(novo-argumente.com, Jennie Bristow)
Jennie Bristow betrachtet die Meinungsfreiheit als Generationenfrage: „Von Kindesbeinen an werden junge Menschen ermutigt, sich auszudrücken, die eigene Identität zu entfalten und an Diskussionen über die Welt, in der sie leben, teilzunehmen. Aber die geforderte Selbstverwirklichung ist recht zerbrechlich. Bei Kritik hört sie in der Regel auf.“

6. „Vorstandschefs: ‘In der Sansibar bekommen die Ruhigen keinen Tisch’ – Buchauszug“
(blog.wiwo.de/management, Ursula Weidenfeld)
„Glaubwürdigkeit ist enorm wichtig“, sagt „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann in einem Interview für ein Buch. Und: „In dem Moment, wo ein Anwaltsschreiben von wem auch immer kommt, bin ich nicht mehr erreichbar. Ab dann geht alles an die Rechtsabteilung. Dann ist da mit mir nicht mehr zu reden. Egal, ob ich mit jemandem befreundet bin oder nicht.“

Anchorman, Bayern 1, Qualitätsgesang

1. „Das Q-Wort“
(de.ejo-online.eu, Kurt W. Zimmermann)
Kurt W. Zimmermann denkt nach über den Begriff des „Qualitätsjournalismus“: „In verwandten Berufen kennt man diese Unterscheidung zwischen gehobener und minderwertiger Güteklasse nicht. Den Ausdruck Qualitätsliteratur gibt es nicht. Es gibt auch keine Qualitätsmalerei, keinen Qualitätsgesang und keine Qualitätspoesie. Wer dauernd von Qualität redet, der verrät darum nur eines. Er hat ein Problem mit sich selbst.“

2. „Der Hintergrund zur Nennung der Herkunft von Straftäter*innen“
(georgsander.at)
Georg Sander beschäftigt sich mit der Nennung der Nationalität in den Medien: „Wenn die Herkunft also keine Rolle spielt, lasst sie unerwähnt.“

3. „Der Flugzeugabsturz und der mediale Zwang zur Sichtbarkeit“
(medienkorrespondenz.de, Dietrich Leder)
Dietrich Leder fasst die Berichterstattung zum Absturz von Germanwings-Flug 9525 zusammen: „Der Absurdität, ein Bild zu zeigen, das man in seinem Aussagekern unkenntlich macht, war man bei ARD und ZDF schon in den ersten beiden Tagen erlegen, als man Aufnahmen von Angehörigen der Absturzopfer präsentierte, bei denen man ebenfalls die Gesichter unkenntlich gemacht hatte. Auf die Idee, auf diese Bilder ganz zu verzichten, kam man nicht, denn das bedeutete ein Eingeständnis der Grenzen, die dem Bildermedium Fernsehen gesetzt sind: Ein Röntgenbild der Seele des mutmaßlichen Täters wird es nicht geben, auch wenn es sich alle wünschten.“

4. „How Is It Possible That the Inane Institution of the Anchorman Has Endured for More Than 60 Years?“
(nymag.com, Frank Rich, englisch)
Frank Rich fragt, warum es den Anchorman immer noch gibt: „When Brian Williams has spoken about why he wanted to be a network anchor since roughly the age of 6, he hasn’t emphasized reporting but the thrill of being everyone’s focus of attention during a national cataclysm. He’s fond of quoting Simon & Garfunkel: ‘a nation turns its lonely eyes to you.'“

5. „Kein Witz“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Tobias Haberl)
Tobias Haberl gesteht, den Radiosender „Bayern 1″ zu hören: „Inzwischen schalte ich auch gern mal abends ein, dann kommt nämlich Volksmusik. Nicht Hansi Hinterseer, sondern richtige Blaskapellen oder Zithermusik, die Leitzachtaler Buam oder die Gesangsgruppe Eberwein; die spielen mal einen Landler, mal einen Dreiviertler, ich lege mich ins heiße Fichtennadelbad und bin – ich kann es nicht anders sagen – glücklich.“

6. „Trendforscher: Gegen den Mainstream zu sein inzwischen voll Mainstream“
(der-postillon.com)

Rolling Stone, Apple Watch, BFM TV

1. „Rolling Stone and UVA: The Columbia University Graduate School of Journalism Report“
(rollingstone.com, englisch)
Die Zeitschrift „Rolling Stone“ zieht einen Artikel zurück und beauftragt drei Mitarbeiter der „Columbia Journalism Review“, einen Bericht über die falschen eigenen Recherchen zu verfassen. In der Einleitung zum Bericht schreibt Will Dana: „This report was painful reading, to me personally and to all of us at Rolling Stone. It is also, in its own way, a fascinating document ­— a piece of journalism, as Coll describes it, about a failure of journalism.“

2. „‘Rolling Stone': Bittere Analyse des Versagens“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler schreibt zum Bericht: „Der Artikel sei nicht wegen mangelnder redaktioneller Ressourcen misslungen, hält der Expertenbericht fest. Vielmehr hätten mehrere ‘Rolling Stone’-Mitarbeiter mit Jahrzehnten kollektiver Berufserfahrung dabei versagt, die richtigen Fragen zu stellen. Kritische Anmerkungen, die eine Kollegin der Abteilung für Faktenüberprüfung gemacht habe, seien ignoriert worden.“

3. „Falschmeldung: Apple Watch und das Schweizer Patent“
(steigerlegal.ch)
Die Meldung, Apple könne die Apple Watch in der Schweiz nicht verkaufen, sei falsch, stellt Martin Steiger fest: „In der Schweiz besteht – soweit ersichtlich – bislang kein Verkaufsverbot für die neue Apple Watch, schon gar nicht wegen einem Patent!“

4. „Harte Kritik an Berichterstattung“
(orf.at)
Betroffene der Geiselnahme in einem Supermarkt im Januar in Paris klagen gegen den TV-Sender BFM TV: „BFMTV brachte damals noch während des laufenden Anti-Terror-Einsatzes Telefoninterviews, sowohl mit Coulibaly als auch mit dem ‘Charlie Hebdo’-Attentäter Cherif Kouachi, in denen sie ihre Motive und Verbindungen zu den internationalen Terrorvereinigungen Al-Kaida und IS bestätigten. (…) Der Anwalt der Kläger sagte der Nachrichtenagentur AFP nun, das Leben seiner Mandanten wäre gefährdet gewesen, ‘wenn Coulibaly in Echtzeit von der von BFMTV verbreiteten Nachricht erfahren hätte’.“

5. „Extremismus der Erregung“
(zeit.de, Bernhard Pörksen)
Eine „elementare Ungewissheit bei gleichzeitig gefordertem Sofort-Sendezwang“ habe nach dem Absturz von Germanwings-Flug 9525 zu einem vierfachen Informationsvakuum geführt, analysiert Bernhard Pörksen.

6. „Das Flugzeugunglück“
(taz.de, Bernd Gieseking, 1. April)

Rutesheim, Montabaur, Griechenland

1. „Gefühlter Journalismus“
(wolfgangmichal.de)
Eine „Emotionalisierungswelle“ erfasse den Journalismus, schreibt Wolfgang Michal. Wichtig sei es dem gefühlten Journalismus, den Leser und Zuschauer emotional zu beschäftigen und in tiefer Besorgnis zu wiegen. „Scheitert der Euro? Breitet sich Ebola aus? Gibt es Krieg in Europa? Michael Moores auf die USA gemünzte These, die Aufgabe heutiger Massenmedien sei es, die Gesellschaft in ständiger Angst zu halten, wird hier und heute verwirklicht. Jedes Unglück, jedes Attentat, jedes Unwetter, jede Terrordrohung wird zur existenziellen Verunsicherung, der man nur mit mehr Sicherheit und ständiger Selbstprüfung entkommen kann.“

2. „Rutesheim sorgt bundesweit für Aufsehen“
(leonberger-kreiszeitung.de, Ulrike Otto)
Ulrike Otto besucht Petra und Kai Oberst in der Postagentur Rutesheim, in der „Bild“ nicht mehr verkauft wird: „Die Berichterstattung über den Germanwings-Absturz, über Griechenland und vieles andere, der Eindruck, viele nehmen die Bild-Zeitung als feste Institution, als Macht-Medium einfach hin und finden sich damit ab. ‘Ist das die richtige Art des Journalismus?’, fragt Kai Oberst, der nicht glaubt, dass die Bild das Sprachrohr der Deutschen ist, zu dem sie sich selbst gern aufschwinge.“ Siehe dazu auch „Wie weit…“ (shopblogger.de, Björn Harste).

3. „Draufhalten: Medien in Montabaur“
(ndr.de, Video, 6:32 Minuten)
Nach dem Absturz von Germanwings-Flug 9525 versammeln sich in Montabaur internationale Medienteams.

4. „Germanwings: Ungefilterte Welt“
(persoenlich.com, René Zeyer)
Journalismus „filtert nicht mehr“, stellt René Zeyer fest: „Selbst wenn man das alte Kriterium anwendet, die Grösse einer News über Todesfälle ist proportional zur Entfernung des Lesers oder Zuschauers zum Tatort, wobei davon betroffene Staatsangehörige des Zielpublikums Extrapunkte geben, findet hier mal wieder Jämmerliches statt.“

5. „Die Sache mit dem Namen“
(medienwoche.ch, Rico Bandle)
Rico Bandle gibt zu bedenken, dass der Journalismus früher Namen und Adressen von Privatpersonen genannt hat: „Es ist ein interessantes Paradoxon: Je mehr die Leute freiwillig von ihrem Privatleben preisgeben, desto restriktiver sollen die Medien damit umgehen. Als wollte man die eigene Freizügigkeit kompensieren, indem man die Medien einzuschränken versucht.“

6. „Die andere Seite“
(journalist.de, Michalis Pantelouris)
Im Umgang der deutschen Medien mit Griechenland sieht Michalis Pantelouris drei Grundfehler: „Da ist erstens die Tatsache, dass Konfrontation spannender ist als Kooperation. Zweitens werden Zitate nicht daraufhin untersucht, was in ihnen steckt, sondern darauf, was man zugespitzt aus ihnen machen kann. Und drittens haben viele Medien das Problem, Fehler nicht eingestehen zu können oder zu wollen.“

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