Archiv für 6 vor 9

Justizia live, Bedrohter Gronkh, Fake-News über RT-Deutsch

1. Bundesgerichte: Parlament erlaubt Live-Streaming von Urteilsverkündungen
(heise.de, Stefan Krempl)
In seltener Einigkeit wurde der Gesetzesentwurf der Bundesregierung von den Fraktionen beschlossen: Urteilsverkündungen der obersten Bundesgerichte dürfen bald über Internet und Fernsehen übertragen werden. Und auch für mündliche Verhandlungen gelten demnächst neue Regeln. Generell solle es auch zulässig werden, Tonaufnahmen mündlicher Verhandlungen in einen Arbeitsraum direkt vor Ort für Medienvertreter zu übertragen.

2. „Wenn Deniz schreibt, lebt er in einer anderen Welt“
(welt.de, Hilal Köse)
Die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ hat mit Dilek Mayatürk Yücel gesprochen, die seit April mit dem in der Türkei inhaftierten Denis Yücel verheiratet ist. Im Interview geht es um die Haftbedingungen, aber auch um Gefühle. So endet das Gespräch mit einem Liebesgedicht und den an Denis Yücel gerichteten Worten: „Ich liebe dich sehr. Ich küsse deinen Edelmut. Und bitte, rauch nicht so viel, okay?“

3. Viele nutzen soziale Medien, vertrauen ihnen aber nicht
(de.ejo-online.eu, David Levy)
In den meisten Ländern vertrauen die Nutzer weiterhin klassischen Nachrichtenmedien mehr als den sozialen Medien. Zu diesem Ergebnis ist jedenfalls der sechste „Digital News Report“ gekommen, der auf einer Online-Befragung von 70.000 Mediennutzern in 36 Ländern basiert.

4. Medienanstalt droht mit Verfahren gegen Gronkh
(golem.de)
Die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen scheint Ernst zu machen: Nach Peter Smits („Pietsmiet TV“) wurde nun auch Erik „Gronkh“ Range aufgefordert, eine Rundfunklizenz vorzulegen. Die Begründung: Da es sich um eine regelmäßige Sendung mit mehr als 500 Zuschauern handele, sei eine entsprechende Zulassung nötig. Gronkhs Anwalt hat einen Antrag auf „rundfunkrechtliche Unbedenklichkeit“ gestellt, den die Medienanstalt vorerst abgelehnt hat. Pikanter Nebenaspekt: Im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung von NRW sei vereinbart worden, dafür zu sorgen, dass Streamer künftig keine Rundfunklizenz mehr benötigen. Die Umsetzung könne jedoch Jahre dauern.

5. Als ich versehentlich Fake-News über Russia Today Deutschland (RT-Deutsch) verbreitet habe…
(politicaldatascience.blogspot.de, Simon Hegelich)
In einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ hieß es, eine Studie würde belegen, dass „Russia Today Deutsch“ (RT-Deutsch) auf Facebook die einflussreichste deutsche Nachrichtenseite sei. Der Autor der Studie, Prof. Simon Hegelich von der TU München, reagiert darauf („Unsinn“) und erklärt, wie es zu der Falschmeldung gekommen ist.

6. „Überall war Helmut Kohl“
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Nach dem Tod von Helmut Kohl fühlte sich Kolumnistin Silke Burmester in einer „Kohl-Matrix“ gefangen. Wohin sie auch sah, liefen Sondersendungen, Live-Schalten und Dokumentationen. „Es scheint mittlerweile egal, was da kommt, ob ein Unwetter, ein Terrorangriff oder der erwartbare Tod einer Persönlichkeit. Man unterscheidet nicht mehr, ob das Ereignis eine Relevanz für die Gegenwart hat oder ob es allein eine emotionale Bedeutung hat – alles wird genutzt, um zur Ergötzung der eigenen, sender-immanenten Eitelkeit den Apparat in Bewegung zu halten.“

Antisemitismus-Doku, Ausgesperrt, Macrons Mediendistanz

1. „Haben Sie nicht!“ – „Haben wir doch!“
(sueddeutsche.de, Matthias Drobinski)
Nun wurde sie doch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt: Die umstrittene Antisemitismus-Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf die Juden in Europa“. Der TV-Sender „Arte“ hatte die Ausstrahlung verweigert, es gebe handwerkliche Mängel. Nachdem „Bild“ den Film für 24 Stunden online gestellt hatte, ist die „ARD“ nachgezogen und hat die Doku gesendet. Jedoch mit eingeblendeten Hinweisen auf den online abrufbaren Faktencheck der WDR-Redaktion mit 29 kritischen Anmerkungen. Danach wurde sich bei Sandra Maischberger zum Talk zusammengesetzt, wo der Streit teilweise ins Absurde abgerutscht sei.

2. Fernsehen wird zum Luxusgut
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Wird Fernsehen zum Luxusgut? In Bezug auf manches Sportevent schon, wie der Rechtepoker um die Champions League beweist. Die Öffentlich-Rechtlichen werden nicht nur vom Privatfernsehen, sondern auch von Streamingdiensten bedrängt: „Während einst die billigen Plätze vor der Glotze waren, sind sie heute in den algorithmischen Endlosschleifen auf Facebook oder Youtube. Die Bezahlschranke wird zum sozialen Selektionskriterium. Wer sich die Zusatzgebühr für die Zaubertricks von Messi und Co. nicht leisten kann oder will, schaut am Ende in die Röhre.“

3. Märchenprinz mit Kennedylächeln
(deutschlandfunk.de, Jürgen König)
Der französische Präsident Emmanuel Macron hält Distanz zu den Medien. Manche werfen ihm dies als überzogene Kontrolle und Zensur vor, manche loben es als notwendige und längst fällige Wende im Umgang mit den Medien. „Das Ansehen der Presse ist schlecht in Frankreich – wie das der Politik. Es sind nicht wenige Franzosen, die Journalisten und Politiker der Kumpanei bezichtigen. Vielleicht geht Präsident Macron auch deshalb auf so deutliche Distanz.“

4. Warum wir Terrorbilder trotzdem zeigen
(nzz.ch, Peter Rásonyi)
Dürfen Medien Bilder von Terroranschlägen zeigen oder verbreiten sie damit nur noch mehr Schrecken und machen sich womöglich zu Komplizen der Terroristen? Die „NZZ“ würde Bilder zeigen, aber im Einzelfall abwägen. „Trotzdem ist unvermeidlich, dass dies stets in Grauzonen erfolgt. Das Ergebnis einzelner Entscheidungen kann von Lesern unterschiedlich empfunden werden. Wir sind uns dessen bewusst und stellen uns gerne dem Dialog mit ihnen.“

5. Sächsische Zeitung: Reporter bei Konsum-Bilanz-PK ausgesperrt
(flurfunk-dresden.de)
Die „Konsum Dresden Genossenschaft“ hat einen Journalisten der „Sächsischen Zeitung“ von ihrer Bilanzpressekonferenz ausgeschlossen. Ohne Begründung wurde ihm der Zugang zur Veranstaltung verwehrt. Der vermutete Hintergrund: Der Journalist hatte in der Vergangenheit kritisch über das Unternehmen berichtet. „Sächsische Zeitung“ und die Landespressekonferenz LPK haben das Verhalten der Konsum Genossenschaft kritisiert und missbilligt.

6. Schlag ins Gesicht
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Ab Freitag zeigt Netflix die Doku „Nobody Speak: Trials of the Free Press“. Im Kern geht es um den bizarren Rechtsstreit zwischen dem früheren Profi-Wrestler Hulk Hogan und der Klatsch-Website „Gawker“, die Ausschnitte eines privaten Sexvideos mit Hogan gezeigt hatte. Hogan hatte daraufhin das Portal verklagt und bekam 140 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen. Eine Summe, die „Gawker“ in die Pleite riss. Später stellte sich heraus, dass der Silicon-Valley-Milliardär und Paypal-Gründer Peter Thiel den Rechtsstreit finanziert hatte. Wohl angetrieben von persönlichen Rachegedanken gegenüber der Plattform, die ihn einst geoutet hatte.

Deutschland spricht, Football Leaks, Farbenlehre

1. Einen Mirko gibt es hier nicht
(zeit.de, Jochen Wegner)
„Die Zeit“ hat die Aktion „Deutschland spricht“ ins Leben gerufen, bei der Menschen ein Gesprächspartner mit politisch gegensätzlichen Ansichten vermittelt wurde: Für ein persönliches Treffen und politisches Zwiegespräch (hier der Werkstattbericht). Auch „Zeit Online“-Chef Jochen Wegner hat sich vom Matching-Algorithmus einen Gesprächspartner zuweisen lassen. Sein Bericht über die Begegnung mit seinem andersdenkenden Counterpart „Mirko“ ist ein spannend zu lesendes Stück Journalismus.

2. Buhrows Farbenlehre
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Beim gemeinsam von „ARD“ und „ZDF“ geführten Ereignis- und Dokumentationskanal „Phoenix“ steht demnächst ein Wechsel an der Spitze an: Einer der zwei Chefposten wird neu besetzt. Hans Hoff erklärt, nach welchen Kriterien die Personalentscheidung läuft, und das hat viel mit „politischer Farbenlehre“ zu tun.

3. „Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann über Fußballjournalismus: „Bei regionalen Tageszeitungen besteht ein enormes Abhängigkeitsverhältnis“
(kress.de, Frank Hauke-Steller)
„Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann hat zusammen mit seinem Kollegen Michael Wulzinger ein Buch über „Football Leaks“ und die schmutzigen Geschäfte im Profifußball geschrieben. Der Whistleblower „John“ hatte dem „Spiegel“ ein Datenkonvolut von 1,9 Terabyte, umgerechnet 18,6 Millionen Dokumente, zukommen lassen. In Interview erzählt Buschmann von seinem Kontakt mit John und der Entscheidung, das Material mit den 60 EIC-Kollegen und den dahinterstehenden zwölf anderen europäischen Medienhäusern zu teilen. Und es geht natürlich um den Fußball und die Zukunft des Fußballs.

4. „Bundestag beschränkt Arbeit von Journalisten“
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der Bundestag hat seine „Zugangs- und Verhaltensregeln“ überarbeitet und an zahlreichen Stellen die Möglichkeiten für Berichterstattung verschlechtert. Die Bundespressekonferenz (BPK), ein Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten, ist wegen der verschärften Regeln für Journalisten im Bundestag erzürnt und fordert eine Rücknahme beziehungsweise Neugestaltung. Der DJV sieht in den neuen Regelungen eine „weitgehende Verhinderung von Journalismus“.

5. Insel der Möglichkeiten
(taz.de, René Martens)
Das Monatsmagazin „Tempo“ ist vielen noch in Erinnerung, obwohl es nur in den zehn Jahren zwischen 1986 und 1996 erschien. Das liegt auch an prominenten Namen wie Christian Kracht, Maxim Biller oder Sibylle Berg, die man mit dem Magazin verbindet. Nun wird der Name des legendären Monatsmagazins von einem Verlag für ein neues Projekt genutzt. René Martens erinnert sich an die Zeiten, in denen er selbst in Hamburg für „Tempo“ arbeitete.

6. Die wirklich sehr deutsche Geschichte vom Immer-Schlauer-Sein
(medium.com, Gerald Hensel)
Gerald Hensel hat den „Ramadan Friedensmarsch“ von „#NichtMit uns – Muslime & Freunde gegen Gewalt und Terror“ zum Anlass genommen, über den medialen Umgang mit politischen Ideen nachzudenken: „In nichts lernt man die Geringschätzigkeit auch großer deutscher Presseerzeugnisse so gut kennen, wie in ihrer Abschätzigkeit gegenüber jeder neuen politischen Idee. Die Methode ist simpel und hat für die, die sich dessen ausgesetzt sehen, einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt: die rechte Bubble weidet sich an deinem vermeintlichen Fail, bildet das Narrativ. Danach ziehen meist einige große Medien nach.“ Die Aktivisten ermuntert er, bei der Sache zu bleiben. „Gebt euch noch mehr Zeit, die Idee zu entwickeln und dann werdet ihr ganz schnell sehen, wie schnell die Meinungsopportunisten wieder die Seite wechseln.“

Kohl-Interview, „Bild“-Hochstaplerin, Paranoia-Jones

1. Helmut Kohl – im Halbdunkel
(dbate.de, Stephan Lamby)
Im Jahr 2003 fand Helmut Kohls letztes großes TV-Interview statt. Das Interview zog sich über vier Tage – zwei Tage im Frühjahr, zwei Tage im Herbst. Dokumentarfilmer Stephan Lamby erinnert sich an das ungewöhnliche Gespräch, das er und sein Co-Autor Michael Rutz mit dem Ex-Kanzler führten. Wer sich nach der Lektüre für das Gespräch interessiert: „dbate“ zeigt das Interview in sechs einstündigen Folgen.

2. Dieses BILD-Interview über Germanwings-Pilot Andreas Lubitz ist offenbar erfunden
(buzzfeed.com, Petra Sorge)
Drei Tage nach dem Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525 im März 2015, bei dem 150 Menschen starben, brachte „Bild“ ein Interview mit der angeblichen Geliebten des Co-Piloten. Nachdem die „Zeit“ schon Zweifel geäußert hatte, scheint sich nun zu bestätigen, dass „Bild“ offenbar einer Hochstaplerin Gehör geschenkt und eine frei erfundene Geschichte abgedruckt hat.

3. „Zeitungen werden nicht überleben“
(swissinfo.ch, Roger Nickl & Thomas Gull)
Zwei Medienexperten aus der Schweiz sprechen über die Zukunft der Medien: Otfried Jarren, Professor für Publizistik an der Universität Zürich (UZH) und der lange Jahre als Auslandskorrespondent und Chefredakteur und nunmehr als freie Journalist tätige Casper Selg. Einig sind sich beide, dass die klassischen Nachrichtenmedien nicht überleben werden: „Zeitungen sind Produkte, die Themen aus Politik, Unterhaltung, Kultur mit Werbung kuppeln und integral zu einem Preis verkaufen. Diesen Markt gibt es so nicht mehr, weil die Digitalisierung es erlaubt, journalistische Inhalte anders abzusetzen und individuell und selektiv zu konsumieren. Die Werbung und die Nutzerinnen und Nutzer werden bestimmen, wohin die Reise geht.“ (Otfried Jarren)

4. Der paranoideste Mensch in Amerika?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz)
Der Amerikaner Alex Jones ist ein berühmt-berüchtigter Moderator einer täglichen Radiosendung, in der er regelmäßig wilde Verschwörungstheorien verbreitet, oft von wilden Wutausbrüchen und Schreiattacken begleitet. Außerdem betreibt er die umstrittene Webseite „infowars.com“. Nun hat sich Star-Moderatorin Megyn Kelly (vormals „FoxNews“, jetzt „NBC“) mit dem Schreihals getroffen, um ihn zu interviewen. Dies ruft vielerlei Kritik hervor. Für weitere Diskussionen sorgt, dass Alex Jones die unerlaubt mitgeschnitten Vorgespräche veröffentlicht hat. US-Zeitungen und Online-Dienste seien sich weitgehend einig, dass das Medienevent ein Fehler von Kelly und NBC war.

5. NetzDG: Grundlegend neuer Ansatz nötig
(www.reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ appelliert an den Bundestag, das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz in seiner aktuellen Form abzulehnen: „Strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken sind ein reales Problem und sollten gelöscht werden. Aber dieser Gesetzentwurf vermischt ganz verschiedenartige Rechtsprobleme, setzt auf untaugliche Mittel und ist schlecht begründet“, so der Geschäftsführer der Organisation. Weitere Leseempfehlung: Netzwerkdurchsetzungsgesetz: Experten haben gravierende verfassungsrechtliche Bedenken bei „Heise Online“.

6. Von Postergirls und Dunklen Rittern – Wie man über die Neue Rechte schreiben sollte und wie nicht
(blog.zeit.de, Michael Barthel)
Michael Barthel berichtet im „Störungsmelder“-Blog der „Zeit“ von der Schwierigkeit, über die Neue Rechte zu schreiben. Schaue man sich den Journalismus zum „Institut für Staatspolitik“ und „Identitärer Bewegung“ an, so entdecke man neben einigen guten Artikeln etliche, die auf die Selbstinszenierung der „Neuen Rechten“ reinfallen: „Die unverhältnismäßige Aufmerksamkeit durch die Medien hat dazu geführt, dass sich die Protagonisten der IB mittlerweile wie Popstars — oder eben Postergirls — vorkommen müssen.“

Missglückte taz-Landschaften, Assange-Doku, Gläserne Gesetze

1. Das ging daneben
(taz.de, Georg Löwisch)
Der „taz“-Titel zu Helmut Kohls Tod („Blühende Landschaften“) hat viele kritische Reaktionen hervorgerufen. Auch „taz“-Chefredakteur Georg Löwisch hält den Titel für missglückt. Man hätte einen Kontrapunkt zu all den verklärenden Lobhudeleien setzen wollen. Das sei jedoch danebengegangen.

2. Welchen Fakten können wir trauen?
(philomag.de, Philipp Felsch)
Die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston und der Investigativjournalist Georg Mascolo haben sich über die Krise der Wahrheit in der Ära Trump unterhalten. Ein Gespräch, für das man sich etwas Zeit nehmen sollte und das viele interessante historische und philosophische Themen anschneidet wie den Vergleich der Historikerin: „Die Flugblätter der Reformationszeit lassen sich mit einer Webseite wie Breitbart News vergleichen. Es hat über 200 Jahre, also bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gedauert, bis Verfahren etabliert waren, mit denen sich wahre von falschen Informationen unterscheiden ließen. Ich hoffe, wir sind in der Lage, heute schneller an dieses Ziel zu gelangen.“

3. Neues Transparenz-Portal eine wahre Fundgrube
(djv.de, Anna-Maria Wagner)
Als eine wahre Fundgrube für recherchierende Journalisten und alle anderen, die sich beruflich oder privat für Lobbyismus interessieren, bezeichnet Anna-Maria Wagner das neue Transparenz-Portal „Gläserne Gesetze“, eine Gemeinschaftsproduktion von „fragDenStaat.de“ und „abgeordnetenwatch.de“. Das Ziel der Datenbank: Den Einfluss von Lobbyisten auf die Gesetzgebung transparent machen und sichtbar machen, wenn Forderungen von Interessenvertretern in Gesetzestexte übernommen wurden. Bereits jetzt gäbe es dort 17.000 dokumentierte Fälle, in denen Lobbyisten an Gesetzen mitgewirkt hätten.

4. Landespolizei kontrolliert Beamte
(kn-online.de, Bastian Modrow)
Die Schleswig-Holsteinische Landespolizei hat im Zuge der sogenannten „Rocker-Affäre“ die Kontrolle ihrer Beamten massiv ausgeweitet. Angeblich wird die gesamte Internetkommunikation im Bereich des Innenministeriums seit Anfang April protokolliert. Darüber hinaus würden Polizisten überprüft, die in Verdacht stehen, Kontakt mit kritischen Journalisten, Politikern und Rechtsanwälten zu pflegen. Nach Angaben von leitenden Polizisten ginge es vornehmlich darum, „singende Ratten“ zu identifizieren – so würden demnach im Führungsstab des Landeskriminalamts (LKA) Kiel jene Beamte genannt, die im Zuge der Rocker-Affäre mit Presse und Politikern Kontakt haben.

5. Standortfrage
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Europa gerät dort an seine Grenzen, wo Wirtschaftsinteressen berührt sind. Nachdem die EU schon Schritte gegen Roaminggebühren und Geoblocking unternommen hat, will sie nun den grenzüberschreitenden Zugriff auf Mediatheken von TV-Sendern erleichtern. Dagegen protestiert die Filmwirtschaft, die ihr Geschäftsmodell bedroht sieht.

6. Kein normaler Mensch
(zeit.de, Monika Ermert)
Die oscarprämierte Filmemacherin Laura Poitras hat eine neue Doku gedreht, in der es um Wikileaks und das Gesicht der Enthüllungsplattform geht: Julian Assange. Wie nicht anders zu erwarten, gab es auch Kritik an dem Film beziehungsweise an der Darstellung der porträtierten Personen. Für „Zeit“-Autorin Monika Ermert jedoch kein Grund, dem Kino fernzubleiben: „Auch wenn Poitras schon viel Schelte für den Film bezogen hat, sehenswert ist das Stück für alle, die sich für die Figuren rund um WikiLeaks interessieren, allemal.“

200-Mio-Diebstahl, Schleichwerbungs-Cabrio, Guardian auf Sparkurs

1. Gespaltene Erlöse, seltsame Geschäfte
(sueddeutsche.de, Klaus Ott)
„ARD“ und „ZDF“ und weitere öffentlich-rechtliche Anstalten betreiben in München das Institut für Rundfunktechnik (IRT). Zweck der Einrichtung ist die Vermarktung von Erfindungen, Patenten und Lizenzrechten. Einem IRT-Patentanwalt ist es offenbar gelungen, bei der Vermarktung von wertvollen MPEG-Rechten über Jahre hinweg 200 Millionen Euro in die eigene Tasche zu wirtschaften. Nun beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft München I mit dem Wirtschaftskrimi.

2. Schleichwerbung bei RTL. Medienanstalt ermahnt Sender.
(fair-radio.net, Sandra Müller)
Der Radiosender „RTL 104.6“ hat in einem Gewinnspiel über Wochen Schleichwerbung für einen Autohersteller gemacht. Daraufhin hat sich „fair radio“ mit einer Beschwerde an die Medienanstalt Berlin-Brandenburg gewandt, welche den Sender nun ermahnt hat. Bei „fair radio“ sieht man die Sache mit gemischten Gefühlen: Einerseits freut man sich über die relativ schnelle Reaktion, andererseits sei der zweite Kritikpunkt am Gewinnspiel außen vor geblieben. Man halte das missverständliche Gewinnversprechen ebenfalls für beanstandungswürdig. Und dieses sei von der Medienanstalt nicht gerügt worden.

3. 20 Prozent wegschneiden
(taz.de, Ralf Sotschek)
Bei der britischen linksliberalen Tageszeitung „Guardian“ gibt es weitere Einschnitte, denn die letzten beiden Geschäftsjahre haben dem Blatt trotz Sparkurs deftige Verluste beschert. In den letzten 12 Jahren sank die Auflage von 380.000 auf 160.000. Eine Weboffensive sorgte zwar dafür, dass der Online-„Guardian“ zu den drei meistgelesenen englischsprachige Zeitungen der Welt gehört. Doch die freiwilligen Beiträge der Online-Leser reichen nicht, um das Unternehmen in die Gewinnzone zu führen. Nun will man bei der Printausgabe vom „Berliner Format“ auf das kleinere „Tabloid“-Format umsteigen, um Papier und Druckkosten zu sparen.

4. Wieviel Fernsehen darf Youtube?
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der „Tagesspiegel“ hat mit Dokumentarfilmer Stephan Lamby (letzter Film: “ Nervöse Republik – Ein Jahr Deutschland“) über seine Haltung zu Youtube gesprochen: „Ich ärgere mich, wenn ein Youtube-Nutzer ohne jedes Recht und ohne Absprache in einen Film Werbung davor- und dazwischenschaltet, um Geld mit unserer Arbeit zu verdienen. Die Budgets gerade bei Fernsehproduktionen stehen nach wie vor unter Druck, die Autoren bekommen häufig ohnehin nicht das, was sie bekommen sollten. Das ist es etwas Anderes, als wenn jemand etwas auf Youtube veröffentlicht, um es nach der TV-Ausstrahlung der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Das kann in Einzelfällen eine lässliche Sünde sein, die kommerzielle Nutzung ohne Genehmigung ist es hingegen nicht.“

5. „Warum vertuscht ihr denn diesen Skandal?“
(falter.at, Florian Klenk)
Florian Klenk erklärt, warum beim „Falter“ im Fall eines tödlichen Bootsunfalls nicht über den Namen eines prominenten Beschuldigten gesprochen wird: „Wir beachten den Identitätsschutz des Mediengesetzes und sehen kein öffentliches Interesse darin, den Mann, der kein öffentliches Amt mehr bekleidet, nach dem Drama auch noch an den Medienpranger zu ketten.“ Mit Vertuschung habe das nichts zu tun, sondern mit Verantwortung und Persönlichkeitsschutz auch gegenüber Beschuldigten. Das unterscheide Journalismus von der „Meute im Netz“.

6. Olli Dittrich feat. Jan Böhmermann – „Life In The Streets (Journalism!)“
(youtube.com, Olli Dittrich & Jan Böhmermann)
„Die Journalisten der Welt riskieren täglich ihr Leben, arbeiten eingepfercht in Käfighaltung für einen Hungerlohn – und werden dafür auch noch verachtet. Es ist an der Zeit, dass diesem geächteten Berufsstand endlich ein musikalisches Denkmal gesetzt wird!“

Minenfeld, Mainstream-Innovationen, Meisterreporter

1. Mit Elan ins Minenfeld
(spiegel.de, Arno Frank)
Die von „Arte“ und „WDR“ zurückgehaltene Antisemitismus-Doku beschäftigt weiter die Medien. Der „Spiegel“ attestiert dem Film handwerkliche Mängel: „Es ist von keinem richtigen Journalisten zu verlangen, über gezielten Hass und traditionelle Dummheit „ausgewogen“ zu berichten. Er sollte dann aber nicht fahrlässig Lücken lassen, durch die der Zweifel einsickern kann. Was stimmt, das muss auch sitzen. Seine Unschärfen sind es, mit denen der Film im Eifer des Gefechts seine eigene Haltung schwächt. Deshalb ist es kein Verdienst, dass diese Dokumentation nun über Umwege doch gezeigt wurde. Mit ein wenig mehr Arbeit hätte sie wesentlich mehr Wucht entfalten können.“

2. Wie Populismus digital funktioniert. Die Geschichte eines Tweets.
(fearlessdemocracy.org, Gerhard Hensel)
„Fearless Democracy“ baut eine neue Plattform auf: Für „HateAid“ sucht man aktuell Menschen, die politischen Hass im Netz erlebt haben, und denen man über einen möglichen Kooperationspartner günstig juristischen Beistand zukommen lassen will. Also twitterte man „Wir suchen Opfer pol. Gewalt im Netz für ein juristisches Pilot-Projekt. Es geht um kostenfreien jur. Beistand ggü. Angriffen. Ping us.“ Vor allem von rechter Seite gab es daraufhin Gegenwind, obwohl das Projekt ausdrücklich keiner politischen Richtung folge: „Reaktionen bisher, nachdem sich die halbe rechte Szene an unserem Tweet abgearbeitet hat: Null. Kein Tweet, keine Email, kein substanzielles Interesse an unserem Angebot. Auf kein einziges Gesprächs- oder Interaktionsangebot wurde bisher reagiert. Es geht ums Vorführen, Framen und ums Ersticken von allem, was nicht direkt ins eigene Weltbild passt.“

3. Der Spiegel und seine sinnlosen Mainstream-Innovationen – Ihr seid doch ein Nachrichtenmagazin!
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Der „Spiegel“ hat in letzter Zeit einige Projekte in Angriff genommen, die sich am Markt nicht durchsetzen konnten. Und neue Projekte wie eine Beilage für Luxus-Lifestyle („S-Magazin“) seien bereits in der Pipeline. Stefan Winterbauer hält wenig von der Innovations-Offensive und rät dem „Spiegel“, sich auf seine Kernkompetenz als Nachrichtenmagazin zu konzentrieren. „Der Spiegel ist nun mal nicht Bauer oder Burda oder Gruner. Was wollen sie beim Spiegel als nächste Innovation präsentieren? Ein Heft mit Rezeptideen für den Thermomix vielleicht? Oder einen Abklatsch der Landlust? Spiegel der Frau?“

4. Einst Stimme der Unterdrückten – und heute?
(deutschlandfunk.de, Sabine Rossi, Audio, 3:48 Minuten)
Nahost-Korrespondentin Sabine Rossi bescheinigt dem Fernsehsender „Al Jazeera“ einen schleichenden Verfall. Früher hätte der Sender Unterdrückten eine Stimme gegeben und den klinischen Kriegsbildern der USA etwas entgegengesetzt. Heute sei vom Vorzeige-Journalismus von damals nicht viel über geblieben. Das hab viel mit dem Geldgeber zu tun: dem Emirat Katar.

5. Wenn der „Tatort“ bei YouTube verschwinden muss
(welt.de, Christian Meier)
Christian Meier berichtet von einem kuriosen Rechtsstreit zwischen Youtube und der Produktionsfirma eines Dokumentarfilms. Ein Nutzer („Revo Luzzer“) hatte den Film ungenehmigt auf das Videoportal geladen. Darauf hatte sich die Produktionsfirma bei Youtube gemeldet und um Löschung gebeten. Dem war Youtube auch nachgekommen, doch der Uploader reichte eine Gegendarstellung ein. Es läge keine Urheberrechtsverletzung vor, denn als Rundfunkbeitragszahler sei er „Miteigentümer“ des Films. Darauf gab Youtube den Film erneut frei… Das Landgericht Leipzig gab nun der Klage der Produktionsfirma gegen Youtube statt.

6. Die scheinbar Uneitlen sind oft die allerschlimmsten
(sueddeutsche.de, Holger Gertz)
Der Schauspieler und Komiker Olli Dittrich gibt heute eine fiktive Journalistenlegende: „Der Meisterreporter – Sigmar Seelenbrecht wird 81“ (ARD, 23.30 Uhr). „SZ“-Autor Holger Gertz kennt den Film bereits und kommt zum Urteil: „Herrlicher und sehr kluger Irrsinn.“
(Der Ausgewogenheit wegen: Hendrik Steinkuhl kommt in seiner Fernsehkritik zu einem gänzlich anderen Ergebnis: „Da ist sogar der Sat.1-Fun-Freitag lustiger“ Da hilft wohl nur das eigene Urteil…)

Antisemitismus-Doku, Klickfarm, Terrorberichterstattung

1. Die BILD will einordnen
(djv.de, Anna-Maria Wagner)
Anna-Maria-Wagner fragt sich in ihrem Kommentar, warum „arte“ und „WDR“ der Vorgang um die umstrittene Antisemitismus-Doku so entglitten sei. Der von den Sendern aus dem Programm genommene Film war 24 Stunden online bei Bild.de zu sehen, was die Diskussion zusätzlich befeuert hatte. „Warum genau konnten die öffentlich-rechtlichen Sender diese kritische Einordnung eigentlich nicht selbst vornehmen und die Doku zeigen? Spätestens, als der Streit über die Ausstrahlung eskalierte und dadurch befeuerte überragende öffentliche Interesse an dem Film gegeben war, hätten sie das tun sollen. Nun müssen Arte und WDR mit den nachhallenden Vorwürfen von Zensur und Bevormundung leben, während andere im Netz für ihren mutigen Journalismus gefeiert werden.“

2. Terrorberichterstattung muss sich ändern
(de.ejo-online.eu, Philip Seib)
Der in Kalifornien lehrende Philip Seib beschäftigt sich in seiner Forschung mit den Auswirkungen von Medienberichterstattung auf die Außenpolitik, vor allem zu Konflikt- und Terrorismus-Themen. In seinem Beitrag wünscht er sich von den Journalisten mehr inhaltliche Tiefe. Es gäbe zwar durchaus Journalisten, die sich zu Terrorismus-Experten entwickelt hätten, aber insgesamt sei die Berichterstattung zum Thema Terror noch immer zu einseitig und zu sehr auf einzelne Anschläge bezogen: „Seit dem 11. September 2001 hat es der Journalismus nicht geschafft, mit dem Terrorismus Schritt zu halten. Er sollte dies jetzt aufholen.“

3. Digitalisierung: Verlage zwischen Theorie und Praxis
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz fasst die Ergebnisse der neuen PWC-Studie „Media Outlook“ zusammen und leitet verschiedene Erkenntnisse für Zeitungs- und Medienmacher ab: Das Stammpublikum werde immer wichtiger. Auch in der Nische gäbe es Leben, deshalb sei eine radikale Fokussierung auf eine klar definierte Zielgruppe notwendig. Stärker als bisher müsse auf eine „Unverzichtbarkeit“ hingearbeitet werden. In vielen Verlagen sei das Bewusstsein, abseits des gedruckten Blatts eine Medienmarke darzustellen, nur unzureichend ausgebildet. Und schließlich sei in vielen Häusern immer noch nicht vollständig angekommen, dass die Welt endgültig den Schritt zur volldigitalisierten Gesellschaft gehe.

4. Hunderte iPhones gefunden – Polizei hebt Klickfarm in Thailand aus
(spiegel.de)
Immer wieder hört man von sogenannten „Klickfarmen“, in denen eine Vielzahl schlecht bezahlter Helfer z.B. auf Onlineanzeigen klickt, um Werbeeinnahmen zu generieren. Nun wurde in Thailand eine Klickfarm von gigantischem Ausmaß ausgehoben, die weitgehend ohne Personal auskommt: Fast 500 iPhones waren in einer Konstruktion zusammengekoppelt, um vollautomatisiert Fake-Likes für Produkte zu hinterlassen oder Produkte in Chinas großem Netzwerk „WeChat“ zu bewerben (Video der Apparatur in Betrieb). Außerdem wurden bei der Hausdurchsuchung 347.200 Handykarten beschlagnahmt.

5. „Wir glauben erstmal gar nichts“
(message-online.com, Chantal Alexandra Pilsl & Malte Zeller)
Malte Zeller hat Mediendokumentation studiert und anschließend als Trainee die verschiedenen Abteilungen der „Spiegel“-Dokumentation durchlaufen. Nun übernimmt er in wenigen Tagen die Leitung des Bildverifikationsteams. Pro „Spiegel“-Ausgabe überprüfe man etwa 200 Bilder. Im Interview verrät er, worauf es beim visuellen Fact-Checking ankommt.

6. Lesedauer: 100 Minuten
(taz.de, Mark-Stefan Tietze)
Vielen Onlinebeiträgen wird ein Hinweis auf die veranschlagte Lesedauer vorangestellt. Mark-Stefan Tietze hat sich in der Wahrheitskolumne der „taz“ mit dem Phänomen auseinandersetzt.

Finis Germania, Langweiler Amazon, ZDF-Verschwiegenheit

1. Empfehlung nach Punkten
(sueddeutsche.de, Lothar Müller)
Am vergangenen Freitag rieben sich viele Leser beim Anblick der Liste mit Sachbuch-Empfehlungen von „NDR“ und „SZ“ verwundert die Augen. Auf Platz neun stand dort das Buch eines rechtsradikalen Verlags, „Finis Germania“ des 2016 verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle. Wie konnte das passieren? (Und damit ist nicht der nach Meinung vieler Twitter-User falsch verwendete Casus von „Germania“ gemeint) Nach Angaben der „FAZ“ durch einen Kniff des Jurymitglieds und langjährigen „Spiegel“-Redakteurs Johannes Saltzwedel. Dieser hätte seine 20 Bewertungspunkte nicht wie üblich und gewünscht auf drei oder vier Bücher verteilt, sondern komplett auf das rechtsextreme Werk verteilt. Nur dadurch sei das umstrittene Werk in die Empfehlungsliste gerutscht. Der NDR hat die Zusammenarbeit mit der Jury ausgesetzt, räumt aber ein, besser hingeschaut haben zu müssen. Mittlerweile hat auch Saltzwedels Arbeitgeber, der „Spiegel“, reagiert: „Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat“, so Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, „und wegen des entstandenen Schadens begrüße ich seinen Rücktritt aus der Jury.“

2. Es gibt keinen Grund, so etwas zu verschweigen
(planet-interview.de)
„Planet Interview“ hat die Pressekonferenz des ZDF am 09.06. in Mainz besucht und dort einige unangenehme Fragen gestellt: Warum werden Lobby-Mitgliedschaften der Moderatoren nicht transparent gemacht? Warum werden die „Freundeskreise“ geheimgehalten? Warum ist jemand wie Anchorman Claus Kleber freier und kein fester Angestellter?
Die Veröffentlichung von Moderatorengehältern lehnt Intendant Bellut übrigens kategorisch ab. Solange er Intendant sei, werde es das nicht geben. Als Grund gibt er an: „Das unzufriedene Publikum wird dann jede Moderation nehmen und sagen: „Für das und das Geld erzählt er uns jetzt das?“. Es würde ihn in seiner Berufsentfaltung eindeutig einschränken. Es würde für ihn ein Problem sein.“

3. Die langweiligste Buchhandlung von New York
(faz.net, Lars Jensen)
Der Onlinehändler Amazon verkauft seine Bücher jetzt auch in echten Filialen. Vergangene Woche hat der Bücherriese eine Filiale in einem Einkaufszentrum am Central Park eröffnet. Lars Jensen war dort zu Besuch und findet, dass man nirgendwo die kulturelle und moralische Leere des Konzerns besser spüren könne als in diesem Geschäft. Das Sortiment basiere auf Milliarden von Datensätzen, die Amazon mit seiner Website generiere. In der Auswahl des Angebots manifestiere sich der kleinste gemeinsame Nenner von Millionen Kunden. Jensens Urteil: „Dies ist keine Buchhandlung, sondern das Gegenteil einer Buchhandlung.“

4. Ein Genre wird erwachsen
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat hat einen langen Aufsatz über Datenjournalismus verfasst, in dem er die Entwicklung des Genres nachzeichnet und Praktiker und Theoretiker zu Wort kommen lässt. Eine Leseempfehlung für alle diejenigen, die sich mit dem spannenden und sicherlich zukunftsträchtigen Thema auseinandersetzen wollen.

5. Merkel muss Pressefreiheit ansprechen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die „Reporter ohne Grenzen“ lenken den Blick auf ein afrikanisches Land, in dem Zensur und Selbstzensur allgegenwärtig seien und kritischen Journalisten lange Haftstrafen drohen würden: Ruanda. Bundeskanzlerin Angela Merkel solle anlässlich der G20-Afrikakonferenz auf tiefgreifende Verbesserungen der Pressefreiheit zu dringen.

6. Grenzgamer
(grenzgamer.com, DJS & Ströer Media Brands)
Ein Medienunternehmen hat zusammen mit der Deutschen Journalistenschule ein gemeinsames Projekt über Grenzen in Games umgesetzt. Dafür sind die Journalisten unter anderem ins Gefängnis gegangen, ins Seniorenheim und in virtuelle Welten, um herauszufinden, was Spiele für Menschen dort bedeuten. Die insgesamt 17 Beiträge wurden u.a. auf den Seiten von „sueddeutsche.de“ („Fadi spielt um sein Leben“) und „zeit.de“ („Zu arm zum Spielen“) veröffentlicht. Eine Übersicht aller 17 Beiträge und die Hintergründe gibt es auf „Grenzgamer“ unter oben angegebenem Link.

Recherchetreff, Regenbogenpresse empört, Tatort

1. Dokumentation nr17
(netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ setzt sich für Informationsfreiheit, investigativen Journalismus und die Vermittlung von Recherchetechniken ein. Einmal im Jahr trifft man sich zur Jahreskonferenz. Dieses Mal waren es mehr als 700 Teilnehmer, die an zwei Tagen in rund 120 Veranstaltungen über Probleme und Chancen der aktuellen Medienwelt diskutierten. Einige der behandelten Themen: Recherchen im Dark Net, Investigativer Sportjournalismus, Journalisten mit Migrationshintergrund und die Frage, wie Medien mit der AfD umgehen sollen (weitere Beiträge über den Link oben).

2. Regenbogenpresse empört: Wir lügen doch gar nicht immer nur!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Medienseite „kress.de“ hat drei Chefredakteuren von Regenbogenblättern aus dem Hause „Bauer“ die Möglichkeit gegeben, sich als hehre Journalisten darzustellen, die sich mit der „Königsdisziplin des Journalismus“, so die Eigenwahrnehmung, beschäftigen. Mehr oder wenige parallel hatte das „Netzwerk Recherche“ den Verlagen Bauer, Burda und Funke stellvertretend für die Regenbogenpresse den Negativpreis „Verschlossene Auster“ verliehen. Mit Dialogbereitschaft steht es in diesem Segment nämlich nicht so gut, wie Medienjournalist Stefan Niggemeier durch Offenlegung eines Mailwechsels dokumentiert.

3. Wie Debatten Wahlen entscheiden
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
Marcus Maurer ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Mainz. Sein Schwerpunkt: politische Kommunikation. Die „Süddeutsche“ hat sich mit ihm darüber unterhalten, warum unsere Gesellschaft seit ein paar Jahren von Großthemen wie Migration und innerer Sicherheit dominiert wird und Themen wie soziale Gerechtigkeit im Wahlkampf kaum jemanden interessieren.

4. Knebelvertrag ärgert Fotografen
(laut.de)
Das Schweizer Online-Magazin „Negative White“ protestiert gegen die Bedingungen, die professionellen Fotografen von der Hardrock-Band „Guns N‘ Roses“ auferlegt werden. Und die dazu geführt haben, dass man von einem Konzertbesuch Abstand genommen hat: „Natürlich wär ich enttäuscht gewesen, dass ich nur den Anfang des Konzerts mitbekomme und den Rest des Auftritts verpasse. Aber wenn mir dann auch noch die Rechte an meinen Bildern abgesprochen werden und ich die wenigen erlaubten Bilder auch noch ein einziges Mal in schlechter Qualität publizieren soll, dann habe ich gar keine Lust mehr, diese Band überhaupt zu fotografieren.“

5. Wehrhafte Juden sieht man nicht gern
(taz.de, René Martens)
Immer noch wird über die Entscheidung des Fernsehsenders „Arte“ debattiert, der eine „WDR“-Doku über Antisemitismus wegen angeblicher Unausgewogenheit nicht ausstrahlt. Die „taz“ hat sich den zurückgehaltenen Film zwischenzeitlich angeschaut. Man könne dem Film vielleicht vorwerfen, dass er zu viel auf einmal wolle. Der teilweise sarkastische Tonfall des Films sei zwar ungewöhnlich, aber angemessen: „Man kann auf die wahnhaften Äußerungen, die der Film aufgreift, kaum nüchtern reagieren. Selbst, wenn man die sarkastischen Einsprengsel für unangebracht hielte, wäre das nur ein geschmäcklerischer Einwand, der es nicht rechtfertigt, den Film in den Giftschrank zu packen.“

6. Reich und erfolgreich durch „Pranks“?
(faz.net, Niklas Záboji)
Im Dresdner „Tatort“ ging es um die bunte Youtube-Welt mitsamt ihrer Stars und Sternchen. Die „FAZ“ fragt: „Sind das fiktive Szenarien oder reale Abgründe – und wie läuft das Geschäft mit den jungen Internetstars?“ Passend dazu: Die „taz“ berichtet über eine Studie, welche die Realitätsnähe des „Tatort“ untersucht. In den 34 analysierten Folgen aus dem Jahr 2015 wurden insgesamt 96 Gesetzesverstöße festgestellt.

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