Archiv für 6 vor 9

AFP, Julius Tröger, Knowledge Vault

1. „It’s not Wahrheit, stupid. Anmerkungen zu Google Knowledge Vault.“
(christophkappes.de)
Christoph Kappes liest zwei Artikel zur Wissensdatenbank Knowledge Vault: „Beide Texte enthalten nicht nur fachliche Fehler, sondern sie führen auf die falsche Fährte mit Begriffen wie ‘Wahrheit’ oder ‘Unseriös’ und ‘Plausibilität’.“

2. „AFP fabriziert Falschmeldung“
(faz.net, Jürg Altwegg)
Die Nachrichtenagentur AFP vermeldet fälschlicherweise den Tod von Martin Bouygues. Siehe dazu auch „Martin Bouygues annoncé mort: l’invraisemblable couac de l’AFP“ (letemps.ch, Olivier Perrin, französisch) und „Fausse mort de Bouygues : la version de l’AFP contestée“ (rue89.nouvelobs.com, David Perrotin, französisch).

3. „Julius Tröger: Heiß auf Daten“
(vocer.org, Sarah Klößer)
Sarah Klößer porträtiert Datenjournalist Julius Tröger: „Während viele Verlage sparen, hat Tröger geschafft, Fuß zu fassen. Seit über einem Jahr leitet er das Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost.“

4. „Print-Experience“
(benjaminnickel.com)
Benjamin Nickel abonniert ein Probeabo einer überregionalen Zeitung: „Die Bilanz bislang: 1x lag die Zeitung im Eingangsbereich, 2x kam sie gar nicht.“

5. „Justin Bieber, der ‘BILD’-Geburtstagsbesuch und die gute alte Homestory“
(tobiasgillen.de)
Tobias Gillen beleuchtet die Bild.de-Geschichte „Wie ich Justin Bieber ein
Geschenk machen wollte …“, in der Ricarda Biskoping versucht, Justin Bieber Kuchen und Kerzen zu überreichen.

6. „Bild-Griechen-Bashing-Bullshit-Bingo“
(facebook.com/fernoestliche.leere)

Johannes Kram, Tages-Anzeiger, Stefanie

1. „Hauptsache, die Story knallt“
(tagesspiegel.de, Patrick Wildermann)
Patrick Wildermann stellt Johannes Kram vor, Autor des Theaterstücks „Seite Eins“: „‘Seite Eins’ legt vielmehr ein System der multiplen Verflechtungen offen, an dem auch die Leser oder Zuschauer mit ihrer Lust am Untergang anderer beteiligt sind. ‘Wenn man sich die Fernsehboulevard-Magazine anschaut, Wahnsinn, was für ein Verkehrsunfall-Porno da stattfindet’, findet Kram, ‘und das sind öffentlich-rechtliche Sender’.“

2. „‘Es ist einfacher, irgendeine Indiskretion über Parteifreunde in den Medien zu platzieren als ein politisches Konzept'“
(zeit.de, Christopher Lauer)
Christopher Lauer schreibt über die Skandalisierungsprozesse zwischen Politikern und Journalisten: „Große öffentliche Debatten werden vielleicht über das Internet beschleunigt, aber noch immer von den klassischen Medien bestimmt. Es ist also an Journalisten, so banal und naiv das jetzt klingt, sich zu entscheiden, worüber sie wie berichten wollen.“ Siehe dazu auch „‘Diese Spirale wird nicht nur von den Bürgern gedreht'“ (tagesanzeiger.ch, Philipp Loser).

3. „Keine Motivation mehr für den Tagi“
(edito.ch, Philipp Cueni und Bettina Büsser)
Bruno Schletti, Ex-Wirtschaftsredakteur beim „Tages-Anzeiger“, redet über die Auswirkungen von Sparmaßnahmen bei Tamedia: „Kaum eine Morgensitzung beginnt mit der Frage: Was sind die relevanten Geschichten? Man schlägt die naheliegenden Themen vor, die sich innerhalb nützlicher Frist realisieren lassen – letztlich eine Überlebensfrage, da das Unternehmen Überstunden nicht zu zahlen gewillt ist. Honoriert wird nicht Qualität oder Engagement. Entscheidend ist am Ende des Tages, dass das Blatt voll ist. Es gibt also kein inhaltliches Teamdenken, kaum inhaltliche Diskussionen, auch werden Beiträge nicht wie früher von der Redaktion begleitet und nicht mehr gegengelesen. Die journalistische Qualität geht an allen Ecken und Enden vor die Hunde.“

4. „‘Es mangelt in erster Linie an der Erfahrung'“
(persoenlich.com, Edith Hollenstein)
Res Strehle, Chefredakteur des „Tages-Anzeigers“, gibt Auskunft, warum Führungspositionen trotz ausdrücklich formulierten Absichten nicht mit Frauen besetzt wurden.

5. „Das Glaubwürdigkeitsproblem der YouTube-Prominenz“
(buggisch.wordpress.com)
Wenn es um Werbung geht, „verwendet der YouTube-Kumpel von nebenan aber exakt dieselben Methoden wie der börsennotierte Medienkonzern“, bemängelt Christian Buggisch: „Dabei wäre die Sache ganz einfach: ‘Für dieses Video habe ich Geld von der Techniker Krankenkasse bekommen.’ Ein solcher Satz vom YouTuber im Video gesprochen (und nicht nur klein ein- und ausgeblendet) sowie in der Videobeschreibung vermerkt, und ich wäre zufrieden.“

6. „Ich bin Stefanie“
(ichbinstefanie.ch)

Spiegel, Grusel-Foto, Kurt Imhof

1. „Warum ich die Bild-Zeitung komplett ignoriere (und Du das auch tun solltest)“
(lampiongarten.wordpress.com, Sebastian Baumer)
Sebastian Baumer rät dazu, „Bild“ vollständig zu ignorieren: „Es ist ja auch leicht und irgendwie befriedigend, sich über Kais Zeitung aufzuregen. Man steht damit automatisch auf der richtigen moralischen Seite, man kann sich fast immer des sehr klaren Zuspruchs seiner Kontakte und einiger Likes und Favs sicher sein und wer will schon keinen Zuspruch, Likes und Favs? Viel schwerer ist es, die Zeitung links liegen zu lassen, vor allem dann, wenn wieder mal der halbe Netzbekanntenkreis darüber spricht. Besser wäre es aber in jedem Fall, sie vollständig zu ignorieren, ihre Botschaften nicht weiterzutragen, sie nicht zu verlinken und sie einfach rumplärren zu lassen wie ein trotziges Kind.“

2. „Zu Schnibbens (‘Spiegel’) Medien-Tsunami: Lokalzeitungen können überleben – nur wie?“
(journalismus-handbuch.de, Paul-Josef Raue)
Paul-Josef Raue antwortet auf den Blogbeitrag „Warum wir in Lesern mehr sehen sollten als zahlende Kunden“ (spiegel.de, Cordt Schnibben): „Bravo! sollten wir Cordt Schnibben zurufen. Endlich! sollten wir hinzufügen. Endlich eröffnet einer, dessen Stimme Gewicht hat, eine tiefe Debatte über die Zukunft der seriösen Medien.“

3. „Oh, My!“
(medium.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis liest die die aktuelle „Spiegel“-Titelgeschichte „Das Morgen-Land“: „It is nothing less than prewar propaganda, trying to stir up a populace against a boogeyman enemy in hopes of goading politicians to action to stop these people.“

4. „GreWi erklärt das ‘Grusel-Foto’ von Hampton Court“
(grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de, AM)
Zum Bild.de-Artikel „Der Grusel-Foto-Beweis: Es spukt im
englischen Königsschloss“ schreibt „Grenzwissenschaft aktuell“, es handle sich dabei „um einen bekannten Effekt der fälschlichen bzw. zufällig-unbeabsichtigten Anwendung der Panorama-Funktion von Mobilfunkkameras: Bleibt der Hintergrund konstant so kann ein sich davor bewegender Gegenstand oder eine Person auf bizarrste Weise deformiert, gestaucht, gestreckt und gerade neu zusammengefügt werden.“

5. „Der beste Freund und treuste Fan, den man sich wünschen kann“
(watson.ch, Maurice Thiriet)
Maurice Thiriet erinnert an den gestern verstorbenen Kurt Imhof, der den Schweizer Journalismus mit einer jährlichen Qualitätsanalyse überprüft hatte: „Wir von Kurt Imhof so scharf kritisierten Journalisten haben bis heute nicht begriffen, dass unser schärfster Kritiker eigentlich unser bester Freund und treuster Fan war.“

6. „Der Vertrauensbruch“
(taz.de, Jan Feddersen)
Jan Feddersen schreibt über das Sicherheitsgefühl in der „taz“-Redaktion, in der es mancherorts „wie in einer WG der siebziger Jahre“ aussieht.

Spionage, WAZ, Rundfunkgebühr

1. „Der Mann, der bei der taz Sebastian Heiser war“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal fühlt sich von der „Spionageaffäre“ bei der „taz“ an den „Mann, der bei ‘Bild“ Hans Esser war“ erinnert – Günter Wallraff: „Viele Journalisten-Kollegen fanden diese dreiste ‘Eulenspiegelei’ damals großartig. Was für ein Scoop! Wallraff in der Höhle des Löwen!! Niemand – außer vielleicht Springer – nannte Wallraffs Undercover-Aktion damals ‘Spionage’. Im Gegenteil. (…) Heute, nach den Enthüllungen Edward Snowdens über die weltweite Spionagetätigkeit der Geheimdienste und nach zahllosen Fällen von ‘Geheimnisverrat’ scheint sich die Meinung – zumindest in eigener Sache – zu drehen.“

2. „WAZ entschuldigt sich für eigene Fehler beim Verkauf der Herbert Grönemeyer-Tickets ’30 Jahre Bochum': WAZ-Leser sehr unzufrieden“
(pottblog.de, Jens Matheuszik)
Ein von der WAZ Bochum organisierter „exklusiver Vorverkauf“ für ein Sonderkonzert von Herbert Grönemeyer: „Die WAZ Bochum ließ hunderte Leute für den Exklusivverkauf anstehen – obwohl es die Tickets auch online zu ordern gab.“

3. „‘Der geheimnislose Beschiss’ – Störwellen aus der Hölle“
(zukunftia.de, Sparkiller)
Sparkiller hört im Lokalradio dem Gewinnspiel „Das geheimnisvolle Geräusch“ zu: „Fazit: Call-In-TV goes Radio, was dessen absteigendem Ast nicht wirklich weiterhilft.“

4. „Frühere GEZ schreibt an Flüchtlinge“
(ruhrnachrichten.de, Gaby Kolle)
800 Asylbewerber in Dortmund erhalten Post vom ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice: „Das Sozialamt hat ein Schreiben an den Rundfunk-Beitragsservice geschickt mit der Bitte, für Flüchtlinge ohne eigene Wohnung eine Pauschalbefreiung von den Rundfunkgebühren auszusprechen. Ohnehin könnten die Asylbewerber in der Regel kein Deutsch.“

5. „In der Realität ankommen: Auf der SEITE EINS“
(krautreporter.de, Hans Hütt)
Hans Hütt widmet sich dem Theaterstück „Seite Eins“: „Die Journalistenschulen zwischen Hamburg und München sollten den Besuch des Stücks zum Pflichtprogramm in der Bewerbungsphase machen, so wie die die Mediziner ein Praktikum absolvieren, um eine Idee von der künftigen Arbeit zu bekommen.“

6. „‘Bild’-Zeitung zieht Truppen für Invasion Griechenlands zusammen“
(der-postillon.com)

Seite Eins, Martin Suter, Tatort

1. „SEITE EINS“
(krautreporter.de, Johannes Kram)
Das Drehbuch von „SEITE EINS – Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“: „Wir vom Boulevard, wir übertreiben es manchmal, wir sind vielleicht oft etwas zu deutlich, aber … Handy klingelt wieder, er schaut auf das Display … aber ich sage Ihnen was: Wir nehmen den Leser ernst.“

2. „Suter, ein verhätschelter Staatskünstler?“
(tagesanzeiger.ch, Andreas Tobler)
„Staatshilfe für Star-Autor“, titelt „Blick“ gestern und greift Martin Suter an – Geld ist jedoch hauptsächlich an Übersetzer seines Werks geflossen: „Martin Suter hat bisher nur einmal einen substanziellen Beitrag vom Staat erhalten: 1997 bekam er die Ehrengabe des Kantons Zürich für seinen Erstlingsroman ‘Small World’. Dotiert war diese Ehrengabe mit gerade einmal 5’000 Franken.“ Zur Beziehung zwischen Suter und „Blick“ siehe auch diese Stellungnahme des Schweizer Presserats von 2010.

3. „Nimm mich!: Mehrere Städte buhlen um den neuen SWR-‘Tatort’ – nicht immer in Würde“
(dnn-online.de, Imre Grimm)
Städte bewerben sich als Schauplatz für den „Tatort“: „Beim SWR sieht man derlei Bemühen eher zurückhaltend. Bewerbungen hätten gar keinen Zweck, sagt Zöllner. ‘Die Entscheidung fällt nach dramaturgischen Gesichtspunkten.'“

4. „Alles Stasi außer Mami“
(heise.de/tp, Malte Daniljuk)
Malte Daniljuk beleuchtet das Journalisten-Ehepaar Jörg Eigendorf („Die Welt“) und Katrin Eigendorf (ZDF): „Spätestens wenn er Kritikern seiner parteiischen Berichterstattung nicht nur pauschal Verbindungen zu gegnerischen Geheimdiensten unterstellt, sondern sogar sein ‘Investigativteam’ auf sie ansetzt, ist der Punkt erreicht, an dem sich der deutsche Journalismus und der Springer-Verlag im Besonderen jenseits des demokratischen Selbstverständnisses bewegen, das man so gerne lauthals für sich reklamiert.“

5. „Macht ohne Kontrolle – Die Troika“
(arte.tv, Video, 90 Minuten)
Harald Schumann stellt die Frage: „Was passiert mit Europa im Namen der Troika?“

6. „BILD? Unterstütz ich nicht!“
(preiselbauer.de)

§130, Geisterschiffe, Reflexion

1. „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“
(meedia.de, Marvin Schade)
Eine Zeitung, bei der Redaktion und Anzeigen verschmelzen, verliert ihr Existenzrecht, glaubt Bernd Ziesemer: „Einer Zeitung, bei der ich mir nicht mehr sicher sein kann, ob ich den unabhängigen Artikel eines Journalisten lese oder die getarnte Botschaft eines Unternehmens, der schenke ich doch keinen Glauben mehr.“

2. „Schock: Griechenlands Radikalos-Naked-Bike-Rider-Regierung hält Frist ein!“
(stefan-niggemeier.de)
Wie „Bild“-Mitarbeiter über den Dialog über Reformmassnahmen zwischen Griechenland und der EU berichten: „Als Anda am Montag schrieb, dass die Liste bereits am Sonntag abgegeben worden sei, war das falsch. Als er am Dienstag überraschend schrieb, dass sie noch immer nicht abgegeben worden sei, war das falsch. Aus der Realität haben sich diese Leute längst verabschiedet.“

3. „Ist die Berichterstattung der ‘Bild’ zu Griechenland volksverhetzend?“
(vice.com, Matern Boeselager)
Anwalt Udo Vetter gibt Auskunft über die Strafbarkeit aufgrund von §130 des deutschen Strafgesetzbuchs, der Volksverhetzung: „Insbesondere sollten alle, die sehr schnell ‘Volksverhetzung’ rufen, sich darüber im Klaren sein, dass das immer ein kleiner Angriff auf die Meinungsfreiheit in unserem Land ist. Auch wenn man vielleicht persönlich zu Recht empört ist: Man muss auch Dinge aushalten, die einem vielleicht nicht gefallen. Die Meinungsfreiheit kann sich ja nicht nur am Mainstream definieren, sondern an ihren Extremen. Sonst ist es ja keine Freiheit mehr.“

4. „Geisterschiff und Geister-News“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
„Invasion der Geisterschiffe bedroht EU“, titelte Welt.de am 3. Januar 2015. Rainer Stadler wundert sich, dass die Nachricht, dass dem gar nicht so ist, keine Wellen schlägt: „Immerhin geht es um eine Nachricht, welche Anfang Jahr grosse Aufmerksamkeit erregte und die damals zudem die migrationspolitische Debatte antrieb. Erklärbar ist das verbreitete Schweigen mit der Kollektivierung des Problems – alle berichteten damals falsch aufgrund falscher Agenturmeldungen, also fühlt sich niemand zuständig bzw. verantwortlich.“

5. „Lessons From Debunking Efforts in Journalism and Elsewhere“
(medium.com, Craig Silverman, englisch)
In einem langen Text stellt Craig Silverman Medien vor, die sich dem Aufdecken von Falschinformationen verschrieben haben: „Interviews with journalists engaged in these efforts revealed that, like Werner, they feel this work is the core of what journalism is supposed to be. Still, some expressed feelings of futility or frustration that fakes and hoaxes are so prevalent, and beliefs that news organizations play a significant role in helping them spread.“

6. „Sternstunde Reflexion“
(srf.ch, Video, 3:07 Minuten)

Spionage, Krieg der Welten, Beziehungsnetzwerke

1. „Journalisten als Staffage“
(weblogs.evangelisch.de, Frank Lübberding)
Wie sind die Leistungen von Tilo Jung in der Bundespressekonferenz zu beurteilen? Frank Lübberding schreibt: „Er war wirklich penetrant, vor allem wenn es um den Umgang der Bundesregierung mit den Thema ‘Folter in den USA’ ging. Im Berliner Alltag spielte das bald kein Rolle mehr. Dort geht es dann wieder um die Performance der Minister, wie sie im Berliner Hauptstadtdorf namens Mitte reüssieren. So sorgte Jung für die Irritation einer altehrwürdigen Institution, die keinen anderen Sinn mehr hat als den, nun einmal da zu sein.“

2. „In eigener Sache – Datenklau“
(taz.de)
„Die taz wurde wohl von einem Angestellten ausspioniert“, schreibt die „taz“ in eigener Sache, liefert dazu eine Chronologie, leitet arbeitsrechtliche Schritte ein und stellt Strafanzeige. In einem Kommentar dazu schreibt Ines Pohl: „Tatsächlich haben wir es mit einer Spionageaffäre zu tun. Der Schock bei uns allen sitzt tief.“

3. „‘Befugtes Spionieren'“
(heise.de/tp, Markus Kompa)
Der Spionage verdächtigt wird zufolge mehrerer Quellen Sebastian Heiser, der kürzlich in seinem Blog aufgedeckt hatte, wie 2007 die Sonderseiten der „Süddeutschen Zeitung“ entstanden. „Auch, wenn Heiser nun im Zwielicht steht, gilt für ihn die Unschuldsvermutung. In der Taz waren durchaus schon professionelle Spitzel unterwegs – darunter V-Leute aus dem Ministerium für Staatssicherheit und dem Verfassungsschutz. Und da Heiser auch brisante Themen behandelt und sich etliche Feinde gemacht hat, kann nicht per se ausgeschlossen werden, dass jemand ein illegales Auge auf die Redaktionsräume wirft oder ein Ei legt. So manche Abhöraffäre hatte in Wirklichkeit einen harmlosen Hintergrund.“

4. „Verschwörung, und: The War of the Worlds“
(lesenmitlinks.de, Jan Drees)
Gab es nach der Radio-Ausstrahlung von „Der Krieg der Welten“ am 30. Oktober 1938 eine Massenpanik? „Besagte Panik hat es nie gegeben. Selbst jene die später eingeschaltet haben sind mitnichten auf die Straße geflohen. Es gab keine Selbstmordversuche, keine traumatisierten Hörer, die später mit Elektroschocks behandelt werden musste. Dennoch wird diesem genialen Hoax weiterhin geglaubt.“

5. „Die heikle Nähe von Leitmedien zur Elite“
(nzz.ch, Stephan Russ-Mohl)
Stephan Russ-Mohl liefert Hintergründe zu einer Auseinandersetzung zwischen den Medienwissenschaftlern Christoph Neuberger und Uwe Krüger (Kritik / Replik): „Einig sind sich Krüger und Neuberger im Blick auf ein Problem, das Journalisten selbst nur allzu gerne ignorieren: dass sie in Beziehungsnetzwerken leben und auch leben müssen, wenn sie mit Erfolgsaussichten recherchieren wollen. Und dass über solche Netzwerke Transparenz herzustellen wäre, wenn die Redaktionen sich nicht dem Verdacht der Mauschelei und der Hofberichterstattung aussetzen wollen. Das allerdings gälte dann auch für Medienforscher.“

6. „Über Fotografie, Kommunikation, dämliches Grinsen und den öffentlichen Raum“
(sixtus.net)
Mario Sixtus schreibt über das Fotografieren im öffentlichen Raum: „‘Frag doch vorher’ oder ‘frag doch hinterher’, lauten die beiden Standardratschläge, die einem unsichtbaren Fotografiedebattennaturgesetz folgend, immer wieder von irgendjemandem in den Raum geworfen werden. Sie sind beide nicht realisierbar.“

Mehrheitsmeinungen, Tilo Jung, PGP

1. „‘Es entsteht eine grell ausgeleuchtete Welt, ein monströses Aquarium, in dem kaum noch etwas verborgen bleibt'“
(zeit.de, Bernhard Pörksen)
Medienmacher und das Publikum müssen „ihre Maßstäbe zur Beurteilung des politischen Personals überdenken“, fordert Bernhard Pörksen: „Sie müssen lernen, mit Normalsterblichen zu leben, die Schwächen haben, eitel sind und manchmal erschöpft, übellaunig und unbeherrscht und deren Frisur, Vorleben oder Gesamtpersönlichkeit einem nicht notwendig gefällt. Perfektionsideale und infantile Ursehnsüchte nach Heiligen und Lichtgestalten sind ein robustes Indiz dafür, dass man die aktuelle Medienwirklichkeit nicht begriffen und das vielschichtige, moralisch schillernde Wesen des Menschen nicht verstanden hat.“

2. „Wo bleiben die abweichenden Meinungen?“
(deutschlandfunk.de, Audio, 3:57 Minuten)
Charlotte Wiedemann sieht den „lebendigen Kern der Meinungsfreiheit“ in der Realität der deutschen Medienlandschaft sehr wenig praktiziert, nämlich „dass man Meinungen äussern kann, die mächtigen Interessen widersprechen und auch, dass man Minderheiten davor schützt, von Mehrheitsmeinungen erdrückt zu werden.“

3. „Dax-Konzerne starten Initiative gegen verdeckte Manipulation von Medien“
(manager-magazin.de, Sven Clausen)
Ein Arbeitskreis aus der deutschen Wirtschaft wehrt sich gegen „verdeckte Einflussnahme werbender Unternehmen auf die redaktionelle Berichterstattung“ und erstellt einen „Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen“ (PDF-Datei).

4. „Der kleine Unterschied: Ahnung und Haltung“
(falk-steiner.de)
Einige Fragen von Tilo Jung bei der Bundespressekonferenz stossen auf Kritik von Kollegen. Falk Steiner versucht, den Fall zu erklären: „Manche seiner Fragen sind hilfreich, weil sie relativ undiplomatisch und direkt sind. Aber: sie sind in aller Regel auch ohne jede ernsthafte Vorbereitung gestellt. So kommt es regelmäßig vor, dass Tilo mehrfach Dinge fragt, die zwei Tage vorher in epischer Breite bereits behandelt wurden. Nur hat Tilo sie dann nicht im Video, weil er da mal nicht da war (was häufiger so ist).“

5. „The Great SIM Heist“
(firstlook.org/theintercept, Jeremy Scahill und Josh Begley, englisch)
Die Geheimdienste NSA und GCHQ verschafften sich Zugriff auf die Rechner der Firma Gemalto, welche SIM-Karten für Mobiltelefone herstellt. Und entwendeten Schlüssel, welche die Privatsphäre der weltweiten Kommunikation via Mobilfunk sicherstellten: „Privacy advocates and security experts say it would take billions of dollars, significant political pressure, and several years to fix the fundamental security flaws in the current mobile phone system that NSA, GCHQ and other intelligence agencies regularly exploit.“

6. „Editorial: Lasst PGP sterben!“
(heise.de/ct, Jürgen Schmidt)
Jürgen Schmidt schreibt über das Verschlüsselungsprogramm PGP: „Es sei Experten unbenommen, dass sie komische Codes austauschen, um Schlüssel zu checken. Aber für Erika und Max Mustermann muss das zwingend die Kommunikationsinfrastruktur übernehmen. Und hier versagt PGP völlig.“

Österreich, Regenbogenpresse, Friedensabkommen

1. „Begehrt, bemängelt, geschmäht – Journalismus“
(carta.info, Hans-Jürgen Arlt)
Hans-Jürgen Arlt listet auf, was Journalismus von anderen Publikationen abhebt: „Fünf Eigenschaften seiner Mitteilungen (unzensiert, unparteiisch, relevant, richtig, aktuell) unterscheiden den Journalismus von anderen Formaten öffentlicher Kommunikation wie Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Unterhaltung.“

2. „Österreich: Inserate für Hofberichterstattung?“
(ndr.de, Video, 6 Minuten)
Die Beziehung zwischen der Politik und den Zeitungen in Österreich: „Wer häufig und großzügig inseriert, wird mit freundlicher Presse belohnt.“

3. „‘Regenbogenhefte sind ein Shoppingerlebnis'“
(topfvollgold.de, Moritz Tschermak)
Ein Interview mit Presseforscher Andreas Vogel über die Regenbogenpresse: „Ich kann persönlich auch immer wieder nur den Kopf darüber schütteln, was in den Heften inhaltlich passiert, manchmal ärgere ich mich sogar richtig, weil die Regenbogenpresse auch für die schlechten Imagewerte der gesamten Publikunmspresse mit verantwortlich ist.“

4. „Die 10 Editorial-Topseller von Rex Features 2014″
(alltageinesfotoproduzenten.de, Robert Kneschke)
Die zehn meistverkauften Editorial-Fotos der Pressefotoagentur „Rex Features“: „Ich muss zugeben: Selten habe ich so oft und lange googlen müssen für einen Artikel wie bei diesem Text: Wer ist noch mal die Person? Warum genau ist sie berühmt? Was haben die Leute 2014 gemacht, was einen Platz in der Top 10 rechtfertigen könnte?“

5. „Du bist nicht allein“
(taz.de, Jarina Kajafa und Klaus-Helge Donath)
Wie TV-Sender in Russland und der Ukraine über den im Minsker Friedensabkommen geforderten Abzug schwerer Waffen berichten.

6. „Der Kai oder der Julian“
(twitter.com/voneff)
Siehe dazu auch „Der Russe oder der Grieche“ (twitter.com/lepettre).

Deutungsmonopol, Frohsinn, Prinzessinnenreporter

1. „Ärger mit der ‘Lügenpresse'“
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Wie deutsche Journalisten über das Bündnis Pegida schreiben: „Die Aufklärer, die hier auftreten, reden im Gestus strenger Kolonialoffiziere, die ihren noch immer nicht diskurshygienisch stubenreinen Eingeborenen die Leviten lesen, aber auf keinen Fall zuhören wollen. ‘Die Ansage muss lauten: ‘Jetzt hört ihr mal zu. Und zwar richtig.“ (‘Süddeutsche Zeitung’) Das argumentative Inventar, mit dem hier ein Deutungsmonopol verteidigt wird, ist mit seinem phrasenhaft erstarrten, abstrakten moralischen Universalismus nicht nur bemerkenswert ausgezehrt, sondern zeigt gelegentlich Züge unfreiwilliger Komik. “

2. „Die Frohsinns-Lawine“
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm „gönnt Düsseldorf jeden Moment des Frohsinns. Aber ist es notwendig, weite Teile des öffentlich-rechtlichen Abendprogramms über Wochen mit lokalem Brauchtum zu fluten? Brauchtum auf dem Niveau einer Après-Ski-Party in Saalbach-Hinterglemm?“

3. „Eine Hand hypt die andere“
(comiksdebris.blogspot.de, Marc-Oliver Frisch)
Marc-Oliver Frisch widmet sich Interessenskonflikten in der Berichterstattung über Comics: „Die Entscheidung eines FAZ-Redakteurs, ausgerechnet einen Comic in die Zeitung zu nehmen, an dessen Veröffentlichung er selbst beteiligt ist, wirkt unglücklich, selbst wenn man allen Beteiligten nur die besten Absichten unterstellt. (…) Immerhin klärt Platthaus—einmal in der Besprechung selbst, einmal im Kleingedruckten—den Leser über seine Verstrickung auf. Auch das ist leider keine Selbstverständlichkeit.“

4. „Why I have resigned from the Telegraph“
(opendemocracy.net, Peter Oborne, englisch)
In einem langen Artikel erzählt Peter Oborne, warum er beim „Telegraph“ gekündigt hat: „If advertising priorities are allowed to determine editorial judgments, how can readers continue to feel this trust? The Telegraph’s recent coverage of HSBC amounts to a form of fraud on its readers. It has been placing what it perceives to be the interests of a major international bank above its duty to bring the news to Telegraph readers.“

5. „Europäischer Polizeikongress: Wir würden ja gerne über die Überwachungsmesse berichten, dürfen aber nicht“
(netzpolitik.org, Andre Meister)
Wie es Andre Meister ergeht, als er sich für Netzpolitik.org beim Europäischen Polizeikongress akkreditieren möchte.

6. „Prinzessinenreporter – Wo Prinzessinnen berichten“
(prinzessinnenreporter.de)

Blättern: 1 2 3 4 ... 221