Archiv für 6 vor 9

Clubatmosphäre, Ferguson, Militärbilder

1. „Guten Tag, hier spricht der Mainstream-Finanzjournalist“
(menschenzahlensensationen.wordpress.com, Christian Kirchner)
In 13 Jahren Finanzjournalismus habe „kein einziges Mal“ ein Ressortleiter oder Chefredakteur neben ihm gestanden und „eine These oder eine Recherche verboten“, erzählt Christian Kirchner: „Die Gefahr gerade in Sachen Finanzjournalismus kriecht subtiler in unsere Hirne als Redakteure. Wir haben es den ganzen Tag, die ganze Woche, das ganze Jahr über meist mit Menschen zu tun, die ihr Geld damit verdienen, Menschen von der Sinnhaftigkeit von Sparen und Vorsorge zu überzeugen. (…) Viele Branchenvertreter wollen ganz bewusst eine Art ‘Clubatmosphäre’ schüren. Den Eindruck erwecken, man sei doch auf derselben Seite als Journalist – der Seite der Vernunft, mehr für’s Alter zu tun und vor allem mehr aus dem Sparguthaben. Und wenn man jahrelang die Argumente um die Ohren gehauen bekommt, warum das so gut ist, glaubt man tatsächlich ein kleines bisschen dran. Die Minderheitsmeinung hört man ja eher selten.“

2. „Militärbilder“
(heise.de/tp, Hans-Jürgen Krug)
Hans-Jürgen Krug beschäftigt sich mit eingeblendeten Quellenangaben zu Fernsehbildern aus dem Krieg: „Die Praxis ist sehr unterschiedlich, variiert fast von Beitrag zu Beitrag. Aber manchmal wirken die Beiträge wie dadaistische Collagen.“

3. „Hemmungslos“
(zeit.de, Joachim Riedl)
„Eine kleine Funktionärin der FPÖ“ findet sich nach einer alkoholisierten Nacht auf dem Titelblättern von Boulevardzeitungen wieder: „Besonders zwei Gratisblätter, die in Wien dominierende Zeitung Heute und Lokalrivale Österreich, walzten in mehreren Ausgaben den belanglosen Vorfall zum süffigen Alko-Drama aus, mit voller Namensnennung und freizügigem Abdruck der Bilder aus dem Meuchelvideo.“

4. „Brennt es? Es brennt!“
(faz.net, Nina Rehfeld)
„Unmut und Wut der Demonstranten in Ferguson“ richten sich „nicht nur gegen Polizei und Politik, sondern auch gegen die berichtenden Medien“, berichtet Nina Rehfeld: „Kameraleute und Reporter von CNN und Fox News wurden von Demonstranten mit Flaschen und anderen Gegenständen beworfen und beschimpft.“

5. „Eurotechnopanik“
(zeit.de, Jeff Jarvis)
„Die deutsche Fortschrittsfeindlichkeit breitet sich in der EU und ihren Mitgliedstaaten aus“, beobachtet Jeff Jarvis: „Die deutschen Verleger haben beschlossen, nicht etwa auf dem freien Markt zu konkurrieren, sondern untereinander und im Bundestag. (…) Es ist schon komisch, dass solche Bastionen des wirtschaftlichen und politischen Konservativismus wie Springer und News Corp. sich jetzt unter den Rock der Regierung flüchten wollen.“

6. „Was Social Media mit der Vertrauenskrise des Journalismus zu tun hat – ein Essay“
(socialmediawatchblog.org, Anna)
Anna unterhält sich via Twitter mit einem Leser, „der sein Vertrauen in den Journalismus verloren hat – aber nicht seine Fähigkeit, ein respektvolles Gespräch zu führen“: „Es lohnt sich, den Kritikern endlich wieder zuzuhören. Erinnern wir uns daran, warum es Print-Leserbriefseiten und Online-Artikelkommentarfelder gibt. Nicht nur, damit uns Leute Honig ums Maul schmieren und uns sagen, wie toll wir alles machen.“

Ukraine, YouTube, SRF3

1. „Picture power: Pausing the moment“
(bbc.com, Phil Coomes, englisch)
Eine Analyse eines Fotos, das am Rande einer Protestkundgebung in London aufgenommen wurde. Im Vergleich dazu die Videoaufnahme (youtube.com, Video, 1:01 Minuten).

2. „Rückblick auf ein besonderes Jahr für den Kriegs- und Krisenjournalismus“
(heise.de/tp, Malte Daniljuk)
Malte Daniljuk blickt zurück auf den Journalismus rund um die Ereignisse in der Ukraine: „Die massive und konsonante Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hat – erstens – keineswegs dazu geführt, dass das Publikum die intendierte Lesart verinnerlichte, sondern sie hat das Vertrauen in die traditionellen Massenmedien, auch das Selbstvertrauen innerhalb der Medienapparate, massiv geschädigt. (…) Das Publikum hat es – zweitens – gelernt, eigene Sichtweisen effektiv öffentlich vorzubringen. (…) Die etablierten Medien haben sich – drittens – als unfähig und unwillig erwiesen, oppositionelle Lesarten auch nur ansatzweise zu integrieren, um etwa eine ausgehandelte Position zurückzugewinnen.“

3. „Der Westen als Auslaufmodell“
(nzz.ch, Markus Ackeret)
„Im Westen finden sich immer mehr, die westliche Werte selbst für Heuchelei halten“, warnt Markus Ackeret: „‘RT deutsch’ wird zur glaubwürdigeren Quelle als ein etabliertes Medium, obwohl der Fernsehkanal das ohnehin schwierige Kriterium der ‘Objektivität’ von vornherein nicht erfüllt. Dass es einen Sender wie diesen nur geben kann, wo Meinungsfreiheit, Pluralismus und eine freiheitliche politische Ordnung herrschen, entgeht den Applaudierenden.“

4. „Exklusiv: Was Youtuber wirklich verdienen“
(guruticker.blogspot.de)
Eine Rechnung zu den Einkünften von YouTube-Kanälen: „Wenn ein Youtuber also von seinen Videos leben möchte, braucht er konstant mindestens 200.000 Klicks auf seine Videos – und muss mehrmals die Woche etwas veröffentlichen.“ Siehe dazu auch „Inside Youtube“ (wired.de, Anja Rützel).

5. „Ein offener Brief an Michael Schuler, Leiter der Fachredaktion Musik beim Schweizer Radio und Fernsehen“
(facebook.com/kuttimc)
Der Musiker Kutti MC beklagt die Musikauswahl des öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunks: „Nur zu Randzeiten bieten Sie minimale Einblicke in die lebendige, originelle Schweizer Musikszene. Auf diese gönnerhafte Alibiübung stützen Sie sich dann auch jeweils in Ihren unbeschwerten Interviews. Das SRF3-Musiktagesprogramm hat keine Tiefen, keine Höhen, keine Ausbrüche, keine Brüche, keine Vision.“

6. „The Sun had 7ft safe with 30 years of ‘eye-popping’ unprintable stories, court told“
(theguardian.com, englisch)

Leistungsschutzrechtsaufhebungs­gesetz, Passauer Neue Presse, Correctiv

1. „…wer ist eigentlich Auftraggeber dieses Kommentars?“
(regensburg-digital.de, Martin Oswald)
Martin Oswald beschäftigt sich mit der Journalismuskritik: „Kritik an Journalismus fängt erst da an, wo die aus Versatzstücken weltanschaulichen Wirrwarrs zusammengebraute und wieder ausgekotzte Medienschelte die Gelegenheit zur Widerrede bietet.“

2. „Opposition will Leistungsschutzrecht für Presseverleger abschaffen“
(heise.de, Stefan Krempl)
Linke und grüne Abgeordnete bringen einen Entwurf für ein Leistungsschutzrechtsaufhebungsgesetz in den Bundestag ein – es soll das 2013 verabschiedete Leistungsschutzrecht für Presseverleger wieder aufheben: „Die Rechtsunsicherheit schadet laut der Oppositions-Initiative vor allem kleinen Anbietern von Suchmaschinen und Diensten, die Inhalte entsprechend aufbereiten. Sie könnten es sich weder leisten, für Snippets zu bezahlen, noch die Tragweite schwammiger Stellen wie ‘kleinster Texteile’ gerichtlich ausurteilen zu lassen.“

3. „‘Nichts kann die Recherche vor Ort ersetzen': Ein medialer Frontbericht aus Bagdad“
(weltreporter.net, Birgit Svensson)
Birgit Svensson kritisiert die Fokussierung vieler Medien auf den Kampf um die Stadt Kobane: „Die Kämpfe um Kobane erhalten eine Wichtigkeit, die keiner qualitativen Prüfung standhält. Nur weil der Krieg um diese eine Stadt buchstäblich vor unseren Augen ausgetragen und in die Wohnzimmer der Fernsehzuschauer hineingetragen wird, ist über Wochen von nichts anderem die Rede. Dabei spielen sich anderswo in der Region weit wichtigere Schlachten ab, die allerdings weniger Propagandamaterial im Internet aufweisen und von Fallschirmjournalisten komplexe Erklärungsmuster fordern würden, die sie nicht leisten können.“

4. „PNP-Redakteure streiten um Stechuhr“
(buergerblick.de)
Eine Auseinandersetzung um die Erfassung von Arbeitszeiten bei der „Passauer Neue Presse“: „Die Gegner der Zeiterfassung, die alte Garde der Schreiberlinge, darunter viele in leitenden Positionen, ruhen sich – wollte man es bösartig ausdrücken – auf ihrem Bestandsschutz aus. Ihre Verträge stammen aus einer Zeit, als sich die ‘Passauer Neue Presse’ noch an Tarifverträge gebunden fühlte.“

5. „Das Correctiv korrigiert sich“
(taz.de, Jost Maurin)
Jost Maurin bemängelt die Recherche „Tödliche Keime“ (mrsa.correctiv.org). Daniel Drepper antwortet: „Kritik der taz – wir antworten“.

6. „Wie Journalisten Zensoren hinters Licht führen“
(de.ejo-online.eu)
Sechs von Journalisten eingesetzte Methoden, um die Zensur zu umgehen.

RT, Syrien, Media Markt

1. „Die große Syrien-Schlamperei“
(taz.de, Idrees Ahmad)
Die Berichterstattung aus Syrien: „Von Anfang an hat Damaskus versucht, die Kontrolle über die Berichterstattung zu behalten, indem es die Arbeit für ausländische Journalisten lebensgefährlich machte – außer sie waren ‘eingebettet’. Einige wenige gefährdeten dennoch ihr Leben, andere nutzten Skype, Youtube oder Twitter, um Material für Berichte zu sammeln. Wieder andere ignorierten die besonderen Umstände und hielten sich an orts- und zeitunabhängige Ideologien. Je weniger Journalisten nach Syrien reisten, desto stärker dominierten die Klischees die westliche Berichterstattung.“ Siehe dazu auch „Kurt Pelda erhält Menschenrechtspreis und kritisiert die Medien“ (srf.ch).

2. „Nenn mich nicht Mob – Der Umgang von Journalisten mit Inhalten aus sozialen Netzwerken“
(socialmediawatchblog.org, Eve)
Eve sieht die Haltung, „dass was öffentlich gepostet wurde, auch bedenkenlos weiterveröffentlicht werden kann“, kritisch: „Ein Tweet, der im Kontext einer Timeline als spontane Äußerung an eine bestimmte Zielgruppe gepostet wird, von der ein gewisses Vorwissen und oft auch ein Konsens erwartet werden kann, wird durch unbedachte Veröffentlichung im völlig anderen Kontext eines Nachrichtenmediums plötzlich zur fixierten kontroversen Position.“

3. „‘Wir wurden gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt'“
(heise.de/tp, Harald Neuber)
Harald Neuber spricht mit dem Chefredakteur von „RT deutsch“, Iwan Rodionow: „Diejenigen, die sich informieren möchten, wie die Medien in Russland geknebelt, gesteuert und unterdrückt werden, die können sich durchaus bei der BILD, bei der Tagesschau, beim Spiegel oder bei der FAZ bedienen. Vielleicht wären sie etwas enttäuscht, wenn sie auf RT Deutsch klickten und dort auch auf solch plumpe Behauptungen träfen.“

4. „Informiert oder propagandiert?“
(weblog.medienwissenschaft.de, s2mmhoff)
Ein Resümee einiger zum Start von „RT deutsch“ publizierter Artikel: „Es ist also festzuhalten, dass RT Deutsch durchaus berechtigt ist, Kritik am Westen auszuüben, aber nach genauerer Betrachtung zeigt sich, dass RT Deutsch nicht objektiv arbeitet. Renommierte Journalisten belegen dies. Es kommt nicht zur Abwägung. Gegenpositionen kommen nicht zum Zug oder werden vollkommen verdreht. In ihren Methoden lassen sich klar propagandistische Absichten erkennen.“

5. „Native Advertising der Extraklasse: ‘Der dreiste Lügen-Opa’ von Media-Markt“
(wuv.de, Markus Weber)
Media Markt wirbt in „Bild“ im „Bild“-Artikel-Format: „Obwohl sie korrekt als ‘Anzeige’ gekennzeichnet ist, muss man dreimal hinschauen, um zu erkennen, dass hier die Elektronikfachmarktkette wirbt.“

6. „Unsichtbar: Vom Leben auf der Straße“
(unsichtbar.morgenpost.de)

RT, Ebola, Wrestling

1. „Fatale Falschmeldung“
(taz.de, Francesco Giammarco)
Eine Meldung über eine Ebola-Erkrankung in Berlin stellt sich als falsch heraus: „Unter anderem der TV-Sender n-tv und die Berliner Morgenpost hatten am Dienstag berichtet, dass es sich bei dem Mann um einen Übersetzer handeln soll, der für die Botschaft der Republik Sierra Leone in Berlin arbeitet. (…) Weder vor, noch nach der Veröffentlichung sei die Botschaft kontaktiert worden, um die Verbindung zu dem vermeintlich Kranken zu bestätigen.“

2. „Mein Auftritt bei Putins Propagandasender“
(faz.net, Olaf Sundermeyer)
Olaf Sundermeyer wird vom seit Kurzem auch auf deutsch sendenden TV-Sender „RT“ eingeladen und berichtet über seine Erfahrung: „Ich warte. Zu lesen gibt es nur die ‘Junge Welt’, in der eine spezielle linke Sicht der Dinge das Böse in Kiew vermutet und das Gute in Moskau weiß.“

3. „Ohne Brüste und Budget zu einer halben Million Klicks“
(tokyofotosushi.wordpress.com, Fritz)
Fritz Schumann erzielt mit einer Story, die er zunächst „allen großen Redaktionen“ in Deutschland erfolglos angeboten hatte, internationale Aufmerksamkeit und eine Laudatio des dpa-Inlandchefs: „Ich ahnte von Beginn an, dass die Geschichte abgehen wird. Wie sehr, das war mir bis zum Schluss nicht klar. Mein Problem zu Beginn war, dass ich als junger Journalist keinen direkten Kontakt zu den Redaktionen hatte, denen ich es anbot. Ich hatte kein Vertriebsnetzwerk. Durch die Verbreitung im Netz erhielt ich aber Angebote von Adressen, an die ich niemals dachte. Das Internet wurde mein Vertriebsnetzwerk.“

4. „Post von der ‘Bild': Homberger mit Regierungssprecher verwechselt „
(hna.de, Olaf Dellit)
Eine Geburtstagsgratulation von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann: „Das Problem: Klaus Bölling aus Homberg hatte an diesem Tag überhaupt nicht Geburtstag, und 86 Jahre alt ist er noch lange nicht, sondern gerade einmal 52.“

5. „Ein offener Brief an BILD-Redakteur Enrico Ahlig“
(wrestling-point.de, Mathias)
Mathias freut sich, dass „Bild“ über Wrestling berichtet, aber nicht, wie „Bild“ über Wrestling berichtet. An Redakteur Enrico Ahlig schreibt er, seine Artikel hätten „ungefähr den Informationsgehalt einer leeren Tomatensaft-Dose. Ein bisschen Text, Selfie, Text, Selfie… Man erkennt Ihr Muster schnell. Und wenn Sie in einem Artikel mal nicht zu sehen sind gibt es trotzdem extrem viele Bilder und wenig Text. Als wäre jeder Buchstabe mehr eine Belastung für den Leser.“

6. „Satirisch: So war mein erstes Mal – ‘Ich fühlte mich richtig mies!'“
(interview-blogger.de, Florian Staudter)
Florian Staudter kauft erstmals eine Ausgabe von „Bild“: „Schnell wurde mir klar, das Ganze war eine einmalige Sache. Ein Ausrutscher – ein One-Read-Stand. Sie ist zwar billig, mehr aber auch nicht.“

Antextbilder, Standard-Artikelform, Fler

1. „12 + 3 Tips, um schlechte(n) Wissenschaft(sjournalismus) zu erkennen“
(scienceblogs.de/bloodnacid, Cornelius Courts)
„Sensationalistische Überschriften“, „falsch dargestellte Ergebnisse“ oder „spekulative Sprache“ sind oft Indizien für schlechten Wissenschaftsjournalismus. Siehe dazu auch „Mail Online indulges in horrific ebola clickbait“ (newstatesman.com, englisch).

2. „Antextbilder – war das etwa echt?“
(ndr.de, Janina Kalle)
Auf den Beitrag „Antextbilder: Die hohe Kunst des Fernsehens“ (ndr.de, Video, 4:14 Minuten) erhält die „Zapp“-Redaktion zahlreiche Rückmeldungen: „Viele Zuschauer haben den Beitrag nicht als Satire erkannt und zeigten sich erbost: Von Gebührengeld-Verschwendung für eine sinnfreie Antext-Redaktion ist darin die Rede. (Wir verzichten in diesem Fall mal auf eine Gegendarstellung – aber bitte: Nennt es Rundfunkbeitrag!)“

3. „Die ARD will wie die Süddeutsche zur ‘gelenkten Öffentlichkeit’ übergehen“
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Florian Rötzer befasst sich mit dem Text „Wenn der Leser zum Tier wird“ (tagesschau.de, Bettina Less): „Will man also jetzt nur noch die Leser, die es verdienen, Teil der Öffentlichkeit des Mediums zu werden? Unterscheidet man die guten und die schlechten Leser? Klemmt man die Leser lieber ab, um vermeintlich selbst besser dazustehen? Und beschneidet man damit nicht die Öffentlichkeit, die im Internet stattfindet, wo es aber keinen öffentlichen Raum wie offline gibt, auf dem auch die Freiheit der Meinungsäußerung gilt, egal wie qualitätsvoll sie vorgetragen wird, solange sie nicht rechtlich belangt werden kann?“

4. „Medien operieren mit juristischen Falschaussagen“
(tageswoche.ch, Renato Beck)
Renato Beck prüft, wie Schweizer Medien die rechtliche Lage darstellen im Fall einer Lehrerin, die mit einem 17-jährigen Schüler Sex gehabt haben soll.

5. „Das Ende des Artikels“
(konradweber.ch)
Konrad Weber macht sich Gedanken zur Form des Artikels im Netz, der in 90 Prozent der Fälle „aus einem Titel, Lead, Medienelement (Bild oder Video) und einem Text, aufgeteilt in mehrere Absätze“ bestehe.

6. „Wie der Rapper Fler die ‘Welt’ bedroht“
(welt.de, Frédéric Schwilden)
Nach der Veröffentlichung des Texts „Gangsta-Rap schützt nicht vor Altersarmut“ sieht sich Autor Frédéric Schwilden persönlich bedroht: „Um kurz vor sechs klingelt es zu Hause. An meiner Wohnungstür. Über die Sprechanlage ist nichts zu hören. Wenige Sekunden später stellt der Rapper Fler ein Bild meiner Berliner Haustür ins Internet.“

Sebastian Vettel, Nightcrawler, Roma

1. „Falscher Wechsel bei Twitter“
(deutschlandfunk.de)
Auf Grundlage eines Tweets wird fälschlicherweise ein Wechsel von Sebastian Vettel zu Ferrari vermeldet: „Die dpa und viele der Medien, die ihre Meldungen nutzen, ließen sich das ‘L’ für ein ‘I’ vormachen und verbreiteten die Nachricht.“

2. „Schreibblockade? 14 Journalisten erklären, was sie dagegen tun“
(journalist.de)
14 Journalisten erläutern, was sie tun, wenn sie etwas schreiben müssten und ihnen nichts einfällt.

3. „Wenn der Leser zum Tier wird“
(tagesschau.de, Bettina Less)
Bettina Less befasst sich mit Aggressivität im Netz: „So schlecht wie im anonymen Raum eines Internetforums benehmen sich Menschen selten. Unvorstellbar, dass man etwa auf der Straße zu einem unbekannten Passanten geht und Dinge sagt wie: ‘Sind Sie einer von den intoleranten Schwulen, die die Öffentlichkeit mit ihren privaten Präferenzen langweilen? (…) Machen Sie das absichtlich oder reicht der Intellekt vielleicht nicht aus?'“

4. „Die ‘schockierende’ Studie, von der Journalisten nichts wissen wollen“
(tagesanzeiger.ch, Felix Schindler)
Eine Studie ergibt eine einseitige Berichterstattung der Schweizer Medien über Roma: „Die einseitige Berichterstattung habe für die in der Schweiz lebenden Roma Folgen, sagte Laederich gestern. Selbst er werde gefragt, ob er Lesen und Schreiben könne, wenn er erwähne, dass er Rom sei, sagte der Träger eines Doktortitels.“

5. „Moral und Berufsethos sind nicht mehr nötig“
(heise.de/tp, Rüdiger Suchsland)
Rüdiger Suchsland stellt den Kinofilm Nightcrawler vor: „Zumindest in diesem Film gilt jedenfalls, dass nur ein amoralischer Reporter maximalen Erfolg haben kann. Damit wird „Nightcrawler“ zu einer scharfen Bestandsaufnahme moderner Medienmechanismen. Denn es dauert nicht lang, da ist klar, dass Louis bereit ist, für den Erfolg alle Grenzen zu überschreiten.“

6. „Wir sind hier, um zu berichten“
(sueddeutsche.de, Christine Brinck)
Christine Brinck, Ehefrau von Josef Joffe, schreibt über das Buch „Die Frau des Journalisten“ von Ilse Kienzle, Ehefrau von Ulrich Kienzle.

Roma, Klickkacheln, Kampagnenjournalismus

1. „Der Schullehrerinnen-Report“
(tageswoche.ch, Renato Beck)
„Eine Lehrerin soll mit einem 17-jährigen Schüler geschlafen haben“ – Renato Beck berichtet von den medialen Reaktionen: „Gar keinen Grund gibt es, das Alter der Frau zu nennen (‘Schweiz am Sonntag’), die Initialen (‘Basler Zeitung’) oder das verfremdete Bild zu zeigen (’20 Minuten’). Nichts, was dazu führen kann, dass die Betroffenen identifiziert werden, gehört in so einem Fall veröffentlicht.“

2. „Wie über die Roma berichtet wird“
(nzz.ch, Brigitte Hürlimann)
Obwohl 470 Journalisten dazu eingeladen und „147 von ihnen gar persönlich angeschrieben“ wurden, erschienen lediglich vier Journalisten zur Präsentation einer Studie der Roma Foundation in Zürich, die untersuchte, wie Schweizer Medien über Roma berichten. Das Fazit der Erhebung: „Sämtliche acht Zeitungen berichten praktisch ausnahmslos einseitig und überaus negativ über die Roma, bedienen sich alter Stereotype, Mythen und Vorurteile, ohne diese zu hinterfragen, zu relativieren oder wenigstens ab und zu in einem Artikel auch noch zu erwähnen, dass die meisten Roma in der Schweiz unauffällig und integriert leben.“

3. „Zürcher Gericht schützt Karl Dall vor deutschen Sensations-Journalisten“
(watson.ch, Maurice Thiriet)
„Aus der Anklageschrift gegen den deutschen Entertainer im Vorfeld des Prozesses darf nicht in direkter Rede zitiert werden“, schreibt Maurice Thiriet über den anstehenden Prozess gegen Karl Dall am Bezirksgericht Zürich: „Die Gerichtsberichterstatter aus Deutschland, die für die Verhandlung eine Einzelakkreditierung lösten, mussten eine entsprechende Unterlassungserklärung quittieren.“

4. „Den Pulk fühlen“
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
Cornelius Pollmer beschäftigt sich mit den „Klickkacheln“, die Leser von Bild.de seit zwei Wochen dazu auffordern, unter dem Artikel ihre Emotionen per Klick kund zu tun.

5. „Plädoyer für einen Kampagnenjournalismus“
(carta.info, Lorenz Lorenz‑Meyer)
Lorenz Lorenz‑Meyer plädiert für den Kampagnenjournalismus: „Wie die Werbung oder die PR, muss der Journalismus es lernen, stärkere Botschaften zu entwickeln (und seien es zunächst einmal Relevanzbotschaften) und diese im Sinne von Kampagnen nachdrücklich und nachhaltig zu kommunizieren. Das Publikum wird sich dem nicht widersetzen, wenn die Botschaften argumentativ glaubhaft aufgebaut und spannend vermittelt werden, im Gegenteil: Es will gefesselt werden.“

6. „RTL zeigt seine Zuschauer beim RTL-Schauen“
(dwdl.de, Alexander Krei)

Putin, Print wirkt, Toleranz

1. „Selbstversuch eines Teenagers: Moritz, 16, kauft eine Zeitschrift“
(spiegel.de, Moritz Deutschländer)
Moritz Deutschländer kauft und liest die Ausgabe „Der Kapitalismus“ der Zeitschrift „Geo Epoche“: „Ich habe mehr erwartet, vielleicht zu viel. Ich bin enttäuscht. Die zehn Euro bereue ich zwar nicht, aber im Internet gibt’s mehr Für und Wider. Ein großer Zeitschriftenleser werde ich wohl nie mehr. Ein großer Kapitalist wahrscheinlich auch nicht. Ich schenke meine erste Zeitschrift meinen Eltern.“

2. „Es hört nicht auf zu wirken“
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Ralf Heimann schlägt der Kampagne „Print wirkt.“ des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger VDZ neue Plakate vor.

3. „In der Regel ein Artikel pro Redaktor und Tag“
(medienwoche.ch, Antonio Fumagalli)
Welche Produktionsleistung von Journalisten einer Schweizer Tageszeitung erwartet wird: „Ein Artikel pro Redaktor und Tag. Ist es eine grössere Geschichte, können wegen Front-Text und Kommentar schnell auch drei daraus werden. Bei anderen Zeitungen mag diese Kadenz ein bisschen tiefer liegen, auf Online-Redaktionen dafür umso höher.“ Siehe dazu auch „Wer schreibt noch über uns?“ (zeit.de, Catherine Duttweiler).

4. „Toleranz ist die falsche Utopie“
(gruen-ist-lila.de, Johanna Braun)
„Eine tolerante Welt ist die falsche Utopie“, schreibt Johanna Braun in der von der ARD ausgerufenen Themenwoche Toleranz: „Nach Ausgrenzung, Diskriminierung und Intoleranz dürfen wir nicht bei Toleranz stehen bleiben. Ziel muss es sein, eine Gesellschaft zu kreieren, in der alle Menschen einen Platz haben, ungeachtet irgendwelcher Merkmale, die als Makel angesehen werden.“

5. „Der Lieblingsbösewicht“
(taz.de, Andreas Rüttenauer)
Andreas Rüttenauer kommentiert das ARD-Interview mit Wladimir Putin (ardmediathek.de, Video, 78:24 Minuten): „Allzu oft dominiert der Stolz darauf, einen der Großen der Politik vor das Mikrofon bekommen zu haben, den journalistischen Ehrgeiz, etwas wirklich Substanzielles aus den Gesprächspartnern herauszukitzeln. Seit den finsteren Zeiten des CSU-Staatsfunks hat sich da nicht viel geändert.“

6. „Neue Pressebild-Agentur ist auf Fotos von finster dreinblickendem Putin spezialisiert“
(der-postillon.com)

Markus Spillmann, Frank-Walter Steinmeier, Ecopop

1. „Wir müssen reden. Über un-fair radio.“
(dokublog.de, Sandra Müller)
Sandra Müller listet bedenkliche Verhaltensweisen im Hörfunk auf, denen sie in den letzten zwanzig Jahren begegnet ist: „Alles Fälle, die ich selbst erlebt habe. Und mehr als die berühmten ‘Einzelfälle’.“

2. „Standgericht der Schein-Toleranten“
(sueddeutsche.de, Marc Felix Serrao)
Marc Felix Serrao kritisiert die öffentliche Kritik von NZZ-Chefredakteur Markus Spillmann an einer Mitarbeiterin in der Debatte um das Coming-Out von Apple-CEO Tim Cook: „Kritikwürdige Texte erscheinen jeden Tag in jedem Medium. Über viele wird entsprechend geurteilt, in Leserkommentaren und in Konferenzen hinter verschlossenen Türen. Aber so? Öffentlich? Durch den Chefredakteur selbst und ohne die Chance auf eine Widerrede, die nicht den Arbeitsplatz gefährden würde? Ein größerer Gesichtsverlust ist schwer vorstellbar. Eine rückgratlosere Führung ebenfalls. Und das bei der NZZ. (…) Jede Wette: Weder sie noch irgendein anderer Mitarbeiter der großen alten Zeitung wird es künftig noch wagen, einen Text abzugeben, der der kodifizierten Haltung der Blattspitze widerspricht.“

3. „Voll auf die Presse“
(faz.net, Frank-Walter Steinmeier)
Eine Rede des deutschen Aussenministers Frank-Walter Steinmeier über Journalismus: „Ich glaube fest, dass mündige Bürger sich für differenzierte Berichterstattung interessieren und auch bezahlen. Aber sie spüren auch, wenn Journalisten selbst nicht glauben, dass ihr Stoff interessant genug ist, und ihn deshalb mühsam aufbauschen und anschärfen.“

4. „Die Medien müssen erwachsen werden“
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge rät den Medien zu mehr Gelassenheit und zu mehr eigener Kritikfähigkeit: „Wann immer in den letzten Jahren irgendwo ein Shitstorm wütete, waren die Medien nicht weit. Mit welchem Recht also beklagt sich die Branche jetzt, selbst Ziel solcher Hetze zu sein?“

5. „Ecopop: Auf Kriegsfuss mit den Medien“
(schweizamsonntag.ch, Othmar von Matt)
Benno Büeler, einer der Initianten der Schweizer Volksinitiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen“, beklagt eine unfaire und einseitige Behandlung durch die Schweizer Medien: „Büeler hat in den letzten Monaten generell kein gutes Bild von den Schweizer Medien bekommen, wie er festhält. Er lobt nur ein Medienprodukt explizit, die Gratiszeitung ’20Minuten': ‘Sie war eine Ausnahme, berichtete relativ sachlich.’ Alle anderen Titel sieht Büeler mit politischer Schlagseite.“

6. „‘Ich schäme mich, Herr Döpfner!'“
(onlinemarketingrockstars.de)
Mathias Döpfner antwortet auf das Schreiben eines Mitarbeiters einer Springer-Tochter („Hören Sie bitte auf, sich selber, die Internet-Gemeinde und den intellektuelleren Teil unserer Bevölkerung zu belustigen“), der sich über das Leistungsschutzrecht beschämt zeigt: „Ohne die kostenlose Auffüllung der Google-Server mit Bildern, Videos und Texten von Verlagen aus aller Welt hätten Abermillionen Nutzer viel weniger Grund, Google für die Suche aufzusuchen.“

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