6 vor 9

Marketing-Kolumne: Jeder kann Werbung
(brandeins.de, Friedemann Karig)
Seit es das Web 2.0 gibt, sind die Kunden auch als Partner gefragt.
Mit Witz und Ideen, in der Rolle von Filmproduzenten, kreativen Textern und Media-Experten. Das kann aber auch nach hinten losgehen.

Wenn 437 Journalisten auf einen Staatschef kommen
(tagesschau.de, Fiete Stegers)
Seit Wochen beschäftigt der G8-Gipfel bereis die Medien. Heute eröffnet das offizielle Pressezentrum für rund 3500 angemeldete Journalisten in Kühlungsborn. Dort gibt es es für sie Arbeits- und „Aufsager“-Plätze, Bars und Beachvolleyball – nach Heiligendamm selbst dürfen aber auch sie nur in Ausnahmefällen.

Zeitungswachstum geht an Deutschland vorbei
(netzeitung.de)
Während Zeitungen weltweit an Auflage gewinnen, geht der Trend in Deutschland in die andere Richtung. Die Studie weist auch das Land mit den eifrigsten Lesern aus.

Leben und sterben lassen
(taz.de, Inga Rogg)
Journalisten im Irak leben gefährlich. In den letzten zwölf Monaten starben 51 Medienvertreter. Anstatt für ihre Sicherheit zu sorgen, behindert die Regierung ihre Berichterstattung konsequent.

Neues vom Nextweb
(zeit.de, Falk Lüke)
Web 2.0 ist heute – doch was kommt morgen? Auf der Nextweb-Konferenz in Amsterdam trafen sich vergangenen Freitag Unternehmer, Ideen- und Kapitalgeber, um über die Zukunft von Anwendungen im Netz zu beraten und neue Ansätze vorzustellen. Die zentrale Frage: Wird Europa auf dem Online-Markt der Zukunft mitmischen können? Oder bleibt das Geschäft in Kalifornien?

„Viele Hundert Jobs sind in Gefahr“
(spiegel.de)
Die BBC, fraglos weltweit einflussreichster öffentlich-rechtlicher Sender, muss sich gesundschrumpfen. Eine Kürzung des Budgets verlangt nach Abstrichen auch beim Personal. Jetzt sehen Verteidiger der „alten Tante“ die Qualität der Berichterstattung in Gefahr.

Kurz korrigiert (422)

"Schiri Fandel: Meine Horror-Nacht"Beim Fußballspiel Schweden gegen Dänemark wurde der Schiedsrichter Herbert Fandel von einem Fan attackiert, der aufs Spielfeld rannte. „Bild“ schreibt dazu (siehe Ausriss) in einer Fotounterzeile: „Schlag an den Hals“. Und in der Unterzeile zu einem weiteren Foto: „Schlag ins Gesicht“. Im Text behauptet „Bild“:

Mit dem linken Arm schlug er Deutschlands ‚Schiedsrichter des Jahres‘ zuerst ins Gesicht, dann an den Hals.

Tatsächlich wurde Fandel jedoch nur einmal getroffen, bevor ein dänischer Spieler den Angreifer abdrängen konnte.

So gesehen muss man wohl froh sein, dass „Bild“ nicht noch mehr Fotos derselben Szene zeigt — sonst wäre aus dem Vorfall womöglich noch eine Massenschlägerei geworden.

Mit Dank an Martin K., Mike S., Julian B. und viele andere für den sachdienlichen Hinweis.

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G8-Gipfel – Die Wahrheit
(zuender.zeit.de)
Klimakiller, Chaoten, Polizeigewalt: Vor dem G8-Gipfel wurden die Etiketten für Gut und Böse schon vergeben. Zuenders Zitate-Sammlung zeigt euch, wer auf welcher Seite der Absperrung steht.

Ein Netz fürs Leben
(handelsblatt.com, Thomas Knüwer)
Weblogs, Podcasts oder Wikipedia als Hobby – wer damit seine Freizeit vor dem Computer verbringt, der muss sich häufig regelrecht dafür rechtfertigen. ?Unsoziale Zeitverschwendung?, giften Kritiker. Doch sie übersehen oft, dass die Aktivitäten im Netz Ausgangspunkt sind für reale Freundschaften und Kontakte, die Karrieren verändern können.

Gratiszeitungen: Näher am Leser
(extradienst.at, Alexander Lukacs)
Der Gratiszeitungsmarkt ist ständig am Wachsen. Auch im vergangenen Jahr expandierten bestehende Titel und neue kamen hinzu. Dabei stellt sich die Frage, wo die Grenzen der Wirtschaftlichkeit zu ziehen sind.

Fernsehführer
(spreeblick.de, Malte)
Auffallend viele Spreeblickleser schauen nie Fernsehen. Damit diese Menschen den Anschluss an das Muttermedium nicht verpassen, folgt nun ein kurzer Überblick.

Zwei Blicke auf einen Kontinent
(taz.de, Dominic Johnson)
Pünktlich zum G-8-Gipfel entdecken deutsche Tageszeitungen Afrika. Sonderausgaben von „Bild“ und „Frankfurter Rundschau“ zeigen zwei verschiedene Kontinente.

Der Pinkeltropfenstopper
(nzzfolio.ch, Peter Haffner)
Wer sie hat, dem wird gegeben: Wirklich brauchbare Ideen für Dinge, mit denen man Millionen verdienen könnte.

„Bild“ entdeckt Jacinta Kerabu

Laut „Bild“ gibt es da also eine 42-jährige Kenianerin namens Jacinta Kerabu, die seit Mitte der 80er Jahre in Nairobis Slum-Viertel Majengo als Prostituierte arbeitet. Das Besondere an der Frau, die „Bild“ Jacinta Kerabu nennt, fasste „Bild“ gestern in ihrer AfrikaAusgabe dahingehend zusammen, „dass Jacinta kein Aids bekommen kann“.

Das klingt nach einer wissenschaftlichen Sensation!

Und um so erstaunlicher ist es deshalb, dass der einzige Treffer, den diverse Datenbanken und Google dazu liefern, eine eher beiläufige Meldung in der „Taipei Times“ zu sein scheint, veröffentlicht offenbar im August 2006, in der es ebenfalls heißt, dass sich die 42-jährige Jacinta Kerabu — obwohl seit Mitte der 80er Jahre Prostituierte in Majengo — erstaunlicherweise nicht mit dem HI-Virus infiziert habe.

Andererseits berichtete der britische „Daily Telegraph“ schon im April 2006 von einer 45-jährigen Frau namens Salome Simon, die — obwohl seit Mitte der 80er Jahre als Prostituierte in Majengo tätig — offenbar immun gegen das HI-Virus sei (und veröffentliche ein Foto, das der Jacinta Kerabu aus „Bild“ erstaunlich ähnlich sieht).

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (nicht frei online) wiederum berichtete bereits im Juli 1998 von einer damals 35-jährigen Frau, die — obwohl seit Mitte der 80er Jahre als Prostituierte in Majengo tätig — „offenbar gegen das Virus, das die Immunschwächekrankheit auslöst, resistent“ sei. Die „NZZ“ nannte sie Mariam Chepkemoy.

Und die Nachrichtenagentur dpa wusste sogar schon im Juni 1996 über eine Prostituierte in Majengo (dpa nannte sie schlicht „Lucy“) zu berichten, „sie solle immun sein gegen das todbringende HI-Virus“ — und kein Einzelfall. Zudem ließ dpa schon damals nicht unerwähnt, dass das „Rätsel“ immerhin seit Mitte der 80er Jahre u.a. von Wissenschaftlern der Universitäten von Nairobi, Oxford, Manitoba und Washington untersucht werde.

Insofern jedenfalls mag es nicht verwundern, dass die kleine Gruppe der offenbar HIV-resistenten Prostituierten von Majengo seither in zahlreichen Artikeln der Tages- und Fachpresse weltweit immer wieder für Schlagzeilen sorgte.

Verwunderlich ist eigentlich nur, dass „Bild“ gestern behauptete:

Nun entdeckten Wissenschaftler, dass Jacinta kein Aids bekommen kann.
(Hervorhebung von uns.)

Mit Dank an Bloggwurst.de für die Anregung.

Post von Diekmann

„Bild“ hatte ja jüngst — sichtlich widerwillig, aber gehorsam — eine Rüge des Presserats abgedruckt. Grund für die „Bild“-Rüge war laut Presserat Schleichwerbung für Aldi.

Und das Fachblatt „kress report“ berichtet nun von einem Brief, den „Bild“-Chef Kai Diekmann offenbar an den Presserat geschickt hat, weil „Bild“ die Aldi-Rüge „nicht nachvollziehen“ könne. Weiter heiße es in Diekmanns Brief:

Nach Vorstellung des Presserates darf nicht über Preise und Bezugsquellen eines neuen Produktes berichtet werden. Sie ziehen die Grenze des Zulässigen schon bei Angabe von Telefonnummer und Internetadresse. Jede deutsche Publikation wäre danach künftig gezwungen, den Service-Charakter ihrer Berichterstattung radikal zu beschneiden.

Beigefügt sei dem Brief an den Presserat (der angeblich kein Alleingang Diekmanns sei, sondern von vielen deutschen Chefredakteuren unterstützt werde) ein „Ordner mit 100 Seiten aus 100 aktuellen Zeitungen und Zeitschriften“. Ob „Fahrradzubehör in der ‚Süddeutschen‘, Motorradanzüge in der ‚FAZ‘, (…) die neue ICE-Strecke Frankfurt-Paris in der ‚FR‘, Osterdeko in ‚BamS‘ oder die neue H&M-Edelmarke Cos in ‚Bild‘ selbst“ — alle Artikel enthielten ebenfalls konkrete Angaben zu Anbietern, Preisen, Bestellrufnummern oder Online-URLs. Laut „kress“ hat „Bild“ zwar ausdrücklich darauf verzichtet, alle Artikel als Beschwerde einzureichen, bittet den Presserat aber um Prüfung der „eingereichten Einzelfälle“ und darum, die eigenen Standards „den aktuellen Leserbedürfnissen sowie einer modernen Wirtschaftsberichterstattung anzupassen“.

Beim Presserat, heißt es, begrüße man die „transparente Diskussion“ und verspreche, sich mit dem „interessanten Material, das unsere Spruchpraxis kritisch begleitet“, eingehend zu befassen.

Bob Geldof arbeitet mit „Bild“-Methoden

Es ist eine sehr eindrucksvolle Liste von Prominenten und Politikern, die die „Bild“-Zeitung in ihrer heutigen Sonderausgabe versammelt hat, um für mehr Hilfe für Afrika zu werben. Und es ist eine eindrucksvolle Demonstration, was eine Zeitung wie „Bild“ auf die Beine stellen kann, wenn sie versucht, ihre Beziehungen, ihre Reichweite und die Mittel des Boulevardjournalismus für einen guten Zweck einzusetzen. Keine Frage.

„Bild“ selbst ist auch ganz begeistert und lässt die eigene Aktion von Ersatz-Chefredakteur Bob Geldof als „historische BILD-Ausgabe“ feiern, die eine „einmalige Koalition aus Künstlern, Unternehmern, Politikern, Journalisten, Sportlern, Staatsmännern und den Völkern aller Nationen“ versammelt habe. Sogar der amerikanische Präsident George W. Bush scheint Teil dieser Koalition zu sein und eigens für die Afrika-Ausgabe einen Gastbeitrag geschrieben zu haben:

"US-Präsident George W. Bush exklusiv in BILD"

Auch eine solche womöglich gut gemeinte Sonderausgabe ist für „Bild“ also kein Grund, plötzlich wahrhaftig zu berichten, denn Bushs Text ist alles andere als „exklusiv“. Es handelt sich um eine Rede, die George W. Bush am Mittwochmittag (Ortszeit) im Rosengarten des Weißen Hauses vor Journalisten gehalten hat — in einer gekürzten, übersetzten und mit Flüchtigkeitsfehlern durchsetzten Version.

Zum Vergleich:

Bushs Rede Bush „exklusiv“ in „Bild“
When I took office, an HIV diagnosis in Africa’s poorest communities was usually a death sentence. Parents watched their babies die needlessly because local clinics lacked effective treatments. Als ich mein Amt antrat, war eine HIV-Infektion in Afrikas ärmsten Gemeinden ein Todesurteil. Eltern mussten zusehen, wie ihre Babies einen unnötigen Tod starben, weil die örtlichen Kliniken keine wirkungsvollen Behandlungen anbieten konnten.
This modern-day plague robbed Africa and other countries of the hope of progress, and threatened to push many communities toward chaos.

The United States has responded vigorously to this crisis.

Diese moderne Plage raubte Afrika und anderen Ländern ihre Hoffnung auf Fortschritt und drohte viele Gemeinschaften ins Chaos zu stürzen. Wir reagieren mit aller Macht auf diese Katastrophe.
usw. usf.

Der Preis für das Bemühen, die längste und imposanteste Liste von Gast-Autoren aller Zeiten zusammenzubringen, ist hoch. Nicht nur, weil „Bild“ dazu eine Presseerklärung zu einem Gastbeitrag umetikettieren muss. Sondern weil die Zeitung dadurch auf die Möglichkeit verzichtet, Bushs Aussagen kritisch zu hinterfragen. Neben drei süßen Fotos, die ihn mit dem Sohn einer HIV-infizierten Mutter zeigen, behauptet Bush in „Bild“:

Wegen dieses Erfolges beantrage ich beim amerikanischen Kongreß [sic], dass die Anstrengungen im Kampf gegen die Plage HIV/Aids verdoppelt werden und zusätzliche 30 Milliarden Dollar für die Prävention, Behandlung und Nachsorge von HIV/Aids in den nächsten 5 Jahren zu genehmigen. (…)

Soviel Hilfe gab es noch nie und diese Hilfe ist die größte Zusage die je eine Nation im Kampf gegen eine einzelne Seuche in der Geschichte der Menschheit gemacht hat.

Kritiker relativieren diese Superlative. Sie weisen zum Beispiel darauf hin, dass die Zahl der Patienten, die von den amerikanischen Hilfen profitieren, gegenüber dem bereits bestehenden Programm nur leicht steigen würde — prozentual entspräche das sogar einem Rückgang. Und von einer „Verdoppelung“ der Ausgaben zu sprechen, wie Bush es tut, sei ohnehin irreführend.

Darüber kann man natürlich streiten. Aber man kann es nicht, wenn man ohne jede journalistische Einordnung einfach eine Presseerklärung des amerikanischen Präsidenten unter der Überschrift „US-Präsident George W. Bush exklusiv in BILD: Soviel Hilfe gegen Aids gab es noch nie!“ abdruckt.

PS: „Spiegel Online“ sieht in der Afrika-„Bild“ einen Beweis dafür, „wie rasch moralische Beweggründe sich in einen wohlfeilen Moralismus verwandeln können, der in verlogenem Kitsch und objektivem Zynismus endet“.

Mehr zur „Afrika-BILD“ hier und hier.

Kurz korrigiert (421)

Es muss wohl eine Art Reflex sein, der Bild.de-Mitarbeiter dazu "Neues Urteil: Krankgeschrieben zum Konzert!"veranlasst, völlig Fakten-unabhängig in Überschriften bestimmte Schlüsselbegriffe einzubauen. Der Teaser, der derzeit auf der „Tipps & Trends“-Seite von Bild.de steht (siehe Ausriss), ist ein schönes Beispiel dafür. Das „neue“ Urteil, von dem dort die Rede ist („Az.: 10 Sa 117/04„), ist nämlich keineswegs neu. Jedenfalls nicht nach landläufigen Maßstäben. Es stammt aus dem Jahr 2004. Aber immerhin: Der Agentur-Bericht dazu, der ist offenbar neu.

Mit Dank an Daniel P. für den sachdienlichen Hinweis.

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blogmedienTV 15: Geld geil
(blogmedien.de, Video, 10:34 Minuten)
Wie die öffentlich-rechtlichen Anstalten die nächste Gebührenerhöhung einfädeln.

Peter Rothenbühler
(werbewoche.ch, Helen Brügger)
Der schlagfertige Redaktionschef von Le Matin kennt beide Seiten des Röstigrabens. Im Gespräch mit Helen Brügger erklärt er seine Begeisterung für den Job bei Edipresse, wie der Kampf der Gratisblätter am Léman weitergeht und warum er sich gegen Vorwürfe verwahrt, in seinen Zeitungen gerieten Journalismus und Werbung durcheinander.

„Gegen die Sonntagszeitungen waren wir chancenlos“ (+)
(persoenlich.com, David Vonplon)
Ringier opfert die Wirtschafts-Wochenzeitung Cash einer verstärkten Ausrichtung des Medienkonzerns auf digitale Angebote. „Wir hatten gehofft, dass Cash mit der Lancierung von Cash daily Aufwind erhält. Das hat sich als Irrtum herausgestellt“, sagt Ringier-Konzernleitungsmitglied Thomas Trüb im Interview mit „persoenlich.com“. Er will nun die starken Elemente der Wochenzeitung zu Cash daily transferieren.

stadt24.ch
(madial.blogspot.com)
Vor einiger Zeit habe ich mich gefreut, dass der Online-Auftritt des St. Galler Tagblatts langsam aber hoffentlich doch stetig in eine moderne Richtung geht. Jetzt hat St. Gallen eine neue Online-Zeitung: stadt24.ch.

Web 2.0-Experte: Journalisten sollen Bloggern Gehör verschaffen
(derstandard.at)
Web 2.0-Schwerpunkt auf dem 8. Wiener Globalisierungssymposium – Web 2.0 als „ökologisches Phänomen“.

Updaten oder gegenlesen
(freitag.de, Katrin Schuster)
„Online first“ lautet die Devise moderner Zeitungen; die Umsetzung lässt jedoch zu wünschen übrig.

„Bild“ veradelt „Bild“-Chefredakteur

Es ist nicht alles falsch, was „Bild“ schreibt.

Richtig war zum Beispiel, dass die Zeitung am 27. Dezember 2006 erklärte, U2-Sänger Bono werde zwar von der Queen zum „britischen Ritter“ geschlagen, dürfe sich aber trotzdem nicht „Sir Bono“ nennen, weil dieser Titel britischen Bürgern vorbehalten und Bono Ire sei.

Richtig war auch, was die Zeitung in ihrem Online-Auftritt veröffentlichte, als sie vor einem Monat bekannt gab, dass Bob Geldof für einen Tag lang „Bild“-Chefredakteur sein würde:

Von der Queen wurde er geadelt, darf den Titel „Sir“ jedoch nicht tragen, da er als Bürger der Republik Irland kein Bürger des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland oder des Commonwealth of Nations ist.

(Und wenn Sie nun sagen, das klingt aber erstaunlich detailgenau, dann könnte das daran liegen, dass Bild.de den Satz einfach aus der Wikipedia übernommen hat, in der es heißt: „Geldof wurde zwar von der Queen geadelt, darf den Titel ‚Sir‘ jedoch nicht tragen, da er als Bürger der Republik Irland kein Bürger des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland oder des Commonwealth of Nations ist“ — aber das nur am Rande.)

Unbeeindruckt jubelte die Printausgabe am folgenden Tag:

Der Sänger und Afrika-Aktivist Sir Bob Geldof (52, „I don’t like Mondays“) wird für einen Tag BILD-Chefredakteur!

Hervorhebung von uns.

(Bob Geldof ist übrigens seit vergangenen Oktober 55 Jahre alt*. In „Bild“ ist er am 21. Mai erstmals nicht mehr 52, sondern 55 Jahre alt; verwirrenderweise ist er zwei Tage später in der Berliner Ausgabe von „Bild“ drei Jahre jünger als in der Bundesausgabe — aber das nur am Rande.)

Jedenfalls: Seit dem Tag, an dem Bild.de erklärte, dass es falsch wäre, Bob Geldof als Sir Bob Geldof zu bezeichnen, hat „Bild“ ihn neunmal als „Sir Bob Geldof“ bezeichnet.

(Interessant übrigens auch, dass „Bild“ Bob Geldof vor nichtmal einem Jahr, am 24. Juli 2006, zum „Verlierer des Tages“ erklärte, weil er zwei Konzerte in Italien mangels Besuchern absagen musste. „Peinlich“, schrieb „Bild“ und meinte: „Der Stern sinkt!“ Heute vertrat Geldof dann Kai Diekmann als „Bild“-Chefredakteur — aber auch das nur am Rande.)

PS: Wie oft „Bild“ und Bild.de Geldorf statt Geldof geschrieben haben (wie zuletzt heute), haben wir nicht gezählt.

*) Nachtrag, 21.25 Uhr. Bild.de hat aus einigen Geldörfern Geldofs gemacht. Außerdem wurde der Wikipedia-Eintrag zu Geldof in den vergangenen Stunden geändert. Und das tatsächliche Alter Geldofs scheint umstritten. Ausschließen können wir allerdings, dass er sowohl 52 als auch 55 Jahre alt ist.

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Kumpanei – Der Doping-Sumpf und die Journalisten
(ndr.de, Video)
Es war die Pressekonferenz des Jahres. Erik Zabel und Rolf Aldag gestehen unter Tränen ihre Doping-Vergangenheit. Mehr als fünf Millionen Zuschauer sind am Bildschirm live dabei. Und werden deshalb auch Zeugen der Kumpanei zwischen Journalisten und Sportlern. Wie selbstverständlich duzt man sich gegenseitig und spendet den Radprofis auch noch Applaus. Nur wenige Sportjournalisten halten es für angebracht, sich kritisch auch mit der eigenen Zunft auseinander zu setzen.

«Am Rande des silbernen Zeitalters»
(weltwoche.ch, Roger Köppel)
Der grosse Verleger und Jahrhundertzeuge Lord Weidenfeld über das Wien der zwanziger Jahre, den Aufstieg Hitlers, den Zweiten Weltkrieg und die grossen Frauen, die ihm bei seiner Karriere halfen. Erster Teil des Gesprächs.

Habermas und die Heuschrecken
(medienspiegel.ch, Edgar Schuler)
Jürgen Habermas, Altmeister der kritischen Theorie (nebst vielem anderen) will die Welt nicht nur interpretieren, sondern sie auch verändern. Zum Beispiel wenn es um den Verkauf der «Süddeutschen Zeitung» geht.

Innere Werte online bestellen
(ksta.de, Martin Weber)
Nicht vor Ort und trotzdem live dabei: Martin Weber guckt ?Hart aber fair?. Natürlich nur echt mit Frank Plasberg, dem Dranbleiber, dem Hartnäckigen, dem Sprechblasenkiller.

Google und Feedburner
(oe1.orf.at, Ritchie Pettauer)
Mehr als eine Liebeshochzeit.

So funktioniert das Schnell-Lesen
(stern.de/tv)
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