Die Rückkehr der Killerkeksdose

Ist diesen Terroristen denn gar nichts heilig?

Erst vergangene Woche deckte „Bild“ den Fall einer „unheimlichen Keksdose“ aus dem Jahr 1999 auf, die neben dem World Trade Center (WTC) ein Flugzeug zeigt — was „Bild“ vermuten ließ, dass sich die Terroristen des 11. September 2001 auf diesem Weg „geheime Botschaften“ mitteilten (wir berichteten).

Nun ist „schon wieder so ein unheimlicher Fund“ aufgetaucht — und diesmal ist es keine Keksdose, sondern ein Anhänger für den Christbaum! Eine „Bild“-Leser-Reporterin hat ihn 2000 „ausgerechnet auf der Aussichtsplattform des WTC“ gekauft! Und er zeigt: „Ein Flugzeug, das über den Türmen des World Trade Centers kreist“! Angeboten als Weihnachtsbaum-Schmuck! „Bild“ zahlt ihr dankbar 500 Euro und fragt:

Terror-Botschaft im Christbaum-Schmuck

Dann wäre das Ding allerdings eine Sensation. Wir lesen aus der Darstellung (Ausriss links) nämlich die versteckte Terroristen-Botschaft: Vergesst den Keksdosen-Plan, wir greifen die Freiheitsstatue an!

Vielen Dank an Frank B.!

6 vor 9

Saddam und die alten Medien
(blog.handelsblatt.de, Thomas Knüwer)
Vielleicht sollte ich die „Tagesthemen“ nicht mehr schauen. Wäre besser für meinen Blutdruck. Denn egal ob Anne Will, Tom Buhrow oder gestern WDR-Kommentarsprecher Birand Bingül – sie alle demonstrieren ihre Überforderung mit der medialen Welt.

Dürfen Medien Saddams Todesvideo zeigen?
(fudder.de)
Ein Handy-Video schockiert die Welt. Es zeigt in voller Länge, wie Saddam Hussein hingerichtet worden ist. Das Video ist inzwischen auf vielen Seiten im Netz zu finden. Wie sollen Journalisten mit solchen Inhalten umgehen? fudder hat sieben deutsche Medienmacher gefragt: Dürfen Online-Medien das vollständige Exekutionsvideo zeigen und verlinken?

Web-2.0-Bubble jetzt auch in Deutsch: Holtzbrinck kauft StudiVZ
(konvergenz.kaywa.com, Andreas Göldi)
Das war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit: Die umstrittene deutschsprachige Facebook-Kopie StudiVZ ging heute über den Ladentisch. Der glückliche (?) Käufer ist die Verlagsgruppe Holtzbrinck, die für die Website mit einer Million registrierten Usern 85 Millionen Euro hinblättert (davon 50 Mio. gleich bar auf die Hand).

Aufbruchstimmung
(azrael74.de)
Mit aller Macht ins Internet drängt die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

Rückkehr der rasenden Reporter
(spiegel.de, Frank Patalong)
Die Zukunft der Zeitung liegt im Netz – das ist inzwischen allen großen Verlagen klar. Die „Washington Post“ wagt jetzt zaghafte Schritte, Print und Online näher zueinander zu bringen. Andere Medienhäuser sind ihr da Längen voraus.

Montags wird nicht mehr gebibbert
(fr-aktuell.de, Roderich Reifenrath)
Eine in die Jahre gekommene Institution des deutschen Journalismus feiert Geburtstag: Der „Spiegel“ wird 60.

Bild.de ringt mit der Wahrheit

Heute spielen wir „Was passiert hier“. Das geht folgendermaßen: Wir zeigen Ihnen drei Fotos aus einer Bild.de-Galerie, die Kevin Federline beim Wrestling zeigen, und Sie müssen raten, was auf den Fotos zu sehen ist. Um das Ganze zu erschweren, behalten wir aber die Original-Fotounterzeilen von Bild.de bei.

Los geht’s:

a.

b.

c.

Auflösung:

Mit Dank an Martin K. für den sachdienlichen Hinweis.

Es muss nicht immer Frischfleisch sein

Wir schreiben den 3. Januar 2007, und die Tageszeitung „Bild“ berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über einen Steinadler, der „sich in Finnlands Süden über einen Fuchs hermachte“ (siehe Ausriss).

Wörter wie „jetzt“, „jüngst“, „unlängst“ oder „vorgestern“ sucht man in der „Bild“-Meldung vergeblich. Zu Recht. Denn das Foto ist dort, wo „Bild“ es jetzt her hat, auf den 22. Februar 2006 datiert.

ZWEITENS schreibt „Bild“:

„Der Adler hatte den Fuchs in seinen Krallen, als der sich noch einmal losriss und entkam. Doch der Raubvogel (…) stürzte sich wieder auf den Fuchs — und erlegte ihn.“

Auf den finnischen Originalfotos ist jedoch von einer zweiten, tödlichen Attacke nichts zu sehen. Stattdessen sieht man dort nicht nur Adler und Fuchs, sondern auch ein großes Stück Aas im Bildvordergrund, was die Vermutung nahelegt, dass es sich beim Fuchs nicht um „eine fette Beute“ („Bild“) handelt, sondern bloß um einen Rivalen — was dann natürlich bedeuten würde, dass „Bild“ hier also nicht nur irgendein altes Foto betextet, sondern das alte Foto außerdem auch falsch betextet hätte…

Naja, vielleicht kennt ja der Fotograf die Antwort. Wir haben ihm jedenfalls einfach mal eine Mail geschickt und sind gespannt.

Die Korrektur des Jahres (nicht von „Bild“)

Die amerikanische Internetseite „Regret the Error“, die sich auf Berichtigungen in den Medien spezialisiert hat, wählt in ihrem Jahresrückblick immer die „Korrektur des Jahres“. Gewinner in diesem Jahr ist die britische Zeitung „The Sun“ mit folgender Klarstellung und Entschuldigung:

Nach unserem Artikel über die Geburtstagsfeiern von Prinzessin Eugenie sind wir gebeten worden, darauf hinzuweisen, dass die Party die ganze Zeit von Erwachsenen beaufsichtigt wurde und dass zwar ein bisschen Unordnung am Ende des Abends weggeräumt wurde, es aber keine Schäden an Möbeln gab, keine Zecher in die Schlafzimmer hechteten, um betrunken miteinander rumzumachen, und es unkorrekt war, das Haus als verwüstet zu beschreiben.

Wir freuen uns, dies klarstellen zu können, und bedauern jedweden Kummer, den unser Bericht verursacht hat.

(Übersetzung von uns.)

Dabei war der ursprüngliche Artikel durchaus detailliert und farbenfroh und beschrieb, wie minderjährige Gäste besoffen ohnmächtig wurden, alles vollkotzten und Zigaretten auf den Möbel ausdrückten.

Schöne Korrektur in der „Sun“ jedenfalls. Und warum steht das hier alles? Ach ja.

6 vor 9

Iran: Neues Gesetz zur Kontrolle des Internet
(telepolis.de, Thomas Pany)
Es sollen sich alle Iraner, die einen Blog oder eine Webseite betreiben, binnen zwei Monaten auf der Regierungswebseite Samendehi mit Namen und Adresse registrieren.

Lebenslänglich Bloggen?
(basicthinking.de)
Robert Basic fragt sich, ob er lebenslänglich bloggen muss.

Weblogs am Wendepunkt
(ftd.de, Björn Maatz)
Weblogs haben sich innerhalb weniger Jahre als fester Bestandteil der Web 2.0-Generation etabliert – Blogs wie BoingBoing gewinnen immer mehr Zulauf. Doch das Phänomen erreicht in diesem Jahr seinen Höhepunkt, prophezeien die Analysten des Beratungsunternehmens Gartner.

Strick, Falltür und – Schnitt
(taz.de, Bettina Gaus)
Auch seriöse Medien wie der Sender BBC zeigten Ausschnitte der Hinrichtung des Despoten Saddam Hussein. Nur die Sekunde des Todes nicht. Dem westlichen Wertesystem scheint das zu entsprechen.

Google gewinnt mit Print
(spiegel.de)
Für Zeitungsverleger werden die Zeiten immer schwerer. Zuerst hat das Internet ihnen den Markt verdorben, weil es schneller ist – nun droht es, den Anzeigenmarkt zu verderben. Weil das Schalten von Werbung übers Netz so einfach ist.

Wrabetz lässt ORF-Auge wieder auferstehen
(diepresse.com)
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz will den „öffentlich-rechtlichen Mehrwert“ steigern. Er setzt sich für eine schnelle Neubesetzung des Stiftungsrates ein – und am Küniglberg prangt wieder das ORF-Auge.

Kehraus 2006

So, dann räumen wir schnell noch ein wenig Gerümpel weg, das vom letzten Jahr liegengeblieben ist.

Gib mir die Kugel - Neue Fun-Sportart aus NeuseelandDie „neue Fun-Sportart“ Zorbing beispielsweise, die Bild.de jetzt in Neuseeland entdeckt hat — nur zehn Jahre und zweieinhalb Monate, nachdem die „Bild am Sonntag“ sie entdeckt hat und am 13. Oktober 1996 groß darüber berichtete.

Oder die Fotoserie von den „dümmsten Autofahrern 2006“, die (wie unsere Ausriss zeigt) leider wieder einmal von dem dümmsten Bild.de-Praktikanten betextet wurde:

Nicht zu vergessen auch dieses Foto vom „Handy mit Musikplayer“, das Apple möglicherweise in diesem Jahr herausbringen will. Das Projekt sei „streng geheim“ schreibt Bild.de richtig, zeigt aber schon ein Foto vom „Hersteller“…

…in Wahrheit ist es eines von vielen Fakes, oder freundlicher: von vielen künstlerischen Impressionen, wie das sagenumwobene Ding aussehen könnte.

MONROSE: Mandy (16) suchte Mann im InternetDann war da noch der Skandal, der es am 28. Dezember auf die Seite 1 der „Bild“-Zeitung schaffte (siehe Ausriss): Mandy, eine der Sängerinnen der Popgruppe Monrose, soll sich in einer Kontaktbörse registriert haben, obwohl sie einen Freund hat und selbst in der Anzeige schrieb: „Ich mag es nicht, wenn man seine Freunde hintergeht.“ Was „Bild“ „übersah“: Das Profil ist alt, seit 3.1.2006 war keine Aktivität mehr feststellbar. Und wann hat Mandy ihren Freund kennengelernt? Silvester 2005/06.

Und schließlich noch ein „Bild“-Höhepunkt zum Jahreswechsel:

„Das Geheimnis der unheimlichen Keksdose“

Auf einer 1999 hergestellten Porzellandose ist neben dem World Trade Center eine Passagiermaschine zu sehen (siehe Ausriss unten). „Es scheint“, staunt „Bild“, „als steuere sie die Türme an. Fast genau so, wie es geschah!“

Tja. Was könnte dahinter stecken? „Bild“ weiß es nicht, neigt aber zu der These, dass sich die Attentäter des 11. September 2001 von Deutschland aus mit Hilfe der Keksdose „eine geheime Botschaft“ zuschickten. Noch einmal: dass sich die Attentäter des 11. September 2001 von Deutschland aus mit Hilfe der Keksdose „eine geheime Botschaft“ zuschickten.

Falls es so war, haben sich die Terroristen allerdings entgegen der ursprünglichen Keksdosenplanung dann doch entschieden, den Anflug nicht schon hinter dem Eiffelturm über Big Ben zu beginnen.

Danke an Martin M., Reinhard B., Alexander S., Malte L., Matthias R., Mathias K., Till V., Andy S., Cay D., Tobias G., Andreas R. und das redblog!

Die dummdreisteste Zeitung Deutschlands

"Drei Tage vor Neujahr: Supermarkt kassierte schon 19 % Mehrwertsteuer"Vergangenen Sonntag berichtete die „BamS“ über den angeblich „dreistesten Supermarkt Deutschlands“. Es handelte sich dabei um eine Stralsunder „Plus“-Filiale, die „drei Tage vor Neujahr“ schon 19 Prozent Mehrwertsteuer kassiert habe (siehe Ausriss). Das Blatt behauptete:

BamS liegen mehrere Kassenbons von Kunden des Supermarktes vor, auf denen schon Produkte mit 19 Prozent Mehrwertsteuer verkauft wurden.

Und natürlich bildete die „Bams“ auch einen dieser Kassenbons ab:

Wie gut zu erkennen ist, wird die Mehrwertsteuer da tatsächlich mit 19 Prozent angegeben und macht 42 Cent aus. Allerdings macht das die „Plus“-Filiale keineswegs zum „dreistesten Supermarkt Deutschlands“, sondern allenfalls zum dümmsten. Denn, so eine „Plus“-Sprecherin zu BILDblog:

„Es handelte sich dabei um einen Computerfehler. Die Kunden hatten dadurch allerdings keinen Nachteil, weil die Preise gleich geblieben sind. Und Sie werden auch den ganzen Januar über immer noch dieselben Preise zahlen, wie 2006.“

Die „Plus“-Filiale in Stralsund hat also lediglich eine zu hohe Mehrwertsteuer ausgewiesen, und die Kunden haben so viel bezahlt wie immer.

Dies ist die veränderte Fassung eines früheren BILDblog-Beitrags, bei dem wir uns leider verrechnet hatten. Wir bitten das zu entschuldigen.

6 vor 9

Angst am Dovenfleet
(taz.de, Tom Schimmeck)
Was ist bloß aus dem „Sturmgeschütz der Demokratie“ geworden? Aus jener publizistischen Waffe, die „Der Spiegel“ heißt und am 4. Januar vor sechzig Jahren erstmals erschien? Deren Enthüllungen man genoss. Und die Coolness, die das Blatt verströmte. Der Hausbesuch eines Ehemaligen. (Weitere Artikel des taz-Dossiers zum Spiegel hier.)

Das Netz des Hasses
(sueddeutsche.de, Lars-Marten Nagel)
Weil die Daten von Sexualstraftätern in den USA öffentlich gemacht werden, entstand eine besondere Form des Journalismus: Reporter überwachen mit Hilfe von Computern Kriminelle, die ihre Strafe bereits abgesessen haben.

www.bedrohte-woerter.de
(welt.de, Hendrik Werner)
Augenweide, Berserker, Conférencier: Wie eine Schriftstellerinitiative mit Hilfe der interessierten Öffentlichkeit deutsche Wörter vor dem Aussterben retten will (Website).

Prost Schwestern!
(nzz.ch, Gunhild Kübler)
Vor 30 Jahren erschien die erste Ausgabe von Alice Schwarzers feministischer Monatszeitschrift «Emma». Inzwischen «sind wir Kanzlerin».

Interview: ?Wir ringen mit den Heuschrecken?
(profil.at, Herbert Lackner)
Der neue ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über den Konkurrenzkampf gegen die Privaten, seine Neudefinition der ?Quote? und die Pläne für das Programm.

Wer D singt, muss auch E singen
(dradio.de, Matthias Sträßner)
Der neue Tagesausklang im Deutschlandfunk verbindet Deutschlandlied und Europahymne.

Kurz korrigiert (304)

Bild.de berichtete jüngst wieder über Britney Spears und behauptete:

"Erst vor ein paar Tagen war die sturzbetrunkene Spears aus einer Bar in Los Angeles geflogen (wir berichteten).
"

Klickt man jedoch auf den „(wir berichteten)“-Link, gelangt man zwar zu einem anderen Bild.de-Artikel. Darin ist allerdings nirgends die Rede davon, dass die sturzbetrunkene Spears aus einer Bar in Los Angeles geflogen sei. Vielmehr ist (auch anderen Medienberichten zufolge) in der Bar etwas aus Spears geflogen… Aber bevor wir hier ins Detail gehen („Ekel-Alarm!!!“), halten wir lieber fest, dass offenbar nicht einmal Bild.de-Mitarbeiter Bild.de-Meldungen lesen. Immerhin.

Mit Dank an Lothar S. für den Hinweis.

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