Kurz korrigiert (124)

Franz Josef Wagner schreibt heute an die „WM-Schiedsrichter“ und beschwert sich, ups, Verzeihung, beschwert sich, dass die zu viele gelbe und rote Karten zeigen. Dabei stellt er fest:

Wir operieren inzwischen in den Gehirnen und Zellen der Menschen, Flugkörper fliegen außerhalb unserer Galaxie.

Und wenn Wagner hier nicht außerirdische Flugkörper meint, dann ist das natürlich Unsinn. Der am weitesten von der Erde entfernte von Menschen gebaute Flugkörper ist nämlich die Sonde „Voyager 1“. Sie durchfliegt gerade die Grenze unseres Sonnensystems in rund 14 Milliarden Kilometern Entfernung. Das ist ganz schön weit weg. Um aber unsere Galaxie, also die Milchstraße, auf dem kürzesten Weg zu verlassen, müsste „Voyager 1“ noch mal rund 1000 Lichtjahre, bzw. 9,5 Billiarden Kilometer zurücklegen – wenn sie die richtige Richtung eingeschlagen hat.

Mit Dank an Roland W. und Klemens K. für den Hinweis.

Tolle News vom Elternabend

„Schlägereien auf dem Schulhof, Handyklingeln im Unterricht, Klappmesser in der Hosentasche – an vielen Schulen ist das Alltag. Die Gesamtschule Badenstedt (Niedersachsen) macht Schluß damit!“

So stand’s am Samstag in „Bild“. Überschrift:

"Nicht spucken, nicht erpressen und keine tiefen Ausschnitte! 1. Friedensvertrag in deutscher Schule"

Nur haben wir nicht den blassesten Schimmer, wie „Bild“ darauf kommt, dass es an der „Gesamtschule Badenstedt“ den „1. Friedensvertrag in deutscher Schule“ gebe — mit strengen „Friedensregeln“ wie „züchtige Kleidung“, „keine elektronischen Geräte“ oder „Fotografier- und Filmverbot“ und „harten Strafen“, denn…

… so ziemlich alles, was „Bild“ da als „1. Friedensvertrag in deutscher Schule“ auflistet, ist in Schulverträgen, Schulordnungen und/oder Hausordnungen vieler, vieler, vieler vieler anderer deutscher Schulen schon seit Jahren Gang und Gäbe. Und am Schulzentrum Badenstedt hat man sich unlängst bloß entschieden, die eigene Schulordnung entsprechend zu erweitern und zu aktualisieren, wie uns Thomas Fitzner als einer der Schulleiter sagt.

Und so sind offenbar auch die angeblichen „Friedensregeln“ aus dem angeblichen „Friedensvertrag“ nichts weiter als ein bunter „Bild“-Mix von z.T. bereits seit 2002 geltenden Regelungen und der nun aktualisierten Schulordnung.

Und weil sich an Fitzners Schulzentrum partout kein „Friedensvertrag“ finden lässt, ist das Stück Papier, das der Schulleiter für „Bild“ so schön in die Kamera hält (O-Ton: „Thomas Fitzner, Leiter der Hauptschule, zeigt den Vertrag“), laut Fitzner auch nichts weiter als der ohnehin schon länger gültige und eher unspektakuläre „Schulvertrag“.

Mit Dank an Adrian G. für den Hinweis.

Kurz korrigiert (123)


Links, das ist Luis Alfredo Palacio Gonzales, Präsident von Ecuador.

Und wer ist der Mann rechts?

Nun ja, die Meinungen gehen auseinander.

Die allermeisten Medien behaupten zwar übereinstimmend, es sei Horacio Sevilla-Borja, der ecuadorianische Botschafter.

Aber die „Bild“-Zeitung behauptete, es handele sich dabei um „Ecuardors Staatspräsident Alfredo Palacio“.

Ts, wem soll man da jetzt glauben?

Mit Dank an Thorsten R., Philipp M. und Günther Jauch für den Hinweis.

Kurz korrigiert (122)

Anders als der Big Mac — und anders als Bild.de den Bild.de-Lesern erzählt — kommt das „US-amerikanische Wirtschaftsmagazin ‚The Economist‘bekanntlich nicht aus den USA, sondern seit über 160 Jahren aus Großbritannien.

Mit Dank an Tilman K. für den Hinweis.

Nachtrag, 26.6.2006, 9.30 Uhr: Guten Morgen. Bild.de hat den Fehler korrigiert.

„Na, wie wär’s mal mit nem Buch?“

Wir müssen noch mal kurz auf diese merkwürdige In-&-Out-Geschichte zurückkommen.

OUT: Völlig sinnentleert und obergelangweilt Löcher in die Wand starren. Na, wie wär

Dass „Bild“ plötzlich dringend vor dem Nichtstun warnte und zum Lesen aufforderte, ist nämlich nicht mehr ganz so abwegig, wenn man weiß, von wem das empfohlene Buch stammt. Die Herausgeberin heißt Ulla Bohn, und bis vor einem Jahr stand sie noch im Impressum der „Bild“-Zeitung: als Kulturchefin.

Danke an Christian M.!

Lachen mit „Bild“

Geschmacklos! Will „Bild“ unseren Poldi kaputt machen?

Seit Tagen ist auf Bild.de folgender Witz aus der „Bild“-Zeitung zu lesen:

Poldi zu Schweini: „Sag mal, welches Datum haben wir heute?“ Schweini: „Schau doch in die Tageszeitung!“ — „Habe ich schon, aber die ist von gestern!“

Ungerührt verhöhnt die Boulevardzeitung unseren Stürmer als strohdummen Voll-Proll. Lustig ist das nicht. Man fragt sich: Will „Bild“ Poldi kaputt machen?

BILDblog meint: „Bild“ würde Größe zeigen, wenn sie Poldi nicht länger lächerlich macht und den „Witz“ endlich aus dem Netz —

Halt! Stopp! War ganz anders: Es sind ja die Witze der ARD über Poldi, die „geschmacklos“, „nicht lustig“ und ein „Skandal“ sind, und bei denen man „Bild“ sich fragt: Will die ARD Poldi kaputt machen, indem sie ihn als strohdumm hinstellt?

Apropos „strohdumm“: Bei „Bild“ hat man einige der „Lukas‘ Tagebuch“-Beiträge von Eins Live und You FM abgetippt, darunter diesen:

Zur Zeit dicke Luft im Hotel. Kein Wunder: Balle-Ballack und Totti Frings haben 40 Kalt-Buller gegessen und machen Rülpskonzert im Frühstücksraum. Die Vollidioten, ey!

Kalt-Buller??? Schlimm, wenn man als „Bild“-Mitarbeiter sogar Comedy schlimm finden muss, die man nicht einmal verstanden hat.

Danke an Maja I. und Mike S.!

Kurz korrigiert (121)

Richtig ist, dass Norbert Röttgen in der Kritik steht, weil er vom kommenden Jahr an sowohl Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) als auch Bundestagsabgeordneter für die CDU sein will.

Unwahrscheinlich ist aber, dass er nun auch noch SPD-Mann wird.

SPD-Röttgen

Nachtrag, 9.00 Uhr. Ah, nun heißt es bei Bild.de: „SPD über Röttgen“.

Zu Gast bei Freunden: Da könnte ja jeder kommen

Die WM wird sehr viele Völker zusammen führen, denn es geht nicht nur um Kommerz, sondern auch darum, dass sich die Menschen annähern und besser kennen lernen.

Na, das ist mal ein schöner Gedanke. Der ecuadorianische Schamane Tzamarenda Naychapi hat ihn formuliert. In allen zwölf Stadien der Fußball-WM hat er eine Friedens- und Reinigungszeremonie vollzogen. Nach eigenen Worten, „um die gute Energie der Natur hierher zu bringen“.

„Bild“ formulierte es gestern so:

Auf Einladung seines Landes besuchte er Deutschland, um uns seine Kultur näher zu bringen.

Auch ein schöner Gedanke. Aber damit das funktioniert, muss der Schamane natürlich auf Menschen treffen, die sich so eine fremde Kultur näherbringen lassen wollen. Bei „Bild“ hat er sie nicht gefunden.

Es liegt nicht daran, dass „Bild“ — was für eine vermeintlich christliche Zeitung eigentlich nahe läge — an den Zauber von Amuletten und Reinigungstänzen an sich nicht glaubte. Im Gegenteil: „Bild“ pflegt einen ganz eigenen Okkultismus, einen Aberglauben an Flüche und Verwünschungen.

„Bild“ glaubt, dass die Rituale des Schamanen wirken. Was „Bild“ nicht glauben kann, ist, dass er es gut meinen könnte.

Wie abwegig, dass „Bild“ sich von einem Fremden dessen Kultur „näher bringen lassen“ könnte! Der Schamane sagt, sein Zauber sei nicht patriotisch: Er verbreite positive Energie, die für alle Mannschaften gelte. „Bild“ dagegen behauptet einen direkten Zusammenhang zwischen den Ritualen und den erfolgreichen ersten Spielen Ecuadors und schreibt:

Schamane hat unser Stadion verhext

Unser letzter Gruppengegner Ecuador greift zu faulen Tricks, um erfolgreich zu sein. (…) Ein Schamane gegen Klinsi!

Die „Bild“-Zeitung hat einen „Hexer und Voodoo-Experten“ aus Bremen als „Gegenzauberer“ „gefunden“. Der erklärte, der Zauber des Schamanen („ein raffinierter Bursche“) sei böse, er habe ihn aber „neutralisiert“ und gleich mal bei der Gelegenheit die Beine der Gegner schwerer gemacht, damit die Deutschen gewinnen.

Nett. Da bringt die „Bild“-Zeitung den „Freunden“, die da zu Gast bei uns sind, gleich mal unsere ihre Kultur nahe.

Danke an Andreas G., Markus L., Joern H. und Tobias M.!

Allgemein  

Journalismus kommt auch von Können

Eine geile Geschichte hat Bild.de da aufgetan. 250 japanische Pärchen hatten in einer Lagerhalle Sex miteinander, übten in Reih und Glied diverse Praktiken synchron aus. Und weil alles gefilmt wurde, kann Bild.de schöne Fotos davon zeigen.

Bild.de schreibt:

500 Menschen haben Sex in japanischer Lagerhalle. Und das soll Kunst sein...

Äh, nein. Keine Kunst. Ein Porno.

KUNST KOMMT VON KÖNNEN. Mit der Kunst ist es ja so eine Sache. Es gibt keinen "Leitfaden", der uns sagt, was Kunst zu sein hat. Jetzt gibt

Nein, keine neue Kunst-Sparte. Eine neue Porno-Sparte.

Beischlaf im Namen der Kunst!

Nicht im Namen der Kunst. Im Namen der Pornographie!

Ein Dirigent nahm die Protagonisten mit auf die Reise zum kollektiven Höhepunkt. Bis zum großen Ooooooooh war

Hä? Porno.

Alles wurde mit der Kamera festgehalten.

WEIL ES SICH UM EINEN POR-NO-FILM HANDELT! Mit dem Titel „500 Person Sex“. Produziert von der Firma „Soft On Demand“. Angekündigt mit den Worten: „Imagine going into a large room and see 500 people giving oral sex and screwing their brains out.“ Kostenpflichtig im Netz herunterzuladen.

Über jedes Bild in der Galerie hat Bild.de den Satz geschrieben:

Dieser Synchron-Sex soll Kunst sein.

Soll er gar nicht. Er soll sich nur gut verkaufen. Darauf hätte auch Bild.de kommen können, denn auf einem der abgebildeten Fotos steht sogar noch der Name des Internet-Sex-Anbieters, von dem die Porno-Promo-Bilder stammen.

— Und wenn jetzt vielleicht jemand mal die Klimaanlage in den Bild.de-Büros reparieren könnte? Danke.

Vielen Dank auch an cocolo für den Hinweis.

Nachtrag, 21.17 Uhr. Na sowas: Bei Bild.de ist der Artikel spurlos verschwunden.

Nachtrag, 19.7.2006 (mit Dank an Tamino G. für den Hinweis): Sooo „spurlos“ hat Bild.de ihn offenbar doch nicht verschwinden lassen…

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