Wer noch?

Aus gegebenem Anlass heißt’s auf Bild.de seit ein paar Tagen:

Alle wollen die E-Gitarre von Tokio Hotel ersteigern!“
(Hervorhebung von uns.)

Aus demselben Anlass schreibt uns BILDblog-Leser chakamoto:

„Dazu stelle ich fest: Ich nicht.“
(Hervorhebung von uns.)

Entdecke die Möglichkeiten!

Es gibt Dinge, die sind fast total sicher. Dass an Silvester „Dinner for One“ läuft zum Beispiel. Kann man drauf wetten. Da muss man nicht immer mit so komischen Möglichkeitsformen arbeiten, wenn man drüber schreibt.

Und dann gibt es Dinge, die sind nicht so sicher. Sondern nur wahrscheinlich. Oder nur möglich. Oder nicht ganz ausgeschlossen. Dass es an Weihnachten regnen wird zum Beispiel. Tja: Wer weiß? Besser vorsichtig formulieren. Mit „könnte“ und „vielleicht“ und so.

Gute Zeitungen erkennt man unter anderem daran, dass sie einem helfen, das Sichere von dem Möglichen zu unterscheiden. Dann testen wir das mal an diesem Artikel aus der „Bild“-Zeitung vom 11. November 2005:

Brasilien will nach Castrop-Rauxel

(…) BILD erfuhr, wo Brasilien wirklich sein WM-Quartier aufschlägt:

Man höre und staune – in CASTROP-RAUXEL. (…)

Ein Sprecher von Brasiliens Fußball-Verband bestätigte:

„Wir machen definitiv in der Nähe von Dortmund Quartier. Von dort haben wir das lukrativste Angebot bekommen.“ (…)

Auch er nimmt Quartier in Castrop-Rauxel: Brasiliens Ronaldinho.

Das fällt in die Kategorie „völlig sicher“, oder? Die „Bild“-Meldung machte die Runde, auch wenn manche Medien sie wohlweislich relativierten. Bei ARD.de formulierte man vorsichtig: „Glaubt man der Bildzeitung dann dürfen sie in Castrop Rauxel schon bald Samba tanzen vor Freude“ — und trug einige Zweifel an der Richtigkeit der Meldung zusammen. In der „WAZ“ dementierten Sprecher des Hotels, dass schon etwas beschlossen sei. Und die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte den brasilianischen Trainer Parreira drei Wochen später mit den Worten, Castrop-Rauxel sei nur „eine Option von vielen“. Ja: könnte, würde, vielleicht — laaaangweilig.

„Bild“ hatte in der Zwischenzeit schon andere wichtige Dinge am angeblich sicheren Quartiersort recherchiert. Zum Beispiel, dass es dort ein Bordell gebe, ein „Sex-Sterne-Laden“:

Eintritt 50 Euro. Die Liebes-Luder verlangen bis zu 150 Euro. Für die WM wird ihr Kader vergrößert (von 18 auf ca. 40). An WM-Top-Zuschlag wird gedacht.

Die dralle Elsa: „Dafür gibt’s aber auch brasilianische Wochen mit Caipi und Spezial-Buffet.“

Machen wir es kurz: Brasilien macht nicht in Castrop-Rauxel Quartier, sondern in Königstein und Bergisch Gladbach. Und als Bild.de vergangene Woche von der Entscheidung gegen Castrop-Rauxel erfuhr, stand dort:

Noch vor ein paar Wochen hieß es, die WM-Mannschaft werde sich in einem 4-Sterne-Hotel in Castrop-Rauxel (NRW) einquartieren.

Ja, so hieß es noch vor ein paar Wochen. In „Bild“ und anderen Medien, die „Bild“ glaubten.

Kurz korrigiert (44)

Liebe Bild.de-Redaktion,

könntet Ihr in Eurer Rubrik „Top-Themen“ bitte endlich die Behauptung korrigieren, auf der Erde gebe es ab heute „6,5 Millionen Menschen“, die dort seit gestern abend steht?

Nachtrag, 15:58:
Naja, so geht’s natürlich auch

Apropos King Kong

Zunächst ein paar Links zur Einstimmung.

Aber natürlich ist’s nicht weiter tragisch, wenn sich so ein PapstExperte wie Andreas Englisch nicht mit künstlicher Besamung oder, sagen wir, mit der Geschichte der Primatenforschung auskennt. Muss er ja auch nicht, steht ja alles in der Zeitung. Genauer gesagt stand am Sonntag in der italienischen Zeitung „La Repubblica“, dass zuvor in der russischen Zeitung „Moskowskij Komsomolez“ gestanden habe, was sich anderntags unter Englischs Namen auch in „Bild“ wiederfand – nämlich (um es mit „Bild“ zusammenzufassen):

"Irrer Geheimplan enthüllt -- Stalin züchtete Affen-Menschen für den Krieg"

Die Sache an sich ist nicht uninteressant (vor allem wo doch gerade „King Kong“ im Kino läuft), wie erst jüngst die schweizerische „Le Temps“ belegte, die ihrerseits wiederum durch die „New York Times“ auf das Thema gekommen sein dürfte.

Ob das mit Stalin und den Affen-Menschen also tatsächlich die „Repubblica“ „enthüllte“, wie „Bild“-Reporter Englisch gestern schrieb, wagen wir zu bezweifeln. Ob das darüber hinaus alles „jetzt“ passierte, ist zumindest Auslegungssache. Die ZDF-Sendung „aspekte“ jedenfalls berichtete schon im Juli 2004 über den russischen Forscher Ilja Iwanow bzw. darüber, „wie die Sowjetunion den idealen Sozialisten züchten wollte“, das US-Magazin „Fate“ immerhin im April diesen Jahres, und der russische Wissenschaftler Kirill Rossiianov hat sich bereits Jahre vorher mit Iwanows Arbeit befasst und seine Forschungsergebnisse 2002 in einem 39-seitigen, aufschlussreichen Fachaufsatz veröffentlicht.

Machen wir’s also kurz: Laut Rossiianov kam es aus verschiedensten Gründen nie zur Züchtung irgendwelcher „Affen-Menschen“, andere Behauptungen in „Bild“ erscheinen verglichen mit Rossiianovs Erkenntnissen zumindest abwegig.

Und dass Iwanow, wie „Bild“ behauptet, „1931 in einem Arbeitslager in Kasachstan“ starb, ist schlicht falsch. Wie man in der Encyclopædia Britannica, aber auch in „La Repubblica“ (also der „Bild“-Vorlage) nachlesen kann, starb er erst 1932, genauer, am 20. März 1932, sechs Wochen nach seiner Entlassung aus dem Arbeitslager, einen Tag vor seiner Rückreise nach Moskau. Das ist tragisch.

PS: Den „Bild“-Artikel (nach einer „Repubblica“-Idee) mit einen Foto aus einem der „Planet der Affen“-Filme aus den 60er/70er Jahren zu illustrieren (siehe Ausriss oben) und direkt danebenzuschreiben, „Stalins perverse Träume nahmen vorweg, was der Hollywood-Streifen ‚Planet der Affen‘ 2001 inszenierte“, ist hingegen einfach nur komisch.

Mit Dank an Daniel S., Thomas H. und Ron für die Hinweise sowie Michael B. für die Unterstützung.

Kurz korrigiert (43)

Vielleicht irrt sich ja die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Campus Benjamin Franklin der Berliner Charité, wenn sie behauptet: „Der Daumen (…) besitzt lediglich zwei Fingerglieder.“

Dann wüssten wir vom zuständigen Bild.de-Redakteur aber gern, wo bitteschön sich an seinem Daumen das dritte der „drei Fingerglieder“ befindet, von denen hier die Rede ist.

Mit Dank an Michael B. für den Hinweis.

Offensichtlich unwahr

Sie haben es immer noch nicht kapiert. Oder sie verkaufen ihre Leser gezielt für dumm. Jedenfalls demonstrierten die Redakteure der „Bild am Sonntag“ in ihrem gestrigen Jahresrückblick ein erstaunliches Unverständnis über das Wesen der Gegendarstellung.

Es ging, natürlich, um den Streit mit Oskar Lafontaine. Der Politiker hatte (wie berichtet) vor Gericht durchgesetzt, dass „Bild am Sonntag“ eine Gegendarstellung von ihm auf der Titelseite abdrucken musste. Die Zeitung versuchte das dadurch zu konterkarieren, dass sie im Inneren ein Interview mit dem Medienanwalt Matthias Prinz abdruckte. Überschrift: „Beweist eine Gegendarstellung, dass eine Zeitung falsch berichtet hat?“ — „Nein.“

Das ist prinzipiell richtig. Der Eindruck aber, dass sich gegen jede beliebige Behauptung eine Gegendarstellung durchsetzen lässt, ist falsch. Genau in diese Irre versuchte „Bild am Sonntag“ gestern ihre Leser zu führen. Rund drei Dutzend Mitarbeiter und der Chefredakteur Claus Strunz waren in roten T-Shirts zu sehen — angeblich ihrer „Arbeitskleidung am Lafontaine-Tag“. „Bild am Sonntag“ zeigte ein Foto davon und schrieb:

Wie wahr ist eine Gegendarstellung? „Unwahr ist, daß ich Anja Tischendorf bin“, steht auf dem T-Shirt von BamS-Redakteurin Anja Tischendorf (…). „Unwahr ist, daß ich Jochen Gaugele bin“, stellte auch Politik-Chef Jochen Gaugele (…) per T-Shirt fest. Bei einer Kollegin (…) wölbte sich das Hemd über einem Babybauch. Aufschrift: „Unwahr ist, daß ich schwanger bin“ …

Das ist vermutlich lustig gemeint, aber grob irreführend. Denn all das sind Beispiele für offensichtlich unwahre Tatsachenbehauptungen. Und mit genau solchen offensichtlich unwahren Behauptungen kann man vor Gericht keine Gegendarstellung durchsetzen.

Das Perfide an der T-Shirt-Aktion ist, dass „Bild am Sonntag“ damit den Eindruck erweckt, Lafontaines Gegendarstellung sei genauso absurd wie die Aussage von Claus Strunz, er sei nicht Claus Strunz. Das ist aber nicht der Fall. Das Landgericht Berlin hat „Bild am Sonntag“ zum Abdruck der Gegendarstellung verurteilt. Das bedeutet: Lafontaines Angaben mögen unwahr sein, aber sie sind nicht offensichtlich unwahr.

„Bild“-Chef zieht Gegendarstellungsbegehr zurück

Das wird jetzt etwas länger, denn…

… in einem Dossier über die „Großmacht Springer“ hatte sich die „Zeit“ am 11. August unter anderem folgende Frage gestellt:

„Ist es Vorsatz, wenn ein Foto so beschnitten wird, dass ein Seil in der Hand von Jürgen Trittin als Schlagstock angesehen werden kann (…)?“

Hintergrund dieses Satzes war die Veröffentlichung eines Fotos in der „Bild“-Zeitung vom 29.1.2001. Zu sehen war darauf Jürgen Trittin im Jahr 1994 am Rande einer Demo. Die Aufnahme stammte ursprünglich von Sat.1 und erschien 29.1.2001 auch im „Focus“. „Bild“ hatte behauptet, in der Hand eines (unmittelbar neben Trittin abgebildeten) Demonstranten befinde sich ein Schlagstock, obwohl es sich dabei nur um ein Seil handelte, wie sowohl bei Sat.1 als auch im „Focus“ deutlich zu erkennen war — nicht jedoch in dem von „Bild“ abgedruckten Ausschnitt des Fotos. Nachdem der grobe Fehler öffentlich geworden war, druckte „Bild“ eine Richtigstellung und Kai Diekmann, damals seit vier Wochen „Bild“-Chefredakteur, sagte dem „Spiegel“(hier für 50 Cent, Gratisauszüge hier): „Wir sind am Sonntag im Vorabexemplar von ‚Focus‘ auf das Foto gestoßen und haben es abgescannt, weil wir das Original nicht besorgen konnten. Die Ausdrucke, mit denen wir dann gearbeitet haben, waren Kopien von Kopien und entsprechend schlecht, so dass die Fortsetzung des Seils nicht erkennbar war.“ Zuvor referierte bereits die „Berliner Zeitung“ Diekmanns Erklärung mit dem Worten: „Deshalb habe man das Foto für den Druck beschnitten.“ Das war vor dreieinhalb Jahren und nicht schön.

„Bild“-Chef Diekmann ist seither mehrfach gerichtlich gegen Berichte anderer Medien vorgegangen, die fälschlicherweise behauptet hatten, „Bild“ habe Trittin „einen Schlagstock in die Hand montiert“ bzw. „in die Hand gedrückt“. Sowohl die „Berliner Zeitung“ als auch die „taz“ entschieden sich allerdings, den unabwendbaren Abdruck einer entsprechenden Gegendarstellung Diekmanns ausführlich zu kommentieren.

Was indes die „Zeit“ anbelangt, könnte man einwenden, auch die Behauptung, „dass ein Seil in der Hand von Jürgen Trittin als Schlagstock angesehen werden kann“ sei sachlich falsch, weil Trittin selbst das Seil auf dem Foto gar nicht anfasst. „Bild“-Chef Diekmann allerdings nahm Anstoß an einem anderen Aspekt des „Seil“-Satzes. Nach unseren Informationen hieß es in einer Gegendarstellung, deren Abdruck er von der „Zeit“ forderte, „Bild“ “ habe „niemals ein Foto so beschnitten“, dass ein Seil in der Hand von Jürgen Trittin hätte als Schlagstock angesehen werden können: Der Fehler von „Bild“ habe darauf beruht, „dass allein aufgrund der schlechten Bildqualität eine verfälschende Bildunterschrift zugeordnet wurde“.

Allerdings weigerte sich die „Zeit“, die Gegendarstellung zu drucken. Und das mit gutem Grund. Schließlich handelt es sich ja bei dem Trittin-Foto in „Bild“ zweifelsfrei um einen Ausschnitt des „Focus“-Fotos, auf dessen Original der „Schlagstock“ eindeutig als Seil zu erkennen ist. Und so zitiert auch der „Stern“ in seiner aktuellen Ausgabe einen „Bild“-Sprecher mit der Aussage: „Der Chefredaktion lag lediglich ein Schwarzweiß-Scan vor, auf dem die Ränder des Fotos schwarz waren. Diese Ränder wurden beim Einstellen des Scans ins Layout … selbstverständlich nicht berücksichtigt.“

Und das ist umso erstaunlicher, als Kai Diekmann doch gegenüber der Pressekammer des Landgerichts Hamburg im August 2005 eine „eidesstattliche Versicherung“ abgegeben hat, in der es ausdrücklich heißt, man habe die Abbildung zwar „unzutreffend betextet“, aber:

„Das Foto (…) ist in keiner Weise ‚beschnitten‘ worden.“

Das Gericht verlangte daraufhin Ende August zwar zunächst in einer Einstweiligen Verfügung von der „Zeit“, den strittigen „Seil“-Satz aus der Online-Version des Dossiers zu tilgen. Dort fehlt er noch immer, dürfte nach unseren Recherchen aber alsbald wieder in den Text eingefügt sein, denn…

… nachdem die „Zeit“ Mitte September Widerspruch angekündigt hatte, nahm Diekmann kurzerhand seinen Antrag zurück, verzichtete freiwillig auf die Ansprüche aus der Einstweiligen Verfügung und muss sämtliche Verfahrenskosten tragen.

Wie es zu Diekmanns überraschenden Sinneswandel kam, entzieht sich unserer Kenntnis. Im „Stern“ heißt es, an der Richtigkeit der Eidesstattlichen Versicherung* Diekmanns seien „Zweifel angebracht“.

*) „Wer vor einer zur Abnahme einer Versicherung an Eides Statt zuständigen Behörde eine solche Versicherung falsch abgibt oder unter Berufung auf eine solche Versicherung falsch aussagt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
(§ 156 StGB)

Kurz korrigiert (42)

Schön, dass „Bild“ heute ihren Lesern erzählt, was vor zwei und vor drei Tagen über diese Noëmi im Schweizer „Blick“ gestanden war. Schließlich hatte der „Blick“ zu berichten gewusst, dass Noëmi „Sex mit Superstar Robbie Williams“ gehabt habe. „Internationale Medien wie die britische Zeitung ‚Sun‘ und der TV-Sender ProSieben wollen jetzt die hübsche Zürcherin interviewen“, schrieb der „Blick“. Und siehe da, auch „BILD fragte nach“, so „Bild“. Nur richtig zugehört, wann es zum Geschlechtsverkehr gekommen sein soll, hatte „Bild“ offenbar nicht, denn:

„Das ist jetzt zwölf Tage her“, steht wahrheitsgetreu im „Blick“.

„Das war vor zwei Jahren“, heißt es in „Bild“.
 
Mit Dank an Stefan G. und Sigrid N. für den Hinweis.

„Fragenkomplexe“ bei „Bild“

In seiner aktuellen Ausgabe beschäftigt sich der „Stern“ neun Seiten lang mit der „Bild“-Zeitung bzw. damit, „wie das Blatt mit Prominenten und Politikern umgeht“. Das Magazin referiert — vor dem Hintergrund der geplanten Komplett-Übernahme der TV-Sender Pro7, Sat.1, Kabel1, N24 und 9live durch die Axel Springer AG — diverse, z.T. bereits öffentlich gewordene Fälle, in denen „Bild“ erpresserische Methoden bei der Recherche vorgeworfen werden, zitiert dazwischen gelegentlich einen „Bild“-Sprecher mit Sätzen wie „Diese Äußerungen treffen nicht zu“ und nennt „Bild“ u.a. „eine riesige Vermarktungsmaschine“. Zusammenfassend heißt es im „Stern“ über „Bild“:

„Sie erfindet Geschichten, TV-Stars und Politiker fühlen sich unter Druck gesetzt. Wer sich wehrt, fürchtet Strafaktionen.“

Und über den „Bild“-Chefredakteur und -Herausgeber Kai Diekmann weiß der „Stern“ dann aktuell noch Folgendes zu berichten:

„Freund oder Feind — das ist das Raster, in dem Diekmann zu denken scheint. Bei Freunden ist auf ihn Verlass, bei Feinden kennt er kein Pardon. (…)

Als ein solcher „Feind“ in Diekmanns Schema passt auch ‚Zeit‘-Herausgeber und Ex-Politiker Michael Naumann. Er hatte „Bild“ in einem Kommentar* als das ‚Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien‘ bezeichnet. Kurze Zeit später, erzählt Naumann, habe er von Nachbarn erfahren, dass sich wiederholt Leute über ihn erkundigten, die sich als ‚Bild‘-Mitarbeiter ausgaben. In einem Brief beschwerte sich Naumann über das Ausforschen seines Privatlebens. Diekmann bestreitet den Vorwurf in seiner sechszeiligen Antwort nicht einmal: ‚Die Bild-Zeitung geht momentan einigen Fragenkomplexen nach‘, schreibt er vieldeutig, ‚bei denen auch Ihre Person eine Rolle spielt.‘ Ein ‚Bild‘-Sprecher dazu: Im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit als Kulturstaatsminister müsse sich Naumann ‚Recherchen gefallen lassen‘, einen Zusammenhang gebe es nicht.“
(Link von uns.)

*) Nachtrag, 19.12.2005:
Wir müssen uns korrigieren: Der von uns in obiges Zitat eingefügte Link führt leider in die Irre. „Zeit“-Herausgeber Michael Naumann hatte die Formulierung, „Bild“ sei das „Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien“ hier nämlich nicht zum ersten Mal verwendet, sondern vor mehr als einem Jahr hier schon einmal. Und nach Informationen von fairpress.biz bezieht sich die zitierte „Stern“-Passage auf Naumanns „Geschlechtsteil“-Formulierung von 2004. (Dort findet sich auch der im „Stern“ erwähnte Briefwechsel im Wortlaut und faksimiliert.)

Nachtrag, 20.12.2005: Inzwischen ist der „Stern“-Artikel auch online.

Nachtrag, 29.12.2005: Der „Stern“-Artikel ist aus rechtlichen Gründen entfernt worden. Mehr zu den Hintergründen steht hier.

Symbolfoto XXI

Ein schönes Foto ist das, mit dem „Bild“ am gestrigen Dienstag einen Bericht über „Deutschlands erfolgreichste Panzerknacker“ und deren Festnahme in der Ortschaft Malliß (Mecklenburg-Vorpommern) illustrierte. Dumm nur, dass das, was „Bild“ danebengeschrieben hatte, gar nicht stimmt.

Die Gangster wollten nämlich mit dem abgebildeten Kompressor überhaupt kein Luft-Gas-Gemisch in den Geldautomaten leiten. Ganz im Gegenteil: Am Montag zeigte das „Schleswig-Holstein Magazin“ des NDR beispielsweise in einem ausführlichen Bericht genau denselben Kompressor vorm Geldautomaten in der Sparkasse von Malliß wie „Bild“ (siehe Screenshot rechts). Aber anders als „Bild“ berichtet das Magazin wahrheitsgemäß:

„Das Sprengstoffkommando pustet mit Druckluft, um das Gas wieder aus dem Automaten zu bekommen.“

Mit Dank an Steffen R. und Klaus M. für die Anregung.

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