Adrian-Benjamin

So klein berichtet „Bild“ heute über Anke Engelke (die mit der Aufmerksamkeit, die ihr „Bild“ widmet, bekanntlich ganz und gar nicht einverstanden ist):

Anke Engelke: Baby da! (...) Sein Name: Adrian-Benjamin. Er kam, 3514 Gramm schwer und gesund, vor 10 Tagen zur Welt. (...)

Auf Anfrage bestätigt Engelkes Anwalt Christian Schertz: Ja, es stimmt – Engelkes Lebensgefährte Claus Fischer wollte gegenüber „Bild“ keinen Kommentar abgeben.

Der Rest der Meldung ist allerdings falsch.

Engelkes zweites Kind heißt nicht Adrian-Benjamin, auch nicht nur Adrian oder nur Benjamin, nicht einmal in einer anderen Kombination. Der Junge war bei seiner Geburt nicht 3514 Gramm schwer. Und er kam nicht vor zehn Tagen zur Welt, sondern bereits vor über einem Monat.

Ach ja, und: Schertz sagt, er werde von „Bild“ im Namen seiner Mandantin eine Gegendarstellung verlangen.
 
Nachtrag, 26.8.2005:
Zahlreiche Medien schrieben die „Bild“-Meldung ungeprüft (z.T. auch ohne Quellenangabe) ab – die Berliner „Bild“-Schwester „B.Z.“ sogar unter der Überschrift: „Warum trägt Anke Engelkes Baby den Namen des Ex?“ Bei der „Welt“ hingegen, der anderen „Bild“-Schwester, die ebenfalls zunächst „nach Zeitungsberichten“ die falschen „Bild“-Details über Engelkes Nachwuchs verbreitete, ist der Text mittlerweile aus dem Online-Archiv verschwunden. Und auch andere Medien (z.B. Netzeitung.de) haben einen entsprechenden Bericht aus ihrem Archiv entfernt.

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Niels Annen studiert (Wahlkampf V)

Niels Annen ist 32 Jahre alt, SPD-Direktkandidat für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis Hamburg-Eimsbüttel und studiert. Und „Bild“ fragte in großer Aufmachung (am Samstag in der Hamburg-Ausgabe, am Montag in Berlin):

"Weiß dieser junge SPD-Politiker wirklich, was Arbeit ist?"

Wer’s nicht gelesen hat, kann das seit gestern nachholen, weil „Bild“ noch einen zweiten, inhaltlich recht ähnlichen Artikel über „das SPD-Milchgesicht“ veröffentlicht hat. Die Hauptfrage diesmal:

"Was bringt so einer im Bundestag?"

Und man könnte den Eindruck haben, die unabhängige und überparteiliche „Bild“ ließe sich hier in ihrer Berichterstattung von der Opposition instrumentalisieren. Aber wir wollen nicht spekulieren. Halten wir uns lieber an die Fakten – und Fakt ist: „Bild“ schrieb über Annen:

„Wenn er es jetzt in den Bundestag schaffen sollte, verdient er ca. 10.600 Euro!“

Weiter hieß es in „Bild“:

„Um die 10.600 Euro monatlich, die er dann verdienen würde, werden ihn seine Mitstudenten sicherlich beneiden.“

Auch im zweiten Annen-Text ist in „Bild“ von der „Aussicht auf 10.600 Euro Diäten im Monat“ die Rede – und das stimmt wieder nicht: Annen wird (wenn es ihm gelingt, am 18. September in seinem Wahlkreis mehr Wähler als die Direktkandidaten anderer Parteien davon zu überzeugen, ihm ihre Erststimme zu geben) wie jedes Mitglied des Bundestages, gemäß Artikel 48, Abs. 3 des Grundgesetztes eine „Diäten“ genannte Abgeordnetenentschädigung von monatlich 7.009 Euro gezahlt bekommen. So will es das Gesetz. Zusätzlich dazu steht jedem (in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählten) MdB eine Kostenpauschale zu, über die es auf der Website des Bundestages heißt:

„Weil ein ‘MdB’ auch im Wahlkreis keinen Arbeitgeber hat (der ein Büro stellt, Reisekosten abdeckt und Kilometergeld bezahlt) […] gibt es die Kostenpauschale. Sie beträgt zur Zeit 3.589,00 Euro […]. In vielen Fällen reicht die Pauschale nicht aus. Höhere Ausgaben werden jedoch nicht erstattet, und sie können auch nicht steuerlich abgesetzt werden; denn für den Abgeordneten gibt es keine ‘Werbungskosten’.“

Man könnte also spekulieren, dass „Bild“ einfach Abgeordnetenentschädigung und Pauschale zusammenaddiert hat. Aber wie gesagt: Das wollen wir ja nicht.

Mit Dank an Fiete S. und derpraktikant für die Hinweise.

Nachtrag, 25.8.2005:
Und wir sind gespannt, wann „Bild“ sich in ähnlich großer Aufmachung über Philipp Mißfelder hermacht. Schließlich ist Mißfelder 26 Jahre alt, CDU-Direktkandidat im Wahlkreis 122 und studiert ebenfalls.

Mit Dank an Sven M. für den Hinweis.

Kurz korrigiert (6)

Anders als Bild.de behauptet, nachdem man sich dort „im Buchstabendschungel der deutschen und ausländischen Firmen schlau gemacht“ habe, bedeutet die Abkürzung SAP eigentlichSysteme, Anwendungen, Produkte in der Datenverarbeitung“. Und das schon seit 1976.

Mit Dank an Michael P. für den Hinweis.

Nachtrag, 16:05:
Erfreulicherweise hat der SAP-Beauftragte bei Bild.de die falsche Auflösung der Abkürzung inzwischen berichtigt.

Ausgerechnet…

„Damit hat nun überhaupt keiner gerechnet!

Gestern morgen um 9.37 Uhr meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa): ‘Schröder für den Friedensnobelpreis nominiert.'“

So steht es heute in der gedruckten „Bild“. Und natürlich stand das, womit „überhaupt keiner gerechnet hatte“, auch gestern schon bei Bild.de.

Auf der Bild.de-Startseite stand:

Und dann, andernorts, nochmals:

Oben, über dem dazugehörigen Artikel, stand’s dann wieder:

Und im Artikel selbst natürlich auch:

Wie „Bild“ berief sich auch Bild.de ausdrücklich auf „die Deutsche Presse-Agentur (dpa)“, die allerdings am frühen Dienstagnachmittag in einer ersten Zusammenfassung zudem vermeldet hatte:

„Sie [die Nominierung] wurde allerdings bereits vor dem 1. Februar in Oslo eingereicht, als von der vorgezogenen Bundestagswahl im September noch keine Rede war. Nach den Regeln des Osloer Nobel-Komitees müssen bis Februar alle Bewerber-Vorschläge für das laufende Jahr vorliegen.“

Um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden, wurde die dpa wenig später sogar noch deutlicher und schrieb:

„Allerdings steht auch fest, dass die Nominierung kein später Einfall von SPD-Strategen nach der Ankündigung der Neuwahl ist.“

Anders als andere, anders auch als die gedruckte „Bild“, glaubte deren Online-Version (an sich durchaus in der Lage, Meldungen nachzubessern) gestern allerdings auf einen entsprechenden Nachtrag verzichten zu können – und das ausgerechnet mitten im Wahlkampf…

Mit Dank an Peter K. für den Hinweis.

„Publizistische Begleitung“

In seiner aktuellen Ausgabe (S. 129) berichtet nun auch der „Focus“ über die Hintergründe dessen, was „Bild“ kürzlich auf ihrer Titelseite „Deutschlands perverseste Wette“ nannte und als Einfall einer Schülerin ausgegeben hatte, die gemeinsam mit einer Freundin herausfinden wollte, wer an einem Tag „mehr Männer in die Kiste“ bekomme.

Laut „Focus“ handelte es sich bei der Aktion jedoch „um einen cleveren PR-Gag„: Armin Lobscheid, Chef des Kölner Bordells „Pascha“, in dem die „Sexwette“ stattfand, habe im Vorfeld für deren „publizistische Begleitung“ (O-Ton Lobscheid) gesorgt und verschiedenen Medien einen entsprechenden „Themenvorschlag“ gemacht. Weiter heißt es:

„Der Kölner ‘Express’ und das RTL-Magazin ‘extra’ hatten wegen ‘zu viel Hardcore’ abgewinkt. ‘Bild’ dagegen signalisierte erfreut Zustimmung, erst in der Kölner Redaktion, dann die Kettwiger NRW-Zentrale, schließlich die Chefredaktion in Hamburg.

So kooperierte Europas größtes Boulevardblatt exklusiv mit Europas größtem Puff.“

Zusammenfassend nennt der „Focus“ die Kooperation (die „der Leserschaft allerdings verborgen“ blieb) „eine Art Notgemeinschaft gegen Auflagenschwund und Freierabstinenz“, die „Bild“ immerhin eine verkaufte Auflage von „deutlich über vier Millionen Exemplaren“ beschert habe…

Arabellas „erstes Mal“

Am Sonntag behauptete die „BamS“:

Zum ersten Mal spricht Arabella Kiesbauer über ihre Horror-Nacht im Knast“
(Hervorhebung von uns.)

Im Text stand es dann abermals:

„In BamS spricht die Moderatorin (36) zum ersten Mal über ihre Horrornacht.“
(Hervorhebung von uns.)

Wahr ist das allerdings nicht. Dass Kiesbauer „die Nacht mit einer Decke auf dem Betonboden verbringen“ durfte, dass ihre Zelle „eine Stahltür und ein kleines Fenster zum Gang“ gehabt habe und dergleichen, hatte die Moderatorin nämlich auch dem „Mallorca Magazin“ erzählt, das schon zwei Tage vor der „BamS“ erschienen war.

Aber zum Glück gibt es in der „BamS“ ja neuerdings eine „Korrektur“-Rubrik, in der die falsche „BamS“-Behauptung nächsten Sonntag bestimmt zurechtgerückt werden wird…

Mit Dank an Michael B. für den Hinweis.

Geklitterte Geschichte (2. Versuch)

„Bild“ tut sich offenbar nachhaltig schwer damit, was am 26.6.1963 in Berlin passierte. Deshalb noch einmal zum Mitschreiben: Am 26.6.1963 kam der damalige US-Präsident John F. Kennedy nach Berlin. Er landete in Berlin-Tegel, fuhr am Brandenburger Tor vorbei und sagte vom Rathaus Schöneberg aus seinen berühmten Satz: „Ich bin ein Berliner!“ Anschließend setzte er seine Rundreise durch West-Berlin fort – und tschüss.

So war das nun mal – außer natürlich in „Bild“, wo es am Freitag hieß:

26. Juni 1963: J. F. Kennedy. 1,5 Mio. Berliner begrüßten den US-Präsidenten. Vor dem Brandenburger Tor sagte er seinen berühmten Satz: "Ich bin ein Berliner!"

Mit Dank an Andreas L. für den Hinweis.

Kurz korrigiert (5)

In der Umweltliste des Verkehrsclub Deutschland (VCD), der regelmäßig neue Automodelle nach deren Umweltverträglichkeit testet, belegen Citroën C1 1.0, Peugeot 107 Petit Filou und Toyota Aygo mit derselben Punktzahl den zweiten Platz.

So berichtet auch Bild.de – und zeigt in der dazugehörigen Illustration aus unerklärlichen Gründen neben dem Citroën einen Kia Picanto und den neuen Fiat Panda

Platz 2: Citroën C1 1.0, Peugeot 107 Petit Filou, Toyota AYGO (…) Foto: FIAT, Kia, Citroen

…ohne dass der zuständige Bild.de-Redakteur wegen des Fotonachweises, den er hinzugefügt hat, misstrauisch geworden wäre, was ja durchaus nahe gelegen hätte.

Bei Bild.de kommen sie offenbar leicht durcheinander bei all den fremd klingenden Herstellernamen. Immer wieder.

Dank an Oliver K. und Christopher H. für die Hinweise.

Papalapapp

Wenn „Bild“ heute auf Seite 2 mal wieder „weitere wichtige Fragen zum Besuch von Benedikt XVI.“ beantwortet, dann ist das doch eine gute Gelegenheit, mal eben auf den 21. April zurückzukommen, oder? Schließlich hieß es da in „Bild“:

„Die Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger wirft viele Fragen auf. BILD beantwortet die wichtigsten“

Und auf die wichtige Frage „Hat der Papst ein neues Wappen?“ antwortete „Bild“ damals:

Ja, das vorläufige Papstwappen (Foto) zeigt die gekreuzten Schlüssel und die Tiara. Eine große Kordel symbolisiert den starken Zusammenhalt des Papstes mit den katholischen Christen. Die Bänder der Tiara umwinden die Schlüssel. Alle symbolisieren die zeitliche und geistliche Ordnung des Papst-Amtes. Jesus gab Petrus die Schlüssel des Himmelreiches

Bedauerlicherweise stimmte an der „Bild“-Antwort nur das Wörtchen „Ja“ am Anfang. Der Rest ist Unfug: Das auf dem „Foto“ abgebildete Wappen nämlich war mitnichten „vorläufig“ (oder gar „neu“, wie es dazu bei Bild.de heißt), es ist nicht mal ein „Papstwappen“ und erst recht nicht das von Benedikt XVI.. Dessen neues Wappen wurde laut Radio Vatikan (und pfarre-horn.at) „erstmals zur Amtseinführung“, also erst ein paar Tage nach Erscheinen der „Bild“-Antwort, „in einer skizzenhaften grafischen Version“ veröffentlicht und sieht selbst in der endgültigen Fassung nicht nur ganz anders aus, sondern hat auch eine komplett andere Bedeutung.

Das „Foto“ in „Bild“ indes zeigt nichts weiter als das offizielle Wappen des Vatikans – und das wiederum nicht erst seit April oder so, sondern (mehr oder weniger) schon seit dem 14. Jahrhundert. Dumm nur, dass die Erklärung von „Bild“ nicht mal dazu passt: Die „große Kordel“ beispielsweise verweist im Vatikanwappen auf den Bund zwischen der Macht des Himmelreichs und der göttlichen Herrschaft des Papstes auf Erden. Dass die Kordel „den starken Zusammenhalt des Papstes mit den katholischen Christen“ symbolisiert, hatte sich „Bild“ daher wohl spontan zurechtphantasiert.

Aber davon, dass „Bild“ wichtige Fragen auch richtig beantwortet, war in „Bild“ ja auch nie die Rede.

Mit Dank an Filippo R. für den Hinweis.

Nachtrag, 20.8.2005:
Wen wundert’s da, dass „Bild“ auch die Frage „Wer schützt den Papst?“ u.a. mit dem Satz „Die Schweizergarde ist nicht in Köln.“ beantwortet, obwohl das offenbar gar nicht stimmt?

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