Nö, mit Ausländerfeindlichkeit hat das nix zu tun

Metin Kaplan lebte von 1983 bis 2004 in Deutschland und erhielt von 1992 bis 2000 politisches Asyl. Nachdem Kaplan in Deutschland zur Tötung Ibrahim Sofus aufgerufen hatte und Sofu 1997 ermordet worden war, kam er 1999 in Untersuchungshaft und wurde 2000 wegen öffentlichen Aufrufs zu einer Straftat zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Haftentlassung 2003 wurde die Auslieferung Kaplans an die Türkei (wo er wegen des Versuchs des „gewaltsamen Umsturzes der Verfassungsordnung“ angeklagt war) zunächst abgelehnt, weil ihm dort möglicherweise ein nicht rechtsstaatliches Strafverfahren und Folter drohten. 2004 wurde er dann doch ausgewiesen, in der Türkei festgenommen und 2005 wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt.

Es schadet nicht, sich das alles noch einmal in Erinnerung zu rufen, bevor man den heutigen „Bild“-Kommentar von Georg Gafron liest. Und nicht nur das, denn:

1987 erhielt auch Metin Kaplans Familie Asyl in Deutschland, weil sie in die drohende politische Verfolgung ihres Mannes hätte einbezogen werden können. Mit der Abschiebung Kaplans 2004 wurde jedoch Kaplans Ehefrau Belkis und Tochter Halise der Asylanspruch aberkannt, weil beide vor ihrer Ausreise nach Deutschland nicht politisch verfolgt worden seien und ihnen bei einer Rückkehr in die Türkei keine Verfolgung drohe. Die beiden Frauen hatten dagegen geklagt, ihre Klage wurde am gestrigen Freitag vom Kölner Verwaltungsgericht abgewiesen.

Und jetzt zu „Bild“. Denn dort schreib ja Georg Gafron über die gestrige Gerichtsentscheidung, lobt die Kölner Richter für ihr Urteil und hält es für eine konsequente Anwendung des Ausländerrechts. Weiter schreibt er:

Leider ist dies nicht die Regel: Haarsträubende Mißstände in deutschen Behörden machen es nach wie vor möglich, daß sich zum Teil schwerstkriminelle Ausländer trickreich den Schutz des deutschen Ausländer- und Staatsangehörigkeitsrechts erschleichen können.

Die Aberkennung des Asylstatus der Familie Kaplan in Köln zeigt: Es geht auch anders, wenn man nur will.

Es hat mit Ausländerfeindlichkeit nicht das geringste zu tun, wenn man fordert: Wer als Gast hier lebt und gegen die Gesetze verstößt, hat das Gastrecht verwirkt und muß gehen! Und zwar schnell.

Mit anderen Worten: Gafron verschweigt komplett, dass die Aberkennung des Asylstatus von Kaplans Ehefrau und Tochter mit der (behaupteten) trickreichen Schutz-Erschleichung schwerstkrimineller Ausländer nicht das Geringste zu tun hat. Stattdessen erweckt er den gegenteiligen Eindruck. Und obwohl das Gerichtsurteil, auf das sich Gafron bezieht, offenbar nicht einmal bedeutet, dass die beiden Frauen nun ausgewiesen werden können, druckt „Bild“ das alles unter der Überschrift:

"Kriminelle Ausländer raus!"

Ein Spruch, mit dem übrigens auch die DVU im letzten Wahlkampf warb, obwohl doch für Gafrons Argumentation eine pauschalere „Ausländer raus!“-Überschrift fast präziser gewesen wäre. Und wer weiß: In „Bild“-Logik hätte wahrscheinlich auch die „mit Ausländerfeindlichkeit nicht das geringste zu tun“.

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Allgemein  

Was zuvor geschah

In einer großen Geschichte empört sich „Bild“ heute über die „Gemeine Bilanz der Amtszeit unserer Kanzler-Gattin“ (was ein bisschen irreführend ist, weil „Kanzler-Gattin“ gar kein „Amt“ ist) und fragt:

Warum fallen die Frauen jetzt über Doris her?

Anlass für den „Bild“-Artikel ist eine Abrechnung mit Schröder-Köpf im gestrigen Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. „Bild“ zitiert daraus ausführlich und schreibt dann:

Der Artikel im SZ-Magazin ist der bisherige Höhepunkt der gnadenlosen Abrechnungen von Frau zu Frau. In der linken „tageszeitung“ hatte sich zuvor die Journalistin Bettina Gaus über den Einfluß der mächtigen Kanzlergattin lustig gemacht: „Schröders schnelle Eingreifpuppe“.

Und das stimmt sogar. Der Artikel von Bettina Gaus ist allerdings fast drei Jahre alt: Er erschien am 28.11.2002. Zuvor sind noch die Dinosaurier ausgestorben.

Danke an Achim S.

Was es noch nie gab

„Bild“ wirbt heute für berichtet heute über den „King Kong“-Film von Peter Jackson, der bald anläuft. Und „Bild“ schreibt:

„BILD zeigt exklusiv die ersten faszinierenden Fotos.“

Und es mag stimmen, dass genau diese vier Fotos, die „Bild“ heute „Exklusiv-Fotos!“ bzw. „BILD-Exklusiv-Fotos!“ nennt, andernorts tatsächlich bislang nicht zu finden waren. (Zum Teil ziiiemlich ähnliche finden sich im offiziellen „King Kong“-Trailer.)

Nicht stimmt hingegen, wie „Bild“ eins der Fotos betextet:

Das gab’s noch nie: Dinosaurier greifen King Kong an – ein Mix aus "Jurassic Park" und "Indiana Jones" mit den Tricks aus "Herr der Ringe"

Denn bereits 48 Jahre vor „Indiana Jones“, 60 Jahre vor „Jurassic Park“ und 72 Jahre vor Erscheinen der heutigen „Bild“, genauer gesagt also 1933 im allerersten „King Kong“-Film, auf den sich der Remake-Regisseur Jackson ausdrücklich bezieht, wurde King Kong von Dinosauriern angegriffen. Und das gab’s wirklich noch nie, weil „King Kong“ doch damals laut IMDb „der erste Dinosaurier-Film der Welt“* war.

Mit Dank an Thomas C. und Sebastian S. für die Hinweise.

*) Nachtrag, 5.11.2005:
Offenbar gab’s nicht einmal das noch nie, weil (anders als bei IMDb behauptet) vor 1933 schon andere Dinosaurier-Filme gedreht worden waren – insbesondere „The Lost World“ aus dem Jahr 1925.

Mit nachträglichem Dank an Richard J., Peter E., Harald G. und Ron.

Legendäre Legenden

Ups, jetzt ist schon Donnerstagabend, und wir haben doch noch was Wichtiges für die beliebte Rubrik „Korrekturen“ der „Bild am Sonntag“!

In ihrem „Großen BamS-Report: So vergeudet der Staat unser Geld“ stehen viele alte Geschichten, die die „Bild“-Reporter im „Bild“-Archiv gefunden haben, unter anderem über die „Verschwendung von Steuergeldern für Krötentunnel und andere gutgemeinte Tierschutzprojekte“, die die „Bild am Sonntag“ „fast schon legendär“ nennt.

Mindestens eine davon ist sogar im eigentlichen Wortsinn legendär. Die hier:

In Nordrhein-Westfalen haben (verlassene) Feldhamsterbauten eine Zwei-Milliarden-Euro-Investition in ein Braunkohle-Kraftwerk verhindert.

Ein kleiner Satz, zu dem sich viel sagen ließe: Dass es nicht der deutsche Staat, sondern die EU war, die den Feldhamster 1992 unter Schutz stellte. Dass der Betreiber des geplanten Kraftwerkes in Grevenbroich-Neurath, die RWE-Power AG, das Gutachten selbst in Auftrag gegeben hat, das die Feldhamsterbauten entdeckte. Dass die Politiker, inklusive der Grünen, sich einig waren, dass die Feldhamster auf Flächen in der Umgebung ausweichen könnten und deshalb den Bau nicht zum Scheitern bringen würden. Dass Zeitungen wie die „F.A.Z.“ die Geschichte von den Hamstern als Ursache des Streits um das Kraftwerk als „Legende“ bezeichneten.

Das alles ist sicher zu lang für den „Korrekturen“-Kasten in der „Bild am Sonntag“. Wir schlagen deshalb folgende Kurzversion vor: Feldhamster haben schon deshalb den Bau des Braunkohle-Kraftwerkes nicht verhindert, weil es gebaut wird.

Kurz korrigiert (25)

Gestern war der 2. November 2005. Vor 40 Jahren schrieben wir folglich das Jahr 1965. Und anders als „Bild“ gestern behauptete, als sie zwei Satellitenfotos des Tschadsees aus dem UNEP-Atlas afrikanischer Seen abbildete (siehe Ausriss), zeigt das obere Bild nicht den „Tschadsee heute“ und das untere nicht den „Tschadsee vor 40 Jahren“. Vielmehr stammt das neuere vom 21. Oktober 2001 und das ältere von 1972. Woher wir das wissen? Es steht auf beiden drauf.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Daniel K.

Minu Barati geht gegen „Bild“ vor

Es gibt keine Fotos von Joschka Fischer und Minu Barati, wie sie nach ihrer Hochzeit in Rom das Rathaus verlassen. Das liegt nicht daran, dass keine Fotografen zur Stelle waren, sondern daran, dass beide das Gebäude nicht gleichzeitig verlassen haben — eben damit es solche Fotos nicht gibt. Die „Bild“-Zeitung fand es schwer, sich mit diesem Mangel abzufinden, bastelte sich am Computer ein entsprechendes Bild, schmückte damit am Montag groß ihre Seite 1 und verzichtete (wie berichtet) auf den Hinweis, dass es sich um eine Montage handelte.

Am Dienstag druckte das Blatt außerdem ein Bild, das Barati, ihre Tochter (Gesicht unkenntlich gemacht) und Fischer im Flugzeug zeigt. Der „Bild“-Fotograf hatte die drei offensichtlich überrascht. Das Bild entspricht ziemlich genau der Art Fotos, die nach dem sogenannten „Caroline-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht mehr veröffentlicht werden dürfen: Es zeigt den Politiker und seine Familie in einer rein privaten Situation (er flog in der „Touristenklasse“ und nicht in offizieller Funktion).

Gegen beide Abbildungen geht Minu Barati nun, wie ein „Bild“-Sprecher bestätigte, juristisch vor. Sie verlangt unter anderem Unterlassungserklärungen von der Zeitung.

Die Effenberg-Symbiose

Dies ist die erstaunliche Geschichte von Jan Mendelin, einem glücklichen Mann, der es geschafft hat, gleichzeitig eine Art Manager des Fußballers Stefan Effenberg zu sein und regelmäßig in der „Bild“-Zeitung als scheinbar unabhängiger Journalist über Stefan Effenberg zu schreiben. Erzählt hat sie gestern das NDR-Medienmagazin „Zapp“ in einem Schleichwerbe-Special.

Mendelin war früher Redakteur bei RTL. Der „Spiegel“ berichtet, 1999 habe der damals 26-jährige als Reporter den Sportler kennengelernt und schnell Freundschaft geschlossen. Schon im ersten Interview habe Mendelin nach fünf Minuten bewundernd festgestellt: „Stefan, Sie sind ja total unkompliziert.“

Ab Herbst 2002 taucht Mendelin in den Medien in einer veränderten Rolle auf. In einem Interview mit „Bild am Sonntag“ am 10. November 2002 spricht Effenberg unter anderem über die Trennung von seiner Frau:

„BamS“: Ihre Frau Martina war auch Ihre Managerin. Wer macht das heute?

Effenberg: Ich habe jetzt einen Koordinator — Jan Mendelin. Der kümmert sich auch um meine Memoiren, die im nächsten Jahr rauskommen.

Die „Berliner Zeitung“ schreibt wenige Tage später, Mendelins Aufgabe bestehe „vor allem darin, Medienanfragen abzublocken“.

Mendelin schreibt mit und für Effenberg dessen Biographie, die im Frühling 2003 exklusiv von „Bild“ vorabgedruckt wird: „Jetzt knallt’s täglich In BILD! Skandal- Fußballstar Stefan Effenberg (34) rechnet ab. (…) Effe so intim wie nie.“ Seine Geschäftsbeziehung zu Effenberg wird von vielen Medien diskutiert; sie ist auch kein Geheimnis: Mendelins Name steht mit auf dem Buchcover.

Jan MendelinNun könnte man glauben, dass ihn das disqualifizert, gleichzeitig in der Rolle als scheinbar unabhängiger Journalist über Effenberg zu berichten. Nicht für „Bild“. Am 7. Februar 2004 führt Mendelin mit einem anderen Autor zusammen für „Bild“ ein „Interview“ mit seinem eigenen Schützling: „EFFE – Abrechnung mit dem FC Arrogant“. Am 8. September 2004 ist Mendelin der Autor eines großen „Bild“-Interviews: „Effenberg & Frau Strunz exklusiv in BILD: Warum wir uns trennen“. Am 20. April 2005 „interviewt“ Mendelin Effenberg für „Bild“ und setzt davor den einleitenden Satz: „Die Fans in Gladbach lieben ihn“. Am 29. Juni 2005 schreibt Mendelin in „Bild“: „Effes Frau will mehr Geld für die Kinder: Unterhalts-Klage gegen Strunz“. Am 22. Juli 2005 „interviewt“ Mendelin für „Bild“ Effenbergs Eltern, am 25. Juli 2005 „berichtet“ er für „Bild“ über Effenbergs Abschiedsspiel.

Zur Höchstform läuft Mendelin in seiner Doppelrolle auf, als Effenberg wegen Polizistenbeleidigung angeklagt wird. „Zapp“ zeigt, wie Mendelin als Berater Effenbergs vor und im Gerichtssaal nicht von dessen Seite wich. Gleichzeitig schrieb er für „Bild“ die Artikel über den Prozess, z.B.: „Effes Arschloch-Prozess“, „Effe — Das Urteil ist eine Unverschämtheit“, „Effe spuckt Gift und Galle“.

All das widerspricht der Ziffer 7 des Pressekodex, in der es heißt:

Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden.

Es widerspricht auch fundamental den angeblich bei der Axel Springer AG geltenden „journalistischen Leitlinien“.

Und was sagt der Verlag zu den Vorwürfen? Offiziell nichts. „Zapp“ berichtet, der „Bild“-Sprecher habe ausrichten lassen, man wisse nichts von einer Geschäftsverbindung zwischen Mendelin und Effenberg.

Danke auch an Thomas C.

Nachtrag, 5. November. Wir haben am Donnerstagmittag den „Bild“-Pressesprecher gebeten, uns zu sagen, ob Mendelin auch in Zukunft für „Bild“ über Effenberg berichten wird. Wir haben keine Antwort erhalten.

Nachtrag, 30. November. Inzwischen haben wir vom „Bild“-Pressesprecher die Zusage bekommen, noch in diesem Jahr eine Antwort auf unsere Fragen zu erhalten.

Nachtrag, 5. Januar. Tatsächlich hat uns der „Bild“-Pressesprecher noch 2005 geantwortet. Am 24. Dezember teilte er uns mit:

1. Wir haben Ihre Vorwürfe gegen Hr. Mendelin geprüft. Daraus hat sich für uns nach wie vor kein Nachweis für eine Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Effenberg ergeben. Als was ihn verschiedene Medien, egal aus welchem Verlag, bezeichnen, sagt ja noch nichts über einen wirklichen Tatbestand aus. Da werden Sie mir sicherlich zustimmen.

Zudem liegt uns eine Eidesstattliche Erklärung von Hr. Mendelin vor. Für uns gibt es keinen Anlaß daran zu zweifeln.

2. Wie bereits erwähnt ist Hr. Mendelin freier Autor, insofern kann ich Ihnen nicht sagen ob, wann oder über was er das nächste Mal für BILD schreibt.

Wir bleiben an der Sache dran.

Franz Josef Wagner braucht eine kalte Dusche

Man könnte jetzt natürlich lange über Franz Josef Wagners Frauenbild diskutieren, wenn er heute in seiner „Bild“-Kolumne in der Krise der SPD vor allem ein Problem zu starker Frauen sieht:

In Wahrheit ist ein Freundinnen-Netzwerk, arglos geboren als Entmüdungsbecken weiblicher Emotion, die Folterwerkstatt für den Mann. Zuerst trugen die Quasselstrippen kleine Siege davon. Kindersorgerecht, Vaterrecht, Frauenquote. Jetzt stürzten sie Deutschland in die größte Krise.

Man könnte auch darüber rätseln, was ihn dazu bringt, über Andrea Nahles, die „Münte-Mörderin“, wie er sie nennt, zu schreiben:

Frau Nahles ist 35, unverheiratet, Literaturwissenschaftlerin. Stellen wir uns einen ahnungslosen Mann vor, der sich in Frau Nahles verliebt. Entweder wird er von ihren Schraubstockhänden erdrückt, totgequasselt von ihren Freundinnen – oder aber er macht ein Kätzchen aus ihr.

Und man könnte staunen über seine väterliche Diagnose:

Frau Nahles braucht einen Mann.

Man könnte aber auch einfach feststellen: Frau Nahles hat einen Mann. Sie ist seit Jahren liiert mit Horst Neumann, einem Vorstandsmitglied bei Audi, und gestern wusste „Bild“ das auch noch.

Danke an Florian M.

In eigener Sache

Das Netzwerk Recherche verleiht BILDblog einen „Sonderpreis für besondere publizistische Leistungen“. Seit drei Jahren zeichnet der Verein, der sich als Lobby für investigativen Journalismus versteht, Journalisten mit dem „Leuchtturm“ aus. Der Sonderpreis wird in diesem Jahr erstmals verliehen. Er ist mit 1000 Euro dotiert.

Zur Begründung heißt es:

BILDblog zeigt, was eine unabhängige Medienkritik auf der Basis von verlässlichen Gegen-Recherchen zu leisten vermag. BILDblog deckt Fehler von Europas größter Boulevard-Zeitung auf, gibt BILD-Opfern eine Stimme und sorgt mit dieser Form seriöser Aufklärung für ein Stück unverzichtbarer Informations-Hygiene.

Wir bedanken uns und freuen uns sehr!

Peinlicher Ausrutscher

„It’s very strange.“
(Madonna)

„People get very upset about the fact that I decided to study a spiritual belief system. It’s very strange. I may as well have announced that I’ve joined the Nazi party, hat die Musikerin Madonna offenbar in einem Interview mit dem britischen Magazin „Attitude“ gesagt, weil sie es seltsam findet, wie sehr sich die Leute über ihre Beschäftigung mit der Kabbala aufregen – grad so, als hätte sie ihren Beitritt in die Nazi-Partei bekanntgegeben. Nun kann man das, was Madonna gesagt hat, paraphrasieren. Oder man übersetzt’s ins Deutsche. Deutschsprachige Medien haben sich für Letzteres entschieden. „Es ist, als ob ich einer Nazi-Party beigetreten wäre!“ oder „Ich hätte genauso gut bekannt geben können, dass ich einer Nazi-Partei beigetreten wäre“, lauten gängige Übersetzungen.

Und man kann das so stehen lassen. Oder aber man macht, wie „Bild“, Madonna deshalb zum „Verlierer“ des Tages, zitiert sie, wie „Bild“, aus unerfindlichen Gründen mit einem O-Ton, den sie so nie gesagt hat („Es wäre weniger kontrovers, wenn ich der Nazi-Partei beiträte.“), nennt das falsche Zitat, wie „Bild“, anschließend „einen peinlichen Ausrutscher“ und schreibt:

BILD meint: Erst denken, dann reden!“

BILDblog meint das auch.

Nachtrag, 4.11.2005:
Wir haben uns geirrt. Madonna hat den Satz offenbar doch genau so gesagt, wie „Bild“ ihn aufgeschrieben hat. Tut uns leid!

Mit Dank an Alexander S. für den sachdienlichen Hinweis.

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