Leser-Beteiligung immer teurer (2)

Seltsam: Am vergangenen Freitag hatten wir darauf hingewiesen, dass „Bild“ die Kosten, die jedem „BILD-Leser-Reporter“ bei Einsendung eines Foto per MMS entstehen, Wochen vorher im Kleingedruckten klammheimlich von vormals 19 Cent um gut 50 Prozent (zzgl. Gebühren) erhöht hatte. Am Samstag dann kam das tägliche „Leser-Foto“ ganz ohne Kleingedrucktes aus.

Und heute? Als wäre nichts gewesen, sind’s heute plötzlich wieder „0,19 Euro je SMS/MMS; zzgl. Gebühren des Netzbetreibers“ — jedenfalls in der gedruckten „Bild“ (siehe Ausriss rechts). Bei Bild.de allerdings steht zur selben Zeit, wo auch immer man hinschaut, nach wie vor und unverändert:

überall "0,29 Euro"

Wir haben „Bild“ um Aufklärung gebeten und sind gespannt.

Nachtrag, 14.11.2006: Da sich, wie wir von „Bild“ auf Nachfrage erfuhren, die Antwort auf unsere Frage („Was kostet den ‚BILD-Leser-Reporter‘ die Einsendung eines Fotos per MMS an ‚Bild‘?“) noch etwas verzögert, sei hier nur schnell erwähnt, dass der Preis für den MMS-Versand in der heutigen „Bild“ wieder mit 29 Cent (zzgl. Gebühren) angegeben wird.

Kurz korrigiert (284)

Zur Kaderaufstellung für das Fußball-EM-Qualifikationsspiel am Mittwoch schreibt „Bild“ heute:

„Löws Entscheidung, Hannovers Robert Enke erst mal hinter Lehmann und Oliver Kahn als Nummer 3 zu nominieren, sorgte nicht nur in Dortmund für Verwunderung.“

Dazu der Pottblogger:

„Der Satz sorgt auch bei mir für Verwunderung (…), da Oliver Kahn seit dem Ende der Fußball-WM 2006 nicht mehr zum Kader der deutschen Nationalmannschaft gehört!

Wir können das — nach einem tiefen Blick ins Archiv — nur bestätigen:

„Als Nationalspieler hat Oliver Kahn (37) direkt nach der WM seinen Rücktritt erklärt.“
(„Bild“ vom 16.8.2006)

„Oliver Kahn (37), unser zweiter Weltklasse-Mann neben Lehmann, hatte unmittelbar nach der WM seinen Rücktritt erklärt.“
(„Bild“ vom 14.7.2006)

„Oliver Kahn (37) verkündete kurz nach seiner Weltklasse-Leistung beim 3:1 gegen Portugal mitten in der Jubel-Explosion überraschend seinen Rücktritt.“
(„Bild“ vom 10.7.2006)

Doch der Pottblogger meint (aus aktuellem Anlass):

„Das kann man im Wikipedia-Eintrag zu Oliver Kahn ganz einfach entdecken…“

„Bild“ verhöhnt Pendler

Zur „Bild“ vom 9. November erklärt Jürgen Trittin u.a:

In der 4. Folge der BILD-Serie Patient Erde wird (…) empfohlen: „Weniger Auto fahren. Laufen, Rad nehmen, Fahrgemeinschaften mit Nachbarn, Kollegen bilden — oder öffentliche Verkehrsmittel.“ Denn: „So können wir unseren schönen Planeten retten“.

Vor gerade mal einem Jahr war BILD noch ganz anderer Auffassung. Meinen Hinweis, man könne neben anderen Maßnahmen auch mal ab und zu das Auto stehen lassen, war Anlass für eine „Benzin-Wut-Kampagne“ gegen den Umweltminister. Dieser Vorschlag sei „blanker Hohn“ für Pendler.
(Aus einer Pressemitteilung von Jürgen Trittin, Links von uns.)

Mit Dank an Jonas L. und Trittins Büro für den Hinweis.

Bild.de-sinformation

Bild.de-sinformation -- So unzuverlässig ist Deutschlands beliebtestes Nachrichten-Portal
VON C. L. ARISSA UND S. PYRI

Berlin — Können Sie sich vorstellen, dass jemand tagein tagaus in einer Nachrichten-Redaktion lauter fehlerhafte Artikel schreibt und die dann auch noch so gedruckt werden?

wikipedia wikifehlia "wiki-fehlia"Blödsinn, klar! Im Internet geht das — zum Beispiel beim Online-Ableger von Europas größter Tageszeitung, Bild.de (www.bild.t-online.de, mehr als 38 Millionen Visits im Monat).

Verrückte Fans der Aufweichung des Trennungsgebots von Redaktion und Reklame („Schleichwerbung“) gaben auf Bild.de wiederholt werbliche Texte als Artikel aus und kennzeichneten sie nicht als Anzeige …

Was ist Bild.de?

Die multimediale Erweiterung der Tageszeitung „Bild“. Es gibt eine Redaktion, keine Journalisten. Jeder kann Texte für Bild.de schreiben oder Artikel von anderen bearbeiten. Rund 40.000 ehrenamtliche Bild.de-Aufpasser kontrollieren die Artikel und korrigieren den gröbsten Unfug. BILDblog.de testete, wie lange die Fehlerbeseitigung dauert: von 13 Minuten (Michael Schumachers silberner Privat-Ferrari war „rot“) bis gar nicht („Dr. Seltsam versucht im satirische Film von Stanley Kubrick, auf eigene Faust einen Atomkrieg mit der Sowjetunion auszulösen“).

Warum ist es gefährlich, sich auf Bild.de zu verlassen?

Niemand weiß, wer hinter den Artikeln steckt — ob Experte, Laie oder Spaßvogel. Immer wieder schreiben Internet-Vagabunden mit erfundenen Identitäten absichtlich Fehler in Einträge.

Der amerikanische Digital-Visionär Jaron Lanier (46) sagte dem „Spiegel“: „Das Schlimmste ist der Glaube an die sogenannte Weisheit der Massen, die im Internet ihre Vollendung finde. Die Wahrheit hingegen bekommen sie nur mit Verantwortlichkeit. Genau deswegen schlage ich ja jetzt Krach.“

Haben Sie auch was gefunden? BILDblog sucht die kleinen und großen Bild.de-Fehler: sachdienliche_hinweise@bildblog.de
 
Nachtrag, 20.45 Uhr.
Fast hätten wir’s vergessen: Natürlich sucht BILDblog auch die kleinen und großen Fehler in der gedruckten „Bild“. Schließlich steht Deutschlands beliebteste Tageszeitung Deutschlands beliebtestem Nachrichten-Portal in nichts nach.

6 vor 9

Rettet Google die ?New York Times??
(faz.net, Nina Rehfeld)
Eine Institution wankt: Die ?New York Times? verliert nicht nur Leser, sondern durch eine Reihe von redaktionellen Skandalen auch zunehmend Renommee. Nun sorgt ausgerechnet Google für einen Hoffnungsschimmer.

Zeitschriften-Trash
(fudder.de, dirk)
Nachdem ich die ‚Presseschau der Subkultur‘ auf jetzt.de gelesen hatte, zogen mich all die bunten Druckgrotesken am Bahnhofskiosk beinahe magisch an. Nach stundenlangem Blättern, Ermahnungen durch die Verkäuferin und ihrem fassungslosen Blick beim Sichten der zu bezahlenden Ware, konnte ich sie mein Eigen nennen: die acht trashigsten Zeitschriften des Freiburger Kioskwesens. Heute: Teil eins.

Viel Schatten, ein bißchen Licht
(telepolis.de, Marcus Hammerschmidt)
Lesen, was in und über Afrika gebloggt wird.

Bin ich drin?
(taz.de, David Denk)
Das Café Sankt Oberholz in Berlin-Mitte gilt als inoffizielles Hauptquartier der sogenannten digitalen Bohème. Aber wer sitzt dort eigentlich – und warum? Eine Homestory.

»Vor allem bin ich nicht ich«
(zeit.de, Christof Siemes)
Ein Gespräch mit Deutschlands bestem Entertainer Hape Kerkeling über seinen Weg zur Erleuchtung, die Grenzen von Satire und Leser-Reporter auf dem Herrenklo.

Im Irrgarten der Intelligenz
(nzz.ch, Hans Magnus Enzensberger)
Über den getesteten Verstand und den Unverstand des Testens.

Bild.de-Redaktion beweist Murphys Gesetz

Das Schöne am „News-Ticker“ von Bild.de ist, dass da nicht viel schiefgehen kann, weil meist nur Agenturmeldungen im Wortlaut eingestellt werden, was die Fehlermöglichkeiten, nun ja, minimiert.

Seit „17.17 Uhr“ steht im „News-Ticker“ von Bild.de eine Meldung, die exakt so kurz zuvor von der Nachrichtenagentur AP (Überschrift: „Republikaner McCain bereitet sich auf Präsidentschaftskandidatur vor“) veröffentlicht wurde. Ihr erster Satz lautet hier wie dort:

„Der republikanische Senator John McCain bereitet sich auf die Präsidentschaftskandidatur 2008 vor.“

Und unter welcher Überschrift erscheint so eine Meldung dann auf der Startseite von Bild.de? Na, logisch:

"Demokrat McCain will 2008 US-Präsident werden"

Mit Dank an Carl Z. für den Hinweis.

Nachtrag, 20.54 Uhr: Ui, das ging jetzt aber fix mit der Korrektur

Kuckucksei

So sieht er aus, der Teaser, mit dem Bild.de heute eine aktuelle „BamS“-Story („Wieviel Geld kriegt Bohlens kleiner Sohn?“) ankündigt:

Ganz ähnlich also wie in der gedruckten „BamS“: Auch dort findet sich direkt links neben dem Kopf von Dieter Bohlen in großen Lettern dieses „Luxusunterhalt“-Zitat.

Aber es ist nicht so, wie Sie denken.

Nein, nein: Der O-Ton mit dem „Luxusunterhalt“, den „BamS“ und Bild.de so prominent neben Bohlens Konterfei gerückt haben, ist, wie man erst im Artikel selbst erfährt, nichts weiter als die (verkürzte) grundsätzliche Einschätzung irgendeines „BamS“-Experten — denn, wie die „Bild am Sonntag“ sogar selber weiß:

„Der Pop-Produzent äußerte sich (…) nicht zu dem Fall.“

Mit Dank an Marco S. für den Hinweis.

Mehr dazu hier.

Kurz korrigiert (283)

In einem Artikel, der ausschließlich eine neue, „einheitliche Spielphilosophie“ des Deutschen Fußball-Bundes thematisiert, heißt es in der heutigen „BamS“ (und bei Bild.de) exklusiv:

„BamS erfuhr: In einem Geheimtreffen einigten sich Sammer und Bundestrainer Joachim Löw (46) darauf, dass beim DFB von der U18 bis zur A-Nationalelf ab sofort alle Mannschaften mit der gleichen Taktik spielen müssen – und zwar einem 4:4:2-System! (…) Bei der U15 bis zur U17 darf flexibel zwischen 4:2:2 und 4:3:3 variiert werden.
(Hervorhebung von uns.)

Nähme man das, was die „BamS erfuhr“, beim Wort, hätte sich die DFB-Spitze darauf geeinigt, dass in den U15- bis U17-Mannschaften die Spielerzahl flexibel zwischen neun und elf variieren dürfe. Um so erfreulicher also, dass andere Medien den „BamS“-Fehler beim Weiterverbreiten bereits unauffällig korrigiert haben.

Mit Dank an Sebastian B. für den Hinweis.

Nachtrag, 16.40 Uhr:
Inzwischen hat auch Bild.de den „BamS“-Fehler unauffällig korrigiert.

Kurz korrigiert (282)

Nachdem die schwedischen Musiker Benny Andersson und Björn Ulvaeus ihrer Kollegin Madonna im letzten Jahr für deren Song „Hung Up“ die Verwendung eines Melodiebogens aus dem ABBA-Klassiker „Gimme, Gimme, Gimme“ gestattet hatten, behauptet die „BamS“ heute, Madonna habe „als Erste und Einzige“ die Erlaubnis bekommen, „Songs der Pop-Legende ABBA zu benutzen“.

Aber was ist dann mit der Behauptung des „Hamburger Abendblatts“* vom 20.10.2005, es sei „das zweite Mal, daß die Schweden einem anderen Künstler erlaubten, ABBA-Musik zu benutzen“? Oder mit der „Welt“*? Die behauptete am 7.11.2005 ebenfalls korrekt: „Erst das zweite Mal nämlich haben Benny & Björn von Abba ein Sample aus ihrer Schöpfung freigegeben.“

Mit Dank an Sebastian D. für den Hinweis.

*) Aus der Fülle von Quellen, welche die heutige „BamS“-Behauptung widerlegen, haben wir hier spaßeshalber beispielhaft zwei Publikationen ausgewählt, die wie die „BamS“ zum Axel-Springer-Konzern gehören.
 
Nachtrag, 19.11.2006: In ihrer Korrekturspalte schreibt die „BamS“ heute über ihre Madonna-Behauptung: „Das stimmte nicht. Die Hip-Hop-Gruppe ‚The Fugees‘ (1997) und die Popsängerin Tanita Tikaram (1998) waren die ersten, für die ein ‚ABBA‘-Sample offiziell freigegeben wurde. Madonna kam danach.“ Woher die „BamS“ die Tikaram-Info hat, wissen wir nicht. Aber vielleicht haben sich ja Andersson und Ulvaeus selbst geirrt, als sie dem „Telegraph“ (hier nochmals der Link) über Madonnas ABBA-Sampling sagten: „This is only the second time we have given permission.“ Und dass der Fehler nach wie vor unkorrigiert bei Bild.de (hier nochmals der Link) steht, hat wahrscheinlich auch irgendeinen Sinn…

„Skandal“ bei „Bild“: Die Medien sind empört!

„Bild“ hat heute einen „Skandal bei Sat.1“ ausgemacht — in der neuen Castingshow „You Can Dance“. Laut „Bild“-Überschrift hat dort nämlich offenbar ein enttäuschter Sat.1-Casting-Kandidat vor laufender Kamera „alle Ostdeutschen“ beleidigt.

Das allerdings ist nicht ganz richtig. Denn, wie auch aus dem „Bild“-Artikel hervorgeht, hat der „Rüpel“ offenbar gar nicht „alle Ostdeutschen“ beleidigt, sondern nur übergewichtige, aber selbstbewusste Ostdeutsche weiblichen Geschlechts und jugendlichen Alters in körperbetonter Kleidung („Diese Ostmädchen, diese richtig fetten, die denken, sie sind sexy, und dann mit so engen Klamotten, wo so der Speck an den Seiten rausquillt.“), woraufhin ein „Kumpel“ die Beleidigung auf jugendliche ostdeutsche Paare mit eigenwilligem Modebewusstsein erweitert zu haben schien…

"doch damit nicht genug!"

Denn wer jetzt glaubt, „Bild“ habe vielleicht ein wenig übertrieben, hat wohl noch nicht den nächsten „Bild“-Satz gelesen. Er lautet:

„Die Politik ist empört!!

Und weil selbst „Bild“ sowas ungern ohne Beleg behauptet, hat das Blatt auch eine (in Worten eine) Repräsentantin aufgetan: „Bundestagsabgeordnete Antje Blumenthal (CDU), Mitglied des Rundfunkrates“ sei nämlich der Ansicht, „solche menschenfeindlichen Aussagen gehören nicht ins deutsche Fernsehen“. (Wobei der „Bild“-Verweis auf die Rundfunkratsmitgliedschaft hier — nebenbei bemerkt — irrelevant ist, weil Blumenthal selbst mal öffentlich betonte, „zwischen Partei und Rundfunkrat trennen“ zu können, und der Landesrundfunkrat Hamburg, dessen Vorsitzende Blumenthal ist, ohnehin für den Privatsender Sat.1 alles andere als zuständig wäre.)

Zuletzt übrigens kam Blumenthal vor etwa einem halben Jahr in „Bild“ zu Wort, als das Blatt (wie berichtet) wochenlang gegen die Teilnahme von Heide Simonis an der RTL-Show „Let’s Dance“ polemisierte:

„‚Sie sollte darauf achten, daß die Würde ihres früheren Amtes nicht beschädigt wird‘, wettert CDU-Abgeordnete Antje Blumenthal aus Hamburg über die tanzende Heide. ‚Ich finde ihren Auftritt beschämend.'“

Der Artikel damals war überschrieben mit den Worten:

„Politiker verspotten Tanz-Simonis“

Mit Dank auch an Christian S.

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