Kurz korrigiert (317)

Bei dem Arzneimittel-Hersteller Pfizer dürfte man wohl angesichts der Berichterstattung über ein neues Produkt auf Bild.de etwas hin- und hergerissen sein:

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Einerseits nennt Bild.de das Pfizer-Präparat, das „im März da“ sein soll, immerhin schon in einer Ankündigung auf der Startseite und auch in der Artikel-Überschrift „Super-Pille“. Andererseits heißt die neue „Super-Pille“ aber gar nicht „Campix“, wie Bild.de wiederholt schreibt, sondern „Champix“, was man auch bei Bild.de schon einmal wusste.

Mit Dank an Daniel für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 18.26 Uhr: Der Arzneimittelexperte von Bild.de ist inzwischen tätig geworden und hat sogar die falsche Artikel-URL korrigiert.

6 vor 9

Rasante Entwicklung – Wachsende Angebote im Online-Bereich der Zeitungen
(ndr.de, Video, 5:57 Minuten)
Am Anfang herrschte Angst: Als sich das Internet zu einem eigenständigen Medium entwickelte, waren viele Zeitungen und Verlage ratlos. Wächst da eine Konkurrenz? Werden die Leser künftig auf ihre Zeitung verzichten, stattdessen nur noch im Internet surfen?
Inzwischen herrscht Panik – anders als früher sorgt man sich nun plötzlich, bei der rasanten Entwicklung nicht Schritt halten zu können.

Rampensau ohne Rampe
(sueddeutsche.de, Jana Hensel)
Vor zehn Jahren war er das größte Moderatorentalent im deutschen Fernsehen – heute produziert er Talkshows, die nach eigenem Bekunden „keine Sau sieht“: Was geschah mit Friedrich Küppersbusch?

Microsoft macht Google Earth zum Mauerblümchen
(welt.de, Lars Winckler)
Bislang galt der Google-Atlas als das Nonplusultra für Luft- und Satellitenbilder. Doch jetzt kontert Microsoft mit „Virtual Earth“. Dort sind deutsche Städte ab sofort in Postkartenqualität dargestellt. Google ist deklassiert.

Schwarze Flecken auf der Karte
(spiegel.de, Christian Stöcker und Matthias Kremp)
Seit Google Earth ist jeder Computer ein Überflieger. Jetzt bekommt die digitale Weltkugel Konkurrenz von Microsoft. SPIEGEL ONLINE hat „Virtual Earth“ getestet – und bizarre schwarze Löcher auf dem Globus gefunden.

„Die Deutschen sind locker geworden“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Aber über die neue Schamlosigkeit kann sich Cordula Stratmann aufregen. Ein Gespräch über Humor.

Internet-Börsen
(sf.tv, Video, 11:27 Minuten)
Von der Espressomaschine bis zum Wohnhaus: Immer mehr Artikel werden über Internetbörsen gehandelt. Dabei machen professionelle Händler saftige Gewinne – mit raffinierten Tricks. Bereits leben Hunderte von Schweizern von solchen Verkäufen.

Vom Glück der Angela Bismarchi

Bild.de berichtet vom Karneval in Rio — genauer: über einen „Schlüpfer-Unfall“ der brasilianischen „Schönheitskönigin“ Angela Bismarchi, an der ihr Ehemann, der Schönheitschirurg Ox Bismarchi, rund 30 Schönheits-OPs durchgeführt haben soll.

Das alles berichtet Bild.de zwar nicht, schreibt aber unter ein Foto von Angela Bismarchi:

"Angela Bismarchi (re.) hat Glück: Ihr Mann Ox ist Arzt"

Um es jedoch mit BILDblog-Leser Sebastian zu sagen:

Ox hatte weniger Glück — er wurde am 2.12.2002 erschossen.
 
Nachtrag, 23.2.2007: Inzwischen hat Bild.de die Fotobeschriftung den Tatsachen, ähm, angepasst. Nun heißt es dort:

„Bild“-Leser müssen bis zu 6 Wochen warten

„Bild“ berichtet heute über eine „schockierende AOK-Studie“, nach der Kassenpatienten „bis zu 4 Wochen warten“ müssen. Im Text schreibt „Bild“:

(…) jetzt ist schwarz auf weiß bewiesen (…). Eine Studie des Wissenschaftsinstituts der AOK (WIdO) ergab jetzt: (…)
(Hervorhebung von uns)

Und mit „jetzt“ muss „Bild“ wohl Anfang Januar meinen. Denn bereits vor rund sechs Wochen wurden die Ergebnisse der Studie im „WIdO-Monitor“ [pdf] offiziell vorgestellt, worüber damals auch verschiedene Medien berichtet hatten (wie übrigens auch schon im November 2006, als viele Zahlen aus der Studie bereits in einer Pressemitteilung bekannt gegeben worden waren).

"Große AOK-Studie beweist: So lange lassen Ärzte Kassenpatienten warten!"Dass „Bild“ daraus heute sogar eine Titel-Schlagzeile macht (siehe Ausriss), könnte daran liegen, dass die Ergebnisse der Studie jetzt noch einmal (und erstmals in gedruckter Form) als „Beilage der Zeitschrift ‚Gesundheit und Gesellschaft'“ veröffentlicht wurden, wie man uns beim WIdO sagt.

Aber natürlich hat so eine verspätete „Bild“-Schlagzeile auch ihr Gutes. Zumindest für „Bild“. Denn so können auch verschiedene Nachrichtenagenturen das Thema (wieder)entdecken — und dazu beitragen, dass „Bild“ als meistzitierte Zeitung Deutschlands gilt.

Mit Dank an Bastian B. und Michael P. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 22.2.2007 (Mit herzlichem Dank an Stammleser Dirty Harry): „Bild“ hatte am 4.11.2006 doch schon einmal über die Ergebnisse der „WIdO“-Studie berichtet — sogar auf der Titelseite. Allerdings in einer kleinen 14-Zeilen-Meldung.

Geschwätz von gestern

Vor knapp zwei Wochen hatte „Bild“ ja „50 Prominente gefragt, welches Auto sie fahren – und was sie für die Umwelt tun“. Unter ihnen natürlich: Dieter Bohlen. Und abgesehen davon, dass Bohlen behauptete, Fahrradfahren „sexy“ zu finden, „Spaziergänge ins Dorf“ bzw. überhaupt „viel zu Fuß“ zu machen und „am Wochenende so gut wie nie“ zu fahren („Es ist gesund für mich und gut für die Umwelt“), zitierte ihn „Bild“ mit den Worten:

Ich fahr zurzeit am meisten einen Opel Astra GTC, Baujahr 2006.

Bohlen als Fahrer eines Opel Astra (CO2-Emmission ab 130g/km): Das hätte man ihm gar nicht zugetraut! Zumal er doch noch im Frühjahr 2006 „pünktlich zur Cabrio-Saison“ von seinem winterlichen Hummer H2 (294g/km CO2) auf „ein neues Corvette Cabrio“ (ca. 310g/km CO2) umgesattelt war — „frei nach dem Motto ‚rechts ist Gas'“, wie es damals stolz in einer Pressemitteilung seines Corvette-Händlers hieß.

Der Eindruck aber, dass Bohlen neuerdings auch als Vorbild in Sachen Umweltschutz taugen könnte, wie „Bild“ noch vor knapp zwei Wochen suggerierte, trog: Wie man der heutigen „Bild“ entnehmen kann, hat Bohlen gestern morgen „seine neue Corvette beim Autohändler abgeholt“.

Und das steht nicht etwa unter der Überschrift:

„Von wegen ‚gut für die Umwelt‘, Herr Bohlen…
POP-TITAN MIT CO2-SCHLEUDER ERWISCHT!“

Mit Dank an Stefan M. für den Hinweis.

Kurz korrigiert (316)

Bild.de stellt einen neuen Rekord auf für die geringste Entfernung zwischen zwei unterschiedlichen Altersangaben bei ein und derselben Person:

P.S.: Paris Hilton (26) feierte ihren 26. Geburtstag nicht etwa im Voraus.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Nachtrag, 14.53 Uhr: Bei Bild.de hat man die „(25)“ inzwischen ersatzlos gestrichen.

6 vor 9

Exkremisten gegen „Bild“? (+)
(sueddeutsche.de, Doris Näger)
Unbekannte haben in München die Bild-Zeitungskästen mit absurden Titeln überklebt. Und kaum einer hat’s gemerkt.

„Lyssas Lounge im Arbeitsvertrag“
(politik-digital.de)
Katharina Borchert, in der Blogosphäre bekannt als Lyssa und verantwortlich für das neue Internetportal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, chattete in der Blogsprechstunde über die „Männerdomäne“ WAZ im Web 2.0 und Angela Merkels Vorliebe für Gemüse. Thema war auch die Kritik an ihrem Wechsel nach Essen.

Massenmedien im Wandel: Zeitungen und Zeitschriften (+ +)
(netzwelt.de, Patrick Woods)
Das Web wirbelt den Medienmarkt auf. Redaktionelle Inhalte und Nachrichten gibt es im Internet kostenlos und dank den Suchmaschinen findet jeder in Sekundenschnelle das, was er sucht. Damit steht das Web in Konkurrenz zu den herkömmlichen Printmedien. Löst das Internet die Zeitung und das Magazin ab? Oder ergänzen sich beide Medien lediglich?

„Wikipedia steht definitiv nicht vor dem Aus“
(spiegel.de, Frank Patalong)
Seit Wochen kursieren Gerüchte um finanzielle Probleme bei der Wikipedia. SPIEGEL ONLINE hakt nach – jetzt dementiert die deutsche Wikimedia-Spitze alles, spricht über ihre notorische Geldnot und enthüllt, wie viel das Projekt kostet.

Bloggen: Und ewig schläft das Murmeltier
(basicthinking.de, Robert Basic)
Na, wer kennt das nicht als Blogger? Die typischten Dinge, die man immer wieder erlebt.

Interviews in der Stadt Bern
(weggli-tv.com, Angelo Nef, Video)
Pardon, kann ich ihnen etwas helfen?

Täuschend echt

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet heute über eine „rätselhafte Plakataktion“ in München: So waren gestern an vielen „Bild“-Zeitungskästen in der Münchner Innenstadt die ursprünglichen Schlagzeilen mit der Nonsense-Überschrift „‚Leser‘ wehrt euch! 23 Exkremisten dönern deutsche Buben zu Tode“ überklebt worden (siehe Ausriss).

Wer hinter der Aktion steckt, ist nicht bekannt. Eine Internetseite, auf der die anonymen Initiatoren weitere Schlagzeilen-Vorlagen zum Bearbeiten und Ausdrucken zur Verfügung stellen wollten, ist nicht mehr online.

Bei „Bild“ zeigt man für diese angewandte Medienkritik wenig Verständnis und wertet sie laut „Süddeutsche“ als „Aufruf zur Sachbeschädigung“.

Mit Dank auch an die zahlreichen Hinweisgeber.

Nachtrag, 16 Uhr: Beim Homepage-Anbieter Freenet sagte man uns auf Anfrage, die Internetseite zur Aktion sei auf Veranlassung der Axel Springer AG aus dem Angebot entfernt worden. Springer wolle eine Markenrechtsverletzung erkannt gehabt haben.

6 vor 9

Der virtuelle Reporter (+ +)
(taz.de, Wolf Schmidt)
Die Medien berichten nicht nur über „Second Life“ – sie spielen längst mit. Reporter schreiben unter Pseudonym über Ereignisse in der Parallelwelt. Aber sind Berichte über Cybercoitus und Pixelbrüste Journalismus?

Nazi-Warenhaus 2.0
(telepolis.de, Burkhard Schröder)
In der deutschen Community von SecondLife begegnet man auch Hitlerjungen, Hakenkreuzen und Kanistern mit Zyklon B.

?Ich war erleichtert, dass Springer den Beobachter übernahm?
(klartext.ch, Bettina Büsser und Hans Stutz)
?Beobachter?-Chefredaktor Balz Hosang lobt das Journalismusverständnis des neuen Besitzers Springer und sinniert über weitere Ertragsquellen für eine 80-jährige Institution.

Fallende Zeitungsauflagen
(konvergenz.kaywa.com, Andreas Göldi)
Ist wirklich das Internet schuld?

Der Penguin-Verlag will den Autor töten
(faz.net, Beate Tröger)
Mit dem Projekt ?A million penguins? hat der Penguin-Verlag die Netzwelt dazu aufgerufen, kollektiv einen Internetroman zu verfassen. Das kreative Chaos uferte aus, jetzt reglementiert der Verlag den steten Textzufluss.

Thomas Stahlberg vom NDR kann nicht mehr
(radiopannen.de)
Der Name eines Sportreporters irritiert ihn.

Allgemein  

Als Krebs hat „Bild“ natürlich Darmprobleme II

Inzwischen hat uns Peter C. Austin geantwortet, der kanadische Wissenschaftler, auf dessen Untersuchung sich die „Bild“-Zeitung bei ihrer Titelgeschichte vom vergangenen Samstag berufen hat. „Bild“ nannte Austins Studie „sensationell“ und listete in einer großen Tabelle genau auf, wie sich „bei jedem Sternzeichen bestimmte Krankheiten häuften“.

Austin schreibt uns, nun sei ihm klar, was der Grund für die vielen „interessanten E-Mails“ gewesen sei, die er in den letzten Tagen bekommen habe. Und stellt noch einmal fest:

„Das Ziel der Untersuchung war es, anhand eines amüsanten Beispiels das statistische Prinzip zu illustrieren, dass man, wenn man häufig genug sucht, schließlich Muster entdecken wird, wo es in Wahrheit keine gibt. Weder ich noch meine Co-Autoren glauben, dass unsere Untersuchung die Existenz einer Verbindung zwischen Astrologie und Gesundheit belegt.“

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