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Zu wenig Qualitätsbewusstsein
(nzz.ch, Stephan Russ-Mohl)
Zwei Universitätsstudien haben sich mit den Massnahmen zur Qualitätssicherung in deutschen und schweizerischen Nachrichtenredaktionen befasst. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Gesundheit aus der Flimmerkiste
(werbewoche.ch, Karin Müller)
Gesundheitssendungen haben Hochkonjunktur. Medien hoffen auf satte Werbeeinnahmen der Pharmaindustrie – und bedienen sich dafür zweifelhafter Methoden.

Zehn Jahre Polylux
(rbb-online.de, Video, 3:27 Minuten)
1997 gingen wir auf Sendung. Die meisten gaben uns keine großen Überlebenschancen. Heute sind es zehn Jahre. Anlass für die Redaktion einmal bescheiden wie immer die zahlreichen Geheimnisse unseres Erfolges zu lüften.

Damenhaft
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Christian Gottwalt)
Unser ehemaliger Kollege arbeitet jetzt für das Frauenmagazin InStyle. Mit zwei Männern. Und 33 Frauen.

Zu viel verschenkt
(berlinonline.de, Bernhard Baumgartner)
Österreichische Zeitungen sprengen das System der Auflagenmessung.

Sie können mir also nicht sagen,
(taz.de, Karikatur)
ob ich noch Bier im Hause habe? …

Bild.de fährt mit Knut Trittbrett bei Ebay

Die Bild.T-Online.de AG & Co. KG ist ein sehr profitables Unternehmen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete es nach offiziellen Angaben eine zweistellige Umsatzrendite. Womöglich liegt das nicht nur an großen Werbedeals, sondern auch an der Konsequenz, mit der Bild.de selbst vermeintlich kleine Einnahmequellen ausschöpft.

Seit gestern zum Beispiel in einem wie ein Artikel aussehenden Beitrag darüber, dass die Internetseite YouKnut.com von ihren Betreibern bei Ebay versteigert wird. Denn der Link, mit dem Bild.de seine Leser im Artikel zu dieser Auktion führt, ist keineswegs der direkte Link zur Seite (http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll? ViewItem&item=220103829285), sondern ein Werbelink:

Es handelt sich um einen sogenannten Affiliate-Link — dieselbe Art, die sonst in Ebay-Anzeigen auf Bild.de steckt. Je nachdem, welche Bedingungen Bild.de und Ebay vereinbart haben, verdient Bild.de vermutlich ein paar Cent an jedem Klick oder ein paar Euro an jedem, der sich neu bei Ebay anmeldet — selbst an Geboten, die jemand, der über den Bild.de-Werbelink zu Ebay gekommen ist, für ganz andere Auktionen abgibt, kann Bild.de so mitverdienen.

Mit anderen Worten: Es lohnt sich für Bild.de, über Ebay-Auktionen zu berichten. In jeder Hinsicht.

Danke an Boris H.!

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Der Planet der Entscheider
(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)
Heute hat die Bundesregierung eine massive Beschneidung der bürgerlichen Freiheiten beschlossen. Die Volksvertreter tun dies auch, weil es ihnen geht wie vielen Managern: Sie leben nicht mehr auf dieser Welt.

Subtil und penetrant – Werbung im Kinderprogramm
(ndr.de, Video, 6:10 Minuten)
Kinder besitzen eine Goldgrube: Fast 23 Milliarden Euro Taschengeld stecken jährlich in den Sparbüchsen der kleinsten Konsumenten und wecken Begehrlichkeiten der Wirtschaft. Die Goldgräber haben beim Heben des Kinderschatzes leichtes Spiel: Mädchen und Jungen sind leicht zu beeinflussen und sehen sehr früh, was es alles zu kaufen gibt. Die Werbung nutzt das mit zunehmend aggressiven Methoden.

Keine Freunde ohne Internet
(welt.de, Anemi Wick)
Online-Netzwerke wie MySpace und StudiVZ verändern das reale, soziale Leben. Wer dort nicht präsent ist, existiert für andere gar nicht. WELT ONLINE traf Menschen, deren Freundeskreis praktisch nur noch aus Mitgliedern von Online-Kontaktbörsen besteht.

„Hertha war nie dabei“
(sueddeutsche.de, Christof Kneer)
Ein Interview mit Felix Magath, dem die ARD fälschlich unterstellte, er werde Trainer bei Hertha BSC.

?Für die Mehrzahl wird Bloggen ein Hobby bleiben“
(politik-digital.de)
Der Blogforscher und ?Hard bloggin´scientist? Dr. Jan Schmidt (Bamblog) war am 17. April 2007 zu Gast in der Blogsprechstunde. Er erzählte, weshalb das ?Journal-Bloggen“ eine weibliche Domäne ist, über die Zukunft von Weblogs und die Machtverteilung im Blog-Diskurs.

Jahrmarkt der Eitelkeiten 2.0
(vanityfair.de, Peter Turi)
Das Web 2.0 ist eine gigantische Bühne zur Selbstdarstellung – für den, der es versteht, sie zu bespielen.

Neu: Nichts Neues von Beckenbauer über „Klinsi“

Auf Bild.de steht heute, dass Ex-Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann „nach Informationen der BILD-Zeitung“ offenbar doch Trainer des britischen Fußballclubs Chelsea London werden könnte. Weiter heißt es dort, Franz Beckenbauer habe sich in der britischen „Sun“ von heute zu dem Thema geäußert:

Kaiser Franz in der „Sun“: „Er müsste aus Kalifornien nach England umziehen. Ein Klub in einer Liga mit 20 Mannschaften, die auch Weihnachten und Neujahr spielt, dazu die nationalen Cup-Wettbewerbe und die Champions League — das ist nicht aus der Ferne zu handhaben. London frisst dich auf mit Haut und Haaren. Da kann man nicht wie als deutscher Teamchef zwischendurch in Amerika ausspannen.“ Beckenbauer weiter: „Zwei Jahre in Chelsea können dich genauso fertig machen wie vier Jahre bei einem anderen Klub.“

Das kommt uns irgendwie bekannt vor:

Chelsea bedeutet: Komplett-Umzug von Kalifornien nach London. Eine Liga mit 20 Klubs, Spiele am zweiten Weihnachtstag und Neujahr, mehrere nationale Pokalwettbewerbe und die Champions League. Als Zugabe noch die wenig zimperliche englische Presse. London frisst dich auf mit Haut und Haaren, da hat man keine Zeit — wie als Bundestrainer — in Amerika zu entspannen. (…) Bei den Erwartungen in Chelsea sind zwei Jahre als Trainer so aufreibend wie vier bei einem anderen Klub.

"Exklusiv: Kaiser Franz schreibt in BILD"So stand’s gestern in „Bild“. „Exklusiv“ aufgeschrieben von „Kaiser Franz“ (siehe Ausriss). Und es sind bei Weitem nicht die einzigen Beckenbauer-Zitate aus der heutigen „Sun“, die quasi identisch sind mit dem, was Beckenbauer gestern in der „Bild“-Zeitung geschrieben hatte. Das hätte man leicht rausfinden können, denn der exklusive „Bild“-Text von Beckenbauer ist auf Bild.de sogar direkt verlinkt.

Aber offenbar zitiert man bei „Bild“ lieber die „Sun“ als sich selbst. Man weiß ja nie.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Andreas U.

Die Wahrheit II

In einer Weiterentwicklung ihrer umstrittenen „Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht“-Kampagne, hat die „Bild“-Zeitung derzeit überall Plakate mit Zitaten großer Persönlichkeiten aufgehängt — unter anderem dieses:

"Und sie bewegt sich doch!" (Galileo Galilei)

Der „Bild“-Zeitung (die sich zwar jedes Zitat vorab autorisieren lassen muss, in ihrer Berichterstattung aber auch gern aufs Hörensagen setzt) ist obiges Plakat durchaus angemessen.

Denn es ist wahr: Der italienische Sternen-Experte Galileo G. (77†) war — kurz gesagt — überzeugt: Es kreist nicht etwa die Sonne um die Erde, sondern die Erde selbst bewegt sich. Allerdings musste G. am 22. Juni 1633 in einem Gerichtsprozess, nun ja, eine Art Unterlassungserklärung abgeben, in der er sich verpflichtete, seine Ansichten nicht weiter zu verbreiten.

Dass G. jedoch im Anschluss an das Skandal-Urteil den berühmten Satz „Eppur si muove“ (dt.: „Und sie [die Erde] bewegt sich doch“) genuschelt habe, der nun als Ausdruck mutiger Unbeirrbarkeit das „Bild“-Plakat ziert, ist…

…eine Ente.

Nach heutigem Forschungsstand hat G. den Satz nie gesagt. (Nachdem die Wissenschaft zunächst angenommen hatte, es handele sich dabei um eine Erfindung der Aufklärung, erwähnt erstmals 17571, geht man heute davon aus, dass die „Eppur si muove“-Legende womöglich schon zu G.s Lebzeiten verbreitet wurde.2)* Und wenn man einem ebenso kenntnisreichen wie verschmitzten Artikel des norwegischen Schriftstellers Erik Fosnes Hansen glauben schenken will, der 1997 in der „FAZ“ unter dem Titel „Und sie bewegt sich doch“ aufschrieb, „weshalb Galileo Galilei wirklich widerrufen mußte“, dann sagte G. nach dem Urteil der Inquisition „etwas Ähnliches“ wie:

"Bringt mich nach Hause, ich habe Durst."

Mit Dank an Gunnar W. und Michael H. für den Hinweis.

1 A. Rupert Hall, „Galileo nel XVIII secolo,“ Rivista di filosofia, 15 (Turin, 1979), S. 375ff, 383.
2 Stillman Drake, Galileo at Work: His Scientific Biography, (Dover Publications, Mineola, NY, 2003), S. 357.
*) Siehe auch: Thomas Schirrmacher, „‚Und sie bewegt sich doch!‘ & andere Galilei-Legenden“, Professorenforum, Vol. 1, No. 1 (Asslar-Bermoll, 2000), S. 2f. Oder (der Einfachheit halber): Wikipedia.

6 vor 9

So wird das nichts
(faz.net, Martin Schöb)
Das Berliner Blogger-Treffen ?re:publica? hätte ein Befreiungsschlag werden, es hätte den Blick auf das politische, unterhaltende und informierende Potential von Weblogs lenken können. Stattdessen: Selbstbezüglichkeit und Monomeinung.

Böhmische Dörfer
(fr-online.de, Monika Porrmann)
„Politik 2.0 – Wie verändert das Netz die politische Kommunikation und Partizipation?“, fragten sich die Teilnehmer der Blogger-Konferenz re-publica in Berlin. Die Antwort fiel ernüchternd aus.

„Stasi 2.0“
(zuender.zeit.de)
Am kommenden Mittwoch will die Bundesregierung über die weitgehende Kontrolle von Telefonaten und des Internets beraten. Heute gehen die Überwachungsgegner in Frankfurt auf die Straße. Doch was bringt so ein Protest? Ralf Bendrath vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung antwortet.

Die Quadrophonie des Pferderennens
(jungle-world.de, Klaus Bittermann)
Bizarr, hemmungslos, subjektiv: Der Gonzo-Journalismus war ein offener Verstoß gegen alle Konventionen.

Wünsch dir was!
(merkur.de, Volker S. Stahr)
Schauen, was und wann man will: Immer mehr Sender stellen ihr Programm im Netz zum Abruf bereit. Und hoffen auf nicht allzu großen Erfolg.

Ahmadinedschads Angst vor den Bloggern
(welt.de, Marion Meier)
Im Iran ist das Internet der einzige Weg zur freien Meinungsäußerung. Wenn Präsident Mahmud Ahmadinedschad auf seiner Seite erklärt, sein Land sei in der Lage, Uran für eine Bombe zu produzieren, antworten die Blogger mit bissigem Witz.

Neue „Bild“-Wörter eingetroffen!

"Klapprad-Rentner" - "Doppel-Nackt-Triumpf" - "Pipi-Bombe"Um noch mal kurz auf den Hitler-Putsch zurückzukommen: Der findet sich natürlich neben allerlei anderen Neuzugängen (siehe Ausrisse) auch in der neusten Aktualisierung unseres Großen BILDblog-„Bild“-Wörterbuchs.

Oder wüssten Sie spontan, was ein „Urlaub-Weg-Minister“ ist?

Aufgeblasene „Bild“-Aktion an Unis

Die Axel Springer AG veranstaltet zurzeit offenbar verstärkt Werbeaktionen, bei denen „Bild“-Zeitungen an Universitäten verteilt werden. Akademiker sind in der „Bild“-Leserschaft eher unterrepräsentiert. Allerdings stoßen diese Verteilaktionen bei Studenten zum Teil auf wenig Begeisterung. So wurde beispielsweise an der Bochumer Ruhr-Uni mindestens ein „Bild“-Infostand zerstört, und der AStA fordert das Rektorat auf, „dem Springer-Konzernen und ähnlichen Unternehmen den Auftritt auf dem Campus zu verbieten“, wie bei indymedia berichtet wird.

Auch an der Uni Bielefeld führt „Bild“ eine Werbeaktion durch. Dort können Unternehmen in der Uni-Halle Flächen zu Promotionszwecken mieten, wie uns ein Sprecher sagt. Diese Möglichkeit werde insbesondere zu Semesterbeginn von vielen Zeitungen genutzt. Aktuell sei neben der „Bild“-Zeitung beispielsweise auch die „Zeit“ dort vertreten.

Wie in Bochum sehen Studenten auch in Bielefeld die „Bild“-Verteilaktionen kritisch. Auf einem Transparent heißt es „Exzellenzinitiative gescheitert, Rektorat verteilt BILD“. Ein BILDblog-Leser, der die Werbeaktion und die Proteste fotografiert hat, berichtet zudem, ein anderer Fotograf sei von den Verteilern „körperlich angegangen“ worden, um Fotos zu verhindern. Außerdem hätten die „Bild“-Verteiler ihm „rechtliche Schritte“ angedroht, für den Fall, dass Fotos wie dieses veröffentlicht würden:

Hitlers Putschfimmel

Das Wort Hitlerputsch (bzw. Hitler-Putsch) ist nicht neu — und nicht von „Bild“ erfunden. Das Deutsche Historische Museum kennt es, das angesehene Online-Projekt Shoa.de auch, ebenso die Bayerische Staatsbibliothek in Zusammenarbeit mit der Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten und der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die Willy-Brandt-Stiftung, das Städtische Louise-Schroeder-Gymnasium in München, das NS-Dokumentationszentrum München, die Bundeszentrale für Politische Bildung und diverse Buch-Autoren. Sie alle meinen damit, was auch mein „Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden“ in Band 9 (Grif — Hofg) wie folgt zusammenfasst:

Hitlerputsch, Versuch Hitlers und Ludendorffs, am 8./9. Nov. 1923 in Bayern die Macht an sich zu reißen (…).

Ähnlich kann man’s nicht nur in der Wikifehlia Wikipedia nachlesen, sondern auch wiederholt in „Bild“ — zuletzt etwa am 4. Mai 2005.

Umso überraschender, dass „Bild“ heute mit einer Überschrift aufwartet, die nicht nur Historiker mit ungläubigem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen dürften:

Zur Erklärung: Hitlers Putschversuch wurde nicht etwa „schon“ 20 Jahre nach seiner Vereitelung geplant. Vielmehr meint „Bild“ heute mit dem „Hitler-Putsch“ den u.a. durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg versuchten Staatsstreich vom 20. Juli 1944 gegen Hitler.

Mit Dank an Uli Z., Torben W., Patrik G., Manuel B. und Kai-Oliver K.

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Jean-Remy von Matt bricht sein Schweigen: ?Massengräber? und ?Klowände?
(off-the-record.de, Olaf Kolbrück)
Seit seinem Statement über Blogs als die ?Klowände des Internet? gilt Jean-Remy von Matt, Mitgründer der Werbeagentur Jung von Matt, als Reizfigur in der Blogosphäre. Interviews dazu lehnte er bislang ab. Nun bricht der Top-Werber sein Schweigen. Mit Off the record spricht er erstmals über die damalige Debatte und erklärt, warum Klowände weiter aktuell sind. Darüber hinaus äußert er sich zur Rolle von Blogs für die Werbung und kritisiert Youtube als ?Massengrab des Marketing?.

„Fred kann etwas durchtrieben sein“
(sueddeutsche.de, Christoph Schrader)
Wie die Firma Microsoft einmal eine Mail mit konkreten Verhaltensmaßregeln für Interview-Situationen ausgerechnet an den Journalisten verschickte, der Interviews mit Microsofties führen wollte.

nachtstudio vom 15. April 2007
(zdf.de, Video, 60:02 Minuten)
„Bullshit und Wahrheit – Willkommen in der PR-Gesellschaft“ – Gäste: Heike-Melba Fendel, Bettina Gaus, Klaus Kocks und Sascha Lobo.

Der Begriff Wahrheit spielt bei BILD nicht die entscheidende Rolle
(planet-interview.de, Jakob Buhre und Martin Höche)
Christoph Schultheis und Stefan Niggemeier von BILDblog über Hintergründe und Wirkung ihrer täglichen BILD-Kritik, zunehmenden Widerstand und den Reiz für Journalisten, bei BILD zu arbeiten.

Der nächste Idiot ist nur ein Blog weit entfernt
(welt.de, Marco Stahlhut)
Braucht man eine neue Ethik für das Webzeitalter? Der Kongress Re:publica will Manieren beibringen.

Freitag der dreizehnte
(tim.geekheim.de)
Meine Situation könnte jetzt kaum schlechter sein. Meine wichtigsten Produktionsmittel sind futsch und natürlich kommt es dann auch gleich richtig hart: mein letztes Backup ist unbrauchbar. Nahezu die gesamte digitale Arbeit der letzten zehn Jahre ist vernichtet.

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