Uffz sprach der alte Häuptling der Indianer

„Bild“-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß schreibt heute in seiner „Top 10 der Woche“ u.a.:

"Die merkwürdigste Zahl ... ergibt sich aus der Auflistung der Bundeswehreinheiten im Auslandseinsatz per 1. August: 1711 Mannschaftsdienstgraden stehen 5742 Offiziere und Unteroffiziere gegenüber."

Nayhauß schlussfolgert:

Viele "Häuptlinge", nur wenige "Indianer".
Nayhauß‘ Zahlen sind mehr oder weniger korrekt. (Nach unseren Informationen sind es zur Zeit rund 1900 Mannschaftsdienstgrade und knapp 5500 Offiziere und Unteroffiziere. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.) Nayhauß‘ Schlussfolgerung zeichnet sich aber nicht durch besondere Sachkenntnis aus. Die wenigen „Indianer“ ergeben sich nicht zuletzt aus der Tatsache, dass bei Auslandseinsätzen kein Grundwehrdienstleistender eingesetzt wird, sondern — neben Zeit- und Berufssoldaten — nur, wer sich freiwillig zu einem verlängerten Wehrdienst verpflichtet.

Unsere Nachfrage beim Verteidigungsministerium, ob es denn, wie Nayhauß suggeriert, sinnvoll wäre, mehr Mannschaftsdienstgrade in Auslandseinsätze zu schicken, verneint ein Sprecher. „Ein höherer Dienstgrad heißt in der Regel auch mehr Erfahrung.“ Zudem relativieren sich bei genauerem Blick auch die vielen „Häuptlinge“. Die Bundeswehr setzt im Ausland rund 1300 Offiziere und 4200 Unteroffiziere ein. Unteroffizier (entspricht dem mittleren Dienst) wird, wer will, laut SLV schon nach einer „Dienstzeit von einem Jahr“.

Bleibt die Frage, was Nayhauß (81) den „Bild“-Lesern eigentlich sagen will, wenn er bei Bundeswehreinsätzen im Ausland offenbar minder qualifizierte Dienstgrade vermisst.

6 vor 9

TalkTäglich – Roger Schawinski und Markus Gilli im Gespräch
(telezueri.ch, Video, ca. 25 Minuten, Dialekt)
Der ehemalige Sat.1-Chef Roger Schawinski gibt in seinem neusten Buch ?Die TV-Falle? tiefe Einblicke in das deutsche Privatfernsehen. Alles über seine Anfänge bei Sat.1, seine Abhängigkeit von Quoten und weshalb er sich um seine TV-Stars besonders gut kümmern musste.

In London tobt der Gratiszeitungs-Krieg
(tagesanzeiger.ch, Peter Nonnenmacher)
Bereits vier Gratisblätter buhlen in der Themsestadt um Leser. Darunter leiden vor allem die traditionellen Tageszeitungen.

Astrologie und Geschäft
(nzz.ch, ras.)
Am Tatort der Gratiszeitung «.ch».

Jeder Geschäftstüchtige braucht einen Spot, der für ihn wirbt
(blog-cj.de)
Ich find´s schon ok, was ihr da macht, aber mutig, liebe Bildblogger, mutig finde ich was anderes.

ap vs. ?cash daily?
(heute-online.ch/trashcan, bö.)
Geht’s nun nach der Uni zum Praktikum oder nicht?

Jerry Springer Interview
(youtube.com, Video, 6:08 Minuten)

Jede Rüge braucht einen Mutigen, der sie zählt

Wie weit Neugierde und Darstellung gehen dürfen, ist keine Frage von Boulevard-Journalismus. sondern jeder Berichterstattung. Und die Antwort lautet: So weit wie nötig — nötig, um den Leser zu grundlegenden Entscheidungen zu befähigen, um ihm die Möglichkeit der Einschätzung (…) zu geben.

Das jedenfalls behauptet „Bild“-Chef Kai Diekmann in einem Beitrag für das unlängst erschienene, aktuelle „Jahrbuch“ des Presserats. Und was „Bild“ unter „so weit wie nötig“ versteht, wird ebenfalls aus der Veröffentlichung des Presserats deutlich: häufig zu weit nämlich. Schließlich ist „Bild“ wieder einmal das meistgerügte Medium.

Inwiefern eine unzulässige Vorverurteilung dem „Bild“-Leser „die Möglichkeit der Einschätzung“ gibt oder warum für „Bild“ ein einfacher Landarzt „eine Person von herausragender öffentlicher Funktion und gesellschaftlicher Stellung“ ist, zeigt unsere Übersicht der „Bild“-Presseratsrügen 2006.

In eigener Sache: Der BILDblog-Werbespot

Mit Dank an alle, die uns geholfen haben, und ganz besonderem Dank an Anke E., Christoph Maria H., Tim S. sowie (in alphabetischer Reihenfolge) Tobi B., Alexander D., Chris G., Ralf G., Michael L. und Sascha L.! Wir können es kaum fassen.

Nachtrag, 24. August. Inzwischen gibt es auch eine Stellungnahme der „Bild“-Zeitung zu unserem Werbefilm. Sprecher Dirk Meyer-Bosse sagte dem Medienmagazin „V.i.S.d.P.“ (pdf):

„Das ist ein gut gemachter Spot, natürlich haben wir auch darüber gelacht. Er lebt aber von dem alten Vorurteil, BILD würde lügen — was durch eine witzige Wiederholung jedoch auch nicht wahrer wird. Unsere Rechtsabteilung prüft routinemäßig, ob hier möglicherweise markenrechtliche Aspekte berührt sind.“

Skandal-Skandal bei Bild.de

Ob Skandal-Rocker, Skandal-Rapper, Skandal-Schiri, Skandal-Star, Skandal-Profi, Skandal-Politikerin, Skandal-Urteil und Justiz-Skandal, TV-Skandal, Briefmarken-Skandal, Schummel-Skandal, Suff-Skandal, Sex-Skandal, Rassismus-Skandal, Kopftuch-Skandal, Prügel-Skandal, Pflege-Skandal, Nazi-Skandal, Internet-Skandal, Puff-Skandal oder Skandal um Harry Potter — Skandale sind in „Bild“ beliebt. Allein in der Bundesausgabe finden sich in diesem Jahr bereits über 250 Artikel, die nicht ohne Skandal auskommen konnten.

Nur Bild.de gehen offenbar die Skandale aus. So berichtet der Online-Ableger der „Bild“-Zeitung derzeit über eine junge Frau, die sich heimlich und nackt in einem Schloß der dänischen Königsfamilie fotografiert habe, und schreibt:

"Die Stripperin im Schloss – ein Skandal."

Die „Frankfurter Rundschau“ jedoch, auf die sich Bild.de ausdrücklich bezieht („Das berichtet die „Frankfurter Rundschau“) schreibt über die öffentliche Reaktion in Dänemark:

Ein Achselzucken. Bisschen Schmunzeln, bisschen Verärgerung. Da dringt eine Nackte ins Allerheiligste der dänischen Monarchie ein, lässt sich in aufreizenden Posen knipsen, und die Dänen reagieren erfrischend unhysterisch. (…)

Die (…) Medien reagierten verhalten. Viele ignorierten die Episode, andere stellten die Frage nach der Sicherheit im königlichen Schloss (…). „Überrascht“ zeigte sich Schlossverwalter Jens Greve, nicht besorgt.

Und auch im „Spiegel“, der über die Angelegenheit übrigens bereits vor zweieinhalb Wochen berichtet hatte, hieß es bloß:

Bei Hofe nahm man den Zwischenfall eher gelassen (…)

Mit Dank an Christoph E. für den Hinweis.

Zu viele Nullen bei „Bild“

Man könnte meinen, zweieinhalbtausend Verkehrstote in einem halben Jahr auf Deutschlands Straßen wären zu viel. Außer vielleicht für „Bild“. Dort heißt es heute nämlich auf der Titelseite:

"Mehr Verkehrstote -- Wiesbaden. Im ersten Halbjahr dieses Jahres starben auf Deutschlands Straßen 20 477 Menschen -- 7,7% mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (Stat. Bundesamt)."

Ist die so genannte „Zeitung mit den großen Buchstaben“ etwa auch die mit den großen Zahlen, der Verkehrstotenfehler womöglich nur die Spitze des Eisbergs?

Apropos Eisberg: Ein Reuters-Video zu einer Protestaktion auf dem Aletschgletscher kündigt Bild.de seit Tagen an wie folgt:

"Nackt auf dem Gletscher -- 6000 Menschen protestieren so gegen den Klimawandel"
Und jetzt raten Sie mal, wieviele es wirklich waren.

Mit Dank an Dietmar S. und andere für die Hinweise.

Nachtrag, 24.8.2007: „Bild“ hat den Verkehrstotenfehler heute in der „Korrekturspalte“ berichtigt, Bild.de die falsche Nacktenzahl bislang noch nicht.

Nachtrag, 17.50 Uhr: Na, jetzt hat auch Bild.de die Zahl korrigiert.

6 vor 9

Vice-Magazin strickt sich grüne Mitglieder
(julia-seeliger.de)
Die Bundesgeschäftsstelle der GRÜNEN JUGEND kann der journalistischen Forderung nach einer bestimmten Hosengrösse nicht nachkommen. Darum nimmt das Vice Magazin ein Model von der Strasse.

Blocher und die Medien – Wir sind auch das Volk
(woz.ch, Susan Boos)
Ein Bundesrat, der alles einreissen will, was eine Demokratie ausmacht. Und eine Presse, die immer wieder gezwungen ist, über ihn zu berichten.

Good News: Ich muss nicht in den Knast
(planethop.blogspot.com, Ivo Bozic)
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber das Leben ist ja manchmal arg pfui. Schön also, wenn es auch mal richtig gute Nachrichten gibt. Vor allem, wenn es um 250.000 Euro geht, da will man doch lieber gewinnen als verlieren, vor Gericht, meine ich. Und das ist mir und der Jungle World vor ein paar Wochen gelungen.

“Emmas“ Töchter
(tagesspiegel.de, Dörthe Nath)
Sport, Computer, Porno: Frauenmagazine entdecken Männer-Themen.

Was sollen die Öffentlich-Rechtlichen Im Internet?
(perlentaucher.de, Robin Meyer-Lucht)
Pro & Contra einer Ausweitung des öffentlich-rechtlichen Internet-Engagements.

Weitere Pendlerzeitung in den Startlöchern
(medienspiegel.ch, der unmündige Leser)
Im Zuge der letztwöchigen Ankündigung von Baz und Tamedia, gemeinsam eine neue Gratiszeitung zu planen und gegen das ebenso neue Gratisblatt «.ch» von Sacha Wigdorovits positionieren zu wollen, soll an dieser Stelle ein lange gehütetes Geheimnis gelüftet werden: Meine Damen und Herren, auch ich bringe eine neue Gratiszeitung auf den Markt.

In eigener Sache

Wie der „Stern“ vorab berichtet, werben Anke Engelke und Christoph Maria Herbst in einem Fernsehspot, der ab morgen zunächst auf MTV, Viva und Comedy Central zu sehen sein wird, für BILDblog. Wir können das nur bestätigen.

Und Bilder von den Dreharbeiten zeigen.

6 vor 9

Natascha Kampusch – 1 Jahr danach
(youtube.com, Video, 9:39 Minuten)
Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5. Die Sendung, über die zurzeit überall zu lesen ist und die der ORF offenbar nicht online stellen mochte, ist in voller Länge bei YouTube zu sehen.

„Sie ist ungeheuer schlagfertig“
(sueddeutsche.de, Beate Wild)
Er beschäftigt sich mit Natascha Kampusch seit Jahren: Der ORF-Journalist Christoph Feurstein. Ein Jahr nach ihrer Flucht aus ihrer Gefangenschaft hat er sie wieder getroffen.

Account löschen? Nicht im Web 2.0.
(blogh.de)
Wer schon mal versucht hat, sein Profil oder sein Account auf einer Community-Plattform zu löschen, wird sein blaues Wunder erleben. Meist ist die Option gut versteckt, im schlimmsten Fall darf man per Mail auf die Gnade des Support-Teams hoffen. Selbst Wikipedia ist da keine Ausnahme.

Schummeln einfach gemacht
(klartext.ch, Cyrill Pinto)
Das Bundesamt für Kommunikation wirft fünf privaten TV-Stationen vor, zu viel Gebührengelder bezogen zu haben. Zu den Schummlern zählt die Aufsichtsbehörde auch Hanspeter Lebruments Tele Südostschweiz und Filippo Lombardis Tele Ticino.

Obama und seine Freunde
(zuender.zeit.de, Frauke Schnoor)
Kein anderer Kandidat in der US-Präsidentschaftswahl ist so online wie Barack Obama. In Social Networks jagt er die amerikanischen Jungwähler. Myspace, Facebook und Co. stehen ihm ganz gut, findet Frauke Schnoor.

Dafür bezahlt man Gebühren
(youtube.com, Video, 0:39 Minuten)
muecke92: „is irgendwie nich witzig…“

Jetzt XVII

Manche Nachrichten müssen zur „Bild“-Meldung erst reifen.

Vor knapp einem Jahr, am 27. August 2006, berichtete die „Welt am Sonntag“, der Fotograf Mario Testino habe ein Haus in Berlin gekauft:

Star-Fotograf Mario Testino lebt für den Moment. Darum liebt er auch Berlin: "Die Narben, die Menschen, die Szenen auf der Straße". Nun hat sich der Peruaner, der in London lebt, seinen langen Traum von einem eigenen Haus in der Hauptstadt erfüllt: eine alte Villa, wie ein venezianischer Palast mit Riesenballsaal, um die 3000 Quadratmeter Wohnfläche, im Fischerinsel-Kiez, direkt an der Spree.

Am Tag darauf, dem 28. August 2006, freute sich die Boulevardzeitung „B.Z.“:

Testino jetzt Berliner — Willkommen in Berlin, Mario Testino (62)! Im Fischerinsel-Kiez hat sich der Star-Fotograf eine palast-ähnliche Villa gekauft (3000 Quadratmeter Wohnfläche direkt an der Spree).

Am 31. August 2006 schloss sich ein Blog des Schweizer Magazins „Cash“ an:

Die Deutsche Hauptstadt hat einen prominenten Neubürger: Starfotograf Mario Testino (…). Der gebürtige Peruaner kaufte sich eine alte Villa mit — man höre und staune und halte sich fest — 3000 Quadratmetern Wohnfläche und Spreeblick an der Fischerinsel. Sein Hauptwohnsitz bleibe aber London, bestätigte Testino, künftiger Besitzer eines Ballsaals im venezianischen Stil. Was Testino an Berlin reizt: „Die Narben und die Szenen auf der Strasse“.

Dann passierte lange, lange nichts. Außer, dass einige Medien in Nebensätzen erwähnten, dass Testino bekanntlich nun auch ein Haus in Berlin habe. Und dass unsichtbare „Bild“-Mitarbeiter im Hintergrund sicher immer wieder prüften, ob die Geschichte schon gut war für ihre Zeitung. Gestern, ein knappes Jahr später, war es endlich soweit:

Der letzte Fotograf von Lady Di wird Berliner. ... Jetzt hat der gebürtige Peruaner, der in London lebt, eine besondere Inspirationsquelle entdeckt: die deutsche Hauptstadt. Warum? "Die Narben, die Menschen, die Szenen auf der Straße", so Testino. Im Fischerinsel-Kiez direkt an der Spree hat er sich eine alte Villa gekauft. Vielmehr einen venezianischen Palast, rund 3000 Quadratmeter groß, mit riesigem Ballsaal

Der „Bild“-Artikel beginnt mit den Worten:

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, dass DER Starfotograf nach Berlin zieht (…).

Danke an Daniel B. für den Hinweis!

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