„Bild“ fühlt sich von Entführungsopfer terrorisiert

Man muss das kurz rekapitulieren: Khaled al-Masri ist nach eigenen Angaben Silvester 2003 in Mazedonien verhaftet, mehrere Wochen verhört, von der CIA nach Afghanistan verschleppt und dort misshandelt, gefoltert und monatelang festgehalten worden. Zeugenaussagen und Dokumente bestätigen zentrale Aussagen al-Masris; das Amtsgericht München hat im Januar Haftbefehl gegen 13 Agenten der CIA wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung erlassen. Die Rolle der deutschen Bundesregierung und der deutschen Geheimdienste ist umstritten, ungeklärt ist vor allem, wer der Deutsche gewesen ist, der sich nach al-Masris Angaben als „Sam“ vorstellte und ihn in Afghanistan vernahm. Der Fall beschäftigt Gerichte und Untersuchungsausschüsse.

Man muss das kurz rekapitulieren. Und dann muss man sich den Satz durchlesen, mit dem die „Bild“-Zeitung die Versuche al-Masris beschreibt, die Wahrheit herauszufinden und Recht zu bekommen. Er lautet so:

Monatelang terrorisierte der Islamist als angebliches CIA-Folteropfer die Bundesregierung, Parlament und Öffentlichkeit!

Wenn ein Entführungsopfer, dem nach Meinung von Regierung und Opposition schweres Unrecht geschehen ist, von rechtlichen und publizistischen Mitteln Gebrauch macht, ist das „Terror“? Für „Bild“ ja:

Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?

Anlass für den Bericht ist, dass al-Masri in dieser Woche einen Großmarkt anzündete und in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Die „Bild“-Redakteure Ulrike Brendlin und Hans-Jörg Vehlewald fassen es so zusammen:

Nun stellt sich raus: Al-Masri ist ein durchgeknallter Schläger, Querulant und Brandstifter. Auch ein Lügner?

Dass al-Masris psychische Probleme und wiederholte Ausfälle eine Folge seiner traumatischen Erfahrungen gewesen sein könnten, kommt bei „Bild“ nicht einmal als nicht ganz auszuschließende Möglichkeit vor. Systematisch diskreditiert sie seine Aussagen und spielt seine Qualen herunter. „Bild“ schreibt:

Fest steht bis heute nur, dass al-Masri Silvester 2003 versehentlich in Mazedonien verschleppt und für fünf Monate inhaftiert wurde.

Die wochenlang vorbereitete Entführung von al-Masri durch Agenten der CIA in Mazedonien wird fast zu einer Lappalie heruntergeschrieben, „versehentlich“, kann ja mal passieren. „Bild“ weiter:

Zum Skandal wurde seine Geschichte erst, als Masri behauptete, während der Haft misshandelt und auch von deutschen BND-Agenten („Sam“) verhört worden zu sein.

So spielt „Bild“ die monatelange Peinigung in einem afghanischen Gefängnis herunter, Hungerstreik und Todesangst inklusive. Und ein „Skandal“ war al-Masris „Geschichte“ natürlich ohnehin schon: Amerikanische Medien fanden es — anders als offenbar „Bild“ — durchaus bemerkenswert, dass im Krieg gegen den Terror irgendwelche Leute von der CIA entführt und in Länder wie Afghanistan verbracht werden, insbesondere wenn es sich nicht einmal um die richtigen Leute handelte.

Bei „Bild“ ist al-Masri nicht Opfer, sondern (auch ohne die Brandstiftung) in vielfacher Weise Täter. Die Zeitung nennt ihn zum Beispiel den „Verursacher des ganzen Chaos“ und meint damit den Streit in der Bundesregierung und die Untersuchungsausschüsse. Als Indiz dafür, dass al-Masri „auch ein Lügner“ sein könnte, schreibt „Bild“:

Gleich mehrere Ausschüsse, sogar ein eigener „BND-Ausschuss“ nahmen die ehemaligen und amtierenden Bundesminister (u. a. Otto Schily, Joschka Fischer) ins Kreuzverhör — ohne greifbare Ergebnisse.

„Bild“ suggeriert in einem logischen Kurzschluss: Wenn den politischen Verantwortlichen kein Fehlverhalten nachgewiesen wurde, muss wohl der „Verursacher des ganzen Chaos“ im Unrecht sein.

Hans Leyendecker, Leitender Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ und für seine Recherchen im Fall al-Masri gerade mit dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet, nennt die „Bild“-Berichterstattung gegenüber BILDblog „niederträchtig und verworfen“. Er widerspricht auch der „Bild“-Formulierung, al-Masri habe behauptet, „von deutschen BND-Agenten (‚Sam‘) verhört worden“ zu sein:

Al-Masri hat nicht von mehreren deutschen Vernehmern gesprochen, sondern nur von einem Mann, der sich Sam genannt habe. Dass es sich, wie „Bild“ bedeutet, um einen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes gehandelt habe, hat Al-Masri nie gesagt. Er weiß nicht, ob der Mann von einer deutschen Behörde kam und deshalb behauptet er es nicht.

Er hat ein anderes Verhältnis zur Wahrheit als „Bild“.

Nachtrag, 15.30 Uhr. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ nennt den „Bild“-Artikel über al-Masri heute ein „publizistisches Eintreten auf einen, der am Boden liegt“ und findet die „Entgleisung selbst für ‚Bild‘-Standards beachtlich“. „FAS“-Redakteur Nils Minkmar schreibt:

„Noch nie aber hat mich ein Artikel in irgendeiner Zeitung so alarmiert und beunruhigt wie der Text des Blattes über Khaled El Masri (…). Offenbar hält man dort die Spannung nicht aus, die sich daraus ergibt, dass eine offene Gesellschaft eben auch ihre Verfehlungen offen und ehrlich diskutiert. (…) ‚Bild‘ ist das wohl alles zu komplex. Daher verfällt man dort in eine regressive, eine Kinderreaktion: Das Opfer ist selber schuld. Für ’so einen‘ gilt auch kein Grundgesetz.“

Nachtrag, 21. Mai. Hans Leyendecker schreibt in der heutigen Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ über den „Bild“-Bericht:

„Die immer noch vorhandene hetzerische Gewalt des Blattes, die von Heinrich Böll meisterlich beschrieben wurde, bekommt wieder einen neuen Namen. Die Erklärungen von Springer-Spitzenleuten über sauberen Journalismus, über Qualität erweisen sich angesichts dieses Falles als Konfetti.“

Mehr dazu hier, hier, hier, hier und hier.

6 vor 9

Schöne neue Blogosphäre? (+)
(freitag.de, Julian Kücklich)
Das Internet als Mittel der Selbstverwirklichung und der Selbstausbeutung.

Videobeweis bringt 9Live in Bedrängnis (+)
(dwdl.de, Jochen Voß)
Die Vorwürfe gegen den CallIn-Sender 9Live werden immer schwerer. Im Web ist ein Video aufgetaucht, das offenbar Zweifel am Zufallsprinzip „Hot Button“ bestätigt. DWDL.de zeigt den Clip.

„Keine Demokratie kann sich das leisten“
(sueddeutsche.de, Jürgen Habermas)
Medien, Märkte und Konsumenten: Der Philosoph Jürgen Habermas, 77, sorgt sich um die Zukunft der seriösen Zeitung. Ein Essay.

Der Preis der Lohntüte
(nzz.ch, H. Sf.)
Blogger im Angestelltenverhältnis müssen ihre Worte sorgfältiger wählen als ihre freibeuterischen Internet-Kollegen. Die Aufregung um einen giftigen Kommentar illustriert diese Freiheitsdifferenz.

Asterix und die Blogosphäre
(blog-cj.de, C. Jakubetz)
In den vergangenen Tagen war ich viel in dem Mikrokosmos Blogosphäre unterwegs und ich habe viel über sie gelernt.

«W» wie «Weltwoche»
(blick.ch, Lena Tichy)
Sie war mal eine Zeitung, heute ist sie ein Grund zum Aufheulen: Die «Weltwoche». Und von niemandem wird die Zeitschrift mehr verachtet als von jenen, die sie lesen.

Verfassungsschutz: Fehlalarm bei „Bild“

Vorgestern, einen Tag vor der offiziellen Vorstellung des Verfassungsschutz-Berichtes 2006, berichtete vorab bereits „Bild“:

Und „Bild“-Chefkorrespondent Einar Koch schrieb:

DER VERFASSUNGSSCHUTZ SCHLÄGT ALARM: In der linksextremistischen Szene gibt es immer mehr „terroristische Ansätze“!

Der neue Verfassungsschutz-Bericht (…) warnt: Sogenannte „militante Gruppen (mg)“ planen „weitergehende, über Sachbeschädigung hinausreichende Aktionsformen“.
(Hervorhebungen von „Bild“)

Doch weil Einar Koch das offenbar zu abstrakt für die „Bild“-Leser fand, hatte er anschließend noch mal in eigene Worte gefasst, was das Zitat aus dem Verfassungsschutz-Bericht seiner Ansicht nach „im Klartext“ bedeute:

Im Klartext: Der Verfassungsschutz schließt Anschläge auf Politiker und Manager nicht mehr aus! In der Szene würden bereits Aktionen gegen „Handlanger und Profiteure des Systems“ diskutiert („Knieschüsse“, „Exekutionen“).

Doch entweder war der „Bild“-Chefkorrespondent vorab nicht sonderlich gut informiert, oder er kann nicht richtig lesen. Denn im nun veröffentlichten Verfassungsschutz-Bericht selbst [pdf], lesen sich die von „Bild“ zitierten (und zunächst von vielen Medien weiterverbreiteten) Passagen irgendwie anders.

Über die angeblich geplanten „über Sachbeschädigungen hinausreichenden Aktionsformen“ steht im Bericht nur, die „Militante Gruppe“ setzte „eine Diskussion über die Legitimität ‚weitergehender‘, über Sachbeschädigungen hinausreichender Aktionsformen — die so genannte Militanzdebatte — fort.“

Und zu den „terroristischen Ansätzen“ heißt es zwar:

Innerhalb der autonomen Szene haben sich einzelne Strukturen verfestigt, die bei ihren Anschlägen die Grenze zu terroristischem Gewalthandeln überschreiten.

Doch der Bericht resümiert:

Insgesamt war wiederum keine signifikante Entwicklung in der Militanzdebatte feststellbar. Nach wie vor überwiegen kritische Einschätzungen (…).

Insofern ist dann auch nicht verwunderlich, dass die Medien heute, nach der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes durch Heinz Fromm, etwas ganz anderes berichten, als „Bild“ vor zwei Tagen. Hier eine kleine Auswahl:

Schlechte Nachrichten für die Fans der Panikmache vor dem G-8-Gipfel: (…) Spekulationen über einen neuen RAF-Terrorismus seien „völlig gegenstandslos“, versicherte Fromm. Er habe vielmehr zuletzt „ein paar sehr zugespitzte Überschriften“ in der Presse gelesen. (…) Und was ist mit der Meldung der Bild-Zeitung, der Verfassungsschutz schließe von Linksextremen begangene „Anschläge auf Politiker und Manager nicht mehr aus“? In der Szene würden auch „Exekutionen“ diskutiert? Im Moment habe sein Amt keine Hinweise, dass militante G-8-Gegner Anschläge auf Menschen planten, sagte Fromm.
(„taz“)

Verfassungsschutz-Chef Heinz Fromm trat Befürchtungen entgegen, militante Globalisierungsgegner könnten im Zusammenhang mit dem Treffen Anschläge auf Menschen planen. „Im Moment können wir das nicht erkennen“, so Fromm. Spekulationen etwa über die Entwicklung einer neuen „Rote Armee Fraktion“ seien völlig gegenstandslos.
(tagesschau.de)

Drei Wochen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm ist der Verfassungsschutz Befürchtungen entgegengetreten, militante Globalisierungsgegner könnten im Zusammenhang mit dem Treffen Anschläge auf Menschen planen. „Im Moment können wir das nicht erkennen“, sagte Behörden-Chef Heinz Fromm bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2006 am Dienstag in Berlin. Diskussionen darüber, ob eine Rückkehr zu Anschlägen auf Menschen politisch zweckmäßig sei, gebe es in der linken Szene seit Jahren. Eine Veränderung der Lage sei aber nicht feststellbar und Spekulationen etwa über die Entwicklung einer neuen „Rote Armee Fraktion“ seien völlig gegenstandslos.
(Reuters)

Usw.

In der heutigen „Bild“ ist von all dem keine Rede — und schon gar nicht von den „zugespitzten Überschriften“.

Mit Dank an Astrid G. für den Hinweis.

Nachtrag, 21.30 Uhr: Würde sich Einar Koch mit Verfassungsschutz-Berichten auskennen, wüsste er bestimmt auch, dass die „terroristischen Ansätze“, die er zitiert, zunächst nichts weiter sind als eine Kapitelüberschrift (!), die wortgleich auch den Berichten vergangener Jahre auftaucht, und die „weitergehenden, über Sachbeschädigungen hinausreichenden Aktionsformen“, die er zitiert, nichts Neues, sondern eine Formulierung, die im Zusammenhang mit der „Militanzdebatte“ ebenfalls identisch in verschiedenen Vorjahresberichten steht, die übrigens unter verfassungsschutz.de jedermann rund um die Uhr zugänglich sind.

„Bild“ findet Halmichs „Playboy“-Fotos unsexy

„Wow! So sexy und weiblich haben wir sie noch nie gesehen…“, findet „Bild“ heute auf der Seite 1 angesichts "Regina Halmich haut uns um"der Fotos von Boxerin Regina Halmich, die in der neuen Ausgabe der Illustrierten „Max“ zu sehen sind. Ähm, und haben wir nicht kürzlich etwas Ähnliches über Giulia Siegel gelesen? Anlässlich der Tatsache, dass diese „unversiegelt“ in der Illustrierten „Maxim“ war?

Heute erfahren wir also, dass die „Bild“-Redaktion die Fotos, die jetzt in „Max“ sind, offenbar sexier und weiblicher findet, als die „erotischen Bilder“ von Halmich, die 2001 in „Maxim“ erschienen. („Bild“ damals auf der Titelseite: „Wow! Ein echtes Box(en)-Luder!“) Und offenbar findet die „Bild“-Redaktion die „Max“-Bilder auch sexier und weiblicher als die Nackt-Fotos von Halmich, die 2003 im „Playboy“ erschienen. („Bild“ damals auf der Titelseite: „Box-Weltmeisterin Regina Halmich (26) — hingegossen aufs Sofa, wunderschön, zart, Zigarre in der starken Linken.“) Naja, muss ja jeder selber wissen…

Mit Dank an Bernd O. und Andreas G. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 19.55 Uhr (mit Dank an Torsten D. für die Ergänzung): Als das deutsche „Penthouse“ 1998 „heiße Bilder“ von Halmich zeigte, urteilte „Bild“ mithin: „Im Penthouse-Magazin posierte sie sehr sexy.“

Drogen-Flashback in der „Bild“-Redaktion

"Die spinnen! jaSicher, die Geschichte darüber, wie Spinnen beim Netzbau von Drogen beeinflusst werden, die heute fast die komplette obere Hälfte der letzten „Bild“-Seite einnimmt, ist ganz drollig. Sie lässt sich auch nett bebildern (siehe Ausriss). Und immerhin schreibt „Bild“ bloß: „US-Forscher gaben Spinnen Drogen“ und nicht: „Jetzt gaben US-Forscher Spinnen Drogen“ oder „BILD enthüllt: Das Drogen-Netz der Kiffer-Spinnen!“. Und würde „Bild“ irgendwo im Text auch noch schreiben, dass sie da über ein NASA-Experiment berichtet, das über zwölf Jahre alt ist, hätten wir das womöglich gar nicht weiter erwähnenswert gefunden.

Obwohl: Es hätte schon etwas seltsam ausgesehen — insbesondere in einer Tageszeitung, die damit wirbt, so aktuell zu sein, dass ihre Nachrichten eigentlich „Vorrichten“ heißen müssten.

Mit Dank an Simon, Manuel D. und Jonas P. für den Hinweis.

Kai Diekmann verringert die „Distanz zur Politik“

„Wir wollen weiterhin die Themen setzen,
über die Deutschland spricht. Daher ist es wichtig,
dass wir dort sind, wo die Nachrichten entstehen.“
(„Bild“-Chef Kai Diekmann im Mai 2007 über den
„Wunsch der Redaktion“, nach Berlin umzuziehen)

Gestern abend hat der Vorstand der Axel Springer AG („gegen den Willen der Redaktionen“) den angekündigten Umzug der Redaktionen von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ nach Berlin beschlossen. Ein gute Gelegenheit also, mal kurz daran zu erinnern, was „Bild“-Chef Kai Diekmann noch im März 2005 in einem Interview über Berlin und Hamburg zu sagen hatte:

medienhandbuch.de: Sehr geehrter Herr Diekmann, der Axel-Springer-Verlag hat sich nach der Wiedervereinigung verstärkt auf den Standort Berlin konzentriert. Die „Welt“-Zentralredaktion ist an die Spree gezogen. Was hält die „Bild“-Bundesredaktion in Hamburg?

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann: Die Hamburger Ausgabe von „Bild“ ist immer noch die mit großem Abstand profitabelste und personell stärkste. Hiervon profitiert auch die Bundesredaktion. Bei aller Attraktivität von Berlin sollte man im übrigen nicht vergessen, dass Axel Springer seine Wurzeln in Hamburg hat und die großen Titel hier gegründet wurden.

(…)

medienhandbuch.de: Welche Vorzüge bietet Hamburg als Medienstandort, besonders für Verlage und Druckhäuser? Welche Nachteile?

Diekmann: Erstens: Die hohe Attraktivität der Stadt. Zweitens: Das schlechte Wetter. Sonnenschein lässt Menschen an alles denken, aber nicht an Arbeit. Drittens: Die Distanz zur Politik. Nachteile fallen mir keine ein.

Aber dass man nicht alles, was der „Bild“-Chef sagt, auch glauben sollte, ist ja bekannt.

Mit Dank an David N. für den Link.

6 vor 9

Reden statt Adden
(zuender.zeit.de, Simone Deckner)
Zum Bier treffen? Das war früher. Im Zeitalter von Web 2.0 gilt: Zeig mir deine MySpace-Seite und ich sage Dir, wie cool Du bist. Simone Deckner will nicht mehr mitspielen.

„Der Abgesang auf die Zeitung ist falsch“
(sueddeutsche.de, Caspar Busse, Christopher Keil)
Der Rundumblick auf die Zeitungslandschaft: Mathias Döpfner, Vorstandschef des „Bild“-Konzerns Springer, spricht über die hohe wirtschaftliche Attraktivität klassischer Zeitungen und über Springers „Elefantenfriedhof“ in Berlin.

?Dieses Jahr wird wegweisend für Blogs“
(politik-digital.de)
Am 15. Mai waren die Werbeblogger Patrick Breitenbach und Roland Kühl-v. Puttkamer zu Gast in der Blogsprechstunde in Kooperation mit den Blogpiloten. Sie gaben Tipps zur Vermarktung des eigenen Blog und verrieten, wie man mit Weblogs Geld verdient.

Medienmarkt: Gut, besser, Boulevard?
(mediendenk.com)
Siemens spendiert eine Saftbar mit einem singenden Barkeeper. Die Lautsprecherboxen sind gerade auf leise gedreht. Denn auf der Bühne um die Ecke spricht der rasende Ex-Reporter Udo Röbel (57) kritisch über seine Zeit beim Revolverblatt BILD.

Negativ
(vorwaerts.de, Werner Loewe)
Dem Axel-Springer-Verlag geht es blendend. Um das Ergebnis weiter zu verbessern, hat die Verlagsleitung zu Jahresbeginn eine weitere potentielle Einnahmequelle und zusätzliche Einsparmöglichkeiten ausgemacht: bei den freien Fotografen.

Die Wahrheit über den großen Selbstbetrug
(sevenload.com, Clap-Club, Video, 1:59 Minuten)

Allgemein  

Polizei deckt „BamS“-Ente auf

"Ich entkam Mirjams Killer"

Das stand vergangenen Sonntag in der „Bild am Sonntag“. Ein 25-jähriges Mädchen, die „BamS“ nennt es „Conny M.“, sei vor einiger Zeit beinahe von dem Mann vergewaltigt worden, der vor einer Woche wegen des Mordes an der 13-jährigen Mirjam aus dem südbadischen Ort Auggen verhaftet wurde. In der „BamS“ heißt es:

Die Junge Frau ist noch immer fassungslos. „Als ich die Zeitung aufschlug und sein Foto sah, habe ich ihn sofort wiedererkannt“, sagt Conny M.* (25). „Dieser Kerl hat versucht mich zu vergewaltigen.“ Der Kerl ist, da ist sich Conny M. sicher, Christian S. (31), der mutmaßliche Mörder von Mirjam († 13). (…) „Es war vor anderthalb Jahren“, erzählt die junge Verkäuferin.

Gestern gab die Polizei Freiburg, die „aufgrund des Artikels“ Kontakt zu Conny M. aufnahm, eine Pressemitteilung zu diesem „BamS“-Artikel heraus. Darin stellt sie nicht nur klar, dass sich das Ganze vor zweieinhalb Jahren zugetragen hatte. Die Überschrift lautet:

Opferaussagen nicht richtig wiedergegeben — Vermutlich kein Zusammenhang mit Kindermord Auggen

Inzwischen hat die Polizei sich ausführlicher mit Conny M. unterhalten, und das „vermutlich“ aus der Pressemitteilung kann man streichen. Ein Sprecher sagte uns:

Es gibt keinen Zusammenhang zum Kindermord in Auggen.

Außerdem erklärte uns die Polizei, was genau in der „BamS“ nicht richtig wiedergegeben worden sei: So habe das Mädchen zu Protokoll gegeben, dass sie gegenüber der „BamS“ nicht gesagt habe, sie sei Mirjams Killer entkommen. Auch habe sie nicht gesagt, dass „dieser Kerl“ versucht habe, sie zu vergewaltigen. Und „sofort wiedererkannt“ habe sie Christian S. auch nicht. Vielmehr sei ihr von einem „BamS“-Mitarbeiter ein Zeitungsfoto des Mannes vorgelegt worden*, und sie sei gefragt worden, ob er ihr bekannt vorkomme. Das habe sie bejaht.

Die Polizei findet die Aussage von Conny M. glaubwürdig.

Der Text in der „BamS“ stammt übrigens von Alexander Blum. Blum waren vor einem Jahr im Zusammenhang mit der „Bild“-Berichterstattung über den Bombenanschlag im ägyptischen Dahab unseriöse Recherchepraktiken vorgeworfen worden (wir berichteten).

*) Nach unseren Informationen war die „BamS“ offenbar auf Conny M. aufmerksam geworden, weil ein Reporter, der sich als „BamS“-Mitarbeiter ausgab, bei Nachbarn des mutmaßlichen Mörders von Mirjam nach einem Foto von ihm gefragt und sich nach ähnlich erscheinenden Fällen aus der Vergangenheit erkundigt hatte.

6 vor 9

„Es müssen nicht immer gleich Köpfe rollen“
(sueddeutsche.de, Christopher Keil)
„Bild“-Chef Diekmann wurde auf „Welt Online“ in einem Blog hämisch angegriffen. Christoph Keese, erster Journalist der „Welt“-Gruppe, über die Unterschiede zwischen Journalismus und Blogs.

Der Blogruf des Geldes
(spiegel.de, Christoph Seidler)
Online-Werbung boomt. Doch Blogger bekommen von den Werbemillionen bisher kaum etwas ab. Das soll sich jetzt ändern – verspricht die Firma „Adical“. Und bezieht dafür prompt Prügel von Bloggern.

Lesestunde mit Max Schradin
(stefan-niggemeier.de, Video, 6:03 Minuten)
Schradin las meine Kolumne, die ich über ihn geschrieben hatte, live auf 9Live vor.

Die größte Gefahr dieses Sommers
(taz.de, Arno Frank)
„Rettet Knut armes Krebs-Mädchen?“ – gesammelte Nachrichten aus der wunderbaren Welt der Tiere.

Wo ist der Zuschauer?
(debatte.welt.de, Don Dahlmann)
Als das Fernsehen erfunden wurde, war eines klar: Man musste sich keine Gedanken darüber machen, wo man den Zuschauer abholt, denn der Zuschauer ging dahin, wo das Fernsehen war. Bis heute hielt sich das Konzept ganz gut, auch wenn man mittlerweile oft schon sehr laut schreien musste, damit die Zuschauer auch den richtigen Sender einstellten. CBS, einer der Vorreiter in Sachen IPTV, stellt gerade fest, dass das Konzept im Netz nicht mehr funktioniert.

?My Generation?
(tagesspiegel.de, Sabine Pamperrien)
Der 79-jährige Peter Oakley ist der Grandpa des Internets. Jetzt covert der Brite den ?Who?-Klassiker.

6 vor 9

Der stumme Stuhlkreis
(sueddeutsche.de, Christian Kortmann)
In Gestengewittern: Am Ende der Amtszeit von Sabine Christiansen enthüllen wir das Geheimnis, wie man sich ihre Talkshow am besten anschaut: Man muss einfach den Ton ausschalten!

Blogger poppen mit
(netzeitung.de, Maik Söhler)
Die Anthologie «Pop seit 1964» versammelt Texte von Peter Handke bis Joachim Lottmann. Maik Söhler aber sagt: Blogger sind die Popliteraten von heute.

Die 200 mächtigsten Schweizer
(bilanz.ch, Stefan Barmettler, Jörg Becher, Dominik Flammer)
Meinungsmacher: Die Einflüsterer (pdf)
Medien: Die Lenker der vierten Kraft (pdf)

Murdoch und der Moschusduft der Macht
(spiegel.de, Marc Pitzke)
Er ist der mächtigste Medienbaron der Welt, aber er will immer noch mehr: Rupert Murdochs Angriff auf den „Wall Street Journal“-Konzern Dow Jones erschüttert Amerikas Pressewelt. Viele unterstellen dem 76-jährigen politische Motive. Ein Missverständnis.

Der Städtekampf
(taz.de, David Denk)
In einem offenen Brief protestiert der DJV Hamburg gegen die Verlagerung von „Bild“, „Bild am Sonntag“ und Bild-Online nach Berlin. Morgen entscheidet der Vorstand über die Umzugspläne.

Germano Mosconi: PORCO DIO!
(youtube.com, Video, 3:03 Minuten)

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