Sexuelle Belästigung? Nichts leichter als das!

„Bild“ berichtet heute ein wenig aus dem Arbeitsrecht. Einem Düsseldorfer Koch wurde beispielsweise gekündigt, weil er eine Kollegin anrief und ihr folgendes sagte:

„Du kleine süße Sau, jetzt nimm mal deine Hände von deinen Titten, fahre damit tiefer …“

Und ein Verkäufer aus Hamm wurde entlassen, weil er einer Kollegin einen Brief folgenden Inhalts schrieb:

„Bei Bedarf werd’ ich Dir Deine hübschen Pobacken versohlen, du Miststück!“

Und ein Hausmeister aus Halle an der Saale wurde gefeuert, weil er „eine Flasche Wasser seines Chefs trank.“

Wie? Sie finden, man kann sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nicht mit dem Diebstahl einer Flasche Wasser im Wert von 30 Cent vergleichen? „Bild“ findet, man kann. Ihr dient der Fall vom Hausmeister, über den sie bereits gestern berichtete („Irrer Fall vorm Arbeitsgericht – Gefeuert! Nur weil er aus der Wasser-Kiste vom Chef trank“), als Aufhänger für die heutige Arbeitsrechtsgeschichte. Die trägt folgende Überschrift:

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Anke S.

Nachtrag, 21:15 Uhr
Um noch deutlicher zu machen, wie „leicht“ es für den Verkäufer aus Hamm tatsächlich war, seinen Job zu verlieren, sei hier ein etwas längerer Auszug aus dem letzten seiner Briefe an die Kollegin zitiert:

„Bei Bedarf werde ich Dir Deine hübschen Pobacken versohlen; wenn mir danach ist, nehm ich dazu einen Rohrstock (Miststück)! Wenn Du Sonntag nicht um 16.00 Uhr bei … (für uns unleserlich) am S………………… steht, garantiere ich Dir, daß ich Dich verdammtes süßes Miststück irgendwo erwische und dann nagele ich Dir einen Fuß fest und Du läufst nur noch im Kreis. Tschüß“

Der ganze Sachverhalt lässt sich übrigens hier nachlesen. Und das hat schon eine etwas andere Qualität, als Wasser vom Chef zu trinken.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Johannes B.

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Parasiten

Dirk Hoeren ist ein Mann, der sich auch schon mal eines beunruhigenden Demokratieverständnisses verdächtig macht, populistische Kommentare schreibt, sich bestens mit „Intim-Verhören“ auskennt und sich in der Vergangenheit schon mal als „Hartz IV-Inspektor“ verdingte.

Kurzum: Dirk Hoeren arbeitet für „Bild“.

Und was muss das für ein Tag gewesen sein für die „Bild“-Zeitung und ihren Dirk Hoeren, als ihnen ein „Report vom Arbeitsmarkt im Sommer 2005″ unterkam, der (herausgegeben von Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit mit einem Vorwort von Wolfgang Clement) gleich mit einem „Thekenwitz“ beginnt, in dem von Männerunterhosen, Kühlschrankinhalten, nackten Oberkörpern in Ehebetten, jammernden Libanesen und wiederholt von „Abzocke“ die Rede ist und in dem Sätze stehen wie:

„Dieter Schuster aus Mannheim wusste jedenfalls sofort, welche Richtung er einzuschlagen hatte, als er frühmorgens im Flur leise Stimmen und den Begriff ‘Prüfdienst’ hörte. Fluchtartig flitzte Schuster in Unterhose aus dem Schlafzimmer Richtung Terrassentür. Draußen empfingen ihn feiner Nieselregen und bibbernde Kälte – leider kam der Prüfdienst Anfang März.“

Oder dies:

„Biologen verwenden für ‘Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben’, übereinstimmend die Bezeichnung ‘Parasiten’. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen. Schließlich ist Sozialbetrug nicht durch die Natur bestimmt, sondern vom Willen des Einzelnen gesteuert. Wer den Grundstock seines Haushaltseinkommens bei der Arbeitsagentur oder der für das Arbeitslosengeld II zuständigen Behörde kassiert und im Hauptberuf oder nebenher schwarzarbeitet, handelt deshalb besonders verwerflich.“

Kurzum: Laut Netzeitung.de wurde aufgrund der 33-seitigen Broschüre gegen Wolfgang Clement bei der Staatsanwaltschaft Ellwangen Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Der paritätische Wohlfahrtsverband nannte die Wortwahl „menschenverachtend“.

Und Dirk Hoeren? Als ihm das obige Papier unterkam, machte er sich an die Arbeit, nannte den Report „Clement-Papier“ und das Papier distanzlos einen „aufrüttelnden Report“. Und dann suchte Hoeren darin kurzerhand „die schlimmsten Fälle“ und musste, um sie „Bild“-gerecht aufzuschreiben, im Grunde nur hie und da ein wenig kürzen, woraufhin es am vergangenen Montag auf Seite 1 der „Bild“-Zeitung hieß:

Die üblen Tricks der Hartz IV-Scharotzer!

Thea Dückert, Arbeitsmarktexpertin der Grünen, nannte den Report laut FTD anschließend „eine Steilvorlage für eine billige Hetze gegen Leistungsbeziehende in der Boulevardpresse“.

Allgemein  

Trau Stau wem

Heute üben wir einmal, wie man aus einer Pressemeldung einen „Bild“-Artikel macht. Keine Angst, das ist gar nicht so schwer. Die Pressemeldung ist nur drei Sätze lang. Sie stammt von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt und geht so:

Vollsperrung Anschlussstelle Hamburg-Billstedt

Der 6-streifige Ausbau der Autobahn A1 zwischen den Anschlussstellen Hamburg-Moorfleet und Hamburg-Billstedt erfordert eine Vollsperrung der Auf- und Abfahrt Hamburg-Billstedt Richtung Lübeck ab Dienstag, den 18. Oktober 2005 um 6 Uhr für voraussichtlich drei Wochen. Die Auf- und Abfahrtsrampe wird verbreitert und saniert.

Die Umleitung ist ausgeschildert als U 89 und führt über die B 5 bis zur Anschlussstelle Billstedt-Mitte, weiter über Moorfleeter Straße, Schiffbeker Weg, Schiffbeker Höhe, Glinder Straße zur Anschlussstelle Hamburg-Öjendorf.

Das könnten wir jetzt natürlich einfach leicht und sinngemäß kürzen, wie es das Hamburger Abendblatt gemacht hat. Aber das kann ja jeder. Für einen „Bild“-Artikel müssen wir uns etwas mehr Mühe geben. Mal sehen, wieviel Unruhe wir stiften können, wenn wir statt einer einzigen Auf- und Abfahrt gleich die ganze Autobahn sperren. Und bei der Gelegenheit ersetzen wir den richtigen Namen der Behörde durch einen seit 2001 nicht mehr geltenden und ignorieren, dass die B 5 Teil der U 89 ist.

Baubehörde sperrt die A1 für drei Wochen

Autofahrer in Richtung Lübeck aufgepasst! Ab Dienstag, 18. Oktober, ist laut Baubehörde die A1 zwischen Hamburg-Moorfleet und Hamburg-Billstedt aufgrund von Bauarbeiten voll gesperrt. Drei Wochen dauern die Arbeiten. Solange können Autofahrer über die U 89 und die B 5 bis zur Anschlußstelle Öjendorf ausweichen.

Na, wie haben wir das gemacht? Genau wie am Montag „Bild“.

Seitdem klagen die Mitarbeiter der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt darüber, dass sie nun damit beschäftigt sind, anrufende Autofahrer zu beruhigen und den Fehler aufzuklären. Und wir ahnen plötzlich, wie es zu den Millionen „Verwaltungskosten“ pro Kilometer Autobahn kommt, die „Bild“ noch am 23. September angeprangert hat.

Danke an Rina G.!

„Bild“ entdeckt den Treibhauseffekt

Gestern war es wieder so weit. Auf der Titelseite von „Bild“ ging turnusmäßig die Welt unter:

Klügster Mensch der Welt prophezeit: So geht unsere Erde unter

Der Artikel beginnt mit den Worten:

Die Erde wird so glutheiß enden wie unser Nachbarplanet Venus — die furchtbare Vorhersage des klügsten Physikers der Welt.

Man hätte auch schreiben können: die bekannte Vorhersage. Denn schon vor fünf Jahren machte Stephen Hawking sie publik. Ein Artikel aus der „Welt“ vom 4. Oktober 2000 zitiert ihn mit der Prognose, „dass sich die Erdatmosphäre immer mehr aufheizt, bis sie wie die Venus zu brodelnder Schwefelsäure wird.“

Weiter tut „Bild“ so, als habe Hawking mit seinem Untergangsszenario in der ARD-Talkshow „Beckmann“ am Montag „ein Millionenpublikum erschüttert“ und dann „bei einem Vortrag an der Berliner FU (…) noch einmal nachgelegt“. Das passt schon zeitlich nicht, da der Vortrag vor der Ausstrahlung der Sendung stattfand. Und in Wahrheit hatte die „Einstein Lecture Dahlem“ von Hawking nicht die Erderwärmung zum Thema, sondern den Ursprung des Weltalls. Aber so genau nimmt es „Bild“ eh nicht mit den Zitaten. Den Satz „Es drohen viele Gefahren. Aber die größte, die mich besorgt macht, ist die weltweite Erwärmung“ schreibt die gedruckte „Bild“ dem Vortrag in Berlin zu, Bild.de der „Beckmann“-Sendung.

Neben vielen anderen Ungenauigkeiten verblüfft auch, dass Hawking gesagt haben soll, die Erde werde am Ende „so aussehen wie die Venus: 250 Grad heiß und saurer Regen“. Die Oberfläche der Venus ist im Durchschnitt rund 470 Grad heiß.

Ach, und dann ist da noch das „Foto“, mit dem die „Bild“-Zeitung ihren Aufmacher illustriert und das sie treuherzig mit den Worten betextet: „Planet Erde, gehüllt in einen alles Leben abtötenden Hitzemantel — Hawkings Vision von unserer Zukunft“. Es handelt sich dabei um diese Illustration der Agentur „Science Photo Library“ und ist nicht mehr und nicht weniger als eine künstlerische Darstellung einer brennenden Erde, um den durchaus schon vor Hawkings Auftritten einer breiteren Öffentlichkeit bekannten Treibhauseffekt zu symbolisieren.

Danke an Takuro K. und Filippo R.!

Möchten Sie den Artikel wirklich publizieren?

Die 15 „größten Computer-Lügen made in Hollywood“ enthüllt Bild.de aktuell — gemeint sind Filmszenen, in denen Computertechnik eine Rolle spielt, die es in dieser Form aber gar nicht gibt. Die erste „Lüge“ lautet so:

Wird eine Datei von der Festplatte gelöscht, verschwindet sie auch vom Monitor. Zumindest bei Jack Ryan (Harrison Ford) im Thriller „Das Kartell“. Doch wo bleibt da die Nachfrage des Computers „Möchten Sie das Dokument wirklich in den Papierkorb verschieben?“

Nun ja: Diese Nachfrage kann man nicht nur in Hollywood, sondern auch in Bottrop, Unterföhring und Babelsberg ganz leicht abschalten.

Das ist aber auch gar nicht die Computer-„Lüge“, die sich in „Das Kartell“ (Originaltitel: „Clear and Present Danger“) findet: Dort verschwindet die Anzeige des Inhalts einer Datei, weil jemand die Datei löscht. Das geschieht beim Durchschnittscomputer im wahren Leben nicht (und hat nichts mit dem Papierkorb zu tun). Und wie kommt Bild.de auf den Unsinn? Durch falsches Übersetzen. Offenbar stammt die „Lüge“ von dieser Liste, in der es heißt:

If you display a file on the screen and someone deletes the file, it also disappears from the screen (e.g. Clear and Present Danger).

Danke an Johannes B. für den Hinweis!

Entzaubert

So steht es heute über Christiane Hoffmanns „Ich weiß es!“-Kolumne in „Bild“. Denn Christiane Hoffmann weiß schließlich Bescheid und schreibt:

„Der Magier David Copperfield (…) gibt jetzt Erstaunliches in einem Interview mit dem Magazin ‘Galore’ von sich: (…) ‘Im Rahmen meiner kommenden Shows werde ich live auf der Bühne ein Mädchen schwängern.'“

Und Hoffmann ist das ungläubige Staunen über Copperfields Ankündigung förmlich anzumerken: „Uff! Bitte?“ schreibt sie – und auch wir sind sprachlos: nicht nur, weil das zitierte Magazin nicht „jetzt“, sondern bereits vor zweieinhalb Wochen erschien, und nicht nur, weil von „kommenden Shows“ inzwischen keine Rede mehr sein kann, nachdem die Show bereits am 10. Oktober in Mannheim und am 12. Oktober in Erfurt stattfand, sondern auch, weil zwischen den 8500 Zuschauern bei Copperfields Tourneeauftakt ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa herumstand, der anschließend ausführlich ausplauderte, wie Copperfields neue Show so war. Da hieß es nämlich unter anderem:

„Etwas befremdend mutet die Show an, als Copperfield eine Seniorin auf die Bühne bittet, damit sie ‘sein Baby’ bekommt. Nach einer platonischen Befruchtungsprozedur wird der ‘per Ultraschall’ gewonnene Film eines Babys im Mutterleib gezeigt. Es hält genau jene Spielkarte in der Hand, die eine Zuschauerin zuvor verdeckt auf ein Papier gemalt hat.“

Mehr noch als Hoffmanns Unwissenheit aber wundert uns, dass ihre „Ich weiß es!“-Abschrift aus dem (am 5. Juni im Berliner Hilton-Hotel geführten) „Galore“-Interview obendrein mit der Ortsangabe „Las Vegas“ versehen ist. Aber bestimmt hat der Postbote einfach nur anderthalb Wochen gebraucht, um Hoffmann die in Dortmund gemachte Zeitschrift in der rund 8792 Kilometer entfernten amerikanischen Wüstenstadt vorbeibringen…

Mit Dank an Annette B. und Joachim W. für die Hinweise.

Nachtrag, 19.10.2005:
Spiegel Online hatte am 17. Oktober Auszüge aus dem „Galore“-Interview veröffentlicht. Hoffmanns Postboten trifft also keine Schuld.

„Bild“s Tierleben

Diesmal reden wir über den Pfeifhasen. Oder, wie „Bild“ ihn nennt: „Pfeilhasen“.

„Bild“ hat ihn in einem gerade erschienenen Buch über Tiere entdeckt, die sich besonders gut tarnen können. In einer Fotogalerie kann man sich durch die „acht verblüffendsten Beispiele“ klicken, und findet dann dies:

Perfekt getarnt läßt der Hase sich die Sonne auf den Pelz brennen und wartet entspannt auf Beute.

Jaha, bei dieser Tarnung wird die Beute des Pfeifhasen keine Chance haben. Nicht die Herde Gras, die ahnungslos vorbeitrabt, nicht das Rudel Kräuter und schon gar nicht der einzelne Wanderpflanzenstängel, den er später reißen wird.

Danke an Tobias P., Boris T., David L., Thomas K. und Michael B.

So einfach wird man Erster

Auch im Kölner „Express“ vom Sonntag hätten sie schon stehen können: die Gewinner des Deutschen Fernsehpreises 2005. Ebenso in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, vermutlich in der „Welt am Sonntag“ und natürlich seit vielen, vielen Stunden bei „Spiegel Online“ oder irgendwelchen Internet-Fachdiensten. Tun sie aber nicht. Sie stehen — soweit wir gesehen haben — nur (und teils falsch geschrieben) in der „Bild am Sonntag“.

Das ist nicht so, weil die andereren zu blöd sind oder die „Bild am Sonntag“ bessere Quellen hat oder einfach schneller ist. Das ist so, weil „Bild“ sich erneut nicht an Regeln hält. Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises fand nämlich schon am Samstagabend statt, es galt für Journalisten aber eine Sperrfrist bis heute abend. Vorher sollte niemand die Ergebnisse melden, um den Zuschauern der Show am Sonntagabend in Sat.1 nicht die Spannung zu nehmen.

Natürlich muss sich niemand an solche Vereinbarungen und Regeln halten. Es ist nur guter Stil.

Allgemein  

Sonderangebot: Sportschuhe bei „Bild“ nur 51,61 €

Die schlechte Nachricht zuerst: „Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist der Verbraucherpreisindex für Deutschland im September 2005 gegenüber September 2004 um 2,5% und gegenüber August 2005 um 0,4% gestiegen. Dies ist die höchste Jahressteigerungsrate seit über vier Jahren (Mai 2001: + 2,7%).“ Oder, um es mit Bild.de zu sagen:

Weiter heißt es bei Bild.de:

„Bild.T-Online zeigt, wie sich Löhne, Steuern und Energiekosten auf die Preise für Getränke, Zigaretten, Computer und Lebensmittel auswirken. Klicken Sie hier!

Wir empfehlen allerdings: Klicken Sie lieber nicht!

Denn falls doch, stößt man schon bald auf folgende Rechnung:

Und rechnet man die aufgeführten Posten zusammen, ergibt sich merkwürdigerweise nur ein Gesamtbetrag von 49,89 Euro. Und 13,79 Euro Mehrwertsteuer entsprächen einem Mehrwertsteuersatz bei Sportschuhen von über 38 Prozent. Dabei liegt er doch nur bei derzeit 16 Prozent, weshalb also das Paar Bild.de-Sportschuhe höchstens 41,88 Euro kosten dürfte.

Dass Bild.de überhaupt auf einen „Gesamtwert“ von 51,61 Euro kommt, liegt übrigens daran, dass die Zahl „51,61“ auch im Geschäftsbericht des Sportfachhandelverbandes VDS vorkommt, den auch Bild.de als „Quelle“ nennt — auf Seite 13 nämlich, die nach Angaben das VDS auch Bild.de vorliegt und wie folgt aussieht:


(Für die komplette Liste klicken Sie hier!)

So. Und, ehrlich gesagt, haben wir von Mehrwertsteuerinkasso, betriebswirtschaftlichen Betriebsergebnissen und Betriebshandelsspannen wenig Ahnung. Wir wissen auch nicht, wie aus den 51,61 Prozent „Gesamtspanne“ des VDS bei Bild.de plötzlich „51,61 Euro“ werden oder was die Zahlen aus einem Geschäftsbericht des Jahres 2004 jetzt in einer „Warum wird alles immer teuer“-Story eigentlich belegen sollen. Wir wissen nicht, warum bei Bild.de von „Sportschuhen“ die Rede ist, obwohl die VDS-Kalkulation über Sportschuhe überhaupt nichts aussagt, sondern für alle Sportartikel gilt. Im Gegensatz zu Bild.de aber (wo man nicht einmal richtig abschreiben kann und aus „Miet und Mietwert“ einfach „Miet oder Mehrwert“ macht), machen wir aus unserer Unkenntnis aber auch keine komplett blödsinnigen Tabellen.

Und jetzt die gute Nachricht: Anders als Bild.de behauptet, werden Schuhe gar nicht teurer. Im Gegenteil! Fragt man beim Statistischen Bundesamt nach, kosteten sie im August sogar zwei Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Mit Dank an Winfried V., Dirk N., Benjamin W. und insbesondere an den VDS-Sprecher Peter F. Thürl, der uns die ganze Angelegenheit dahingehend zusammenfasst, dass Bild.de „wahrscheinlich auf nicht vollständigen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen basierend ein entscheidender Fehler unterlaufen“ sei.

Nachtrag, 17. Oktober. Bild.de hat heute endlich einen Mitarbeiter mit vollständigeren betriebswirtschaftlichen Kenntnissen aufgetrieben, der offenbar den gesamten Artikel ersatzlos gestrichen hat.

Neues vom Rotkäppchen

Heute reden wir über Wölfe. Oder, wie „Bild“ sie nennt: WÖLFE.

In der Lausitz gibt es seit kurzem wieder ein paar. In der Lausitz liegt auch Löbau, und irgendwo bei Löbau lebt eine kleine Familie mit ihrer fünf Monate alte Tochter sehr, sehr naturnah in einer kleinen Hütte im Wald. Zwei Tage in Folge hatte „Bild“ relativ friedlich über den „Waldkauz“ und sein Kind geschrieben, aber dann musste wohl ein bisschen Action her. Die Wendung deutete sich schon am Ende des zweiten Artikels an:

Ist ein Leben im Wald gefährlich für Kinder?

„Im Lausitz-Wald gibt es Wölfe“, sagt Jäger Rudolf Schellbach (76). „Zwar meiden sie Menschen. Doch ein Restrisiko bleibt.“

Ein Restrisiko, hoho. Nun könnte man argumentieren, dass für Kinder außerhalb des Waldes das Risiko, vom Auto überfahren zu werden, deutlich mehr ist als ein Restrisiko, aber lassen wir das.

Jedenfalls erschien am dritten Tag der kleinen Waldkauz-Reihe, für die übrigens „Bild“-Redakteur Jürgen Helfricht verantwortlich zeichnet, der schon die Katzen-zu-Benzin-Geschichte erfand, ein Artikel mit der Überschrift:

Jäger in großer Sorge!
Holen sich Wölfe das Wald-Baby?

Der Artikel beginnt im Rotkäppchen-Stil:

Der Waldmensch läuft mit seinem süßen Töchterchen durchs Dickicht. Neugierig schaut sich Johanna (5 Monate) in der wilden Natur um. Alles sieht so friedlich aus. Doch im Unterholz lauert Gefahr. DIE LAUSITZ-WÖLFE!

Als Beleg für die „Gefahr“ kommt erneut Rudolf Schellbach (76) zu Wort. Diesmal hat sich sein Zitat leicht verändert, aber nach der behaupteten „großen Sorge“ klingt es immer noch nicht:

„Zwar meiden Wölfe die Menschen. Aber ein Restrisiko gerade für ein in Schafspelz eingewickeltes Baby bleibt.“

Aber „Bild“ hat noch einen Kronzeugen: Den Jäger Joachim Bachmann. Ihm glaubt „Bild“, dass die zwei Wolfsrudel in der Lausitz „ein Risiko für Menschen“ und „die heimischen Wildbestände“ darstellten. Bachmanns „große Sorge“ laut „Bild“:

Gefährlich wird es, wenn sich diese unberechenbaren Tiere an den Menschen gewöhnen, ihre Scheu verlieren. Wir haben schon Wolfsspuren in Dörfern gefunden.

Bachmann ist, vorsichtig gesagt, kein richtig guter Kronzeuge. Denn Bachmann hat gerade vor dem Verwaltungsgericht Dresden einen Prozess verloren, mit dem er sich das Recht erstreiten wollte, einen freilebenden Wolf in seinem Revier abzuschießen.

Was seine Kompetenz angeht, ist ein Artikel aus der heutigen „Sächsischen Zeitung“ zum Thema interessant:

Gleich 27 Wölfe vermutete der Kläger in der Lausitz, erst Anfang September hätten Jagdfreunde die riesigen Fußspuren von fünf ausgewachsenen Wölfen bei Boxberg gesehen, zehn bis zwölf Zentimeter im Durchmesser. Gesa Kluth, die Wolfsbeauftragte des Freistaates, erklärte daraufhin dem Jäger und Träger der Verdienstmedaille des Deutschen Jagdverbandes die Biologie dieser Tiere. Schon die Welpen haben so große Füße wie die Alttiere, allerdings acht bis neun Zentimeter groß (…).

Das Verwaltungsgericht kam außerdem zu dem Ergebnis, ein Angriff auf Menschen sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen“.

Bei den „Jägern“, die laut „Bild“ in „großer Sorge“ um das Mädchen im Wald sind, handelt es sich also um einen Jäger, der nicht in großer Sorge ist, und einen weiteren Jäger, der nicht sehr viel von Wölfen zu verstehen scheint. Das hat er mit der „Bild“-Redaktion gemein, die tatsächlich dieses Foto rechts mit dem Text versah: „Ein Wolf fletscht die Zähne. Er ist auf der Suche nach Beute.“ Wenn uns nicht alles täuscht, muss er, um seine Beute wiederzufinden, nur kurz den Kopf senken und zwischen seine acht bis neun Zentimeter großen Pfoten schauen.

Danke an Balu!

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