Faktenfinder, Schweigegeld, Verpartnerung

1. Wie umgehen mit Fake News?
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Die ARD startet den „Faktenfinder“, ein Projekt, das sich der Aufklärung über Fake News verschrieben hat. Projektleiter Patrick Gensing: „Der Kampf gegen gezielte Falschmeldungen und Desinformation lässt sich nicht durch Gesetze gewinnen. Es ist vielmehr Aufgabe von Journalisten und Medien, über dieses Problem aufzuklären“ Weitere Informationen bei „Deutschlandradio Kultur“: Mit journalistischem Handwerk gegen Fake News

2. Schadenersatz wegen Fake News zu „Amoklauf“
(kn-online.de, Gerrit Sponholz)
Laut „Kieler Nachrichten“ geht in Schleswig-Holstein eine Behörde erstmals gegen den Urheber von Falschmeldungen vor, die über Twitter und Facebook verbreitet wurden. Ein Mann soll mit seinen Fake News einen Großeinsatz im Kreis Segeberg behindert und Panik geschürt haben. Für den zusätzlichen Personaleinsatz wird der Mann nun zur Kasse gebeten.

3. Fox-News-Moderator soll Mitarbeiterinnen Schweigegeld gezahlt haben
(sueddeutsche.de, Sacha Batthyany)
Der prominente Nachrichtenmoderator des konservativen US-Fernsehsenders „Fox News“ Bill O’Reilly soll Mitarbeiterinnen Schweigegeld gezahlt haben, die ihm zuvor sexuelle Belästigung vorgeworfen hätten. Der 67-jährige O’Reilly und sein Sender sollen rund 13 Millionen Dollar Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt, die dem Starmoderator sexuelle Belästigung vorgeworfen hätten. Bill O’Reilly wies sämtliche Anschuldigungen zurück. Er ziehe wegen seiner Prominenz „Klagen von Personen an, die von mir Geld wollen, um negative Berichterstattung zu vermeiden“.

4. Zeitschriftenverleger kritisieren Gesetz gegen Hasskommentare im Netz
(heise.de)
Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisiert das geplante Gesetz gegen Hasskommentare im Internet. Zukünftig sollen Internetplattformen unter Androhung einer Geldbuße von bis zu 50 Millionen Euro alle strafrechtswidrigen Äußerungen entfernen.
„Ein privates Unternehmen ist aber nicht in der Lage, die Wahrheit oder Unwahrheit kritischer Behauptungen über Politiker, Sportler, Unternehmer oder wen auch immer zu überprüfen. Es hat dafür weder die Ressourcen noch die nötigen Ermittlungsrechte“, so der Verbandspräsident. „Plattformen bleibt angesichts solcher Bußgelddrohungen keine andere Wahl als im Zweifel zu löschen. Das halte ich für eine große Gefahr.“

5. 14 Millionen Dollar für Studien zu Fake-News
(zeit.de, Götz Hamann)
Facebook und weitere Unternehmen finanzieren mit 14 Millionen Dollar eine neu gegründete Organisation zur Erforschung des digitalen Journalismus, die News Integrity Initiative (NII). Zu dem internationalen Konsortium gehören in Deutschland das Hans-Bredow-Institut in Hamburg und die Hamburg Media School. Die Facebook-Managerin Campbell Brown erhofft sich neue Erkenntnisse und eine Unterstützung bei der Zurückdrängung von Fake-News. Man möchte der Managerin zurufen, dass sie sich ihre Millionen sparen kann, wenn sie sich zunächst den offensichtlichsten Missständen auf ihrer Plattform zuwenden würde.

6. Hape Kerkeling hat nicht geheiratet
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Hape Kerkeling ist mit seinem Freund eine Lebenspartnerschaft eingegangen und viele Medien verkündeten diese Verpartnerung als „Hochzeit“. Stefan Niggemeier sieht diese Bezeichnung mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es positiv, wenn Boulevardmedien wie „Bild“ und „Bunte“ homosexuelle Partnerschaften als relativ selbstverständlich darstellen würden. Andererseits handele es sich bei dem Begriff um eine trügerische Gleichsetzung, die in der Realität nicht bestehe. „Es ist eine furchtbar bequeme Illusion: Man tut so, als sei die Gleichstellung ja im Grund schon erreicht, und kann sie so verhindern. Wenn Journalisten eingetragene Partnerschaften ohne größere Umstände als „Ehen“ bezeichnen, machen sie eine Diskussion darüber fast unmöglich, warum eingetragene Partnerschaften in Deutschland (im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern Westeuropas) keine Ehen sind.“

BILDblog dankt

Wir wollen uns mal wieder bedanken — bei all denen, die mit ihrer finanziellen Unterstützung dazu beitragen, dass es das BILDblog überhaupt geben kann. Nun kennen wir nicht jeden persönlich. Deswegen gibt es hier einmal im Monat einen großen Sammel-Dank.

Sollte Ihr Name noch nicht in der Liste unten auftauchen, obwohl Sie große Lust hätten, mal einen Dank vom BILDblog zu bekommen — kleiner Tipp: Es ist ganz einfach, uns zu unterstützen. Und Leuten, die einen Dauerauftrag einrichten, danken wir auch jeden Monat aufs Neue.

Für die tolle Unterstützung im März möchten wir uns bedanken bei:

Achim K., Adrian S., Alexander H., Andrea S., Andreas F., Andreas K., Andreas N., Andreas P., Andreas W., Angela Z., Anja C., Anna S., Annika C. H., Arne L., Axel V., Benedikt S., Benjamin M., Berenike L., Björn T., Bo G., Bodo S., Carsten S., Christian B., Christian L., Christian R., Christoph M., Daniel H., Dario S., David R., Dennis B. H., Dennis R., Dietmar N., Dirk A., Dominique T., Dora E., Dorothea A., Ekkart K., Fabian J. W., Fabian R., Fabian Ü., Florian J., Frank W. B., Frank W., Gregor A. K., Guido R. S., Hannes B., Hannes R. S., Hans-Christian O., Heiko H., Heiko K., Henning R., Holger B., Ingo v. L., Iris M., Jacob D., Jakob H., Jakob O., Jan N. K., Jan O. W., Jan P. S., Jan P., Jens B., Jens D., Johanna P., Johannes L., Johannes P., Johannes S., Jonas S., Jörn L., Julia T., Kai R., Katrin U., Kevin S., Klaus W., Konstantin B., Leonard B., Lutz E., Manuel O., Marc I., Marc K., Marc S., Marcel B., Marco S., Marco W., Marcus H., Marcus K., Marcus S., Margit G., Mario U., Markus K., Markus W., Martin H.-S., Martin M., Martin R., Martin S., Matthias M., Matthias R., Matthias S. S., Maximilian W., Melanie R., Menke P., Michael K., Michael R., Michael S., Michael W., Michaela G., Moritz D. B., Moritz D., Moritz K., Moritz V., Nicole P., Nils P., Oliver M., Oliver O., Peter J., Peter S., Philipp G., Philipp H., Philipp S., Philipp W., Pia K., Robert K., Sandra C. K.-W., Sascha S., Sebastian F., Sebastian J., Sebastian L., Sebastian P., Stefan R., Steve H., Sven F., Thekla I. H., Thomas A., Thomas E., Thomas H., Thomas M., Thomas S., Tilman H., Tim Ö., Tommy W., Toralf B., Torsten P., Ute S., Uwe K., Volkmar D., Wiebke S., Wolfgang B., Yannick B., Yvonne T.!

Entscheide ich mich für ja, nein, ich mein‘ jein!

Die Frage, ob man beim aktuellen Referendum in der Türkei mit „ja“ oder „nein“ stimmt, mit „evet“ oder „hayir“, kann mitunter Familien spalten und alte Freundschaften aus­ei­n­an­der­bre­chen lassen. Durchaus mutig also, dass einige (Deutsch-)Türken ganz offen von ihrer Entscheidung erzählen und diese dann auch einer Zeitung verraten. Blöd nur, wenn diese Zeitung die „Bild“-Zeitung ist, und deren Redaktion es nicht hinbekommt, die Aussage unfallfrei wiederzugeben.

Am vergangenen Dienstag druckte „Bild“ einen Artikel, in dem fünf „Türken in Deutschland“ sagen: „So haben wir gewählt“. Darunter auch Selahattin aus dem baden-württembergischen Calw:

Selahattin (57, aus Calw): „Die Türkei braucht einen starken Mann. Deshalb habe ich mit Ja gestimmt. Erdogan wir uns eine echte Demokratie bringen, auch wenn das eventuell einige Jahre dauern wird“

Das Problem dabei: Das ist gar nicht Selahattins Aussage. Er hat nicht mit „ja“ gestimmt, sondern mit „nein“. Und er hält den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auch überhaupt nicht für denjenigen, der den Türken „eine echte Demokratie bringen“ wird. Stattdessen sieht er bei dem Referendum die Gefahr, dass ein „Ja“ „die Türen für ein offizielles Ein-Mann-Regime öffnen“ könnte.

Am vergangenen Freitag veröffentlichte „Bild“ eine Richtigstellung:

Richtigstellung - In unserer Ausgabe vom 28. März haben wir im Artikel „Türken in Deutschland - so haben wir gewählt“ Selahattin (57, Foto) irrtümlich ein falsches Zitat zugeordnet. Tatsächlich sagte er: „Ich bin für ein Nein und haben natürlich auch mit einem Nein abgestimmt, da ich für eine parlamentarische Demokratie mit einer gesunden Gewaltenteilung bin. Ein Ja wird meiner Meinung nach die Türen für ein offizielles Ein-Mann-Regime öffnen und zu noch mehr wirtschaftlicher Instabilität führen.“ Wir bedauern die Verwechslung.

Und auch Bild.de hat den Artikel korrigiert.

Eine Frage bleibt bei Korrekturen und Richtigstellungen aber immer: Wie viele Leute, die die Ursprungsnachricht gelesen und sich womöglich darüber geärgert oder gefreut haben, bekommen ein paar Tage später mit, dass damit etwas nicht gestimmt hat?

Moscheereport, Mafiamethoden, FBI-Chef-Enttarnung

1. Gesicht der Misstrauenskultur
(taz.de, Daniel Bax)
Der Grimme-Preis-ausgezeichnete Journalist Constantin Schreiber hat Moscheen besucht und über seine Beobachtungen ein Buch verfasst („Inside Islam“) und für die „ARD“ den Mehrteiler „Moscheereport“ produziert. „taz“-Redakteur Daniel Bax wirft Schreiber fehlende Sorgfalt und fehlende Sachkenntnis vor: „Leider nähert sich Schreiber dem Thema aber wie ein Ethnologe aus der Kolonialzeit, der einem vermeintlich wilden und gefährlichen Indianerstamm nachspürt, was sich schon am Buchcover im Lawrence-von-Arabien-Stil zeigt. Und leider unterlaufen ihm ein paar peinliche Schnitzer.“
Schreibers Moscheereport wurde auch von anderer Seite kritisiert. Der „Tagesspiegel“ veröffentlich einen offenen Brief der Freiburger Islamwissenschaftlerin Johanna Pink an die zuständigen ARD-Chefredakteure.
Nachtrag: Daniel Bax ist Verfasser des Buchs „Angst ums Abendland“ und hat insofern zur ähnlichen Thematik publiziert.

2. Die 10 BESTEN Grafiken über Donald Trump aller Zeiten
(medium.com, Frederic Huwendiek)
„Der US-Präsident macht Datenvisualisierung great again“, findet Frederic Huwendiek und zeigt, was sich „New York Times“, „Washington Post“, „Quartz“, „Politico“, „BuzzFeed“ und Co. haben Kreatives einfallen lassen in Sachen Trump-Regentschaft.

3. Wie der FBI-Direktor auf Twitter enttarnt wurde
(zeit.de, Patrick Beuth)
FBI-Direktor James Comey sprach auf einer Veranstaltung von seinem persönlichen Umgang mit Social-Media. Da er „großen Wert“ auf seine „Privatsphäre und Sicherheit im Internet“ lege, hätte er auf Twitter und Instagram „geheime“ Pseudonym-Accounts. Patrick Beuth erzählt, wie die Geheimkonten des FBI-Direktors von einer Journalistin enttarnt wurden und wie lange das Ganze gedauert hat: Etwa vier Stunden.

4. Von der Mafia lernen heißt schweigen lernen
(faz.net, Andreas Rossmann)
„Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr.“ So steht es in einem Beitrag von Petra Reski in der Wochenzeitung „Freitag“. Nun scheint eben dieser Satz die Autorin in mehrfacher Hinsicht einzuholen. Sie wurde verklagt und von ihrer Zeitung im Stich gelassen, wie „FAZ“-Autor Andreas Rossmann findet.

5. Klicken Sie hier, es lohnt sich!
(spiegel.de, Markus Böhm)
Wie aus dem Nichts erschien vor drei Jahren die Webseite „Heftig“, die in Deutschland als so etwas wie der Inbegriff des „Clickbait“ gilt. Aus einem Zweimannprojekt ist eine 70-Personen-Firma geworden, die mehrheitlich der Funke Mediengruppe gehört. Markus Böhm hat sich durchs „Heftig“-Universum geklickt, zu dem mittlerweile vier deutsche Schwesterseiten gehören.

6. Doppelmoderation bei Sat.1 Bayern
(uebermedien.de)
Auf „Übermedien“ hatte man beim Beitrag über den Schottland-Besuch der bayrischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein Déjà-vu … Die Redaktion von „Sat.1 Bayern“ begründet den seltsamen Doppler-Effekt mit unterschiedlichen Lizenzvereinbarungen.

Schwere Geburt einer internationalen Ente

Manchmal ist es ja schon verblüffend, wie der Blick von außen dabei helfen kann, Dinge zu sehen, die man sonst nicht wahrnimmt. Da entdeckt zum Beispiel ein beachtlicher Teil der Weltpresse einen Babyboom auf Island, ziemlich genau neun Monate nach einem tollen Sieg der isländischen Fußballnationalmannschaft, zwinkerzwinker. Und die Isländer selbst bekommen das vor Ort gar nicht mit.

Doch der Reihe nach: Bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich im vergangenen Jahr besiegte das isländische Team im Achtelfinale am 27. Juni England mit 2:1. Ein ziemlich überraschender Erfolg. Und vor drei Tagen, am 28. März und somit fast exakt neun Monaten nach dem isländischen Triumph, melden Medien weltweit: Auf Island gibt es einen Babyboom, angeblich ausgelöst durch wilde Liebesnächte nach dem Erfolg bei der EM.

Medien aus Spanien berichten:

Aus Nordirland:

Aus den USA:

Aus Neuseeland:

Aus England:

Selbst die BBC produziert ein Video, in dem Comicbabys aus einem isländischen Geysir geschossen kommen:

Und auch deutsche Medien greifen die Geschichte auf. Bild.de zum Beispiel:

„Focus Online“:

Tagesspiegel.de:

Derwesten.de:

Der SWR:

Gala.de:

„RP Online“:

Und, und, und.

Nur: Die Sache mit dem Babyboom auf Island stimmt wohl nicht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender RÚV schreibt von „Falskar fréttir“ und berichtet, dass in den Geburtskliniken in den vergangenen Tagen alles ganz normal gewesen sei. Das Portal „Nútíminn“ fragt bei einigen Hebammen nach, und auch die sagen: alles wie immer. Und auf der Seite „The Reykjavík Grapevine“ heißt es schon in der Überschrift: „No, There’s No Football-Fueled Baby Boom in Iceland“.

Aber wie kommt dann die Nachricht der isländischen Fußballbabys in die internationalen Titelzeilen? Viele der Seiten, die eine Quelle angeben, berufen sich auf die isländische Website „Visir“. Der dortige Artikel basiert lediglich auf einer einzigen Quelle: dem Tweet eines Mannes, der offenbar Arzt ist und von einem Rekord bei den Periduralanästhesien auf der Entbindungsstation seines Krankenhauses am vergangenen Wochenende schreibt, „neun Monate nach dem 2-1 Sieg gegen England“. Sein Tweet beginnt mit einem „hehehe“ und endet mit einem Zwinkersmiley:

Das ist dann auch schon alles, worauf sich die Meldungen aus der ganzen Welt stützen: einen Zwinkertweet.

Mit Dank an Timm F. für den Hinweis!

Let’s Rundfunklizenz, Reise-Schönfärber, AfD-Talkshow-Zwist

1. Das ist keine Formalie
(faz.net, Axel Weidemann)
Die Landesmedienanstalt NRW hat die „Let’s Player“ von „Piet Smiet“ aufgefordert, eine Rundfunklizenz zu beantragen. Live-Streams mit bestimmten Kriterien (u.a. mehr als 500 Zuschauer, Regelmäßigkeit der Ausstrahlung) würden als Rundfunkangebot gelten, für das eine Lizenz zu beantragen sei. Der Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt, was für Konsequenzen der Vorstoß der Medienanstalt hat und ob das Medienrecht angepasst werden muss.

2. Streit um Compact auf der Leipziger Buchmesse
(blog.zeit.de, Paul Hildebrand)
„Für das Wort und die Freiheit – #FreeTheWords“, hieß es auf der Leipziger Buchmesse, doch zumindest bei einer Präsentation des rechtspopulistischen „Compact“-Magazins war es damit nicht weit her: Mehrfach sollen Journalisten bedrängt und eingeschüchtert worden sein.

3. Selbst die Natur bleibt von der Schönfärberei nicht verschont
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Sieben Jahre lang war Silke Burmester für die „taz“ als „Kolumnen-Kriegsreporterin“ unterwegs. Nun ist sie zurück mit ihrer Medienkolumne: beim Deutschlandfunk. Diesmal erzählt sie, warum man viele Reiseartikel nicht „journalistisch“ nennen kann und was Leser dagegen tun könnten: „Viele Reisemagazine und Reiseseiten haben den Anspruch „Journalismus“ verwirkt. Es wäre jetzt an Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, für einen Wandel zu sorgen. Machen Sie klar, dass Sie solche Medien nicht wollen. Verweigern Sie den Kauf. Oder gehen Sie den Chefredakteuren gehörig auf die Nerven.“

4. Jörg Meuthen, die AfD und die Talkshows
(ndr.de, Anja Reschke, Video, 1:27 Minuten)
AfD-Parteichef Jörg Meuthen will mit seiner Partei öfter in den Talkshows von ARD und ZDF vorkommen. Gleichzeitig hält er das bezahlte, öffentlich-rechtliche Rundfunkwesen für entbehrlich und fordert die Abschaffung aller Gebühren dafür. Anja Reschke vom NDR-Magazin „Zapp“ sieht darin einen Widerspruch, den sie ironisch-süffisant kommentiert. Gänzlich anderer Meinung ist Stefan Niggemeier auf „Übermedien“ und antwortet mit einem herzhaften „Was für ein Unsinn!“

5. „Focus“ streicht weitere Stellen
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon berichtet in der Medienkolumne von den drastisch bis dramatischen Sparmaßnahmen beim „Focus“. Ob das Ganze sinnvoll sei beziehungsweise etwas bewirke, müsse angezweifelt werden: „Vielleicht wäre es ehrlicher, „Focus“ den finalen Todesschuss zu geben, anstatt Jahr für Jahr wahlweise das Konzept zu ändern, den Chefredakteur auszuwechseln, die Redaktion zu verkleinern und dabei jedes Mal so zu tun, als werde nun alles gut.“

6. In der Synchronisationshölle
(tagesspiegel.de, Jan Freitag)
Jan Freitag rechnet im „Tagesspiegel“ mit schlecht synchronisierten Filmen ab: „Für die Illusion lippensynchroner Verständlichkeit wird fast jeder fremdsprachige Dialog ins Stahlbad teutonischer Emphase getaucht. Während sich Skandinaviern das Wesen des Originals untertitelt erschließen darf, bügelt Deutschland vom Filmklassiker über BBC-Dokus bis zur Netflix-Serie alles glatt. Der Beelzebub zweidimensionaler Unterhaltung, er heißt Synchronisation.“

Polizei und Medien gehen mit Bushido auf Verbrecherjagd

In Buxtehude gab es einen Raub. Schon vor einigen Tagen überfielen zwei Männer eine Frau und nahmen ihr Geld und Handy ab. Die zuständige Polizeiinspektion Stade hat in einer Pressemitteilung nun ein paar Details zu einem der Täter veröffentlicht:

Männlich — nicht über 30 Jahre — 190-200cm groß, sportlich schlank — südländisches Erscheinungsbild — kräftiger Vollbart – sprach gebrochenes deutsch – dunkelrotes Basecap mit einem silbernen Button an der Unterseite der Schirms

Und, noch besser, es gibt auch ein Phantombild:

Viele lokale, aber auch überregionale Medien berichten über die Suche der Polizei. Zum Beispiel die Hamburg-Ausgabe der „Bild“-Zeitung heute:

Oder Bild.de bereits gestern Abend:

Das Onlineportal des „Hamburger Abendblatts“ mit leicht verzerrtem Phantombild:

„Focus Online“ berichtet ebenfalls:

Und die Onlineredaktion der „Hamburger Morgenpost“:

Wir haben eine gute Nachricht: Die Polizei kann die Suche einstellen. Wir wissen nämlich, wer der Mann auf dem Foto ist: der Rapper Bushido. Gewisse Zweifel, dass er etwas mit dem Raubüberfall in Buxtehude zu tun hat, haben wir durchaus. Aber: Das auf dem Foto ist Bushido.

Die Polizeiinspektion Stade hat offenbar ein Foto des Rappers genommen …

… es gespiegelt …

… das Foto leicht verzerrt, einen fancy Filter über das Bild gelegt, Bushidos Kette wegretuschiert, seinen Bart verlängert, ein paar Punkte und Striche in sein Gesicht gemalt, ihm ein Käppi aufgesetzt. Und schon war das Phantombild fertig:

Für eine größere Version einfach auf die Collage klicken. Dann erkennt man auch drei besonders prägnante Stellen: ein helles Haar in der Augenbraue, ein rausstehendes Nasenhaar und die Spuren der wegretuschierten Kette am Kragen des T-Shirts.

Mit Dank an Sebastian für den Hinweis!

Nachtrag, 13:14 Uhr: Laut tageblatt.de beruft sich die Polizeiinspektion Stade darauf, dass es sich um eine „‚zufällige Ähnlichkeit'“ handelt. Das Phantombild sei von einem Zeichner des Landeskriminalamtes nach Angaben einer Zeugin angefertigt worden.

Und Bushido will sich demnächst „ein rotes Cap“ zulegen.

Nachtrag, 31. März: Laut kreiszeitung.de gibt inzwischen auch das fürs Phantombild zuständige Landeskriminalamt Niedersachsen zu, dass das Bushido-Foto als Grundlage für die Zeichnung diente. Die Polizeiinspektion Stade bestritt gestern noch einen Zusammenhang und sprach von einem „Zufall“.

Nachtrag, 18. April: Anfangs bedankte sich Bushido zwar noch für den Modetipp bei der Polizei, ganz so lustig fand er die Verwendung seines Fotos als Vorlage für das Phantombild dann aber offenbar doch nicht. Denn inzwischen hat der Rapper Anzeige erstattet, wegen Verleumdung und Verfolgung Unschuldiger.

Victim Blaming, Kritik an BVG-Tweets, Doppelmoral

1. Deniz Yücels Anwälte gehen vor das Verfassungsgericht
(welt.de)
Nachdem der „Welt“-Korrrespondent Deniz Yücel bereits mehrere Wochen inhaftiert ist, sind seine Anwälte nun vor das türkische Verfassungsgericht gezogen. Die Inhaftierung Yücels verletze „sein Recht auf körperliche Unversehrtheit und seine persönliche Freiheit, das Recht auf ein faires Verfahren, sein Recht auf die Unschuldsvermutung, sein Recht auf Schutz vor Verleumdung, das Recht auf Privatsphäre und freie Kommunikation sowie seine Meinungsfreiheit“. Deutsche Botschaftsvertreter haben unterdessen weiterhin keinen Zugang zu Yücel, obwohl von Seiten der Türkei eine konsularische Betreuung zugesichert worden war.

2. Victim Blaming im Fall Malina
(taz.de, Sibel Schick)
Seit dem 19. März wird eine 20-jährige Studentin aus München vermisst. Sibel Schick kritisiert die Berichterstattung der „Bild“, die mit irrelevanten Details die Unschuld der vermissten Studentin relativiere: „Die Betroffene ins Rampenlicht zu stellen führt den Täter tiefer in den Schatten: Interessiert uns noch, wer das überhaupt ist? Oder suchen wir nach Ausreden, welches Verhalten von Malina ihn dazu gebracht haben könnte? Machen wir eine Täterin aus der Betroffenen?“

3. Warum Verkehrsbetriebe keine politischen Witze machen sollten
(krautreporter.de, Rico Grimm)
Die Berliner Verkehrsbetriebe haben Krautreporter Rico Grimm mit ihren Witzen schon oft zum Lachen gebracht. Jetzt ist es ihm im Hals steckengeblieben… Anlass ist der Umgang der BVG mit dem Berliner AfD-Politiker Gunnar Lindemann. Die Antwort-Aktion diene nicht dazu, Menschen für die Benachteiligung von Minderheiten zu sensibilisieren. Sie sei ein unprovozierter Angriff auf den Politiker einer Partei, über die gerade sehr viel diskutiert werde. Grimm hält die BVG-Tweets an den AfD-Politiker deshalb für nichts als Marketing.

4. Der Freiraum schrumpft
(deutschlandfunk.de, Edda Schlager)
In Kirgistan herrschen für Journalisten vergleichsweise gute Zustände. Jedenfalls, wenn man es mit Nachbarländern der Region wie Tadschikistan, Turkmenistan oder Usbekistan vergleicht, in denen Pressevertretern Gefängnis und Folter drohen. Kirgistan hat sich daher zu einem Zufluchtsort für verfolgte Journalisten der Nachbarregionen entwickelt. Nun werden aber auch dort die Freiräume immer weiter eingeschränkt. Der Beitrag ist auch als Audio (4:53 Minuten) verfügbar.

5. Lagerberichte 4: Die Doppelmoral der „Alternativen Medien“
(schmalbart.de, Frank Zimmer)
„Warum ereifern sich die neuen „Alternativen Medien“ über Symbole und Begriffe, wenn Sie doch angeblich gegen „Political Correctness“ sind? Und warum sind immer nur die Anderen intolerant?“ Der „linksliberale Verfassungspatriot“ Frank Zimmers antwortet auf den „modernen Konservativen und Vollblutdemokrat“ Ben Krischke.

6. Kampf um US-Datenschutz: Aktivist will Internetnutzung aller Abgeordneten bloßstellen
(heise.de, Daniel AJ Sokolov)
Nachdem US-Netzbetreiber die Online-Aktivitäten ihrer User samt deren Bewegungsmustern überwachen, speichern, auswerten und verkaufen dürfen, will ein Netzaktivist zurückschlagen und bittet um Spenden: “Ich plane, die Internet History aller Abgeordneten und Manager sowie deren Familien zu kaufen, und sie einfach durchsuchbar auf searchinternethistory.com [bereitzustellen]. Alles, von ihren medizinischen über ihre pornographischen bis zu ihren finanziellen [Daten], und über ihre Seitensprünge. Alles, was sie sich angesehen haben, wonach sie gesucht haben, oder was sie im Internet aufgerufen haben, wird jetzt für jedermann verfügbar sein, um es zu durchleuchten.“

Bild.de treibt Schindlerluder mit Edward Snowdens Hotelaufenthalt

Es gibt neue Dokumente zu Edward Snowden, die eine Frage beantworten, die seine Kritiker seit einigen Jahren gerne stellen: Wo wohnte Snowden die ersten Tage nach seiner Ankunft in Hongkong? Ihre Überlegung: Keine Belege, wo der Whistleblower vom 21. bis 31. Mai 2013 unterkam — kein Beweis, dass er in dieser Zeit nicht einen Deal mit den Geheimdiensten von Russland und/oder China aushandelte. Vergangene Woche präsentierte der Journalist Glenn Greenwald auf seiner Seite „The Intercept“ Rechnungen, die zeigen: Edward Snowden war genau dort, wo er auf Nachfrage immer behauptet hatte — im Hotel „Mira“.

Einer der Snowden-Kritiker, die der festen Überzeugung sind, dass es sich bei Snowden um einen Überläufer handelt, ist John R. Schindler. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter darf im Auftrag seines Fanboys Julian Reichelt bei Bild.de seine Gedanken zu verschiedenen Themen aufschreiben. Vor einem Dreivierteljahr erklärte Schindler der Weltöffentlichkeit der „Bild“-Leserschaft den „Bild plus“-Abonnenten:

Schindler schrieb:

Drei Jahre, nachdem Edward Snowden — der amerikanische IT-Dienstleister, aus dem ein weltbekannter Prominenter wurde — in Hongkong zum ersten Mal vor die Medien trat, ist immer noch unklar, was sich wirklich in dieser aufsehenerregenden Affäre abgespielt hat.

Der ungefähre Ablauf ist bekannt. Im Mai 2013 verließ Snowden seinen Job bei der National Security Agency auf Hawaii und tauchte am 1. Juni im Hotel Mira in Hongkong auf. (…)

Doch einige wichtige Fragen sind noch offen.

Wo war Snowden vom 21. bis 31. Mai 2013?

Schindlers Aussage bei Bild.de, Snowden sei erst am 1. Juni im Hotel „Mira“ aufgetaucht, stimmt nicht. Die neuen Unterlagen, die Snowdens Anwälte in Hongkong besorgt haben und die Glenn Greenwald nun veröffentlicht hat, zeigen, dass der Whistleblower bereits am 21. Mai im „Mira“ eingecheckt hat — unter seinem eigenen Namen, bezahlt mit seiner eigenen Kreditkarte. Diese erste Buchung geht bis zum 30. Mai. Bereits am 29. Mai bucht Snowden zwei weitere Nächte, bis zum 1. Juni, und direkt hinterher noch mal neun weitere Nächte bis zum 10. Juni. Am 2. Juni kommen dann Greenwald und Laura Poitras, die einen ersten Teil von Snowdens Enthüllungen veröffentlichen. Der Journalist Charlie Savage hat alle Hotelabrechnungen auf seiner Seite veröffentlicht (auch eine weitere Buchung durch Snowden im „Mira“ bis zum 18. Juni sowie eine frühere Buchung im Hotel „Icon“, in dem Snowden für seine erste Nacht in Hongkong am 20. Mai eingecheckt hatte).

Wie zentral die Frage nach Snowdens ersten Tagen in Hongkong für Schindler und seine Ausführungen ist, zeigt, dass dieser sie immer wieder stellt. Bereits im Sommer 2015 fragte er bei Bild.de:

Wo war Snowden während der zehn Tage im Mai 2013, nachdem er Hawaii verlassen und bevor er am 1. Juni im Hongkonger Hotel „Mira“ eincheckte?

Und auch bei Twitter lässt ihn das Thema nicht los:



Jetzt hat er eine Antwort bekommen (die er natürlich nicht glaubt). Da diese Dokumente noch nicht öffentlich zugänglich waren, als John R. Schindler seinen Bild.de-Artikel geschrieben hat, kann man ihm nicht vorwerfen, davon nichts gewusst zu haben. Er konnte aber wissen, dass Edward Snowden stets beteuert hat, sich auch schon vor dem 1. Juni im „Mira“ aufgehalten zu haben. Schindler hat diese Aussage einfach nicht glauben wollen oder ignoriert und das Gegenteil behauptet, was auch viel besser in seine Überläufer-Theorie passt. Julian Reichelt und Bild.de boten ihm dafür eine Plattform.

Ob Edward Snowden ein russischer Spion ist? Keine Ahnung.

Ob Edward Snowden in Hongkong Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes besucht oder sie im Hotel empfangen hat? Keine Ahnung.

Ob John R. Schindler und Bild.de eine falsche Behauptung aufgestellt haben? Scheint ganz so.

Youtube-Star, 50-Dollar-Filme, Role Model Buffy

1. Forderungen an den modernen Lokaljournalismus
(drehscheibe.org, Ralf Freitag)
Wie können die gesellschaftlichen Veränderungen journalistisch begleitet, dokumentiert und sogar moderiert werden? Ralf Freitag von der „Lippischen Landes-Zeitung“ hat sieben Forderungen an den modernen Lokaljournalismus. Vom Besinnen auf die journalistischen Tugenden bis zu ideologischer Positionierung und Ausbildungsverbesserung.

2. Der Weg zum Youtube-Star
(jetzt.de, Lara Thiede)
Zwei Biographien, die sich überschneiden: Auf der einen Seite Lara Thiede, die sich für den Journalismus entscheidet, auf der anderen Seite Alycia Marie, die auf Youtube Karriere macht. Lara Thiede erzählt wie sie sich kennengelernt haben und welchen Weg ihre Bekannte Alycia im Netz eingeschlagen hat: Von einer Sängerin, die Youtube nutzte, zu einer Youtuberin, die auch singen kann. Von der Hobby-Youtuberin zum hauptberuflich davon lebenden Profi mit 400.000 Abonnenten.

3. Gemeinwohl und Medien – Neues Heft von Communicatio Socialis erschienen
(netzwerk-medienethik.de, Alexander Filipovic)
„Communicatio Socialis“ ist eine Zeitschrift für Medienethik und Kommunikation in Kirche und Gesellschaft. Wer sich für die neueste Ausgabe interessiert (medienethischer Schwerpunkt: Gemeinwohl und Medien) kann die Zusammenfassung von Alexander Filipovic, Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie München, lesen.

4. Hollywood will Streaming deutlich früher erlauben
(dwdl.de, Alexander Krei)
Würden Sie für das heimische Streamen eines aktuellen Kinofilms via „Premium Video-on-Demand“, also wenige Tage bzw. Wochen nach Kinostart, einen Betrag von 30 bis 50 Dollar bezahlen? Dann könnte Sie interessieren, was das „Wallstreet Journal“ berichtet, demzufolge die Hollywood-Studios exakt über eine solche Regelung nachdenken.

5. Du bist der neue Gatekeeper der Nachrichten
(netzpiloten.de, Aly Colon)
Aly Colon ist Professor für journalistische Ethik an der Washington and Lee University in Virginia. In seinem Artikel gibt er Tipps, wie Nachrichtenkonsumenten als ihre eigenen Gatekeeper handeln können, denn: „Es gibt keinen Grund, den Zugang zu den Nachrichten zu verschließen, aber man sollte sicherstellen, dass man weiß, was dort hineingelangt. Das ist wirklich wichtig.“

6. Eine Frau, die das Patriarchat zerlegt
(taz.de, Sebastian Dörfler)
Die Serie „Buffy the Vampire Slayer“ ist 20 Jahre alt geworden. Sebastian Dörfler hat sich den TV-Dauererfolg rund um das Vampire und Monster verkloppende zierliche Mädchen näher angeschaut und befindet: „Seit jeher ist Buffy ein feministisches Role Model“.

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