Die „Huffpo“ und die Popcorn-Panik

Viele von uns lesen vermutlich häufiger blödsinnige Texte, als uns bewusst ist. In dem Dschungel aus Pseudo-Journalismus, Clickbaiting und zusammengeklaubten Informationsfetzen ist es ja auch schwer, den Überblick zu behalten.

Es kann aber schon helfen, zumindest die hohlsten Medien aus den Bookmarks zu streichen. Zum Beispiel die Huffington Post.

Viele von uns essen vermutlich häufiger ungesunde Lebensmittel, als uns bewusst ist. In dem Dschungel aus Fertig-Produkten, Fastfood und Diät-Produkten ist es ja auch schwer, den Überblick zu behalten. [...]

Es kann aber schon helfen, zumindest die ungesündesten Produkte vom Speiseplan zu streichen.

Gut, statt der angekündigten acht folgen dann zwar neun „ungesunde Lebensmittel“, aber die Zahlen sind dann doch eher das kleinste Problem.

Fangen wir mal ganz oben in der Liste an, beim Mikrowellen-Popcorn. Die „Huffpo“ behauptet:

In Mikrowellen-Popcorn sind Chemikalien zu finden, die mit Leber-, Hoden- und Bauchspeicheldrüsenkrebs in Verbindung gebracht werden. Die Perfluoroctansäure und der Stoff Diacetyl lösen Tumore und Lungenschäden aus.

Im Original ist der letzte Satz mit einem Link unterlegt, der allen Ernstes zum „Kopp“-Verlag führt.

„Kopp“-Verlag, das ist der mit den „Informationen, die Ihnen die Augen öffnen“ — zum Beispiel über UFOs, Geheimdienste, den 11. September, Chemtrails, den Dritten Weltkrieg, Flug MH17, die Politik, die Medien, die Heilkraft der Kokosnuss und so weiter.

Und weil natürlich auch die Lebensmittelindustrie mit den CIA-UFO-Manipulations-Leuten unter einer Decke steckt, finden sich zwischen den Büchern über „Die Pyramiden und das Pentagon“ (Untertitel: „Die streng geheimen Forschungen von Regierungen und Geheimdiensten zu mystischen Relikten, untergegangenen Zivilisationen und außerirdischen Besuchern“) und „Das Geheimnis der deutschen Atombombe“ („Gewannen Hitlers Wissenschaftler den nuklearen Wettlauf doch?“) immer wieder auch Texte zu den „Wahrheiten“ über unser Essen.

Das ist der „Kopp“-Artikel, den die „Huffpo“ als Quelle herangezogen hat. Es ist ein aus dem Englischen übersetzter Text von naturalnews.com, einer amerikanischen Seite, die sich auf Verschwörungstheorien aus der Medizin spezialisiert hat.

Solche Krebs-Lebensmittel-Listen kursieren schon seit Jahren. Das Mikrowellen-Popcorn ist meistens mit dabei. Im „Kopp“-Text heißt es dazu:

Die amerikanische Umweltbehörde EPA bezeichnet die Perfluoroctansäure (PFOA) im Mikrowellen-Popcorn als „wahrscheinlich“ karzinogen, mehrere unabhängige Studien haben die Substanz mit der Entstehung von Tumoren in Zusammenhang gebracht. Auch das Diacetyl, das im Popcorn selbst verwendet wird, wird mit Lungenschäden und Krebs in Verbindung gebracht.

In Verbindung gebracht. „Wahrscheinlich“ karzinogen. Was genau das bedeutet, verrät der Text nicht, weder bei „naturalnews“ noch bei „Kopp“ noch bei der „Huffpo“. Und wenn man sich mal die seriösen Quellen zu dem Thema anschaut, wird auch schnell klar, warum.

Im Jahr 2000 wurde bei mehreren Menschen in den USA eine Lungenerkrankung namens Bronchiolitis obliterans festgestellt, die möglicherweise von dem Butteraroma des Mikrowellen-Popcorns (Diacetyl) ausgelöst wurde.

Allerdings: Die Erkrankten hatten allesamt in einer Popcorn-Fabrik gearbeitet, sie waren den Diacetyl-Dämpfen also über lange Zeit und in großen Mengen ausgesetzt. Darum wird die Krankheit auch „popcorn worker’s lung“ genannt.

Für den normalen Verbraucher ist das Risiko dagegen viel geringer. 2007 wurde zwar ein Fall bekannt, in dem ein Mann erkrankte, der nicht mit dem Popcorn gearbeitet, sondern es bloß gegessen hatte — allerdings hatte er sich auch zehn Jahre lang jeden Tag mehrere Packungen in der Mikrowelle zubereitet und das Diacetyl darum ebenfalls über einen langen Zeitraum inhaliert.

Die andere Substanz, Perfluoroctansäure, gilt zwar ebenfalls als gefährlich, aber erstens kommt sie nicht im Popcorn selbst vor, sondern in der Verpackung, und zweitens ist ihr Einfluss auf die menschliche Gesundheit erst wenig erforscht. Wenn, dann sind aber, wie beim Diacetyl, am ehesten Industriearbeiter betroffen, die lange und intensiv mit der Subtanz zu tun haben. Das Bundesamt für Riskobewertung ist außerdem, obwohl es die Substanz durchaus kritisch sieht, 2008 zu dem Schluss gekommen, dass „Gesundheitliche Risiken durch PFOS und PFOA in Lebensmitteln [...] nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand unwahrscheinlich“ seien.

Wenn es also bei „naturalnews“ oder im „Kopp Verlag“ heißt, dass „mehrere unabhängige Studien [...] die Substanz mit der Entstehung von Tumoren in Zusammenhang gebracht“ haben, dann ist gemeint: in Tierversuchen.

Davon ab: In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen die Mengen von Diacetyl und Perfluoroctansäure reduziert oder verzichten inzwischen ganz darauf. Wenn man also nicht gerade in einer Mikrowellen-Popcorn-Fabrik arbeitet oder sich täglich mehrere Packungen davon reinpfeift, hält sich die Krebs-Gefahr doch stark in Grenzen.

Aber solche Fakten stören dann nur bei den Panikschürern aus der Verschwörungsecke. Und die „Huffpo“ streut die Viertelwahrheiten weiter, weil sie sich, statt in vernünftigen Quellen zu recherchieren, blind auf die selbsternannten Augenöffner verlässt.

Auch beim Rest der Krebs-Lebensmittel-Liste hat sich die „Huffpo“-Autorin ganz offensichtlich von den hysterischen Geschichten der „Kopp“ & Co.-Jünger einlullen lassen. Wir wollen jetzt nicht zu jedem Punkt aufschreiben, was davon stimmt und welche Details verschwiegen wurden (das wäre schließlich die Aufgabe der „Huffpo“ gewesen), aber ein Blick auf die Quellen erklärt schon einiges.

Der Artikel enthält 14 Links. Zwei davon gehen zu eigenen „Huffpo“-Artikeln, einer zu „Focus Online“. Alle anderen führen den Leser schnurstracks in die zwielichtige Welt der AIDS-Leugner und Chemtrail-Gläubigen.

Verlinkt ist neben dem „Kopp“-Verlag etwa das „Zentrum der Gesundheit“. Das Portal bietet laut Eigenbeschreibung „unzensierte Informationen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Naturheilkunde“ — also Videos wie „Der HIV-AIDS-Schwindel“ oder „Chemotherapie heilt Krebs und die Erde ist eine Scheibe“ oder auch „CIA Kontrolliert Deutsche Medien“.

Eine weitere Quelle sind die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“, eine nicht weniger dubiose Seite, die eigentlich eher für panische Untergangsszenarien aus der Wirtschaft zuständig ist und ungefähr den gleichen Schlag von Menschen anzieht wie „Kopp“ & Co.

Und schließlich beruft sich die Autorin noch auf eine Seite namens „fatkiller.guru“, auf der es um die magischen Heilkräfte der Natur geht. Da heißt es:

Warum haben wir diese natürlich heilende Magie vergessen?

Dank korrupter Politiker und die Macht der Pharmaindustrie.

Es ist nicht so, dass wir diese Wundermittel vergessen haben. „Die“ wollen uns nur glauben lassen, dass sie einige schwerwiegende Risiken einschließen.

Tja. Und auf solchen Quellen basiert der ganze Artikel. Aber die „Huffpo“-Macher scheint das nicht zu stören. Der Text ist seit fünf Tagen online, die Nähe zur „Kopp“-Ecke wurde in den Kommentaren schon mehrfach kritisiert, aber passiert ist bislang: nichts.

Mit Dank an Moritz N.

Nachtrag, 29. Oktober: Inzwischen hat die „Huffington Post“ den Artikel doch noch überarbeitet und am Ende einen Hinweis eingefügt:

Nachtrag: Drei der genannten Punkte basierten auf fragwürdigen Quellen. Wir haben sie daher entfernt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen. Alle anderen Punkte haben wir ebenfalls noch einmal überprüft und weitere Quellen hinzugefügt.

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Cannabinoide, Judd Nelson, Facebook

1. „Bild-Zeitung: ‘Kiffen gegen Ebola?'“
(stimmthaltnicht.de)
Ein „Bild“-Artikel stellt „Mediziner Dr. David B. Allen“ vor, der in einem Blogeintrag Cannabinoide gegen Ebola ins Feld führt: „Die drei Kernaussagen von David Allen sind spekulativ, ungenau und teilweise nicht ganz logisch. Die Bild-Journalisten ordnen das aber nicht ein und befragen auch keinen anderen Experten zum Thema, der das hätte gerade rücken können.“

2. „Blinde Fleischesser haben bessere Augen als blinde Vegetarier! Esst mehr Würste!“
(graslutscher.de)
Ein Telefongespräch zum Artikel „Vegetarier haben schlechteres Sperma“ (bild.de).

3. „Professionelles Schreiben für lau?“
(deutschlandradiokultur.de, Sieglinde Geisel)
NZZ-Kulturkorrespondentin Sieglinde Geisel wirft der Presse vor, die prekären Arbeitsbedingungen von Journalisten zu verschweigen: „In jeder anderen Branche wären solche Arbeitsbedingungen von investigativen Journalisten längst als Skandal angeprangert worden. Doch wo es um die Ausbeutung der eigenen Arbeitskräfte geht, schweigt die Presse.“

4. „Judd Nelson lebt, während andere von seinem angeblichen Tod profitieren“
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Schauspieler Judd Nelson lebt, obwohl er im Internet für tot erklärt wird, und beweist das mit dem Foto, das ihn mit einer aktuellen Ausgabe der „Los Angeles Times“ zeigt.

5. „How Facebook Is Changing the Way Its Users Consume Journalism“
(nytimes.com, Ravi Somaiya, englisch)
Ravi Somaiya sieht eine Wandlung des Journalismus durch Facebook. „Mr. Kim of SimpleReach says he advises established media companies that ‘it’s dangerous to start chasing social. You’ll end up like everyone else, and you’ll lose your differentiation.’ The question that older publications that are not ‘digital natives’ like BuzzFeed have to ask themselves, Mr. Kim said, is ‘Are you creating content for the way that content is consumed in this environment?'“

6. „Bruchreif“
(kleinerdrei.org, Hakan)

Gratiseinwilligung, Goldenes Blatt, Gekaufte Journalisten

1. „Einfach mal bei der VG Media anfragen“
(schmalenstroer.net)
Michael Schmalenstroer will von den in der VG Media organiserten Presseverlegern wissen, ob er von ihnen auch, wie Google, eine „widerrufliche Gratiseinwilligung” und somit ein kostenloses Nutzungsrecht für ihre Inhalte erhalte. Siehe dazu auch „Peinliches Ende des Leistungsschutz-Dramas“ (sueddeutsche.de, Johannes Boie) und „Das Leistungsschutzrecht scheitert vorerst und verzerrt dennoch den Wettbewerb“ (internet-law.de, Thomas Stadler).

2. „Zwanzig Jahre Spiegel Online: Die letzte News-Website der alten Art“
(blogs.stern.de, Lutz Meier)
Lutz Meier gratuliert „Spiegel Online“ zum 20. Geburtstag. Es spreche jedoch vieles dafür, „dass diese Art des Online-Journalismus ihre Grenzen erreicht hat. Im Wettrennen um das Ziel, mit wenig Aufwand schnell viele Klicks zu erzeugen, gibt es inzwischen jede Menge Konkurrenz – die mit weniger journalistischen Scheuklappen kämpft. (…) Was fehlt, und nicht nur dem Spiegel-Verlag, ist aber ein Geschäftsmodell für Premium-Journalismus in einer weitgehend digitalisierten Welt.“

3. „Bitte keinen Journalismus“
(dominikimseng.com)
Dominik Imseng stellt eine Verschmelzung von Werbung und Journalismus fest: „Ist es auszuschliessen, dass man schon bald nicht mehr nur Werbung als geistige Umweltverschmutzung betrachtet, sondern auch Journalismus? Dass es nicht nur Werbeblocker gibt, sondern auch News-Blocker? Installiert, um uns vor einer geistlosen Ablenkung zu bewahren, die umso verführerischer ist, als sie sich den Anschein von Relevanz gibt?“

4. „Lokführerstreik: Die Mär von der geschönten Urabstimmung“
(wibkeschmidt.com, 22. Oktober)
Wibke Schmidt beschäftigt sich mit dem Artikel „Geheimer Brief an GDL-Chef wegen Schummel-Verdacht“ (bild.de), dessen Inhalt von anderen Medien aufgenommen wird: „Die meisten Medien sind zwar nicht selbst auf den Skandalisierungszug aufgesprungen, haben die dpa-Meldung aber in ihr Onlineangebot aufgenommen, so dass sich die Mär von der ‘Schummelei’, einem Rechenfehler oder gar einer denkbaren Wahlfälschung fröhlich weiterverbreitet hat.“

5. „Die Wahrheit über die Lügen der Journalisten“
(krautreporter.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier prüft Fakten im Buch „Gekaufte Journalisten“ von Udo Ulfkotte.

6. „Bis dass ‘Das goldene Blatt’ Euch scheidet“
(topfvollgold.de, Moritz Tschermak)
Die Ehe zwischen Prinz Charles und Camilla Parker Bowles im „Goldenen Blatt“: „Allein in den vergangenen zwei Jahren verkündete ‘Das goldene Batt’ also ein Ehe-Drama, drei Ehe-Ausse und vier Scheidungen. Mal war es ‘endgültig’, mal ‘die ganze Wahrheit’. Und immer völliger Blödsinn.

Gratiseinwilligung, Strompreis, Terrorbilder

1. „Leistungsschutzrecht: Presseverlage erteilen Google überraschend Recht zur Gratisnutzung“
(heise.de)
In der Verwertungsgesellschaft VG Media organisierte Presseverlage wollen nun doch weiterhin in den Google-Suchergebnissen mit Vorschaubildern und kurzen Textanrissen zu finden sein. Doch „die widerrufliche ‘Gratiseinwilligung’ in die unentgeltliche Nutzung ihrer Presseerzeugnisse betrifft nicht alle ‘digitalen verlegerischen Angebote’, die von der VG Media vertreten werden. So erteilt der Verlag Axel Springer für seine Angebote welt.de, computerbild.de, sportbild.de sowie autobild.de weiterhin keine ‘Gratiseinwilligung’. Sie werden deshalb künftig bei Google nur noch mit Überschriften zu sehen sein. Von bild.de kann Google jedoch auch Textauszüge (Snippets) und Vorschaubilder vorläufig kostenfrei anzeigen.“ Siehe dazu auch „Oh, those Germans“ (buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch).

2. „Was passiert, wenn endlich die guten deutschen Serien kommen?“
(blogs.stern.de, Peer Schader)
Peer Schader versucht sich vorzustellen, wie aufwändig produzierte deutsche Serien mit hohem Qualitätsanspruch in das bisherige Programm reinpassen: „Dabei besteht die eigentliche Herausforderung darin, sich auf einen Anpassungsprozess einzulassen, der erstmal viel Geld, Geduld und Quote kosten und lange dauern wird, weil er mit alten Gewohnheiten des Publikums brechen muss und neue etablieren.“

3. „Bild erklärt die Kurve der Wut“
(sfv.de, Rüdiger Haude, 16. Oktober)
Ein Kommentar eines Solarenergie-Fördervereins zum „Bild“-Artikel „Warum zahlen wir so viel für Strom?“: „Eine Boulevardzeitung bzw. ihr Online-Portal könnte theoretisch die ‘Kurve der Wut’ auf jene preistreibenden und überdies mit Reaktorkatastrophen respektive mit der Klimakatastrophe verknüpften Technologien und deren Subventionierung lenken. Aber ein Boulevard-Medium, das auf der Seite der Vernunft und der Moral stünde, das müsste wohl erst noch erfunden werden.“

4. „The Laborers Who Keep Dick Pics and Beheadings Out of Your Facebook Feed“
(wired.com, Adrian Chen, englisch)
Philippinische Dienstleistungsfirmen säubern Soziale Medien von unerwünschten Inhalten: „Hemanshu Nigam, the former chief security officer of MySpace who now runs online safety consultancy SSP Blue, estimates that the number of content moderators scrubbing the world’s social media sites, mobile apps, and cloud storage services runs to ‘well over 100,000’—that is, about twice the total head count of Google and nearly 14 times that of Facebook.“

5. „Die Bilderfalle“
(jungle-world.com, Georg Seeßlen)
Georg Seeßlen macht sich Gedanken zu Terrorbildern: „Der Terror ist ein Geschehen, das auf das eine und konzentrierende Bild des Schreckens hinaus will. Im Terror nämlich, was ja nichts anderes als Schrecken bedeutet, sind Tat und Bild vollkommen miteinander verschmolzen, so wie in der Drohnen- und Bildschirmstrategie des neuen Soldaten Tat und Bild vollkommen unabhängig voneinander werden sollen.“

6. „There are more experts on CNN right now talking about Ebola in America than people with ebola in America“
(twitter.com/nickbilton)

Dittlbacher, Hitzlsperger, Totalüberwachung

1. „Warum Journalismus der beste Job der Welt ist“
(derstandard.at, Fritz Dittlbacher)
ORF-Chefredakteur Fritz Dittlbacher hält Journalismus für unverzichtbar: „Eine große, komplexe, demokratisch verfasste soziale Einheit kann ohne professionellen Journalismus nicht bestehen. Die von fachlich gut ausgebildeten und moralisch und ethisch gefestigten Menschen kuratierte Information ist ein ebensolches Grundbedürfnis einer Gesellschaft wie sauberes Wasser, Gesundheitsvorsorge, Sicherheit oder Bildung.“

2. „Wie die 1. Ukrainische Teilung ihren Weg in die Medien fand“
(wiesaussieht.de, Frank Lübberding)
Die Bewertung und Einordnung von Informationen werde von Medien kaum noch ausgeübt, schreibt Frank Lübberding anlässlich von Beispielen, wo Informationen lediglich weitergetragen wurden. Wenn man wisse, wie das heutige Mediensystem funktioniere, sei das leicht auszunützen.

3. „‘Wir leben in einer Welt der Totalüberwachung'“
(tagesanzeiger.ch, Mathias Morgenthaler)
Sascha Lobo erinnert an die Überwachung: „Ob wir unser Smartphone nutzen, Mails verschicken, Bahn fahren oder mit dem Auto unterwegs sind – all das wird registriert, und wir haben keine Ahnung, wer diese Daten wozu verwendet.“

4. „Praktikant Hitzlsperger ist nun der Chef“
(wz-newsline.de, Tim Jürgens)
Ein Interview mit Thomas Hitzlsperger, der an der „11Freunde“-Ausgabe „Spieler machen 11Freunde“ mitgearbeitet hat. Siehe dazu auch „Thomas Hitzlsperger über seine Arbeit als 11FREUNDE-Chefredakteur“ (youtube.com, Video, 3:26 Minuten).

5. „Was machen wir hier?“
(wasmachendieda.de)
Isabel Bogdan und Maximilian Buddenbohm erklären ihr Interviewprojekt „Was machen die da?“: „Einer unserer Interviewpartner hat mal gefragt, ob wir ihn dafür bezahlen, dass er bei uns mitmacht. Ein anderer fragte vorsichtig, ob er uns dafür bezahlen müsse. Beides ist nicht der Fall, hiermit verdient niemand Geld.“

6. „Schock für ZHAW-Studenten: Blick-am-Abend-Redaktor gibt sich in Vorlesung als Journalist aus“
(der-enthueller.ch, Buzz Orgler)

Bild  

Sticker gegen die „Bild zum Mauerfall“ (2)

Am 8. November soll die nächste Sonderausgabe der „Bild“-Zeitung erscheinen und kostenlos an alle deutschen Haushalte verteilt werden.

Wer das Blatt nicht haben will, kann der Zustellung aber per Mail widersprechen (alle Infos dazu hier) oder an seinem Briefkasten darauf hinweisen, dass er keine Gratis-„Bild“ haben möchte.

Vor drei Wochen haben wir deshalb eine kleine Aktion gestartet und darum gebeten, Sticker-Motive zu basteln, die man sich an den Briefkasten kleben kann. Wir haben viele tolle Vorschläge bekommen — vielen lieben Dank an alle, die mitgemacht haben!

Hier sind unsere Favoriten:


(Vielen Dank an Stefan W.!)


(Vielen Dank an Alexander S.!)


(Vielen Dank an Sascha D.!)


(Vielen Dank an Benjamin K.!)


(Vielen Dank an Alexander S.!)

Sie können sich die Sticker gerne runterladen und ausdrucken. Von einem davon wollen wir auch noch 1000 Exemplare professionell drucken lassen, aber welcher das sein soll, entscheiden Sie. Die Abstimmung läuft bis morgen, 19 Uhr:

Welchen Sticker sollen wir drucken lassen?

  • Niemand hat die Absicht (64%, 3.757 Votes)
  • "was für'n Arsch" (14%, 857 Votes)
  • "Bild" -> Mülleimer (12%, 689 Votes)
  • Glücklicher "Bild"-freier Haushalt (8%, 467 Votes)
  • Don't open this gate (2%, 142 Votes)

Total Voters: 5.912

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Mit großem Dank an alle, die uns ihre Ideen geschickt haben!

Nachtrag, 23. Oktober: Wir haben einen Gewinner! 64 Prozent haben sich für den Sticker von Stefan W. entschieden:

Nächste Woche soll er in Druck gehen — wer einen davon haben möchte, schickt bitte bis Sonntagabend (26.10.) eine kurze Mail an sticker@bildblog.de. Sollten mehr Anfragen eingehen, als Sticker vorhanden sind, werden wir losen und uns bei den Glücklichen melden. Die, die leer ausgehen, können sich die Aufkleber natürlich auch weiterhin gerne selbst ausdrucken.

Übrigens haben es auch noch andere Sticker in unsere Favoriten-Liste geschafft, die sich aber aus verschiedenen Gründen nicht soo gut als Briefkasten-Hinweis eignen — trotzdem hier noch eine kleine Auswahl mit herzlichem Dank an alle fleißigen Bastler:


(Vielen Dank an Albrecht K.!)


(Vielen Dank an Karl A.!)


(Vielen Dank an Matthias V.!)


(Vielen Dank an Elias S.!)

Banksy, Bundestag, Excel

1. „Zur rechtlichen Zulässigkeit satirischer Berichterstattung aus dem Bundestag“
(telemedicus.info, Jonas Kahl)
Eine rechtliche Einschätzung der Nicht-Akkreditierung der „heute-show“ im Bundestag: „Beim Betrachter bleibt der Eindruck zurück, dass formale Gründe konstruiert wurden, um unerwünschte Satire zu unterbinden. Zu behaupten, es habe bei der Versagung kein Ermessensspielraum bestanden, ist bei einem grundsätzlich derart weit definierbaren Begriff, wie ‘politisch-parlamentarischer Berichterstattung’ geradezu absurd.“

2. „Proteste gegen Drehverbot“
(taz.de)
Inzwischen gibt es Proteste und Petitionen gegen nicht nicht erteilte Drehgenehmigung: „Dem Bundestag gehe es nicht um eine inhaltliche Einflussnahme, sagte der Sprecher. Auch künftig werde man Anträge der ‘heute show’ einzeln und sorgfältig prüfen, wie in jedem anderem Fall auch. Das ZDF teilte mit, die Satiresendung werde auch weiterhin versuchen, Drehgenehmigungen für den Bundestag zu erhalten.“

3. „Das nervt an Journalisten“
(blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord, Christian Lüscher)
Christian Lüscher zählt 16 Punkte auf, die ihn an Journalisten nerven: „Eine Unsitte der Journalistenzunft ist es, sich gegenseitig nicht wehzutun. Man klopft sich lieber auf die Schultern, als dass man Kritik übt. Und wenn, dann drischt man gerne auf jene ein, die schon am Boden liegen.“

4. „Wirbel um Falschmeldung: Dieser Mann soll Banksy sein“
(berliner-zeitung.de, Corinne Plaga)
Die Identität des Künstlers Banksy soll enthüllt worden sein. „Die Nachricht über die wahre Identität von Banksy machte schon öfters die Runde und erwies sich jedesmal als klassischer ‘Hoax’, also als scherzhafte Falschmeldung.“

5. „BBC to publish ‘right to be forgotten’ removals list“
(bbc.com, Dave Lee, englisch)
Die BBC wird in den nächsten Wochen eine Liste der durch Google aufgrund des Recht auf Vergessenwerdens entfernten URLs veröffentlichen und sie aktuell halten.

6. „Excel Extrem“
(youtube.com, Video, 3:56 Minuten)

Über Tote lachen mit Bild.de

Bei Bild.de gibt’s eine neue Funktion. Die Leser können jetzt, wie bei Buzzfeed, unter ausgewählten Artikeln eine Reaktion anklicken. „Mood Tagging“ nenne man das, wie Bild.de-Chef Julian Reichelt erklärt, und so sieht das Ganze aus:

Das abgebildete Voting stammt übrigens aus diesem Artikel:

Auch den Artikel über drei Menschen, die von Hornissen totgestochen wurden, finden einige Bild.de-Leser offenbar zum Lachen, oder den über einen Arzt, der an Ebola gestorben ist.

Bei vielen Artikeln ist die Abstimmung immerhin gar nicht erst möglich. Und aus dem Text über einen Fußballspieler, der sich bei einem Salto das Genick brach und kurz darauf verstarb, hat Bild.de das Voting-Tool gestern im Laufe des Tages entfernt. Letzter Stand: über 200 lachende Leser.

Mit Dank an Arnd Z.

Bundestag, Doschd, Daniel Hürlimann

1. „Überall Ungereimtheiten“
(sueddeutsche.de)
Keine Drehgenehmigung für die „heute-show“ im Bundestag: „Am Freitagabend verkündete Welke, dass der Bundestag über seinen Pressesprecher Ernst Hebeker habe ausrichten lassen, dass der ZDF-Show keine Genehmigung erteilt werden könne, in der Lobby des Bundestags zu drehen. Denn bei der heute show, so wird Hebeker in der Sendung zitiert, handele es sich um ‘keine politisch-parlamentarische Berichterstattung’.“

2. „Störsignal in Pink – der russische Sender Doschd“
(ostpol.de, Simone Brunner)
Der russische TV-Sender Doschd sendet für 10 Euro Monatsgebühr im Internet weiter, nachdem „alle großen Kabelbetreiber den Sender aus ihrem Programm“ gestrichen hatten. „Doschd, auch TV Rain genannt, ist die erste Adresse, wenn Kreml-Kritiker zu Wort kommen – von Michail Chodorkowski bis Pussy Riot. ‘Es ist aber nicht so, dass wir uns als oppositionellen TV-Sender sehen’, sagt Online-Chef Ilja Klischin. Sie seien einfach nur die einzigen, die darüber berichteten.“

3. „Immunität für Snowden? Warum wir die Rechte von Whisteblowern stärken sollten“
(berlinergazette.de, Yochai Benkler)
Yochai Benkler schreibt über Whistleblower: „Leaks und Leaker zu respektieren ist keine Beleidigung des Patriotismus der Mitarbeiter des nationalen Sicherheitssystems, Kongress oder den Justizbeamten, welche das Insider-Kontrollsystem bilden. Es ist ein Zugeständnis, dass es praktisch unmöglich ist, ein rein unabhängiges Überwachungsregime zu erschaffen.“

4. „Justitia wachrütteln“
(nzz.ch, Brigitte Hürlimann)
Brigitte Hürlimann stellt Daniel Hürlimann vor, den Gründer von sui-generis.ch vor, einer schranken- und kostenlosen Online-Zeitschrift zu Justizthemen: „Von engen Wissenschaftsbegriffen hält er ebenso wenig wie von unnötigen Kategorisierungen oder von Diskursen, die abgeschirmt im Elfenbeinturm stattfinden. ‘Open access’ und Interdisziplinarität, davon ist der Jurist überzeugt, führen zur Fortentwicklung der Wissenschaft, zu kreativen Ansätzen und zu Lösungen.“

5. „‘Die Schweiz hat mir viel gegeben'“
(tagesanzeiger.ch, Denise Marquard)
Ein Interview mit Journalist Abou Shoak Mohamed Osman, der seit 20 Jahren für die Hauspost bei Tamedia arbeitet.

6. „Die Rechercheure der Funke Women Group sind sich nicht so ganz einig“
(twitter.com/topfvollgold)

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