Und wer ist das rechts?


Danke an Oli K.

***


Danke an Leonard W.

***


Danke an Anja P.

***


Danke an Felix S.

***


Danke an Daniel

Verlierer über Verlierer

Es kommt ja nicht so häufig vor, dass wir mit „Bild“ und Bild.de ausdrücklich einer Meinung sind. Aber in diesem Fall von heute können wir nur zustimmen: „Peinliche Foto-Panne“.

Alec Baldwin in seiner „Saturday Night Live“-Rolle als Donald Trump für den echten Donald Trump zu halten, wäre so, als würde man Susanne Pätzold in ihrer „Switch reloaded“-Rolle als Inka Bause für die echte Inka Bause halten:

Oder als würde man Martina Hill in ihrer „Switch reloaded“-Rolle als Bill Kaulitz für den echten Bill Kaulitz halten:

Oder als würde man Max Giermann, Michael Müller & Peter Nottmeier, Susanne Pätzold und Michael Kessler in iherer „Switch reloaded“-Rolle als „The Voice of Germany“-Jury für die echte „The Voice of Germany“-Jury halten:

Oder als würde man Susanne Pätzold in ihrer „Switch reloaded“-Rolle als Antonia Rados für die echte Antonia Rados halten.

Was „Bild“ wohl dazu meint?

Mit Dank an @dieterjosef für den Hinweis!

Bosbach-TV, Süßes Geheimnis, Abgespannt

1. #failoftheweek: Wolfgang Bosbach zu Gast bei Verschwörungstheoretikern
(blog.br.de, Christian Schiffer)
Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach ist in den letzten Jahren zum Star der Talkshowszene geworden. Niemand saß öfter in Talkrunden als der altgediente Innenpolitiker. Nun hat Bosbach einem Verschwörungsportal ein Interview gegeben. Christian Schiffer findet: Dieses eine Mal hätte der CDU-Innenpolitiker nein sagen müssen.

2. „Ich vermisse Bo“
(zeit.de, Eike Kühl)
Pete Souza war seit 2008 Cheffotograf von Barack Obama, einige Zeit davor übte er diese Funktion für Ronald Reagan aus. Seit Donald Trumps Amtsübernahme ist er wieder Freiberufler und hat anscheinend wieder etwas mehr Zeit. Auf jeden Fall hat er Instagram für sich entdeckt – und scheint dort subtil Donald Trump zu trollen. Aufmerksamen Beobachtern sei nicht entgangen, dass einige der von Souza veröffentlichten Bilder auffällig nah an den aktuellen Entwicklungen im Weißen Haus seien. Eike Kühl stellt auf „Zeit Online“ einige Beispiele vor und kommentiert den inhaltlichen Hintergrund.

3. Oben ohne
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Willi Winkler schreibt in der „SZ“ über die Schwierigkeit der Humorbranche mit Trump. Der amerikanische Präsident sei schließlich sein eigener bester Parodist. Außerdem: „Die traurige Wahrheit aber ist, dass es den Comedians bei all dem Beifall, den sie mit ihren Trump-Travestien von den aufrechten Trump-Gegnern einheimsen, am wenigsten gelingt, Trump ernsthaft zuzusetzen. Sie verstärken nur die Marke Trump.“

4. Unbefriedigend
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband bedauert die Entscheidung des Landgerichts Hamburg, große Teile des Schmähgedichts von Jan Böhmermann weiterhin zu verbieten. Der DJV-Bundesvorsitzende kritisiert, dass „nur in Hamburg die Justiz Verständnis für die Ehrpusseligkeit des türkischen Präsidenten habe“, während andernorts erst gar keine Klage zugelassen worden sei.

5. Abspänne im TV: Zwischen Kundigen und Knalltüten
(dwdl.de, Hans Hoff)
Senta Berger trat vor kurzem vehement für längere Abspänne von Filmen im deutschen Fernsehen ein, aus Respekt vor den Beteiligten. Das ist eine löbliche Forderung, findet Hans Hoff und überträgt das Bergersche Verlangen auf andere Branchen: „Ich freue mich schon, wenn ich demnächst einen Cheeseburger bestelle, und der freundliche McDonald’s-Mitarbeiter reicht mir den Abspannzettel dazu: Am Grill: Heinz Piontke, Gurkenscheibchenaufleger: Petra Ludwig, Senfeinspritzer: Herbert Kasulske, Küchenreinigung: Ovo Malandrino.“

6. „Bunte“-Vize Tanja May: Da wölbt sich doch was!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz begegnet auf „Übermedien“ dem Boulevard mit den Mittel des Boulevards: „Ist sie oder ist sie nicht? Dieses Foto heizt die Gerüchteküche an. Hat die fesche Färbblondine aus der „Bunte“-Chefredaktion ein süßes Geheimnis?“

Peter Hahne sorgt sich um die Zukunft des Schießgewehrs

Im hessischen Limburg gab es diese Woche ordentlich Gesprächsstoff. Ja, gut, da wurde bekannt, dass bei einem Mitarbeiter des katholischen Bistums Kinderpornografie gefunden wurde. Doch das war nicht der wirkliche Aufreger. Die viel hitzigere Debatte entstand, als bekannt wurde, dass der Bürgermeister Limburgs, Marius Hahn, der Bitte einer Bürgerin nachgekommen ist, ein Lied von der aktuellen Playlist des städtischen Glockenspiels zu streichen. Vom Rathausturm erklingt nämlich immer mal wieder „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ — als eines von 33 Liedern, die in Rotation gespielt werden. Die vegan lebende Frau störte sich an der Zeile „Sonst wird Dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr“, auch wenn im Limburger Glockenspiel nur Instrumentalversionen zu hören sind.

Bürgermeister Hahn wollte der Frau, die „nett angefragt“ habe, einen Gefallen tun, sagt er. Es handele sich nicht um eine ideologische Entscheidung, sondern um „eine nette Geste“. Seit seinem Entschluss wird Hahn, vor allem in Sozialen Netzwerken, massiv angefeindet.

„ZDF“-Moderator Peter Hahne hat ebenfalls wenig Verständnis für das Entgegenkommen des Bürgermeisters. Hahne schreibt regelmäßig in „Bild am Sonntag“, sein heutiger Kommentar dreht sich um den — Achtung, Wortspiel! — „Limburger Käse“:

„Wenn das unsere Probleme sind, muss es uns ziemlich gut gehen!“, schreibt Hahne zu Beginn und malt gleich das nächste Schreckensszenario:

Als Nächstes wird wohl „Hänschen klein …“ auf den Index gesetzt, weil zu Beginn der zweiten Strophe nicht gender-gerecht geweint wird.

Höhö.

Hahnes Urteil zum Vorgang in Limburg ist jedenfalls eindeutig:

Das „Schießgewehr“ bleibt künftig ungehört. Ich finde das unerhört.

Und wir finden das unrecherchiert. Denn das, was Peter Hahne da schreibt, stimmt nicht. Ein Sprecher der Stadt Limburg hat schon vor Tagen klargestellt, dass man „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ nur vorübergehend aus dem Repertoire nehme. Beim nächsten Turnus wird das Lied wieder dabei sein.

Das haben viele Medien auch begriffen. hessenschau.de schreibt etwa:

Beim nächsten Wechsel in der Glockenspiel-Rotation werde „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ wieder aufgenommen.

Und selbst Bild.de („VEGANSINN in Limburg“) schreibt fast wortgleich:

Beim nächsten Wechsel in der Rotation wird „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ wieder aufgenommen.

Nur Peter Hahne hat das nicht mitbekommen.

Basic Recherche

Seien Sie mal ganz leise.

Hören Sie das? Dieses erregte Atmen? Das kommt aus dem Großraumbüro von Bild.de. Und Grund dafür ist das hier:

Das ist aber auch spannend:

Es gibt dutzende unbeantworte (sic) Fragen über die berühmtesten Filme der Geschichte. Doch diese eine toppt sie alle:

Zeigte uns Sharon Stone (58) in „Basic Instinct“ ihre Vagina?

Der Knaller: Sie bekommen heute die Antwort!

Aber bevor der Knaller losgeht, und wir die Antwort bekommen, erinnern sich die Bild.de-Mitarbeiter lieber noch mal:

Wir erinnern uns. Es war das Jahr 1992, als wir gespannt mit unseren Lieben vor den Kino-Leinwänden saßen, auf Spannung und ein wenig Erotik hofften …

Doch dann saß sie da. Sharon Stone. In Weiß. Voller Unschuld.

Dann der Schocker: Sie öffnet die Beine. Und wir bekommen den Mund nicht mehr zu.

WAR SIE WIRKLICH UNTEN OHNE?

Bei so einer Frage kann schon mal die Feststelltaste klemmen.

JETZT ABER RAUS MIT DER SPRACHE: „WAR SIE WIRKLICH UNTEN OHNE“?

In einem Interview mit dem „Playboy“ hat Regisseur Paul Verhoeven (78) endlich diese Frage ein für allemal beantwortet: „Ja, man sieht die Vagina von Sharon Stone.“

Oder noch einmal für die ganz langsamen Bild.de-Leser:

Kein Vagina-Double, kein hautfarbener Slip. Alles Natur.

Erleichterung im Axel-Springer-Hochhaus:

Dann wäre das endlich geklärt …

„Endlich“? In welchem Sinne „endlich“? In dem Sinne, dass bereits vor 17 Jahren feststand, dass es sich um eine „notorious pantiless scene“ handelt? Oder in dem Sinne, dass selbst im „Wikipedia“-Eintrag zu „Basic Instinct“ schon länger steht, dass jene Szene des Films „großen Bekanntheitsgrad“ erlangt habe, „in der Stone während eines Verhörs die Beine übereinander schlägt und, weil sie nichts unter ihrem Kleid trägt, dem Zuschauer für einen Sekundenbruchteil den Blick auf ihre Vulva freigibt.“ Oder in dem Sinne, dass Regisseur Paul Verhoeven bereits vor einigen Jahren erzählt hat, wie die Unten-ohne-Szene gedreht wurde?

Bei Bild.de waren sie über die Entdeckung der seit vielen Jahren feststehenden Antwort jedenfalls so begeistert, dass sie gleich noch einen Artikel daraus gemacht haben:


(Das süße kleine Herz stammt von Bild.de.)

Eine wichtige Frage der Kino-Geschichte wurde jetzt gelöst: Zeigte Sharon Stone wirklich ihre Vagina in „Basic Instinct“? JA.

Joar, „jetzt“, gut.

Andere Boulevard-Portale haben übrigens ebenfalls ganz aufgeregt über die Uralt-Enthüllung berichtet. Gala.de zum Beispiel:

Seit Jahren rätseln die Fans: Zeigt Sharon Stone bei „Basic Instinct“ wirklich alles? Jetzt sorgt Regisseur Paul Verhoeven für Klarheit.

Oder Express.de:

Es ist die „Wembley-Diskussion“ der Filmgeschichte. Jetzt gibt’s Aufklärung…

Und mit einer ganz besonderen Überschrift auch die „tz“:

Sieht man sie nun oder sieht man sie nicht? Paul Verhoeven ist die Spekulationen um die wohl berühmteste erotische Szene der Hollywoodgeschichte leid.

Mit Dank an den Hinweisgeber!

Bild  

„Bild“ übernimmt falschen Vorwurf eines Rechtsextremisten

In Nürnberg laufen aktuell zwei Prozesse gegen Journalisten, Kläger ist jeweils der Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann. Neben anderen Medien berichtet auch die „Bild“-Zeitung heute über die Verhandlungen:

Er gründete die terroristische „Wehrsportgruppe Hoffmann“, die 1980 verboten wurde. Trotzdem möchte Karlzheinz (sic) Hoffmann (79) nicht „Terrorist“ genannt werden!

Deshalb verklagt der Rechtsextremist zwei „Tagesschau“-Journalisten. Von Patrick Gensing (41, NDR) will er 2500 Euro Schmerzensgeld, weil der ihn in einem Beitrag „Mörder und Terrorist“ nannte. Von Ulrich Caussy (sic) (64, BR) verlangt er 10 000 Euro, weil er ihn in einem Vortrag als „Drahtzieher“ des Oktoberfest-Anschlags von München 1980 bezeichnet habe

Erstmal zu „BR“-Journalist Ulrich Chaussy. Wofür in dem kurzen „Bild“-Artikel kein Platz mehr war: Hoffmann bezieht sich bei seinem Vorwurf laut sueddeutsche.de auf einen Text der „Erlangener Nachrichten“, die über Chaussys Vortrag berichteten. Chaussy bestreitet, Hoffmann als Drahtzieher des Oktoberfest-Anschlags bezeichnet zu haben, und verweist dabei sowohl auf sein Redemanuskript als auch auf eine Aussage des Journalisten der „Erlanger Nachrichten“.

Besonders interessant an dem „Bild“-Bericht ist der Unterschied, den die Redaktion bei den Vorwürfen gegen Gensing und Chaussy macht: Bei Chaussy verwendet „Bild“ den Konjunktiv („bezeichnet habe“), bei „NDR“-Journalist Gensing hingegen den Indikativ („weil der ihn in einem Beitrag ‚Mörder und Terrorist‘ nannte“). Nur: Patrick Gensing hat Karl-Heinz Hoffmann „in einem Beitrag“ nie „Mörder und Terrorist“ genannt, wie „Bild“ behauptet.

Es geht um diesen Artikel von tagesschau.de:

Im ersten Absatz schreibt Gensing:

Der Rechtsterrorismus in Deutschland wird aktuell mit dem NSU sowie mit den Ermittlungen gegen Neonazis aus Freital in Verbindung gebracht. Doch die Geschichte des rechten Terrors ist deutlich länger. In den 1970er- und 1980er-Jahren verübten Alt- und Neonazis schwere Anschläge. Sie griffen Polizisten und Linke, Migranten und Juden an, schmuggelten Waffen und töteten zahlreiche Menschen. Die „Deutschen Aktionsgruppen“, die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ oder die „Hepp-Kexel-Gruppe“ waren nur die bekanntesten militanten Nazi-Gruppierungen dieser Zeit.

Abgesehen von einer Bildunterschrift („Mitglieder der ‚Wehrsportgruppe Hoffmann‘ stehen in uniformähnlicher Kluft auf dem Grundstück von Karl-Heinz Hoffmann in Ermreuth bei Nürnberg“) ist dies die einzige Stelle in Gensings Text, an der der Name „Hoffmann“ fällt. Und das auch nur in Bezug auf die von Hoffmann gegründete „Wehrsportgruppe“ und nicht auf Hoffmann als Person.

Vor Gericht versuchte Karl-Heinz Hoffmann nun, den Eindruck zu erwecken, dass Patrick Gensing ihn als „Mörder und Terroristen“ darstelle. Doch dies ließ die zuständige Richterin nicht zu, wie Claudia Henzler bei sueddeutsche.de schreibt:

In der Verhandlung wurde deutlich, dass es Hoffmann nicht nur darum geht, was ihm konkret in Text und Rede zu Last gelegt wurde — oder eben nicht. Er will sich dagegen wehren, dass der Eindruck erweckt worden sein könnte, er sei ein Terrorist oder Mörder. Entsprechende Anträge wies die Vorsitzende Richterin zurück. Das Gericht werde nur der Frage nachgehen, ob die Journalisten tatsächlich behauptet haben, dass Hoffmann persönlich mit Waffen handelte oder Menschen ermordete. Zweifel daran wurden in der Verhandlung deutlich.

Das alles kommt im „Bild“-Artikel nicht vor. Stattdessen übernimmt das Blatt einfach Karl-Heinz Hoffmanns falschen Vorwurf.

Nachtrag, 12. Februar: Die Nürnberger Redaktion der „Bild“-Zeitung, von der der Artikel zu den Gerichtsprozessen stammt, hat sich via Twitter bei Patrick Gensing entschuldigt:

Kopfloser Kopfab-Titel, Hoaxmap-Jubiläum, Trump Today

1. Wird Satire kopflos?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Nach dem „Spiegel“ macht nun auch das Satireblatt „Charlie Hebdo“ mit einem Kopf-ab-Cover auf. Angeblich aus Solidarität. „Tagesspiegel“-Autor Joachim Huber findet, die Kopf-ab-Solidaritäts-Satire sollte keine Schule machen. Weil es die Satiriker schwach zeige und schwach mache. „Ein zwei Mal erzählter Witz ist einmal zu viel erzählt.“

2. Ein Abschied
(twitter.com, Ismail Küpeli)
Das neue türkische Exil-Medium „Özgürüz“ sieht sich als Plattform für ungefilterte Nachrichten und investigative Berichte aus der Türkei. Das Online-Magazin wurde vom im deutschen Exil lebenden Journalist Can Dündar zusammen mit dem Recherchezentrum „Correctiv“ gegründet und erscheint auf Türkisch und Deutsch. Nun hat einer der Mitstreiter, der Politikwissenschaftler & Journalist Ismail Küpeli in einem emotionalen Tweet seinen Rückzug von Twitter bekanntgegeben. Eine Kapitulation vor den Anhängern Erdogans, die ihm dort das Leben schwer machen würden.

3. Ein Jahr Hoaxmap
(blog.hoaxmap.org, Karolin Schwarz)
„Hoaxmap“, die Landkarte für Gerüchte und Fakenews über Asylsuchende feiert ihr einjähriges Jubiläum. Zu Beginn des Projekts versammelte die Karte 176 Gerüchte aus dem deutschsprachigen Raum samt ihren Widerlegungen, sortiert nach Themen, Datum, Ort und Land bzw. Bundesland. Am heutigen Tag sind es 455. Die Karte ist mittlerweile eine anerkannte Anlaufstelle für Interessierte, Wissbegierige und Medien geworden. BILDblog gratuliert!

4. Die Feier der „Journalisten des Jahres“
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Medienkolumnistin Ulrike Simon fand es schön auf der Feier der „Journalisten des Jahres“. Fast schon zu schön und vor allem zu harmonisch: „Mir lag an dem Abend zu viel Einsicht, Demut und Hinnahme in der Luft, dafür zu wenig Mut, Unnachgiebigkeit und Zorn. Ein paar von uns braucht es schon, die sagen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Wer sich nur noch klein macht, wird übersehen, wer leise ist, überhört.“

5. Nicht mehr als Quelle zugelassen
(taz.de, Dinah Riese)
„taz“-Volontärin Dinah Riese berichtet über einen herben Schlag für die englische Boulevardzeitung „Daily Mail“: Die Community der englischsprachigen Wikipedia hat entschieden, die „Daily Mail“ nicht mehr als Quelle für Wikipedia-Artikel zuzulassen. Darüber hinaus sollen die mehreren tausend bereits existierenden Artikel mit „Daily-Mail“-Bezug überprüft und die Quellen durch verlässlichere Nachweise ersetzt werden.

6. „Extra 3“ präsentiert erstes Nachrichtenformat für #AlternativeFacts
(horizont.net, Marco Saal)
Die „Extra3“-Macher haben ein neues Fernsehformat vorgestellt: „Trump Today“.

Flugs kopiert

Joar, Mensch, das ist ja mal gar nicht schlecht, dass das „Abendblatt“ dabei war, „als die finnische Fluggesellschaft ‚Finnair‘ als erste Fluggesellschaft den Airbus A350 übernahm.“ Glückwunsch!

Warum das überhaupt bemerkenswert ist? Weil dieser Screenshot nicht von abendblatt.de stammt, sondern von Bild.de:

Das Portal berichtet heute über einen „SONDERFLUG DES LUFT-GIGANTEN“, denn der „Mega-Airbus besucht Hamburg“:

Der neue Lufthansa-Airbus A350-900, das weltweit modernste Langstreckenflugzeug, besuchte am Donnerstag-Vormittag mit einem Sonderflug die Hansestadt.

Wie da nun die frohe „Abendblatt“-Kunde reingerutscht ist? Vermutlich hat irgendein Bild.de-Mitarbeiter beim Text-Klauen nicht aufgepasst und beim Copyandpasten eben auch die Passage mit „Finnair“ übernommen. Auf abendblatt.de steht nämlich ebenfalls (Link mit Bezahlschranke):

Für die Lufthansa sei der Neuzugang eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres. Die A350-900 für 293 Passagiere sei das modernste und umweltfreundlichste Langsteckenflugzeug. Es verbrauche 25 Prozent weniger Treibstoff und sei beim Start wesentlich leiser als vergleichbare Flugzeugtypen.

Das Abendblatt war dabei, als die finnische Fluggesellschaft Finnair als erste Fluggesellschaft den Airbus A350 übernahm.

Die Bild.de-Redaktion mopst also einfach zwei Absätze beim „Abendblatt“, inklusive Rechtschreibfehler („Langsteckenflugzeug“), und vergisst, die Spur zu verwischen. Wir wollen an dieser Stelle nur noch mal daran erinnern: Bild.de geht derzeit mit einer wettbewerbs- und urheberrechtlichen Klage gegen „Focus Online“ vor, weil man sich nicht länger bieten lassen wolle, dass das „Burda“-Portal „systematisch exklusive Bezahl-Inhalte von BILDplus abschreibt“. Nun ist das Ausmaß, mit dem „Focus Online“ sich bei „Bild plus“ bedient, sicher noch mal ein anderes. Aber auch bei den zwei „Abendblatt“-Absätzen handelt es sich um Bezahl-Inhalte. Und abschreiben bleibt abschreiben.

Nachdem ein Twitter-User auf den Textdiebstahl hingewiesen hat, hat Bild.de die Passagen gelöscht.

Mit Dank an @DonTimoteoHH für Hinweis und Screenshot!

Interview-Lehrstück, Vergessene Nachrichten, Helene Fischer

1. Wie sich Trumps Beraterin um Kopf und Kragen redet
(faz.net, Stefan Tomik)
Bekanntermaßen hat es Donald Trump nicht so mit dem amerikanischen Sender „CNN“, der bei ihm nur unter „Fakenews“ rangiert. Nun hat der Sender seine Beraterin Kellyanne Conway interviewt, die sich dabei um Kopf und Kragen redete: Ihr blieb im Verlauf des Gesprächs nichts anderes übrig, als Fehler einzugestehen, um Entschuldigung zu bitten und ihrem Chef zu widersprechen. Stefan Tomik hat das Interview in der „FAZ“ gründlich seziert und ausführlich kommentiert. „Dieses Interview ist nicht nur ein Lehrstück in Sachen Fernsehjournalismus. Es offenbart in kondensierter Form, wie wild das Weiße Haus mit Anschuldigungen gegen „die Medien“ um sich schlägt, diese teilweise zurücknimmt und dann wieder anders gemeint haben will. Jeder kann sehen, wie Trumps Beraterin den unangenehmen Fragen immer wieder auszuweichen versucht. Inhaltlich hat sie nichts anzubieten.“

2. Top Ten der vergessenen Nachrichten 2017
(derblindefleck.de)
Welches sind die zehn „Vergessenen Nachrichten 2017“? Welche Themen sind in den Medien untergegangen oder kamen gar nicht vor? Die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ gibt die Top Ten jedes Jahr heraus – zusammen mit der Nachrichtenredaktion des DLF. Auf der Webseite werden alle zehn Themen mitsamt Begründung präsentiert. Zumindest zu einem der Themen gibt es bereits ein Echo. Der Experte für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Thomas Wiegold hat sich auf seinem Blog geäußert: „Vergessene Nachrichten“ über Bundeswehr-Einsätze: Ein paar Fakten

3. Die AfD kneift…
(blog.wdr.de)
Der „WDR“ will mit allen zur Wahl antretenden Parteien sprechen. Doch die Interview-Vorbereitungen gestalten sich als nicht einfach. Für viele kleine Parteien ist es offenbar noch zu früh, sich verbindlich festzulegen. Immerhin hätten alle bislang erreichten Parteien ihr Interesse signalisiert und würden mitmachen. Bis auf die AfD, die unter Angabe reichlich seltsamer Gründe abgesagt hat.

4. Nur eine der 50 größten deutschen Digitalagenturen ist auf Snapchat aktiv
(horizont.net, Marco Saal)
In einer neuen Studie wurden die Social-Media-Aktivitäten der 50 größten deutschen Digitalagenturen untersucht, die viel Geld damit verdienen, Online- und Social-Media-Strategien für andere zu entwerfen. Wie sich herausstellt, bleiben die Spezialdienstleister, was ihre eigenen Auftritte im Social Web anbelangt …nunja… etwas unterhalb ihrer Möglichkeiten.

5. Warum wir #D17 starten
(blog.zeit.de, Jochen Wegner)
„Zeit Online“ startet mit „D17“ ein neues übergreifendes Ressort, für das die gesamte Redaktion arbeitet. Im Jahr der Bundestagswahl will man darin Deutschland Deutschland erklären. „Zeit-Online“-Chef Jochen Wegner: „Wir werden nicht auf Wahlprognosen starren, sondern uns da aufsuchen, wo wir nun einmal sind, in Bretten etwa, Calw, Oberscheld und Wismar. In mehreren Serien nähern wir uns Deutschland von seinen vielen Seiten und versuchen, es noch einmal ganz von vorne zu verstehen.“

6. Helene Fischer ist gar kein Star – sagt Chefredakteur, der gar kein Journalist ist
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Sven-Christian Güthlein, Chef des Klatschblatt-Verlages SCG, hat Helene Fischer einen „ganz persönlichen Brief“ geschrieben,in dem er ihr den Starstatus aberkennt. Und das ist ein wenig lustig wie der Spezialist für Regenbogenerzeugnisse Mats Schönauer findet.

Falsches über einen, der sich gegen Falschmeldungen wehrt

Ziemlich häufig, wenn irgendwo ein grausiges Verbrechen passiert, das für größere Aufmerksamkeit sorgt und das mit einem Flüchtling in Verbindung gebracht werden kann, taucht in den Sozialen Netzwerken ein Foto von Anas M. auf. Nein, es taucht das Foto von Anas M. auf. Es zeigt den Syrer, wie er gerade mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Selfie macht. Dazu schriebt der User, der das Foto hochgeladen hat, dann, dass es sich bei dem gesuchten Verbrecher oder Attentäter oder Wasauchimmer eben um jenen Anas M. handelt. Die Botschaft ist klar: Schaut nur her, was Merkels Gäste hier in unserem Land so anstellen.

Jedes Mal ist das eine Lüge.

Anas M. ist kein Verbrecher und kein Terrorist. Die Leute, die das behaupten, weil sie gegen Ausländer oder Flüchtlinge Stimmung machen wollen, verleumden ihn. Das will sich Anas M. nicht mehr bieten lassen, er geht nun rechtlich gegen Facebook vor. Seine Forderung: Das Netzwerk solle von sich aus alle derartigen Inhalte suchen, finden und löschen — und nicht erst gegen einen einzelnen Beitrag vorgehen, wenn dieser als problematisch gemeldet wurde. Seit Montag läuft der Prozess vor dem Landgericht Würzburg.

Klar, dass das Interesse von Medien an der Verhandlung groß ist, wenn überall gerade über „Fake News“ in Sozialen Netzwerken gesprochen wird. Bild.de berichtete zum Beispiel, verzichtete dabei allerdings darauf, Anas M. auf der Startseite Anas M. zu nennen, und machte ihn zu „Merkels Selfie-Flüchtling“:

Die Nachrichtenagentur „dpa“ verschickte auch Meldungen zu dem Prozess. In einer nennt sie Anas M. konsequent falsch Anis M., was natürlich mal passieren kann. Ärgerlich ist nur, dass dieser Fehler durch die große Verbreitung der „dpa“ nun bei einer Reihe von Medien zu finden ist. Bei Welt.de taucht er bespielsweise auf:

Und bei stern.de:

Und bei Merkur.de:

Ein falscher Name in Überschriften, Teasern und Texten wäre einfach nur etwas ärgerlich, auch wenn das ausgerechnet bei demjenigen passiert, der aktuell gegen Falschmeldungen über sich vorgeht. Besonders blöd ist der Fehler aber, weil er zu dieser Passage geführt hat, die in allen drei Artikeln vorkommt:

Ein anderer User behauptete, Anis M. sei der Weihnachtsmarkt-Attentäter von Berlin. Auch das war schlicht falsch — außer demselben Vornamen teilt er nichts mit dem Terroristen Anis Amri.

Nein, nicht mal das teilt er mit ihm.

Mit Dank an Alessandro A. für den Hinweis!

Nachtrag, 9. Februar: Die „dpa“ hatte den Fehler recht schnell selbst entdeckt und noch am vergangenen Freitag eine korrigierte Version an die Redaktionen geschickt. Darin auch der Hinweis: „Im Text wurde der Vorname des klagenden Flüchtlings durchgängig von Anis zu Anas rpt Anas korrigiert.“ Die Textstelle mit Bezug auf Anis Amri wurde ebenfalls geändert: „Ein anderer User behauptete, Anas M. sei der Weihnachtsmarkt-Attentäter von Berlin. Auch das war schlicht falsch — der Täter hieß Anis Amri.“

Viele Redaktionen haben ihre fehlerhaften Texte durch den korrigierten Text ersetzt. Dass die oben aufgeführten Portale dies nicht getan haben — dafür kann die „dpa“ dann auch nichts.

Blättern:  1 ... 3 4 5 ... 835