Bild  Bild.de  

Sehen alle gleich aus (8)

Sagt mal, Leute von "Bild", wer ist eigentlich dieser Peter Dinklage, den Ihr da neulich am Filmset in Hamburg getroffen habt?

Peter Dinklage ist einer der erfolgreichsten US-Schauspieler.

Ah ja. Und wo spielt er so mit?

Er ist der Superstar aus dem Serien-Kracher "Game Of Thrones".

Okay. Und sonst?

Neben vier Staffeln "Games of Thrones" (2011–2014) spielte er etwa in "Die Chroniken von Narnia" (2008) und "Brügge sehen… und sterben?" (2008).

[Szenenfoto aus "Brügge sehen... und sterben?"] Hier gibt er den Partyhengst

Gut, der "Partyhengst" auf dem Foto (zu erkennen an der flotten Mütze) ist in der Tat ein Mann, so wie Peter Dinklage. Und ein Schauspieler, so wie Peter Dinklage. Und kleinwüchsig, so wie Peter Dinklage. Komischerweise heißt er aber gar nicht so wie Peter Dinklage, sondern so wie Jordan Prentice. Was wohl daran liegt, dass er Jordan Prentice ist. Peter Dinklage hat in dem Film überhaupt nicht mitgespielt.

Mit Dank an Martin und Stefan K.

Anzeige

Augstein und Blome, Raketentest, Walkman

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "'Einfach einschalten wäre todesmutig'"
(taz.de, Jürn Kruse)
Oliver Kalkofe spricht über das Fernsehen: "Das Fernsehen hat uns in den vergangenen zehn bis 15 Jahren beigebracht, dass es ein toller Job sei, prominent zu sein: Man würde bewundert, auf der Straße mit Geld beworfen, und dafür müsse man nichts können – außer sich vielleicht mal auslachen zu lassen."

2. "'Die Bundesregierung stellt die Beziehungen zu den USA über die Privatsphäre'"
(tagesspiegel.de, Christian Tretbar und Harald Schumann)
Glenn Greenwald kritisiert das Verhalten anderer Journalisten zu den Snowden-Leaks: "Unsere führenden Kritiker sind Journalisten, die es falsch finden, Geheimnisse der US-Regierung zu veröffentlichen, obwohl genau das die Aufgabe von Journalisten ist. Es gibt eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen den führenden Medien und der amerikanischen Regierung. Die Medien prüfen und recherchieren die Behauptungen der Regierung nicht, sie verbreiten und verteidigen sie nur."

3. "Das Ausländerproblem der Medien"
(tageswoche.ch, Jacqueline Beck)
Jacqueline Beck schreibt über den Umgang von Schweizer Medien mit Migranten: "Redaktoren, die sich auf ihre eigene Einschätzung verlassen, bewegen sich möglicherweise in einer Blase: Sie kommunizieren mit ihresgleichen, der Perspektivenwechsel ist gedanklich wie räumlich aufwendig, nicht selten fehlen dazu die Ressourcen. Wer sich an den Interessen einer vermeintlichen Mehrheit orientiert, läuft wiederum Gefahr, manche Themen zu Selbstläufern zu machen und leisere Stimmen, die ebenfalls relevant wären, zu überhören."

4. "Augstein und Blome kochen!"
(quotenmeter.de, Rob Vegas, mit Video, 4:46 Minuten)
"Harald Schmidt hat im Twitter gesagt, dass ihm in unserer Sendung der Kochaspekt fehlt, und da möcht ich jetzt was machen", sagt Jakob Augstein in der auf Phoenix ausgestrahlten Sendung "Augstein und Blome". Rob Vegas schreibt dazu: "Der Fake-Account von Harald Schmidt ist keine neue Geschichte. Vielmehr weiß wohl langsam auch die letzte Bäckereifachverkäuferin, dass hinter diesem Twitterprofil Rob Vegas steckt. Doch fallen fast jede Woche wieder Journalisten und Gazetten auf die Einträge herein und halten die Einträge für echt."

5. "Oops!… He did it again…"
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de)
Russische und US-amerikanische Raketentests im Vergleich.

6. "KIDS REACT TO WALKMANS (Portable Cassette Players)"
(youtube.com, Video, 7:23 Minuten, englisch)

Glenn Greenwald, Marc Walder, Loni Nest

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Es geht nur um die Macht"
(faz.net, Harald Staun)
Glenn Greenwald hat von Edward Snowden geleakte Dokumente veröffentlicht. Zur Frage seiner journalistischen Unabhängigkeit sagt er: "Fast jedes Medienunternehmen wird von sehr reichen Menschen finanziert und kontrolliert. Und die Interessen dieser Leute kollidieren grundsätzlich immer mit der Arbeit der Journalisten. Ich verstehe die Skepsis, ich weiß nur nicht, was an meinem Fall so besonders ist. Im Endeffekt hängt journalistische Glaubwürdigkeit immer davon ab, dass man sie auch demonstriert."

2. "Der gefälschte Tod eines echten Stummfilmstars"
(welt.de, Hanns-Georg Rodek)
"Loni Nest, die wahre, einzige Loni Nest, starb 75-jährig am 2. Oktober 1990 in Nizza", schreibt Hanns-Georg Rodek, und doch stehe in vielen Quellen im Internet aufgrund "einer unverfrorenen Fälschung" etwas anderes. "Binnen zweier Wochen hatten die relevanten Online-Datenbanken Loni Nest 'aktualisiert', im Zuge des großen Abschreibens, das in allen Medien an Stelle der eigenen Recherche getreten ist."

3. "'Tempo ist alles, die Amerikaner haben recht'"
(bazonline.ch, Jean-Martin Büttner und Christian Lüscher)
Der CEO des Ringier-Verlags, Marc Walder, glaubt, dass die Schweizer "vielleicht etwas gar brav" mit ihren Prominenten umgehen: "Die Deutschen machen das besser. Eine intelligente, durchaus auch kritische Auseinandersetzung mit unseren Prominenten ist keine journalistische Stärke in der Schweiz."

4. "Gratis-Mentalität im Web: Werbung muss endlich fair bezahlt werden"
(lousypennies.de, Stephan Goldmann)
Online-Werbung ist zu kostengünstig, findet Stephan Goldmann. "Ein kleiner Trend immerhin macht Mut: Auch viele Firmen haben mittlerweile keine Lust mehr in einem Anzeigenumfeld zu agieren, das sie wahllos neben Single-Börsen und Sanitärbedarf platziert. Viele suchen verlässliche Sponsorenpartner in Nischenseiten, die sie exklusiv oder in einem überschaubaren Konkurrenzrahmen anzeigt."

5. "Mein Vater, ein Werwolf"
(spiegel.de, Cordt Schnibben)
Cordt Schnibben schreibt im "Spiegel" über die Verbrechen seiner Eltern: "Gehört das in die Öffentlichkeit? Ja, denn je länger ich ihre Geschichte recherchierte, desto öfter traf ich auf Leute, die auch dabei waren, ihre Eltern zu durchleuchten. Da schlummern viele Geschichten, die den ganz gewöhnlichen Faschismus und seine Helfer erhellen."

6. "24h Jerusalem 06h-07h"
(arte.tv, Video, insgesamt 24 Stunden)
"24h Jerusalem", ein "dokumentarisches Projekt einer geteilten Stadt. Unter der Projektregie von Volker Heise haben 70 Filmteams einen Tag lang 90 Bewohner Jerusalems in ihrem Alltag begleitet — Menschen jeden Alters, jeder Couleur und verschiedener Religionen."

Die Jagd auf Schumachers Privatsphäre

Nicola Pohl, die Schumi-Beauftragte der "Bild"-Zeitung, ist fassungslos.

Manche Meldungen machen einfach fassungslos.

Wie BILD aus Krankenhauskreisen erfuhr, haben zwei unbekannte Männer vor rund zwei Wochen versucht, sich Zugang zum Krankenzimmer des schwer verletzten Formel-1-Rekord-Weltmeisters zu verschaffen.

Nach BILD-Informationen wollten die beiden, höchstwahrscheinlich Angehörige anderer Patienten, heimlich ein Handyfoto von Schumi machen. (…) Die Eindringlinge konnten von einem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma des Krankenhauses noch rechtzeitig davon abgehalten werden, direkt an Schumacher heranzukommen.

Ohne Frage eine in jeder Hinsicht ekelhafte und niederträchtige Aktion. Sofern es denn stimmt, was Nicola Pohl da berichtet.

Dass aber ausgerechnet die jetzt um Fassung ringt, ist schon ein starkes Stück. Nicola Pohl, tapfere Verteidigerin von Schumis Privatsphäre. Klar. Und dann ausgerechnet in der "Bild"-Zeitung, zu deren Repertoire es durchaus gehört, unangemeldet und unerwünscht in die Krankenzimmer von Unfallopfern zu platzen und dort gemachte Fotos auch ohne ausdrückliche Genehmigung zu veröffentlichen.

Jedenfalls — Nicola Pohl. Die ist bei "Bild" normalerweise für die Formel 1 zuständig. Seit dem Ski-Unfall von Michael Schumacher besteht ihr Job aber in erster Linie darin, vor Schumachers Krankenhaus rumzustehen, an Schumachers Unglücksort rumzustehen, sämtlichen Schumacher-Gerüchten hinterherzuhecheln, alte Fakten in neue Schlagzeilen zu verwandeln und aus jedem vermeintlichen Informationsfetzen eine große Sensation zu basteln. Ihr Vertreter im Vor-dem-Krankenhaus-Rumstehen ist übrigens "Bild"-Newcomer Julien Wilkens (wenn er nicht gerade schon woanders rumsteht).

Und das ist bislang dabei rausgekommen:
Ausrisse: "Bild" und "Bild am Sonntag" vom 30.12.2013 bis 12.04.2014
Seit Monaten gieren die Macher und Leser der "Bild"-Zeitung nach Insider-Infos aus dem Krankenhaus. Schumachers Managerin Sabine Kehm kann noch so oft mitteilen, dass es nichts Neues gibt, dass man Geduld haben muss, dass sie keine Details nennen wird. Und sie kann noch so oft darum bitten, sich ausschließlich an die offiziellen Mitteilungen zu halten, die Ärzte in Ruhe arbeiten zu lassen, das Arztgeheimnis und Schumachers Privatsphäre zu respektieren. Aber die "Bild"-Zeitung will sich damit einfach nicht zufriedengeben. Sie will mehr. Sie will Exklusives. Spektakuläres. Hetzt unermüdlich der Frage nach: Was passiert im Zimmer von Schumacher? Und vermeintliche Antworten darauf werden pompös präsentiert wie Jagdtrophäen. Privatsphäre? Pah.

Das Blatt will immer als erstes berichten, wenn sich irgendwas tut, verlässt sich lieber auf "BILD-Informationen" statt auf offizielle Statements und nimmt dabei in Kauf, überholte oder gar falsche Tatsachen zu verbreiten. Die Redaktion gibt vor zu wissen, wie es "wirklich um Schumi steht!", sie prahlt damit, mehr zu erfahren als die anderen, näher dran zu sein an Schumacher, tiefere Einblicke zu haben in sein Umfeld, seine Krankenakte, sein Zimmer, seine Privatsphäre.

Und immer mittendrin: Nicola Pohl. Im Artikel von gestern, über die Einringlinge, die Schumacher fotografieren wollten, schreibt sie noch:

Ob sie geplant hatten, das Bild später meistbietend zu verkaufen, ist nicht bekannt.

Ebenso unbekannt ist, ob die "Bild" die Fotos, wenn sie zu erwerben gewesen wären, gekauft und veröffentlicht hätte statt sich über den Versuch, sie zu machen, groß auf der Titelseite zu empören.

Mit Dank auch an Wimo.

Bild  

Sauerster Gurkentitel aller Zeiten?

Nach einer Abi-Feier an einem Hamburger Gymnasium haben gestern mehrere Schüler über Kopfweh und Übelkeit geklagt. Soll ja durchaus mal vorkommen. Doch in diesem Fall waren es nicht die Abiturienten selbst, bei denen die Symptome auftraten, sondern vor allem jüngere Schüler. Was also war passiert?

Die "Bild"-Zeitung weiß es:Schlimmster Schul-Streich aller Zeiten? - Fünftklässler bei Abi-Feier vergiftet

Im Artikel gibt sie dann aber selbst zu, dass es sich dabei lediglich um einen Verdacht handelt:

Der Verdacht: In den auch an Jüngere ausgeschenkten Getränken wie Cola oder Fanta könnten Drogen, K.O.-Tropfen oder Abführmittel gewesen sein. Polizisten beschlagnahmen einen Kasten Limonade. Proben der Getränke werden zur Untersuchung ins Toxikologische Institut des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf [UKE] gebracht.

Währenddessen darf sich der Sprecher der Schulbehörde schon mal empört darüber auslassen, dass es ja ein "absolutes Alkoholverbot" gegeben habe, "das hinterlistig und zulasten von jungen Schülern umgangen wurde". Woher er diese Informationen hat, sagt er nicht.

Inzwischen sind die ersten Blut– und Getränke-Untersuchungen abgeschlossen. Und siehe da: Kein Alkohol, keine Drogen, keine K.O.-Tropfen, keine Abführmittel.

Die einzige Erklärung der Ärzte im UKE für das Verhalten der Kinder, ist eine Hysterie, die unter den Schülern ausgebrochen sein könnte. Oberärztin Daniela Nolkemper sagte NDR 90,3: "Es wurden keine Alkoholspiegel gemessen bei den Kindern. Ich weiß nur, dass die Kinder hier völlig unauffällig und unbeeinträchtigt waren." Aber sie seien sehr aufgeregt gewesen und hätten Angst gehabt. Die Ärztin vermutet, dass sich eine Massenhysterie entwickelte hatte, ausgelöst möglicherweise durch eine Lautsprecherdurchsage der Schulleitung, in der es hieß, dass die Feier abgebrochen werde, weil Drogen und Alkohol gefunden worden seien.

Die Polizei hat ihre Ermittlungen inzwischen auch eingestellt.

Die "Bild"-Zeitung aber wird noch bis heute Abend in den Kiosken und Zeitschriftenständern dieses Landes verkünden, die Schüler seien "vergiftet" worden. Auch eine Form von Massenhysterie.

Bunte  

Zeitschrift mit Verfallsdatum

Also angenehmer fürs Auge ist es so allemal:

09-1

Und irgendwie sind uns schwarze Kästen dann auch insgesamt lieber als die pixeligen, offenbar heimlich aufgenommenen Paparazzi-Fotos von Charlène im Privaturlaub, die dort ursprünglich zu sehen waren (die Ausgabe ist im Februar erschienen). Offenbar ist die Fürstin dagegen vorgegangen, also mussten die Fotos in der e-Paper-Version nachträglich geschwärzt werden. Und zwar alle:

09-2-1-3
09-2-2
09-3
09-4

Auch mehrere Textpassagen mussten dran glauben:

09-5

Für Charlène natürlich nur ein mäßiger Erfolg. Die Print-Version ist — ohne Schwärzungen — längst über 500.000-mal verkauft worden.

Zwei Ausgaben später sah die "Bunte", wie wir ja neulich schon geschrieben haben, so aus:

11-1-4
11-2
11-3
11-45

Auf den oberen Ausrissen ging es ursprünglich um Charlotte Casiraghi, auf dem untersten um Madeleine von Schweden.

Nachdem wir diese Seiten entdeckt hatten, haben wir uns auch die anderen digitalen Ausgaben der "Bunten" aus diesem Jahr mal etwas näher angeschaut — und dabei einiges entdeckt. Beziehungsweise: nicht.

Vom Text über Jürgen Fliege (Ausgabe Nr. 2/2014) ist nur noch das hier übrig:

02-2

Selbst aus dem Inhaltsverzeichnis ist er verschwunden:
02-1

Das Cover der darauffolgenden Ausgabe (Nr. 3) zeigte ursprünglich Corinna Schumacher am Krankenhaus in Grenoble, sieht inzwischen aber so aus:

03-12

Auch im Heftinnern sind die Fotos unkenntlich gemacht worden:
03-3-12
03-3-2
03-22

Genauso wie ein Artikel über Katrin Göring-Eckardt (Nr. 6) …

06-1-11 06-1-2
06-22

… einer über die monegassische Fürstenfamilie (Nr. 7), für den sich, ausgeschnitten und eingerahmt, sicherlich auch in irgendeiner Galerie ein nettes Plätzchen an der Wand finden ließe  …

07-1
07-2
07-3-1
07-4-12
07-4-22
07-5
07-6
07-7

… und einer über Mirja Sachs (Nr. 8):

08-1
08-22
08-3

Beim Foto von David Coulthard (Nr. 10) hat sich die "Bunte" die schwarze Farbe dann ausnahmsweise mal gespart:
10-1
… allerdings wurde die auch für den Text gebraucht :
10-2

Die jüngste Unkenntlichmachung haben wir schließlich in Ausgabe Nr. 14 gefunden, in einem Text über Lukas Podolski:

14-1
14-2

Sechzehn Ausgaben sind in diesem Jahr bislang erschienen, in neun davon wurden Artikel geschwärzt, gegraut oder geweißt. Wenn das so weitergeht, sollte die "Bunte" mal überlegen, ob sie diesen Namen überhaupt noch verdient hat.

SDA, Demut, Krimkrise

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Ruhe im Regenbogen: Ein bescheidener Vorschlag"
(topfvollgold.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi fordert einen "verpflichtenden Kodex für die Klatschpresse" und präsentiert einen Entwurf in acht Punkten. Zusätzlich schlägt er "die Bildung einer unabhängigen Schiedsstelle für das deutsche Pressewesen" vor.

2. "Journalismus braucht Wut und keine Demut!"
(jensrehlaender.tumblr.com)
Nicht mehr Demut, sondern mehr Wut müssen Journalisten haben, findet Jens Rehländer: "Der wachsende Druck, der auf den Berichterstattern lastet – immer mehr Schlagzeilen in immer kürzerer Zeit, immer mehr Konkurrenz auf immer mehr Kanälen – spielt den Eliten in die Hand. Sie haben kapiert, wie man Journalisten instrumentalisiert und manche auch als Steigbügelhalter missbraucht, um mit den eigenen Themen ganz groß rauszukommen. Nie war die Macht der Medien fiktiver als heute."

3. "Medienhaus erwägt Klage gegen SDA"
(persoenlich.com, lmy)
Die Nachrichtenagentur SDA braucht vier Meldungen, um das Jahresergebnis des Ringier-Verlags korrekt zu vermelden, weshalb Ringier gemäss Medienstelle derzeit erwägt, Klage einzureichen. Siehe dazu auch ein Kurzinterview mit dem SDA-Chefredakteur, Bernard Maissen.

4. "Der Roboterjournalismus kommt nach Deutschland"
(robotergesetze.com, Boris Hänßler)
Die Stuttgarter Firma Aexea habe eine "erste deutschsprachige Software auf den Markt gebracht, die Journalisten Routinejobs abnimmt und aus Daten sekundenschnell journalistische Texte generiert", schreibt Boris Hänßler.

5. "Wie Putin spaltet"
(zeit.de, Bernd Ulrich)
Bernd Ulrich widmet sich der Frage, wieso Politik und Medien die Krimkrise ganz anders beurteilen als die Bürger: "Die Mehrheit empfindet offenbar nicht nur gegenüber Washington diese unheilvolle Mischung von fremder Anmaßung und eigener Ohnmacht, sondern auch gegenüber Brüssel. In Fall der Krimkrise kommt beides zusammen."

6. "Fesselt Euch nicht"
(perlentaucher.de, Ina Hartwig)
Ina Hartwig zur Debatte, wie man mit Bildern von nackten Kindern umgehen soll. "Wir streiten nicht über Kinderpornographie. Das Verbot steht in keiner Weise zur Disposition. Wir streiten über einen sittlichen Rigorismus, der zwischen Kinderpornographie und legalen Abbildungen nackter Kinder nicht mehr unterscheiden will."

BND, DWN, Verhaberung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Bedingte Transparenz"
(cicero.de, Wulf Schmiese)
Mit dem ZDF lässt der deutsche Bundesnachrichtendienst "erstmals in seiner sechzigjährigen Geschichte ein Kamerateam zur Live-Berichterstattung hinter seine Mauern": "Für den BND ist diese Form von Öffentlichkeitsarbeit Neuland. Er will Einblicke gewähren, aber auch nicht wirklich etwas preisgeben. (…) Der nächste Schritt ans Licht wird sein, dass es keine doppelten Identitäten mehr geben soll in der Zentrale. Bislang tragen dort viele Geheimdienstler einen falschen Namen."

2. "Content-Style-Guide: Endlich alles einheitlich"
(t3n.de, Timo Stoppacher)
Praktische Tipps zum Erstellen eines Content-Style-Guide.

3. "'Es gab kein Fernsehen'"
(freitag.de, Jan Drees)
Ein Interview mit Milo Rau, Urheber von "Hate Radio": "Ist denn tatsächlich belegt, dass RTLM den Genozid begünstigt hat?" — "Es gibt direkte Anweisungen im RTLM – Hinweise auf Häuser, in denen sich Tutsi versteckten oder die Nennung von entsprechenden Autonummern –, der Hauptanteil des RTLM am Genozid liegt aber darin, dass überhaupt vom Genozid offen (und in offener Weise) gesprochen wurde: Dadurch wurde er legitimiert, normalisiert, fast banalisiert."

4. "Die Hysterie des Netzjournalismus"
(youtube.com, Video, 4:37 Minuten)
Ein Besuch bei den Deutschen Wirtschafts Nachrichten in Berlin.

5. "VICE fragt … Journalisten"
(vice.com, Video, 5:51 Minuten)
Österreichische Journalisten sprechen über die Verhaberung im österreichischen Journalismus.

6. "'Es gab zu viele Verwundungen'"
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Sven Michaelsen)
Sven Michaelsen befragt Fritz J. Raddatz, Leiter des "Zeit"-Feuilletons von 1976 bis 1985.

Afghanistan, Schongau, Buntstifte

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Journalisten in Afghanistan: Recherche mit Risiko"
(tagesspiegel.de, Christine-Felice Röhrs)
Christine-Felice Röhrs schreibt zur Lage von Journalisten in Afghanistan: "Es gibt immer noch Kollegen, die nach Afghanistan kommen, um zu reisen. Aber sie werden rapide weniger. Das erschwert die detaillierte oder auch nur korrekte Berichterstattung enorm."

2. "ZDF-Skandal: Berichte im Auftrag Kiews?"
(freitag.de, L. Applebaum)
L. Applebaum wirft dem ZDF eine zu enge Zusammenarbeit mit dem Ukrainian Crisis Media Center vor: "In welchem Maße auch die ARD, Phoenix, aber auch die privatwirtschaftlich betriebenen Medien in dieses PR-Netzwerk eingebunden sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher beurteilt werden."

3. "Medien in Regimen: Watchdogs sind nicht gefragt"
(de.ejo-online.eu, Karen Gass)
Medienwissenschaftler Florian Töpfl befragt junge Mediennutzer in Russland: "Nur sehr wenige Befragte gaben an, dass die Medien die Regierung kontrollieren sollten und als vierte Gewalt im Staat nötig seien, keiner sah Medien als eine Plattform für einen freien Gedanken– und Ideenaustausch an. Statt des westlichen Idealbildes von den Medien als Watchdog benannten einige Studenten auf Nachfrage alternative Konzepte, die allerdings mit demokratischen Medienideen wenig zu tun haben: So sah ein Student die Aufgabe der Medien darin, den gesellschaftlichen Eliten als Sprachrohr zu dienen."

4. "'Wir wollten das ZDF bloßstellen'"
(spiegel.de/einestages, Danny Kringiel)
Ein Rückblick auf die Buntstift-Wette in "Wetten, dass..?" 1988. Bernd Fritz: "Ich hatte damit gerechnet, dass die Fachleute fragen, ob es überhaupt möglich ist, Buntstifte am Geschmack zu erkennen. Oder dass sie Faber-Castell anrufen. Deren Chemiker hätte ihnen sofort gesagt: Man schmeckt nur das Leinöl, das dem Tonmehl beigemischt wird, und das ist bei allen Farben gleich. Aber die Redaktion prüfte das offensichtlich nicht weiter."

5. "Abo, nein danke!"
(journalist.de, Simon Feldmer)
"Bezahlmodelle liegen im Trend, sind aber nach wie vor ein großes Politikum", berichtet Simon Feldmer. "Keiner will hier einen Fehler machen. Die Angst vor dem Reichweitenverlust im Netz ist groß."

6. "Beinah Bürgermeister"
(blog.neon.de, Martina Kix)
32 Stimmen mehr, und der 27-jährige Tobias Kalbitzer wäre Bürgermeister von Schongau geworden: "Den Wahlkampf hat er am Schreibtisch in seiner WG organisiert. Nach Feierabend."

Bild.de  

Die "Bild"-Theorie vom "Islam-Rabatt" (2)

Die Leute von "Bild" geben sich weiterhin Mühe, ihre Quatsch-Theorie vom "Islam-Rabatt" (BILDblog berichtete) aufrechtzuerhalten.

Heute benutzen sie dafür den Fall des verurteilten Mustafa Y., der vor einem Jahr seinen Nachbarn erschossen hatte und nun wegen Mordes für zwölf Jahre ins Gefängnis muss. Bild.de schreibt:

Eigentlich steht auf Mord eine lebenslange Haftstrafe, man sei bei dem Angeklagten aber von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen, sagte der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer.

"Der Ramadan setzte ihm körperlich zu, er war dehydriert, aber es kam zu keiner Bewusstseinseintrübung." Er stellte aber klar: "Der Ramadan hatte nicht allein Einfluss auf seine verminderte Schuldfähigkeit. Mustafa Y. war auch psychisch und physisch instabil, litt unter Depression, Angstzuständen und Schlafstörungen."

Und trotzdem titelt Bild.de:Wieder Islam-Rabatt für einen Mörder - Nachbar erschossen. Aber nur 12 Jahre Haft, weil er wegen Ramadan so hungrig und „körperlich angeschlagen“ war

Der Staatsanwalt hatte übrigens dreizehn Jahre gefordert.

Mit Dank an P. S., Thure und Manfred S.

Blättern:  1 2 3 4 ... 695

Anzeige