Archiv für Juni 13th, 2013

Bild  

Irrer ist menschlich

Sie wollen auf die Schnelle eine Million Dollar verdienen? Gut. Dann brauchen Sie jetzt zwei Dinge: einen E-Mail-Account und Ihr Mathebuch aus der neunten Klasse.

Bereit? Na dann los:Wer ist der Irre, der für die Lösung dieser Mathe-Aufgabe 1 Mio $ zahlt? - Wenn Ax + By = Cz ist und A, B, C, x und z positive ganze Zahlen sind, dann haben A, B, und C einen gemeinsamen Faktor. Stimmt das? - Washington - Er heißt Andrew Bale, lebt in den USA und hat ein Vermögen von 8 Milliarden Dollar. Bale vergibt ein Preisgeld für die Lösung dieser mathematischen Vermutung, die er selbst eufgestellt hat. Wer das Ergebnis kennt, schickt eine Mail: bealprize@ams.org.

Das dürfte mit ein bisschen Grübelei auf jeden Fall machbar sein. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Und wenn Sie so weit sind: Mail rausjagen, abwarten, Kontoauszug überprüfen. Vielleicht dauert’s ein paar Tage, aber schon bald werden Sie um eine Million Dollar reicher sein. Herzlichen Glückwunsch!

Kleiner Scherz. Ganz so einfach, wie „Bild“ das alles schildert, ist es natürlich nicht.

Zunächst einmal: Der gute Mann heißt Beal, nicht Bale. Und er ist kein Irrer, sondern Unternehmer. 1997* veröffentlichte er die „Beal-Vermutung“ und lobte einen Preis aus für denjenigen, der einen Beweis oder einen Gegenbeweis dafür liefern kann.

Im Original lautet die Vermutung so:

If Ax +By = Cz, where A, B, C, x, y and z are positive integers and x, y and z are all greater than 2, then A, B and C must have a common prime factor.

Dummerweise hat „Bild“ die Aufgabe falsch abgeschrieben und aus A hoch x kurzerhand A mal x gemacht — was die Aufgabe dann doch ein wenig ändert. Außerdem vergisst das Blatt zu erwähnen, dass x, y und z größer als 2 sein müssen.

Und es reicht auch nicht, einfach nur eine Mail zu schreiben, wenn man glaubt, „das Ergebnis“ gefunden zu haben. In der Regel muss ein Beweis zunächst in einer angesehenen Fachzeitschrift veröffentlicht werden, bevor sich das „Beal Prize Committee“ der Sache annimmt.

Sie können das Mathebuch also wieder wegpacken.

Mit Dank an Torben Z., Markus W. und Martin B.

Nachtrag/*Korrektur, 16. Juni: Einige Leser haben uns darauf hingewiesen, dass „Bild“ außerdem unterschlägt, dass es sich bei dem gemeinsamen Faktor um einen Primfaktor handeln muss. Die „Beal-Vermutung“ wurde im Übrigen nicht im Jahr 1997 aufgestellt, sondern schon im Jahr 1993. Vier Jahre später wurde dann erstmals ein Preisgeld ausgelobt.

Rolf Kleine, Sigmund Gottlieb, Cecilia Bartoli

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Kleines Welt“
(sueddeutsche.de, Thorsten Denkler)
Thorsten Denkler sammelt Zitate von Ex-“Bild“-Mitarbeiter Rolf Kleine, dem neuen Sprecher von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

2. „Bartoli-Konzert in der Laeiszhalle – der Streit ums Bild“
(abendblatt.de, Lars Haider)
Weil das „Hamburger Abendblatt“ bei der Auswahl eines Konzertfotos von Cecilia Bartoli nicht frei entscheiden konnte, blieb der Konzertbericht ohne Foto. Chefredakteur Lars Haider spricht mit Konzertveranstalter Christian Kuhnt über den Fall.

3. „Was auf unseren Adblocker-Aufruf folgte“
(golem.de, Jens Ihlenfeld)
Jens Ihlenfeld resümiert die eigene Bitte an die Leser, den Werbeblocker auszuschalten. Die Kampagne habe „dazu geführt, dass wir einige Werbungen abschalten lassen haben, vieles hinterfragt haben und über Verschiedenes mit unseren Werbepartnern diskutieren. Durch die Ergebnisse unserer kleinen Umfrage wissen wir jetzt außerdem etwas mehr darüber, wie es um die Zahlungsbereitschaft unserer Leser bestellt ist.“

4. „Radikalkur für griechischen Staatsrundfunk: Warum ARD und ZDF nicht als Vorbild taugen“
(spiegel.de, Florian Diekmann)
8,7 Milliarden Euro geben die deutschen Öffentlich-rechtlichen 2013 aus: „Pro Einwohner sind das 109 Euro. In Griechenland hingegen kostet der angeblich so ineffiziente staatliche Rundfunk im Schnitt nur 26 Euro pro Jahr und Kopf. Selbst wenn man die unterschiedliche Wirtschaftskraft einbezieht – in Griechenland liegt sie pro Kopf nur bei etwa der Hälfte des deutschen Werts -, ist das deutsche System um rund das Doppelte kostspieliger.“

5. „Ein ernsthafter Gute-Laune-Guide für den Umgang mit Sexismus im Alltag“
(patsyjones.de)
„1. Bewegen Sie sich als Frau auf der Straße häufig Wurst essend. Nicht Eis schleckend. Nicht einen Plastikbehälter voller Salat balancierend. Auch nicht mit einer Tüte bunter Macarons in der Hand. Das Stichwort ist: Wurst. Essen Sie Wurst. Mit Wurst in der Hand reagiert Ihre Umwelt vollkommen anders auf Sie.“

6. „Ende Flut alles Flut: Sigmund Gottlieb moderiert jetzt alles“
(youtube.com, Video, 1:31 Minuten)