Bild.de  

Bluthund auf dem Holzweg

Am Sonntag fragte Bild.de:

Zeigt Google hier einen blutigen Mord?

Die mysteriöse Spur hatte Bild.de auf der Startseite (und nur dort) rot eingefärbt, damit sie ein wenig besser zur Geschichte passte, wie das Blog picomol.de bemerkt hatte (s.a. "6 vor 9" vom Dienstag).

Im Artikel selbst hatte Bild.de Diskussionen auf "Reddit" zitiert, die darum kreisten, was auf der Google-Maps-Aufnahme eines Stegs im niederländischen Almere zu sehen sei.

Einige Kommentatoren spekulierten über einen "blutigen Mord", andere waren da skeptischer:

Auch "Benny 1337" ist skeptisch. Die dunkle Spur auf dem Holzsteg müsse nicht unbedingt Blut sein: "Sieht eher nach einem Hund aus, der aus dem Wasser gesprungen und sich im Laufen trocken geschüttelt hat." Und die Gestalt am Ende des Stegs? "Das ist der Hundebesitzer."

Für Bild.de offenbar keine plausible Erklärung:

Ist am Ende also doch alles ganz harmlos? Nein, glaubt User "thefx37": "Genau das würde der Mörder doch auch sagen."

Heute dann die "überraschende" Auflösung:

BILD.de weiß, wer diesen "Mord" begangen hat

Und das "weiß" Bild.de:

Der "Täter", der die Internet-Gemeinde von "Reddit" beschäftigte, ist der holländische Hund Rama (5), ein Golden Retriever.

Er war nach einem Bad im See an Land geklettert, pitschnass über den Steg gefegt – und hatte sich trockengeschüttelt!

Sein Frauchen Jacquelina Koenen (52) erzählt: "Als ich das Bild sah, wurde mir klar: 'Das ist mein Hund!' Er liebt Wasser." Dann fügt sie hinzu: "Es ist so lustig, das alle dachten, es ist ein Mord. Aber das ist super, Rama ist jetzt weltberühmt."

Na ja, genau genommen wusste das alles eher die "Sun", die das Rätsel schon vor Bild.de aufgelöst hatte und aus deren Artikel auch die Zitate der Hundehalterin und der Polizei stammen.

Bild.de erwähnt die britische Boulevardzeitung mit keinem Wort, weiß aber, wer es von Anfang an gewusst hatte:

"Reddit"-User "Benny 1337" hatte jedoch schon vorher die Lösung des Rätsels!

Und Bild.de beinahe auch. Die Redakteure sind nur falsch abgebogen und haben sich ausgerechnet von der "Sun" auf den richtigen Weg zurücklotsen lassen. Und jetzt sagen sie nicht mal "Danke".

Mit Dank an Patrick K., Martin, Daniel, Marvin und U.

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Bild.de  

Hautnah an den Stars

Die Welt ist voller Fragen: "Woher kommen wir?", "Wohin gehen wir?", "Hab ich das Bügeleisen angelassen?" und natürlich:

Warum trägt Robben eigentlich so enge Trikots?

Beim 6:1-Sieg der Bayern gegen Wolfsburg sei eines "wieder einmal" aufgefallen, so Bild.de:

das hautenge Trikot des Niederländers.

Alljährlich dürfen die Spieler zwischen verschiedenen Trikot-Schnitten wählen, bei Robben fällt die Wahl regelmäßig auf die körperbetonte Variante – sehr zur Freude seiner weiblichen Fans. Die wissen natürlich schon lange um das Geheimnis der hautengen Teile.

Und was ist das "Geheimnis"? Offenbar, dass das "hautenge Teil" besonders teuer ist, wie Bild.de detailliert erklärt:

Robbens kurzärmeliges Trikot, Modell "TechFit Limited Edition", ist derzeit in Weiß für 149,95 Euro im Bayern-Fan-Shop erhältlich. Zum Vergleich: Ein normal geschnittenes Trikot kostet den Fan in Erwachsenen-Größe 79,95 Euro (kurzärmelig) bis 84,95 Euro (langärmelig).

Das dürfte neben den weiblichen Fans auch den Presserat interessieren, beantwortet aber immer noch nicht die Frage, warum Arjen Robben so enge Trikots trägt.

Aber keine Angst, das erklären die Servicejournalisten von Bild.de natürlich auch noch — auf 'ne Art. Jedenfalls lassen sie dabei jemanden zu Wort kommen, der es wissen muss:

Was ist so besonders am "TechFit"-Modell?

"Das Gewebe ist hauteng geschnitten und sorgt für eine bessere Durchblutung der Muskulatur", erklärte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen "Bild am Sonntag". Die enge Passform und die "TechFit mit Powerweb"-Technologie fördere durch Kompression die Körperwahrnehmung und erhöhe das Körperbewusstsein. Das bedeutet: Robbens Oberkörper bleibt nach dem Aufwärmen gut durchblutet, das Verletzungsrisiko sinkt. Dazu trägt er auf dem Platz körpernahe Funktionsunterwäsche. Die verstärkt den Effekt noch – den auf die Damen übrigens auch.

Und wenn die Damen das Dingen jetzt erwerben wollen, wissen sie auch, wo und zu welchem Preis.

Mit Dank an Pascal P., Christian G. und Mark G.

Flattr, CNN, Syrien

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Verrenkungen der Woche (2)"
(topfvollgold.de)
Anhand einiger konkreter Beispiele zeigt der Topf voll Gold, auf was sich die grossen Schlagzeilen verschiedener Klatschzeitschriften stützen.

2. "Warum wir eine neue Diskussionskultur brauchen"
(netzwertig.com, Jürgen Vielmeier)
Hinter nicht angemessen ausgedrückter Kritik im Netz vermutet Jürgen Vielmeier historische Gründe: "Der Großteil der Menschen, die heute das Netz bevölkern, ist in einer Zeit groß geworden, in der Kritik nicht öffentlich geäußert werden konnte. Es gab keinen Draht zu Behörden, Unternehmen, Fernsehsendern. Zeitungen konnten sich aussuchen, welche Leserbriefe sie abdruckten."

3. "Flattr as a payment(wall) on news sites"
(blog.flattr.net, Martin Thörnkvist, englisch)
Der Bezahldienst Flattr bietet sich Medienhäusern als Bezahllösung an. "All news sites are implementing their own walls and subscription plans. The problem is of course that we don’t consume content in silos. Never had, never will. If you’re news company isn’t The New York Times it’s highly unlikly that readers outside your absolute proximity sign up to read the one article they were referred to by a friend or that is the talk of the web."

4. "CNN’s double breakdown: So much for 'abundance of caution'"
(washingtonpost.com, Erik Wemple, englisch)
CNN zu den Ermittlungen im Anschlag auf den Boston-Marathon: "So the network piled one failure—a 'dark-skinned' suspect—on top of another—an arrest that didn’t exist."

5. "Spekulantenstadl"
(theeuropean.de, Martin Eiermann)
Wie Medien wie Bild.de mit der ungewissen Lage während der ersten Stunden in Boston umgehen. "Es ist beruhigend, dass sich die meisten deutschen Medien nicht direkt in Debatten um mögliche Täter verstiegen haben. Die Erfahrungen der letzten zwölf Jahre zeigen hier offensichtlich Wirkung; das allzu offene Zündeln mit dem Feuer der Vorurteile ist in den ersten Stunden ausgeblieben."

6. "Syrische Bürgerkriegsopfer planen Marathon, um endlich wieder in die Medien zu kommen"
(der-postillon.com, Satire)

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