Archiv für März 13th, 2013

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Leverkusen verwahrt sich gegen „Bild“-Bericht

In der Politik, der Wirtschaft, vor allem aber im Sport ist es gerne so, dass ein Medium eine anstehende Personalentscheidung vermeldet, die dann von den Betroffenen dementiert wird — und am Ende liegt das Verhältnis, wer recht hatte, ziemlich genau bei 50:50.

Seit längerem will die Kölner Sportredaktion von „Bild“ beobachtet haben, dass es bei Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä, dem Trainer-Duo von Bayer 04, nicht rund läuft.

Am Montag schrieb „Bild“:

Hyypiäs Trainer-Partner lässt es nämlich mit Aussagen über das Trainer-Modell in einem ZDF-Beitrag im Bayer-Gebälk krachen: „Es ist schon schwierig, das Tag für Tag zu leben. Kurzfristig ist es sicherlich eine sehr gute Entscheidung. Mittel- und langfristig macht es bestimmte Sachen auch schwieriger.“

• BILD hat es schon seit Monaten beobachtet: Es war auffällig, wie sich Lewandowski rund ums Spiel und an der Seitenlinie in den Vordergrund schob.

• Jetzt die Bestätigung für die Bilder und Worte der letzten Wochen: Lewandowski passt seine Rolle nicht, er nimmt sich wichtiger als er ist.

Gestern brachte „Bild“ die gleichen Zitate in der Bundesausgabe einfach noch mal:

Da haben sich zwei auseinander trainiert…

Es kriselt bei Leverkusens Trainer-Duo. Sascha Lewandowski (41) stellte im ZDF-Sportstudio die Doppel-Lösung mit Sami Hyypiä (39) in Frage: „Es ist schon schwierig, das Tag für Tag zu leben.“ Ist im Sommer Schluss?

Heute nun vermeldete „Bild“ in der Kölner Regionalausgabe, die „Pärchen-Krise bei Leverkusen“ spitze sich zu:

SAMI HYYPIÄ: "Ohne Lewandowski wäre einiges leichter"

Laut „Bild“-Reporter Timm Detering „scheint“ es, dass es „schon jetzt zum Bruch kommt“:

Gestern, 12.54 Uhr: Nach dem Training stapft Lewandowski durch den Hintereingang in die Kabine.

Ganz anders Hyypiä!

Der Finne spricht mit BILD über seine Zukunft in Leverkusen, sagt ganz offensiv: „Vielleicht werde ich es hier irgendwann alleine machen!“

Er erklärt: „Dass diese Konstellation nicht einfach für uns beide ist, habe ich ja schon mehrfach gesagt. Zurzeit muss ich alles erst mit Sascha absprechen.“

Dann wird er deutlich: „Wenn ich das dann nicht mehr müsste, würde das natürlich einiges leichter machen. Dann könnte ich die Entscheidungen alleine treffen.“

Starke Worte – zumal Hyypiä und Lewandowski (beide Vertrag bis 2015) offiziell gleichberechtigt arbeiten.

Trennt sich das Bayer-Pärchen im Sommer?

Bayer 04 Leverkusen sah sich nach eigener Aussage „genötigt“, der „Bild“-Darstellung in einer Pressemitteilung ungewohnt deutlich zu widersprechen: In der von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler unterzeichneten Mitteilung heißt es, die von „Bild“ „transportierte vermeintliche Absicht“, Hyypiä strebe eine Trennung von Lewandowski an, entbehre „jeglicher Grundlage“:

Deutlicher noch, sie entspricht nicht der Wahrheit!

Die in der Überschrift mehr als latent transportierte vermeintliche Absicht Hyypiäs entspricht möglicherweise dem Wunschdenken der Bildzeitung – die Berichterstattung des Blattes über Sascha Lewandowski in den vergangenen Wochen und Monaten lässt diesen Schluss zu. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Formulierung schlichtweg nicht von Sami Hyypiä stammt – wie in dem Artikel suggeriert. Hyypiä zu der ihm unterstellten Aussage: „Das ist nicht die Wahrheit, das habe ich definitiv nicht gesagt.“

Sami Hyypiä selbst und Bayer 04 Leverkusen verwahren sich gegen die heutige Berichterstattung der Bildzeitung. Der dargestellte bevorstehende „Bruch“ zwischen Hyypiä und Sascha Lewandowski ist ein Fantasieprodukt des Autors. Aus Sicht des Vereins ist der Artikel die offensichtliche Zuspitzung einer Kampagne gegen Sascha Lewandowski, die in dieser Form nicht mehr hinnehmbar ist.

Dass in der professionellen Zusammenarbeit gleichberechtigter Personen immer auch Kompromisse vonnöten sind, um erfolgreich zu sein – dies und nichts anderes haben sowohl Sami Hyypiä als auch Sascha Lewandowski zum Ausdruck gebracht. Und zwar bereits mehrfach in den vergangenen Monaten, in Interviews mit diversen Medien und nicht erst im Rahmen von Hyypiäs Auftritt im Aktuellen Sportstudio des ZDF am vergangenen Wochenende, an dem die Bildzeitung dieser Tage nun Anstoß nimmt.

Im Sommer wissen wir vielleicht mehr.

Wobei sich „Bild“ vermutlich nur an ihre Prognosen erinnern wird, wenn es in Leverkusen tatsächlich zum „Bruch“ kommen sollte.

Mit Dank an Martin, Langzeitgedächtnis, Flo L., Marc W., Frank B., Eliano und Marco.

FAZ, Nutzerkommentare, Kaffeehäuser

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Die vielen Köche und der Brei“
(journalist.de, Svenja Siegert)
„Es scheint, als sei die viel beschriebene Zweiklassengesellschaft aus textschrubbenden Onlinern und den besser verdienenden Edelfedern zumindest bei der FAZ Vergangenheit“, bemerkt Svenja Siegert nach einem Besuch in der Redaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, in der 30 Online-Journalisten arbeiten: „Zum Vergleich: Bei Spiegel Online arbeiten viermal so viele, bei süddeutsche.de ähnlich wenige.“

2. „Über unser Fernsehen“
(scharnigg.de)
Max Scharnigg denkt nach über das Fernsehen in Deutschland: „Es wird unseren Kindern höchst kurios vorkommen, dass es mal üblich war, in einer Papierzeitschrift nachzulesen, wann ein Film gezeigt wurde und die Tagesabläufe fortan diesem fixen Termin unterzuordnen.“

3. „Nutzerkommentare blockieren Informationsfluss“
(de.ejo-online.eu, Karen Grass)
Karen Grass berichtet über eine Studie zum Einfluss von Nutzerkommentaren: „Während die Leser der sachlichen Debatte die Informationen des Basisartikels aufnehmen und damit ihr Wissen über Nanotechnologie erweitern konnten, waren Teile der anderen Lesergruppe polarisiert. Wer die Technologie zuvor schon gut fand, sah ihre Risiken danach als noch geringer an; wer die Risiken scheute, sah sich danach darin bestätigt.“

4. „Digitale Zeitungen im Wiener Kaffeehaus“
(ots.at)
Sechs Kaffeehäuser in Wien bieten ihren Besuchern Zugang zu 122 verschiedenen Zeitungen online – in Zusammenarbeit mit einem Hotspot-Betreiber und einem Medienarchiv. Die Café-Kunden können die E-Paper mit ihren eigenen Smartphones, Tablets und Laptops kostenlos lesen.

5. „Artist in Residence: Christoph Schwarz“
(tvthek.orf.at, Video, 27:58 Minuten)
Als Artist in Residence verbringt Christoph Schwarz mehrere Wochen beim ORF, sichtet nicht gesendete Beiträge, entwirft Konzepte für Schleichwerbung, dokumentiert seinen Aufenthalt.

6. „Wie man gut schreibt“
(dermachtdieworte.blogspot.de, Thies)