Archiv für März 6th, 2013

‘Ne reine „Welt“-Idee

Wie bekommt man auf einer Flugreise eigentlich ein Upgrade in die Business Class? Dieser Frage sind die Servicejournalisten von Bild.de nachgegangen.

Nichts Genaues weiß man nicht, lautet ihr Ergebnis, aber als Teilnehmer eines Vielfliegerprogramms wie „Miles & More“ von der Lufthansa könne man günstig upgraden: „Aktuell kostet ein Upgrade von der Economy in die Business Class auf einem Flug von Frankfurt nach Atlanta (USA) zum Beispiel nur 20 000 statt 35 000 Meilen“, wird ein Lufthansa-Sprecher zitiert.

Und Bild.de hat da auch einen ganz praktischen Tipp, wie man ganz schnell an diese 20.000 Meilen kommt:

Wer diese Meilen nicht auf dem Konto hat, kann im Miles&More-Meilenshop einkaufen und dabei Punkte sammeln. Für ein Abonnement der Zeitung "Die Welt" im Wert von 25,90 Euro gibt es zum Beispiel 2000 Bonusmeilen aufs Konto. Theoretisch könnte man also zehn Abonnements abschließen und hat damit schon die Meilen zusammen, die fürs Upgrade nötig sind – und nur 250,90 Euro ausgegeben. Ein Schnäppchen, denn ein Ticket in der Business Class nach Atlanta kostet rund 4500 Euro! Wer ein Economy-Ticket für 700 Euro kauft und dann "upgraded", hat also rund 3500 Euro gespart! Nicht schlecht...

Ja, „theoretisch“ sicher eine geniale Idee, die auch und vor allem die Axel Springer AG freuen dürfte, den gemeinsamen Mutterkonzern von „Welt“ und Bild.de.

Praktisch gibt es da einen Haken, wie das Mittelgroßgedruckte auf der „Miles & More“-Seite verrät:

Pro Haushalt und Miles & More Teilnehmer werden innerhalb von 6 Monaten nur für eine Bestellung Prämienmeilen gutgeschrieben.

Da die Prämienmeilen bei einer regulären „Miles & More“-Karte nach drei Jahren verfallen, wird man auch mit hundert „Welt“-Abos nicht genug Meilen für ein Upgrade zusammenbekommen.

Mit Dank an David und Patrick K.

Nachtrag, 15.55 Uhr: Unsere Leser Christian G., Florian M., Alexander K. und Markus R. weisen völlig zu Recht darauf hin, dass Bild.de sich auch noch verrechnet hat: Zehn mal 25,90 Euro sind 259 Euro und nicht „250,90 Euro“.

Unser Leser Axel verweist des weiteren darauf, dass die 20.000 Prämienmeilen nur für ein Upgrade in eine Richtung (also entweder Hin- oder Rückflug) reichen würden und man ein Upgrade via Prämienmeilen nur in bestimmten Buchungsklassen der Lufthansa (B und Y) bekomme, in denen die Tickets deutlich teurer seien als das Beispiel für 700 Euro.

Balken vor der Brust, Brett vorm Kopf

Überraschung, Enttäuschung, Fassungslosigkeit — es ist schwer zu sagen, welches Gefühl bei den Leuten von stylebook.de (ehemaliger Slogan: „Powered by Bild.de“) genau überwiegt, wenn sie fragen:

WARUM SO SCHÜCHTERN, MIRANDA? Model Miranda Kerr (29) postet sexy Oben-ohne-Bilder von sich auf Instagram. Anlass ist ein Fotoshooting im Pazifischen Ozean für ihre eigene Kosmetiklinie. Aber was soll der schwarze Balken? So schüchtern kennen wir Miranda gar nicht...

Sie scheinen jedenfalls aufrichtig verstört:

Victoria’s Secret Model Miranda Kerr postet auf Instagram diese freizügigen Oben-ohne-Bilder von einem Shooting mit Fotograf Chris Colls für ihre eigene Kosmetiklinie KORA Organics am Strand von Kalifornien. [...]

Dass Miranda ein „Freigeist“ ist, kann man auf den sexy Bildern sehen. Ein schwarzer Balken sorgt allerdings für ein bisschen Züchtigkeit. Offensichtlich möchte das Supermodel und Mutter von Baby Flynn (2) nicht alles preisgeben.

Dass Frau Kerr die „sexy Oben-ohne-Bilder von sich auf Instagram“ mit einem schwarzen Balken versah, könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass sie andernfalls gegen die Richtlinien der Foto-Community verstoßen hätte:

Denke daran, dass unsere Community bunt gemischt ist und dass deine Fotos von Menschen angesehen werden können, die erst 13 Jahre alt sind. Wir respektieren die künstlerische Ausdrucksweise von Fotos, aber wir müssen darauf achten, dass unser Produkt und die bei uns gezeigten Fotos mit unserer Bewertung zu Nacktheits- und Erwachseneninhalten im App Store übereinstimmt. Mit anderen Worten: Bitte poste keine Nacktfotos oder Erwachseneninhalte gleich welcher Art.

Mit Dank Cornelius.

Gift-Mais, Gruppensex, Gier

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Die Faszination des Deckels“
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Wie deutsche Medien die von den Schweizer Stimmbürgern angenommene Volksinitiative „gegen die Abzockerei“, eine Stärkung der Aktionärsrechte, als „Gesetz gegen Gier“ darstellen.

2. „Der schärfste Special Effect, den das Schreiben zu bieten hat“
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Ein guter Vergleich, schreibt Constantin Seibt, brauche als Rohmaterial „Verblüffung und präzise Beobachtung“: „Das entspricht ziemlich genau dem Blick eines Kindes. Und Kinder sind manchmal grausame Wesen.“

3. „A Day in the Life of a Freelance Journalist—2013″
(natethayer.wordpress.com, englisch)
Ein E-Mail-Wechsel zwischen einem freien Journalisten und der Redaktion von „The Atlantic“: „Maybe by the end of the week? 1,200 words? We unfortunately can’t pay you for it, but we do reach 13 million readers a month.“

4. „Futtermittelskandal: Der Skandal ist der Skandal selbst“
(novo-argumente.com, Georg Keckl)
„Noch zu keiner Zeit in der Geschichte gab es so wenig pilzbelastetes Getreide wie heute“, schreibt Agraringenieur Georg Keckl zu aktuellen Meldungen über „Gift-Mais“. Das eigentliche Problem sei „die öffentliche Skandalisierung“.

5. „Chronologie einer Berichtigung“
(hossli.com)
Mit Hartnäckigkeit bringt ein Twitterer die NZZ zu einer Berichtigung.

6. „Neue Episode im Gruppensex-Mem“
(gefaelltmir.sueddeutsche.de)
Die Quelle eines im Internet kursierenden Zeitungsausschnitts ist gefunden. Die Nachricht „Gruppensex am Mittag kein Kündigungsgrund“ erschien am 10. Dezember 1982 im Lokalteil der „Süddeutschen Zeitung“. Siehe dazu auch die Texte „Nicht lustig“ und „Skandal aus einer anderen Zeit“.