Archiv für Februar 13th, 2013

Ein klarer Bruch der Privatsphäre

Heute sind in einem italienischen Magazin erneut Fotos der leicht bekleideten Herzogin Kate veröffentlicht worden. Auch der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet in seiner Online-Ausgabe darüber:

Das Magazin „Chi“ hat es wieder getan: Heute veröffentlichte das italienische Klatschblatt Bikini-Bilder der schwangeren Herzogin Kate. „Dies ist ein klarer Bruch der Privatsphäre“, sagte ein Sprecher des St. James Palasts in London. (…)

Der „Daily Mirror“ berichtete von einem „Aufschrei“ den es gegeben haben soll, als die Bilder in Italien gedruckt wurden. Die Boulevardzeitung will erfahren haben, dass das australische Magazin „Womans Day“ 100’000 Pfund für die Fotos bezahlt haben soll.

Der „Tagesanzeiger“ hat das deutlich ressourcenschonender gelöst:

Bikini-Bilder von schwangerer Kate abgedruckt [bebildert mit der Titelseite, auf der zwei der "Bikini-Bilder" - ohne Unkenntlichmachung - zu sehen sind]

(Auch wenn es wohl überflüssig ist, das zu erwähnen: Unkenntlichmachung von uns.)

Mit Dank an Nico.

Nach der Umfrage ist vor der Umfrage

Wenn Journalisten mit Statistiken jonglieren, ist immer äußerste Vorsicht geboten. Bei Umfrageergebnissen verhält es sich offenbar ganz ähnlich. Fangen wir bei „stern.de“ an.

Zwei Tage nachdem Schwarz-Gelb Ende Januar bei der Landtagswahl in Niedersachsen eine Schlappe hinnehmen musste, hatte das Portal doch noch eine gute Nachricht für die Anhänger von Union und FDP:stern-RTL-Wahltrend - Keine Gefahr für Schwarz-Gelb auf Bundesebene

„stern.de“ weiß:

Die Union kann weiter zuversichtlich auf das Wahljahr blicken.

Denn im „stern-RTL-Wahltrend“ hält sie „mit 42 Prozent (…) einen ihrer besten Werte seit Angela Merkel Bundeskanzlerin ist“. Die SPD hingegen „verharrt weiter im Tief: Zum zweiten Mal in Folge erreicht sie nur 23 Prozent“.

Durchgeführt wurde die Befragung für den „stern-RTL-Wahltrend“ vom Forsa-Institut, dessen Chef Manfred Güllner ebenfalls zu Wort kommt:

Dass die SPD trotz des rot-grünen Wahlerfolgs in Niedersachsen bundesweit schwach bleibt, ist für Forsa-Chef Manfred Güllner nur auf den ersten Blick ein Gegensatz.

Auf den zweiten Blick ist ihm dann vielleicht etwas ganz anderes aufgefallen. Nämlich, dass sein Institut die Umfrage vom 14. bis 18. Januar durchgeführt hat – also mehrere Tage vor der Niedersachsenwahl. Dass die Wahl die Umfrageergebnisse nicht beeinflusst hat, könnte also durchaus daran liegen, dass sie zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht mal begonnen hatte.

Das müssten die Leuten bei „stern.de“ eigentlich auch bemerkt haben, denn am Ende des Artikels schreiben sie selbst:

Datenbasis: 2506 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, befragt vom 14. bis 18. Januar 2013, statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte. Institut: Forsa Berlin.

Und schon am Anfang des Textes:

Im stern-RTL-Wahltrend, der vor der Wahl in Niedersachsen erhoben wurde, (…)

(Hervorhebungen von uns.)

Und auch sonst beweist „stern.de“ viel Geschick darin, inhaltliche Widersprüche einfach zu ignorieren. Während es noch in der Überschrift heißt, es gebe „keine Gefahr für Schwarz-Gelb auf Bundesebene“, und im Teaser, Schwarz-Gelb habe im Wahltrend „triumphiert“, stellt sich dieser Triumph im Text ein bisschen anders dar: Die FDP ist bundesweit nämlich „nur auf 4 Prozent“ gekommen — und wäre damit nicht mal im Parlament. Nicht die besten Voraussetzungen für eine schwarz-gelbe Zukunft.

Eine ähnliche Verrenkung hat heute „Spiegel Online“ hinbekommen: Umfrage: Union legt trotz Schavans Plagiatsaffäre kräftig zu

Die Deutschen scheinen die Union wegen der Aufregung um Annette Schavan nicht abstrafen zu wollen, ganz im Gegenteil: Trotz der Aberkennung des Doktorgrads und dem Rücktritt der ehemaligen Bildungsministerin klettern CDU und CSU laut dem Wahltrend von „Stern“ und RTL im Vergleich zur Vorwoche um zwei Prozentpunkte.

Dass die Union „trotz Schavans Plagiatsaffäre“ zulegt, mag ja sein. Das heißt aber nocht nicht, dass sie es „trotz der Aberkennung des Doktorgrads und dem Rücktritt“ tut:

Der Doktortitel wurde Frau Schavan am 5. Februar aberkannt. Durchgeführt wurde der Wahltrend, wie „Spiegel Online“ selbst schreibt, „in der Zeit vom 4. bis 8. Februar“. Einige Befragte konnten also noch gar nichts von der Aberkennung des Doktortitels wissen. Vom Rücktritt wussten sogar noch weniger der befragten Personen — niemand, um genau zu sein. Denn der wurde erst einen Tag nach der Umfrage bekanntgegeben.

Mit Dank an Jascha H.

Nachtrag, 20.10 Uhr: „Spiegel Online“ hat sich unauffällig korrigiert. Der betreffende Absatz lautet nun so:

Die Deutschen scheinen die Union wegen der Aufregung um Annette Schavan nicht abstrafen zu wollen, ganz im Gegenteil: Trotz der Debatte um ihre Doktorarbeit klettern CDU und CSU laut dem Wahltrend von „Stern“ und RTL im Vergleich zur Vorwoche um zwei Prozentpunkte.

Und aus dem Satz …

Für die Umfrage wurden 2505 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger in der Zeit vom 4. bis 8. Februar befragt.

… ist Folgender geworden:

Für die Umfrage wurden 2505 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger in der Zeit vom 4. bis 8. Februar befragt – also noch vor dem Rücktritt der Ministerin. Diese zog sich am 9. Februar vom Amt der Bildungsministerin zurück.

Papst-Rücktritt, Beugehaft, Zombies

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Die Papstversteherin“
(taz.de, Michael Braun)
ANSA-Journalistin Giovanna Chirri vermeldet als erste den Papst-Rücktritt. Siehe dazu auch „Billig, billig, billig“ (taz.de, Jan Böhmermann)

2. „Falsche Anschuldigungen: Teurer ‘Bordellbesuch’ für die Tamedia“
(limmattalerzeitung.ch, Michael Rüegg)
Der Verlag Tamedia, der den „Tages-Anzeiger“ herausgibt, zahlt mehr als 250.000 Franken nach Falschanschuldigungen an einen Geschäftsmann: „Die im Artikel erhobenen Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Mittlerweile hat der Tages-Anzeiger den Artikel nachträglich korrigiert. Wer in der Schweizerischen Mediendatenbank danach Ausschau hält, findet ihn in gekürzter Fassung wieder: die erwähnte Passage wurde in der Zwischenzeit gelöscht.“

3. „Warum Online-Journalist inzwischen ein Traumberuf ist“
(netzwertig.com, Jan Tißler)
Wer „nach maximaler Selbstverwirklichung strebt und seinen Beruf ausleben möchte“, sollte Online-Journalist werden: „Das Schöne am Journalismus im Netz ist die große Freiheit und Vielfalt, die er bieten kann. Ich bin nicht auf eine Form wie Text oder Ton oder Bild beschränkt. Wer will und kann, probiert und kombiniert.“

4. „Beugehaft gegen Onlineredakteur“
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Um die Herausgabe von Nutzerdaten zu erzwingen, ordnet das Amtsgericht Duisburg fünf Tage Beugehaft gegen einen Redakteur der Website Klinikbewertungen.de an. Siehe dazu auch „Nutzerdaten oder Gefängnis?“ (klinikbewertungen.de).

5. „TV Programmanteile im Vergleich: ARD & ZDF vs. BBC ONE & BBC TWO“
(blog.barnabas-crocker.de)
Barnabas Crocker vergleicht Programmanteile britischer und deutscher Öffentlich-rechtlicher: „Mit weniger Geld liefern BBC One und BBC Two also ein vielfältigeres Programm als ARD und ZDF. Als Gebührenzahler finde ich das traurig und in letzter Konsequenz auch verantwortungslos. Ein Grund mehr für meine Position, die Anzahl der öffentlich-rechtlichen Programme massiv zu reduzieren. Qualität kommt nicht von Quantität.“

6. “ Gehackte US-Sender: Zombie-Apokalypse hat begonnen“
(heise.de, mho)
Unbekannte dringen in das Notfallwarnsystem zweier Sender ein und bewirken die Ausstrahlung einer Eilmeldung, die davor warnt, „dass sich Leichen aus ihren Gräbern erheben und die Lebenden angreifen“.