Archiv für Dezember 10th, 2012

DFB hält sich nicht an „Sport Bild“-Wissen

Der Fußballzweitligist Dynamo Dresden ist wegen der Randale seiner Fans im Pokalspiel bei Hannover 96 für die kommende Saison aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen worden.

Diese Meldung kommt für alle überraschend, die sich auf die Expertise von „Sport Bild“ verlassen hatten:

Exklusiv: Nur Geisterspiele für Dynamo Dresden. Wie SPORT BILD PLUS weiß, ist ein Pokal-Ausschluss für Dynamo Dresden nach den Fan-Randalen in Hannover nicht möglich. Bei der DFB-Verhandlung wird es wohl auf Geisterspiele als Strafe hinauslaufen

Dabei hatten die Reporter gestern doch so glaubwürdige Quellen aufgetan:

SPORT BILD Plus erfuhr aus dem Umfeld des DFB-Sportgerichts: Auch diesmal wird Dresden mit einem blauen Auge davonkommen. Ein Ausschluss aus dem DFB-Pokal ist nicht möglich, weil dieser gegen die DFB-Satzung verstoßen würde. Stattdessen sollen mehrere Geisterspiele gegen Dynamo verhängt werden.

Mit Dank an Rico K.

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Haltlos im Werkstatt-Inferno

Ende November kamen beim Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt 14 Menschen ums Leben.

In der „Badischen Zeitung“ erschien diesen Samstag ein Interview mit dem Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid, der „Grenzverletzungen“ „seitens einzelner Medienvertreter“ beklagt.

Unter anderem berichtet er von Journalisten, die Notfallseelsorgeteams bei der Arbeit begleiten wollten, „beim Überbringen der Todesnachricht oder beim Betreuen von Angehörigen“, und von einer Journalistin, die sich mit der Begründung, sie wolle sich kurz aufwärmen, in das Gebäude „einschlich“, wo die Betroffenen betreut wurden, letztlich aber versuchte, dort journalistisch zu arbeiten.

Es wird sogar noch ein bisschen konkreter:

BZ: In einer Boulevardzeitung war zu lesen, samt Foto, eine Betreuerin sei gerettet worden, habe sich dann aber wieder zurück in die Werkstatt begeben und das mit dem Tod bezahlt. Stimmt das?
Schmid: Das ist haltlos. Wir haben dafür nach unseren Ermittlungen nicht den geringsten Beleg. Die Behauptung hat bei uns zu geschätzt 70 Nachfragen geführt, die wir allesamt richtigstellen mussten. Dies hat uns lange Zeit nahezu gelähmt.

Zumindest in diesem Fall lässt sich auch herausfinden, um welche Boulevardzeitung es sich handelte:

Betreuerin starb, als sie die Behinderten retten wollte.

„Bild“, natürlich.

Mit Dank an Matthias.

Familienbild, Subventionen, Rechtesprache

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Dabei brauchen wir Griechen doch Geld“
(zeit.de, Kostas Vaxevanis)
„Von einer geschlossenen Elite“ werde Griechenland regiert, schreibt Verleger und Journalist Kostas Vaxevanis: „Von bestimmten Geschäftsleuten, die illegal handeln, von Politikern, die sie begünstigen, und von Journalisten, die, anstatt die Wahrheit zu sagen, sie verschleiern. Von meiner Verhaftung wie auch meiner Strafverhandlung berichteten Medien weltweit – nur die griechischen nicht. Dutzende Kollegen riefen mich an und gaben mir recht, nur hat keiner etwas darüber geschrieben. Wie auch, wenn die Inhaber dieser Medien selbst auf der Lagarde-Liste stehen?“

2. „Lieber Staat, rette uns!“
(taz.de)
Taz-Korrespondenten berichten, wie Zeitungen in Italien, Frankreich, Österreich, Schweden und Polen subventioniert werden.

3. „‘Weiße Ritter der Druckerschwärze’“
(meedia.de, Joachim Zepelin)
Joachim Zepelin antwortet auf Texte im „Stern“ und in „Cicero“ zur Krise der Zeitungen: „Glaubt wirklich jemand, dass ein Leser die Zeitung abbestellt, weil die Zeitungsmacher klagen, dass ihr Geschäft nicht mehr so geschmiert läuft wie früher?“

4. „Familienbild statt Pressevielfalt“
(tageswoche.ch)
Drei Schweizer Sonntagszeitungen verwendeten gestern das gleiche Titelfoto.

5. „Was eine maschinenlesbare Rechtesprache können sollte“
(presseschauder.de, Christoph Keese)
Der Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ des Axel-Springer-Verlags, Christoph Keese, skizziert seine Vision einer „tauglichen Rechtesprache“ und präsentiert eine Liste, die zeigt, „welche Daten mindestens ausgeliefert und von allen Marktseiten akzeptiert werden müssten, damit ein fairer Markt für Inhalte im offenen Netz entstehen kann“. Siehe dazu auch „Kurz erklärt: robots.txt“ (philippe-wampfler.com).

6. „Markenbindung, Sascha Lobo, Schneewittchen und ein sehr altes Pferd“
(herzdamengeschichten.de, Maximilian Buddenbohm)