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So viel Klartext muss sein

„Klartext“. Das heißt: Hier traut sich jemand, die Fakten auszusprechen, die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist. Keine Schönrederei, keine political correctness. Nur Klartext, damit sich der mündige Bürger sein eigenes Bild machen kann.

Und „Hier“ ist natürlich der Ort, wo Menschen noch unzensiert Klartext reden dürfen: in der „Bild“-Zeitung.

Er will, dass Flüchtlinge aus Nordafrika schnell abgeschoben werden: Sachsens Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) klagt über hohe Kriminalität bei Asylbewerbern aus der Region.

BILD: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingszahlen und Kriminalitätsentwicklung?

Markus Ulbig: „Bis zum 30. September 2015 hat Sachsen mehr als 45 000 Zuwanderer aufgenommen. Zugleich wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik Sachsen für die ersten neun Monate 4695 Zuwanderer als Tatverdächtige erfasst. Durch diese wurden 10 397 Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) verübt. Im Vergleichszeitraum 2014 waren 3104 Zuwanderer als Tatverdächtige mit 7029 Straftaten registriert.“

BILD: Um welche Delikte geht es?

Ulbig: „Schwerpunkte der durch Zuwanderer begangenen Straftaten waren Diebstahlsdelikte mit 40 Prozent. Dabei ist …

Und so redet Ulbig weiter über kriminelle Flüchtlinge. „Bild“ hört geduldig zu, fragt hin und wieder „Wer ist noch auffällig?“ oder „Warum wird nicht abgeschoben, welche Hindernisse gibt es?“

Und keiner will bemerken, dass er die erste Frage gar nicht richtig beantwortet hat. Schauen wir noch mal rein.

BILD: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingszahlen und Kriminalitätsentwicklung?

Markus Ulbig: „Bis zum 30. September 2015 hat Sachsen mehr als 45 000 Zuwanderer aufgenommen. Zugleich wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik Sachsen für die ersten neun Monate 4695 Zuwanderer als Tatverdächtige erfasst. Durch diese wurden 10 397 Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) verübt. Im Vergleichszeitraum 2014 waren 3104 Zuwanderer als Tatverdächtige mit 7029 Straftaten registriert.

Und was sagt uns das? Genau: nix. Weil die Vergleichsgröße fehlt — die Gesamtzahl der Zuwanderer 2014.

Um den „Zusammenhang zwischen Flüchtlingszahlen und Kriminalitätsentwicklung“ zu untersuchen, muss man die Flüchtlingszahlen erst mal kennen. Ulbig aber liefert nur die für die Kriminalitätsentwicklung. Und „Bild“ belässt es dabei.

Allerdings hätte ein Blick in die Statistik den „Klartext“ auch deutlich getrübt. Laut der Sächsischen Staatskanzlei lebten zum Stichtag 31. Oktober 2014 (die Zahl für den Zeitraum bis September liefern wir nach, sobald wir sie haben) in Sachsen insgesamt 13.747 Asylbewerber.

Nimmt man die Zahlen von Ulbig hinzu …

… lässt sich vereinfacht sagen: 2014 ist jeder fünfte, fast jeder vierte Zuwanderer als Tatverdächtiger erfasst worden, davon hat jeder 2,3 Straftaten begangen. Ein Jahr später war es nur noch jeder zehnte. Mit jeweils 2,2 Straftaten. Die Kriminalitätsrate ist also gesunken.

Aber um bequeme Wahrheiten geht’s hier ja nicht.

***

Und dann war da noch die „Welt“.

Ulbig sagt in dem „Bild“-Interview, „Zuwanderer aus den sogenannten Maghreb-Staaten“ seien in Sachsen besonders auffällig, sie seien „für rund 43 Prozent aller Straftaten von Zuwanderern verantwortlich“.

Daraus macht die „Welt“:

… und suggeriert damit, 43 Prozent aller Straftaten in Sachsen würden von Nordafrikanern begangen.

Auch wenn es keine Absicht gewesen sein sollte — dass die Überschrift mindestens missverständlich ist, dürfte auch die „Welt“ inzwischen mitbekommen haben, trotzdem macht sie keine Anstalten, die Überschrift zu ändern. Und sammelt weiter die Klicks, während die besorgten Leser immer besorgter werden.



Mit Dank an @diet_mar.

Sie helfen





Angst ist das Zauberwort.

Die „Bild“-Zeitung weiß das. Angst ist ihr Geschäft, sie weiß, wie man sie einsetzt und lenkt und möglichst lange von ihr profitiert. Krebsangst, Rentenangst, Griechenangst, Angst vor Wölfen, vor Seuchen, vor Flüchtlingen.

Dafür greift sie auf die üblichen Mittel zurück. Sie überspitzt, verdreht oder erfindet Dinge, reißt Aussagen, Zahlen und Dokumente aus dem Zusammenhang, bildet nur die Ausschnitte ab, die genug Panikpotenzial haben, und verschweigt den Rest.

Wenn es um Flüchtlinge geht, ist das nicht immer so. Tatsächlich bringt „Bild“ manchmal informative, gut recherchierte, unaufgeregte Texte, die für Übersicht und Aufklärung sorgen. Doch das sind seltene Ausnahmen; die meiste Zeit über ist die Berichterstattung dominiert von düsterer Hysterie, von bedrohlichen Geschichten, die mit der Realität oft nur wenig zu tun haben und den Lesern in größtmöglichen Buchstaben einen Skandal nach dem anderen um die Ohren hauen.

Es ist der Beweis, dass die Polizei vor Flüchtlingskriminalität kapituliert! Polizisten in Kiel wurden im Oktober 2015 von offizieller Stelle ermächtigt, Flüchtlinge, deren Identität nicht bekannt ist, nach kleineren Straftaten wie Diebstahl und Sachbeschädigung nicht zu verfolgen. Der Grund: Die Identität der Täter festzustellen sei zu aufwendig und oft erfolglos.

Allein der erste Satz.

„Dieses Polizei-Papier setzt ein Stück Rechtsstaat außer Kraft“, kreischte auch „Bild“-Online: Dieses Dokument sei ein „Freibrief für kriminelle Flüchtlinge“.

Noch am selben Tag gab die Kieler Polizei eine Pressekonferenz. Dort wies ihr Leiter die Vorwürfe entschieden zurück:

In Teilen der aktuellen Presseberichterstattung wird behauptet, dass Flüchtlinge ohne Ausweispapiere und behördliche Registrierung bei einfachen und niedrigschwelligen Straftaten, wie zum Beispiel Ladendiebstählen, regelmäßig nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Diese Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage und ist falsch. Und ist überdies gefährlich, weil sie das zu Recht bestehende Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Strafverfolgungsorgane untergräbt und ihre schwierige und vielfach sehr gute Arbeit diskreditiert.

Die Anweisung (PDF) stamme aus einer Zeit, in der die Polizei „mit einem massiven Zuzug von Flüchtlingen“ rechnete und sich die Frage stellte, wie man mit dem zu erwartenden Anstieg von kleinen Straftaten umgehen solle. Daraufhin sei beschlossen worden, die — und das ist die entscheidende Stelle — die erkennungsdienstliche Behandlung, das heißt: Fotos, Fingerabdrücke und so weiter, von Kleinkriminellen ohne Ausweispapiere vorerst auszusetzen. In ungefähr 20 Fällen sei so verfahren worden. Inzwischen sei die Anweisung nicht mehr gültig.

Der Leiter betonte mehrfach:

In keinem Fall ist [bei Flüchtlingen] eine andere Behandlung zur Maßgabe erklärt worden, als bei deutschen Tatverdächtigen. Und ich betone ausdrücklich, aus-drücklich: In jedem Einzelfall ist eine Strafanzeige erstattet worden.

Wer also bewusst oder fahrlässig den Eindruck erweckt, es seien Straftaten durch die Polizei nicht weiter verfolgt worden, oder das Strafverfahren sei sogar gar nicht betrieben worden, der schürt hier aus meiner Sicht eine gefährliche Emotion.

Natürlich ist es eine wichtige Aufgabe von Journalisten, das Verhalten der Ermittlungsbehörden zu hinterfragen. Eine Demokratie braucht solche Diskussionen. Aber solche Diskussionen brauchen eine vernünftige Grundlage, sie brauchen echte Fakten, differenzierte Darstellungen und Geduld, keine aus Halbwahrheiten zusammengezimmerten Holzweggeschichten.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Auch im Fall der Kieler Anweisung sind kritische Fragen durchaus angebracht, denn auch wenn „nur“ die erkennungsdienstliche Behandlung wegfällt: Ohne Registrierung und Identifizierung gibt es, wie auch Heribert Prantl schreibt, bei Mehrfachtätern „keine Chance, in Zukunft härter zuzugreifen“. Solche Dinge müssen angesprochen werden. „Bild“ aber macht das größtmögliche Fass auf und lässt all die relevanten Feinheiten unter dem tösenden Sensationslärm verschwinden.

Dass es bei der Kieler Anweisung „nur“ um die erkennungsdienstliche Behandlung ging und laut Polizei trotzdem in jedem Fall Anzeige erstattet wurde, erfuhren die „Bild“-Leser immerhin am nächsten Tag, wobei sich das Blatt bemühte, diese Details gut zu verstecken:

Der Piraten-Politiker Patrick Beyer hat hier einige Fakten, Fragen und Dokumente zu dem Fall gesammelt. Auch die „Süddeutsche“ hat sich die Sache in Ruhe angesehen. Wer sich genauer mit dem Fall befassen will, sollte lieber dort beginnen.

Nun ist das Misstrauen gegenüber der Polizei die eine Sache, Angst vor Flüchtlingen die andere. Aber bei „Bild“ bekommt man sie auch im praktischen Doppelpack.

Neben dem ersten Artikel zum Kieler „Polizei-Skandal“ hat „Bild“ Auszüge aus dem kürzlich erschienenen Buch „Soko Asyl“ abgedruckt. Darin schildert der Leiter der Braunschweiger Kripo seine Erfahrungen mit kriminellen Flüchtlingen.

Das Buch ist in den letzten Tagen von vielen Medien besprochen worden, meist klingen die Überschriften dazu so:


(ndr.de)


(deutschlandradiokultur.de)


(n24.de)

In der „Bild“-Zeitung so:

Zur Erinnerung: Der Artikel stand direkt neben dem zum „Polizei-Skandal“, die Seite sah also so aus:

Nichts weniger als „Die Wahrheit über Flüchtlingskriminalität in Deutschland“ kündigt „Bild“ in der Besprechung an und zitiert dann einige Passagen aus dem Buch. Ein Punkt lautet:

KRIMINALITÄT IN FLÜCHTLINGSUNTERKÜNFTEN
„Jeder Kriminologie- oder Psychologiestudent im ersten Semester weiß, dass es zu (…) Vorfällen (…) kommt, wenn Menschen in Massen über einen längeren Zeitraum auf engstem Raum zusammengepfercht untergebracht sind – zudem noch ohne jegliche Privatsphäre.“

Im Buch geht der Absatz noch weiter.

… untergebracht sind – zudem noch ohne jegliche Privatsphäre. Dass da irgendwann jemand austickt, das ist fast unausweichlich, und das würde auch jedem Einheimischen so gehen. Das hat nichts mit Ausländertum oder Migrantentum zu tun. Würde man uns Deutsche in Massen in einen Hangar sperren, würde es wohl kaum länger als 14 Tage dauern, bis wir anfangen, uns die Köpfe einzuhauen.

Den letzten Teil hat „Bild“ weggelassen, aber sicher nur aus Platzgründen.

An einer anderen Stelle im Buch schreibt der Polizist:

Habe ich jemanden vor mir, der Ausländer ist – egal ob EU-Bürger oder aus einem anderen Staat –, muss ich einfach wissen, dass es immer auch ein Mensch mit einer in Grenzen anderen Mentalität ist.

Syrer zum Beispiel sind in der Regel sehr ruhige Menschen. Sie sind ruhig, sie sind oft gebildet. Haben wir es mit Schwarzafrikanern zu tun, sind auch die sehr ruhig, wenn sie bei der Polizei sind. Haben sie aber Alkohol getrunken, ist häufig Schluss mit der Ruhe und es kommt zu Prügeleien. Sie sind dann aufbrausend, doch sobald die Polizei ins Spiel kommt, sind sie wieder ruhig und im Grunde lammfromm.

Nordafrikaner wiederum treten sehr unterschiedlich auf. Vielfach haben wir darunter Personen, die man neudeutsch als Poser bezeichnen würde. Menschen also, die sich gerne präsentieren und einen auf »dicke Hose« machen. Gehen sie durch die Stadt, sind sie meist nicht allein, sondern in Gruppen unterwegs, und treten sehr dominant auf. All das sind nur Nuancen, die man aber erst einmal erleben und kennenlernen muss. Die Erfahrungen, die wir mit der Soko machen, drehen sich also auch um das Verstehen. Und zwar gar nicht mal rein rechtlich, sondern das Verstehen von Menschen, von Mentalitäten und von Staatsangehörigkeiten.

In die „Bild“-Zeitung hat es nur das hier geschafft:

ANGEBLICHE ROLLENBILDER VON NORDAFRIKANERN
„Vielfach haben wir darunter Personen, die man neudeutsch als Poser bezeichnen würde. Menschen also, die sich gerne präsentieren und einen auf ,dicke Hose‘ machen. Gehen sie durch die Stadt, sind sie meist nicht allein, sondern in Gruppen unterwegs, und treten sehr dominant auf.“

So picken sich die Leute von „Bild“ sorgfältig die passenden Fetzen heraus — aus Mitteilungen, Statistiken, Pressekonferenzen oder Büchern –, sie erfassen und überdrehen nur den Teil der Realität, den sie brauchen, um ihre „unbequemen“ „Wahrheiten“ zu konstruieren.

Diese „Wahrheiten“ werden in kürzester Zeit von vielen Menschen gelesen und von vielen bösartigen Menschen instrumentalisiert, und selbst wenn sie sich im Nachhinein als übertrieben oder falsch herausstellen, ist es so gut wie unmöglich, sie wieder aus der Welt zu kriegen.

Was dabei zählt, ist die Überschrift, da kann sich die Redaktion im Text noch so sehr um Ausgewogenheit bemühen, die Überschrift zählt. Sie reicht als Argument und ist das, was haften bleibt, egal, wie viele Korrekturen nachgereicht werden. Überschriften wie diese hier:

Eine Kölnerin (22) ist in der Weiberfastnacht mitten in Köln niedergeschlagen und vergewaltigt worden! Unter dringendem Tatverdacht: Ein Flüchtling (17) aus Afghanistan. (…)

„Schließlich haben wir in einer Flüchtlingsunterkunft einen 17-Jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Er wird zur Stunde vernommen. Die Spurenlage wird geprüft“, so der Polizeisprecher weiter.

Die Ermittlungen waren also noch voll im Gange, geklärt war noch gar nichts. Es stand weder fest, ob es überhaupt eine Straftat gegeben hatte, noch, ob der Flüchtling irgendwie darin verwickelt war. Trotzdem ließ sich Bild.de nicht von der Überschrift abbringen und schrie weiter:

Erst Stunden später, nachdem auch der Oberstaatsanwalt gegenüber „Bild“ bekräftigt hatte, dass die Spuren noch ausgewertet würden und „zurzeit geprüft“ werde, „ob eine Vergewaltigung vollzogen wurde oder nicht“, änderte das Portal die Überschrift:

Gestern kam raus: Die Polizei hat den Flüchtling wieder auf freien Fuß gesetzt. „Im Zuge der weiteren Ermittlungen“, teilte sie mit, habe sich der Verdacht „nicht erhärten“ lassen. Festgenommen wurde stattdessen sein Mitbewohner. Weiterhin jemand aus der Flüchtlingsunterkunft — aber eben eine völlig andere Person als die, die „Bild“ schon zum Täter gemacht hatte.

All das ist den Hetzern herzlich egal. Ihre Überschrift, ihr Argument haben sie ja schon.




In den Facebook-Kommentaren schreibt eine Frau:

Mal ganz davon abgesehen das noch garnichts bestätigt wurde ausser von der bild…*wem wunderts* muss ich dazu sagen das ich mal gesagt habe man traut sich nicht mehr raus…ich dann beleidigt wurde wie bescheuert ich denn sei…tja was sag ich nun…ich glaube meine Angst ist begründet denn man traut sich nicht mehr raus und seltsamer weise sind es immer diese Afghanen die Frauen vergewaltigen

Ja, sie helfen, die „Bild“-Medien. Sie helfen den Hetzern und sie helfen, das Land in Angst zu halten.

Das ist nichts Besonderes, so funktioniert Boulevard, so funktioniert „Bild“. Das Besondere und das Schlimme in diesen Tagen ist, dass diese Angst vor allem den rechten Rand stärkt, dass sie viel tiefer in den Alltag einsickert und sich wie ein trüber Schleier über alle Diskussionen legt. Dass sie die Gedanken erhitzt, obwohl gerade jetzt kühle Köpfe so wichtig wären. Und: Dass Angst vor Menschen geschürt wird, vor denen man eigentlich gar keine haben muss.

Mit Dank auch an Volker S. und Thomas N.

„Ebenso böswillig wie falsch“

Jetzt, wo sich „Sport Bild“-Chef Alfred Draxler ohnehin keine Sorgen mehr um seine „REPUTATION ALS JOURNALIST“ machen muss, geben sich er und sein Blatt beim Skandalbasteln wieder mit weit weniger zufrieden als einer Intensivrecherche.

Jetzt reichen — Gerüchte.

„Nach SPORT BILD-Informationen“ soll Bayern-Fußballer Arturo Vidal nämlich während des Trainingslagers in Katar …

das Mannschaftsquartier mehrmals verlassen und bei seiner Rückkehr alkoholisiert gewirkt haben.

Die Zeitschrift beruft sich dabei auf einen „anonymen Spieler“, der jetzt „ausgepackt“ habe.

Gestern erklärte FC-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer auf einer Pressekonferenz, die Geschichte sei „frei erfunden“.

Ich war sehr überrascht über das, was ich jetzt gelesen habe. Das stimmt nicht und ist die Unwahrheit – dass das klar ist. Wir haben mit Arturo [Vidal] ein absolut enges Verhältnis. Natürlich sprechen wir ihn auch auf gewisse Themen an. Er selbst hat gesagt, dass da nichts dran ist – unabhängig von Katar, sondern insgesamt. Dagegen werden wir als Klub auch vorgehen – das ist ganz klar. Man versucht vielleicht mit allen Mitteln gegenüber dem FC Bayern, die Liga spannend zu machen. Aber ich kann nur sagen: Sie erreichen das Gegenteil. Wir werden noch enger zusammenrücken, das werden wir nicht zulassen. Im Fall Vidal werden wir mit allen rechtlichen Mitteln vorgehen.

Auch Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, erklärte in einer Stellungnahme im Namen des Vereins:

„Beide Behauptungen sind ebenso böswillig wie falsch.“

(Er meint die Alkohol-Geschichte und das ebenfalls von der „Sport Bild“ verbreitete Gerücht, Vidal beziehe 8 Mio. Euro netto im Jahr.)

Und Arturo Vidal selbst teilte auf seiner Instagram-Seite mit:

Die „Sport Bild“ erklärte auf Anfrage der dpa, sie bleibe bei ihrer Darstellung.

Mit Dank an Jan H. und @StrohhutPirat.

Das Schweigerkartell

Wenn Til Schweiger eine Bühne braucht, dann darf er sich der Unterstützung der „Bild“-Zeitung jederzeit gewiss sein. Sie gibt ihm eine Plattform, macht Werbung für seine Projekte und verteidigt ihn gegen Kritik — dafür lässt er sich regelmäßig auf „Bild“-Events blicken, er beteiligt sich an ihren Aktionen, er wirbt für sie, schreibt für sie und versorgt sie stets mit exklusiven News aus seinem Privat- und Berufsleben.

Wie sehr die „Bild“-Medien und Til Schweiger diese Symbiose perfektioniert haben, lässt sich seit einigen Monaten an der gewaltigen PR-Kampagne erkennen, mit der sie gemeinsam für den dreiteiligen Schweiger-„Tatort“ trommeln (zwei Teile wurden bereits im Fernsehen ausgestrahlt, der dritte Teil läuft ab Donnerstag im Kino).

Ihren Anfang nahm diese Offensive schon vor eineinhalb Jahren.

Es ist das erste von zahlreichen noch folgenden Win-win-Interviews: Schweiger darf hier „seine von ihm entworfene Wohn-Kollektion“ vorstellen und verrät „Bild“ im Gegenzug erste Details zu seinen „Tatort“-Plänen:

Wie viele Tatort-Folgen wird es noch mit Til Schweiger geben?

Schweiger: „Wir drehen jetzt erst mal eine Doppelfolge. Die wird nächstes Jahr ausgestrahlt. Dann ist diese Geschichte im Fernsehen abgeschlossen. Vielleicht tragen wir sie dann noch weiter ins Kino.“

Was passiert nach der großen Doppel-Folge? Ist dann Schluss?

Schweiger: „Ich habe gerade meinen Vertrag für vier weitere Folgen, also vier Jahre, verlängert.“

Ermittelt bald Helene Fischer mit?

Schweiger: „Vielleicht sage ich auch: Lassen wir uns überraschen …“

Weiter geht’s am 19. September 2014 bei Bild.de:

2. Oktober 2014, „Bild Hamburg“:

22. Oktober 2014, „Bild Hamburg“:

Am 25. Oktober 2014 darf „Bild“ exklusiv verkünden:

… und fragt:

… und lässt abstimmen:

19. November 2014, Bild.de:

21. November 2014, „Bild Hamburg“:

22. November 2014, „Bild Hamburg“:

3. Dezember 2014, „Bild Hamburg“:

1. April 2015, „Bild“:

4. April 2015, Bild.de:

19. April 2015, „Bild am Sonntag“:

2. Juli 2015, Bild.de

22. Juli 2015, „Bild“:

26. Juli 2015, „Bild am Sonntag“:

5. August 2015, Bild.de:

24. August 2015, „Bild Hamburg“:

26. August 2015, „Bild Hamburg“:

Es sind die Filmarbeiten für „Tschiller, a. D.“, der erste „Tatort“-Kinofilm seit 28 Jahren (im Kino ab 25. Februar 2016).

4. September 2015, „Bild Hamburg“:

22. September 2015, „Bild“:

5. Oktober 2015, Bild.de:

12. Oktober 2015, „Bild“:

4. November 2015, Bild.de:

17. November 2015, „Bild“:

17. November 2015, Bild.de:

17. November 2015, Bild.de:

18. November 2015, „Bild“:

Dann rückt die große Stunde näher. Zwei Wochen vor der TV-Ausstrahlung besucht „Bild“ die Premiere …

… auch online sind sie ganz entzückt:

Zehn Tage vorher: großes „Bams“-Interview.

Einen Tag vorher: großes „Bild“-Interview.


Am Tag der Ausstrahlung noch mal volle Online-Power:


Und noch mal:


Und noch mal:

Doch so sehr sie sich auch bemüht haben: Der erste Teil floppt. Die Kritiker sind mittelmäßig begeistert, die Quoten vergleichsweise schwach.

So muss auch die „Bild am Sonntag“ auf der Titelseite zugeben:

Andererseits

Also lieber schnell abhaken, schließlich steht noch der zweite „Tatort“-Teil an. Dazu erst mal wieder ein Interview.

Auch online geht das PR-Geballer weiter.

2. Januar:

2. Januar:

2. Januar:

3. Januar:

3. Januar:

4. Januar:

4. Januar:


4. Januar:

4. Januar:

4. Januar:

Am selben Abend veröffentlicht Til Schweiger auf Facebook einen Text, in dem er seinen „Tatort“ als „ein Stueck deutsche Fernsehgeschichte“ und den „bahnbrechendsten seiner Art“ bezeichnet und erklärt, warum alle, die ihn nicht mindestens megamegamegageil fanden, völlig dumm sind („Weil…. ich als Filmemacher/Schauspieler/Produzent/Writer/Cutter/Composer…. viel mehr Ahnung…. ich habe viiiieel mehr Ahnung von der Craft( Materie)….KUNST…. als die meisten von diesen Trotteln, die darüber schreiben!!!!….).

Für diesen Post erntet Schweiger ziemlich viel Kritik — so viel, dass selbst „Bild“ sie nicht mehr ignorieren kann und am nächsten Tag fragt:

Doch man merkt: So richtig kritisieren wollen die „Bild“-Leute ihren Schützling eigentlich nicht. Der Facebook-Eintrag, den „Bild“ bei jedem anderen mindestens als „bizarres Gaga-Posting“ bezeichnet hätte, bekommt nur das Prädikat „Wut-Brief“. Und online klingt auch die Überschrift schon viel versöhnlicher. Statt „Hat sich Til verballert?“ fragt Bild.de:

Dann folgt die Gegenoffensive.

Und zwar?

„Wir waren beide sehr beeindruckt!“

Klar.

Auch „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner springt seinem Buddy zur Seite, schreibt:

Til Schweigers Mann ist ein metallisches Wesen. Er ist ein Mann, der nicht mehr weint. Er ist ein Mann, der rächt. Er ist ein Mann ohne Parfum.

Er ist die Rückkehr des Mannes.

Tapfer, selbstlos, großartig. Er ist ein Held wie Herkules. Sehnen wir uns nicht alle nach einem Herkules?

Am nächsten Tag darf sich Schweiger dann ausführlich verteidigen, exklusiv in „Bild“ natürlich:

Und bei Bild.de:

Also lieber schnell abhaken und weiter im Text, schließlich steht noch der dritte Teil an, Schweigers Kino-„Tatort“.

8. Januar, Bild.de:

20. Januar, „Bild Hannover“:

29. Januar, Bild.de:

31. Januar, „Bild am Sonntag“:

Auch online nennt „Bild“ …

Es ist der vorerst letzte von bisher über 50 Schweiger-PR-Artikeln, und das sind nur die, die sich auf den „Tatort“ beziehen. In einem davon sagt Schweiger übrigens:

Ein Shitstorm kommt und geht wieder. Ich mache einfach weiter mein Ding.

Und wir ahnen auch schon, wer ihn dabei unterstützen wird.

Bild  

„BILD wird jede Chance nutzen, um mir zu schaden“

Gertjan Verbeek ist Trainer des VfL Bochum und kein allzu großer Freund der „Bild“-Zeitung (BILDblog berichtete mehrfach). In einem Interview mit dem Magazin „11 Freunde“ hat er jetzt kurz über das angespannte Verhältnis gesprochen:

11 Freunde: Ist eigentlich Ihr Umgang mit Journalisten auch eine Form der Rebellion? Sie haben mehrfach deutlich vor allem die „Bild“ kritisiert und weigern sich inzwischen sogar, die Fragen des für den VfL Bochum abgestellten Reporters zu beantworten.

Verbeek: Eine Autorität wie bei der „Bild“-Zeitung, die daher kommt, dass sie die Meinung im Fußball bestimmt, interessiert mich nicht. Aber ich habe auch in Holland schon Probleme mit der Presse gehabt, weil ich sehr direkt bin. Ich sage, was ich denke. Ich bin unabhängig, wie Lemmy von Motörhead. Was andere über mich denken, interessiert mich nämlich nicht. Und wenn Journalisten mich verarschen, warne ich einmal, zweimal. Beim dritten Mal ist es vorbei.

Das klingt dann so: „Ihr spielt immer zwei Parteien gegeneinander aus.“ Das haben Sie im September in einer Pressekonferenz über „Bild“ gesagt und: „Ihr seid doch Arschlöcher!“

Ich habe mich im Ton vergriffen und mich dafür entschuldigt. Aber der Inhalt war okay.

Sie überlegen gerade, ob Sie Ihren Vertrag in Bochum verlängern. Inwiefern spielt bei Ihren Überlegungen die Situation mit der Presse eine Rolle?

Wenn meine Arbeit hier unmöglich wird, weil ich zu viel Ärger habe oder der Klub nur negativ vorkommt, weiß ich: Das Kraftfeld wird negativ für mich.

Ist es schon so weit?

Nein, aber das kann passieren. Ich mach es mir natürlich nicht leichter, denn „Bild“ wird jede Chance nutzen, um mir zu schaden.

Könnten Sie sich nicht einfach etwas diplomatischer verhalten?

Sie sprechen von Diplomatie, aber man könnte auch sagen: Ich bin ehrlich. Immer! Ich habe keine zweite Agenda, und ich werde nie hinter seinem Rücken etwas über jemanden sagen.

Das komplette Interview gibt’s in der aktuellen Ausgabe der „11 Freunde“.

Presserat billigt nacherzählten Terror-Fehlalarm

Im November vergangenen Jahres, eine Woche nach den Anschlägen in Paris, eilmeldete „Focus Online“ am späten Abend:

Schon fünf Minuten später wurde die Meldung von der Münchner Polizei dementiert:

Doch statt die Geschichte zu überprüfen, schlugen auch andere Medien lieber erst mal eilig …

Auch zwei Stunden nach der Klarstellung der Polizei schrieb FAZ.net (auch auf der Startseite) immer noch:

„Focus Online“ hielt sogar noch bis zum Mittag des darauffolgenden Tages an der „Terror“-Version fest, musste aber (nachdem die Polizei in einer Pressemitteilung erklärt hatte, dass alles ganz anders war) zugeben, dass alles ganz anders war.

Die „verdächtige arabische Gruppe“, die angeblich „offenbar einen Anschlag in der bayerischen Landeshauptstadt“ vorbereitete, entpuppte sich als eine Gruppe von Asylbewerbern, die sich in dem Hotel zur „Familienzusammenfindung“ traf, wie die Polizei mitteilte. Die „falschen Uniformen“ waren in Wahrheit ein „handelsübliches Baseball-Cap mit der Aufschrift ‚Police‘ und eine schwarze Weste“. Und die Gasflaschen gehörten zu einem Campingkocher.

Wir haben uns beim Presserat über die Berichterstattung beschwert, weil wir der Ansicht sind, dass die Medien mit der ungeprüften Verbreitung der Falschmeldung gegen den Pressekodex verstoßen und unnötig Panik geschürt haben.

Im Fall von „Focus Online“ wurde die Beschwerde an den Beschwerdeausschuss weitergeleitet, der sich im März damit beschäftigen wird.

Bei der „Huffington Post“ und FAZ.net kann der Presserat aber keinerlei Verstoß erkennen. Er teilte uns mit:

Grundlage unserer Prüfung war in diesem Zusammenhang Ziffer 2 des Pressekodex. Danach sind zur Veröffentlichung bestimmte Informationen mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. Ein Verstoß gegen die journalistische Sorgfalt ist bei den vorliegenden Fällen aber nicht ersichtlich. Die Beiträge beschreiben zutreffend, dass die Polizei wegen eines Verdachts auf einen terroristischen Anschlag alarmiert wurde. Sie nennen zudem jeweils die Quelle, auf deren Angaben die Falschmeldung beruhte, und machen diese durch die Verwendung des Konjunktivs und durch „soll“-Formulierungen als unbestätigte Meldungen erkennbar. Zudem haben beide Medien die Beiträge um einen Hinweis auf die Falschmeldung ergänzt bzw. diese in einer Folgeberichterstattung thematisiert.

Insgesamt konnten wir daher keinen Verstoß gegen die presseethischen Grundsätze feststellen.

Die abschreibenden Journalisten hätten nur einmal beim Twitter-Account der Polizei vorbeischauen müssen, um den angeblichen „TERROR-ALARM“ zu überprüfen, vermutlich hätte es auch ein kurzer Anruf getan. Schade, dass das zu viel verlangt ist.

Linke Nummer mit Mutti

Wenn Ermittlungsbehörden neue Zahlen über politisch motivierte Straftaten herausgeben, ist die „Bild“-Zeitung immer gleich zur Stelle, was meist darauf hinausläuft, dass sie die bösen Linken wortreich verteufelt und die Rechten irgendwie aus den Augen verliert.

Auch an der Studie über linke Gewalt, die der Verfassungsschutz in Berlin jetzt veröffentlicht hat, war „Bild“ natürlich sofort dran und hat dabei ein äußerst amüsantes Detail entdeckt:

Der Verfassungsschutz hat in einer Studie, die BILD exklusiv vorliegt, den linken Durchschnitts-Täter ermittelt: Er ist männlich, 21 bis 24 Jahre alt, hat trotz mittlerer Reife meist keinen Job – und 92 Prozent von ihnen wohnen noch bei Mutti.

Hihihi!

Auch die „B.Z.“ gluckst:

Diese Studie liegt allerdings nicht nur den Springer-Blättern vor, sondern jedem, der Internetzugang hat (PDF).

Dort kann man dann auch nachlesen, dass es 1. nur um Tatverdächtige geht und dass 2. die erhobenen „Daten zur Wohnsituation, Schulbildung und zum Beruf“ auf „freiwilligen, hier nicht nachprüfbaren Daten“ beruhen – und nur sehr wenige Verdächtige überhaupt Angaben gemacht haben. Die Zahlen sind also keineswegs repräsentativ. In der Studie heißt es:

Aufgrund der geringen Fallzahl, die hier zur Verfügung stand (insgesamt lagen nur zu 65 Tatverdächtigen valide Aussagen über ihre Wohnsituation vor), sind diese Angaben jedoch in keiner Weise repräsentativ und auch nicht mit den Ergebnissen der Vorgängerstudie vergleichbar.

Im November 2014 gab es übrigens eine ähnliche Studie zu rechter Gewalt in Berlin (auch dort inkl. Bei-Mutti-Wohn-Quote). In der „Bild“-Zeitung stand darüber — nichts.

Mit Dank an Jonas!

Die „Welt“ verheimlicht, dass nichts verheimlicht wurde

Wo wir grad beim Thema „Schweigen“ sind: Es gibt neues Futter für Fremdenfeinde.







Aufgedeckt wurde dieser „Skandal“ gestern von der „Welt“. Sie schreibt:

Führende NRW-Innenpolitiker waren schon im Oktober 2014 über Straftaten durch Gruppen nordafrikanischer Männer, die in Flüchtlingsheimen in Nordrhein-Westfalen lebten, informiert. Um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen, gingen sie mit diesen Informationen aber nicht an die Öffentlichkeit. Das legt das Protokoll einer Innenausschusssitzung vom 23. Oktober 2014 nahe.

Zunächst einmal: Ja, in der Sitzung haben die Politiker tatsächlich über kriminelle Flüchtlinge gesprochen. Doch das Protokoll, mit dem die „Welt“ hier beweisen will, dass irgendwas „zurückgehalten“ wurde, belegt in Wirklichkeit das Gegenteil: Es ist nämlich seit der Sitzung im Oktober 2014 für jedermann zugänglich (PDF). Auch die Sitzung selbst war öffentlich.

Oder fragen wir mal so: Wenn die Politiker da irgendwas verheimlichen wollten, wenn irgendwas „nicht an die Öffentlichkeit“ gelangen sollte — wieso haben sie in einer öffentlichen Sitzung darüber gesprochen? Zu der auch die Medien eingeladen waren? Und von der es ein Protokoll gibt, das seitdem öffentlich einsehbar ist?

Die einzigen Argumente, die die „Welt“ für ihre Verheimlichungsthese anführt, sind folgende Zitate aus dem Protokoll:

Die Innenexperten kamen damals überein, dass durch solche Vorfälle „Angst“ vor Flüchtlingen geschürt werde und „die öffentliche Wahrnehmung kippen“ könnte, so Staatssekretär Nebe. Auch Freidemokrat Joachim Stamp warnte 2014 die Kollegen, solche Vorfälle könnten „schnell dazu führen, dass von interessierter Seite entsprechend Stimmung gemacht wird“. Man müsse „froh sein“ über „die derzeitige vernünftige mediale Berichterstattung zu den steigenden Flüchtlingszahlen“. Andere Teilnehmer warnten vor einer drohenden „Stigmatisierung“ infolge der Veröffentlichung solcher Erkenntnisse.

Nur leider hat die „Welt“ diese Aussagen völlig auseinandergerupft. Gehen wir sie also mal Schritt für Schritt durch.

Die „Welt“ schreibt:

Die Innenexperten kamen damals überein, dass durch solche Vorfälle „Angst“ vor Flüchtlingen geschürt werde und „die öffentliche Wahrnehmung kippen“ könnte, so Staatssekretär Nebe.

Im Kontext betrachtet liest sich Nebes Aussage so:

Der nächste Punkt ist: Vor Ort werden Störungen in der öffentlichen Ordnung wahrgenommen. In der Tat ist das – auch aus unserer Sicht – kein Problem, das man auf die leichte Schulter nehmen kann. Wir dürfen nicht die Akzeptanz und Zustimmung der Bevölkerung in den Standortkommunen, wo sich am Anfang alle positiv geäußert haben, auf die Dauer riskieren – und diese Hinweise bekommen wir.

Wenn wir hier ein Risiko eingehen, wenn die öffentliche Wahrnehmung kippt, wenn Angstgefühle da sind, selbst wenn die reale Situation der Kriminalitätsentwicklung das nicht rechtfertigt – das ist ein Alarmsignal, und das wollen wir aufgreifen. Dies geschieht auch dadurch, dass der Minister im November beabsichtigt – er hat es eben nicht gesagt, ich sage es trotzdem –, mit den Bürgermeistern der Standortkommunen ein Gespräch zu führen, um auch über diese Fragen zu reden.

Die „Welt“ schreibt weiter:

Auch Freidemokrat Joachim Stamp warnte 2014 die Kollegen, solche Vorfälle könnten „schnell dazu führen, dass von interessierter Seite entsprechend Stimmung gemacht wird“. Man müsse „froh sein“ über „die derzeitige vernünftige mediale Berichterstattung zu den steigenden Flüchtlingszahlen“.

Wörtlich sagte Stamp:

Die Probleme im Zusammenhang mit Alleinreisenden aus der gerade beschriebenen Zielgruppe sind mir ebenfalls aus verschiedenen Einrichtungen geschildert worden, insbesondere in Hemer. Man muss hier sicher über Repressionen nachdenken. Wir müssen aber insgesamt auch darüber nachdenken, wie wir speziell mit dieser Gruppe umgehen; denn das ist in den Einrichtungen tatsächlich ein Problem. Darüber könnten wir vielleicht interfraktionell diskutieren.

Wir alle sind froh über die derzeitige vernünftige mediale Berichterstattung über die steigenden Flüchtlingszahlen. Solche Einzelfälle, die sich dann, wenn es aus einer bestimmten Richtung kommt, auch häufen können, können schnell dazu führen, dass von interessierter Seite entsprechend Stimmung gemacht wird. Es gibt da ja einen – Gott sei Dank – außerparlamentarischen Wettbewerber, den wir nicht unbedingt stärken wollen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns als Demokraten verständigen, wie man sich mit diesen schwierigen Gruppen auseinandersetzt.

Und schließlich, „Welt“:

Andere Teilnehmer warnten vor einer drohenden „Stigmatisierung“ infolge der Veröffentlichung solcher Erkenntnisse.

Bullshit. Der Begriff „Stigmatisierung“ fällt, als ein Politiker der Piraten sagt:

Eine Verstärkung von Polizeikräften im Umfeld der Flüchtlingsunterbringung fände ich überhaupt nicht sinnvoll. Das wäre in meinen Augen eine Stigmatisierung.

Kein Wort von Veröffentlichung — oder: Verheimlichung — irgendwelcher Infos, auch sonst liefert das Protokoll keinerlei Hinweis darauf, dass irgendwas unter den Teppich gekehrt werden sollte. Die einzigen, die hier was verschweigen, sind die Leute von der „Welt“.

Mit Dank an Lars B.

Wie der „Focus“ jahrelang über kriminelle Ausländer geschwiegen hat

War es nicht mindestens ein Jahrzehnt lang gepflegter gesellschaftlicher Konsens, über Gewalt durch Ausländer weder zu reden noch angemessen zu berichten?

… fragt „Focus“-Chef Ulrich Reitz in seinem Newsletter vom Samstag.

Nun, vielleicht hilft ihm ja schon ein kleiner Blick ins eigene Archiv auf die Sprünge:

Mit Dank an Sinisa M.

Sag mal Klettergerüst

Hui! „Bild“ hat den ersten Dschungel-Liebes-Skandal entdeckt:

Eine rhetorische Frage natürlich.

Was geht los darein???

… hätte Dschungelqueen Brigitte Nielsen (52) bestimmt gebrüllt, wenn sie gesehen hätte, was sich über 6 Millionen „Dschungelcamp“-Zuschauer am Montagabend [gemeint ist: Sonntagabend] bei RTL antun mussten. Der feurige David Ortega (30) schleckt die TV-Anwältin ab!

Was eigentlich nur Bussi rechts, Bussi links auf die Wangen werden soll, geht scheinbar irgendwie daneben. Nicht mal beim Küssen kann sich der Mann konzentrieren, oder wie?!

Nun ja. In echt sah die Szene so aus:

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