1. Anonym verurteilt
(taz.de, Laurenz Schreiner)
Die “taz” berichtet, dass Indizien darauf hindeuten würden, dass ein hochrangiger Richter hinter einem Account stecken könnte, der seit Jahren Frauen und queere Menschen im Internet mit Hasskommentaren überziehe. Laurenz Schreiner ist der Sache in einer lesenswerten Recherche nachgegangen. Er habe dazu auch die betreffende Person angefragt, die davon nichts wissen wolle. Eine Folge habe es dennoch gegeben: “Nach Eingang der taz-Anfrage an Neuhäuser wurden zahlreiche der beanstandeten Kommentare des Accounts gelöscht. Der Anwalt weist darauf hin, dass daraus keine Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers gezogen werden dürften.”
2. Presserat-Rüge: Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs
(lobbycontrol.de, Christina Deckwirth & Nina Katzemich)
Der Deutsche Presserat habe die “Welt” wegen einer irreführenden Artikelserie über Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Die Redaktion habe fälschlicherweise behauptet, dass Umweltverbände durch geheime Verträge von der EU-Kommission für Lobbyarbeit bezahlt würden. LobbyControl begrüßt diese Entscheidung des Presserats als wichtiges Signal gegen gezielte Diffamierungskampagnen und für die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten.
3. Putins tote Soldaten: Reporter enthüllen die Bilanz des Krieges
(ndr.de, Roman Schell, Video: 15:38 Minuten)
“Zapp”-Reporter Roman Schell geht der Frage nach, wie hoch die russischen Verluste im Krieg gegen die Ukraine tatsächlich sind, und wie Medienschaffende für Transparenz sorgen. Da der Kreml die offiziellen Zahlen geheim halte, würden Journalistinnen und Journalisten versuchen, die Daten selbst zu rekonstruieren. Sie würden dafür öffentlich zugängliche Quellen wie lokale Todesanzeigen, Nachrufe und Beiträge in Sozialen Medien nutzen. Diese Arbeit sei für sie sehr gefährlich, da sie dadurch in Russland als “Auslandsagenten” gälten und meist aus dem Exil operieren müssten.
4. Social-Media-Verbot ist nicht die beste Lösung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine Umfrage unter 875 Eltern und Kindern habe ergeben, dass eine Mehrheit Soziale Medien lieber einschränken als komplett verbieten wolle. Zwar fänden viele Eltern ein gesetzliches Verbot für Personen unter 16-Jahren prinzipiell gut, allerdings lehne der Nachwuchs dies mehrheitlich ab. Die beliebteste Lösung sei für beide Gruppen daher nicht ein Komplettverbot, sondern eine technische Einschränkung von Funktionen. Einig seien sich fast alle Befragten, dass der Staat hier nicht allein entscheiden solle, sondern die Eltern weiterhin die Hauptverantwortung tragen müssten.
Weiterer Lesetipp: Fast fünf Millionen Konten von australischen Jugendlichen im ersten Monat gesperrt: “Seit Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greifen TikTok, Instagram und andere Techkonzerne hart durch: Innerhalb eines Monats wurden 4,7 Millionen Jugendkonten gesperrt – weit mehr als zuvor erwartet.” (spiegel.de)
5. Algorithmen regulieren statt Meinungen bestrafen
(lto.de, Carl Christian Müller)
Rechtsanwalt Carl Christian Müller argumentiert in seinem Gastbeitrag für “Legal Tribune Online”, dass die Debatte um Daniel Günthers missverstandenes “Ja” in der Talksendung von Markus Lanz den Blick auf die eigentlich relevanten rechtlichen Instrumente verstelle. Zivilrechtliche Schritte gegen bewusste Falschbehauptungen sogenannter alternativer Medien seien keineswegs Zensur, sondern rechtsstaatliche Normalität und für demokratische Institutionen sogar geboten. Die massenhafte strafrechtliche Verfolgung einzelner Social-Media-Posts sieht Müller hingegen kritisch. Diese wirke oft unverhältnismäßig und verstärke ungewollt Opfernarrative.
6. Mutter von Elon Musks Kind verklagt seine Firma wegen gefälschter Nacktbilder
(spiegel.de)
Die Autorin Ashley St. Clair, Mutter eines Kindes von Elon Musk, verklage dessen Unternehmen xAI, weil das KI-Tool “Grok” ohne Zustimmung sexuelle Deepfakes von ihr erstellt und auf der Plattform X veröffentlicht habe, teilweise auf Basis von Kinderfotos. Nachdem St. Clair diesen Missbrauch öffentlich kritisiert hatte, soll X als Vergeltungsmaßnahme ihren Premium-Status entzogen und ihr Konto demonetarisiert haben.



