1. Künast-Klage gegen Meta: Wieso es für den Social-Media-Giganten um mehr als ein Falschzitat geht
(correctiv.org, Max Bernhard & Kimberly Nicolaus)
Der jahrelange Rechtsstreit zwischen Grünen-Politikerin Renate Künast und dem Social-Media-Konzern Meta gehe vor den Europäischen Gerichtshof, meldet “Correctiv”. Der Bundesgerichtshof lasse klären, inwieweit Soziale Netzwerke für rechtswidrige Inhalte haften. Künast fordere, dass Meta ein ihr zugeschriebenes, seit Jahren kursierendes Falschzitat nicht nur nach Einzelmeldungen löscht, sondern auch sinngleiche Beiträge proaktiv entfernen muss. Sie strebe ein Grundsatzurteil an, das das bisherige Haftungsprivileg des Digital Services Act einschränken und Plattformen zu mehr digitaler Produktverantwortung verpflichten könnte.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Ich bin nicht der Europäische Gerichtshof. Aber ich sag’s mal so: Wer entscheidet, welchen Zettel Millionen Leute als Erstes auf ihrer Pinnwand sehen, der betreibt eine Redaktion. Und eine Redaktion ist nicht neutral. Und wer nicht neutral ist, muss sich auch um die Fälschungen kümmern, die er verteilt.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:25 Minuten)
2. Menschengemachter Journalismus in der Krise
(taz.de, Rahel Bueb)
Der Schweizer Verlag Tamedia baue 41 redaktionelle Stellen ab und löse unter anderem die Kulturredaktion des “Tages-Anzeiger” auf. Beschäftigte würfen dem Medienhaus vor, Renditeziele von bis zu zehn Prozent vor journalistische Qualität zu stellen. Das Unternehmen begründe den Schritt mit veränderten Nutzungsgewohnheiten. Zugleich sorge der forcierte Einsatz generativer Software für Proteste: Interne Vorgaben würden die Mitwirkung von Künstlicher Intelligenz an fast allen Texten ohne zwingende Kennzeichnung erlauben.
3. Was Emoji-Reaktionen über das politische Klima sagen
(belltower.news, Markus Conrad)
Eine vergleichende Auswertung der Facebook-Aktivitäten im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin belege ein massiv aufgeheiztes politisches Klima. Gegenüber den Wahlen von 2021 sei die Zahl negativer Emoji-Reaktionen je Beitrag drastisch angestiegen: Vor allem die Emojis für “wütend” sowie das im politischen Diskurs oft hämisch gemeinte “haha” hätten Zuwächse von mehreren tausend Prozent verzeichnet. Rechtspopulistisch orientierte Internetnutzerinnen und -nutzer würden gezielt die Kanäle politischer Mitbewerber ansteuern, um dort Ablehnung und Spott zu bekunden.
4. Musste “Ben Ungeskripted” sein Publikum auf Höckes Lüge hinweisen?
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Vor dem Verwaltungsgericht Köln streitet Podcaster Ben Berndt (“ungeskriptet by Ben”) mit der Landesanstalt für Medien NRW über journalistische Pflichten, berichtet “Legal Tribune Online”. Die Aufsichtsbehörde habe gerügt, dass Berndt eine historisch falsche Aussage von Björn Höcke zur NS-Organisation SA unkommentiert ließ. Berndt greife die Einstufung seines Formats als journalistisches Angebot juristisch nicht an, wehre sich jedoch gegen den festgestellten Sorgfaltsverstoß. Nun müsse das Gericht klären, ob Interviewende gesetzlich verpflichtet sind, Falschbehauptungen ihrer Gäste einzuordnen.
5. China auf Hochglanz: Wie prägen “Staatsfluencer” unser Bild?
(ardsounds.de, Joyce Lee & Max Seib, Audio: 32:50 Minuten)
Im ARD-Podcast “Welt.Macht.China” beschäftigen sich Joyce Lee und Max Seib mit dem Boom viraler Social-Media-Clips aus Metropolen wie Chongqing. Die Clips würden das Bild einer hypermodernen Hightech-Supermacht zeichnen, Missstände und Repressionen jedoch ausblenden. Laut Sören Kittel von Reporter ohne Grenzen verfolge Peking eine gezielte Strategie zur Diskurskontrolle. Ziel dieser Einflussnahme sei es, ein unkritisches, regierungsnahes Medienverständnis im Ausland zu normalisieren.
6. Große Story, großer Irrtum: Wie Medien auf Josephine R. hereinfielen
(ndr.de, Lisa Beusch & Julia von Buddenbrock, Video: 25:05 Minuten)
Ein vermeintlicher Missbrauchsfall habe sich als gravierender Justizirrtum entpuppt. Auf Basis erfundener Anschuldigungen einer jungen Frau aus Goslar saßen deren Eltern jahrelang unschuldig im Gefängnis, ehe der Bundesgerichtshof das Urteil aufhob. Kriminalreporter Erik Westermann räumt selbstkritisch ein, die gefälschte Opfererzählung unhinterfragt verbreitet zu haben. Gemeinsam mit einem Ermittlungsleiter, der früh Zweifel anmeldete, zeichnet die Recherche des NDR-Medienmagazins “Zapp” nach, wie Ermittlungsbehörden sowie Journalistinnen und Journalisten von den Schilderungen getäuscht werden konnten.



