Selbst schuld, “Fatales Signal”, Essenz der Fotografie

1. Selbst schuld
(taz.de, Ambros Waibel)
Ambros Waibel kommentiert die jüngsten Entwicklungen im Journalismus: Der geschriebene Journalismus sei an seiner Verdrängbarkeit durch Künstliche Intelligenz selbst schuld, weil er ohnehin von Phrasen und vorhersehbaren Mustern lebe, die eine KI mühelos nachbilde. Bestand habe nur, wer Selbstgesehenes berichte, echte Neuigkeiten liefere oder Fakten essayistisch verknüpfe. Das aber sei teuer und müsse exklusiv vermarktet werden. Die Antworten lägen am Ende nicht in der Technik, sondern bei den Menschen, die sich fragen müssten, welchen Journalismus sie wollen.
Weitere Lesetipps: KI-Verdacht und Fehler: Holtzbrinck verdient mit Schrottbuch über “Colonia Dignidad” (msn.com/faz.net) und dju legt 5 Punkte für KI-Einsatz vor (verdi.de).

2. “Fatales Signal”
(kontextwochenzeitung.de)
“Kontext” habe sich bei einer Recherche auf einen Informanten gestützt, dessen Identität die Redaktion bewusst geheim halte. Vor Gericht hätte sie nun beweisen sollen, dass die Information echt ist. Dafür hätte sie die Quelle preisgeben müssen. Weil das “Kontext”-Team das verweigert habe, um den Informanten zu schützen, habe es den Prozess verloren. Der Bundesgerichtshof habe ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt bestätigt. Günter Wallraff, Reporter ohne Grenzen, Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband würden warnen, dass damit der Quellenschutz in Gefahr gerate, eine der wichtigsten Grundlagen des investigativen Journalismus.

3. Warum W Social mehr kalter Kaffee als heißer Scheiß ist
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter kritisiert den Start des schwedischen Netzwerks W Social, das sich als europäische Twitter-Alternative inszeniere, mit Datenhosting in Europa und Ausweispflicht ab 18 Jahren. Damit werde Identifizierungspflichten und Alterskontrollen Vorschub geleistet. Außerdem bleibe unklar, warum ein profitorientiertes Start-up mit geschlossenem Code es besser machen solle als die quelloffenen Mastodon, Bluesky und Eurosky.

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4. MDR-Programmdirektor: “Es gibt kein Ranking im Schmerz”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview spricht der seit April zurückgekehrte MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen über die jüngsten Sparmaßnahmen des öffentlich-rechtlichen Senders. Der MDR leide stärker als andere ARD-Häuser unter der ausgebliebenen Beitragsanpassung und einem demografisch schrumpfenden Sendegebiet. Deshalb pausiere man “Tatort” und “Polizeiruf 110” für drei Jahre, gebe das “Mittagsmagazin” an den NDR ab und stelle “MDR um 2” ein. Diese Einschnitte wären laut Lochthofen vermeidbar gewesen, hätten die Länder die von der KEF empfohlene Beitragserhöhung zum 1. Januar 2025 umgesetzt.

5. “Die Essenz der Fotografie ist auch Melancholie”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Damian Zimmermann, seit 2024 Redaktionsleiter des “fotoMAGAZIN”, spricht im Interview über die Lage der professionellen Fotografie und des Fotojournalismus. Das 1949 gegründete Heft richte sich an ambitionierte Amateure, Einsteiger und Profis und könne gegen die frei zugänglichen Inhalte im Internet nur mit Qualität und Tiefe bestehen. Angehenden Fotografinnen und Fotografen rät Zimmermann, weniger auf die Technik zu achten und vor allem das Sehen zu schulen.

6. Kulturjournalismus – kann man damit eigentlich Geld verdienen?
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Françoise Hauser, Audio: 20:54 Minuten)
Im “Freien-Podcast” von Geraldine Friedrich und Françoise Hauser geht es um die Frage, ob man im Kulturjournalismus heutzutage finanziell überhaupt noch bestehen kann: “Wir haben uns mit dem Musikjournalisten Georg Rudiger unterhalten, wie er sich positioniert und arbeitet – und welche Tipps er Einsteigern mitgeben kann.”

ZDF gibt Unterlassungserklärung ab, Falschbehauptung, Palantir-Klage

1. ZDF gibt Unterlassungserklärung ab und kürzt Anmoderation
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Das ZDF habe eine von Elon Musk über eine deutsche Anwaltskanzlei geforderte Unterlassungserklärung abgegeben und eine Passage der Sendung “ZDFheute live” vom 12. Juni aus der Mediathek entfernt. Die Moderatorin habe in ihrer Anmoderation behauptet, Musk habe zur “Jagd auf Migranten” aufgerufen. Tatsächlich habe Musk einen Beitrag des britischen Rechtsextremisten Tommy Robinson geteilt und zu Protest aufgerufen, nicht aber zu Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten. Das ZDF habe eingeräumt, die Formulierung sei “unpräzise und dadurch missverständlich” gewesen.

2. Einstweilige Verfügung gegen DIE WELT: Gericht untersagt Falschbehauptung
(correctiv.org)
Das Landgericht Hamburg habe eine einstweilige Verfügung zugunsten von “Correctiv” gegen die Axel Springer Deutschland GmbH erlassen, teilt “Correctiv” in eigener Sache mit. Dabei gehe es um einen “Welt”-Kommentar von Andreas Rosenfelder, in dem dieser behauptet habe, “Correctiv” hätte sich für eine Recherche mit der Bundesregierung und dem Verfassungsschutz abgestimmt. Das Gericht habe die weitere Verbreitung dieser falschen Behauptung untersagt.

3. “Die Republik” setzt sich gegen Palantir durch
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
Constanze Kurz berichtet, dass das Handelsgericht des Kantons Zürich bei 22 von 23 Gegendarstellungsforderungen des US-Konzerns Palantir zugunsten des Schweizer Onlinemagazins “Die Republik” entschieden habe. Anlass sei eine Recherche der “Republik” zusammen mit dem WAV-Recherchekollektiv über Palantirs jahrelanges Lobbying bei Schweizer Behörden, in der auch eine interne Bewertung des Schweizer Militärs offengelegt worden sei. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig.

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4. Globale Netzwerke, kooperative Forschung: Erfahrungen des Erich-Brost-Instituts für internationalen Journalismus
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler & Michel Leroy & Dominik Speck & Merle Van Berkum & Richard Brandt)
Ein Autorenteam des Erich-Brost-Instituts für internationalen Journalismus an der TU Dortmund reflektiert über mehrere transnationale Forschungs- und Ausbildungsprojekte, darunter vergleichende Studien zur Medienverantwortlichkeit in 44 Ländern und zur Migrationsberichterstattung in Europa und Afrika. Zentrale Herausforderungen seien Asymmetrien bei Ressourcen, Sprache und epistemischer Autorität sowie die Gefahr, westliche Perspektiven zu universalisieren.

5. Neue Aufgaben im Community-Management
(verdi.de, Bärbel Röben)
Bärbel Röben beschreibt die wachsenden Anforderungen an das Community-Management in Medienhäusern. Die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” (“NdM”) kritisieren, dass die Arbeit der Community-Managerinnen und -Manager in vielen Redaktionen nicht als vollwertiger journalistischer Beruf anerkannt werde, obwohl die Teams täglich Tausende Kommentare sichten und Hass sowie Desinformation herausfiltern müssten. Laut Interviews mit Community-Redaktionen stammen 74 Prozent der Hasskommentare von rechten Akteurinnen und Akteuren. Die “NdM” fordern unter anderem, Community-Management als Teil der publizistischen Verantwortung zu betrachten.

6. ORF.at soll von Österreichs Medien gemeinsam betrieben werden, schlagen Raiffeisen und Industrie vor
(derstandard.at, Harald Fidler)
Harald Fidler berichtet über ein Strategiepapier von Raiffeisen und Industriellenvereinigung, laut dem die bislang öffentlich-rechtliche Nachrichtenseite ORF.at in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert und zu einer gemeinsamen Plattform österreichischer Medien gemacht werden solle. Als Vorbild diene die genossenschaftlich organisierte Nachrichtenagentur APA. Private Medieninhalte könnten auf der reichweitenstarken Seite präsentiert und dort oder auf den eigenen Angeboten vermarktet werden.

Lösung KI-Checker?, Trafficfresser, Satire scheitert an Söder

1. KI-Checker sind auch nicht die Lösung
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Ann-Kathrin Leclere kommentiert den Fall des “Tagesspiegel”-Autors Stephan-Andreas Casdorff, der für mehrere Meinungsbeiträge Künstliche Intelligenz verwendet habe. Wenn Journalistinnen und Journalisten ihre Texte von einer Maschine generieren lassen, würden sie sich selbst abschaffen, so Leclere. Die Leserschaft verlasse sich darauf, Beiträge selbst denkender Menschen zu lesen. Der vom “Tagesspiegel” angekündigten Überprüfung von Texten auf KI-Gehalt erteilt Leclere eine Absage: “Das, was viele heute für typische KI-Sprache halten, stammt oft aus menschlichen Texten, mit denen die Systeme trainiert wurden. Gleichzeitig werden die Modelle immer besser. Ein Wettlauf zwischen künstlicher Textgenerierung und Erkennungssoftware wird das Problem nicht lösen.”

2. FAS nimmt Gastbeitrag von Digitalminister offline
(zeit.de)
Nach einer Recherche der “Zeit” (nur mit Abo lesbar), laut der Bundesdigitalminister Karsten Wildberger mehrere Reden und Texte großenteils von einer KI habe schreiben lassen, habe die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” einen Gastbeitrag von Wildberger offline genommen. Zuvor habe bereits das “Handelsblatt” einen Beitrag depubliziert und ihn nach Prüfung mit einem KI-Hinweis wieder veröffentlicht. Das Digitalministerium habe den KI-Einsatz verteidigt.

3. Google AI Overview: Erst frisst die KI den Traffic, dann zahlen die Leser für News
(computerbase.de, Andreas Frischholz)
Andreas Frischholz analysiert, wie Googles KI-Suche den Medienmarkt umpflügt: Da der “AI Overview” zum Standard werde, verlören die Verlage Reichweite und Werbeeinnahmen. Sie müssten diese Entwicklung durch Paywalls und steigende Abo-Preise ausgleichen. Der Markt werde sich in hochwertige Bezahlinhalte und KI-gestützte Massenabfertigung teilen, prophezeit Frischholz: “Viele Webseiten werden sich aufgrund des ökonomischen Drucks in den nächsten Jahren anpassen müssen – oder sie verschwinden.”

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4. Großbritannien will Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16
(spiegel.de)
Der britische Premierminister Keir Starmer habe in London ein Verbot Sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren angekündigt. Soziale Medien würden Kinder unglücklich machen, so seine Begründung. Großbritannien folge damit Australien, das im Dezember 2025 ein solches Verbot eingeführt habe. Auch Frankreich, Spanien, Griechenland, Norwegen und Österreich hätten entsprechende Schritte angekündigt. Kritiker führen an, dass ein Verbot sich über VPN-Dienste oder gefälschte Geburtsdaten leicht umgehen lasse, und die Auswirkungen einer Altersgrenze kaum erforscht seien.

5. Influencer treiben Online-Käufe bei Jugendlichen in die Höhe
(rnd.de)
Einer Mediensucht-Sonderanalyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (PDF) zufolge beeinflussen Social-Media-Werbung und Influencer-Empfehlungen das Kaufverhalten von Kindern und Jugendlichen erheblich. Kaufentscheidungen entstünden oft aus dem Zusammenspiel von Orientierung an Influencern und algorithmisch beeinflussten Impulsen, erläutert Studienleiterin Kerstin Paschke. Junge Menschen seien dafür entwicklungsbedingt besonders empfänglich.

6. Hihi, Söder
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist schreibt, dass die deutsche Satire ausgerechnet an Markus Söder scheitere, obwohl der CSU-Chef die perfekte Zielscheibe abgebe. Satirikerinnen und Satiriker wie der “heute-show”-Reporter Fabian Köster hätten Söder erst zur Witz- und später zur Kultfigur gemacht und damit gerade das normalisiert, was eigentlich ihr Angriffsziel gewesen sei. Hinter den Auftritten des bayerischen Ministerpräsidenten gebe es kein “wahres Ich” mehr. Ähnlich einem Stand-up-Comedian sei die Performance selbst die Realität. Kösters Suche nach dem “echten Söder” laufe daher ins Leere.

Beurlaubt wegen KI, Berichten über Terror, “Verschlossene Auster”

1. Ex-“Tagesspiegel”-Chefredakteur wegen KI-Nutzung beurlaubt
(taz.de)
Der “Tagesspiegel” habe seinen früheren Chefredakteur und Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff mit sofortiger Wirkung von dessen Aufgaben entbunden. Casdorff habe mehrfach Meinungsartikel mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz verfasst und dies nicht kenntlich gemacht. KI sei zwar auch für die Redaktion ein Werkzeug, dürfe aber nicht den Kern der Arbeit übernehmen. Casdorff habe einen “Riesenfehler” eingeräumt und um Entschuldigung gebeten.

2. Fortschritt entsteht in kleinen Schritten
(journalist.de, Martin Dowideit)
In der Serie “Mein Blick auf den Journalismus” beschreibt Martin Dowideit, stellvertretender Chefredakteur und Digitalchef der “Wirtschaftswoche”, wie KI dem Blatt zum 100-jährigen Bestehen helfe, jung zu bleiben. Sinnvoll sei die Technik vor allem für neue digitale Erzählformen, das Automatisieren alltäglicher Prozesse und die Analyse großer Datenmengen. Worauf Dowideit ausdrücklich hinweist: “Was wir nicht tun: unsere Texte von ChatGPT oder Claude schreiben lassen.”

3. Montage
(netzpolitik.org, Bianca Kastl)
Bianca Kast vergleicht Googles neuen KI-Modus mit der Filmmontage der 1920er und dem Kuleschow-Effekt. Statt der zehn blauen Links extrahiere die KI-Suche fremde Inhalte und halte Nutzerinnen und Nutzer im Google-Kosmos: “Ähnlich wie in Propagandafilmen wird heute daran geforscht, wie sich Werbebotschaften gut in KI-Suchen integrieren lassen. Mit Blick auf Google stellt sich die Frage, ob es da nicht einen harten Schnitt braucht.”

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4. Pressefreiheit ist keine Weltmeisterschaft
(verdi.de, Lars Hansen)
Lars Hansen kommentiert Deutschlands Abrutschen in der “Rangliste der Pressefreiheit” von Reporter ohne Grenzen, wo die Situation in Deutschland nur noch als “zufriedenstellend” statt als “gut” gelte. Früher sei Deutschland im Ranking gefallen, weil andere Länder sich verbessert hätten; inzwischen verschlechtere sich die Lage im Land tatsächlich. Dieses Abrutschen sei ein Alarmsignal für die Demokratie.

5. Was richten Medien mit reißerischen Berichten über Terror und Amok an?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:59 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit dem Medienpsychologen Benedikt Till über das Versagen vieler Medien bei der Berichterstattung über Terror und Amokläufe. Till habe mit der Kommunikationswissenschaftlerin Brigitte Naderer über drei Jahre mehr als 1.900 deutsche und österreichische Artikel zu Attentaten zwischen 2016 und 2020 ausgewertet. Sein Fazit: Medien erzählten zu oft “die Geschichte des Täters” und machten so Werbung für dessen Sache.

6. Verschlossene Auster 2026 geht an Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche (NR) verleiht regelmäßig einen Negativpreis für den “Informationsblockierer des Jahres”, die “Verschlossene Auster”. Diesjähriger Preisträger ist Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. Anlass sei die Einschränkung des Berliner Informationsfreiheitsgesetzes durch die Koalition aus CDU und SPD. Für Journalistinnen und Journalisten bedeute die Gesetzesänderung aus NR-Sicht einen klaren Rückschritt, weil statt einer Einzelfallprüfung nun pauschale Ablehnungen drohen würden.

KW 24/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Die Wahrheit über die Öffentlich-Rechtlichen
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 26:18 Minuten)
Mats Schönauer hat sich von verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ARD, ZDF, Deutschlandradio und “Funk” berichten lassen, wie es hinter den Kulissen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) zugeht. Kritisiert würden vor allem Bürokratie, langsame Entscheidungswege, veraltete Strukturen und unklare Zuständigkeiten. Der ÖRR werde von innen nicht grundsätzlich in Frage gestellt, aber als schwerfällige, reformbedürftige Institution beschrieben. Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. KI urteilt über Journalismus – wer steckt hinter Objection?
(ndr.de, Lisa Beusch, Video: 20:38 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” beschäftigt sich mit dem Start-up “Objection” aus den USA, das mit KI-gestützten Urteilen gegen angeblich falsche Berichterstattung vorgehen wolle. “Objection” verspreche, Medienberichte öffentlich zu prüfen, Belege zu sammeln und per KI ein Urteil zu fällen. Kritisiert wird daran vor allem die Gefahr für Quellenschutz, Privatsphäre und investigative Recherchen. Das Start-up wirke wie ein Instrument, mit dem Reiche und Mächtige Redaktionen unter Druck setzen könnten.

3. Das finanzierte Clownfiasko (mit Johannes Franzen)
(hakendran.podigee.io, Gavin Karlmeier, Audio: 1:13:23 Stunden)
Bei “Haken dran” spricht Gavin Karlmeier mit Johannes Franzen über die Macht großer Tech-Plattformen und deren Eigentümer. Ausgangspunkt sind Elon Musk, X und der SpaceX-Börsengang. Musk sei ein reichweitenstarker Akteur, der rechte Mobilisierung verstärke und X als politische Verstärkeranlage nutze. Weitere Themen der Folge sind Deepfake-Klagen gegen X, Sicherheitsprobleme bei xAI/Grok, Metas zurückgefahrene Moderation und die Frage, ob Plattformen mehr Verantwortung übernehmen müssen.

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4. “Lasst uns doch einfach mal die Expertinnen und Experten weglassen”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 50:35 Stunden)
Bei “Nice & Nötig”, eine Podcast von “Übermedien”, hat Annika Schneider Ellen Heinrichs, Gründerin und Geschäftsführerin des Bonn Institutes, zu Gast. Das Gespräch dreht sich um das vom Bonn Institute entwickelte Dialogspiel “Eine Stunde reden” und die Frage: “Wie können wir einander wieder besser zuhören und konstruktiv mit Meinungsverschiedenheiten umgehen?”

5. Wie kommt der ORF aus der Krise, Leonard Dobusch?
(ardsounds.de, Linus Lüring, Audio: 25:30 Minuten)
Nach langem Ringen habe sich der öffentlich-rechtliche ORF auf einen neuen Generaldirektor geeinigt. Linus Lüring hat sich dazu bei “BR24 Medien” mit Leonhard Dobusch ausgetauscht, Mitglied des ORF-Stiftungsrats und BWL-Professor an der Universität Innsbruck: “Kann der neue ORF-Chef Clemens Pig den ORF aus der Krise führen? Was sind die drängendsten Aufgaben? Und warum sind ‘Freundeskreise’ ein Problem?”

6. Family Influencing: Kinderdarstellungen auf Instagram, TikTok und YouTube
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 48:19 Minuten)
Der “BredowCast” stellt eine Studie des Hans-Bredow-Instituts zu Family Influencing auf Instagram, TikTok und YouTube vor. Untersucht wurden rund 360 deutschsprachige Profile und über 10.000 Posts mit Babys und Kindern bis fünf Jahren. Das Ergebnis falle differenzierter aus, als die öffentliche Debatte nahelege: Die meisten Eltern würden ihre Kinder zurückhaltend zeigen oder sie unkenntlich machen. Kritisch werde es jedoch dort, wo wirtschaftliche Interessen der Eltern mit den Persönlichkeitsrechten der Kinder kollidieren.

“Nein” zu Social-Media-Verbot, Leuchtturm, Alltägliche Gefahr

1. Deutscher Ethikrat sagt “Nein” zu Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck fasst die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet zusammen. Der Ethikrat spreche sich klar gegen ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild aus. Besonders kritisch bewerte der Rat Alterskontrollen, wenn dabei Daten das Gerät der Nutzerinnen und Nutzer verlassen. Die geplante EU-“Mini-Wallet” lehne er wegen Sicherheits- und Datenschutzproblemen ab.

2. Zukunftsoffensive für COSMO
(verdi.de)
Mehr als 500 migrantische Organisationen sowie Unterstützerinnen und Unterstützer aus Kultur, Wissenschaft, Medien und Politik fordern in einem offenen Brief (PDF) an die ARD, die Pläne hinsichtlich der Radiowelle Cosmo zu stoppen. Statt das einzige interkulturelle und mehrsprachige ARD-Radioprogramm faktisch abzuwickeln, solle Cosmo zu einem bundesweiten, starken Gemeinschaftsprogramm ausgebaut werden, so der Vorschlag. Das Bündnis argumentiert, Cosmo sei gerade in Zeiten von Rechtsextremismus, Polarisierung und Desinformation ein unverzichtbarer Raum für diverse Perspektiven.

3. Leuchtturm 2026 für Spiegel-​Recherche zu digitaler sexualisierter Gewalt
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche (NR) verleiht seinen Leuchtturm-Preis in diesem Jahr an ein “Spiegel”-Team für dessen Recherche zu digitaler sexualisierter Gewalt im Fall Collien Fernandes (nur mit Abo lesbar). Die Titelgeschichte habe anhand der Vorwürfe gegen Christian Ulmen sichtbar gemacht, wie belastend manipulierte oder irreführend verbreitete intime Bilder für Betroffene sein können und wie lückenhaft der rechtliche Schutz ist. Das Netzwerk würdigt die Arbeit als sorgfältige, unbequeme Recherche mit großer gesellschaftlicher Wirkung. Die Preisverleihung findet am 13. Juni bei der NR-Jahreskonferenz in Hamburg statt.

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4. Kritik ist unerwünscht
(taz.de, Serena Bilanceri)
Serena Bilanceri beschreibt eine deutliche Verschlechterung der Pressefreiheit in Israel seit Beginn des Gaza-Kriegs. Im Mittelpunkt steht der italienische Journalist Alessandro Stefanelli, dem wegen angeblich einseitiger und israelkritischer Berichterstattung die Einreise verweigert worden sei. Dokumente würden nahelegen, dass israelische Behörden Artikel auswerten und daraus politische oder sicherheitsrelevante Verdachtsmomente gegen ausländische Journalistinnen und Journalisten ableiten. Israel gefährde damit genau jene Pressefreiheit, auf die sich eine Demokratie berufen müsse.

5. Wie viel “rassistische Fake News-Schleuder” wirklich im Exxpress steckt
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Der Beitrag von Andrea Gutschi prüft den Vorwurf des bekannten Moderators Armin Wolf, der österreichische “Exxpress” sei eine “rechte, rassistische Fake News-Schleuder”. Anlass ist die ORF-Kandidatur von “Exxpress”-Herausgeberin Eva Schütz. Gutschis Text dokumentiert zahlreiche irreführende oder falsche “Exxpress”-Berichte. Besonders auffällig sei, dass Falschinformationen und selektive Darstellungen häufig mit Asyl, Migration und rassistisch aufgeladenen Narrativen verbunden seien.

6. Was tun gegen die alltägliche Gefahr?
(journalist.de, Volker Lilienthal & Viviane Schönbächler & Jannis Frech)
Das Problembewusstsein für Cybersicherheit sei bei deutschen Redaktionen vorhanden, die praktische Sicherheit aber oft nur “mäßig bis überwiegend solide”. Das Autorenteam der Universität Hamburg fordert daher mehr Schulungen, klare Notfallpläne und eine bessere Kommunikation zwischen Redaktion, IT und Management. Außerdem sei eine Debatte über Abhängigkeiten von US-Clouds sowie neue Risiken durch KI-gestützte Überwachung nötig.

In Sachen Mario Voigt, Wie die Fifa Geld macht, Weimers Eigentlichkeit

1. In Sachen Mario Voigt
(faz.net)
Die “FAZ” reagiert auf eine Recherche von “FragDenStaat”, laut der der Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) von Mitte August 2025 mit Künstlicher Intelligenz generiert worden sei, und depubliziert den Artikel: “Wir veröffentlichen heute und auch künftig keine Originalbeiträge mit von KI generiertem Text. Es sei denn, die Tatsache, dass der Text von KI generiert wurde, ist der eigentliche Sinn des Beitrags.”

2. Wie die Fifa Geld macht
(taz.de, Yannik Achternbosch)
Bei der heute beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft laufen nur 60 der 104 Spiele bei ARD und ZDF. Die restlichen 44 Partien seien exklusiv bei MagentaTV zu sehen. Yannik Achternbosch ordnet diese Situation als Teil des Geschäftsmodells der Fifa ein: Fernsehrechte, Sponsoring und Tickets würden dem Verband im Vierjahreszyklus Milliarden US-Dollar einbringen. Sportökonom Christoph Breuer warne, dass die Ausweitung auf immer mehr Teams und Spiele das Produkt WM auch entwerten könne. Im Kern gehe es nicht nur um Fußball, sondern um Macht: Je mehr Geld die Fifa, auch durch die TV-Gelder, einnehme und an Mitgliedsverbände verteile, desto stabiler bleibe die Machtbasis von Präsident Gianni Infantino.

3. Wolfram Weimer baut der Eigentlichkeit ein Gehäuse
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier seziert die Rhetorik von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Im Mittelpunkt des Beitrags stehen Weimers Lieblingsbegriffe “Eigentlichkeit” und “Gehäuse”, die er seit Jahren in Kolumnen, Reden und Interviews verwende, oft ohne dass klar werde, was genau damit gemeint ist. Niggemeiers Fazit: “Wolfram Weimer ist ein Großproduzent heißer, nach Intellektualität riechender Luft, und die Eigentlichkeit seines Gehäuses ist ein Gebläse.”

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4. Hauptpreis des Zentralrats der Juden: Nuhr betrüblich
(campact.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert die Verleihung des Leo-Baeck-Preises des Zentralrats der Juden an Dieter Nuhr. Der Preis gilt als höchste Auszeichnung des Zentralrats und soll Persönlichkeiten ehren, die sich besonders für jüdisches Leben einsetzen. Meisner stellt infrage, ob Nuhr dafür geeignet ist. Zwar positioniere er sich deutlich gegen Antisemitismus, zugleich bediene er nach Ansicht vieler Kritiker rassistische, anti-woke und antiliberale Ressentiments.

5. Der Pudding wird uns auf die Füße fallen
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Beim Blick auf die politische Debatte über verpflichtende Alterskontrollen im Internet sieht Sebastian Meineck gleich mehrere Probleme: Ausweis-Apps würden Menschen ohne passende Dokumente oder Geräte ausschließen, robuste Kontrollen die Privatsphäre gefährden und Sperren sich über VPN oder Tor umgehen lassen. Statt einer scheinbar perfekten Altersverifikation fordert Meineck eine ehrlichere Debatte über die Zielkonflikte. Strenge Alterskontrollen könnten sonst zum Grundstein eines digitalen Kontrollapparats werden.

6. Bildmarkt ächtzt unter KI-Entwicklung
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Susanne Stracke-Neumann fasst die Ergebnisse der Umfrage “Image Market – Business Trends” (PDF) der Hochschule Hannover zusammen und zeigt, wie stark der Bildmarkt durch Künstliche Intelligenz unter Druck gerät. Auf Auftraggeberseite steige die Nachfrage nach derartigen Bildern. Als Gründe nennten Käufer die kreativen Möglichkeiten, vor allem aber Kosteneinsparungen. Die Studie zeige zudem stagnierende Honorare, einen Gender-Pay-Gap und große Skepsis gegenüber KI-Training: Über 90 Prozent der Kreativen würden es ablehnen, ihr Material dafür zur Verfügung zu stellen.

KI in der Staatskanzlei?, “Correctiv” antwortet Lanz, Film brennt gut

1. “Ich trete in das Vermächtnis eines Anspruchs”
(fragdenstaat.de, Aiko Kempen & Jonathan Peaceman)
“FragDenStaat” wirft Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt vor, Künstliche Intelligenz nicht nur in einem umstrittenen “Welt”-Gastbeitrag, sondern offenbar auch bei zahlreichen Reden und Artikeln eingesetzt zu haben. Eine Auswertung lege nahe, dass mehrere Texte aus Voigts Amtszeit zu großen Teilen oder vollständig KI-generiert seien. Problematisch sei vor allem die fehlende Kennzeichnung, denn eine Thüringer Dienstanweisung sehe bei wesentlich KI-generierten Texten Transparenz vor.

2. “Journalismus ist das nicht – Bambi für Ronzheimer hin, Freiheits-Gerede von Döpfner her”
(bsky.app, Janosch Dahmen)
Bei Bluesky erhebt der Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen (Die Grünen) schwere Vorwürfe gegen wichtige Springer-Protagonisten und deren politisches Umfeld. Dahmen beschreibt Springer als Macht- und Einflussnetzwerk, das angeblich eine schwarz-blaue Option aus Union und AfD vorbereite. Als Beispiele nennt er persönliche Verbindungen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer mit verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Akteuren sowie eine unkritische oder interessengeleitete Berichterstattung (hier der Thread übersichtlich auf einer Seite).

3. “Kauf kein Kack”, aber kauf (bei Amazon)!
(uebermedien.de, Martin Rücker)
Der “Übermedien”-Text von Martin Rücker nimmt den “Bild”-Kaufberater unter die Lupe. Die Redaktion inszeniere die Produkttests als unabhängige Verbraucherberatung, baue daraus aber zugleich ein lukratives Affiliate-Geschäft auf. Rücker erkennt durchaus ernsthafte Testverfahren, kritisiert aber die Grauzone zwischen journalistischer Prüfung und Kaufanreiz. Besonders problematisch werde es, wenn “Bild” Produkte empfehle, ohne grundsätzlich zu fragen, ob der Kauf überhaupt sinnvoll sei.

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4. Stellungnahme von Correctiv
(instagram.com, Justus von Daniels)
Vor drei Tagen haben wir in unseren “Hör- und Gucktipps zum Wochenende” das Gespräch von Markus Lanz und Richard David Precht über “Aktivismus vs. Journalismus” verlinkt. Dort ging es auch um die Potsdam-Recherche von “Correctiv”, die von Lanz angezweifelt wird; er sei “auf die Recherche reingefallen”. Bei Instagram erklärt “Correctiv”-Chefredakteur Justus von Daniels nun das große Ganze und spricht darüber, warum die “Correctiv”-Einordnung aus seiner Sicht zutreffend sei.

5. RiffReporter in eigener Sache: Neues Crowdfunding soll das Überleben sichern
(riffreporter.de)
Wie die “Riffreporter” in eigener Sache berichten, habe man eine Insolvenz nur durch drastische Sparmaßnahmen abwenden können. Bis zum 13. Juli dieses Jahres soll nun eine Finanzierungslücke geschlossen werden, die man über eine Crowdfunding-Aktion füllen wolle: “Das Crowdfunding verfolgt mehrere Finanzierungsziele. Bereits mit 50.250 Euro könne der laufende Betrieb abgesichert werden. Weitere Mittel sollen in Marketingmaßnahmen fließen, Sichtbarkeit und Reichweite steigern und dabei helfen, bestehende Formate wie Podcasts und Newsletter weiterzuentwickeln.”

6. Film brennt gut
(taz.de, Valérie Catil)
Die Debatte um problematische Filmszenen ende nicht bei Wim Wenders’ “Falsche Bewegung” und der Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski. An Beispielen wie Alejandro Jodorowskys “El Topo” und Bernardo Bertoluccis “Der letzte Tango in Paris” zeigt Valérie Catil, dass reale Übergriffe, Demütigungen oder nicht abgesprochene Gewalt am Set teils als Kunst konserviert und später kanonisiert wurden. Catil wendet sich gegen die Vorstellung, das Entfernen solcher Szenen sei automatisch Zensur oder Kulturrevision.

Face­book löscht zu langsam, Prebunking, “Goldener Spatz”

1. Soziale Medien: Nutzen und Risiken aus Sicht von Jugendlichen und Erwachsenen
(bpb.de)
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Daten des ifo-Bildungsbarometers 2025 zur Social-Media-Nutzung von Jugendlichen ausgewertet. Befragt wurden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie Erwachsene. Beide Gruppen sähen Soziale Medien überwiegend kritisch, Jugendliche aber etwas positiver als Erwachsene. Social Media gelte für viele als Risiko, sei für junge Menschen aber zugleich ein wichtiger Informations-, Sozial- und Identitätsraum.

2. Face­book löscht zu langsam
(lto.de)
Das Landgericht Frankfurt habe ein Ordnungsgeld in Höhe von 100.000 Euro gegen den Social-Media-Konzern Meta verhängt, da Facebook gerichtliche Löschanordnungen zu langsam umgesetzt habe. Hintergrund seien falsche Vorwürfe gegen einen Soldaten im Gazastreifen, der auf Facebook mit Klarnamen und Foto als Kriegsverbrecher bezeichnet worden sei. Obwohl Meta die Verbreitung untersagt wurde, seien die Beiträge noch lange Zeit online geblieben. Die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig.

3. Vor Desinformation schützen
(verdi.de)
Die Initiative “Prebunking Elections” von dpa, dem Verein Medienebene sowie der Günter-Holland-Journalistenschule wolle Desinformation zu Landtagswahlen nicht erst nachträglich widerlegen, sondern Menschen frühzeitig gegen typische Muster und Narrative von Falschbehauptungen sensibilisieren. Im Mittelpunkt stünden niedrigschwellige Kurzvideos für Social Media, etwa zur Erkennung von KI-generierten Bildern und Videos. Ergänzt werde die Kampagne durch lokale Formate. Dort könnten junge Menschen mit Journalistinnen und Journalisten über Desinformation und Faktenchecks sprechen.

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4. “Nius” wehrt sich juristisch gegen Werbestopp der BVG
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie “turi2” unter Berufung auf die “FAZ” (nur mit Abo lesbar) berichtet, gehe das rechtspopulistische Portal “Nius” juristisch gegen die Berliner Verkehrsbetriebe und die Werbefirma Wall vor. Hintergrund sei der Werbestopp für eine “Nius”-Kampagne, der nach einem Social-Media-Beitrag von Chefredakteur Julian Reichelt veranlasst worden sei. Der “Nius”-Anwalt habe darauf verwiesen, dass der Beitrag satirisch gemeint sei und unter die Meinungsfreiheit falle.

5. Zwischen FIFA, Politik und Fans: Wie Medien über die WM berichten
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:06 Minuten)
“Wie entsteht eigentlich das Bild, das wir von dieser Fußball-WM haben? Und lässt sich Sportberichterstattung von Politik trennen?” Darüber spricht Sophie Morár bei “BR24 Medien” mit ARD‑Reporter Holger Dahl, ARD‑Programmchef Thomas Wehrle und dem Sportpublizisten Marcus Bölz.

6. Die Welt für Kinder etwas fairer machen
(tagesschau.de, Lars Meyer)
Lars Meyer stellt das Kinder-Medien-Festival “Goldener Spatz” als zentrale Plattform für deutschsprachige Kindermedien vor. Das Festival, 1979 in der DDR gegründet, verbinde Filmprogramm, Branchenangebote und Medienpädagogik. Besonders sei, dass die wichtigsten Preise nicht von Erwachsenen, sondern von einer Kinderjury vergeben werden. Inhaltlich stehe diesmal die Frage im Zentrum, wie Kinder stärker an Gesellschaft teilhaben können.

BVG beerdigt “Nius”, Nach Interview gekündigt, Im Netz der Tech-Konzerne

1. Berliner BVG beerdigt Nius
(taz.de, Luzie Fuhrmann)
In der “taz” schreibt Luzie Fuhrmann, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Werbekampagne des rechtspopulistischen Portals “Nius” mit sofortiger Wirkung beendet hätten. Auslöser sei ein Social-Media-Post von “Nius”-Chefredakteur Julian Reichelt, der ein angeblich in der U-Bahn hängendes Motiv zeige, das nicht Teil der freigegebenen Kampagne sei. Zuvor habe es bereits breite Proteste gegen die “Nius”-Werbung gegeben, doch die BVG habe sich lange auf externe Vermarkter und rechtliche Zulässigkeit berufen.

2. Nach kritischem ZDF-Interview: Jobcenter-Mitarbeiter in Bremen wurde offenbar fristlos gekündigt
(tagesspiegel.de)
Nach seinem Auftritt in der ZDF-Doku “System Bürgergeld: Leben ohne Leistung” sei einem Bremer Jobcenter-Mitarbeiter offenbar fristlos gekündigt worden. Er habe in der Sendung massive Kritik an Jobcenter-Strukturen geäußert und unter anderem behauptet, 30 bis 40 Prozent der Bürgergeldempfänger würden unwahre Angaben machen. Diese Zahl werde vom Jobcenter als unbelegt zurückgewiesen. Man werfe dem Mitarbeiter zudem vor, ohne Genehmigung gesprochen zu haben. Dieser wolle juristisch gegen die Kündigung vorgehen.

3. Volksverpetzer gewinnt gegen die Ostdeutsche Allgemeine vor Gericht
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Thomas Laschyk berichtet in eigener Sache, dass der “Volksverpetzer” vor dem Landgericht Dresden gegen die “Ostdeutsche Allgemeine Zeitung” (“OAZ”) gewonnen habe. Die “OAZ” habe sechs Aussagen aus einem “Volksverpetzer”-Artikel per einstweiliger Verfügung untersagen lassen; das Gericht habe den Antrag vollständig zurückgewiesen: Fünf Aussagen seien zulässige Meinungsäußerungen, eine weitere eine zutreffende Tatsachenbehauptung.

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4. Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr? Wir zerstören sie selbst
(de.ejo-online.eu, Michael Haller)
In seinem Essay argumentiert Michael Haller, dass die aktuelle Debatte über Presse- und Meinungsfreiheit oft am Kern vorbeigehe: “In Zeiten der Sozialen Medien sollten wir uns nicht um die Beschneidung der Meinungsäußerungsfreiheit sorgen, sondern um den freien Zugang zu Informationen.” Haller zeichnet historisch nach, dass Pressefreiheit ursprünglich weniger als Recht auf beliebige Meinung gedacht war, sondern als Schutz der Berichterstattung über Macht, Parlament und Staat.

5. Im Netz der Tech-Konzerne: Jochen Breyer auf der Spur der Algorithmen
(zdf.de, Jochen Breyer, Video: 43:46 Minuten)
Die ZDF-Doku “Im Netz der Tech-Konzerne” mit Jochen Breyer zeigt, wie Social-Media-Algorithmen Aufmerksamkeit binden, extreme Inhalte belohnen und Kinder und Jugendliche gefährden können. Mit Anke Engelke als “personifiziertem Algorithmus” erklärt der Beitrag die Logik der Plattformen: Je länger Nutzerinnen und Nutzer online bleiben, desto profitabler werde die Werbung. Es geht um süchtig machendes Design, problematische Inhalte, mangelhafte Content-Moderation und den politischen Kampf um Regulierung.

6. Per KI erzeugte Bikinibilder – Politikerin klagt gegen Elon Musk
(spiegel.de)
Der “Spiegel” greift den Fall der britischen Labour-Abgeordneten Jess Asato auf, die gegen Elon Musks KI-Firma xAI klage. Hintergrund seien mit dem Chatbot Grok erzeugte Fakebilder, die Asato ohne Einwilligung im Bikini zeigen sollen, kurz nachdem sie Deepfake-Pornografie kritisiert hatte. Asato sehe darin eine Verletzung ihrer Privatsphäre und wolle erreichen, dass KI-Unternehmen für die Gestaltung ihrer Systeme haftbar gemacht werden können. Premierminister Keir Starmer unterstütze Asatos Klage.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.