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Der Trick mit dem Mann ohne Unterleib

Als sich der Fußballspieler Lars Bender gestern vom TSV 1860 München verabschiedete, sei er „kaum beachtet“ worden, berichtet „Bild“. Kein Wunder, möchte man sagen, wenn man sich die entsprechende Szene auf Bild.de ansieht:

Denn wer beachtet schon einen Fußballer, selbst einen U19-Nationalspieler, wenn im Hintergrund ein Mann ohne Unterleib schwebt?

Wie konnte das passieren?

Der Redaktion von „Bild“-München waren auf dem Foto von Benders Abgang „durch die Hintertür“ offenbar ein bisschen zu viele Leute zu sehen — schließlich ging er ja angeblich „kaum beachtet“. Also schnitt sie in ihrer gedruckten Ausgabe das Bild links an und ließ den Menschen mit dem iPhone verschwinden. Auf der rechten Seite reichte ebenfalls ein einfacher Schnitt, um einen weiteren Beobachter zu entfernen.

Den korpulenten Mann daneben ließ „Bild“ schließlich noch hinter einem schwarzen Textblock mit einem längeren Bildtext verschwinden — wobei der Redaktion irgendwann aufgefallen sein muss, dass unter dem Kasten noch die Beine herausragten. Also wurden die kurzerhand wegretuschiert. Aus dem Beobachter wurde ein Mann ohne Unterleib, was in der Zeitung nicht weiter auffiel, weil der Oberkörper vom schwarzen Kasten verdeckt wurde. Voilà:

Vermutlich hätte niemand etwas von der kleinen Manipulation gemerkt, wenn der Artikel nicht auch online veröffentlicht worden wäre — mitsamt dem retuschierten Foto. Bei Bild.de befreite man das Foto von den Fesseln des Print-Layouts und dem schwarzen Textkasten und ließ dem Mann ohne Unterleib freien Lauf.

Und so haben wir nicht nur etwas darüber gelernt, wie genau man sich bei Bild.de eigentlich ansieht, was man da veröffentlicht, sondern auch über den Aufwand, den man bei „Bild“ betreibt, damit ein Foto zur gewünschten Bildunterschrift passt.

Mit Dank an Stefan D.!

Nachtrag, 0:00 Uhr. Bild.de hat das Foto mit dem Mann ohne Unterleib unauffällig und ersatzlos gelöscht.