Was „Bild“ die „Sprache der Wahrheit“ nennt

„Mit über 12 Millionen Lesern täglich ist uns auch die Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft ein ernstes Anliegen.“
(„Bild“-Chef Kai Diekmann zu Johannes Paul II. und in „Bild“)

„Wir sind Papst!“ schrieb „Bild“ vor gar nicht allzulanger Zeit. Und zuvor war „Bild“ selbst beim Papst, hatte eine Volks-Bibel verkauft usw.

Gestern lautete die „Bild“-Schlagzeile anders: „Wird sie geköpft?“ nämlich (was ja schon den Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“, Michael Naumann, zu drastischen Worten greifen ließ).

Heute nun hat sich auch die Katholische Kirche, genauer gesagt, der Diözesanrat der Erzdiözese München und Freising als höchstes Laiengremium der Erzdiözese mit deutlichen Worten gegen den „Wird sie geköpft?“-Titel (anlässlich der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak) gewandt. Das Gremium wirft den Verantwortlichen der „Bild“-Zeitung vor, „unter bewusster Missachtung der Menschenwürde die Auflage steigern“ zu wollen, „mit sprachlicher Brutalität Schicksal gespielt“ und die Pressefreiheit „missbraucht“ zu haben.

PS: Bei Spiegel Online heißt es zudem, es seien inzwischen sechs Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen. Dort wird auch auf die Nachrichtenagentur ddp verwiesen, wonach die Mutter der Geisel „geschockt“ sei über den „Wahnsinn“ einiger Medien, das Schicksal ihrer Tochter so auszuschlachten.

PPS: Bei „Bild“ sieht man die Sache natürlich offenbar anders. Laut dpa sagte ein „Bild“-Sprecher, es gehe der Zeitung „allein darum, mit der Sprache der Wahrheit diesen abscheulichen und widerlichen Akt des Terrors, nämlich einen angekündigten Mord, deutlich beim Namen zu nennen, auch wenn dies schrecklich sei“.

Mit Dank an Roland B. und andere für die Hinweise.