„Cambridge Analytica“, „RT“-Erfolg, Markworts „Stammtisch“-Aus

1. Cambridge Analytica: Mehrere Untersuchungen angekündigt, mögliche Billionenstrafe für Facebook
(heise.de, Martin Holland)
„Cambridge Analytica“ steht mal wieder im medialen Fokus. Die Datenanalysefirma, die mit Microtargeting bei Facebook angeblich Donald Trump ins US-Präsidentenamt gebracht haben soll, könnte über viel mehr Informationen zu viel mehr Facebook-Profilen verfügen als bisher bekannt — die Rede ist von 50 Millionen Nutzerkonten. Während die Erhebung der Daten wohl legal war, soll die Weitergabe an und die Nutzung durch „Cambridge Analytica“ illegal gewesen sein. All das kam nun raus, weil ein Whistleblower im „Guardian“ und bei der „New York Times“ ausgepackt hat. In seiner Geschichte spielen auch Trumps früherer Berater Steve Bannon und Russland eine wichtige Rolle. Jürgen Hermes hat sich auf Grundlage der aktuellen Entwicklungen noch einmal angeschaut, ob „Cambridge Analytica“ wirklich zur individuell passgenauen Beeinflussung fähig ist, und ist skeptisch. Die Enthüllungen rund um das Datenunternehmen gehen unterdessen weiter: Der britische Sender „Channel 4“ hat mit versteckter Kamera Vertreter von „Cambridge Analytica“ gefilmt, die behaupten, sie könnten Politikern mit Hilfe von Bestechung und ukrainischen Sexarbeiterinnen Fallen stellen und so Einfluss auf Wahlen nehmen.

2. Putins Propagandasender verbucht Erfolg in Deutschland
(welt.de, Martin Niewendick)
Der russische Propaganda-Sender „RT Deutsch“ komme „seinem Ziel näher, eine etablierte Größe in der deutschen Medienlandschaft zu werden“, schreibt Martin Niewendick. Das klappe auch, weil öffentlich-rechtliche Redaktionen den Chefredakteur des vom Kreml finanzierten Senders immer wieder in ihre Talkrunden einladen. Erst gerade habe Ivan Radionov bei „Phoenix“ eine Verschwörungstheorie zur Vergiftung des Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter verbreiten können.

3. Mario Barth deckt auf: Stotterer-Witze nicht lustig
(ndr.de, Andrej Reisin)
Mario Barth hat in seiner RTL-Sendung „Mario Barth deckt auf“ den Leiter der Berliner Justizvollzugsanstalt Plötzensee nachgeäfft, der bei einer Pressekonferenz zu einem Gefängnisausbruch nach Worten ringt: „Da kommt selbst der Gefängnisleiter ins Stottern“, so Barth vor seiner Prodie. Nur: Der Anstaltsleiter hat tatsächlich eine körperlich bedingte Sprachstörung — er stottert. RTL will nun um Entschuldigung bitten.

4. Die AfD-Politiker sind der rassistischen Gruppe „Unser Deutschland patriotisch & frei” aktiv beigetreten, sagt der Administrator
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
23 Bundestagsabgeordnete der AfD sollen Mitglied in einer rassistischen Facebook-Gruppe gewesen sein, in der es auch Hakenkreuz-Verherrlichung gab und Mordfantasien gegen Angela Merkel geäußert wurden. Die AfD verteidigte sich in einer Stellungnahme: mindestens 20 Mitglieder der Fraktion seien „ohne Kenntnis und Einverständnis“ zu „Unser Deutschland patriotisch & frei“ hinzugefügt worden. Der Administrator der Gruppe sagt nun: ein automatischer Beitritt ohne aktive Zustimmung ist gar nicht möglich.

5. Die EU verweigert uns Presseakkreditierung, weil wir keine Medienorganisation seien
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Ein Redakteur von Netzpolitik.org hat eine Jahresakkreditierung bei der EU beantragt, diese aber nicht bekommen. Die Begründung: der EU-Kommission „Netzpolitik“ sei keine Medienorganisation. Chefredakteur Markus Beckedahl und sein Team wollen sich „gegen diese Einschränkung der Pressefreiheit“ wehren.

6. Helmut Markwort muss seinen BR-„Stammtisch“ aufgeben
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der ehemalige „Focus“-Chefredakteur Helmut Markwort will in die Politik: Bei der im Herbst stattfindenden Landtagswahl in Bayern steht er auf Listenplatz 32 der oberbayerischen FDP. Da laut einer Sprecherin des „Bayerischen Rundfunks“ eine „Kandidatur für ein politisches Amt und die Moderation einer Sendung im BR“ unvereinbar sei, muss Markwort die Moderation des „BR“-„Stammtischs“ aufgeben.