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„Bild“ findet Sexualstraftäter sexy

Dass Erwachsene mit Minderjährigen Sex haben, ist nach deutschem Recht unter Umständen erlaubt. Entscheidend ist dabei u.a. dass der/die Minderjährige mindestens 14 Jahre alt ist und der/die Erwachsene dabei nicht „die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt“. Anderfalls droht — je nach dem — eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren (siehe § 176 und § 182 StGB).

In den USA gelten andere Gesetze. Dort sind Erwachsenen sexuelle Handlungen mit Unter-18-Jährigen verboten und können schlimmstenfalls mit 30 Jahren Gefängnis bestraft werden (siehe Protect Act of 2003).

Man könnte auch sagen, die Gesetzeslage in Deutschland und den USA ist gar nicht so verschieden — außer, dass man hierzulande schon ab 14 Jahren juristisch nicht mehr als „Kind“ gilt, in den USA jedoch erst ab 18.

Man könnte auch vermuten, dass „Bild“ mit der deutschen Regelung nicht vertraut nicht einverstanden ist: Als „Bild“ im Sommer 2004 in Erfahrung brachte (und aufschrieb), dass in Cottbus ein 42-jähriger Mann völlig legal mit einer 14-Jährigen zusammenlebte, und die Geschichte im Frühjahr 2005 abermals an die Öffentlichkeit zerrte, nannte die „Bild“-Zeitung (die immerhin auch sog. „Serien-Vergewaltiger“ und „Kinderschänder“ gerne mal als „Sexmonster“ bezeichnet) den Mann aus Cottbus ein „tätowiertes Liebesmonster“ — und behauptete wahrheitswidrig, „Sex zwischen einem Erwachsenen und einer 15jährigen“ sei „verboten.“

Völlig anders sieht der Fall für „Bild“ offenbar aus, wenn es sich nicht um den 42-jährigen „Manfred W.“ aus Cottbus handelt, sondern um die 24-jährige Debra Lafave aus Florida, die als Lehrerin Sex mit einem 14-jährigen Schüler hatte (was – wie gesagt – in den USA strafbar ist und u.U. sogar hierzulande gemäß § 174 StGB als „sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen“ strafbar wäre). Denn, obwohl auch die jetzt verurteilte Lafave eine Tätowierung trägt, nennt „Bild“ sie vergangenen Donnerstag keineswegs ein „tätowiertes Liebesmonster“, sondern „sexy Debra“, „Blondine“, „Amerikas schönste Lehrerin“ oder „Verführungsbiest“ und schreibt online unter der merkwürdigen Überschrift „Die Lust-Schule der schönen Lehrerin“ sogar:

„So schön ist die Sex-Lehrerin – hier klicken!“

Die Meldung über Lafaves Verurteilung* illustriert Bild.de zudem mit einem Foto aus dem „Makes & Models Magazine“, für das sich die Lehrerin in der Vergangenheit leicht bekleidet hatte ablichten lassen, während die gedruckte „Bild“ sich lieber für ein Foto Lafaves in der Badewanne entschieden hat. Und dass sie aufgrund ihrer Sexualstraftat künftig nicht mehr als Lehrerin arbeiten darf, ist für „Bild“ zum Schluss nur noch ein Anlass, schlüpfrig herumzuwitzeln:

Und das werden viele Schüler in Amerika sicher bedauern.

*) „Bild“ schreibt, als Strafe müsse sie „nun drei Jahre jeden Abend um 22 Uhr zu Hause sein. Sie darf frühestens wieder um 6 Uhr morgens raus. Abendessen mit Freunden, Kino, private Verabredungen – alles verboten! Nur arbeiten darf sexy Debra.“ Und in der Tat ist Lafave mit drei Jahren Hausarrest und sieben Jahren Bewährung glimpflich davongekommen. US-Medien weisen allerdings darauf hin, dass sich ihr Leben dennoch „dramatisch“ ändern werde: So hat ihr die Erziehungsbehörde den Ausbildungsabschluss aberkannt, sie unterliegt der öffentlichen Meldefrist und gilt fürderhin als „sexual offender“ (auf deutsch: Sexualstraftäterin).

Mit Dank an Rossi für die Inspiration.

Nachtrag, 28.11.05:
Um genau zu sein, ist in den USA Sex mit Unter-18-Jährigen in einigen Bundesstaaten verboten, Sex mit Unter-16-Jährigen generell.