Verdammte Schnürsenkel

Der diensthabende Hitler-Beauftragte von „Bild“ war offensichtlich in Eile, als er den Artikel über den Diebstahl von Hitlers Parteiabzeichen schrieb. Da steht:

Der Einbrecher war Kletter-Profi. Er seilte sich zum Ausstellungskasten ab, schlug ihn ein. Auf dem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie er sich in aller Ruhe die Schuhe zubindet.

Was für ein eiskalter Hund, könnte man meinen. War der Einbrecher aber gar nicht, sondern eher ein Trottel. Zumindest steht das in der „Times“, auf die sich „Bild“ ausdrücklich bezieht. Denn nicht nur, dass der Einbrecher laut „Times“ einen Alarm auslöste, er entkam auch durch pures Glück:

„If only our policemen on guard hadn’t been tying up the laces on their boots,“ the investigator said, „he would have been caught on the spot.“

Zum einen meint das also die Schnürsenkel der Polizisten und nicht die des Einbrechers. Und zum anderen beschleicht einem beim Lesen der Beschreibung des Einbruchs in der „Times“ der Verdacht, dass das mit dem Binden der Schnürsenkel nicht einmal wörtlich gemeint ist, sondern eher im Sinne von: Wären unsere Polizisten nicht so lahmarschig gewesen, hätten sie ihn noch am Tatort geschnappt.

Elende Fremdsprachen.

Nachtrag, 18.22 Uhr: Anders als „Bild“ schreibt, hatte Magda Goebbels übrigens nicht fünf Kinder, sondern sechs. Das hätte „Bild“-Autor Paul C. Martin einfach korrekt aus dem „Times“-Artikel abschreiben können — oder aus „Bild“.

Nachtrag, 26. November: Genau genommen hatte Magda Goebbels sieben Kinder, aber hier (und in „Bild“) ging es nur um die sechs, die sie im Führerbunker mit in den Tod nahm (Harald Quandt aus erster Ehe war schon erwachsen).

Danke an Christian W. und Catharina!