Landesmedienanstaltentum, G20-Hilfspolizei, EU-Video-Verfügbarkeit

1. G20: Polizei will Aufnahmen von Journalisten
(ndr.de, Robert Bongen & Caroline Schmidt)
Die Hamburger Polizei hat zahlreiche Medienhäuser darum gebeten, ihr bisher nicht veröffentlichtes Bildmaterial rund um die G20-Ausschreitungen zur Verfügung zu stellen. Man wolle Beweismittel sichten und Straftäter identifizieren. Nach „Zapp“-Informationen seien mehrere Medien der Bitte offenbar nachgekommen. Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bezeichnet das Vorgehen der Hamburger Polizei als nicht gerechtfertigt: „Es gilt zuallererst das Redaktionsgeheimnis, es gilt zuallererst, die Presse- und Meinungsfreiheit zu schützen. Das ist gesetzlich verankert. Man kann nicht von den Medien verlangen, eine Art Hilfspolizist zu werden.“

2. Peinliche Medienaufseher
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier widmet sich der Causa Marc Jan Eumann (SPD). Der ehemalige Staatssekretär in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen ist nicht nur unter fragwürdigen Umständen zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt LMK gewählt worden, sondern hat auch ein denkwürdiges Interview im „Deutschlandfunk“ gegeben. Darin hat er Interviewerin Isabelle Klein belehrt, sie möge ihm gefälligst zu seiner Wahl gratulieren. Auf kritische Fragen reagierte der Mann, der demnächst landesweit für eine bessere Medienkompetenz sorgen soll, wie auf eine Majestätsbeleidigung. Stefan Niggemeier ordnet die Personalie ein: „Die ganze Geschichte wirkt wie eine große Versuchsanordnung, die nur einem Zweck dient: den Irrsinn des Landesmedienanstaltentums in Deutschland zu demonstrieren. Mit sämtlichen Zutaten: überforderte Chefs, Parteienklüngel, Regionalklüngel, föderales Chaos.“

3. Dieses Video könnte in Ihrem Land verfügbar sein
(sueddeutsche.de, Thomas Kirchner)
Die EU modernisiert ihr Urheberrecht. Dazu gehört auch die Frage, ob Medieninhalte grenzüberschreitend online konsumierbar sein müssen, also ob zum Beispiel ein Deutscher in Italien Zugriff auf die ARD-Mediathek haben muss. Bei dem hochemotional ausgefochtenen Streit um die Ausgestaltung des Gesetzes geht es auch ums liebe Geld: Die Filmindustrie sieht sich bedroht, wenn entsprechende Länderlizenzen entfallen. Thomas Kirchner erklärt die unterschiedlichen Positionen des Streits, der nächste Woche auf einen neuen Höhepunkt zuläuft.

4. Twitter-Berichterstattung: Schäubles Haltung im Vergleich völlig antiquiert
(netzpolitik.org, Arne Cypionka)
Vor zwei Wochen teilte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble den Abgeordneten mit, dass Twitter im Plenarsaal unerwünscht sei. Die Regel sorgte für Unverständnis und Spott, auch weil Schäuble selbst schon beim heimlichen Sudokuspielen erwischt worden war. Netzpolitik.org hat recherchiert, wie die Landesparlamente und das Europaparlament mit dem Thema umgehen, und die Ergebnisse in einer interaktiven Karte dargestellt. In den meisten Landtagen sei es kein Problem, Laptops zu nutzen oder Zeitungen zu lesen.

5. Aktivistinnen statt Trump
(taz.de, Sibel Schick)
Das amerikanische „Time Magazine“ hat die Frauen und Männer hinter #MeToo zur „Person of the Year“ erklärt. Die Wahl sei ein stärkendes Zeichen für alle Überlebenden sexualisierter Gewalt, so Sibel Schick in der „taz“. Dennoch bleibe ein unangenehmer Beigeschmack, denn letztes Jahr habe ausgerechnet Donald Trump als Preisträger das Cover geschmückt. „Wer weiß, #MeToo mag gerade Stimmung sein, nächstes Jahr ist wieder ein Macho dran. Man sollte sich nicht allein auf die Anerkennung der Großen verlassen.“

6. Dieser 26-Jährige Affiliate baut seit zehn Jahren Facebook-Pages – Das sind seine Learnings
(omr.com, Torben Lux)
Der 26-jährige Markus David König hat vor ein paar Jahren die Schule geschmissen und beschäftigt sich seitdem hauptberuflich mit der Vermarktung seiner diversen Facebookseiten. Im Gespräch mit „OMR“ erzählt König, wie er Seiten mit Hunderttausenden Fans aus Indien gekauft hat, dass in der Folge sein gesamtes Portfolio gesperrt wurde, und mit welchen Mitteln er seine rund zwei Millionen Fans heute monetarisiert.