#Metoo und Kameraschwenks, Rechter Netzjargon, PR-Sprech

1. „Jede Institution hat einen Weinstein“
(spiegel.de, Arno Frank)
Arno Frank kommentiert die „Anne Will“-Sendung, bei der Sexismus als „strukturelles Problem“ diskutiert wurde: „Sexismus ist, wenn Laura Himmelreich bei „Anne Will“ gerade über Sexismus als „strukturelles Problem“ referiert — und der Kameramann auf die rosafarbenen Stilettos von Verona Pooth zoomt, um dann laaangsam die Beine hinaufzufahren. Besser als mit dieser praktischen Übung hätte man #MeToo nicht auf die Meta-Ebene überführen können.“
Mittlerweile hat sich die Pressesprecherin von Anne Will dazu geäußert: „Diese Form der Bildführung widerspricht den redaktionellen und bildlichen Grundsätzen der Sendung. Der zuständige Regisseur bedauert den Fehler.“

2. A wie Alt-Right Netzjargon
(br.de, Tobias Zervos & Julian Wenzel)
Weiße Nationalisten, Anti-Feministen, Trump-Supporter und Verschwörungstheoretiker haben eines gemeinsam: den Alt-Right-Netzjargon. Dabei handelt es sich um „eine Art sprachlichen Erkennungscode der Ultrarechten“, der mit frei erfundenen englischen Begriffen gespickt sei. Bei „BR puls“ werden ein paar der Alt-Right-Begriffe vorgestellt und erklärt: vom frauenabwertenden „Femoids“ bis zu „Transtrender“, der rechten Spottbeschreibung für Transgender.

3. 7 Gedanken, die ich vom VOCER Innovation Day mitgenommen habe
(stift-und-blog.de, Sonja Kaute)
Die Medienjournalistin Sonja Kaute hat am Wochenende den „Vocer Innovation Day“ in Hamburg besucht. Ein Treffen, bei dem „innovative Konzepte für den Journalismus von morgen entworfen und diskutiert werden“. Sie hat sich dort wohlgefühlt: Statt des üblichen Gejammers über den Niedergang des Journalismus hätte dort Aufbruchstimmung und Optimismus, Gründergeist und Tatendrang geherrscht. Wieder zu Hause angekommen, hat sie sieben Gedanken notiert, die sie von der Veranstaltung mitgenommen hat. Dabei geht es um Themen wie Daten und Analyse, Personalisierung und Automatisierung, Diversität und Qualitätssicherung sowie neue Storytelling-Formate.

4. Auf Sansibar leben Menschen
(taz.de, Belinda Grasnick)
Belinda Grasnick kritisiert in der „taz“ eine Karikatur auf der Panorama-Seite der „SZ“, die einen Text über den Umgang der Sansibarer mit Sansibars berühmtem Landessohn Freddy Mercury begleitet. Auf der Zeichnung sieht man, wie Affen ein offensichtlich schwules Pärchen mit Steinen bewerfen. Grasnick dazu: „Sansibarer als Affen darzustellen, ist mehr als nur geschmacklos. Derartiges Verhalten kennt man aus rechten Foren und Fußballstadien — und auch dort muss es bekämpft werden. Dass ein solches Bild aber in einer überregionalen Tageszeitung verbreitet wird, ist kaum zu glauben.“

5. Wollen wir Freunde sein?
(sueddeutsche.de Alexandra Föderl-Schmid)
Sexismus in der Medienbranche ist leider auch in Israel ein Thema. Dort sind gleich mehrere berühmte Journalisten involviert. Es geht um Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe und Sex-gegen-Job-Angebote. Bei einem der Beschuldigten handelt es sich um den Mitbegründer des größten privaten TV-Senders Israels, der nach Bekanntwerden der Vorwürfe von seinem Posten als Präsident des Senders zurückgetreten ist. „Vorübergehend“, wie er sagt.

6. Faktenchecker und Mauerbauer
(tagesspiegel.de, Stephan Russ-Mohl)
Faktencheck-Redaktionen, Paywalls, Entrepreneurial Journalism — dem PR-Sprech sollte nicht nur wegen der Anglizismen entgegengetreten werden, findet Stephan Russ-Mohl im „Tagesspiegel“: „Wenn die Wortwahl den Ernst der Lage eher ver- als erklärt, dann haben wir es, genau besehen, mit PR-Sprech zu tun. Also mit einem Sprachgebrauch von Spin-Doktoren, dem „gute“ Journalisten und Wissenschaftler nicht nur wegen der Anglizismen den Kampf ansagen sollten.“