Tracking-Blockade, Döpfner-Verrenkungen, Tatort-Entschuldigung

1. Adblocker sind nur der Vorgeschmack
(medienwoche.ch, Thomas Paszti)
Der Schweizer Medienkonzern „Tamedia“ sperrt neuerdings Nutzer von Adblockern auf 20min.ch und tagesanzeiger.ch aus. Schließlich will man unbedingt seine Werbung ausspielen. Dem steht jedoch aus Nutzersicht ein weiteres, weit gravierenderes Problem entgegen, so Thomas Paszti in der „Medienwoche“: Das Tracking und Profiling, ohne das moderne Onlinewerbung nicht mehr auskomme. „Programmatic Advertising“, also gezielte Ausspielung von Onlinewerbung aufgrund von möglichst vielfältigen und genauen Nutzerdaten, sei der heilige Gral der Verlage/Plattformen wie auch der Onlinewerber. Aber damit könne bald schon Schluss sein.

2. Wahrheitssucher, die eine Lüge verteidigen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender bei „Axel Springer“, hat die Online-Aktivitäten der ARD als „gebührenfinanzierte Staatspresse“ bezeichnet. Als sich daraufhin Protest erhob, behauptete er, er habe das so nie gesagt, und holte zum Gegenschlag aus: Man habe ihn „böswillig“ missverstehen wollen. Es gibt jedoch handfeste Belege, dass Döpfner sich genau so ausgedrückt hat. In seinem Interessendunstkreis will dies jedoch keiner zugeben, geschweige denn richtigstellen. Also halten sich alle die Augen zu und verrenken sich in verdrehten Stellungnahmen. Stefan Niggemeier kommentiert den un- und merkwürdigen Vorgang.

3. ARD kritisiert eigenes Social-Media-Team wegen „Tatort“-Entschuldigung
(spiegel.de)
Während des „Tatorts“ am Sonntagabend ereignete sich die Schießerei in einer Kirche in Texas. „Das Erste“ blendete eine Eilmeldung ein, was bei vielen Zuschauern für Unmut sorgte. Daraufhin entschuldigte sich die Social-Media-Redaktion für die Einblendungen. Dies wiederum geht der Programmdirektion in München zu weit: „So weit gehen wir eigentlich nicht, dass wir uns entschuldigen.“

4. Anja Reschke: „Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien ist eigentlich eine Demokratiekrise“
(kress.de, Anna von Garmissen)
Bei den 31. „Münchner Medientagen“ ging es unter dem Motto „Media.Trust.Machines“ um die Glaubwürdigkeitskrise der Medien. Was können Medien tun, um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen? „Kress“ hat verschiedene Stimmen zusammengetragen.

5. Kampf um Wertschätzung für journalistische Arbeit
(deutschlandfunk.de, Ludger Fittkau)
Auf dem Verbandstag der größten deutschen Journalistengewerkschaft haben die Zeitungsredakteure deutlich mehr Lohn gefordert und über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems diskutiert. Immerhin hätten die Zeitungsredakteure noch einen Tarifvertrag, im Online-Journalismus herrsche Wildwuchs, beklagt der freie Journalist Christian Esser: „Im Bereich Online-Journalismus ist im Prinzip noch keine wirkliche Ordnung überhaupt, die sich erkennen lässt. Es ist alles kreuz und quer, jeder Verlag, jeder Arbeitgeber hat wie auch immer seine eigenen Bezahlweisen. Die sind sehr, sehr unterschiedlich. Ob nach Wort, pro Zeile, auch für die Fotos. Es ist ganz schwierig.“
Weiterer Lesetipp: „Verbandstag in Würzburg: DJV-Chef Frank Überall empfiehlt Mathias Döpfner Volkshochschulkurs“.

6. The Year in Push Alerts
(slate.com)
Das Onlinemagazin „Slate“ (seit 2004 im Besitz der „Washington Post“) hat einen animierten Zeitstrahl mit allen Push-Nachrichten der „New York Times“ der vergangenen zwölf Monate erstellt. Man kann darin navigieren und verschiedene Filter einstellen („All Push Alerts/Only Trump/No Trump“). Angehängt sind sechs Beiträge zum vergangenen Jahr im Allgemeinen und der Trump-Zeit im Besonderen.